Verlag: Karlsbad, Haus„Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite itflcssfiifclil udiI Wssthnmuni Alle neuen Berichte aus Deutschland lassen erkennen, daß die Masse der Bevölkerung einen neuen Krieg schon als feststehende Tatsache hinnimmt Die Kriegsfurcht ist bei vielen zur Kriegspsychose geworden, bei anderen wieder in wahre Kriegsstimmung umgeschlagen. Wir veröffentlichen im folgenden Aus- züge aus Berichten, die uns aus allen Teilen Deutschlands zugegangen sind: Schlesien >Daß die Kritik sich nicht in der Weise bemerkbar macht wie vor einigen Monaten, '«t hier wahrscheinlich darauf zurückzufüh- daß ein anderes Moment die Bevölkerung gefangenhält; ihr Gesprächsthema ist: J e- •isr redet vom kommenden Krieg einer jetzt schon feststehe n- fien Tatsache. Erschreckend ist, mit wel- �her Selbstverständlichkeit die Leute den na- ben Ausbruch eines Krieges als gegeben an- hehmen. Als Termin wird allgemein der Januar 1935 genannt, da bei der Saarabstim- �hhg Konflikte, die zum Kriege führen, erwartet werden. Aus Neustadt O. S. wird da- b«i folgender Vorfall gemeldet. Ein Belchs- Wehroffizier äußerte in einem Lokal: »Da» ganze deutsche Volk wird unseren Rciehsfilhrer auf der Tagung In Nürnberg »Erstanden haben. Am 14. Januar 1935 werden wir unseren Brüdern an der Saar "he Band reichen. Wenn ich Ihnen deutlich "agen soll: am 14. Januar marschieren wir '»s Saargebtet ein. Diesen Gehelmbefehl habe ich schon la der Tasche.« 016 Leute sehen den ungeheuren �'Utärlschen Betrieb In allen 1 arnlsonstädten. Das StraßenbUd ist 0 hianchen Orten jetzt schon vom Militär �t stärker beherrscht als während des '�ege«. Truppenverlegungen erfolgen Uber- " Die Motorisierung wird in stärkstem aße durchgeführt. Es gibt kaum eine schle- Stadt, in der nicht große Kasernenneu- ten durchgeführt werden. Kordbayern »Die Befürchtung, daß es bald zum Kriege komme, steckt in den weitesten Volkskreisen. Dort, wo Textilfabriken sind, schließen das die Leute aus der Verarbeitung des Ersatzstoffes. Dabei denken die Leute einfach mechanisch und sagen:»Das ist wieder die gleiche Sache, wie wir sie im letzten Kriege verarbeitet ha- b e n.< In anderen Orten sind es wieder die Hilst ungsvorbereitungen, die Kasernenneubauten und das Anlegen von neuen Flugplätzen.« SUdbayern »In einigen Fällen machten wir die sonderbare Entdeckung, daß sogar Arbeiter tatsächlich an den Erfolg eines deutschen imperialistischen Krieges glauben, daß sie von einem militärisch über- legenenen Deutschland eine Besserung ihrer Lebenshaltung erwarten.« Kordwestdeuisdiland I»Die immer mehr sichtbar werdende fieberhafte Rüstung' gibt in der Bevölkerung zu den buntesten Ansichten über die außenpolitische Situation Veranlassung. In der geschulten sozialistischen Arbeiterschaft rechnet man zwar auch mit der Möglichkeit eine« Krieges, ist aber davon überzeugt, daß sowohl die Generalität wie die Rüstungsindustrie Hitler immer wieder zu Friedensbeteuerungen und außenpolitisch friedlich anmutenden Maßnahmen veranlassen werden. Bei der gesaraten übrigen Bevölkerung wirkt am erschütterndsten ihre psychologische Verfassung, die den Krieg als unver- meidlch ansieht und in großem Umfang sogar mit seinem baldigen Ausbruch rechnet. Auch ein großer Teil der Arbeiterschaft sucht Erlösung vom nationalsozialistischen Uebel djirch den Krieg. Sie flieht au« der politischen Wirklichkeit in die politische Metaphysik. Was wechselt sind ihre Hoffnungen. Früher war es eine Militärdiktatur oder die Monarchie, jetzt ist es der Krieg. Die Tragik liegt darin, daß damit auch die Kriegschancen wachsen, während alles darauf ankommt durch wachsenden Inneren Widerstand das Xaziregime von diesem letzten und verbrecherischsten Abenteuer abzuhalten.« Diese Stimmungen spiegeln die Zersetzung und Verzweiflung des Volkes wieder. Es wird systematisch mürbe gemacht für den Krieg. Wenn erst die" Ueberzeugung um sich frißt; der Krieg kommt ja doch! — dann ist der Weg bis zur Bejahung des Krieges nur noch sehr kurz! <3eo »eibst � wird den Nazis in den Unterrichtsatun- erzählt, daß wir unter allen Umständen, Wenn Deutschland den Polen noch mehr bUndetenk0mmen ,nuß' dieses Land zum Ver- Deutsch" bekoimmen müssen, selbst wenn Deaj yland das Gewesene zu vergessen und Ver- "öhnung, nicht Rache walten lassen zu �Uen. Tatsächlich aber berief er den in- "�«chen fortgeschickten Canosa wieder j1'*. reorganisierte die Terrorbanden Calderari zu noch ärgerem Wüten und tzte zahllose Standgerichte im Zeichen Galgens ein— zur höheren Ehre Got- � nnd der Heimat. eriden wir uns aus dem bourbonischen 8aPel von 1820 nach dem vom europäi- 611 Kapitalismus bedrohten China von 1895 � haben wir es rassisch, kulturell und den �J�baftlichen Voraussetzungen nach ge- �»üt den denkbar größten Gegensätzen Q"tn, aber die Kunst, reaktionären Fa- Uämus und räuberische Habgier bluboi- sn tarnen, scheint in allen Zonen 0'a bei allen Völkern gleich groß zu sein. fr, rielmehr, sie wurde in China, dem "ao*�do der geheimen Bünde und der antaaieauf peitschenden Geheimdienste, P®Iner Virtuosität gesteigert, vor der die Itej. ari�t der neapolitanischen»Kesselflik- Völlig verblaßt Wer von den Zopf- (W nern die Erneuerung im Geist der mo- pnen Zeit, also wer Eisenbahn, Tele- industrielle und kommerzielle han�rtugung, geistige Auffrischung usw. ter ri-: der Hof der bigotten Kaiserin-Mut- die p f kaiserlichen Prinzen und Generale, Priester und die Beamten, sie alle förderten und ermunterten die lumpenproletarischen Bünde»Fäuste rechtschaffener Harmonie« und»Bund vom großen Messer«, kurz»Boxe r« geheißen, und dieser planvoll geschürte Haß brach in furchtbaren Taten aus, als nach der Niederlage gegen Japan(1895) die verschiedenen Großmächte sich anschickten, aus dem lebendigen Leibe Chinas die besten Stücke für sich herauszuschneiden. Nun fand der beleidigte Patriotismus Worte wie diese: Der Wille des Himmels ist es, daß die Telegraphendrähte zerschnitten, die Bahnen zerstört und die fremden Teufel geköpft werden. Bis das geschehen ist, wird kein Regen fallen. Gehe also daran, rechtschaffenes Volk, die Barbaren zu vertreiben und so den Himmel zu versöhnen. Das soll dir hoch- angerechnet werden. An dem Tag, da das Werk vollendet ist, sollen Regen und Wind sich wieder nach eueren Wünschen richten.« Ausgelebt aber haben sich Fremdenhaß und nationale Empörung in phantastischen Trachten, in rauschhaften, alle bösen Instinkte aufstachelnden Kulthandlungen und in den zahllosen Morden des Boxeraufstandes (1900). die den Tod des Opfers erst an das Ende einer entsetzlichen Reihe von Qualen stellten. Denn man mordete, wie heute in Oranienburg so damals:n China, unter höchster Patronanz mit Ueberlegung und Genuß, wofür folgende ganz hitlerdeutsch anmutende Stelle aus dem»Tagebuch seiner Exzellenz Ching Shan« Zeugnis ablegen mag:»Das Antlitz(des gefolterten und als Trophäe zur Schau gestellten Professors Huberty James) hatte einen entsetzlichen Ausdruck. Aber es war doch famos, das Haupt eines Fremden an unseren Palasttoren hängen zu sehen. So vermochte der Ruf»Blut und Boden!« Menschen in unvorstellbar rasende Bestien zu verwandeln, aber immerhin darf man den Boxern und ihren gekrönten Beschützern zubilligen, daß die Fremden tatsächlich China für sich und für das. was sie Kultur und Zivilisation nannten, ausrauben wollten. Zugunsten der rassischen»Schwarzen Hunderte, die im Herbst 1905, von Polizeiagenten angeworben, die drohende Revolution ins gegenrevolutionäre Fahrwasser zu lenken hatten, kann man diese halbwegs berechtigte Ausrede nicht mehr geltend machen, sie stellten das mit der patriotisch-religiösen Lüge maskierte, von den regierenden Machthabem vorgetriebene Verbrechertum zum erstenmal in vollendeter Reinkultur dar. Da haben wir alle Züge aus dem uns inzwischen so vertraut gewordenen Bilde: den bluboistischen Namen»Verbände echt russischer Leute«; die Teilnahme des verkommensten Gesindels aus»allen Winkeln, Spelunken und Lasterhöhlen«; die Ausstaffierung der wohlvorbereiteten Mord- und Plündererzüge mit Festgottesdiensten, Heiligenbildern und vaterländischen Emblemen; die wohlwollende Duldung der Metzeleien durch Polizei, Militär und Behörden bis hinauf zu den leitenden Ministern; und endlich die Ablenkung der Volkswut von den wahrhaft Schuldigen, für Staatszerfall und Massennot Verantwortlichen auf einen Prügelknaben: auf Sozialisten und Juden. Die Methode, wie so etwas»gedreht« wird, wie man Habsucht und Grausamkeit einer verelendeten, dumpf-unwissenden Masse von Amts wegen aufputscht und ihre Schandtaten als Ausbrüche berechtigter Empörung, der Staats- und Gottesbegeisterung glorifiziert, ist inzwischen in die Handbücher aller»unwiderstehlichen Volksbewegungen« eingegangen, aber auch der amerikanische Ku-Klux-Klan hat sich seither als unverächtlicher Lehrer bewährt Eigentlich schon 1866 gegründet, dann aber fast vergessen und erst 1915 reorganisiert, hat er gleich den»Schwarzen Hundert« vor das Bewußtsein abgewirtschafteter Farmer, entlassener Soldaten, macht- und ehrlüstemer Kleinbürger und anderer Ürteilsloser allerlei einprägsame Prügelknaben, insbesondere Neger, Katholiken und Juden, hingestellt um ihnen alle Schuld und alle Verfehlungen der herrschenden Klassen aufzulasteu und zugleich dem Sadismus und der Raubgier seiner Mitglieder brauchbare Objekte darzubieten. Soweit, ferner mit der Blubo- flagge des»hundertprozentigen Amerika- nertums« und der»reinen Christlichkeit« und mit scheußlichen»Strafzügen«, Lynchakten und Mordbrennereien Schüler und nicht Meister, erwies sich der Ku-Klux- Klan im Aufziehen der Reklame und des organisierten Geschäftsbetriebes als wahrer Bahnbrecher. Die Mitgliederfang betreibenden seitengroßen Zeitungsinserate, der raffinierte Ausbau des Werbeapparates, die Massenversammlungen in weißen Gespeiisterkitteln, die Millionen abwerfende Monopolisierung des UniCormverkau- fes durch die Bundesleitung las waren brillante Ideen, von denen die braunen Häuser Hitlers viel lernen konnten und viel gelernt haben, und auch üe mehr oder minder gewissenhafte Versorgung der Pg. mit niedriger Mitgliedsnummer mutet wie die Erfüllung eines Werbeprospektes des Ku-Klux-Klan, made in Germany, an. Das Neue, wodurch Hitler and seine Spießgesellen über die Kesselflicker und Boxer, die Schwarzen Hundert und Ku- Klux-Klan-Leute hinauswuchsen, war, daß sie mit den von diesen ausgebildeten Methoden eine Tyrannis nicht untermauerten, sondern begründeten, aber las Gangstertum in idealistischer Tarnung ist auch ihres Erfolges letztes Geheimnis. Wie wohltuend hebt sich da von ihnen der große italienische Räuberhauptmann des vierzehnten Jahrhunderts, Werner, ab, der auf seinen Waffenrock den Spruch hatte sticken lassen:»Ich bin Herzog Werner. Führer der großen Kompagnie, der Feind Gottes, des Mitleids und Erbarmens!« So redet ein Mann, der auf sich hält und der es verschmäht, sich als Erlöser derer zu kostümieren, die er verführt, geknebelt und ans Kreuz geschlagen hat Aber dafür endete er auch nicht auf dem Throne, sondern am Galgen. 44 ai£ siildälut dßS HüliSltMädS 44 Das große Vorbild bleibt Victor Hugo. Als der Staatsstreich des 2. Dezember 1851 den schmutzigen Emporkömmling samt seinen schmutzigen Kreaturen zur Herrschaft gebracht hatte, machte der französische Nationaldichter es nicht wie Gerhart Hauptmann, der flugs seine bessere Vergangenheit gleichschaltete und zum Worstkesael-Lled die Rechte grüßend hebt, nein! er brach entschlossen alle Brücken hinter sich ab und ging ins Exil, um gegen das Regime des dritten Napoleon Krieg zu führen, Krieg In gebundener und ungebundener Rede. Krieg im Namen der Freiheit und Gerechtigkeit, Krieg ohne Ermatten und Gnade— achtzehn lange Jahre hindurch. Sein Versband„Lea Chätlments", auf deutsch etwa„Die Peitschenhiebe", war die grausame Abrechnung eines großen Poeten mit einem kleinen Abenteurer; wie viele dieser Strophen, die 1930 noch als Literatur wirkten, sind seit 1933 wieder Leben geworden! Auf der gleichen Linie wie die„Chätlments" liegt, soeben im Verlag ,,Les Aasodäs" zu Brüssel erschiehen, Alfred Kerrs„Die Diktatur des Hausknechts": als Vers- und Prosaband, als Stäupung widerlichen Gesindels, als Manifestation des Geistes, der nur außerhalb der Grenzen des„Dritten Reiches" zu atmen vermag, neben Heinrich Manns ,,Der Haß" das einprägsamste, das erfrischendste Werk der deutschen Emigrantenliteratur. Nur der Titel—„Diktatur des Hausknechts"? Wäre der„Verband der Hotel-, Restaurant- und Caf 6- Angestellten" nicht dem Schicksal aller Gewerkschaften verfallen, er würde sich zum Protest erheben, denn wie kommt ein ehrenhafter Beruf wie der des Hausknechts dazu, als Vergleich mit den verlogensten Hochstaplern und den blutbesudeltsten Banditen der Weltgeschichte herangezogen zu werden? Aber so hat Herr es gar nicht gemeint Um in einer Kritik Uber den„Sturmgesellen Sokrates" Sudermanna zu zeigen, welch ,,eln Widerspruch zwischen einem solchen volkerziehenden Thema und der Person dieses Theaterschriftstellers" bestehe, setzte er, vor Jahren einmal, drei Gleichnisse hin:„Was würde man denken, wenn ein Gerichtssekretär sich mit einem Rechtsphllo- sophe.n verwechselte? Wenn Oberkellner als öffentliche Erzieher aufträten? Wenn Bezirksvorsteher napoleonlscb blickten?„So wenig wie er damals den Gerichtssekretären und Bezirksvorstehern zu nahe treten wollte, so wenig denkt Kerr daran, mit dem Titel seines Buchs die Hausknechte herabzusetzen. Ein Hausknecht als Hausknecht— wackerer Mann! Aber ein Hausknecht als Diktator, und zwar auf Grund seiner Hausknechteigenschaften— das ist etwas anderes. Als Ferdinand Kürnberger um 188« herum zu den Tagesereignissen das Seine im Wiener Feuilleton sagte, rechtfertigte er sich: ,,Ich schreibe den Theaterbericht der österreichischen Tragödie". Aehnllch dürfte Kerr, der als BUhnenkritiker seinen europäischen Ruhm begründet hat, dartun, daß er nur bei der Stange bleibt, wenn er das schlechte Rü- pelstück„Deutschlands Erhebung" und seine miserablen Komödianten rezensiert. Aber er hat solche Rechtfertigung nicht nötig. Seit je war ihm Theaterkritik nicht Selbstzweck. sondern Vorwand, auszupacken, was immer er auf dem Herzen hatte, denn er gehört zu den wenigen begnadeten Geistern Deutschlands, die nicht im Elfenbeinturm hockten und ihren Nabel bestarrten, sondern mit seinen eigenen Worten zu reden, einen lachend leidenschaftlichen Anteil an der Erneuerung menschlicher Dinge nnhrri�n Immer kurbettierte er auf seinem Pegasus um die Vorhut der Menschheit, immer fühlte er sich als Vorwärts- peitscher der Entwicklung am wohlsten, und statt mit den Jahren und Jahrzehnten ruhiger, betulicher und anpassungsfähiger zu werden, wurde er stets resoher und deftiger, stets kühner und kesser. Davon zeugt auch „Die Diktatur des Hausknechts" mit den Beiträgen aus jenen Jahren, da die braune Schlammflut erst heranrollte. Nicht umsonst beißt dieser Teil„Die vergebliche Warnung", denn immer wieder suchte er in Feuilletons und Radio-Vorträgen die sanft schlummernde Republik durch Rippenstöße auf die Beine zu bringen und rief unermüdlich zur Einigung der Republikaner gegen den gemeinsamen Feind auf: Nachgiebigkeit? Im Zeltenstrom Bleibt sie ein mulmiges Symptom. Euch fehlt die Kraft zum Stoß. Pufft mal die Republike grob An ihren schlappen Schlummerkopp Feste! Los! Darum haßten ihn die„Fäkalsozialisten" unterm Hakenkreuz und setzten ihn auf ihre Aechtungsllste. Unvorstellbar, was die Folterknechte Görings mit ihm angefangen hätten, wäre er ihnen in die Klauen gefallen. So mußten sie sich zähneknirschend damit begnügen, seine Bücher dem Scheiterhaufen zu überantworten, sein Eigentum zu stibitzen und ihm die Staatsbürgerschaft abzuerkennen— er quittierte mit munteren Versen, die länger dauern werden als jener lächerliche Urteilsspruch: Die haben die Stim, nach frechen Verbrechen Andren das Deutschtum abzusprechen. Sie gaben'Mördern den Fingerzeig, Förderten Greuel und leugneten feig. Sie graben der deutschen Ehre das Grab. Drum Sprech ich ihnen das Deutschtum ab. Von der ersten bis zur letzten Zeile ist „Die Diktatur des Hausknechts" köstlich als Pamphlet der Pamphlete. Einer, der immer aus klaren Augen in die Welt schaute, sieht auch hier klar, was die sogenannte Erhebung Deutschlands Ist: tiefste Erniedrigung, eine Volksüberrumpelung durch plumpe Gewalthaben, ein Gemisch menschlicher Robelt mit grundsätzlicher Lüge, die Wiedergeburt von Rechtlosigkeit und Erbarmungslosigkelt. Wie nur so schwingt er die Geißel eines schmissigen Stils, von dem blutige Striemen zurückbleiben. Er läßt den Anführer sprechen— zu den Angeführten; Mich hat ein mulmiger Mittelstandsgott Zum Macher auserlesen— Ich tätige einen Totalbankrott, Wie keiner dagewesen. Ich rede Quatsch; die Spucke voll Speck; Das Volk hört zu mit Rührung; Denn nie kam Deutschland so in den Dreck Wie unter meiner Führung. Und seit Heinrich Heine„über das klägliche Haupt des Herrn Wolfgang Menzel in 1 Stuttgart" die Ehrlosigkeit, die Infamie aus-: sprach, kannte die deutsche Literatur keine so erbarmungslose Exekution wie jene, die| K e r r hier an Gerhart Hauptmann voll- 1 zieht— blutenden Herzens, denn ein ganzes Menschenleben lang war er der Freund, der Wegbereiter, der Ruhmestrompeter des ,,Wb- ber"-Dlchters. Das Nlederziehendste ist für K e r r„nicht, daß Grauenhaftes geschieht, sondern daß fünfundsechzig Millionen es mit ansehen; es in Kauf nehmen; einstecken; jede Lumpentat mitmachen", das Erstaunlichste bleibt Ihm „nicht der Hitlerismus, sondern der Eindruck, den zu machen man ihm erlaubt". Wie die republikanischen Parteien In Deutschland angesichts der braunen Pestgefahr zagten und zauderten, so gewahrt der Dichter jetzt voller Entsetzen die Untätigkeit der demokratischen Staaten: Deutschland verrottet und verroht. Die Luft von Giften schwül und schwer. Das Blutrecht herrscht. Dem Erdball droht Der dunklen Urzeit Wiederkehr; Man schärft das Beil zum großen Streich Im Dritten Troglodytenrelch; Schon stelzt vor �Staffeln" und „Standarten" Der Mordbandit, der braune Wicht; Die andren flüstern, wägen, warten— Un rühren sich nicht. Beeilt man sich nicht„mit der neuen, starken, I ethischen Politik", so ahnt K e r r für Europa den Anbruch einer Epoche, die der römischen Kaiserzelt verdammt Ähnlich sieht:„mit wechselnden Diktaturen, dunklen Bandenführern, unübersehbarem Chaos". Trotz allem glaubt er an die Heraufkunft einer Zeit, da, wie esKarlMarxln der„Inauguraladresse" von 1894 veritündet hat,„die einfachen Gesetze der Moral und des Rechts die obersten Gesetze des Verkehrs der Nationen" sein werden. Börne, vor hundert Jahren als Emigrant im selben Paris lebend, spottete bitter: ,, Französisch werde ich schon rasch lernen, aber wie fange ich es an, Deutsch zu vergessen". Nicht so Herr. Zwar grüßt er, wie sein Da- seinsgefühl in dieser apokalyptischen Zeit unverändert stark bleibt, auch auf diesen Blättern seine alte Liebe Paris, Stadt,„die von Göttern und Menschen geliebt wird, der die Kraft ist; Ringende glücklich, Glückliche glücklicher zu machen", aber zugleich bricht aofrichtlgste, schmerzlichste Liebe zu Deutschland durch, ja, im Grunde ist das ganze Buch Der ewige Mopp Als Junger Literat sitzt Miguel de Cervantes in Madrid herum, ehe er Diener bei einem Kardinal in Rom wird. Man schreibt 1569. Die erste Frau, die er anbetet, ist eine berufsmäßige Dirne— und er weiß es nicht In Spanien herrschen Inquisition, Rassenkampf gegen Mauren und Juden, Austreibung, Mord und Korruption— ihn aber lassen die Schandtaten der Türken nicht schlafen, er wird Soldat der allchristlichen Kriegsflotte, ficht in der Seeschlacht bei Lepanto, verliert die linke Hand, hat die große Empfehlung seines Heerführers in der Tasche— da, auf der Heimfahrt, überfallen Korsaren sein Schiffchen. Drei Jahre liegt er im Räuberstaat Algler als Sklave fest Einige Fluchtversuche scheitern. Täglich muß er die Martern der anderen Gefangenen mit durchleiden. Als endlich Lösegeld für ihn bezahlt wird, kehrt er in die Heimat zurück: arm, verschuldet, gerädert, aber noch immer hoffend, seinen feurigen Sinn für Spanien einsetzen zu können. Der königliche Hof sendet ihn mit einer Botschaft □ach Oran, Cervantes sieht sich schon als Kommandeur einer Flotte, um dem Halbmond ganz Nordafrika zu entreißen— aber er war nur einmal königlicher Briefträger. Als er von Oran zurückkehrt, kennt man ihn in Madrid nicht mehr. Er hungert, dichtet, schreibt Theaterstücke, die nichts einbringen. Nimmt eine Frau sozusagen von der Scbänke weg, lebt mit ihr— sie läßt ihn mit einem Kinde sitzen. Das Kind muß eine Mutter haben, er heiratet eine im Dorf der Mancha, das große Mädchen Catalina, das kindische Ritterbücher liest. Von Cervantes bunten, erlebten Geschichten ist sie enttäuscht. Was sind schon seine Taten bei Lepanto, seine furchtbaren Erlebnisse in Algier, seine verwegenen Fluchtversuche— was sind diese Abenteuer gegen die herrlichen Taten der Wunderprinzen mit feurigem Schwert, gegen Palma- ranths Kampf mit den fünfzehn dreläugigen Riesen?! Verzweifelt geht er auf imd davon, nimmt das verhaßteste Amt an, das es gibt: wird Steuereintreiber. Auf einem Maultier — da ein Bein und dort ein Bein— durch- zlebt er Spanien, verlernt das Denken, verlernt das Hoffen; ein dicker Gastwirt, ehemaliger Schauspieler, wird sein Freund, sein Sancho Pansa. Einmal requiriert Cervantes allerhand Kirchengut, wird von der Kanzel herab verflucht und verfemt. Man will ihm an' den Kragen. Wozu gibts die Judenverfolgungen und die �Reinheitskammer«? Da jedoch die Cervantes zum Kleinadel gehören, so erledigt sich die Blutprobe, aber die Kirche bringt ihn um seine Stellung als Gerichtsvollzieher. Er ärgert die Reaktion, schreibt satyrische Liedchen auf die Niederlage der spanischen Flotte an der englischen Küste, läßt eine dramatische Groteske gegen die Rasse-Narrheit über die Bretter gehen— soviel Freiheit gab es selbst im Spanien der Inquisition— und singt mit seinem Sancho Pansa; Rasserein, rasserein WU1 heut jeder Esel sein. Man macht ihm den Prozeß wegen irgendwelcher Fehlbeträge von ehedem und schmeißt ihn in Schuldhaft. Verwahrlostes Volk sitzt im Kerker von Sevilla umher, abgründig und verrückt, wie die ganze Zeit. Hoffnungslos. müde, vorzeitig gealtert, hockt Cervantes vor der bauchigen Flasche, die Ihm sein dicker Freund ins Gefängnis gebracht, sieht sich entsetzt im Spiegel: Kinn- und Schnurrbart grau, lange Falten neben der Nase, in den Augen noch Leben, aber das übrige hager, eckig, krummnasig. So zeichnet er sich auf dem amtlichen Maultier des Staates, den Amtsstab des Gerichtsvollziehers unterm Arme; aus dem Tier wird eine dürre Roslnante und magere Beine baumeln lang über die Rippen des Kleppers. Don.Quixotes Urbild entsteht. Diese Schlcksalsgeschiehte eines großen Dichters, der das Reich des Lebens und der Freiheit sucht, hat Bruno Frank in seinem Roman»Cervantesr(Querido-Ver- lag) eingefangen. Grandios und tragikomisch ist dieses Stück Leben, in dem sich der Abstieg einer ganzen Nation und ihre Verdrängung von der Weltherrschaft spiegelt. Düster, blutig und heiß durchdörrt erscheint diese Vermischung von mittelalterlichem Barbarismus und spanischem Getriebe. Der Dichter Bruno Frank hat Stil und Form für seinen Von Bruno Brandy Stoff gefunden; flirrender, rotierender Nebel aus dem sich die ewig gültige Gestalt des unsterblichen Träumers und blindwütigen Idealisten zutage ringt. Cervantes, sein Ueber- schwang und seine Enttäuschungen, hunderttausend Catalinas mit ihren Büchern voll Hirngespinsten, dieses Volk, edlem Unsinn, »letztem törichtem Nachhall großer Vergangenheit nachjagend«— das alles fließt in eins zusammen. Als er im Kerker vor Elenden jenes Kapitel vorliest, in dem Don Qul- xote gemeine Prügel bezieht von jenen gefangenen armen Sündern, die er von ihren Schergen befreite, da hält sich dieses Auditorium wiehernd den Bauch. Verzweifelt blickt Cervantes Ins Leere, dreifach spiegelt sich plötzlich sein Ritter von der traurigen Gestalt. Würde man das Buch je erkennen! Würde man hinter seinem irrenden Hidalgo den Geist Spaniens sehen,»der großmütig blind hinter Gewesenem her war, während ringsum die Welt zu neuer Wirklichkeit aufwachte?« Inzwischen ist der ewige Narr in viele® Völkern erkannt worden. Auch bei Frank wächst seine Gestalt von selbst über die Ränder des Buches hinaus. Denn Don Quixote in! überall, ist der bünde Träumer und bei manchen Völkern eine Gefahr ohne Ende. Sie harren des Großen, jagen Gewesenem oder Phantastisch-Unmöglichem nach, die Sancho Pansa trotten mit dem Schnappsack nebenher, halb aus Gewinnsucht und halb aus dumpfer Verehrung für den Geist, für die Glorie der Illusion. Die Beutemacher gesellen sich hinzu, die Quacksalber und Scharlatane- Spekulative Demagogen und kalte Streber nähren die Illusionen, an denen sie recht g®1 schmarotzen, spielen Märohenprinzen und Messlasse je nach Bedarf, Geschäftemacher liefern die Kanonen und Konserven, die Stiefel und Monturen-- Don Qulxoto kann 1® die Schlacht ziehen. Da« edle und lächerliche Haupt in den Wolken, die Wirklichkeit nicht schauend, wird er immer wieder Prügel beziehen und die Welt wird immer wieder über ihn lachen, indes sie ihn noch öfter beweinen könnte. auch an den Stellen, wo der Haß gegen„die Blutschmarotzer, die Machtfledderer, die Folterer, die Hepp-Hepp-Hunde" In Weißglut aufsprüht und gerade dort, ein klingendes und beschwingtes Bekenntnis zu dem Deutschland, das sein wird. Karl Max. »Verfasser unbe'- annt« In einem bayrischen SchuUesebuch findet man: >Die Loreley«, Verfasser unbekannt. Sie stehlen— aber nach dem Rasseprinzip! Eine Denkmalsinsdirlti Hersbruck in Franken ist der erste Kreis, der sich stolz rühmen kann, von Juden, vollständig frei zu sein. Dieses historische Ereignis im Gau Streicher muß natürlich nach gutem Nazibrauch durch Errichtung eines— Freiheits-Denkmals gefeiert werden. Dieses Denkmal trägt die Inschrift:„Den gefallenen Freiheitskämpfern zur Ehre! Den Lebenden zur steten Mahnung: Die Einheit und Ehre zu wahren. Den Künftigen zum dauernden Gedenken an den Sieg der Wahrheit über die Lüge, an Deutschlands Erhebung unter dem Führer und Kanzler Adolf Hitler. Errichtet vom Kreis Herbruck der NSDAP, im 3. Jahre des Dritten Reiches, als Gauleiter Juüus Streicher seinen Titanenkampf gege,, den Juden führte und unter der kraftvolle® Führung des Kreisleiters Georg Sperber der Kreis Hersbruck, die alte nationalsozialistische Hochburg, sich restlos zum Führer bekannte." Immer autark! »Der Wald ernährte die Familie11' machte die Knaben zu Männern, die sie® überall bewährten, und die Mädchen Müttern.« Au« einer Waldbetrachtung der»Po®1" m ersehen Zeitung«. Met oder Cocktail Wie kommt Cocktail und Hakenkreuz zusammen? Cocktail riecht keineswegs nach Blut und Boden. Cocktail riecht nach Laboratorium. Cocktail wird in Bara und Dielen gekippt, wo nicht„heldische blauäugige Arier" sitzen, sondern verdächtige„Uberalistische Nicht- arier" um Fmuen des dunklen(Mittelmeer-) Typs gieren(nach der„Berliner Wochenschrift für Rassenkunde": mit langem Oberkörper, kurzen Beinen, schwarzen Haaren. Hakennase, vollen Uppen, großem Mund. Hängebrust, reichlichem Haarwuchs und Neigung zur Fettsucht), Cocktail ist geradezu eine jüdische Erfindung, um das deutsche Volk zu entsittlichen und zu verderben. Cocktail erscheint als da« genaue Gegenteil dessen, was sich als zackige nationalsozialistische— hupp!— Weltanschauung gibt. Haben etwa die alten Germanen Cocktail getrunken? Sie haben Met aus Auerochsen- hörnern in den Schlund gegossen, und die arischen EdeUnge aus Hitlers Heerbann machen es ihnen nach. Eins, zwei, drei— gsuffa! Ehedem einmal schwelgte JUngstdeutsch- land in Cocktail- und Bar-Lyrik. Etwa: Geliebte, komm mit in die Bar! Der Mixer sagt uns den geheimsten Tip, und himmlisch. Uberirdisch steht dein Haar zur Rötllchkelt des Sherry-Brandy-Fllp. Wer heute solche Verse verzapfte, verschwände im Konzentrationslager, und auch der GUde der Bar-Mixer ist nicht anzuraten. sich im„Dritten Reich"• allzu mausig zu machen. Aber wie wird uns? Frankfurt a. M. erlebte dieser Tage einen Internationalen Barmixer-Kongreß mit Cocktail-Turnier, bei dem 170 neue Rezepte, davon— erwachtes Deutschland in der Welt voran!— 80 von deutschen Mixern ausgeknobelt wurden. All das unter innigster Anteilnahme der Nazi-Oberbonzen, die trotz der „germanischen Erbmasse im Blut" nicht nach Met, sondern nach Cocktail riefen. Cocktail erschien ihnen als das einzig Wahre. Pg. Linder, Bürgermeister von Frankfurt, begrüßte die Mixer aller Länder und schloß seine Ansprache„mit der Hoffnung, daß auch durch diese Veranstaltungen das wahre Gesicht Deutschlands gerechter gewürdigt werde, um so mehr als Deutschland, wie jeder sich habe überzeugen können"— beim Cocktail-Turnier!—„ja nur den Frieden wolle". In die gleiche Kerbe hieb Pg. und M. d. R. Wolkersdörfer, Reichsleiter der Betriebegemeinschaft Nahrung und Genuß, und dann antworteten die ausländischen Mixer und sagten nach der gleichgeschalteten Presse,„sie hätten auch vielfach Gelegenheit gehabt, sich von der Unrichtigkeit dessen zu überzeugen, was sie In ihrer Hei- mat über Deutschland gehört und gelesen hätten", nämlich daß cfie Nazi-Bonzen nur Met aus Auerochse nhömem«Offen. Zum Schluß stieg, wie es sich gehört, das Horst- Wessel-LIed. Horst Wessel und Bar-Mixer gesellt sich gern. Halt fast hätten wir vergessen; Pg. und M. d. R. Wolkersdörfer, der Mann von Betrieb, Nahrung und Genuß, wurde auch zum Ehrenmitglied der.internationalen Bar- Mixer-Union" ernannt; das ist die In tsrnationale, die dem Nazi wohlgefällt Aber warum in aller Welt hat es man es versäumt, den„Führer" feierlich zum Ober-Ehren- und ür- Mixer auszurufen? Er ist ja im Hauptberuf. Was er Deutschland kredenzte, war der Cocktail der CocktaUe: aus allen Giftküchen zusammengegossen, geschüttelt und gemischt bis zur Unkenntlichkeit, den Kritiklosen mundend und besoffen machend. Der Katzenjammer, der schon im Anzug ist, wird entsprechend sein. K. H. »Dichter« lassen die Ahnen noch einmal fl*1" den Urenkel zeugen.»Die junge Bübn®4 (Theater am Nollendorfer Platz, Berlin) ein Blubostück von einem Mattbiese® uraufgeführt;»Heilige Erde«, selbetverstän*'" lieh. Marke:»Echtes Brauchtum«. Hef® Dichtende Wikinger Kunst und Ahnenerbe. Auch in der Literatur des Dritten Reiches regiert die Urgroßmutter. Nicht nur, weil aus ihren Zeiten die Stoffe bezogen werden, sondern well sich die Autoren mit ihr legitimieren müssen, namentlich wenn sie irgendwie verdächtig sind. Zu diesen gehört G o 1 1- friedBenn, der expressionistische Lyriker, der sich einst vom Unken Lager protegieren ließ. Nun möchte der Aapbaltdichter völkisch lernen, aber er kanns nicht recht erdichten und man glaubt es ihm nicht Also raus mit der Urgroßmutter! Er läßt ein kunsthiato- rischea Buch erscheinen, in dem er zunächst seine arischen Ahnen aufweist und sich»um den Nachweis seiner rassischen Integrität bemüht«. wie man in Kritiken der gleichgeschalteten Presse liest. Dann bekennt sich Benn zum Expressionismus und bringt Namen bei, die beweisen sollen, wie völklecb diese verrufene Richtung sein könne.»Am Ende herrscht etwas wehe Stimmung in Benns Buch«, was wir verstehen, denn die braune Konkurrenz will ihn nun mal nicht dulden, mag er seine Urahnen noch so demonstrativ ausbuddeln. Aber er steht nicht allein, auch andere vor und Dietzenscbmidt, der seine Dramen Jahren gern den unvölkischsten Verlagen Theatern tinbot, beschwert«ich im Berlin" Tageblatt als Rezensent über den unbäu«®" liehen Kitsch«eine« Kollegen und Ober s*4" unlautere« Geschäftsgebaren, denn wie Ben*1 so wartet auch Matth! esen mit einer Ahne® tafel auf und sagt von seinen Dichtungen — aber lassen wir den Kritikus reden: »...er habe sie»ganz aus dem Tlef«� des deutschen Volkstums heraus« geschri* ben,»ganz aus Strom deutschen Blutes*' »aus dem Ahnenerbe«. Er sich darauf, daß seine»Ahnen bis ins Mittelalter hinauf nordische Seef®{ rer und niederdeutsche Bauern« wa®611 Warum soll er nicht? Wenn Rassenp®0� sor Wirth aus seinem Erbinnern schließt, � seine Urlinda richtig geht und die sebaft falsch, warum soll nicht auch i® Kunst das Ahnenerbe an Stelle der Ges1* tung ausschlaggebend sein? Die Abst»"1 mung entscheidet und die, denen ein Schmarm mißfällt, leiden eben an � wertigstem Mischblut. Diesen schwao® Punkt entdeckt auch Dietzenscbmidt, der& Wikingersproß Matthiesen andonnert, alten Seefahrer müßten sich eben Theaterstückes schämen, wie«ich— der � tiker muß«ioli legitimieren—»wte das Blut meiner Vorfahren, die torllcheraeits allesamt bis In die Vorz� � sie» v9' Es dampft Im Gö�fentempel Die deutsche Seele kocht. Wir lesen In der»Herforder Zettungr«: »Hat sich da seit einigen Tagen der Jugend Im alten Herford und dem Mlnden- Ravensberger Land eine eigenartige Unruhe bemächtigt. Man sah sie allenthalben eifrig mit hochroten Gesichtern Meinungen austauschen. Und wer sich einmal nach dem Grund dieser sonderbaren Aufregung erkundigte, wurde mit einem mitleidsvollen Blick von der Seite angesehen ob dieser katastrophalen Unwissenheit...< Also, was war denn los? Jeder Leser wird sicher aufs äußerste gespannt sein. Ist ein neuer Planet entdeckt worden? Sind die Preise plötzlich gefallen? Wurde für einen Tag Redefreiheit gewährt? Nein, aber— »Der RelchsjugendfUhrer Baidur von Schi- nach wollte Westfalen besuchen«. Und dann kam der große Tag. Ein»wtir- «Mger Empfang« wurde vorbereitet, Spalier ttletastefe* � Im Dritten Reich hat wieder das»Wlnter- hilfswerk« begonnen. Zunächst mit Streichmusik und Festreden, in die man, dem Charakter des Regimes entsprechend, auch einige Drohungen einfließen läßt. In Dresden z. B. hat In der Eröffnungsfeier des Winterhilfswerks der Kreisleiter Walter sich »scharf gegen jene« gewendet, die etwa glaubten. daß der gegenwärtige Staat nur ein Uebergangsstaat sei; man fürchtet wohl einen zu raschen Ablauf der tausend Jahre, von denen der Volkswitz sagt:»Na, die werden nun auch bald um sein!« Aber auch Geständnisse unterlaufen dabei. Als zweiter Redner sprach der Kreisamtsleiter Spiegelberg, welcher Name bekanntlich schon in Schillers »Räubern« vorkommt. Dieser Spiegelberg fühlte sich genötigt, zu sagen:»Der vergangene Eintopfsonntag habe leider wieder ge- wutde gebildet, die Fahnen und Wimpel aus 1 � daß man 1x1 den Stadtvierteln, wo der ganzen Umgegend wurden herzuge- ■chleppt, und dann... und dann... »Die Wagen des Reichsjugendführers nahen. Aufrecht steht Baidur von Schlrach und dankt der Herforder Jugend für ihren Empfang. Der Wagen schnurrt schnell durch die Straßen der Stadt und ist bald entschwunden.— Die Gruppen marschieren ab, stolz über ein schönes Erlebnis.« Und Baidur, das schöne Erlebnis, fährt eilends weiter. Er kommt nach Bielefeld, und veranlaßt den dortigen Generalanzeiger zu folgendem Geröchel: »Im Westen wird es schwarz und schwärzer, sorgenvolle BUcke gehen zum Himmel. Jede Straßenbahn bringt neue Menschen, jetzt nähert sich die lange Schlange der Hitlerjugend, Musikzug und Spielmannszug kommen im Laufschritt... bis dann plötzlich ein Wagen in schneller Fahrt von Frehen herunterrollt.»Achtung — Stillgestanden— Augen rrrechts!« Baidur von Schlrach schreitet die Fronten ab.,. Schon steht er wieder In seinem Wagen... Schon ist er um die Ecke verschwunden. Die Jungen marschieren heimwärts:»Ja, es war leider kurz, aber; Wir haben ihn gesehen!« Und so gehts weiter durch ganz Westfalen. Oer gefeierte Pascha ist noch nicht dreißig, sein Lebenslauf weist weder besondere Lei- schöne Häuser mit prächtigen Gärten stehen, vielfach an verschlossene Türen geklopft habe, während die Ortsgruppen, in deren Bezirken einfache Menschen wohnen, hohe Erträge erzielt hätten.« So wird es wohl wirklich sein. Schwer- industrielle Kreise und andere Nutznießer der Diktatur finanzleren zwar das Gewaltregime als brauchbaren Apparat zur Versklavung des deutschen Volkes, zur Entrechtung der Arbeiterschaft. Es ist ein wunderbarer Apparat, in den man gern hunderttausend Mark hineinsteckt. um Millionen an Rüstungsaufträgen zu verdienen. Und für andere wieder wirkt es als wohltätige Versicherung der Unantastbarkeit des Großgrundbesitzes. Er ist den Interessenten nützlich und dienstbar und mirmt ihnen die unangenehme Arbelt ab, die Gegner totzuschlagen. Er hat jene»Einigung« des Volkes herbeigeführt, die eine Einheit von Sklaven ist. Aber im übrigen ist den wohlhabenden Herrschaften die Not des Volkes wurscht und piepe. Und so bleibt es auch fernerhin bei dem Wobltätlgkeitsmodus des Dritten Reichs, vor allem den Annen ein Scherflein abzupressen, um den Armen ein Scherflein zu geben. Man nötigt z. B., wie es in einem uns bekannten Falle geschehen ist, eine Frau, deren Mann als ehemaliger sozialdemokratischer Funktionär und als Öpfer des Regimes»in der Schutzhaft gestorben« Ist und die nun ihr und Ihrer Kinder Leben von Almosen fristet, durch uneufhörliche Behelligungen dazu, gewissermaßen als Sühneleistung für die Sünden ihres Mannes»auch das ihre« für die Winterhilfe herzugeben, nur damit sie endlich ihre Ruhe hat. Und für dieses»Scherflein einer bekehrten Witwe« bekommt dann eine andere arme Frau als Beihilfe aus der Winterhllfs- spende einen— Wetzstein fürs Küchenmesser und ein Freibillett zu einem religiösen Vortrag. So ist es wirklich und wahrhaftig In Dresden geschehen: ein Wetzstein und ein Freibillett— das ist der ganze Segen, den diese Frau in der vorigen Wlnterhilfasaison erhalten hat, und es geht Ihr seitdem wesentlich besser; sie hat jetzt nämlich etwas, worüber sie lachen kann. Das tut sie jedesmal, wenn sie den Wetzstein zur Hand nimmt. So gewinnt auch sie»Kraft durch Freude«. Und als sie in der Zeitung die Rede des Herrn Kreisamtsleiters las, wunderte sie sich nur, daß er so anzüglich von den Herrschaften in den schönen Häusern mit prächtigen Gärten gesprocher. hat. denn sie war bisher der Meinung, daß doch nun alle Klassenfeindschaft ausgerottet sei und daß Im endlich geeinten Volk jeder mit seinem Los glücklich und zufrieden sei, der eine mit seinem prächtigen Garten, der andere mit seinem geschenkten Wetzstein. Eine Sorge aber ist jetzt von ihrem Herzen genommen. Sie weiß jetzt, daß es nur an den Herrschaften in den schönen Häusern liegt, wenn aus der Winterhilfe nichts mehr zu haben ist. Bisher fürchtete sie nämlich, daß ihr Wetzstein zusammenhänge mit Unterschlagungen, wie sie In Dresden z. B. von den braunen Pg.'s Bastie n, Prelßler, Klein, Brock, Anger, Berger, Stro- bach, Lamperter, Koch, Irmer, Student. Heibig, Hassel, Müller, Braun und anderen begangen worden sind. Aber das sind ja sebließllch Bagatellen; der Pg. H i 1 s k y in Freital bei Dresden beispielsweise hat sich mit der Unterschlagung von nur 30.000 Mark Winterhilfsgeldern begnügt. Die paar Kröten würden gar keine Rolle spielen, wenn die wohlhabenden Herrschaften nur mehr geben wollten. Dann hätte die Frau vielleicht sogar zwei Wetzsteine bekommen können! Manfred. jeden Kniefall, den sie Ihnen darbrachten. Je übertriebener der Götzendienst, desto furchtbarer die Rache. Pferd und Klassenkampf Im Februar 1934 sprach Adolf Hitler: »Wenn ich könnte, ich würde jedem Arbeiter einen Smoking schenken!« Inzwischen ist die Weltgeschichte weitergerollt. Inzwischen sind jene braunen Kum- ,._.,„.| pane. die lieber andere aus dem Smoking sto-, Hungen noch große Taten auf, sein Bauchig',___„ �,,_____________0,___ 1 indessen rundet sich schon ganz beträchtlich. Inzwischen verzichten auch die anderen Götter nicht auf Ihren Tribut. Eine neue Art von Feiertagen wurde entdeckt, die»Bay- •"kche Ostmark« weiß Näheres zu berichten: Mit helligen Runenzelchen ist der 22. Oktober 1933 in die Geschichte der Stadt Kehlheim eingezeichnet—-- Denn der E uhrer und Reichskanzler war an diesem Tage erschienen! Ehe Bevölkerung erinnerte sich am Tage der Wiederkehr dankbaren Herzens an diesen großen. erÄgnis- reichen Tag. Sie schmückte ihre Häuser mit Fahnen und folgte am Abend dem Kreisleiter, der sie zur Teilnahme an der feierlichen Dankeskundgebung vor dem Rathaus aufgefordert hatte. Wo ist die Grenze des deutschen Byzantinismus? Er scheint keine Grenzen zu ken- n*n. Aber es ist eine alte Weisheit: wenn die Götzen stürzen, rächen sich ihre Anbeter für Ben, als selbst hlneinklettem wollten, zu hun- derten erschossen worden. Inzwischen ward eine Arbeitsschlacht nach der anderen verloren. Inzwischen sind die Löhne gesunken und die Preise gestlegen. Inzwischen haben die Arbeiter hungern, die Bauern sehen und die SA-Leute meckern gelernt— nur die nationalsozialistischen Führer haben nichts gelernt. Nichts gelernt und alles vergessen. Im Februar 1934 wünschte Hitler jedem Arbeiter einen Smoking. Im November 1934 verbreitet der Pressedienst von»Kraft durch Freude« in den Zeltungen folgende Notiz: »Seit kurzer Zielt führt die Sportabtei- lung der NS-Gemeinschaft»Kraft durch Freude«, Gau Danzig, auch Reitkurae durch. Es kommt gerade darauf an, dem Schaffenden der Faust immer wieder zu zeigen, daß Vorrechte, von denen gewisse Kreise und Klassen glaubten, sie könnten sie nur f'or sich allein In Anspruch nehmen, heute zum alten Eisen geworfen sind. Auch der| manche Mitschwestem im Dritten Reiche der Schaffende der Faust soll, wenn er Freude i forschen Göpplnger Heldenmutter antworten, daran findet, auf dem Rücken eines Ros-, aK�,„„„ f T ... tann.« hr.„rh.t! uns geht es nicht w«t genug. Lesen Sie mal In Nummer 5 der»Deutschen Kämpferin«, Jahrgang 1934, nach. Da können sie ses dahertraben können. Heute brauchst du nicht mehr abseits zu stehen, deutscher Arbeiter, oder scheu beiseite zu treten, Wenn du reiten willst, reite!»Kraft durch Freude« sorgt dafür, daß du es kannst; denn der Nationalsozialismus erstrebt, alle Schaffenden Anteil nehmen zu lassen an den Freuden des Daseins.« Die Führer scheinen eine Art Paten-Komplex zu haben. Sie können nicht vergessen, daß an der Wiege ihrer seltsamen Revolution ein Herrenreiter stand. Aber das Kind kann den Papen-Paten und seinen Herrenklub nicht verleugnen— auch dann nicht, wenn ein paar Arbeiter ausprobieren, wie sichs mit leerem Magen reiten läßt. Htiierin des Lebens In einer Württemberglachen Nazizeitung, dem»Göpplnger Tagblatt«, wird Uber eine nationalsozialistische Frauenversammlung berichtet. Es heißt da: Die deutsche Frau(so betonte die Rednerin) habe sich von dem Geschrei des Pazifismus»Nie wieder Krieg!« immer abgewandt. Wenn die deutsche Frau dem .Vaterlande etwas habe opfern müssen, so habe sie nie Tränen der Schwäche vergossen. Das ist alles ganz schön und gut, so werden etwas lernen, denn auf Seite 131 steht zu lesen: Es könnte sein, daß niemand heroischer den Krieg durchlebt hat als diejenigen Frauen, die nicht begriffen, warum sie ausgeschlossen waren von der Ehre, für Land und Freiheit die Waffe zu tragen, wie in vergangenen Zeiten ihre Ahnlnnen. Und zu dieser Auffassung bekennt sich ein ganzer Frauenkreis, der von Frau Mathilde Ludendorff nicht weit entfernt ist. Es genügt den rassebewußten Frauen nicht mehr, daß sie ihre Söhne totschießen lassen dürfen— sie wollen dafür ihrerseits die Söhne anderer Mütter um die Ecke bringen, sie wollen selbst mit Giftgas und MG gegen junge Menschenleiber losgehen. Denn die Frau ist Hüterin des Lebens— so heißt es in den nationalsozialistischen Re- klameschriften. Stammrollen. Das sogenannte„Ehrenkreuz" für Frontkämpfer soll auch Angehörigen der Eisenbahn und Feldpostbeamten verliehen werden. Da das„Ehrenkreuz" nur eine Tarnung für die Anlegung von Stammrollen Ist, müssen eben auch Eisenbahner und Postbeamte erfaßt werden. Bauern waren, zornig gegen die Verfäl- •chüng der deutschen Bauemgestalt aufbäumte...< Womit er sieb unaufdringlich uhd zart dem Wohlwollen des Hakenkreuzes Clüpflehit. Die Konkurrenz aber wird fra- ten, warum Dietzenschmldts Stimme des Blutes nicht aufschrie, als er sich einst von •'uden und Mandaten protegieren, von Ltnks- blättorn drucken und dem Unken Lager zu- v-ählen Ueß. Die fluchwürdigen Uberalisü- �ben Honorare hatten offenbar selbst für ein Urwüchsiges Erberinnem etwas Betäubendes. Gnd all dieser Mumpitz, diöse Dispute aus de,la Irrenhaus— das wird jetzt in Deutsch- 'atul gedruckt, gespielt, diskutiert und bc- 2ablt. Man würde es nicht glauben, läse nicht schwarz auf weiß. Gregor. SlaaÜlclie Kunstkritik �Ver reicht dem Kunstkritiker des Dritten Rrichea einen Kompaß, nach dem er sich einigermaßen orientieren kann? Ansätze zu rier KuMt darf er nicht gelten lassen, die ■�bhentafel des Autors muß mit gewürdigt Verden, dem Kitsch der braunen Geachäfte- "Uecher aber soll auch gewährt werden, well eonst der langersehnte Durchbruch der noch 'huticr nicht sichtbaren nationalsozialistischen Kunst erschwert wird! Wer wagt hier Richt- Uni 60 zu Uefera? Wer? Der Staatssekretär brens. der im Reichs verband der deutsehen to®8se zu Hamburg über das Thema sprach � kut Frankfurter Zeitung sagte: .»Es käme darauf an, ob ein Kunstwerk ""stände sei, die neue Staatsauffaasung ru Jiterpretiemi... Die Erfassung und Durch- «nngung des Volkes mit Kunst sei heute JJ?ch nicht anders möglich als mittels der ��«»zeitungskritik. Der Kritiker habe Propagandist des Staates zusein, er müsse das Volk der Kunst und die Kunst dem Volke nahebringen. Die Grenze der Kunstkritik sei dort, wo die Sphäre des Staates oder der den Staat tragenden Bewegung beginne.« Bei Wotan, es ist nicht leicht! Dieser Bonze meint nun wieder, der Kritiker habe lediglich zu fragen, ob ein Kunstwerk dem Staate frommt. Und wer bestimmt, welcher Kitsch der braunen Gangsterei nützt und welcher ihr schadet? Nicht einmal in den Regionen des Oberdada, der in bewußter Komik souveränen Unsinn predigte, ist ein so toller Kunstquatsch je möglieh gewesen. In einer Leipziger Redaktion.«He hier nicht genannt sein möchte, soll kürzlich ein Rezensent die Füllfeder hlngewienert und gestöhnt haben:»Hier soll der Teufel Kunstkritiker sein!« Der Mann hat Tausenden aus der Seele geflucht. �Entlassung verschafft.— Sozialismus l der Tat!« »Imponiert mir nicht. Bei um hat die I Frau Direktor auf dem»Kraft durch Freude«- Festabend mit dem Vorarbeiter getanzt. Und hinterher ist sie gleich gegangen und hat ein Bad genommen.— Soziallsmus der Tat!« »Auf unserm Festabend Ist ss noch viel großartiger gewesen. Unser Chef war zwar persönlich am Erscheinen verhindert, aber die ganze Zeit über hat sein Einheits- Festanzug, Extraqualttät, über den Gar- derobeständer gehängt, auf dem Ehrenplats gestanden.« M u c k i. Sozialismns der Tat! Er marschiert mit Riesenschritten trotz aller marxistischen Verleumdungen! »Denkt nur an, was bei um im Betriebe sich ereignet hat; Bei einem Rundgang verliert der Direktor sein Taschentuch. Betriebs- zellenobmann Schleim bückt sich sofort, aber der Direktor lächelt leutselig:»Lassen Sie nur. mein Lieber!«,— und' bebt sein Taschentuch allein auf. Sozialismus der Tat!« »O, ist gar nichts! Da sollst Du mal in unsern Betrieb kommen! Bei um bat der Prokurist im Zuge der bevölkerungspolitischen Maßnahmen den drei Kontoristinnen erbgesunden Nachwuchs besorgt. Um sie nicht in der Ausübung ihrer Mutterpfllchten zu behindern, hat er Hann allen dreien die Die Hitler-Zierde Vom Darmstädter Schöffengericht wurde der SA-Hann Schnellbacher VI aus Lindenfels zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt Schnellbacher hatte, rein aus rohestem Uebermut die Gäste eines Lokals Uberfallen, sie niedergeschlagen und viehisch auf Ihnen herumgetrampelt. Einer der Mißbandelten, ein älterer Mann, der das Wadenbein gebrochen hatte, mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Die sechs Monate wird der Schnellbacher nie abzusitzen brauchen! Was er trieb, war ja schließlich nur Nationalsozialismus in der Praxis! Fnhrerprinzip nach Koten Herbert Haugk schreibt in der»Musik« über den ständigen Rat für die internationale Zusammenarbeit der Komponisten. »Der Führer das Berufsstandes der deutschen- Komponisten in der Reichskulturkammer, der zugleich Präsident der Relchsmuaikkommer ist, R i e h a r d Strauß, leitet den ständigen Rat durchaus nach dem FUhrerprinzip.« Wie macht er da«? Läßt er die geschäf Is- echädllche Kollegen-Konkurrenz»auf der Flucht« erschießen? Die Wilden „Die Polizeidirektion Jena warnt vor der Belästigung von Ausländern. Diesen Belästigungen sind... insbesondere die sich nach heimischer Mode kleidenden und schminkenden Frauen ausgesetzt... Es schickt sich nicht, daß Menschen... auf der Straße von Jugendlichen mit schnoddrigen Redensarten bedacht werden."(Aus einer reichsdeutschen Polizei bekann tmachung.) Man kann sich denken, wie sich die braun- behemdeten Flegel benehmen, wenn solche Erlasse notwendig werden! Getährlidie Wahrheit „Der Redakteur des„Bote an der Weser" ■wurde auf die Dauer von einem Monat in de.r Berufsliste der Schriftleiter gelöscht, weil er Kritik an dem Parteigericht der NSDAP geübt und wahrheitswidrige Behauptungen Uber die Vorgeschichte der Errichtung des Schlageterkreu- zes auf der Porta Westfalica aufgestellt hat." (Reichsdeutsche Meldung.) Er wird wahrheitswldrigerweise die Wahrheit gesagt haben! Arbeitsfront unter der Unternehmerfuditel! Eine Antl-Gewerkschabs-Yerordnung Hitlers Seit dem Gewerkschaftsraub vom 2. Mai 1933 ist an die Stelle einer sozialen Interessenvertretung: der Arbeiter und Angestellten. an die Stelle einer ehrlichen, gewissenhaften und von der Mitgliedschaft kontrollierten Verwaltung ein Sumpf von Korruption, Betrug, Vergeudung, von Luxus, Postenjägerei und übelstem Nazibouzentum gefolgt. Der Oberley torkelt von einer Verordnung in die andere und er setzt seiner»Arbeitsfront»: bei jedem Festgelage einen neuen»Markstein«. »Bis auf weitere Anzeige« gilt die»endgültige« Verordnung des Führers und Reichskanzlers vom 2 4. Oktober1 I 1 9 3 4, die von einer Anzahl Oktoberbotschaften des Rtabsleiters und schlichten Villen- bewobners Ley begleitet wird. Er leyert. »Außer Deutachland hat kein Land der Erde i eine derartige Gemeinschaftsgesinnung organisiert.« sichert Bangert,»wurde den Klassenkampforganisationen nachgeweint.« Wesen der Arbeitsfront Abweichend vom Ziel ward im 5 1 der Verordnung das Wesen der DAP behandelt und eine Verbeugung vor den.Angehörigen der ehemaligen Gewerkschaften und Ange- stelltenverbände« gemacht, die als»gleichberechtigte Mitglieder« mit den Unternehmern vereint werden sollen. Ley beteuert in seiner Kundmachung; »Die Gewerkschaften waren, so lange sie Kampfgemeinschaften darstellten, im llbe- ralistisch-marxistlschen Staat die notwendige Heimat der Arbeiter. Deshalb mache ich euch keinen Vorwurf daraus, daß ihr euch im früheren System organisiert habt sondern im Gegenteil; ich achte und ich ehre euch.« Die heuchlerische Anbiederung Leys an die»ehemaligen Gewerkschaftsmitglieder« Der größte Arbeiterbluff wird als die»Er- 1 freilich von Bangert wieder entlarvt, der fiillung einer Jahrhunderte alten Sehnsucht j gehreibt' aller schaffenden Deutschen« proklamiert. .Damit sind die bisherigen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbände endgültig umgeschaltet und aufgefangen worden.« Nun soll| nach der Kundmachung Leys, wie die»Metallarbeiter-Zeitung« bemerkt,»die zweite j Phase' der Entwicklung« beginnen, sie gilt »Mit dem Sieg der nationalsozialistischen Revolution brachen nicht nur die Organisationen zusammen, sondern dieser Tag bedeutet gleichzeitig das Ende ihrer Ideen.« Ley mag sich beruhigen, die Ideen der Gewerkschaften waren und sind auch heute noch che Ideen der»ehemaligen Gewerk- noch nicht vom gewerkschaftlichen Denken hatten frei machen können«. Mit dieser Ver- all den Arbeitern und Angestellten, die sich i Schaftsmitglieder«, die er so sehr umwirbt. Aufgaben Obwohl der Klassenkampf angeblich end- ordnung Adolf Hitlers werden aber nicht nur| abgeschafft sein soll, ist der DAF die die letzten Reste der noch kümmerlich vege- einag'e Aufgabe gestellt,»zwischen den be- tierenden beruflichen Gliederungen der bis-! rechtigten Interessen aller Beteiligten jenen Ausgleich zu finden, der den nationalsozialistischen Grundsätzen entspricht«. Die Fälle, die den staatlichen Organen zur Entscheidung überwiesen werden dürfen, müssen eingeschränkt werden. Der Arbeiter entbehrt also aller organisatorischen Mittel herigen Arbeitsfront brutal weggefegt, sondern es soll mit diesem reaktionärsten Antigewerkschaftsgesetz der Welt auch künf- 1 1 g jeder Versuch gewerkschaftlicher Betätigung brutal unterbunden werden,»denn die festgefügte Deutsche Arbeitsfront wird jeden Schädling augenblicküch erkennen und kalt- j solidarischer Selbsthilfe, die Staatshilfe bleibt stellen«. 1 jhm gleichfalls versagt; der Ausgleich durch Ziel der Arbeitsfront' »Das Ziel der DAF ist die Bildung einer wirklichen Volks- und Leistungsgerneinschaft aller Deutschen«(S 2). Mit dieser Phrase wii-d die Unterwerfung des Arbeiters und der Arbeitsfront unter die Willkürherrschaf t des kapitalistischen Unternehmertums vollendet. Ley hat In seiner »richtungweisenden Rede« in Hamburg erklärt: »Ich sehe in jedem Unternehmer einen Amtswalter der Deutschen Arbeitsfront und werde ihn so behandeln.« Die Amtswaltung der Unternehmer für die »Volksgemeinschaft« erschöpft sich darin, j daß sie pflichtgemäß die Beiträge vom Lohn und Gehalt einzubehalteii haben. Die sog. Rechtsberatungsstellen sind sämtlich mit Leitern besetzt, die früher die Syi> dlzis- Stellen der Arbeitgeberverbände Inne hatten. In allen Gliederungen der DAF müssen die Referen- die Untemehmerorgane der Arbeitsfront bedeutet seine völlige Rechtlosrnachung. Es ist auch nicht weiter verwunderlich, daß die Arbeitsgerichte immer weniger häufig angerufen werden, weil es für den Arbeiter und Angestellten zwecklos geworden ist, sich dort noch auf Gesetz und Recht zu berufen. Wir lesen z. B. in der Tageszeitung des Ley»Der Deutsche« vom 22. Juni 193-1: »Der Unternehmer kann also auch(Urteil des Arbeitsgerichts) deshalb kündigen, weil er einen Ersatzmann gefunden hat, der zu geringerem Gehalt arbeitet.« Die Tarifverträge stehen auf dem Papier, Die Organe des Weimarer Systems, die ihre Innehaltung sichern konnten, sind abgeschafft. Bangert erklärt den Geist der Betriebsgemeinschaft indem er sagt: »Nationalsozialistisch ist es nicht, durch Gewährung von persönlichen Vorteilen soziales Verständnis beweisen zu wollen.« Der Stabsleiter Ley erläuterte noch deut-' lieber die Aufgabe der Arbeitsfront auf der Arbeitstagung am 20. Oktober: »Weit hinaus über die materiellen Leistungen der DAF, wie Rechtsberatungsstellen, sind die ideellen Werte, die die ÖAF dem schaffenden Volke gegeben habe, unschätzbar... Der Kampf, den die DAF gegen den Schädling führt ist allein schon mehr wert, als alle äußeren materiellen Leistungen.« Die Arbeitsfront hat mit den Aioeits- fragen, ausgenommen ihre Aufgaben als Reise- und Unterhaltungsverein, nichts mehr zu tun. Bei den Reisen durch-Kraft aurch Freude« darf der Beitragszahler seine Kosten selbst in Raten abzahlen. Orguiilsalion Die Reichsbetriebsgemeinschaften— achtzehn an der Zahl— bleiben dem Namen nach bestehen, doch verlieren sie jede Selbständigkeit. Die gebietliche und fachlicht G'iede- mng»ist das im Prcgramm der NSDAP, aufgestellte Ziel einer* organischen Ordnung«. ten der Abteilungen zu gleichen Teilen' aus Unternehmern und Gefolgschaftsmitglie- j dem bestellt werden. Diese»Gleichberechtigung« bedeutet praktisch, daß die Unternehmer, die zuzüglich aller Kleingewerbetreibenden insgesamt als»Selbständige« ein Sechstel aller Erwerbstätigen ausmachen, die Hälfte aller Aemter in der Arbeitsfront besetzen, gegenüber der Arbeitnehmerschaft, die fünf Sechstel der erwerbstätigen Bevölkerung zählt. Von den neu ernannten elf»Treuhändern der Arbeit; stammen fünf aus dem Kreis der Industriellen, zwei waren Staatsbeamte, einer Admiral und einer Bankier. Von den restlichen zwei»Arbeitern« ist einer durch den Industriellen Mutschmann auserwählt worden. als letzter wirkt der einstige Metallarbeiter Boerger im Rheinland, der inzwischen zum Universitätsprofessor avanciert Ist nachdem er einen neuen nationalökonomischen Lehrsatz erfunden hat:»Jeder Deutsche soll im Jahr ein Glas Wein mehr trinken, um den Weinbau zu fördern.« Die Untemehmerverbändc, die von ihnen geführte und kontrollierte Arbeitsfront und ihre Treuhänder zwingen der Arbeiterschaft mit Hilfe der Staatsgewalt ihren Willen auf. Im Kommentar zur Reorganisation der Arbeitsfront schreibt der Düsseldorfer Gauwalter Bangert über den erreichten Klasse nfrieden: »Wir haben es erlebt daß unter dem Deckmantel der„ Betriebsgemeinschaft die überholte Anschauung der sog. gelben Werksvereine ihr Auferstehen feiern sollte«, fügte jedoch gehorsam hinzu: -die Rückkehr von Millionen deutscher Arbeiter in die Arme ihres Vaterlandes Ist das Fanal zur Freiheit«. Dir Zielsetzung ist eindeutig und klar antigewerkschaftlich.»Keine Träne«, so ver- PROBLEME DES SOZIALISMUS Sozialdemokratische Schriftenreihe herausgegeben zur Klärung der Meinungen über die Lage in Deutschland nach dem Siege des Faschismus. Neben authentischen Berichten aus dem Dritten Reich bringt sie programmatische Darstellungen über den Kampf gegen den Faschismus und für den Wiederaufbau Deutschlands auf demokratischer und sozialistischer Grundlage. Ihr Ziel ist, durch Diskussion in vollster Offenheit, die Sammlung aller antifaschistischen Kräfte und geistigen Strömungen herbeizuführen. l/iec HeüeescüeütäHge**: Tic. 9-„JCoHzeHtfaticmstaqec" Adoll Hitler: Deine Opfer klagen an! Dieses Buch ist ein Appell an das Gewissen der Welt! Dokumentarische Belichte ehemaliger Gefangener aus den Konzentrationslagern Dachau, Königstein, Sonnenburg, Brandenburg, Colditz, Sachsenburg, Reichenbach, Papenburg, Lichtenburg, Moringen und Hohnstein, Marterstätten, deren"Namen man im Dritten Reich nur flüsternd nennt, werden darin vorgelegt. Aua jeder Zeile dieser Berichte ruft die getretene Kreatur die Menschheit um Hilfe. Wenn die Welt noch ein Gewissen hat, dann muß es sich bei dieseu Dokumenten melden. Jede einzelne der mitgeteilten Schandtaten Ist nachprüfbar. Neben vielen Illustrationen enthält das Buch die Namen von mehr als 850 Angeschuldigten. SA- und SS-Leuten sowie Gefangener und Opfer in deutschen Konzentrationslagern. Tic. 10-„QcemeH dec Qeuxalt" Aussichten und Wirkungen bewaffneter Erhebungen des Proletariats In unserer Gegenwart spricht die Gewalt das erste und, wie es scheint, auch das letzte Wort. Sie triumphiert scheinbar so vollständig Uber Vernunft und Wissenschaft, Kultur und Sitte, daß bei vielen der Glauben an andere Mächte völlig schwindet, und ein wahrer Aberglaube an die Grenzenlosigkeit der Gewalt um sich greift. Diesem Aberglauben tritt der Verfasser mit dem ganzen Rüstzeug seines Wissens entgegen. Tic. 11: Julius Deutsch:„putsch oäec fteuclutioH?" Randbemerkungen über Strategie und Taktik im Bürgerkrieg Ausgehend von den Februarereignissen und vom blutigen Sieg des klerikalen Faschismus In Oesterreich stellt Julius Deutsch die gesamte Taktik und Tradition der europäischen Arbeiterbewegung zur Diskussion, und zeigt auf, was den bewußt marxistischen Sozialisten vom blanquistischen Putschismus und ähnlichen Lehren trennt, die durch die direkte Aktion einzelner Gruppen oder einzelner Männer den Gang der Geschichte beeinflussen oder leiten zu können glauben. TU. 12: JCistocikus''„Dec Faschismus als TJlasseulemexnuiq" Sein Aufstieg und seine Zersetzung In vier Kapiteln von stärkster Anschaulichkeit gibt hier ein bekannter deutscher Hochschullehrer, der in seltener Art die Fähigkeit des wissenschaftlich geschulten Historikers und die Lebensnäbe des Politikers in seinem Urteil zum Ausdi-uck bringt, eine Uebersicht Uber die faschistischen Bewegungen Europas. Er zeigt, wie der Faschismus in seinem hemmungslosen Machtwillen, mit Hilfe der tollsten Versprechungen, die Massen zunächst wohl an sich bringen konnte, aber zur Macht gelangt, nicht in der Lage ist, sie festzuhalten. BESTELLUNGEN UND VERLAGSPROSPEKTE DURCH JEDE BUCHHANDLUNG ODER DIREKT DURCH DIE VERLAGSANSTALT»GRAPHIA«, KARLSBAD. »Die Führung der DAF hat die NSDAP,* (§ 4.) Unter den zehn Referaten jeder Reich** betriebsgemeinschaft befindet sich das Refa* rat: Betriebsappelle und Stoß« trupps. Ley begeistert sich am Soldatischen seiner Arbeitsfront, dem vor allem dl« Betriebsappelle zu dienen haben. »Betriebeappelle können ohne jede Störung des Betriebes abgehalten werden, 1»* dem der Betriebsführer die Gefolgschaft bei Arbeitsbeginn schnell antreten läßt, ihr« äußere Haltung einer blitzartigen Prüfung unterwirft, eine Tagesparole ausgibt... und Hann ebenso schnell jeden wieder an«Ü« Arbeit schickt.« Es gibt künftig nur noch eine Reichskasae, für die der Oberkasaier Ley die Beiträge von rund neunzehn Millionen Zwangsmitgliedern eintreibt. In den einzelnen Orten wird schon seit Wochen in mehreren Schichten fieberhaft gearbeitet, um die Kartelen der Reichsbetriebsgemeinschaften zusammenzulegen. Mit dem 1. Dezember 1934 hört auch die bisherig» Deutsche Angestelltenscbaft auf. zu bestehen. Auch die revolutionäre NSBO wird stillschweigend aufgelöst. Dafür sind allerorts große Zeiten für die»alten Kämpfer« angebrochen. Sie werden zu den Kartothek-Schreibarbeiten herangezogen, auch wenn ihnen das Schreiben schwer fällt. Das Werk der Entgewerkachaf- t u n g soll bis 1. Januar 1935 durchgeführt sein. Das Vermögen der früheren Gewerkschaften Ist durch die Verordnung Hitlers, soweit es nicht Inzwischen vergeudet worden war, der reorganisierten Arbeitsfront al» Grundstock Ubereignet worden. Vom stolzen Bau der deutschen Gewerkschaften, der den Arbeitern und Angestellten nach dem Schwur des Ley unversehrt erhalten WeW1 sollte, Ist nichts geblieben, als der gelbe Verein»Kraft durch Freude«. Was der Arbeiterklasse aber unverwüstlich bleiben wird, � die Freude, aus eigener Kraft R®" aktion und Fasebismus zu überwinden, Freiheit, Recht und Sozialismus zum Siege zu führen! t Holz statt Leder Der deutsche Rundfunk macht Propagand» für den Ersatz von Lederschuhen durch Holzschub e. Da heißt es:»Die Nacb- kriegsreglerungen zogen es vor, mittel* schwer zu beschaffender Devisen Led