6o*!altom9lrattfd)£0 Mr. 72 SOWTAC;. 28. OkU. i934 erlag; Karlsbad, Hans wGraphia*»— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt; Die spanische Kommune Lerne kaufen ohne zu zahlen! Futterkrippen engros Babylonische Verwirrung bei Hitler Saar und Kriegsgefahr mit der Freiheitsfront gegen Hitler für Deutschland! Eines der brennendsten Probleme Euro- ist heute das Saarproblem. Wie ist es fclltstanden, worin besteht es? Vor zwei Jahren gab es kein Saarpro- em. Es gab nur � Gewißheit einer 0Iksabsünimung, die mit 95 bis 99 Pro- "t für Deutschland entscheiden würde. 01 einer Kriegsgefahr hätte damals nur 1,1 Narr reden können. � Dann kam Hitler. Seit Hitler da ist, fsteht keine Sicherheit mehr darüber, wie ' ch das Saarvolk entscheiden wird, und 13. Januar 1935 gilt als kritischer Tag de er Ordnung für den europäischen Frie- , Das Saai-voIk ist heute— wie das Aus- �iidsdeutschtum überall— zerrissen. Ein j will zU Deutschland zurück trotz alle- � letzt schon. Der andere Teil— will Ueh zu Deutschland, aber jetzt a 1 c h t! Am 13. Januar fällt die Entscheidung ��chen der Rückkehr zu Deutschland r der Beibehaltung des Völkerbund- j�Sunents, dem sogenannten Status quo. �6r Anschluß an Frankreich, im Friedens- theoretisch vorgesehen, kommt nicht in Betracht. 'Je�eutet der Sieg des Status quo? g u<-et einen furchtbaren Schlag ge- lif h l,rauile Regime, seine lebensgefähr- , e Erschütterung. Darum ist die Parole in______.______ n. «laldi 111 der Freiheitsfront vereinigten So- jj,.. �kraten und Kommunisten richtig: ]e�r Deutschland gegen Hit- �.fciüionen Deutsche, die den wirtschaft- Drif11 �erfaü' die politische Knechtung im den' schmerzlich fühlen, glauben �n�och alles tragen zu müssen, weil sie Hin �kfolg der Nationalpolitik ers glauben. Sie haben noch nicht daß gerade diese Nationalpolitik eine Kette von Bankrotten ist und beseitigt werden muß, wenn das Cj der Nation gerettet werden solL ijjfcj®ht nun am 13. Januar das jenen v*** Unfaßliche, verweigert das Saar- ,) seinen Anschluß an Deutschland, «>esi Werden gerade den ehrlich National- thitln�,en die Augen aufgehen, sie werden ».f-. �etzen bemerken, wohin Hitler sie ruhrt hat braune Regime kämpft an der d® sein Leben. Es wird vor keinem 'htm Zurack3chrecken, um das Abstimmt» l�erge�ni8 für sich günstig zu gestal- Ah— Weim die Gefahr zu groß ist— ■Abstimmung gewaltsam zu verhindern. tut der Völkerbund? Er regiert Bjgt Semier Regienmgskommission gemä- v®rb''�eral. Die Regierungskommission gelegentlich, um ihre Unpartei- tW611 zu beweisen, auch sozialdemokra- �emungen. Den Terror der soge- deutschen Front wirksam zu be- �rbp1' �eH'ei) ihr die MachtmitteL Die Hie a r Hitlers riskieren so gut wie nichts. Hall kärger des Status quo riskieren im 'tat6 Cler Niederlage den Verlust von Hei- 'td Habe, Freiheit und Leben. m es an der Saar aussieht zeigt auch Itip�spiel der katholischen dag clle- Die Kirche weiß sehr genau, r H'reiheitsfront im NachteiL Der �Psvertrag kennt als Abstimmungsergebnis nur ein Definitivum. Ginge es nach seinem Wortlaut so müßte die Saar nach einem Sieg des Status quo für alle Zeiten vom Völkerbund regiert werden. Das aber will kein Mensch. Wer für den Status quo stimmt der tut es in der Absicht die Rückkehr aufzuschieben, bis Deutschland wieder ein zivilisierter Staat geworden ist Darum muß man vom Völkerbund wenigstens das eine verlangen; Er muß klar und unzweideutig erklären, daß der Wille der Status-quo-Wähler respektiert und der Weg zu einer nochmaligen Entscheidung offengehalten werden soll. Dem Geist des Selbstbestimmungsrechts widersprechend und höchst illoyal wäre es, wenn man einem Volk einen Zustand als Definitivum aufzwingen wollte, den es nur als Provisorium wünscht Daß dies nicht geschehen soll, darüber muß noch rechtzeitig volle Klarheit geschaffen werden. Gelingt es dem Völkerbund so oder so mit leidlicher Ordnung über die Abstimmung hinwegzukommen, so ergeben sich für ihn neue Probleme. Bleibt der Status quo, so wird das innere Regime mehr als bisher auf den Boden der Selbstverwaltung zu stellen sein. Im Falle eines Sieges Hitlers muß aber der Völkerbund diejenigen schützen, die in der Minderheit geblieben sind. Er darf das Land nicht räumen, um dem Mord und dem Totschlag Platz zu machen. Nach dem Friedensvertrag muß Deutschland im Falle seines Sieges die Kohlengruben von Frankreich zurückkaufen. Ueber die Modalitäten dieses Rückkaufs wird verhandelt werden. Wichtiger aber als Frankreichs Geld sind Leben und Freiheit jener ungezählten Tausende, die bei einem Einbruch der braunen Barbarei auf das Aeußerste bedroht sind. Sie schutzlos ihren Peinigem preiszugeben, wäre schimpflich. Es gibt also heute ein verwickeltes und gefährliches Saarproblem. Aber dieses Problem ist erat durch den Sieg der braunen Piraten über die anständige und friedliche Mehrheit des deutschen Volkes entstanden. Wenn Hitler noch vor dem 13. Januar stürzt, wenn das Regiment des Verbrechens verschwindet, dann gibt es kein Saarproblem mehr, dann ist eine fast einstimmige Entscheidung und die reibungslose Rückkehr der Saar für Deutschland gesichert Nur weil in Deutschland heute Verbrecher regieren, Recht und Freiheit von dort verschwunden sind, wehren sich heute Hunderttausende von Auslandsdeutschen verzweifelt dagegen, Untertanen dieses entarteten Staatswesens zu werden. Daß es ein Saarproblem gibt, daß es eine Kriegsgefahr an der Saar gibt, ist einzig und allein Hitlers Schuld. Darum stehen wir zur Parole der Freiheitsfront an der Saar:»Gegen Hitler für Deutschland!« Einer beginnt zu sehen! 9» Führende Zeitschrift der naüonalsoziali- s tischen Wirtschaftspolitik ist„Die deutsche Volkswirtschaft". Führender Mann dieser Zeitschrift ist Dr. H u n k e, M, d. R. Dr. Hunkc, M. d. R. schreibt in der »Deutschen Volkswirtschaft« über:»Die Lage«; Die Lage ist nach Dr. Hunke so, daß die Wirtschaftspolitik des Dritten Reiches(wörtlich)»an die Geschichte vom Turmbau von Babel erinnert«. Und nicht nur das! Da sich Dr. Hunke schon einmal in Babel befindet, hängt er auch seine Harfe an die Weiden und weint: „Wir haben vielfach den Weg so genommen, daß wir die Begriffe bestehen ließen und wir nun ihren Sinn wandelten. Das Ist in stillschweigender Uebereiukunft gescheJien. Diese Methode hat aber ihre Grenzen. Wenn z. B. In der Wirtschaftstheorie je nach Bedarf die freie oder die gebundene Wirtschaft als nationalsozia- listisch angesehen wird, dann besteht die Gefahr, daß das Salz (nicht nur dieses! Red. d. N. V.) dumm wird. Wenn eine Seite die Wlrtschafta- 1 e n k u n g als nationalsozialistisch bezeichnet und dementsprechend in der Praxis reglementiert, die andere aber die freie Wirtschaft in der Praxis fordert— Hann wird die Praxis sehr bald so aussehen, daß in der allgemein entstehenden Unsicherheit die überwunden geglaubten Theoretiker und Praktiker wieder Oberwasser haben. In dieser Weise lassen sich Hunderte von Beispielen, die uns zeigten, wie Welten miteinander ringen, die sich beide als nationalsozialistisch bezeichnen. Es überrascht dabei nicht, daß die niphtnatinnalsozinligHache in bekannter Weise der nationalsozialistischen die Bezeichnung nationalsozialistisch abspricht." Mit anderen Worten, die Herrschaften haben so sehr„den Sinn der Begriffe gewandelt", d. h. das Blaue vom Himmel heruntergeschwindelt, daß sie nun selber nicht mehr wissen, was und wer und wo sie sind. Darum fordert Dr. Hunke die„Freisetzung von alten Turmbau von Babel" und««blinder llödur" bewährten natioualsoziaUatischeu Kräften, die sich dann ausschließlich mit der Begründung und Auabildung einer nationalsozialistischen Wirtschaftslehre und-theorie zu befassen hätten". Er begründet diese Forderung folgendermaßen: „Eine bewußte Tat erfolgt nur aus einer klaren Grundhaltung heraus und hat ihren Grund in einer fundierten Weltanschauung. Ohne diese ist sie stets die Tat de« blinden Hödur." Dr. Hunkc ist in keiner Erkenntnis noch nicht weit genug fortgeschritten, um zu sehen, was„naüonalsoziallatiache" Wirtschaftspolitik in Wirklichkeit ist, nämlich die korrupteste kapitalistische Interessenpolitik, eingehüllt in ein paar.�sozialistisch" klingende Phrasen. Well er das noch nicht sieht, wohl auch nicht schon darf, so sieht er nur Wirrwarr, Unklarheit, Widersprüche, Zweideutigkeit, Turmbau von Babel und Taten des blinden Hödur. Wie aber muß es nach zwanzig Monaten Naziherrschaft um die deutsche Wirtschaft bestellt sein, wenn sieh der Brust eines„führenden" braunen Wirtschaftspolitikers ein solcher Verzweiflungsschrei entringt! Sie haben nichts versprochen! Sie ziehen wieder einmal landauf, landab und reden, reden. Reichsführer, Reich sstatt- halter, Gauleiter, Kreisleiter— und was sie reden, Ist immer wieder dasselbe:„W i r haben nichts versprochen!" Hitler selbst bat damit angefangen, dann kam Göbbels, nach ihm Rosen berg, und nun drehen sie alle die gleiche Walze. Sie haben auf einmal alle nichts versprochen. Nichts von Rettung der Wirtschaft, Aufstieg des Mittelstandes, Arbelt und Brot, nichts vom besseren Leben, nichts, garnichts! Es ist erst zwei Jahre her, daß Hitler erzählte, er habe einen fertigen Plan zur Bettung der Wirtschaft, zur Behebung der Krise. Damals wurde der Inhalt dieses angeblich vorhandenen Plans streng geheim gehalten — damit nicht die politische Konkurrenz ihn ohne Hitler ausführe! So redeten sie damals, so stellten sie sich als die Better hin, die am Tage der Revolution nur in die Schublade zu greifen brauchten, um den Plan der Bettung und Weltbeglückung hervorzaziehen! Am 1. Mal 1933 prolongierte Hitler seinen Zn- kunftswechsel um fünf Jahre— aber die Versprechungen blieben aufrechterhalten! Haben sie dann nicht während der sogenannten Ar- beitsscblacht immer wieder versichert, eigentlich seien die Versprechungen schon erfüllt, die Wirtschaft gerettet und das Paradies auf die deutsche Erde gekommen? Heute zucken sie mit den Achseln:„Versprochen? Wir haben nichts versprochen!" Aber sie versprechen immer welter! Vorsprechen sie nicht dem deutschen Volk den Frieden mit feierlichen Beteuerungen? Eines Tages werden sie anch über diese Versprechungen die Achseln zucken nnd erklären:„Frieden versprochen? Wir haben nichts versprochen!" I Chrisdan Ferkel tot 1 In diesen Tagen hat Europa»im die Opfer des Mordes von Marseille getrauert. Viele Städte hatten Trauergewand angelegt, und in den Kinos konnte man die vielen Tausend« sehen, die ihren Herrscher auf seiner prunkvollen letzten Fahrt begleiteten. Der Tod der Opfer von Marseille ist tragisch genannt worden, aber was ist diese Tragik, verglichen mit der jener stummen Helden, wie sie täglich dem Schrecken des Hitlerregiments zum Opfer fallen! Eine schlichte Anzeige in einer Leipziger Zeitung, in der die Bekanntgabe der Todesursache fehlen mußte, hat uns den Tod eines unserer Besten gemeldet. Christian Ferkel, ehemals sozialddmo- kratischer Abgeordneter dea Sächsischen Landtages und Bevollmächtigter der Ortsgruppe Leipzig des Verbandes der Lithographen und Steindrucker, war im August von den Häschern des Dritten Reiches verhaftet und, wie seine Mitgefangenen, der Folter barbarischer Mißhandlungen unterworfen worden. An ihren Folgen ist er, ein kräftiger Mann von etwas mehr als fünfzig Jahren, nach vierzehn qualvollen Wochen, in der Gefängniszelle gestorben, am 10. Oktober ist er eingeäschert worden. Er wirkte, ein geborener Bayer, 1918 und k 1Ö1Ö neben Kurt Eisner in München und später in der Münchener Räterepublik. Er war ein aufrechter Kämpfer, von vollkommenster Lauterkeit und großer Güte, restlos der Sache der Arbeiterschaft hingegeben, rastlos gedanklich um die Fragen der Arbeiterbewegung ringend, aufgeschlossen allem Guten und Schönen, der beste Kamerad seinen Kameraden, der treueste Freund seinen Preund- den, vornehm und sachlich auch im Kampfe mit seinen Gegnern. Wenige genossen wie er die Achtung der Leipziger Arbeiter, und er gehörte zu denen, die schon früh und immer wieder auf die politischen Fehler hingewiesen haben, die er als verhängnisvoll erkannt hatte und die es dann auch geworden sind. Im sächsischen Landtag war er einer der energischsten Vertreter der sozialistischen Idee. Immer vorwärtstreibend, immer mahnend. unerbittlich in der Sache, vornehm in der Form, so stand er In der Fraktion und im Plenum, von den Freunden geliebt, von den Gegnern geachtet. Seine Wahrheitsliebe ließ ihn jedes demagogische Argument verachten, seine politische Linie entsprach der Lauterkeit seines Charakters. Er ist ein guter Mann gewesen, aber allen denen, die mit ihm wirken durften und unter denen er gewirkt hat, war er viel mehr! KirdienspaUung- Kirdienkrieg •Wieviele wurden ermordet? Die Statistik über die Sterblichkeit im ersten Vierteljahr 1932, 1933 und 1934 gibt die Bewegung über dieses Gebiet der Bevölkerungsvorgänge wieder. Säe zeigt, daß im ersten Vierteljahr 1933 die Sterblichkeit In Deutschland bedeutend höher war als im gleichen Vierteljahr des Jahres vorher und des Jahres nachher. Es betrugen die Sterbeziffern der über Einjährigen auf je tausend Einwohner und auf ein volles Jahr berechnet im ersten Vierteljahr; 1932 10.6, 1933 12.4, 1934 10.7. Das erste Vierteljahr 1933 brachte die Machtübernahme durch Hitler. Es kam dabei zwar nicht zur„Nacht der i langen Messer", aber vorher und nachher wurden in Deutschland viele hunderte .Sozialdemokraten, Kommunisten und Juden ermordet oder totgeschlagen. Die Statistik führt die hohe Sterblichkeitsziffer vor allem auf die in den ersten Monaten 1933 angeblich grassierende Grippe zurück. Sie muß aber doch zugeben, daß in den Gemeinden mit über 15.000 Einwohnern die Zahl der an Gehirnschlag und Lähmung ohne nähere Angaben, an Herzkrankheiten und Lungenentzündung Gestorbenen im ersten Vierteljahr 1933 bedeutend höher war, und zwar um 1426. Es ist bekannt geworden, daß bei einer ganzen Anzahl von Opfern, die den Miß- h an(Hungen in den SA-Kasernen, den Gefängnissen und den Konzentrationslagern erlegen sind, der nationalsozialistische Arzt als Todesursache Gehirnschlag, Herzschlag, Herzkrankheiten oder Lungenentzündung amtlich festgestellt hat. Außerdem kamen im ersten Vierteljahr 19 SS 215 Personen durch Mord und Tot- scblag ums Leben. Auch diese Ziffer liegt erheblich über denen der Jahre 1932 und 19S4. Die Mehrzahl Ist als Opfer der SA und SS gefallen. Bs erscheint demnach in diesen hohen SterbUchkeitaziffem ein Teil der von den Fanchiaten gemordeten Opfer wieder. Entgegen den periodisch wiederkehrenden Beteuerungen der führenden Nationalsozialisten, die kaum 30 bis 40 Opfer ihrer„Revolution" zugeben, ist die Zahl der bei der Aufrichtung des faschistischen Terrorregimes Gemordeten vorsichtig mit mindestens 1500 Personen einzusetzen. Für diese Ziffer gibt die amtliche Bevölkerungsstatistik cüe Unterlage. Aus der Siegesfeier, die Hitler schon Anfang dieser Woche mit seinen Reichsbiachöfen abzuhalten gedachte, ist vorläufig nichts geworden, weil statt der erhofften vollständigen Unterwerfung zunächst einmal die Spaltung gekommen ist. Die gewaltsame Zerschlagung der süddeutschen Landeskirchen durch Müller und seinen schwertgläubigen >Rechtswalter« Dr. Jäger hat die Barmer Bekenntnissynode mit dem Schis- m a. mit der Trennung von der Reichskirche beantwortet. Die größte Zahl der evangelischen Pfarrer, auch jene, die sich dem Zwang fügten und deren Bischöfe sich aus Angst vorm K.-Z. gleichschalten ließen, stehen heute mit ihren Sympathien bei der Barmer Opposition. Und doch sind diese Kirchenbeamten schon vor dem 5. März gern bereit gewesen, dem Hitlerismus zu dienen und treue Stützen dieses Systems zu sein! Es war eine politische Leistung sondergleichen, diese staatsfrommen Pfarrer in wilde Opposition zu treiben, sie aus Sympathisierenden zu Gegnern der braunen Diktatur zu machen. Der »neue Luther« aus Braunau darf sich rüh- raen, das»Werk Luthers« völlig zuschan- den geeinigt zu haben. Wahrscheinlich suid unter den oppositionellen Pfarrern nicht wenige, die dem braunen Faschismus von vornherein kritisch gegenüber standen, faktisch jedoch beginnt die geistige Zersetzung bereits in jener Vergangenheit, da diese Kirche zuließ, daß sich verschiedene ihrer Diener in den Dienst der hakenkreuz- lerischen Rassen- und Mordhetze stellten. Denn die tieferen Ursachen dieses ersten protestantischen Schismas liegen nicht nur in der Unzurechnungsfähigkeit des großen Einigers Hitler, sondern vor allem im Gegensatz zwischen Sadismus und Evangelium. Die Kirche sollte gleichgeschaltet werden, weil sie einen Rest geistiger Freiheit darstellte, weil Rassenhetze, Arierparagraph und Jesus' Menschheitsreligion immer wieder aufeinander stoßen müssen und weil vor allem auch dieser Apparat der Korruption des Gangsterstaates total dienstbar gemacht werden sollte. Es ist eine bittere Ironie der Geschichte, daß die christlichen Kirchen in Hitlerdeutschland heute froh wären, wenn sie jene Trennung von Staat und Kirche hätten, die von den Marxisten gefordert wird. Das Dritte Reich will ihnen nicht nur die Unabhängigkeit, sondern auch das Eigentum nehmen. Man hat Volkshäuser, Zeitungen, Sportplätze, Arbeiterbanken geraubt— warum soll man nicht Kir- I chenschätze und Gotteshäuser stehlen?! j In einem Flugblatt, gezeichnet vom Bruderrat der Bekenntnissynode, heißt es: »W i 1 1 k ü r und Verlogenheit sind in der Kirche zur Herrschaft gelangt... Die Reichskirchenregierung verleugnet die zehn Gebote, sie kämpft mit der Lüge gegen die j Wahrheit, mit gewaltsamem Raub gegen das Recht...« Wir wußten das schon länger, in verschiedenen Ländern aber gibt es Bürger, die haben heute, nach solchem Aufschrei deutscher Kirchen, noch nicht begriffen, um was es in diesem Kampfe geht. Niemand kann sagen, wie nach diesem Schisma der hitlerdeutsche Kirchenzerfall weiterlaufen wird. Will man die bekenntnis- treuc Richtung verbieten? Wird man gegen den Steuerstreik vorgehen? Hinter den Be- kennern des Evangeliums steht nicht nur die gesamte protestantische W e 1 1 k i r- chenbewegung, sondern auch ein beträchtlicher Teil Naziwähler. Die in Süddeutschland eingesetzten Hitlerkreaturen predigen vor leeren Kirchen, die der Opposition sind überfüllt. Was der ewig schwankende Osaf auch tut oder redet— das Fiasko ist vollständig! Auf dem Kampfplatz bleiben die Trümmer einer vorgestern noch einigen, starken Kirche. Der Diktator Der Mann, der die Karten in diesem trüben Spiel mit dem historischen Vermächtnis des deutschen Reformators gemischt hat, ist der Ministerialdirektor Dr. Jäger. Als Pfarrerssohn kam er in einem Dorfe bei Wiesbaden zur Welt. Später Leutnant der Reserve; auch im Krieg. Schließlich in der Republik Landrichter in Wiesbaden. Ein „alter Kämpe" frei nach Hitler. Freilich, er ließ es sich nicht so merken, dieweüen der Justizminister ja noch ein Republikaner war. Wie viele dieser Jägers mags in Deutschland eigentlich überhaupt gegeben haben? Mit einem einzigen Sprung war der kaum bekannte kleine Landrichter im Reichsministerium in unmittelbarer AdlatensteUe bei Herrn Frick, als Herr Jäger nach dem Januar 1933 nicht mehr auf dem gegebenen Boden der Tatsachen zu heucheln brauchte. Bei den „Deutschen Christen" ist er zweithöchster Verbandsfunktionär. So leitet er die Kultur- abteiiung des Reichsrainisteriums. Ein ganz klassischer brauner Typ, ö«r Herr Reserveleutnant und weiland Landrichter; der unsterbliche Wehrhahn mit dem Hakenkreuz. Mit Polizei drang er höchstpersönlich, dsf Herr Ministerialdirektor, vor knapp vierzehn Tagen ins Gebäude des Landeskirchen- amtes in München ein. Ein paar alte und weißhaarige Kirchenräte, die sich den Schwerbewaffneten entgegenstellten, wurden in ein Konferenzzimmer gedrängt. Nach der Legitimation befragt, schnarrt der Herr Leutnant:„Ich bin Ihr Vorgesetz- t e r". Als eine Aussprache abgelehnt wird, dröhnt die Kommandostimme des Ueberfaßz- kommandeurs;„Dem Zustand der Meuterei und Rebellion muß ein Ende gemacht werden!" Den Oberkirchenrat Baum schnauzte er so an, daß der ihm im Gehen sagte:„Herr Ministerialdirektor, ich bin ein alter Mann und habe nicht mehr weit bis zum Ende. Ick weiß, daß Sie alles, was Sie hier tun, einstmals vor Gott; dem Richter, verantworten müssen. Ich beneide Sie nicht darum." Der Herr Ministerialdirektor— warum wäre man Pfarrerssohn, um auf solchen Sermon zu achten— kniff verächtlich das Unke Aug« zu... Das ist ein Ausschnitt, sicherlich nod» nicht einmal der Dramatischste, aus dem, was man im Hitlerreich jetzt als Kirchenkrieg kennt. Historisch gesehen: der Protestantismus erntet Jetzt, was er in der ReformatlonS- zeit gesät hat, als er unter die Schürze de Staates kroch, um sich vor dem Zugriff d®1 Gegenreformation zu schützen. Die besonders demütige Art des deutschen Staatskirehentums glaubte Herr Hitler mit Leichtigkeit für sich und seine Parteidespoti® ausbeuten zu-können.--------- Das Alibi Auf einer Tagung der Pommerschen Ortsamtsleiter der NS-Voikswohlfahrt sprach der Kreisaratsleiter Kröhl aus Wolfshagen. In dem Bericht der„Pommerschen Zeitung" heißt es u. a.: „Erinnernd an vorgekommene schmutzige Angriffe seitens irgendwelcher Individuen auf diesen oder jenen Amtswalter der NSV., mit denen man ja oft sehr schnell bei der Hand sei, ermahnte der Kreisamtswalter alle, jeden Eingang und Ausgang, und sei es auch nur das Geringste, genauestens zu notieren, damit man jene Menschen, die gewissenlos cüe Ehre Tag für Tag selbstlos für das deutsche Volk sich einsetzender Parteigenossen anzutasten versuchten, dahin bringen könne, wo sie hingehören..." Wenn sich die Herren Ortsamtswaltcr schon die Aus- und Eingänge,„und sei es auch hur das Geringste, genauestens" notieren sollen, um sich ein Alibi zu verschaffen, so kann man sich ungefähr denken, wie schlecht das Gewissen ist, das die Korruptlo- näre der NS-Volkswohlfahrt mit sich herumtragen! Mieter in Not Wie auf allen Gebieten, so haben die Nazis auch im Wohnungswesen nichts von ihren Versprechungen eingelöst. Die„Deutsche Mieter-Zeitung" vom 1. Oktober 1934 bringt einen großen Artikel über„Notstände im Wohnungswesen", der ein einziges Klagelled über die unhaltbare Lage der Mieter ist. Darin heißt es über das Kündigungsrecht der Hausbesitzer: „Von diesem erweiterten KUndigungs- recht wird in zunehmendem Umfange willkürlich und ohne soziale Rücksicht auf die Mieter Gebrauch gemacht. Daran hat auch bisher die nationale Erhebung nichts zu ändern vermocht." Mit dieser unsozialen Handhabung des Kündigungsrechtes sollen die Mieten gesteigert werden, wie die folgende Aeuße- rung beweist: „Eine besondere Verschärfung der Notlage bedingen die ebenfalls aus allen Reichsgebieten gemeldeten Mletzlns- steigerungen für die stark begehrten Kleinwohnungen und bisher noch preiswerten Mittelwohnungen. Ist der Mieter aus Irgendeinem Grunde zum Wohnungswechsel gezwungen, so bedeutet das für ihn in der Regel nicht nur eine Belastung mit den Umzugskosten, sondern gleichzeitig auch eine neue, oft genug mit seinem Einkommen in schwerem Mißverhältnis stehende, dauernde Mehrbelastung durch den höheren Mietzins für die neue Wohnung. Denn nur in Ausnahmefällen sind die Hausbesitzer heute noch bereit, freiwerdende Wohnungen zur gesetzlichen Miete welter zu vermieten. Mietzinsforderungen bis zur doppelten Frlcdensmiete, zumal bei bisher noch verhältnismäßig billigen Wohnungen, sind keineswegs selten." Besonders bemerkenswert sind die Klagen über die Verhältnisse für kinderreiche Familien: „Ungeheuren Nöten sind sie ausgesetzt, wenn sie sich auf Wohnungssuche begeben müssen. Trotz aller Aufrufe und ernsten Mahnungen der Führerschaft der Hausbesitzerverbände hat die Kinderfeindlichkeit welter Kreise der Hausbesitzer- Gefolgschaft nicht beseitigt werden können. Nur in seltenen Ausnahmefällen zeigt man sich völkischen' Ermahnungen und moralischen Einwirkungen zugänglich. Ein Zwang zur Aufnahme einer Familie kann seit dem Wegfall des Wohnungsmangelgesetzes(31. März 1933) auf keinen Vermieter mehr ausgeübt werden. Gerade kinderreiche Familien sind deshalb immer wieder einmal auf das„notdürftige" Obdach angewiesen, das ihnen die Polizeibehörde, aber auch nur im dringenden Notfalle, zu gewähren hat. Das In diesem Sinne zur Verfügung gestellte Obdach spottet in zahlreichen Fällen jeder Rücksichtnahme in kultureller und sittlicher Beziehung auf das Familienleben, spottet der aller- einfachsten, berechtigten Ansprüche eines deutschen Menschen auf seine Behausung. Den Gemeinden müssen deshalb unbedingt wieder neue Rechte gewährt werden, die sie ermächtigen, dringend einer Wohnung Bedürftige, in erster Linie kinderreiche FamiUen, in leerstehende oder freiwerdende Wohnungen unterzubringen." Die größte Sorge bereitet den Mietern aber die Ermäßigung der Hauszinssteuer ab 1. April 1935. Darüber schreibt die„Deutsche Mieter-Zeitung"; „Eine besondere Sorge drückt die von der Hauszinssteuer befreiten Mieter. Mit Wirkung ab 1. April 1935 wird die Haus- zinssteuer um 25 v. H. gesenkt Der letzten Ermäßigung der Hauszinssteuer ab 1. April 1932 ging eine Minderung der gesetzlichen Miete von 120 auf 110 v. H. der Friedensmiete ab 1. Januar 1932 voraus. Tritt eine ähnliche Mietsenkung in Verbindung mit der bevorstehenden Hauszinssteuersenkung nicht ein, dann wirkt die Ermäßigung der Hauszinssteuer allein zugunsten des Hausbesitzers unmittelbar als Mietsteigerung gerade für die wirtschaftlich schwächsten Schichten der deutschen Mieterschaft Da bisher über diese Auswirkung der Steuersenkung auf die Mieter nichts bekannt geworden ist, löst diese Unsicherheit immer wieder In hunderttausend deutschen Familien hoffend und befürchtend wechselweise die bange Frage aus: Wird wie 1932 so auch 1935 die Herabsetzung der Hauszinssteuer von einer allgemeinen Mietsenkung begleitet sein, um allen Volksschichten— Hausbesitzern und Mietern— eine Erleichterung ihrer Lebenshaltung zu verschaffen?" Diese Frage ist bereits von der Reichsregierung eindeutig mit Nein beantwortet worden. Die Ermäßigung der Hauszinsstcuer erfolgt nur zugunsten der Hausbesitzer. Die Mieter müssen ihre bisherige Miete weiterzahlen, vielleicht noch erhöht durch neue Steuern, um den Ausfall in der Reichskasee zu decken, der durch die Ermäßigung der Hauszinssteuer entsteht. Die xweNe Revoluilon—' wie sie wirklich aussieht Die»alten Kämpfer« haben vor dem 30. Juni von»zweiter Revolution« gemurmelt — sie waren aber auch schon zufriedsft wenn sie in irgend einem Pöstchen unterkriechen konnten. Auch, damit ist es sei1 langem nicht mehr. Das ungeduldige Wert des Herrn Krupp von Bohlen-Halbach: muß endlich ein Ende haben mit den»alte® Kämpfern«, kennzeichnet die Lage. W«* von allen Hoffnungen der»alten Kämpfer* übrig bleibt, ist eine Abflndung durch et® paar Litzen: »Der Chef des Stabes der SA. hat vtf' fügt, daß, unter Fortfall des bisher getr*' genen Annwinkels für alte SA.-Männer eine neue Kennzeichnung clng®' führt wird, um den altgedienten SA.-Mä®' nern ein sichtbares Zeichen f � r ihre Treue und ununterbro* ebene Zugehörigkeit zur zugeben. Es handelt sich um veracbi� den grausilberne Acrmelstrcl* f e n, die am Aermelauf schlag des link®® Unterarmes getragen werden.« Es gibt breite und schmale Stufen In d®® verschiedensten Kombinationen, angefang®® von zwei breiten mit zwei schmalen Streif«® bis zu einem einzigen schäbigen schm*'®® Streifen. Eine Verhöhnung der»alt«® Kämpfer«? Aber gewiß nicht! Die MacW* des Dritten Reichs wissen, was sie von ihre®1 Material zu halten haben, und diese Litzef geschieh te ist nicht nur ein Beweis ÜV®® Zynismus, sondern zugleich ein Zeichen wahren Gesinnung und der wahren Qua�' tat des»revolutionären Wilieos« der alt®® Kämpfer. Zwei Streifen In Grausüber je 12 i®®1 >■ Frankreich Frs. 1.50(18.—), Großbritannien d 4.—(Sh. 4.—), Holland Gld. 0.15(1.80). lien Lir. 1.10(13.20), Jugoslawien Dln. 4.5� (54.—), Lettland Lat. 0.30(3.60), Utauen Lrt" 0.55<6.60), Luxemburg B. Frs. 2.—(24.— Norwegen Kr. 0.35(4.20), Oesterreich Seh' 0.40(4.80), Palästina P. Pf. 0.018(0.3181' Polen Zloty 0.50(6.—). Portugal Esc. � (24.—), Rumänien Lei 10—(120.—), Sa»' gebiet F. Fr. 1.50(18.—), Schweden Kr. 0.35 (4.20). Schweiz Frs. 0.30(3.60), Spanien 0.70(8.40), Ungarn Pengö 0.35(4.20), 0.08(0.96). Einzahlungen können auf folgende P0�, seheekkonten erfolgen: Tschechoslowake*' Zeitschrift»Neuer Vorwärts« Karlsbad. P�T 46.149. Oesterreich:»Neuer Vorwärts« Kart» bad. Wien B- 198.304. Polen:»Neuer Vorwärt« Karlsbad. Warschau 190.163. Schweiz:»Ne1'® Vorwärts« Karlsbad. Zürich Nr. VTII 14.69� Ungarn: Anglo-öechoslovakische und Pra£e Credltbank. Filiale Karlsbad. Konto»Neue, Vorwärts« Budapest Nr. 2029. Jugoslawin®' Anglo-öechoslovakische und Prager Credi bank, Filiale Belgrad, Konto»Neuer vo wärts«, Beograd Nr. 51.005. Genaue Bezci® nung der Konten ist erforderlich.