Nr. 76 SOWT VG. 2S. Not. 1934 Verlag; Karlsbad, Haus„Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt; Jeder darf sterben! Kampf gegen Hitler in Amerika Der Herr von Shylock Die Gefahr für den Frieden Mlogm uie einen IM- und dann dieselbe Politik machen? Als Stresemann aus Locamo zurückkam, schrieb Hitler im»Völkischen Beobachter«, man solle ihn»totschlagen wie einen Hund«. Das war nicht nur so leichthin gesagt. Versprechungen dieser Art pflegt Hitler zu halten. Wenn sich damals kein gefälliger SA-Mann fand, der das Wort des Führers wahr machte, und Wenn es demzufolge in Deutschland keine Stresemann-Mörder gibt, die man ebenso ehren könnte, wie die Mörder Erzbergers und Rathenaus, so liegt das einzig und allein an der Verbesserung, die das Polizeiwesen seit Rathenaus Tode erfahren hatte. Und wenn Stresemann nicht später nach Hitlers Machtergreifung das Schicksal Schleichers erlitt, so gewiß nur deshalb, weil er ohnehin schon tot war. Hitler aber wollte im Oktober 1925 Stresemann totschlagen wie einen Hund, weil er in Locarno mit England, Frankreich, Belgien und Italien einen Sicherheitsvertrag geschlossen hatte. Stresemann verzichtete noch einmal auf das schon abgetretene Elsaß, um das besetzte Gebiet gegen Annexierungsgelüste der französischen Militaristen zu sichern. Nach Abschluß des Vertrags von Locamo begann die Räumung, die im Jahre 1930 unter Hermann Müllers Regierung vollendet Wurde. Dafür aber wollte Hitler Stresemann �ie einen Hund totschlagen. Denn das veraegerte, durch die libera- nstischen Ideen der großen Revolution �erpestete Frankreich war der Erb- eind, mit dem zu paktieren Landesverrat war. Nicht mit ihm paktieren, vernichten, ausrotten, zerschmettern mußte man es. Wie? Ach, das war so einfach, daß man Schon ein marxistischer Erzschurke sein mußte, um es nicht begreifen zu Rollen! Man brauchte doch nur mit England und Italien ein Bündnis schließen und dann drauf los, daß die Fetzen �ngen! Alles nähere darüber kann man in �er Germanenbibel»Mein Kampf« nachlesen. Wir zitieren nur, um das Jüchen zu erleichtem, das Personen- und Sachverzeichnis des zweiten Bandes; Erankreich: Deutschlands Todfeind 699— Ziel 696, 699, 765— Kriegsziel 763— Französische Herrschaft das Kriegsergebnis 696— Ueberein- stimmung franz. und jüdischer Interessen 704— Endgültige Auseinandersetzung mit F. 766— Militärgeo- graphische Lage Frs. 695— Fr. und England 699— Afrikanischer Staat auf europäischem Boden. Aus diesem afrikanischen Staat auf �dropäischem Boden waren nun neulich 16 Herren Goy und Monnier, ein Halb- aschist vom Frontkämpferbund, und Jd reaktionärer Pariser Stadtrat, bei jbtler zu Besuch. Zwei Stunden lang. '� sprachen wenig, der Führer sprach ;del, und wag er Sprach, stand am letz- 11 Sonntag im Pariser»Matin«. Es war, wahrhaftig der reine Stre- semann! Und nicht nur Stresemann. Was die- . er sagte, haben andere vor ihm noch esser gesagt, z. B. Ludwig Börne, erdinand Lassalle oder Walter a t h e n a u. Es war, als ob der Geist aller dieser Vorkämpfer einer deutschfranzösischen Verständigung über deu »Führer« gekommen wäre, als er mit den beiden Franzosen sprach. Also sprach Hitler:»Nicht einen einzigen Grenzstein wollen wir verrücken!« Elsaß-Lothringen— muß darum alle 20 oder 30 Jahre Krieg darum geführt werden? Sie sind eine Quelle der Schwierigkeiten für Frankreich, wenn sie französisch, für Deutschland, wenn sie deutsch sind! Das Deutschland der Gegenwart denkt ganz anders als das Deutschland der Vergangenheit. Es wünscht nicht' einen Albdruck los, die seelischen Spannungen würden sofort schwinden und die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen allen europäischen Völkern würden sich bessern. Die Kriegsteilnehmer von einst müssen imstande sein, die Welt zum Frieden zu zwingen. So sprach Hitler! Hört es Pazifisten, Sozialisten, in den Gefängnissen von Moabit und Tegel, in den Konzentrationslagern von Lichtenburg und Papenburg, in den Bunkern von Dachau und in den Kellern des Columbiahauses — so sprach Hitler! lladitkämpfe Im System Das System ringt mit Inneren und äußerlichen Schwierigkeiten. Starke kapitalistische Gruppen rebellleren gegen die Aufopferung ihrer Interessen zugunsten der totalen Kriegs- vorbereltungspolitik. Das System Schacht hat den Punkt erreicht, wo Innere Auseinandersetzungen und Entscheidungen nötig werden, während zugleich die verhängnisvollen Wirkungen Im Ausland hervortreten. Hinter den Inneren Auseinandersetzungen steht die Frage: ist der Militarismus für den Kapita- Iismus da, oder der Kapitalismus fttr den Militarismus. Die Stellung Schachts als Wirtschaftsdiktator gilt heute für e r- schüttert. Er hat die Einheit der kapitalistischen Basis des Regimes gefährdet. Es wird eine Probe auf die Festigkeit der Diktatur sein, ob ihre Machtpolitik vor kapitalistischen Gruppeninteressen zurückschreckt. Gleichzeitig sind wieder erhebliche Spannungen zwischen der zivilen Spitze- des Systems und mächtigen M 1 1 1 1 ä r k r e 1- s e n eingetreten. General Fritsch auf der einen Seite— Hitler und Blomberg auf der anderen Seite. Es sind die alten Fragen: die Fragen des Oberbefehls, der Organisation der militärischen Macht, des Verhältnisses zwischen Militär und nationalsozialistischer Partei. Wer ersetzt wen— wer verhaftet wen? neues Gebiet zu erobern, es will nur das Leben der eigenen Bevölkerung sichern. Die Leute, die gegen den Frieden sind, sind nicht diejenigen, die im Kriege erschossen werden, sondern die im Kriege Profit machen. Kämen Frankreich und Deutschland zu einer Verständigimg, so wäre die Welt Totschlagen wie einen Hund? Totschlagen wie einen Hund? Aber halt, nein! Er m e i n t das doch gar nicht so! Ja gewiß, er sprach wie Stresemann, er sprach wie Rathenau. Nur— wenn Stresemann und Rathenau sprachen, meinten sie auch was sie sagten. Aber wenn Hitler ein paar»vernegerten Franzosen« pathetisch versichert, daß er keinen Krieg wolle, dann meint er das genau so wie damals im November 1922, als er feierlich vor den bayrischen Innenminister Schweyer trat, die Hand auf das Herz legte und sprach:»Herr Minister, ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, ich werde nie in meinem Leben einen Putsch machen.« Wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe. Und wenn zwei dasselbe reden, ist es erst recht nicht dasselbe. Wenn Stresemann von Verständigung sprach, war das klarer Landesverrat. Wenn Hitler von Verständigung spricht, ist es»nordische List«. Versteht doch! Und ob sie es verstehen! Der»Führer« spricht von Frieden, Deutschland spricht von nichts anderem als vom Krieg. Die einen mit fiebernder Lust, die anderen mit stumpfem Fatalismus, die dritten mit leiser Hoffnung auf Befreiung aus den Qualen ihrer Knechtschaft— alle sprechen von Krieg. Was es bedeutet, wenn der»Führer« vom Frieden spricht, wissen sie alle. Nur freüich— und das ist das Peinliche an der Sache— die anderen wissen es auch. Franzosen, Engländer, Italiener, Russen, Tschechen, Belgier, Holländer, alle, alle wissen es. Sie hören wohl die Worte aus seinem Munde, aber sie schauen aufseineHände. So weit hat es Deutschland gebracht! Sein Herr, sein Ueberkaiser, sein Halbgott spricht. Und es gibt keinen Menschen auf der ganzen Welt, der ihm auch nur ein einziges Wort glaubt. Die nordische List ist etwas plump. Stresemanns Sprache klingt von diesen Linpen fremd. Wollt Ihr aber den echten Hitler, dann hört ihn mit heiserer Stimme bellen: »Totschlagen, wie einen Hund!« Wer regiert In Deutsdiland? Die Geschichte eines Betriebskampfes unter NazifUhrung Unterm 23. September brachten wir in Nr. 67 unseres Blattes eine Notiz„Rebe 1- lion der Sklave n", die Uber einen eintägigen Betriebsstreik in der großen Augsburger Textllf abrlk „Buntweberei Riedinger" am 21. August dieses Jahres berichtet. Damals legte die nach Tausenden zählende Belegschaft aus Protest gegen den angekündigten Lohnabbau und die in Aussicht genommenen Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen spontan die Arbeit nieder und forderte die Abberufung des Direktors Alfred Graf. Besonders die Arbeiter der nationalsozialistischen Betriebszelle beteiligten sich führend an der Protestaktion. Nationalsozialistische Arbeiter rissen dein Graf, der Mitglied der NSDAP war, das Hohheitsabzeichen vom Rockkragen. Der„Zwischenfall" endete damit, daß der Ausbeuter Graf von der Polizei abgeführt und In Schutzhaft genommen wurde. Die Arbeitsfront und der Treuhänder der Arbeit für Bayern Kurt Frey stellten sich auf die Seite der Arbeiterschaft. In einer Betriebsversammlung begründete Frey zur großen Genugtuung der Arbeiter seine Stellungnahme und wirkte dadurch beruhigend auf die Belegschaft ein. Der Erfolg dieser Aktion stärkte das Selbstbewußtsein der Arbeiterschaft und gab besonders den Nationalsozialisten im Betrieb Gelegenheit, auf die arbeiterfreundliche Politik der regierenden Stellen und auf den Ernst des sozialistischen Bekenntnisses der NSDAP hinzuweisen. Auch die öffentliche Meinung, soweit es eine solche geben darf, war für die Selbsthilfe der Arbeiter eingenommen. Die Presse gab einen kurzen Kommentar zu den Vorgängen, in dem es u. a. hieß: „Graf hatte allen Warnungen der örtlichen Dienststellen der Arbeitsfront zum Trotz Entlassungen in größerer Zahl vorgenommen, ohne diese dem Treuhänder anzuzeigen, oder dessen notwendige Genehmigung einzuholen. Auch hatte er rücksichtslos Lohnabbau durchgeführt und Betriebsumstellungen technischer Art in einem Umfang vorgenommen, die als Raubbau der Areitskraft seiner Gefolgschaft angesehen werden mußten." Soweit konnten wir damals den Fall berichten. Nun geht uns ein neuer Bericht zu, der die weitere Entwicklung der Geschehnisse darstellt und ein grelles Licht auf die Rechtlosigkeit der deutschen Arbeiter wirft. Es zeigt sich hier die Verlogenheit der Kapitalistenknechte von Hitler über Ley bis Frey vor aller Welt. Wir entnehmen dem Berichte: Nach der Verhaftung des Direktors Graf nahmen die Arbeiter unter den alten Bedingungen die Arbeit wieder auf. Graf war verschwunden. Man konnte nie erfahren, In welches Konzentrationslager Graf verbracht wurde, oder in welcher Gefängniszelle er für den„Raubbau an der Arbeitskraft seiner Gefolgschaft" büßte. Es schien tatsächlich, als ob der nationalsozialistische Staat In diesem Fall einmal allen böswilligen Behauptungen der Marxisten zum Trotz seinen Sozialismus bewiesen hätte.— Da, am 31. Oktober marschierte froh und munter der Arbeitsfrontkamerad und Ausbeuter Eduard Graf wieder in sein nobles Direktorenzimmer. Ein Raunen und Flüstern ging durch die Belegschaft. Ueberau sah man erstaunte Gesichter, besonders aber bei den Nationalsozialisten. Die Aufklärung sollte schon noch kommen. Am Abend wurde eine Betriebsversammlung einberufen, zu der 1600 Mann Belegschaft erschienen. Es sprach der Treuhänder der Arbeit Kurt Frey höchst persönlich und klärte die Arbeiter über das plötzliche Erscheinen ihres abgesetzten Direktors auf. Aber welches Staunen! Der Parteigenosse Frey sprach heute in einem ganz anderen Ton als am 21. August. Er kam sofort auf die Vorgänge von damals zu sprechen und schimpfte auf die verborgenen Hetzer und Marxisten. Die marxistische Methode des Streiks und die staatsfeindlichen Umtriebe im Betrieb müßten aufhören, sonst werde einmal richtig ausgeräumt. Die Arbeiter seien eben von früher her immer noch gewöhnt, sich des verwerflichen Kampfmittels eines Streiks zu bedienen. Man wolle es für diesesmal hingehen lassen, aber in Zukunft werde bei Wiederholungen rücksichtslos durchgegriffen! Frey kam auf seinen Aufruf für die Bayerische Textilindustrie zu sprechen und donnerte eine Stunde lang gegen die Störenfriede des nationalsozialistischen Aufbaus. Ein besonderer Höhepunkt seiner Rede war, als er in großer Erregung der staunenden Belegschaft verkündete, daß sich„eine gewisse Presse des Auslands"(womit er den„Neuen Vorwärts" meint) der Vorgänge bemächügt habe und in wüster und entstellender Form den deutschen Arbeiter in seiner Ehre beleidigte. Dann führte er den Ausbeuter Graf wieder in seine Rechte ein, Graf habe das Recht, sich im Betrieb Geltung zu verschaffen und er_ Frey— verfüge, daß sich niemand den Anordnungen des Direktors widersetzen darf. Die Belegschaft saß in eisigem Schwelgen. Man hörte keinen Zuruf, keine Unterbrechung. Am Schlüsse der Rede klatschte eine Person schüchtern Beifall, der jedoch sofort wieder verstummte. Trotz Aufforderung meldete sich niemand zur Diskussion. Am anderen Tag begann der Herr Direktor mit dem Hinauswerfen. Der Obermeister Lattending wurde sofort entlassen, weil er nach dem Streik den Arbeltern Bier be zahlt und seine Freude über die Verhaftung Grafs geäußert haben soll. Lattending nahm sich die Sache so zu Herzen, daß er sich in den Mühlbach zu stürzen versuchte. Schon in den nächsten Tagen begann Graf seine technischen Neuerungen, also den„Raubbau an der Arbeitskraft" durchzuführen. Man kann sich die Stimmung der Belegschaft vorstellen. Lange Gesichter und Angstträume bei den Herren Nazis, die ja im Glauben an ihr Recht den Streik organisierten, höhnisches Grinsen bei der Mehrheit, die an den Sozialismus Hitlers noch nie geglaubt hatte. Ja, aber wie war das möglich? Wie war es möglich, daß dieser Graf damals unter Duldung Freys verhaftet und nun heute wieder mit Hilfe Freys eingesetzt werden konnte? Ganz einfach; Der Herr Graf hatte engste Beziehun gen zu dem allgewaltigen D l e r i g, dem Be rater unseres Führers in der Textilindustrie. Von der Kommandostelle der deutschen Industrie hat der Herr Frey für sein sozialistisches, aber nicht nationalsozialistisches Verhalten Ol na böse Zurechtweisung bekommen. Da er ein echter Gefolgsmann seines Führers ist, gehorchte er dem Winke sofort und machte schleunigst wieder gut, was er verbrochen hatte. Der Ausbeuter Graf herrscht nun mit neuer Machtvollkommenheit über 4000 Menschen, treibt Raubbau an der Arbeltskraft und ist nach wie vor ein guter Nationalsozialist und Parteigenosse des Herrn Frey. Wer herrscht also in Deutschland? Der Parteigenosse Graf oder der Parteigenosse Frey? Ein Wort noch an den Arbeiterführer Frey: Wir hoffen, daß Sie diesen Bericht genau so zu Gesicht bekommen wie unseren letzten. Wir erinnern Sie daran, daß Sie damals mit bewaffneter SA die verschlossenen Türen des Münchner Gewerkschaftshauses erbrachen und im Auftrage Ihrer vorgesetzten Stelle das Eigentum der freien Gewerkschaften gestohlen haben. Das taten Sie, um die„Mißwirtschaft der marxistischen Arbeitervertreter" zu beenden. Sie zeigten sich damals sehr mutig und waren ganz von Ihrer hohen Mission eingenommen. Wir werden diesen Tag nie vergessen, Herr Frey! Heute aber, nach kaum 2 Jahren, beugen Sie sich dem Kapitalisten Graf und legitimieren seinen Raubbau an der Arbeitskraft. Wissen Sie, wie das ein ehrlicher Arbeiter nennt? Arbeiterverrat! So auch haben es die Proleten der Buntweberei empfunden und wir werden dafür sorgen, daß es ihnen noch stärker zum Bewußtsein kommt. Wenn Sie als Treuhänder der Arbelt noch einen Funken Ehre im Leib haben, dann müssen Sie über Ihre erbärmliche Handlung erröten. Aber wir wissen, Sie reden sich auf den Befehl Xhrers Führers hinaus. Tun Sie es! Wir Marxisten beobachten Sie genau und wir schwören Ihnen, daß alle Sklavenhalter der Graf und Konsorten, alle Fronvögte der Kapitalisten am Tage der Vergeltung den Lohn empfangen werden! Kritik an den Waffen leuchtet den Inhalt der Februarkämpfe und Klassenkämpfer waren gegen die militärische erklärt uns die Tragik seines Ausganges.! Aktion in Oesterreich. Manche verglichen Der Begriff sozialistischer Wehrhaftigkeit Ist diese Aktion sogar mit den menschlich eben- aus einem sozialen zu einem rein militärischen falls heldenmütigen Kämpfen der Kommunl- Die Klasse hat sich von ihrem KraftqueU und Mutterboden entfernt. Bei der Zerstörung aller Organisationen Was Ist Gewalt? Was heißt kämpfen? Von Fred War. Für den Marxismus der Gegenwart ist die; Kevror�en Tatsache bezeichnend, daß der»ideologische Ueberbau« In der Diskussion über Niederlage und Neuorientierung eine so entscheidende f bleibt der Betrieb eine Organisation, bei Rolle spielt, daß der»Unterbau«— gerade 1 der totalen Entwaffnung durch den totalen im Gegensatz zur materialistischen Ge- �taat bleibt der Betrieb eine Waffe, schichtsauffaasung— als Produkt des Ueber-: die nicht ohne die Aufhebung des Kapitalis- baues erscheint. Alle Ereignisse werden aus, mus beseitigt werden kann. Sobald der Arder Sphäre des Ueberbaues heraus zu begrei-' beiterklasse diese Tatsache zu Bewußtsein fen versucht, wo der Ueberbau selbst zu un- 1 kommt, hat die Klasse die entscheidende Ge-\ Meinung nach von der Oekonomle her erfol- 1 walt von morgen entdeckt. Es ist der Grund-! Sen muß, noch nicht für gekommen sah. sten in Mitteldeutschland, in Hamburg und im Mai 1929 in Berlin. Hier wie dort sahen sie, wie die Klassenaktlon durch eine Tcll- aktlon auf falscher Ebene ersetzt wird, dl« freilich hier wie dort im gewissen Sinns zwangsläufig war. Aber ebenso zwangsläufig war die Haltung anderer Genossen,«H« ihre Aufgabe an anderer Stelle, und die Zeit für einen breiten Klassenangriff, der Ihrer tersuchen wäre. So kommt man zu einem verhängnisvollen Subjektivismus, zu sinnlosem Moralisieren, zur Ueber- schätzung einzelner Menschen oder auch von Gruppen und schließlich zu einer Auffassung von der Gewalt, die keinerlei sozialistischen Klasseninhalt mehr besitzt. Das beschränkte Denken des Faschismus hat auch in unseren Reihen eine beängstigende Ausdehnung erfahren. Der Faschismus als eine Bewegung niedergehender Existenzen kann niemals marxistisch und wissenschaftlich denken, er braucht die Mystik, weil er die Entwicklung und die Wissenschaft fürchten muß, und weil er nur und allein In der Form der Politik denken kann, weil die ihm folgenden Gesellschaftsschichten niemals den materiellen Unterbau grundlegend lungestalten können, ohne sich als Kleinkapitalisten selbst zu gefährden. Gesellschaftlich weitgehend funktionslos gewor-| den, haben diese Schichten keinerlei ökonomische Macht einzusetzen, um so mehr Wunder müssen sie von oben, von der Politik, von der Gewalt, vom Führer erwarten. Sie kön- fohler der gegenwärtigen Diskussion über die Rolle der Gewalt, daß diese Gewalt nur In einer ihrer Formen, nämlich der militärischen, begriffen wird. Marx äußerte sich bekanntlich, auch die Idee wird zur Gewalt, wenn sie die Massen ergreift. Selbst in der Auffassung des modernen Militarismus ist Gewalt heute viel sen' mehr als Tank und Gewehr. Die Arbelt bildet die erste Voraussetzimg der Gewalt, sie ist selbst eine Gewalt. Wann werden wir dort endlich in unserer Weise angelangt sein und das altpreußische Militärdenken überwinden, das schon für den Krieg überholt ist, geschweige denn für den Klassenkampf? Jawohl, wir müssen die Barrikadenromantik überwinden! Wir müssen die Mystik der Straße durch die Aktion der Arbeit ersetzen, das passive Streiken durch die aktive Ueber-, Vornehmlich jener Teil dürft« es sein, der heute den Kampf vom Betriebe her propagiert und eine dieser Aufgaben entsprechende Arbeiterorganisation empfiehlt Andere werden auf rein militärischem Felde weitergetrieben, wo sie notwendig bei Einzelaktionen, Bündnsgedanken mit Nazis usw. landen müs- Im 25. Juli sehen einige von ihnen da» Vorbild, im breitesten Massenkampf vom Betriebe her andere. Zweimal Gewalt, zweimal kämpfen! Aber das eine ist Vergangenheit und kein Weg, das andere ist Z u- k u n f t und der einzigste Weg, aber auch der ursprünglichste Weg der Arbeiterklaaso zum Sozialismus. Jawohl, Gewalt! Aber wie, warum, wozu und welche? Worin besteht sie heute, worin haben wir Jene Gewalt, gegen die keine Kanonen aufkommen können? Das ist die Frage. Jawohl kämpfen! Aber nähme der Produktion. Die Produktion ist wozu, für welches Ziel, mit welchem Erfolg. zur unmittelbaren politischen Waffe geworden, die nicht mehr in der Form des Generalstreiks, sondern nur noch in aktiveren For- nen nur im Ueberbau bleiben. Treffend sind tnen zur Geltung kommen kann. Die Straße Zum Siegen oder zum Sterben? Blutvergießen als Stimulationsmittel für andere? Nein, nicht das verzweifelte Sterben, sondern das sinnvolle Kämpfen 1»* die Marxworte: bleibt daneben freilich ein Kampffeld, der' eine unausweichliche Klassennotwendigkeit, so »Je ausgebildeter und allgemeiner der j streik eine Waffe und gewisse militärische sehr unsere Sache selbstverständlich auch politische Verstand dnes Volkes ist, um so Aktionen werden auch künftig notwendig den Einsatz unseres Lebens erfordert. Kl»»* mehr verschwendet das Proletariat— we-.°„ ,,, i,...,.__ ,,.„r.niy niirstens im Berinn der Bewegung— seine Eeln- Ab€r während der Generalstreik Mäher senmäßig gesehen gibt es keinen kampfio* nutzlose und im als die Unterstützung der militärischen sen Zustand, und die Ablehnung der neuen Weil es in der| Aktion angesehen wurde, ist die Bedeu- militärischen Gewalt bedeutet nicht, daß m»11 tung der militärischen Aktion auf den Kampf verzichten, sondern ander» alle' Ml tteT'zur AbMlfrin der Gewrit gegenüber der ökonomischen Ge- kämpfen soll! Und dieses Anders-Kämpfec walt enorm gesunken, daß die tra- kann darin bestehen, daß man— wie es vi«* gende Basis heute die Aktion vom Produk- fach geschah— die Aussichtslos!?' Uonsprozeß her sein muß und sein wird und keit militärischer Aktionen b«- die militärischen Aktionen nur Sicherung und greiflich macht und auf die heuen nigstens im Beginn der Bewegung Kräfte an unverständige, Blut erstickte Erneuten Form der Politik denkt, erblickt es den Grund oller Uebelstände im Willen, und einer bestimmten Staats- dem Umsturz form.« Folgerichtig kommt Marx zu der Auffassung: »Der industrielle Aufstand mag noch so partiell sein, er verschließt in sich eine Stützung des Errungenen sein können. Im- Kamnfnotwendlakeiten. wo notwendig. lnl universelle Seele, der politische Aufstand1....... ,,.,.. �ampinoiwenoigKeiten, wo noiwentug, mag noch so universell sein, er verbirgt- mer 016 Arbeiterklasse unterliegen müs- schärfsten Kampf gegen das Alte, hinweist unter der kolossalsten Form, einen engher- sen. wenn sie sich auf das Kampffeld des Kerne büdet und in seiner Welse den m o r* Gegners ziehen läßt und vorwiegend militä- glgen Tag vorbereitet Viele, die«* risch der Militärgewalt des Gegners gegen- getan habeni von der Niederlage»» übertritt. Es ist aus diesem Grunde nicht sich nicht mehr überraschtj waren einzusehen, daß jene Menschen, die sich mit sie neue AnfijLnge der Arbeit. der Waffe in der Hand dem Gegner gegen- In Deutschland hat es viele solcher Grupp«1 überstellten, bewußter, wertvoller und weit- gegebeni � � thre,. Arbeit einen größere» sichtiger waren als etwa jene, die in den Re- Kampfwert sahen als in militärischen Ver- unserer gegenwärtigen, wo sich die Arbeiter- volutlonstagen von 1918 im Geiste Rosa Lu- 1 ZWeinung3aktlonen. Sie hatten sich to1' Recht im Gegensatz zu vielen Nur-Milltsit' zigen Geist.« Dieses Denken lediglich in der Form der Politik, Im Ueberbau, die beschränkte Auffassung von der unbeschränkten Macht der Gewalt, ist nicht nur charakteristisch für die ersten Anfänge der Arbeiterbewegung, sondern auch für geschichtliche Situationen wie klasse der Tatsache gegenübergestellt sieht,| xemburga und nachher, den Gesetzen ihrer daß die alten Waffen stumpf geworden sind; Klasse folgend, für die unmittelbare Inbesitz- und der Sozialismus aus einer Kette von Ursachen in einen Umstellungsprozeß hineingedrängt wurde, der manchen als Untergangsprozeß erscheint. Das Wesen dieser Dinge verkennend, verfallen viele einem Depressionszustand, sehen keinen Sinn und keinen Fortschritt mehr in der Geschichte, meinen, die Massen wollen immer Sklaven bleiben und erliegen so dem furchtbarsten Fatalismus, den man sich denken kann, der seinen Höhepunkt in der These hat, daß das Schicksal der Menschen in einer Weinen Gruppe von Menschen beschlossen hegt Die Ursache dafür? Die Avantgarde versäumt es, sich selbst in die Kritik an den Waffen elnzubeziehen! Sie sieht sich nicht im Prozeß, als Produkt des Kampfes auf einer bestimmten Stufe, sie sieht sich nicht als geformte, sondern nur als formende Kraft und begreift sich nicht nach ihrer vergänglichen Seite hin. Sie sieht sich als der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht und fragt sich nicht; wie kommen wir zu dieser und jener Denkweise, wie kommen wir dazu, in uns das Schicksal der Menschheit nähme der Produktionsmittel durch die Arbeiterklasse und ihre Organe eintraten, die damals den Namen Räte trugen, ihren eigentlichen Inhalt durch die historisch bedingte bündnerische Rätepraxis des Bolschewismus inzwischen allerdings völlig eingebüßt haben. sten— nicht auf Büchels Bündnis mit Aef Armee eingelassen, auf jene Perspektive vo» Gewerkschaftskroisen, die bisher als ref''r' mistisch galt und nun nachträglich als der Ausweg eines»Linken« vorgetragen wird. benbei bemerkt, kann diese Möglichkeit h»' mer noch eintreten- Wo wird Böchel da ste' tenden Unklarheiten, bestimmt auch in sehr unreifen Formen hier und dort haben die Arbeiter damals in erster Linie auf diesem Felde gerungen. Das war wirksamste Klassenaktion. Wie in Deutschland, so wurden diese Bestrebungen in Oesterreich nicht entsprechend gewürdigt. Hier wie dort wurde die Sozialisierung in eine Kommission verlegt mit der notwendigen Folge nachlassender Aktivität, wie die Kommission andererseits nur durch das Abebben der Revolution zur Geltung kommen konnte. Damit war aber die entscheidende Gewalt der Arbeiterklasse gebrochen. Im selben Maße, wie dies erfolgte, kamen Gedanken zur Gründung von Schutzformationen auf. In der Defensive der deutschen und österreichischen Arbeiterschaft entstehen die Wehrverbände. zu suchen? Diese Auffassung ist die Folge Was im Unterbau nicht mehr möglich war, Sicher mit großen Fehlem, sicher mit bedeu-|hen? SawoM was wien � auch wa» Deutschland anbelangt, bewegt sich Böchel i0 militärischem Denken. Die Fragest«'' J lung;»Revolutionärer Aufsts» oder kampflose KapitulatloD?< ist vollkommen falsch. Richtig** sollte man fragen: Verzweiflungskampf od®* sinnvolle Neuorientierung der Klasse. V**" zweiflungskampf mit den stumpf gewordeO*" Waffen der alten Arbeiterbewegung Pionierarbeit für den erfolgreichen Ang� von morgen? Ich weiß, daß in dieser Frag** Stellung für jeden von uns ein Konflikt U«� der notwendige Umstellungsprozeß der ist tragisch, well nach den vorliegenden � fahrungen dazwischen eine fast waff«»10** Zeit liegt Die alten Waffen sind»� stumpf, aber die neuen sind nur in den a11** kleinsten Keimzellen vorbanden. Viele sehen opfern ihr Leben, jeder auf einer reinen Ueberbaubetrachtung. Auf derselben Ebene liegt die in Deutschland zuweilen auftauchende terroristische Ideologie. Sich streng im Führerprinzip bewegend, glaubt man mit dem Führer das Prinzip und die Sache zu vernichten. Man denkt also wie Gering und Göbbels. Wieder steht man auf dem Kopf. Aber wohl das erschüt- ternste und bezeichnendste Beispiel wie das Denken Im Ueberbau einen praktischen Ausdruck findet, ist die Tatsache, daß während der Feberkämpfe Proletarier am Tage die Hebel der Maschinen bedienten, um am Abend mit dem Gewehr in der Hand gegen die Macht des Staates zu kämpfen. Das besollte Im Ueberbau erfolgen. Der Februar ist der Abschluß dieser Phase, über die nicht moralisch zu richten, sondern die zu analysieren ist. So gesehenhatder Schutzbnd als Vorhut der Nachhut gekämpft. Bs war ein letzter Aufschrei einer historisch überholten Phase und Kampfform. Haben die Massen vielleicht darum nicht gekämpft, weil sie dies ahnten, fühlten oder wußten? Waren sie in ihrer Weise vielleicht der Avantgarde voraus? Haben einige Tausend überhaupt das Recht, die Klasse zu verurteilen? Ist das nicht die Haltung der KP, die stets voraussetzt, daß sie Weise. Unter Umständen ist auch da« Heroismus, wenn man die Kraft aufbringt, in dieser waffenlosen Phase, selbst auf Gefahr hin, als Individuum ihr Opfer zu den, an keinen Strohhalm zu kla®111®1'11 sucht, sondern mit eiserner Konsequenz® neue Kraft und den morgigen Tag vorb«rv ten hilft, in der festen Erkenntnis, daß d1®4* Umstellungsprozeß durch eine militä ri»® Aktion nur hinauszuschieben, niemals abC � umgehen ist Heroismus ist nicht bU( eine militärische Elgensch»� , BÜ- Der Kopf versäume nicht, das Herz zu geln— so schwer das in dieser gegenwärtig*� richtig gehandelt hat? Sehr bewußte. Phase sein mag. Prozeß gegen die SAP Tor dem Yolksgeridit In wenigen Wochen wird vor dem Volksgericht, dessen Blutrolle kürzlich amtlich angekündigt wurde, ein großer Prozeß gegen «He SAP stattfinden. Angeklagt sind 25 SAP- Angehörige, darunter sieben Frauen und zahlreiche Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren. Für die Anklage der Oberreichsan- waltschaft verantwortlich zeichnet der berüchtigte Jörns(bekannt als rechtsbrecherischer Schützer der Mörder Karl Liebknechts Und Rosa Luxemburgs). Die meisten Angeklagten befinden sich seit August 1933, also seit 14 Monaten, in Haft, die übrigen seit November oder Dezember 1933. Während dieser Zeit haben sie Furchtbares durchgemacht. Wochenlang, z. T. monatelang waren sie in den schlimmsten SA- und SS-Kasernen Berlins, dem Columbiahaus und der Maikowskikaserne, ein Teil hat auch bereits Monate im Konzentrationslager zugebracht. Bezeichnend ist, daß sie nicht nur in der ersten Zeit nach ihrer Verhaftung gefoltert wurden, noch in diesem Jahre wurden sie aus der gerichtlichen Untersuchungshaft wiederum In das Columbiahaus geführt und dort abermals schwer mißhandelt, um weitere Aussagen aus ihnen zu erpressen. Auch die Frauen und Mädchen wurden so mißhandelt, daß eine von ihnen in ihrer Verzweiflung einen Selbstmordversuch machte. Nach den Blutgesetzen drohen den Angeklagten schwerste Strafen. Der Oberrelchs- anwalt zitiert neben dem(inzwischen auch verschärften) Strafgesetzbuch eine ganze Reihe dieser Gesetze, darunter auch solche, die erst Im April 19 3 4, also lange nach den letzten Verhaftungen, erlassen worden sind! Biese Gefahr droht In erster Linie den Angeklagten Köhler und Zwelllng, vor allem aber einigen Angeklagten, denen Verbindungen mit dem Ausland vorgeworfen werden. Nach den Mordgesetzen des faschistischen Staates steht auf diese»Ver- brechent unbegrenzte Zuchthaus- oder sogar die Todesstrafe. Während diese Angeklagton In Wirklichkeit nicht« mit dem Auslande zu tun gehabt baben. kann einer die>Verblndung mit dem Ausland« nicht beatreiten: Kurt Liebermann, der bekanntlich Im Februar dieses Jahres unter Bruch aller völkerrechtlichen ®*Pflogenheiten von Holland nach Hlt- lerdeutschland ausgeliefert wurde, hachdem er bereits Im Sommer 1933 aus Beutsehl and emigriert war. Ber Angeklagte Stefan Szende, ein hhgarlscher Emigrant, der seit Jahren als kßtarbelter bekannter ausländischer und deutscher Zeitungen und Fachblätter in Ber- bh lebte, wird in der Anklageschrift zum Mitglied der>zweiten illegalen Reichsleitung dor SAP« gemacht, obwohl er dieser Körperschaft niemals angehört hat. Bie Terrorjustiz will neue Opfer fällen! Hie üetalip für den Frieden Die Wahlen in Danzlg Die Danziger Naziregierung hat in zwei 'kn(fliehen Kreisen Wahlen gemacht. Sie hat plumpe Wahlkreisgeographie angewandt den braunen Terror In seiner achllmm- •�on Form losgelassen. Sie hat trotzdem noch hiebt 80 Prozent der abgegebenen Stimmen •rzielt. Für die Schamlosigkeit des amtlichen Terrors nur ein einziges Beispiel: Die>Dan- aäer Volksstimme« hatte Kritik am braunen Terror geübt. Sie wurde deshalb mit folgen- Begründung verboten: »Die»Danziger Volksstimme« veröffent- hcht im Leitartikel der Nr. 246 vom 5. No- vember Auslassungen Uber Behinderungen der sozialdemokratischen Wahlagitation in den Kreisen Niederung und Werder. Sie wäh 1 1 dabei Formulierungen, die den Vor- �üJf enthalten, daß der staatliche Verwal- Jünga- und Machtapparat an den behaup- �eten Behinderungen beteiligt sei. Auf Grund von Artikel II J 6 der Bechtsverordnung vom 30. Juni 1933(G.- Bh S. 287) verbiete Ich daher die Herstel- lung und Verbreitung der»Danziger Volks- «timme« mit sofortiger Wirkung bis zum 9. November einschließlich.« Bas Wahlgeheimnis war selbstverständlich nirgends gesichert, sehr eindeutige Be- �eise für Walüfälsohungen liegen vor. �Dennoch haben die sozialdemokratischen /äanisatlonen ihre Pflicht getan. Nahezu e Hälfte aller abgegebenen oppositionellen kl;'iunea entfällt auf die Sozialdemokratie— hnd üas in ausgesucht ländlichen Kreisen. merkenswert ist vor allem, daß sich die roaaldemokratie weitaus besser behauptet at ms die Kommunisten. Unter dem Titel»Hitler treibt zum Krieg« ist in der Editions du Carrefour, Paris, die deutsche Uebersetzung des in London erschienenen Werkes der Sekretärin der englischen Union für demokratleche Kontrolle, DorothyWoodman, herausgegeben wor- den. Das Werk, das jetzt auch in einer Reihe anderer Sprachen erscheint, hat in der gesamten Weltpresse stärkste Beachtung gefunden. Auch die Geheime Staatspolizei Berlin hat ihr Interesse für das Werk bekundet, indem sie im Auftrag des Polizeigenerals Da- luege alle Pollzeistationen und Polizeibeamten anwies, die Verbreitung des Buches In Deutschland um jeden Preis zu verhindern. Die Polizeipräsidenten seien befugt, Belohnungen bis zu 1000 Mark für diejenigen auszusetzen, die den Besitzer, Verleiher oder Vertreiber dieses Werkes nachweisen. Da die Regierung es leider unterläßt, dem angeführten Werk eine eigene Darstellung ihrer Rüstungen und Rüstungsziele entgegenzusetzen, wird die Ankündigung der Geheimen Staatspolizei nur das Interesse für das Buch steigern und der in ihm begründeten Anklage gegen Hitler eine umso größere Schlagkraft verleihen. Dorothy Woodman hat sich ihre Aufgabe nicht leicht gemacht. Sie hat aus der ungeheuren Fülle der deutschen militärischen Literatur und des nationalsozialistischen Schrifttums das wesentlichste Material zusammengetragen, das die wirtschaftliche, politische, ideologische und militärische Kriegsvorbereitung Hitler-Deutschland charakterisiert. Sie veröffentlicht gleichzeitig eine Anzahl von Originaldokumenten über den deutschen RU- stungsbetrleb wie auch Berichte und Angaben ausländischer Autoren, die in den letzten anderthalb Jahren durch die Weltpresse gegangen sind. Das Ergebnis ist ein Werk, das trotz unvermeidlicher Lücken sowie einiger Fehlurteile und Irrtümer alle Seiten des gigantischen deutschen Rüstungsbetriebes beleuchtet, gleichzeitig aber auch seine historischen Grundlagen und Triebkräfte untersucht und seine Auswirkungen für die gesamte internationale Politik in packender Weise schildert. Der Ausgangspunkt der Verfasserin Ist der Satz, daß der»totale Staat« Hitlers die politische, wirtschaftliche. Ideologische und militärische, kurz die totale Kriegsvorbereitung bedeutet. Die Herrscher des totalen Staates flüchten aus den inneren Schwierigkeiten, deren sie nicht Herr werden können, in die außenpolitische Expansion; sie knüpfen an die Traditionen des preußischen Militarismus wie an die imperialistischen Ziele des Alldeutschtums an, um aus dem entrechteten, versklavten 65-Mniionen-Volk eine ungeheure Kriegswaffa zu schmieden und die bestehende Staatsordnung über den Haufen zu werfen. Alle Aeuße- rungen des gesellschaftlichen Lebens: Wirtschaft, Politik, Technik, Kultur, Erziehung usw.«sind dem einen Ziele untergeordnet, die militärische Schlagkraft des deutschen Volkes so rapide zu steigern, daß es der übrigen Weit seinen Willen aufzuzwingen vermag. Alle Rüstungsbeschränkungen sind de facto beseitigt; mit fieberhafter Schnelligkeit wird eine MU- Uonenarmee gedrillt und ausgerüstet; die technische Ueberlegenhelt der deutschen Industrie wird ausgenutzt, um ein gewaltiges »Kriegspotentlal« zu schaffen, und die Hauptenergie wird darauf konzentriert, namentlich die Luft- und Giftgaswaffe so auszubauen, daß Deutschland In der Lage Ist, mit schnellen, überraschenden Vorstößen die Gegner über den Haufen zu werfen. Diesen Kriegsplan Hitler-Deutschlands belegt Dorothy Woodman mit unzähligen Dokumenten aus der nationalsozialistischen Literatur. Sie enthält sich jeder direkten Anklage, sondern läßt in nüchterner Leidenschaftslosigkeit die Tatsachen sprechen, die die innere und äußere Politik des Dritten Reiches und insbesondere seine RUstunga- politik charakterisieren. Umso wuchtiger und schärfer ist die Anklage, die sich aus dieser Darstellung ergibt. Scharf wendet sich die Verfasserin gegen die von den heutigen Machthabern geflissentlich verbreitete Legende, daß das deutsche Volk nichts anderes tue, als ein drückendes Joch abzuschütteln. »Hier wurde kein Joch abgeschüttelt, sondern eines errichtet. Die Würde des Menschen triumphiert hier nicht über den Korporalstab..., sondern der Korporalstab wird zum Regierungssystem, die Menschenwürde wird mit dem Militärstiefel zertreten. Hier ist keine Erhebung, sondern Unterdrückung, kein spontaner Wille der Massen, sondern der Versuch ihrer systematischen, militärischen Organisierung... Nicht ein »Volk In Waffen« im historisch-romantischen Sinne des Wortes ist entstanden, sondern man ist bestrebt, ein ganzes, großes Volk zu einer einzigen, furchtbaren Waffe zu schmieden, es zu einer einzigen riesigen Kriegsmaschine zu machen und zu entwürdigen.« Dorothy Woodman verschließt keineswegs die Augen vor der Tatsache, daß auch in anderen Ländern aufgerüstet wird, daß aucn anderwärts militaristische Bestrebungen rieh geltend machen. Aber die größte Gefahr, die zur Zeit dem Weltfrieden droht, kommt aus Deutschland, wo die Organisation des kriegerischen Massenwahns zum politischen Faktor geworden ist und wo alle Kräfte des Widerstandes und der Friedenserhaltung mit Gewalt ausgeschaltet sind. Unter diesen Umständen wird»die Ideologische Kriegsvorbereitung des totalen Staates selbst zu einem Moment latenter Kriegsgefahr.« A. S. AntlfasehSstlsehe AktivUät In USA Julius Deutsch und Gerhari Seger begeistert empfangen Aus New York wird uns berichtet'; Julius Deutsch und Gerhart Seger trafen am gleichen Tage In New York ein und wurden von starken Delegationen der Gewerkschaftsbewegung, der S o- zlallstischen Partei, des Deutschen Freiheitsbundes und zahlreicher anderer amerikanischer und deutscher Organisationen willkommen geheißen. Tausende von Jungsozialisten hatten sich mit roten Fahnen am Pier eingefunden und bereiteten den Besuchern einen Empfang, der selbst in dieser skeptischen Sieben-Mlllionen- Stadt allgemeines Aufsehen erregte. Beide wurden auf den Schultern zu den Automobilen getragen, die sie unter Vorantritt von Musikkapellen und gefolgt von lausenden Marschierenden zum Parteigebäude In der Fünfzehnten Straße brachten. Hunderte von Fackelträgern säumten die umliegenden Straßen ein. Im Parteigebäude wurden die Besucher offiziell empfangen geheißen. Beide antworteten kurz In englisch und lösten Immer wieder neue Begeisterungsstürme aus. Die amerikanische Presse aller Richtungen brachten ausführliche Interviews und zahlreiche Bilder, die die Probleme Deutschlands und Oesterreichs von neuem in den Brennpunkt der amerikanischen öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt haben. Alles In allem: schon die Ankunft schlug eine Bresche in die Nazipropaganda hierzulande. Die Wirkung kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Kaum 24 Stunden nach seiner Ankunft hielt S e g e r einen Vortrag vor einer deut- 1 sehen Massenversammlung, die vom»D e u t- schen Frelheitabund« einberufen wor-, den war. Die Veranstaltung gestaltete sich zu einer außerordentlich starken Kundgebung gegeo Hitlerismus und Faschismus und für die Wiederherstellung der Volksrechte In Deutschland und Oesterreich. Der Saal war lange vor Beginn der Versammlung voll besetzt. Es war ein Ereignis, hbh in den Kreisen der Nazianhänger hierzulande allgemeine Konsternation und Aufregung ausgelöst hat. Zahlreiche weitere Versammlungen sind in Aussicht genommen. Julius Deutsch sprach In Boston und anderen Städten New Englands vor starken Versammlungen, die ihrer Begeisterung für die österreichischen Kämpfer immer wieder neuen stürmischen Ausdruck verliehen. Eine große Rede, die Deutsch kurz nach seiner Ankunft im Radio hielt, fand allgemeine Beachtung und löste zahlreiche öffentliche Kommentare aus. Schon jetzt, beim Beginn der Vortragsreisen der beiden Besucher, kann gesagt werden, daß den Gegnern der deutschen und österreichischen Freiheitskämpfer nicht wohl ist. Die Nazis und ihre getarnten Hilfsorganisationen haben geglaubt, daß das alte Spiel versteckter Gleichschaltung der deutsch-amerikanischen Organisationen unentwegt weiter geführt werden kann. Sie lernen jetzt am eigenen Leibe, daß sie sich getäuscht haben. Die nahe Zukunft wird lehren, daß den Nazi-Intrigen hierzulande ein weiterer starker Riegel vorgeschoben worden ist! • ♦• Der Deutsche Freiheitsbund New York verbreitet in äeutscher und englischer Sprache ein Manifest an die deutsch- stämmigen Männer und Frauen Amerikas. Es heißt darin: »Der Deutsche Freiheitsbund ist die Bewegung, die alle deutschen Kräfte In Amerika zu einer machtvollen Waffe gegen den NatlonaisoziaUsmus und seine Agenten Im Auslande zusammenschweißt Der Deutsche Freiheitsbund Ist politisch neutral: er kämpft entschieden gegen den Faschismus aller Schattierungen und gegen jedwede Unterdrückung durch diktatorische Gewalt. Der Deutsche Freiheitsbund fordert; Die Wiedergewinnung der vollen Freiheit und aller polltischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Rechte In Deutschland und Oesterreich, die Beseitigung jedweder Irgendwie gearteten Ausnahmegesetzgebung, Insbesondere aller religiösen Unterdrückungen. Brecht die Ketten, die das deutsche Volk in Knechtschaft halten! Werft das Haken- kreuz, das Symbol des von Hitler gekreuzigten Menschen, von Euch! Kämpft mit uns für Volksrechte, Frieden, Freiheit, Kultur!« Die Innenselten de« vierseitigen Manifest« geben die eindrucksvolle Titelzeichnung des Buches»Volk In Ketten« wieder, das In der Verlagsanstalt Graphla, Karlsbad, erschienen Ist. Die»Freunde der Wahrheit« In Cincinnati veröffentlichen eine Flugschrift »Die Drohung des Nazismus«, die von einer Reihe von Vereinen Uber das ganze Gebiet der USA verbreitet wird. Ebenao wird der Aufruf der Arbciterkon- ferenz zum Kampfe gegen den Hitlerismus in USA in Massen verbreitet. Wann werden die Diäten der Hl. d. R. abgebaut? Die Angestellten der Privatwirtschaft hatten vor kurzem eine Tagung(n Nürnberg, die sich hauptsächlich mit der Frage der Einreihung der Angestellten in die»Deutsche Arbeitsfront« beschäftigen sollte. Bei Vornahme der Delegiertenwahl wurde einer der Delegierten beauftragt, daß er auf der Nürnberger Tagung folgendes erfragen solle: 1. Warum sind die Diäten der Reichstagsabgeordneten noch nicht gekürzt? 2. Warum wurden die Gehälter über 12.000 Mark Im Jahre noch nicht abgebaut? 8. Warum ist die Einreihung der Staatsund Gemeindebeamten in die»Deutsche Arbeitsfront« noch nicht erfolgt? Der Delegierte übernahm gerne diesen Auftrag, kam aber nicht dazu, Ihn selbst auszuführen. Noch bevor er sich zum Worte gemeldet hatte, brachte ein Delegierter aus einem anderen Orte die gleichen Anfragen vor, Das war bezeichnend für die Stimmung unter den Privatangestellten, besonders unter den Herren des früheren deutschnat'onalen Hand- lungsgehilfenverbandea, die ja vom Dritten Reich die Erfüllung all Ihrer Wünsche bestimmt erwarteten. Die Nürnberger Tagung leitete der Nazi- Gauleiter Forster aus Danzxg. Dieser beantwortete selbst die Fragen und erklärte; Zu 1: Die Reichstagsdiäten sollen abgebaut werden. Sofort setzte unter den Tagungsteilnehmern ein Sturm der Entrüstung ein. Laute Rufe:»Wir dachten, die Diäten sind schon abgebaut« usw. wurden In den Saal hineingeschrieen. Zu 2: Ueber die Kürzung der hohen Gehälter wird Hitler in Kürze die Vorschriften erlassen. Wieder laute Entrüstungsrufe: »In Kürze? Wir dachten, die Gehälter sind längst gekUrzt!« Zu 3: Die Einreihung der Staats- und Gemeindebeamten in die»Deutsche Arbeitsfront« erfolgt nicht. Darauf Gemurmel bei den Versammelten, das deutlich als Mißstimmung gedeutet werden konnte. Was werden diese Privatangestellten erst sagen, wenn sie erfahren müssen, daß Forster nur Ausreden zur Beschwichtigung angewandt hat, daß an einen Abbau der Diäten und Gehälter der großen Nazibonzen kein Hitler und kein Göring, kein Göbbels und kein Ley denkt? „Sozialismus der Tat!" Aus dem»Ballkalender« der Berliner Presse: 17. XI. Bund nationalsozialistischer Juristen bei Kroll. 20. XI. SS-Standarte 6 im Zoo. 24. XI. Berliner Sportklub Esplanade, 30. XI. Cösener S. C. im Zoo. Der feudale Cösener S. C. und die großbürgerliche SS feiern in den Prachtsälen des Zoo bei 5 Mk. pro Gedeck den deutschen Sozialismus! ICn-Fapiien verdieiit••• AufrüstungssubTentlon für den Farbentrust Im Weltkrieg waren die Alliierten nach einem Worte des Lord Turzon auf einer Woge von Erdöl zum Siege geschwommen. Luden- dorff war es, der erklärt hatte, daß ein Tropfen Petroleum ebenso viel wert sei wie ein Tropfen Menschenblut. Gefühlvolle Seelen Unternehmens anzuwendenden Verfahrens ist noch immer nicht entschieden.« Sie fügt geheimnisvoll hinzu, mit der Hydrierung schienen»doch noch einige wirtschaftliche und technische Probleme verbunden zu sein, die werden finden, daß dieser Ausspruch nicht von den neuen Beteiligten zum Teil als übergerade von Humanität zeugt. Aber im Drit- raschend empfunden worden sind.« ten Reich, das sich rühmt, die Humanität auf i Worin mag ueberraschung bestanden Kehrichthaufen der Geschichte geworfen1� haben? Wohl darin, daß der F a r b e n- zu haben, wird man sagen, daß ein Tropfen 1 1 r u s t � patente der Kohlenver- Petroleum nicht ebenso viel, sondern mehr fIüasigung aber � selb3t im wert sei als ein Tropfen Menschenblut, weil eigenen Betrieb noch kaum angewandt hat. es in Deutschland zur Führung eines Krieges gr hat also nur ein geringes Interesse, seine keineswegs an Menschen, aber an selbstpro- patente. sei es auch für schweres Geld, einem duziertem Treibstoff fehlt. Der Gesamtbedarf Deutschlands an Mineralölen beträgt 2.5 Millionen Tonnen im Jahr. Allen Anstrengungen, der Treibstoffautarkie nahezukommen, zum Trotz, ist es bisher nicht gelungen, mehr als 10 Prozent des Bedarfes aus eigener Erdölerzeugung zu decken. In den Petroleumquellen von Hannover und Völkenrode sind im vorigen Jahre nur 241.000 Tonnen gewonnen worden, und aus dem Ausland werden immer noch mehr als zwei Drittel des Gesamtverbrauchs eingeführt. Man fragt sich: ist denn nicht die Treibstoffrage für Deutschland längst gelöst? Ist es denn nicht längst gelungen, das Erdöl durch verflüssigte Kohle zu ersetzen, die Devisen für Erdöl zu ersparen und sie für weniger leicht ersetzbare Einfuhrwaren zu verwenden? Tatsächlich sind nach einer Feststellung der»Rheinisch- Westfälischen Zeltung« im Jahre 1933 nicht mehr als 115.650 Tonnen Mineralöl aus Braunkohle gewonnen worden, das ist also noch nicht ein Zwanzigstel des Gesamtbedarfs. Der Ersatz von Erdöl durch künstliches Benzin ist also bisher ganz geringfügig geblieben. Im Jahre 1927 hat die IG-Farbenindustrie, der große deutsche Chemietrust, im Geschwindtempo und mit einem riesenhaften Kostenaufwand seine H y d r 1 e- rungsanlagen errichtet, die heute fast die Hälfte des Mammutwerkes von Leuna einnehmen. Der Farbentiust hatte der Welt verkündet, daß er bereits 1928 imstande sein würde, in seinen Anlagen mit verflüssigneuen Werke zu überlassen, während sein j eigenes, mit riesenhaften Kosten erbautes zum alten Eisen degradiert wird. Die Herren vom Farbentrust sind eine Macht, vor der sich selbst der Führer beugen muß. Er ist nicht nur die stärkste industrielle Macht Deutschlands, sondern eine industrielle Weltmacht. Seine Laboratorien sind das stärkste deutsche Kriegspotential. Dort werden die Waffen des neuen Krieges aasgeprobt, dort wird entschieden, ob und wie sie angewendet werden. Selbst für die Herren, die heute dem deutschen Volke diktieren, ist der Wille der Farbentrustdirektoren Befehl, denn sie gehören außerdem noch zu den wichtigsten Devisenlieferanten für Herrn Schacht. Der Farbentrust hat durchgesetzt, daß der ursprüngliche Plan zu seinen Gunsten geändert wird. Das dürfte wohl die»Ueberraschung« sein, auf die der»Deutsche Volkswirt« anspielt. Der Farbentrust soll ein Monopol nicht nur für die Verwertung seiner Hydrierungs- verfahren, sondern auch für die Ausnutzimg seiner Hydrierungs anlagen erhalten. Die angesehene tschechische Wirtschaftszeitschrift»Hospodärsky Rozhled« teilt am 1. November mit, daß man auf die Errichtung eines neues Werkes verzichten und sich mit der Ue bernahme der Kohle nv e rfl ü s si gung s a n 1 a g e n von Leuna begnügen will. Deshalb hat man die Kosten des Projekts herabgesetzt. Die neue Gesellschaft soll nicht, wie ursprünglich geplant, mit 250, sondern»nur« mit 100 Millionen ausgestattet werden. Für den Farbentrust hat dieses einträgliche Geschäft den doppelten Vorteil, daß ihm stillgelegte Anlagen zu hohem Preis abgekauft und die mit anderen Verflüssigungsverfahren im Rheinland arbeitende Konkurrenz vom Halse geschafft wird. Von der mitteldeutschen Braunkohlenindustrie beherrscht die IG-Farben ein Drittel. Der Rest hat die Kosten dieses Geschäftes zwar aufzubringen, aber nicht zu bezahlen. Um 3 51k. je Tonne aufzubringen, soll der Braunkohlenpreis um 2 51k. je Tonne erhöht werden. So sieht Hitlers Kampf gegen die Teuerung aus: man verteuert nicht nur der Industrie und der Landwirtschaft den Treibstoff, sondern auch der großen Masse der Verbraucher den Heizstoff, nur um der internationalen Industriemacht des Chemietrusts eine Riesensubvention zukommen zu lassen und ihn für seine Mitwirkung an der Aufrüstung bei guter Laune zu halten. G. A. Frey. Signum»Auslandsorganisation der NSDAP Reichsleitung« hinzufügt, an den Leiter des Saar-»Ordnungsdienstes« einen Brief, er möge einen Weg zeigen, daß man den Fix mit Gewalt aus dem Saar-Gebiet holen könne. Wörtlich weiter: »Für Deutschland können wir gegen F. einen Steckbrief oder Haftbefehl erwirken. Wenn Irgend ein Weg gangbar sein sollte, kommen wir nach dort(Zweibrücken, an der Saargrenze) und holen ihn ab.« Ein Haftbefehl ist bekanntlich eine Handlung der richterlichen Unabhängigkeit par excellence. In England ist über der Gabeas- Corpus-Akte eine Revolution, die fast ein Jahrhundert dauerte, mit aller Furchtbarkelt des Bürgerkrieges geführt worden. Es ging um die Unantastbarkeit des freien Mannes gegen die Staatsgewalt, wenn nicht eben der unabhängige Volksrichter sich gegen den offenen Gesetzesbrecher, möglichst in flagranti, wandte. In Hitlerdeutschiard erwirken Haftbefehle irgendwelche Buchhalter des Hitler- schen Parteiladens gleich blanco! Herr Knox, der kühle Brite, mag, wenn er dies amtlich feststellt, über die Grenze auf dieses Deutschland mit sehr überlegenen Gefühlen sehen! Von der Saar aus geselten Die Nazis hassen Herrn Knox, den Völkerbundsregenten an der Saar. Der regierende Brite ist zwar von gradezu stoischer Objektivität. Dennoch wird grade jetzt wieder Herr Knox von Berlin aus mit ganzen Kübeln von Blutenlese aus amtlidicn Saar-Dokumenlen Namen trägt; die»Eiserne Brigade Snaniol«. Diese rekrutiert sich nach.....,_„„ einem Schriftstück vom 23. Juni 1934 aus, tiS"te A£enten der Gestapo zu entlarven, Bewohner der Gegend von Saarlouis und j setzte eine regelrechte Jagd auf unseren Ka- Die Jagd auf einen Expatriierten Der Sozialdemokrat und Reichsbannermann Waldemar P ö t s c h aus Bremen, lebt seit über einem Jahr als Flüchtling in Antwerpen. Durch seinen Beruf als Seemann und später als Gewerkschaftsbeamter des Transportarbeiterverbandes in Bremen verbinden ihn mit den deutschen Seeleuten viel berufliche und gewerkschaftliche Interessen und Freundschaften. Sein Einfluß auf die deutschen Seeleute ist in Bremen immer sehr groß gewesen und nach der»nationalen Erhebung« noch gewachsen. In Antwerpen konnte der Genosse Pötsch innige private Verbindung mit seinen Kollegen halten. Die Gleichschaltung der Seeleute ist nur in ganz geringem Maße gelungen. Daran hat Waldemar Pötsch ein großes Verdienst. Die deutschen Behörden aber sind furchtbar wütend. Als es Pötsch gelang, einige ganz berüch- ter Kohle die Hälfte des gesamten Haß brühe überschüttet. Daß ihn der Völkci deutschen Treibstoffverbrauchs1 bundsrat mit Schimpf und Schande wieder zu zu decken. Die Wirklichkeit ist hinter der den heimatlichen Sandwichs schicken soll, ist Reklame des Farbentrusts weit zurückgeblie- noch das Minimum der Berliner Forderungen. ben. Die Frage der Gewinnung von Benzin warum? Durchaus nicht nur, weU Herr Knox durch Verflüssigung der Kohle ist zwar gorge hat, daß die Abstimmung im Januar technisch, aber noch nicht w i r t-| Wegen des Naziterrors nur eine Farce wird, schaftlich gelöst. Seit der Errichtung und deshalb seit einiger Zeit immer energi- der Leunaanlagen sind die Weltpreise scher in Genf und in den europäischen Hauptfür Petroleum kräftig gefallen. Die städten auf Ueberlassung entsprechender Kohlenverflüssigung ist aber nur rentabel, Kräfte drängt, die nun schon nach der Natur wenn sie weniger, Zumindestens aber nicht der Sache nicht grade aus Naturforschem und mehr kostet als das Erdöl. Hat der Farben- Käfersammlem bestehen können. Der Völkertrust nicht aber ein Netz von Tankstellen im bundskommissar hat jetzt auch die Archive ganzen Reiche errichtet, in denen er sein seiner Regierung ein wenig geöffnet »Leunabenzin« vertreibt? Das»Leuna- uncj nicht in privater»Greuelpropaganda« und benzin«, das sie auspumpen, ist nur zum ge-,»üblem Emigrantengeschwätz«, sondern durch ringsten Teile verflüssigte Braunkohle, zum amtliche Dokumente, die ihm seine größten Teil ist es zu Benzin verarbeitetes langjährige Amtstätigkeit zum großen Leid- Erdöl, das nicht die Einfuhr ersetzt, sondern selbst aus dem Ausland eingeführt werden muß. Zum andern Teil entstammt es auch der Verwertung von Braunkohlenteer. Die Kohlenverflüssigungsanlagen von Leuna ha- 1 ben ihren Betrieb, weil er nicht rentabel ist, auf ein Minimum beschränkt und sind für den Zweck, für den sie bestimmt waren, fast unausgenutzt geblieben. Das soll jetzt anders werden. Da das Dritte Reich seine Ausgaben mit Pump be- 1 zahlt, d. h. mit der Anhäufung neuer und der Nichtbezahlung alter Schulden, kann es sich den Luxus leisten, unrentable Betriebe rentabel zu machen. Vor einigen Wochen haben die deutschen Zeitungen den Plan der Errichtung eines Riesenwerkes veröffentlicht, das der Verflüssigung von Braunkohle dienen und Deutschland instand setzen soll, die Hälfte seines Treibstoffbe- darfs selbst zu decken. Die Kosten, die wesen des Herm Göbbels verschafft hat, ein wenig den deutschen Nationalsozialismus ohne Hülle gezeigt. Darum der Haß! Draußen interessieren diese Dokumente, die jetzt die Regierungskommission des Saargebietes in sehr ausführlicher Form an den Generalsekretär in Genf hat gelangen lassen, vielleicht weniger wegen der Intimitäten aus dem Saarkampf selbst, als vielmehr besonders wegen der darin enthaltenen Enthüllungen über den Nationalsozialismus und das braune Reichsregime schlechthin. Sie bestätigen nämlich alles, selbst in den kleinsten und pikantesten Fein- und-Einzelheiten, was die antifaschistische Presse seit Jahr und Tag über die Barbarei, aber auch über die intimen Schwächen des braunen Systems, zu sagen weiß. Ist zum Beispiel die SA wirklich zermürbt oder gar für neue»revolutionäre« Gewalttaten, der Braunkohlenindustrie aufgebracht| die jetzt freilich weniger gegen Juden werden sollten, waren auf nicht weniger als 250 Millionen Mk. veranschlagt. Am 28. September wurde die Verordnung über die Errichtung wirtschaftlicher Pflichtgemeinschaften in der Braunkohlenwirtschaft erlassen und am 26. Oktober die Braunkohle- Benzin-AG. gegründet, die die Herstellung von Treibstoffen und Schmierölen unter Verwendung von deutscher Braunkohle betreiben soll. Die Organisation ist da, man weiß zwar, was sie machen, aber nicht wie sie es machen soll. Die von der Regierung informierte Zeltschrift»Der deutsche Volkswirt« schreibt am 2. November: »Die Frage des von den Gemeinschaftsund Marxisten, als gegen die Verräter in den eigenen Reihen wenden würde, stimmungsmäßig bereit gestellt? Die Saar hat eine Art Röhm-Mord Hitlers schon früher erlebt. Der Allgewaltige S p a n i o 1 wurde zwar nicht grade von ihm gekillt, aber doch mit Schande davongejagt. Dafür kam, wie bei der SA im Reich die Nulpe Lutze, hier der Herr P i r r o mit dem alten Runennamen. Wie aber wirkt sich das in der Saar-SA, die allerdings dort alle möghehen Tamnamen tragen muß, aus? Die Knox-Denkschrlft an den Völkerbund berichtet darüber: »Schließlich muß noch eine Organisation erwähnt werden, welche einen eigenartigen besonders von Lisdorf, der Heimat des Herrn Spanlol. Diese Brigade soll dem Herrn Spaniel vor seinem Sturz einen persönlichen Eid geschworen haben und seine Rückkehr erwarten. Man muß indes feststellen, daß diese Organisation durch den»Ordnungsdienst«(das ist die legal-getarnte SA D. R.), insbesondere durch dessen Leiter Conrad scharf überwacht wird. Sorgfältig werden alle Auskünfte über die Anhänger des Herrn Spanlol gesammelt. Beispielsweise wird in einem Bericht vom 23. Juni 1934 die Anwesenheit des Herrn Spanlol selbst im Deutschen Haus gemeldet:»Herr Staatsrat Spaniol war da und die ganze alte Garde.« Unter anderen Liedern wurde auch gesungen;»Schlagt die Pirronessen tot! Tod dem Pirro!« Ueberhaupt klappt an der Saar das Spitzel- und Denunziantenwesen, wie es nun einmal zum Wesen des deutscher Art nur so entsprossenen Nationalsozialismus gehört, mindestens so gut, wie im Reich. Vor den Spitzeln und Aufpassern sind nach den Knox- Dokumenten auch die Führer der Partei nicht sicher. Die SA als verkappte Polizei sieht auch in der Bespitzelung der großen Bonzo- kratie eine ihrer wesentlichen Pflichten. Was es für Miesmacherei und Meckerer gibt—? Bekanntlich sind besonders dicke Pflastersteine des Anstoßes im dritten Reich die Prachtautos der arrivierten Nazibonzen. Sie wirken besonders defaitistisch._ Sollte es wirklich an der Saar anders sein 7 Mit nichten! Herr Knox berichtete in seiner Denkschrift amtlich: Der Leiter des»Ordnungsdienstes«(vulgo Saar-SA) im Kreise Saarlouis will auch mal gerne im eigenen Auto fahren, da er die Großkopheten aus Saarbrücken ja nur so immer herumsausen sieht. Bisher hat er alles per Arbeiter-Mercedes, nämlich mit dem Fahrrad, absolviert. Nun bittet er aber den Kreisleiter der Partei, ihm endlich»einen kleineren, älteren Wagen« zur Verfügung zu stellen. Wörtlich nun nach Knox: »Der Wagen der Kreisleitung Saarlouis ist zu luxuriös. Wenn ich einmal eine Fahrt damit mache, werde ich das Gefühl nicht los, daß das Volk heimlich zueinander sagt, siebe, da kommt schon wieder mal ein Bonze der Kreisleitun g.« Herrlich ist, wie amtlich von der Saar aus gesehen, sich in der Ferne der sogenannte Rechtsstaat Deutschland unter Hitler ausmacht! Da möchten die Terroristen im Reich einen Saarländer namens Fix gern in den braunen Henkerfingem haben, aus irgend einem Parteigrund. Nun hangen die Nürnberger, und auch die Gestapoleute, keinen, sie hätten ihn denn. Schreibt also ein gewisser Heinz Simons, der seinem Namen noch das meraden ein. Kapitäne und Bordtruppfiihrer deutscher Schiffe beauftragten Schiffsoffiziere und Matrosen, für eine hohe Geldbelohnung Pötsch auf ein Schiff zu schleppen, um ihn nach Hamburg oder Bremen zu bringen. Dank sei den Seeleuten, die stets kamen, um die Menschenräuber zu signalisieren. Mehrere Male wurde Pötsch des Nachts Im Hafenviertel überfallen, konnte sich aber stets in Sicherheit bringen. Bei der Polizei stellte der Generalkonsul ein halb Dutzend Mal den Antrag auf Auslieferung von Pötsch nach Deutschland. I"6 Anträge wurden abgelehnt, da die belgische Regierung dem politischen Flüchtling, der sich ruhig und gesittet beträgt, keine Aufenthaltsschwierigkeiten macht. Aber eines Tages war Pötsch doch verschwunden. Di® nachforschenden Freunde stellten fest, daß er im Gefängnis sei. Der deutsche Gesandte ih Brüssel hatte der belgischen Regierung wahrheitswidrig mitgeteüt, daß Pötsch wegeh eines schweren Diebstahls usw. zu zehn Jahren Gefänignis verurteilt sei. Glücklicherweise konnte Pötsch durch einwandfrei® Papiere seine Unbescholtenheit beweisen. Geradezu im letzten Augenblick kam Pötsch frei. Schlimmer als ihm selbst ergeht es aber seiner Frau im Dritten Reich. Die Frau hat wegen der Pflege ihrer alten und kranken Mutter Deutschland nicht verlassen können- Mit ihrem Mann steht sie nicht mehr in Verbindung. Um Ruhe zu bekommen vor der Polizei hat sie die Scheidung beantragt" Eine Möglichkeit, darüber mit dem Mann zu sprechen, hatte die gequälte Frau nicht. Sie wurde von der Polizei gezwungen, an ihren Mann Briefe zu schreiben, die ihn veranlassen sollten, an die Grenze zu kommen. H®1" Plan, wie Pötsch dann herübergeschlepp' werden sollte, war genau ausgearbeitet Hie Vorladungen zu den Scheidungsterminen wur" den ohne Briefumschlag, in offenen Blättern von Deutschland nach Antwerpen geschickt* Jetzt finden wir unseren standhaften Genossen, den man absichtlich in der amtliche11 Begründung als Kommunisten bezeichnet tu der dritten Liste der Expatrli®1"' ten, eine große Auszeichnung für seine ungebrochene Hingabe für den Sozialismus. Nr. 76 BEILAGE leutfltaScfs 25. November 1954 Der Herr von Shylodk Bis zum 1. Januar 1935 muß der ge- 8amte deutsche Adel, einer Verfügung des Adelsmarschalls, Fürsten von Bentheim, �olge, die Ahnentafeln vorlegen, durch die der Nachweis der Blutreinheit bis zum 1- Januar 1800 erbracht werden soll.. Oberstleutnant von Bogen, Administrator der Deutschen Adelsgenossenschaft, hat kürzlich erklärt, daß die eingeleitete Säuberung des deutschen Adels so durchgreifend sein werde, daß künftighin kein Tropfen jüdischen Bluts in den Adern ««es deutschen Adels fließen werde. Man ■frerde keinen»Herrn von Shylock« im deutschen Adel mehr finden. Dem»Völkischen Beobachter« genügen aber die eingeleiteten Säuberungsmaßnahmen noch 'enge nicht, zumal bisher nur etwa zwei Prozent des Mitgliederbestandes aus der Adelsgenossenschaft ausgeschlossen worden seien. Das Blatt erklärt, daß man mindestens die Hälfte des deutschen Adels Katastrophales Forsdmngsergebnis bei der Sudie nach der reinrassigen Großmutter: Fast der gesamte deutsche Adel verludet! Pfui Sdiiller! ten des letzten Großherzogs von Hessen, und den Grafen von Salm. Die sächsische Freiherrenfamilie von Kaskel stammt von dem russischen Eisenbahnunternehmer Samuel Fränkel ab. Die Freiherren von Gersonn, in Sachsen- Koburg»erbeingesessen«, stammen von dem württembergischen Juden J o s u a Gerson. Sie sind verwandt mit dem bayerischen Freiherrn Taut- p h o e u s, der einst am bayerischen Königshofe eine große Rolle spielte. Der Karlsruher Bankier Samuel Haber hat ein gerüttelt Maß von Schuld an der Ver- judung des deutschen Adels: Von ihm stammen ab die Freiherren Haber von Linsberg, die Herwärts von Bittenfeld, Freiherren von Adlertreu und Grafen von Schönfeld. Gar nicht auszudenken, daß, zum Beispiel, die Grafen von Seckendorf, �erde ausstoßen müssen, weil dann viel- deren einer bekanntlich Flügeladjutant und leicht annähernd die Verjudung beseitigt sein wird. Ganz so unrecht hat Hitlers Moniteur diesmal nicht, denn in eingeweihten Kreisen der deutschen Adelsgenossenschaft erzählt man sich gar erschreckliche Binge über das Ergebnis der Suche nach 'ler reinrassigen Großmutter. Tatsächlich �rd die Hälfte der hochmögenden Herren Aristokraten nicht länger verbergen können, daß ihr blaues Blut anno dazumal entweder einen jüdischen Farbzusatz erhalten hat, oder sogar nur von ganz gewöhnlicher semitischer Beschaffenheit ist. Man braucht nur einige Streiflichter anf die Genealogie der hoch- und wohlge- borenen Herren zu werfen, um zu sehen, Wie es mit ihrer Herkunft beschaffen ist. Ba gibt es, zum Beispiel, die Freiherren Von Wetzlar und Blankenstein. Baß diese Barone von dem Wiener Juden �saak Arnstein abstammen, der im Jahre 1762 den kaiserlichen Oberfaktor- Titel erhielt, haben sie vielleicht selber �cht gewußt Ebenso die Freiherren Von Biedermann, deren Urahne der 1769 in Preßburg geborene Händler M i- c b a e 1 Lassar war. Als die Juden 1780 Familiennamen annehmen mußten, legte er sich den Namen Biedermann bei. Seine ®öline wurden sämtlich in den Adelsstand erhoben und waren Stammväter verschiedener anderer Adelsfamilien, so der Freiherren von Petzenstein und der trafen Attens. Die Freiherren Von Born hatten den Berüner Bankier däd Gründer der Berlin-Stettiner Eisenbahn Julius Born, verheiratet mit der Tochter des jüdischen Bankiers Blach- stein, zum Stammvater. An der Urwiege dar Herren von Breitenbach stand der kurhessische Hof jude Wolf aus dem hessischen Dorf Breidenbach, daher die- Ser Familienname. Sein Sohn Eduard, schon getauft, wurde hessischer Minister. Baron Cohn, auch so etwas gibt es hoch, erhielt als herzoglich-anhaltischer Fiöanzrat und preußischer Hofbankier die Nobüitierung. Er war Vermögensverwal- und intimer Vertrauter Wilhelm I. h'hi Sohn des jüdischen Frankfurter ■�rztes Samuel Dreyfuß erhielt 1867 den württembergi sehen Barontitel. Zwei seiner Töchter heirateten Adelige, die eine den Baron Novelli in Venedig, die andere dca(heute gleichgeschalteten) Berliner Romanschriftsteller Dr. Ludwig von � o h 1. Eine dritte Tochter war ehemals Verheiratet mit dem bekannten Dirigenten Felix Weingartner. Die Freiherren von Elchtal stammen von �ron Elias aus Leimen bei Mannheim; Elias zog nach München, wo er als erster Jude in den Adel erhoben Die Barone von Emden � beute in England lebend) sind Nachkommen dag Hamburger Bankiers Moritz Fmden, der mit Charlotte Heine, der Schwester Heinrich Heines, verheiratet war. Die F r e"i h e r r e n von E r 1 a n g e r shid direkte Nachkommen des Frankfurters Ludwig Erlanger, der lange Ffit im Hause Rotschild tätig war. Gerade diese Familie ist eng versippt und verschwägert mit dem Prinzen von Solms-Braunfels, nahen Verwandspäterer Gatte der Mutter von Wilhelm II. Tochter eines verarmten Adeligen de Croy. Die bayerischen Freiherren von P e r f a 1 1 haben, ebenfalls durch Heirat, sehr viel jüdisches Blut in sich aufgenommen. Ganz besonders fürchterlich ist die Entdeckung, daß der Erzieher des jetzigen Königs von Italien, der spätere italienische Kriegsminister Graf Otto- lenghi, garantiert einwandfrei deutsch jüdischer Herkunft war; einer der Ahnen zog noch hausierend durch die Gegend von Ettlingen. Das sind nur einige Namen aus einer Fülle. Viele von diesen, wie man sieht, gar nicht reinrassigen Herren, haben dem National Sozialismus mit viel Geld auf die Beine geholfen und viele von ihnen waren natürlich stramme SA- oder SS-Führer. Der eiserne Besen der deutschen Adelsreiniger wird sie nun auf den Nichtarier-Kehricht- haufen fegen, trotzdem sie Geld und gute Worte für Adolf Hitler hatten. Wie schmerzlich für Adolf Hitler, daß er bei den anderen Stammverwandten seiner nor- Gorlng prüft Richter Was Ist deutsche Rechtsquelle? Der Reichstagsbrand vom 27. Februar 19S8. Was ist die größte deutsche Rechtstat? Der 30. Juni 1934. Was ist Rechtssicherheit? Die Sicherheit der Nazis vor dem Recht. war, zusammen mit den Freiherren von Rothenfels, von Eßdorf, von Kotzen und A u f s e s z von dem bayerischen Hoflieferanten Simon abstammen, der 1818 in München geadelt wurde. Die Freiherren vonWinter- stein sind, in weiblicher Linie, Nachkommen des Wiener Juden Abraham Joel. Daß die Fürsten und Grafen Henckel von Donnersmarck jüdischen Ursprungs sind, weiß man: Nachkommen jenes jüdischen Handelsmannes Lazarus Henkel, der 1590 in Wien den Titel»Seiner kaiserlichen Majestät Hofjude und Handelsmann« erhielt und später den ungarischen Adel mit der Bewilligung verliehen bekam, sich das Prädikat»di quinto foro«, auf deutsch: Donnerstagsmarkt(d. i. Markt am fünften Tage) zuzulegen. Nicht minder interessant ist auch die Geschichte der Grafen Bethuly-Huc. Ihr Stammvater war ein Schweizer Jude namens Hugo, der damals, nach schweizerischem Brauch, der Bethäusli-Hugo genannt wurde. Daraus entstand der stolze Name Bethusy-Huc. Auch die Fürsten und Herzöge von Croy, die einst ganz obenan standen auf den Stufen zum Königsthron, stammen von einem im achtzehnten Jahrhundert in Frankfurt eingewanderten Rüdesheimer Handelsmann Simon Rothwohl ab; ein Sohn dieses Rothwohl wanderte nach Frankreich aus und heiratete dort die dischen Rasse nicht auch eine solche Reinigung vornehmen kann! Er würde dann, zum Beispiel, auch die Prinzenfamilie Battenberg— bekanntlich nahem Verwandten des englischen Königshauses und ebenso der Exkönigin von Spanien, die eine Battenbergerin ist— im hohen Bogen aus dem Adel hinauswerfen, da der Ahnherr dieses Hauses ein Hof jude auf dem Gute Seiffertsdorf in Sachsen war, wohin er durch die engen politischen und wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Polen und Sachsen aus Polen gekommen war. Er nahm später den Namen H a u g k an, sein Sohn trat in die polnische Armee ein und wurde später russischer Generalleutnant. Dessen Tochter, Hofdame der russischen Kaiserin Maria, heiratete den Bruder der Kaiserin, den Prinzen Alexander von Hessen und erhielt den hessischen Fürstentitel von Battenberg. Es wird also nur einem Teil der deutschen Adeligen gelingen, die arische Großmutter vorzuweisen. Bisher sind von den rund dreizehntausend Mitgliedern der deutschen Adelsvereinigung schon über vierhundert ausgeschlossen worden, weil ihr blaues Blut sich als unrein erwiesen hat. Nach dem 1. Januar 1935 wird sich diese Ziffer gewaltig erhöhen und es ist sogar möglich, daß die garantiert Reinrassigen in der Adelsgemeinschaft in die Minderheit geraten. Ueberwunden— wesenlos— abstrakt Verblasen! Die Großmutter ist schuld. Die deutschen Sender dröhnen von Schillers Lobe wieder, die deutschen Schulen legen Feststunden ein, die deutschen Theater überbieten einander in Klassik, man begeht die Gedenkwochen mit so feierlichem Prunk, daß selbst ein Horst Wessel sich einer solchen Huldigung kaum zu schämen brauchte. Womit hat der Sänger menschlicher Gewissensfreiheit das verdient? Wer so fragt, braucht noch kein Staatsfeind zu sein— selbst nachdenklichen Nationalsozialisten ist es aufgefallen, daß hier etwas nicht stimmt, und es ist geradezu erquickend, wenn in dem allgemeinen Gedenkrausch einmal eine ehrliche Stimme laut wird, die den verdächtigen Schiller so verreißt, wie er von hakenkreuzoffizieller Seite verrissen zu werden verdiente. In der„Zeitschrift für Deutsch- k u n d e", Teubner-Verlag, Leipzig-Berlin, die hauptsächlich von Lehrern für Lehrer geschrieben wird, setzt sich so ein Aufrechter mit Schiller auseinander und kommt zu dem Ergebnis, daß mit dem Geistesheroen eigentlich nicht viel los ist. Patriotisch? Völkisch? Aber keine Idee! Man sehe sich nur seine Dramen an: „Schillers geschichtlich politische Dramen sind von vornherein nicht völkisch, sondern allgemein menschlich eingestellt." Darum hat ePs auch immer mit der inneren Politik, Uber die eigentlich gar nicht debattiert werden dürfte. „Gleich das erste geschichtlich-politische Drama, der„Fiesco", stellt innerpolitische Fragen vor das Auge: republikanische Volksfreiheit oder Tyrannei in Genua?" Und es ist schon eine Gemeinheit, daß er den Fiesco nicht an die Macht läßt: „Dem Dichter des„Fiesco" Ist In seiner letzten dramatischen Entscheidung die allgemeine Idee der Freiheit mehr als die konkrete Wirklichkeit des mit echten Führereigenschaften ausgestatteten, seiner Vaterstadt als Gabe des Schicksals geschenkten Fiesco, dessen Herrschaft aus Genua wahrscheinlich mehr machen würde, als eine demokratische Republik tun könnte. Und die lebensferne und gedankenblasse Fremdheit des„Fiesco" und im besonderen seines Schlusses beruht wesentlich auf diesem Totschlag lebendiger Wirklichkeiten durch die allgemeine Idee." Na, und der„Don Carlos"? Dem wirft der Autor dieser herben Kritik rund und schlicht„abstrakte Verblasenheit" vor, er schimpft ihn„das Hohelied der freiheitlichen, aufklärerischen Ideen" und fährt dann fort; „Marquis Posa und Don Carlos entwerfen den Plan zu einem Befreiungskampfe, und rücksichtslos wird zugunsten der Menschheit, der allgemeinen europäischen Entwicklung über alle völkischen Lebensgrundsätze hinweggeschritten." Was den„W allensteln" anlangt, so „offenbart der heldische Tod des Max Pic- colomlnl, wie sehr im Wallenstelndrama die völkischen Angelegenheiten zugunsten der rein menschlichen zurückgestellt sind". Und die„Jungfrau von Orleans": „würde kein völkischer Franzose als völkische Tragödie anerkennen, da auch hier die eigentlich völkischen Fragen nicht in der tragischen Mitte, sondern im weiteren Umkreis liegen. Nicht daß die Französin Johanna den Engländer Lionel liebt, führt die Katastrophe herbei..." sondern daß sie überhaupt liebt. Und gerade auf die Rassenschande wäPs doch einzig und allein angekommen! Ein ganz tolles Machwerk ist die„Braut von Messin a". Dieser Don Cesar nimmt sich das Leben, nur well er seinen Bruder erschlagen hat. Er macht sich's bequem(wer hat sich nach dem 30. Juni in Deutschland das Leben genommen?). Daß mit ihm„das normannische FUratengeschlecht, dessen letztes Glied er ist", ausstirbt, daß die„normannische Herrschaft zusammenbricht", braucht diesen Schwächling nicht zu kümmern. „Keine völkisch-politische Pflicht kann ihn abhalten, die rein menschliche zu erfüllen." Das hätten die nationalsozialistischen Hof- und Hausdichter ganz anders geschrieben. Bei Wotan! Da hätte es erst mal einen fröhlichen Zucht- und Hegehof gegeben— der Selbstmord wäre höchstens wegen Altersschwäche erfolgt Selbst beim„T e 1 1" handelt es sich nach Ansicht des Kritikers„nicht um einen im reinen Sinn völkischen Stoff'. Der Teil tot nämlich kein SA-Mann, der auf Kommando funktioniert und schießt, sondern„ein Einzelgänger, der naturhaft unzenissen sein eigenes erfülltes Leben lebt". „In der dramatischen Mitte steht nach wie vor die allgemein menschlich bestimmte sittliche Entscheidung, der Willensschluß Teils, der vom Völkischen unberührt bleibt." Und wenn der gestrenge Rezensent das alles so zusammenhält, dann kommt er zu dem Schluß, daß zwar„der nordische Willenslehrer Schiller einer der Größten, ein Künder nordisch germanischer Gesinnung", 8aß er aber leider, leider aus nordischem und dlnarischera„Bluterbe" sehr unglücklich gemixt ist und daß die Gegenwart deshalb nichts Rechtes mit ihm anfangen kann: „Die Trennung des Gelstigen und Sinnlichen ist das bluthafte Vermächtnis der dinarischen Rassenanlage in dem nordisch- dinarischen Schiller. Indem Schiller den Kern des Menschen in die intelligible Freiheit setzt, gelangt er notwendig zu dem Aufklärungsgedanken der allgemeinen Menschlichkeit. Grundsätzlich ist keine Entwicklungsstufe einem Menschen, einem Volksstamme verschlossen. Vernunft, Erkenntnis des göttlichen Sittengesetzes, sittliche Freiheit können von jedem Menschen errungen werden." . Nachdem der neudeutsche Schiller-Interpret das richtig erkannt hat— richtet er sein Untersuchungsobjekt kurz entschlossen hin „Diese aufklärerische Fassung des Menschheitsgedankens ist heute überwunden und tatsächlich wesenlos geworden. Sie ist eine Phrase der Diplomatie, keine bluthafte Wirklichkeit der Geschichte." So! Jetzt hat er's ihm gegeben, dem sauberen Klassiker, dem diplomatischen Phraseur, dem Duckmäuser! Was sind alle Rundfunk-Festgesänge gegen diese eine, ehrliche Stimme? Hier spricht das neue Deutschland— nicht am Mikrophon des deutschen Senders! das deuisekc Btuh Der Eher« Verlag lebt Sdiirudi— besdilagnahmt Der deutsche Jugendführer Baldur von Schirach kann seine Augen nicht überall haben. Auch nicht in den Redaktionen sämtlicher reichsdeutscher Jugendblätter. Da erscheint z. B. in Berlin der„Ostdeutsche Sturmtrupp", Kampfblatt der ostdeutschen Jugend. Diese Zeltung trägt an ihrem Kopf den äußerst vorsichtigen Vermerk;„Schriftleitung z. Z t. Heinz Görz" und gibt gelegentlich in milder Form Jener oppositionellen Stimmung Ausdruck, die immer breitere Kreise der denkenden deutschen Jugend erfaßt. Der„Zur-Zelt"-Schriftleiter Heinz Görz erwog nun vor Erscheinen der letzten Nummer, wie er wohl ungestraft ein kräftig Wörtlein sagen könne, und kam auf die glorreiche Idee, in seinem Leitaufsatz eine Schirach-Rede aus dem Jahre 1932 zu zitieren. In dieser Rede aber hieß es; Das Ziel unseres Kampfes, Kameraden, ist dasselbe, das es vor zehn Jahren war, und wird immer dasselbe bleiben. Es ist die sozialistische deutsche Revolution!" Görz tat ein übriges, er überschrieb seinen Aufsatz und Baldurs Zitat mit den Worten: „Das Ziel bleibt!" Somit hatte er gleichzeitig seinem Herzen Luft gemacht und dem dick gewordenen Schirach eins ausgewischt. Man Die hakenkreuzlerische Mißliteratur wächst zu Bergen— und niemand kauft sie. Deshalb rang sich Reichsleiter Bouhler unter schwerer Mißhandlung der deutschen Sprache eine Erklärung ab, die»gegen die Ueberpro- duktion pseudonationalsozialistischer Schriften« gerichtet ist und in der es heißt; »Die Zahl der Bücher, die sich in erzählender oder schildernder Form meist durch lose aneinandergereihte Abbandlungen und Aufsätze mit der nationalsozialistischen Revolution und den sie begleitenden Ereignissen beschäftigen, haben eine solche Höhe erreicht, daß es notwendig erscheint, darauf hinzuweisen, daß ein weiteres Bedürfnis an solcher Produktion nicht besteht. Das gilt insbesondere für solche Schriften, die in einer unverhältnismäßig teuren Aufmachung, die in keinem Verhältnis zum Inhalt steht(Prachtwerke), herausgebracht werden und mindestens Infolge der Art des Vertriebes(Ratenzahlung) eine unerträgliche Belastung des kaufenden Volksgenossen darstellen...« Es ist merkwürdig, wie man sich an hoher Stelle plötzlich um den»kaufenden Volksgenossen« sorgt. Merkwürdig, aber nicht grundlos. Der Haupthersteller brauner Par- teiliteratur, der Hauptlieferant schlechter und teurer»Erhebungsbücher« ist der parteioffizielle Eher-Verlag in München. Das neueste Eher-Erzeugnis heißt»Der Kongreß zu Nürnberg 1934« und kostet 3(in Worten drei) Reichsmark. Von»Belastung des kaufenden Publikums» kann in diesem Zusammenhang allerdings um so weniger die Rede sein, als Bibliotheken, Schulen und Beamte unter Androhung von Brachialgewalt gezwungen werden, Druckschriften dieser Art zu erwerben. Je geringer die Konkurrenz, desto größer die Chancen. Dem Verlag Paul Steeg e- mann, Berlin-Wilmersdorf, wurde bereits die Berechtigung entzogen, nationalsozialistisches Schrifttum zu vertreiben. Andere werden nachfolgen, und eines Tages dürfte der Eher- Verlag die ganze Weide für sich allein beanspruchen. Ein Direktor des Eher- Verlages, Wilhelm B a u r, wurde bekanntlich vor kurzem zum 1. Vorsteher des Börsenvereins der deutschen Buchhändler ernannt. Auch er tut an seinem Platze das Menschenmögliche. Auch er erließ eine Bekanntmachung, sie lautete: »Noch im Laufe dieses Sommers haben vereinzelte Buchhandlungen durch ihre Auslagen im Schaufenster und Ladeninnern. durch Prospektversand und Verzeichnisse erkennen lassen, wie wenig sie sich von den Grundsätzen bestimmen lassen, die für den guten Buchhandel im nationalsozialistischen Staat verpflichtend sind... Auch ohne ausdrückliche amtliche Anweisung muß jeder Buchhändler wissen, auf was es heute ankommt. Wer volksschädliches Schrifttut} vertreibt, wird sein Recht auf Berufsausübung verlieren.« Da sind nun Bücher zu hunderten verbrannt, verboten und verfemt worden— aber niemand glaube, daß man sich nach dem offiziellen Index richten kann. Auch die nicht verbotenen Bücher sind verboten, erlaubt ist nur, was dem Eher-Verlag gefällt Den Buchhändlern fehlt jeder Kompaß, sW müssen ständig befürchten, ausgehoben und abgeführt zu werden. Zählt Lesslngs»Nathan der Weise« nur zu den unerwünschten oder schon zu den volksscbädlichen Schriften f Dürfen Friedrich Nietzsches Werke ganz oder nur teilweise angeboten werden? Wie steht es mit Schillers»aufklärerischen« Prosaschriften? Wie mit der englischen und französischen Literatur? Riskiert der Aussteller, der Verkäufer solcher Werke, daß ihm der Laden geschlossen wird? Wer nur nationalsozialistische Literatur vertreibt, muß aüer- dlngs auch sehr bald schließen, well dl« Käufer fehlen. Was bleibt übrig? Der Eher-Verlag! Ihm wird nichts geschehen, an seinen Einnahmen sind nationalsozialistische Partelbeamte bis zu den höchsten Spitzen des Reiches hinauf interessiert. Er wird Geschäfte machen— und wenn die ganze deutsche Literatur zum Teufel geht! wird doch noch seine eigenen Führer zitieren dürfen, nicht? Nein, der junge Schreiber hatte sich geirrt— man darf auch das nicht mehr in dem ersehnten DÜtten Reiche— die Nummer der Jugendzeitung wurde beschlagnahmt! Von Hitlers Standpunkt aus mit vollem Recht. Wenn alle deutschen Zeitungen mit einem Male Führerreden aus dem Jahre 1932 nachdrucken wollten— gerechter Wotan! Was gäbe das für eine Konfusion! Daß der Görz„zur Zelt" noch Schriftleiter ist, bezweifeln wir. Aber auch Schi- rachs Schuldkonto schwillt an. Er hat seine Mannschaft nicht im Zug, die Jimgen können nicht vergessen, daß ihr verfetteter Führer sich einst so revolutionär gebärdete. Zeitungen kann man verbieten, alte FUh- rerreden kann man beschlagnahmen— aber die Erinnerung läßt sich nicht ausrotten, und gerade sie wird eines Tages dem Reiche Hitlers und der Schwerindustrie gefährlich werden. Braune Auslese Zwischen der Schulverwaltung des oldenburgischen Landesteils Lübeck und dem zuständigen H.- J.- F U h r e r ist über die Mitwirkung der H.-J. bei der Zuerkennung der Reichsprüfung vereinbart worden, daß der H.-J.-Bannführer Jeweils gegenüber der Schule des Kandidaten zwei Fragen zu beantworten haben wird; 1. Ist der betreffende Schüler politisch unbedenklich und als politisch brauchbar bekannt? 2. Sind seine cha- rakterlicben und persönlichen Qualitäten so, daß er später als ein nutzbringendes und förderndes Mitglied des Staates eingesetzt werden kann? Mit anderen Worten: Kenntnisse 5, Handgranatenwerfen und Femefertigkeit 1! Neudeutsche Intelligenzauslese! Eine Gewlssensfrag«* und S00 Rül In der„Deutschen Zeltung" wurden unlängst tönende Worte gegen die„äußere und Innere" Emigration geschleudert. ,,Wir wollen es endlich in Deutschland lernen", hieß es da,„daß wir uns auch für die künstlerischen Standpunkte und Entscheidungen füsilieren lassen, wenn es keinen andern Ausweg in der Auseinandersetzung des Tages gibt". Ein Leser, und zwar, wie die Zeitung selber zugibt, ein„künstlerischer Mensch unserer Zeit, elastisch, klarsichtig, deutsch aus der Herkunft", scheint durch das hochtrabende Pathos mißtrauisch geworden zu sein, er stellte dem Schreiber schlicht und einfach folgende Frage: „Was machen Sie, wenn ein neuer Staat die Macht übernimmt und ich Ihnen fünfhundert Mark in die Hand drücke? Gehen Sie über die Grenze? Was tun Sie?" Eine klare Antwort bekommt er zwar auf seine klare Frage nicht, den vernebelten Phrasen werden vielmehr ein paar neue hinzugefügt— aber er kann Wotan danken, daß er für seine Wißbegier nicht„füsiliert" wurde. „Wenn ein neuer Staat dl« Macht übernimmt"— dem Manne scheinen ja tausend Jahre recht kurz vorzukommen. Und wenn wirklich ein neuer Staat die Macht übernähme, wie dürfte** es wagen, einem Nationalsozialisten fünfhun- der Mark anzubieten? So billig hat's noch keiner von ihnen getan. Er mag sich mal bei Göring erkundigen, was dessen feudal« Emigration nach dem mißglückten Münchner Putsch gekostet hat. Immerhin ist es interessant, welche Katastrophenfragen in Deutschland bereits aufzudämmern beginnen. Die Rasse-Konfelt t Ion Inserat in der„Woche": „T hole-Harz. Töchterheim. Ziel: Ott deutsche Frau fürs deutsche Haus!" Lieferung frei Haus für das deutsch�! Soldaten zeugende Familienleben! Mw6 in Germany! EnsferblSdikelt In der Religionsstunde spricht der Lehr*' über die Unsterblichkeit der Seele. Nachdem er seine Gründe dafür angeführt, fragt er: »Weiß jemand noch einen Beweis für daß Fortleben nach dem Tode?« »Die Abstimmungslisten im Saargebiet» Herr Lehrer!« Durdigrelfende Maßnahmen Wer weiß, was das bedeuten soll? Erst klang es Dur, Jetzt tönt es Moll... Zunächst, da war es eine Pracht: »Sieg in der Arbeitsschlacht« Wurde zweimal täglich bekanntgeraacht. Nun aber— pfui nochmal!— zeigen Sich Kehrselten: die Preise steigen. Man liest, peinlich betroffen— Der Mund bleibt offen— Ueber den Mangel an Rohstoffen. Für gewisse Tückebolde Wird auch dieses Defizit zu Golde. Man predigt den deutschen Familien: »Sehet die Lilien...« Und sie verschieben die Textilien. Auch wegen gestiegener Preise beim Bäcker Hört man Gemecker. Fünfen sperrt man den Laden zu. Nim ist wohl Ruh? Prost! Müllers Esel, das bist du! Zwei Schlächter, drei Krämer wandern in Haft. Die Preise klettern fabelhaft. Goerdeier holt sich'nen Schnuppen: Hitlers beste Truppen Soll er ins Gefängnis stuppen? Wie schön könnt ein Preisdiktator leben, Wtird es keine Wirtschaftsgesetzte geben! Mucki. Braune Kurzgeschichte Von Bruno Brand v. I. Dl« Sache mit der Heirat des SA-Mannes August W. in der Gemeinde Gersdorf war nicht einfach. Vielleicht ist auch der Braut einige Schuld beizumessen, denn sie hätte ihm ja den kleinen Gefallen tun und dem Bund deutscher Mädchen beitreten können. Es wäre dadurch manches erleichtert worden, z. B. die Untersuchung auf Erbtauglichkeit durch den zuständigen SA-Arzt. Statt dessen zierte sie sich und wollte nicht einsehen, warum ein Mädchen völkisch organisiert sein müsse; niemand in ihrer Familie gehörte eirer Partei an, nur der Vater war im Kegelklub aktiv, und eine Untersuchung sei auch nicht nötig, ihrer Mutter sei auch keine widerfahren, die Kinder wären trotzdem alle groß und kräftig geraten und die Hauptsache bleibe eine richtige Ausstattung, auf die der Vater seinerseits 3000 Mark Mitgift drauflegte, während sie ihrerseits von dem alten Medizinalrat, der sie als Kind geimpft hatte, ein Attest beibrachte, wonach sie als gesund erachtet wurde. Der Schnupfen des Sturmführera nahm daraufhin zu, denn letzterer hält nun mal zum SA-Doktor und meinte, die Braut sei vielleicht von fälischer Rasse, aber zweifellos ostisch Uberlagert, was aus ihren kurzen Beinen deutlich hervorginge, entscheidend falle schließlich die Ahnentafel ins Gewicht. Worauf der SA-Mann August W, zwei Monate brauchte. um die beiderseitigen Vorfahren zusammenzukratzen. Das besorgte scblleßUch ein Institut für heraldische Forschung gegen ein Honorar von 2 Mark pro Ahne, vom Jahr 1800 an rückwärtss 3 Mark, mit jedem weiteren Jahrhundert um 4 Mark pro Kopf steigend. Machte bei je 8 Ahnen beiderseits 52 Mark, mit gezeichnetem Stammbaum unter Glas und gerahmt samt zwei bunten Familienwappen 04.30 Mark frei Haus. n. Soweit war nunmehr alles für den großen Zauber hergerichtet, das Aufgebot hing schon im Kasten des Gemeindeamtes aus und das Trauen hätte losgehen können, wenn nicht die Sache mit dem Pastor Langheinrich dazwischen gekommen wäre. Wenden wir uns nunmehr diesem zu. Er ist von mittlerer Größe und gehörte in seinem Sprengel zu den angesehensten Leuten. Gehörte, sagen wir, denn Inzwischen haben sich in seinem Bezirk eine Wotansgemeinde, 30 Anhänger des germanischen Odinbundes und eine Gruppe Deutscher Christen entwickelt, von den 4 Fanatikern des altarischen Runenringes gar nicht zu reden. Das alles hat diesem Pastor germanische Blutfehde geschworen, weil er an seinem Evangelium festhält und seinen Jesus nicht aufnorden will. Ihr lächelt, nicht wahr, aber dem Pastor Langheinrich war durchaus nicht heiter zumute, als er vernahm, daß die nationalsozialistische Ortsgruppe beschlossen hatte, niemand der Ihrigen dürfe sich bei diesem Verräter trauen lassen, vielmehr müsse dieser binnen kurzem das Lokal verlassen, denn vorläufig regiere noch Kirchenminister Müller. Bei etlichen Bräuten herrschte über solches große Entrüstung: sie waren von Langhelnrlcb bereits konfirmiert worden und sollten mm vor irgendeinem Fremden das heUige Jawort abliefern? Mit nlchten! Zu den Entrüsteten zählte August W.'s Braut— die leider immer noch nicht zum BDM gehörte— und August mußte bel obigem Pfarrer die Trauung bestellen, was d'r Sturmführer zum Anlaß nahm, den dernnW®' stigen Ehemann noch einmal dienstlich verwarnen, insofern obiger Pfarrer halb u1"1 halb abgesetzt sei. in. Wie recht selbiger hatte, wird man üTi' gehend erkennen, denn wir stehen bereit« d'.<"Bt vor der heiligen Handlung, und Jeder ist h*11 Recht gespannt, wie sie ausgehen wird. Augü*1 und die Braut sitzen vorm Altar, er in brab ner Uniform, sie im weißen Schleier b® Myrthenkranz, mit ihrer kleinen Warze � Kinn niedlich und feierlich anzusehen. 8*11 lieh und dahinter die Angehörigen und kannten, ernst und leicht illuminiert. Es f*1 auf, daß Augusts Kameraden fehlen, schon tritt schwarz der Pfarrer neben �''0 Altar, die Orgel will gerade in üblicher zu brausen beginnen— da geschieht da« k'® erhörte: Von zwei Männern in strenger P0'1 zeiuniform begleitet, erscheint strarnn» Schrittes der braune Bonze und tönt -esend«» nir®1 indeß sich eisige Starre auf alle Anwe legt:»August W., ich befehle Dir, Dich von dieser Person trauen zu lassen!* August denkt, wenn der Zimmt nur erst vor --rfÄ' vor*«' voll" bei wäre, das hatte ich mir schöner stellt, eine Schande sowas, was das den» gefressenen Kerl eigentlich angeht... schaut der Braut in die Augen, rührt nicht von der Stelle, sein Geeicht ist 8ewl,Älr maßen trotzig verklärt, während der pfar„ bereits segnend oder so ähnlich die Hä® erhebt. Da wird es neblig vor Augusts AU*«®| er fühlt sich von Uberirdischen Fäusten blnt*r bei der Binde gepackt, gestoßen und häflU Dresdner Elbkies Wissenschaft für einen Groschen. jfcitiitllQHOHG Von Ing. Kurt Doberer Im Drei-Kalser-Hof In Dresden-LSbtau, von früher her als Versammlungslokal der Dresdner Arbeiterschaft bekannt, läuft ein Kursus der Deutschen Arbeitsfront für die Vertrauensräte der Dresdner Metallbetriebe. Der Kursus dauert mit wöchentlich einer„Unterrichtsstunde" 9 Wochen. Die Teilnahme kostet pro Kopf und Stunde einen Groschen; 250 bis 300 Vertrauensräte nehmen zwangsweise daran teil, darunter viele geschulte Arbeiterfunktionäre und Betriebsräte, die, was praktische Erfahrung und politisches Wissen anbelangt, die Lehrer ihrer„Lehrer" sein könnten. Wie das ,(Wisaen" beschaffen Ist, das in diesem Kursus verzapft wird, läßt eine Probe genügend erkennen. Ein gewisser Dr. Schmidt, bis dahin In weitesten Kreisen unbekannt, verkündete seinen Hörern folgende Weisheit: „Bebel hat die Arbeiter falsch geführt!— Karl Marx hat das Kapital falsch geführt!— Lassalle war der erste Nationalsozialist.(Wer Ist denn nun eigentlich wirklich der erste? Hitler? Friedrich der Große? Nietzsche? Lassalle?) Aber Marx und Bebel haben ihn gehindert, die Deutsche Arbeiterschaft nationalsozialistisch zu erziehen!" • Gerechtigkeit an der Bierausgabe. Im Stadtwaldschlößchen, dem Stadtlokal der Dresdner Waldschlößchen-Brauerei am Postplatz, beschwerte sich ein Vertrauensrat des Restaurationsbetriebes beim zweiten Direktor darüber, daß der Bierausgeber den Hitlergruß nicht erwidere. Der zweite Direktor verwies den Beschwerdeführer an den ersten Direktor, der Jude ist. Diesen grüßt der Vertrauensrat mit„Guten Tag" und trägt ihm seine Beschwerde vor. Der Direktor aber macht ihn darauf aufmerksam, daß er ja soeben selbst den„Deutschen Gruß" unterlassen Und mit„Guten Tag" gegrüßt habe. Der Vertrauensrat erwidert, daß er den Deutschen Gruß unterlassen habe, well der Herr Direktor Ja Jude sei. Auf diese Antwort wird der Heschwerdeführer• sofort entlassen; der Bler- ausgeber hingegen bleibt bei seinen Bler- bfihnen. Der Vertrauensrat klagt gegen die fristlose Entlassung. Das Dresdner Arbeitsgericht verwirft die Klage und erklärt die Entlassung für berechtigt, weü die Bemerkung dem Betriebsführer gegenüber als ungebührliches Benehmen anzusehen sei. Ungebührliches Benehmen— einem Juden gegenüber? Das soll ein Entlassungsgrund sein! Ja, wo bleiben denn da die Rechtsgrundsätze des Dritten Reiches! So wird sich, völlig durcheinandergebracht, der entlassene Vertrauensrat fragen. Und Julius Streicher, Gottes Zuchtrute in Nürnberg, würde ihm recht geben. Er würde es diesem Wald- ■chlößchen-Juden so gründlich beibringen wie auch diesem Arbeitsrichter. Aber leider— so Suchern die verfluchten liberalistischen Ideen überall und immer wieder durch... • Der Lohnzettel als Manifest. An einen Telegrafenmast an der Leipziger Straße in Dresden-Pieschen hatte ein Arbei- fer der Firma Seidel& Naumann(Schreib- Wir sind es nun schon gewohnt, bei dar Besprechung der»allerneuestenc Kriegsmittel auf die Geschichten von Adam und Eva zurückgreifen zu müssen. Ganz so weit braucher wir heute nicht In die vergangenen Jahrtausende steigen, immerhin aber bis zu T b u- k y d 1 d e a, dem Feldherm und Beschreiber des Peloponnesischen Krieges. Als im Peloponnesischen Krieg vor 2400 Jahren die Böotier gegen die Festung Delion zogen, bauten sie sich einen wirkungsvollen Apparat, um das Bollwerk zu erobern. Sie fertigten sich eine große Röhre an und brachten diese dann vor dem Festungswall in Stellung. Mit großen Blasebälgen bliesen sie eine aus Holzkohle, Schwefel und Pech erzeugte, gewaltige Flamme durch die Röhre gegen die Verteidiger der Festung. So konnte sich kein Mensch auf der Mauer halten. Die ganze Mannschaft floh und die Böotier besetzten Delion. Diese wirkungsvolle Lichtkanone der Böotier hat nun das Zeitalter der gesteigerten Kriegstechnik In neuer Variation erfunden. Statt aber nüchtern zu bleiben wie Thukydl- des, gefällt sich nach 2400 Jahren die neue Sachlichkeit in den mystischen Uebertrel- bungen. Wie sieht jetzt die Lichtkanone in einer Pressemeldung vom 4. Oktober aus! Zuerst die fette Ueberschrlft:»Frankreich prüft Todesstrahlen«. Und dann darunter die Meldung: »Paris Midi berichtet, daß gegenwärtig in Anwesenheit des Luftfahrtministers General Denain äußerst interessante Versuche mit neuen Todesstrahlen durchgeführt werden, welche von den beiden Physikern Kellhaus und Christmas entdeckt wurden. Die Entdeckung besteht darin, daß durch äußerst konzentrierte Lichtstrahlen Angriffe aus der Luft und 2m Lande unmöglich gemacht werden können. Der Apparat könne Lichtstrahlen in der Stärke von 5 Millionen Kerzen ausstrahlen, welche Intensität der menschliche Organismus nicht mehr erträgt. Die Strahlen rufen starrkrampfartige Zustände und eine Los- 1 lösung der Regenbogenhaut im Auge hervor. Die Erfindung ist auch für Schiffe, welche sich im Nebel befinden, zu Orientierungszwecken von Bedeutung.« Was ist an dieser Pressephantasie, mit dem hausbackenen Schlußsatz. Wirklichkeit: Aus einem Rohr wird, mit einem Pulvsr- treibsatz, Blitzlichtpulver geblasen. Um die Llcbtwirkung zu erhöhen und zu richten, ist um das Rohr ein Parabolspiegel angebracht. Das ist die neue»Erfindung«, deren Anordnung seit vielen Jahren für photographische Zwecke verwendet wird. Der Franzose Edmond de Christmas, sein Bruder und der österreichische Ingenieur Ernst Heilhaus haben diese Anordnung seit einigen Jahren zu vergrößern und zu verbessern gesucht. Was die Erfinder selbst von ihren Erfolgen erzählen, ist dürftig. Sie haben mit ihren Blitzlicbtpistolen eine Hochzeitsgesellschaft geblendet, von der einige Frauen sogar ohnmächtig geworden sind. Bekanntlich kann man mit anderen Kriegsmitteln bereits»bessere« Erfolge erzielen. Dafür sind allerdings die im»könnte« Stil gehaltenen Interviews der Erfinder umso zuversichtlicher. Einer der Erfinder erklärte den Journalisten, daß es im Kriege bei einem Fliegerangriff das beste Mittel war, die bedrohten Städte völlig zu verdunkeln. Die Lichtkanone schieße jedoch so blendende Lichtstrahlen, daß jeder Pilot unfähig zum Weiterfliegen sei. Eis stehe der Konstruktion von ganz großen Lichtkanonen von 5 Millionen Kerzenstärke nichts im Wege. Sie könnten auf Kraftwagen montiert werden und würden somit leicht beweglich sein. Aber auch schon Lichtpistolen von 160.000 Kerzen Lichtstärke könnten überraschende Resultate zeitigen. Eine solche Pistole könne einem Flieger im Luftkampf bessere Dienste leisten als ein Maschinengewehr. In pathologischer Steigerung dieser Luftkampfphantasie könnte man vielleicht auch die Flugzeuge vernickeln und sie zugleich mit einem Flammenwerfer ausrüsten wollen. Das Realste an diesen ganzen Verwendungszweckschilderungen dürfte der Hinwels sein, daß die Militärbehörden der Ansicht seien, diese Blendwaffe— starrkrampfartlge Zustände und Loslösung der Regenbogenbaut im Auge — sei von der Polizei mit Erfolg gegen»Verbrecher und Aufruhrer« zu verwenden. Bei jedem neuen Kampfmittel denkt man natürlich sofort auch an die Möglichkeiten der Abwehr. Die befragten Erfinder wollen allerdings diese Möglichkeit bagatellisieren. Sie behaupten, die einzige Möglichkeit sei eine Brille mit vollkommen schwarzen Gläsern, die zugleich auch jedes Sehen unmöglich mache. Die Wahrheit dürfte in der Mitte liegen. Eine Brille mit braunen Gläsern wird zwar die Sicht verringern, aber gegen die Blendwirkung der Lichtkanone genügen. Um- somehr, als diese Brille nur im Moment der Angriffsgefahr durch Lichtkanonen auf die Nase gesetzt werden braucht.»Verbrecher und Aufrührer« dürften sich mit einer gewöhnlichen Schweißerbrille begnügen können, wenn nicht nach der Zusammensetzung des Leuchtpulvers die Gefahr einer Hitze- und Brandwirkung bestünde. Die Angegriffenen werden wahrscheinlich nicht nur geblendet, sondern auch versengt. Zur Erzeugung des Blitzlichtes nimmt man Magnesiumpulver, das man manchmal mit Aluminiumstaub mischt. Dieses Metallpulver erhält Zusätze von sauerstoffreichen Verbindungen, chlorsaurem Kali oder salpetersauren Salzen. Ueber das Pulver der Lichtkanonen- erfinder liest man, es verbrenne in ganz ähnlicher Welse wie das Magnesium und enthalte vermutlich auch als Hauptbestandteil Magnesium. Ueber die Zusammensetzung des Pulvers werde größtes Stillschweigen bewahrt. Einer der Erfinder hat sich jedoch weit deutlicher ausgesprochen. Er erklärte, daß der Lichtstrahl durch Verbrennung eines Metalls erzeugt würde, das in den Vereinigten Staaten und In Deutschland produziert werde. Eis dürfte nach diesen Ausführungen sicher sein, daß es sich um den Metallstaub einer Legierung handelt, die In verschiedenen Variationen unter dem Namen Elektron erzeugt wird. Elektron ist in der modernen Kriegstechnik schon von den Elektronbrandbomben her ein alter Bekannter. Die besondere, für Lichtkanonen verwendete Legierung, dürfte außer dem Hauptbestandteil Magnesium vor allem Aluminium und daneben wahrscheinlich noch Kalzium enthalten. Hergestellt wird diese Legierung in der rheinischen Fabrik Grieshelm-Elektron und es erscheint uns ganz natürlich, daß wir in diesem Artikel zum Schluß wieder in Deutschland, und zwar in der Nähe der I. G. Farben gelandet sind. maschinen, Nähmaschinen, Fahrräder; gegenwärtig zirka 3000 Mann Belegschaft) in Dresden-Cotta einen Lohnzettel geheftet, aus dem hervorging, daß der Arbeiter in 48atün- diger Arbeitszeit 11,70 Mark verdient hatte. Mit roter Tinte hatte er quer Uber den Zettel geschrieben:„Das ist der Lebensstandart eines kultivierten Arbeiters im Dritten Reich!" Der Zettel hing von morgens acht Uhr bis nachmittags zwei Uhr. Ständig waren Leute davor versammelt, die das einfache und wirksame Manifest vielsagend besprachen. Auch SA-Leute standen davor und studierten den Zettel, machten aber nur ironische Bemerkungen Uber„die jetzigen hohen Einkünfte!" Erst nach zwei Uhr nachmittags wurde der Zettel von der Polizei entfernt. Wenn er gut brennt... Beim Dresdner Arbeitsamt spricht ein Erwerbsloser vor und fragt:„Guten Tag. Gibt es denn noch keine Kohlenkarten 7 In früheren Jahren haben wir sie um diese Zeit doch immer schon bekommen?" Der Beamte wühlt in einer Karthotek und schweigt. Der Erwerbslose meint, der Beamte habe seine Frage Uberhört und beginnt von vorn: ,, Guten Tag.,." Da fährt der Beamte herum und fragt grimmig;„Kennen Sie den Deutschen Gruß?!" Der Erwerbslose weiß wohl, was der Beamte meint, tut aber, als verstünde er Grus, Kohlengrus, und sagt freundlich: „Deutschen Grus? Wenn er gut brennt— ich nehme gern ein paar Zentner 1" Der srefährllche Name Ein in Brooklyn wohnender junger Mann hat vom Obersten Gerichtshof die Erlaubnis erhalten, seinen Namen Morris Hitler abzulegen und sich von nun ab Morris H i 1 1 o n zu nennen. In seinem Gesuch an das Gericht hatte der Jetzige Morris Hllton festgestellt, daß er wegen des Namens Hitler ständig Angriffen ausgesetzt gewesen sei. fortgezerrt— seine Braut sieht mit aufge- �ssenen Augen, wie der Bräutigam direkt Von ihrer grünen Seite hinweggepflückt wird. Ja. baan kann auch sagen: wie eine Ratte �hirde er geschüttelt und von roher Gewalt ein Rettig durch die heiligen Bänke ge- •chlelft, hinaus ans rauhe Licht eines durch- nebligen, unbekömmlichen Novembertages. Aus wars mit der Orgelel, aus mit der Ti'aung, aus mit dem Vergnügen, soweit man ** eina nennen kann. IV. Ganz nett erfunden, denkt Ihr, nicht wahr? Aber in diesem Falle gab es nichts 2m erfln- tJen: man könnte die Geschichte höchstens 8'was anders, etwas würdiger erzählen, aber *�8 soll man Würdiges anstellen mit einer �völkerung, die sich solche Affenschande �eten läßt? Denn dieses hat sich also ru- Ketiagen Mitte November 1934 und wurde der Südländischen Presse kürzlich durch United �tess berichtet Der Pfarrer schreibt sich �"kllch Langheinrich, der Ort heißt tatsäch- k Gersdorf und liegt immer noch sozusagen bei Kassel. Kämpfende Lyrik C�rt, wo die soziale Lyrik stand, war zu sj'en Zeiten der Geist, die Freiheit, die �hschlichkeit— jenseits dieser Barrikaden �Aüte das Mittelalter. Soziale Lyrik von eut8 muß antifaschistisch sein, es gibt keine *hdere Wahl. Was man in Gangsterien mit ü8sonderer Wollust verbrannte, waren die Ue- f]er der Freiheit. Von Walter Mehring ümmten zwei Bände auf dem Schelterhaufen. ün bringt er einen neuen heraus, betitelt »Und euch zum Trotz«(Verlag Europäischer Merkur), damit»diese Zeit uns wieder singen lehre die guten Lieder eines bösen Spotts...« Und den beherrscht Walter Mehring In allen gereimten Formen, auch In den Zeichnungen, die er dem Band beisteuert. Die meisten seiner Gedichte sind überflimmert vom Rampenlicht des Kabaretts und verlangen gesungen zu werden. Die Bitterkeit und der anklägerische Zynismus des literarischen Bänkelsangs schwingt in ihnen. Der stattliche Band ist ein einziges großes Ued vom Wahnsinn unserer Zeit, am knappsten in der Sage vom großen Krebs, den Zweijahrtausende ketten: »Denn kröche der Krebs aus dem Morast marschierte ein ganzes Heer das würgt und mordet, hetzt und haßt ihm hinterher...< Weniger universal, weniger reich und gleichnishaft kommt Karl Schnog in seinem Bändchen»Kinnhaken« daher. (Malpaartes-Verlag, Luxemburg.) Hier ist alles polltisch, alles aktuell, die Stoffe wie frisch aus der Zeitung geschnitten, der Reim einfach und die Pointen auf die rein polltische Wirkung begrenzt, der Haß gegen die braune Barbarei aber lodernd und unbegrenzt. Wie die Börne, Heine. Herwegh, Freiligrath, sitzen wiederum deutsche Lyriker im Exil, züchtigen deutschen Despotismus und Unteranenstumpf- sinn. Nur spielt das an die achtzig Jahre später und man liest In dieser Lyrik von Konzentrationslagern, sinnlos zerschlagenen oder »auf der Flucht« erschossenen Menschen. Die revolutionären Dichter des Vormärz hatten es in einem wichtigen Punkte leichter: Der gekrönte Despotismus stand zu seiner legalen Kasematten-Barbarel, der braune verordnet gesetzwidrige Massenfoltem und will es nie gewesen sein!»Und unter bruderblutbedeck- ten Fahnen die Lüge wird zur Weisheit aufgebauscht...« Ein Zyklus Gedichte, als Chorwerk eingerichtet, hat Genosse Josef Hofbauer herausgebracht(Verlag Gärtner& Co., Bodenbach). Das mit plastischen Linolschnitten von Trapp geschmückte Bändchen heißt »W 1 e n« und gilt dem Februaraufstand. Hofbauet— der mit seinem österreichischen »Marsch Ins Chaos« eines der besten Kricg