Nr. 69 SONNTAG, 7. Okt. 1934 6i>$ialdmi>lräHfd)eg tttecfonftta# Verlag; Karlsbad. Haus„Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt; 70 Amtswalter-Ganoven allein in Sachsen Es kriselt in Hitlers Gefolgschaft Eine«Schlacht« gegen die Jugend Darres wahre Greuelmärchen Korruption wird zugedeckt Ausschluß der Oeffentlichkeit aus Furcht vor den Emigranten Ein Gericht des braunen Systems, die Große Strafkammer in Münster, hat den moralischen Zusammenbruch des Systems feierlich festgestellt Vor der Großen Strafkammer hatten sich der ehemalige Be- �irksleiter der NSBO des Gaues Westfalen, Walter Nagel, der frühere Gau betriebszellenobmann Adolf Uhle, der frühere Abteilungsleiter bei der obersten Leitung der PO der NSDAP, August Piontek; der frühere Gaubetriebszellenkassenwart Erich Nagel, der frühee Kreisleiter der NSBO Wilhelm Riemenschneider und der frühere Amtswalter Xaver Bühl wegen Unterschlagung, Vermögensaneig- öung und Untreue zu verantworten. Der Vertreter der Anklage, Staatsanwaltschaftsrat Dr. Eltenburg, stellte nach Verlesung des Eröffnungsbeschlusses den Antrag, wegen Gefährdung der Staatssicherheit die Oeffentlichkeit für den ganzen Prozeß auszuschließen. l�as Gericht— so berichtet die Systempresse— habe nichts zu verschleiern, aber man habe die Erfahrung gemacht, daß derartige Verhandlungen von Emigranten und sonstigen Elementen ausgeschlachtet würden, üm gegen das nationalsozialistische Deutschland im Ausland Stimmung zu machen. Das Staatsinteresse müsse allen anderen Erwägungen vorangestellt Werden. Das Gericht entsprach diesem An- frag und schloß die Oeffentlichkeit und auch die Presse während der ganzen Verhandlungsdauer aus. Das Staatsinteresse des braunen Sy- stems verlangt, daß Korruptionsfälle totgeschwiegen werden! Der Schleier Geheimnisses soll über sie gebreitet Werden. In jedem anständigen und gefestig- tcn Regime bedeutet die Aufdeckung und öffentliche Aburteilung von Korruptionsfällen nicht Schwächung, sondern R e i n i- g ü n g. Der Ausschluß der Oeffentlichkeit dokumentiert Schwäche, zugleich aber auch böses Gewissen und Furcht. Döses Gewissen; die Systempropaganda kat dem Volke vorgelogen, daß die braune Jfcrrschaft die Korruption zertreten, das öffentliche Leben und die Verwaltung rei- �gen werde. Sie hat einige große Schau- Prozesse geführt, die als„Korruptionspro- �asse" aufgezogen worden sind— man denke an den Gerekeprozeß! Sie hat Ehren- 'oännern aus dem politischen Leben und dar Verwaltung Korruptionsverfahren an- gahlngt, deren Ungerechtigkeit und Grund- oaigkeit zum Himmel schrie. Und nun? •Ausschluß der Oeffentlichkeit in den Pro- fassen gegen Träger des Systems, die un- farschlagen und gestohlen haben, deren moralische Fäulnis einen pestilenzartigen Geatank verbreitet Da sind viele, unendlich viele solcher fälle! Zu vielen Tausenden werden sie vcrtu8cht und niedergeschlagen. �aa korrupte Gesindel kommt mit einem arweia davon und darf an anderer Stelle �®iter stehlen. Nur ein Bruchteil der Fälle kommt vor Gericht und führt zu Verhand- braunc System die Wahrheit über die braune Korruption nicht mehr verträgt. Die Korruption als Massenerscheinung ist aber nicht nur die Folge davon, daß die sogenannte nationalsozialistische Revolution den moralischen Abfall des Volkes in Massen nach oben und in verantwortliche Stellen gebracht hat— sie ist zugleich eine direkte Folge der Diktatur, der restlosen Unterdrückung oer Freiheit der öffentlichen Meinung, des Terrors gegen jede Kritik! Die öffentliche Kritik ist und bleibt das beste Heilmittel gegen jede Korruption. Wird sie unterdrückt, so machen sich die gemeinschädlichen Elemente breit, und wird sie sogar vor Gericht vertuscht, so muß sich das Heer der braunen Korruptionisten als die staatlich geschützte Elite der Nation fühlen, jede Enthüllung über ihr Treiben als „Landesverrat" bezeichnen. So enthüllend der Ausschluß der Oeffentlichkeit in diesem Prozeß ist, so wird er doch noch übertroffen von der Begründung. Sie fürchten die Berichterstattung! der„Emigrantenpresse". Sie wissen gar nicht, welches Geständnis sie damit abgelegt haben. Sie gestehen, daß die Tätigkeit der Emigranten, ihre Berichterstattung ans Deutschland und ihre Publikationen heute die einzige öffentliche Meinung Uber deutsche Zustände, die einzige Möglichkeit der öffentlichen demokratischen Kontrolle des braunen Systems darstellen. Die ungeheuere Bedeutimg der politischen und publizistischen Tätigkeit der Emigration wird durch den Gerichtsbeschluß von Münster unterstrichen. Der sozialdemokratische Parteivorstand in Prag und seine Organe werden diese Funktion der Durchleuchtung des Systems und seiner Schande mit um so größerem Eifer erfüllen, je mehr das System diese Kontrolle fürchtet Keine Unterdrückung der Pressefreiheit, keine Vertuschung, kein Ausschluß der Oeffentlichkeit kann diese Kontrolle hindern! Die Unfreiheit in Deutschland hat uns zu anderen Methoden gezwungen— aber wir verfügen heute über Nachrichtenquellen in allen Gegenden Deutschlands, die uns genau, umfassend und zuverlässig unterrichten. Diese Methoden des Nachrichtensammelns sind neu, aber effektiv, so sehr, daß wir über diese Dinge in Deutschland besser unterrichtet sind als wohl sonst jemand in der Welt. Wir worden diese Methoden ausbauen. Das System mag ruhig über Landesverrat schreien, wenn wir den stinkenden Sumpf der braunen Korruption aufdek- ken— wir werden nur um so eifriger arbeiten, und unsere Mitarbeiter in Deutschland mit uns. Es ist ein stinkender Sumpf der Korruption! Wir veröffentlichen in dieser Nummer als kleine Stichprobe aus einem bändestarken Material eine Liste, die erkennen läßt, wie die Fäulnis um sich greift Korruption als Massenerscheinung hier, Furcht des Systems vor öffentlicher Kritik da— auf solcher Grundlage ruht das tausendjährige Reich Hitlers! Untreut, ertyninnt- verjuxt, veM, versoffen! Braune Korruption als Massenerscheinung—« Eine vernichtende Liste und Verurteilung. Würden alle diese . Ne bekannt werden, würde nur der In- � t der vor Gericht aufgerollten Fälle be- j nt werden— ein Schaudern müßte �llrch alle noch nicht moralisch verkomme- n Menschen- in Deutschland gehen! j Das ist es, was das System fürchtet, j, der Ausschluß der Oeffentlichkeit. das amtliche Eingeständnis, daß das Das System bemüht sich, die ungeheuere Korruption in den Organisationen der nationalsozialistischen Partei zu verhüllen. Aber der Gestank des braunen Korruptionssumpfes verpestet die Luft. Da hilft kein Verdecken! Wir veröffentlichen eine Liste von 70 nationalsozialistischen Korruptionsfällen aus Sachsen. Sie umfaßt nur ein Land und einen begrenzten Zeitraum. Aber auch für diesen Bereich kann diese umfangreiche liste bei weitem nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Es ist schwer, alles einwandfrei festzustellen, da die Parteiinstanzen der NSDAP mit allen Mitteln die Fälle von Unmoral und Unehrlichkeit zu verheimlichen suchen und zum größten Teil dem öffentlichen Gerichtsverfahren entziehen. So wie in Sachsen sieht es nachweisbar im ganzen Reich aus. Wir werden die Korruption in anderen Schichten ebenfalls aufdecken! Und— Partei und Staat sind eins! 1. Nazigeschäftsführer Hayn Im Waren- einkaufsverein Bautzen, Adjutant beim Sturmbann 1/103, Im Mai 1934 fristlos entlassen: RM. 720.— Gehaltsvorschuß, BM. 120.— Warenschulden, zu reichlicher Dläten- bezng. 2. Kreisleiter K i 1 a n fc vom Gesamtverband der Arbeiter der öffentlichen Betriebe Bautzen, Im April 1934 fristlos entlassen: Unrechtmäßiger hoher Diätenbezng. S. Kreisleiter K i 1 a n k(Bruder des unter 2. genannten) vom Landarbeiterverband Bautzen Im Mal 1084 fristlos entlassen, wegen Unterschlagung von Verbandsgeldern. 4. Standartenführer Glöckner(103), Bantzen, In Schntzhaft wegen Unterschlagung. 5. Standarten-Spielzngführer Stiebitz (103), Bautzen, in Schutzhaft wegen Un- terschlagnng von Uber EM. 1000.— Spielgeldern für öffentliche Konzerte. 6. SS-Sturmführer Berger, Bautzen, In Schntzhaft wegen Unterschlagung von Geldern der NS- Volks Wohlfahrt. 7. Platzkassierer Müller de« Steinarbeiterverbandes InDemitz-Thumitz unterschlägt die Beiträge von ca. 25 Mitgliedern vom Mai 1933 bis 1934, insgesamt RM. 1000___ 8. Nazi-Angestellter Bergelt Im DMV Chemnitz(ca. 25 Jahre alt): Schutzhaft wegen Unterschlagung von RM. 1875—. Bergelt soll vordem bereit« einmal linterschlagen haben. 0. Nazikassierer Wolf vom DMV und Angestelltenverband in Grüna b. Chemnitz hat sich wenige Stunden vor der Revision erschossen. Grund: Unterschlagung von Verbandsgeldern. 10. Nazikassierer Merkel vom Gesamtverband der Arbeiter der öffentlichen Betriebe Chemnitz im Juli 1933 825 RM. Fehlbetrag. 11. Kreisleiter G r o 1 n e von der NSDAP Döbeln wurde wegen Ehebruch mit Frauen seiner Kameraden(in einem Falle Ist Scheidung erfolgt) und nächtlichen Zechgelagen strafversetzt, später aber ans der SA und NSDAP ausgeschlossen. Die biefür benötigten hohen Beträge entnahm er der NS-Volks- wohlfahrt. 12. Nazi-Stadtrat Damme, Döbeln, ca. 23 Jahre alt, verfügte über Verhaftung und Dauer der Schutzhaft, mußte wegen Beteiligung an den' Unterschlagungen von Grolne(Fall 11) seine öffentlichen Aemter niederlegen und wurde später aus der SA ausgeschlossen. 13. Nazi-Stadtrat Beeger, Döbeln, war ebenfalls beteiligt und mußte ebenfalls seine öffentlichen Aemter niederlegen. 14. Nazi-Stadtverordneter Brauer, Döbeln, betrieb In seinem Textilwarengeschäft auch den Verkauf von SA-Unlformen und Ausrüstungen für den Gau Döbeln. Um seine persönlichen Schwierigkelten zu beheben, ließ er sich von seinen SA-Kameraden für Jeden Mantel BM. 3.— mehr geben, als vorgeschrieben waren. Br. soll so ea. 3000 Mäntel verkauft und damit BM. 9000.— ergaunert haben. Br. mußte auf Grund der Empörung sein Mandat niederlegen. 15. Pg. B a s 1 1 e n, Bezirksleiter im Hausangestellten- und Helmarbeiterverband Dresden, Im Januar 1934 fristlos entlassen. Grund: RM. 40.000.-*- unterschlagen. 16. Fg. P r e i B I e r, Gesamtverband der Arbeiter der öffentlichen Betriebe Dresden, im Januar 1934 fristlos entlassen. Grund: BM. 80.000.— unterschlagen und Tagesdiäten verrechnet, ohne auswärts tätig gewesen zu sein, außerdem RM. 150.— Welh- nachtsspende für Altersrentner verbraucht. 17. Pg. Klein, Krelslelter Im Gesamtverband der Arbeiter der öffentlichen Betriebe Dresden, wegen Beteiligung an der unter 16 geschilderten Unterschlagung entlassen. Prelßler war früher Hilfsmonteur bei der „Drewog", wurde hier als Techniker eingestellt. Klein, der 1929 einige Monate Gefängnis wegen Vertrieb von gefälschten Invaliden- marken erhielt, fand bei der Kraftverkehr Freistaat Sachsen A. G. Anstellung. 18. Pg. Brock, neuer Personaldirektor der„Drewog" in Dresden, vor' einigen Monaten aus der Stellung geschieden. Grand: Unterschlagung von Uber BM. 20.000.—. 19. Beitragskassierer Anger Im Gesamtverband der Arbeiter der öffentlichen Betriebe Dresden, im April 1934 fristlos entlassen. Grand: RM. 2000.— unterschlagen. 20. Beitragskassierer B e r g e r Im Gesamtverband der öffentlichen Betriebe Dresden Im April 1934 entlassen. RM. 700.— unterschlagen. 21. Pg. Strobacb, Kreisleiter des DMV Dresden, fristlos entlassen wegen unkorrekter Geschäftsführung und Unterschlagung. 22. Pg. Lamperter, Nazi-Geschäftsführer Im KV Vorwärts, Dresden, a. D. gesteUt Bis zur Stunde RM.' 17.000.— Fehlbetrag festgestellt. 28. Fg. Koch, Nazi-Angestellter im KV Vorwärts, Dresden, wegen Veruntreuung zur Disposition gestellt. Untersuchung noch nicht abgeschlossen. 24. Pg. I r m e r, Unterkassierer in der Zigarettenfabrik Greiling, Dresden, im Juni 1934 fristlos entlassen. Unterschlagung von RM. 400.—. 35. Pg. Student, Amtswalter im Tabek- arbeiterverband Dresden, im März 1934 fristlos entlassen. HM. 400.— unterschlagen. 36. Pg. M e 1 b i g, Vereinsführer..Volksgesundheit oberer Waldteich b. Moritzburg" in der Nähe Dresdens, entlassen. BM. 1400.— unterschlagen. 27. Pg. Hassel, N SRO-Beauftragter und Bezirksleiter im DMV, Bezirk Sachsen, Sitz Dresden, im September 1933 entlassen. Ca. 11.000 RM. unterschlagen. 33. Pg. MUller, Beitragskassierer im DMV Dresden, im August 1933 entlassen, 310 RM. entwendet. 39. Pg. Hllsky, Freital, ca. 30.000 BM. Winterhilfsgelder unterschlagen. 30. Pg. Winzer, Freital, beteiligt am Fall 39. 31. Pg. Braun, Werkmeister und SA- Mann bei Fa. Anton Reiche, Dresden, fristlos entlassen, well er den Erlös von 5000 BM. für verkaufte Bücher„Mein Kampf" unterschlagen hat. 33. Pg. Lämperter, NSBO-Kasslerer im Baugewerksbund Dresden, August 1933 erschossen, well ca 3000 RM. fehlten. SS. Pg. R e m u ß, Nazi-Aufsichtsrat im Konsumverein L e i p z 1 g-PIagwlts, ca. 40.000 RM. unterschlagen. 34. Pg. L a ng e, Beitragskassierer Im DMV Leipzig, 540 BM. unterschlagen. 35. Pg. M i c k o n I, NS- Volkswohlfahrt (Winterhilfe) 4000 RM. unterschlagen. 36. Pg. Krüger, NSBO-Kretsleiter im Lebensmittel- und Getränkearbeiterverband Meißen, wegen Unterschlagung in Schutzhaft in Hohnstein. 87. Pg. Krätschei, Nazi-Angestellter im Wohlfahrtsamt der Stadt Meißen, wegen Veruntreuung entleibt. 38. Pgn. Martin, Meißen, Leiterin der WohlfahrtskUohe, und ihre Mitarbeiterin wegen Unterschleife entlassen. 39. Pg. Moritz, Standartenführer, wegen Unterschlagung entlassen. 40. Pg. Krenkel, NSBO-Betriebsrat in Fa. Grabe- und Schregerwerk Meißen, wegen Unterschlagung von SammellUtengeldern entlassen. 41. Pg. Rost, Nazi-Gemeindevorstand in Lampertswalde, 8000 RM. unterschlagen. 43. Pg. Thelle, NSBO-Amtswalter in Riesa, 600 RM. unterschlagen.§ Kl St.-GB. geltend gemacht, trotzdem in Nazikreisleitung Großenhain weiter beschäftigt. 43. Pg. Scholwln, Kreisleiter DMV Riesa: Juni 1934 376 BM Defizit 44. Pg. Sturmführer Robert Matthe s, früher Olbernhau, Jetzt Sayda l. E„ führte mit Vorliebe Verhaftungen durch. Seit Jahren Familie verlassen, mehrere uneheliche Kinder in die Welt gesetzt kürzlich nächtlicher Einstleg in das Frauenarbeitsdienstlager Obersaida bei Sayda L. E. Seine Tätigkeit bestand in Zechgelagen mit Freunden, bat drei Autos kaputgefahren, Uberall Schulden für angefertigte Sachen, besonders aber mehrere hundert Reichsmark Benzinschulden bei Olbernhauer Tankstellenbesitzern. 45. Pg. Sehneider, Geschäftsführer der Nazi-Ortsgruppe Olbernhau, wegen Unstimmigkeiten entlassen. Schneider war vorher wegen Diebstahl von Liebespaketen, die für seine Beicbswehrkameraden bestimmt waren, bei derselben entlassen worden. Trotz dieser Verfehlungen Anstellung in einem Baubüro, wobei zu Saisonschluß Unterschlagung von 0000 BM. Invalidenversicherunga- beiträgen festgestellt wurde. Trotzdem neuerlich nach Thüringen versetzt, seine Ehefrau mit Kind im Stich gelassen. 46. Pg. Roland Richter, NSBO-Kasslo- rer im Baugewerksbund Oibernhan, wegen Unterschlagung fristlos entlassen. 47. Fg. Walter Schmidt wurde N SBO- Kreisleiter im Gesamtverband der Arbeiter der öffentUchen Betriebe in Olbernhau. Obwohl bekannt war, daß er Gegenstände aus dem mütterlichen Lederwarengeschäft entwendete und verkauft hatte und den Erlös mit Weibern verpraßte, Anstellung. Mußte bald entlassen werden, weil Kasse nicht stimmte. 48. Pg. Meinhold, Totschläger und Nazi-Größe in Olbernhau, wegen Verleitung zum Meineid 1 Jahr Zuchthaus! 49. Pg. Scheidt, Nazl-Krelsflnanzwart im Gesamtverband der öffentlicehn Betriebe Plauen 1. V., wurde flüchtig nach Unterschlagung von 5500 RM„ darunter Kirchengelder und Gelder der Ortsgruppe Pöhl. 50. Pg. S a n d n e r, Krelsflnanzwart im Textilarbeiterverband Plauen. Aufnahmegebühren und Beiträge in Höhe von 800 BM. unterschlagen. 50. Pg. S t r u n z, NSBO-Kreisleiter, wurde 3. Direktor Im Arbeltsamt Plauen, wurde nach achtwöglgem Krankenurlaub entlassen, Kein Klassenkampf• aber Klassenhaß Die neudeutschen Herren brüsten sich damit, daß sie den Klassenkampf„abgeschafft" haben. Das ist nicht unrichtig. Die Arbeiterschaft Ist aller Rechte beraubt, die diktierten Arbeitsbedingungen müssen schwelgend hingenommen werden, es gibt keine Pressefreiheit, keine Redefreiheit, es gibt nur noch Befehlen oben und Gehorchen unten. Das ist in der Tat kein Kampf mehr— das Ist Sklaverei.' Aber etwas anderes gedeiht: der Klassenhaß! Die Unterdrückten rächen sich; da sie nicht offen kämpfen dürfen, stechen sie heimlich mit Nadeln. Bis in die nätlonal- sozialistische Presse dringt dies. Der„Alb- Bote", Waldshut, schreibt: Da gibt es z. B. eine Herrenschicht, Führer von Gehurt aus, kraft ihres Seins und Habens oder aber auch nur kraft eigener Einbildung haben sie über das„Volk" die Nase gerümpft, da sie das Volk als den Pöbel ansahen, mit dem man sich nicht vermischen dürfte. Dem Kampf Adolf Hitlers um das Volk haben sie irgendwo von ihrem Wolkenkuckucksheim aus zugesehen: sie haben sich gefreut darüber, daß die Nazis neben anderem auch Wehrwillen und nationale Gesinnung im Volke neu erweckten: sie haben aber nie Verständnis dafür gehabt, daß auch der einfache Arbeiter als vollwertiger Volksgenosse ihnen gleichgestellt werden sollte... Als sich trotz aUer Widerstände die NSDAP, durchsetzte, stellte man um, d. h. man stellte sich vorn dran zur Verfügung, um die Führerschicht zu stellen. Im„Frankfurter Volksblatt" beschwert sich ein Schofför darüber, daß er als Kurgast in Bad Kohlgrub, Oberbayem, nicht „als Volksgenosse" behandelt worden sei. Ein Bankdirektor habe den Mittagstisch nicht mit ihm teilen wollen. Ob das vielleicht die neue Volksgemeinschaft sei? Im„Deutschen" zieht ein Leitartikler "• mächtig gegen die feinen, vornehmen Pgs. mit den neuen Mitgliedsbüchern vom Leder; „Diese Herrschaften können vielleicht besser schwadronleren als wir, machen vielleicht auf ästhetischen Tees eine bessere Figur als wir, können sich blumiger ausdrücken als wir, nicht so fuhrknechtsmäßlg fluchen als wir, aber eines fehlt ihnen doch, eine ganz geringe Kleinigkeit: Wir sind uns nicht ganz einig darüber, wie sich diese Herrschaften in einer nach allen parlamentarischen Spielregeln der vergangenen Jahre aufgezogene Saalschlacht benehmen würden." Und das Propagandaministerium 7 Verbietet es den Zeitungen, die in der Art„hetzen" nicht den Mund? Nein! Dazu ist gar kein Grund vorhanden. Mögen sich die Pg.'s niederer Klasse ruhig ein wenig ausfluchen, das tut gut und lenkt ab. Die Thyssen und die Krupp, die Vogler und Kirdorf, die großen Duisberge und die kleinen Mutschmanns scheren weiter ihr Schäfchen, die Löhne werden welter gedrückt— und eine Arbeiterschaft, die nichts welter vom Unternehmer verlangt als freundliche Blicke und ein bißchen kollegiales Getue wäre den Generaldirektoren eben recht. Die Löhne sinken—« der Apparat wächst Der„Völkische Beobachter" meldet triumphierend; „Der Sitz der Reichsbetriebsgemeinschaft 15„Leder" befindet sich in der Michaelkirchstraße 14, im Hause des ehemaligen„Deutschen Lederarbeiter-Verbandes", das sich allerdings Im vorigen Herbst als zu klein erwies. Das Haus wurde ausgebaut und aufgestockt, wodurch zehn neue BUroräume geschaffen wurden." Und wieviel neue Autos wurden gekauft? Die Vormärzentrüstung über die luxuriösen „Gewerkschaftspaläste" scheint vergessen zu sein je kleiner die Aufgaben der„Arbeitsfront" sind, desto größer werden ihre Häuser. Wenn eines Tages kein deutscher Arbeiter mehr nach Tarif bezahlt wird, dürfte die Arbeitsfront in Jeder Stadt über einen Wolkenkratzer verfügen. „Unruhestifter werden bestraft!" Unter dieser Ueberschrift ist in der nationalsozialistischen Textilarbeiterzeitung folgende Notiz zu lesen: „Der Werberat der deutschen Wirtschaft hat einem Berliner Schneidermeister die Genehmigung zur Wirtschaftswerbung entzogen, und zwar bis zum Ende dieses Jahres, well er durch Postwurfsendung das Publikum aufforderte, sich sofort mit guten Stoffen einzudecken. Dies sei die sicherste und beste Geldanlage. Der Werberat hat sich dem gegenüber auf den Standpunkt gestellt, daß dadurch der Eindruck erweckt würde, a18 ob in Kürze nicht nur eine Verknappung auf dem Stoffmarkt zu erwarten sei, sondern darüber hinaus auch erhebliche Preissteigerun gen bevorstünden. Dies bedeute eine gröbliche Irreführung des Publikums." Die Irreführung des Publikums liegt auf selten des Werberates! Der Schneidermeister wollte seine Kunden davor bewahren, sich nächstens mit Ersatzstoffen kleiden zu müssen, die ihnen außerdem noch teurer zu stehen kommen, als die gute Ware. Well aber solcher„Dienst am Kunden" unter der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik, die völlig den Kriegsinteressen unterstellt l®1' nicht erwünscht Ist, darum wird dem Schneidermeister die Werbung Uberhaupt verboten. Er kann vom Glück reden, wenn er nicht außerdem in ein Konzentrationslager befördert wird. Richard Hauptmann und die Juden Der deutschen Presse kann der Vorwurf nicht erspart bleiben, daß sie sich bisher viel zu wenig eines Mannes angenommen hat, der im Ausland geradezu vorbildlich die Prinzipien des Dritten Reiches vertreten bat: wir meinen den Herrn Richard Hauptmann, auch Llndbergh-Hauptmann genannt. Wir reden nicht einmal von Menschenraub, Erpressung und den übrigen Greueltaten bei der Entführung des Llndbergh-Baby, nein, uns interessiert ein einziger Punkt, der beweist, daß dieser Hauptmann der Ehrenbürgerschaft im Dritten Reich noch sehr viel würdiger ist als selbst die Mörder von Potempa, der Zuhälter Horst Wessel und andere rauhe Gesellen. Kaum gefaßt, bat dieser Hauptmann sofort die Geistesgegenwart besessen, für seine Tat die Juden verantwortlich zu machen. Das bei ihm gefundene Lösegeld hätten ihm nämlich Isidor und Pinkus Fischer zur Aufbewahrung dagelassen. Echt jüdische Tücke! Die Juden begehen das Verbrechen, den armen ehrlichen Bürger des Hitlerrelches belasten sie mit dem Gewinn. Sollte nicht Hauptmann für eine Redakteurstelle an Streichers Stürmer reif sein?— Aber vielleicht würde dies Blatt dadurch anständiger als es heute ist! Keine Teuerung, nur Marhtregelung Man schreibt uns aus einer süddeutschen Stadt: Das Schweinefleisch kostete früher 75 Pfennige. Nunmehr ist es auf 00 Pfennige das Pfund hinaufgeklettert. In einer Fleischhauerei stehen einige Frauen und geben ihrer Entrüstung über diese Teuerung Ausdruck. Sie sollen gerade nicht schmeichelhaft über die Regierung gesprochen haben. Dazwischenhineln spricht man auch ein bißchen über den Metzger und seinen Verdienst. Der Metzger setzt sich zur Wehr und erklärt den staunenden Hausfrauen, daß der vorgeschriebene Verkaufspreis für Schweinefleisch im Schlachthaus mit 92 Pfennigen SB' geschlagen sei, daß er mithin sogar noch unter dem Preis verkaufe. Uebrtgens mach» er die Frauen aufmerksam, daß die letzt« Heraufsetzung des Fleischpreises kein® Teuerung, sondern nur ein Zuschlag, der durch die Marktregelung bedingt sei. Wenn Jemand Uber Teuerung spreche, so habe er das Recht, diesen ö®r Polizei zu melden. Niemand dürfe von Ted' erung, sondern nur von Zuschlag spr«' chen! Das Teueningsgesprttch im Laden abgebrochen. Ueber solche Dinge, die sehr rasch<®e Runde bei den Marktfrauen machen, wird«tn* gehend diskutiert Man schüttelt den Kopf und wartet auf die nächste Erfindung def geistreichen Marktregler. Hitlers»Deutsche Christen« haben bei beantragt, aus der Bibel den Satz streichen zu lassen:»Und tausend Jahre sind von ihm wie ein Tag!« Der Führer hat zug«' stimmt. weil er von der Ortakrankenkasse 5000 RM. für die Arbeitsfront borgte, und dafür ein Auto kaufte. Dies soll ohne Wissen der Arbeitsfront geschehen sein. 53. Fg. Schlegel, Nazi-Kantineaverwalter im Schrebergartenverein„Fiühauf", Z w i c k s u-Scbedwitz, nach Veruntreuung von 200 RM. flüchtig. 63. Fg. Schulze wurde Schlegels Nachfolger, im Frühjahr 1934 wurde auch dieser noch Unterschlagung von 1000 RM. flüchtig. Vereinsführer suchte zu vertuschen. 64. Fg. Delang wurde Kreisleiter der NSDAP Dippoldiswalde, obwohl er bereits wegen Diebstahl mit 8 Monate Gefängnis vorbestraft war. Hat Jetzt als Kreisleiter Sammelbüchsen geöffnet nnd Beträge unterschlagen. 55. Fg. Uhlmann, Sehmiedeberg, SA-Scharführer, wegen Unterschlagung von 200 RM. ans SA ausgeschlossen. Wurde nach kurzer Zeit Oberscharführer In Dippoldiswalde, wo man bald das Fehlen der Arbeits- frontanzugsgelder des Bezirkes Dippoldiswalde feststellen konnte. 56. Pg. Schmidt Jan., Amtswalter der DAF— Abt. Pspieirerarbeitnng— Warzen, fristlos entlassen wegen Untersehla- gung von 2000 RM., erhielt X Jahr Zuchthaus, sein Vater wegen Beteiligung 6 Monate. 57. Pg. Reinhardt, Amtswalter Im Gesamtverband der Arbeiter der öffentlichen Betriebe In Würzen, alter Kämpfer und Nazi-Stadtverordneter, ca. 5000 RM. onter- schlagen. 58. Fg. Ufer, Beitragskassierer und Amtswalter Im Heimarbeiter- und Hausange- stolltenverband Würzen, ca. 7000 BM. unterschlagen. 59. Pg. M o m m w a 1 d, Beitragskassierer im Gesamtverband Würzen, 400 BM. unterschlagen. 60. Pg. J ü n g 1 1, Amtswalter im Zimmere rver band Warzen, 500 RM. unterschlagen. 61. Fg. Franke, Vertrau ensra tobmann auf Schachtanlage Brücken her g L Z wikkau, 600 RM. Naziabseichengelder unterschlagen. 62. Fg. Mitnlle, 1. Steliv. des Vertrauensratobmannes auf dem Tiefbauschacht Zwickau, hat Gelder für Arbeitsfrontan- züge und Naziabzeichen in Höhe von 300 BM. unterschlagen. 68. Pg- Deckest, L Stellvertreter dee Vertrauensratobmannes im Jüdischen Kaufhaus Schocken in Zwickau, hat als Sekretär der Einkaufszentrale ca. 9000 RM. unterschlagen. 64- Pg. Kunz, Kassierer in der Kreisbe- triebsgemelnschaft Elsen und Metall in Zwickau, hat 600 RM. unterschlagen. 65. Fg. Jähnlehen, Ortsgruppenleiter Zwickau-Nord, hat einkassierte Gelder in Höhe von 168 RM. un te r schlagen. 66. Der alte Kämpfer und Pg. Dietel in Olbernha n-Niederneuschönberg, Kassierer im Fabrikarbeiterverbaad, hat Gelder unterschlagen. Unterschletfe wurden dadurch bemerkt, daß bei einer plötzlichen Arbelts- losigkeit in der Zttndholzfabrlk Carl Meyer die Arbeiterinnen S teilen! osennnterstütznng beantragten. Nun waren von Dietel anstatt der hohen Wochen bei träge nnr Marken von I« Pfg. wöchentlich verwendet worden. Der Bezirksleiter nnd Ortsleiter der DAF beruhigten die Arbeiterinnen, sie sollten dem Dietel die Ehre nicht abschneiden usw., sie bekämen schon Unterstützung. Im Orte 3®� das Gespräch davon, ferner, daß sich Dl«**1, um der Verantwortung sich z. Zt. zu ziehen, sich in ein Krankenhaus bat ontef bringen lassen. Dieses Stadtgespräch Unterschlagung wird mit folgender An*«1!6 im hiesigen General-Anzeiger geahndet: Warnung! Gebe hierdurch bekannt' daß ich Jeden gerichtlich belange, der<�e unwahren Gerüchte über meinen Mann, def zur Zeit im Krankenhause liegt, verbreitet- Helene Dietel, Niederneoscbönberg � Vielleicht stecken der Kreis- und Ortsgriff penleitor unter einer Decke mit dem Diete1' «7. Ein Beauftragter der DAF im BealrK 0 1 b e r n h a n-Marienberg, namens Bauer' hat die anläßlich des Besuchs von 1000 f00' roern im hiesigen Bezirk eingesamnoe"®0 Teilnehmergebühren von 11.000 RM- ontet sehlagen nnd\forde flüchtig. Er wurde v®r' haftet nnd erhängte sich in der Amtsgerkh4*" zelle in Marienberg i. E. 68. Der Freiheitskampfkolporteur K«®1 p e in O 1 b e r n h a o, ein alter Pg. und KÄffP fer, unterschlug 1100 RM. Abonnements?�� der. Seine mutige Tat wnrde amnestl«r 69. Die Ehefrau des Braue reigeschbtt* führen nnd Tochter des Oberfeldzeugö� sters Schreiter in Olbernhau, �r»11 Dorm Buch heim, unterschlug 380 S' Eintritts- nnd Mitgliedsgelder des BDM. 70. Kreisleiter Böhme der SSO** Freiberg wurde nach Vernntreuung � 48.000 RM. zum Parteitag in Nürnberg ver haftet. Das ist die Sauberkeit d® � öffentlichen Lebens, die braune System über Deutschland gebrach hat! Amnestie unten? Die Amnestie aus Anlaß der„Volks- Wahl" Hitlers zum Reichspräsidenten umfaßt nach den amtlichen Angaben rund 420.000 Fälle. Im Jahre 1930 werden in ganz Preußen insgesamt 314.000 Strafverfahren anhängig. Also müßten die deutschen Gefängnisse und Konzentrationslager heute leer sein, die Justizmaschine müßte stillstehen aus Mangel an Material? Keine Rede davon! Die Verurteilungsmaschine arbeitet mit Hochdruck. Die Gestapo liefert täglich in Massen neue Opfer, die Gefängnisse sind überfüllt wie niemals zuvor. Und das alles trotz der Amnestie! Man erkennt daran, welches furchtbare Ausmaß der Justizterror in Deutschland angenommen hat Es gibt keine offizielle Kriminals tatistik, die dies ausweist— aber der Vergleich dieser beiden Zahlen spricht deutlich genug! 420.000 Fälle von Amnestie— und wie viele mögen nicht amnestiert sein? Es wird noch dahin kommen, daß die Kriminalstatistik zur Wahlstatistik wird, weil sie deutlicher noch als die Wahlstatistik wird erkennen lassen, wie viele Gegner dem System gegenüberstehen, die von der System- Justiz mit Verfolgung geehrt werden! Amnestie— aber keiner, der ein wirklicher Kämpfer ist, der mehr ist als ein Unzufriedener, wird amnestiert. Grausam und barbarisch wie in den ersten Zeiten des Systems ist der Terror. Eben erst hat wieder die Blutjustiz gearbeitet. Kommu- Bist Jasper, einer BUrgerkriegstat beschuldigt, die zeitlich tun anderthalb Jahre *u rückliegt— Sondergericht, Todesurteil, Bach drei Tagen Hinrichtung! Amnestie— für wen? Wie viele der 420.000 Amnestierten sind Parteigänger des Systems, wie viele Pgs? Ungeheuer Sroß ist die Zahl der korrupten Elemente « der NSDAP und ihren Organisationen! Nur ein Teil der Fälle kommt vor Gericht Sind alle diese Fälle amnestiert worden? Der„Angriff" feiert diese Amnestie. Er spricht in seinen Ausführungen von einer ..Amnestie auch unten", vom »Friedensschluß unten im Volke". Er fühlt sich noch auf der Höhe der kfacht des Systems und wiegt sich in dem Glauben, daß es das System sei, das den Frieden unten gnädigst gewähren könne. Zum Friedensschlüsse aber gehören immer swei! Gegen den Terror von oben steht der Unermüdliche unterirdische Kampf. Wenn System anfängt, von„Friedensschluß Unten im Volke" zu reden, so werden die Kämpfer von unten diese Töne verstehen! Für sie gibt es nur einen Frieden— Bach dem Sturze des Systems! Amnestie uuch unten? Was immer der„Angriff" da ?BU gemeint haben mag— auf eine Amnestie von unten dürfen die braunen Verbrecher nicht rechnen! Es kriselt In Hitlers Gefolgschaft Krach in den Gruppen—' Parteigerichte— Denunziationen Ganoven-Disziplin Unlängst verweigerten vor einem deut- Gericht natlonalaozialiaüsche politische Kelter, die als Tatsachenzeugen in einem Strafprozeß vernommen werden sollten, die Aussage. Ihr Kretaleiter, so entschuldigten 819 sich, habe ihnen die Aussage-Genehmi- Suu* nicht erteilt. Die parteioffizielle Nationalsozialistische Korrespondenz bemerkt dazu, die Zeugnisver Wo'gerung sei durchaus berechtigt, und In der„Deutschen Richterzeitung" versichert �>r- Koch-Paderborn, die politischen Leiter der �SDAP. seien zwar keineswegs Beamte, wohl Uber Volksführer. Aber gerade in dieser Eigenschaft müßten sie bei ihrer Tätigkeit ln manschen Stichen strengste Ver- 8chwlegenheit walten lassen, wenn Bloht die Partei und damit Staat und Volksgemeinschaft Schaden leiden sollen. Koch behauptet, daß die Politischen Leiter nach Sinn und Zweck der Gesetzesbestimmung der �Bssagegenehxnigung vor Gericht bedürfen. der Richter bei der Vernehmung der Politisch,;,,, Leiter stets von sich aus prüfen 'Büsae. ob die erfragten Tatsachen der Amts- Verschwiegenheit der Zeugen unterliegen, sei selbstverständlich.„Aus praktischen Erwi- Sungen" schlägt dieser deutsche Jurist vor, üäß füj. politischen Leiter seines Kreises Aussage-Genehmigung vom Kreisleiter öhzuboien sei. So! Wenn das Gesetz wird— und wer Sollte daran zweifeln!— dann sollen die Putschen Richter mal versuchen, Licht in dle zahllosen dunkeln und s c h m u t- 2igen Strafsachen zu bringen, in die Bberhundert große und kleine Parteibonzen �B'wickelt sind! Daß die Ganoven ein und �melbea Bande einander nur in äußersten Notfällen verpfeifen, weiß man. Daß aber der Staat selbst diesen Ganovenbrauch unter- �Ut2t, Ja, daß er ihn den Komplicen der Färbrecher geradezu anbefiehlt, ist neu. In vielen Gauen der nationalsozialistischen Partei kriselt es seit dem 30. Juni sehr kräf tig. Die Mitglieder bewahren zum Teil Ihre Sympathie für die„Erledigten", zum Teil weisen sie mit Fingern auf ihre örtlichen Führer, sprechen vernehmbar von Korruption, Verschwendungssucht, Betrügereien und fragen, was sich seit der„Generalreinigung" eigentlich geändert habe. Ab und zu vergißt sich ein kleines Provinzblatt und plaudert etwas über diese Kämpfe aus. Wir zitieren einen Versammlungsbericht aus der„Nordhäuser Z e 1- t u n g". Es ist nicht leicht, sich in diesem Wirrwarr versteckter Bosheiten zurechtzufinden, und was vorangegangen ist, wird ängstlich verschwiegen. Aber einen Begriff von der„herrlichen Bewegung" bekommt man trotzdem: Der Kreispropagandaleiter wandte sich in scharfen Ausdrücken gegen alle jene Kreise, von denen er und führende Männer der Kreisleitung täglich mit Beschimpfungen niedrigster Art anonym überfallen würden. Der Kreispropagandaleiter hob hervor:„Wir werden schweigen und diszipliniert bis zur Klärung der Angelegenheit in Reservestellung verharren. Nur eins sei noch einmal klar festgestellt: Wir sind Diener der Sache— nicht Diener der Person. Ob heute dieser oder jener Parteigenoase Kreisleiter ist, spielt für uns keine Rolle. Solange er die Vollmachten der vorgesetzten Dienststelle besitzt, ist er unser Führer. Wir wissen, daß die Männer der Partei, die in den vergangenen Monaten bis heute treu zur Partei gestanden haben, von vielen Kreisen der Bevölkerung scheel angesehen werden..." Und dann ergriff der Kreialeiter, der soeben eine heimliche Ohrfeige erhalten hatte, das Wort; „Er sprach die Vermutung aus, daß der Reichsinspekteur wahrscheinlich die Aufklärung der Nordhäuser Bevölkerung besorgen werde. Dann werden Jene Sympathien(für den Vorredner? Für die am 30. Juni abgesetzten? Das ist nicht ersichtlich. N. V.) restlose flöten gehen. Ich bin daran nicht schuld, es konnte ja bei dem Vergleich in Weimar bleiben. Die letzthin getroffene Maßnahme des Gauleiters wird in den kommenden Wochen durch höhere Instanzen nachgeprüft... Es geht nicht an, daß Unterschriften für Proteste gegeben werden." Und so geht es weiter— spaltenang. Es hat also schon einen„Vergleich in Weimar" gegeben, es ist untersucht und recherchiert worden, aber die Angelegenheit„schwebt" weiter, der Krach geht weiter, und die Mitgliedschaft meutert weiter. Skandal In Krähwinkel, könnte man sagen. Aber es geht anderwärts, in großen und kleinen Orten, nicht anders zu. Teils wird protestiert, teils denunziert, teil stille Opposition getrieben. Die„Thüringer Tageszeitun g", HUJburghausen, jammert In einem Versammlungsbericht Uber das katastrophale Nachlassen der Begeisterung: Ortsgruppenleiter Kühles führte aus, daß zwar nach dem Willen des Stellvertreters des Führers keine Kontrollen Uber die Teilnahme In den Mitgliederversammlungen durchgeführt werden sollen, daß man aber von jedem wirklichen Parteimitglied erwartet, daß es freiwillig und möglichst regelmäßig zu den Veranstaltungen der Partei komme. In Hildburghausen scheint man noch nicht zu dieser Erkenntnis gekommen zu sein. Er berichtete auch Uber den Erfolg der Werbewoche, der noch mancherlei zu wünschen übrig läßt___ Wir verstehen auch die Bitte des Pg. Schulz, Veranstaltungen der Jugend in unserer Stadt zu besuchen und nicht— wie es am vergangenen Sonntag geschehen ist— einfach fernzubleiben. Hinter diesen kleinlauten Sätzen tun sich gähnend leere Versammlungssäle auf. So steht es In Thüringen. Und im übrigen Reich? Eine kleine Probe aus dem Organ der Deutschen Arbeitsfront. Amtswalterappell und Fahnenweihe in Berlin-Lichterfelde: „Der Redner wandte sich an diejenigen, die glauben, von jetzt ab nur noch Geheimpolizei spielen zu müssen. Es sei eine bodenlose Unverschämtheit, wenn durch solche Denunziation den eingesetzten Amtswaltern das Leben verbittert würde." Ob Thüringen oder Berlin— der Dreck liegt meterhoch. Der Nationalsozialismus hat nicht nur das„gesamte Volk", sondern auch seine eigene Mitgliedschaft In so vorbüd- Ucher Weise geeinigt, daß täglich kleine Umlegungen nach dem Muster des 30. Juni zu gewärtigen sind. „Gassdiu� tut not66 In den letzten Monaten Ist besonders in den deutschen Groß- und Mittelstädten die Organisation für den Luft- und Gasschutz mit großer Eile ausgestaltet worden. Die Häuser wurden von Sachverständigen kontrolliert und wo es möglich und notwendig erscheint, wird ein Ausbau und Ausbetonieren der Keller veranlaßt. Bei Neubauten sind von vornherein entsprechende behördliche Anordnungen zu berücksichtigen. In den von zahlreichen Familien bewohnten Häusern wurde vor einiger Zelt die Einrichtung von Hauswarten für den Gasschutz durchgeführt. Die Polizei und ein Beauftragter der NSDAP, mußten für jedes Haus einen männlichen Bewohner als solchen bestimmen. Das war aber leichter gedacht und befohlen als getan! Denn auch bei dieser Maßnahme zeigte sich wieder, daß u n- ter breiten Arbeiter- und Ange- stelltenäcbichten ein nicht zu überwinden der Widerstand gegen dasbestehendeRegimevorbanden ist. Aus einer Großstadt Mitteldeutschlands wird uns zuverlässig mitgeteilt, daß es In zahlreichen Häusern, die von Arbeitern und Angestellten bewohnt werden, unmöglich war, Hauswarte zu finden. Die Uebemabme dieses Postens wurde meist wegen Zeitmangel, Ungeeignetheit usw. von den in Aussicht genommenen Personen abgelehnt. Selbst elngeechriebene Mitglieder der NSDAP, wollten sich dazu nicht hergeben! Sie konnten häufig erst nach einem Druck durch ihre Partei dazu veranlaßt werden. Aber es gibt zahlreiche Häuser, für die kein Hauswart gefunden werden konnte, so daß diese Häuser von anderen betreut werden müssen. Für die Hauswarte sind wöchentlich In- struktionsatunden angesetzt. Sie erhalten Unterricht über das Verhalten bei Gasangriffen und sind verpflichtet, den Hausbewohnern die erhaltenen Instruktionen zu Ubermitteln. In aller Stille wird Alarm zur Verteidigung gegen Luft- und Gasangriffe angesetzt. Als ob die örtlichen Aemter von oben in Kenntnis gesetzt worden seien, daß in nächster Zeit ernsthaft mit dieser Gefahr zu rechnen sei! Taugt diese Organisation, die, wenn die Friedenabeteuerungen der Relcharegierung ernst gemeint wären, völlig überflüssig ist, auch nicht für einen Schutz gegen Gasangriffe, so bezieht sie doch die weitesten Volkskreise in die MUltarisierungamaßnahinen ein. Sie schafft aber außerdem mit den vorhandenen Spitzen und Aemtern wieder eine große Anzahl von Pöstchen für nationalsozialistische Bonzenanwärter! kunft müßt ihr einer dem Staat dienenden Organisationen angehören. Der Staat dient euch. Und darum ist eure sittliche Pflicht, dem Staat zu dienen... Es ist jetzt ein Erlaß vom Führer der Deutschen Arbeitsfront herausgekommen, der besagt, daß jedes Mitglied der Arbeitsfront von 14 bis 18 Jahren auch Mitglied der Hitlerjugend sein muß. Andernfalls er aus der Arbeltsfront ausgeschlossen wird. Ich zwinge keinen, Mitglied im Bund Deutscher Mädel zu werden. Aber ich kann nicht verstehen, weshalb ihr es nicht werdet. Von Zwang kann da wirklich gar keine Rede sein. Wer aus der Arbeitsfront ausgeschlossen wird, muß zwar ein bißchen verhungern, denn er bekommt keine Arbeit mehr, aber der Hitlerjugend liegt ja gerade daran, daß die Mädchen freiwillig zu ihr kommen, da kann man ihr so ein ganz kleines Druckmittelchen nicht verargen. Sie zwingen niemand In Marienburg sprach ein Bannführer der Hitlerjugend, Weymann, zu den Jungarbeiterinnen zweier Fabriken. Er sagte: Wir zwingen keinen von euch, in den Bund Deutscher Mädels zu kommen. Ihr sollt selbst erkennen, daß dort euer Platz ist. Aber wir sagen es offen, in Zu- 6 Millarden an Sozialfürsorge„ersparf" Wir stark der„Abbau" in der Fürsorge bereits fortgeschritten ist, beweisen sogar die offiziellen Zahlen über ihre Kosten, die jetzt veröffentlicht worden sind. Die Aufwendungrai für die Hilfsbedürftigen, die nicht in Anstalten untergebracht sind, betrugen im letzten Jahre vor der Naziherrschaft(1932/1933) 2097 Millionen Mark, während sie Im Jahre 1B33/1934 auf 1866 Millionen Mark gesunken sind. Die Fürsorgeverbände haben also an den Armen mehr als 230 Millionen Mark erspart, Auf den Kopf der Bevölkerung umgerechnet, ist eine Senkung der Belastung durch die Fürsorgeleistungen von 32.2 RM. Im vorangehenden auf 28.6 RM. im letzten Jahre eingetreten. Den Notleidenden ist dabei In viel stärkerem Maße Hilfe entzogen worden, als diese Zahlen beweisen. Von den aufgewandten Fürsorgemitteln sind nur 1648.5 Milionen RM für eigentliche Unterstützungen ausgegeben worden. Und dabei hat man zahlreiche Notleidende, die nicht genügend „staatserhaltend" dachten, von jeder Hilfe ausgeschlossen, so daß man die verminderten Mittel auf eine viel geringere Zahl verteilen und im Jahre jeder Familie durchschnittlich statt 408 RM sogar 468 RM zuwenden konnte, wobei die Leiden der Abgewiesenen nicht gezählt werden. Die Leistungen des Winterhilf swerks, die mit 320 Millionen angegeben werden, und mit denen Hitler eben erst wieder In Bücke bürg geprahlt hat, enthalten zum erheblichen Teile zweifelhafte Nahrungsmittel, wie halb- verdorbene Kartoffeln, und alte Kleidungsstücke, deren man sich gern entledigt hat. Ihnen gegenüber hat man die Sozialleistungen der früheren Jahre In ganz unverhältnismäßigem Maße herabgesetzt. Während im Jahre 1930/1931 bei fast gleicher sozialer Ge- aamtlage für Arbeitslosenfürsorge 4450 Milliarden RM für Krisenfürsorge, 3075 Milliarden RM und für Sozialrenten 4450 Milliarden ausgegeben wurden, sind jetzt an Beichszu- schüssen für die Sozialausgaben nur noch 823 Millionen RM vorgesehen. Zu diesen treten die Leistungen der öffentlichen Versicherungsträger, der Länder und Gemeinden, die nach den Erfahrungen der Praxis höchstens das Vierfache der Reichsleistung betragen. Dann stehen dem früheren Sozialaufwand von 10.3 Milliarden nur noch 4.1 Milliarden RM gegenüber. Diese „Ersparnis" bedeutet gegenüber der armen Bevölkerung bei Berücksichtigung der Verteuerung aller Lebensmittel eine schwere Verelendung, die durch die„freiwilligen Leistungen" des Wlnterhilfswerks in keiner Welse emsthaft gemildert wird. Wenn Göbbels kürzlich versprach:„Auch im kommenden Winter wird keiner hungern, frieren und Not zu leiden brauchen", so gilt das gewiß für die Nazi- Bonzen in ihren Luxusvillen und Dienstwohnungen, aber nicht für das deutsche Proletariat, das stumm diese Versöhnungen ertragen muß, nachdem man ihm nicht nur seine Organisationen und seine sozialen Errungenschaften, sondern auch sein Bürgerrecht geraubt hat. Andreas K r a f f t 4bbau der»alten Kämpfer« Es ist bemerkenswert, wie auch in den von den Nazis neu geschaffenen Verwaltungen immer mehr die>alten Kämpfer« hinausgedrängt werden. Im Stabe des General-Inspektors für die Reichsautobahn, Dr. Todt, waren bis vor kurzem fünf alte SS-Leute tätig. In den letzten Monaten sind sie fortlaufend durch andere Kräfte ersetzt worden, die nicht in der Partei oder der SA und SS organisiert sind. Der letzte der SS-Leute ist vor acht Tagrai abgebaut worden. Der pure IVeid! Dem Gauinspektor Roh. Thiel ist es gelungen, Im»Westdeutschen Beobachter« den tiefsten Grund dafür aufzudecken, daß das Ausland über das neue Deutschland so unfreundlich urteilt. Eis ist nichts anderes als grüngelber Neid. Pg. Thiel schreibt: Wir gestehen, daß wir kein Beispiel eines Staatsmannes kennen, das größer wäre als das unser« Führers. Seine Souveränität ist denn auch Im ganzen deutschen Volke eine unumstrittene. Wir glauben darrin den Grund zu erkennen, warum uns die Mächte der Zerstörung draußen In der Welt derart hassen und bekämpfen. D 1 e Erhabenheit des staatsmännischen Genies Ist derart augenscheinlieh, daß alles andere beim Vergleich mit ihm verblaßt. Wenn es Krieg gibt, weiß man wenigstens, warum. Sicher doch, weil die Welt Deutschland das erhabene Glück, einen Hitler zu besitzen, nicht gönnt! Kleines Bekenntnis Aus dem Programm des Deutachlandsenders; „Volkakonzert... 1. Adolf Hitler-Fanfare 2. Ouvertüre Bau ditenatr eiche" 3.„Polnischer National tanz" 4.„Der lustige Krieg" Es ist kurz gesagt, das ganze national- sozialistische Aufbauprogramm! Romantische Wirtschaftspolitik Darre als Märchenerzähler bei den Bauern In Deutschland wurde in diesen Tagen das„Bmtrfest" gefeiert. Wieder wurden Millionen vergeudet; die Größe des Festes stand im umgekehrten Verhältnis zur Größe der diesjährigen Ernte, die ja erheblich hinter der vorjährigen zurückgeblieben ist. Was tut's? Die Herren habens ja dazu und die Millionen für die Propaganda spielen keine Rolle, die werden aus dem Topf genommen, in dem sich die Milliarden der Gläubiger angesammelt haben. Der Reichsernährungsminister Darre, der Diktator über die deutsche Landwirtschaft, hat als Auftakt eine Rede gehalten, in der er nach semer Art und für seine Zwecke die bisherigen Resultate seiner Politik zusammenfaßte. Durch das Reichserbhofgesetz und das Reichsnährstandgesetz seien zwei ganz neue Gedanken in die Wirtschaft hineingetragen worden: Sicherheit und Ordnung. Das stimmt ja. Durch aas Erbhofgesetz haben die Bauern die Sicherheit erhalten, daß sie zur Verbesserung und Ausgestaltung ihres Betriebes unter keinen Umständen Kredite erhalten können und daß ihre Kinder unweigerlich ms Landproletariat gestoßen werden. Die Beseitigung der Freizügigkeit verhindert zugleich diese Enterbten des Dritten Reiches daran, sich in den Städten eine neue Existenz aufbauen zu können. Deshalb vielleicht war der sonst so Geschwätzige in diesem Punkt sehr wortkarg und sprach um so ausführlicher über das zweite Gesetz, das durch Absperrung der ausländischen Zufuhr und durch Einführung der Festpreise das landwirtschaftliche Gebiet aus den„freien Märkten und ihren Gesetzen herausgelöst" habe. Die Wirkungen schildert nun Darre— wir geben seine Ausführungen genau wieder— folgendermaßen: Roggen kostete im August in Rotterdam 56 Mark, In Deutschland 159 Mark je Tonne, Welzen in Liverpool 69 Mark, in Deutschland 199, Schweine in Chicago 12 Mark, in Deutschland 47 Mark, je Zentner, Butter in Kopenhagen 78 Mark, in Deutschland 254 Mark je Doppelzentner, Speck in Kopenhagen 107 Mark, in Deutschland 184 Mark je Doppelzentner, Eier in Kopenhagen 3i/2 Pfennige, in Deutschland 8 Pfennige das Stück. Diese Angaben sind— wir wollen es ausdrücklich wiederholen— kein Greuelmärchen, sondern wörtliches Zitat Leider fehlen Angaben über die Preisunterschiede in den Futtermitteln. Es würde sonst klar werden, daß für die Bauern die Preissteigerungen ihrer Produkte zum Teil wettgemacht werden durch die Steigerung ihrer Produktionsmittel und daß die Hauptgewinner der nationalsozia-' hsti sehen Agrarpolitik die Getreide und Futtermittel produzierenden Großgrundbesitzer sind. Darre beruft sich darauf, daß die Weltmarktpreise, die er zum Vergleich herangezogen hat, auch in anderen Ländern durch protektionistische Maßnahmen um ihre Wirkung gebracht werden, und es ist pikant, daß er zum Zeugen dessen gerade das liberalistisch-verruchte Frankreich anführt. Dort sind allerdings eine Reihe Lebensmittelpreise durch protektionistische Maßnahmen in die Höhe getrieben worden Der Unterschied ist nur, daß die französische Regierung eben jetzt nach Mitteln und Wegen sucht, die Preise herunterzukriegen, während die Nationalsozialisten sie immer noch zu erhöhen trachten und die Preissteigerung als den größten Erfolg ihrer Wirtschaftspolitik anpreisen. Eine Lüge aber ist es, wenn der Darre behauptet, die fortgesetzte Steigerung der Ernährungskosten hätte keine fühlbare Belastung des Verbrauchs herbeigeführt. Man brauchte einen Gegenbeweis ja eigentlich gar nicht anzuführen. Denn die Erhöhung des agrarischen Einkommens kann ja nur, da es sich wesentlich um die Preissteigerung und nicht um die Mengenvermehrung der landwirtschaftlichen Produkte handelt, nur daher rühren, daß die städtischen Konsumenten jetzt einen größeren Teil ihres Einkommens für die Lebensmittelversorgung aufwenden müssen, als früher und da, nach den Angaben des Konjunkturinstituts das kapitalistische Einkommen aller Art seit dem Herrschaftsantritt Hitlers gestiegen ist, muß die Milliardenerhöhung des agrarischen Einkommens im wesentlichen von den Arbeitern, Angestellten und Beamten aufgebracht werden. Es trifft sich aber gut, daß gerade jetzt auch der statistische Nachweis geliefert werden kann, daß der Darre lügt Mit großem Tamtam verkündet eben die gleichgeschaltete Presse, das„anhaltende Steigen der Einzelhandelsumsätze". Nach den Ermittlungen der„Forschungsstelle für den Handel", deren schönfärberische Tendenzen übrigens außer Zweifel stehen, waren die Einzelhandelsumsätze im August 15 Prozent, im Juli 10 Prozent und im ersten Halbjahr 1934 um 12 Prozent höher als im Vorjahre. Die Steigerung im August erklärt sich zum großen Teil daraus, daß ' die Saisonschlußverkäufe diesmal im August, statt im Juli stattfanden. Ein Teil der Steigerung erklärt sich im Uebrigen aus der Preisentwicklung, deiin die Einzelhandelspreise sind seit einem Jahr um reichliche 5 Prozent gestiegen, wobei die wirkliche Preissteigerung sicher größer ist als sie der amtliche Index erscheinen läßt. Nur ein Teil der Umsatzzunahmen entfällt also auf den Kauf größerer Mengen oder besserer Qualitäten. Wie steht es aber mit der Ernährung? Die Lebensmittelumsätze erhöhten sich um 6.1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, die Ernährungskosten sind aber nach den offiziellen Angaben um 7% Prozent gestiegen! Damit ist aber der mathematische Beweis geliefert, daß die deutschen Massen sich um mehr Geld nur weniger Lebensmittel kaufen konnten als im Vorjahr, daß der Ernährungszustand sich verschlechtert hat, daß trotz Zunahme der Bevölkerung (und innerhalb der Bevölkerung der Erwachsenen), trotz der vielgerühmten Zunahme der Beschäftigung die Massen nicht einmal den Emährungsstand aufrechterhalten konnten, auf den sie auf dem Höhepunkt der Krise herabgedrückt waren. Die Wirklichkeit ist sicher noch schlimmer als das statistische Büd erscheinen läßt. Aber auch die offizielle Statistik reicht aus, um den Darre der Lüge zu überführen und den Beweis zu liefern, daß die nationalsozialistische Agrarpolitik die Verelendung der Massen noch gesteigert hat. Die Einzelhandelsumsätze weisen auch sonst einige charakteristische Züge auf. Für ihre Steigerung ist der Umfang der Käufe in Bekleidung und Hausrat ausschlaggebend. Der Fachhandel mit Textilien hat im August eine Umsatzsteigerung von 27.1 Prozent erzielt, darunter für Kleiderstoffe um rund 43 Prozent, für Herrenkleidung 35 Prozent, für Damenkleidung und Wäsche 30 Prozent Auch die Umsätze in Hausrat liegen über dem Durchschnitt. Für den Absatz in Hausrat spielen die Ehestandsbeihilfen eine gewisse Rolle. Aber„man weiß, daß diese Umsatz- erhöhungen schon seit einiger Zeit mit Käufen zusammenhängen, die nicht nur dem sofortigen und unmittelbaren Bedarf dienen", so drückt die gleichgeschaltete Presse die Tatsache der fortdauernden Hamsterkäufe aus Furcht vor der Inflation und vor der Ersatzproduktion aus. Zugleich ergibt sich, daß die Umsatzsteigerung überhaupt auf die überdurchschnittliche Steigerung in diesen Branchen zurückgeführt werden muß, von einer wirklichen organischen Besserung also überhaupt nicht gesprochen werden kann. Aber nun zurück zum Darre. Wir haben ihn auf der ersten Lüge ertappt, doch die zweite folgt sogleich. Er leugnet, daß seine Agrarpolitik mit den„außenwirtschaftlichen Beziehungen Deutschlands in Konflikt gekommen" sei. Die Behauptung ist genau so wahr wie die frühere. In Wirklichkeit sind sämtliche Handelsverträge, die den deutschen Fertigwarenexport nach Skandinavien, den Randstaaten, nach Belgien, Holland, Frankreich und nach Südosteuropa ermöglicht hatten, entweder gekündigt oder ihrem Inhalt nach völlig ausgehöhlt worden, um die agrarische Zwangswirtschaft und ihre Preissteigerungen durchführen zu können. Lebten früher etwa SVz MUlionen qualifizierter Arbeiter von der Beschäftigung für den industriellen Export, so hat die nationalsozialistische Agrarpolitik 2 bis 21/2 Millionen aus der Arbeit geworfen. Der Milliardenverlust, der durch die Vernichtung des Exports hervorgerufen worden ist, muß zu den Milliarden hinzugezählt werden, die durch die Preissteigerung den Arbeitern und Konsumenten auferlegt worden ist, um die Hosten beurteilen zu können, die aufgewandt werden mußten, um das Erntedankfest feiern zu können. Diese Exportbedrohung steigert sich fortwährend durch eine Politik, die die Ausdehnung der agrarischen Produktion ohne Rücksicht auf die Kosten immer weiter betreibt Darrt rühmt sich, daß die Anbaufläche für Oelfrüchte von 5200 auf 26.700 Hektar, für Flachs von 4900 auf 8800 ha, für Hanf, Nessel usw. von 210 auf 380 ha im Jahr 1934 gestiegen sei. Leider verrät er nicht« von den Zuschüssen aus Steuergeldern und den Preiserhöhungen für die Industrie, die für diese Anbauerweiterung geleistet werden mußten. Neulich hat ein„prominenter" Nationalsozialist die Behauptung vertreten, was im Inland gewonnen und produziert werden könne, sei„immer billiget als das ausländische Erzeugnis. Dieser Irrsinn regiert jetzt die deutsche Wirtschaftspolitik und der Darre selbst rühmt sich der„Romantik", aus der heraus er sein« Politik betreibt! Diese Romantik, diese„Verachtung von Vernunft und Wissenschaft", die allerdings für die Ignoranten und Scharlatane, die die Herrschaft über Deutschland an sich gerissen haben, die einzig gemäße Ideologie ist, kommt dem deutschen Volke teuer zu stehen. Sie vernichtet in immer höherem Maß und immer beschleunigterem Tempo die deutsche Wirtschaft. Sie hat ihr durch die Vernichtung des Exportes die Mittel zur Versorgung mit den lebenswichtigen und unentbehrlichen Rohstoffen geraubt, sie nach außen mit allen Ländern in Konflikt gebracht und führt jetzt im Innern zu fortgesetzter Lähmung. Darre aber erklärt:„Diese Romantik, die zunächst unwirtschaftlich und lächerlich erscheinen möge, aber schließlich doch zum Wohle des gesamten deutschen Volkes ausschlagen wird, ist eben eine ganz besondere Eigenart der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik". Jawohl, eine besondere Eigenart und nicht zuletzt an dieser wird die nationalsozialistische Herrschaft n1' gründe gehen. Dann wird es ein wirkliche« Erntedankfest geben— das Erntedankfest des deutschen Volkes. Dr. Richard Kern. �euer Zuschlag zur Lohnsteuer In einer Mitteilung des Reichswirtschaftsministers und Reichsarheitsminlsters heißt es: „Einzelne Betriebe haben sich bereit erklärt, die Beiträge der Mitglieder der Gefolgschaft für die Deutsche Arbeitsfront durch die Betriesbüros mit einzuziehen. Diese Bereitwilligkeit wird begrüßt. Die übrigen Führer der Betriebe werden gebeten, zu prüfen, ob sie in der Lage sind, aus freiem Entschluß diesen Vorbildern zu folgen und die verhältnismäßig geringen Mühen und Kosten, die mit der betrieblichen Einziehung der freiwilligen Beiträge verbunden sind, auf sich zu nehmen." Wenn diese Praxis allgemein wird, so ist von den Gewerkschaften in Deutschland nichts übrig geblieben als— ein neuer Zuschlag zur Lohnsteuer, den die Arbeiter zu tragen haben. Aber warum diese Ausschaltung der unteren Organe der Arbeitsfront? Ist es die Folge der Massenkorruption, haben sie so viel gestohlen, daß der Oberkorruptio- nlst Ley diese unerbetene Konkurrenz ausschalten will? Gemeinnu� geht vor Eigennutz Der deutsche Buchhandel im Sterben— der Eher-Verlag als Leichenfledderer. Der deutsche Buchhandel ist bekanntlich zu Tode erkrankt. Die Regierung, die ihm gern wieder auf die Beine helfen möchte, ist soeben auf eine glorreiche Idee verfallen und hat diese Idee mit der ihr eigenen Raschheit verwirklicht. Was ist geschehen? Wurden die verbotenen, verbrannten, aber viel gelesenen Bücher wieder zugelassen? Wurden dafür die sterbenslangweiligen, hakenkreuzdummen Parteischmarren, die nun einmal niemand kaufen will, aus dem Handel gezogen? Wurden ein paar nationalsoziallatlsche Dichtergenies aus dem Boden gestampft? Nichts von alledem! Aber der bisherige Vorsteher des Börsenvereins der deutschen Buchhändler— Verlagsbuchhändler Kurt Vowinkel, Berlin— wurde abgesetzt, und an seine Stelle rückte ein anderer. Dieser andere ist kein geringerer als der Verlagabuchhändler Wilhelm Baur-MUnchen vom Zentralparteiverlag Franz Eher N a c h f. Jawohl, von dem gleichen Parteiverlag, der u. a. Hitlers„Mein Kampf" vertreibt. Von dem gleichen Eher-Verlag, der sich selbst und den von ihm bedienten streng nationalsozialistischen Autoren sehr beträchtliche Gewinne zuschanzt, indem er Volksbibliotheken, Schulbücherelen, deutsche Aemter, deutsche Beamte und viele hundert nationalsozialistische Gruppen mit Hilfe der staatlichen Gewalt zur Abnahme seiner Druckerzeugnisse zwingt. Nun ist also diesem famosen Parteiverlag das Wohl des gesamten, schwerkranken deutschen Buchhandels anvertraut. Der Patient ■wird zwar unter den nicht sehr sauberen Fingern der Firma Eher keineswegs gesunden— dafür dürfte dem Arzt die Kur desto besser anschlagen. Man kann dem Parteiverlag nur zu seinem neuesten Geschäftstrick gratulieren. Zahle, Bauer! Der Reichsernährungsminister Darre hat zwei Beitragsordnungen für den Reichsnährstand veröffentlicht. Darin wird die Höhe der Sondersteuern festgelegt, die von Eigentümern bäuerlicher oder landwirtschaftlicher Betriebe wie von den landwirtschaftlichen Genossenschaften zu entrichten sein. Bei den Einzelpersonen wird die Steuer nach dem Einheitswert berechnet, bei den Genossenschaften nach dem Beitrag, den sie bisher an einen Revisionsverband gezahlt haben, und zwar beträgt die Steuer 125 Prozent des letzten Beitrags! Der Reichsnährstand ist eben teuer, und das ist kein Wunder! Man denke nur an die Konzentration von 3000 neuen Beamten in Goslar, für die eigene Woh- nungen gebaut worden sind. Dies Heer von Bürokraten muß von der Landwirtschaft bezahlt werden, ohne daß sie irgend ein Mitbestimmungsrecht hat. Die Darröschen Parasiten brauchen Geld. Nicht einmal ein Rechtsmittel ist gegen die Festsetzung dieser Zwangsbeiträge vorgesehen! Nationalsozialistische Arbeitsbeschaffung Der preußische Innenminister hat im&a' vernehmen mit dem Finanzminister einen Erlaß Uber die Einstellung von Hilf8" kräften zur Durchführung derAf* b e i t e n, die sich aus der VerlelhunST des Ehrenkreuzes des Weltkrieges«f' geben, herausgegeben. Die Regieningsprai'" denten werden ermächtigt, auf Antrag �ei Polizeipräsidenten und der Landräte die v o r* übergehende Einstellung von Ah" gestellten zu genehmigen. Die Anford«" rung einer oder mehrerer Hilfskräfte richtet sich jeweils nach der Zahl der eingehende» Anträge. Es wird davon ausgegangen, daß rund 10 Prozent der Bevölkerung die Vef leihung des Ehrenkreuzes beantragen werde- Das bedeutet, daß mehr als 6 MilU0' n e n Anwärter für das Ehrenkreuz vorhanden sind. Bis zum 31. Mal nächsten Jahres e0" die Verleihung des Ehrenkreuzes durchg8" führt sein. Da Schacht entschlossen Ist. der Binfiüjr des Blechs keine Hemmungen zu bereiten, die Ausführung der Aufträge gesichert i«t Die Ausfuhr von Büchern aus Deutsch� land Ist nach dem Konjunkturbericht»e» Börsenvereins der deutschen Buchhändler>»* ersten Halbjahr 1934 weiter zurückgegang®®' AiiiaMc Tccu�aise 101, Bvd. Raspail, Paris(Vfc) Kurse für die praktische Erlernung �et französischen Sprache im Oktober. 1. Tagesunterricht— praktisch� Unterricht: 15 Stunden in der Woche, f. Vorträge. 10 Führungen durch Pari« � Umgebung mit Vorträgen.. Der Kursbeitrag beträgt monatlich � Francs. 2. Abendunterricht— täglich auJ3,tt Sonnabend und Sonntag. Der Mittwoch'' in der Regel der Erlernung der Hände spräche vorbehalten.. Der Kursbeitrag beträgt monatlich 1 Francs, für 5 Monate 350 Francs. Auskunft erteilt der Direktor der Seh»1®' Herr Robert Duponcy. Nr. 69 BEILAGE 7. Oktober 1954 HiUet- l/oUendee Ms Muisckett feistes in Verlagsanzeigen und ProiessorenTorreden Sinn dar deutschen Geschichte war es, Hitler hervorzubringen, Sinn und Zweck des deutschen Geisteslebens, in Hitler zu Kipfeln. Zu dieser Ueberzeugung muß man kommen, wenn man die Tätigkeit der besten deutschen Verleger an Hand ihrer Waschzettel, Prospekte und der Vorreden ihrer Herausgeber verfolgt— usurpiert doch gleich der eine Verlag Alfred K r 5- n 6 r in Leipzig, dessen klassische„Taschenausgaben" einen solchen Sündenfall am wenigsten verdient hätten, ein gutes Putzend Denker für die Vorgeschichte des »Dritten Reiches". Da lesen wir gelegentlich einer Aus- Wahl aus Leibnizens Hauptwerken, sie dürfe,„bei der Selbstentdeckung des deutschen Geistes, in der wir stehen, größter Beachtung gewiß sein. Die großen Gedanken seiner Hauptwerke, die uns heute aufs höchste bewegen, sind noch ßicht halb ausgeschöpft". Der Herausgeber Professor Dietrich M a h n k e aber exzerpiert Leibniz so, daß uns Hitler förmlich als späte Erfüllung der kühnsten Wunschträume des Philosophen erscheinen muß. Man höre: „Das theoretische Erkennen und Glauben vollenden sich erst im.practice denken, das �t tun, als wenn's wahr wäre', und im .practice wollen, das ist alles tun, was in loseren Kräften ist, um wahr und wirklich 211 machen', was wir als das Beste erkennen ood glauben. Die gottähnlichsten Renschen sind also nicht die gro- ßen Philosophen und nicht die trommen Priester, sondern die Weltwirksamen.Politiker(oder) Kelter der öffentlichen Ange- 'sgenhelten, als welche sie sich bemühen, olcht allein den Glanz göttlicher Herrlichkeit 1q der Natur zu finden, sondern auch durch Imitation nachzuahmen'. Solche politl- *che Menschheitsführe r,.welchen Gott zugleich Verstand und Macht in hohem Grade gegeben, sind die Helden, so Gott zu Ausführung seines Wil- l8h« als prinzipaleste Instru- •hente geschaffen'; sie sind es, die wahreWesen de s W el t s ch ö p- tsrs am vollkommensten, sozu- Sagen als seine irdischen Statt- �tter, repräsentiere n." Wer sieht bei diesen Worten nicht den Herrn Professor Mahnke, wie er dem gro- 811 Adolf mit idealistisch-geistiger Zunge ~8 Stiefel leckt? Aber er begnügt sich . �eibe nicht, bloß den einen Leibniz 111 Hitlertribut zu nehmen, sondern fährt einem kräftigen philosophisch-meta- Poysischen Atemholen folgendermaßen 0It:„Die gleiche doppelseitige Synthese", j�raelbe„tiefe, echt deutsche Tatglaube, 0 dem die theoretisch idealisierende Weltanschauung mit der praktisch realisieren- 8n Kulturpolitik" zusammenklingen und ' 6 zu allen Zeiten für das wahrhaft putsche Leben bezeichnend gewesen" ®ln(J, äußern sich„in Meister E ck- , arta aktiver Mystik mit ihrem.Ausrechen der Gottinnigkeit in die Wirksamst wie in Kants Höchstwertung der praktischen Vernunft' oder in Fichtes deelismus der Tat", und sie werden„dich- orisch am schönsten von Goethe in der ostalt Pausts verklärt". Ja, offenbar sah oothe, als er seine berühmten Verse Auf neuer Bahn den Aether zu durch- dringen, (j. neuen Sphären reiner Tätigkeit u teto, genial vorausschauenden Auges �oreits den herrlichen Mann aus Braunau sich, der sich erst unlängst in Ham- ..�rg fünfzehn Jahre unermüdlicher„Tä- �keit" selber attestiert hat Um(Jie von Mahnke bloß im groben J�Hß angedeutete Zeugenschaft des deut- nen Geistes für Hitler ganz anschaulich I erden zu lassen, bringen gleich zwei Ver- der Inselverlag zu Leipzig und 8ckon vor dem„großen Aufbruch" S eichgeschaitetc Eugen Diederichs o Jena,„ungekürzte Volksausgaben" der pmriften" Meister Eckharts her- (jlls Und Diederichs schämt sich nicht, auf er Hauchbinde der seinen zu bemerken: "Ii Meister Eckhart tritt zuerst und bewußt der neue, dre wiedergeborene germanische Mensch in Erscheinung. Heute scheint es wie ein Dämmern durch das deutsche Volk zu gehen, das anzeigt, als sei es reif geworden für den Apostel der Deutschen, den .heiligen und seeligen Meister'. Die Ueber- tragung Hermann Büttners gehört als erste Schrift in jedes deutsche Haus. Alfred Rosenberg im.Mythos des zwanzigsten Jahrhunderts". Doch seien zur Richtigstellung des Bü- des und zur Ehre Meister Eckharts, dieses sehe Verlag als nächste Bände der„Taschenausgabe" E. M. Arndts„Volk und Staat", Heinrich von Treitschkes „Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert", eine„Deutsche Geschichte seit 1918 in Dokumenten" und eine„Deutsche Geschichte seit Bismarck" an, und wie die aussehen, bezw. eingeleitet sein werden, läßt die folgende Verlagsnotiz zu P 1 a t o n s „S t a a t" ahnen: „Die geforderte Vereinigung von Geist und Macht in der gleichen Hand, echten, Gewalt und Ueberhebung verabscheuenden Christen, folgende schöne Kernsätze seiner Lehre angeführt:„Gott ist ebenso wahrhaftig die Liebe, als er die Wahrheit ist; und ebenso, als er die Güte ist, ist Gott wahrhaftig die Liebe. Liebe kann überhaupt nirgends bestehen, als wo Gleichheit und Einheit ist. Zwischen dem Knecht und dem Herrn ist die Liebe niemals gleich, und alle ungleichen Dinge fliehen sich und hassen sich untereinander." Oder:„Wir können wohl irdisches Gut geben; aber die Ehre, die wir einem Menschen nehmen, vermögen wir nicht wiederzuerstatten, sie wird uns allzu schwer. Darum mußt du, lieber Mensch, auf deine Worte sehen." Und schließlich: „Das Edelste, was im Menschen ist, ist das Blut, wenn es zum Guten treibt; aber das Aergste, was im Menschen ist, ist das Blut, wenn es Böses will." Von dem unheiligen und jedenfalls höchst Eckhart-femen Geist getrieben, die besten Deutschen für Adolf Hitlers Größe zeugen zu lassen, kündigt der Krön er- 1 die entworfene Rangordnung von Führern und Geführten und der Er ziehungsplan für den neuen Adel, die neue Führerschicht verleihen dem Buche über seine zeltlose Geltung hinaus höchsten Gegenwartswert," Wenn es Piaton recht sein muß, mit der „Vereinigung von Geist und Macht" Hitler, Gering und Göbbels, mit dem„Erziehungsplan für den neuen Adel" die Dolchmesser und Handgranaten-Geländespiele der Hitlerjugend gemeint zu haben, so ist es für Paul de Lagarde nur mehr als billig, daß der Band 110 der Sammlung sein„Bild unter dem Gesichtspunkt" zeigen soll,„unter dem wir heute den zu neuem Leben erweckten Künder echten Deutschtums sehen. Als Buch einer Gesinnung, die das Wohl des Ganzen über den privaten Vorteil stellt, zählt es zu den führenden Schriften des neuen Deutschland." Der nationalistische Heißsporn Lagarde mag es nicht besser verdienen, obwohl e r „das Wohl des Ganzen" und den„privaten| Vorteil" weit sinnfälliger und vor allem sauberer zu scheiden wußte als die Gemeindewohlpropheten von heute. Aber wie kommt Immanuel Kant dazu, daß eine Auswahl aus den„Drei Kritiken" durch Prof. Dr. Raymond Schmidt in die Sätze ausklingt: „Wo aber Ist die philosophische Persönlichkeit, die aus einer Gesamtschau des Phänomens Kant die Menschheit in Bewegung setzt? Die die Menschen zur inneren Freiheit erzieht durch Erziehung zur Einsicht in das Wesen der Pflicht? Die den Menschen den Glauben wiedergibt an eine politische und gesellschaftliche Zukunft, ,wie sie sein sollte'?" Wo? Natürlich in der Reichskanzlei zu Berlin, beziehungsweise auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden, denn Schmidt fährt promt fort; „Wenigstens glauben wir, daß der Grundsatz, zu dem das neue Deutschland sich bekennt—.Gemeinnutz geht vor Eigennutz'— daß der Geist der Pflichterfüllung und der opfervollen Hingabe, den der Führer unseres Volkes von uns fordert, aus denselben moralischen Instinkten stammen, die Kant einst veranlaßten, den.kategorischen Imperativ der Pflicht' zu formulieren und das Wissen zu zerstören, um für den Glauben und für das rechte Handeln Platz zu machen." So reichen einander(man verzeihe das schiefe Bild der schiefen Sache zuliebe) Leibniz und Kant, Prof. Mahnke und Prof. Schmidt unter den Fittichen des Kröner- Verlages gerührt die Hand, um dem Reichsführer und Reichskanzler den gebührenden Platz in der deutschen Geistesgeschichte anzuweisen. Aber wie werden die Herren Professoren und Verleger ihr horizontales Gewerbe—„Gemeinnutz geht vor Eigennutz"— umstellen, bis einmal das neue Tausendjährige Reich erledigt und die Hitlerkonjunktur in der Philosophie und auf dem Büchermarkt vorbei sein wird? Deutsdiland ladit! In einem Orte in der Nähe einer sächsischen Großstadt sprach letzthin der sächsische Landesbischof Koch. Das ist jener Koch, der als nationalsozialistischer Kanzel- agltator schon zu Brünings Zeiten von Gott eine gute Hanfernte erflehte, damit, wenn Hitler an die Macht komme, genügend Stricke für seine Gegner da sein möchten. Dieser würdige Agent christlicher Nächstenliebe streitet heute als echter Hitlerchrist für die unbedingte Gleichschaltung der protestantischen Kirche, gegen die sich bekanntlich viele protestantische Geistliche heftig wehren. In dem betreffenden Dorfe wollte Koch eigentlich in der Kirche sprechen. Da aber der Ortsgeistliche, der dem Pfarrernotbunde angehört, die Hergabe der Kirche für diesen Zweck verweigerte, mußte die Koch-Versammlung im Gasthofe abgehalten werden. Die gesamte Einwohnerschaft des Dorfes wurde mit entsprechendem Druck in diese Versammlung befohlen. Koch donnerte mächtig gegen die geistliche Opposition. Ein Bauer aber hatte den Sinn der zornigen Epistel ganz und gar nicht verstanden. Er hatte nur kapiert, daß der Herr Bischof auf die prote-» s tan tischen Pfarrer schlecht zu sprechen war. Und daß es auch in der evangelischen Kirche Bischöfe gibt, war ihm anscheinend auch nicht geläufig. Kopfschüttelnd verließ er den Saal. Nachher aber wandte er sich an einen Nachbarn, dem er vertraute, obwohl oder gar weü der Mann heute noch heimlicher Sozialdemokrat Ist. Ihn fragte der Bauer;„Was wollte denn eigentlich dieser katholische Bischof hier? Der hat doch nur auf die Protestanten geschimpft! Und warum mußten denn wir alle in die Versammlung? Wir haben doch bloß drei Katholiken im Dorfe..." • Dieees Dorf hat nun seit dem Umsturz den dritten Bürgermeister. Der erste stammte noch aus der Zeit der„Judenrepublik", in der er sich vom kleinen Gemeindeschreiber hochgearbeitet hatte. Sieben Jahre lang hatte er seiner Gemeinde als Bürgermeister vorgestanden. Er war kein Sozialdemokrat, aber er mußte gehen, weil braune Leute an die Krippen wollten. An seine Stelle trat ein Speise- Znriuk zum Mensdien! Ks gehört zu den großen Gefahren des Politiker«, daß er von Programmen und Zielen ausgebt und zu wenig vom Menschen. Was In der Politik erreichbar ist und dauernder Gewinn bleibt, das wird mitbestimmt durch die seelisch-moralische Beschaffenheit der Masse Mensch, auf die sich der Politiker stützt. An diese einfachen Wahrbäten erinnern zwei der neuerdings erschienenen Schriften. Paul A. Robert fordert in seinem Buche„Der mißbrauchte Mensch"(Verlag des Europäischen Merkur, Paris) als Vorbereitung einer sozialistischen Neuordnung Europas den„Kampf um eine neue, um die uralte Menschlichkeit..." Mit interessanten Durchleuchtungen großer schöpferischer Vertreter sittlicher Forderungen wie Goethe und Kant, Tolstoi und Dostojewski, in Auseinandersetzungen mit den Romantikem, mit Napoleons Gewaltstreben und Nietzsches widerspruchsvollem Uebermenschentum, verdeutlicht er„die Bestandteile und den Reichtum des Sittlichen" und konfrontiert sie mit ihrem Gegensatz: der sinnlosen Heldenverehrung, der geistigen Flucht aus der Wirklichkeit, der romantischen Verherrlichung der Nation, dem leeren Gewaltdenken. Ein Kapitel gilt dem blinden Fortschrittsglauben und dem Manosmus. Paul A. Robert ist ein Verehrer des Marxschen Werkes, aber er erkennt mit dem Blick des Sozialphilosophen, daß der Satz, wonach es das Sein ist, welches das Bewußtsein bestimmt, unserer Bewegung nicht gut bekommen ist. Marx wußte um die Wechselwirkung von Sein und Bewußtsein. Aber die etwas mechanistische Geschichtsauffassung, die manche seiner Jünger entwickelten, geht mit auf diese aphoristische Formel zurück. Robert begeht einen ahnlichen Fehler, wenn er In einer Umkehrung des oft vulgarisierten Marx-Wortes meint;„Nicht die Aenderung der Verhältnisse wird den Menschen— die Aenderung des Menschen wird die Verhältnisse ändern..." Die„veränderten Menschen", die die europäischen Revolutionen durchsetzten, sie alle wurden von veränderten Verhältnissen angetrieben, und auch mit dem Satz, daß dem„Appell an die Menschheit vorangehen muß die Erziehung des Einzelmenschen zur Hingabe an die Gemeinschaft", ist nicht viel anzufangen. Aber für die Barbarei der Gegenwart ist es zweifellos richtig, wenn Robert zu dem Schluß kommt, daß namentlich in der Politik der Gegenwart die sittlichen Forderungen der Menschlichkeit stärker zu betonen sind und daß„der Mensch zerbrechen muß", wenn er die sittlichen Grundgesetze seines Wesens und seiner Entwicklung verleugnet.— Das Buch besticht durch die kluge, souveräne Behandlung des Stoffes, durch die Gerechtigkeit, mit der es Freund und Feind beleuchtet. « In dem neuen Buche des Grafen Carlo Sforza„Seele und Schicksal Italiens"(Querido-Verlag, Amsterdam) kommt mehr der Kulturhistoriker als der Politiker V zu Wort. Diktaturen treten immer mit mehr oder weniger verschleierten Verleumdungen des eigenen Volkes auf. Soll die Gewaltherrschaft nötig erscheinen, muß das Volk als unfähig, sich zu regieren, als faul, zuchtlos wagenkellner, der aber nur einmal In der VToche nach Hause kam und denken mochte: Sollst du nun in der einen Nacht auch noch regieren? Er stieg viel lieber in fremde Betten, bis das sogar seinen Gönnern zu dumm wurde. Er verschwand wieder, und nun kam ein Stuhlbauer von auswärts zu Amt und Würden, der sich brüsten konnte, schon vor dem Umsturz die wildesten Kommunisten seines Heimatortes gezähmt zu haben.„In einer Kommunisteriversammlung bin ich als einziger Gegner aufs Podium gestiegen. Ich habe die Kommunisten bloß angeguckt, einen nach dem andern der Reihe nach, wie sie da saßen — und schon waren sie still! Und Eds ich vier Sätze gesprochen hatte, da hatte ich sie alle in meinem Bann!" So erzählt er stolz. Dieser Kommunistenbändiger ist also jetzt Bürgermeister. Und in dieser Eigenschaft hat er auch einmal eine Rede gehalten, in der er schilderte, wie es unter Hitler nun In einem Weg aufwärts gehe und wie es noch immer besser werde, denn Hitler habe sich einen Sachverständigenbeirat geschaffen, in dem nur die tüchtigsten und berühmtesten Leute saßen, der beste Mathematiker, der beste Chemiker, der beste Optiker, der beste Architekt, der beste Ingenieur, der beste Arzt, der beste usw. usw. Und bekräftigend fuhr der Herr Bürgermeister fort:„Das sind nicht etwa, nur so Parteimitglieder! Nein, verehrte Volksgenossen, das sind" — hier klopfte der Redner mit dem Zeigefinger bedeutsam an seine Schläfe—„das sind nämlich alles Leute mit Köpfen!" Alles großartfgr Aus Leipzig wird uns geschrieben: Ihr begeht im Ausland leicht den Fehler, die Leute, denen es in Deutschland schlecht geht, ohne weiteres zu den„Unzufriedenen" zu zählen. Das ist zu optimistisch gesehen. Erinnert Euch an den Krieg— der Deutsche erträgt viel, ehe er seine Meinung ernstlich revidiert. Ich sprach da vor einigen Tagen «inen hiesigen Geschäftsmann, der früher vierzig Angestellte beschäftigte und der sich jetzt allein mit seinem Schwiegersohn kümmerlich durchs Leben schlägt.„Nun", so fragte ich ihn,„sind Sie zufrieden?" Er sah eine Weile vor sich hin und antwortete dann tiefsinnig— auf gut sächsich;„Wissen Se was? Von dar Wirdschafd harn die ja nich viel Ahnung-- aber alles andre machen die großardlch"! „Alles andre großartig." Das wäre kein Trost? Das ist ein Trost! Man muß das deutsche Gemüt nur richtig kennen. Fragt einen braunen Wissenschaftler, und er wird Euch vielleicht sagen;„Von Wissenschaft verstehen sie nichts, aber alles andre...", fragt einen braunen Bühnenleiter, er wird vielleicht ganz ähnlich reagieren. Das ist wichtig für die stille Agitation. Wir dürfen den Geschäftsleuten nicht nur erklären, daß die Wirtschaft auf den Hund kommt— das wissen sie selbst; wir dürfen mit Juristen nicht nur von der Rechtsunsicherheit sprechen— die kennen sie selbst. Wir müssen ihnen zu beweisen suchen, daß Auiarkl�lldies Mein Führer, dürfte frei loh kiesen, Ich kieste für die Autarkie. Wir brauchen dann nicht mehr Devisen, Nur Wiesen für das heim'sohe Vieh. Wie ist der Zustand doch ersprießlich, Trägt man statt Wolle Cellophan, Und kleidet sich— ganz autarkieslich— In Stoffe aus der Birke Spahn. Statt Kaffee, Tee sowie Kakao Schlürft Jeder seinen Morgentrank, Und ist von diesem Mordsgebra-o Falls Mittags nicht, dann Abends krank. Und schmaucht der Bürger Heldenknaster Aus Elcbenleib und Buchenrind*, Wer weiß, ob dann das Tabaklaster Noch irgend welchen Anhang flnd't. Ernährt, gekleidet bodenständig, Ist uns das ganze Ausland wurscht. Wir löschen absolut Inwendig Den Körper- wie den Wissensdurscht. Die mögen, was sie wollen, schreiben, Wir kehren einfach uns nicht drum. Wir lesen treu„Mein Kampf" und bleiben Für alle Zeit autarkisch dumm. Wir finden an uns selbst Genügen, Sind uns Ersatz für Welt und AU: Denn Autarkie ist das Vergnügen Am selbstgeförderten Verfall! Mucki. auch alles andre nicht„großartig", sondern genau so verfahren ist, wir müssen sie lehren, über ihre eigenen kleinen Kirchtürme hinauszublicken und das braune Reich in seiner Gesamtheit, in seiner gesamten Kläglichkeit zu erf Eissen. Das deulsdie Frauenherz Die»Internationale Liga für Frieden und Freiheit« sandte an eine Reihe nationalsozialistischer deutscher Frauen einen Brief, in dem es u. a. hieß: »Alle Frauen sollte letzten Endes die Gleichheit des Empfindens einen, welches denen zu helfen strebt, die leidend sich verzehren. Wir richten an Sie die dringende Bitte: fordern Sie im Namen dieses Empfindens, daß endlich den grausamen, unmenschlichen Martern Andersdenkender ein Ende gesetzt wird.« Unter den Empfängerinnen der Briefe befand sich auch Frau Dr. Leonore Kühn. Und diese treu national gesinnte deutsche Frau ließ sich von ihrem goldenen Herzen ein Antwortschreiben diktieren, das zu Beginn folgenden Passus enthält: »Wenn Sie von Frau zu Frau, auf Grund einer Solidarität, deren gefühlsmäßige Ba- Braune Treue Die Rache des Untertanen. Den deutschen Untertan kennt man in verschiedenen Farben, aber immer war er servil, immer heuchelte er„gute Gesinnung" und Unterwürfigkeit. Das war unter Wilhelm so wie heute unter Hitler. Einem Magdeburger Genossen passierte es, daß 4r einem kleinen Industriellen weltwirtschaftliche Notwendigkeiten klar machte: der andere stimmte zu, plötzlich aber stammelte er eine Frage, die man in Hitlerdeutschland selbst bei harmlosesten Gesprächen häufig hören kann—:„Sagen Sie, diese Ansichten sind doch nicht Hbe- rallstiach?!"—„Nein, nein", beruhigte ihn der Genosse und der andere ging befriedigt von dannen. Ein Liberaler, der nicht mit liberaler Meinung herumlaufen wollte, seitdem sie verboten war! Dieser Untertan ist in Gang- sterien in allen Schichten sonder Zahl wieder auferstanden. Er will nlchtmal heimlich eine eigene Meinung, sondern nur seine Ruhe haben. Aber ab und zu schafft er sich helmlich Genugtuung für Enttäuschungen, indem er sich an oppositionellen Witzen erfreut Die Nazipresae hat In letzter Zelt mehrfach darauf aufmerksam gemacht daß künftig auch„gewisse Witzeleien" verfolgt würden und hat vor Weltprverbreitung gewarnt. In einigen Fällen forschten die braunen Spitzeln nach den Urhebern und siehe da, immer waren einige Prätorianer unter den Kolporteuren. Jeder In Deutschland weiß, daß die SA zu den ergiebigsten Brutstätten der verbotenen Satire gehört. Auf ihren Dienststellen, auf ihren Arbeltsplätzen, bei ihren Umzügen: Immer bringen SA-Leute die neue- sis Ich durchaus anerkenne, an die deutschen führenden Frauen die dringende Bitte richten, zu fordern, daß»endlich den grau- samen, unmenschlichen Martern Andersdenkender ein Ende gesetzt wird«, so müßten wir zunächst bitten, uns das Matenai zu unterbreiten und auch die Quelle zu nennen, auf Grund deren sie von»grausamen, unmenschlichen Martern« sprechen, ebenso, uns zu sagen, ob sie unter den »Andersdenkenden« überhaupt Mitglieder des deutschen Volkes oder vielmehr außerhalb desselben Stehende verstehen...« Denn wenn es ,Juden sind— so hätte die Dame folgerichtig fortfahren müssen— oder Marxisten(das macht nicht viel Unterschied), dann ist es uns Nationalsozialistinnen mit dem weichen, fraulichen, mütterlichen Gemüt ganz gleich, ob sie zu Tode gefoltert werden, ob unsere lieben Männer sie mit Nilpferdpeitschen oder mit eisenbe- schlagenen Stöcken zuschanden schlagen, ob sie in Irrenhäusern versteckt oder in heimlich geschaufelten Gräbern verscharrt werden. Den Müttern vom Schlage der Eleonore Kühn ist der national sozialistische Nachwuchs anvertraut. und entartet gelten. Sforza unternimmt eine Ehrenrettung des Italienischen Volkes, seiner Weltbürgerlichkeit und seines Universalis" mus. Den Grundklang gibt das Selbsteriebte. Er sieht die Gegensätze zweier Volkstclle;