Nr, 66 SONNTAG, 16. Sepi. 1934 Verlag; Karlsbad, Haus„Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt: Der geniale Plan Niederlage der faschistischen Philosophie Deutsdiland hungert für Thyssen Grenzen der Gewalt Her- KrteMverllerer ohne Krtes Wer am Tage nach Schluß des Nürnberger Parteitages die Presserevue des Deutschlandsenders hörte, konnte glauben, die ganze Welt habe mit angehalte- nem Atem nach Nürnberg gelauscht. In Wirklichkeit war die Interesselosigkeit, der die Nürnberger Parade überall außerhalb Deutschlands begegnete, geradezu überraschend. Im allgemeinen hat man sich darauf beschränkt, aus den endlosen Reden Hitlers einige der dümmsten Sätze— �ie z. B. den über das kommende revolutionsfreie Jahrtausend— abzudrucken und sich über sie lustig zu machen. Das ernste politische Interesse gehörte in diesen Tagen Genf. Als vor bald einem Jahre Deutschland den Völkerbund verließ, konnte sich Hit- kr die Genialität seiner Tat durch eine Volksabstimmung bestätigen lassen. Möglicherweise hätte sich auch ohne Terror und Zählungsschwindel eine Mehrheit für den Austritt gefunden, denn erfahrungs- Semäß läßt sich das Volk auf keinem Gebiet leichter zu Torheiten verleiten, als auf dem der Außenpolitik. Heute aber ist klar, daß mit dem„starken Schritt" von Genf uichts von dem erreicht worden ist, was nüt ihm erreicht werden sollte, sondern dnr das Gegenteil davon. In der Wilhelmstraße hielt man vor ®inem Jahr den Völkerbund für eine sterbende Institution. Ihr wollte man mit dem Austritt den Todesstoß versetzen. Fiel der Völkerbund, so war die Bahn frei für eine neue Bündnispolitik alten Stiles; der mili- iürisch Stärkste war dann der gesuchte- Partner und konnte für die Dienste, die er den schwächeren leistete, kassieren. eu Völkerbund zerstören und durch fie- Ucrhaftes Rüsten sobald wie möglich wie- er der Stärkste werden, das war das Ziel. Was ist nun erreicht worden? �er Völkerbund ist seit dem Austritt eutschlands nicht schwächer, sondern .rker geworden. Er hat freilich seitdem ,IIlen Charakter geändert, indem er aus !'®er■— im Sinne der alten Kriegsgegner- baften— überparteilichen Organisation eder zu einer Organisation der Alliierten geworden ist. Die beabsichtigte Wirkung er Rückkehr zum alten Bündnissystem ist Reicht— freilich in der Weise, daß sich '�egegenDeutschland verbündet uuben. Der polnische Tagesfreund, der � enbei auch der militärische Verbündete rankreichs ist, vorläufig ausgeschlossen! Auf dem Ratsstuhl, den Neurath verlas- r 11 hat, läßt sich Litwinow nieder. Der Ussische Bolschewismus, vor dem Hitler �16 Welt gerettet hat, feiert diplomatische �Umphe. Daß er das tut im krassen Ge- ®usatz zu gewissen Komintern-Theorien er den Völkerbund und zur Blamage sei- er eigenen Freunde in Europa wird ihn enig kränken. Er hat den Kordon der 0ralischen Isolierung durchbrochen und auch ohne Beitritt Deutschlands zum etpakt— für den Fall eines japanischen ngriffs seinen Rücken gedeckt Dem Aus- � Uch des Dritten Reichs und dem Austritt e��blands aus dem Völkerbund dankt eine gewaltige Besserung seiner euro- ai8chen Situation. Er vor allen hat das '�ht, dankbar zu rufen:„Heil Hitler!" � Aber nicht nur er— die ganze Welt, Ip�it sie in Genf versammelt ist, hat al- Grund, dem Führer und Reichskanzler s.tl Dauktelegramm zu schicken. Er hat g,6 Geeinigt Germanen, Romanen und S(�Ven' Demokraten, Faschisten und Bol- 6wisten, alle umschlingt als einigendes anci der Wille nicht hitlerisch zu werden und dem Dritten Reich keinen außenpolitischen Erfolg zu gestatten. Die Ablehnung des Ostpakts durch Berlin kann den Gegnern Deutschlands genau so willkommen sein wie seinerzeit der Austritt aus dem Völkerbund. Der Völkerbund ohne Deutschland ist ein Bund der Sieger über Deutschland. Der Ostpakt ohne Deutschland muß automatisch zum Ostpakt gegen Deutschland werden. Und Polen? Solange Polen der Bundesgenosse Frankreichs ist und seine Bundespflichten achtet, ziehen Verpflichtungen, die Frankreich im Osten übernimmt, auch entsprechende Folgen für Polen nach sich. Es besteht kein Grund zur Annahme, daß sich Polen seinen Pflichten entziehen will, desto klarer ist, daß es für ihre Erfüllung noch einmal bezahlt werden möchte. Es hält an seiner Tagesfreundschaft mit Deutschland fest, um sie so teuer wie möglich zu verkaufen. Polen verdankt Hitler viel. Hitler hat Polen für alle absehbare Zeit den ungestörten Besitz der ehemals deutschen Gebiete, des polnischen Korridors, Posens und Ost-Oberschlesiens gesichert. Nicht genug damit— unter Hitlers Herrschaft und mit seiner Mitwirkung ist auch der fünfzehnjährige deutschpolnische Kampf um Danzig zugunsten Polens entschieden worden. An diesen Leistungen gemessen war der Verzicht auf Südtirol, mit dem die Nationalsozialisten die Freundschaft Mussolinis erkaufen wollten, ein Pappenstiel. Wen kann es wundem, daß Polen die Gunst der Stunde wahrnimmt und die Dummheit und Unfähigkeit der gegenwärtigen deutschen Regierung bis zum letzten ausnutzt Ist nichts mehr zu holen, heißt es Adieu— und auf Germanias Hinter backen wird neben der kräftigen Spur Mussolinis auch Pilsudskis Schuhnummer sichtbar werden. Hitler hat wahrhaftig Großes voll bracht! Er hat Oesterreich italienisch gemacht, Danzig polnisch— am Ende bringt er es auch noch fertig, das lOOprozentig deutsche Saargebiet französisch zu machen. Der Mann braucht gar keinen Krieg mehr zu führen— er verliert ihn auch so! Deutschland ist nach anderthalb Jahren seiner Herrschaft außenpolitisch so ge schlagen, als ob es mehrere Schlachten verloren hätte. Ein italienisches Blatt schrieb neulich, vierzehn Tage Diskussions freiheit in Deutschland würden genügen, die Hitlerherrschaft zu stürzen. Wenn es noch immer Millionen Deutsche gibt, die sich willig knechten und ausplündern lassen, so deshalb, weil diese armen Teufel ehrlich glauben, sie trügen dies für die Ehre und die Größe der Nation. Diesen Glauben können sie nur noch haben, weil sie betrogen und belogen werden schlimmer als während des Krieges! An dem Tage, an dem ihnen die Augen aufgehen, werden sie sich mit geballten Fäusten auf die Betrüger stürzen! Es gibt nur einen währen Erbfeind der Nation: Das ist der Nationalismus! Opfer des Pollzeiferrors Genosse Otto-Dresden in den Tod getrieben Der braune Terror hat in Dresden ein neues Todesopfer gefordert. Der verhaftete Genosse Otto hat sich in einer Zelle des Polizeipräsidiums Dresden nach gräßlichen Mißhandlungen erhängt. Es waren Polizeibeamte, die ihn gefoltert haben! Die Untersuchung gegen Otto lag in den Händen des Kriminalkommissars Weser. Dieser Bursche hat sich aktiv an den Mißhandlungen beteiligt. Bei der Einäscherung der Leiche Ottos waren viele Teilnehmer anwesend— vor allem sehr viele Frauen und Mädchen. Auch die Kriminalpolizei war zahlreich vertreten und schnüffelte. Sondergeridit Wie sie die Gefängnisse bevölkern. Das Hakenkreuzbanner Mannheim berichtet über Verhandlungen des badischen Sondergerichtes, in denen„kleinere" Fälle abgeurteilt wurden. Es handelt sich um Einzelfälle aus den vielen Tausenden, in denen ein paar Worte genügten, um die Maschine des Justizterrors in Gang zu setzen. Ein paar Worte am Wirtshaustisch, bei denen ein Spitzel zuhört, Verhaftung, monatelange Untersuchungshaft, Gefängnisstrafe, und dann? Das Naziblatt berichtet; „In der Schloß-Wirtschaft in Edingen saß am 13. Juni d. J. der 27 Jahre alte Franz E. und legte los:„Nur noch einige Tage, dann sind wir dran, dann jagen wir die Nazis in den Schnee. Ich kämpfe nur für eine Idee, und das ist der Kommunismus., Ich bin Kommunist und bleibe Kommunist." Und so ähnlich. E. ist wohl nie Mitglied der KPD. gewesen, mag aber mit ihr sympathisiert haben. Er gibt zu, eine Aeußerung gemacht zu haben, kann sich aber an den genauen Wortlaut nicht mehr erinnern. Acht Monate Gefängnis abzüglich drei Wochen Untersuchungshaft werden ausgesprochen. Der verheiratete 35 Jahre alte Gustav Z. aus Mauernhelm hatte am 1. Juni d. J. gerade Zahltag und genehmigte sich einige Halbe im„Auerhahn" in Singen am Hohentwiel. Er will nach seinen Angaben betrunken gewesen sein, als er anderen Arbeltern gegenüber, die mit der heutigen Zeit zufrieden sind, geäußert haben soll: „Ihr seid alle Verkäufer der Arbeiterklasse. Warte t's mal ab, in einem Vierteljahr sind unsere Wiesen wieder grü n." Z. meint, er sei innerlich gar nicht so eingestellt, daß er sowas sagen könnte. Das Urteil lautet auf neun Monate Gefängnis, abzüglich sechs Wochen Untersuchungshaft. Der dritte Fall spielte sich am 28. Mai im„Schiff" in Freiburg und ein zweites Mal am 27. Juni im„Wilden Mann" in Ehrenstetten ab. An beiden Tagen hatte sich der verheiratete, in Freiburg wohnhafte 47 Jahre alte Anton R. aus Salzstätten in abfälliger Weise über dlo heutige Regierung geäußert, will aber auch so betrunken gewesen sein, daß er nicht mehr weiß, was er geredet hat. R. erlitt im Felde eine schwere Kopfverletzung durch einen Granatsplitter, will auch 1930 bei einem politischen Zusammenstoß einen Schädelbruch mit einer schweren Gehirnerschütterung erhalten haben. Bez.-Arzt Dr. Kreß stellte bei dem Angeklagten verminderte Zurechnungsfähigkeit fest, weshalb auch nur(!) auf zehn Monate Gefäng- n 1 s abzüglich einem Monat Untersuchungshaft erkannt wurde." Soweit das Nazi-Organ. Der Vorsitzende dieses Terrorgerichts heißt Dr. Seitz, Landgerichtsrat von Hitlers Gnaden. Es ist eine Freude, an deutschen Wirtshaustischen zu sitzen! Sozialismus und Philosophie Von Siegfried Marek(Paris.) Unsere geschichtliche Epoche kennt wahrlich keine philosophische Beschaulichkeit, kein ruhiges Ernten historischer Erfahrungen in besinnlichen Systemen. Nicht nur dem Dritten Reiche konnte ein preußischer Ministerialdirektor bestätigen, daß es nicht aus dem Geiste der Philosophie, sondern aus dem Geiste der SA geboren sei— auch sympathischere Gebilde werden im geschichtlichen Kampfe aus individuellen Leidenschaften und kollektiven Interessen geschaffen. Erst die nachdenkende Philosophie soll dann Reflexion und Rechtfertigung bringen. Und dennoch ist das starke, auch gelegentlich des Prager Kongresses wieder hervorgetretene Interesse für die Philosophie in einer so wildbewegten Zeit nicht nur der Ausdruck einer Flucht aus der geschichtlichen Wirklichkeit in die Metaphysik. Sondern man sucht im Gegenteil nach Orientierung für die Zukunft und hat das richtige Gefühl dafür, wie stark auch die Politik, ja vor allem sie, von einem Gesamtweltbilde abhängig ist. Der Marxismus hat die Philosophie von ihrem nachträglichen Charakter, ihrem hinter den Ereignissen Herhinken, befreien wollen. Der Satz, daß die Philosophen die Welt nur verschieden interpretiert haben, daß es aber darauf ankommt, sie zu verändern, ist nicht nur der Ausdruck einer kämpferischen Stimmung, sondern einer sich ihrer selbst klar bewußten kämpferischen Philosophie. Und doch steckt in diesem„Real-Humanis- mus" oder dialektischen Materialismus auch eine antiphilosophische Tendenz; Aufhebung, Ueberflüssigmachung der Philosophie durch ihre kämpferische Selbstverwirklichung. Als eine ganz ursprüngliche wesenhafte Richtung des menschlichen Geistes aber läßt sich Philosophie schlechterdings nicht auflösen: weder in den Klassenkampf für den Sozialismus, noch in die menschliche Alltagsarbeit einer verwirklichten sozialistischen Ordnung. Philosophie ist nicht eine Haltung, die nur aus der bisherigen Struktur der menschlichen Gesellschaft und ihres elenden Alltags ableitbar wäre, und die mit einem besseren Alltag verschwinden müßte. Sie bleibt grundsätzlich und wurzelhafte Einstellung, die über jeden denkbaren Alltag herausstrebt. Wegen des antiphilosophischen Moments im Marxismus gelingt es nicht, ein philosophisches Weltbild aus dem Geiste des dialektischen Materialismus a 1 1 e i n zu schaffen.(Wie alle Versuche dazu deutlich gezeigt haben.) Der historische Materialismus hat als Methode der Geschichtsforschung sein selbständiges Eigenrecht. Seine philosophische Tendenz muß sich jedoch jeweüs einordnen in eigenlich philosophische Konzeptionen, und so hat er stets bei anderen Gesamtweltbildem Anlehnung gesucht. In der heutigen Situation der Philosophie heben sich aus der Fülle der Richtungen drei besonders deutlich hervor: 1. der kritische Idealismus, 2. die erneuerte Metaphysik(die sich in ihrer wirksamsten Strömung Existenzphilosophie nennt), 3. der radikale Posivitismus und Empirismus. Die existenzphilosophische Metaphysik ist zum großen Teil(es gibt einige Ausnahmen) heute die Modephilosophie des Faschismus. Wie dieser selbst enthält sie pseudosozialistische Motive und unzureichende Lösungsversuche für Probleme, die gestellt zu haben allerdings der Marxismus für sich beanspruchen kann. Aber die antikritische und antizivilisatorische Haltung dieser Metaphysik, ihr romantischer Nebel, ihre Feindschaft gegen Vernunft und Wissenschaft macht sie zum natür liehen Gegenspieler der marxistischen Einstellung. Diese Metyphysik ist der Ausdruck bürgerlichen Niederganges und eines dekadenten Krampfes, der sich selbst als Anbruch eines tausendjährigen Reiches verkündet. Wo Positivismus als Ausdruck intellektueller Rechtschaffenheit den Geist der Wissenschaftlichkeit gegen reaktionäre Romantik setzt, kann er unserer vollen Sympathie gewiß sein. Wo dieser Positivismus jedoch den durchaus bürgerlichen Materialismys des achtzehnten Jahrhunderts zu' erneuern sucht, wo er diejenigen Elemente des Aufklärungsdenkens, die nun einmal überwunden sind, festhält, d a leistet er selbst einer dogmatischen Enge Vorschub. Wir aber brauchen nach dem politischen Zusammenbruch in Mitteleuropa mehr denn je: Weite und Aufgeschlossenheit, Unnach- giebigkeit zwar gegen Modeströmungen, aber Offenheit für alles Neue und Werdende. Als kritische historische Materialisten haben wir keine Veranlassung, das naturalistische Dogma mitzumachen, welches das Eigenrecht der Psychologie, die methodische Selbständigkeit der Geisteswissenschaften gegenüber den Naturwissenschaften leugnet Diejenigen, die heute mit den Methoden einer Spezial- wissenschaft der Philosophie erst zur Wissenschaft erheben wollen, verkennen die Autonomio der Philosophie, die In dem Kritischen Kants ihre grundlegende Methode erhalten hat. Der kritische Idealismus ist wahrhaft wissenschaftlich und wahrhaft frei gegenüber jedem, auch gegenüber dem positivistischen Dogmatismus. Gerade darum hat er sich sehr oft und sehr gut mit dem historischen Materialismus verbünden können. Gewiß kann es nicht mehr der alte Idealismus von anno dazumal sein, mit dem sich ein heutiger Sozialismus zusammenschließt, Denn dieser alte Idealismus war ein System der Freiheit, das sich unrealistisch überall an den harten Bedingtheiten des menschlich-gesellschaftlichen Daseins gestoßen hat. Unter den Stößen des 19. und des 20. Jahrhunderts hat sich ein solcher Idealismus erheblich gewandelt, und mußte sich wandeln, sofern er lebensfähig und bündnisfähig anderen Richtungen gegenüber bleiben wollte. Ein etwas schulmäßiges:„Kant und Marx" von früher ist heute ebenfalls überlebt. Es kann sich nur um die Verbundenheit mit einer allgemeinen großen Tradition und Methode des kritischen Idealismus handeln. Aber diese Tradition der Freiheit ist uns eben näher in ihrer kritischen Voraus- setzungslosigkeit als das Bekenntnis zur Gebundenheit und Fesselung des Geistes! Es bleibt ein seltsames Schauspiel, wenn aus einer solchen Liebe zu gebundenen Voraussetzungen und aus Abneigung gegen den kritischen Idealismus ein Marxist auf dem Prager Philosophenkongreß sogar mit dem autoritären Denken des geistvollen Jesuitenpaters zu kokettieren beginnt. In der Verbundenheit mit dem kritischen Idealismus ist auch eine Verbundenheit mit dem Liberalismus eingeschlossen, der in seiner besten Form das Prinzip der sokratischen Kritik und der Geistesfreiheit auf sein Banner geschrieben hatte. Nicht zufällig lebt der Faschismus vom antiliberalen Pathos und von einem fanatischen Haß gegen den Liberalismus. Der marxistische Sozialismus hat stets die schärfste Kritik am Liberalismus geübt, aber nicht weil er ihn in der Art des Faschismus ermorden, sondern Weil er ihn aus seinen Halb- heitenbefreienundrestlosver- wirklichen wollte. Ein Bekenntnis zur liberalen Tradition der kritischen Geistesfreiheit hat an sich noch nichts zu tun mit dem Bekenntnis zur Demokratie als einer Form der politischen Technik. Aber es ist in der Tat ein Bekenntnis zu ien kulturellen Werten dieser liberalen Tradition. Sie ist vom Bürgertum überall im Stiche gelassen worden und kann allein vom kämpfenden Sozialismus wieder aufgenommen und verwirklicht werden. Mimgepit und HaulhaUen Der Nürnberger Befehl für den Hungerwinter Der kommende Notwinter In Deutschland ist mit feierlichem Gepränge eingeleitet. Die Kosten wird man niemals erfahren— sie werden aus denen herausgequetscht, die nichts haben. Dafür haben sie gehört, wie sie sich in diesem Winter zu verhalten haben: treu, gehorsam, diszipliniert, opferwillig, bescheiden! Mit drei Worten gesagt: hungern! Maul halten! Das ist die Moral des ausbeutenden Staates und der ausbeutenden Klassen. Hitler, der Vertreter beider, hat das Bild eines Idealen Volkes im Sinne der Despotie gezeichnet. Glücklicherweise deckt sich das Idealbild nicht mit der Wirklichkeit! Zur Verkündung dieses Evangeliums vom Hungern und Durchhalten ist die Nürnberger Parade abgehalten worden, ein Spektakel- stück der Propaganda, das die geheimen Sorgen der Diktatur verdecken soll. Dieser Parteitag war Ideologisch leer Im Gegensatz zum vorjährigen, wo der Versuch unternommen wurde, so etwas wie eine Ideologie des Nationalsozialismus zu verkünden. Diesmal gingen die Reden Hitlers nur um(Jen einen Punkt; Oben bleiben ist alles! In Hitler gärt der Ausgang der Wahl vom 19. August. Er fühlt das Zittern Im Fundament, seine Sinne und Gedanken können nicht loskommen von diesem Erzittern. Eine Bagatelle, letzte klägliche Beste dies Mi Iii o- nenheer der Opposition, so redet er sich und seinen Gläubigern ein, um gleich darauf Drohungen gegen Versuche zur Gewalt zu schleudern. Gewalt T Dieser Mann, Inmitten seiner privaten Banden, inmitten von 200.000 Funktionären, geschützt von der Reichswehr, deren Oberbefehlshaber er Ist. fürchtet Gewalt? Das ist das Geständnis, daß der Geist der revolutionären Opposition unbesiegbar Ist; denn es Ist dieser Geist, der die Fundamente der Herrschaft erschüttert. Hitler kann In Nürnberg marschleren lassen. Reichswehr, SA, SS, die neue schwarze Reichswehr in Gestalt des Arbeltsdienstes, Nazifunktionäre, Jugendliche, Frauen, er kann Hellrufen und Parademarsch befehlen — aber er kann das Vorrücken der Kraft nicht aufhalten, die ihn niederwerfen wird. Langsam, langsam schreitet sie vorwärts— aber mit tödlicher Sicherheit, bis sie eines Tages zum Sturm werden wird. Tausend Jahre? Noch tausend Tage wären vermessen in seinem Munde gewesen! Hungern und Maulhalten! Das Ist ihr# ganze Staatskunst, das ist alles, was sie dein Volke angesichts des heranrückenden Hnn- gerwlnters zu sagen haben. Das Ist der geniale Plan zur Versöhnung der Opposition. Gehorsam, opferwillig, bescheiden: stille halten zur wachsenden Arbeitslosigkeit, zu neuen Lohnsenkungen und Preisstelgerungen, nur keine Ansprüche stellen! Das Hangern and Maulbalten ist die Sozialpolitik derer, die die Gewehre haben. Sie sind ihr letzter Trost— wenn die Hungernden aufbegehren, kann man schießen. Aber den Hanger können sie nicht erschießen! Wer wird noch von diesem kostspieligen Spektakelstttck der Propaganda In Nürnberg reden, wenn das System im Alltag die nackten Züge seiner brutalen Herrschaft zeigt! Welt klafft der Unterschied zwischen der Kraftentfaltung des Systems In Nürnberg und seiner wahren Lage. Der Propagandalär» des Systems wird noch nachrauschen und dann verstummen— aber die stille unermüdliche, unerbittliche Propaganda von unten, die wird nicht verstummen! Sie läßt»lch weder Uberschrelen, noch erschießen, noch unterdrücken. Philosophie und Politik Von Ferdinand Tönnles-Klel. Der Altmeister der deutschen Soziologie Professor Ferdinand T ö n n i e s hat an den Achten Internationalen Philosophenkongreß in Prag auf Einladung der Kongreßleitung ein Begrüßungsschreiben gerichtet, das mit der folgenden Betrachtung schließt: Die Entwicklung der Philosophie hat immer in einem interessanten Verhältnis zu der Entwicklung der Politik gestanden und befindet sich in einer notwendigen Wechselwirkung mit ihr. Die politische Entwicklung mehrerer großer Staaten bewegt sich deutlich in der Richtung auf den Soziallsmus, auch wenn diese Bewegung nur zum Schein und zum Vorwande gebraucht wird, um einen alten und anders begründeten Gegensatz gegen den Liberalismus zu verhüllen, nachdem der Liberalismus in einem Fortschritt, der vier Jahrhunderte hindurch den Gang der europäischen Dinge bestimmt hatte, die Basis der Institutionen geworden Ist, die nicht verlassen werden kann, ohne daß man sich dem Chaos gegenüberstehend sieht. Deshalb Ist ein Wüten gegen den Liberalismus und eine absolute Verneinung des Liberalismus sinnlos, und soweit dergleichen wirksam werden kann, durchaus verderblich. In normaler Entwicklung der ehrlichen und gesunden Elemente des sozialen Lebens kann der Liberalismus nur überwunden werden dadurch, daß er in dem Sinne aufgehoben wird, dem Hegel eine wertvolle neue Bedeutung gegeben hat, wenn er sagt(Logik, Anm. zum Schluß des 1. Kap.):„Was sich aufhebt, wird dadurch nicht zu Nichts, Nichts Ist das Unmittelbare; ein Aufgehobenes dagegen Ist ein Vermitteltes, es ist das Nichtselende als Resultat, das von einem Sein ausgegangen Ist; es hat daher die Bestimmtheit, aus der es herkommt, noch an sich." Hegel knüpft wie auch sonst oft eine sprachliche Anmerkung daran: daß nämlich Aufheben im Deutschen den gedoppelten Sinn hat, daß es soviel als Aufbewahren, Erhalten bedeute, und zugleich soviel als Aufhörenlassen, ein Ende machen. So sei das Aufgehobene ein zugleich Aufbewahrtes,„das nur seine Unmittelbarkeit verloren hat, aber darum nicht vernichtet ist." Im polltischen Gebiete ist es offenbar, und durch Erfahrung bewährt, daß tlefgewurzelte Einrichtungen nicht beliebig aufgehoben werden können, und daß daher eine absolute Verneinung des Liberalismus, seiner Postulate und seines Geistes, die durch Jahrhunderte allmählich sich befestigt und vertieft haben, sinnlos ist; es hieße, das hochkomplizierte Gebilde des modernen Staates vernichten wollen. wenn auch seine wesentlichen Institutionen für eine gewisse Zelt durch so etwas wie cäsarische Alleinherrschaft ersetzt werden mögen— niemals für erhebliche Dauer! Die Analogie der Philosophie liegt auf der Hand: sie kann die Periode der Aufklärung und der mühsam gewonnenen strengen Wissenschaftlichkeit nicht ohne ihr eigenes Verderben verleugnen, nicht durch Romantik und Schwarmgeisterei ersetzen. Diese Periode kann nur in dem hier Vorgetragenen Sinne aufgehoben werden, so daß sie zugleich erhalten bleibt, auch wenn sie in andere Gestalten aber unbedingt wesensverwandte, umgebildet wird. Angst vor der Wahrheit Die von Goebbels in seiner Radlo-Schlmpf- rede gegen das Ausland angekündigte Ausweisung ausländischer Journalisten hat Jetzt ein Opfer gefordert. Der Berliner Korrespondent der holländischen sozialdemokratischen Presse, L. J. van Sooi, wurde mit vierzehntägiger Frist aus Deutschland ausgewiesen. Van Looi hat mit vorbildlicher Sachlichkeit und Objektivität achtzehn Monate lang unter den schwierigsten Verhältnissen seine Aufgabe erfüllt, den holländischen Arbeitern ein zutreffendes Bild von den Verhältnissen im „Dritten Reich" zu geben. Er genoß in den Kreisen der ausländischen Journalisten das allerbeste Ansehen. Auch dieser Fall hat dem Nazi-Regiment keine Freunde in Holland geschaffen. So schreibt der gutbürgerliche„Residentlebode": „Wir haben beim Lesen der Betrachtungen dieses Korrespondenten(van Loois) wohl oft gedacht: Ein Wunder, daß die bekannte deutsche Haltung gegen die Presse dies noch duldet. Aber daß hier von„Bös- willllgkeit" und„andauernder Gehässigkeit" die Rede sein sollte(dies wirft der Ausweisungsbefehl dem Genossen van Looi vor. Red.) triff nicht zu. Im Gegenteil, dieser Sozialist schien in seinem Gehaben sehr gemäßigt, aber er hielt sich streng an die Wahrheit und das darf manbe- kanntllch in Deutschland nicht. Da darf man nur schreiben, was Göbbels diktiert, und das ist dann auch danach." Deutschlands moralische Einkreisung wird von den Nazi-Machthabern mit Erfolg betrieben. Das System stiehlt Di« Systempresse teilt mit:„Das am 23. August 1933 beschlagnahmte Vermögen von Otto Wels, dem ehemaligen Vorsitzenden der SPD., wurde durch Verfügung des ReichsinnenminiBters mit Bezugnahme auf das Gesetz Uber den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit als dem Reich verfallen erklär t." Das wird gerade für eine neue Uniform für Göring reichen! Halt's Maul, Jude! Gegen eine Rede, In der der nationalsozialistische Gauleiter Grohö das jüdische Volk als minderwertig bezeichnete, hatte die >Jüdlsche Rundschauc zu schreiben gewagt,»das jüdische Volk könne sich einer solchen Auffassung nicht anschließen« und es werde vielleicht einmal die Zelt kommen, da die nationalsozialistisch belehrte Jugend einen Blick In das Leben ringsum tun werde und dann werde vielleicht»mancher nachdenkliche junge Mensch ein anderes Bild vom Judentum und seiner geschichtlichen Leistung bekommen...« Diese harmlose, sachliche, beinahe resignierte Verteidigung wird von der braunen »Deutschen Wochenschau« zitiert, eine Frechheit genannt, und wie folgt bombardiert: »Tatbestand: Juden geben In Deutschland eine deutscbgeschriebene, also auch Nlchtjuden zugängliche Zeltung heraus, 1° der sie die Richtigkeit der Anschauung eines hohen nationalsozialistischen Führers zweifeln und die nationalsozialistische Jugend gegen Ihn aufhetzen. Es schein1 den Juden noch immer zu gut zu gehen b«l uns und es scheint an der Zeit, zu beweisen, daß wir inzwischen gelernt haben, auf eine wirkungsvolle Wslse gegen e18 vorzugehen, die nicht als roher Terrorismu» bezeichnet werden kann.« Tatbestand: Juden dürfen Steuern zahle". durften Im Schützengraben für Deutschlsnü bluten, aber wenn sie sich gegen Be* schimpfungen auch nur sanft verteidigen. so droht ihnen neuer Wirtschaf tspogw111' Worte eines Nazibonzen sind tabu, sind unantastbar und stehen außerhalb jeder KriÜk. Rai an Schuschnigg Aehniich wie Hitler— bloß ein bißche" anders! Die beste Satire zur Plebiszitkomödie doch die Berliner»Nationalzeitung« geliefert Selbstverständlich ganz ohne Absicht. B1® Naivität eines Kärntner Nazi und die Dumn hellen der Redaktion haben dieses Ergebnl' zustandegebracht. Aber der Kärntner Nazi schreibt in eine"1 offenen Brief an den neuen Bundeskanzler Schuschnlgg, veröffentlicht In besagter tlonalzeltung«, folgendes: „Ich will Ihnen aber nach Meinung a"8r' die guten Willens sind, sagen, wie 816 zu einem guten Frieden kommen könne� ohne sich dabei was persönlich zu verg8� ben. Machen Sie eine Volksbefragung. S b lieh wie Hitler: Bist Du mit der B8' gierung einverstanden? Ja oder nein? Freilich dürften vor dieser VolksaheB� mang keine Werbeversammlungen*** finden, es dürfte keinerlei Propsg•,, geduldet werden, auch nicht für die 88 *ierUn* nur Seien Sic versichert, daß, wenn Sie n eine Stimme über die Hälfte besitzen, niemand mehr gegen Ihren Kurs nen würde. Eine Hauptbedingung wäre»* dings die, daß auch alle jene abstlmra1 berechtigt sind, die vor Ihrer Bache OJlg8' in» ider- Ausland fliehen mußten, denen Sie* rechtlich die Staatsbürgerschaft aberk*" � ten und die in den Kerkern und KontenU> tionslagern schmachten. Spotten Ihrer selbst und wissen nicht* Richtige Arbeitsteilung in Der preußische Innenminister hat � einem Runderlaß angeordnet, daß Fe" 8 webrmänner unverzüglich Ihren A bahuu" tritt aus der SA und SS zu erklären iU» Mitgliedschaft bei der SA und SS aei... Interesse der Leistungsfähigkeit der wehren, und zwar der Freiwilligen wie Berufsfeuerwehr unerwünscht. Sehr richtig, denn SA und SS haben Brandstifter zu stellen' di» Her geniale Plan In Nürnberg erwartet, aber nidit eingetroffen— Der TurnTerein macht ReidisTerfassung— üeberzentrallsmus In der Idee und Ver" sorgungspartikularismus In der Praxis— Man redet wieder offen Ton Separatisten Unmittelbar unter dem peinlichen Eln- den der Ausgang des Volksentscheids aai 19. August bei seinen Regisseuren hlnter- ]'ea. kündigte der Führer bekanntermaßen seinen„genialen Plan" an, der mit nationalsozialistischem Schneid, ohne lange parlamen- 'srisch zu fackeln, auf die Nation niedersau- 3611 und die Scharte des mißratenen Plebisalt- scnntags wieder ausmerzen sollte. Europa 'üelt zwar nicht den Atem an bei diesem lupiterblitz; die Posaune Adolfs hat schon zu oft nur die leeren Lüfte und kahlen Wände Ottern gemacht. Aber man war doch immer- �n neugierig, schon aus Gründen der Pychla- �■'o, den„genialen Plan" möglichst bald we- "testens kennen zu lernen. Nach einigen Ta- Son erwartungsvollen Schweigens kam nähe- r?r Bescheid. In Nürnberg, zum Parteitag oo'fte es sein... Bitte nur noch die paar 'umpigen Wochen Geduld! Dann geheimnls- Vo"e offiziöse Andeutungen: Endlich sollte dort der Traum Barbarossas, die tausendjäh- Sehnsucht des Heiligen Römischen Rei- cllea deutscher Sendung erfüllt werden— Aufteilung des Reiches In Gaue �umero 1 bis Numero 28 oder 32(genau steht die Zahl noch nicht fest), endgültiger Schluß mit dem Länderelend, dem Einlösen AutobuChstabenalphabet, den vermoderten Grenzsteinen, der empörenden Dis- �nanz der diversen Gendarmtschakos. E 1 n ftoich, ein Vaterland, ein krummes Kreuz! Nürnberg ist dahin. Die Arbeitsdienst- �''Ugen haben ihre Fußblasen weg; die yoichswehr wendet sich wieder ernsteren Umgaben zu als der, den Führer im abgedorrten Bayern vor dem Enthusiasmus der erwachten Nationen zu sichern; die hundert- 2Wanzigtausend Amtswalter haben ihre Hotel- ftchnungen bezahlt und sind wieder daheim Muttern gegen Muckerer und Saboteure �uoker und ungetröstet täUg. Der Führer a* geredet: von den tausend Jahren, für die er Jede weitere deutsche Revolution streng- "tens verbietet, von dem einzig und alleinigen rjftfenträger der Nation", der bekanntlich j��ftlger Weise die Dokumente über den �chstagsbrand in der Bendlerstraße im r0f)or bewahrt, von der deutschen Frau, �ereh einziger Daseinszweck das Kind, das Führer selbst der Nation leider immer vorenthält, ist— viel hat er geredet, äemllch allein hat er geredet. Nur der gekündigte„geniale Plan" ward leider mit �tea sichtbar und hörbar... voa Herrn Hermann GOrings illustrer An- **0hh(sit auf dem Parteitag zu Nürnberg hat so gut wie nichts vernommen. Daß Max p tQe"ng dort Ehrengast war und sogar von � wohlrepariertes Gebiß mit dem Lä- daa glücklich Uberstandene Todesängste �J�kndllch macht, allem Volk dort sichtbar � wur<5e wohl Wo hlleb Hermann, nach Natur und Neigung doch 'srhenf roher Blickfang der ganzen �teitagsdekoratlon 7 Der preußische Mlni- j�PHUldent wäre der bei dem„genialen j' Melstbetedligtc und Hauptleidtragende �orkwürdig— der Genieblitz blieb pr Öer Soheide Adolfs, aber auch der Herr %8euß®ha blieb allem Volke unsichtbar. Ist Grenzen der Gewalt« imd /faoit aus der Feder eines Mannes, der tten in �er deutschen und österreichi- fin Bewegung gestanden hat und als der bekanntesten Theoretiker der �faustischen Internationale gilt. Seine �Jfbiandersetzungen knüpfen an die Vor an, die der Führung unserer öster ~ Jf�hen Bruderpartei wegen ihrer an �"bchen»Defpnaiv.THenlntrie« ffemachl „Sollte es richtig sein, daß die»kampflose Unterwerfung der deutschen Arbeiterklasse«»beschämend und verhängnisvoll« war. so mußte das für die große Mehrheit der österreichischen Arbeiterklasse nicht minder gelten als für die deutsche. Denn die überwiegende Mehrheit der Arbeiter Oesterreichs hat dem»ungleichen Verzweiflungskampf« ihrer Brüder zugesehen, ohne einen Finger zu rühren. Diese Tatsache steht fest. Das soll keine Anklage oder Herunterreißung der österreichischen Arbeiterschaft bedeuten. Es soll nur feststellen, daß, abgesehen von einigen Tausend arbeitsloser, verzweifelter Schutzbündler, die österreichischen Arbeiter nicht anders einzuschätzen sind als ihre deutschen Brüder. Wer sie beide näher kennt, schätzt sie beide gleich hoch und läßt sich dabei nicht durch die Tatsache beirren, daß sie gelegentlich unseren Wünschen und Erwartungen nicht entsprechen." Denn dieselbe Arbeiterschaft, die in der einen Situation heroisch kämpft, kann in einer anderen passiv oder abwartend sein. Der Verfasser verweist auf die glän- . zende Haltung der sozialistischen Arbeiter I während des Kapputsches hin und j auf die Aufstände zwischen 1919 und 1921. Dieselben kommunistischen Arbeiter, die in diesen Revolten ihr Leben riskierten, sahen 1934 der Etablierung der Hitlerschen Diktatur wie gelähmt zu. Diese Unterschiede in der Haltung hängen zusammen mit den Unterschieden in der Situation, wobei— was der Verfasser übergeht— zu erwähnen wäre, daß der 5. März in Deutschland einer Volksabstimmung gegen die Demokratie, für den Faschismus gleich- *Urd, strM( »Defensiv-Ideologie« gemacht •"rate11 rollen die taktischen und sen� Aschen Fragen sozialistischer Mas- tarjaf fgungen auf: Je mehr das Prole- desto f �aufe der Entwicklung errang, Tejj.':er mußte es nicht nur in der e n,2> sondern auch in der Taktik �'asse i,eine �a�swüol« halten. Ob der Mrd" attlPf jeweilig offensiv geführt lieben0 der Wenns nicht stimmt, denn da kamen Ölungen über den örtlichen Arbeitsmarkt jj.01 Arbeltsamt— aber wir haben eben j ne normalen Zeiten! Das Ist der Witz! p*• bekommen wir solche Notizen von der stt0Pagandastene. Als Auflagennotiz. Verben sie— die müssen wir aufnehmen! sti Werden wir gar nicht gefragt. Obs was da drin steht, kann ich nicht bieb rUfen' bc'cbtigen kann Ich da auch htr Verstehen Sie mich?" „ Mann verstand. Sie unterhielten sich bin und her, und schließlich sagt der �Qch teUr:"�bef wissen Sie— gehen Sie jw mal bin zur PropagandasteUo und klä- bUn �'C c'ort üen Irrtum auf. Und da Sie �"chon mal Zelt zu haben scheinen— es Fleh Interessieren, waa Sie dort aus- bt* haben. Vielleicht sind Sie so freund- übd geben mir Bescheid." Mann versprach es. d einen Tag später spricht er bei '0Pagandastelle vor.„Wo wollen Sie ail' herrscht ihn ein baumlanger SS-Mann tu bat da eine falsche Notiz in der Zel- len Seatanden. Die wollte Ich richügstel- Si«; pUer bommt er nicht.„Waa wollen fiebti» lcbGg8tenen!? Hier wird nichts Sgesteliti Verstanden!" ��beb diesmal verstand der Mann sofort. nähere Erklärungen verzichtete er. Aber »n die Redaktion der Zeltung. „Ach, da sind Sie ja schon wieder. Nun, was haben Sie denn ausgerichtet?" „Gar nichts. Rauageflogen bin ich." „Na, sehen Sie! Das wollte Ich bloß wissen. So geht es Ihnen. Und so geht es andern auch!" Manfred. Tausend Jahre Hier soll von einem berühmten Zeltgenossen die Rede sein. Dieser Mann, baute vergessen, als ob er nie gelebt hätte, war vor etwa 10 Jahren die populärste Gestalt der Berliner Gerichtarubriken. Jeder Gassenjunge, jeder Justizbummler, kurzum, Jeder Berliner kannte Max K 1 a n t e. Er verdiente diese Berühmtheit auch, denn er war ein Genie! Ein Genie des Wettsohwindels. Unerschöpflich in immer neuen Gaunereinfällen. Von staunenswerter Fruchtbarkeit im Entdecken Immer neuer krummer Wege, immer neuer illegaler Tip«, mit denen man den Unausrottbaren das Geld aus der Tasche ziehen und das eigene Portefeuille schnell füllen konnte. War er heute wegen fortgesetzten Betrugs zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, so war er In zweieinhalb Jahren bestimmt wieder ein zwischen Berlin und Nizza hin und her pendelnder Millionär, ein König der Rennställe, ein Stammgast der exklusiven Bars von Berlin... Eine Verhandlung gegen Max Klante, den treuen Kunden der Berlin-Moabiter Justiz, war stets eine Angelegenheit für Feinschmek. ker, Aus allen Zimmern und Sälen strömten die Rechtsanwälte und Landgerichtsräte In den Verbandlungsraum, in dem Max Klante sichtlich, aber doch bescheiden, schmunzelnd vor seinen Richtern saß. Das Spiel, das nun anhob, gespickt mit unerwarteten Improvisationen und getränkt mit Berliner Humor. Aber das Erstaunlichste war doch, die Phantasie des Klante, der jede Betrugs- aerie mit einer neuen, schlagkräftigen Pointe durchführte. Nur das technische System ähnelte sich sehr. So ging es bei der Zeugenvernehmung meist so her: Vorsitzender:„Aber wie konnten Sie nur auf«inen solchen Schwindel hineinfallen? Die Absicht war doch offensichtlich!" Zeuge:„Aber er versprach uns doch Riesengewinne. Kr versprach jedem, was er haben wollte!" „Und sie glaubten das?" „Wir glaubten Ihm blindlings. Er hatte eine so vertrauenerweckende Art, Herr Rat, wisaen Sie... Und redete so faszinierend mit' einem." „Aber die„Tip«", die sogenannten„Tips" waren doch durchsichtigster Schwindel..." „Das sagen Sie jetzt. Das sagen wir beute auch. Aber(fast träumerisch) damals.., Damals...!! „Was—, damals?!" „Was er uns so gesagt hat— „Zum Beispiel?" „Noeh in tausend Jahren, so meinte Klante, würde man nach diesem System Wetten abschließen und Hunderttausende machen..." �.... Der Vorsitzende, lächelnd:„Nach tausend Jahren? Da wird Herr Klante längst vermodert und vergessen sein-..." Herr Klante Ist wirklich vor fünfeinhalb Jahren In einem Berliner Zuchthaus an der Berliner Peripherie gestorben. An Lungenschwindsucht. Wer kennt Ihn heute noch...? Niemand! Und er Ist doch ein so berühmter Zeitgenosse gewesen! Pierre. Philosophie der KneditsdiaH In den naturwissenschaftlichen Märchen von Kurd Laßwitz— sie erschienen vor einem Menschenalter— gibt ea eine Episode mit einer philosophischen Spinne, die ein Zoologe zu Beobachtungszwecken in ein Reagensglas eingesperrt bat. Irgendwer bemitleidet sie. aber die Spinne begreift nicht: „Der Mensch hat mich nicht in seinem Glase, sondern in dem Glase des Menschen habe Ich mich!" Warum uns das just In Erinnerung kommt?— Aus geringfügigem Anlaß. Bei Gelegenholt de« Nürnberger Paradetages hat der Reichspressechef Dietrich geäußert: „In Deutschland jedenfalls war die Reform der Presse unerläßlich, nicht um die Freiheit der Presse zu vernichten, sondern um die Unfreiheit aus ihr zu entfernen und um die Basis wiederherzustellen, auf der allein eine Innerlich freie Presse gedeihen kann." Innerlich freie Presse....„Hitler hat mich nicht im Käfig, in Hitlers Käfig habe ich mich!"— Es ist doch etwa« schöne« um ein philosophisch veranlagtes Volk. luauijßtk Der deutsche Stahltrust, der das seltene Glück hat, von einem Manne geleitet zu werden, der zugleich Hitlers Freund und von ihm eingesetzter Wirtschaftsdiktator über Rhein und Ruhr ist, ist bei einem Aktienkapital von 800 Millionen mit einer Schuldenlast von fast 1000 Millionen, davon fast 300 Millionen kurzfristig, in das Dritte Reich eingegangen. Der Stahltrust war zu dieser Zeit, wenn auch nicht zum ersten Male, praktisch bankrott. Ein Teil dieser Schulden war von Thyssen nicht im eigenen Unternehmen, sondern in der politischen Spekulation seines Freundes Hitler angelegt worden. Er durfte also erwarten, daß ihm dieser den Gegendienst erweisen würde, die Zinsknechtschaft, wenn schon nicht überhaupt, so doch wenigstens für den Stahltrust, zu brechen. Das Geschäft auf Gegenseitigkeit hat beiden gute Früchte getragen, aber Thyssen doch nicht endgültig vor der Pleite retten können, Obwohl Hitler so viel für ihn getan hat, daß ihm zu tun fast nichts mehr übrig bleibt. Keiner Industrie ist die deutsche Aufrüstungs- konjunktur so reichlich zugute gekommen, wie der Schwerindustrie. Die Stahl- und Eisenproduktion ist im ersten Hitlerjahr auf das Doppelte und die Ausnutzung der Erzeugungsstätten von einem Drittel auf zwei Drittel gestiegen. Aber auch die riesigen Aufrüstungsgewinne haben die Ueberschul- dung des Stahltrusts nicht beheben können. Die letzte vom Stahlverein veröffentlichte Jahresbilanz hatte mit dem 30. September 1931 abgeschlossen. Die jetzt veröffentlichte umfaßt ein Jahr und der Geschäftsbericht sogar nur ein Vierteljahr. Drei Jahre lang hat die Welt keinen Abschluß des Stahltrusts zu sehen bekommen. Die nächste Jahresbilanz wird mit dem 30. September 1935 abschließen und nicht vor Anfang 1936 erscheinen. Es ist eine in der modernen Wirtschaftsgeschichte wohl einzig dastehende Ungeheuerlichkeit, daß eines der größten Unternehmen Europas es sich leisten kann, fünf Jahre lang die öffentliche Rechnungslegung zu unterlassen. Im Dritten Reich dürfen Wirt- schaftsführer nicht nur ihre Arbeiter, sondern auch ihre Aktionäre und Gläubiger als„Gefolgschaft" behandeln. Weshalb die lange Pause zwischen dem letztveröffentlichten und dem nächsten Jahresabschluß? Weil der Stahltrust so lange braucht, um die längst fällige Neuorganisation durchzuführen! Weshalb ist die Neuorganisation bis nach dem Ausbruch des Dritten Reiches hinausgeschoben worden? Weil erst dann ein Geschäft zwischen dem Reich und Thyssen abgeschlossen werden konnte, durch das das Reich um seine Beteiligung am Stahltrust ärmer und Thyssen um eine'Wertelmilliarde Reichsgelder reicher geworden ist! Erst hat man eine Reihe rechtlicher Neukonstruktionen vorgenommen, die an dem tatsächlichen Machtverhältnis im Trust nichts ändern und nur den Zweck zu haben scheinen, durch komplizierte Verschachtelung die Möglichkeiten der Verschleierungen und Verschiebungen zu vermehren. � Die einzig wirksame Neuerung, die Beseitigung der Ueberkapitalisierung durch Herabsetzung des Aktienkapitals, für die man die den Steuerzahlern gestohlenen 250 Millionen hätte verwenden können, hat man unterlassen, und selbst mit der Lupe sucht man in der Bilanz einen Aufschluß über die Verwendung dieser Gelder vergebens. Da man die Großaktionäre, unter denen Herr Thyssen einer der prominentesten ist, in ihrem Dividendenanspruch nicht beeinträchtigen will, sollen die Gläubiger daran glauben. Sie sollen die 200 Millionen einbüßen, um die das Aktienkapital nicht gekürzt worden ist. Deshalb der Gaunertrick, in der Bilanz die Schulden um 200 Millionen kleiner und den Gewinn in der Form von Rückstellungen um 200 Millionen Mark höher anzusetzen, als sie in Wirklichkeit sind. Der Stahltrust ist mit Dollaranleihen und außerdem noch mit einem vor Jahren abgeschlossenen schwedischen Erzvertrag belastet. Der Wert des Dollars wie der des Erzes haben sich inzwischen stark vermindert. Seit der Aufnahme der Dollaranleihen ist der Dollar abgewertet worden, und seit dem Abschluß de« Erzkaufea sind die Erzpreise stark gefallen. Es sind zwei Arten von Dollaranleihen, die eine in Dollars, die andere zwar in Reichsmark, aber zum Dollarkurs rückzahlbar. Herr Thyssen setzt nun die Dollaranleihen, anstatt zum Goldkurs des Dollars, zum abgewerteten Kurs von 2.50 Mark ein und bucht den Unterschied zwischen Golddollar und abgewertetem Dollar und zwischen dem Kaufpreis des Erzes und seinem jetzigen Preis in Höhe von insgesamt rund 200 Millionen Mark als Reserven. Durch diese Operation werden die Schulden kurzerhand um ein Viertel Ihrer wirklichen Höhe beschnitten und ein Vermögenszuwachs vorgetäuscht, der nicht stattgefunden hat. Denn die amerikanische Dollaranleihe ist erst in Jahren rückzahlbar, und es ist mehr als zweifelhaft, daß dann der Wert des Dollar noch so niedrig und der durch Nichtbezahlung ausländischer Schulden künstlich hochgehaltene Wert der Mark noch so hoch sein wird wie heute! Hängt schon der vorweggenommene Gewinn der amerikanischen Dollaranleihe in der Luft, so besteht er bei der deutschen Dollaranleihe nur unter der dem Rechtsempfinden des Dritten Reiches allerdings entsprechenden Voraussetzung, daß die Freundschaft mit Hitler rechtskräftiger ist als die rechtskräftigen Entscheidungen deutscher Gerichte. Diese haben nämlich in zwei Instanzen zuungunsten des Stahltrusts und zugunsten seiner Gläubiger entschieden, daß die Reichsmarkanleihe in Golddollars und nicht in abgewerteten Dollars zu verzinsen ist. Und daß der schwedische Erztrust geduldig still hält, wenn Herr Thyssen ihn um seinen rechtmäßigen Gewinn bringt und versucht, die Polgen einer ungeheuerlichen Fehlspekulation auf ihn abzuwälzen, ist kaum anzunehmen. Herr Thyssen hat also, um seinen Bankrott zu verschleiern, Schulden in Vermögen umgezaubert. Das Manöver ist so durchsichtig, daß man es kaum noch mit dem Ausdruck Fälschung bezeichnen kann, denn sein Zweck ist weniger die Täuschung als die Bedrohung der Gläubiger. Der Betrug ist so offensichtlich, daß er einer provokatorischen Erklärung des Stahltrusts gleichkommt, seinem Auslandsgläubiger nur soviel bezahlen zu wollen, wie ihm beliebt, und auf die Urteile deutscher Gerichte zu pfeifen. Es handelt sich weniger um den Trick eines betrügerischen Bankrotteurs als Tim die Erpressimg eines Gangsters, der weiß, daß der Bedrohte entweder keinen Revolver hat oder zu human ist, ihn zu gebrauchen. Der Revolver, über den Herr Thyssen selbst verfügt, ist Herr Dr. Schacht, der mit seiner jüngsten Bankrotterklärung die Welt hat wissen lassen, daß ausländische Schulden nicht bezahlt werden. Er hat erst jüngst In Leipzig und einige Tage später in Bad Eilsen erklärt, weshalb er der Devisennot nicht durch Abwertung der Mark, sondern durch die Verhängung einer Devisenausfuhr- und Rohstoffeinfuhrsperre begegnen will:„wegen der durch eine Devalvation hervorgerufenen Verschlechterung der Auslandsschuldlage Deutschlands", d. h.: weil durch die Markabwertung der Vorteil der Dollarabwertung für den deutschen Dollarschuldner aufgehoben und ins Gegenteil verkehrt würde. Der größte deutsche Dollarschuldner ist aber Herr Thyssen und sein Stahltrust. Herr Schacht hat damit zugegeben, daß die Verhängung der Hungerblockade über das deutsche Volk, wenn vielleicht nicht ausschUeß- lich, so doch hauptsächlich erfolgt, u m Herrn Thyssen wieder einmal vor der Pleite zu retten! Herr Schacht hat außerdem verkündet, daß mit vermehrter Kraft die deutsche Wirtschaft auf Selbstversorgung und Ersatzproduktion umgestellt wird. Das Dritte Reich will auf der Höhe der Situation sein, wenn der Krieg losgebt. Der Verzicht auf ausländische Kredite und ausländische Rohstoffe ist die wirtschaftliche Vorbereitung auf jene große Zeit, die dem Stahltrust jene Hochkonjunktur bescheren soll, die ihn endlich instandsetzt, alle Maschinen in Gang zu bringen und alle Schulden los zu werden. Wie Hitler der politische, so ist Schacht der ökonomische Preisfechter des Stahltrusts und der anderen schwerindustriellen Monopole! Georg A. Frey. Enteignung der Besi�losen Der Raab am Deutadbeu Arbeitersport „Ehre dem Eigentum, das mühsam erarbeitet wurde", sagten die Minister und Wirtschaftsführer, als sie sich in den„antikapitalistischen" braunen Schafspelz hüllten und auf diese Weise den Nationalsozialismus im Sinne ihrer Herrschaft gleichschalteten. Aber etwas mußte auch für die Erfüllung seines„sozialistischen Programms" getan werden, und so wurde„enteigne t". Das Eigentum der Partei, das Eigentum der Gewerkschaft, die Genossenschaften, alle Einrichtungen der Arbeiterschaft, immer weg mit dem Eigentum! Und so raubte man auch den Arbeitersportlern alles, was sie sich in wirklich freiwilligem Arbeitsdienst geschaffen haben. Wenn es ein erarbeitetes Eigentum gibt, dann ist es das der Arbeiter- spartler gewesen. Das alles hat man ihnen geraubt; Der Arbeiter-Turn- und Sportbund hatte 230 Turnhallen, 28 Turnhallen außerdem, die mit Spielplätzen verbunden waren. Er besaß 1300 Spiel-, Sport- und Turnplätze mit Vereinshäusern, Geräte-, Auskleide- und Waschräumen. Er verfügte ferner über 20 Spielplätze mit Badeanlagen, 85 Badeanstalten, 20 Bäder mit Bootshäusern, 56 Bootshäuser, 5 Anlagen mit Turnhallen, Spielplätzen und Bädern, 4 Anlagen mit Spielplatz, Bad und Bootshaus, 15 Sprungschanzen, 5 Kreisheime, Gesamtwert 13 Millionen Mark. Dazu kommen aber noch die zentralen Einrichtungen, die der Bund am Sitz seiner Zentrale in Leipzig hatte. Hier sind zu nennen: Die erst im Jahre 1926 eingeweihte Arbeiter-Turn- und Sportschule(Bundesschule) mit 2 Turnhallen, Schwimmhalle, Sporthalle und Schnlgebäu- de, in dem Vortragssäle, Wohnräume für Kursisten, Arbeltsrimmer, Fotoräume usw. untergebracht waren. Ferner gehörte zu den zentralen Bundeseinrichtungen ein Sportplatz mit 2 Spielfeldern, 3 Tennisfeldem, Laufbahn und Sprunganlagen. Außerdem muß erwähnt werden: ein Umkleidehaus, 2 Doppelwohnhäuser und ein Geschäftshaus mit Waren von einigen hunderttausend Mark, die verschleudert wurden. Und dann hat der Nationalsozialismus eine große und richtige Fabrik enteignet! Wir meinen nicht die Vereinigten Stahlwerke, für diesen Komplex eignet sich die„Privatinitiative" besser, vielmehr ist die F a h r- radfabrik des Arbelter-Radfah- rerbundes in Offenbach am Main gemeint. Diese„sozialistische Maßnahme" ist der Welt noch gar nicht bekannt genug, sonst würde sie nicht immer wieder behaupten, daß nichts enteignet wurde! Auch Im Gast wirtsgewerbe hat sich mancherlei verändert. 200 Hütten, teilweise sehr modern bewirtschaftet, wurden radikal enteignet. Daß es ausschließlich die Hütten der„Naturfreunde" waren, ist nur ein kleiner Irrtum, der daher rührt, daß der Führer, so göttlich er auch ist, nicht alles in der Weise allein machen kann, wie der liebe Gott. Und die Unterführer sind eben nicht so unfehlbar wie der Oberführer. Dem Arbeiter-Athleten b u n d wurde seine Bundesschule in Magdeburg geraubt, dem Arbeitersam a- t c r b u n d 200 Zelte, 40 Autos, 35 andere Wagen, 800 fahrbare Tragbahren, 5000 gewöhnliche Tragbahren. 3000 Sauerstoffapparate, 50 Pullmotore, 60 Selbstretterapparate. Der Verband Volksgesundheit verlor u. a. 35 Freibadeanlagen, der Arbeiter- Seglerbund außer Bootshäusern usw. 1300 Segelboote. Rechnen wir zu alledem die Vermögen der über 10.000 Arbeitersportvereine, Vermögen, die entweder bar vorhanden oder In Geräten und sonstigen Vereinsutensilien investiert waren, so kommen wir auf eine Summe von 100 Millionen Mark! Nun sind die Besitzlosen vollständig enteignet. Jetzt haben sie ganz buchstäblich nichts mehr zu verlieren als ihre Ketten. Alldeutsches Traumbuch Anneaionspropagsnda in Hitlers Friedensreicfa. „Grenzen zwischen Deutschen und Deutschen". So nennt sich ein Buch, das von Dr. Friedrich Lange herausgegeben, von dem Hitlerverlag Franz Eher Nachfolger verlegt worden ist und das in der Zeitschrift„Der Aufbau" mit folgenden Worten empfohlen wird: „Nicht in friedlicher Stille einer binnendeutschen Studierstube entstanden, sondern draußen an und hinter den Grenzen erarbeitet und erkämpft ist diese Auswahl aus rund 5000 selbst gemachten Grenz- und Grenzlandaufnahmen, eine Frucht planmäßiger 22jähriger Grenzlandarbeit. Ohne dicke Gelehrsamkeit und trockene Jahreszahlen, aber doch einwandfrei, packend von der ersten bis zur letzten Seite, eine knappe Gesamtschau über deutsches Grenzlandleid, eine erschütternde Anklage gegen das Unrecht von Versailles und St. Germain. Das beispiellos wohlfeile Buch, das den Weg in alle Schulen, Dienstzimmer und Amtsstellen finden muß, wie in jeder deutschen Familie, öffnet den Blick für die Weite der Welt vom stillgelegten Bahnhof Hoyerschleuse bis nach C i 1 1 i in Untersteiermark, von den deutschen Gebieten Altbelgiens und dem W a s g a u bis nach Deutsch-Ungarn, dem Jablunkapaßin den beskidischen K a r- p a t b e n und über den hartherzig gezogenen Korridor hinaus zur Memel". Es handelt sich, wie man sieht, um eine Art BUderbuch als Anhang zu Hitlers Buch „Mein Kampf. Allerdings hat Hitler, seid er dieses Buch erscheinen ließ, sämtliche dort verkündeten Ziele wiederholt abgeschworen, und den„hartherzig gezogenen Korridor" hat er ganz überflüssiger Weise den Polen noch einmal feierlich zugesichert. Nun erscheint wiederum in seinem Verlag ein solches Buch! Wer wird da belogen? Das Ausland, vor dem man Ziele abschwört, die man verfolgt? Das Inland, dem man Ziele vortäuscht, die man nicht mehr hat? WSrtsdiaffcregeln von Hjalmar Schacht. Konkurse sind eine völlig überflüssige Einrichtung. Die Gläubiger brauchten sich nur abzugewöhnen, ihre Forderungen einzutreiben. Gläubiger nennt man die Leute, die verpflichtet sind, einem den Pofel abzukaufen, damit man sie bezahlen kann. • Grundregel: Bezahle die Gläubiger stets von ihrem, niemals von deinem Geld. Sobald sie letzteres verlangen, schreie„Gemeinheit!" * Fürchte dich nicht vor dem Zorn der Mächte. Frechheit ist die stärkste Weltmacht! • Wohltun trägt Zinsen. Wer dir aus bloßen Geschäftsgründen geborgt hat, besitzt daher keinen Anspruch auf Zinsen, und wer dir aus Wohltätigkeit geborgt hat, verzichtet sowieso darauf. • Jeder der sich mit Deutschland in Geschäfte einläßt, soll die unbedingte Sicherheit haben, daß er zu seinem Gelde kommt — sobald es uns paßt. • Es gibt verschiedene Arten von Valuten. Die einzige absolut wertbeständige ist—' Nlchtbezahlen. Wer an uns sein Geld verliert, dem ist vom moralischen Standpunkt aus völlig Recht geschehen: denn es war unmoralisch von ihm gehandelt, daß er sich mit nn« Gaunern überhaupt in Geschäftsverbindungen eingelassen hat. (Autorisierte Ausgabe von Mucki) IterHönoacfe (5o|ialAftnc?raHfcf)fs IDedjcnblaH Herausgeber: Ernst Sattler; verantwortlicher Redakteur: Wenzel Horn« Druck:„Graphia"; alle in Karlsbad- Zeitungstarif bew. m. P. D. ZL 159.334/VII-193J- Der„Neue Vorwärts" kostet im Einz®.'' verkauf innerhalb der CSR. K£ 1.40(für ein Quartal bei freier Zustellung KC 18.—). 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