Nr. 118 AdcmttmtÄs-Dedtngungen: Abonnement«-Pret» pränumerando: Bierteljährl. ZL0 Ml., monatl. 1,10 SSM., wöchentlich 28 Pfg. frei in« Hau«. Eiiueln« Numw'r S Pfg. Sonnlagt- Nummer mir iNuNrierier Sonntag«- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Poft- Abonnement: 8,30 Mark pro Quartal. Singetragen in der Poft- Zeitung«- PreiLllfle für tSOO unter Nr. 7S71, Unter Kreuzdand für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 17. Jahrg. Erscheint lüglich nutzer Montag». Vevlinev VolKsblskt. Die Insertions- Gebühr beträgt für die sechtgespaltene Kolonel« zeile oder deren Raum 40 ipfg., für politische und gewerlschaflltch« Vereins- und Versammlung«-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Ansetgen" jede« Wort 5 Pfg. (nur das erst- Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 1 Uhr nachmittags in derSivedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tage» bi« 7 Uhr abend«, an Sonn- uno Festtagen bi« 3Uhr vormittag« geöffnet. Fernsprecher: Sink l, Nr. 1308, Telegramm-Adresse! „Sorlaldrinvirral Berlin" Centrcdorgrm der so ri aldemokratischen Partei Deutschtands. Redaktion: SW. 19, Veuth-Strahe 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 150$. Mittwoch, den£3. Mai 1900. Exxedltw«: sw. 19, V-uth-Slrasj- 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 51£1._ Die tote lex! Keine Messe wird man lesen. Das Niigehener ist tot. Herr Rören wird nicht mehr Postkarte» mit Ansichten erhalten, die nicht nnr sein Schamgefühl verletzen Herr Gröber braucht keine Rezepte zur Berqeivaltiguiig der Geschäfts ordmnig mehr zu ersinnen, die Herr Spahn niit seiner reichsgericht- lichcn Autorität decken mutz, die Schriftführer habe» sich nicht weiter dem mühseligen Versuch hinzugeben, mit Hilfe unendlicher nameutlichcr Wstimmungen das Verzeichnis der 3S7 Abgeordneten auswendig zu lernen. Ungeboren dürfen zahlreiche Anträge dem Fluch entrinnen, durch dieses parlamentarische Jammerthal zu pilgern. Frieden ist wieder eingekehrt, und die Tribünen veröden. Das Ungeheuer ist tot. Nur ein kleines Exkrement hat eS kurz vor dem Verscheiden hinterlassen, und das mögen min die armen Leidtragenden auf ihre hastige südwärts gerichtete Heimfahrt als kargliche Tröstung mitnehmen. ES sei ihnen gegönnt— nach so schmerzlichen Verlusten und so spottreichcn Niederlagen. So endigte die lex Heinze— geboren im Zuchthaus und er« stickt an dem freien Zorngelächter der gebildeten Menschheit! Das Centrum hat vor der Obstruktion kapituliert. Nicht einmal ein ehrenvoller Abzug ist dem Antikunstkartell bewilligt Ivorden. WaS Herr v. Levetzow einen„schmalen Vergleich" nannte, das ist eine komplette Niederlage der Hcinzcmajorität, die einsehen mutzte, datz ihre Knebelgelüste an der eisernen Entschlossenheit der Opposition zu Schanden gehen würden. Sonnabend konnte man noch die schivarze Scliar sicgesgewitz in der Wandelhalle des Reichstags renommieren hören. Montagmittag war der SiegeStanmel geschwunden, und bedrückt schlichen die klerikal- konservativen SittlichkeilSapostel zum Präsidenten, um Rats zu pflegen, auf welche Weise der Reichstag von dem Wechselbalg befreit werden könne. Der Präsident hatte eingesehen, datz die Obstruktion nicht nieder« zukämpfen war und in kluger Beurteilung der Situation schlug er dem wieder zu Ehren gekommenen Seuiorenkonvent vor, die lex Heinze von der Tagesordnung abzusetzen und in Erwägung darüber zu treten, auf welche Weise die Anwendung der berüchtigten Paragraphen 181» und 134 b auf Kunst, Litteratur. Theater und Wissenschaft ausznschlictzen sei. Alle Parteien stimmten zu— nur daS Centrum nicht. Die Gröber und Rören mochten sich nicht a» � de» socialdemokratischcn Antrag, der dasselbe beabsichtigte, zurück- ziehen. � Im Lauf der Montagssitzung wurde weiter verhandelt Noch sträubte sich das Centrum— aber es ivar bereits windclweich. 2?cr Majorität war das Rückgrat gebrochen. Die schivarze Garde leitete das Rückzugsgefecht ein, indem eine sogenannte freie Koin «nfston in Thätigkeit trat, um dem weichenden Feind die Marsch roule vorzuzeichnen. In der Besprechung wurde dem Centrum klar gemacht, datz es den Kunst- und Theaterparagraphen opfern müsse, wenn die eigentlichen Heinze- Paragraphen retten wolle. Wut Kummer und Fanatismus spiegelten sich in den Mienen der be« trübten Lohgerber wieder, aber es half nichts. Um den Schein zu retten, verlangte das Centrnm nochmals Ausstand, angeblich, weil, die Fraktion zu dem Vorschlag Stellung nehmen müsse. Noch eine Nacht— dann aber kam der Sieg der Obstruktion. Gestern Mittag erklärte sich das Centnim für kampfunfähig. Die Opposition erlaubte in grotzmütigcr Milde ein Stückchen deZ'ß 184g. nach Hanse zu tragen und bescheiden, wie es dem Unterlegenen ziemt, begnügten sich die vorerst so stolzen Retter der Sittlichkeit mit dem Brosamen der Ziffer 2 des Artikels 1843., der das Feilhalten und Anbieten das Schamgefühl gröblich verletzender Schriften an Personen unter 16 Jahren verbietet. AllcS andere ans den Kampf- Paragraphen gaben die Väter derselben preis, und so löste sich der ernste Kampf für Kunst und Wissenschaft schlietzlich in der lustigsten Weise, indem die Anhänger einer verkrüppelten Sittlichkeit beschämt und still das gerettete Stückchen Heinzetum einpackten. In der ReichStagssitzung am Dienstag, in der Herr Lieber nach seiner schweren Erkrankung zum erstenmal wieder erschien, von allen Seiten herzlich beglückwünscht, wurde der lex Heinze in kürzester Form die letzte Unehre erwiesen. ES war die ärgste Bosheit der Obstruktion, datz sie dem Centrnm gerade die grötzte Dummheit der lex Heinze in ausgestopftem Zu- stände zur gesetzgeberischen Aufbewahrung überlictz: den famosen Begriff von Schriften«., die, ohne unzüchtig zu sein, das Scham- gcsühl verletzen. In dem Monstrositäten- Kabinett der Justiz mag diese Centrumsleistung ewig fortleben. In seiner jetzigen An- Wendling ist er ja praktisch so gut wie wertlos. Aber die Hülse, die Hülse ist gerettet; mag sich das Centrnm an dem schönen Begriff fürderhin erbauen. Wir stimmten natürlich auch gegen die Hülse, aber zur Obstruktion war Iveder Veranlassung»och Möglichkeit, und unser prinzipieller Standpunkt wurde durch Singer gewahrt. Die ausgestopfte lex Heinze wurde, Ivos im Reichstag noch nie dagewesen, binnen einer halbe» Stunde in alle» drei Lesungen„be- raten", und engiltig zum Gesetz gemacht— so weit der Reichstag zu bestinimen hat. Die Regierung— auch das gehörte zur Komik der Lage— bergatz in der Eile ganz, ihre Stellung zu der neuen lex Heinze auszusprechen, und aus dem Hause dachte gleichfalls niemand daran, datz die Regierung sozusagen auch noch existiert. Fürst Hohenlohe, der sich zum erstenmale lvieder in den Reichstag wagte, als er nicht mehr Gefahr lief, den Duft der alten lex Heinze einzuatmen, hat wohl doch Bedenken, der— Socialdemokratie seinen tiefgefühlten Dank offen auszusprechen. Darum schivieg er und, bescheiden wie wir sind, begnügen wir unZ auch mit dem unausgesprochenen Dank. Die Obstruktion hat gesiegt, und Liebermann v. Sonnenberg hatte nicht ganz unrecht, als er die Röte der 200 Rosen, die in einen Strautz vereint, vor dem Präsidenten stehen zur Erinnerung daran datz dies die 200ste Sitzung dieser langen Session ist, für eine sym bolische Andeutung der Thatsache erklärte, datz die Socialdemokratie die eigentliche Siegerin ist in diesem Kampf gegen das pfäffische Ausnahmegesetz zur Knebelung der Kunst. Die Socialdemokratie hat zuerst— vor Ostern— den parla mentarischeu Kampf gegen die lex Heinze aufgenommen. Sie organisierte den Kampf und lud seine Mühen auf sich. Der Frei sinn leistete uns damals nur zögernde Hilfe und hielt sich zurück. Nach Ostern beteiligte sich auch der Freisinn mit gröherer Leb haftigkcit durch Anträge und Reden an dem Fcldzng, Als dann das Centrnm wiederholt die Geschäftsordnung vergewaltigte, drohten endlich die„staatsmäunischen" Nationalliberalen und die Polen mit dem Anschlutz an die Obstruktion. Damit war daS Schicksal der Heinze- leute besiegelt; denn mit der Geschäftsordnung konnten sie nicht siegen. Die lex ist tot. Aber der Geist. ans dem sie erwachsen, lebt weiter, und der Kampf gegen diesen Geist darf nicht erlöschen. Die Versuche, zur Herrschaft zu gelange», werden nicht aufhören. und die Isx Heinze wird nicht der letzte Ausbruch einer Weltan schauung sein, die noch unter der Sohle der modernen Kultur triebkräftig wuchert. Die Bewegungsfreiheit menschlichen Denkens und Schaffens, diese Vorbedingung allen fördernde» Wirkens, ist noch immer nicht gegen jede Anfechtung geschützt. polikifche Berlin, den 22. Mai. Der Reichstag setzte am Dienstag nach Erledigung der lex Heinze die Debatte über das Fleisch schau-Gesetz fort. Unser Redner Wurm konnte den Nachweis liefern, daß die Behauptung der Agrarier, sie würden durch Rücksichtnahme auf die gc sunde Ernährung des Volkes geleitet, der reinste Schwindel ist, und desgleichen die andre Behauptung, die Fleischschau in den Vereinigten Staaten sei ungenügend. Thatsächlich ist die Fleischschau dort besser und gründlicher als in Deutschland. Es findet in Chicago eine doppelte Untersuchung statt— des Viehs vor der Schlachtung und der einzelneu Körperteile des geschlachteten Viehs. Die Debatte dauerte bis abends 6Vz Uhr und endete damit, datz in namentlicher Abstimmung— bei Stellung des Antrags ging ein Schauer durch das Haus— der bekannte Kompromitz antrag mit nicht großer Mehrheit(158 Stimmen) gegen die Stimmen der Socialdemokraten, Freisinnigen und intransigentcn Agrarier(123) angenommen wurde. Die Schlutzabstimmung über das Ganze wurde, auf unsren Einspruch gegen sofortige Abstimmung, bis zum folgenden Tag ausgesetzt. Nächste Sitzung: Mittwoch Vormittag 11 Uhr. Tages ordnung: Nachtrags- Etat. Schlutzabstimmung über das Fleischschaugesetz; dritte Lesung der Gewcrbeordnungs Novelle.—_ Abgrordnetenhaus. DaS Abgeordnetenhaus hat am Dienstag zunächst in dritter Lesung die H o h e n z o l l e r n s ch e n Gesetze angenommen und 'ich sodann der Beratung des Antrags v. E y n c r n(nntl.) betreffend die Ueberweifnng eines Fonds von SO Millionen an die Provinzial- verbände zugewandt. Die Kommission beantragte unter Ablehnung des Antrags v. Elzneni, die Regierung zu ersuchen, in der nächsten Session einen Gesetzentwurf vorzulegen, wodurch die den einzelnen Provinzialverbänden geinätz dem Dotationsgesctz vom 8. Juli 1875 zustehende Dotationsrente unter Berücksichtigung der Benach teiligung der leistungsschwachen Provinzen durch den jetzigen Zustand, namentlich der seitdem durch die Gesetzgebung herbei- geführten höheren Belastung, ferner unter Berücksichtignng einerseits der Leistungsfähigkeit, andrerseits der Höhe der zur Erfüllung ihrer Aufgaben notivcndigen Leistungen dicier Verbände, erhöbt wird. Nach längerer Debatte, an der sich auch Minister Dr. v. Miguel beteiligte, um die Kommunen zur Sparsamkeit zu ermahnen, gelangte der Kommissionsantrag einstimmig zur Annahme. Ferner nahm das Hans trotz des Einspruchs der Regierung den Antrag Weise(k.) auf Annahme eines Gesetzentwurfs zur Ab- änderüng des Gesetzes über die Beförderung der Errichtung von Rente'nq ütern an. Der Antrag bezweckt, zum Teil die Wohnungsfrage zu lösen. Herr v. Miguel erhob Bedenken da- gegen, indem er seine Ansicht kundgab, datz der Staat sich um die Löfung der Wohnungsfrage nur insoweit zu kümmern habe, als eine Angestellten dabei in Frage kommen. Endlich beschäftigte sich das Haus noch mit Petitionen. Es war eine grotze Zahl Petitionen von Eisenbahn- Bureau- Direktoren um feste Anstellung eingegangen. Nach sehr lebhafter Debatte, die den Konservativen und den Negiernngsvertretern reich- lich Gelegenheit gab, ihre beamtcnfcindlichc Haltung zu offenbaren. wurden die Petitionen der Regierung zur Erwägung übenviesen. Ziveck wird das allerdings nach den Erklärungen der Regierungs- Vertreter laum haben. Am Mittwoch steht die dritte Lesung der Gesetzentwürfe, betr. die Warenhaus st euer und betreffend die Fürsorge- rziehung Minderjähriger auf der Tagesordnung.— Herr v. Thielen. Zu unsren gestrigen Mitteilungen über die Unterredung des Herrn Assessor v. Schulz mit dem Eisenbahn-Mnister, die auf einer Darstellung beruhte, die im Kreise der Streikenden verbreitet war, erhalten wir folgende Zuschrift: „Mit Bezug auf den Leitartikel vom 22. Mai cr. erlaube ich mir. die Redaktion ergebenst zu bitten, folgende Berichtigung auf- zunehmen: 1. ES ist nicht richtig, datz mir vom Herrn Minister gesagt worden ist, datz von der Stratzenbahn- Gesellschaft überhaupt nicht nachgegeben werden dürfe, 2. eö ist ebenfalls nicht richtig, datz mir weiter erklärt worden ist. eS solle keiner der Angestellten lvieder eingestellt werden. Wohl aber hat mir der Herr Minister erklärt, datz die Bedenk- frist zur Wiederaufnahme der Arbeit sicher von der Gesellschaft um 24 Stunden verlängert werden würde.. Mit Bewilligung des Herrn Ministers. der wohl sehr bestimmt, aber nicht mit„aller Schroffheit" sich äntzcrle, habe ich meine Unterredung mit demselben dem Führenden der Ausständigen mitgeteilt, mit der Mahnung, darauf hin- znwirkc», die Zlrbeit schleunigst wieder aufzunehmen, da behördlicherseits sonst die strengste» Maßregeln ergriffe» werden würden. Für etivaige weitere Exccsse würde der Herr Minisicr die Zlnsständtgcn für verantwortlich halten." v. Schulz. AliS dieser Zuschrift geht hervor, datz misre Darstellirng im Einzelnen Uiigeuanigkeiten enthalten hat. Dagegen wird die Hauptsache»unmehr in aller Form bestätigt. Herr v. Thielen hat in der That den Vorsitzenden des Gewerbegcrichts beauftragt, de» Streikenden die ministerielle Drohung zu überbringen, die Arbeit schleunigst aufzunehmen, widrigenfalls von den Behörden die strengsten Matz- regeln ergriffen werden würben. Auch die erstaunliche Aentzerimg des Eiscnbahnministers entspricht den Thatsachen, datz Herr v. Thielen den— wenn wir nicht irren— chinesischen RcchtSgrundsatz aussprach, datz cr die Ausständigen für die Vergehen andrer verant- wörtlich zu machen gedenke. Vielleicht beruft die chinesische Kaiserin- Tante den Herr» zum Justizminister. Zu den vielen ministeriellen Sonderbarkeiten, die Ivir an preutzischcu Ministern bisher erlebt haben, ist ivohl die merkwürdigste das Verhalten des Herrn v. Thielen zum Stratzenbahnerstreik. Der Herr Minister stellt die Behörden der Direktion zur Versügung. um ihr die Beendigung dcS Ausstauds zu erwirken. Herr v. Thiele» hätte allerdings die Pflicht gehabt, sich in den Streik kraft seines ministeriellen Anfsichtsrechts einzumischen, aber lediglich gegenüber dem unerhörten Verhalten der Direktion, die durch die Einstellnng ungeübter Fahrer die öffentliche Sicherheit ge- fährdete. Man hat bisher nicht gehört, datz Herr v. Thielen in dieser Hinsicht vorgegangen ist. Dagegen hat er— ohne jedes Recht— die Staatsbehörden zur Einmischung in einen privaten Lohnkampf veranlassen wollen— wenn auch»nr in der Form einer wirkungslosen und nach dem Erfolg der Streikenden überaus komisch wirkenden Drohung. Hätten wir ein materielles Gesetz über die Verantwortlichkeit der Minister, so würde Herrn v. Thielen dieser beispiellose Versuch, seine Befugnisse zu überschreiten, übel bekommen.— Die Verwerfung der Kranken- und Unfallvcrsichernng in der Schweiz. AuS Zürich Ivird uns vom 11. Mai geschrieben: Verworfen! Das Kranken- und Unfallversicherungs-Gesctz ist am Soinilng vom Schweizcrvolk mit einer ungeahnt grotzen und wuchtigen Biehrbeit Verivorfen worden. Den 830 000 Nein stehen mir 143 000 Ja gegenüber, so datz erstcre mehr als eine Zweidrittelmehrheit bilden. Bor 10 Jahren, am 10. Oktober 1890, ist der neue Vcrsassungs- artikel, welcher dem Bund erst das Recht zur gesetzlichen Regelung dc§ Versicherungswesens gab, mit 283 228 gegen nur 92 200 Stimmen, also ebenfalls mit niehr als Zweidrittelmehrheit angenommen worden. Hatte» 1890 23 Kantone angenommen und nur zwei (Appenzell Inner- Rhoden und Wallis) verworfen, so geschah am letzten Sonntag das umgekehrte, datz 24 Kantone verworfen haben und nnr ein einziger, der Kanton Glnrus, angenommen hat. Zu den 330 000 Verlverfenden haben natürlich die Arbeiter und die Bauern das grötzte Kontingent gestellt und ihre durch die wuchtige Ver- werfnng des Gesetzes bekundete entschlossene Stininiung der Negation läht die Hoffnung nicht zu, datz innerhalb des nächsten Jahrzehnts eine andere GesetzcSvorlage über das Versicherungswesen Aussicht auf Erfolg hätte. Die Verlverfenden haben gefunden, datz die vom Gesetze gebotenen Vorteile geringer seien als die Nachteile und daher dasselbe abgelehnt. Leider muh man ans der Bollsabstiunmnig vom letzten Sonntag den weitern Schlutz ziehen, datz auf lange Zeit hinaus überhaupt kein sortalpolitischcs Gesetz Aussicht auf Aimahine hat, also auch die von den orgaulsicrteu Arbeitern seit Jahren an- gestrebte Revision des FabrikgcsetzcS zur Einfiihning des Zchu- stundeiitags und andrer Verbesserungen nicht. Socialistischer Still- stand— so lautet das Facit vom 20. Mai, das im Interesse der Republik und der Demokratie sehr zu bedauern ist. Erfreulicher für uns sind die 16 460 Stimmen, welche am Sonn« tag im Kanton Zürich der Socialdemokrat Friedens- r i ch t e r Werner inWinterthur bei einer Ersatzlvahl n d e n' S t ä n d e r a t erhielt, trotzdein für ihn nutzer den paar Notizen in unsrer Parteipresse und den Wahl- inseratcn keinerlei Agitation getrieben wurde. Eine Anssicht auf eine Wahl bestand nicht. Da Demokraten, Liberale und Konser- vatibe zusammen für den liberalkonscrvativcn Versichernngsdircllor Dr. Usteir in Zürich stimmte», der mit 28 SIS Stimmen gewählt wurde. Aber die Socialdemokraten haben bei ihrem ersten Versuch mit einer Ständeratskandidatnr einen imposanten Achtungserfolg erzielt und dadurch die Berechtigung ihres Anspruchs auch auf eine Vertretung im Ständerat dargelhan. Deutsches Weich. Für eine neue Zuchthausvorlage agitieren anläßlich dcS Streiks der Berliner Straßenbahner in der wildesten Weise Krupp- Schiveinburgs„Berk. Neueste Nach- richten". Einstweilen Ivird von der Regierung verlangt, daß sie aus deni Verwaltungswege, entgegen dem Gesetz, das Koa- liiionSrecht der Arbeiter zerstört. DaS Blatt findet es „nicht nur zulässig, sondern sogar geboten, von StaatSaufsichts- wegen darüber zu wachen, daß Verkehrsgcsellschaftcn von den ihnen zustehenden Mitteln Gebrauch mache», um zu verhüten, daß ihre Angestellten an solchen Verbindungen und Vcr- cinigungcn sich beteiligen, welche sich die Erfüllung derartiger mit ihren öffentlichen Pflichten unvereinbaren Forderungen zur Aufgabe stellen." Es bedarf keines Wortes des Beweises, daß die„Berliner Neueste Nachrichten" damit die Regierung zu einer offenkundigen Ausschreitung gegen die Gesetze anzureizen suchen, abgesehen davon, daß ihr auch ein Eingriff in das teure Herr-im-Haus-Recht privater Unternehmer angesonnen wird. Tie„Berliner Neueste Nachrichten" sehen schließlich auch ein, daß man mit solchen Gesetzwidrigkeiten nicht weit lommcn durste und so verlangen sie die Bestrafung des Kontraktbruchs: „ES wird Sache der gesetzgebenden Gewalten sein, an der Hand der soeben gemachten Erfahrung ernstlich zn prüfen, ob, wenn im allgemeinen von einer Bestrafung des Kontraktbruchs iinmerhin abzusehen ist. nicht der Koutraktbruch bei Arbeit- geberu und Arbeitern dann strafbar gemacht iverden soll, wenn er zn einer gemeinen Gefahr oder zn einer Schädigung des Gemeinwesens führt. Man würde auf diesem Wege wahrscheinlich auch zu einer befriedigenden Lösung der schwebenden Frage der Bestrafung des Kontraktbruchs ländlicher Arbeiter gelangen, ohne eine unerwünschte RcchtSungleichhcit zwischen diesen und andren Arbeitern herbeizuführen. Es unter- liegt ivohl keinem Zweifel, daß eine unter Kontraktbruch vorgc- uommenc Arbeitseinstellung ländlicher Arbeiter, durch welche die Ernte oder die Bestellung der Felder verhindert würde, wenn sie in größerem Umfang einträte, zn einer wahren Landeskalamität ausarten müßte, und daß cS daher im öffentlichen Interesse gerecht- fertigt wäre. Arbeitseinstellungen seitens ländlicher Arbeiter in den- jenigen Fällen unter Strafe zn stelle», in denen sie zu einer Schädigung des Gemeinwesens zu führen geeignet sind." Gemeine Gefahr— Schädigung des Gemeinwesens: das i derselbe Begriff, der in dem Zuchthaus- Paragraphen s§ 8) des Tcynhauscr Gesetzentwurfs sein Wesen trieb und dessen praktische Gefährlichkeit man damals zu leugnen suchte. Uebrigens ist die„gemeine Gefahr", die durch den Streik der Straßen- bahn-Angestellten herbeigeführt sein soll, bei weitem nicht so groß gelvcsen, wie die ungeheuerlichen Verkehrsstörungen, die im Winter die Direktion der Straßenbahn durch ihre mangel- hosten Einrichtungen vcranlaßte. Damals waren die Straßen für de» Verkehr geradezu blockiert, lvährcnd bei dem Streik im Gegen- teil eine Lerkehrserleichterung bewirkt wurde. Die„Bcrl. Neueste Stacht." fabeln dann noch davon— und die ,. B c r l. Pol. Nachrichten" tuten ins gleiche Horn, daß in England der Kontraktbruch bei Betrieben, welche eine in !l r o ß e n öffentlichen Bedürfnisse, hauptsächlich a u f� d e nr � Gebiete des Verkehrswesens dienen, kriminell bestraft werde. ES genügt, daran zu erinnern. daß in England sogar die E i s e n b a h n- Angestellten gewerkschaftlich organisiert sind und ivicdcrholt— Herr Thielen inag nicht in Ohiimacht fallen!— gestreikt haben. Und England existiert noch! Gegenüber diesen Scharfmachcreicn aus der Schwcinburgschcn Schmiede tritt die miinsterielle„Berliner Korrespondenz" auffällig den Rückzug an. Die Herren Rheinbabcn und Thielen haben ivohl inzwischen eingesehen, daß sie zum mindesten nicht diplomatisch gc- redet haben.— Erst Hcinze dann Flotte. Die Centrumsprcsse hatte bekannt- lich die Losung ausgegeben: Erst lex Hcinze dann Flotte. Nachdem sie nun die lex nicht erhalten haben, sondern sich mit dem boshaften „Kompromiß" abfinden mußten, so ersteht fiir das Centrum die fchlvierige Frage, wie es nun mit der Flottcnvorlaoe zu ver- fahren habe. Es gicbt für sie nur einen Ausweg. Sic muß eine» dem Heiuze-Koinproiniß entsprechenden Vergleich eingehen, und die Flottenforderungen zlvar ablehnen und— sagen wir— die Börsen- steuern bewilligen.— Giner, der sich gratulieren kann. Das Centnun, das sich gegen die schwere Heinze-Niedcrlage einige Zeit sträubte, darf froh sein, daß es diese Sache hinter sich hat. Seine parlamentarische und moralische Niederlage wäre sonst mir noch verschärft worden durch die Aufrolluug des Falles Gröber. Das Centrum hatte eine Resolution zmn Hciuze-Gesctz gestellt, in der die Regiermige» aufgefordert wurden, zu erwäge», ob sich nicht eine Verschärfung'der Strafen fiir SittlichkeitSvcrbrcchen, insbcsoilderc für die gegen Kinder gerichteten, empfiehlt. Wäre diese Resolution zur Beratung gelangt, so würde sich beste Gelegenheit geboten haben, die Hilfsleistungen zu beleuchte», die der Vorkämpfer des Vcrsitt- lichuugsgcsctzeS. Herr Gröber, einem katholischen Geistlichen, der sich der geschlechtlichen Versündigung an Kindern schuldig gemacht hatte, gclvährt hat, um ihn vor dem Spruch des Richters und dein Gefäng- nis zu bcivahrcu. Durch nichts konnte die Hcinzchcnchelci grinnnig'er getroffen iverden als durch eine parlamentarische Bchandlnug der Thaten der Heinzeniänner. Herr Gröber und mit ihm das ganze von Sittlichkeit triefende Centrum dürfe» froh sein, vor diesem Gericht bewahrt zn bleiben. Vielleicht hat die Scheu vor der den Parteiführern drohenden Abrechnung die Kapitulation dcS CentruniS bcfchlemiigt.— Tie wahren Freunde der Kunst und Wissenschaft. Hätte die Heinzc-Campague iin Reichstag noch länger gedauert, so würden wir ivahrscheinlich noch das Schauspiel erlebt haben, daß die anfangs so ziinperlichzurückhallendcn N a ti o 11 a II i b e r a l e» die F ü h r n i> g der Obstruktion an sich gerissen haben würden. Es ist interessant. in der»ationalliberalen Presse zu verfolge», ivie die aller ungewohnt geräuschvollen parlameiitarischcn Aktion so abholden Repräsentanten von Bildung und Besitz sich allmählich in eine obstriiktionistische Fieberhitze hineinredeten. Genau in dem Maße, wie das Barometer der öffentlichen Meimmg succcssive Sturm gegen die Heinzcgarde ankündigte. erhitzten sich auch allniählich die-Gemüter der Natioiiallibcralcn, die anfangs kühl bis ans Herz hinan den Bemühungen der äußersten Linken, der deutschen Nation die Schmach des Emulchengesetzcs zu ersparen, zugesehen hatten. Zuletzt läutete man auch in der nationalliberalen Presie Sturm. Man gouticro folgende Stelle eines Artikels der„Köln. Ztg.": „... da muß nun diese unglückliche lex Heinze kommen und vollen Wind in die«cgel der Socialdemokratie blasen. Sie ist es. die an der Spitze der Feinde dieser Vorlage steht, sie führt ganz offenbar den Kampf zum Besten a 1 1 e r b i l d u ii g s- und k n n st f r c u n d l i ch e n Elemente i m R e i ch e.» n d o b e s i h r n n n d a m i t e r n st i st o d e r ob sie nur taktischen Erwägungen folgt, gleichviel, sie vermindert dadurch d i e K l u f t, die sie von einem einflußreichen Teile der Gebildeten der Nation trennt. Die Bcsürchtmig, daß diese Kreise in Zukunft nicht mehr den gleichen Eifer in der Bekänipfimg der Socialdcmoliatic zeigen werden, ist nicht mehr von der Hand zu weisen, und sie ivird um so größer sein, tvenii die andren liberalen Parteien nicht alles thlin, mn die Annahinc des Gesetzes abzuwehren. Die Bewegung gegen die lex ergreift immer beachtenswertere Schichten. Sie ivar ausgegangen aus den Kreisen der L i t t e r a t u r und Kunst, in innner zunehmendem Maße schloffen sich unsre Hochschulen an, und in allerletzter Stunde ist es noch die gerade in diesem Falle so gewichtige Stimme unsrer S t r a f r e ch t S l e h r e r, die sich mit Entschiedenheit gegen sie erhebt. Es sind das Kreise nicht nur von höchster Intelligenz. sondern auch von bedeutender politischer Kraft; Kreise, die bcachlens- wert sind für den' Staat und fiir diejenigen Parteien, denen sie bisher im großen und ganzen angehört oder angestanden haben. Die Erwägung, daß die nationalliberale Partei solche Elemente, die grade ihr vorzugsweise zur Ehre gereichen, nicht im Stiche lassen darf, die fernere Erwägung, daß man es nicht gestatten darf, daß die Socialdcniokratie allein den Wind in ihre Segel auffange, den der Sturm gegen die lex Hcinze entfcffelt, können bei der uationalliberalcn Partei nichr unbeachtet bleiben..." Man sieht, der Entrüstnngssturm der Künstler und Schriftsteller genügt noch nicht, um die Partei, die die Bildung repräsentiert, aus ihrer vornehmen Apathie aufzurütteln, es müssen erst die H o ch- schulen und in e l f t c r S t u n d e die deutschen Straf- r e ch t s I e h r e r an dem Strang der Sturniglocke reißen, bis sich die Natioiiallibcralcn endlich die Frage vorlegen: Ja, was geht denn eigentlich vor? Und diese kläglichen A u g st p o l i t ik e r, die schließlich aus offenbarster Furcht, von den Künstlern und Gelehrten den Dank für ihre tapfere Haltung in Gestalt eines Fußtritts zu erhalten, zur Attacke blasen, nachdem der Feind schon geworfen ist, wagen es denn noch, die Frage anfznwerfen, ob die Socialdemokratie ivohl aus wahrem Kmisiinteresse oder aus Ileiulich agikatorischcr Rücksicht die Führimg der Kämpfer übernommen habe!— Deutsche und ansläudische Laudprolctaricr. Daß die deutschen Landprolctarier im Punkte der„Begehrlichkeit" die ans- ländischen Landprolctarier keineswegs übertreffen, sondern im Gegenteil in ihren Ansprüchen teillveise bescheidener sind, als diese, ivird von der„Kölnischen Volkszcitmig" indirekt zugestanden. Das Blatt führt aus, daß die Oeffmmg der Rcichsgreiizen für»ichtslavische Ausländer, die die Regierung im Interesse der Landwirtschaft zu- gestanden habe, den Landwirten ivahrscheinlich nur von geringein Borteil sein werde, da die Versuche, die mit italienischen und schwedischen Arbeitern in der Landivirtschaft gemacht ivorden seien, nicht gerade günstig ausgefallen seien. So'habc'man vor einigen Jahren bereits in einigen Gegenden des Ostens italienische Arbeiter importiert, allein dieselben hätten nicht lange ansg eh alten. Der Lohn sei den Leuten viel zn gering gelvesen, auch habe ihnen die K o st nicht zugesagt. Vorher habe. man in Ostpreußen bereits s ch>v e d i s ch e Arbeiter zu verwenden gesucht. Diese aber hätten schon nach wenigen Tagen höhere Forderungen gestellt und seien bald wieder davon gelaufen. Man sieht, welch außerordentlicher,' nur»och bei den auf niedrigster Kultiirstuse stehenden slavischen Arbeitern anzutreffender Grad von Bedürfnislosigkeit dazu gehört, um die Zustände des ostclbischcn LnndprolctariatS erträglich zu finden.— Wie Wahlbündnisse zn standc komnicn. Dortmund. 21. Mai. lEig. Ber.) Auch einem b i e s i g c n Frommen ist es ähnlich gegangen, lvie dem Kaplan Dasbach in Trier. Der ZlcichStagSivahl- kandidat der hiesigen CcntrmnSpartei, Lambert Lcnfing. Verleger der „Tremonia", hat sich in Unfrieden von seinem langjährigen Redacteur Dcderle getrennt und dieser schreibt jetzt in hiesigen Blättern Eni- hüllmigcn. Darnach ist das Kompromiß zwischen Natirnialliberaleu und Eentrnm bei der letzten ReichstagStvahl, � dem Herr Hilbck sein Mandat verdankt. n. a. auch dadurch zu stände gekoininen, daß z w c i g c g c n die„Tremonia" s ch tv« b c» d c P r o z e s s e niedergeschlagen wurden. Ter Verfasser der Artikel sei Herr Lensing gelvesen. Er habe aber versucht, seine Rcdactcurc Weisse und Dederle zur Bckcuuung der Urheber- schaft zu überreden. Die Kläger, die Stadl und ein benachbarter Zechendirektor, hätten darauf infolge Bernnttluitg dcS Äonnncrzien- raths Brauns von der Union und des Rechtsanwalts Westhoff die Klage zurückgezogen. Die Centrumswähler werden sehr lveiiig erbaut sein, daß das Privatinteresse des Herrn Leu sing für die Centrums- taktik maßgebend gewesen ist. Von den übrigen Enthüllungen interessiert nur die' weitere Oeffentlichkeit, daß iii der katholischen Zeitmigsdruckcrci deS Herrn Lensing während aller katholischen Feier- tage bei geschlossenen Thiiren gearbeitet wurde. Wahlsieg tu Nürnberg. Nach einem Privat-Telegramm aus Nürnberg lvurde dortselbst bei der LandtagS-Ersatzwahl unser G c- n o s fe Dr. von Halter mit H31 Stimmen gewählt. Außerdem wurden 73 weiße Zettel abgegeben. Personcntarif-Resorm. Ttnttgart, 2l. Mai. Im württcm- bergischcn Landtag hat sich Staatsininister v. Mittnacht in ehr bemerkenSivertcr Weise über den Stand der Verhandlungen zur projektierten„Süddeutschen E i s e n b a h n- G e ni c i n s cb a s t" und die Absichten der iv n r t t e in b e r g i s cti c n Regierung geäußert, lvclche diese für den Fall eines Scheiterns dieser Verhandlungen hat. Herr v. Mittnachl teilte mit, daß bereits vor mehr als J a h r e S f r i st, am 27. April 1SJ19, Württemberg in der letzten Konferenz von Vertretern der süddeutschen Verwaltungcir einen Vcrmittcliingsvorschlag dahin gemacht habe, den Normalsatz für den Kilonieter dritter Klasse ans 2,3 Pf. zu bestimmen. Auf diesen Vorschlag st cht die Antwort der Direktion der R c i ch S- E i s c n b a h n c n in E l s a ß- L o t h r i n g e n bis z n m heutigen Tag noch aus. Baden und Bayern, insbesondere daS letztere, siehe» dem Vorschlag Württcm- bergs sympathisch gegenüber und Bayern ist bereit, die Verhandlungen mit de» einzelnen süddeutschen Verwaltungen auch dann fortzusetzen. wenn keine allgemeine Vereinbarung zu stände kommt. Auch Herr v. Mittnacht erklärte seine Bereitlvilligleit, im Fall der Nichlbctciligung der NcichS-Eifenbahncn mit den beiden Nachbarverwaltmigeu oder mit einer derselben die Verhandlmigen fortzuführen. und stellte sogar in Aussicht. daß Württemberg unter Umständen allein in der TarifennäßigMtg vorgehen werde. Daun käme allerdings, so führte Mittnacht anS, der VcrmittclnngSvorschlag auf 2.3 Pf.' gar nicht mehr in Betracht: die Ansichten der Regierung gehen dahin. daß eine fühlbare Vcr- b'i l I i g n n g der P e rs o n e n t a r i f e, insbesondere dcS?lah- Verkehrs, nuzustrengeusei.ivoinitja auchdieKaminer völlig einverftaiiden st. Herr v. Mitinacht betonte ausdrücklich, daß die Regierung Wert darauf lege, in einer v o l k s w i r t s ch a s t l i ch. > o c i a I p o l i t i s ch und finanziell so hochwichtigen Frage möglichst Fühlung mit dcrBolksvertretung zuhaben.' Die Ausführungen dcS StaätSniinisterS, welche den lebhaften Beifall der Kammer fanden, belveisen, daß die württembergische Rcgicrmig cntschloffen ist. in der Frage der Tarif- verbilligung gegebenen Falls allein vorzugehen, die Verhandlungen mit den. NachbarSverlvaltlingen jedoch so lauge nicht abbrechen will, als noch Aussicht auf eine Einigimg mit den andern Verwaltmigeu oder auch einer derselben vorhanden ist. In diesem Bestreben hat die tviirttcmbcrgische Regierung den Landtag geschlossen hinter sich.— Karlsruhe, 21. Mai. lEig. Bericht). Für die Reichstagsstich- Ivahl im 7. badischcn RcichStagswahIkreis< Offenbmg- Kehl), bei welcher sich Nationallibcralc und Centrum gegenüberstehen, haben unsre Partdigenossen beschlossen, für den n ationalliberalen Kändidatcii Dr. Reinhardt zn stimmen. Der Beschluß wird damit begründet, daß das Centrum immer mehr zur Regiermigs- Partei geworden sei, daß es das Volk betrüge und für seine Verrats- Politik die Knebelmig von Kutift, Wissenschaft und Litteratur als Gcgenlcistmig verlange. Ueber den Ausfall der Wahl, die am Freitag stattfindet, läßt sich Befliimntes nicht voraus sagen. Pensioniert wurden in der deutschen Armee seit 1. April dieses Jahres; 2 GcnerallieiitenautS, 5 Generalmajore, 1'5 Oberste, 2 Oberst- lieutenantS, 3l Majore, 49 Hauptlcute. ll Oberlientenants,? Lieutenants. In Summe 118 Offiziere. K o st c n pro Jahr e i r c a 42ö 000 M. Ferner wurden ohne Pension verabschiedet 1 preußischer Oberlientenant und 1 preußischer Licutcnaiit. Ausgeschieden sind 2 preußische Ober- licutenantS, II preußische und 2 sächsische Licntenants. Der Gesamt- abgang an Offizieren betrögt somit in den letzten 6 Wochen 13ö. Von den Pensionierten treffen ans Preußen: 2 Generallientenants, 3 Generalmajore, 12 Oberste, 2 OberstlieutenantS, 2K Majore, 43 Hauptleute, S Oberlientenants, S Lieutenants(Summe 98); auf Bayern 1 Generalmajor, 2 Majore. 2 Hauptleute, 1 Lieutenant (Summe 6); auf Sachsen 1 Generalmajor, 3 Oberste, 1 Major. 1 Hauptmann, I Oberlientenant, 1 Lieutenant(Smimie 8): aus Württemberg 1 Oberst. 2 Majore, 3 Hauptleute(Summe 6).— Ausland. Paris, 21 Mai. Generalrats- und Bürgcrmeisterwahlen. In den gcistrigcn GencralratSwahlen dcS Scinc-Tcpartc- mentS, die sich aus 21 Mandate erstreckten(Paris ausgenommen. indem die Hauptstadt im Gencralrat durch ihre 80 Genieinderats- Mitglieder vertreten ist), hat die nationalistische Demagogie recht bescheidene Erfolge zu verzeichne». Es wurden gewählt 7 Radikale und LinlKraditale, 2 Socialistcn, 3 Republikaner und 4 Nationalisten. Die letzteren gewinnen 3 Sitze, darunter 2 aus Kosten der Radikalen und 1 ans Kosten der Socialisten. Bon den 5 Stichivahleu sind 2 den Socig listen, 2 den Radikalen und 1 den Republikanern'günstig. Dieses Wahlergebnis steht immerhin in einem wohlthuenden Gegensatz z» den Pariser Gemeindewahlen. und es iü möglich, daß der Generalrat des Seinc-DepartementS eine aminationalistische Mehrheit aufweiscii wird, trotz der nationalistischen Mehrheit des Pariser Gemeinderats. Uebrigens werden erst die Bnreauwahlen zeigen. wie groß eigentlich die natioualislische Gemeiudcratsinchrheil ist. Daß sie in- folge ihrer buntscheckigen Zusaininensetzniig innerlich gespalten ist, hat schon der Beschluß von 37 nationalistischen GemeinderatSinilgliedcrn gezeigt, keine ständige und genieinsame Fraktion zu bilden. Ein weiser, iioii zerknirschter Selbsterkenntnis zeugender Beschluß! Die Zahl der „reinen" Nationalisten, die sich zur Not verständigen könnten, beträgt nicht mehr als IVe Dutzend. Ungefähr soviel Nationalisten haben sich an der Pilgerfahrt nach Saüit-Sebasiien zmn verbannten Heros. Teronlede, beteiligt. Aber auch diese„Rcinsten unter den Reinen" haben in ihren Tischreden allzu deutlich den Lölvenanteil an der SicgcSbcute jeder für seine Sondergruppe in Anspruch zu nehmen versucht.— Die Bürgermeisterwahle» in den großen Städten der Provinz haben selbstverständlich den Sieg der Socialistcn und der geeinigteii Republikaner bestätigt. S o c i a l i st i s ch e B n r g e r m e i st c r sind gewählt: in L y o n. Marseille, Lille. R o u b a i x, Saint- Etienne(welch letztere Stadt, wie berichtigend zu bemerken ist. von den Socialisten ueugelvonnen wurde). sowie in einer laugen Reibe von mittleren und kleinen Städten und Industrie- Orten. Das Generalkomitce der soeialistischen Partei ivird übrigens eine umfassende Statistik der soeialistischen Wahlergebnisse aufstellen. Beachlenswert ist die Wahl des Genosse» Aug ogn cur zum Bürgermeister von Lyon, obwohl dort die Socialisten in der Minder- heit sind. Er wurde mit 31 gegen 22 Stimmen gewählt, die für den früheren gemäßigt-radikalen Bürgrrmeister, Goillcton, abgegeben wurden, der seit 25 Jahren dieses Amt bekleidete. Angogneur ist Professor an der medizinischen Fakultät der Lyoncr Univcrsisäk. Er ist dem Socialismns im Laufe der DreysilSkrise beigetreten. Anläßlich der Bürgermeistertvahlen votierten die neugewählten Gcmeindcrälc der großen und kleinen Städte eine Masse von Glückwunsch- und E r m u n t e r n n g s- Adressen an de n Präsidenten L o n b e t und das Ministerin in. Einejrecht gelegene Antwort auf die Pariser Wahl und die ministerstürzenden Pläne der Nationalisten und Melinistcn. Frankreich. Reformen im Poftwcsen. Der HandelSmiiiistcr M i I l e r a n d hat dein Präsidenten der Repnblil einen umfangreichen Bericht ein- gereicht, in welchem er die Notivendigkeit eingehend begründet. Danach soll die Zahl der Austragungen, der Leermigeii der Post- kästen namentlich ans dem platten Lande vermehrt iverden; ferner hält Millerand eine Vermehrung der Postburcaus, sowie der in-, ivie der ausländischen telegraphischen und telcphonischcn Anschlüsse fiir notlvcndig. In zweiter Linie sind in dem Entivurf vorgesehen eine Reihe Berbilligungen der jetzt geltenden Portosätze. Im Zusammenhang damit sind eine Reihe Vcr- besscrungcn in dem Arbeitsverhältnisse der unteren Poslangestellteii vorgesehen. Die Erweiterungen der postalischen Betriebe erfordern zunächst Neueinstellmigc» von Beamten, durch Beschleunigung dcS AvancemenlS will der HandelSmiiiistcr avcr auch erreiche», daß die Zahl der Hilfsarbeiter cher nicht festangestellten Beamten) im Post- dienst auf das denkbar niedrigste Minimum beschränkt iverdc. Die in Aussicht genommenen Reformen erfordern an einmaligen Ans- gaben 29' Millionen, an lausenden Ausgaben 48 Millionen Franken. DaS Syndikat der Post- und Telegraphen- Angestellten nimmt Gelegenheit, in der„Petite Repnblique", dein Chef für die den An- gestellten zugedachten Berbeffcrinigen. um deren Durchführung sie „seit Jahren und unter den verschiedensten Miiiiftericn" vergeblich ersucht haben, zu danken. Gleichzeitig gicbt das Syndikat eine ZusaNmiensiellnilg der Reformen, welche feit Antritt des Ministers Millerand für' die Postbeamten bereits durchgeführt find. Danach ist der Lohn der Telegraphen- Arbeiter durch Ministerialdekrct von 4 Frks. bczw. 4,50 Frks. auf täglich 5 Frks. erhöht iverden. In einer Reihe von Bctriebsabteilimgen ist der Achtstundentag eingeführt; ferner wurde den Bcaintcn freie Medizin und ärztliche Hilfe zur Bersügnng gestellt, sämtliche Beamte, deren Gehalt 2500 Fr. nicht übersteigt, erhalten während der Dauer der Ausstellung einen zehuprozentigen Zuschlag zn ihrem Gehalt, kurz die Lage der Angestellten wurde, soweit dies durch einfache Dekrete lohne Gesetz)'seitens des Ministers geschehen kann, in vielen Bc- ziehungcn verbessert.— England. i Ei» Koinpromist in der Bundesverfassung. London, 21. Mai. Niiterhaus. Bei der zweiten Beratung der Vorlage über den australischen Bund erklärt Chamberlain, er freue sich, dem Hause mitteilen zu könne», daß über die Frage der Berufung an den Geheimen Rat ein Abkommen mit den australischen Abgesandten zn stände gekomnien sei. Nach der nunmehr vorgeschlagenen Ab- ändcrmig der Vorlage solle dies Bcrnsinigsrecht in allen Fällen mit Ausnahme jener, bei denen rein australische Interessen in Betracht kommen, bestehen. Auch habe man �ich über die Ausnahme einer Bestimmung geeinigt, wonach die Sanktion der Krone für solche vom Bundcsparlam'ent angenommene Gesetze nötig sein soll, welche dieses Berufmigsrccht einschränken sollten. ASquith(liberal) bc- glückwünscht daraus die Regierung zu diesem Abkommen, welches sowohl England als den australischen Vertretern zum Verdienst gereiche...... Die zweite Lesung der Bill betreffend den australychen Bund wurde alsdann ohne Abstimmung angenommen.— Italic». AnS Rom schreibt man uuS unter dem 10. Mai: Der neue BersammImigSsaal uusreS Parlaments ist mit der italienische» Ar- bciterhymue eingeweiht worden. Das sei ein Vorzeichen für die Zukunft. Die Ereigniffe haben sich genau so vollzogen, wie ich voraussagte. Bei Wicderzusammentritt der Kammer protestierte die äußerste Linke so energisch gegen die Rede-Guillotine, und wies die Regierung so schroff jeden VcrnnttelinigSvorschlag ab. daß an ein Wcitertagcn der jetzigen Kammer nicht mehr zn denken war. Unter dem Klang der Arb'citcrhymne. mit der unsre Genossen die erste Sitzung nach den Ferien. die in dem neuen, oder richtiger in dem neuhergeftellten Sitzungssaal stattfand, eingeweiht hatte». wurde Tags daraus daS Dekretzur Vcrtagung derKammer vcrlese». Und die Ver- tag'nug war mir das Vorspiel der Auslosung, die ans dem Fuß folgte. die Iienwahlcn werden Sonntag, den 3. Juni, die Stichwahlen Sonntag, den 10. Juni, stattfinden. Also nach sehr kurzer Feist. Die Regierung hat Eile, weil sie weiß, daß die Stimmung im Lande sich immer mehr gegen sie wendet und folglich ein jeder �ag ihr die Aussichten verschlechtert. Und außerdem hat sie noch eine» ganz besonderen Gnmd zu dieser Uebcrhastung. Die Wählerlisten müssen laut Gesetz in der zweiten Hälfte des Jnui erneuert lueroci!, und da die neuen Wähler zum großen Teil uusrcr Partei oder doch fcec Opp>,ltwn angehören, sv will die R-gicrung nach mit den alten Llpe» die Wahlen doriichmen. Solch- Kniffe sind kennzeichnend. Unser Wahlgesetz isl dekannllich sehr reaktionär; es enthält ober ennge Bestinimuitgen. z. B. die'Lese- nnd Schreibklansel. welche den demokratischen nnd socialistischen Finthen Einlaß gewähren. Dies ivird freilich zum große» Teil dadurch neutralisiert, daß die Regierung m Italien einen außerordentlichen Einfluß aus die Wahlen hat. Und die, er Einfluß ivird diesmal in rücksichtslosester Weise geltend gemacht werden. Im ganzen Land arbeitet die Reaktion mit Hochdruck. Von allen Seiten hört tnan, daß Bersammlnnge» verboten, Vereine auf- gelöst werden,\yiibc5 bei der herrschenden Erbitterung wird durch derartige Maßregelungen nur Ocl ins Feuer gegossen. Wir Socialisten sind nicht überraichr worden, wir waren au die Auflösung vorbereitet. Das Wahlbündnis mit de» Republikanern tnid Radikalen dauert fort und unsre Freunde im Ausland dürfen auf uns vertrauen: wir werden unsre Schuldigkeit thun.— Asien. Eine abermalige Trohuotc der Mächte. Ten„Times" wud aus Peking vom ckl. Mai gemeldet: Das diplomatische Corps rj ch t e t e heute eine g c m e i n s a in c Note an den Ä i u n g I i y a m e n. in. welchem die Regierung aufgefordert wird, die„Boxers" und die fremdenfciudliche Bewegung zu bekämpfen, welche ernste Proportionen angenommen habe. Die Rote ist in festem Tone gehalten und' stellt in Aussicht, daß, wenn die BeUcgung nicht niedergeworfen werde, die Vertreter der aus- n artigen Möchte gezwungen'sein würden, wieder m i l i t ä r i sch c Wach c n nach Peking z u bringe n.— Afrika. Tie Lage Knniassis bat sich nicht gebessert. Tie Bestürmung durch die Aichainis dauert allein Anschein nach mit unverminderter Heiligkeit fort. Ein Telegramm meldet: London, 23. Mai. Das.Kolonialä-nt ist seit einigen Tagen ohne Rachrichlen von dem Gouverlicnr von Kumassi.— Amerika. Mißerfolg der Boereu-Mission i» den Vereinigten Ttaatcn. Aus Washington wird vom 21, Mai gekabelt: Staalssekretär Hay empfing heute die außcrprdentliche Bocrcu-Gesaudlschast in nicht- osiizieller Weise im Auswärtigen Amt. Nach der Besprechung, die clwa eine Stunde dauerte, erklärt c n die Mitglieder der Mission B e r i ch t e r st a t t e r n gegenüber, sie hätten keinerlei Mirt ei lrrng z u in a ch c n, Der Senat hat heute mit•TR gegen 21 Stimmen beschlossen, de» Boercu-Telegierteii den Zutritt zni» Sitzungssaal zu verweigern, nachdcil, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses � Davis in nachdrücklicher Rede ausgeführt hatte, die Delegierten seien im Lande hcrilmgezoge». indem sie sich an lSersammluiige» beleiligte» und das Volk dafür zu gewinnen suchten, einen Druck auf' die Regieriuig auszuübeu. Trotzdem die Mitglieder der Bocren-Gesaudtschaft sich in Slhwcigcn hüllen, weiß ein weiteres Telegramni den angeblichen Jithalt der Erklärungen des Staatssekretärs Hay iviederzngeben. Demnach soll derselbe erklärt haben, daß Präsident Mc Kinlep bei der gegen- ivärligcn Lage der Dinge sich gciiöligt sehe, gegenüber England nnd den Boereil-Republikeii bei der Politik der Neutralität und Nnpartci- lichkeit zu verharren. Wenn die Mitteilung sich auch nur auf Mutmaßungen stützcu sollte, so dürfte sie doch den Thatsachen sehr nahe komme».— Ucber die inneren Zustände Mexikos, die durch die Nach- richten über de» A u f st a u d der U a q u i- I u d i a u c r, über den auch ivir berichtete», in einem keineswegs günstigen Licht dargestellt löörden waren, veröffentlicht der„Hamburger Korrespoiident" die Zuschrift eines„KeunerS" der nlexikailischeil Verhältnisse, die die- selben in einer iveseiitlich ander» Beleuchtung zeigt. Die Zuschrift lautet: „Wie sehr jener amerikanischen Notiz, der Stempel der Lüge atisgedrückt ist, ersehen Sie daraus, daß die Notiz von fort- währeiiden inneren Wirren redet, um deretwillcn kein Teil zu sehr von Militär entblößt werde» dürfe. Du lieber Hiluiiicl! Wenn uuscr Präsident das gesamte Militär in einer Stadt eingnartiert, so bringt das nicht die geringste Aeiiderung hervor: daß Mexiko seit 2ö Jahren keine Revolnlion gehabt hat und daß die Zeit der iinicrcu Wirren vorüber ist. dürfte Ihne» bekannt sein; die deutschen Geldmänncr wissen das jedenfalls, sonst hätten sie Ivohl kaum unserm Finanz- minister im vorige» Jahre bei der Konverticruiig der Nationalschiild geholfen. Mir töiiiite es persönlich ganz gleichgültig sein, ob es in Mexiko Nevolntioneu gicbt oder nicht, da ich als Naturforscher gar lein Jiitcicssc daran habe; aber ich muß der Wahrheit die Ehre gebe», wenn ich andauernd systematische Lügen über eine» Staat lese, in dem ich gegenwärlig wohne. Mexiko ist heute finanziell so gut wie irgend ein Staat der Welt-, seine Silbcrbons stehen über Pari und höher als die Goldbons. Mexiko hat in den letzten Jahren konstant Ucberschiisse, trotzdem das Budget jährlich wächst. In diesem ersten Halbjahr sind schon wieder 2 Millionen Dollar Ueberichüff'e in den Finanzen der Förderai- »cgicruiig. Mexiko hat 14 lXXl Kilometer Eisenbahii(Teiitschland 48 OOOj und in keinem Lande der Well werden gegenwärtig so viele Bahnen gebaut, wie hier. Die Jndiistrie niinmt einen mächtigen Ansschivnng uiid der Ackerbau ebenfalls..."— PsvlAtnentaviflszes. In der Vudgetkommisfion dcS Reichstags ivnrdc am Dienstag zunächst � die Debatte über die Novelle zum ReichS-Ste in pelgesetz fortgesetzt. Die Position 6 des Tarifs: S ch i f f s f r a ch t n r k u n d c n, erhielt nach dein Antrage der Abgg. Frese ssrs. Vg.)»nd Dr. Paasch e ffiatl.) folgende Fassung:■ „Koimossemcnfe nnd Frnckitbriefe im Schiffsverkehr zwischen iiikändischon nnd aiisländischen Seehäfen, oder zwischen inländischen Flußhäfen nnd ansländischen Seehäfen, sofern sie i», Jiilande ans- gestellt, oder behufs Empfangnahme oder Aiislieferilng der darin bezeichneten Sendung im Jnlande vorgelegt oder ausgehändigt werden...IM. In, Verkehr zwischen Häfenplätzen der Nord- und Osisee, dcS Kanals oder der norwegischen Küste ausgestellte, vorgelegte oder be- händigte Aonnossemente und Frachtbriefe... 4» Pf. Die Abgabe ist für jede Sendung nnr einmal jn entrichten." Ein Antrag Richter, die Frachtbriefe für Nord- nnd Ostsee- Kanal mid die norwegischen Küsten ganz frei zu lassen, wurde abgelehnt. Zu Artikel 8 der Novelle zum Stcmpclgcsctz beantragt Abg. Müller- Fulda iE.) folgende Fassung für Abs. 2 des§ 3g des Gesetzes vom 27. April 1894: „Per Priisung in Bezug auf die Abgabenentrichtnng imterliegen alle diejenigen, welche abgabepflichtige Geschäfte der unter Nr. 4 und R des Tarifs bezeichneten Art gewerbsmäßig betreiben oder vermitteln." Dieser Antrag wird angenommen. Abg. v. K a r d o r s f teilt darauf mit, der preußische Land- wirtschaftsniinister habe ihn wissen lassen, es sei nicht möglich, die Besteiiening des Totalisators sofort in Kraft zu setzen, wenn nicht die Rennvereinc in ärgste Verlegenheit geraten sollten. ES cinpfchle sich daher, die erhöhte Steuer für den Totalisator erst später ei>« treten zu lassen. Abg. Prinz Arenberg(E.) unterstützt dieses Anregung. Abg. Graf Stolberg tkons.) stellt den Antrag, die erhöhte Steuer für den- Totalisator erst von, l. April 1901 ab eintreten zu lassen. Bis dahin seien die Regierungeii der Einzelstaaten in der Lage, sich von den Laildtageli größere Uilterstützungen für die Reimen bewilligen zu lasse». Abg. Richter bekämpft ben Antrag. Abg. Dr.P a a s ch e befür- wortet ih». Schließlich wird zwar der Vorschlag des Grafen Stolberg ab- gekehut, dagegen ei» An trag desAbg.GrafA r n i m angciloniinen, wo- »ach der verdoppelte Stempel für den Totalisator erst vom 1. Jauuar 1001 ab in Kraft tritt. Im übrigen soll die Novelle zum S t e in p e k g e s e tz, deren Beratung hiermit abgeschlossen ist, am 1. Juli 1000 in Kraft treten. Es folgt noch die zweite Lesung der N o b e 1 1 c znmZoll- t a r i f. Eine Debatte knüpft sich nur noch an die in erster Lesung beschlossene Zollerhöhung für ausländische Bier e. Abg. Richter weist besonders auf die Gefahr der Vergeltung hin. Staatssekretär Frhr. v..Thielmann erklärt, daß bestreich mit der Zollerhöhung ans ausländisches Bier— also vor allem deutsches Bier— vorgegangen sei. Die Abgg. Dr. Hasse, Graf A r n i. Dr. Paasche empfehlen die Beibehaltung des Beschlusses erster Lesung. Bei der Abstimmung wird der Z o l l ans ausländisches Bier aufrecht erhalten, auch im übrigen die Novelle ziim Zolltarif-Gcsetz unverändert in der Fassung erster Lesung bestätigt. Auch die Zolltarif-Novelle soll am 1. Juli d. I. in Kraft treten. Es werde» darauf noch folgende beiden R e s o l n t i o n e n an- genommen: 1. Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, einen Gesetzentivurf dem Reichstage vorzulegen, der eine B e st e u e r n n g der i m I n I a n d c h c r g e st c ll: c ii Sch a u»nv e i n c einführt imd gleichzeitig ciiicn Deklarationszivang für die mit künstlichem Zusatz von Kohlensäure hergestellten Schaumweine schafft, sowie bc- jtiuiiiit, daß in Deutschland angefertigte Schaum- iv e i n e nur unter Angabe des A» f c rti gll» g s o r t s i n den Handel gebracht>v c r d e n dürfen. 2. Die verbündeten Regierlmgen zu ersuchen, spätestens Anfang der nächsten Session des Reichstags cincl, Gesetzentwurf vorziilegcn, durch welchen die B e st e u e r u n g des Saccharins nnd ähnlicher Süßstoffe in einer der bestehenden Zlickerstencr und der Süßkraft der künstlichen Süßstoffe entsprecheilden Höhe gesichert wird. Damit hat d i c Ä o in m i s s i o n d i e B e r a t u n g des ihr überwiesenen F l o t t c n g e s c tz e s beendet.- Der vom Abg. M ii l l e r- Fulda verfaßte Bericht über die Be- ratniigeii des Flottengesetzes wurde verlesen mid genehmigt. Der vom Abg. Dr. Paasche zu erstattende Bericht über die Verhand- limgen betr. die Decknngsfrage, also über die Novellen zun, Stempel- steuer-Gesetz mid zuni Zolltarif, soll auch noch diese Woche, wahr- scheinlich Freitag, festgestellt werden. Ter Abg. Dr. Lieber erschien heute zum erstenmal wieder im Reichstag, dein er seit der im Januar erfolgten schweren Erkrankung hatte fernbleiben müssen. Dr. Lieber wurde von zahlreichen Ab- geordneten aller Parteien auf das lebhafteste begrüßt nnd zu seiner Gciiesniig beglückwünscht. Er sieht zivar noch etwas angegriffen aus, fühlt sich aber, wie er versichert, im ganzen recht wohl.' Sein Platz war mit einem mächtigen Rosenstrauß geschniückt. Die Ersatzwahl in Nürnberg. Man schreibt nns: Nur»och wenige Tage trennen uns von dem Tcriniu der Wahl und noch hat mau nichts von einem eigentlichen Wahlkamps verspürt, iveiiigstcnS nicht von der Heftigkeit, wie er sich bei sriiheren Gelegenheiten stets äußerte. Die Gegner, die ja mit sachlichen Argumenteii gegen die Socialdcinokraten nicht ankämpfen können, verschmähen offenbar diesmal ihre früher stets befolgte Taktik, sich in Beschimpflinge» gegen einzelne Personen zu ergehen, lveiiii sie sich dies nicht etwa bis auf die letzten Tage vor der Wahl aufgespart haben. Bis jetzt ist es im gegnerischen Lager merkwürdig still geivesc». Der Kampf wird uiisrer Partei diesmal besonders leicht gemacht. Als Gegner komine» in Betracht nur Freisinn und Nationalliberalismus, die sich nunmehr, nachdem sie sich noch vor kamn drei Jahren in der nnflätigsten Weise bctäiiipfte», gegen die Socialdcniokratie koaliert habe».' Man war sehr gefpamit darauf, was der„koniinende", noch „ulivcrbrallchte"Manii sein würde, den dieGegner alSKandidatenprokla- inicrcn würden, und man war nicht ivenig erstaunt, als bekannt wurde, daß ihre Wahl auf eine ganz uiibekaiinte Größe fiel, den Herr Fabri- kanten Seiler, der im politischen Leben noch in keiner Weise hervor- getreten ist. Der Kandidat hat am Sonntag in Altdorf, der„Hochburg" des Freisinns im Wahlkreise Nürnberg, seine EröffnnngSvorstelliiiig gegeben, wobei die nationalliberale„Fränkische Morgcnzeiiling" ganz »nbesomic» ans der Schule schwätzte, indem sie in der Ankündigung dieser Versammlung von dem nationalliberalcn Kandidaten Seiler sprach. Das war den Organisatoren der gegnerischeii Nieder- läge sehr unbequem nnd der Rcdactenr des gciimiiitm Blatts wurde gezwungen zu berichtigen, daß der Kandidnt nicht nationallibcral sei. Man ivciß aber trotzdem, wie man daran ist. Den Frei- siilnigen wurde der im Herzen nationalliberale Kandidat von den Natioiialliberaleil aufgezwungen, weil jene durch eigne Kraft nicht einmal nichr einen Achtungserfolg zu erringen im stmidc sind. Bo» dicscm Kandidaten»im erwartet man, daß es ihm ge- lingen werde, die Socialdemolratic zu besiegen oder doch nlindcstcnS stark zu schwachen. Wie kindisch die Leute in ihren Hpffiilmgcn sind, zeigt die von ihnen angestellte Bcrechnniig, sie branchicil von den 18 000 indifferenten Wählern nur 13 000 für den Mischmasch mobil zu machen nnd die Niederlage der Socialdcniokratie wäre fertig! Ein Objekt des Streits zwischen Nationalliberale» und Frei- siiniigen waren stets Marine- und Militärvorlagc»; eine Flotten- vorlage war auch die Ursache der Gehässigkeiten zwischen beiden bei der Ersatzwahl im Jahre 1897. Beim Abschluß dcS diesmaligen KomproiiiiffeS glaubte man diesen Pnukt nicht berühren zu müsseii. da als feststehend angenommen ivurde, daß bis zur Wahl über die neueste Flottenvorlage entschieden sein werde. Da dies inm nicht der Fall sein ivird, so wird Herr Seiler wohl noch seine Stellung hierzu präcisieren muffen. Bei Beginn des Wahlkampfs machte das freist, mige Blatt den Versuch, den„Fall Oertel" für die politischen Zwecke der Kuddel- »inddclpartei auszunützen, mußte dies aber bald als aussichtslos allsgeben. ' Die übrigen politischen Parteien sind in diesem Wahlkampf gänzlich bedeutungslos. Die Organisation der Volkspartci faßte den Besckilnß, da der Mischmasckikandidat nicht von einem überzengtcii Freisinnige», noch viel weniger aber von einem Demokraten geivählt werden könne, ihre» Parteigenosien zu cinpfehleii, direkt für Südekuin zu stimmen oder sich der Wahl zu enthalten. Die konservative Partei läßt ihren Anhänger» freie Hand, nachdem Herr Seiler ihre Anfrage, ob er für Eiiisiihrimg des Hopfenzolls und für Bei- behall'ung des ThalerS als Zahlungsmittel eintrete, verneint hatte. Die Ceiitrnmspartci stellte in der Person dcS Dr. Heim einen Zählkandidate» auf. Von unsrer Seite wird der Wahlkampf mit derselben Promptheit und Sicherheit geführt, wie schon jedesmal bei frühere» Wahlen. Fast täglich fiiidc» im Wahlkreise Versammlungen statt, deren Ver- lauf überall ZcngniS ablegt von der Begeisterung für die social- demokrattsche Sache. Die Kandidatur Südeknms. der durch seine zweijährige Thätigkeit in der socialdcinokratischcn Partei Nürnbergs sich großes Vertrauen erworben hat, findet bei allen Genossen rück- haltlosen Anklang, und so können ivir die bestinimte Zuversicht hegen, daß ivir am 2R. Mai nicht nur einen Sieg, sondern cilien glänzenden Sieg erringen werden, der eS den Gegnern ein für allemal verleiden ivird. sich in trügerischen Hoffnuligen zu wiege». Nürnberg ist eine proletarische Stadt und ivird sie bleiben. 40410 Stück AgitationSkaleuder„Ostprenßischer Landbote" waren unsre» Parteigenosien in Königsberg polizeilich beschlagnahmt worden. Jetzt hat die Polizei sie wieder samt inid sonders zurück- bringen müssen. Die Beschlagiiahiiie hat sich als mihaltbar er- wiese». Die Kalender lverhen ihren Zweck noch erreichen. Polilriliches, Gerichllichrs usw. Zu je 1410 M. Geldstrafe wurden der Verleger und der Drucker eines Flugblatts, die Genossen Stelzer»nd Franke in Dessau verurteilt, weil sie in dem Blatt den StaatSmiiiister v..noseritz beleidigt haben sollen. In dem Flugblatt ivurde ihm vorgeworfen, daß er eine Ungesetzlichkeit gebilligt habe, indem mit seiner � ausdrückliche» Billigung die � anhaltischen Krieger- vereine Politik getrieben hätten. Der Staatsanwalt bewies aber— und das Gericht schloß sich ihm an— daß die Kriegervereine gär keine Politik trieben. Mit dieser Sache haben sich nuil schon 4 Gerichte befaßt. Das Schöffengericht in erster Jilstanz verurteilte die beiden zu je 100 M. Geldstrafe, die Berufungskammer sprach sie frei wegen eines Forin- fehlers im Strafantrage, das Oberlandesgericht hob das freisprechende Urteil aus, iveil es keinen Formfehler entdecken konnte nnd nun ver- urteilte die Strafkammer wieder. — Vom Schöffengericht in Striegan wurde Genosie Heinz el zn 20 M. Geldstrafe verurteilt, iveil er während des Streiks in einer nicht angemeldeten Versammluiig, die sich mit angeblich öffentlichen Angelegenheiten beschäftigte, gesprochen haben soll.�DiejVcrsammlmtg ivar nur von Berufsgeiiossen besucht nnd hat auch nur berufliche Äiigelegenheitc» erörtert.— — Genosse Stolpe in Grünberg in S ch l e s i e n soll in einer Bcrsaminlilng den dortigen Äomincrziciirat B e uch e l t beleidigt haben. Er wurde deshalb zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Beantragt waren deren vier.— GemevliMstfiliches. «erlin und Ilmgegend. Von de» Berliner Glasschleifer» befinden sich noch 5R Man» im Streik. Bewilligt haben lO Firnlen. darunter die Firma. Fröhlich. Inhaber H. Mai, Hollmanilstr. 22, mit 15 Mann. Diese Firma hat den Austritt aus dem Bund der Berliner' Glasschleiferei-Besitzer erklärt.» An die Textilarbeiter aller Länder! Arbcitsbrüdcr! Ter inlcriiationale Textilarbeiter- Kongreß in Roubaix 1897 hat bc- schloffen, den vierten internationalen Kongreß in Deutschland abzu- holten. Die dentschen Textilarbeiter habe» die Vorbereitungen getroffen nnd lade» ivir alle Nationen frenndschaftlichst ein. Der vierte internationale Textilarbeiter-Kongreß wird vom 1R. bis 20. Juli 1900 in Berlin im Gewerkschaft'shauS, Engel-Ufer 15, abgehalten. Der Empfang der Delegierten findet Sonntag, den 15. Juli, im Gewerkschaftshaus statt. Tagesordiiiliig: 1. Eröffnung des Kongresses Montag, den 1R. Juli, und Prüfling der Mandate der Delegierten. 2. Bericht- erstattiliig des internätionalen Sekretariats. 3. Berichte über den Stand des Gciverbes»nd die seit dein letzten Kongreß eiiigetretenc» Veränderungen. 4. Abschaffung von TageSlohn-Arbeit. 5. Ab- schaffling der Ueberzeit- lpid Nachtarbeit. 0. Wie ist eine bessere Durchführnng der Arbciterschntz- Gesetzgebung möglich? 7. Mittel und Wege! Gesetze für die Arbeiterschaft zu erreiche». 8. Die Vertreter der Arbeiter in öffentlichen Körperschaften. 9. Wie können cS die organisierten Arbeiter bewerkstelligen, um dem Genuß alkoholischer Getränke in der Arbeiterklasse wirksam entgegen« zutreten. 10. Wie sind die Kongreßunkosteii zn decken. Abänderungen lind Ergänzungen der Tagesordnung sind dem Kongreß vorbehalten. Arbeitsbriider aller Länder! Die deutschen Arbeiter laden Euch freundschaftlichst ein und ivir erwarten, daß alle Nationen ans dein Kongreß vertreten sind. Wir wollen geineiiisain Mittel nnd Wege suchen, welche geeignet sind, die schlechten Erwerbsvcrhältnisse, nnter welchen die Textilarbeiter aller Länder leiden, zu beseitigen. Durch geineiiisauic Beratlnigen wollen wir die Wege ffiidcn, wie es nns möglich ivird, in allen Ländern kraftvolle Orgailijationell zu schaffen. Wir ersuchen Euch, uns recht bald Nachricht zu geben, wie viel Tele- gierte aus Eurem Lande kommen, auch wünschen ivir die Adresien der gewählte» Delegierte» zu erfahren, damit wir diesen das nötige Material zuseiiden können. D a S Organisatioilskomitee. Franz Kotzke,' Berlin, Marieiiburgerstr. 31, Alle Anfragen und dergleichen siiid an genannte Ädresse zu richten. Die Arbeiterzeitungen aller Länder werden ersucht, die Belannt- niachnngcn des Komitees zu vcröffelitlichcn. Der Verband der Baugeschäfte von Berlin«nd den Vor- orten verbreitet anscheiiieiid von allen Streiks in feinem Beruf schwarze Listen. Wir erhielten ein Cirkular über den Ausstand in B r o»i b e r g. das 225 Namen enthielt, ein andres über den Ans-» stand in Wildau bei Köiiigs-Wllsterhanieii weist 91 Namen aus- ständiger Arbeiter ans. Je umfangreicher diese Thätiglcit der Scharf- »iacherorganisation ivird, nm so erfolgloser ivird ihr Mittel. Tentsche» Reich. Tie Weistgerber in Neimiarlt i. Schi, erhielten nach vier- tägigcui Ausstand die zehnstüiidige Arbeitszeit tbisher elf Stunden) bewilligt. Eine Lohnerhöhnng von 19 ans 20 M. sowie ver- sckiiedcne Verbesserungen der Lohnsätze für Accordärbeit setzten ohne ArbeitSciiistellung die Weißgcrbcr in H a y n a u i. Schl. durch. In letzterem Ort ist die lOstündige Arbeitszeit vor einigen Wochen durchgesetzt worden. Die Lohgerber imd Lederzurichter in Breslau, die Weißgerbcr in Königiec i. Th. und die Leder- färber in I o h a n n g e o r g e n st a d t' i. S. befinden sich zur Zeit mit den Ilnteriiehmerii in Ilntcrhaiidlnng. Ten Lohgerbern in Breslau sind bereits einige Lohnauf- befferunften in Aussicht gestellt, doch von der Verkürzimg der Arbeitszeit, worauf gerade von den Arbeiten, der Hauptwcrt gelegt ivird. wollen die Unternehmer nichts wiflen. Die Arbeiter beharren auf dieser Fordermig und werden nicht rnhe», bis sie Gelt, mg bc- kommen. Achtung. Metallarbeiter! Infolge der AuSspeming der Former in der Maschinenfabrik in Buckau bei Magdeburg ist der Zuzlig streng scriizilhalten. Besonders werden die Berliner Former gebeten, von dieser Mitteilung Notiz zu nchincii. da ans Berlin fortgesetzt ArbeitSivillige eintreffen. Die Anssperrnng der Former ist erfolgt, weil diese eine Reihe von Uebelstäiidc» m der Fabrik abgestellt' habe» wollten. Die bloße Geltend», achung dieser Wünsche setzte die Leitung der Firma so in Erregniig. daß sofort die säliitlichcn Arbeiter dieser Branche ausgesperrt wurden. Es ist deshalb dringend notwendig, den Zuzug fernzuhalten. Die Aussperrung der Lübecker Metallarbeiter in den beiden großen Betrieben der Maschinenbau- Gesellschaft mid der Schiffswerft von Koch ist beendet.. Beide Betriebe haben den Arbeitern Zugestäiidiiiffe gemacht, die eine Aufnahine der Arbeit empfehlen ließen. Zunächst wird keine Maßregelung Itattfiiidcn. Sodann wird eine Erhöhung des Stunden- lohncs um 2 Pfelmig eintreten nnd die Nachtschickit mit 20 Proz. Aufschlag bezahlt. Die Schiffswerft von Koch gewährt den Lohnarbeitern für Ueberstnndeii 50 Proz. nnd� den Accord- arbcitern 20 Proz. Aufschlag. Der Abschluß des Streiks isl eiir äußerst befriedigender, die Organisation der Arbeiter hat sich in trefflicher Weise'bewährt, sie hat den Angriff der ttiiternchmer zurück- geschlagen. Die Arbeiter der Bremer Erlenchtnngs-«nd Wasserwerke hatten an die Deputation dieser Werke ein Gesuch uiii Erhöhung ihreö Lohns gerichtet, das abschläglich besebicdeir wurde. Die Ar- bester haben'darauf die bestimmte Forderung gestellt, ihre» Lohn um 20 Proz. zu erhöhen und für Ueberstunden- mid Sonntagsarbeit ihne» 25 Proz. Aufschlag zu gewähren. I» Freiwaldau haben die Töpfer(Topfbranche) die Arbeit niedergelegt. Es waren vorher mit den Ilnteriiehmerii Ilnterhanö- lungen angebahnt, die leider rcsnltatloS verliefen. Die Fordernngeil sind»iiniinaler Natur: Einführuiig eines einheitlichen Tarifs lind ca. 3 Proz. Lohnerhöhung. Der einheitliche Tarif ist die wichtigst- Forderung, da einige Iliiternehmer das doppelte Quanttini für den gleichen Preis anfertigeil lassen. Textilarbeiter-Koiiferenz von Rheinland und Westfalen. Am 20.' Mai tagte die obige Konferenz in M.- Gladbach. Be- »cht ivar dieselbe von 58 Delegierten nnd dem Agitatioiiskoniitee anS Elberfeld. Der erste Punkt der Tagesordnung: der Zersplitterung der Niederrheinischen Textilarbeiter ein Ende zu machen, wurde dahin erledigt, daß man eine Resolution annahm des Inhalts, dah der Hauptwert der Agitation darauf gelegt ivird, den Gedanken der cen- traten Organisation in den Massen zu fördern und zu pflegen. In der Diskussion wurde betont, daß der Kampf der verschiedenen Arbeiterorganisationen unter einander, welcher dem Unternehmertum nur zum Vorteil gereiche, aufhören müsse. Zum 2. Punkt: Internationaler Textilarbeiter-Kongreß in Berlin wurde beschlossen 8 Delegierte zu entsenden und zwar 7 aus der Rheinprovinz� und einen aus Westfalen. Man war allgemein der Meinung, daß, da der Kongreß in Deutschland tage, er auch zahlreich von den deutschen Textilarbeitern beschickt werden müßte. Als letzter Punkt wurde das wichtige Thema Agitation behandelt. Es wurde festgestellt, daß im Agitatious-Bezirl etwa 18 000 Textil- arbeiter in den freien Gewerkschaften organisiert seien, gegenüber weit über 100 000 in der Textilindustrie Beschäftigten. Die alten Klagen über Drangsalierung seitens der Behörde und des Unternehmertums hören nicht auf. Besonders wurden viel Maß- regelungen aus Langenberg, Nierenhof und Neviges friedigender Zustände in Südafrika könne dadurch am besten gesichert iverden, daß man den beiden Republiken unter der Bedingimg billiger Gewährung des Wahlrechts, weitgehender Abrüstung und der Ver- pflichtung zu schiedsrichterlicher Erledigung von Streitfragen die innere Unabhängigkeit belasse. Auf' den 25. Mai ist eine Versammlung der Mitglieder und Affilliierten des genaniiten KonüteeS einberufen, wo diesem Protest deren Zilstimmung erteilt werden soll. Auch wird man dann ivohl die Frage erörtern, ob ein Feldzug für Gewinnung der Mafien für den Protest ins Werk gesetzt iverden soll. Daß die Aussichten eines solchen nicht sehr günstige sind. verhehlen sich die Mitglieder des Komitees natürlich in keiner Weife. Es ist nicht nur der Siegcstaumcl, der ihm im Wege steht, der Ziveifel, ob durch halbe Maßregeln ein dauernder Friede gesichert iverden kann, ist ein mindestens ebenso starker Gegner. Courtneys Programm ist. genauer betrachtet, sehr unbestimmt. Je nachdem es ausgefüllt wird, kaun eS den Boeren soviel nehmen, daß ihnen von der Unabhängigkeit nur der Name bleibt, oder auf eine Erneuernug der Konvention von 1884 mit ihren Zweideutigkeiten hinauslaufen.' Jene Konvention war ein Produkt der Verschleppung. deS Hinausschiebens unbequemer Entscheidlingen, und wenn gegen irgend etwas Reaktion eingesetzt hat. so gegen diese. Ter Hinweis auf die Kosten, die sie England verursacht hat. bildet eines der stärksten Argumente der AnnektionSpartei. Eine andre Stütze findet die letztere in der eingeivnrzeltcn Ueberzengung des Durchschnitts- Engländers, daß es auf der Welt kein besseres, mehr freiheitliches Regierungssystem gebe als das englische, und daß die Boeren sehr bald die glücklichsten Menschen von der Welt sein und Gott danken iverden. daß er den Engländern geholfen hat, ihr Land dem briti- scheu Reich einzuverleiben. Was abzuwarten sein wird. Ein Sieg Waldeck-Ronsseauß. Das Ministerium der Verteidigung der Republik hat den ersten Ansturm, der bei dem gestrigen Wiederzusammentritt der Kammer gegen dasselbe heranbranfte, glücklich überstanden. Die Hoffnung der Reaktion, die verhaßte Regierung zu Fall zu bringen, hat sich einstweilen noch nicht erfüllt. In der Deputiertenkammer wurde nach einer Eröffnungs- rede des Präsidenten Deschanel über die Interpellation G o u z y verhandelt. Ministerpräsident Waldeck-Rousseau erklärt sich für die sofortige Beratung. Gouzy, der über die Politik der Regierung im allgemeinen interpellieren will, fragt an, welche Reformen die Regierung einzuführen beabsichtige und welche Maßregeln sie zur Verteidigung der Republik zu ergreifen gedenke. fBeifall links.) C a f s a g n a c greift die Regierung lebhaft an, fügt aber hinzu, er wünsche nicht ihren Sturz, denn ihre Politik bringe das Land dahin, der Republik überdrüssig zu werden. (Widerspruch bei den Nationalisten). Nach Cassagnac nimmt Ministerpräsident Waldeck- Rousseau das Wort und führt aus. daß die Wahlen für die Gemeinderäte einen Erfolg für die Politik der Regierung bedeuten. Was die Wahlen in Paris betreffe. so seien deren Ergebnisse eine Zwei- deutigkeit.(Heftige Unterbrechungen bei den Nationalisten.) Er hoffe, diese Zweideutigkeit werde bald beseitigt werden. Waldeck-Rousseau legt sodann dar, in welcher Richtung die Regierung in Zukunft ihre Pflicht zu erfüllen gedenke und sährt fort, man habe den traurigen Streit, tvelcher Franlreich so lange Zeit hindurch in zwei Lager spaltete. wieder zu entfachen und gegen die Republikaner auszubeuten verstanden. Tie Regiennig sei also auf dem richtigen Wege. als sie. nachdem D r e y f u S begnadigt, die Verpflichtung übernahm, der Aera des Prozesses und der Repressalien ein Ende zu machen. Damit habe die Regiennig gleichzeitig einen Akt der Humanität und der Benihigung der Gemüter erfüllt.(Beifall auf der Linken; vereinzelter Widerspruch von verschiedenen Seiten.) Waldeck-Rousseau erklärte schließlich, die Kammer niöge ein Gesetz votieren zum Schutze gegen Verleumder des Staats- ober Haupts, ferner ei» Gesetz betreffend die Associationen. da es unmöglich angeht, eine tote Hand immer mehr anwachsen zu lassen und dadurch den Gegnern der Republik de« Kriegsschatt zu stillen. Er fordert auch die Kanimer auf, ein Unterrichtsgesetz zu votieren, ein solches betreffend die direkten Steuern und ein Gesetz betreffend Altersversorgung der Arbeiter. Schließlich stellt der Ministerpräsident die Vertrauensfrage.(Wiederholter leb- hafter Beifall auf der Linken.) Hierauf spricht R i b o t. Er führt aus, die GcmcinderatSwahlen hätten einen Erfolg für die Republik, aber nicht für die Regierung ergeben: das Centrum verlange die einfache Tagesordnung. Waldeck-Rousseau spricht sich dagegen aus, und die einfache TageS- ordnung wird hierauf mit 2ö3 gegen 249 Stimmen abgelehnt. Dagegen wurde die von Waldeck- Rousseau acceptierte Tages« ordnung Gouzy angenommen:»Die Kammer istZentschloffen, energisch eine Politik der Reformen sowie des Schutzes der Republik und des Laientums zu verfolgen, billigt die Erklärungen der Regiennig und geht zur Tagesordnung über." Der erste Teil dieser Tagesordnuug bis zu den Worten„billigt die Erklärungen usw." wird mit 439 gegen 56, der zweite Teil mit A7I. gegen 226 Stimmen angenommen. Im weiteren Verlauf entstand eine Debatte über die„DreysttS- Zlffaire". Nach Annahnie der Tagesordnung Gouzy beantragen mehrere Deputierte, der Tagesordnung eine Aufforderung an die Regiening hinzuzufügen, sich energisch jeder Wiederaufnahme der DreyfuS-Affaire zu widersetzen.(Beifall im Centrum.) Pelletan forden Erklärungen über die Mittel, ivelche anzuwenden möglich sei. Waldeck-Rousseau spricht mehrmals seinen festen Willen ans. jede erneute Agitation zu verlicder» und Beruhigung herbeizuführen. Er habe die Aninestievorlage eingebracht und könne den zur TageS- ordnung beantragten Zusatz nur als Billigung seiner Erklärungen ansehen:(Bewegung auf verschiedenen Seiten. H u in b e r t verlangt Aufklärungen über die neuliche Meldung deS „Eclair", in welcher der Geheimpolizist Thomps beschuldigt wurde, daß er Schritte zwecks Wiederaufnahme der Dreyfus-Affaire unter- nehme.(Lärm.) Redner fordert sodann den Ministerpräsidenten auf, zu erklären, daß er nicht beabsichtige, sich zu den Machen- schaften derjenigen herzugeben, welche die Dreyfus- Affairre von neuem wieder aufleben lassen Ivollten.(Beifall im Centnim.) Waldeck- Rousseau erwidert, die Geheimpolizisten eien niit Erkundigungen militärischer Natur bcanftragt wordrn und hätten den Befehl erhalten, gewisse Mißgriffe, welche früher begangen worden, zu vermeiden. Seine Agenten hatten sich daran gemacht, die Judividnen zu entlarven, die der Regierung gegenüber förmliche Erpressungen zu begehen versuchten.(Beifall.) Kriegsmiuister G a l l i f e t bemerkt, er könne nur wiederholen, daß der Fall DrcyfuS abgeschlossen sei dem zweiten Bureau deS Kriegs- Ministeriums habe er eine Beantwortung der Briefe des genannten Jndividiums untersagt. Im Kriegsministerium sei nichts tadelnS- wertes gethan.(Einstimmiger Beifall). Nach einer Entgegnung Humberts und nachdem noch Galliffet versichert hat. daß im zweiten Bureau keine der Briefe geöffnet. sei beschließt die Kammer mit 457 gegen 78 Stimmen. der Tagesordnung Gouzy den Zusatz anzufügen. die Kanimer er- »che die Regierung, sich energisch jeder Wiederaufnahme des Dreyfushaiidels zu widersetzen. Die Tagesordnung Gouzy in der Gestalt, die sie nunmehr durch diesen Zusatz erhalten hat, wird mit 286 gegen 237 Stimmen an- genomme» und die Sitzung hierauf geschlossen. Uehko Mttifjvichkett ittti» Depeschen. Das Ende der Vcrgnügungstour. Straffburg i. Elf., 22. Mai.(W. T. B.) Dem Bürgermeister ist ein Telegramm des Kapitän-LieutcnantS Funke zugegangen, in welchem dieser mitteilt, daß die Fahrt der Torpedoboote nach Straß- bürg sich als unausführbar herausgestellt habe. Die Boote gehen morgen nach Mainz._ Dresden, 22. Mai.(B. H.) Eine große FeuerSbrust hat in der vergangenen Nacht einen bedeutende» Teil der Fabrik der Gc- brüder Barnewitz zerstört. Außer den Gebäuden sind auch de- deutende Warenvorräte und Modelle vernichtet. Der Schaden ist sehr beträchtlich. Ein Feuerwehnuann ist bei den LöschungSarbeiten verunglückt. Paris, 22. Mai.(W. T. B.) Senat. Präsident F a l« liöres eröffnet die Sitzung mit einer Ansprache, in welcher er hervorhebt. welchen Erfolg � die Ausstellung bedeute. Redner widmet sodann den Souveränen und Völkern, welche Frankreich eine» Beweis so lebhafter Sympathie gegeben haben. Worte des Dankes und der Hochachtung.(Beifall.) Hierauf wird die Sitzung geschlossen. New Pork. 22. Mai.(W. T. B.) Mac Kinley hat heut» die Boerenkommission empfange»._ Verantwortlicher Redacteur: Paul Joh» in Berlm. Für den Inseratenteil verantwottlich: Th. Glocke in Berlin. Dnick und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 2 Beilagen nnd Ilntrrhaltiingsblatt. Jlr. IIS. 17. Iittpitg. 1. KtilM Ks.Fmiirls" Kerl« MlksM MiMslh. fl Ulli 1900. Zirichsksg. 200. Sitzung. Dienstag, den 22. M a i 1900, 1 Uhr. Am BundeSratStisch: Fürst Hohenlohe. Der Platz des Präfidenten ist mit einem grohen Blumenstrauß aus roten und rosa Rosen geschmückt. Präsident Graf Ballestrem: Ich eröffne die IVO. Sitzung des deutschen Reichstags in dieser Session und danke den Herren, die aus dieser Veranlassung meinen Sitz so schön geschmückt haben, für ihre Aufmerksamkeit. Es ist soeben ein Antrag Hompesch und Genossen sC.) eingegangen, bc- treffend einen neuen Entwurf des Gesetzes über Aenderungen und Ergänzungen des Strafgesetzbuchs. Ter Antrag wird eben verteilt. Wir. treten nunmehr in die Tagesordnung ein. Abg. Dr. Spahn(C.) zur Geschäftsordnung: Ich beantrage, den ersten Gegenstand der Tagesordnung ab- zusetzen und als ersten Punkt auf die Tagesordnung zu setzen 1. und 2. Lesung des eben angekündigten Antrags. Präsident Graf Ballestrem: Ueber den ersten Vorschlag des Herrn Abg. Spahn kann das Haus mit Stimmenmehrheit beschließen. Der zweite ist nur zu- lässig, wenn kein einziges Mitglied widerspricht. Der erste Antrag des Abg. Spahn wird hierauf einstimmig an- gcuomnien. Gegen den zweiten erhebt sich kein Widerspruch. Das Haus tritt danach in die Beratung des Antrags Hompesch eilt, welcher die in dritter Lesung bereits angenommenen Bestimmungen der lex Hcinze tviedcr aufnimmt, ausgenommen die§§ 184a und 184b. Bon§ 184a ist nur die Bestimmung stehen geblieben, tvonnch mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 800 M. bestraft ivird,>vcr Schriften. Abbildungen oder Darstellungen, die, ohne unzüchtig zu fein, das Schamgefühl gröblich verletzen, einer Person unter 16 Jahren gegen Entgelt überläßt oder anbietet. Abg. Graf Hompesch iE.): Ich habe im Namen der iv e i t a u s größten Mehrzahl meiner politischen Freunde folgende Erklärung abzugeben: Wir haben unfern Initiativantrag in Verbindung mit andern Parteien eingebracht, nachdem auf Grund einer vom Präsidenten herbei- geführten Vetstaiidiguna die Annahme dieses Initiativantrags durch die andern Parteien gesichert und dadurch ein erheblicher Fortschritt in der Bekämpfung der Unsittlichkeit gewährleistet ist. Für uns liegt der Hauptivert in de» Strafbcslintmnngen gegen die Herstellung und Verteilung unzüchtiger Schriften, Abbildungen und Darstellungen, solvie in dem Schutz der Jugend gegen solche Darstellungen. Diesen Bestimmungen legen wir ein so großes Gewicht bei. daß wir Bedenken tragen, Bestimmungen von so großer Tragweite von dem Schicksal andrer Bestimmungen abhängig zu machen'.(Bravo!) Abg. Singer(Soc.): Gegenüber den Erklärungen des Herrn Vorredners will ich nur meinem Bedauern Ausdruck geben, daß bei der Wertschätzung, welche er einem Teil der ehemaligen Ivx Heinze entgegengebracht hat, es etwas wunderbar erscheint, daß die Herren diese Wertschätzimg nicht schon früher zunt Ausdruck gebracht haben. Sie hätten uns dadurch vielleicht eine Reihe von Debatten erspart.(Sehr richtig! bei den Socinldemokraten.) Was den Autrag selbst anlangt,' so habe ich namens meiner Freunde zu erklären, daß ivir nicht in der Lage sind, in der Gesamtabftinunung für diesen Antrag stimme» zn können. Ich will auf die Paragraphen, die in früheren Verhandlungen bereits erledigt sind, nicht zurück- greifen. Ich will in der Generaldiskussion nur einige Bemerkungen zu dein§ l84a dieses Antrags mir erlauben. Dieser Paragraph führt in das Strafgesetzbuch ein neues Delikt ein, nämlich er belegt diejenigen mit Strafe, die Schriften, Abbildimgcn oder Darstellungen, Ivelche, ohne unzüchtig zu sein, das Schamgcsiihl gröblich verletzen, einer Person unter 16 Jahren überlassen. Diese neue Bestimmimg ist durchaus kautschukartig und ein ganz schwammiger Begriff. Wir haben die Befürchtung, daß bei der in Deutschland herrschenden Rechtsprechung diese Bestimmung so interpretiert lvcrdcn lvlrd, daß andre Sachen getroffen ivcrden, als der Antragsteller selbst vielleicht wünscht. Nach den Erfahnmgen, welche die deutsche Recht- sprechung mit dem sogenannten Groben Unfug-Paragraphcn gemacht hat, ist es uns unmöglich, einem derartigen Paragraphen nnsre Zu- stimmung zu geben. Wir fürchten, daß, wenn ein solcher Begriff erst einnial eingeführt ist, dann wahrscheinlich auch dazu übergegangen wird, ähnliche dehnbare Bestimmungen auch ,nach andrer Richtung in. das Strafgesetzbuch hineinzubringen. Wir werden also gegen die einzelnen Bestimmungen und auch gegen das Gesetz im ganzen stimmen. Unsre Bedenken sind aber nicht so schwerwiegende, daß sie uns veranlassen könnten, der Er- Icdigung dieses Antrags gcschäftSordnnngSmäßige Schwierigkeiten in den Weg zu legen.(Bravo I bei den Socialdcmokratcn.) Abg. Baffermann(natl.): Meine politischen Freunde sind bereit, für den vom Grafen Hompesch vorgelegten Gesetzentwurf zu stimmen, da in ihm keine Aufnahme gefunden haben die Bestimmungen der lex Heinze, die sich auf den sogenannten Thcatcrparagraphen bezichen und bezüglich der Kunst und Wissenschaft die wesentlichsten Bc- stimmungen. die bei uns Anstoß erregt haben. weggefallen sind. Allerdings erregt§ 184a auch in den Kreisen meiner politischen Freunde erhebliche Bedenken und wir hätten es vorgezogen, wenn auf ihn ganz Verzicht geleistet worden wäre. Es wird hier ein neuer Begriff in das Strafgesetzbuch eingeführt und wir können nicht anerkennen, daß der Ausdruck„ohne unzüchtig zu sein, das Schamgefühl gröblich verletzen," ein juristisches Meister- werk ist. Der Begriff des Schamgefühls ist schwankend und ver- schieden nach Gegenden, Ständen und dem Bildungsgrad. Andrer- scijs enthält der Paragraph ja eine wesentliche Einschränkung, indem nur der Verkauf solcher Darstellungen an Personen unter 16 Jahren verboten ist. Wir sind daher bereit, unsre Bedenken zurückzustellen, weil auch wir auf die Bestimmungen, die verschärfte Strafe gegen die Kuppelei vorschlagen, großen Wert legen, und auch aus großen allgemeinen politischen Erwägungen heraus, da wir es für wün- schenswert halten, daß wir mit dieser ganzen Materie einmal zu Ende kommen. Abg. Rickcrt(frs. Vg.) schließt sich dieser Erklärung an. Wir lverdcn gegen den§ 184a, aber in der Gesamtabstimmuug für den Antrag Hompesch stimmen. Abg. v. Levetzow(k.>: . Meine Freunde werden dem allerdings recht mageren Vergleich jjustimnicn. weil wir Wert legen auf den Rest dcS§ 184a und locil wir dem Lande den Anblick der bis dahin unerhörten Vor- gänge der letzten Tage ersparen wollen.(Oho! links.) Abg. Richter(frs. Vp.): Nach den Worten des Herrn Vorredners hätten wir Gckcgenhcit, eine Kritik nach rückwärts zu üben. Aber ich tvill mich jetzt auf die kurze Erklärung beschränken, daß der vorliegende Antrag sich im ganzen überwiegend mit nnsrer Auffassung deckt bis auf den§ 184 a. Dieser Paragraph ist aber derartig gegen den bisherigen in seinem Wesen und seiner praktischen Bedeutung herabgemindert, daß für uns kein Grund vorliegt, deshalb die Erledigung der Sache auf- zuhalten. Abg. Hauffmaun-Böblingen(füdd. Vp.): Auch meine Freunde werden das Zustandekommen des Antrags Hompesch nicht verhindern. Die Bedenken, die wir bisher gegen den ji iSia im Interesse der Kunst und Litteratur haben mußten, sind durch die neue Fassung beseitigt. Gegenüber Herrn v. Levetzow bemerke ich nur. daß es sich für uns nicht um einen Vergleich. sondern um ein Nachgeben der Mehrheit handelt. Der jetzige§ 134a hat praktisch keine wesentliche Bedeutung. Daher werden wir auch über ihn keine namentliche Abstimmung beantragen, da wir es nicht für richtig halten, daß über Kleinigkeiten namentlich a b g e st i m nr t wird.(Heiterkeit.) Abg. v. Kardorff(Rp.) erklärt für seine Freunde die Zustimmung für den Antrag Hompesch. Abg. Cegielski(Pole): Auch meine Freunde werden in vollem Bewußtsein der Brauchbarkeit und Nützlichkeit des Antrags Hompesch für denselben stimmen, der nach meiner Meinung eine erfreuliche Förderung der Sittlichkeit zur Folge haben wird. Abg. Liebermann von Sonnenberg(Antis.): Da nicht mehr zu erreichen ist, Iverden meine Freunde für den Antrag Hompesch stimmen. Die Lage im Hause wird ja am besten charakterisiert durch den Strauß auf dem Präsidentenplatze. Rot und seine Nuancierungen überwiegen, das Grün kann auf sich bc- ziehen, wer will.(Heiterkeit rechts.) Die Generaldiskussion ist geschlossen und damit die erste Lesung beendet. Das Haus tritt sofort in die zweite Beratung ein. Der Präsident ruft die einzelnen Paragraphen auf, es meldet sich aber niemand zum Wort. Gegen den 8 184a stimmen die Freisinnigen und die Social- demokraten. Der Antrag Hompesch wird in zweiter Lesung debattelos genehmigt. Abg. Spahn(C.): Da der Ankrag Hompesch in zweiter Lesung unverändert angc- nommen worden, beantrage ich jetzt sofort die dritte Lesung vorzu- nehmen. Präsident Graf Ballestrem: Der Autrag Spahn ist durchaus ungewöhnlich. Eö wird»och niemals im Reichstag vorgekommen sein, daß ein derartiger Autrag gestellt worden ist. Aber vielleicht ist das Haus der Meinung, daß eine ungewöhnliche Situation auch ungewöhnliche Maßnahmen im Gefolge hat. Der Antrag Spahn ist natürlich nur zulässig, wenn allgemeines Einverständnis herrscht. Wir können dem Antrag Spahn stattgeben, da ja, tvenn niemand widerspricht, das Haus Herr über seine Geschäftsordnung ist.(Stünnische Heiterkeit.) Es widerspricht niemand. Das Haus ist also damit einverstanden, daß sofort die dritte Lesung vorgenommen wird. Abg. Dr. Spahn(�.): Da der Antrag Hompesch in ztveitcr Lesung bebattelos ge- nehmigt worden ist, so beantrage ich jetzt, den Antrag in dritter Lesung on Kloo anzunehmen. Präsident Graf Ballestrem: Auch das ist nur zulässig, wenn kein Widerspruch erfolgt. Ein Widerspruch erhebt sich nicht. Die«a bloc• Annahme ist genehmigt. Bei der Abstimmung in dritter Lesung stimmen nur die Social- demokraten und die freisinnige Vereinigung sowie die Abgg. Munckel, Träger und Dr. Müller-Meihingen dagegen. Präsident Graf Ballestrem: Jetzt können wir auch gleich die Gesamtabstimmuug vornchmcu. (Heiterkeit.) I» der G e s a m t a b st i m m u n g wird der Antrag Hompesch wieder gegen die Stimmen der S o c i a l d e m o k ra t c n, der freisinnigen Vereinigung und der volksparteilichcn Ab- geordneten Träger, Munckel und Dr. Müller- Mciningeu angenommen. Es folgt die dritte Beratung des FleischbcschaugcsctzeS. 8 1 lvird nach den Beschlüsse» ztveitcr Lesung angenommen. 8 2 handelt von den HauSschlachtungen. Sofern sich keine Merkmale einer die Gennßtauglichkeit des Fleisches ausschließenden Erkrankung zeigen, darf die Untersuchung unterbleiben. Abg. Bcckh-Cobnrg(frcis. Vp.) befürwortet einen Antrag, die Worte„die Genußtauglichkeit dcS Fleisches ausschließenden" zu streichen. Den zweiten Absatz tvill er wie folgt fassen:„Die entgeltliche Abgabe einzelner Thcilc solche» Fleisches ist inir gestattet, wenn vorher eine Untersuchung derselben stattgefunden hat." Redner begründet den Antrag damit, daß alles kranke Fleisch, nicht bloß das äußerlich erkennbare kranke Fleisch untersucht werden nniffe. Auf dem Lande werde viel ungesundes' Vieh geschlachtet. In Nürnberg habe sich das Verhältnis zwischen gesundem und ungesundem Fleisch wesentlich zu Ungunsten des gc- sunden Fleisches verschoben, nachdem von der Sladtgcmcinde 13 Land- gemeinden eingemeindet ivorden sind. Abg. Wurm(Soc.): Es muß immer wieder konstatiert iverden, daß dieselbe Majorität, lvclche dies Gesetz annimmt unter dem Vorwand, die Gesundheit des Volkes zu schützen, hier die Volksgesuudhcit auf das äußerste gefährdet, indem sie die Hausschlachtungen ganz ohne Kontrolle läßt. Man sagt, die Durchführung der Kontrolle würde die kleinen Bauern zu sehr belasten. Dagegen wenden sich aber die Bauern selbst. I» einem Briefe eines Bauern in der„Deutschen Tageszeitnng" werde daranf hingewiesen, daß der mittlere Bauer selten. der kleine Bauer fast nie sich den LnxuS einer Hansschlachtung leisten könne.(Hört! hört! bei den Socialdcmolrnten.) Es ist festgestellt, daß in Nürnberg alljährlich.eine große Zahl von' Schweinen geschlachtet lverdcn, die trichinös sind.(Widerspruch.) Ja. Herr Nißler, warum sollten denn auch die Trichinen bei der blau- weißen Grenze Halt machen.(Heiterkeit.) Daß zur Hausschlachtung sehr viel verdächtiges Vieh genommen iverden kann, ist nnbestreitbar. Ans einer Ver- sanmrlnng des Bunds der Landwirte in Hannover wurde von dem Lehrer einer Forstwirtschaftsschnle darauf hiiigelvicscii, daß 60 Proz. des Viehs tuberkulös sei und dieser selbe Herr bestätigte, daß Händler berufsmäßig das kranke Vieh zum Berkauf auftreiben. Wir halten nach wie vor eine obligatorische Viehversichcrung in Verbindung mit einer obligatorischen Fleischbeschau für notwendig. Da diese ab- gelehnt ist, werden wir nicht nur gegen den§ 2, sondern auch gegen das ganze Gesetz st i m ni e n.(Sehr richtig! bei den Svcialdcmolratcn.) Ein Gesetz, das so de» unlauteren Wctt- bcwcrb fördert, kann niemand annehmen, dem es mit der Volks- gesundhcit wirklich ernst ist.(Bravo bei den Socialdemokratcu.) Abg. Dr. Heim(C.): Unsre bayrischen Bauern sind gegen die Untersuchung der Haus- schlacbtungcn. Sic sind auch ohne Untersuchung ganz gesund und nicht so degeneriert, wie die städtischen Arbeiter mit ihrem amerika- nischcn Geselchten.(Sehr richtig! rechts.) Ich möchte Herrn Wurm einmal einladen, ein Stück bayrisches Banerngeselchtes zu essen. Ich weiß nicht, ob ihm das zu essen erlaubt ist(Heiterkeit), aber es ist gut. Die Hauptkontrolle über die Gesundheit des Fleisches übt der Tienstbote aus.(Rufe links: Na,»a!) Sie keimen, wen» Sie das bestreiten, unsre Verhältnisse nicht. Abg. Frhr. v. Schele-Wustorf(Welse) beantragt, daß daS im Hause geschlachtete Fleisch auch der Unter- suchimg' dann nicht unterzogen iverden darf, ivcim es nicht ans- schließlich im HanShalt des Besitzers verwendet lvird. Ferner wünscht er. daß einzelne Teile von solchem Fleisch, das für genußuntauglich erklärt ist, in den Handel gebracht iverden können, wenn sie nach- träglich einer Untersuchung unterzogen sind. Staatssekretär Graf Posadowsky bittet den Antrag v. Scheie abzulehnen, da er besonders in seinen zweiten Teil dem ganzen Princip des Gesetzes widerspreche, der 2 wäre in dieser Fassung der Regierung unannehmbar. Eine gclczent- liche, entgeltliche Abgäbe solchen Fleisches würde übrigens nicht als gewerbsmäßiger Verkauf gelten. Abg. Baudrrt(Soc.): Gegenüber dem Herrn Abg. Heim möchte ich doch betonen, daß es weite Kreise von Bauern gicbt, die sich in ihrem Aussehen durch- aus nicht von Industriearbeitern unterscheiden. Man sagt vor dem HauS müsse man Halt machen. Hat man denn etwa beim Impf- zwang vor der Familie Halt gemacht? Das hat man nicht gethän, und mit Recht. Die Kosten für die Familien tvürden beseitigt sein, tvenn man unfern Antrag angenommen hätte, die Kosten für die Fleischbeschan auf das Reich zu übernehmen. Der jetzige tz 2 widerspricht der Grundlage des Gesetzes, daher werden wir gegen ihn stimmen. Abg. Wurm(Soc.): Es kommt nicht darauf an, tvaS man ißt, sonder» tvie viel nian ißt.(Große Heiterkeit rechts.) Die Jndiistriearbeitcr bekommen eben zu wenig amerikanisches Pökelfleisch, nicht aber, weil sie überhaupt solches Fleisch genießen, sind sie schlecht genährt, tvie Herr Heim meinte. Seiner Aufforderung, ein Stück bayrisches Banerngeselchtes zu essen, werde ich gerne nachkommen, wenn er es mir herbringt. Abg. Frhr. v. Schele-Wunsdorf(Weife) tvill seinen Antrag zurückziehen, falls die Erklärung des Grafen Posadowsky, daß ein gelegentlicher Verkauf von Fleisch nicht gewerbsmäßig gelte in die ÄusführungSbestimmungen des Gesetzes komme. Abg. Dr. Heim(C.): Mir ist doch der Jude lieber, der seine religiösen Gebote hält, als derjenige, der sie nicht hält. Im übrigen bemerke ich Herrn Wurm gegenüber noch, daß es darauf ankommt, was man ißt und wieviel man ißt. Thatsache ist, daß unsre bayrischen Bauern viel gesünder aussehen, als die Jlidustrie-Arbeiter. Ein R e g i e r u n g s r a t erklärt gegenüber dem Abg. b. Scheie. daß die Auslegung des Gesetzes den Richtern überlassen bleiben müsse. Bei der Auslegung des Nahrungsmittel- Gesetzes fei man auch davon ausgegangen, daß nicht jede Abgabe, die gegen Entgelt erfolgt, einen gewerbsmäßigen Vertrieb bedingt. Abg. Wurm(Soc.): Auf das Aussehen der Bauern allein kommt es nicht an, statlftisch ist festgestellt, daß die Jndustrie-Arbeiter größere Kontingente zum Militärdienst stellen, als die Bauern. UevrigeNS werden ja auch unsre Matrosen heute zum größten Teil mit amerikanischem Fleisch genährt, also so schlimm kann es doch nicht sein. Wenn Herr Heim dann schließlich antisemitische Neigungen verspürte, so ist mir das ja psychologisch erklärlich, eS war ja von Schweinerei die Rede.(Heiterkeit.) Abg. Dr. Heim(C.): Wenn ich so geschmacklos reden wollte, wie Herr Wurm zuletzt, müßte ich sagen: Der Wurm krümmt sich, tvie er kann.(Große Heiterkeit.) Mag toch Herr Wurm erst nachlesen, wie lebhast die Statistik, die er anführte, bekämpft worden ist, dann werde ich weiter mit ihm darüber reden.(Bravo! im Centrum.) Abg. Frhr. V. Schele-Wunsdorf(Wclfe) nimmt nach der Er- klärung des Regiernngskommifsars seinen Antrag wieder auf. Damit schließt die Diskussion. § 2 wird unter Ablehnung aller Abänderungsanträge in dct Fassung der zweiten Lesung angenommen.(Dagegen stimmen die Socialdemokraten und Freisinnigen.) Die ßZ 3—13 werden debattclos unverändert angenommen. Der§ 14a lautet nach den KonimissionSboschlüsseii:„Die Ein- fuhr von eingepökeltem oder ähnlich zubereitetem Fleisch, aus- genommen Schtoeineschinkcn. Speck und Därme, von Fleisch in Büchsen oder ähnlichen Gefäßen. von Würsten und sonstigen Gemengen aus zerkleinertem Fleisch in das Zollinland ist ver- boten. Im übrigen ist die Einfuhr von Fleisch i» das Zollinland bis zum 31. Dezember 1903 unter nachstehenden Bedingungen ge- stattet: Frisches Fleisch darf in das Zollinland mir in ganzen Tier- lvrper», die bei giindvieh ausschließlich der Kälber und bei Schweinen in Hälften zerlegt sein können, eingeführt werden. Mit den Tier- kvrpern müssen Brust- und Bauchfell. Lmigc, Herz, Nieren, bei Kühen auch das Euter in natürlichem Zusammenhang verbunden sein: der Bundesrat ist ermächtigt, diese Vorschrift auf weitere Organe auszudehnen. Zubereitetes Fleisch darf nur eingeführt Iverden, wenn nach der Art seiner Gewinnung und Zubereitung Gefahren für die menschliche Gesundheit erfahrungsgemäß ausgeschlossen sind oder die lln- schädlichkcit für die menschliche Gesundheit in zuverlässiger Weise bei der Einfuhr sich feststellen läßt. Nach Ablauf des in Absatz 2 bezeichneten Zeitpunkts ist die Einfuhr von Fleisch, ausgenommen Schweineschmalz. Speck, reine Olcomargarine und Därme verboten. Die Abgg. A i ch b i ch l c r(C.) und Genossen beantragen- 8 14a wie folgt anzunehmen: Die Einfuhr von Fleisch in luftdicht verschlossenen Büchsen oder ähnlichen Gefäßen, von Würsten und sonstigen Gemengen ous zrr- Ileinertcm Fleisch in das Zollinland ist verboten. Die Absätze 2 und 3 entsprechen der Kommissionsfassmig. Abs.. 4 bestimmt, daß die Feststellung der Unschädlichkeit für die menschliche Gesundheit als unansführbar gelten soll insbesondere bei Sendungen von Pökelfleisch, sofern das Gewicht einzelner Stücke weniger als vier Kilogramm beträgt; auf Schinken, Speck und Därme' findet diese Vorschrift keine Anwendmig. Weiter bestimmt der§ 14a' in der Fassung Aichbichlcr und Gc- Nossen: Fleisch, welches zwar einer Behandlung zum Zwecke seiner Halt- barmachnng unterzogen worden ist, aber die Eigcnschastc» frischen Fleisches im wesentlichen behalten hat oder durch entsprechende Be- Handlung wieder gewinnen kann, ist als zubereitetes Fleisch nicht anzusehen; Fleisch solcher Art unterliegt den Bestimmungen in Ziffer 1. Der letzte Absatz setzt fest, daß die Bedingungen für die Einfuhr von Fleisch nach dem 31. Dezember 1903 gesetzlich von neuem zn regeln sind. Der Abg. v. Bonin-Bahrenbusch(k.) beantragt folgen» den 8 14a:' Der Bmidesrat wird ermächtigt, abtveichend von de» Bc- stimmungen des§ 1. zur Einfuhr in das Reichsgebiet zuzulassen: 1. Speck, Schweineschmalz und Därme; 2. geräucherte Schtvciiieschinkcn und frisches Fleisch, letzteres jedoch nur in ganzen Ticrkörpcrn, die bei Rindvieh, ausschließlich der Kälber, und' bei Schweinen in Hälften zerlegt sein kölme». Mit den Tiertörpern muß Brust- und Bauchfell, Lunge, Herz, Nieren, bei Kühen auch daS Euter in natürlichem Zusamincnhang verbunden sein. Der Bundesrat ist ermächtigt, diese Vorschriften auf weitere Organe anszudehncn. Für die Zeit nach dem 31. Dezember 1903 sind etwaige AnSnahmebestiumnmgcn für die unter 2 genannten Fleischartcii durch Gesetz neu zu regeln. Durch 8 Hd ivird alles in das Zollinland eingehende Fleisch bei der Einfuhr einer amtlichen Untersuchung unterworfen. Aus- genommen hiervon ist das uachtveislich im Inland bereits unter- suchte und das zur unmittelbaren Durchfuhr bestimmte Fleisch. Nach 8 14o sollen die Bestimmungen der 8§ 14a und 14 b auf Wildprct, Federvieh und das zum Reiseverbrauch mitgeflihrte Fleisch nur in sotveit Anwendung siudcu, als der BüiideSrat dies anordnet. Abg- Dr. v. Lcveyow(k>: Wie verlangen für die Kosten, die dos Gesetz de» eandwirtschaft auferlegt, einen Ausgleich, und einen solchen sehen wir in dem Äompromißantrug. Wir vertrauen daraus. daß eine genügende Untersuchung des eingesührten zubereiteten Fleilchss erfolgen wird. Eine gewisse Kompensalisn sür die LanSwixtschof! liegt auch bei dem Sj Hb und c. Alle meine Freunde hätten gerne die Beschlüsse zweiter Lesung aufrechterhalten Da diese aber für sie Regierung unannehmbar waren, haben wir un? auf den Kompromitz- anirag geeinigt. Abg. Dr. Rösicke-Kaiserslautern(53. d. C.); Die Gewinnung und Zubereitung des anierikauischen Pökelfleisches kann nur in den seltensten Fällen nachzeprüsr werden. Darum sordern wir mit solchein Nachdruck. daß es von der Einfuhr ausgeschlossen werde. Die Schweiz hat es ja schon getha». Wie können wir denn die Einfuhr des Fleisches verantworten, von dessen Ursprung. von dessen Zubereitung wir aar nichts wissen? Wir wollen keineswegs, daß Fleisch einzuführen überhaupt verboten sei. Wir wollen nur. dasz die Ungerechtigkeit beseitigt werde. dast daS Fleisch vom Auslände nicht der gleichen Kontrolle ,i»ter>"orfen wird. wie das luländische. Wenn am deutschen Fleisch auch nur das geringste auszusetzen ist. so wird es amilich degradiert. Die Amerikaner dagegen pökeln das minderwertige Fleisch ein, und daS wird dann als gutes Fleisch dem Volt' empfohlen. Diese Ungerechtigkeit sollte längst beseitigt fein.-- Für den Kompromistantrag kann ich mich gar nicht begeistern Sollte er angenonnn'n ivcrde». so müßten wir gegen dag ganze Gesetz stiimueu. Denn das wäre dann ei» Gesetz zum Schaden der deutschen Landwirtschaft und zu Gunsten des Auslands.(Bravo! rechts.! Abg. Fürst Bismarck(k): Ich will nicht so tief in die Materie eindringen wie der Herr Vorredner Herr Rösicke hat gewiß vieles Zutreffende gesagt. Leider habe ich bei der Unruhe, die im Hause herrschte, wenig von seinen Ausführungen verstanden. Das Schicksal des ganzen Gesetzes hängt von dem Ausfall»nsrer Abstimmung über diesen K Ha ab. Wir haben uns zu entscheiden: Entweder das Kompromiß oder gar nicht» k Einige sagen nun zwar: lieber de» Status quo als das Kompromiß. Dicseni kann ich»»ich nicht au- schließen. Herr Rösicke hat die Sache so dargestellt, als ob durch das Kompromiß gar nichts verbessert»verde. DaS ist doch nicht richtig sich die deutschen Flcischefser jedenfalls bei Annahme dcS Komproiniß- antrags bester stehen als heute, so ivtrden wir vorläustg für dieses Kompromiß stimmen.(Bravo! rechts.) Abg. Wurm(Zoe.): Grade die Slrbciterkreise laufen das amerikanische Büchsenfleisch. Die deutsche Armee und die deutsche Flotte hat jetzt 20 Jahre lang amerikanisches comecl beaf bezogen; öS ist also ganz nnvcrständlich. ivie die Regierung dos Verbot dieses Fleisches zugeben kann. Freilich, sie braucht die Stimmen der Agrarier für die Flotte. Diese lasten sich vor Pfingsten bezahlen und bewillige» dann nach Pfingsten aus..Patriotiönins" die Flotte.(Sehr richtig! bei de» Socialdcm.) ES ist nicht wahr, daß das Fleisch in Amerika nicht untersucht wird. Die Fleischbeschau ist in Amerika außerordentlich streng und jedes Stück Fleisch wird zweimal untersucht.— Der gaiize Zweck dieses Paragraphen ist. der Landivirtschaft die stonkurreuz vom Halse zu halten, damit diese die Preise»ach ihrem Belieben erhöhen kann. Wenn Sie behaupten, das Gesetz sei nur auS hygienischen Rücksichten gegeben, so dürfen Sie nichts iveiter verlangen, als eine scharfe Kontrolle der Einfuhr, ivenn Sic aber niit Einfnhr-Berboten vor gehen und gar nicht erst prüfen wollen, ob da« eingeführte Fleisch gesimdjst oder nicht, so gehen Sie einseitig im Interesse der Agrarier vor. Im Namen der arbeitenden Bevölkerung protestiere ich gegen eine derartige Gesetzgebung.(Lebhaftes Bravo! vei den Social demokraten.> Abg. Fitz(natl.): Meine Freunde werden für das Kompromiß stimmen, wenn uns auch der Antrag Bonin viel angenehmer ist. Leider ist aber die Regierung für diesen Antrag nicht zu haben. Hierauf wird ein Schlnßantrag gegen die Stiimnen der Liilkeit und Socialdemokrate» a n o c n o in m c». Abg. Reisthan»(Soc.. zur Geschäftoordnniiq): Ich wollte nur bemerken, daß inir durch den Dchlußautraq öie Möglichkeit ge- »ommen ist. ausführlich die unheilvollen Äirkmigen dieses Paragraphen ans die Industrie des Meiiiinger Oberlands darznlegen. Abg. Dr. Müller-Eagan(frs.Bp.): ES ist uns»»möglich, für den Antrag Aichbichler zu stiimnen, wir wollen lieber gar kein Fleischbeschau-Gesetz als ein schlechtes! Abg. Baudert(Soc.): Mir ist durch den Schlußanlrag die Möglichkeit genommen, n»f die große Anzahl von Petitionen cinzu- gehen, die aus de» Kreise» der Textiliiiduftriellen und der Arbeiter dieser Industrie gegen diesen Paragraphen eingegangen sind. Auf Antrag des Abg. Dr. Rösicke- Kaiserslautern»B d. L.) ist die Abstiiiininug über den Antrag Aichbichler eine nainenikiche. Zur Uiilerstützung diese« Antrags erheben sich die Socialdemokrate». Freisinnigen und die intransigenten Agrarier der Rechten. Der Antrag Aichbichler tvird in namentlicher Abstimmung »nit 158 gegcil 128 Stimmen a n g e n o m in e n. Damit sind dw Beschlüsse ziveiter Losung und der A» t r a g v. B o n i n gefallen. Der Rest der Vorlage wird ohne Debatte angeuommen. Die Sesamtabstimmung wird auf Antrag deS Abg. Singer(Soc.) ausgesetzt. Die Petitionen werben durch die Deschlußfastlmg für erledigt erklärt. Di««orlage ist in dritter Lesung angenommen. Hieraus vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Mittwoch 11 Uhr. Nachtragsetats. Gesamt- abstinlmnnq über das Fleischbeschau-Gesetz. Dritte Lesung her zurück- gestellten Paragr-phen der Geiverbe-Ordniings-Rovelle. 8. Lesung der Münzgesetz-Novelle. Schluß« Uhr.____ Klus dvv Fruneubemeguttg. Zln die Genossinnen i Die socialistischen Frauen Deutschlands haben es für eine Shrenpll'ch: gehalten, durch Delegierte an jedem der internationalen Socialisten-Kongresse teilzunehmen, welche seit l88S abgehalten worden sind. Ebenso waren sie auch 1897 ans dem internationalen Kongreß für gesetzlichen Arbeiterschuy zu Zürich vertreten. Die Berliner Genossinnen glauben deshalb im Einverständnis mit den Genossinnen des ganzen Reiches zu handeln, wenn sie befürworten. daß die deutsche proletarische Frauenbewegung auch aus demPariser Kongreß vertrelen sein soll, der am 23 September d. I. zusammen« tritt. Und zwar sind sie der Ansicht, daß die Genpssiniien Deutsch« lanhK sich über die Entsendung einer geinetiisamen Bettrettma vcr« ständigen sollte». I» Hinblick aus die Kosten, welche durch die Delegation erwachsen, wie auf die dringenden Ansprüche, welche die ständige Agitation an uns« b-scheidenen Mittel stell«, empfehlen die Berliner Geilossinnen. nur eine einzige Delegierte nach Paris zu entsenden. Als Delegierte schlagen sie Genossin Zetkin vor. J>n Auftrag der Berliner Genossinnen bringt die Unterzeichnete die vor» stehenden Borschläge zur Kenntnis der Geiiosstunen Deutschland« und ersucht dieselben, ihr möglichst bald ihre Meinungsäußerungen einsende» zu wollen. Mit socialdemokratischem Gruß Ottilie Baader. VerirmienSperson, Berlin 0„ Straußbergerstr. 28, IV Tie Opfer der hentigen Fabrikarbcit. Die breniische Fabrikinspektion hat über die Verhältnisse der der« heirateten Fabrikarbeiterinnen aus Anlaß der bekannten Reichstags« beschlüsse eingehende Erhebungen angestellt, die i» dem jetzt erschte- neuen Jahresbericht für 1899 mitgeteilt werden. Davon sind be« sonders die Angaben über die Gesnndheitsverhältmsse bemerkenswert. Danach sind nnter 301 verheirateten Frauen der bremischen Jute- Spiitnerei»nd-Weberei 90 Frauen gleich 80 Proz. leidend. Die KraiitheitSerscheInmigen sinv: Magenleiden, Brust-»nd LllNgenleideii, Kopflcide», Nhcninatismns, Fnßleiden. Augen- und HalSleide» außer geringen andren liebeln. Boriviegend i» Betracht kommen: Magenleiden, Brust- und Luiigeiileiden, Kopfleiden. Rheu« matismns. Fußleide». Als Gründe der Erkwiikinigeu werden angeführt: Schlechte, dicke Luft. Oeldnnst, Juteftanb. ungleiches Heizen. Steinfnßbodcn. langes Stehe». In der C i g a r r e n i n d u st r i e sind von 120 in Fabriken be- schäftigte» verheirateten Frane» 45= 37,5 Proz.. von 143 in der Hausindustrie beschäftigte» verheirateten Frauen 91-- 03,63 Proz. leidend. Im ganzen genommen sind also bei 136 von 236 Frauen — 51,71 Proz. Franen-Erkrankuiigen zu verzeichnen. Als Krankheiten werde» aufgeführt: Brust- und Lnngeuleiden, Magenleiden. Blutarmut und Bleichsucht. Äopsschmerz, Uiiterleibsleideit. Nhcumalismns, Halslranthciten und Augenleiden. Bon diese» Er- kraiikniigen trete» besonders hervor: Lungen- und Brnstleiden. Blutarmut. Bleichsucht. Rheumatismus, Kopfleiden. Ucber die Wirkungen der Frauenarbeit auf das Familienleben giebt die Feststellt»!.» einigen Aufschluß, daß von 628 Kindern unter 14 Jahren 184= 29,8 Pro,, in Pflege gegebe» sind. während 366— 58,28 Proz. sich zumeist selbst überlassen sind und der mülter- lichen Erziehung fast ganz entbehren. Wo« verdiene» diese grauen? Ihr Stundenlohn schwankt zwischen 9.5 und 28 Pf., doch sind es inir reichlich 11 Proz.. die mehr als 20 Pf. die Stunde verdienen; 68 Proz. haben nur bis zu 19 Pf. die Stunde. Der Wocheuvcrdienst bewegt sich zwischen 5,40 M. und 15,60 M., cS sind aber nur 7 Pro,., die mehr als 12 M. verdienen, dagegen 52 Proz.. die weniger als 10 M. verdienen. Warum gehen diese Frauen in die Fabrik und warum lassen sie ihre Kinder auf der Straße verkommen? Weil ihre Ehemänner nicht genug verdienen, um die Familie zn ernähren. diejer Arbeiterinnen verdiemeii wöckentlich: 9-12 M. 18,52 Proz. unter dem. was sür eine Familie das Existenzminimum bildet. Die grauen mitsjen ans Kosten ihres„trauten deutschen Heims", auf Kosten der moralischen und sittlichen Gesundheit, ihrer Kinder und schließlich auf Kosten ihrer eignen physischen Gesundheit dazu bei- tragen, die Familie vor dem Verhungern zn schützen. Wurstschalcnsuppe. Die von uns vor einiger Zeit gebrachte Notiz über Wurstschalensuppe für Dienstmädchen stützte sich bekannt- lich ans eine Briefkastenanfrage in der Zeilichrift„Fürs Haus". Die Herausgeberin dieser Zeilschrist. Clara v. Studnitz. ersucht'uns nun. mitzuteilen, daß sie diese Anfrage nur veröstentlicht hat,„um der- artige Genußmitlel. welche manche sür die Dienstboten für gut genug halten, als menschenunwürdig zu brandmarken". Gleichzeitig läßt uns die Dame eine Nummer ihrer Zeilschris! zugehen mit vier Antworten aus diese Frage, die alle eine sehr scharfe Verurteilung der Anfragerin enthalten. Vevfttmmlungen. Tie Varkettbodcnleger haben zwecks allgemeiner Durchführung des aufgestellten LohntarisS bei säintlichcn Firmen eimniitig die Arbeit eingestellt. In der gut besuchten Versammlung, die am Dienstagvormittag im GewerteschastShause tagte, konnte berichtet werden, daß die Sittialion für die Ausständigen eine recht günstige ist. Die Forderungen sind im allgemeinen als berechtigt anerkannt worden, und fast sämtliche Unlernehiner haben sich zu Berhand- Iiiiigen bereit erklärt. Die Verhotidlunge» sind bereits eingeleitet. Insbesondere soll dahin gewirkt werden, daß der Tarif einheitlich für ganz Berlin festgelegt nstrd. Unter allen Umständen soll die Arbeit so lange ruhen, bis von der Konnnission ein Resultat erzielt und eine Versammlung andre Beschlüsse saßt. Eingegangene Trnckschriften. Ed. Bernsteiu!„Zur Frage SodallideraliSvms oder SollektiviSmuS?" Berlin 1900! Verlag der Saeialisiifchen Monatshefte PreiK 60 Pf ®v. Ladislaus Gnmplowtcj:..Ehe und freie Liebe" Berlin 1900; Verlag der Socialistischen Monatshefte Preis-0 Psg. Agit.- AuSgabe PreiS 20 Pf. Marklprekfe von iverlin am IS. Mai IVOS »ach Erniiltliiugen de« tgl Polizeivrabduinis. Bon den Ehemäimeru 13-15 16—17 18-20 21—30 24.24 15,5 33.68 8.8 Es ist also nur ein verschwindeud kleiner Bruchteil der Ehe- Männer, der mehr als 20 M. die Woche verdient, so daß man ruhig sagen kann, fast sämtliche Ehemänner bleibe» niit ihrem Btrdienst 16.40 16,05 15,03 15,01 14,60 14,— 13,40 15,30 14,80 14,30 JO,— 45,- 70.- 15,04 15,02 15.- 14,10 13,50 13,- 14,90 14,40 14,- 25,- 25,- 30- Kartoiie!n,nene.D-Ctr. Nindfleilch. Keule 1 kg do Banch. Schweinefleisch Kalbfleisch Haminelsleisch Butter Eier karpsen Aale Zande« Hecht« Bari»« Schleie. Bleie Kr«b!e per Schos «0 Stück > kg »)Wclziii, gut D-Etr „ nilttcl gering »ZRogge», gut „ intltel gering ßZGerstr, gut „ ililttrl gering �liiafer. gm uilttet . gertug Nichtstroh He» Erbsen Vprlsesohne» Linien ♦) ab Babn. t) ob Bahn oder frei Wagen Produkte» markt am S2 Mai. Getreide. Der Frühinarlt verkehrte im Äcgeilsns zu gestern in matter Haltung und die von vornherein leicht abgeschwächten Preise blisbeu mittags unerholt. Lieferung«» war«» durch eniiähigt« Prrisnoticrungen an den Märkte» Bestreich-UngarnS u»0 Nordainertkas iingsinstig beeinsiubt, ein nennenswerter Rückzang, ins- besondere der Roggenpreise, wurde durch übertrieben klingende Saatenstauds- klagen aus dem Unlande und etwas erhöhte Forderniigen sür russische Ware verhindert. Das Wetter wurde dadurch gegenstandslos, dag der günstig«» Eimvirlung der eingetretene» Wärm« wieder der Mangel an Rege»«»t- gcgenstcht. Weizen gab im Lieferungshandel über 1 M nach, Roggen war etwa 0.50 M. billiger zu haben. Späterhin gingen die Preise noch weiter zurück. Auch die Preksgestaltung im Effektivgrfchäst war dadurch etzuger- masten ungünstig beetiifiuhl, obwohl da« Angebot Nein bleibt. Hafer lag gut behauptet Mais loco fest, da Ware für noch nicht erledigt« Man licserungen gebraucht wird. Riiböl ans Rcalifatione». die durch da« der Rapssaate» günstige Welter veranlalU wurden, wesentlich niedriger. Spiritus loco unveiändert.- Schlug: Brotgetreide besestigt «vitterungsüberslch» vom S». Mai IVO», morgen»» Uhr. Statioue» sß Swineinde. Hamburg Berti» Fraiits /M München Wien 764 SSO 781 SO 764SO 788 i®0 766 still 757.0 W«U«r I öhciter Äwvlkenl 1 wolkenl Iwolkenl — imolkenl I'woilcnl «8 8« Siaiioneu Haparanda Peteröbirra Cork Aderdee» Pari« P> S ä s 752 SM 760 WVW 74415© 745030 762 S3W Wettir 2 bedeckt Iwolkenl K.Regen bivoltig Zheiter w« Ii «5, 2 « 12 11 14 Zvetter Prognose für Mittwoch, den 23. Mai l90v. Etwas wärmer, vietsach heiter, zettivels« wolkig bei ziemlich frischen südlichen Winden: Gewitter nicht ausgeschlossen, sonst trocken. Berliner Wetterburean. Orts-KranKenKasse der SaiileirM Todes Anzeige. Sonntag, den 20. d. M., verstarb «» Lnngenlatarrh das Mitglied ßietlai'l! Neumann im Alter von 33 Jiühren. WerkfteUe von Dirken. Die Beerdigung fuidet Donnerstoa, nachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle der George»- Gemeinde tWeißensee) Rälteftraste ans statt. F. 2l.: Atzmann. Rcndant. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und reichen Kranzipendcu bei der Beerdt- anng meines lieben, mtpcrgoglrcheli Mannes, kirrvl I�aoolivI, jag« allen Freunden und Kollegen, sowi« dem Geiangvercin Georgina und dem Socialdemokratischen Wahlverein tm 4. Wahlkreis nieinen herzlichsten Dank. llkkbs Die tidstranernde Gattin: »lart« Nstenel geb. S a r w a s ch. SollillieiiiollMscher Zviiiilt'erei« für dt» S. Derliiier Rtlchsliigs-Mahlllrelo. Mittwoch, de» 23. d. M.. abends 8>/, Uhr, im„Alten Scliiltsienhans", Ltninnftr. 5; Versammlung. TageS-Ordnung: I Fortsetzung der Disknsno» über die m der Generalversamuilung gestellten Anträge. S. Aerciiiöangelcgenheileil. Gäste sehr emünfcht. Zahlreichen Besuch erwartet 245/8 Ider Vorstand. Verein der Former. Morgr». HimmelsahrtStag: Herren-Partie (T* nach Potsdam, Ravensborg;«, Teufelssee._ Abfahrt srüh 6 Uhr 55 Mitiuten vom Potsdamer Bahnhof.(61/4 Danksagung. Für die vielen Beweise ausrichtiger Teilnahme an dem Begräbnis meines lieben M.nmeS(47Z7L keioiwZlj sage allen Freunden und Bekannten sowie dem Verein n»d den Kollegen vicinen hcrzitchstcn Dank. Vltdalmin» 8iick»r» nebst Kindern Mengen! welche Sonnabendabend zw 8—7 gesehen haben wie ein alter � Manu in der Relchenbergerstrahe. zw. Mariannen— Lmseiilhcater. geschlagen worden ist, werden ersucht ihre Adresse bei Baum. Retchcnbergerstr. 170 1, abzugeben._ 1171b Mml Msteumacher. Mml T�onnerstag, den 24. d. M.,(Himmelfahrtstag) Herren-Partie naeli Straussberg."Mß Trestpunkt früh>/,7 Uhr im Arbeitsnachweis BreSlancrstr 28 Abfahrt 7 Uhr 3 Min. vom Schlefifcheil Bahnhof. Nachzügler bis 9 Uhr im Restaurant..Strauhberger WaldichlLszchen". 94/16 Um zahlreiche Betcliigvng bittet Iber Vorstand..I. A: K a r I I u ck e k. Restaurant„Reue Mühle". Telephon: Nr. 57, Amt Köntgo-Wiisterhaufen � I. Radfahrer« P n in p st a t t 0 n. Empfehle mein zu Neue-Msthle bei KLnigs-Wnsterhausen gelegenes Restaurant allen gefchatzten Vereinen Fabriken und Aelellschaften. It. Riedel. Gastwirt. Am k. und S. Feiertag:«rosses Früh-Konzert._ flvmmnnbamen- AZettes Klub-Hans Jeden Sonntig, hlttwoch, Oonnerttag: Grosser Bnli.[45788* Grob« und Net»« Säle mit Bühne zu Versammlungen, Festlichkeiten sc. zu vergebe». Einige Soimabende u. Sonntage nach frei._ H. Eberl. »e -Marienlnst". Tenfelssee" Mügge.be"ge».„ J»h.: O. bttrekeliliatin, Besitzer des RaiserhofS. KSpcnick. Empfehle beide Lokale mit grsste» Sälen und Gärten, jedes circa 3000 Personen safsend, mit Dainpferbriiile».»taUnngen für 40 Pferde, Volksbeliistiguuge» aller Art.__ 45S18* Restaurant Pferdebneht b. Köpenick (20 Minuten Waldweg. Von Berlin per Fuhrwerl über Kanlsdorj i» 1 Stunde zu erreichen.) Herrlich im Laubwald gelegen, bietet es Vereinen und Gesellschaften einen angenehmen Ausenthalt. 100 Morgen Spielplätze, > Kegelbahnen, Kaffeclüche, groher Tanzsaal und Hallen sür ca. 1000 Personen. Re» erbantc Stallungen für t>0—«N Pferde. tMH Gute Speisen und Getränke. Eivile Preise. sSvlzL- Regem Bestich sieht entgegen hochachtungsvoll 4VUIaeIna Brüsewltx. AMiliig! Parkettlioileiilßger, M1«m] «M Donnerstag(Himmelfahrtstag), den 24 d M, vormittags K II«PPSIKp»A'tt«."WU I SV, Uhr in„Hoffinanns Bolksgarteu". Spandauer- Lhaustee, Westend. Nachzügler: Treffpuntt Pichelsbergc„Kaifergartcu". Ktelitanx! Adlershof. Aohtnng! Da mit nach wiederholleu Gciuchcn öffentliche TailZlUstbarkeiten ooin Amtsvorsteher Herrn v. 4>ppeia nicht gestattet sind, fo stelle ich meinen Saal Vereinen und Gesellschaften»» Festlichkeiten zur Verfügung und bitte ich. mich bei Nnsflng«» gütigst berücksichtigen zu wollen. 473vL' Achtungsvoll ranl kSelliaanser. Künstliche Zähne. 3 M. an. von züglich, setzt schmeril ein Plombiere», fchmcrzl Zahnziehen, gahnschm. des. Rep los Goldstei». Oranienstr. 123. 8cli ul tze, Wasscrthorstr. 1/2, I Behaudlnng aller Haut-, Harn- mid Blasenleiden ohne jegliche BeruiSstörnng. 39731,» 'Svrechsnindcn 9—2 u. 5—9. Donnerstagvormittag keine _ Svrechstnnde. mr Bei Vorzeigung der Vcrbands'arte 10 Proz. kiiilige ilch fiic trre!l"K>!abe>l ß Grösite Sluswahl in tu- nnd ans- ländifchen Stoffen für Paletats. «nzüge, Beinkleider?c. werdcil unter Garantie des guten Sitzes z» überans billigen Preisen schnellstens angeiertigt«1» Tnchgeschäft b-t l.hrie.Wllemsi'str.ll. Zpövk ScnMwurst, nur deutsche War« k mager a Psd. SS Wg. bei 5 Pfd.»Psd.S» tetter„ 55„ priniaa Psd. 1,10, betdliert»' a Pfd. I» Mg. E. Kiähn, a Psd. 90 p«g. liiideii- Sttaße 10. Ttilsiihlinig Garderobe nach Mast, auch bar Koss« mit lleinsteni Nutzen 4. Tornporowtkt, Schneiderüleister. Ncanderstr. 16 II. ftiit de» Inhalt der Inserate kterniimnt die Ncdaitio» dem V-bliknm gegeniiber keinerlei BeranltnertnnG. Ä�lzenkev. Mittwoch, den 23. Mai. rpevnhans. Der Wildschütz. Zlni. 7V2 Uhr. «chanspielhans. Da» Winter- mürchen. Ansang?>/- Uhr. Denische«. Die Kreuzelschreiier. Ansang?>/, Uhr. Lessing. vaiaz?(A runawiy girl). Anfang 7t/, Uhr. Berliner. Ueber unsre«rast. Ans. 7'/, Udr. Rene». Da» Gtiftungssest. Anfang ?'/, Uhr. Residenz. Die Dame von Maxim. Ansang 7t/, Uhr. kvrsien. Di« Geisha. Ansang 7t/, Uhr. Echilier. freudlose Liehe. Hieraus Durch» Ohr. Ansang 8 Uhr. Thalia. Wie man Männer sesiclt Anfang 7t/, Uhr. Lnise». Der Hüttenbesitzer. Ans. 8 Uhr. Central. Berlin nach Elf. Ansang 8 Uhr. Carl Weift. Kämpfende Armut. Anfang 8 Uhr. Victoria. Die Kanonen-Königin. Anfang 8 Uhr. Friedrich- WilhelmstädtischeS. Ein gesunder Junge. Anfang 8 Uhr. Belle- Zllliance.(Internationale Urania.) Bis ans Ende der Welt. Anfang?>/, Uhr. Victropol. Specialitatenvorstellung. Der Zauberer am Nil. Anfang 8 Uhr. Ilpollo.«pecialitäten- Vorstellung. Im Reiche des Jndra. Ansang 8 Uhr. Meichsliallen. Siettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Pasfafic- Panoplituui. Speciall- tälen-Varstellung. Urania. Jnvaltdenstr. ö7/tiS. Säglich abend» von ö— 10 Uhr: Gleruwarte. Tanbeustrafte 18/49.«Senbi 8 Uhr(im Thcatersaal):„Bon den'Alpen zum Bcsuv"._ LUMHtlittl' (Wallner-Theatert. Mittwoch, abends 8 Uhr: Zum erstenmal: I'l'vuell»«,« Dilebv. Schauspiel in 3 Akten v. G. Giacvsa, deutsch von O. Eisenschitz. Hieraus: Die SehnlreUcrln. Lustspiel in 1 Akt von Emil Pohl. Donners tag, abends 8 Uhr: rrenckleae Lilebe. Hieraus: Die Schule der Frauen. Freitag, abends 8 Uhr: Mobe. Hieraus: IderDlciicr zw eier Herren. Criitrnl-dicsifcv Zellsationelltr Lalherfolg! mr Ansaug 8 Uhr.-HM Berlin nach Elf. Gr. Posse in glänzender Ansstaltmig. Die sensationellen Schlager: Liaanbadn- Yuartatt I Cordula! Lebenslauf einer«ünstleri»! Aufzug der Parfunia. (Blendendes Ballett.) Sonntag bis inkl. Sonnabend: Berlin nach Elf. TKaüa-l'lieater. Tel. AmtIVa 6440. Deeedenerstr. 72/73. Gastspiel Annie Dirkeus. Wie man Mäniltr sejselt. Baudcville- Posse in 4 Alten. Musik v. Victor Roger. Anfang 7'/, Uhr. Morgen und solgende Tage: Wie man >raen und solge Männer fess rlt. IßMBl'sllKSlKf. Behrenstr.-ö/b7. Direltion R. Schultz. Telephon I 2126. >M- Um 9 Uhr 10 Min.:-MF Der grduate Operetten- Erfolg der letzten X Jahre. Dor Zauberer am Nil. Burleske Auestaltungs Operette sowie ilas neue erstklassige Mai-Specialitäten-Programm Anfang täglich 8 Uhr /auch Sonntags). Rauchen überall gestattet. On rlW eiss-Th eater «r. Zrautfurterstraftr 13». Novität. Novität. Kämpfende Armut. Sociales Schaujpiel in 3«kt v Körner Anfang 8 Uhr. BorzugSbillets haben Gültigkeit. Im Garten:_ MM- Frei-Konzert. Anfang 7 Uhr. Morgen: Httmpfcnde Armut. Ansang 8 Uhr. Donnerstag, Htwmelsahrt: Im Garten: «r. Theater.vorstcUnng. Konzert und Specialitäten. Ansang i'/i Uhr. Urania Tanbcnatraaze 48/40. Im Theater abends 8 Uhr: „Von den Alpen mm Vesnv". Invalidenatr. 57/68: TSfll. Sternwarte. Nachmittags 5—10 Uhr. 'Passage-Panopticii; Riesen und e. 10 Uhr vorm. bis 10 Ühr abda, Passage-Theater: Vorstellung; von 7—10»/, Uhr. castahs" PANOPTICUM Frledrichztr. 165. Orösste Sehenswürdigkeit der Residenz! Hau J Mr Boberts, der nCU. erste Zauberkünstl. und Illusionist der Welt! Np n f Die Bückeburger, • u• humoristisches Singer- und Komert-Ensemble. Entree SV Pf. Kinder n. Militär ohne Charffe «5 Pf. Apollo-Theatep. Nur noch bis LI. Mai: Im RaiGhe des Indra. Vom 33. bis Ul. Mai: Ein Abenteuer im Harem. Ab I. Juni: Venu»«nf Erden. _ KassenerSffnu»« 7 Uhr. Konzert. 7 Uhr"96/ Anfang der Borstellung 8 Uhr. W. Nsaciis Tlieater. Bruuiieustrahe 16. Jeden Sonntag. Dienstag und Donnerstag: Dbeater- Vorstellnng. Ein Bengalischer Tiger. Lustspiel in 1 Akt von Otto Randolf. List und Phlegma. Posse mit Gesang in 1 Akt von Angely. Im wunderschöneu Mouat Mai. Liederkpiel in 1 Akt von Stinlenbrnd. M& Kroßer StoMK Deutsche Konzerthailen Spandaner Brltcke 3. Einzig in seiner Art. Ohne jede Konkurrenz. Billigste Familien- Unterhaltung. Wachent. abendS 6 Uhr freies Entree. wta sscn-Konzerte. Italien. Janitscharen- Bande Rocco. Tyroler Alpensänger Michel Höpp. Rumänisches Orchester Laser. Oestreichische Damenlapelle Hangard TheateriZlbtcilung: Abends 7»/, Uhr. AIHteStv Scliaustelliios der Erde. Kurfürsten-Damm. Heute am 3 und H Ehr und twefmal täglich um dieteibe Zeit. Nur bis zum 10. Jnnl. Die Sehenswürdigkeiten sind um t und v'/z Uhr zu besichtigen. Billetverkauf um dieselbe Zeit an der Kasse. Die Nachmittags-VorsteUungen sind garantiert dieselben wie am Abend. Die Abnormitäten sind in dem Menagerie- Pavillon von 1 bis 4l/j Unr und von 6Vz bis 9'/, Uhr ausgestellt. Das die Nachmittags- Vorstellungen besuchende Publikum wird höflichst gebeten, die Zelte um 6 Uhr zu verlassen, damit die Abend-Vorstellungen vorbereitet werden können. m Entree iür sämtliche Sehenz- M Würdigkeiten n. Sitzplatz für I NM, d. Olrkas-Tarztellang. I M n Bessere Plätze 2 Hk. Ji Hllli« Reserv. n. numerierte Plätze 3, 4 a. 6 Mk. Kinder unter 10 Jahren zahlen die Hälfte für alle Plätze mit Ausnahme der 1 Mark- Plätze. Sämtliche Plätze sind numeriert mit Ausnahme der 1 und 2 Mark- Plätze. 4 und 6 Mark-Plätze im Vorverkauf bei Paul Grimm, Cigarren-lmporthaus, Unter den Linden No. 47. Alle}it VemMMitn und Versammlungen zu vergeben. Scholz, 4Ö42L« 61r. Emnkt'nrtol'etr. 74. „See-Terrasse", Lichtenberg, ' Röderslrasse 6. (Die breite Röderstratss verbindet das Steuerhaus Landsberger Allee mit dem Dorfe Lichtenberg) Zu Fuss in 8 Min. v. den betr. Eingbalmstationen u. Haltesteil, der elektr. Bahn erreichbar. Vergnügungs-Etablissement I. Ranges 20 Of°28fnd.80nea Donnerstag, den 24. Mai, am Himmelfahrtstage: Grosses Briliant-land- und Wasser-Feuerwerk. Grosse Scblachtmusik, ausgeführt von 3 Kapellen. Im Bai champetre; GrOSSGF TflllZ. Im Theatrc Variete; Grosse Extra-Vorstellunj;. 4 Kegelbahnen.«O Ruderboote, Stallnngen, Schntshttnser für 100 Fahrräder. Familien kdnnen ICafTec kochen. Eintrittspreis, 20 Pf., Kinder frei. BeHe-Älliance-Theater. Im herrlichen Sommergarten: (vornehmstes u. groharliaftes Iommer- Elablistement der Residenz) Grosses Garten- Konzert. Sensationelle Neuheit: » Elektrische Zniibcrbäniile.>W Anfang 6 Uhr. Eintritt 7ö Pf. Abonnemeiits snr die ganze Saison gültig: 5 M. resp. 3 Dt. bis 1. Juni an der Theaterkasse. Ab 1. Juni 10 M._ Victoria-Theater. Alcxanderplatz. Novität! Zmit erstenmal: Die Ranonenhönigiil. Schwank mSUiLnachdcmFranzöfischen von Grirardin. Ansang 8 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Relchshallen. Täglich: Stcttlner Siinger. Anfang; Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Entree 50 Pfennig. Boro erkauf 40 Ps. Wo amüsiert man sich grossartig? Hasenheide 21 und Jahnstr. 8 in Schnegelsbcrgs Festslilen, Jnh.: Max Schindler.— Telephon: Amt IV Nr. 1132.— SV Heute: Grosser Ball,"•E als Tvecialität: Pfannkuchen-Regeu. verbunden mit Schlangen- u. Aptelslnen-Rege» u. divereenvederraschungen. Täglich: Speeialitätei, Borstelluug. Entree frei. Empfehle den geehrten Geiverkschasten. Vereinen, Fabriken:c. meine Säle, 300»nd 1200 Personen fassend(mit Bühne» zu Versaninilungin und Fcstlicht"iteii jeder Art. s44ij4L� HWM——»B WilMI lifeaiWBMM—MM— Schweizer Garten Am Königsthor.— Haltestelle der Ringbahn.— Am Rrledrlchehain. «hr Donnerstag, 24. Mai-WU Garten- Konzert und Extra-Vorstellung. Polksbelttstigttngen 1 3m 3' aller illrt. I �7»». � �ei�tag Mjh-Alljttt lllld Eintritt 3« Pf. Eintritt 30 Pf. Lcgiml der Hliilptsllison Hill! der tligl. Porfttllli Ilgen. Extra-Vorstellung. Etahiissement„Südost" Waideinarstr. 75.[447ÖL* Mehrere Sonnabende u. Sonntage im Mai, Juni, Juli zu vergeben. NerhausMrnErlilnger Oranienstrasse 108 empfiehlt seinen 47042* grossen Millag-n. Abendtiseli sowie 10 versch. Sorten hiesige«. echte Biere. Ergebenst A. Biiiiitz. Nord» West Köpenick. Empfehle Vereinen u. Gesellschaften mein Kanlsdorferstrasse 3 gelegenes Rcstanrant mit schat- tigem Garte», b Minuten vom Bahn- das. Gute Speisen und Getränke, jwsseeküche, Kegelbahn, Ileiucr Saal und Vereinszimmer. 47382 Gustav Litidtcke, früher Pferdebucht. Waldkater! Friedrichehagen, herrlich im Walde, nahe der Bahn gelegen. Verdeckte Kegelbahn, Tanzsaal. Allen Berrinen »nd Ausflügler» als Sammelplatz bestens empfohlen. llßSb Carl FrK-k. Engen Nenmann& Co. Amt IVa. 7130, Belle-Alliauce- Platz 6a, Amt IVa. 7950,— Wilsnackerstrasze 25. — Neue Friedrichsir. 81.— Oranienstr. 100.— Gentbinerftr. 29. Schöneberg, Hauptstr. 129.- Grüner Weg 56.— Elsasserstr. 19. Charlottenburg, Kaller Fricdrichstr. 48. Lmxfohlo gsdsrrnann einen Versuch mit Gluten-Kakao GemQse« und Kraftsuppen Bouillon>Kapseln Suppen-WUrze Nahrhaft, wohlschmeckend, billig, bequem. S 0., Schmldetr, 40, ™hi H. GrassbolT, Seiden• Hut- Fabrik von Carl Renz, 3 Oranlen-Strasse 3. Stroliliüte, Scliinn- nml MützenrLager. Reelle Bedieimng. Etablissement Eiskeller Berlin X.. Chausseestrasse 88. Oekonom: Karl Winkler. Erlaube mir den werten Vereinen und Gesellschajten dieMitteiinng zu machen, das! meine Säle, 400-1000 Personen fassend, zu allen Festlichkeiten n. Versanim- llingen gratis zur gütigen Ver- sllgung stehen. Vereinszimmer mit Piano. 2 franz. Billards. Um gütigen Zuspruch bittet N75bs Karl Winkle?. l/AHNSCHMERZfegg beseitigt ,|ofort aUSfef Carva inplomb.Flaxhs �3 BOA zu heb linallen Progifi Nimm kelria Nachihmun Trotz lolostaler Preissteigerung aller Artikel noch zu den alte« bekannten billigen Preise«: iür Herren o. 2 II. an Feinere Qualität . 3,40 Mk. an. ZtihttlMU 4.50 M. bis zu flCIUfllplt feinsten Qualitäten. itroliiiiitc neuc,'te,: 9ß-#beaujj yviiiiiiiit;» "i i Hute _ nahmsweis« billig. Kinder-Strohhüte(beliebte Mal- >ow-Fa?ott) von 4U Pfennig an. Regenschirme, Sonnenschirme i.SOM.an. Plastron- Fagon _(Neuheit) rein seiden 0» Pf. .••• v Oberhemde«, 1■ Krage,».Manschetten, Servi- ' 0 tenrs in bester Qualität. farbige GlaeHs, Paar .»«M.:: iviv-iiapon) vvil i" P bdiiritte- KramM Hanilscliiiliu.»; Crottmaun, Gr. Frankfurterstr. 130 u. 117 J s o f a s t o ff- Reste ausreichend iu Bezügen, in Wollrips, Damast. Phantasie, Ifioquet und IMiisch, sowie Sattel taschen, nnr gute ttnalltüten, bedeutend unter Preis. J. Adler Teppictte, Könlgstr. SO, dicht am Ratbaas.[39141.* Donnerstag, den 24. d, M.: Sprechstunde nnr 10—12 Uhr. . med. Schaper, Specialarzt fÖP Hllllt- UUl! Harnleiden, 4732c* Frauenkrankheiten. Königgrätzerstrasse No. 27. Sprechst. 9—1, 4—7 Uhr. Wein-Grosshandlung Fabrik feinster Liqueure Irischer Maitrank 1|1 Flasche 50 und 60 Pf. inkl. Flasche. Eigene Verkaufsstellen: Bad-Strasse 12(neben der Markthalle). Bad-Strasse 56— Pank-Strasse 25 BlQcher-Strasse 14. Brunnen- Strasse 96. BQlOW-Strasse 5(am Nollendorfplatz). Dresdener Strasse 125. Grüner Wegf 91(Andreasplatz). Invaliden-Strasse 143. Invaliden-Strasse 168(neben der Markthalle). Königrsbergser Strasse 28. Kottbuser Damm 7. Kotibusor Damm 14. Landsbergrer Strasse 40. Llnden-Strasse 103(neben der Markthalle). Oranlen-Strasse 14a(Heinrlchsplatr). Oranien-Strasse 58 a(Moritzplatz). Helniokendorfer Strasse 2 t(Weddingplatz). Rosenthaler Strasse 11—12, Schönhauser Allee 187(am Schönhauser Thor), Weidenweg 64(am Baltenplatz). Wllsnacker Strasse 67 (Eingang Dreyse-Straase). Wrangel-Strasse 20. Welasensee: König-Chausaoe 47 b.«7049 Trinkt vom Fass!* Goldklares Weissbier- aus der Weißbier-Brauerci„Fricdrichstadt" »LoNoK Borsdorf, Neue Königstrasse Mo. 3i|82. Es ist das beste Weißbier.— Verfälschung unmöglich i Zlusschank-Lokale: Sclrnlt-e, Franksurterstr 5 Franlsurler Allee l.0g. rfaot�eli, Th-ierstrabe 34. Sckopp,?!eue Sönigstrabe 36. Schmidt, Am Friedrichshain 31. Köpnick, edjillinnftr. 30a. Krüger, Slnbrcaäftv. 44. Wclkisch, Sllcynnbcrflt.24. Ewald, Schönleinsir. 6. Kuiiai. Gröben- Nser l. Schal?.. Lubbenersir. 16.«ccitki-cat», Prinzenstr. 44. Dietrich, Jerusalemerstr. 11/12. Gicbeke, Alte Jalobslr. o5. Link, Wrangelstr. 96.- Ulrich. Ziimnerstr. 99. Zcrnikow. Georgenslr. 24. Kopprasch. Neue SRoftftr. 6. Christ, Bergniannstr. 9. Meissner, Weißenblirgerstr. 34. Jungblat, Gerichts- ftrafte. 31. Machwitz. Schulstr. 19. Fink, U ferst r. 1. Wien, Jonasstr. 8. Balzer, fiinl-- ftvästc'25. Scheithaner, Grunewaldstr. 106. Zepp, Niimbergerstr. 32. Schwartan, llnter ben Linden �8...'. 4635�." Vorort«! Schöneberg: �.ssmaim, Hauptstraste 101. liindemann, Ebertstraste 85. Rirdorf: �lex. Bergstr. 13t. Beichaas, Hermannstr. 52. Steglitz: Wiesinger, Herder- straxe 4. Weisenfeid. Schloststr. 92, Weifieiisee: Frenz, Äönigs-Ehausiee 4i. Wilmersdorf: HofTmann, Nachodstr. 41. Ztranftberg; Thiel, Bahnhof. Köpenick: Meyer, mofeufir. 101. Wurm* Magendoktor Anslchts-Postkarfe erhalten Sie beim Einkanf von Wurms konzentr. Krauterliqueur ,, Magendoktor" in den Rcstaarationcn und liadengeschäften. Apotheker A.Wurm's MAOENDOCTOR ist das Beste ftr den Magen. N?1l lyJ&tnJI Ct3nnrrmn9i«iHl)*Wa £X4 Original• IWiarfen luden genügaS freien Raum zum schreiben. (Original in Postkartengrösse, lOfarb. Chromodruck auf feinstem Karton.) IV Beachten Sie die ärztlichen Attest-Plakate!"Wv Verlangen Sie Anssehank in Wnmis Origtnalgläschen! General- Depot: Berlin C., Breitestrasse 23. Telephon: Amt V, 1832. Wein zum Anssehank sehr geeignet! süss, rot, wie Portwein,* ausgezeichnet im Geschmack, garantiert rein, 10 Ltr. M. 7,-, lOO Ltr. 65,-, Oxhoft M. 126,-� Eugen HeumannÄCo., JLo,.1»s�ÄS„.Ä Größte SMiWlsmhl der Mbranche!! Letzte Äienheit steifer und weicher Herrenhüte 2.25. 3— 3,50 fDlt, echte Haarhüte 5 Mt., elegante(eylinder 5— 10 Mk., Zlutomobil a 2.75 und 3.00 Mt, sowie ein großer Posten weicher Herrenhüte i.75 und 2 Mk. per Stück. f4705L- strohlmte in grosser Auswahl zu sehr billigen Preisen. Alvin Sussmann, Hnt-Engros. Holziiiarktstr.38,Ä, Souutag. den 27. Mai, bleibt mein Geschäft biSOUhr geöffnet. Zähne 2 M. 10 Jahre Garantie. Vollkommen schmerzloses Zahnziehen I M. Plomben 1,50 M. Tellz. wöchentl. t M Zahnarzt Wolf, Leipzigerstr. 130. Sprechst.9-7 Nlltili'-HeilvtMtttl.| Haut-. Harn-» Blaseiileide», P Frauen Krankheit., heilt sicher m . ohne BerniSstöriiilg. f3978L� W D U/nrinpp FllUrilibcnfir. 151/1 k____ ' 9.|5-9,'|mÄÄ23)| Mgkel nud Polstemaren. frm Tutzauer, ♦Vf-WV» xischlermeister. Berlin X'., Brnnnenstr. 15Ä. Qithttüptiltifwü Viexanderplatz i. Anhiie 2 M.. Plomben von jUljllUl jllin|iil|\ll|lllUl, 1,50 au, Zahnziehen 75 Pf. Teilzahl. Spr. 8-6. Znm Laübenban! Gebrauchtes Kanthofz, Bretter, Latten, Leisten, Thüren, Feiister, Dachpappe Theer, billig! 950i> M. Rühle, stottbufer Damm 22 fCSBinG W'- Wv Wort fett, Worte mit mehr als IfiL Jbm£& JB Jm Jnf Äl JR JB aESB WSv A WBv JSL Ja O Bv � W BucJistaben zählen doppelt. Jajfjm- 4B JB W_ ö Anzeigen in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr, der Ha uptexped ition Dcuthsir.3 bis-f Uhr angenommen._ iste � rden lin M Verkäufe. Restaurant, gangbares, billig zu verkaufen. Schulz, Schwarstkovff- straste 15.__ fisr* Restaurniit(Zahlstelle) ist so- fort billig zu verkaufen. Näheres Warschauerstraste 63 im Schanklokal. Grünkraiiigefchäft mit Feuerung sofort uerkaiiflich. Miete 45 Mark. Graudeuzerftrabe 6. flaO* .Hutgeschäft, altes. Damen- und Herren-, kraulheitsbalber zu verkaufen Frailkfitrter Allee löZ._ foi* Elegante vorjährige Herrenhosen fefyste Stoffe 9—12 Mark. Berkaiis Sminabeiid und Sonntag. Versand- hausGermania, Unter den Linden 21 II. Gardiiienhans Grobe Frankfurter- straste 9, parterre._ jlöO Zteglstz, Schloststraste 76� liefe Nensbiirgerstraste: Lager fertiger Herren, Kuaben- und Zlrbeitei- Garderobe.'Anfertigung nach Mast zu solide» Preisen. Frig Hamburg Betten, prachtvoller Stand, 12,00, zweischläfrig 16,50, Gubenerstraste 3, Pfandleihe.>450 Betten, Steppdecken,. Gardinen spottbillig Leihhaus Neanderstraste 6. Remontoirnhren. Regiilaioren pottbillig Leihhaus Neanderstraste 6. '�Teppiche mir Farbenfehlepn, Fabriliiiederlage Grobe Frankfurter- straste 9, parterre.__ Wein- 918b Tnmeubüsten billig Hülst, bergsweg 13b._ Bettstellen, reelle Matratzen, billigst! Mufchetspiegel 14, Muschel- Ileiderfpuld 30, Sofa spottbillig! Dwinatzkr, Grünerweg 8l, nur im tleller! 987b Teppiche, spottbillig Neanderstraste 6. Pfandleihe 21/9? Niisibniimmöbel. Stube. Küche, spoitbillig, auch einzeln, Gartenstr. 32A, vorn I links. �77* Phonograph„Victoria"- spricht, fingt, ja bietet das schönste Konzert vollständiger Musikkapellen nätur- getreu!!'. Man hört und staunt!!'! Preis 20 Mark. Teilzahlung ge- stattet. Größere und ileinere Appa- rate. Walzen, das beste was darin geboten!! a 1,50— 2,00 M, in groster Auswahl. Vor wertlosen Nach- ahmuiigen wird gewarnt. Sluf Wunsch Muster zur Ansicht kostenlos.„Union". Berlin, Reicheubergerstraße 9. sl063b' Fahrradhäudler! laiifen sämtliche Zubehör- und Rohteile, sowie Ge- stelle, gespannte Räder sehr vorteil- hast. Fahrradfabrik en gros jetzt Luckauerstraste 3, Ostenberg. 19/7 Tanienrnd. spottbillig Pfändleihe, Küsirinerplatz 7._'-s-84� Fahrrad billig zu.verkglifeil bei Kohl, Grüner Weg 39._(ff 50 Fahrrad verlauft Barbiergeschaft,' Brunuenstraße 113._ tl46«' Fahrräder. Teilzahlung,! mähige Anzahlung. Lager vierhundert Mae schineu, Bahlireniier, 18 Pfund, Strasteprenner, Luxus. Damenräder, Zweisitzer, Kinderräder, Anhnngewagen direkt aus Fabrik„Imperial" Dressen- bachstraste 33._[180K* Rähmaschinc», beste Ringschi ff- Adlcr-Schncllnähcr ohne Anzahlung/ wöchentlich 1 Mark, fünfjährige Garantie. Postkarte. Landsberger, Landsbergerstr. 35. Kein Laden. 1160b Reell. Nähmaschinen sämtlicher Systenie, ohne Anzahlung, wöchent- Iich 1 Mark, fünfjährige Garantie, Postkarte genügt. Glatzer, Landwehr- straste 4.-still" Uhren-, Goldwarm, Teilzahliuig. Bestellungen brieflich. Louis Vogdt, Nngtiststraste 92._ 111226 KaSkochrr, Sparivstcm, Zweiloch 6,(!0,Dreitoch 10,00, Gasbratöfen 12,00, Gasplätlbifen, Schneider-Bügelapparate billigst..Teilzahlung. Wohlauer, Wallncr- Theaierstraste 32.(Kein -Laden.) 903b Steppdecke» am billigste» Fabril Graste Frankflirterstraste 9, parterre Der Verkans fertiger Hcrrengarde- roben findet bis Pfingsten, auch an Wochentagen statt. Versandhaus Germania, Unter den Linden 21. Eine Restauration billig zu ver- kaufen. Preis 1500 M. Zu erfahren bei Schorlemer,- Eigärreugeschäft, Walbemarstraße 71, 1167b Seifengeschaft wegen Krankheit billig verkäuflich. Auskunft erteilt Restaurateur Radloff, Neue Friedrich- straste 87. 1165b Fahrräder, erftklasstg, zu Engrospreisen im Müstcrlager, Komman- da»teiistrastc.46 I. Teilzahlung ge- stattet. Abonnenten dieses Blattes Rabatt. 11625 Milchgeschäft mit Rolle verkauft Krüger, Müllerstr. Iii3a._ 1178b Schankgeschäft(Bereinsziinuler) verkauft Audreasstrastc 33. 1176b Herrenrad, gut erhalten, 100 Mark, Vogelbauer, Aquarium, billig verkäuflich, Schonebcrg, Wilhelms- platz 2, linker Seitenflügel II rechts. Vermiscdle tvieigev. Buchbinder-'Arbeit jeder'Ar- fertigt Ferdinand iklö inert, tV. Vülow- straste 56, 2. Hof parterre. 23s7b Uhren repariert Wilhelm Flade, Uhrmacher, Putbuierstraste 45. 1146« Fuhre» jeder Art fährt billigst Otto Daniel, Hcdcmamistr. 2, Kohlen- yandluiig._-_ 982b Bereinszimmcr cmpfichll Lier, Alte Jakobstraste 119.__(28SK: Bereinsziinmer m.Pianino Glane Kraufenstraste 18._[210b Bereinsziinmer Simeonstrahe 2; Flick. 174K* Vermietungen. Schlafstellen. Beffcre Schlafstelle, freundliches kleines Zimmer für anständigen Herrn. Zimmcrstraße 68, Seitenflügel HI. �rbeitsmarkt. Stellengesuche. Blinder Stuhlflechter bittet»m Arbeit. Stühle werden gut geflochten, dieselbe» werden abgeholt und zurück- geliefert. Gläser, Mulackstrahe 27.* Stellenangebote. Farbigmachcr verlangt Kristan, Kottbuser Ufer 32_ 11076 Tüchtigen Schriftmaler verlangt Otto Häiißner,.Nene Jakobstraste 15. Mamsells auf Jäckettö im uiid austerm Hause verlangen Krüger u. Co. Forstcrstraste- 18, 1.' 784" Einen tüchtigen Dirigenten für Doniierstag sucht Arbeiter-Gefaug- verci»„LiedeSluft-I", Fürstenivalde, (Spree). Gest. Offerten M. Fabiauek, Biichoistrastc 3.__._ 1 163b Ein Bautischler wird verlangt Reiff, Hermsdorf, Seebadstraste!._ Farbigmachee verlangt Oraiileiistiahe 185. -chiiltze, 1174b Tapezier und Dekorateur, erste Kraft, wird gesucht. Die offene Stelle war 8 Jähre von einer solchen besetzt. Offerten unter A 5 Meier Zeitung. Hausdiener, der poliert und Tischlerarbeiten macht, bei hohem Lohn verlangt. Offerten unter Z. 4 an die Expedition dieser Zeitung. Sirickerinnen in und auster'nl Haufe verlangt Brose, Blnmen- straste 35a. 21/12 Karton- Arbeiterinnen verlangt Leopold Stein, Neue Königstratze 30. Im ArbeitSmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Zlnzeigcn kosten 1« Pf. pro Zeile. B c r d i e n st leicht 30 Mark lind mehr wöchentlich für Herren imd Damen. Sofort Geld. Festes Gehalt. Bureau: Lothringer- straste 64, I. 9—4. 101/18* Von einer groben Maschinen- fabrik Süddeutschlands werde» tüchtige[20/15* Monteure und Schlosser für sofort gegen guten Lohn- bei dauernder Beschäftigung gciucht 2ln- gcbote unter Ehiffre X st'. 1133 an Rndolf Mossc, Nürnberg. 1 Gelbgietzer, der die Leitung einer Gießerei vollständig übernehmen lann und selbst an der Arbeit teilnehmen will, kann Stelle am 1. Juni erhalten. Monats- geholt 150 R»i. 21/5* Act. Wcilhach& Cohns Fabrtkcr, Ätariendalsvej 57, Kopenhagen, Dänemark. Achtung, Tischlert Anläßlich der Maifeier sind die Tischler in der B'autischlcrei von Stiebitz& Küpchen, Ehar- lotteiiburg, entlaffen worden. Die Werkstatt ist solgedefsen bis aus weiteres gesperrt. 88/1» vis Ortsverwaltung Charlottenburg. Ächtllilg, Mchsler! Bei der Firuia Voeitzkow, Ritierftratze 15. haben 15 Kollegen wegen Differenzen die Arbeit nieder- gelegt! 89/8 Die Ortsverwalinng. Ztchtnng! Tücgcii Differenzen in der Blerkstatt v. Anoion A Starke ist dieselbe als gesperrt zu bc- trachte». 89/11 Die Komiiiisfion. I. A.: Beiz. Wlngs Ächtiliig! Stuccateure. Bei der Finna dnnkersdoi'f, Wilmersdorf, sind Differenzen aus- gebrochen. 2iizug ist streng fernzuhalten. Ter Bertraiicnsmann. Verantwortlicher Redakteur: Paul John in' Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Bt. 118. i7. Mtm*. 2. Seilllge des„Kmiirts" Krlimr WldsblM. W«"Si.2z.WiWi.. Berliner Partei-Angelegenheiten. S. Wahlkreis. iag eine Futzpartie. »ach Westend, von Der Wahlverein veranstaltet am HiinmclfahrtS- Abfahrt 7 Uhr früh vom Schlcsischcn Bahnhof dort zu Fuß über Pichelsberge und Pichels- lvcrder nach Schildhorn. Rege Beteiligung erwartet Der Vorstand. Den Parteigenossen deS Südostens zur Kenntnis, daß die freie Sängcrvereinigung„Fackel" am Himmelfahrtstag in B a d e s Volksgarten zu Treptow ein Konzert veranstaltet. dessen Ueberschust zu AgitationSzwecken verwendet werden soll. Um rege Beteiligung wird gebeten. 4. Wahlkreis(Osten). Der Wahlverein veranstaltet am H i m ni e l f a h r t s t a g e einen Familien-Ausflug nach S a d o iv a. Der Treffpunkt ist bis 10 Uhr vormittags in Karls hör st, Kaiscrgarten, Siemensstraste, von da geht es es zu Fuß nach Sadowa. Für Nachzüqlcrl Uhr in Sadowa Abfahrt vom Schle fischen Bahnhof halbstündlich. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Achtung, 5. Wahlkreis. Die Genossen des Kreises werden auf die am heutigen Abend im„Alten Stbiitzenhause", Linienstr. stattfindende Versammlung des Wahlvereins aufmerksam gemacht Anfang 8i2 Uhr. Gäste sehr erwünscht. Der Vorstand. Samariter- KnrsnS für Arbeiter und Arbeiterinnen Morgen Himmclfahrtstag; Fufiparlie von Spandau nach Gatow Cladow, Salrow, Moorlake, Wannsee. Abfahrt Schlesischcr Bahnho 7»; Mcdrichstraße 7�1 bis Spandau. Für Damen und Nachzügler, Treffpunkt: Wannsce. Restaurant Fürstenhof, nachmittags 8 Uhr Abfahrt Friedrichstr. 22 Uhr. Wannsce-Bahnhof alle 10 Minute». Stralau- Rummelsbnrg. Der Wahlvcrein veranstaltet am Himmclfahrtstag eine Her reu Partie nach dem Grunewald Treffpunkt 7Ve Hfir anr Bahnhof Stralau-Rummelsburg. Rege Be ieiligung ist erwünscht. Obcr-Schönetvcidc. Der Arbeitcr-Bildungsverein veranstaltet am Himmelfabrtslage früh 6 Uhr von John aus eine Herrcnpartie nach der Pferdcbncht. Maricndorf- Tenipclhof. Am Himmelfahrtstag findet in Marienfelde vci Teutschbein ein gemütliches Beisaminensci» der Mitglieder des Arbciter-Bildungsvcreins für Maricndorf und Um-- gcgcnd statt, wozu die Gönner eingeladen werden. UoKäIvs. Die Verurteilimgen wegen Bettelei und wegen Obdachlosigkeit ivaren 1bv9 in Berlin erheblich seltener als lggg. Tie jährlichen Znsammcnstcllungen, die das Berliner Statistische Amt seit mehreren Jahren darüber veröffentlicht, geben für die bcini Anitsgericht Berlin I, Abteilung Moabit, erfolgte» Verurteilnngcu nur die Zahl der Fälle an, während sie für die Vernrteiliingcn bei der Abteilung Alexander-Platz ausführliche Angaben über die persönlichen Verhält- nifse der verurteilten Personen bringen. ILggsbezw. 1898) wurden in Moabit inl248 flSSs) Fällen männliche Personen und in 88 1117) Fällen weibliche wegen Bettelei, in 1b(24) Fällen männliche nnd in 2 11) Fällen ivcibliche tvegen Obdachlosigkeit vcrnrteilt. Am Alexander-Platz wnrde» vcrnrteilt ivrgc» Bettelei 4040 14K62) männliche Personen 5535 (6534) mal, 116(112) weibliche 172(166) mal. Wege» Obdachlosigkeit 802 (1163) männliche 928(1397) nial, 54(49) weibliche 66(63) mal, liberhanpt 4640(5382) verschiedene männliche Personen 6463(7931) mal, 122 1143) weibliche 238(229) mal. Viele wurden in dentsclbcn Jahre wiederholt wegen derselben Uebcrtretnng, manche auch wegen beider Uebertrctungcn bestraft. 1899 wurden wegen Bettelei die Männer bis 7 mal. die Fraueil bis 5 mal. wegen Obdachlosigkeit die Männer bis 5 mal, die Fraucn bis 3 mal verurteilt. Faßt man übrigens die Zeit von 1894 bis 1899 zusammen, so wurden in den 6 Jahren 26 921 verschiedene männliche Personen 53 886 mal, 691 weibliche 1496 mal wegen Bettelei nnd Obdachlosigkeit bestraft. Ein Mann wurde in dieser Zeit 37 mal mit im ganzen 158 Wochen Haft bcsttafl und erhielt 12 mal korreklivncllc Nachhaft. Unter den An- gaben über die persönlichen Verhältnisse der am Älexandcrplatz vernneiltcn Personen kömicn die die Frauen bc treffenden wegen der Kleinheit der Zahlen übergaiigen werden. Bei den M ä>i n e r n waren 1899 die folgenden Berufe am absolut zahlreichsten beteiligt: an den Bestrafungen wegen Bettelei die Arbeiter mit 1942 Fällen, die Schuhmacher mit 306, Schlosser mit 284, Kauflente mit 253, Tischler mit 226. Schneider mit 225, HanSdiener»nd Kutscher mit 147, Maurer und Stnccnteiire mit 119, Maler und Anstreicher mit 118, Schlächter >nit 118, Bäcker und Konditoren mit 118, Kellner mit 113 usw. usw., au den Bestrafungen wegen Obdachlosigkeit die Arbeiter mit 403 Fälle», die Schlosser mir 48, Hausdiener und Ktitschcr mit 44 Tischler mit 36, Schlächter mit 33. Kanfleute mit 28, Schneider »nl 27, Kellner mit 26, Bäcker und Konditoren mit 25 usw. usw. Das;»iitcr den Jahreszeiten wieder der Winter hervorragte, versiebt sich von selbst. Das Maximum batte der Januar IBettelei 729, Obdachlosigkeit 193 Fälle), das Minimum der Juli(278 bezw. 32 Fälle). Die Zu- und Abnahme der Bettelei niid Obdach- losiglcit im Kreislauf des Jahrs folgt ziemlich genau der Zu- bezw. Abnahme der Arbeitsgelegenhelt. Bon den Altersklassen waren, wie immer, die mittleren am zahlreichsten beteiligt. Was den Geburtsort anbetrifft, so war Berlin bei Bettelei mit 866. bei Obdachlosigkeit mit 245 Fällen, die nähere Umgegend mit 154 bczw. 36, die übrige Provinz Branden- bürg mit 957 beziv. 144 vertrete». Von den andeni Landesteile» waren besonders die östlichen, zunächst Schlcsien. starl vertreten. Wie lange die ans der Provinz zugezogenen Verurteilten vor dem Zeitpunkt ihrer Verurteilung bereits in Berlin oder der Umgegend gewohnt hatten, ist nicht angegeben. Bon der Straffenbah». Die Strafienbahnbeamtcn sind gester» früh wieder in Dienst getreten. Von einer vollen Ansnahine des Betriebes konnte in den erste» Morgenstunden alleidings noch keine Rede sein, da mannigfache Vorbereitungen zu treffen waren. Die Weichen der Geleise waren tnit Straßenschmiitz derartig angefüllt, das; sie am Morgen erst frei- gelegt werde» muhten. Um 8 Uhr wurde dann der Betrieb allmählich und»nn 12 Uhr im vollen Umsange wieder aufgenommeii. Morgens wurde wieder die gesamte Schutzmannschaft auf den Wachen tonsigiiiert nnd fliegende Wachen errichtet. Es fand auch noch eine polizeiliche Besetzung der für de» Betrieb in Betracht konimeiiden Straffen statt, doch wurde die Mehrzahl der Schutzleute gegen Mittag zurückgezogen. Vormittags hatte im M i n i st e r i u m des Innern eine Konferenz statigesunde», welcher anffcr dem Frhrn. v. Rhein- b a b e n auch der Mini fter der öffentlichen Arbeiten, Herr v. Thielen beiwohnte. Das Polizeipräsidium war durch den Geheimen- und Ober- Regieningörat Fri c dh eim, de» RegierungSrat v. Glaienapp', den Polizeioberste» Krause «nd den Kommissar für das öffentliche Fuhrwesen, Polizeihauptmann Bogel, vertreten; von der Strahcnbahn-Vcrwaltling erschieiien die Diretioren Regicrungsrat v. K ü h l e w e i n und Ministerial- direlror a. D. Dr. Micke. Es handelte sich um die Frage, in welchem Umfang der Straßcnbahnbetrieb gestern und an den folgenden Tage» wieder aufgenommen weiden soll, rcsp. ob durch die Wiederaufnahnie deS vollen Betriebes noch irgend welche Ruhestörungen zu besorgen ständen. Oberrcgicrungsrat Friedhcim erklärte, daff nach den vorliegenden Polizei-Rapporten die Ruhe nirgends gestört worden sei und'daff der Betrieb, soweit der- selbe am Morgen zugelassen worden sei, sich in den gewöhnlichen Bahnen bewege. Die Aufregung, die der Straffenbahn- Ausstand in die BcvLIkcrnng getragen hatte, scheine sich»ach Be- kanntwerdcn der gestrigen Einignngsvcrhandlungen voll st än big gelegt zu haben. Danach stehe seiner Meinung nach der Wiederaufnahme des vollen Betriebs schon am Dienstag nichts im Wege. Die Vertreter der Straffenbahn-Gesellschaft bemerkten, daff das Personal sich vollzählig und rechtzeitig auf den Bahnhöfen eingefunden und den Dienst wiederaufgenommen habe; es würde sich wohl ermöglichen lassen, den Betrieb im vollen Umfang allmählich wieder durchzuführen. Darauf Uetz auch der Minister des Inner», Frhr. v. Rheinbaben, die Bedenken, die er in einer vorgestrigen Koiiscrenz mit den Direktoren der Swaffenbahn ge« äußert hatte,' fallen; er ordnete nun an, daß die Straffenbahn- strecken, liamentlich in den Abendstunden, noch durch Polizei- liche Patrouillen überwacht werden sollen, um jedem Versuche, den Betrieb zu stören oder die Beamten und Fahrgäste zu belästigen, vorbeuge» zu können. Eine Maßregel, die sich ivohl ebenfalls als unnötig erwiesen haben wird. Der Ei ii nah ine-Aus fall der Berliner Straffenbahn an den drei Streiktagen, sowie der Materialschaden, der angerichtet worden ist, wird von sachverständiger Seite auf rund 150 000 M. geschätzt. Was den Materialschaden betrifft, so ist die Frage angeregt worden, ob die Stadtgemeinde für denselben auf Grund des Landfriede nsbruch-Gesetzes haftbar gemacht werden könne. Diese Frage ist zu verneinen, ß 28 des zwischen der Stadtgemeinde und der Direktion der Großen(und Neuen) Berliner Slraffciib'ahn-Gescllschaft abgeschlossenen Vertrages bestimmt darüber: a)„Die Gesellschaften sind nicht berechtigt, gegen die Stadt- gemeinde Ansprüche geltend zu machen für Schäden, welche ihnen an der Anlage, sei es bei der Herstellung, sei es»ach derselben oder im Betriebe der Unternehmung durch Vorkommnisse irgend welcher Art auf dem städtischen, von den Gesellschaften be nutzten Eigcntniil oder durch gleiche Vorkommnisse an den ans diesem Eigentum jetzt und in Ziiknnst vorhandenen öffentlichen oder städtischerscits bereits genehmigten privaten Anlagen entstehen. b) Erwachsen durch dergleichen Vorkommnisse'(a) Schäden für dritte Personen, welche die Untertiehiitniig benutzen oder in deren Betrieb beschäftigt sind oder sonst an ihr etwas zu verrichten haben, so haben die Gesellschaften alle ans diesem Anlaß von den Dritten gegen letztere erhobenen Ansprüche zu vertreten oder der Stadtgemeinde die von dieser zu zahlende Entschädigung zu erstatten, o. In gleicher Weise(a und b) werden Ansprüche behandelt, welche von feiten der Gesellsckiafte» oder von dritten Personen(im Sinne von b) gegen die Stadtgemeinde ans Grund des Gesetzes vom 11. März 1850 betreffend die Verpflichtung der Gemeinden zum Ersatz des bei öffentlichen Aufläufen verursachten Schadens sc., erhoben werden sollten zc." Ter S o m m e r f a h rp I a n der Berliner Straffenbahn, der am 21. Mai zur Einführung gelangen sollte, ist infolge des AuSstands bis zum 1. Jnni hiiiansgeschoben worden. Einige Zcitmigcn berichten, daß diejenigen Straffenbahn beamten, die sich»»solidarisch nicht dem Ausstände angeschlossen haben, von der Direktion mit Prämien bedacht worden sind. Auch wird mitgeteilt, daff ein besonderer Verband der Straffe n-An gestellten im Anschluff an den beendeten Ans stand ins Leben treten soll. Der Sitz des Verbandes soll Berlin sein. Man hofft, daff sich die Angestellteii der Straffenbahnen in andern Orlen, wo zun» Teil schon Vereine bestehen, anschlieffen. Die Bercinigiing soll aus tinpolitlscher Grundlage beruhen und die Interessen der verschicdcnarligstcn Kategorien der Angestellten berücksichtigen. Diesem Verband der Znknnft tvird von den„Bert. N. Nachr." nachgesagt, daß er nicht ans den Widerstand bei der Direktion der Straffeudahn-Gesellschaft stoßen wird, wie der Centralverband der Handels-, Transport- und Berkehrsarbeitcr, dem sich die Angrstellten in der letzten Streikbeivegung aiigeschloffe» hatten. Das ist im Interesse des Friedens ebenso selbstverständlich wie wünschenswert. Wie die Stravenbahnbeamten sich organisieren, ist natürlich ihre eigne Sache und nicht die der Direltion. Der Cciitralverband der Handels-, Transport- und Verlehrsarbeiter, dessen Vorstand die Ausstandsbewegnng mit Klugheit, Geschick und Mäßigung geleitet hat, wird kaum böse sei», wenn die Straßenbahner sich auf eigne Füße stellen. Die Hauptsache ist aber, daff sie gewerkschaftlich organisiert sind. Die Einficht auch von der fernere» N o t h w e n di g k e i t einer festgeschlosicnen Gewerkschaftsorganisativ» werden die Ereignisse der letzten Tage ivohl jedem Straffenbahncr beigebracht haben; hoffentlich kommt auch der Direktion bald die Einsicht, daff eine solche Vereinigung das belle Mittel zur Erhaltung und Förderung gedeihlicher, fried- lichcr Zustände bildet._ Was haben die Straffcnbahn-Augestellten erreicht? Die beiden Hanptpnnkre, um die sich die Lohnbewegung' der traffenbahn-Angeficllten drehte, waren: Erhöhung des GeHalls und Berkürzung der täglichen Arbeitszeit.— Wer in den Dienst der Straffenbahn-Gesellichaft trat, der erhielt bisher zunächst überhaupt kein Gcbnlt. Der Neuling wnrde als Neserve-Führcr oder-Schaffner gegen Tagegelder beschäsligt, die nur für die Tage gezahlt wurde», an denen er Dienst that, ivährcnd die Tage, an denen man der Dienste des Reservc-Angeftcllten nicht bedurfte, auch nicht bezahlt wurden. Dieses Reserveverhältnis währte nicht eltcn 1 bis l'/z Jahr, ja es dauerte mitunter noch länger. ehe der Rescrvemann fest angestellt wnrde. Der Festangestellte erhielt dann ein Ansaiigsgehalt von 81 M., und wenn es gut ging, kam er nach Jahren ans 83, nach 5 Jahren auf 87, nach 8 Jahren ans 90—95 und nach 10 Jahren ans 100 M. monatlich zu stehen. Wenn auch diese periodischen Gehaltserhöhungen gewisscrniaffen zu einer Gewohnheit geworden waren, so hatte der Angestellte doch keinen verträgst» äffigen Anspruch darauf. ES tand vielmehr völlig im Belieben der Direktion. ob und ivann sie eine Gehaltszulage gewähren wollte, und es ist thatsächlich vorgekommen, daff Angestellte volle 10 Jahre bei dem Anfangs- gchält stehen blieben niid dann freilich die Höchstgrenze von 100 M. erreichten, ohne daß sie in der Zwischenzelt eine Zulage erhalten hätten. Nack dem. tvaS jetzt zwischen der Direktion und den Vertretern der Angestellten festgelegt ist, fällt der sogenannte Reserve- ienst gegen Tagegelder weg. Die Neiieingestellten bekommen sogleich ein Monatsgehalt von 85 M. und werden»ach 6 Monaten mit einem Gehalt von 90 M. fest angestellt. Das Gehalt steigt nun»ach 2 Jahren auf 95, nach 5 Jahren auf 100, nach 3 Jahren auf 105, nach 10 Jahren aus 110, nach 12 Jahre» ans 113, nach 15 Jahren aus 115, nach 17 Jahren auf 118, und nach 20 Jahren auf 120 M. ES köimte ii»:» wohl eingewciidet werden, diese Gehaltsskala habe die Direktion schon vor dein Streik zugestanden, und der Ans- 'tand habe in Bezug ans die Gehälter keine Besserung gebracht. Demgegenüber ist zu bemerken, daff in den ursprünglichen Bc- ivilligniigen der Direktion die periodische» Gehaltserhöhungen in den ersteii10Diciiftjahreii.sowiezlvischen dem10.und1o.uiid dem 12. und 20. Dicnstjahr nicht vorgesehen waren. Die Zlvischciistnfen, welche .etzt in der Gebaltsskala' enthalten sind, sind erst infolge des Streits eingefügt worden. Die tägliche Di en st zeit betrug bisher für die Schaffner 12 Stunden ausschließlich der Pausen an den Haltestellen und der iir die Abrechnung ersorderlichen Zeit. Die Führer hatten 10 Stunden Dienst zu thim. wobei ebenfalls die Haltepausen und die Vor- bereitiingsarbeiten nicht mit inbegriffen waren. Jetzt ist die Dienstzeit der Schaffner aus 11 Stunden, die der Führer ans nenn Stnnden einschließlich der Haltepausen, der Vorbercitnngsarbeiteii und der Abrechnilitg festgesetzt. Ucbcrstnnden ivurden früher mit 22 Pf. bezahlt, jetzt mit 50Pffl auch die JnstrnktionSstnnden, durch die sonst ohne jede Entschädigung die freie Zeit der Angestellten gekürzt wurde, werden jetzt als Uebcr- stunden bezahlt. Sehr wesentlich ist die nunmehr endgültig für den 1. Juli fest- gesetzte Errichtung der Pensionskafse. Es ist bc- kamit, daff sich die Direktion die alleinige Entscheidung über die Pensionierung vorbehalten wollte, wogegen die städtische VcrlehrSdcputation Einspruch erhob. Jetzt hat sich die Direktion zu dem Zugeständnis bequemen müssen, daß die Entscheidung darüber. ob ein Angestellter in den Genuß der Pension kommen soll, zwei Aerzten zufällt, von denen der eine durch die Direktion, der andre durch die Verkehrsdeputation bestellt wird; wenn diese beiden sich nicht einigen kömieit, soll ein unparteiischcr dritter hiiizilgezogen werden. Eine weitere Errnngetlschaft ist die Anerkennuna der B e- s ch w e r d e- K o m m i s s i o n. Sie wird alle Vierteljahr aus je drei Delegierten von jedem Bahnhof gebildet, um in einer Kon- ferenz mit der Direktion die Wünsche der Angestellten vorzutragen. Einen erheblichen Verlust hatten die Schaffner bisher dadurch, daff sie de» vollen Betrag für falsch dnrchlochte Fahrscheine bezahlen mufften. Diese Maßregel fällt jetzt weg. Bei den Verhandlungen mit dem Ober- Bürgermeister hat sich — was in der Versaiumlung nicht berichtet wurde nnd daher auch von uns nicht mitgeteilt worden ist— die Direltion verpflichtet. für die Streiktage keilten Abzug vom Gehalt eintreten zu lassen._ lieber die Opfer der Straffennnruhen berichtet eine Kor- rcspoiidcnz: Der verwmidete Bruseberg ist 26 Jahre alt und Buchhalter. Er wohnt in Pankow. Sein Zustand ist immer»och kritisch. Bei der Operation ivnrden ihm Knochensplitter ans dem Kopf herausgeholt.— Der 36 Jahre alte Tischlergesclle Karl Stubbe ans der Chorin erst raffe hat durch Säbelhiebe Verletzungen an de» Wcichtcilen des Kopfes erlitten. Er ist allerdings ans der Charits bereits iviedcr entlassen worden, aber uitgeheilt auf sein Vcr- langen, gegen den Rath der Aerzte. Ebenso ist es mit dem Drechsler Vatht'e.' Im St. Hedwigs-Krankenhanse liegt noch ein Schlächter Kuchenbäcker, der schwer verletzt von der Germania-Apotheke in das Krankenhans gebracht wnrde. Sein Befinden ist im all- genieine» gut. Nach der Charits wurde gestern noch ein Töpfer, Franz F I e s ch m a n n ans der Belzigerstraße 46 zu Schöne- berg, gebracht. Er hat Säbelhiebe über den Arm und de» Rücken erhalten und Krämpfe belommen. Fleschmann ist noch im Krankenhaiise. Der Maler Max Esche ans der Gips- straffe 3, dem ein Handgelenk durchgeschlagen wnrde, ist aus dem Krankcnhalis entlassen worden, aber u n g e h c i l t. auf seine» ans- drückliche» Wunsch, gegen den ärztliche» Rat. Ans der Rettnngs- wache in der Kastaniciialle tvurden von 7 Aerzten und 2 Heilgehilfen 35 Personen verbunden, auf der lliifallsiation IX von 2 Aerzten uno einem.Heilgehilfen 9 Personen. Zur Ucbcrreichnng des Ehrenbiirgerbriefs an den Stadt- verordneten- Vorsteher Dr. Langerhans sind seitens deS Magistrnts deputiert worden die Herren Oberbürgermeister Kirschner und die Stadträte Dr. Hirsekorn nnd Dr. Weigert, seitens der Stadt- verordneten- Versninnilung der Gesanttvorstand, nämlich die Herren Michelct, Gcricke, Seifert,' Friederici, Frick, Plischke und Töruicr. Der Ausschuß dcrl Stadtverordneten- Versainuilting zur Vor- beratnng der vom Magistrat vorgelegten drei Entwürfe bezüglich der Anstellung und der Hinterbliebenen-Versorgnng�der K o m m n n a l b e a n» t e n und sonstigen Angestellten der«ladt Berlin hat gestern abend auf dringenden Wunsch des Herrn Ober- bürgermeisters Kirschner in zlveiter Lesung das Ortsstatnt betreffend die Anstellung der Kommnnalbcamten erledigt. Dasselbe gelangte mit mannigfachen redaktionellen Aendernngen im wesentlichen nach dem Vorschlage des Magistrats zur Annahme. Die Berichterstattung soll noch in der nächsten Plciiarsttznng der Versammlnng stattfindc». Zum Berichterstatter wurde der Stadlverordnete Hugo Sachö II gc- wählt.— lieber de» Ortsstatut- Entwurf betreffend die Pensionierung und Reliktenversorgung wird der AnSschnff in seiner nächsten Sitzung be- raten. Den Vorsitz im AuSschuh führte der Stadtverordneten- Vor- steher Dr. Langerhans. Es war eine köstliche Zeit! Gestern vor 60 Jahren war Berlin in einiger Aiisrcgniig. Ein Geisteskranker, der frühere Artillerie-Feiierwerker Scfcloge, schoß an» Potsdamer Bahnhof einen Revolver ans Friedrich Wilhelm IV. ab und verletzte den König un- bedeutend am Arm. Diese That eines BcdaucrnSiverten. an dem schon zwei Jahre vorher Geisteskrankheit festgestellt worden war und der nach Anrichtimg des Unheils in eine Irrenanstalt gebracht wurde, muffte der damals mit be- sonderer Schamlosigkeit auftretenden Reaktion zu neuen Attentaten gegen die Bevölkerung als Vorlvand diene». Nicht nur, daff fünf Führer der Bolkspartei. die Herren v. KmiowSky. Berends, Bernstein, Dr. Mcycn und Adolf Streckfutz bald nach dem Ereignis verhastet wurden— ihre Entlassung erfolgte schon am 23. Mai. ohne daff sie über- hanpt vernommen Ivoren,— der Vorgang wurde überdies noch durch einen Schlag gegen d i e P r c s s e ausgenützt» Am 5. Juni 1820 wurde eine neue Verordnung zur Ergänzung des Preß- g esetzes vom 80. Jnni 1849 oktroyiert, da sich„die Unzulänglich- keit der bisherigen Preffgesetzgebniig durch die Erfahrung heraus- gestellt" habe. Das Gesetz gab der Post die Berechtigung, die An- nahine von Bestelluitgen auf Zeitungen abzulehnen, eS stellte fest, daff die Buchhändler, Leihbibliothckare. Zeitungsverkäufer, Buchdrucker und Lithographen einer Konzession bedürften, es forderte hvheKautionen für alle Zeitungen nnd Zeitschriften und bestimmte, daff die Kaution bei dreimaliger Verurteilung des Blatts verfallen und das Er- cheinen der Zeitung selbst dann untersagt werden könne. Das Preß- zesetz vom 3. Jnni' 1820 wurde rücksichtslos durchgeführt und übte bald eine vernichtende Wirkung aus. Alle diese Maffnahmen wurden getroffen, indem man für die That des Geisteskranken die Demokratie verantivortlich machte, ein Brauch, der ja auch heute noch den Junkern nnd Junkergenossen fein und lieblich erscheint. Tie Fußbremse am Fahrrad, die schon vor Jahren von der Behörde nicht für voll angesehen ivnrde, scheint es der Polizei aber- mals angethnn zu haben. Wie uns berichtet wird, ist ein Mitglied deS Arbeiter- Radfahrervereins Berlin, daS kürzlich im Osten der Stadt radelte, von einem Schiitzniann angehalten ivorden, ivcil dieser die Fnffbreinse nicht als vorschriftSniäffig betrachtete� Die tveitere Folge war ein Strafmandat, gegen welches selbstverständlich gerichtliche Enlscheidnng beantragt ist. Wegen eines gleiche» Falls ist ein Vercinsmitglied im Grunewald von einem Gendaru» an- gehalten worden.' Auch hier wird gerichtlicher Austrag der Sache erfolgen. Zur Umwandlung deS PlänterwaldcS in eine» Park werden in diesem Sommer wieder mehrere neue Fufflvege angelegt. Einer dieser Wege tvird nahe dem Eierhäuschen enden und die Eni- ferniliig zwischen dein Eierhänschen tiud Treptow erheblich abkürzen. Der in den Jahren 1898 nnd 1899 in der Nähe des Wasserweges angelegte Spielplatz ist bisher noch nicht für die Benntznng freigegeben worden. Ein zweiter, bedeutend größerer Spielplatz ist weiter östlich, nicht weit vom Eierhänschen, geplant. Zu wünschcn lvüre, daß im Plänterlvald so schnell als möglich auch Ruhebänke aufgestellt würden. Abermals ein Kind ans dem Fenster gestürzt. Daß man mit kleine» Kindern, die allein in der Wohnung bleibe» müssen, nicht vorsichtig genug jein kann, beweist wieder ein trauriger Unfall in der Gneisenaustr. 61. Die Frau deZ Handelsmannes Gnclvuch, der �icr im dritten Stock auf dem zlveiten Hof wohnt, mußte vor einigen -iogeii in Abwesenheit ihres Mannes auf kurze Zeit zum Einholen die Wohnung verlassen. Ihr drei Jahre alter Sohn lag noch im Bett und schlief. Trotzdem stellte Frau Gnewnch vorsichtshalber zwei Stuhle vor das Bett, damit der jinabe liegen bleibe, wenn er erivachen sollte, oder im Schlafe nicht herausfalle. Die Fensterflügel band sie anr Riegel mit einem Bindfaden zusammen. So glaubte sie alle Vorsichts- maßregeln getroffen zn haben, und ging beruhigt weg. Als sie nach kurzer Zeit zurückkehrte, spielte sich auf dein Hofe'eine schreckliche Scene ab. Ter Änabe war crlvacht, hatte das Bett verlassen, die Fensterbank erklettert, den Bindfaden gelost und das Fenster geöffnet, um nach der Mutter zn sehen. Gorade als diese den Hof betrat, verlor er dgs Gleichgelvicht und stürzte auf das Asphaltpstaster hinab. Mit zerschmettertem Schädel blieb er vor de» Füßen der Mutter liegen, die fassungslos den kleinen Körper aufhob. Nachbarn, die auf ihren Schmerzensschrci herbeikamen, brachten den Verunglückten in cii« Krankenhaus, wo er bald darauf verstarb. � Eine Verkehrsstörung im Ringbahnverkehr entstand Dienstagmorgen infolge der Entgleisung eines Personenwagens auf dem Schlesischen Bahnhof. Kurz nach Eröffnung des FrllhbctriebS— c-5 war bereits der erste Zug nach Nixdorf sowie des Süd- und Nordriiiges abgelassen worden— sollte der erste Zug nach Grünau um s'/r llhr abfahren. Die Wagen desselben wurden aus den Rnngiergcleiscn»ach dem Hanptgelcis gebracht, und hierbei erfolgte die Entgleisung eines Wagens. Da sich mittlerweile andres Wagenmaterial ansammelte, das ans Beseitigung des Hindernisses ivartc» mußte, so vergingen anderthalb Stunden, ehe der Betrieb einiger- maßen wieder hergestellt war. Die Zugverspätunge» dauerten bis in die neunte Stunde. Irgend welcher Materialschaden ist nicht entstanden. Ein stüchtigcr Balmuternchmer. Der Verbleib des flüchtig gewordenen Maurermeisters und Bauunternehmers Gustav Hahn e'- m a u n ans der Pänlstr. 31 b hicrselbst konnte trotz eifriger Räch- forschnngen bisher nicht ermittelt werde»! infolgedessen ist jetzt über das Bcrmögen des spurlos Berschwundeiie» der Konkurs eröffnet worden. Hahnemann, welcher Eigentümer der Häuser Panistr. 31b iniö 32 ist. eiitfcrutc sich vor einiger Zeit mit der Bemerkung vom Hanse, daß er eine Stunde in die frische Luft gehen wollte, ist dann aber zu seiner Familie� nicht wieder zurückgekehrt. Da der Vcr- schwundeiie vermutlich seine Geldgeber um erhebliche Beträge gc- schädigt hat, so wird er auch von der hiesigen Staatsanwaltschaft wegen Ilnierschlaguiig slcckbricflich verfolgt. Aus Posten erschossen hat sich der E i s e n b a h n p i o n i e r Knappe von der 4. Compagnie des Eisenbahn- Regiments Nr. 2. Die 3. und 4. Eompagnie dieses Regiments befinden sich seit einiger Zeit in Elausdorf, wo sie eine Brückenbau- und Bahiiban-Uebiing abhalten. Knappe halte in der Nacht zum Dienstag von 1—3 Uhr Posten zu stehen. Die Hellte ziehen dort mit scharfen Patronen auf. Um IVe llhr hörte die Wache einen Schuß fallen und sandte eine Patrouille aus in der Meiunng, daß der Posten angegriffen worden sei. Die Patrouille fand aber, daß der Posten sich selbst erschossen halte. Knappe lag tot neben dem Schilderhnuse. Er hatte sich mit leineni Ticiistgewchr eine Kugel durch die Brust geschossen. Die Hcichc wurde mit der Militärbahn gestern morgen nach dem Garnisonlazarctt II in Tcmpclhos gebracht. Der Pionier diente im ersten Fahr. Als Grund für seinen Selbstmord gab er in einem Brief an seine Eltern an, daß ihm der Dienst zu schwer werde. BSegcu plölsticher Grkranku»« des Herrn Musikdirektors Ltto r. i e ii cl muh der Sigelvvrtrag am 23. Mai 1000 ausfallen. Aus de» Nachbarorte». Vom modernen skiudermord. Die gewerbliche Aus- Nutzung der Schulkinder beschäftigte die Gewerbe- d e p u t a l i o n zu R i x d o r f in ihrer ersten Sitzung. Kreisschul- inspektör Dr. v. Komorowski legte der Deputation das Ergebnis einer tu der Rirdorfer Volksschule vorgenoinmenen Erhebung vor. Bon etwa 13 466 Schülern und Schülerinnen sind gegen 766 geivcrb- lich thälig. Die im vorigen Jahre erlassene Polizeiverordnung vcr- bietet die Beschäftigung von Kindern unter>6 Jahren. In sämtlichen Schulen wurden insgesamt ö7 Kinder unter 16 Jahren, herab bis zum Alter von 7 Jahren, festgestellt, die trotz des Verbots für G c iv c r b c t r c i b e n d e t h ä t i g waren. Einige mußten schon vor 4 Uhr morgens aufstehen. Ilebcrtretnngeii des Verbots, ältere Kinder nicht vor' ö'/s llhr früh inid nicht nach 8 Uhr abends zu beschäftigen, wurden Khj« festgestellt. Die Beschäftigung dauerte zum Teil bis 11 und 12 Uhr nachts. ja noch weiter hinaus. Meist handelte es sich um das Aus- tragen von Backwaren. Milch. Zeitungen und um das Aufsetzen von Kegeln:c. Tie Bezahlung ist oft eine ungemein geringe. Ein Illjähriges Mädchen erhielt monatlich 5 M. und mußte dafiir den ganzen Nachmittag auf den Beinen sein. Sie mußte täglich zweimal den Weg von' Nixdorf nach dem Hausbogteiplatz und zurück zu Fuß machen, wobei es zuweilen 6 llbr abends wurde. Knaben, die jeden Nachmittag von 2—7 llhr z» lhnn hatten, bekamen für den Monat 3—4 M. Nach den Mit- rciluiigcn der Lehrer zeigen dreiviertel der gewerblich beschäftigten Kinder während des Unterrichts N e i g u ii g ein zu s ch las e n. Ans der Fülle ähnlich oder gleich- laulciider Bemerlniigeu seien nur einige hervorgehoben:„Kömmt nicht mit i m Unterricht"—„S i e h r blaß an s"— „ F st körperlich elend"—„Z e i g t den b e st e n Willen, kann aber nichts leisten Die Mitglieder der Deputation waren sich einig darin, daß bor allen Dingen auf die Befolgung der erwähnten, dem Äinderschutze dienenden Polizei- verordniillg hingewirkt werden müsse. Ein Herr teilte niil, daß die von den Spedilcnren ec. migelioiiiineiicii Z e i t u n g s t r ä g e r i I! n c II ohne Auftrag des Arbeitgebers die Kinder zur Arbeit heranzögen. Die Deputatio» erklärte dies nicht für eine Beschäftigung' im Gewerbebetriebe der Eltern, auf welche die Polizeiverordnung nicht Aiiweiidiiug finde. Von eistem Gewerbebetriebe der Zeitnngs- und Milchausträger könne nicht die Rede fein.— Es ivnrdc befchlusieii. die Akten der Polizeidirettio» zn überweisen nnd diese anfznfordcrn, im Rahmen ihrer Befugnisse gegen die Ucbertrctiingcn der Per- ordiiiing energisch vorzugehen. Auö Ripdorf. Ein schweres SittlichkeitZverbrechcn hat der 16jährige Arheilsbursche Otto F a r n l e w s k h an seiner Zjährigen Nichte, dem Töchtcrchen des Arhcitcrs A. in der Zicthciistraße, verübt. TaS schtvcrverletzte Kind mußte nach dein Britzer Krankenhause ge- bracht werden, während der jugendliche Lüstling durch die Kriminal- Polizei verhasict und in das hiesige Amtsgerichts- Gefängnis cingelicsert wurde.— Infolge der Beilegung des Straßen- b a h n- S t r e j k s wurde von der für Dienstagnachinittag an- beraumten außerordentlichen Sitzung der Stadt- v e r o p d n c t e»- V e r f a ln ml u» g, welche sich mit der Straßen- bahn beschäftigen sollte, Abstand g e n o m in e n. Die Stadtverordneten- Versammlung in Scköneberg be- schäfligtc sich am Montag mit der Stellung des Magistrats zn der Benutzung der Turnhallen durch hiesige Turn- vereine. Während die Vereine die Forderung einer kostenlosen Hergäbe der Hallen mit dem volkstümlichen Wert des Turnens recht- fertigen, glaubt der Magistrat, daß die niicnlgeltlichc Hergäbe der Turnhallen nicht statthaft fei. Mit geringer Mehrheit beschloß die Versainmlung, daß auf eine Entschädigung bis ans weiteres zu ver- zichten sei. Weiter stand zur Beratung die Regelung der Für- sorge f ü r die Witwen und Waisen der Lehre r. Diese Fürsorge ist durch Gesetz vom 4. Dezember 1896 neu ge-. regelt. Denjenigen Schulverbändcn. die mehr als 25 Schnlstellen haben und keine widerrufliche Staatsbeihilfe beziehen, ist der Beitritt zu den Schulverbänden freigestellt. Trotzdem diese BoranSsetziing für Schöneberg zutrifft, beantragte die Schuldeputation, der neue» Veranstaltung nicht beizutreten und die Lehrer-Witwcn und.-Waifeiv Verantwortlicher Rcdactcur: Paul John in nach Maßgabe der gesetzlichen Bcstiminnngen aus städtischen Mitteln direkt abzufinden. Entscheidend- war hierfür, daß bei der finanziellen Tragweite des Gesetzes und den in Frage kommenden unsicheren Faktoren ein Anschluß sich für die Stadt erheblich nn- günstiger gestaltet hätte. Dementsprechend hat der Magistrat seine Erllärung der königlichen Regierung übermittelt; die Stadt- verordneten-Versammlung stimmte der' Erklärung zu. Für die Errichtmig einer Central-Markthallc wird lebhaft in der Bürgerschaft von Schöneberg agitiert. Während man früher nur darauf Bedacht nahm, den Eiiilanf der Waren bei den Kleingewerbetreibenden am Ort zu empfehlen, und deshalb die Aufhebung der öffentlichen Märkte verlangte, ist man in letzter Zeit von dieser Förderung ganz abgckomiiien. Man niußte bald einsehen, daß die so oft betonte Unterstützung des Handwerker- nnd Mittelstands keine praktische Bedenttmg hat und neben finanzieller Schädigung den Verlust einer größeren Auswahl der Konsum- nnd Gebranchsartikel zur Folge hat. Ganz anders wird das Verhältnis in einer Ccntral-Markthalle, wodurch eine ans- reichende Zufuhr aller Bedarfsartikel der ganzen Bevölkerung die Gelegenheit eines raschen und zweckentsprechenden Einkaufs ge- boten wird. Charlottenburg. Die Parteigenossen des 5. Bezirks unter- nehmen am Hnnmelfahrtstag eine Partie nach Tegel. Treffpunkt 6'/2 Uhr früh bei Werilicke, Bismarckstr. 34. Der Vorstand des Wahlvereins ladet die Mitglieder ein. sich rege daran zu beteiligen. Ueber die Wirkung der letzten Nachtfröste schreibt der „Anz. f. d. H.": Arge Verwüstungen sind durch die ganz nngewöhn- lich starken Nachtfröste am Ende der vorigen nnd Ansang dieser Woche auch in der Umgegend von Spandau angerichtet worden. Nicht genug damit, daß ans eine Obsternte in diesem Jahre kanm noch zn hoffen ist, auch die Laubbäume im Walde und das Getreide ans den Fel- der« haben vielfach schwer gelitten. Das junge Laub der Eichen im Stadtwalde ist völlig schwarz, die jungen Buchen sehen aus. als ob ihre Blätter versengt wäre». Tic Hafcrfeldcr sind gänzlich vernichtet, so daß man Brachfelder vor sich zn haben meint. Sogar dem Roggen hat da, Ivo er schon in die Aehren geschossen tvar, der Frost schweren Schaden zugefügt. So macht ein Roggenfeld bei Schönwalde von fern den Eindruck, als ob das Getreide bereits zum Mähen reif wäre. Tic schon aufgegangenen Kartoffeln, Bohnen und andre gegen Kälte empfindliche Gemüsepflanzen sind durchweg erfroren. Das Schlimmste aber ist, daß der Frost nicht bloß strichweise gekommen ist. sondern sich über weite Gebiete erstreckt bat. Ans diesem Grunde sind denn auch ans den Märkten die Preise für Getreide usw. in den letzten Tagen schon gestiegen. Rur ein reichlicher warmer Regen kann den Schaden in etwas wieder gut machen. Gevichts-Zeikiing. Die ungenügende Gcfangeuenkost in Plötzrniec durch Diebstahl an Nahrungsmitteln ans der Gesängiiisliiche noch geschmälert zn haben, dieses Vergehens ivaren verschiedene Per- sonen angeklagt, die sich vor der 4. Strafkammer am Landgericht II zu verantworten hatten. Schon seit dem Jahre 1865 war es in Plötzcnsec unter den Gefangenen ein öffeuiliches GehciinniS, daß diejenigen Strafgefangenen, welche als„Köche" nach der Gefängnisküche kommandiert waren, einen schwnngkaftcii Handel nsit Fleisch, Schmalz, Wurst, Eiern, Gewürzen. Kartoffeln usiv. betrieben. Es bestand sogar ein bestimmter PreiSeonrant für jede einzelne Ware. Gefangene, ivclche im Besitz von Geldmitteln waren, konnlcn von diesen Gcnußniittcln nach Wunsch er- halten. Die Vermitteliing besorgten die Kalfaktoren der Stationen, welche aus der Küche dos Brot für die Gefangenen der Station ab- Hollen. Fleisch, Schmalz, Wurst kostete pro Pfund eine Mark, Eier pro Stück 16 Pscmiig, Kartoffeln cbenjovicl. Dieses Geheimnis schlvirrtc im ganzen Gcfängnisie herum, nur die Aufseher lvußten nichts davon, demgemäß komiie es auch nicht bis zn den Ohre» der höheren Verwa'lliingsbcamtcn gelangen, Tie Gefangenen bc- schlvcrteii sich zwar in einzeliien Fällen darüber, daß ihr Menu einen auffallenden Mangel an Schmalz erkennen laste und daß sie oft wochenlang an den drei„Flcischiagcn" der Woche keinen Alom von Fleisch in ihrer Schüsicl gcfniidcn' haben wollte»! diese Beschwerden wurden aber stets als g c g c n st a n d s l o s abgewiesen, denn der Küchenmeister berichtete stramm, daß in seinem Ressort alles mit der g r ö ß t e n O r d n u n g zugehe. Unmittelbar nach dem jüdischen Osterfest im Jahre 1863 kam die Sache zum Klappen. Während desselben waren vier Gc- fangcnc auf acht Tage nach der„Judenküche" kommandiert worden. (Für die jüdischen Gefangenen wird während ihrer hohen Feste in einer besonderen Küche gekocht, daher der Name.) Ans Grund von Demniziationsn wurde bei diesen Köchen eine„Hanssnchnng" vor- genommen und da wurden dann in deren Gewahrsam 5 Schüsseln Schmalz im Gewicht von 13>/2 Pfund, eine Schüssel geschmortes Fleisch, eine Schüssel gehacktes Fleisch, ein Tops mit Bouillon, ein Quantum Gewürz 2c. gefunden.. Außerdem ein großes Onaiitnm ungekochter Kartoffeln. Es wurde eine Discipl'mar-Untcrsilchimg eingeleitet, die sich zunächst gegen den Nnsschcr Hcrrmaun richtete, der während des Osterfestes die Judcnküchc beaufsichtigt hatte, Gegen diesen— der wegen andrer Dnrchstcchcreicn rechtskräftig zn 240 Jahren Gefängnis verurteilt worden ist, die er zur Zeit in Tegel verbüßt— mnßte das Verfahren eingestellt werden. Dagegen wurden wegen Unterschlagung angeklagt: Tic Strafgefaugcilcn Hoppe, Wohl. Freundlich und F rank c. Ferner der berüchtigte Wilddieb, jetzige Pferde- Händler I h l o f f, der erst am Freitag wieder zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, nnd der Tischler Dnmka. Das Schöffen- gencht sprach sämtliche Angeklagte frei, iveil die Schuld derselben nicht für erwiesen erachtet wurde. Auf die Bcnlfung der Staats- aiiwaltschast gelangte die Sache vor die Straflamrncr und nun fand eine erweiterte Beweisaufnahme statt. Diese hatte zur Folge, daß jeder der Angeklagten, mit Ausnahme des Jhlvff, der auf Grund eines uou iiguer. freigesprochen wurde, sechs Monate Ge- füngni.s erhielt. Tie Höhe der Strafe wurde damit motiviert, daß die Mitgefangenen unter den Diebereien der Angeklagten leiden mußten. Zum Fall Sternbcrg. Zur Verhandlung gegen die während des Prozcffcö Steruberg in Haft geilviniiiciic A n g u st e Wender ist ans den 23. Juni und folgende Tage Termin vor der 6. Straf- kammer des Landgerichts l angesetzt. Tie Angeklagte wird beschuldigt, in dem Falle des Mädchens Frieda Woyda, der zur Verurteilung Sleriibergs geführt' hat, dem letztercii Beihilfe geleistet' zu haben. Die Angeklagte war damals noch nicht 18 Jahre alt. Da der ganze Fall Woyda noch einmal vor Gericht aufgerollt werden muß. wird die Verhandlung mehrere Tage dauern. Ten Borsitz wird Land- gerichtsdircttor Müller führen, die Anklage vertritt wiederum Staatsanwalt Dr. R o IN e n. die Verteidig»»»; der Angeklagten haben Jnstizrat Dr. Scllo und RechlSanwa/t Dr. Werth au er über- iionnncii. Mittagessen ans der T Haffe grober Unfug! Ter Maurer Franz Röder, ein allerdings wiederholt vorbestrafter Mensch, hatte sich, wie uns ans H alle a. S. berichtet wird, am 25. Februar d. I. den Luxus erlaubt, eiiien aiis dem Armcnhause von seiner Ehefrau erhaltenen Tops Mittagessen ans der Straße in Gicbichcustciu zu verspeisen. Er ivar zur Zeit obdachlos und setzte sich auf den Fiifz- steig, worauf sich mehrere Kinder um ihn versammelten. Ter hinzu- koinmende Sergeant Kcrrl erblickte darin Berübung groben Unfugs und brachte den Röder hocki. der dann mit seinem Tops im Arme essend auf der Straße umherlief. Schließlich wurde R. nach der Wache gebracht, wobei er den Beamten noch beleidigte. Zivci Ser- gcantcn bekuiideten vor dem Schöffengericht, daß der angetrunkene Angeklagte in„ausfälliger Weise" gegessen nnd dadurch'groben Iln- fug verübt habe. Er wurde wegen Unfugs zu 1 Woche Hast und wegen der Beleidigung des Sergeanten zu 6 Wochen Gefängnis ver- urteilt. Berlin, üür den Inseratcutcil verantwortlich: Tb. Glocke m Berlin. Dr Wegen einer gegen einen friedlichen Strastenpassanten begangenen Roheit hatte sich. gestern der Hansdiener Schmiehl vor dem Schöffengericht zu verantworten. Als- in der Nacht zum 36. März der Angeklagte mit zlvci andern Männerii durch die Blumenstraßc ging, kam ihnen ein angetrunkener Mann enlgegeu, der ihnen als geeignetes Objekt zn rohen Späßen erschien. Sie umringten ihn plötzlich und stießen ihn hin und her, nnd als er sich dies verbat, schlug der Angeklagte aus ihn ein. Ein Herr, der de» Vorgang mitangesehen hatte, machte einen in der Nähe arbeitende» Sträßeiireiniger darauf aufmerksam und drückte seine Empörung ans. Er erregte damit den Unwillcn des Angeklagten in dem Maße, daß dieser. als er in seine Nähe kam, sofort mit der Faust ans ihn losschlug, während einer seiner Kinnpane versuchte, ihm mit einem dicken Spazierstock Hiebe über den Kops zu versetzen. Der Ueberfallcne folgte den Dreien und veranlaßte am Alexandcrplatz einen Schutzmann, den Angeklagten festzunehmen! den Begleitern des letzteren gelang es, in schleuniger Flucht, zu entkommen.' Der Gerichtshof war der Ansicht, daß sried- liche Bürger nachdrücklichst gegen derartige Roheiten geschützt werden inüffen uiid verurteilte deshalb den Angeklagten zu 3 Monaten Gc- fängnis. Ter städtische Parkwächter Karl Varuekow, ein älterer. verheirateter Mann, hatte sich gestern vor der zweiten Straskannner des Landgerichts 1 wegen Vergehens gegen die Sittlichkeit zu vcr- antworten. Der Angeklagte halten im Kleinen Tiergarten für Zucht und Ordnung zu sorgen. Wie ans der Urteilsvcrtündignng hervorging, hatte er das vierjährige Töchtcrchen des Reslan- rateurs Br. vom Spielplatz fort- und in seine Bude gelockt, die zum Aufbewahren von Gerätschaften diente. Hier hatte er sich in der schwersten Weise gegen das Kind ver- gangen. Der Gerichtshof war mit dem Staatsanwalt der Ansicht, daß' der Angeklagic trotz seiner bisherigen Unbescholteiiheit die Zu- billigung mildernder Umstände verwirkt habe, denn den Eltern gcgsn- über, die ihre Kinder nach dem Spielplatz im Park schickten, bekleidete er eine Vertraueirsstcllung. Der Angeklagte wurde zu e i n c m Jahr Zuchthaus verurteilt nnd sofort in Haft genommen. Vevlstnutlungett. Eine stark besuchte Versammlung der Bäcker tagte Dienstag nachmittag bei L. Keller. Der große Saal nnd die�Galcrien waren vollständig besetz!. Hetschold referierte über:„Sind die Bäckerei- arbeitcr Berlins und Umgegend bereit, in den Lohntampf ein- zutreten?" Redner wies darauf hin, daß vor 14 Tagen eine Veriaminlling stattgefunden habe, von der man allerdings nicht sagen' konnte,' daß das Interesse für bcssre Lohn- und Arbeitsbedingungen vorhanden war. Die Lohiikommission habe deshalb von Einreichung bestimmter Forderungen abgesehen und sich mehrmals an die Kollegen gewandt. Die heutige Versammlung beweist ein regeres Interesse: Wir haben alles gethem, nnsre Forderungen ans gütlichen» Wege durch Vereinbarungen mir der Meisterschaft durchzuführen. Leider haben die Jiiniiiigsmeisler von der Concordia und Germania jede Verhandlniig abgelehnt. Es sei nunmehr Sache der Bäcker, ihre Sache selbst in die Hand zu nehmen und sich eine menschenwürdige' Existenz zu schaffen. Es muß betont werden, daß nicht alle Bäckermeister auf dem Stand- Punkt der Herren Bernhard nnd Gcniciichardt stehen. Bereits eine Reihe von Ilnteriiehinern haben die Fordxrniigcn der Bäckcreiarbcitcr bewilligt. Unter aUgcinciiicr Heiterkeit dcr Vcrsaininclten bespricht der Redner ein Flugblatt der JiiiinngSmcister. Redner gicvt der Meinung Ausdruck, daß man an der Forderung festhalten müs'e, 2l M. per Woche ist das wenigste, was man fordern inüssc. um sich eine mir einigermaßen menschenwürdige Existenz zu schaffen. Halten Sic festzusammeil und wir werden unscrn Platz in den Reihen des kämpfenden Proletariats würdig behaupten. lLebhaftcr Beifall.) In der Tiskussion sprach zunächst Franke gegen die Proklainiernug des Streits. Rur durch wiederholtes Eingreifen des Vorsitzenden wurde die Unruhe der tauscndköpfigcn Menge während dieser Rede niedergehalten. Weiter sprachen eine Reihe von Diskussionsrednern im Sinn des Referenten. Sodann wurde folgende Resolution Hetschold gegen ca. 26 Stimmeii aiigciiommen:„Die Versammlung Peschließ!: Tie Lohnloiitmissioii hat die Forderungen der Berliner Bäckerci-Arbcitcr an sämtliche Meister des Strcikgcbiets einzureichen. Tic Verlüiidung des Resultats dcr eingelaufenen Bewilligungen sowie die definitive Bcschliißfassniig über den Streik findet am 12. Juni statt. In dieser BcrsaMinluilg haben nur Inhaber vönSkreikkarten Zutritt. Die Abstiimnung über den Streik muß eine geheime sein, und ist zur Prokla- nnernng desselben eine Vicrfünstel-Majoritäl erforderlich. Die Versammelten verpflichten sich, für die energische Durchführung der gefaßten Beschlüsse mannhaft einzutreten und denselben nachdrücklichst Geltung zu verschaffen. Pflicht eines jeden Kollegen ist es. im Besitz einer Streikkartc zu sein, und durch massciihafte Entnahine von.strcikmarkcn die Mittel beschaffen zn helfen, die zur siegreichen Durchführung eines solchen Ricsciitainpfcs unbedingt nötig sind. Hohe Zeit ist c-s, mit den er- bärmlichen Zuständen in nnsrent Berns anfziiränmcn. Tie Schuhmacher der Mastgeschäfte hielten am Montag eine gut besuchte Vcrsaimiilung ab. Her in a n n sprach über die Lohn- bewcgnng. die eine Regulierung des Tarifs vom Jahre 1866 bc- zweckte. Diese Regulierung beschränkte sich nur aus die Geschäfte, welche gleickie Ansprüche an die Lnaluät der Arbeit stellen. So weit die Arbeiter sich a» der Bewegung beteiligten, ivnrdc auch die Hauptsache erreich». In Betracht kamen namentlich sieben Gesckiäfle! welche ca. 156 Arbeiter beschäftigen. Tic Differenzen wurden durch Verhandlungen erledigt und Lohnzulagen von 25 Pf. bis 1 M. 25 Pf. pro Paar erreicht. Die Ilniernehmer Häven einen Verein gegründet und gegen eine Konvcntioiialstraic von 1666 M. beschlossen, nicht mehr mit de» Arbeitern der ciiizelncn Geschäfte zn verhandeln, sondern der Verein solle die Regelung übernehmen. Redner ist der Ansicht, daß es den Arbeitgebern ihr gutes Recht ist, sich zu orgaiiisiercii, und er hoffe. daß alle Differenzen sich zwischen der Orgaiiisatio» der Arbeitgeber»nid der der Arbeil- nchmer besser regeln lassen nnd stabilere Arbeits- und Lohnvcrhältnisie geschaffen werden tonnen. Vom Obermeister Bierbach war ein Schreiben eingegangen, in welchem er erklärt. daß der Verein der Arbeitgeber an eine Atissperrnng nur dann gedacht halte, iven» die Schuhmacher inibcrechligte Forderungen stellen'. In der nachfolgendeu DiSknsfioir sprachen.sämtliche Redner im Sinne des Referenten niid betontc» die Notivcirdiglcit des Lei- trittS zur Organisation. Reinirkeiidorf. Im Wahlverein hielt am 26. Mai Gcnoss« Gramm einen veisällig aufgcuomineucn Vortrag über das Thema. Jnstinll oder Verstand. Die Bersamiitlung wendete sich der Be- sprechnug einiger LerestlSangelegciiheitcn zu, die interne Angelegen? heilen betrafen._ Vevnripchtes. Fcnsctts der graue,« Wasserwüfte... Ans Hamburg wird gemeldet: Die Pajiagicrzahleii dcr gestern von hier nach Nordamerika abgegangenen Pvftdampfex dcr Hamblirg-Ainerika-Linic bestätige» die Fortdauer dcr starken Wanderung. Die„Pretoria" tKapitän Karlowa) führt. 1626 Reisende nach New Dork. Die„Hispania"(Kapitän von LeuenselSl, nach New?)ort vestiinint. hat 645, die„Arcadia"(Kapitän Schaarschniidt), nach Philadelphia bestimmt, hat 1631 Passagiere an Bord. Beide Schisse laufen wegen der zahlreichen Anstvanderer, die nach Canada wollen, Halifax an. In Stolp in Pommern kam es vorgestern abend ans Anlaß dcr palizeUichen Festnahme eines Betruincnen zu Rlihestörnnge», die, wie berichtet wird, schließlich zur Znsmnmcnrottnng einer großen Menscheiunenge auf dem Marktplatz und den umlicgnidci» Straßen führten und das Eingreifen des Militärs nötig machten. Um Mitternacht war die Ruhe lvicder hergestellt. Grubenunglück. Aus der Ferdinaiidsgrube bei Äattowitz ist beim Abdämmen von Grubengase» infolge Ettizündung von matten Weitem der Obethmrer Menzel gelöter worden._ ck und Verlag von Max Badius in Berlin.