(&�ia(dem�raiHfd)g0 Verlag; Karlsbad, Haus„Graph ia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite \p. 71 SONNTAG, 21. Okl. 1934 Aus dem Inhalt: iNach dem Riesenstreik Annäherung De utsch land-H u Irland? Winterhilfe— Riesenschwindel! Der Vater des»Umlegens« Die Neuen Härder entrosten sich Verfolgte Unschuld Im braunen Hemd Der Mord von Marseille hat die Geister AUfgewühlt. Ueberall regt sich die Erinne- an Sarajevo; von einem Ende Euro- Pw bis zum anderen gehen die blutigen Gespenster um. Man sucht die Intellektuellen vrtieber, man weist mit dem Finger auf Politische Zentren, die als Unruheherde be- f�t sind; man spricht von einer Völker- "udaktion, von drohenden weiteren Kon- �uenzen. Besorgte Regierungen versu- Pöii, die Unruhe zu bannen, sie wollen '"o�t, daß durch mehr oder weniger dilet- ■fnösche, mehr oder weniger von persön- chen Gefühlen bestimmte Nachforschun- Dteo nach den Hintermännern die Erregung vermehrt wird. Wenn die dunklen ~®idenschaften erwachen, die Fenster der Botschaften klirren, der Schrei nach den atfcn durch die Straßen hallt, ist es zu «P&t. Man kann für Maßnahmen der Vor- jfot jedes Verständnis haben— aber man 7� doch, ja erst recht mit Staunen ver- olgen, was sich zugleich in Berlin begibt. einige Zeitungen außerhalb der aohtsphare des Dritten Reiches die Ver- itung zu äußern wagten, daß zwischen Ereignis von Marseille und gewissen �fchsdeutschen Stellen irgendwelche Be- , Hungen bestehen könnten, mimt man 3 B-P r l.i p T p b s u c h t und fordert ein Pischreiten der, fremden Regierungen, ge- j�11 J�te im Ausland erscheinende Presse. � hört nun wirklich Verschiedenes auf! es nochmals zu sagen: auch wir � l-en es für falsch und verderblich, Ver- gen zu au®ern' tür die jeder Beweis j. 1 1. Wir bestreiten auch den Professio- , in Berlin keineswegs das Recht zu �J�ohern, daß sie es diesmal nicht ge- sind; ja wir neigen sogar zu der �mung, daß sie damit ausnahmsweise Br014' die Wahrheit sagen. Aber Entrü- wegen einer falschen Beschuldi- Entrüstung? ��eiin irgendwo ein Aufsehen erregen- - Erbrechen begangen worden ist, sucht )j�n den Verbrecher unter den Personen, �ch einer ähnlichen Tat bereits �•7� oder öfter schuldig gemacht haben. t��i mag es, muß es vorkommen, daß v gelegentlich auch einen Unschuldigen Vftwl U.U.%/U sich htigt" Man läßt ihi:i laufen' wenD 8aine Unschuld herausstellt. Aber be- Grund, sich bei ihm zu entschul- steht digen sp�f Professionals von Berlin waren doch ��e Duckmäuser. Sie haben zwar (jei5st nicht alles zugegeben, was sie auf if! Derbholz haben, aber sie haben sich �ren Fällen offen zu ihren Taten be- Sie haben Morde verherrlicht, Mör- fijr Beiert und selbst Morde begangen, t�j,.eren Begehung sie sich noch als Ret- üch er Nation huldigen ließen. Es mag - 011 stimmen, daß die Mordtat von Mar- seiii, pUie aUS e�nenl ganz anderen Kreis und 58 iNf�a.nz ancieretl Atmosphäre kam. Aber deo p�kt einzusehen, warum im Prinzip r�rier Herrschaften das Leben des Königs heiliger sein sollte als das Iiciugt;! acxxj. crv/Xi oao vxcxo Reichskanzlers a. D. von Schleicher, Warum in ihren Augen die Tötung ■- Us eine verruchte Schandtat sein �11, heJ,,.�61111 die Abschlachtung Röhms eine 8eiii,1Clle Tat echt soldatischer Entschlos- he>t war. iJ*6 Berliner Professionals haben ihren �«gen von Marseille in allen Tonarten ..Schandbube" und„feiger „ war das wenigste, was sie ihm Warfen, Gerade sie aber hätten Grund gehabt, vor ihm den Hut zu ziehen, denn er hat sich selber mit geopfert, während bisher sämtliche nationalsozialistischen Mordhelden nach ihrer Tat ihr Heil in der Flucht suchtep. Zielbewußt haben sie sich hinaufgemordet, waren aber dabei um ihre eigene Haut stets zärtlich besorgt. Moralisch stehen sie also nicht über dem Mörder von Marseille, sondern tief unter ihm. Haben Sie vielleicht Grund, sich zu entrüsten, daß man ihnen zutraut, sie könnten ihr heimisches Gewerbe auch i m A u s- land üben? Wo soll demi da der Unterschied sein— und außerdem; liegen M a- r i e n b a d und Wien etwa im Dritten Reich? Diese Zeit ist voll blutiger Frevel. Leider muß gesagt werden, daß der rasche, überfallmäßige Mord noch lange nicht der schlimmste unter ihnen ist. Das Los der Lessing, Dollfuß, Alexander und Barthou war doch wahrhaft gnädig, gemessen an dem Schicksal jener Unglücklicher, die von Bestien in Menschengestalt gefangen genommen und langsam zu Tode gemartert wurden. Neben dem gekrönten Alexander gab es einen ungekrönten, der dieses Schicksal erütt— und das war nicht in Frankreich, sondern in Deutschland. Und wenn wir den Namen dieses anderen Alexander unseres ermordeten Kämeraden, nennen, steigen sie alle empor, die- zu Tode Maß handelten. Gefolterten, Zertretenen, auf der Flucht Erschossenen: die S t e 1- 1 i n g, die Eggerstedt, die F e c h e n- b a c h und viele Hundert andere. Ist es erträglich, daß Verbrecher, die solche Taten auf ihrem Gewissen haben, die Entrüsteten spielen, weü man ein paar rasche Schüsse, die irgendwo in der Welt fielen, auf ihr Konto schiebt? Zugegeben, daß auch die schlimmsten Uebeltäter nur für das verurteilt werden dürfen, was sie wirklich begangen haben. Zugegeben, daß auch sie das Ilecht haben, sich gegen falsche Beschuldigungen zu wehren. Aber, wie halten s i e selber es damit? Haben sie nicht den Reichstag angezündet und nachher die„sozialdemokratisch-kommunistische Einheitsfront" beschuldigt, diese Tat begangen zu haben? Laden sie nicht täglich in ihrer Presse und ihrem Rundfunk den ganzen Unrat ihrer Verleumdungen auf die„Marxisten" ab, ohne daß diesen ungerecht Beschuldigten, maßlos Verleumdeten auch nur die allergeringste Gelegenheit geboten wäre, sich 'dagegen zu wehren? Während sich die „Berliner Börsenzeitung" spaltenlang über die Verleumder in Paris entrüstet, erscheint der„Angriff" mit der Riesenüberschrift „War Marseille ein Aktionsfeld der HI. Internationale?" und mit Ausführungen über angebliche Beziehungen von„Marxisten" zu den Mördern Doumers, Barthous und König Alexanders. Man sucht bekanntüch keinen hinter dem Busch, wenn man nicht selber schon dort gesessen— ach, sie sitzen dahinter immer noch! Darum alles was recht ist! Höchstwahrscheinlich gehören die beiden Opfer von Marseille nicht auf die Mordliste der Berliner Professionals, sondern auf eine andere. Es ist gewiß auch falsch und gefährlich, Beschuldigungen zu erheben, die man nicht beweisen kann. Ganz unerträglich aber ist es, wenn die gefährlichsten Gangsters der Welt jetzt die wilden Männer spielen, weil man ihnen ein paar Morde zutraut, die sie zufälligerweise nicht begangen haben. Kein Kriminalist fällt auf ein solches Theater herein. Haben sie diesmal ihr Alibi— gut! Aber sie sollen nicht die gekränkte Unschuld spielen, während das Blut ihrer grausam hingeschlachteten Opfer von ihren Fingern hinabläuft! Reldis�agsbrand Nach dem 30. Juni erwartete man allgemein Enthüllungen über die Geheimms- sc des Reichstagsbrandes aus der Umgebung der erschossenen SA-Führer Ernst und Heines. Die„Deutsche Freiheit" ver- offentüchte bald darauf einen Brief eines SA-Mannes Kruse, in dem eine genaue Schilderung der Vorgänge gegeben wurde. Jetzt veröffentlicht der schwedische Senator Branting im Stockholmer„Sozialdemokraten" einen Artikel mit der Ueber- schrift„Das Geheimnis des» Reichstagsbrandes ist restlos aufgeklär t". Er teüt darin mit, daß er im Besitz eines detailüerten schriftlichen Berichts über die Geschichte des Reichstagsbrandes sei, den Obergruppenführer Ernst vor seiner Erschießung verfaßt und an sicherer Stelle deponiert habe. Ueber den Beweiswert, den er dem Dokument beimißt, teilt Branting mit; „Es wurde aufs gewissenhafteste auf seine Authentizität untersucht, Schriftsachverständige haben die Unterschrift nachgeprüft, so daß beute kein Zweifel mehr über seine Echtheit besteht. Es wird in einem„Weißbuch" nebst anderen Dokumenten über den 30. Juni veröffentlicht werden." Diese Mitteilung hat großes Aufsehen erregt; Das lauteste Geschrei der Göring und Genossen wird nicht verhindern, daß die angekündigte Veröffentlichung in der ganzen Welt mit dem größten Interesse aufgenommen werden wird. Senator Branting, Sohn des Begründers der schwedischen Sozialdemokratie und bekannter Rechtsanwalt, ist ein sehr gewissenhafter Mensch, der seine Worte wohl abwägt. Seine sensationelle Enthüllung_ wird das größte Verbrechen der Gegenwart von nenem zur Aburteilung stellen. Der Sdi windel mit der Winterhilfe Sowohl in Bückeburg als auch in Berlin hat Adolf Hitler die Winterhilfe in den Mittelpunkt seiner Reden gestellt und sie als besondere Glanzleistung gefeiert. Natürlich hat es dabei auch nicht an Ruhmredereien und falschen schönfärberigen Vergleichen gefehlt. „Auch in diesem Winter soll niemand hungern und frieren", so schallt es uns täglich entgegen. Aber mit Schrecken denken alle Armen an den vergangenen Winter. Auch damals hörten sie große Versprechungen und sahen geringe Leistungen, machten sie sich viele Hoffnungen und erlebten noch größere Enttäuschung. Folgt man den amtlichen Angaben, so natte die Winterhilfe 1933 die Aufgabe, 18 Millionen Menschen 26 Wochen hindurch zu unterstützen. An diese 18 Millionen Menschen sind verteilt worden: 140 Millionen Mark in Lebensmitteln, 60 Millionen Mark in Kleidung, 85 Millionen Mark in Brennstoffen, 30 Millionen Mark in Gebrauchsgegenständen Und 5 Millionen Mark in Gutscheinen. Niemand hat also einen Pfennig Bargeld bekommen, niemand kann also den wahren Geldwert der Waren berechnen. Aber selbst wenn man annimmt, daß die Gesamtleistung der Winterhilfe wirklich 320 Millionen Mark betragen hat, so ergibt das auf den einzelnen lur eine Leistung, die sage und schreibe 70 Pfennig die Woche ausgemacht hat. Davon entfielen 28 Pfennige auf Lebensmittel, 19 Pfennige auf Heizung, i6 Pfennige auf Bekleidung, 5 Pfennige auf Gutscheine und 2 Pfennige auf Freitische und Lebensmit- telpakete, Siebzig Pfennige, die ganze Leistung der Winterhilfe,' entsprach also dem Wert eines Vierpfundbrotes. Die Lüge von der„Volksgemeinschaft". Aber, sind nicht die Geldspenden in Höhe von 173 Millionen eine grandiose Leistung, ein glänzender Beweis von Solidarität der reichen mit den armen Volksschichten, der oberen mit den unteren? Ein Beweis für die endUch durch Adolf Hitler hergestellte wahre Volksgemeinschaft? O nein! Die Tatsachen reden jedenfalls eine ganz andere Sprache. Der allergrößte Teil dieses Geldes ist nicht freiwillig aufgebracht, sondern zwangsweise erpreßt. Er stammt aus den Taschen der Armen, ist Abzug von Lohn, Gehalt oder gar Unterstützung. Nur der kleinste Teil, vielleicht ein Zehntel, sind Leistungen der Wohlhabenden. Aber wie haben sie über diese dauernde„Bettelei" geschimpft! Wieviel Flüche hat die Nazis getroffen, daß sie, um die Armen zu täuschen, es wagten, auch an die Opferwilligkeit der Bessergestellten zu appellieren. Aber das alles ändert die Tatsache nicht, daß die Winterhilfe keine Leistung der Reichen für die Armen ist, sondern ein System, in dem die Aermsten für die Aermsten sorgen mußten. Dafür aber hat die Nazipartei fast nichts, der Staat sogar gar nichts für die Armen übrig gehabt. Dim Volk büeb es überlassen, aus seiner Tasche das zu zahlen, was früher der Staat und die Wohlhabenden bezahlen mußten. Das Volk war stets opferwillig. Es hat auch immer der Armen und Leidenden gedacht. Das gilt besonders für seine arbeitenden Schichten. Diese Solidarität gibt es seit Jahrzehnten. Sie ist die größte Leistung der sozialistischen Arbeiterbewegung. Alle für einen, einer für alle, das war immer ihre Parole. Die Hunderttausende von Organisierten der Partei, der Gewerkschaften und des Reichsbanners haben stets ihre ganze Kraft für die solidarische Hilfe zugunsten der Armen und Schwachen eingesetzt. Wer ihnen angehörte, hatte ein selbstverständliches Anrecht auf Hilfe. Millionen Menschen, die der Kapitalismus aus der Arbelt vertrieben hatte, die von Krankheit und Not heimgesucht wurden, fanden in diesen aus eigener Kraft geschaffenen herrlichen Stätten der Selbsthilfe einen Rückhalt. Wo die Nazis jetzt mit einer Einrichtung prunken, da handelt es sich stets um eine Einrichtung, die die bösen Marxisten aus freiwülig gesammelten Arbeitergroschen geschaffen haben. Nichts habeu die Nazis geschaffen, was sie nicht zuvor uns geraubt oder abgeguckt haben. Auch ihre„Nationalsozialistische Volkswohlfahrt ist erst etwas geworden, nachdem man die sozialistische„Arbeiterwohlfahrt" geraubt hatte. Was in dieser vus eigener Kraft geleistet wurde, ist ein Vielfaches von dem, dessen sich die Nazis rühmen. Wie überhaupt der Unterschied zwischen Nationalsozialisten und Sozialdemokraten darin besteht, daß die Sozialdemokraten mehr geleistet, aber von ihren Leistungen weniger geredet haben. Der Raub an den Aermsten. Die Nationalsosäalisten haben aber nicht nur die großen Leistungen der freiwilligen Solidarität zerstört, die von der sozialistischen Arbeiterbewegung und zahlreichen anderen Berufs- und Wohlfahrtsorganisationen geschaffen waren, sondern sie haben auch die Leistungen der öffentlichen Körperschaften ungeheuer vermindert. Im ersten Jahr der nationalsozialistischen Diktatur ist die durchschnittliche Unterstützung eines verheirateten Wohl- fahrtserwerbsosen von 14 auf 10 Mark wöchentlich gesenkt worden. Vier Mark hat man den Erwerbslosen gestohlen, ein Vierpfundbrot hat man ihnen als Bettelgabe zurückgegeben. Allen übrigen Unterstützungsempfängern geht es ebenso. Um ein unendliches besser wäre ihre Lage, wenn die Zustände wieder hergestellt würden, wie sie vor dem Dritten Reich bestanden haben. Am besten beweisen das amtliche Zahlen über die Leistungen des Reiches auf dem Gebiet des Wohlfahrtswesens. Sie haben sieb folgendermaßen entwickelt(in Millionen Mark): 1929 1930 1931 1932 19S3 1934 1297 1553 1662 1484 1250 903 In der Zeit, in der Sozialdemokraten auf die Regierung Einfluß hatten, waren die Leistungen des Wohlfahrtswesens fast doppelt so hoch als unter Hitler. Schonungslos hat man die Sozialausgaben abgebaut Auch bei den Arbeitslosen, ja ge-1 rade bei ihnen. Im Jahre 1932 zahlte das} Reich noch einen Zuschuß von 885 Millionen Mark, 1933 sank er auf 490 und 1934 soll er gar nur 264 Millionen betragen. Diese Entwicklung ist umso schamloser, da jetzt den Arbeitslosen nicht einmal mehr das an Leistungen zufließt was sie zuvor durch Beiträge aufgebracht ha- 1 ben. Jeder Arbeiter oder Angestellte zahlt seinen Beitrag zur Arbeitslosenversicherung und daneben noch eine besondere Ar- beitslosenabgabe. Ihr Ertrag fließt in die Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung. Dem Bericht der Reichsanstalt über das Jahr 1933 ist zu entnehmen, daß eine Einnahme von 1556 Millionen Mark erzielt wurde. Von dieser Summe aber wurden nur 227 Millionen an Arbeitslosenunterstützung, 347 Mihonen an Krisenunterstützung und 21 MUlionen Mark an Kurzarbeiterunterstützung ausgezahlt Die Arbeitsbeschaffung wurde mit 180 Millionen, die Landhilfe mit 27 MUlionen finanziert In die Reichskasse aber flössen 600 MUlionen, also etwa dreimal soviel, als das Reich an Zuschüssen für die Arbeitslosen leistete. Von jeder Mark, die an Beiträgen an die Arbeitslosenversicherung gezahlt wurde, wurden nur 14 Pfennige für Arbeitslosenunterstützung ausgegeben, an Arbeitslosenunterstützung, Krisen Unterstützung und Kurzarbeiterunterstützung zusammen nur 40 Pfennige. Der Rest verschwand in der Reichskasse. Wie stark der Abbau in der Wohlfahrtsfür' sorge vorgeschritten ist, beweisen ebenfalls die offiziellen Zahlen. Die Aufwendungen für die Hilfsbedürftigen, Jle nicht in Anstalten untergebracht sind, betrugen im letzten Jahr vor der Naziherrschaft (1932/1933) 2097 Millionen Mark, während sie im Jahre 1933/1934 auf 1866 MUlionen Mark gesunken sind. Die Fürsorgeverbände haben also an den Armen ebensoviel gespart, wie die Winterhilfe angeblich aufgebracht hat Teuerung, Not und Elend. Dabei muß man berücksichtigen, wie stark der Wert des Geldes im letzten Jahr gesunken ist Die Teuerung schreitet von Tag zu Tag fort Besonders groß ist die Steigerung der Lebenshaltungskoeten, und zwar in erster Linie bei den billigsten und notwendigsten Nahrungsmitteln für die Armen. Wenn die amtliche Statistik für die gesamten Lebenshaltungskosten bereits eine Teuerung von 7V2 Prozent zugibt, so ist sie bei den notwendigen Nahrungsmitteln— wie Kartoffeln, Fett, Margarine, Käse, Eier— ein Vielfaches davon. Bei dem Einkommen eines Unterstützungsempfängers von höchstens 500 Mark jährlich bedeutet schon eine Verteuerung von 7 Ys Prozent eine Kürzung des Systems Hitler richtet sieb in seiner formalen Allmacht ein. Er hat die Ueichsmi ulster auf seine Person vereidigt. Der Treueid auf den König hat seine Wiederauferstehong im Treneid auf Hißer gefeiert. Der Eid ist geleistet— aber die Treue steht auf einem andern Blatt! Sie ist so stark, daß Hitler bisher nicht gewagt bat, seinen Stellvertreter zu ernennen. Er hat zwar Gör in g als seinen Stellvertreter zum Königsbcgräb- nie nach Belgrad geschickt— aber wo es nicht um Bepraseutation. sondern um Macht geht, erfolgt keine Ernennung! Vielleicht muß vorher noch einmal„gesäubert" werden. Vor kurzem ist Himmlers Stellvertreter H e y d r i c h, der mächtigste Maua nach Himmler, abgesetzt worden. Der Ciiquen- kampf unter der Decke geht welter— wenn auch da« System bemüht ist, ihn nicht erkennbar hervortreten zu lassen. Denn das System hat seine Sorgen! Die Reden znr Einleitung der Winterhilfe lassen sorgenvolle Töne erkennen. Die Männer des Systems erkennen, daß der langsam, fast unmerklich wirkende Feind gefährlicher Ist als der laute, daß die leisen i Stimmen von unten nicht durch menschliche und meehunisehe Lautsprecher niedergebrüUt werden können. Sie versuchen wieder abzulenken. S« ist die an 1 1 s e m i ti ae b e Propaganda in Berlin gesteigert worden — aber was will das gegenüber den sozialen Tatsachen besagen? Auch der Ki r ehe» ka m p I hat wieder schärfere Formen angenommen, obgleich Hitler aus seiner bisherigen Neutralität herausgegangen ist und dem„Reicbsbischof" Midier und seinem Lager die Niedericnhppehwg der Opposition in Bayern und Württemberg erleichtert. Die Opposition riskiert kräftige Töne, sie hat auf der Straße demonstriert— neue Gewaltmaßnahmen sind»mg. Inzwischen wächst die Zahl der Leute, die ihr Erteil über da« System in die Worte zusammenfassen: früher waren doch bessere Zeiten! Historisclies Datum Der Kampf um die Seele des Arbeiters hat begonnen. Der Beauftragt® de« Führers für die gesamte geistige und weltanschauliche Erzle- k hung der NSDAP.. Alfred Rosenberg, hat am 15. Oktober den ihm zwangaweiae vorgeführten Arbeitero der Opelwerk« ein« Red« gchalte» und der„Völklaobe Beobachter" hat zu diesem Ereignis extra einen seiner Schriftleiter nach Rlisselahelm geschickt. Von dort drahtet der Sehriftieiter vorschriftsmäßig begeistert; Die Rede, Alfred Rosenbergs anläßlich der Eröffnung des, vierten Winterhalbjahre« der OpelAVerkahoobnehui« in Rüaaekr heim war ein grandioser Auftakt zu einem sranz neuen Kampfabschnitt. Mit d i• s«f Kulturkundgebung ist der Kampf um die Eroberung der Seele des deutschen Arbeiters begonnen worden. Hitler regiert seit dem 30. Januar 1933. Aber erst am 19. Oktober 1934 hat dar Kampf um di« Seele des deutschen Arbeiters heg«»' nso. Die Braunen wissen, daß die Seele deutschen Arbeiters bisher dem National««- adaUsmua nicht gehört, daß zwanzig Monate Naztherrachaft mit samt allen Hitlerreden die Seele des deutschen Arbeiters nicht für sie gewonnen haben. Ein schöne« Geständnis» Vom Werd-n des neuen ftiilUarismns Der Hauptschriftieiter des„Militär- wochenblatte a", Generalleutnant a. D. von A. 1 1 r o c k, scheidet aus der Leitung des Werkes aus. Er war seit Kriegsende der Leiter des führenden Organs der deutschen Militärs. Der Reichswehrminister Blomberg bat Altrock den folgenden Brief geschrieben; „Eurer Exzellenz beehre ich mich anläßlich Ihres Ausscheidens aus der Schriftleitung des„Militär-Wochenblattes" meinen und der Wehrmacht Dank zum Ausdruck zu bringen für die an dieser Stelle geleistete Arbelt. Euere Exzellenz! haben auch in denJahren, in denen der Geist des Pazifismus und der Selbstaufgabe in weiten Krei-, sen unseres Volkes herrschte, sich mit un-, ermüdllcher Arbeit und großem Können stets für die Interessen der Wehrmacht und den Geist der Wehrhaftigkeit eingesetzt und so zu dem Werk der deutschen Wiedergeburt beigetragen. Es ist mir eine besondere Freude und Ehre.' Ihnen das am heutigen Tage zum Ausdruck i bringen zu können zugleich mit den besten Wünschen für Ihr weiteres Wohlergehen. Mit den besten Empfehlungen und Hitler- Heil bin ich Eurer Exzellenz sehr ergebener(gez.) von Blomberg." Die Militärs haben mit Hitlers Hilfe Uber den Geist der Friedfertigkeit und der Verneinung des Krieges gesiegt, für sie steht die „deutsche Wiedergeburt" im Zeichen der Bejahung des Krieges. Sie haben den Nationalsozialisten die militärischen Stichworte geliefert, sie haben schon in der Weimarer Republik den neuen militaristisch an Geist gepflogt„Der Geist der Wehrhaftigkeit"— das Ist die Formel, unter der sich der Kriegs- wüle verbirgt Mögen sie noch so oft versuchen, wie sie es auch in der Vergangenheit getan haben. Wehrhaftigkeit und Landesverteidigung gleichzusetzen— so wird doch jeder Kenner der deutschen Geschichte wissen, daß hinter dem Worte„Wehrhaftigkeit" ach der neue agreasive Militarismus verbirgt Die Erinnerung an den alldeutschen„Wehrverein" des General Keim ist noch nicht völlig verblaßt. Dieser Brief ist dashalb eine bezeichnende Illustration zu den immer wiederkehrenden Friedensbeteuerungen Hitlers. Rosenberg; droht Alfred Roaenberg, der Privataußenmini- slor Hitlers bat in seiner Rede, die er küra- Ucb in Leipzig vor den sächsischen Erziehern hielt, Uber die neue Endehung der deutacben Jugend im Geiste der Raasenseele gesprochen und dabei folgende unverbüllte Drohung an den Völkerbund gerichtet: „Wenn man nun im Ausland fragt: Wenn Deutschland sein Volk so erzieht wird dieses einmal starke und erzogene Deutschland in zehn Jahren nicht zu den Waffen greifen? Dann müssen wir schon sagen: Wenn diese Herren die Frage aufwerfen, dann kann das nur aus dem schlechten Gewissen kommen. Wir können eine Erziehung des deutschen Volkes zum Ehrbewußtsein und zu einer Vertiefung der Erkenntnis der Geschichte der Heimat nicht verbieten.. Das hieße also in verständliches Deutach Ubersetzt:„Wartet nur, In spätestens zehn Jahren sind wir so weit, dann werden wir euch mit eurem schlechten Gewissen schon Mores lehren!" Was sagt der friedliebende Herr Hitler zu seinem ebenso unvorsichtigen wie streitbaren außenpolitischen Ratgeber? Die Diklatur der Löse »...Bs wird einegefäbrliobe Heß* c hei ei gezüchtet. Es braucht nicht veiter ausgemalt zu werden, was es bod outet. wenn Lüge das Volk durehfrlflt..« (Aus dem»Reiohswart«.) Herr Reventiow bat manchmal UchM Augenblicke, Gefährliche AugenhUoka sind das! Modcereirn Der Treuhänder der Arbelt Börger. falen, hat In der„Neuen Welt" vor Bertta*' Beamten den Satz geprägt:„Eine politl«ol|# Erkenntnis braucht Jahrzehnte, um ins Vcrfß zu dringen, ein Witz aber, der eine poUUaeh* Gemeinheit enthält, braucht nur einen T»*'" • Der Film:„Ein Mann will nach Deutschland" war der größte Publikumaerfoig ds# Jahres. Alle Menschen gingen Ina Kino. UJh den Mann zu sehen, der nach Deutschland will. • Das Schiffshebewerk Nleder-PTnow wieder abgerissen werden, well die wichtig" sten Bestandteile anderweitig gebraucht werden. Die Pfeiler sollen für den National««* zial Ismus als Stützen Verwendung finden, d*8 Nieten für die preußische Staatslotterie und der Schlffstrog für das Eintopfgericht »Wie lange dauert» wohl noch«. flUatart der eine»Miesmacher« dem anderen zu. »NSDAP« flüstert der zurück. »T??< »Nur solange die Angeschmlertsn P*' rleren!« von 35 Mark. Jedem int also durch die Teuerung mehr genommen als ihm durch die Winterhilfe gegeben werden konnte. Wenn Hitler In seiner Berliner Bede zugeben mußte, daß ganze Teile des Reiches dem Hanger und Elend ausgeliefert sind, ohne daß im Augenblick eine wirtschaftlich wirksame Abwehr gefunden werden könnte, so ist das die schärfste Anklage gegen sein eigenes Handeln. Er hat die Bettung ans Not und Elend binnen vierundzwanzig Stunden versprochen. Er hat in Wirklichkeit das Volk in tiefstes, nie dagewesenes Elend gestoßen. Hitler hat in der gleichen Rede noch einen weiteren Beweis für seine abgrundtiefe Heuchelei gegeben. Er hat festgestellt, was jedermann weiß, daß gerade die Mitglieder der gutsituierten Gesellschaft es wären, die einen erheblichen Mangel an Opferwillen aufwiesen. Er beklagte sieb besonders über las wohlhabende Bürgertum, er hoffe, daß sich in diesem Jahre nicht wiederhole, was im vergangenen Jahr in vielen Städten festgestellt worden sei, daß ärmere Viertel mehr an Opfer mobilisierten als die wirtschaftlich besser Gelagerten. Man solle in solchen Fällen in Zukunft diese bestehende Tatsache der Nation„ganz offen zum Bewußtsein bringen". Die Auffassung, daß die Verwendung eines Vermögens nur Privatangelegenheit des Einzelnen ist, müsse eine Korrektur erfahren. So viel Worte, so viel Lügen. Daß die Wohlhabenden des Bezahlen stets den Armen überlassen, ist eine alte Wahrheit. Deshalb Ist in keinem modernen Staate dem Einzelnen überlassen, was er für die Gesamtheit geben will. Das wird durch Steuern ihm vorgeschrieben. Hitler aber hat die Steuern auf den Besitz tufgebaut, und es den Reichen erst ermöglicht, ihr Vermögen als ihre Privatangelegenheit zu betrachten. Wollte er wirklich dem skandalösen Zustand ein Ende machen, daß die Winterhilfe eine Hilfe der Aermsten für die Aermsten ist, und daß die Reichen in ihrer satten Bequemlichkeit sich von allen Leistungen drücken, so gibt es dafür kein anderes aber auch kein besseres Mittel als das Anziehen der Steuerschraube. Statt dessen bat Hitler schon wiederum eine Ermäßigung der Einkommensteuer, der Erbschaftssteuer und der Vermögenssteuer angekündigt Wie gut es den Reichen im Dritten Reich ergebt, das zeigt nichts besser als das Steigen des Umsatzes in der Autoindustrie, von 560 Millionen Mark im Jahre 1932 auf Uber 900 Millionen im Jahre 1634. Die Mehranschaffungen für Autos sind unter der Herrschaft Hitlers größer als der Aufwand für die Winterhilfe. Das Reich für die Reichen. Millionen hungern im Dritten Reich, trotz Winterhilfe. Aber nicht, weil kein Geld da ist, weil man ihnen nicht helfen könnte, sondern weil man ihnen nicht helfen will. Geld ist vorhanden für alles, was Hitler am Herzen liegt Als die rheinisch-westfälischen Großindustrie!- 1 e n jammernd zu ihm kamen, da schenkte er ihnen 500 Millionen Mark. Als die Bankiers, die das Reich 1931 vor dem Bankrott bewahrt hatte, bettelten, da wurden ihnen die gepumpten Gelder erlassen. Hunderte von Millionen fließen in die Tasche® der Großgrundbesitzer Um nu» erst gar die Ausgaben für die Rüstungen! Was an Milliarden In die Rüstung*" Industrie fließt, würde ausreichen, um sÜ* Notleidenden von Ihren Sorgen zu befreien- Geld hat Hitler aber auch für Feste, Feiern, für die Nazibonze n, füi" S A. Dem Pfennig für die Winterhilfe e®*' spricht die Mark für diese Zwecke. Lüg* Ist es, wenn Hitler sagt, daß eine CUn die Lösung von Problemen, die eher; Auszahlungen der öffentlichen Kassen der Metaphysik als dem Ge-; können nur noch mit Mühe und Not ge- schäftsleben angehören, z. B. des leitet werden. Die Gleichgeschalteten an Problems der kontinuierlichen Identität einer Jer Saar suchen zwar die Verantwortung Substanz, z. B. eines Metalls, das durch die für diese Bedrängnis auf die französische i worden waren, die anderen 50 Prozent in daß auch die handelsübliche Kreditgewährung aufhört und Waren nach Deutschland nur gegen bar, d. h. gegen vorgängige Devisenzahlung i werden geliefert werden. Schacht ist die Erpressung langfristiger Kreditgewährung mißlungen, und die deutschen Rohstoffimporte werden eine weitere Erschwerung erfahren. haupteten„günstigen MVtschaftsgestaltung* nicht uberein, weshalb in dem Artikel de« noch ein Kommentar gegeben wird; „Sodann braucht auch das Einkommen der Arbeiter und Angestellten, das ohne solchen zeitlichen Zwischenraum, gewissermaßen Zug um Zug gegen die dargebrachte Leistung bezogen wird, nicht parallel mit der Produktionsausdehnung zu steigen. Demi der weltgehend mechanisierte und Inder Krisenzelt nur zu einem Teil auagenutzte Produktionsapparat bedarf zu einer bestimmten Leistungssteigerung nicht eine Vermehrung der Arbeitskräfte in gleichem, sondern nur in verhältnismäßig geringerem Grade." Das ist wohl richtig, aber diese Sätze, die die in Wirklichkeit nicht vorhandene geringe Stci- Unterdessen ist am 15. Oktober die;?erun5 des Einkommens aus Lohn und Gehalt Zahlung der Zinsen für die Dan es- Anleihe fällig geworden. Die Angehörigen der meisten europäischen Staaten, mit denen besondere Abkommen abgeschlossen wurden, werden die Zinsen diesmal voll ausgezahlt erhalten, nicht aber die Angehörigen der VerStaaten. Diese erhallten| 8 u n? des Einkommens aus Penaufklären sollen, richten sich gegen die Fälschung der A rb el t s 1 os e n s t a- , t i s 1 1 k, durch die ein Sinken der Arbeitslosenziffern ausgewiesen wird, das mit der Produktionsentwicklung nicht im Einklang steht. Bemerkenswert ist außerdem die B e w e- einigten nur die 50 Prozent, die in den Monaten isionen und Renten. Eis fallen darunter" April bis Juni vor Verkündung des Trans- die Beamtenpensionen, Altenteilbezüge, Ben- fermoratoriums durch die Reichsbank bei i ten und sonstl&e Barleistungen der Sozial-, den Treuhändern zur Verfügung gestellt| Versicherung, Kriegsrenten. Arbeitslosen- und Hände verschiedener von einander unabhän- Regierung abzuwälzen, aber die Tatsachen gigen Konzerne geht und verschiedenen indu- sprechen doch zu deutlich, als daß nicht striellen Verarbeitungsprozessen unterworfen! jeder wüßte, daß nur der betrügerische wird. Während der ersten Tage blieben die| Bankrott Schachts, daß nur die leichtfer- Ueberwachungsstellen ohne Organisation und: fige Katastrophenpolitik der nationalsozia- Weisung und mußten die Gesuchsteiler ab- listischen Diktatur jetzt die Saar mit Ar- weisen. Aufschub und Desorganisation waren beitslosigkeit bedroht. die Folge.' Aber auch gegenüber Holland und Die Desorganisation liegt aber nicht namentlich der Schweiz hat sich der deut- allein In dem Versagen des bürokratischen sehe Ausfuhrüberschuß so starir verrin- Apparats, sondern im Wesen des Systems gert, daß in diesen Ländern ernste Beden- selbsf, das zu einer Desorganisation aller ken auftauchen, ob die Ueberschüsse ausAußenhandelsbeziehungen geführt hat. reichen werden, um die durch die Verträge Seitdem es diesen„Neuen Plan" gibt, der garantierten Zinszahlungen an die Gläubi- den Import einer Ware nur gestattet, wenn ggr leisten zu können. Vorläufig habdn für ihn eine spezielle Einfuhrerlaubnis■ sich die Regierungen vorerst damit beausgestellt und sogleich die notwendige gnügt. ihre Exporteure aufzufordern, die Devisensumme zugeteilt wird, haben die Ausfuhr nach Deutschland einzuschrän- deutschen Importeure zunächst die Ein- 1 ken, nur die Schweiz ist zu einer direkten fuhr von Rohstoffen, aber auch von Halb- Ausfuhrkontrolle übergegangen. Jedenfalls und Fertigfabrikaten, insbesondere der führen diese Vorgänge immer mehr dazu,] Textil- und Metallindustrie, mit aller j_ Sperrmark. Da sie diese nur mit erheblichen Disagio verwerten können, erhalten Wohlfahrtsunterstützungen. Dieaes Einkommen hat sich gegenüber 1932 um 800 Millionen BM. vermindert. sie statt 100 Prozent(und dazu in entwer- 1 In dem Artikel in„Wirtschaft und Statistik" teten Dollars) nur etwa 75 Prozent. Das[ wird nun zugegeben, daß das Ehnkommen auf ist eine offene Diskrimminierung der amerikanischen Gläubiger. Dazu kommt, daß auch über die sonstigen privaten Forderungen mit den Vereinigten Staaten bisher kein Abkommen getroffen worden ist Die amerikanische Regierung hat gegen diese Schlechterstellung bereits protestiert und so kündigt sich ein neuer Konflikt mit der größten Wirt- schaftsmacht an, dessen Folgen weiftragend sein können. Die Herauslösung Deutschlands aus der Weltwirtschaft scheint doch kein so einfaches Problem zu sein, wie es sich die nationalsozialistischen Dilettanten vorgestellt haben. Dr. Richard Kern. Macht gesteigert. Sie konnten das, indem sie die Zahlungen auf das Verrechnungs- 1 konto leisteten, das die meisten ausländi-[ sehen Notenbanken bei der Reichsbank eingerichtet hatten. Als es zur effektiven Das Volkseinkommen sinkt! Seit Monaten haben die Agenten des Drit- Devisenzahlung kommen sollte, erklärte i ten Reiches in die Welt hinausposaunt, die Schacht, keine Devisen zur Verfügung zu; Besserung der gesamten wirtschaftlichen La- haben. Die Waren blieben so entstand eine neue Wareuschuld, mit 500 Millionen Mark wird, in Wirklichkeit höher ist. unbezahlt und ge in Deutschland werde durch die Höhe des 1 Volkseinkommens im Jahre 1933 bewiesen ! werden. Sie wußten schon im voraus, daß es I seit Jahren zum eisten Male wieder gestie- | gen sei. In den Krisenjahren war das Voiks- die offiziös /ugestanden aber noch einkommen andauernd gesunken. Eis betrug Im Ausland entstand wilde Empörung über 111 Milliarden Reichsmark: 1929 76.1; 1930 die den Fabrikanten und Exporteuren auferlegte Zwangsanleihe. die englischen Garn- und Wollfabrikanten, die französischen Lieferanten von Kammzug stellten die Lieferungen ein und die Regierungen von England, Holland und der Schweiz schickten ihre Unterhändler, die die Wiedergutmachung des von der Auslandspresse einmütig als betrügerischer Bankrott bezeichneten Vorgehens forderten, ohne allerdings bisher schon definitive Resultate erzielt zu haben. Aber das stürmische Vorgehen der deutschen Importeure hate noch eine andere Folge. Man weiß, daß die Verrechnungs- abkommen auf der Tatsache beruhen, daß Deutschland mit den Ländern, die diese 70.2; 1931 57.1; 1932 46.5. Es war demnach von seinem höchsten Stand im besten Konjunkturjahre 1929 um beinahe 30 Milliarden RM. gefallen. Im neuesten Heft für„Wirtschaft und Statistik" (Nr. 18) sind die Angaben über das Volkseinkommen für das Jahr 1933 enthalten. Das Volkseinkommen ist vom Statistischen Reichsamt mit 46.4 Milliarden RM. ermittelt worden. Diese Höhe des Volkseinkommens wird als„leichte Besserung" bezeichnet. Sic bringe eine Zunahme des Volkseinkommens um 1.1 Milliarden RM. oder um 2.4 Prozent zum Ausdruck. Nach dem großen Lärm, den die Nationalsozialisten mit dem angeblichen Wirtschaft- Abkommen abgeschlossen haben, emei.....,...... , i.,,,.,..__ i ui_ j; liehen Aufschwung, der nach der Machtüberaktive Handelsbilanz hat. Da Deutschland;_________,___„„~7_____.l__1____._____ an diese Länder mehr Waren verkauft als es in sie einführt, entsteht ein Devisenüberschuß für Deutschland, der zur Befriedigung der ausländischen Warenlieferanten und darüber hinaus der ausländischen Gläubiger dienen soll. Der stark anschwellende deutsche Import hat aber nun diesen Ueberschuß gegenüber einer Reihe von Ländern entweder ganz beseitigt oder stark vermindert. So weis! die deutsch-französische Ifan- delsbilanz zum erstenmal seit Jahren einen Aktivsaldo zugunsten Frankreichs auf, d. h. also. Frankreich hat von Deutschland mehr zu fordern als umgekehrt, der deutsche Devisenüberschuß hat sich in ein Minus verwandelt. Der deutsch-französische Handel schloß nämlich im August mit einem deutschen Einfuhrüberschuß von 17.5 Mill. franz. Francs ab, die Einfuhr aus Deutschland ging in diesem Monat um 14.2 auf 150.8 Mill. zurück, während die Ausfuhr nach Deutschland um 13 Mill. auf 168.3 Mill. angewachsen ist. nähme durch Hitler eingetreten sei, gemacht haben, müßte diese geringe Steigerung des Volkseinkommens als außerordentlich mäßig bezeichnet werden— wenn sie nur überhaupt vorhanden wäre. Da aber nach allen bisherigen amtlichen Mitteilungen da» Volkseinkommen für 1932, so wie oben angegeben, 46.5 Milliarden K.M. betragen hat, und sieh 1933 auf 46.4 Milliarden BM. beläuft, so Ist keine Stelgerung, sondern eine Vermindernng des Volkseinkommens um rund 100 Millionen BM. eingetreten. Weil diese tatsächliche Bewegimg des Volkseinkommens die offiziellen Lügen über den wirtschaftlichen Aufstieg und die Besserung der sozialen Lage enthüllt, muß sie gefälscht weiden. Wie machen es die Herren über Leben und Statistik, um die neuerliche Senkung des Volkseinkommens in eine Zunahme umzu- lügen? Sie sind nicht verlegen. Sie setzen einfach das Volkseinkommen für 1932 nach- fräglich von 46-5 auf 43-3 Milliarden RM. herab. Dann wird aus der Verminderung um 100 Millionen RM. eine Zunahme von 1.1 Milliarde." FMrwahr, ein einfaches Rezept, das nur zu dem Zweck in Anwendung gebracht wurde, um eine günstige Entwicklung des deutschen Volkseinkommens vorführen zu können. Zu diesem neuen Schwindel mußten die statistischen Knechte des Monopolkapitalismus um so mehr Zuflucht nehmen, als eine Aufspaltung des Volkseinkommens für 1933 die Verschlechterung der Lage der vielen Millionen Arbeiter, Angestellten und' Arbeitslosen erkennen läßt. Eis betrug das Volkseinkommen aus: Lohn u. Gehalt Pensionen u. Renten 1929... 43.0 9.2 1930... 39.6 10.0 1931... 33.1 10.0 1932... 26.2 9.2 1933... 26.0 8.4 Daraus geht einwandfrei hervor, daß im dem Einkommen Jahre 1033 das Volkseinkommen aus Lohn und Gehalt noch um 200 Millionen RM. ge- willigen ringer ist, als 1932— obwohl die Arbeits- schröpft worden ist, da außerdem auch losenziffer im Jahresdurchschnitt um etwa 800.000 niedriger sein soll und außerdem die Löhne und Gehälter ihre alte Höhe behalten haben sollen. Aber natürlich beginnt auch wdeder die nationalsoziallsUsche Hexerei, die aus einem Rückgang eine Vennehrung zu raachen versteht. Da der Betrag für 1933 nicht einfach willkürlich erhöht werden kann, so wdrd das Volkseinkommen aus Lohn und Gehalt für 1982 eben nachträglich„berichtigt", und zwar so, daß es um 500 MJlionen RM. herabgesetzt wirdl Nach dieser Korrektur beträgt es für 1932 nicht mehr 26.3, sondern nur noch 35,7 Milliarden BM. und. nun ergibt sich auch für 1933 eine Ver- mehruug um rund 300 Millionen RM.! In„Wirtschaft und Statistik" wdrd diese „Berichtigung" so aufgeklärt: „Eis wurde die Berechnung des Einkommens aus Lohn und Gehalt für die letzten Jahre mit Hilfe der Statistik der Beitrags- leistungen zur Sozialversicherung neu vorgenommen und für das Jahr 1932 zugleich an der Statistik des Steuerabzuges vom Arbeitslohn überprüft. Die frühere Schätzung für 1932, die sich In der Hauptsache den Beamten pensiooen gestiegen ist, und der Rückgang nur bei den Einkommen aus deü anderen Bezügen stattgefunden hat. Es ergibt sich sonach, daß im Jahre. 1933 die Barleistungen der Sozialversicherung, die Kriegsrenten, die Arbeitslosen- und Wohlfahrtsunterstützungen um annähernd I Milliarde KM. gesunken sind. Mit dem Rückgang von 200 Millionen RM. bei dem Einkommen aus Lohn und Gehalt ist also für das Jahr 1933 ein Rückgang des gesamten Volkseinkommens ans unselbständiger Arbeit um mnd 1.3 Milliarden RM. festzustellen. Anders ist die Entwdcklung der übrigen Teile dea Volkseinkommens. Es betrug aus Unternehmertätigkeit: 1929 18.4, 1930 15.5, 1931 11.2, 1932 9.6, 1933 10.5. Hier ist also tatsächlich eine Steigerung um rund 900 Millionen RM. eingetreten. Interessant ist weiter, daß auch das E i n- k omm e n a u s K api t al- und Gründvermögen mit 2.3 Milliarden RM.- di® gleiche Höhe erreicht hat. wie 1932. Die „Brechung der Zinsknechtschaft", die die Nationalsozialisten vor der Machtergreifung dem deutschen Volke als heiligste Tat versprochen haben, ist demnach den ECapital- beaitzern nicht schlecht bekommen. Schließlich rechnet die naüonalsonalis tische Statistik noch vor, daß die Zunahmp des realen Volkseinkommens gar 4.6 Prozent gegenüber 1932 betrage. Bleiben wir aber bei den nicht nachträglich„berichtigten"—* | lies: gefälschten— Zahlen des Volkseinkommens aus Lohn, Gehalt, Pensionen und Reo* ten, also aus unselbständiger Arbeit, so stellen wir für 1933 eine Senkung des nominalen E'11" Wommens um etwa 3.5 Prozent fest. Da aber gerade der Teil des Volkes, der voB aus„unselbständiger Arbelt" lebt, im Jahre 1933 mit Spenden,„frei- Abgaben und Hilfen mächtig g®' die Preise für die unentbehrlichsten Lebensmittel und Bedarfsartikel stark angezogcü haben, ist zwar nicht die Erhöhung, wohl aber der Rückgang dieses Teiles dea Volkseinkommens, der auf die breiten Schichten de« arbeitenden Volkes entfällt, mit mindestens 4.6 Prozent einzusetzen. Diese Wahrheit Uber das Volkseinkommß1' stimmt überein mit allem, was In der jüngsten Zelt entgegen der amtlichen Lüg«0' Propaganda über die tatsächliche wirtschaftliche Situation und über die soziale Lage der Arbeiterklasse in Deutsehland bekannt geworden ist. auf eine Umrechnung des tatsächlichen Lohnsteueraufkommens gestützt hatte, erwies sich dabei als zu hoch und wurde entsprechend berichtigt." Aber selbst die gefälschte Zunahme stimmt, mit der in allen Führerreden be- Noble ReichstagKabgeordne� Für die Winterhilfe hat die Fraktion d®1' Nazis auf Veranlassung ihres Fraktionsf®' rers Dr. EVick den Betrag von 1 0.0 0 0 Reichsmark gestiftet. Da die Frakti0" über 860 Mitglieder verfügt, die für 1®r Nichtstun eine Jahresentschädigung von 720® Reichsmark bekommen, so entfällt auf jede" Mitglied für die Winterhilfe der fürstliche Betrag von 15 Mark jährlich oder 1,25 Mar" monatlich. Da behaupte nun noch einmal jemand, � Nazi-Abgeordneten täten nicht alles, um wahre Volksgemeinschaft herzustellen! Nr. 71 BEILAGE "UcuccteuScts 21. Oktober 1934 Mad® dem Riesenstrelk in USA. Wandlungen der amerikanlsdien Klassenkämpfe A Regierung und Gewerksdhatten Seit dem Regierungsantritt Roosevelta 81Ed eineinhalb Jahre vergangen und während •äieser Zeit sind die Staaten von den heftig- "ten sozialen Auseinandersetzungen getroffen forden. Wenn es ein unbestreitbares Ver- "üenst gibt, das der Kurs des Präsidenten ftir sieh In Anspruch nehmen kann, so ist es C"P!<; er hat die Fronten der Wirtschaft aus •hrer Starre erlöst. Er hat die unsichtbaren kesseln, die den Wirtschaftskörper zusam- oienpreßten, aufgelockert.- Er hat eine Krisen- Initiative ergriffen, die in geradezu lehrhafter �Veise Möglichkeiten und Grenzen jeder kapi- teiistischen Krisenpolitik aufzeigte. Er war gezwungen, hinter dem abstrakten Begriff der ..Wirtschaft", wie ihn der Kapitalismus zur Verschleierung seiner Profitgesetzlichkeit ausbildet, die lebendigen Interessenzusammen- haoge der Klassen sichtbar werden zu lassen. Am 16. Juni 1933 wurde die„National Recovery Administration" NRA konstituiert: dieser Gründimg sollte eine neue Aera t'er amerikanischen Wirtschaft eingeleitet Verden. Roosevelt und sein Kreis hofften, (l'irch ein dichtes Netz von Industrieverträgen 'Codes) regulierend in den Wirtschaftsprozeß e'n greifen und ihn dirigieren zu können. Ur- 'Priinglich stützte sich Roosevelt dabei auf 'ten sogenannten„Trust der Gehirne", der ein toteliektuelles System für die Lenkung der �'»Ätwirtschaft ausgeklügelt hatte. Es Jeigte sich aber sehr bald, daß der Kapita.- "smus den Vorschriften und Gesetzen des im 'üftleeren Raum der Wirtschaftsphilosopbie *ich bewegenden Denkens nicht gehorcht, �"�ßvelt mußte deshalb nach anderen sozia- Gruppierungen Ausschau halten, deren R�eressen und Zielsetzungen mit seinen Vor- �Uungen von der Wirtschaft in Einklang atanden, Unter den Faktoren, die mit an erster lelle in der Kalkulation der neuen Männer � Durchsetzung ihrer planwirtschaftlichen 0Jekte rangierten, befanden sich die industriellen Arbeiter. Roosevelt versprach ihnen 6 Brechung der Industriefeudalistischen *rrachaft. Mit durchschlagendem Erfolg tte sich die Großindustrie bisher gegen die . gewerkschaftliche Organisierung ihrer �'ter zur Wehr gesetzt. Gelb« Betriebs- �werkschaften ohne jede sozialpolitische r�oetändlgkeit, mit durchweg von den �ternehmern bestochenen Funktionären be- 1 �ßen das Monopol auf die Organisierung der ''beiter. sie erschöpften ihre Tätigkeit In Bespitzelung der Belegschaften, in der � 0rall sehen Sabotage Jedes Widerstandes . in der Einrichtung von allerhand Ver- �nl'gUngen für die Arbeiter; denn die Unter- �hßier ließen sich die Aufrechterhaltung j Wlllkürregimentes im Betrieb etwas � Roosevelt hoffte, durch staatliche Aner- �Pfung die Gewerkschaften an sich zu fes- n- Es wurde Artikel 7 a des Recovery- �«tzes geschaffen, in dem en Arbeitern freigewählte Kollektivrer- „ tretungen zugesichert �Wen. Aber die staatliche Sanktion der �"-Werkschaft hatte noch keineswegs ihre j P-rkennung durch die Kapitalisten zur Si er8te Streikwelle kam. Alle stat'�8' C�e im Rahmen der ersten Welle r]� �anden, kreisten um die Durchsetzung 41 NRA-statuts. Mit unerhörtem Heroismus so daß USA immer noch über 10 Millionen Erwerbslose— nach vorsichtigen Schätzungen— zählt. Die Löhne wurden nominell erhöht, aber diese Erhöhungen hielten bei weitem nicht Schritt mit der Erhöhung der Lebenshaltungskosten. So kam es, daß der Kampf um die Koalitionsfreiheit sich sozialpolitisch außerordentlich zuspitzte. Die amtliche Streikstatistik ist schon deshalb sehr mangelhaft, well sie eine große Anzahl von Teilkämpfen überhaupt Die amerikanischen Streiks haben durch die extrem gelagerten Klassenverhältnisse immfer einen besonderen Charakter getragen. Besonders an der Westküste und in den Südstaaten haben die Unternehmer von jeher versucht, durch zwangsweise Anwerbung von Streikbrecher garden gewaltsame Provokationen herbeizuführen. Die Söldner der Unternehmer bewaffneten sich, drangen in die Streiklokale ein, lynch- Trauer in Berlin Organisation zusammengeschlossen sind, noch keineswegs die Konkurrenz der Arbeiter untereinander aufheben oder eine wirkliche Einheitlichkeit der Aktionslcraft zustande bringen. Hinzu kommt der sehr scharfe Gegensatz, der zur politischen Partei, der Sozialistischen Partei Amerikas, besteht. Die ! Gewerkschaften haben ein sehr klares und begrenztes Ziel vor Augen; sie wollen den Staat zwingen, eindeutig für die legale Existenz der freien Organisationen Farbe zu bekennen und seine Autorität auch dem mächtigsten Unternehmer gegenüber zur Geltung zu bringen. Darüber hinaus sind sie bereit, die staatliche Schlichtung bedingungslos anzuerkennen und sie tun dies auch in den Fällen, In denen die SchUchtungsinstanz letzten Endes gegen die Arbeiter entscheidet. Die Geschichte des Kapitalismus beweist, daß an einer solchen Haltung der Gewerkschaften nicht nur die Arbeiter Interessiert sind. Wenn sich der gewerkschaftliche Anspruch in USA bisher doch nicht durchgesetzt hat, so liegt das an dem Feudalcharakter der kapitalistischen Mammutorganisationen, vor denen Roosevelt und seine NRA bisher immer wieder zurückgewichen sind. 2. Die Wandlungen der l\fRA Die gewerkschaftlichen Kämpfe In USA bewegen sich nicht mehr auf dem Niveau der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, wo das Proletariat ganz spontan die Betriebe ! stillegte, um die Brutalität des jungen, gren- «« .Herr, wir danken Dir. daß wir es diesmal nicht gewesen sind" kä biiUPften c�e Arbeiter— zunächst nicht un- � lbar um i0hn- und sozialpolitische For- 8ondern um praktische Verwirkte 81 ne8 staatlich legalisierten Zieles: Sc �Perkennung ihrer Gewerk- br. ,a f 1 e n. Unterdes erfolgte die ünter- pp? der Roosevelt- Konjunktur. Die An- flaii, "übg der Wirtschaft war nach dem Ab- k'tehT � er8ten Begeisterung stecken ge- Utid" Vor 8116,111",ch.eln dtlnkJ Aber wie auch nur ein Tupfelchen mehr zu tun. als.. ihnen durch das Gesetz auferlegt worden w&r® 68 einer neuen und gereinigten ist."' Ausgabe, in der Gott durch Wotan, die Im Juni d. J. wurde noch mitgeteilt, daß Walpurgisnacht durch einen Nürnberger Par- n'icTt gat at t/' Mau könnte'�htra-: dM 8ich*uf Rahmenbe- teitag ersetzt und Gretchen unbedingt gehet ■veise umbiegen in lebenslängliche Beschäf Stimmungen beschränkt und daß es dem Betriebsführer vom Gesetze freigestellt ist, „Eine Klippe im Baugewerbe ist z. B. die soziale Forderung einer Kündigung. Nach wie. vor steht auf den Wochenzetteln und Lohntüten der ebenso lakonische wie 1 tigung, wenn niebt die traurige Tatsache es anders darstellte. Der Bauarbeiter war in dieser Beziehung immer Freiwild..." Der„Grundstein" findet freilich nicht den Mut, die im. Arbeitsgesetz enthaltene. Verheißung von der Einführung irgend welcher Kündigungsfrist zu vertreten. Dafür bringt der„Nahrungsmittelarbeiter" einzelne Betriebsordnungen, die als soziale Vorbilder dienen sollen. Sie enthalten aber lediglich spaltenlange Ausführungen über Zusammenarbeit. Treueverhältnis, Saü- „Uber die Mindestvorschriften hinaus seinem nationalsozialistischen Wollen uneingeschränkt Raum zu geben ratet werden müßte? Mephisto könnte in der Maske des Propagandaministers auftreten, aus der Reise zu den»Müttern« müßte eine Suche nach den Großmüttern werden und der Hof des Kaisers wäre auf den Obersalz- gleich.■■ ÜHP Voll Traurigkeit und Enttäuschung b<,rkeit � Arbeitsplatz und Güte der Ar-; beitssklavengesetzes vom Mai. Die Tariford- es stehe heitsleistung...... Nun erfahi-e.n die Arbeiter und Angesteil-. berg zu verlegen(die Inflation könnte Welten sogar aus der Nazipresse, daß sich die ben). Nazidichter an die Front! Das wäre Unternehmer weigern, auch nur ein Tüpfel- doch gelacht, wenn der alte Goethe sich nicht eben mehr zu tun, als sie nach den nichts- Ubertrumpfen Ueße! sagenden gesetzlichen Bestimmungen zu tun verpflichtet sind. Die Betriebsordnungen, wie sie Jetzt den Belegschaften löffelweise verabreicht werden, sind die Vollendung des Arschreibt der„Korrespondent" sehr im Gegensatz zu echtem kameradschaftlichem Zusammenwirken, wenn es Betriebsführer fertig gebracht haben, „den Versuch zu machen, durch die Betriebsordnungen Bestimmungen der rechtskräftigen Tarifordnung außer Kraft zu setzen. Leider haben sich auch Vertrauensräte, die sich Uber ihre Aufgaben nicht klar waren, bereit gefunden, derartige Betriebsordnungen zu akzeptieren. Oft sind diese Bestimmungen auch in die Betriebsordnungen hineingeschmuggelt worden, daß den Vertrauensräten gar nicht klar wurde, daß diese Bestimmungen im 1 besten Gegensatz zu den Bestimmungen der Tarifordnung stehen." Zur gleichen Zeit, da mit Hilfe der Betriebsordnung hinterhältig der Arbeiter um den Rest der Tarifordnung gebracht werden soll, deklamiert das faschistische Bergarbei-' terblatt: „Die große Bedeutung der Betriebsordnung liegt aber darin, daß sie dem Be- 1 triebsführer Gelegenheit gibt, seine An- 1 schauung Uber das Arbeitsverhältnis zum j Ausdruck zu bringen und den Arbeiter vor Täuschungen bewahr t." In der gesamten Presse der Arbeitsfront wird wieder einmal versichert, man habe absichtlich keine Muster-Betriebsordnungen herausgegeben, well zu den Betriebsführern und Vertrauensräten das Vertrauen besteht, „daß sie leidenschaftlich bemüht sein werden, in dieser Betriebsordnung das Höchstmaß sozialen Wollens) der Betriebsführung zum Ausdrucke zu bringen." Diese- soziale Leidenschaftlichkeit der Herren Betriebsführer ist bereits so unbändig geworden, daß z. B. im Baugewerbe die meisten Untei nehmer Uberhaupt nicht daran denken. Betriebsordnungen zu erlassen. Es heißt nämlich im Gesetz:„In jedem Betrieb, in dem l in der Regel mindestens 20 Arbeiter und Mu|cstätsbeleldigung »Viele kommen zum Ruhm, bloß weil sie schwitzen und die anderen „Die richtige Auswahl bei j nung hört endgültig auf zu bestehen, eine Er- H'cil®e&earbeitet« Neueinstellung".„Gesunde Erbanlage und i satzregelung aber ist in den Bet rlebsordnun- /UUzstce feoH�Use 101. Bvd. Huspaii. Paris(VIe) Die praktische Schule für die französische Sprache IMn ktor: Robert Uupouey Winter-Kurse für die vollständige Erlernung der französischen Sprache: Eröffnung am 3. November. Jede Woche: 16 Stunden mindestens praktischer Unterricht(praktische Uebungen in der Ueber- setzung aus dem Deutschen ins Franzosische). 17 Vorträge. 1 Führung durch Paris. Der Kursbeitrag beträgt monatlich 105 Francs, für 4 Monate(November bis Februar) 500 Francs • Karten nur für die Vorträge; Preis 80 Francs für einen Monat. PROBLEME DES SOZIALISMUS Sozialdemokratische Schriftenreihe herausgegeben zur Klärung der Meinungen über die Lage in Deutschland nach dem Siege des Faschismus. Neben authentischen Berichten aus dem Dritten Reich bringt sie programmatische Darstellungen Uber den Kampf gegen den Faschismus und für den Wiederaufbau Deutschlands auf demokratischer und sozialistischer Grundlage. Ihr Ziel Ist, durch Diskussion in vollster Offenheit, die Sammlung aller antifaschistischen Kräfte und geistigen Strömungen herbeizuführen. l/tce Jieüeeselu&tUHfe*: TU. 9-„JCotizmteaiuuislaqec" Adolf Hitler: Deine Opfer klagen an! Dieses Buch ist ein Appell an das Gewissen der Welt! Dokumentarische Berichte ehemaliger Gefangener aus den Konzentrationslagern Dachau, Königstein, Sonnenburg, Brandenburg, Colditz, Sachsenburg. Reichenbach, Papenburg, Lichtenburg, Moringen und Hohnstein, Marterstätten, deren Namen man im Dritten Reich nur flüsternd nennt, werden darin vorgelegt. Aus jeder Zeile dieser Berichte ruft die getretene Kreatur die Menschheit um Hilfe. Wenn die Weit noch ein Gewissen hat, dann muß es sich bei diesen Dokumenten melden. Jede einzelne der mitgeteilten Schandtaten ist nachprüfbar. Neben vielen Illustrationen enthält das Buch die Namen von mehr als 850 Angeschuldigten, SA- und SS-Leuten sowie Gefangener und Opfer in deutschen Konzentrationslagern.-.• Tie. 10„QeeHxeH dee Qeuuät" Aussichten und Wirkungen bewaiineter Erhebungen des Proletariats In unserer Gegenwart spricht die Gewalt das erste und, wie es scheint, auch las letzte Wort. Sie triumphiert scheinbar so vollständig über Vernunft und Wissenschaft, Kultur und Sitte, daß bei vielen der Glauben an andere Mächte völlig schwindet, und ein wahrer Aberglaube an die Grenzenlosigkeit der Gewalt um sich greift. Diesem Aberglauben tritt der Verfasser mit dem ganzen Rüstzeug seines Wissens entgegen. Tie. Ii- Julius �Deutsch:„Jlutsch odee JUvolution?" RandbenierkuDgen über Strategie und Taktik im Bürgerkrieg Ausgehend von den Februarereignissen und vom blutigen Sieg des klerikalen Faschismus in Oesterreich stellt Julius Deutsch die gesamte Taktik und Tradition der europäischen Arbeiterbewegung zur Diskussion und zeigt auf. was den bewußt marxistischen Soziallsten vom blanquis tischen Putschismus und ähnlichen Lehren trennt, die durch die direkte Aktion einzelner Gruppen oder einzelner Männer den Gang der Geschichte beeinflussen oder leiten zu könne• glauben. Tie. IZ- JUstoeikus'.„2)ee Faschismus als TJlasseuUweguHq" Sein Aufstieg und seine Zersetzung In vier Kapiteln von stärkster Anschaulichkeit gibt hier ein bekannter deutscher Hochschullehrer, der in seltener Art die Fähigkeit des wlesenschaftlirh geschulten Historikers und die Lebensnähe des Politikers in seinem Urteil zum Ausdruck bringt, eine Ueberslcht Uber die faschistischen Bewegungen Europas. Er zeigt, wie der Faschismus in seinem hemmungslosen Machtwillen mit Hilfe der tollsten Versprechungen, die Massen zunächst wohl an sich bringen konnte, aber zur Macht gelangt, nicht in der Lage ist, sie festzuhalten. BESTELLUNGEN UND VERLAGSPROSPEKTE DURCH JEDE BUCHHANDLUNG ODER DIREKT DURCH DIE VERLAGSANSTALT»GRAPHIA«. KARLSBAD. (Aus dem»Berliner Tageblatt«.) Gar so hart sollte das gleichgeschaltet« Organ nun doch nicht mit dem Führer verfah-en! Unter Hitler»Sozialisten „Machen Sie eine Reise? Viellclcbt durchs schöne deutsche Land? Ja, wohin j denn, wenn man fragen darf? Mit dem Geschenk des Herrn Papa— Mercedes-Benz—?... Und wenn Sie sich auch hi neingelesen und hineingeschaut haben in öi« Wunderwelt Ihres Vaterlandes, wie es das herrliche Werk„Deutschland" Ihnen aufzeigt- dann heidi: hinein per Büß und Motor.••' (Aus einer Buchbespi-echung einer Berliner Zeltschrift.) Neudeutscber Sozialismus mit dem Mercedes-Benz des Herrn Papa! laitflöcmÄ i&oikü�cmofrarifchfß IDochcnbkiH Herausgeber: Ernst Sattler; verant' wortlicher Redakteur: Wenzel Horn,* j Druck;„Graphia": alle in Karlsbad- Zeitungstarif bew! m. P. D. ZL I59.334/VIM933 Der„Neue Vorwärts" kostet im Elnz6.'' verkauf Innerhalb der CSR K5 1.40(für e'" Quartal bei freier Zustellung Kd 18.—) Pj®!- der Einzejnummet im Ausland K5 2.—"v. 24.— für das Ouartal) oder deren Gegenwer in der Landeswährung:(die Bezugspreise das Ouartal stehen In Klammern): Argentinie" Res. 0.30( 3.60) Belgien Frs 2.-(24.-). garien Lew 8.—(96.—), Danzig Gnld 0-2 (3.60). Deutschland Mk. 0.25(3.—). Estland& Kr. 0.22(2.64). Finnland Fmk. 4—(48.-''' Frankreich Frs. 1.50(18.—), Großbritanflj8" d 4—(Sh.4.—). Holland Cid 0.15(1.80). Italien LIr. 1.10(13.20). fugoslawien Din 4.50(54.--r Lettland Laf. 0.30(360) Litauen Lit 0.55(ü-�'' Luxemburg B. Frs 2—(24.—). Norwegen K' 0.35(4.20). Oesterreich Sch. 0.40(4.80). 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