Nr. 80 SONNTAG, 23. Dez. 1934 (SoalaltemolraKfcfrgg SDocfoiMa# Verlag; Karlsbad, Haus„Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt; Die Wege der Bestie Preisschlacht gegen Verbraucher Wie ein Naziminister Millionär wird: 1.2 Million für 7000 Mark Jäger— ein wenig verändert J Wer erschießt wen? Hitler schwört auf Schacht Wachsende Korruption und Zersetzung In der Spitzengruppe des Systems herrscht tiefe Unruhe. Der Machtkampf j*t wieder an dem Punkte angelangt, wo «ine neue blutige Auseinandersetzung bevorzustehen scheint Die Frage, wer verhaftet wen, wer erschießt wen? ist wieder hoch aktuell. Man erwartet neue Ausbrüche des Terrors, neue Konflikte zwischen Reichswehr und SS, zwischen Bürokratie und einzelnen Gewalthabern, zwischen dem Sicherheitsverlangen der Besit- senden und der Demagogie der sogenannten»Radikalen« in der NSDAP. Die Un- �he ist so stark, daß man im Volke ganz allgemein von einem bevorstehenden neuen 30. Juni spricht. Die Absetzung brauner Führer, die systematischen, durch die Ge- ■tapo vorgenommenen Massenverhaftun- Ken von mutmaßlichen Gegnern des Systems, die Massenjagd auf Homosexuelle, der aufgeregte Ton gewisser nationalsozialistischer Zeitungen, alles scheint diese Auffassung zu bestätigen. Es geht etwas vor, es naht etwas heran— das ist die allgemeine Stimmung. Sie wird verstärkt dadurch, daß Zersetzungserscheinungen und Korruption im System stärker als zuvor ans "Tageslicht kommen. Innerhalb der NSDAP wird noch stärker zentralisiert. Vor einiger Zeit ist den Gauleitern die Finanzverwaltung abgenommen und bei der Reichsleitung aantralisiert worden. Jetzt werden den Gauleitern systematisch die Zeitungen abgenommen, die bisher zu einem guten Teil in ihrem privaten Besitz waren. Gie bisherigen Besitzer werden zwar mit Phantastischen Summen entschädigt,— aber ihr Einfluß wird verringert. Sie vertauschen Macht gegen Beute. Es ist ein Prozeß der inneren Entmachtung in der NSDAP zugunsten der Spitze. Aber wer ist die Spitze außer Hitler, wer *lrd nach dem nächsten Krampfanfall Uoch oben sein? Was wird aus dem»L a h- 01 6 n«, dem»Kleiderständer«, dem hinterhältigen Aegypten«, gar ulcht zu reden von Darre, Ley, Schi- rach und anderen Nebengöttern? Wer Verhaftet wen? Nur immer so weiter! »»Der Retter des Vaterlands" Was Schacht sagt, sagt Hitler Knie November fand In Berlin eine Kon- 'erenz der Gauleiter statt. Hitler erklärte "ku Ganleitern, daß Schacht»ein vol- |' «» Vertrauen besitze. Er hoffe, In Jahren Schacht als den»Retter des Vaterlandes« ehren zu können. Wer Schacht» Wirtschaftspolitik angreife, greife damit ihn "«'her an. Alle wlrtschaftopolltlschen Kriü- k®' Schachts kämen, auch wenn sie alle alte Ampfer seien. In Ihren Verdiensten alle zu- "«'hmen Jenen nicht gleich, die Schacht sich k�lts um das Dritte Reich erworben habe. Kapitulation Hitlers vor Schacht(der übrigens seit 1907 Mitglied der Loge Urania lUr Unsterblichkeit, zugehörig zur Großen �g® von Preußen, genannt zur Freundschaft, ',t) erscheint vollständig. Als Opfer dieser �Pltulatlon blieben auf der Strecke der �Uhrer der Wirtschaft Graf Goltz, Gott- '"■'ed Feder und Brückner, dem � rlck gelegentlich seiner Oberschlesienreise b�b am Tage seiner Absetzung(ohne zu &hnen, daß man in BerUn dabei war, Brück- b®r abzusägen) den besonderen Dank �b'br aussprach, daß die Oderprojekte so 'bbnell in Angriff genommen worden sind! Görings Reditstaten Der Schutzgott der Korruptionisten Zwischen dem Justizminister G tt r t n e r und G ö r i n g hat es einen großen Krach gegeben. Göring bat zugunsten- seiner Kreaturen kräftig in die Justiz eingegriffen. Im ersten Falle ging es um den Reichstagsbrand- stlfter Helldorf. Er sollte den Offenbarungseid leisten, da er sich weigerte, erging gegen ihn Haftbefehl. Göring griff ein und verbot die Inhaftnahme. Im zweiten Falle stellte sich Göring vor einen verurteilten Korruptionisten. In Göttingen wurde ein hohor Parteifunktionär wegen Veruntreuung von Winterhilfegeldern verhaftet. Die Verfehlungen wurden aufgedeckt. durch den früheren Adjutanten des Ministers Kerrl, der Oberbürgermeister von Nordhausen geworden war. Nach der Aufdeckung wurde der Beschuldigte verhaftet. Nun griff Göring ein und setzte die Freilassung durch. Dennoch kam es zur Gerichtsverhandlung. Der Beschuldigte wurde z u einem Jahr Zuchthaus verurteilt und im Gerichtssaal verhaftet. Göring tobte. Noch am gleichen Tag gab er teiegraphlsch Anweisung, den Verurteilten freizulassen. Er amnestierte ihn und setzte ihn wieder in sein Amt ein. Zugleich wurde eine Demonstration gegen das Gericht Inszeniert. Der Bürgermeister, der für Sauberkeit sorgen wollte, wurde verhaftet. Braune Bonzen Röbms Nachfolger Lutze läßt sich eine große Villa bauen. Kosten 250.000 Mark, dazu 100.000 Mark für die Inneneinrichtung. Lutze hat sich dagegen gesichert, daß ihm dieser Aufwand einmal zum Vorwurf gemacht werden könne wie Röhm— er hat sich die Zustimmung des Führers dazu verschafft. Kultusminister R u s t— der neugebackene Millionär— findet, daß seine Dienstwohnung zu klein sei. Kr läßt sich eine Villa bauen, natürlich auf Staatskosten. Die Möbel für diese Villa werden aus staatlichen Schlössern beschafft. Die Wohnungen dieser beiden Parasiten kosten ungefähr das Doppelte der Summe, die in Berlin am»Tage der nationalen Solidarität« eingegangen ist. Die Geber wissen nun wenigstens, wofür sie gezahlt haben. Sdiadit drosselt Winterhilfe Schacht hat angeordnet, daß Wirtschaftsbetriebe der Einwilligung des Reichswirt- scfaaftsministerinnn bedürfen, bevor sie größere Spenden(über 10.000 RM.) für die Winterhilfe zeichnen. Wie man Millionär wird Kultusminister Rust verdient an der Nazirevolution Aus der Umgebung des Stellvertreters des Führers, Rudolf Heß, geht uns folgender zuverlässiger Bericht zu: Um die Gefahr zu großer Selbständigkeit bei führenden Würdenträgern unter seiner Prätorlanergarde hat Herr Hitler angeordnet, daß diese Würdenträger, soweit sie Besitzer von offiziellen Parteizeitungen sind, diese der Parteikasse zu verkaufen haben. Ausgenommen hat sich nur der Herr Führer selbst mit dem»V ö 1- kischen Beobachter«. Ebenso darf das Zeitungsgeschäft auch weiterhin auf Privatrechnung betreiben der Intime Freund des Führers, Herr Julius Streicher in Nürnberg. Zu"denen, denen man das Sprachrohr einer eigenen Zeltung genommen hat, damit sie nicht auf dumme Gedanken kommen, gehört auch der preußische Kultusminister Rust. Er hat vor einigen Jahren zusammen mit einem Herrn Behrendt das Stammka- pltal von 13. 00 0.— für das nationai- sozlalistische Parteiblatt Niedersachsens, die»Niedersächsische Tageszeitung«(NTZ) aufgebracht. Und zwar war Herr Rust mit 7000 Mark und Herr Behrendt mit 6000 M. beteiligt. Bei dem Jetzigen Verkauf an die Partei hat man sich natürlich dieser Einzelheiten nicht erinnert, sondern allein nach dem jetzigen Wert der Zeitung gesehen. Und da dieses Blatt inzwischen die Maschinenparks des einstigen sozialdemokratischen»Volks- willen«(Hannover)»nationalisiert« hat, is das einstige Käseblättchen schon einen Batzen wert. Kurz und gut: Herr Rust erhielt von der Partei für die Zeitung die schöne Summe von 1,200.000.— (in Worten: eine Million und zweihundert- tansend Mark). Für die Partei war damit die Angelegenheit erledigt, bis eines Tages bei Herrn Heß« dem Stellvertreter des Führers, ein aufgeregter und schimpfender»alter Kämpfer« auftauchte und gegen Herrn Rust Schimpfworte gebrauchte, wie sie sonst nur in der Unterwelt üblich sind. Aus dem Berg von Kosenamen konnte sich Herr Heß schließlich folgenden Tatbestand herausklauben; Herr Rust hat, nachdem er die Riesenkaufsumme von der Partei einkassiert hatte, seinem Kompagnon Behrendt, der einst 45 Prozent des Kapitals geleistet hatte, treu und brav seine einbezahlten 6000 M. Uberwiesen! Der»alte Kämpfer« forderte nun von Heß einen Druck auf Rust, dem Mitinhaber der Zeitungsfirma seinen Anteü von etwa 500.000.— auszubezahlen. Und da eine derartige Regelung von Geschäften selbst innerhalb der Organisation»Immertreu« als Treu und Glauben gilt, hat sich Herr Heß brelt- scblagen lassen, sich für diese Forderung bei Rust starkzumachen und auf ihn im Sinne einer solchen Lösung einzuwirken. Einigermaßen beruhigt fuhr der»alte Kämpfer« ab. Schließlich, so dachte er, hat man doch nicht nur für Herrn Rust allein und ausschließlich das Eigentum sozialdemokratischer Organisationen gestohlen! Inzwischen sind allerdings einige Wochen ins Land gegangen. ohne daß Herr Rust etwas von sich hören Heß, von einem Scheck an Behrendt gar nicht zu reden. Und dabei ist sicher, daß ihm Heß Bescheid gesagt hat. Natürlich In konzilianten Formen, wie es sich unter Ehrenmännern als Selbstverständlichkeit geziemt. Herr Rust bat sogar— wenn auch mit einem trockenen und einem nassen Auge— Herrn Heß Zusagen gemacht. Gehalten hat er sie jedoch bis heute nicht! • Der Fall Rust steht nicht allein. Der Koch in Ostpreußen hat ihm solche Geschäfte schon vorgemacht, und der bayrische Kultusminister S c h e m m hat es noch besser verstanden als Rust. Alle aber sind Waisenknaben gegen H i 1 1 e r, den der Besitz des, Eher- Verlags zum mehrfachen Millionär gemacht hat. Ehrenmänner Das außenpolitische Amt der NSDAP hat im Hotel Adlon in Berlin einen diplomatischen Empfang veranstaltet. Unter den»zahlreich erschienenen Ehrengästen« waren am bemerkenswertesten die, die nicht da waren. Leiter dieses Amtes ist Rosenberg. Sein internationaler Ruf ist höchst zweifelhaft— man könnte auch sagen, schon ganz unzweifelhaft Bei dem Gedanken, daß dieser Mann sich wieder einmal zu einer Mission im Ausland berufen fühlen könnte, ringen die deutschen Berufsdiplomaten verzweiflungsvoll die Hände—■ trotz ihrer notorischen Gewissenlosigkeit Der Mann mit diesem Ruf hat diesen Empfang veranstaltet, um einen Mann mit noch ganz anderem Ruf wieder in diplomatische Kreise zu bringen, nachdem er einen furchtbaren Stoß erhalten hat. Der Rosenberg hat es für nötig gehalten, den Göring einigen Diplomaten und Vertretern der Weltpresse vorzuführen. Warum das? Es gibt gewisse Dinge, über die man in der Diplomatie und in der großen Weltpresse hinweggleitet, weil ihre ernste Behandlung Verlegenheit wäre und Konsequenzen erfordern würde. Zu diesen Dingen gehört der Nachweis der Schuld des Göring am Reichstagsbrand. Nach der Veröffentlichung der Emst-Dokumente gibt es in der ganzen Welt niemanden mehr, der an der Schuld des Göring zweifelt. Ein feines Renommee hat dieser Großwürdenträger des Dritten Reiches, der»Kleiderständer«, wie ihn seine Spießgesellen vom 28. Februar 1933 unter sich nannten. Er hat seine Hände im Blut dieser Spießgesellen gewaschen. Er hat geglaubt, seinen zweifelhaften Ruf mit dieser Wäsche wieder herzustellen. Umsonst— das Verbrechen läßt ihn nicht los. Die vom Senator Bran- ting veröffentlichten Dokumente.lassen sich nicht beiseite schieben. Sie stehen und zeugen gegen ihn. Es ist wahr, daß keine einzige fremde Regierung den Entschluß bekundet hat, mit diesem Mann keinerlei Beziehungen mehr zu unterhalten. Das Prinzip der Nichteinmischung deckt ihn, wie es jede korrupte, verbrecherische, blutbesudelte Regierung deckt. Es bewirkt, daß die internationale große Presse, die sich in Regierungsnähe befindet, sich zurückhält. Aber auch die strengste Beachtung des Nichteinmischungsprinzips verhindert nicht, daß sich um einen Mann wie Göring ein moralischer Absperrungskordon zieht Das Bild dieses Mannes achwankt nicht mehr in den Augen der unabhängigen Weltmeinung. Darum mußte er aufs neue feierlich präsentiert werden! Er ist von Rosenberg neu eingeführt worden als»der Vertreter der stärksten kämpferischen Anschauungen des Nationalsozialismus«, als der Bluthund gegen Marxismus und Kommunismus, der Mann der Gestapo und der Konzentrationslager. Die Dauerverbrechen des Göring sollen in den Augen aller Reaktionäre und aller erschrockenen Bürg»» aeh» Verbrechen vom 28. Februar 1933 zudek- ken. Der Göring hat, gehorsam den Anweisungen seines Managers Rosenberg sich seiner terroristischen Taten gerühmt. Er hat in einem Atemzug die Konzentrationslager als Stätten geschildert, die abschrek- kend und entsetzenerregend wirken sollen, und hat die Greuel in den Konzentrationslagern abgeleugnet Nebenbei bemerkt; die deutsche Presse durfte nichts veröffentlichen über diesen Satz, daß die Konzentrationslager abschreckend und entsetzenerregend wirken sollen! Er hat auch über die Ernst-Dokumente gesprochen— aber nur um zu sagen, daß er über sie nicht sprechen wolle. Es bleibt aber eines: so schwer ist der moralische Stoß, der gegen diesen Mann geführt worden ist, daß er zu seiner eigenen Verteidigung der Weltpresse und diplomatischen Vertretern vorgeführt wurde. Die deutsche Regierung mag bei ihren dummen Dementis verharren, sie mag sich in allen Tonarten ausschweigen— diese Geste ist der Beweis, daß die Spießgesellen des Göring fühlen, wie schwer dieser Mann moralisch angeschossen ist! Aber es geht nicht nur um ihn allein1 In der Reichsregierung sitzen neben Göring noch andere dunkle Gestalten, neben dem»hinterhältigen Aegypten«, dem Heß, sitzt der»Lahme«, der Göbbels, und neben ihnen noch einige kleinere Leute vom gleichen Schlag. Die nicht zu zerstörende Anklage trifft sie alle, alle und die moralische Verurteilung durch die unabhängige Weltmeinung gleichermaßen. Sie alle sind nach dem Brauch der Welt feine Leute, die anerkannte Regierung des deutschen Reiches. Sie sind alle verhandlungsfähig und sie legen gerade jetzt großen Wert darauf. Sie schicken ihre Ribbentrops, ihre Papen und sonstigen Unterhändler, sie drängeln sich mit allen Kräften nach direkten Verhandlungen mit der französischen Regierung, sie werben geradezu darum. Aber wir beneiden keinen Ehrenmann, der sich mit den Abgesandten dieser Leute an einen Verhandlungstisch setzt! Porträt eines Deutschen Christen '\■ rf V• Ministerialdirektor Jäger—» gezeichnet von seiner Frau „Nieder mit Hitler!" Wo blieb der Volkszorn T Ein Reisender, der uns als zuverlässig bekannt ist und der soeben aus Berlin kommt, erzählt uns: In der vergangenen Woche ereignete sich- in nächster Nähe der Tauentzinstraße— ein Vorfall, der tagelang in Berlin besprochen wurde. Ich selbst war Zeuge. Zwei SA-Leute führten einen Mann in ihrer Mitte, der dröhnend laut schrie:»Nieder mit Hitler! Mörder! Bluthund! Nieder!« Die Braunen hielten den Gefangenen rechts und Hnks an den Handgelenken gepackt, einer versuchte ihm den Mund zuzuhalten, aber das Geschrei war nicht zu dämpfen. Was aber geschah ringsum? Die SA-Leute blickten umher und erwarteten offenbar ein VoWsgericht, hofften, daß der Volkszorn über den Häftling hereinbrechen würde, meinten, der Lästerer würde in Stücke gerissen werden. Aber das»Volk« dachte an keinen spontanen Exzeß— es war ja vorher nichts organisiert und keine Parole ausgegeben worden — im Gegenteil, Passanten sahen mit sichtlicher Anteilnahme der Szene zu, und es war völlig klar, daß die Sympathie nicht auf seilen der Schergen war. »Nehmt den Maulkorb fort, und das ganze Volk brüllt so«, sagte mein Begleiter unvorsichtig laut. Ein vorübergehender Arbeiter wandte sich um und nickte ihm zu. Ringsum schienen sich die Menschen Uberall In ähnlicher Weise zu verständigen. So ist es um die spontane Volkswut bestellt, die sonst angeblich bei jeder Gelegenheit losbricht. Der protestantische Kirchenkampf ist zu einem guten Teil ein Kampf um Pfründen. Es geht dabei keineswegs nur um Pf arr erstellen, vielmehr gibt es in der Kirchcnverwaltung eine große Anzahl gut bezahlter Verwaltungsstellen. In diese Verwaltung sind die Anhänger der Deutschen Christen so stark eingedrungen, daß heute die übergroße Mehrheit der höheren Verwaltungsposten nicht mit gelernten Theologen, sondern mit Laien besetzt ist. Unter den Leuten, die sich solche Sinekuren ergattert haben, steht der Ministerialdirektor Dr. Jäger, der frühere Rechtswalter der Deutschen Christen und die rechte Hand des Reichsbischofs Müller an erster Stelle. Dieser Mann ist der typische nationalsozialistische Glücksritter. Sein Porträt ist unnachahmlich gezeichnet in einer eidesstattlichen Erklärung, die seine eigene Frau der NSDAP übergeben hat. Wir lassen diese Erklärung im Wortlaut folgen: Eidesstattliche Versicherang »Eingedenk der Tragweite und der Bedeutung einer eidesstattlichen Versicherung versichere ich hiermit an Eidesstatt und unter Berufung auf meine Ehre als Parteimitglied: Der Rechtsanwalt der D.C., Ministerialdirektor August Jäger, hat folgende Vergangenheit: Bei Ausbruch des Krieges zog er mit seinem Regiment ins Feld. Ohne daß er ein Gefecht mitgemacht hatte, kehrte er bereits nach 10 Tagen in die Heimat wegen seines angeblichen rheumatischen Leidens zurück. Im November 1914(als 27jäh- riger Leutnant) kam er zum Landsturmbataillon Saarbrücken, bei dem er während des ganzen Krieges geblieben ist. Dieses Bat. wurde ausschließlich in der Etappe verwendet. Wenn es richtig ist, daß J. heute das Verwundetenabzeichen trägt, so zu Unrecht, da J. niemals verwundet und ohne den geringsten körperlichen Schaden bei Ausbruch der Revolution nach Wiesbaden zurückkehrte. Im Referendarexamen ist J. durchgefallen. Das Assessorenexamen bat er mit einer notdürftigen 8 bestanden, weshalb seine sämtlichen Gesuche, ihn zum Ober- landesgerichtarat zu befördern, abschlägig beschieden wurden. J. gehörte bis zum Umsturz der DNVP. an, well, wie er stets erklärte, dies die einzige Partei sei, bei der man etwas werden könnte. Als aber seine persönlichen Hoffnungen sich nicht erfüllten, trat er mit führenden Männern des Zentrums in nähere Fühlung. Um seinen persönlichen Ehrgeiz zu befriedigen, hat er sich auch nicht gescheut, anonyme Briefe an vorgesetzte Stellen zu schreiben, In denen Konkurrenten in schamloser Welse verdächtigt wurden. Als ich, seine Frau, zur NSDAP, gehen wollte, kam es zwischen mir und meinem Mann zu den schwersten Zusammenstößen. J. erklärte, nur Verbrechernaturen könnten zur NSDAP. Noch Im Sommer 1932 bezeichnete er vor einer größeren Menge Personen Hindenburg eis einen alten Lampen. In seiner Eigenschaft als Bechtswaltcr der DEK. hat er am 23. Mal 1934 Uber den Reichsbischof Müller geäußert:»Der Reichsbischof M., der Bischof aller Deutschen, also anch Dein und mein Seelsorger, Ist nichts andere« als ein unsicherer Kantonist und ein Knjon.« J. ging am 1. März 1933 zur NSDAP, mit der Mitgliedsnummer 1,490.118. Darauf wurde aus einem einfachen Landgerichtsrat In Wiesbaden innerhalb eines Jahres ein Ministerialdirektor und der Rechtswalter der DEK. Wegen der kirchlichen Seite fühle Ich mich verpflichtet, folgendes anzugeben: Ich habe mich am B. August 1914 mit J. verheiratet. Als er während des Krieges auf Urlaub nach Haus« kam, war er stets mit mir äußerst grob und gemein, so daß ich anwaltliche Hilfe In Anspruch nehmen mußte. Einige Jahre nach dem Kriege trat er zu der ledigen Studienrätin X. In unerlaubte Beziehungen, welche sich allmählich zu einem öffentlichen Skandal auswuchsen, da J. regelmäßig 840 paarmal nachts um 1 und 2 Uhr das Fräulein verließ. Im Jahre 1926 mußte ich ein Frl. T. aus meiner Wohnung weisen, well sie ein ehewidriges Verhältnis mit meinem Mann unterhielt Im Herbst 1927 öffnete ich versehentlich einen Brief, in dem eine Frau Z. an meinen Mann schrieb, daß sie»niemals die schönen Tage vergessen werde, die ri« mit Ihm zusammen in Langenwang verlebte. Die Leute sagen zwar bei Ihr zu Hause,*'e sähe schlecht aus, aber das mache nichts, denn das Zusammenleben mit ihm(J.) würde sie doch zu den schönsten Zeiten ihres Leben« zählen.« Als mein Mann merkte, daß ich diesen Brief gelesen hatte, überfiel 81 mich nachts im Bett und ohrfeigte mich. Iru Winter 1928/29 merkte ich, daß mein Mann intime Beziehungen zu der Frau seines Kollegen, de« damaligen Staatsanwalts N. unterhielt Die Schamlosigkeit des Verhaltens dieser Beiden hat zur völligen Entfremdung zwischen mir und meinem Mann geführt 3° scheute sich mein Mann nicht, zusammen ndt Frau N. Mitte August zu übernachten. Mein* Tochter Adelheid, die Ihr Zimmer neben«» hatte und nicht schlafen konnte, hörte, urt* ihr Vater nachts zu Frau N. In das Zimmef ging und dort verbüeb. Meine Tochter, ÖW Medizin studiert erklärt noch heute, so wie sich in der damaligen Zeit ihr Vater und Frau N. benahmen vor den Kindern, sei derart schamlos gewesen, daß durch ein der* artiges Verhalten Kinder auf das schwerst« gefährdet werden können. München, den 25. Sept 1034. gez. Frau Edith Jäger geb. Cruno« Pg. 293.709 Das Ziel der Autriisinng Anfang Dezember fand In den Kammer- sälen zu Berlin eine große Versammlung der NSDAP statt. Der Hauptredner Stadtverordnetenvorsteher S p 1 e w o k, der seine Leute Stunden warten Heß, erklärte: man müsse damit rechnen, daß die Franzosen in ein paar Wochen oder Monaten ins Rheinland einmarschierten. Schlüge Deutschland denn los, sei es wahrscheinlich verloren, well die Franzosen militärisch noch stärker seien, als wir. Behlelten wir aber die Nerven, bissen wir die Zähne zusammen und warteten noch ein Jahr, dann seien wir soweit! Rassenwirrwarr Es ist eine neue Rassebibel erschienen: »Grundriß der Rassenkunde« von Hermann Muckermann. Der Verfasser hat sich ein unsterbliches Verdienst erworben, er hat ctte deutschen Rassen neu getauft. Für nordisch setzt er»teutonordlsch«, für fällsch»dalo- nordlsch« und für ostbaltlscb»osteuropid«. Wenn die Teutonorden den Dalomlten, die Da- lomiten den Osteuropen künftig Ihre»ostische Ueberlagerung« vorwerfen möchten, werden sie zuvor einig werden müssen, ob sie sich im' Güntherschen oder im Muckermannschen Jlubo-Jargon zu beschimpfen gedenken. »Katholisdie Separatisten« Die glelAgesdialtele Zentrumspresse— reifste Frudbt am(aiftbaum der Göbbels-Journalistik Von katholischer Seit« schreibt man uns: Es ist die»G e r m a n i a«, das frühere Berliner Zentralorgan des Zentrums, von deren Aktienpaketen sich Herr von Papen seinerzeit einen gehörigen Batzen zulegte und damit als Aufsichtsratsvorsitzender des Verlages seine Innerpolitische Karriere nach seiner verunglückten außenpolitischen Rolle als Attache in Washington antrat— die jetzt (Nr. 342) ihre Glaubensgenossen an der Saar, die für den Status quo eintreten, als »katholische Separatisten« beschimpft. So nämlich die Ueberschrift über dem Leitartikel der genannten Nummer! Man muß sich vorstellen, was das gerade aus katholischem Munde heißt und was für ein niedriger Journalistischer Instinkt schon dazu gehört, gerade diese Beschimpfung anzuwenden. Wie war ee noch vor einem Jahr? Vor einem halben? Vor wenigen Tagen? Wie Ist es noch jetzt und wirda In den nächsten Stunden wieder sein? Die Nazis machen gerade allen früheren Zentrumsangehörigen, von Kaas bis zu den Jünglingen im Hterartschen Feuerofen der Germania, wegen Ihrer Haltung In der»rheinischen Frage« 1919 und 1923 den öffentlichen, Uberall gehörten Vorwurf, Separatisten und Landesverräter gewesen zu eeln! Unter demselben Galgen, an dem jetzt die»Germania« die eigenen Glaubensgenossen aufgeknüpft wissen will, hat sie noch vor kurzem selbst gestanden und wird sie, wie wir die Nazis und Ihre Publizistik kennen, übermorgen wieder stehen... Liest man diesen Leitartikel, der sich zur Hauptsache gegen die Gründung des»Christ- Uchsozialen Volksbunde«« an der Saar unter Imbuach und Kuhnen wendet, so begegnet man allen bekannten Ladenhütern der natlo- nslsodaUstlachen Gosae:»Separatistische Re- negatenpreese«,»Feinde de« Reichs«,»heimtückische Absage an das angestammte Vaterland«... Woher bezieht eigentlich der frühere Zentrumsmann gerade diesen Schimpfkanon? Vielleicht können wir ihm etwas auf die Strümpfe helfen. Anfang Februar diesen Jahres veröffentlichte der Kardinal Schulte in Köln einen Aufruf als katholischer Oberhirt, der In allen Kirchen der rheinischen Metropole verlesen wurde. Darin heißt es; »Das(nämlich die Organisation der katholischen Jugend in den von der Kirche geleiteten Vereinen. D. R.) nennen Artikelschreiber des»Westdeutschen Beobachters«;»schwarzen Verrat«,»Machenschaften unlauterer Elemente«,»volksfremde Verhetzung«... Man sieht also: die früheren Zentrumsredakteure haben unter ihrem Göbbels das technische Kunststück gelernt, wie man es fertig kriegt, einen Knüppel, mit dem man eben selbst geprügelt worden Ist, freihändig an entferntere Zeit- und Glaubensgenossen freundwlülgst weiterzuleiten. PoUtischer Plumpsack:»Hau, damit du wieder gebaut wirst.« Göbbels hat sicher den deutschen Journalismus in die Gosse gezerrt. Aber direkt am Dreckfang tummelt sich dort mindestens balbfrelwillig die gleichgeschaltete Zentrumspresse. Zeitungen übrigens, die vor Anbruch des Dritten Reiches steif und stöckem vor lauter Würde und Selbstachtung waren. O Germania! Los von Wotan! Zersetzung der Hitlerjugend. Als Folge und Begleiterscheinung des protestantischen Kirchenstreites hat in den letzten Wochen die»Deutsche Glaubensbewegung« de« Prof. Wilhelm Hauer Uberaue große Fortschritte gemacht. Die neu- heidnische Bewegung hat vor allem In der Hitlerjugend großen Anhang gefunden, deren Führer Baidur von Schlracn stets mehr zu Rosenberga Mythos als zur Formel des»positiven Christentums« neigte. Namentlich in Mittel- und Oberschlesien war die öffentlich erklärte Sympathie der HJ. zu der Hauer-Bewegung und ihr Zftlauf zu ihren Versammlungen so groß, daß sich die Gebiets- führung der HJ. sich genötigt sah zu erklären, sie stünde In keinem Zusammenhang mit den Bestrebungen der neuheidnischen»Deutschen Glaubensbewegung«. In dem vorwiegend katholischen Oherschlesien hat aber die ganz offenkundige Tendenz der HJ. zum Neuheidentum dazu geführt, daß ganze Ortagruppen der HJ. und des Bundes deutscher Mädchen geachlossen zu katholischen und polnischen(!) Jugendverbänden übergetreten sind, andere Gruppen zählen nur noch einen verschwindenden Bruchteil ihrea Bestandes von Beginn dieses Jahres. Der Jugendpfarrer der Deutschen Evangelischen Kirche, Zahn(ein alter Pg.) wendet sich In einer Denkschrift, deren Spit»8 gegen die JugendpoUtik Schierachs sehr deutlich ist, ebenfalls dagegen, daß die Hitler* Jugend entgegen allen Abmachungen d«8_ Neuheidentum begünstige und den Boden d* »positiven Christentums« verlasse. Schi' räch Ist ob der Vorwürfe Zahns sehr bö«8 geworden und hat dem Jugendpfarrer Zahn In einem Brief vom 24. November mitgeteilt. daß er In seinem Verhalten»einen Angriff gegen die Einheit des nationalsozialistischen Staates erblicke«, da Zahn in seiner Den** schrift»In erpresserischer Weise eine Df0" bung ausgesprochen« habe. Schlrach lehnt deshalb»jede weitere persönliche Begegnung* mit Zahn ab und droht selneraelta.»durch dl« für die Sicherheit des Staates verantwortlichen Dienststellen Gegenmaßnahmen ergreifen« zu lassen. Der kühne Sammler (Freiestena nach bekanntem Vorbild.) Ich weiß nicht, was soll es bedeuten?— Zum Klumpen die Masse sich ballt. Ich sehe, umzingelt von Leuten, Eine kleine, miese Gestalt. Ein Zwerg, auf humpelndem Fuße, Erbebt, ermunternden Blicks Die Rechte zum Hitlergruße, In der Linken schwingt er die Büchs'. Er schwingt sie mit klapperndem Klang8 Und singt den»Worst-Kessel« dabei. Die Menschen stehn nach Ihm Schlange, Und doch kommt keiner ihm bei. So sehr sie stoßen und schieben, Ist, wo er gebt, um ihn her Eine leere Fläche geblieben, Ein Ehland Im stürmischen Meer. Sonst könnte am Ende verschlingen Den Zwerg die Maske.— Indes: Die Um am nächsten umringen, Sind in eiserner Kette— SS! Muckt Deitisdier GruRt Vielerorts findet man Inschriften; güt deutscher Gruß: Hell Hitler! Darunter gelegentlich: Bald aber kommt der große Krach. dann sagen wir wieder: Guten Tag! ro* Mameluken Welch eine Wandlang;! Vor einiger Zeit berichtete ein Reporter Im »Angriff« aufgeregt über ein ungeheuerliche« Erlebnis: Anläßlich de« Reich« bauemtages hatte der»Reichsnährstand« eine Harzfahrt für 80 Presseleute des In- und Auslandes veranstaltet, in Osterode fanden sich Einwohner, Bürgermeister und braune Bonzen zur Begrüßung ein und die Kinder— denkt Euch!— hatten schulfrei. Alles wegen dem Federvieh. Mit glühender Feder schreibt Göbbela Berichterstatter: »Unter den ausländischen Journalisten sprach dies sich bald herum. Manch einer wird sich gefragt haben, ob etwa In einer Kleinstadt seines Landes dem Schriftleiter vom Volk eine ähnliche Anerkennung ausgesprochen werden könnte.« Und sie werden sich gesagt haben:»Wir genießen leider nur Pressefreiheit und dürfen nur unsere Meinung ungehindert äußern und kommen auch wegen der schärfsten Kritik nicht In ein Konzentrationslager— aber schulfrei kriegen die Kinder wegen uns nicht, wir stammen eben aus rückständigen Ländern...« Weshalb der Kuli im»Angriff« beseligt schließt:»Wir aber, die wir die deutsche Presse vertraten, konnten nur eins denken: Welch eine Wandlung!« Der Hauptscbriftleiter des»Acht-Uhr- i Abendblattes« wurde Jüngst aus dem Journa- Ustenstande ausgestoßen, weil sein Blatt eine Zuschrift gebracht hatte. In der sich eine Dame darüber beklagte, daß in Theatern zu *iel mit Stullenpapier geraschelt werde. Einige Bonzen von»Kraft und Freude« fühlten sich darob beleidigt— also weg mit dem Kuli, der mal was anderes bringen wollte, als nur die amtlichen Nachrichten. Das Haus Ullstein muß zwei Musikkritiker auf die Straße set- zen: Stuckenschmidt und Börner. Der eine ist für Hindemitb eingetreten, der andere hat an einer Aufführung des Deutschen Opernhauses scharfe Kritik geübt. Dies Raus untersteht nämlich dem Pnyjagandi— der sich zwischendurch den Spaß leistet, sei- Hemmt Att�eä und das Hitletsifslm Der Friedensnobelpreis für 1933 ist dem englischen Publizisten Norman A n g e 1 1, der Preis für 1934 dem Präsidenten der Abrüstungskonferenz, Henderson, verliehen worden. Die deutsche• Presse registriert die Nachricht über die Verleihung des Friedensnobelpreises an Norman Angell, aber sie darf den Verdiensten des Preisträgers um die Idee des Friedens nicht gerecht werden. Sie nennt sein Buch, das im Jahre 1910 unter dem Titel»Die große Täuschung« erschien, aber sie darf nicht wagen, seinen Inhalt mitzuteilen. Denn dieses Buch ist ein einziger Kampf gegen den nationalsozialistischen Wahn, gegen den Krieg, gegen alles das, was heute der Inhalt der nationalsozialistischen Macht- und Kriegslehre ist Es ist mit einem Wort das Buch eines Pazifisten. Dies Buch erschien zu einer Zeit, in der in Deutschland die Alldeutschen zum Angriffskrieg hetzten. Seine These, daß der Krieg auch dem Sieger nur schade, nichts nütze, rief den hellen Zorn der alldeutschen Vorläufer und Lehrmeister der Nationalsozialisten hervor. Dieser»weichliche Pazifist« hatte ihnen gerade noch gefehlt, während sie sich täglich ereiferten Uber die»Schlappheit« des deutschen Volkes und der General von Liebert höhnend sagte:»Wir Deutschen fürchten den Krieg und sonst nichts auf der Welt«. Fast gleichzeitig mit der»Großen Täuschung« ist das Rezept des Nationalsozialismus! Also schrieb dieser Wolff gegen Normann Angell: »Die r&ssenbiologische Weltanschauung sagt uns, daß es Führerrassen und Folgerrassen gibt. Insbesondere sind Eroberungen stets ein Werk von Führerrassen. Wo in aller Welt steht es nun geschrieben, daß die erobernde Führerrasse die Verpflichtung habe, den Besiegten nach einiger Zelt poll tische Rechte zu gewähren? Bildet nicht die Ausübung politischer Rechte einen Vorzug, der eben den Führerrassen biologisch zukommt? Wenn man aber im N a« men der Menschlichkeit fordert, daß dem Bürger, der in einem Staate lebe, auch politisches Recht zuzuerkennen sei, denn es wäre unbillig, die Unterworfenen dauernd zu Menschen zweiten Ranges herabdrücken zu wollen, so liegt hier ein Verstoß gegen die Logik vor, nämlich eine Einbeziehung der politischen Rechte in die Menschenrechte. Diese beiden aber haben nichts miteinander zu tun. Politische Rechte stehen nicht in unserem Herzen geschrieben, sondern werden durch den Krieg erworben; es sind Rechte, die erfochten werden müssen, Rechte der Führerrassen. Kriegerrechte, Sieger- rechte. Nur Irrungen der Uebergangszeit konnten die Sieger so verblenden, daß sie sich verpflichtet glaubten, den Unterworfenen Anteil an Jenen Herrenrechten zu gewähren. Die natürliche Entwicklungsreihe aber ist fol- erschlen Benhardis Buch»Deutschland und«ende: Der JäSer der Vorzeit tötete die Be- der nächste Krieg«. Diese beiden Bücher — das ist der ganze Gegensatz! Norman Angell wurde von den Alldeutschen und den Chauvinisten gehöhnt und angegriffen. Am 30. August 1913 unternahm es der»Rasseforscher« K. F. nen Mameluken Langweiligkeit und Mangel| Wolff in den»A lldeutschen Blät- an Selbständigkeit vorzuwerfen.»Welch eine t e r n«, ihn zu widerlegen. Er wandte sich Wandlung«, Jubiliert der Schmock im»Angriff«-- man kann schon verstehen, daß dieser masochistlsche Byzantinismus selbst den gleichgeschaltetsten Reichswehrgeneralen Unerträglich wird. Dinerprofessoren blamieren sich Nazipropaganda Im Aasland. Ein Universitätsprofessor schreibt Uns: Es bleibt eine Aufgabe der soziologischen Eorschung, zu ergründen, wieso die nazistische Propaganda im relchsdeutscben Inland so ungeheuere Erfolge erringen konnte, während sie sich im Ausland Infolge ihrer plumpen Ungeschicklichkeit stets in der entgegengesetzten Richtung auswirkt. Einen neuen Beweis für den völligen Mangel an Fingerspitzengefühl der Nazipropaganda dem Auslände gegenüber liefert ein sogenanntes»Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Ritler«, das In deutscher, englischer, französischer, Italienischer und spanischer Sprache än allen Universitäten der Welt verbreitet wird. Kann schon im allgemeinen der byzan- tlnische Elfer, mit dem sich die Herren H e I- �sgger, Sauerbruch usw. ihrem wissenschaftlich gerade nicht sehr gebildeten »Führer« zu Füßen werfen. In akademischen Kreisen des Auslandes nur Erstaunen und Widerwillen erregen, so fordert die Art, wie die deutschen Texte In den fremdsprachlichen Uebersetzungen zu tendenzlösen Zwecken ver- f&iscbt werden, geradezu Gelächter und Ent- rüstung heraus. Dafür nur ein Beispiel: In einer Erklärung des Münchner Pro- fsssors der Kunstgeschichte, P 1 n d e r, findet tnan im deutschen Urtext folgenden Satz: »Wenn Je etwas Bestätigung gibt, für «He Richtigkeit, für da« helUge. Innere Recht, für das, was wir Jetzt tun, so Ist es — neben dem Selbstverrat, der persönlichen nackten Selbsten thüllung westlicher Niedrigkeit und Narren- hafttgkelt— auch die unabsichtUche Verkennung, die wir Uberall finden, das Nlchtbegrelfenkönnen bei allen denen, denen man Ja auch ansieht, daß sie einer innerlich unterliegenden Welt angehören.« Diese Stelle sieht dann in der französi- schen Uebersetzung folgendermaßen aus: »Notre action de Justice, empreinte du plus prqfond res pect des droits sacrös de l'homme, Jette l'telat de«a grandeur au- dessus de ia triste foule de« traltre«, des Passions qul se dächalnent. de« dteienU et de« pleutres. La grandeur et la valeur de no« acte« sont encore oonflrmdes par cette •orte de mdconnaissance Involontalre, ä laquelle nous nous beurtons presque partout et que nous constantons Ohes les esprlts gegen»die verbreitete Anschauung, daß Eroberungen in kultivierten Gebieten gar keinen Wert mehr hätten; denn kein Staat oder richtiger gesagt kein Volk sei mehr imstande, sich die Einwohner des eroberten Landstrichs anzugleichen.« Er wollte Norman Angell zeigen, wie man es machen müsse, daß Eroberungen sich wieder lohnen. Erst seien'run& noch lohnen dürfte. Nur muß siegten. Der Ackerbauer des machte sie zu Sklaven. Der Kulturmensch der nächsten Zukunft wird Ihnen alle Menschenrechte lassen, alle polltischen Rechte Jedoch versagen. Die Eroberer handeln biologisch nur folgerichtig, wenn sie die fremde Sprache zu verdrängen und das fremde Volk zu zertrümmern trachten. Darum keine Versöhnungsversuche, sondern kühles Herrenbewußtsein, möglichste Machtentfaltung, strenge Vorbehaltung aller politischen Rechte! Auch Mister Angell wird zuge,-, be,u müssen, daß sich bei solchem Verfahren ein" Krieg schon noch bezahlt mächen und eine Ero beim Kriege der Besiegten getötet worden, dann seien sie— noch im alten Rom— zu Sklaven gemacht worden. »Auf die Abschaffung der Sklaverei folgte eine Uebergangszeit, in der wir heute noch leben; denn wir haben die Schlüssel zu der dritten großen Entwicklungsperiode, did mm folgen muß, noch nicht gefunden.« K. F. Wolff nannte es ein Vorurteil, vor solchen Eroberungsmethoden zurückzuschrecken. Wir gehen im folgenden sein Rezept ausführlich wieder— denn es das erobernde Volk menschenreich sein, damit es den gewonnenen Landstrich mit seinen Leuten überfluten kann. Mister Angell glaubt, daß man»In unserer Zeit des Telegraphen, des Dampfschiffes, der Verfassungen« Eroberungen zwar machen, aber nicht behaupten könne. Was Telegraph und Dampfschiff damit zu tun haben, ist nicht recht verständlich, bezüglich der Verfassungen jedoch gibt sich Mister Angell landläufigen Vorurteilen hin; Um polltische Ziele zu erreichen, bleibt den Besiegten nichts anderes übrig als der Aufstand. Diesen aber wird das allzeit kriegsbereite und waffengeübte Herrenvolk schon niederzuschlagen wissen. Der Kampf gegen die Aufständischen ist mit den schärfsten Mitteln rücksichtslos zu führen. Die Hauptsache für die Eroberer Ist der ausgesprochene Wille zur Herrschaft und zur politischen und völkischen Vernichtung der Ueberwundenen. Mit der heute so laut verkündeten Ansicht, daß die Besiegten ein Recht auf Anerkennung ihres Volkstums und ihrer Sprache hätten, muß vollständig gebrochen werden. Diese Grundsätze, die dem Willen zum Siege und dem Willen zur Herrschaft entspringen, sind aber auch sehr einfach, und um sich in sie einzuleben und sie unbeirrt von allen Vorurteilen und öffentlichen Meinungen zu betätigen, bedarf es nur wieder eines Volkes mit den alten Eigenschaften der Arier, nämlich mit Mut und Tatkraft, Kriegersinn und Herrenstolz. Solche Menschen können erobern, dürfen erobern, sollen erobern. Und sie sollen auch Herren sein, sich und den anderen zu Nutz und Frommen. Das gilt für die Neuzelt so gut wie für das Altertum. Denn nicht Vernichtung, sondern— Höherentwicklung bedeutet das Hereinbrechen einer hochgesinnten Edelrasse; sie dient dem Herrn der Heerscharen, und was sie tut, ist ein Erlöserwerk!« Daa war das Rezept, das die Alldeutschen'Norman Angells Buch über, die Altertums»Große Täuschung« entgegensetzten! Auf dieser Grundlage phantasierten sie im Kriege weiter, als sie die Enteignung und Verbannung der Bewohner der besetzten Gebiete, ihre Verpflanzung in fremde Gegenden empfahlen, als sie 1916 vorschlugen, das besetzte französische Gebiet gewaltsam zu räumen und es deutsch zu besiedeln: deutsches Volk bis Nyon, hundert Kilometer vor Paris! So phantasieren heute die Nationalsozialisten: denn was damals die Alldeutschen als Kriegspartei predigten, das ist heute fast offizielle deutsche Staatslehre! Man lese nur Hitlers»Mein Kampf« oder die Bücher von Rosenberg. Dieser Wolff war gegen sie geradezu noch ein Stümper, gefangen in den liberalen VorurteUen langer Friedenszeit: heute fangen sie mit der politischen Entrechtung des eigenen Volkes an! Heute treiben sie dem Volke wieder seine»Schlappheit« und Furcht vor dem Kriege aus, und die Erziehung zum Krieg ist oberstes Prinzip ihres Staates. Man begreift, daß die deutsche Presse Mister Angell nicht loben darf. Denn das ganze Sinnen und Trachten des Systems geht darauf, im Volke jene»Große Täuschung« ein �willenskräf tiger Staatsmann wird solche wieder zu erzeugen, die Mister Angell be- Vorurtelle über Bord werfen. kämpft bat! rifractaires ä toute assimilation ou comprö- hension, en un mot chez des individua d'un monde dCpravö.« Wie man sieht, hat der Uebersetzer es für richtig gehalten, die Schimpferei de« Herrn Binder auf die»westliche Niedrigkeit und Narrenhaftigkeit« fortzulassen. Der englische, der italienische, der spanische Text bieten genau dasselbe Bild. Ueberau wird in der entsprechenden Sprache über»Sei batverrat«,»Niedrigkeit und Narrenhaftigkeit« gezetert, aber daß sich dieser beschimpfende Angriff gegen die Kultur und die Wissenschaft des Westens Hebtet, wird peinlich verschwiegen. Dabei sind der deutsche und die fremdsprachigen Texte in einem Heft miteinander vereinigt, sodaß Jedem sorgfältigen Leser der tendenziös« Unterschied sofort in die Augen jpringen muß. Was denken nun die Herren vom Propagandaministerium durch solche Leistungen su erreichen? Glauben sie, daß die englischen, französischen usw. Gelehrten kein Deutach verstehen? Bisher haben sie Deutsch lernen müssen, um die Fortschritte der Wissenschaft In Deutschland durch eigene Beobachtung verfolgen zu können. Allerdings wenn das Dritte Reich noch lange dauert, wird für den Wissenschaftler die Kenntnis der deutschen Sprache nicht mehr notwendig sein! Vom Klrehenkampf. Durch den Regierungspräsidenten in Hildesheim ist di« In Göttingen erscheinende Halbmonatsschrift für reformatorisches Christentum,»Junge Kirche«, auf unbestimmte Zelt verschoben worden. Greue 1 adiridrien Der Stuttgarter Vertreter der„Kölnischen Zeltung*' wurde in Schutzhaft genommen, weil er über eine Rede des württembergischen Wohlfahrtsml nisters falsch berichtet hatte. Wie eine amtliche Mitteilung besagt, sei der Sinn der Rede durch Kürzungen in sein Gegenteil verkehrt worden. Der Journalist soll, wie bekannt wird, von einem Sondergericht abgeurteilt werden. • „Der Hitlerbrief des Landes bischofs Kühle- wein, der am Büß- und Bettag in den evangelischen Kirchen verlesen wurde, darf unter keinen Umständen veröffentlicht werden.'4 Mitteilung des DNB an die Redaktionen. Auslandisdie Wagen— lebhaft gefragt Der»Angriff« schimpft: Der Eindruck täuscht nicht, den man auf den Parkplätzen im Berliner Westen gewinnt. In den Abendstunden sieht man am Kurfürstendamm in der langen Schlange der wartenden Achtzylinder immer mehr ausländische Wagen. Ausgesprochene Luxuswagen! Ihre Einfuhrziffern von Januar bis Oktober zeigen, daß Wagen der kleineren Klassen nur ganz geringen Mehr- absats fanden; aber von 8.1 Liter aufwärts hat«ich die Einfuhr seit Januar verdoppelt und verdreifacht Die ausländischen Wagen zwischen 3,3 und 4,2 Liter waren im Oktober in ihrer Größe auf 08,4 Prozent des Oesamtabeatzes gestiegen. Ausländische Wagen über 4,2 Liter wurden im Oktober dreimal soviel als im Januar verkauft. Es muß also offenbar In Deutschland doch noch recht gut verdient werden von Kreisen, die nicht daa geringste Verantwortungsgefühl in ihrer persönlichen Le- oenshaltung kennen. Na und? Schon vor dem»Umbruch« drängten sich vor Jedem nationalsozialistischen Versammlungslokal hochnoble Auslandswagen, Trittbrett an Trittbrett. Damals war der»Angriff« von den Luxusmitgliedern hell begeistert. Auch heute sollte er etwas vorsichtiger kritisieren, denn in den Achtzylindern sitzen die Stützen und Geldgeber des nationalsozialistischen Regimes, die staatserhaltenden Kräfte und treusten Hitlerianer. Der Heillgensdiein Ls Rlre, Paris. Preissdiladit gegen Verbraudier Der Einzelhandel in den Rücken geschossen— Winterhilfe für Kartoffel wucher Von der Arbeitsschlacbt ist angeblich in Deutschland nicht viel zu hören. Das ist nicht zu verwundern, wenn selbst die gleichgeschaltete Statistik gestehen muß, daß sich die Zahl der Arbeitslosen im November um 86.000 vermehrt hat. Sie beträgt jetzt offiziell 2,354.000, wobei bekanntlich die Insassen der Arbeitsdienstlager, die Landhelfer usw. nicht mitgezählt werden. Zugleich hat sich die Zahl der Notstandsarbeiter um 16.000 gegen den Vormonat vermehrt. Bezeichnend ist, daß die Zunahme in der Arbeitslosenzahl diesmal bereits im November, einen Monat früher als im Vorjahr— und dies trotz des günstigen Wetters— einsetzte. Natürüch ist die Zunahme der Arbeitslosigkeit zum großen Teü saisonbedingt. Die stärksten Zugänge haben die Baugewerbe und die ungelernten Arbeiter zu verzeichnen. Trotzdem bleibt die Tatsache bestehen, daß die Ziffer für November absolut hoch ist und daß die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen anscheinend zu erlahmen beginnen. Das ist eben die entscheidende Frage. Wird Schacht, der in diesen Dingen augenblicklich entscheidend ist, angesichts der kritischen finanziellen und wirtschaftlichen Situation neue Mittel für die Arbeitsschlacht zur Verfügung stellen können? Die alten Arbeitsbeschaffungsprogramme nähem sich ihrem Ende, mit Ausnahme des Baus der Autostraßen, die ja vor allem der leichten MobUmachung dienen. Von neuen Programmen ist aber'üchts zu hören. Auch Herr Reinhardt, der sonst zweimonatlich Steuerermäßigungen zur Entlastung der Wirtschaft anzukündigen pflegte, ist verstummt, nachdem die neue Steuerregelung alle Erwartungen auf wirkliche Entlastung grausam enttäuscht hat. werden). Vielleicht verstehe man jetzt, so meinte Pg. Voß, die großen Sorgen, die der Lebens- mittel-Einzelhandel um seine Existenz hegt, denn wenn er bisher einen großen Teil der eingetretenen Preissteigerungen aufgefangen habe, dann sei das nur auf Kosten der Substanz gegangen. Es sei ein gefährlich Ding, den Preiswucher einem ehrbaren Stand in die Schuhe zu schieben, der nicht nur nicht der Urheber sei, sondern selbst am schwersten darunter leide...* Man sieht, der Mann ist von dem Dritten Reich nicht mehr entzückt; die Mühe, auf den Goerdeler zu kommen, hat sich schlecht gelohnt. Er verliert»die Substanz« durch den Preiswucher und versteht offenbar schon, daß dies das Werk D a r r e s, der Erfolg der»romantischen« Wirtschaftspolitik von Blut und Boden ist. Und damit hat er bestimmt recht, und wie dieser Preiswucher gerade bei dem wichtigsten Volksnahrungsmittel, der Kartoffel, aussieht, davon wollen wir einiges erzählen. Die Ernte an Winterkartoffeln war im Gegensatz zu der schlechten Frühkartoffelemte reichlich. Die Oktoberschätzung kann auf einen Ertrag von 41.7 Millionen Dz gegenüber 40.97 i. V. Wie hat nun der Darre und sein Reichsnährstand die Kartoffelpreise manipuliert? Nun, die Erzeuger-Richtpreise für Speisekartoffeln wurden in diesem Herbst auf eine Höhe festgesetzt, die im Durchschnitt doppelt so hoch ist wie im Vorjahr. Im Oktober 1933 war der Preis für rote Speisekartoffeln RM 1.14 je Zentner, jetzt im Oktober RM 2.40; für weiße Speisekartoffeln jetzt RM 2.35 gegen RM 1.29 im Vorjahr Und das ist eben der wirkliche Grund: von Der Erzeugerpreis für Speisekartoffeln lag der»Arbeitsschlacht« wird so wenig Auf- damit um 60 Prozent über dem Vorkriegshebens gemacht, weil es um ihre Zukunft stand. Herr Goerdeler hat diese Preisrecht trübe steht, weil die Aufbringung festsetzung ausdrücklich gebilligt und neuer finanzieller Mittel mit dem Abbauprogramm Schachts in Widerspruch steht und es gänzlich im Ungewissen bleibt, wie denn der berühmte Fünf jahresplan Hitlers nun welter fortgeführt werden soll. Ohne künstliche Finanzierung, ohne neue Arbeitsbeschaf- fungswechsel, ohne neue inflatorische Maßnahmen wird es nicht gehen. Denn die Wirtschaft liegt darnieder. Das beweist auch der Bericht über den Außenhandel für November. Er zeigt eine neuerliche Schrumpfimg. Die Ausfuhr ist um 10 Millionen, die Einfuhr um knapp 4 Millionen zurückgegangen. Dieser allerdings geringfügige Rückgang der Einfuhr steht im Widerspruch zu der sonst in dieser Jahreszeit stets eintretenden Steigerung, die durch zunehmende Rohstoffeinkäufe hervorgerufen wird. Es ist nur der Ausdruck dafür, daß die Rohstoffversorgung für den bisherigen Umfang der deutschen Produktion zu knapp wird. Da andererseits aber auch der Export trotz aller Anstrengungen stagniert, so fehlen die Zahlungsmittel, um die Einfuhr steigern zu können. Die bisherige Unterversorgung mit notwendigen Rohstoffen bleibt also bestehen und bildet die bisher unüberschreitbare Schranke für eine Ausdehnung, ja auch nur für die Aufrechterhaltung des Produktionsumfanges in wichtigen Teilen der deutschen Wirtschaft. Wird also von der»Arbeitsschlacht« weniger geredet, so um so mehr von der »Preisschlacht«. Goerdeler hat den Kampf da angefangen, wo er am leichtesten ist, und zunächst die kleinen Händler und Handwerker die»Strenge des Gesetzes« fühlen lassen. Man kann sich das Entsetzen dieser Leute vorstellen, die vom Dritten Reich die Sicherung eines»standesgemäßen« Einkommens erwarteten und nun plötzlich»ihre« Polizei anrücken sehen, die ihnen die Läden sperrt. Wie, jammerte kürzlich der Ortsgruppenfüher im Rekofei, Pg. Voß, wir Lebensmittelhändler sollen jetzt für die Preissteigerungen verantwortlich gemacht werden? Aber es ist doch Tatsache, so sagte er— und er sprach damit die Wahrheit— daß die Großhandelspreise für Agrarstoffe seit Januar 1934 von 24.9 vom Hundert gestiegen sind, die Einzelhandlspreise dagegen nur um 8.9 Prozent(was aber nur den Durchschnitt anzeigt und gerade für sehr wichtige Lebensmittelgattungen kein richtiges Bild gibt, wie wir noch sehen nur für Teile von Sachsen eine kleine Herabsetzung durchgedrückt. Gegenüber dieser exorbitanten Verteuerung der Speisekartoffeln sind die Preise von Kartoffeln für Brennerei- und Stärkezwecke viel weniger erhöht werden— den Brennereien durfte ihr Rohstoff nicht zu stark verteuert werden! Der Kleinhandelsindex für Kartoffeln lag im September um 53 Prozent über dem Vorjahr und um 72 Prozent über dem Stand von 1932. Im Oktober war die Erhöhung gegenüber dem Vorjahr auf 34 Prozent zurückgegangen. Die Kartoffelteuerung stieß auf die Schranke der mangelnden Kaufkraft der Massen. Es kam zu Stockungen im Absatz und die Einlagerung für den Winter geriet nur schwer in Gang. Aber Darre wußte sich zu helfen. Das Winterhilfswerk verteilt doch auch Kartoffeln! Und die Zwangsspenden können doch ohne Kontrolle verwandt werden! Also werden die Mittel des WinterhUfswerkes eingesetzt, um die Kartoffeln zu den teueren Preisen doch an den Mann zu bringen.»Das Winter- hilfswerk«, wir zitieren jetzt die»Frankfurter Zeitung« wörtlich,»lagerte etwa 700.000 Dz. Kartoffeln ein. Diese Käufe brachten insbesondere den frachtungünstig gelegenen Gebieten eine große Entlastung; denn diese Betriebe konnten bei den Dispositionen des WinterhUfswerkes bevorzugt werden, da Frachten für Winter- hilfsleistungen von der Reichsbahn bekanntlich nicht berechnet werden.«(Wir wetten, daß die bevorzugten Gebiete die des ostelbischen Großgrundbesitzes gewesen sind! Die öffentlichen Mittel der Reichsbahn, die Spenden für die Aermsten werden dazu gebraucht, den kartoffelverkaufenden Betrieben zu Hilfe zu kommen! Die Wohltat, das beispiellose Hilfswerk wird dazu benutzt, 700.000 Doppelzentner aus dem Markt zu nehmen und so den maßlos überhöhten Kartoffelpreis doch durchzusetzen. Fürwahr eine Preisschlacht, wie sie nur der Nationalsozialismus liefern konnte! Dr. Richard Kern. Streik der WIrtschaftsfuhrer Die Unternehmer in Industrie und Handel | hätten sich eigentlich für die Rangerhöhung zu Wirtschaftsführern, mit der sie durch Hitler begnadet worden sind, erkenntlich zeigen müssen. Sie hätten ihr Geld nicht in den Kasten stecken dürfen, sondern in die Produktion stecken müssen. Sie hätten es nicht zulassen dürfen, daß Hitler auf Pump angewiesen bleibt, sondern aus eigener finanzieller Kraft zur Arbeitsbeschaffung beitragen müssen. Wie in dem letzten Vierteljahresbericht des Instituts für Konjunkturforschung festgestellt wird, ist das aber keineswegs der Fall. Es wird darin gesagt, Industrie und Handel hätten»die ihnen neu zufließenden Mittel vielfach geldwirtschaftlich statt güter- wirtschaftlich angelegt«. Es sei eine gewisse Zurückhaltung der Unternehmungen gegenüber langfristigen Investitionen unverkennbar. Das sei auch dort der Fall, wo neue In- vestitionsaufgaben vorliegen, wie z. B. in der heimischen Rohstoffproduktion. Eis scheint also, daß die Unternehmer auf Schachts Kommando nicht gerade stramm einschwenken und daß sie mit der Ersatzproduktion nur solange einverstanden sind, wie das Reich die Kosten bezahlt. Läge ein echter Aufstieg und nicht eine künstliche Aufblähung vor, dann müßten mit der Produktion auch die Einlagen bei den Banken und ihre Wirtschaftskredite zunehmen. In Wirklichkeit ist das Gegenteil der Fall! Mehr noch als die Einlagen bleiben die Pro- duktlonskredlte der Banken hinter dem Vorjahre zurück. Die Banken sind darauf bedacht, ihre Einlagen flüssig zu erhalten, anstatt sie in der Produktion festfrieren zu lassen. Nach der Feststellung des Instituts für Konjunkturforschung hat die Liquidität, d. h. das Verhältnis der Barreserven zu den festen Anlagen der Banken von 30.8 Prozent im Vorjahre auf gegenwärtig 35 Prozent zugenommen. Das Institut weist aber selbst darauf hin, daß den Banken aus der Nichtbezahlung von Schulden an das Ausland große Mittel zugeflossen sind. Der Rückgang der Einlagen wäre also noch viel größer, wenn Schacht die Unternehmer nicht von der Einlösung ihrer ausländischen Verpflichtungen befreit haben würde. Man könnte meinen, die Unternehmer geben weniger Geld zu den Banken, well sie desto mehr im eigenen Betriebe anlegen. Das Institut für Konjunkturforschung behauptet das GegenteU und seine Feststellungen werden im letzten Halbjahrsbericht der Reichskreditgesellschaft verdeutlicht, die die Bank der reichseigenen Betriebe, also ein öffentliches Kreditinstitut 1 ist. In dem Be- t rieht heißt es: »Sowohl in der Industrie als auch in der Landwirtschaft beschränkte sich die Investitionstätigkeit in der Hauptsache— gefördert durch Steuerbegünstigungen für Ersatzinvestitionen— auf Instandsetzung von Gebäuden und Ersatzbeschaffungen abgenutzter Maschinen. Wie die einer Beobachtung zugänglichen Bilanzen von industriellen Aktiengesellschaften erkennen lassen, halten sich hierbei die Aufwendungen nach wie vor unter den laufenden Abschreibungen.« Ein amtliches Organ gibt also zu, daß die Unternehmungen nicht einmal soviel Kapital In den Betrieb hlneinstek- ken, wie sie abschreiben, daß sie also nicht einmal die für den* bloßen Ersatz des Maschinenverschleißes angesammelten Mittel für diesen Zweck verwenden. Die Unternehmer ziehen also mehr Geld aus dem Betrieb, als sie in ihn hineinstecken. Die Kapitalaufwendungen für die Produktion nehmen nicht zu, sondern ab. Die Reichskreditgesellschaft spricht selbst von Rückgängen und sieht sie als die Folgen der in den meisten Teilen der deutschen Industrie vorhandenen Ueberkapa- zität an. Große industrielle Neubauten seien In einem Zeitraum nicht zu erwarten, in dem die Arbeitsplatzkapazität nur zu rund 50 Prozent ausgenützt ist. Da die Privatunternehmer sich scheuen, Kapital im Dritten Reich zu riskieren, erfolgt der Uebergriff auf die kleinen Sparer, auf Sparkassen und Versicherungen. Aber auch die Unternehmer in Industrie und Handel werden nicht ganz damit verschont, die Pumpwirtschaft des Dritten Reiches ermöglichen zu helfen. Nach der Angabe des Instituts für Konjunkturforschung sind nicht nur von den Banken, sondern auch von der Industrie in größerem Umfange Wertpapiere aufgenommen worden. Auch die Privatunternehmer also haben einen Teil ihres Kapitals in Arbeitsbeschaffungswechseln, Steuergutscheinen, Reichsanleihen usw. anlegen müssen. Der unausgesprochene Zwang dazu, wie er bisher bestanden hatte, ist Jetzt in einen gesetzlichen Zwang umgewandelt worden. Gewinne, die über einen bestimmten Prozentsatz hinausgehen, müssen in öffentliche Anleihen angelegt werden. Die Folgen dieser Verordnung zeigen sich jetzt bereits. Der Kurs der Rentenpapiere steigt zwar, aber der Kurs der Aktien sinkt. Es ist aber im Dritten Reich nur selbstverständlich, daß den Unternehmern die Möglichkeit gegeben wird, das Risiko, das sie für die Ueberschuldung des Dritten Reiches übernehmen, auf schwächere Schultern abzuwälzen. Die Mittel, die ihnen die Uebernahme öffentlicher Schulden entzieht, werden sie durch Hochhalten der Preise und Niedrighalten der Löhne wieder einbringen können. Aus dem Widerspruch zwischen der künstlichen Aufblähung der Produktion und der Verkümmerung der Massenkaufkraft wird Herr Schacht, auch wenn ihm Hitler noch soviel diktatorische Allmacht verleiht, keinen Ausweg finden. General Botenlod „Betriebsführer" des Verlages Ullstein ist bekanntlich Herr Wiesner, einstiger An- noncenaquisiteur des„Hamburger Fremdenblattes" und später dessen geschäftlicher Leiter. Nicht durch eigenes Verdienst, sondern dank der immer nachhelfenden Hand des emstigen Hapag-Chefs Cuno, dem dieser Wiesner allezeit eine dienstbeflissene Kreatur war. Er war natürlich demokratisch, als es noch Mode war und fand ebenso schnell Anschluß an die Nazis, als er die größeren Chancen dort erblickte. Daß dieser Wiesner die Qualifikation für die Leitung des Ullstein-Verlages hat, bewies er vor einigen Tagen durch die Tatsache, daß er in schwer betrunkenem Zustande auf dem Berliner Kurfürstendamm aufgelesen und auf dem Umwege über das nächste Polizeirevier nach Hause befördert wurde. Wiesner hat im Ullstein-Haus den Namen„General Botento d", well seine ganze Macht als echter deutscher Sozialist insbesondere die kleinen Proletarierkinder, dia als Botenjungen im Hause Dienst tun, fühlen läßt. Denn er kann diesen Botenjungen folgendes nicht vergessen: Als um den 30. Juni herum jeder der Nazi-Großwürdenträger den eigenen Kopf vor den Parteifreunden sichern mußte, hielt es Wlesner auch eines Nachts für ratsam, statt zu Hause in seinem Büro zu verweilen. Da man Wiesner vorher nie zur nächtlichen Stunde, wie es sich für einen Verlagsdirektcr eigentlich gehörte, im Betriebe gesehen hatte, hatte sich der Brauch herausgebildet, das sehr geräumige und mit luxuriösen Möbeln ausgestattete Empfangszimmer des„Betriebsführers" als Ruheraum der diensttuenden Botenjungen zu verwenden. Diese, teils SA-Leute, teils Hitlerjungen, räkelten sich also beim nächtlichen Eintritt des Haus-Gewaltigen in ihren braunen Uniformen auf seinen Sesseln und Sofas herum. Wie gewöhnlich leicht benebelt, und von der dicken Luft jener Tage befangen, erkannte der„Führer" seine Untergebenen nicht sofort, sondern glaubte sich einem nach ihm fahndenden SA-Kommando gegenüber. Vor Schreck erstarrt, blieb er in der Tür seines eigenen Büros stehen und heb angsterfüllt die Hände hoch. Zufällig kam elu diensttuender Redakteur vorbei und Ubersah sofort die Szene: Mit kaum unterdrücktem Lachen mußte er den Herrn„Führer" über die Situation aufklären. Seither rächt sich der Herr für die ausgestandene Angst durch schlechte Behandlung aller Boten. Gese�lidi gesdiü�t In vielen großen deutschen Zeitungen flu* det sich folgendes Inserat- Konkurrenzlos! ges. gesch. Ahnen-Ehren-Tläfel, genehm. 2 Must. 1,50. Zeitgemäß hoher Verdienst. Bez. Vertr. auf elg. Rechn. zu verg.... Die deutsche Ahnen-Ehre braucht in Wahrheit keinen gesetzlichen Schutz. Es gibt kein Volk auf Erden, das die Deutschen um ihren Ahnenfimmel beneidet, es besteht keinerlei Gefahr, daß arische Großmütter gestohlen und ins Ausland verschoben werden. Das heilende Land.•• In Berliner Zeitungen liest man: „Das Jahr 1935 wird grundsätzliche Neuordnungen im gesamten deutschen Bäderwesen mit sich bringen... Vor allem das nächste Jahr eine großzügige Werbeaktion unter dem Motto;„Deutschland, das heilende Land" bringen." Mit Illustrierten Prospekten aus alle® deutschen Konzentrationslagern! Hanger— verboten! Wie der„Schriftsteller", das Verbandsorgan der nationalsoziah" stischen und gleichgeschalteten Schriftstelle mitteilt, ist Verkauf und Verbreitung des Buches von Flnkh„M ich hungert" in 8®� Deutschland verboten. Da die Massen hungern, ist es unschicklich, daß die Buchautoren davon Notiz nehmen. Nr. 80 BEILAGE IctKcBogtttMg 23. Dezember 1934 Die Wege der Bestie at SaaI War � gefüllt und 1 troteie von Erwartung. Arbeiter, Häus- den � Saßen 11111 die An den Wanden lehnten junge Menschen, um heS tl v.. 6 StÜllIe ZU lassen- den F?IISff?UfChten Wänden eine leise Näs« i aUS' Draußen dampfte neblige Nasse und schlug in den Saal herein, dl war Mi? 8?1°er/uf&abe �ht gewachsen Wa�• gluhenden Backen blies er seine l ZewlnliUm' ab€r Sie verlor Pulf YT- Dann trat der R�ner ans und die Erwartung wandelte sich in Spannung. Mit einfachen Worten begann len Jm gen 016 Hörer wie Achter Wel- enschlag mit sich fort. Bilder entstanden miif Orizo"t' kamen näher und näher und rolUen auf unsichtbarer Leinwand vor- • Wir??miO"C;.!leS Reich- 1011 Mensch se8i �®0ldnern durch die Straßen geneppt. Volk wälzt sich hinterdrein. unH p lhn!> Kreuziget ihn!« Männer ist■,raaen bleiben am Wege stehen.»Was «t imt ihm? Was hat er getan?«_»Er Gott�88'�' � alIe Seien Kinder eines Gottes und seien alle gleich geboren! Habt Jbr das schon gehört? Du bist mit deiner gd und demem Sklaven gleich!« Solda- m®nPn«eh ins Gespräch:»Er lehrt, "ebe demen Nächsten! Frieden auf Er d?� S" 801134 nicht töten! Versteht ihr aas? Wir sollen die Gallier lieben? Oder «ollen wir uns von den Karthagem über- «den lassen? Er will Roms Waffen schwä- d™;T er twm unser Handwerk abschaffen, er Narr! Schlagt ihn tot, den Friedens- rrompeter!« Wechsler und Händler treten hinzu. *-r predigt, wenn du zween Hemden hast, gib eins dem, der keins hat Er verbucht Reichtum und Besitz. Bettler und 2™ r™ ihm nach. Euer Eigentum «t bedroht. Hast du dir ein Haus erspart «o soll es emem andren gehören! Ein Aufrührer ist er und hetzt die Habenichtse g fe" die' die«eißig waren. Ans Kreuz ihm!« * Dreihundert Jahre später. �om. Kolloseum. Raubtiergebrüll. Dazwi- _ n aus den Gefangenenkäfigen der Ge- «aug der Christen. Die Tribünen, Ränge und Galenen besetzt. In der Großloge Kai- fer Diokletian mit seinen Frauen. Im Ker- drgaage der Prokurator zum Hauptmann ®r Wache:»Bringt mir den Aeltesten der nsten! Was treiben die Aufwiegler, lasaf�?31111? Hal>t lhr sie"Ohflg hungern Wn? Noch keiner bußfertig?« Hauptmann;»Keiner! Sie singen die Rechen Lieder ihres Glaubens vom Gottes- Upk!' Brüderlichkeit und Menschen- Ueb€ gelehrt habe!« *Man muß 316 ausrotten! StL;'0hen den Besitz- sie bedrohen den . Das Gift ihrer Lehre dringt ins er ein. In Thracien haben zwei Legio- Verbrik3ert?ert 11110 � 15111 � Thrakern pQ,Der Gelteste der Christen kommt, ein abiarch mit weißem Bart. Prokurator:»In einer Viertelstunde be- «"nen die Zirkusspiele, Alter! Eure Frist ihr VeystricIlen- Ihr lästert unsre Götter; stn daß Handel und Wandel cken; ihr hetzt die Armen wider Staat schw« 42~ WoU4 ihr dem Kreuz ab- deii?°?en CXler VOn'rigern zerrissen wer- sjw P®r Weiteste:»Keiner schwört ab! Wir Weht Di.ener eilles Größeren! Wir töten über ri Wir bedrohen keinen Staat, ter. Reichtum bedroht ihn. Eure Göt- flir 4o4' Wir fordern gerechtes Leben »ejto ermann. Unser Herr und Meister ist öerij�013' 11111 el'en Menschen die Bru- Uy Rrokurator(dazwischenfahrend):»Ge- j���von dem Geschwätz! So redet Ihr noch 2ahrpr Rl!re Bischöfe predigen bereits die t,er' Brill&t ihn in seinen Käfig! Macht Raubtiere frei!« � uuptemnn(dem Abgehenden nach- Gkuh d' ho�udernd):»Welch ein e, welch ein Glaube!« ren ducrh die Straße. Auf dem Karren, gebunden und mit einem Strohkranz im Haar, der Ketzer. Neben dem Wagen bewaffnete Stadtknechte und Priester, die dem Ketzer das Kreuz entgegenhalten. Hinterdrein johlendes, lärmendes Volk. Handwerker vor ihren Läden.»Seht den Schelm! Was hat er getan?« Ein Stadtknecht:»Er lästert die Kirche. Ein Wiedertäufer. Hört sein Geplärr!« Der Ketzer(zu den Priestern):»Ihr habt das Wort eures Meisters geschändet! Ihr dient den Mächtigen! In der Welt herrscht Mord und Brand, ihr aber seht zu und mästet gemächlich eure Bäuche! Ist dies das Reich des Friedens und der Menschenliebe---« Hellebarden schlagen ihm auf den Mund, die Priester fuchteln »Morgen kommt Besuch der ausländischen Presseschwengel, verstanden Ihr Schweine! Euch gehts gut, niemand wird geschlagen, verstanden? Wer was anders sagt, kann seine Knochen im Bunker zusammenklauben.«— Einen Tag später. Dunggrube. Darin ein Rabbiner. Er soll im Mist eine Predigt halten, verweigert die Gotteslästerung, wird geschlagen, bis er zusammenbricht. — Nach einer Weile steht derselbe Mann an der Dunggrube, soll über jüdische Religion sprechen. Er beginnt:»Auch für den jüdischen Glauben gilt als oberstes Gebot das große Wort: liebe Deine Nächsten...« Scharführer, brüllend:» Hund elender, wir werden Dir die Nächstenliebe austreiben!« SS-Leute stürzen sich mit �.Mittelalterliche Stadt Von etQ Esel gezogen, rollt ein Schinderkar- mlt ihren Kreuzen in der Luft. Die Armensünderglocke läutet Ein Handwerker;»Hast du gehört, Nachbar? Wir Nürnberger sollen mit den Augsburgern in ewigem Frieden leben?! Solch ein Schelm!« * Hitlerdeutschland. Durch die Straßen rollt langsam ein Lastauto. Oben, auf einer Bank sitzend, ein Mann, das graue Haar in Hakenkreuzform ausgeschnitten, Um den Wagen braune Uniformen, Karabiner über den Rücken. Eine johlende Meute, mit Hakenkreuzen geschmückt, verhöhnen den Mann auf dem Wagen mit Zurufen. Straßenpassanten bleiben stehen, schauen kopfschüttelnd oder angekelt über das Treiben hin. Einige Frauen weinen. Eine alte Frau;»Wer ist das? Weshalb quält man ihn?«— Ein Arbeiter:»Ein Schwerverbrecher, Mutter... Er hat Frieden, Brüderlichkeit, Menschenliebe gepredigt und für die Armen gewirkt! Er hat eine Gesinnung, die nicht verboten, aber auch nicht erlaubt ist...« Ein Nazi hört den Arbeiter, man packt ihn, schlägt ihn, schleppt ihn mit fort.— Konzentrationslager. Die Häftlinge sind angetreten. Der SS-Führer: Gummiknüppeln und Karabinerkolben auf den Wehrlosen. Bewußt wird er fortgetragen---. Bis hierher war der Redner gekommen, gebannt und beklommen hatten die Hunderte gelauscht— da geschah der große AufschreL Männer sprangen von den Stühlen:»Hinweg mit der Schande!— Man muß sich schämen, ein Mensch zu sein!« Der Zornschrei eines ganzen Raumes quoll empor, selbst die Wände schienen zitternd und unheimlich belebt. Ein junger Mensch aber hatte sich vorgeschoben, sah zum Redner auf und fragte in eine plötzlich wieder atemlos gewordene Stille, mit einer Stimme, die so scheu klang, als fürchte sich der Jüngling vor der Antwort:»Also hätte sich in zweitausend Jahren an den Menschen nichts geändert? Also lebten wir nur für eine kleine bessere Minderheit? Oder wäre gar richtig, was die Flauen und Feigen sagen: pfeift auf Glauben und Ideale, schlagt Euch den Bauch voll, haut Euren Nächsten übers Ohr-- nichts hätte sich am Menschen geändert?!« Tief und befreit schöpfte der Redner Luft, so, als habe der Aufschrei des Saales einen Alb davongefegt Schweiß glänzte auf des Redners Stirn und lächelnd sah er zu dem fragenden Jüngling hinab:»O doch, es hat sich im Menschen etwas geändert: das sittliche Bewußtsein. Noch immer kann mitten in Europa eine krankhafte Barbarenbande mit Wahnsinn, Greuel, Folter und Menschenschändung herrschen. Aber wer von ihnen wagt sich zur Bestialität zu bekennen? Die Greuel früherer Zeiten — die stimmten mit den Gesetzen überein, aber wer von den faschistischen Banden- führem steht öffentlich zu den Schandtaten seiner Prätorianer? Das alles sind »Mißgriffe untergeordneter Instanzen ...« Die Greuel- und Foltergesetze des Mittelalters wagt man nicht. Das sittliche Gewissen der aber Millionen Menschlichen ist eine zu starke Macht geworden. Die Untermenschen flüchten in die Heuchelei. Das aber ist die Feigheit des Bösen, das ist die Defensive der Bestie. Sie hat keinen andren Weg mehr!« Karl Rothe. Masodiismus In Berlin lebt ein Dr. Max Naumann, Vorstizender des»Verbandes nationaldeutscher Juden«, einer Gruppe seltsamer Amokläufer, die bestrebt ist, antisemitischer zu sein als die Antisemiten. Sie versichern immer wieder, daß sie gar nichts, rein gar nichts vom Nationalsozialismus trenne und sie quittieren als echte Masochisten jede Backfeige, die ihnen das Regime verabfolgt, mit umso betäubenderem Heigeschrei. In Paris geben die antisemitisch-faschistischen »Kreuzritter« die Zeitung»La Croix«, eine Art Gegenstück zu Streichers»Stürmer« heraus, das zwischen getarnten Erpressungen und unaufhörlichen Galgenrufen hin- und herpendelt. In diesem Blättchen ist der Präses der nationaldeutschen Juden zu Wort gekommen. Und er schreibt, in wörtlicher Ueber- setzung, folgendes: »Wir national deutschen Juden hätten es als ein nationales Unglück für Deutschland und für uns deutschnationale Juden gehalten, wenn Hitler nicht die Geschicke des deutschen Volkes in die Hand genommen hätte.« Es wäre also, sagt dieser Naumann, ein Unglück für die deutschen Juden gewesen, wenn man sie nicht in den Konzentrationslagern mit Nilpferdpeltsch�n geprügelt und mit Gewehrkolben totgeschlagen hätte— es wäre ein Unglück für sie gewesen, wenn sie nicht aus ihren Stellungen gejagt, zu Zehntausenden brotlos gemacht, jiicht zu Parias degradiert worden wären, die man tagtäglich, vom Staat gesegnet, mit Schmutz bewerfen darf. Es wäre ein Unglück für sie, wenn sie nicht Freiwild für sadistische Burschen wären, die in die intimsten Bezirke ihres Lebens eindringen, um sie»auszurotten.« Diesen Naumann und die Individuen seines Schlages soll man nicht weiter analysieren. Aber es ist vielleicht die widerwärtigste Begleiterscheinung eines Systems aus Terror, Blut und Gemeinheit, daß es gespenstische Flagellanten von der Art eines Max Naumann aus der Linie der Psychiatrie heraushebt und zu einem Faktor der deutschen Politik werden läßt. Und so sieht die auch aus! Pierre. Reinrassiges Blut nur den Reinrassigen! Der sogenannte Bluttransfusions-Diensi war für ganz Berlin bisher beim Virchow Krankenhaus zentralisiert. Diese Anstal Uberwies allen anderen Berliner Krankenhäu sern immer nach Bedarf und Anforderunj Blutspender. Jetzt hat das Vlrchow-Kran kenhaus dem Berliner Jüdischen Kranken haus und auch den anderen Jüdischen Kran kenanstalten mitgeteilt, daß sie sich vom 30 November ab ihre Blutspender selbst ver schaffen müßten. Ihre Aufgabe Auf einer Tagung des Bundes Nationalsozialistischer Deutscher Juristen in München sagte der Reichsjuristenführer. Reichsjustizkommissar und Minister Dr. Franck: »Der Stand der deutschen Rechtsdiener hat die stolze Aufgabe, die Rechtswache des Führers zu sein.« Das heißt: die deutschen Juristen haben nicht über das Recht, sondern Uber den Führer zu wachen. Der Führer hat es nötig, das Recht ist ohnehin tot. 1. Buch Mösls I, 28 HtöUt wkd tiidu 6m Q WWWIfwrlr ww WlrwW WSrlrSrV 9MW ww Am 27. November, im Jahre II des Dritten Reiches gab es in der PragerstraBe in Dresden eine Szene, die bei den an ungewöhnliche Schauspiele doch nun schon reichlich gewöhnten Volksgenossen einiges Aufsehen erregte. Aus dem Residenzkaufhaus, kurzweg Re-Ka genannt, einem der größten Warenhäuser Dresdens, holte die Polizei 36 Verkäuferinnen ab, die sich nicht zum Eintritt in den weiblichen Freiwilligen« Arbeltsdienst gemeldet hatten. Nun wurden sie während der Geschäftszeit 0 vor den Augen der Käufer von den schon weihnachtlich geschmückten Verkaufstischen gewaltsam weggeholt, wie sie gingen und standen auf Lastautos verladen und abtransportiert. In gleicher Weise wurde mit Arbeiterinnen und weiblichen Angestellten der Schuhfabrik Keil in Radebeul bei Dresden verfahren. Wie weiter mit ihnen verfahren wird, kann man nur ahnen, wenn man hört, daß am 8. November im Trianon in Dresden eine Versammlung der polltlqchen Leiter und Amtswalter des Freiwilligen Arbeltsdienstes(FAD) stattgefunden hat, in der der Reichsstatthalter Mutschmann höchst persönlich sprach. Er hatte derart heikle Dinge zu erörtern, daB, bevor er begann,' vorsichtshalber sämtliche Kellner aus dem Saale gewiesen wurden. Eis ist aber doch durch die Wände gesickert, daß Mutschmann über die Schweinerei in den Mädchen-Arbeitsdienstlagern gesprochen und dabei erwähnt hat, daß in einigen dieser Lager die Hälfte der Mädchen schwanger sei. Im Lager Radeberg bei Dresden sollen es sogar siebzig Prozent sein! Diese etwas zu praktische»Bevölkerungspolitik« der braunen Männchen soll übrigens auch einer der Gründe sein, die den»Führer« veranlaßt haben, in letzter Zeit einige Male, zuletzt Mitte November, nach Dresden zu kommen; still, ohne Paraden und unter beflissener Vermeidung alles Aufsehens hat er als Gast in Mutschmanns Villa geweilt, und man will belauscht haben, wie er stehend. mit fuchtelnden Fäusten heftig auf Mutschmann eingeredet habe— mag dieses schöne lebende Bild auch erträumt sein, so kann wohl selten ein Traumbild der möglichen Wirklichkeit so nahe kommen, denn Grund zur Aufregung wäre das schon, wenn an jedes Mädchen-Arbeitsdienstlager gleich ein Wöchnerinnenhelm angebaut werden müßte; soviel Geld bat nicht einmal das Dritte Reich! Eis ist ja noch schlimmer: auch der Bund deutscher Mädchen(BdM) vermehrt sich verblüffend rasch.' Im Rudolf-Heß-Krankenhaus in Dresden(früher schlicht Johannstädter Krankenhaus genannt) hat man eine besondere Abteilung für BdM-Mädels einrichten müssen. Nicht etwa, um dort deutsche Mädchen als Krankenpflegerinnen auszubilden, sondern um die Mädchen selber zu pflegen — nach künstlich herbeigeführten Fehlgeburten oder für die Dauer der nicht unterbro- »Danket dem Herrgott,■ der treu sich zu Deutschland bekannte, der in Verwirrung und Ohnmacht den Retter uns sandte, der ihn durch Not schuf für der Freiheit Gebot. daß er des Volkes Not wandte. Schmählich am Boden lag Handel und Arbeit und Leben. Hunger und Elend zerbröckelten Willen und Streben. Gottlose Wut zielte nach Seele und Gut. Nirgends schien Hell uns gegeben. Da kam der Mann, den der Herrgott zum Höchsten geleitet, den er den Willen gestählt und das Auge geweitet. Seele und Sein, setzt' er zum Geisteskampf ein. Bis ihm die Stunde bereitet. Volkbelt im Kern hat er Deutschland im Tiefsten gefunden, ist nun unlöslich mit all unsrer Liebe verbunden, Führt nun mit Macht, Eifer und weisem Bedacht, Heilet ijun all unsere Wunden. Vater im Himmel, schenk all' seinen Plänen Gelingen, Schütze sein Leben und wahr' seinem Geiste die Schwingen. Wir schaun auf ihn, segne in Gnaden sein Müh'n, Neu uns zu Eiiren zu bringen.« • Das ist ein poetischer Erguß des Pfarrers Hosenthlen, der dieses völkische Elaborat im Pfarrerblatt(Nr. 41, 1934) veröffentlicht. Die gläubigen Nazlschäflein sollen das Lied nach der Melodie»Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren« singen. Wir können hier beobachten, wie eine neue Nazimythologie entsteht. Der Führer ebenen Schwangerschaft bis zur Geburt neuer »Deutscher Mädels« und kleiner Hltlerjun- gen, die diesen BdM-Mädels von ihren braunen Kameraden gemacht worden sind. Man flüstert, daß es vorwiegend Führer- und Bonzensprößlinge sein sollen, die da das gleichgeschaltete Licht der Welt»Uber alles in der Welt« erblicken oder auch nicht erblicken werden. Das alles ist beileibe kein Witz! In der Woche vom 17. bis 25. November des Jahres LI lagen in einem Saal mit 24 Betten 16 BdM-Mädels— alle wegen solcher»Geschichten«! Und wer ist schuld daran? Natürlich die Juden! Denn ein Jude war es— Moses hieß der Slttenverderber— ,* der behauptet und geschrieben hat. Gott der Herr habe geboten: Seid fruchtbar und mehret Euch...! Manfred. tritt immerznehr an die Stelle von Christus. Der Nazismus wird die neue Ertösungslehre. Aua der Bewegung selbst werden Gestalten herausgearbeitet, die dem Kultus der Massen dienen sollen. Sie tragen nationalistische, revolutionäre und militaristische Züge und werden, wie Leo Sohlageter und Horst Wessel, als Vorbilder für die Jugend hingestellt. Es seien Männer, würdig der Verehrung des ganzen Volkes. Ueber ihr Privatleben, das mit moralischer Reinheit ebensowenig zu tun hat wie mit christlicher Ethik, wird absichtlich hinweggesehen. In seiner Schrift»Die Kirche und das Dritte Reich« läßt sich der Unlversitätapro- fessor Nlebergall, Marburg, Uber die Person Hitlers folgendermaßen aus:»Sie wird last in das Licht religiöser Verehrung gerückt; ihr fliegt geradezu ein religiöser Glaube entgegen. Alle Affekte, wie sie der Religion eigen sind, machen sich laut bemerkbar. Begeisterung, Hoffnung, Leidenschaft, Liebe und furchtbarer Haß gegen alle anders Gläubigen; es ist der Anspruch der Religion auf Absolutheit, der hier wirkt Wir haben also eine Ersatzreligion oder einen Religionsersatz vor uns, eine»verkappte Religion«, die »Sakralisierung« eines Menschen, einen unter den Göttern des Abendlandes.« Der Versuch, anstelle religiöser Vorgänge und Gestalten solche politischen Charakters und nazistischer Prägung zu setzen, wird auch in dem in Berlin erschienenen, mit dem Bilde eines Weihnachtsbaumes, zwei Engeln und dem Hakenkreuz geschmückten Buch »Weihnachten im Dritten Reich« gemacht. Die Schrift enthält Gedichte von Fritz von Rabenau. Darunter findet sich auch das uralte Weihnachtslied»Stille Nacht, heilige Nacht«, jedoch in der Weise verändert, daß anstelle der helligen Familie Adolf Hitler tritt: Stille Nacht, heilige Nacht, Alles schläft, einsam wacht Nur der Kanzler zu treuer Hut, wacht zu Deutschlands Gedeihen gut Immer für uns bedacht. Stille Nacht, heilige Nacht, Alles schläft einsam wacht Adolf Hitler für Deutschlands Geschick. Führt uns zu Größe, zu Ruhm und zum Glück. Gibt uns Deutschen die Macht In einem anderen Gedicht»Der Erlöser« werden der Heiland, der die Welt von der Sünde erlöste und Hitler, der Deutschland erlöste durch die politische»Revolution« 1933, nebeneinander gestellt: Im fernen Ost erstand Aus Gottes Vaterhand Der Heiland, der die Welt beglückt. Für unser Deutsches Land Hat Christus uns gesandt, Den Führer, der uns all* entzückt Im fernen Ost einst bracht' Erlösung aus der Nacht Der Gottessohn durch Opfertod. Durch Hitler unserm Land Erlöser jetzt erstand Zu ewig hellem Morgenrot Der Glaube, daß Gott Hitler geschickt habe, um das deutsche Volk zu erretten, ist Gemeingut aller deutschen Christen. Also hat Gott die Welt geUebt, daß er ihr Adolf Hitler sandte. Vor den Augen der Kritik aber reprä* sentiert sich diese Modereligion mit ihrer Dichterei als eine Bühne, auf der die polltischen Regisseure eilig hin- und herlaufen, um das Feuerwerk des Hitlerkultus immer wi«" der von Neuem zu entzünden. Unten aber stehen die»Rückhaltlosen«, Unbeleh1"* baren, umnebelt vom metaphysischen Rauch nazistischer Propagandistik. Paclflcus. tut Wunsdi efes Führers Die»Deutsche Zeitung« tadelt ein Inserat, das in einem ostdeutschen Großstadtblatt erschien und also lautete: »Mein Führer wünscht, daß ich mich verheirate. Aus diesem Grunde suche ich ein junges evangelisches Mädchen� rein arischer Abstammung, blond, vollschlank und reich.« Was bat die»Deutsche Zeitung« da zu meckern? Sein Führer wünscht«s doch wirklich. 3000 sdiwangere Landhelferinnen Die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung wandte sich Ende November an die NS- Volkswohifahrt mit der Bitte, für mehr als 2000 schwanger gewordene Landhelferinnen (der überwiegende Teil von ihnen hat das 20. Lebensjahr noch nicht erreicht!) Hilfsmaßnahmen zu ergreifen, da dieses nicht zum Tätigkeitsbereich der Reichsanstalt gehöre. Die NS- Volkswohlfahrt hat das Ersuchen n»11 dem Hinweis abgelehnt, daß nach der Vereinbarung zwischen dem Präsidenten der Reich'' anstalt und dem Jugendf Uhrer des Deutschen Reiches dieser für die Betreuung aller La»«1' heller und-helferinnen zuständig sei,*�a0 auch für die 2000 schwanger geworden«0 Mädchen. _-• Es ist gelungen! Die„Umschau" in Frankfurt a. M. ver" kündet: „Die Rückzüchtung des altgermanlscb«0 Waldpferdes Ist gelungen! Das wiedererst*0* dene altgermanische Waldpferd mit dunkl«1 Mähne, dunklem Schwanz und„Bart" a"* Kinnbacken." Hallelujah! Das Regime Ist rehablllti«rt! Was wiegen Hunger, Ersatzstoffe und Columbia-Häuser gegen das Verdienst, dem alt'0 germanischen Waldpferd wieder auf die Bein' geholfen zu haben! Der Weg ins Exil Weihnachten 1933 entfloh Ich meinem Vaterland. Ein»Staatsfeind« und»Hochverräter«, ein Vogelfreier, ein— deutscher Soziallst. Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen... • 24. Dezember 1933, nachmittags. Die Stadt rüstet sich für den Abend, den man den heiligen nennt. Jeder, der Zeit und Geld hat, ist auf den Beinen, die letzten Einkäufe für das Fest zu machen. Ich fahre mit der Straßenbahn, stehe eingeklemmt zwischen lachenden Menschen, die mit Paketen beladen heimzu eilen. Der Schaffner grüßt mich mit»Heil Hitler!«. Ich antworte nicht, der Mann guckt mir erstaunt ins Gesicht und erkennt mich. Es ist ein ehemaliger Genosse, der»rechtzeitig« zu den Nazis übertrat. Er wird Uber und über rot, senkt den Blick, murmelt »Frohes Fest!« und wendet sich dem nächsten Fahrgast zu... Mich packt Angst. Der Schaffner kennt mich! Und im Wagen habe ich noch ein paar bekannte Gesichter entdeckt. Wurde nicht mein Name geflüstert? Man weiß in der Stadt, daß ich unter Polizeiaufsieht stehe und die Stadtgrenze nicht Uberschreiten darf, über die die Straßenbahn gleich hinwegfahren wird. Ein Wink an einen SA-Mann(ihrer drei sitzen im Wagen) genügt, und alles ist verloren... Aber meine Angst ist grundlos. Niemand achtet auf mich. Die Fahrt dauert eine Ewigkeit. Endlich die Zielstation. Weit draußen in einem Vorort, der schon ganz ländlich auaschaut. Ich steige aus. Fern am Horizont, im ersten Dämmer verscbwlmmend, dlo Türme und Dächer der Stadt, die meiner Kindheit, meiner Kämpfe und Leiden Stätte war. Heimat... Wann werde ich sie wiedersehen? Ihnen Augenblick lang packt mich Abschiedsweh. Ich schüttle es ab. Es ist jetzt nicht Zelt zu träumen. Es gilt wach zu rein. • Von dem kleinen Vorortbahnhof fahre ich mit der Bimmelbahn zur nächsten Kleinstadt. So hoffe ich der Gestapo zu entkommen. Wahnsinn wäre es gewesen, auf den Hauptbahnhof zu gehen und in einen Fernzug zu steigen... Niemand im Abteil kennt mich. Ich fühle mich plötzlich so sicher und geborgen, als wäre die Flucht schon gelungen. Die Mitfahrenden reden vom Fest und vom Urteil im Lubbeprozefl, Bin Dicker mit Hakenkreuz schimpft auf die Richter, weil sie Diraitroff freigesprochen haben. »Der Halunke, der Bandit, der rote! Ebne Schande, den laufen zu lassen! Na, das letzte Wort hat Göring. Der wird ihnen schon zeigen, was ne Hsrke ist, unser eiserner Hermann!...< »Aber Dimltroffs Schuld ist doch nicht erwiesen«, wagt ein anderer vorsichtig einzuwenden- »Erwiesen?« Der Dicke wird rot vor Wut. »Erwiesen? Mann, wir leben im dritten Reich! Sie sind wohl ein Mandat?« Ich will mich ins Gespräch mischen, aber die Vorsehung wehrt gütig meinem Leichtsinn. Denn im gleichen Nu hält der Zug und ich muß aussteigen. Ich fühle, wie der Dicke mir argwöhnisch nachäugt... Ich laufe in den Straßen des kleinen, mir von mancher heiteren Sommerfahrt her vortrauten Städtchens herum. Sie sind dunkel und einsam. Die paar ärmlichen Kramläden machen Feierabend. Hier glbts nicht den letzten Käuferansturm vor Festbeginn, wie in der Großstadt. Das Leben läuft geruhsamer und planvoller. Ich habe noch anderthalb Stunden Zelt (Qual des Wartens!), dann kommt der Eilzug, mit dem Ich weiter will. Vom Himmel rieselt ein Gemisch aus Schnee und Regen. Mit einemmal leuchten hinter den Fenstern der kleinen altmodischen Häuschen die ersten Lichterbäume auf. Kinderstimmen singen Welhnachtslleder. Dann schmettert feierlich Trompetenklang. Vom Kirchturm blasen che Stadtmuslcl einen alten Choral... Erst ist es Rührung, die mich anfaßt, dann Zorn, heller Zorn. Lüge, Lüge!— schreit es auf in mir. Friede auf Erden? Den Menschen ein Wohlgefallen? Seht her, hier steht einer, dessen Verbrechen es ist, daß er nicht schweigen konnte zu Mord und Raub und Volks betrug, einer der für seines Landes Freiheit und Würde gekämpft hat und der dafür von Glück sagen muß, wenn er bei Nacht und Nebel seinem Vaterland entrinnen kann!... Kindersang und Choralgeschmetter. Und hinter Kerkermauern verhallen ungebört die Todesschreie meiner Kameraden... Kerzengefunkel aus allen Fenstern. Ich wandere straßauf, straßab. Vor einem der Häuser bleibe ich stehn. Ich weiß; hier wohnt ein Genosse, ein tapferer, aufrechter Kerl, felsenfest zuverlässig, erprobt in tausend Stürmen. SoU ich die Klingel ziehen, bin«!0' gehen zu ihm, Ihm noch einmal die H«0 drücken?... Ich darf es nicht. Wer we'®' ob nicht Nachbarn mit Argu saugen M*0* Schwelle bewachen. Ich darf und Ich will B1*" manden in den Unheilsstrudel hinelnrelß00* dem ich zu entrinnen trachte. Leb wohl, alter guter Kamerad! Und-*' auf Wiedersehen! Mit dem Eilzug In die Nacht hinein• Der Zug rast, aber die Zelt schleicht dahl0, Sekunde um Sekunde, Minute um Minute. Einer der Mitfahrenden sagt:»ich freu« mich so auf zu Hause. Zwei Monate war 1 unterwegs, jetzt geht es heim!« Der 01 ne kehrt heim, der andre flieht ins Vngvrt***' So ist das Leben. So grausam grell konti* stiert es die Kulissen, zwischen denen un**1� Schicksale sich erfüllen. Einer fragt, wohin ich fahre.»In' � blrge! Eine Ferien tour in den Winter..•* »Ah, da sind Sie zu beneiden, zu to*** gehört Geld...« Wenn der wüßte, daß die paar Notd0" sehen von Genossen für mich zusamm«0�* kratzt, sich knapp hinter der Grenze 10 � Nichts aufgelöst haben werden, dem ich dÄ gegenüberstehe. Und dazu die Angst, gefaßt zu wwd'0, ehe ich sie erreiche, die Grenze... • Station. Ein Mann steigt ins Abteil- � fühle, wie ich erbleiche. Das ist Je d*r ein Nazi aus meiner Heimatstadt!.... Er nimmt mir gegenüber Platz. Ich gi\' wie erstarrt, mühe mich um eine unbefseff Geste. Endlich— der Zug fährt schon wieder Ersatzweihnadit Also sprach der Führer durch«Ine neudeutsche Weihnachtsschau: »Meine Damen, deutsche Frauen, Volks- Genossinnen! Sie sehen unye gigantische, eintrittsfreie Weih nach tssch&u, die ihresgleichen in der ganzen Weit sucht. Nach vierzehn Jahren der Schmach und MiBwlrtscbaft erstrahlen die Lichter am deutschen Weihnachtsbaum wieder heller. Die Tanne, die in der Mitte des Saales •tolz emporragt, wurzelte vormals mit ihrem deutschen Blut im Boden der Neu-Nlmptscher Heimaterde, sie wurde von der rein arischen Firma Feder& Co. beigestellt. Der Inhaber legt wert darauf, nicht mit dem verachtungs- *Urdlgen Schöpfer des nationalsozialistischen Wirtschaf tsprogramm es identisch zu sein. Zunächst führen wir Ihnen unsern neuen Patent-Eintopf mit Signalpfeife vor. Beim Nahen des sonntäglichen Eintopf-Sammlers entsendet er einen schrillen Warnungspfiff hhd strömt ärmlichen Kohlgeruch aus. Der zweite Tisch rechterhand wird die blauen Augen unsrer Damen aufleuchten machen. Neue Wollstra-Kostüme mit nur leichten Webefehlern in der braunen Modefarbe, die hunderterlei Schattierungen zuläßt. Dem dinarischen Frauenbein schmiegt sich besonders kleidsam unser Vlstrast rümpf an. Die nach kurzem Tragen sichtbar werdende Dauerlaufmasche verleiht Ihm sportliche Note. Der ostisch überlagerte Busen wird von Unsem Wollstra-Reformkleldcm vorzüglich kaschiert. Die knabenhafte Schlankheit des nordischen Jungmädchentums gelangt in der Kletterweste aus gleichem Stoff zu vollendetem Ausdruck. Sie sehen: beigemischte Alt- "clle. Bestes großmiltterllches Brauchtum. �czu diese grazlösen Schuhe. Ihr Material nnterscheldet sich kaum von echtem Leder, Ihre Gummlrol-Absätzc überdauern tausend. Jahre wie einen Tag. Kein hitlertreues Kraft- durch-Preudemädchen wird wunschlos an Ihnen vorübergehen. Der neuste Scherzartikel:»Die Büchse der Pandora«. Sie treten zu einem guten Bekannten und strecken ihm diese täuschend �hte Sammelbüchse entgegen. Er erschrickt heftig, wehrt ab, wendet sich zum Gehen. Da schnappt eine Feder, der Deckel springt auf— und unser köstliches Schokoladinkon-' tekt lacht dem Geneckten entgegen. Es wird lhm nach Uberstandenem Schrecken prächtig, oiunden.........—_— � A4 de* StheHethauie*! i Ein autrechter Reiniger beklagt sich Als besonders sinniges Geschenk empfeh- 'en wir eine Rolle neudeutschen Zwirns. Viel- Izlcht hat ihre Freundin tagelang vergeblich "he Kurzwarengeschäfte durchstreift, vlel- l®lcht liegt der zugeschnittene Vlstra-Wäsche- •toff zuhause, und sie rauft sich die Haare. *611 sie nicht weiß, womit sie das kostbare ®®webe zusammennähen soll. Da kommen sie his Haus und reichen ihr unsern Faden aus Insten, haltbarsten Papierabfällen, und alle ®orgenwolken sind verflogen. Haben Sie schon unsre fettarme Tonsetfe '•raucht? Sie enthält garantiert nichts, was ••nst zur Seifenherstellung dient, und läßt arischen Teint in doppelter Reinheit Die Anklageschrift, die wir hier veröffentlichen, ging uns von einem Deutschen zu, dem die Reinigung des germanischen Geisteslebens am Herzen liegt, der eine scharfe Unterscheidung zwischen nationalsozialistischem und staatsgefährlichem Gedankengut herbeisehnt: Volksgenossen! Es ist eine Schmach und eine Schande, was für zersetzende Schriften heute noch im deutschen Volke verbreitet und gelesen werden dürfen, ohne daß die Regierung dagegen einschreitet. Ich zitiere hier einige Stellen aus gewissen Büchern, die in öffentlichen Leihbibliotheken ganz schamlos verliehen, die in BUcherläden ohne Scheu ausgestellt werden. Sie tfelbst mögen entscheiden, ob der Autor, der mit frecher Stirn die heiligsten Belange der Nation zu schmähen wagt, zu den hetzerischen Elementen gehört oder nicht, ob seine Bücher den Scheiterhaufen verdienen oder ob sie dem deutschen Volk, der deutschen Jugend welter verkauft, Ja empfohlen werden dürfen. Bedenken Sie, daß die folgenden Zitate nur eine kleine, willkürliche Auslese bedeuten und daß sie beliebig erweitert werden könnten. Sie entstammen im übrigen alle der Feder des gleichen Autors(ich habe zur besseren Kennzeichnung nur die Ueberschriften hinzugefügt) und lauten: Verjudung als Fortschritts Zwei Religionen, welche den größten Teil der bewohnten Erde beherrschen, das Christentum und der Islamismus, stützen sich beide auf die Religion der Hebräer, und ohne diese würde es niemals weder ein Christentum noch einen Koran gegeben haben. Ja, in einem gewissen Sinne ist es unwiderleglich wahr, daß wir der mosaischen Religion einen großen Teil der Aufklärung danken, deren wir uns heutigen Tages erfreuen. Gegen Wotan: Durch die mosaische Religion wurde eine kostbare Wahrheit, welche die sich selbst überlassene Vernunft erst nach einer langsamen Entwicklung würde gefunden haben, die Lehre von dem einigen Gott, vorläufig unter dem Volke verbreitet und als ein Gegenstand des blinden Glaubens solange unter demselben erhalten, bis sie endlich in den helleren Köpfen zu einem Vernunftbegriff reifen konnte. Dadurch wurden einem großen Teil des Menschengeschlechtes alle die trau- erstrahlen. Etwa entstehende Risse sind mit unserem Pudorln-Ersatz leicht abzudichten. Damit ist unser Rundgang beendet. Deutschland erwachte zu neuem Wohlstand — unsere Schau hat es klar bewiesen. Wir Bingen zum Schluß das Horst-Wessel-Lled Am Ausgang erwartet sie ein Gabenteller, in den freiwillige Spenden zu hinterlegen sind. Wer sich weigert zu zahlen, verläßt den Saal nicht lebendig.« rlgen Irrwege erspart, worauf der Glaube an Vielgötterei zuletzt führen muß, und die hebräische Verfassung erhielt den ausschließenden Vorzug, daß die Religion der Welsen mit der Volksrellglon nicht in direktem Widerspruche stand, wie es doch bei den aufgeklärten Heiden der Fall war. Gegen Streicher: Von diesem Standpunkt betrachtet, muß uns die Nation der Hebräer als ein wichtiges universalhistorisches Volk erscheinen, und alles Böse, welches man diesem Volke nachzusagen gewöhnt ist, alle Bemühungen witziger Köpfe, es zu verkleinern, werden uns nicht hindern, gerecht gegen dasselbe zu sein. Tausend Jahre Drittes Reich? Alles darf dem Besten des Staates zum Opfer gebracht werden, nur dasjenige nicht, dem der Staat selbst nur als ein Mittel dient. Der Staat selbst ist niemals Zweck, er ist nur wichtig als eine Bedingung, unter welcher der Zweck der Menschheit erfüllt werden kann, und dieser Zweck der Menschheit ist kein anderer, als Ausbüdung aller Kräfte des Menschen, Fortschreitung. Hindert eine Staatsverfassung, daß alle Kräfte, die Im Menschen liegen, sich entwickeln; hindert sie die Fortschreitung des Geistes, so ist sie verwerflich und schädlich. Ihre Dauerhaftigkeit selbst gereicht ihr alsdann vielmehr zum Vorwurf als zum Ruhme— sie ist dann nur ein verlängertes Uebel; je länger sie Bestand hat, um so schädlicher ist sie. Heldenmütter: Lange Zelt hat man jene spartanische Mutter bewundert, die ihren aus dem Treffen entkommenen Söhn mit Unwillen von sich stößt und nach dem Tempel eilt, den Göttern für den Gefallenen zu danken. Zu einer solchen unnatürlichen Stärke des Geistes hätte man der Menschheit nicht Glück wünschen sollen. Eine zärtliche Mutter ist eine weit schönere Erscheinung In der moralischen Welt, als ein heroisches Zwittergeschöpf, das die natürliche Empfindung verleugnet, um . eine künstliche Pflicht zu befriedig;?«,.,., Autarkie: Aller Kunstfleiß war aus dem Lande ver� bannt, alle Wissenschaften wurden vernachlässigt, aller Handelsverkehr mit fremden Völkern verboten, alles Auswärtige wurde ausgeschlossen. Dadurch wurden alle Kanäle gesperrt, wodurch einer Nation helle Begriffe zufließen konnten; in einer ewigen Einförmigkeit, In einem traurigen Egoismus sollte sich der Staat ewig nur um sich selbst bewegen. Blut und Boden Schändlich! Schändlich! Wir haben aus der geheiligten Asche unserer Väter unsere Harlekinsmasken zurechtgestoppelt, wir haben unsere Schellenkappen mit der Weisheit der Vorwelt gefüttert. Führer von einst Es scheint dem Gang der Dinge gemäß, daß der erste König ein Usurpator war, den nicht ein freiwilliger einstimmiger Ruf der Nation(denn damals war noch keine Nation), sondern Gewalt und Glück und eine schlagfertige Miliz auf den Thron setzten. Wen meint er? Seine Gesetze sind der Versuch eines Anfängers in der Kunst, Menschen zu regieren. Schrecken ist das einzige Instrument, wodurch er wirkt. Er straft nur begangenes Uebel, er verhindert es nicht, er bekümmert sich nicht darum, die Quellen desselben zu verstopfen. Kritikaster: Das Geschäft aller vereinigten Bürger war, sich zu erhalten, was sie besaßen, und zu bleiben, was sie waren, nichts Neues zu bewerben, nicht auf eine höhere Stufe zu steigen. Unerbittliche Gesetze mußten darüber wachen, daß- der Fortschritt der Zelt an der Form der Gesetze nichts veränderte. Um diese lokale, diese temporäre Verfassung dauerhaft zu machen, mußte man den Geist des Volks auf derjenigen Stelle festhalten, worauf er bei ihrer Gründung bestanden. Wühlmaus: Die schönsten Träume von Freiheit werden im Kerker geträumt. Das kühnste Ideal einer Menschenrepublik, allgemeiner Duldung und Gewissensfreiheit, wo konnte es besser und natürlicher zur Welt geboren werden, als in der Nähe Philipps des Zweiten und seiner Inquisition? • Ich hoffe— das genügt! Und der Name des verderblichen Zersetzers soll ihnen nicht vorenthalten werden. Er lautet: Friedrich Schiller! Nachzulesen sind die angeführten Stellen in:»Etwas Uber die erste Men- schengesellschaft nach dem Leitfaden der mosaischen Urkunde«,»Die Sendung Moses« —»Die Gesetzgebung des Lykurgus und So- Ion«,—»Der Spaziergang unter den Linden« —»Briefe über Don Carlos«. Und diesen Friedrich Schiller feiert der deutsche Rundfunk, vergöttert die deutsche Schule, hebt selbst Herr Dr. Göbbels in den Himmel! Wie sollen wir deutschen Staatsbürger, die wir besten Willens sind, den Gedankengängen der Führer zu folgen, aus dem entsetzlichen Wirrwarr klug werden? Wer hilft uns— wer beantwortet unsere Fragen: was ist in Deutschland erlaubt, was verboten? Was darf geschrieben werden und was nicht? Warum wird Friedrich Schiller nicht verbrannt? Hat Hitler nie etwas von ihm gelesen? • Wa8 Ichs, meinem Gegenüber ins Gesicht zu aehen. Fast hätte ich laut herausgelacht vor eude. Das ist Ja gar nicht der X! Nicht •tatnal eine Spur von Aehnllchkelt. Die �oht hatte mir ein Schreckbild vorge- «•ukelt. Der falsche X holt eine Zeltung aus der Ta«che. ich lese die Titelzeile und hole auch e'lie Zeitung hervor. Wir haben beide die �Voss«. Die ist zwar gleichgeschaltet, aber **r das»Judenblatt« liest, demonstriert, daß ** keln Nazi ist. falsche X und ich,— wir nicken uns '•'ntändnlsvol' zu... • K�lgkeiten vergehen. Endlich— ein Uhr "achts— hält der Zug in K. Ausstelgen, tünf Runden Wartequal. Erst gegen Morgen onunt der Zug, mit dem ich welter kann. 611 tapp# durch die dunkel schlafenden fraßen. Die Weihnachtsbäume sind lange, schon erloschen... Stadttheater. Morgen wird man— er Zettel kündet's— hier den Don Juan 8®ben. Musik.,. Mozart! Für mich eine erne. untergegangene Welt. Wann wird sie auferstehen? Ju ein Hotel? Nein. Zu teuer und zu ge- Irlich. Wohin? Zurück zum Bahnhof, in J*0 tVartesaal. Da sitze ich beim elektrischen elhnachtsbaum und denke: wenn jetzt die 0Uzei kommt. Papiere verlangt.... was "aun? Bichttg, da kommt einer herein, dem man ®h»Kriminaler« drei Mellen weit ansieht, � btr«lehe. er ist sanft gesinnt, von wegen r belügen Nacht. Er trinkt an der Theke einen Schnaps und noch einen und noch einen, dann zottelt er friedüch von dannen. Ich atme auf... Ich versuche zu schlafen, um frisch zu bleiben, denn ich will ja an der Grenze den wohlausgeruhten Touristen mimen. Aber loh kann nicht schlafen. Immer wieder denke ich: zehn Stunden noch, dann ist die Entscheidung gefallen. Freiheit oder Kerker, Leben oder Tod... Zehn Stunden noch. Sie entscheiden über ein Schicksal. Bahnfahrt. Umsteigen. Bahnfahrt. Das Ziel. Ziel? Nein, noch eine Stunde oder mehr, Fußweg bergauf, trennt mich von der Grenze. Der Ausflüglerschwarm, in dem ich unterzutauchen hoffte, ist ausgeblieben. Tauwetter. Nichts für Rodel und Schneeschuh. Während ich vorwärts tappe, erbebt sich Nebel, verschluckt die Welt ringsum. Soll ich Jetzt, so nah am Ziel, den Weg verlleren? Deutschen Grenzern in die Arme laufen? Angstschweiß perlt mir auf der Stirn. Mühsam mahne ich mich zur Besinnung. Aus dem Nebel taucht ein Mann auf. Ein Grenzbeamter... Es kostet Ueberwlndung, aber es muß sein: Ich rufe den Hitlergruß. »Heil Hitler!« Gibt der andere zurück und ist im Nebel verschwunden. Die Uhr sagt mir, daß ich schon fast zwei Stunden gegangen bin. Wo bin ich? Da— ein Stein am Wege. Ein Wegweiser? Auf der einen Seite ist ein großes D aufgemalt und auf der andern steht— CSR!... Der Grenzstein! Der Stein, der Freiheit und Knechtschaft trennt... * Im tschechoslowakischen Grenzdorf sitze ich bei märchenhaft billigem Kaffee und märchenhaft billigem Kuchen im Dorfkrug und feiere mein schönstes Welhnachtsfest. In der Hand halte ich... ein Wunderding. Eine... sozialdemokratische Zeitung. Ich starre sie an, immer wieder. Lesen kann:ch nicht. Das Glück raubt mir die Ruhe. Immer wieder denke ich: alles ist Traum, gleich wirst du erwachen. Und immer wieder rufe ich mir zu: nein, nicht Traum, wache, wahre Wirklichkeit! Ich bin dem Reich Adolf Hitlers entflohen, das Land Masaryks hat mich aufgenommen... Gerettet! S. Xenien Kampf gegen Miesmacher. Bärenstark ist der Riese, nur gegen Zugluft empfindlich; Tödlich trifft ihn der Hauch eines geflüsterten Worts. Gerichtsurteile. Weil Euch selber er fehlt, haßt Ihr bei andern ihn tödlich: Wer bestrafte vordem auch mit Gefängnis den— Witz! Lobredner. »Riesiges Werk ist vollbracht. Erreicht ist Großes.«— Nur leider Sprechen die Herrschenden stets, nie die Beherrschten also. Göbbels gegen Emigranten. Wohl! Verbreitet ist stark die Emigran- tenpsychose. Aber am meisten, mir scheint, leidet der Klumpfuß daran. Furtwängler. Was tun Musiker Euch?— Wenn Ihr von Liebe zur Kunst schwatzt, Hört das kundige Ohr falsche Töne heraus. Methode Eigenlob.# »Wie bescheiden ich bin!— Ich bin so bescheiden!— Bescheiden Rühme nichts ich an mir, nur— wie bescheiden ich bin!« Voraussicht. Zukunft— drum ist uns nicht bang. Soweit sie für uns in Betracht kommt, Haben durch Wechsel wir sie vorbelastet bereits. Braune Studenten. Furchtbar brüllen Protest sie, wenn man Insignlen fortträgt. Hebt man die Lehrfreiheit auf, trampeln sie Beifall dazu. Professor Barth. Wohl, der Glaube gebeut, Gott mehr zu gehorchen als Menschen. Nur vergaßest Du eins: Jetzt ist Hitler der Gott! Der Sammler. Weil vortrefflich er hat per Sammelbüchse gefochten, An sich selber verlieh Göring die Büchsenschütz-Schnur. An Viele. Als das Recht man vernichtet, da habt Ihr Narren gejubelt. Unrecht leidet Ihr nun. Dennoch geschieht Euch— Recht! Mucki. Offiziere der Wirtschaft /■_ � Schwerer Konflikt der Betriebsführer mit der Arbeitsfront Das Fuhrerprinzip ist nach der Durchführung des Arbeitsklavengesetzes und der Neuorganisation der Wirtschaft durch Schacht soweit überspannt worden, daß den Herren Amtswaltern der Deutschen Arbeitsfront allmählich Angst und bange zu werden beginnt. Der Ley hat geglaubt, mit seiner Inspektionsreise durch Deutschland den Herren Unternehmern den täglichen Betriebsappell und die »Soldatische Wirtschaft« beibringen zu müssen. Die kapitalistischen Betriebsführer hatten sich Anfangs noch gesträubt, diese militärische Erziehung ihrer Gefolgschaften einzuführen, weil sie glaubten, daß durch die Betriebsappelle Arbeitszeit verloren gehen könnte. Inzwischen sind sie dazu Ubergegangen, den Betriebsmihtarismus mit dem Rechenstift auszurechnen und siehe da: das pünktliche Antreten der Belegschaft zum Appell hat auf dem Kasernhof ihrer Unternehmungen weit weniger Zeitverluste gebracht, als die besiegte Stoppuhr. Nun spielen die Unternehmer die ihnen auferlegte Eigenschaft als Offiziere der Wirtschaft mit all dem Drill, den sie dem preußischen Militarismus abgeschaut haben. Sie treiben die militärische Disziplin soweit, daß zwischen den Offizieren und den Mannschaften für die Deutsche Arbeitsfront kein Raum mehr übrig bleibt. Die»Wirtschaftswinke« bringen in Heft 108 Ausführungen über »Soldatische Wirtschaft«, die von der Zeitschrift»Der Deutsche Unternehmer«(dieses frühere Zentralorgan der deutschen Arbeitgeberverbände erscheint natürlich weiter) mit Wonne nachgedruckt werden. Unter der Ueberschrift »Wenn der Betriebsführer»Offizier der Wirtschaft« sein soll, muß er auch als Offizier behandelt werden« verkünden die»Wirtschaftswinke«: »Wenn man schon solche militärischen Begriffe auf wirtschaftliche und soziale Dinge überträgt, dann muß man aber auch die Konsequenzen ziehen. Der Offizier ist gewohnt und hat den Anspruch, als verantwortlicher Führer zu handeln. In seinem Befehlsbereich gibt es keinerlei Nebeninstanzen, mit denen er zu verhandeln hat oder die ihm vielleicht sogar Weisungen befehlsmäßig überbringen. Die Stellung eines Betriebsf ührers entspricht aber durchaus nicht der Stellung eines Ofri- ziers, wenn beispielsweise Verwaltungsstellen' der Deutschen Arbeitsfront den Betriebszellenobleuten befehlen, daß bei Teilnahme des Betriebes an Aufmärschen usw. der Betriebszellenobmann für das Antreten des Betriebes zu sorgen habe und den angetretenen Betrieb dann seinem nächsten Arbeitsfrontvorgesetzten melden solle. Unter diesen Verhältnissen ist der Betriebsführer nicht Offizier, sondern lediglich Dekorationsfigur. Bezeichnet man nämlich den Betriebsführer als Offizier, dann ist der Betriebszellenobmann gewissermaßen der Feldwebel; so wie der Feldwebel die Mutter der Kompag- nle war, müßte man den Betriebszellenobmann die Mutter des Betriebes nennen. In einem richtigen Heere gibt es aber nie ein derartiges Verhältnis zwischen Feldwebel und Offizier, wie das eben geschilderte. Der Feldwebel ist dem Offizier unterstellt, er arbeitet unter ihm und nicht neben ihm.«* Die von Hitler zu Offizieren der Wirtschaft ernannten kapitalistischen Unternehmer lassen in ihrer Absage an die Deutsche Arbeitsfront wirklich nichts an Eindeutigkeit zu wünschen übrig. Die Feldwebel der Betriebe— das sind die Pgs Amtswalter— haben das Maul zu halten, wenn die Offiziere befehlen. Die Deutsche Arbeitsfront, der erst kürzlich unter feierlicher Aufmachung durch die Sozialverfassung vom 24. Oktober 1931 eine besondere Mission im Betriebe zuerkannt worden war, hat heute nach den Wirtschaftswinken der Unternehmer In den Arbeits- und Betriebsfragen überhaupt nichts mehr mitzureden. Die Offiziere vorbitten sich die Nebenregierung ihrer Feldwebel— verstanden!— Die Organe der Arbeitsfront sind außer sich ob dieser Verwandlung des Betriebes in einen»Kasernhof, auf dem der Offizier uneingeschränkte Befehlsgewalt hat.« Sie halten es Jetzt— reichlich spät— für eine Verkennung der Aufgaben der Betriebsführer,»wenn diesen, die Offizierseigenscbaft Im militärischen Sinne auf dem Gebiet der Wirtschaft restlos zuerkannt wird.« Vor zwei Wochen waren die soldatischen Betriebsappelle noch der ganze Stolz des Ley. Dieses Gejammere des Ley vermag indes die»Wirtschaftswinke« nicht mehr zu beirren. Sie vervollständigen den Offiziers- Kommentar und sagen weiter: »Soll der Betriebsführer also die Stellung eines Offiziers haben, dann ist es unmöglich, daß zum Beispiel Kreisleitungen der Arbeitsfront die Betriebszellenobleute auffordern, zur Weiterleitung nach oben terminmäßige Berichte über Verhältnisse im Betriebe, über Einstellung des Betriebsführers usw. abzugeben. Diese Berichte erfolgen ja ohne Kenntnis des Betriebsführers und auf einem so hohen ethischen Stande befindet sich die Menschheit leider noch nicht, daß in solchen Berichten nicht negative menschliche Eigenschaften hier und da maßgebend sind.« Wenn die Hitler-Offiziere der deutschen Wirtschaft schon von den Amtswaltern der Deutschen Arbeitsfront hinsichtlich ihres»ethischen Standes« eine so geringe Achtung haben, wie erhaben mögen sie sich erst gegenüber den Belegschaften vorkommen. Die Offiziere sprechen aus, was Adolf Hitler aus ihnen gemacht, hat: Tyrannen der Betriebe und Ihrer Belegschaften. Diese Wirtschaftswinke zeigen mit aller Deutlichkeit die Totalität der kapitalistischen Wirtschaftsdiktatur, wie sie knapp zwei Jahre nach Hitlers Machtergreifung in Deutschland besteht. Nun aber, da die»Herren im Hause« auch die Deutsche Arbeitsfront zum Teufel jagen, verfallen die Organe der Reichsbe- triebsgemeinschaften in wahre Tobsuchts- anfälle gegen die»Herrenmenschen«, die kein anderer, als die Nazis zu unumschränkten Herren gemacht haben. Da entdeckt plötzlich der»K orrespondent«, daß das militärische Prinzip nicht bedingungslos in den Betrieb verpflanzt werden dürfe. Es gehe nicht an,»eine Befehlsgewalt des Betriebsführers aufzurichten, die keinen Widerspruch duldet und die jede Einflußnahme auf die wirtschaftliche und soziale Führung eines Betriebes unmöglich macht.« »Damit beweist niemand seine Führereigenschaft auf wirtschaftüchem Gebiet, daß er sich gegen seine Gefolgschaft abschließt und sich dauernd auf seine Autorität beruft, die ihm durch den Führungsauftrag gegeben ist.« In unmittelbarer Beantwortung der Wirtschaftswinke schreibt der»Korrespondent«: »Neben der Kontrolluhr würde man dann auch einen Wachposten vor den Eingang stellen und jeden mit Erschießen bedrohen, der sich irgendwie um die Verhältnisse innerhalb des Betriebes kümmert.« Die Arbeitsfrontproteste gegen die»Soldatische Wirtschaftsführung« nähern sich schon PROBLEME DES SOZIALISMUS Sozialdemokratische Schriftenreihe herausgegeben zur Klärung der Meinungen über die Lage in Deutschland nach dem Siege des Faschismus. Neben authentischen Berichten aus dem Dritten Reich bringt sie programmatische Darstellungen über den Kampf gegen den Faschismus und für den Wiederaufbau Deutschlands auf demokratischer und sozialistischer Grundlage. Ihr Ziel ist, durch Diskussion In vollster Offenheit, die Sammlung aller antifaschistischen Kräfte und geistigen Strömungen herbeizuführen. Tit. 2: VliUs:„Tleu Tic. 3: TJlax JCtingec:„Volk Ut JCeUm" Deutschlands Weg ins Chaos. Tic. 4: Justmiaa. Reich stagskemd" Wer ist verurteüt? Tic 5-„OcameHkucq" Erster authentischer Bericht' eines aus dem Konzentrationslager Geflüchteten. Von Gerhart S e g e r- Dessau, M. d. R. Mit einem Geleitwort von Heinrich Mann. Tic. 6:„Vcc Faschismus und die Jaiellektuellen" Untergang des deutschen Geistes.— Von Landgerichtsdirektor*** Tic. 7: Qeocq Veckec„JUuoite und Jleoolutiott" Der Weg zur Freiheit. Tic. 9:„JCoHzeHteatioHsiaqec" Adolf Hitler: Deine Opfer klagen an! Dieses Buch ist ein Appell an das Gewissen der Welt! Dokumentarische Berichte ehemaliger Gefangener aus den Konzentrationslagern Dachau, Königstein. Sotmenburg, Brandenburg, Colditz, Sachsenburg, Reichenbach, Papenburg, Llchtenburg, Moringen und Hohnstein, Marterstätten, deren Namen man im Dritten Reich nur flüsternd nennt, werden darin vorgelegt. Aus jeder Zeile dieser Berichte ruft die getretene Kreatur die Menschheit um Hilfe. Wenn die Welt noch ein Gewissen hat, dann muß es sich bei diesen Dokumenten melden. Jede einzelne der mitgeteilten Schandtaten ist nachprüfbar. Neben vielen Illustrationen enthält das Buch die Namen von mehr als 850 Angeschuldigten, SA- und SS-Leuten sowie Gefangener und Opfer in deutschen Konzentrationslagern. Tic. 10:„Qcmzm dec Qematl" Aussichten und Wirkungen bewaffneter Erhebungen des Proletariats In unserer Gegenwart spricht die Gewalt das erste und, wie es scheint, auch das letzte Wort. Sie triumphiert scheinbar so vollständig über Vernunft und Wissenschaft. Kultur und Sitte, daß bei vielen der Glauben an andere Mächte völlig schwindet, und ein wahrer Aberglaube an die Grenzenlosigkeit der Gewalt um sich greift. Diesem Aberglauben tritt der Verfasser mit dem ganzen Rüstzeug seines Wissens entgegen. Tic. 11: Julius Deutsch-„Futsch odu Jleooluüoft?" Randbemerkungen über Strategie und Taktik im Bürgerkrieg Ausgehend von den Februarereignissen und vom blutigen Sieg des klerikalen Faschismus in Oesterreich stellt Julius Deutsch die gesamte Taktik und Tradition der europäischen Arbeiterbewegung zur Diskussion und zeigt auf, was den bewußt marxistischen Sozialisten vom blanquistischen Putschismus und ähnlichen Lehren trennt, die durch die direkte Aktion einzelner Gruppen oder einzelner Männer den Gang der Geschichte beeinflussen oder leiten zu können glauben. Tic. 12: FCistocikus:„Dec Faschismus als Tftasseuieweqmq" Sein Aufstieg und seine Zersetzung In vier Kapiteln von stärkster Anschaulichkeit gibt hier ein bekannter deutscher Hochschullehrer, der in seltener Art die Fähigkeit des wissenschaftlich geschulten Historikers und die Lebensnähe des Politikers W seinem Urteil zum Ausdruck bringt, eine Uebersicht Uber die faschistischen Bewegungen Europas. Er zeigt, wie der Faschismus in seinem hemmungslosen Machtwillen, mit Hilfe der tollsten Versprechungen, die Massen zunächst wohl an sich bringen konnte, aber zur Macht gelangt, nicht in der Lage ist, sie festzuhalten. BESTELLUNGEN UND VERLAGSPROSPEKTE DURCH JEDE BUCHHANDLUNG ODER DIREKT DURCH DIE VERLAGSANSTALT»GRAPHIA«, KARLSBAD. ungewollt jener Gewerkschaftsauffassung, die man solange ausgerottet hat, bis auch von der Arbeitsfront nichts mehr übrig zu bleiben scheint. Schreiben doch bereits dis Arbeitsfrontler empört: »Gewisse Betriebsführer beansprucheo wohl das Reoht, jede soziale Forderung der Gefolgschaft als Marxismus und als Gewerkschaftsmethode zu bezeichnen, sind aber andererseits sehr empfindlich, wenn eine unvernünftige und dumme Handlungsweise des Betriebsführers als unvernünftig und dumm bezeichnet wird.« Ja die Wut der Ley-Trabanten geht soweit, daß sie sich veranlaßt sehen, gegenüber dem überhebüchen Ton der Unternehmer sogar die Verdienste der marxistischen Arbeiterbewegung in den vergangenen 14 Jahren zu verteidigen. Da heißt es: »Noch eins wagen wir gelinde anzuzweifeln, nämlich die Behauptung, daß In der Vergangenheit unter den Betriebs- führem auch in den schlechtesten Zeiten »mehr Marschälle als Rekruten« gewesen sind und daß Deutschland schon längst im Chaos versunken wäre, ehe die nationale Erhebung möglich war, wenn nicht diese Armee von Marschällen den — Untergang verhindert hätte...... Mit demselben Recht wie die Unternehmer für sich in Anspruch nehmen, das wirtschaftliche Chaos verhindert zu haben, können es auch die deutschen Arbeiter der Stini und der Faust durch ihre Leistung.« Das war nämlich in jener Zeit, in der weder Faschismus noch Arbeitsfront bestanden und den Unternehmern die Steigbügel gehalten haben. Das waren Leistungen jener Arbeiter der Stirn und Faust, die durch die Schule der poütischen und gewerkschaftlichen Organisation gegangen sind. Die Proteste der Arbeitsfront kommen zu spät. Zu spät wettert die Deutsche Arbeitsfront gegen die»sozialreaktionären Kaffeekränzchen«, das sind die Sonderzusammenschlüsse der Arbeltgeber nach Auflösung der Unternehmerverbände. Jetzt entdecken die Leyoten plötzlich, daß man die Gewerkschaften nicht beseitigt hätte, um die Arbeitgeberverbände in neuer Form weiter bestehen zu lassen als»Klassenkampfinstrumente«. Nachdem die letzten Reste der Arbeiterorganisation zertrümmert sind, deklamiert jetzt der Ley: »Die nationalsozialistische Bewegung und die DAF werden dafür sorgen, daß alle Keimzellen sozialer Reaktion ebenso rücksichtslos ausgerottet werden, wie die Spaltpilze des Marxismus.« »Kein Mensch«, so orakelt der strauchelnde Ley,»ist wohl dumm genug, um hier die Forderung herauszulesen, daß entweder die Deutsche Arbeitsfront ein zahmer Laubenverein sein soll oder aber, daß die Unternehmer die Arbeltsfront kommandieren müßten. Es kracht im Ley'schen Laubenverein. Die Offiziere der Wirtschaft haben längst das Kommando übernommen. Schacht diktiert ur.d die Leyer von der Arbeitsfront wird in Bälde verstummt sein. Der zahme Laubenverein hat den ganzen Undank der neudeutschen Wirtschaftsherren erfahren und sein wohlverdientes Schicksal erreicht. Die wahre Arbeitsfront der Zukunft aber wird dem Spuk von der der Soldatischen Wirtschaft ein Ende bereiten. BmuclIonnÄ 6o}lal6emofrattfcl)CS a>od>cnbldtf Herausgeber: Ernst Sattler; verantwortlicher Redakteur: Wenzel Horn: Druck:»Graphla«; alle in Karlsbad. Zedtungstarif bew. m. P. D. ZI. 159.334/VII-1933. Der»Neue Vorwärts« kostet im Einzelverkauf innerhalb der CSR. Kö 1.40(für ein Quartal bei freier Zustellung Kö 18.—). Preis der Einzelnummer im Ausland Kö 2.—(K0 24.— für das Quartal) oder deren Gegenwert in der Landeswährung(die Bezugspreise W1, das Quartal stehen in Klammem): Argentinien Pes. 0.30(3.60), Belgien Frs. 2.—(24.—), Bulgarien Lew 8.—(96.—), Danzig Guld. 0.30 (3.60), Deutschland Mk. 0.25(3.—), Estland E. Kr. 0.22(2.64), Pinnland Fmk. 4.—(48.—)• Frankreich Frs. 1.50(18.—), Großbritannien d 4.—(Sh. 4.—). Holland Gld. 0.15(1.80). Italien Lir. 1.10(13.20), Jugoslawien Dln. 4.50 (54.—), Lettland Lat 0.30(3.60), Litauen Llt- 0.55(6.60), Luxemburg B. Frs. 2.—(24.—)> Norwegen Kr. 0.35(4.20), Oesterreich Sch- 0.40(4.80), PaläsUna P. Pf. 0.018(0.216). 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