6i>sialdgmfllraKfd)gg tttocfonfrta# Verlag; Karlsbad, Haus„Graphia"«— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite ]Vr.$3 SONNTAG, 13. Januar 193S Aus dem Inhalt: Wann wird Göbbels kastriert? Das zweite Gesicht Lebendig eingemauert Saarabstimmuug— und dann weiter! Die Saar• und dann weiter! 99 Prozent waren vor Hitlers tTlachtergreifung für den sofortigen Anschluß— Wieviel sind es jetzt? Die Hitlerregierung hat alles Erdenk- tiche getan, um der Parole des sofortigen ■Anschlusses der Saar am 13. Januar eine nioglichst große Mehrheit zu verschaffen. Nur eines hat sie nicht getan, das einzige, das durchschlagenden Erfolg versprach: hat nicht abgedankt! Das �ber ist gerade der springende Punkt. Heu- � eine Regierung von Ehrenmännern nach Berlin, die aus Deutschland wieder einen �vilisierten Staat macht, und morgen ist *ein Mensch mehr für den Status quo! So war es doch, bevor die braune Herr- uchkeit begann. Im Novemberstaat der Systemparteien gab es allerhand fürchter- bche Dinge, Marxismus, Klassenkampf u. "gl. Aber außerdem gab es in allen natio- �'en Lebensfragen eine völlig echte, unpathetische und phrasenlose V o 1 k s g e- �cinschaft. Diese Volksgemeinschaft kannte kein Saarproblem und keine Ab- stumnung3sorgen. Jeder Deutsche im Reich bad jeder Deutsche an der Saar war ganz �Ibstverstandlich für die Rückkehr. Zwi- achen Arbeitern und Unternehmern, zwirnen Kommunisten und Sozialdemokraten, frischen Zentrumskatholiken und Haken- f�Uzheiden gab es in diesem Punkt gar *einen Streit. War der Tag da, so stimm- 611 99 Prozent für Deutschland, das war sicher wie das Amen in der Kirche. arüber brauchte man sich doch gar nicht aufzuregen! S o w a r's! Dann aber kamen die Eini- |jer der Nation, die Wiederhersteller der putschen Ehre und prügelten mit ihren Upferdpeitschen den Geist der Volksge- cinschaft aus dem Saarland und aus ganz eutschland hinaus. Erst sie haben das ■ünögliche möglich gemacht Sie haben Reicht, daß Millionen Deutsche einen le8 des status quo ersehnen, weil sie von T01 ihre eigene Befreiung erhoffen, erst haben erreicht, daß ein ständig wach- �euder Teü der Saarländer sich mit Ab- j�heu un(j Entsetzen von diesem ®utschland abwendet und sich gegen den ortigen Anschluß mit dem Mute der � �zweiflung wehrt Wenn das Undenk- ape möglich geworden ist, daß 16 Jahre ach dem Kriege wieder internationale Hippen auf deutschem Boden stehen, ®un Engländer und Italiener, Schweden u Holländer aufmarschieren mußten, tun verhüten, daß Deutsche auf Deutsche j® wilde Bestien losfahren, so ist das "ups.nationales Verdienst". Hnd nun die Gegenrechnung aus j®®» Buch der Weltgeschichte; Es war d i e e8ierung Scheidemann, die zwei �es«ntliche Verbesserungen des Versailler �«rtpags durchsetzte. Sie errang für �.er8chlesien, das ursprünglich ohne ®iteres zu Polen geschlagen werden sollte, 5j Hecht der freien Selbstbestimmung und du Set2,;e di® Streichung einer Bestimmung rch, die das Saarland Frankreich zu- jPPach für Jen Fall, daß Deutschland den �ckkaufspreis für die Kohlengruben nicht , len konnte. Da dieser Fall jetzt einge- ®® ist, verdanken die Saarländer das �er Selbstbestimmung, das sie jetzt hrnehmen, den Sozialdemokra- eu! mj�zialdemokraten waren es, die die Ab- fjjT��ungskämpfe der vergangenen Zeit k-�rten- Am 11- JuW 1920 stimmten die (jj. i" Und ostpreußischen Abstimmungsge- I te- Das Ergebnis: 460.000 für Deutsch- '''■ 15.000 für Polen. Am 20. März 1921 sprach Oberschlesien: 707.000 für Deutschland, 479.000 für Polen. Die Zahlen zeigen, daß in diesen sprachlich stark gemischten Gegenden zahlreiche Polen für Deutschland gestimmt haben müssen. In der zweiten Zone Nordschleswigs stimmten am 14. März 1920 für Deutschland 51.724 für Dänemark 12.800, und nur die erste Zone, die fast rein dänisch war, ging auf die andere Seite hinüber. Damals war die deutsche Republik ungefähr ebenso alt wie das Dritte Reich jetzt ist, es war zwei Jahre nach der Niederlage, und es herrschte viel Not und Verwirrung. Dennoch übte„der Novemberstaat" auch auf Fremdsprachige eine starke Anziehungskraft aus. Man erwartete von ihm persönliche Freiheit, Pressefreiheit, Koalitionsfreiheit, Schutz der sozialen Rechte— kurz alles, wovon man weiß, daß es im Dritten Reiche nicht zu finden ist. Sozialdemokratie und Zentrum waren es, die dann dreizehn Jahre lang im Saargebiet die Stimmung für den Anschluß vorbereiteten. Sie hinterließen dem Dritten Reich ein zu 99 Prozent anschluß- bereites Saarvolk. Der 13. Januar wird zeigen, wieviel von dieser Erbschaft noch vorhanden ist Die Wirkungsmöglichkeiten der braunen Terrorpropaganda soll man nicht unterschätzen. Sie hat den Saarländern ins Ohr geschrieen, daß ihr Land auf alle Fälle zurückgeholt werde und sie hat ihren Gegnern unerbittliche Verfolgung angekündigt. Sie hat damit alle, die auch nach einem Siege Hitlers im Lande zu bleiben genötigt sind, zum Schweigen gezwungen. Auch die Kirche hat sich vor der braunen Peitsche geduckt Wo der Terror nicht wirkte, half die rollende Mark. Wurden die Aengstlichen eingeschüchtert, so wurden die Käuflichen gekauft Gegen die nazifeindüche Presse arbeitete man mit Krawattenmacherkünsten, die selbst den gerissensten ostgalizischen Schieber vor Neid erblassen ließen. Bis zur letzten Stunde paradierte man mit geretteten Seelen, die in Wirklichkeit nichts anderes waren als käufliche Subjekte. Geld hatte man ja, soviel wie man wollte. Was tat der Völkerbund? Was tat die Regierungskommission? In den letzten fünf Minuten vor Zwölf wurden sie sich dessen bewußt, daß sie die Dinge nicht einfach so weitertreiben lassen konnten. Man hat ihnen darum übertrieben große Lorbeerkränze gewunden, man hat vergessen, daß sie all die Jahre Schachts Geheimnisse Mitte Dezember hielt Schacht vor einem geladenen Kreis im Reichswirtschaftsministerium eine Rede über die deutsche Lage. Er führte aus: »Von Mißhelligkeiten zwischen ihm und dem Führer in der Wirtschaftspolitik könne keine Bede sein.»Angriffe gegen mich«— so sagte er—»sind nicht gegen mich, sondern gegen den Führer gerichtet. Meine Politik und die des Führers sind eins.« Zur Arbeitsbeschaffung führte er aus, daß die bisherige Politik der Aufwendung staatlicher Mittel nicht fortgesetzt werde. Es reiche aus, wenn man den»anderen Industriezweig«(das beißt die Rüstungsindustrie) stark alimentlere. Die Löhne müßten in ihrer jetzigen Kaufkraft erhalten werden, die Preise dürften deswegen nicht weiter steigen. Bei der Aufrechterhaltung der Jetzigen Löhne werde es möglich sein, den Beschäftigungsgrad auf der bisherigen Höhe zu erhalten. Die Verflechtimg Deutschlands mit der Weltwirtschaft sei sehr eng. Wenn Deutschland in einigen wichtigen Rohstoffen fühlbaren Mangel haben werde, dann würden große Industriezweige lahmgelegt werden. Es sei untunlich, viel vom Ersatz zu reden. Die Ersatzwirts chaftwerdenlcht weiter betrieben werden. Es müsse nun endlich Schluß sein mit dem Unfug von der Brechung der Zinsknechtschaft. Deutschland brauche Kredite. Die ausländischen Gläubiger müssen deswegen glauben, daß sie ihr Geld bekommen werden, ob sie es bekommen würden, sei eine andere Frage. Wie Deutschland seine anderen Industriezweige finanzleren werde, sei sein Geheimnis, das er nicht bekanntgeben werde. Es würden eben alle deutschen Finanzquellen aufs Aeußerste ausgeschöpft werden. Im übrigen ergäben sich manchmal günstige Zufälle. So sei kürzlich ein englischer Experte bei ihm gewesen. Er habe sich Uber die deutsche Devisenlage und die Finanzlage Informiert. Beim Abschluß habe er erklärt, aus allem, was er gesehen habe, müsse er den Schluß ziehen, daß die Behauptungen Uber die deutsche Aufrüstung nicht richtig sein könne. Zum Schluß machte Schacht noch einige höhnische Bemerkungen mit sehr scharfer Lebend eingemauert Die Opfer von Hohnstein Vor einiger Zeit wurde das Konzentrationslager Hohnstein in Sachsen aufgelöst. Die schändlichen Mißhandlungen und Folterungen in diesem wie auch in einer Reihe anderer Lager sind in dem Buche„Konzentrationslager"(Verlagsanstalt Graphia, Karlsbad) der Weltöffentlichkeit mitgeteüt worden. Nach der Auflösung gingen Gerüchte um, daß in den Kellern der Burg eine größere Anzahl von Schutzhäftllngen, die man zu Tode gequält habe, eingemauert seien. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eingeleitet, es wurden Nachforschungen in der Burg Hohnstein angestellt. Bisher sind durch Pioniere der Reichswehr 17 Leichen gefunden worden. Unter anderem wurden zwei Leichen von Häftlingen gefunden, die eingemauert worden sind. Ein Maurer war seinerzeit nachts ans dem Ort geholt worden. Dun wurden die Augen verbunden und er wurde sodann nach der Burg verbracht. Dort mußte er eine Wand vermauern. Dann wurde ihm, der nichts gesehen hatte, Schweigepflicht auferlegt. Nunmehr wurde der Maurer von der Staatsanwalt vernommen und von dieser von der„Schweigepflicht" entbunden. Er hat sein Erlebnis geschildert und mußte die vermauerte Stelle bezeichnen. Er fand sie wieder und dann wurde die Mauer durch Pioniere geöffnet. Man fand zwei Leichen, an Händen und Füßen gefesselt und Knebel im Munde. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind diese beiden Opfer noch lebend eingemauert worden. Mehrere SA-Leute, die als Hauptbetei- ligte an den Mißhandlungen in Betracht kommen, sind seit Einleitung der Untersuchung verschwunden. Spitze gegen Darr ö. Er sprach von dem Gedanken, Industrieerbbetriebe einzuführen und bemerkte dazu: Wir leben nun einmal|n.- der Zeit der Zellenblldung und Durchschach- telung, es wird sogar behauptet, daß einige Leute den Plan hätten, Erbministerien zu schaffen. DarUber brauchen wir uns nicht länger aufzuhalten.« Während dieser Rede wurde ihm ein Zettel gereicht mit der Bemerkung, daß uneingeladene Hörer anwesend seien. Er geriet in große Erregung und verlas den Zettel. Im Nu drang eine Schar von SS- Leuten in den Raum ein. Ihr Führer erklärte, er bedauere die Störung, aber die Unberufenen, die es angehe, hätten es sich selbst zuzuschreiben, wenn sie nachher Unannehmlichkeiten haben würden.« Schacht In Köln In Köln hielt Schacht eine Rede vor einem Kreis von Industriellen. Er wurde mit eisigem Schweigen angehört. Nach der Rede schickten die Schwerindustriellen einen Mann vor, der Schacht kitzeln sollte. Nach einigen plumpen Lobsprüchen fragte dieser Mann geradezu, ob es nicht besser wäre, wenn Hitler sich auf die Reichspräsidentschaft beschränke und Schacht Reichskanzler würde. Schacht lächelte geschmeichelt und antwortete nur:»Also, meine Herren, aus Ihren Reihen kommt das erste Wort vom Umsturz.« I Schacht In Hamburg Schacht hielt in Hamburg vor der Hamburger Kaufmannschaft eine Rede. Sie bestand aus nationalsozialistischen Schlagworten. Die Rede und die nachfolgende Diskussion hat so gewirkt, daß das letzte Vertraue» in Schacht in Hamburg zerstört worde ist. Ein Fabrikant von kosmetischen Artikeln beschwerte sich Uber die Fehlleitung bei der Devisenzuweisung. Schacht bagatellisierte die Sache, der Fabrikant sagte:»Das kann man nicht ertragen, wenn man alte Arbeiter entlassen muß, und wenn die Frauen im Hof stehen mit bleichen Gesichtern, weil diese Geschichten bei der Devisenzuweisung passleren!« Schacht, der schon nervös und wild geworden war, sagte ihm:»Sie fabrizieren kosmetische Artikel? Geben Sie doch den Arbeitern Schminke, dann sehen Sie es nicht, daß sie bleich sind.« Dieser Zynismus hat allgemeine Entrüstung hervorgerufen. Tnvor nichts getan hatten und daß alles, was sie dann taten, zu spät kam. Bis vor wenigen Wochen lebte das Saarvolk in dem Glauben, durch einen Sieg der Status-quo-Parole werde der Anschluß an Deutschland für alle Zeit verhindert Erat Ende November entschloß sich der Völkerbund zu einer Erklärung, die diesem gefährlichen Irrtum entgegentrat Sicher hätten Zehntausende mehr für den Status quo gestimmt, wenn diese notwendige Aufklärung schon ein paar Monate früher erfolgt wäre. Schließlich aber hat auch noch in der allerletzten Zeit die Regier ungskommisaion Hitler kopiert seine Gesdiidhte Der Schwur In der Staatsoper und sein Vorbild Man hat außerhalb Deutschlands zu ergründen gesucht, welche Absicht und welcher tiefere Sinn hinter dieser Kundgeburg verborgen sei. Es ist inzwischen einiges ganz allgemein behauptet worden; daß Am Donnerstag, 4, Januar, hat Hitler; beirrt kämpften und arbeiteten, haben Tränen in der Staatsoper in Berlin seinen Schmerz in den Augen vor Wut, Schmerz und Scham. über die Entwicklung in Deutschland und D®1" Abend Ist ein ganz großer Erfolg für die in seiner Partei ausgeweint und hat sich Einheit der Bewegung. Zum Schluß brechen Treue schwören lassen. Der Mann weint zu öie anwesenden Gauleiter und Abgeordneten viel und läßt zu viel schwören! Jeder neue Schwur erinnert an die vorhergegangenen Wortbrüche. Das ganze Theater ist schon einmal da- in spontane Treuekundgebungen für den Führer aus." Damals spielte die Szene im Palais des Reichstagspräsidenten, von dem aus später die Brandstifter in den Reichstag drangen. gewesen. Als im Dezember 1932 Gregor mit ihrer krampfhaften Ueberobjektivität| Strasser rebellierte, wurde die Szene schon Damals waren um Hitler die Freunde, die der Nazipropaganda einen unbezahlbaren vorgespielt. Am 8. Dezember 1932 schrieb ihm ewige Treue schwuren; waren Röhm Göbbels in sein Tagebuch: „In der Organisation herrscht Dienst geleistet, indem sie die tapfere Strei terin an der Saar, die„Deutsche Freiheit" zwei Wochen vor dem Entscheidungstag für eine Woche verbot. Gewiß haben die unsagbaren Schändlichkelten der braunen Gewaltherrschaft den Freiheitskämpfern an der Saar immer neuen Zuzug gebracht. Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß die Freiheitafront ganz auf sich allein gestellt kämpfte, während dem Feind die unerschöpflichen Mittel eines großen Staates unbegrenzt zur Verfügung standen. Die Verbannten und Vertriebenen jenseits der Reichsgrenzen, die Gehetzten und Verfolgten im Reiche selbst, werden den Gewinn des Saarkampfes nicht danach einschätzen, ob der wünschenswerte Höchsterfolg erreicht worden ist oder nicht. Sie werden sich durch das künstliche Triumphgeschrei falscher Sieger nicht täuschen lassen, sie wissen, daß jede Stimme, die an der Saar gegen Hitler abgegeben wird, ein Stück Niederlage für ihn ist. Die Front der Freiheit, die heute im Saargebiet in vorderster Feuerlinie steht, kämpft nicht dort allein und nicht beute zum letztenmal. Sie ist Teü einer Armee, die die Härte des Krieges wahrlich kennen gelernt hat, die ihre Erfolge richtig einzuschätzen weiß und die sich auch durch Mißerfolge nicht entmutigen läßt Ihr Kampf wird mit zäher Verbissenheit weiter geführt, mag dieser eine Tag bringen, was er will! j und— Göbbels. Diesmal ist es die schwere Staatsoper, diesmal ist es G ö r i n g, der Die Inspekteure der Partei den Rütlischwur inszeniert hat— zur SdiHMen fahren... Ein Lehrer In einem kleinen Ort der Orenzmark ließ Wunschzettel an den Führer schreiben. Die Berliner Nachtausgabe berichtet darüber: >Eln Junge wollte bloß mit dem"Führer einmal In seinem Leben Schlitten fahren.« Der Junge aus der Grenzmark scheint ein kielner Miesmacher zu sein, aber er dürfte • nicht der einzige Volksgenosse sein, der einmal mit dem Führer, wie der Berliner sagt—»Schlitten fahren möchte«. Ganz große Zeit! IM« deutschen Zeltungen kündigen an: »Demnächst werden schwarze Zigaretten In den Handel kommen, die aus Tabakblättern nachweislich Inländischer Herkunft In einer Mindestmenge von 50 von 100 der bearbeiteten Rohstoffe hergestellt sind. Für die echwarze Zigarette sind erhebliche steuer- 11 che Erleichterungen vorgesehen.« Die Marke»Wanzentod« anno Weltkrieg feiert frühliche Urständ'! Volksgemeinschaft —■ wie wird dir? Feinde der Aufklärung An einem Hause Im Zentrum Berlins befindet sich eine Gedenktafel für Moses Mendelssohn. Man las da: »In diesem Hause lebte und wirkte Unsterbliches Moses Mendelssohn. Geb. in Dessau 1729, gest. in Berlin 1786.« Die Berliner Stadtverwaltung hat nun die ersten Zeilen entfernen lassen, sodaß nur noch Geburts- und Todestag als sinnloser Torso stehen geblieben sind, Und damit glauben sie, die Aufklärung endgültig ausgelöscht zu haben. don- Der Blubo-Zahn Die»Zahnärztliche Wochenschrift« nert: »Jede Internationale wissenschaftliche Arbelt muß abgelehnt werden... Es ist unverfroren, wenn deutsche Professoren noch für Metboden eintreten, die nicht In Deutschland erfunden worden sind. Ausländische Metboden müssen gemieden werden, ausländischer Literaturnachweis für wissenschaftliche Arbeiten hat zu unterbleiben.« Autark— bis zum letzten artreinen hohlen Zahn! Depression.. Sind beim Führer versammelt. Alle sind in sehr gedrückter Stimmung... Verrat! Verrat! Verrat!... Der Führer geht stundenlang mit langen Schritten im Hotelzimmer auf und ab. Einmal bleibt er stehen und sagt mir:„W enn die Partei einmal zerfällt, dann mache Ich In drei Minuten mit dA- Pistole Schluß!" Am 9. Dezember ließ er sich Treue schwören. Göbbels berichtet: „Im Reichstagspräsidentenpalais sind die Gauleiter und Inspekteure versammelt, mit ihnen die Abgeordneten der Fraktion. Der Führer spricht zuerst zu den Gauleitern, so fabelhaft s'cher und mit einer so starken persönlichen Note, daß einem ganz heiß ums Herz wird. Er hält eine vernichtende Abrechnung mit Strasser und seiner jahrelangen Sabotagearbeit an der Partei. Alte Parteigenossen, die seit Jahren in der Bewegung un- Ueberraschung für Göbbels, Auch diesmal hat Hitler gedonnert, deklamiert und geweint. Aber diesmal standen um ihn 1000 Generale, Offiziere und Polizeioffiziere neben den Parteileuten! Damals ging es nur um die Niederlage oder die Lächerlichkeit eines Parteiführers. Heute gehtesum denKopfllndie Kundgebimg fielen die Schatten von Röhm und Schleicher. Weder die Rede Hitlers noch die Rede Görings bei dieser Kundgebung ist veröffentlicht worden. Das nationalsozialistische Zentralorgan spricht von einer„großen nationalen Demonstration". Die Nation hat mit einer Kundgebung nichts zu tun, die nur der Sorge entsprungen ist, daß die Basis des Systems in der Nation wankt. Im übrigen war der„Führer" durch doppelte und dreifache Absperrung vor der Liebe der Nation geschützt Göring eine Rechtfertigung Schleichers vor den versammelten Offizieren verlesen habe, daß Hitler pathetisch versichert habe, er wolle sich lieber erschießen als noch einen 3 0. Juni erleben. Bedarf es noch eingehender Erklärungen für die Angst der Hitler, Göring und Genossen? Immerstärkerzwin- gen Reichswehr und Bürokratie vereint mit Schacht Hitler zurGleichschaltungmitihnen! Mit Schrecken denken Hitler und Genossen an den Tag, an dem ihre Gleichschaltung den stärkeren Mächten nicht mehr genügen wird. Mit gleichem Schrecken denken sie an eine Rebellion aus den eigenen Reihen. Diese Leute wissen, was Treue ist— oder nicht ist— und deswegen klammern sie sich an Treue schwüre. Die Komödie in der Staatsoper ist das Geständnis einer tiefen Erschütterung, ein Ausfluß der Furcht Es ist die Wiederholung der Szenen vom 8. und 9. Dezember 1932. Der zitternde Tyrann läßt sich Treue schwören. Gibt es ein besseres Kennzeichen für seine Furcht als den zitternden Glauben, daß die Treueschwüre der anderen echter sein würden als seine eigenen? Eher sdiludkt Mosse Der Führer schludtf die Millionen— Vom Chel- redakteur zum amtlichen Weinprüfer Das Propagandarai nisterium bat den deutschen Zeitungen verboten, über den„Verkauf" des Verlages Rudolf Mosse an ein Großbankenkonsortium zu berichten, obwohl die erforderlichen gerichtlichen Eintragungen bereits erfolgt sind. Weshalb wohl? Nun, dieser„Verkauf' Ist In der Reihe neudeutscher Banditenstücke eine neue Gipfelleistung, eine Schiebung gerissenster Art. Man hat nach außenhln den Anschein erweckt, als ob Ley als Ersatz für den Ihm verbotenen„Deutschen" mit den durch die „Arbeltsfront" gestohlenen Arbeitergroschen sich das Mosse-Geschäft kaufen durfte. In Wirklichkeit Ist es ganz anders: Nicht Ley, sondern der Nazi-Monopolverlag Franz Biber — Hauptinhaber Adolf Hitler— schluckt den Bissen! 1935 hat für das Portemonnaie des selbstlosen Führers ganz verheißungsvoll angefangen. noch ersprießlicher womöglich, als es die bisherigen zwei Jahre Plünderungsfreiheit schon waren: Ab 1. Januar sind Ullstein und Moese dem allerhöchsten Tbronschatze einverleibt Fehlt nur noch der ganze Scherl (ein Teil ist es ja schon), um In der Hand des Mannes, der„nichts für sich, alles nur für Deutschland" haben will, die Einnahmen der drei größten deutschen Zeltung s k o n z e r n e und Inaeraten- Plantagan zu vereinigen. Man wird sich erinnern: Wie in der Maienblüte des Dritten Reiches der Gentleman Lachmann-Mosse— nur durch Abstammung verhinderter Nazi— zuerst die lukrative-Ge- schäftabeziehung suchte, dann aber doch den neuen Gentleman weichen mußte. Damals gedachte Göbbels, das Mosse- Haus seinem Privatbesitz einzuverleiben, denn das zumindest Ist doch ein neudeutscher Führer seinem Range schuldig. Aber da wachte der Monopolverlag Eher mit eherner Sittenstrenge über die Fl nnah men- Vorrechte des Führers. Göbbels wurde nicht herangelassen. Zunächst waren die tausend kleinen Gläubiger des Moase-Kauses um Ihre Forderung zu bringen; daa besorgten mit großem Sachverständnis die erprobten Spezialisten der Gangster bände, indessen sich an den Verlagskassen beinahe täglich wechselnde Herren Direktoren munter die Portemonnaies füllten. Dann wurde die vom Hitler-Staat ausgefaaltene Dresdener Bank Platzhalterin,— so lange, bis der Verlag Eher die Annektlon durchführen konnte. Jetzt, wo die braunen Kassenräuber absolut unbeaufsichtigt mit dem Reich wie mit herrenlosem Out umgeben können, ist es dem Verlag BSjer gar nicht schwer gefallen, auf diesem geraden deutschen Wege aus der Reicbskasse lumpige 8.7 Millionen Reichsmark zu erhalten und sich mit Ihnen den Mosse- Konzern zu„kaufen". Wie macht man daa? Man achlebt ein Großbanken-Konsortium vor, das tarnt alles nicht nur vor dem Volke, noch besser aber vor dem Ausland. Denn es gibt noch Dumme genug, die nicht wissen, daß heute sämtliche deutschen Großbanken— mit Ausnahme der„Berliner Handelsgesellschaft", die unter amerikanischem Einfluß steht— aus der. Reichskasse erhalten werden. Sie erhielten— durch den Mittelsmann Reinhart— vom Reichsosaf den Befehl den Mosse- Verlag zu kaufen. Es wurden die im Dritten Reicn üblichen Reichswechsel gegeben, die von der Reichsbank einzulösen sind, was also beißt, daß die Gläubiger nie einen Pfennig sehen werden. Man hat natürlich aus der Erfahrung gelernt, daß man im Ausland die Nazl-Partelzel- tung nicht einmal zu bestimmten Zwecken verwenden will; deshalb hütet man sich, die Zeltungen des Moese-Verlags zu offen deklarierten Hitler-Moniteuren zu machen. Vielmehr wird jetzt„absolute Unabhängigkeit"— siehe„Frankfurter Zeitung"— als Tarnkappe Ubergestülpt. In Wirklichkeit Ist aber geplant, aus dem„Berliner Tageblatt" eine gerelnlgteAuslands-Ausgabe des „Völkischen Beobachters" zu machen! So werden es ja auch die letzten deutschen Leser nicht merken. Die„Berliner Volkszeitung" soll unmerklich„Natlonalsozla- Ustlscbes Gedankengut" In breite Volksschichten tragen, jedoch einen großen Teil des Inhalts In Matern von der Partei-Zentral matern- Korrespondenz beziehen, wodurch sich auch die Betriebsspesen vermindern sollen. „Betriebsführer" des neuen Verlages ist— ebenfalls aus Tarnungszwecken— der bisherige„Betriebsführer" des„Deutschen", Gamrowskl. Dieser Gamrowskl bringt selbstverständlich die erforderliche moralische und fachliche Eignung für diesen Posten mit,— Ist er doch vor dem großen Umbruch Admlnlstratlonal elter der„Fußballwoche" und — nachdem er natürlich seine erzrepublikanl- scben Jugendsünden abgeschworen hatte— intimer Zechkumpan Leys gewesen. Wobei man nachsichtig Uber den kleinen Schönheitsfehler in seinem Lebenslauf hinweg- sah, daß es in seinem früheren Betrieb einmal eine peinliche Kassenrevision gegeben hat, von der er sich trotz langem„Krankenurlaube" nicht erholen konnte. Solche Ehrenmänner dürfen In der Ehrengalerie des Dritten Reiches natürlich nicht fehlen. Damit dieses Gangsterstück nicht ganz der Komik entbehrt, wäre noch folgendes zu berichten; Auch Lachmann-Mosse hatte versucht, seinen braunen Gesinnungskonkurrenten die Beute wieder abzujagen. Noch Immer dreißigfacher Auslandsmllllonär— da er mit den Nazis keine Geschäfte machen konnte, versucht er es jetzt bei den Zionlsten mit einer monopolistischen Anzeigenagentur für Palästina— mobilisierte er ein Schweizer Konsortium. Dieses Konsortium trat unter Beobachtung aller Tamungsvorachriften— gelernt Ist gelernt— an die Dresdener Bank mit einem Angebot zwecks Ankauf des Mosse- 1 Verlages heran. Um jedes Mißtrauen des Prö* pagandamlnlsteriums zu besänftigen, bot man ganz nach Wunsch Garantien für eine„strikte Innehaltung der nationalsozialistischen Richtlinien" und würzte die Offerte außerdem durch das Versprechen, das„Berliner Tageblatt" unauffällig, aber wirksam in den Dienst der Nazi- Aualandspropaganda zu stelleO- Lachmann-Mosse witterte die Möglichkeit. vom sicheren Ausland aus auch in Hitler- Deutschland Geschäfte machen zu können- Doch an der deutschen Wachsamkeit des Verlages Franz Eher scheiterte diese Spekulaüon- Schlleßlicb sei— wenn auch der sachliche Zusammenhang fehlt— noch eine ander« typische Begebenheit aus dem heutigen Ber- Uner Zeitungsviertel erwähnt: Bekanntlich ist vor einigen Monaten der Chefredakteur der Arbeitsfront-Zeitung„Der Deutsche" von seinem mit 56.000 Mark Jahresgehalt dotierten Posten Knall und Fall entlassen worden, weü er-— auf der Verbrüderungsfahrt der deutschen Journalisten nach Warschau— ü® Weinrausch mehr aus der Göbbels-Schule geplaudert hatte, als dem deutschen Meinungsherrn lieb war. Jetzt hat dieser alkoholische Ley-Kumpan einen Posten erhalten, für den er wahrscheinlich geeigneter ist: Er Ist nämlich zum amtlichen Weinprüfer def W ü r 1 1 e m b o r g 1 s c h e n Winzergenossenschaften gewählt worden. Gleidigesdiahe�e Unter den Gleichgeschalteten und Uberge-" laufenen Journalisten Im Dritten Reich gl6' es eine große Anzahl, die den anderen die Vergangenheit vorwerfen, um selbst unbelasteter vor den beutigen Herren Deutschland* zu erscheinen. Das erfährt man wieder einmal aus dem»Deutschen Volkswirt«, der 1° einer Abwehr gegen die»Deutsche Zeitung* in seiner Nummer vom 9. November u-*• schreibt: »Nebenbei bemerkt; In derselben Nu«1* mer erledigt Dr. H. B. unsere Ausführungen vom 26. Oktober über»Tatsachen und Meinungen« mit einem Schlage durch de® bloßen Hinwels auf die früher* Tätigkeit des Verfassers In daf Industrie unter einem jüdischen Chef. Wollten wir unseren* Herrn Beckmesser folgen und seine, V' der Pressereform von einem bestimmte*1 journalistischen Typ liebevoll gepflegt* Methode, gegen sachliche Darlegungen nd* dem Resultat von Recherchen Uber die P*1"! sonalien des Autors zu polemisieren, am ihn selber und seinen Vorgänger Fried- Zimmermann anwenden, so müßten � etwa erklären, daß der eine durch dl* Schule der Herren Rathen a0 und Deutsch, der andere durch d** Schule der Herren Ullstein Se' gangen sei, und damit würden wir al*** der Mühe enthoben sein, uns mit solch**1 »Schreibern« überhaupt noch zu beschm* tigen.« Es werden wohl nicht viele unter den Kos1* gängern der Nationalsozialisten sein, vo» denen sich nicht daa Gleiche sagen Ue®*" Nachdem sie hundertprozentig hitlertreu geworden sind. wlr als junge Menschenleiber zerfetzt am Bo- �*0 lagen und— Uberelnandergeworfen— In ®®aaaengTäbern verscharrt wurden." »."Und dann?44 Dann kam ein Tag, da errang die deutsche das Stimmrecht und das Recht auf eige- h® Lebensgestaltung dazu. Das war jener aS' den ihr In Euren Schulen und Mädel- �üppen als den„schwarzen" kennen■ lernt, Jvner Tag, an dem Jeder volljährige Mensch Ebermayer gegen KcppI In der deutschen medizinischen und juristischen Fachwelt ist zur Zeit der Kampf um das Abtreibungsproblem, strafrechtlich gesehen, in vollem Gange. Das alte deutsche Strafrecht gewährte bekanntlich eine befriedigende Lösung des Streitgegenstandes nicht. Nun hatte vor ungefähr einem Jahr eine Denkschrift des Preußischen Justizministers Kerll, betitelt„N a- tlonalsozlalistisches Strafrecht", den Versuch gemacht, der bisherigen strafrechtlichen Gestaltung der Dinge auf dem Gebiete der künstlichen Geburtenbeschränkung und der Abtreibung neue Wege im Sinne des„Aufbruchs der Nation" zu weisem In der amtüchen Denkschrift hieß es darüber: „Eine strafbare Handlung soll nicht angenommen werden, wenn ein Amtsarzt oder ein approbierter Arzt mit Zustimmung eines Amtsarztes das Kind in der Geburt oder In der Leibesfrucht tätet, um einer ernsten Gefahr für das Leben der Mutter abzuwenden." Sicherlich eine ganz vernünftige Bestimmung! Der Pferdefuß des nationalsozlalisü- sohen Einschlages des amtlichen Machwerkes wird aber sofort bei näherer Durchsicht der im einzelnen gemachten Reformvorschläge sichtbar. In den„vierzehn Jahreu der Schande" oder des„Systems" war auf diesem Gebiete die einzige emsthafte Diskussion unter Fachleuten ausschließlich über die sogenannte„soziale Indikatlo n". Das heißt: Es sollte als Grund einer statthaften Schwangerschaftsunterbrechung vom Gesetz aus betrachtet werden, wenn die Mutter nicht in der Lage war, ihr Kind zu erhalten und insbesondere die Geburt des Kindes die Gebärerin in unerträgliche wirtschaftliche Verhältnisse gestürzt haben würde. In Kerlls Denkschrift befindet sich aber über die Zulassung der„sozialen Indikation" kein Sterbenswörtlein! Dafür aber weist diese amtliche Denkschrift folgende Bestimmung äuf: „Auch ohne Gefahr für die Mutter dürfen die erwähnten Eingriffe erfolgen, um die Folgen einer Notzucht oder einer offenkundigen Rassenscbän- d u n g abzuwendem" Statt der sozialen also die„eugenisebe" Indikation, die es mit der Rasse und was man so sich darunter vorstellen will, auf sich hat: Was ist das übrigens: eine„offenkundige Rassenschändung"? Ein„arisches" Mädchen liebt einen Juden. Es verheiratet«ich mit ihm und es soll ein Kind bekommen. Der Nazi-Arzt des zuständigen Dorfes wird in dem frohen Ereignis unbedingt eine sogar sehr offenkundige Rassensch ändung erblik- ken! Nun ist aber vor kurzem das Preußische Justizministerium im Sinne der Fricksehen Verwaltungsvereinfachung selig entschlafen und im Reichsjustizministerium aufgegangen. Die amtliche Denkschrift über„Nationalsozialistisches Strafrecht" ist mit hinübergewandert; aber wer denkt jetzt noch an sie? Beim Reichsjustizrainisterium besteht nämlich schon seit der Zeit vor der Zusammenlegung im Auftrag des Führers und ; Reichskanzlers eine„Amtliche Strat- rechtskommlsslo n". In ihr sitzen zwar auch enragierte Nazis, wie der Staatssekretär Freisler, aber auch Fachgelehrte von Ruf, wie Graf Gleispach und Professor Kohlrausch. Sie bemühen sich dort auch um die Dinge, die„Pg." Kerll in seiner ministeriellen Denkschrift schon so famos im Sinne des Dritten Reiches gelöst hatte. In diesen Tagen ist nun der Arbeltsbericht dieser Kommission erschienen! In ihm ist von der ganzen„eugeniseben Indikation" auch nicht an einer Stelle mehr die Rede! Die Fachwelt drückt diesen eklatanten und vollständigen Rückfall in das juristische Vermächtnis des früheren„Systems der Schande" vorsichtig so aus, daß „nach dem Bericht dervom Reichsjustiz m 1 n i« t e r«ingesetzten Straf rechtskommission die erbbiologischen Fragen nicht mehr die überragende Rolle spielen, wie In der Preußischen Denkschrift."(So zu lesen in der„Deutschen Medizinischen Wochenschrift" Nr. 51, Seite 1971.) Statt der Denkschrift hat man sich aber In der Kommission erinnert, daß es einmal unter dem„System" einen gewissen Ebermayer, seines Zeichens früherer Oberrelcha- anwalt, gegeben bat, der schon von dem Reichstag des Jahres 1927(!) für dessen Straf rech tareformberatungen als hauptsächlicher Gutachter hinzugezogen worden war; und dessen Standpunkt bat sich nun die Kommission trotz Kerll fast so gut wie völlig zu eigen gemacht! Ebermayer hat seine Ansichten, die nun eben das Reich zu seinen amtlichen gemacht hat auch der Oeffentllchkelt in einem bekannten Buch„Fünfzig Jahre Im Dienst am Recht" zugänglich gemacht Darin sagt er Uber die„eugenische Indikation", dieses jetzt schon abgehalfterte Steckenpferd des Dritten Reiches in seiner Blüte Maiensünde: „Was die eugenische Indikation anlangt so wird auch von ärztlicher Seite anerkannt, daß die Erblehre noch nicht weit genug entwickelt ist um In einzelnen Fällen mit Sicherheit feststellen zu können, ob eine Unterbrechung der Schwangerschaft angezeigt ist" Dieses Urteil über die Nazi-Bastelei an der Rasse ist einfach vernichtend; die munter sterilisierenden Aerzte im Dritten Reich sollten es sich auch hinter den Spiegel stecken! Ebermayer Ist freilich auch kein Freund der sozialen Indikation; aber— als gewissenhafter Mann ganz bürgerlicher Denkart— doch aus wesentlich anderen Gründen, als er die Erbbiologie abtut! Er erkennt ausdrücklich an, daß In sozialer Hinsicht manche Fälle dazu angetan seien, die Schwangerschaft zu unterbrechen; aber er glaubt nicht an die Möglichkeit, hier einen objektiven Maßstab für den Gesetzpraktiker zur Hand zu haben und befürchtet von einer laxen Handhabung der sozialen Indikation die Ausnutzimg zu Zwecken des Unfugs. Darüber kann man streiten. Auf Jeden Fall bringt auch der alte bürgerliche Strafjurist der sozialen Indikation ganz anderes Verständnis als der nationalsozialistischen Rasse-Okulier- und Pfropfmethoden entgegen. Trendelenburg In der Wirtschaft, Ebermayer in der Justiz; die verdammten„vierzehn Jahre der Schande" sind eben wieder in vollem Anmarsch I in Deutschland— ob Mann oder Frau— das Recht erhielt, an der Gestaltung des Staates mitzuarbeiten. Und die den Frauen und den Arbeitern zu ihrem Rechte verhalfen, hießen — Sozialdemokraten. Ihre Führer sind heute genau so verfemt wie die beiden Frauen, nach denen Du fragtest. Sie wurden in Konzentrationslager geschleppt und mißhandelt, verjagt, enteignet und in Gefängnisse geworfen. Mit der Sozialdemokratie fielen die Frauen- und die Menschenrechte. Vielleicht denkt das Mädchen lange nach und fragt dann:„Anita Augspurg und Llda Gustava Heymann kämpften für die Frau und für den Frieden— deshalb wurde ihnen Ihr Vermögen genommen?" „Deshalb!" „Im nationalsozialistischen Programm steht auch etwas Uber Enteignung. Die Bank- und Börsenfürsten«ollen enteignet werden. Ist das geschehen?" „Nein, nichts ist ihnen geschehen!" Kann sein, daß nun das Hitlermädchen hingeht und ihren Kameradinnen flüsternd erzählt, was sie erfahren hat. Denn: das Vermögen der beiden Frauenrechtlerinnen— und das Vermögen zahlloser anderer, die für die Befreiung des Menschen kämpften— kann beschlagnahmt werden, nicht aber ihr Geist und nicht die Ideen, für die sie kämpften. Die werden weiterleben— nicht nur in denen, die jene Kämpfe noch erlebten, sondern auch in ihren Kindern, die heut hinterm Hakenkreuz marschleren müssen. Die Edtensteher Die Polizeidirektion von Kaiserslautern teilt amtlich mit: »Die Polizeidirektion sieht es als ihre vornehmste Pflicht an, den Eckenstehern unerbittlichen Kampf anzusagen. Sie wird ihre Konvente mit allen Mitteln bekämpfen und mit den strengsten Maßnahmen gegen sie vorgehen.« Wo ihrer drei zusammensteh'n, da soll man auseinandergeh'n! Das Räsonleren durch Gebärden soll gleichfalls hart bestrafet werden! �hlafen.,. Weiter weiß ich im Moment auch Wchts.* Führer(mißtrauisch, den anderen be- Muernd); G 3? Warum gerade G. hä? Warum ßerade G? Legt jeden"m, nicht wahr? (Zwingt dem Lahmen ria.« Glas in die Hand) �hken! Sofort, sag ich!(Deutet zur Tür). Der Lahme: Ich weiß, Ihre Leibwache "teht draußem(Stürzt das Glas hinter, schüt- sich) Brrr... In einer Stunde schlafe ich. (1Il®che desgleichen!(Durch die Tür ab). Führer(hinterher): Schick' mir wenig- �ens meinen Adjutanten Brückner! Holt �"�ücner! Brückner soll kommen! Heber dem Hofe wölbt sich der besternte �üthinamel. Klumpfuß humpelt zum Auto, ��ht sich die Stirn, stöhnt:„Immer das- 861 b®. immer dasselbe. Delirium..." Hört f4® surrendes Geräusch, zieht den Kopf ein, rcüt scharf nach oben. Her Lahme(zum Chauffeur): Hören (Deutet zum Himmel). Cl»auffeur: Jawohl, ein FUeger. t Hej. Lahme: Jetzt? Nachts drei Uhr? «her dem Führerpalais?(Schmeißt sich ins üto) Gas! Tempo! Durch die Nebenstraßen! Ah. � WaÄen mit schwerbewaffneten �rdrein). Die neue Kuliur Haß vor einiger Zelt bei der Aufführung i r-Hermannsschlacht" von einem Teil des �Unen Publikums der Dichter Kleist vor l_. Vorhang gerufen wurde, macht dem �•««inn dieses Publikum« alle Ehre, hß- l�htet es doch täglich, daß nahezu sämt- �he Dramenschreiber des Dritten Reiches in * Vorzeit flüchten. Schlimmer als die obige Panne ist das Banausentum der amtlichen „Kulturstellen". Es war die„Deutsche Allgemeine Zeitung", die kürzlich von dem Schreiben eines nationalsozialistischen Kulturwarts berichtete, der von der Neuauflage der Grimmschen Märchen gelesen hatte und darum bei seiner vorgesetzten Dienststelle anfragte, ob die Herren Gebrüder Grimm in die Berufsliste der deutschen Schiiftst eller eingetragen seien... Bald darauf leistete sich die Relcbsschrifttumskammer ein ähnliches Stück: der Verlag S. Fischer erhielt von dieser Kultur-Instanz die dringende Anfrage, aus welchem Grunde der im letzten Verlagsproepekt erwähnte Herr Adalbert Stifter sich noch nicht zum Beitritt In die Schrifttumskammer angemeldet habe; es möge umgehend seine Adresse mitgeteilt werden. Wenn es also schon oben so düster aussiebt, was soll dann weiter unten verlangen? In einem mitteldeutschen Bezirk haussuchten Nazis in der Wohnung eines unserer Genossen. Die Augen des Truppführers blieben an einem Bilde August Bebels hängen.„Wer ist das?" fragt der Bonze, „Mein Vater", antwortet der Marxist.— „Nicht übel", meint der Truppführer,„än hübscher Mann, wirklich än hübscher Mann — und Sie sind so daneben geraten!" Etwas schlechter erging es im selben Bezirk der Büste eines anderen Großen; sie wurde in der Wohnung eines verhafteten Reichsbannermannes entdeckt. Wallende« Haar, tiefliegende Gipsaugen—„das ist Karl Marx" konstatiert Hitlers Amtswalter. Die Büste wurde ins braune Haus geschleppt, aufgestellt, die SA-Kolonne mußte antreten.„Prägt euch die Judenvisage ein", donnerte der Oberbonze,„das ist der Stamm vater der Marxisten! Die Nase, der hinterhältige Blick, die geile Fresse— so sieht ein Volksschädling aus. Wegen dem hat Deutschland den Krieg verloren!"— Ein Kolporteur des Naziblattes macht den Vorschlag:„Ein Schild umhängen, in unserer Buchhandlung ausstellen..." Das Schild wurde— mit den nötigen Beschimpfungen— gerade gemalt, da kommt zufällig der Dirigent des Nazlgesang- verelna hinzu, bleibt vor der Büste stehen, stutzt„Wo habt ihr denn den her? Den stellen wir aufs Klavier, so was bat uns schon lange gefehlt!" Es war die Büste Richard Wagners. Gescbiditen ohne Anfang Ob des nachlassenden Fremdenverkehrs schüttelte da« alte Burgverließ den Kopf und dachte; Seitdem es Konzentrationslager gibt mache ich keinen Menschen mehr gruseln. • Als Feder einsam und verlassen starb, wankte die Zinsknechtschaft gebrochen hinterm Sarge drein. • Kaum gefallen, vernahm der Pferdeapfel das Lied:„Die Straße frei den braunen Bataillonen"— und wurde daraufhin größenwahnsinnig. * -- begab sich Hanns Jobst im Frühling auf die Weltreise und getraute steh bis heute noch nicht wieder nach Hause. • Die alte Bettlerin sah Frau Mag da mit der Sammelbüchse stehen und sagte:„Mit der Toilette hätte ich auch mehr Zulauf gehabt" Zum Scilufl war„Mein Kampf In zwölf Sprachen- Ubersetzt worden— nur Ins Deutsche noch nicht. • Worauf die Frau ihrem Manne riet:„Mach dich dünne— Adolf war bei uns Trauzeuge!" • Schachts Rivalen aber stellten neiderfüllt fest daß in Deutschland schließlich Immer wieder der höchste Stehkragen siegt. B. B. IVeue Sprache In der Philologen-Zeitschrift„Die neueren Sprachen"— sie erscheint im Frankfurter Schulverlag Diesterweg— lesen wir: „Die Zelt verlangt voller Hingabe nach dem Führer im Drange der Sehnsucht nach Gestaltung ihres aus den Tiefen erregten Lebenshungers." Diese Sprache ist nicht nur„neuer", sie ist so neu, daß nicht der leiseste Zusammenbang zwischen Ihr und Irgend einer andern lebenden Sprache, z. B. der deutschen, bemerkbar ist Wer den Satz versteht wird um Zuschrift gebeten. Bescheiden Die„Stimme", eine Berliner Musikzeitschrift stellt kurzerhand fest: „Das deutsche bildet jenes Volk auf der Erde, das sich beim Anhören von Musik das meiste zu denken vermag." Warum so bescheiden? Das ist noch gar nichts! Das deutsche Volk bildet sogar das einzige, das sich beim Anhören von Führerreden(angeblich) Uberhaupt etwas zu denken vermag. Und das will viel mehr heißenl BekkissoMtuäM-diehlofäedeeAtMet In der großen Stimmungspanik, die In Deutschland ausgebrochen Ist, wird viel von polltischen Spannungen, bürgerlicher Opposition, Cliquenkämpfen, Parteirebellion und Krl- tikastertum Im Mittelstand berichtet, ohne daß dabei der Arbeiterschaft Erwähnung getan wird. Unkundige könnten glauben, daß Adolf Hitler die Massen der Arbeiter und Angestellten für sich gewonnen habe, weil sie nicht unter die Rebellen gegangen sind. Das Regime freilich ist hinsichtlich einer Gleichschaltung der Arbeiterschaft weniger zuversichtlich. Es trifft täglich seine Maßnahmen, um die Reinigung der faschistischen Staatspartei zu vollenden und die Umstellung der Naziherrschaft zur großkapitalistischen Wlrt- schaftsdiktatür zu organisieren. Die programmatische und organisatorische Auswechslung des„deutschen Sozialismus" gegen den deutschen Hochkapitalismus vollzieht sich im rasenden Tempo; der Verfasser von„Mein Kampf" feiert als Verwandlungskünstler wahre Triumphe. Nur auf einem Gebiet ist alles Reorganisieren und„Durchgreifen" bisher ohne Erfolg geblieben, nämlich in der Deutschen Arbeitsfront. Es können weder Aulstände, noch Verschwörungen der Arbeiterschaft entdeckt werden, es wird pünktlich zum Betriebsappell angetreten, es wird gearbeitet und die„Soldaten der Arbeit" achten auch die Betriebsordnung. Die braune Polizei, die mit der Verfolgung der Hitlerschen Parteigenossen Tag und Nacht beschäftigt ist, findet kaum Gelegenheit, gegen Meutereien der Belegschaften vorzugehen und doch wittert das Regime den wachsenden Widerstana dieser in Legalität verharrenden Arbeiter. Es ist schon alles geschehen, um jede Bewegungsfreiheit der Arbeiter zu beseitigen. Selbst die Deutsche Arbeitsfront hat ihr Eigenleben aufgeben müssen und ist mm zentral und territorial in die NSDAP eingereiht, aber der Laden von L e y klappt nicht, weder vor, nocn nach seiner Inspektionsreise durch Deutschland. Er hat neuerdings seinen Organisationsreferenten Selzner in die Wüste geschickt und durch den Leiter der Arbeiterbank, einen in weiten Kreisen des Volkes unbekannten Herrn Müller ersetzt. Auch der wlrds nicht schaffen und wenn demnächst Ley selbst in den Wohlverdienten Ruhestand versetzt werden wird, kann sein Nachfolger die nationalsozialistische Erziehung am deutschen Arbeiter nicht bewältigen. Wohl ist die Gewerkschaft vernichtet, das Betriebsrätegesetz aufgehoben und der kollektive Arbeitsvertrag zerschlagen, aber der gewerkschaftliche Geist der geschulten - Belegschaftsmitglieder konnte und kann durch keine noch so blutige faschistische Gewalt zerstört werden. Vielleicht setzen es die Unternehmer durch, daß die Arbeitsfront noch einmal umgebaut oder mit ihrem Ley auch noch ganz beseitigt wird oder sie veranlassen den„obersten Gerichtsherrn", seine Henker unter die Amtswalter der Arbeitsfront zu schicken. Gegen das Solidaritätsbewußtsein einer geschlossenen Betriebsbelegschaft und ihre besonnene Kraft ist noch kein Schießgewehr erfunden. Wenn die lauten Rebellionen im 4litlerlager längst niedergeschlagen sein werden, verbleibt und wächst jene noch unsichtbare Widerstandskraft der Arbeiter, die ihren Ausgangspunkt vom Betriebe nimmt. Die neuen Kampfformen, in denen sich die Betriebsaktivität der Belegschaften äußert, sollten nicht darüber hinwegtäuschen, daß an der deutschen Klassenfront Bewegung ist. Die Zusammensetzung der Belegschaften hat sich verändert, seitdem, nicht zuletzt infolge der Aufrüstung, die Facharbeiter wieder in großer Zahl benötigt werden, die unter den Nazis Nr. 1 bis 100.000 beim besten Willen nicht zu finden sind. Die parteimäßige Zusammensetzung der Belegschaften hat sich nicht aufrecht erhalten lassen und der Einfluß der NSBO-Leute hat sich außerdem durch ihre eigene Entmachtung vermindert. Es kommt hinzu, daß auch bei den Naziproleten die Enttäuschung Uber die neue Sozialverfassung eine wesentliche Ernüchterung bewirkt hat. Selbst die von oben eingesetzten Vertrauensräte haben die Freude an ihrem Amt verloren. So mahnt der Treuhänder von Brandenburg seine Schutzbefohlenen: „Immer wieder wird mir gemeldet, daß Vertrauensmänner ihr Amt_ niederlegen aus einer augenblicklichen nicht gelungen ist, ter und„legaler" Kampfmethoden. Da wird z. B. von eine Kolonne zur Abwehr der Akkordlohnschinderei eine Arbelt, die auf 1« Stunden„abgestoppt" ist, in 22 Stunden geleistet In einem anderen Betrieb blieben die Stundenlöhne hinter den übertariflichen Akkordlöhnen zurück. Das geschlossene Vorgehen der Belegschaft hatte das Ergebnis, daß der höhere Akkordlohn allgemein eingeführt werden mußte. In einem mittleren Betrieb. der mit Nachtschicht arbeitet, werden in den Schränken Flugblätter gefunden, ohne daß die Verteiler ermittelt werden können. Eine Belegschaft konzentriert ihre Aktion auf die Regelung des Urlaubs, die nächste auf Aende- rung der Betriebsordnung oder die hygienische Gestaltung der Arbeitsräume. Auch mancher unerträglich gewordene Vertrauensrat hat in letzter Zelt dem Verlangen der geschlossenen Belegschaft weichen müssen. Der Ersatzmann ist aus anderem Holz. ten aber keine Hand. Die herbeigerufene Polizei weigerte sich einzugreifen und die Direktion mußte auf den Sonderabzug vom Lohn verzichten. Das erwachende Selbst- und Kraftbewußtsein der Arbeiterschaft hat auch in Einzelfällen zum aktiven Widerstand gegen Lohnkürzungen geführt, wie einzelne Aktionen der Bauarbeiter zeigen, die mit positiven Ergebnissen endeten. Ebenso haben sich Arbeitslose, die zum Bau einer Autostraße kommandiert waren, gegen einen willkürlich vor genommenen Lohnabbau von 17 Prozent durch Arbeitsniederlegung gewehrt. Als den Berliner Angehörigen dieser Arbeitslosen statt der zugesagten 10 Mk. nur 6 Mk. ausgezahlt wurden, bestanden die Mitglieder des Arbeitslagers auf Erfüllung des Göringplanes und verlangten Rückfahrkarten nach Berlin. Sie wurden zunächst in das Polizeipräsidium nach Berlin transportiert, alsbald aber wieder frei- Aengste — Brückneri Brückner! Mein Ädjudantü! Brückner, du läßt mich doch nicht allein? Brückner, da draußen hat was gebrannt. Ich bin erwacht von dem Feuerschein.— — Das war nur der Mond auf dem Reichstagsdache. Schlafe, mein Führer. Ich halte Wache.— Brückner, ich werde mal umgebracht, wenn du dich nächtlich von mir entfernst. Brückner! Da draußen hat was gekracht! Fehlzündung, sagst du? Nein, das war ernst.— — Ernst liegt doch lange mit seinem Stabe von dir gerichtet im Massengrabe.— — Brückner, sieh schnell mal unters Bett. Mir war, als ob da was Leises kroch. Brückner, ich müßte mal aufs Klosett. Ich habe so Angst, daß im Trichterloch-- — Komm nur getrost. Deine Leibstandarte schützt dich, derweil ich draußen warte.— — Brückner, dem Tee laß ich morgen stehn. Wenn ich an Gift denke, bin ich satt. Brückner, hast du den Barbi3r gesehn? Wie der das Messer geschliffen hat!— — Ich werde den Tee vorher ausprobieren. Ich werde dich morgen selbst rasieren.— — Selber? Wie schön! Das ist mir recht Dann bin ich sicher in guter Hut Brückner? Du selber— du bist doch echt!? Brückner?? Du bist mir doch wirklich gut?— — Zu jeder Zeit und an jedem Orte. Ich gebe dir tausend Ehrenworte!— — Brückner,---??? Der Rote Hans. Die Lohnforderungen der gelernten Arbeiter, wie Dreher usw., konnten nicht immer abgelehnt werden. Gemeinsame Protestaktionen von Bergarbeitern gegen prügelnde Steiger oder andere Mißstände haben sich gehäuft. Der neuerdings unternommene Versucn einiger Großbetriebe, jede Lohnaktion damit zu unterbinden, daß den Arbeitern verboten wird, über die Löhne zu sprechen, dürfte seinen Zweck verfehlen, so lange die Industrie der Massenzusammenkünfte in Büro und Werkstatt, neuerdings erleichtert durch Betriebsappelle bedarf. Der Streik, die stärkste gewerkschaftliche Waffe, ist im Dritten Reich verboten. Der legalisierte Arbeitskampf braucht darum, wie folgendes Beispiel zeigt, nicht aussichtlos zu sein. Als der Belegschaft eines Berliner AEG- Betriebe zugemutet wurde, zum„Tag der nationalen Solidarität" neben dem angeordneten Lohnabzug zur Winterhilfe noch einen Sonderbeitrag von 60 Pf. zu leisten, gingen die Arbeiter wortlos an ihren Arbeitsplatz, rührgelassen. Die Auszahlung an die Familien wurde wieder in voller Höhe durchgeführt. Die Baufirma mußte außerdem die Sozialbeiträge übernehmen, was einer Lohnerhöhung von 8 Prozent gleichkommt. Einige Zeit später haben die Nazis das zu teuer gewordene Lager aufgelöst. Diese kleine Auslese von Betriebsaktionen legaler Art mag bestätigen, daß die Diktatur in der Anwendung ihrer brutalen Machtmittel gegenüber der solidarischen Widerstandsfähigkeit von Betriebsbelegschaften nicht immun ist. Wenn die Presse der Arbeitsfront neuerdings an die Belegschaften appelliert: „Der Betrieb muß Heimat werden", so sagen wir: Der Betrieb war. ist und wird alle Zeit die Heimat der Arbeiterklasse sein. Im Betrieb ruhen die starken Wurzeln unserer Kraft Noch ist die Zeit eines offenen Widerstands der Arbeiterschaft nicht gekommen. Im Kleinkrieg der Betriebe um die unmittelbaren Fragen des täglichen Arbeitslebens schärft sich die Waffe zur offenen Schlacht gegen den Faschismus. Verkümmepte Wohnungsfiipsopge Hunderte von Beispielen ließen sich dafür anführen, daß dort, wo die Nationalsozialisten doch einmal zu sozialen Konzessionen gezwungen sind, sie sich an das anlehnen, was die Sozialdemokratie in jabrzehnte langem Wirken für die hilfsbedürftige Bevölkerung Verärgerung Deutschlands geschaffen hat Aber was da- darüber, daß es ihnen mcht gelungen ist,.,,,, ,,, einen Wunsch bei ihrem Betriebsführer mala lebendige und wirklich helfende Fürsor- durchzusetzen........ aber auch wenn ge war, einmal stichhaltige Gründe kann im Reich der faschistischen beim Betriebs- Diktatur nur in verkrüppelter und verküm- führer für die Nichterfüllung einer Forde- merter Form gedeihen; ist nur ein jämmer- rung fehlen, ist dies noch kein Grund, das, ,H T.. Amt niederzulegen."| hcher Schatten der gewaltigen Ixsistungen. ' Was die Vertrauensräte versäumen, holen die die sozialistische Arbeiterbewegung die Belegschaften allmählich nach. Sie bedle- Deutschlands und ihre Vertreter auf sozial- nen sich bei der solidarischen Wahrnehmung politischem Gebiete vollbracht haben. der Belegschaftsinteressen polizeilich erlaub- 1 Das hindert die Nationalsozialisten aber nicht daran, damit die aufdringlichste Reklame zu machen. Wenn schon die Volksmassen im Inlande nicht mehr zu täuschen sind, so soll wenigstens noch das Ausland das Märchen von„sozialer Volkspolitik" der Nationalsozialisten glauben. Machte da kürzlich durch eine Reihe ausländischer Blätter eine Meldung aus L e i p- z i g die Runde, die die Nationalsozialisten ob ihrer Fürsorge für die Kinderreichen herausstrich. Der Stadtrat von Leipzig habe In seinem Wohnungsprogramm, das tausend Wohnungen vorsehe, 260 Wohnungen den Kinderreichen vorbehalten und außerdem beschlossen, auf die Dauer von 35 Jahren Jedes Jahr 12.000 Mark bereitzustellen, damit die Wohnungsmiete für kinderreiche Familien um etwa zehn Prozent gesenkt werden kann. Dl# Durchschnittsmiete soll danach nicht mehr als 39 Mark im Monat betragen. Der Naive denkt: Donnerwetter, das lat doch eine anerkennenswerte soziale Wohnungspolitik! Er weiß nicht, daß gerade in Leipzig von der früheren sozialistischen Stadtverordnetenmehrheit eine großzügige soziale Wohnbaupolitik und Wohnungsfürsorge getrieben worden ist. Er weiß nicht, daß die Nationalsozialisten und die rasch bei ihnen untergekrochenen Hausbesitzer die wütendsten Feinde dieser Politik waren. Er weiß nicht, daß unter einem sozialdemokratischen Wohnungsdezementen in Leipzig einige tausend gemeindeeigene Wohnungen errichtet wurden, die vom städtischen Wohnungsamt selbst verwaltet, zu einem von den Hausbe- sdtzem gehaßten Regulator der Wohnungsmiete wurden. Jedes Jahr mußte auf Betreiben der sozialdemokratischen Vertreter ein Wohnungsbauprogramm beschlossen werden, das— und darauf kommt es an— auch durchgeführt wurde. Und jedes Jahr wurde für die kinderreichen Familien ein Teü der neuerstellten Wohnungen zur Verfügung gestellt. Es gibt eine umfangreiche hell# Siedlung für kinderreiche Familien, die gleichfalls auf die Initiativ# der Sozialdemokratie errichtet worden ist. Diese besondere Hilfe war notwendig» weil die Hausbesitzer, und gerade diejenigen, die dann zuerst Nationalsozialisten wurden, die Kinderreichen einfach nicht In ihre Häuser als Mieter aufnahmen. Unter sozialdemokratischer Leitung wurden Neubauten aufgeführt, die ganz den von den Hausbesitzern wegen Kinderreichtum oder Mietenrückstand Exmitierten vorbehalten blieben Und selbstverständlich wurden diese Familien hier aufgenommen, auch wenn sie gat keine Miete zahlen konnten! Wie Uberhaupt für die Kinderreichen in den ihnen von der Gemeinde überlassenen Wohnungen von vornherein die Miete niedriger war als sonst. Nicht zufällig kam es, daß die Leipziger Bevölkerung noch am 5. März 1933 ein# sozialistische Mehrheit aufwies! Diese soziale Wohnbaupolitik haben dl# Nationalsozialisten nach dem Ausbruch de# Dritten Reiches erst einmal zerschlagen. Durch die Beseitigung gemeindeeigener Baubetriebe und des völligen Einstellens von Gemeindebauten haben sie die Neubaumieten b#* trächtlich erhöht; wovon selbstverständlich auch die kinderreichen Familien betroff#0 wurden. Wenn jetzt angeblich jährlich zwölf- tausend Mark zur Verbilligung der Miete zur Verfügung gestellt werden, so machen#•# nur einen Bruchteil des Betrag#' aus, um den in den vorhergegangenen anderthalb Jahren die Mieten verteuert worden sind. Diese Wahrheit läßt den Bluff des Pro- pagandaapparates zerstieben. Wir wollen helfen, daß sie durch neue Bluffs nicht ImW#' wieder verdunkelt werden kann. <5j>jiaWcmofroHfci>cs iDodjcnblall Herausgeber: Ernst Sattler; verantwortlicher Redakteur: Wenzel Horn» Druck:»Gtaphiac; alle in Karlsbad- Zeitungstarif bew. m. P. D. ZI. 159.334/VII-1933' Der»Nene Vorwärts« kostet im Elnie'- verkauf innerhalb der CSR. KC 1.40(für Quartal bei freier Zustellung Kfi 18.—)• FrdJJ der Einzelnummer im Ausland KC 2.— 24.— für das Quartal) oder deren Gegen we� in der Landeswährung(die Bezugspreise f"* das Quartal stehen in Klammern); Argentini#® Pes. 0.30(3.60), Belgien Frs. 2.—(24.—). � garien Lew 8.—(96.—), Danzig Guld. 0, (3.60), Deutschland Mk. 0.25(3.—), Estian0 E. Kr. 0.22(2.64), Finnland Fmk. 4.—(48-. J Frankreich Frs. 1.50(18.—). Großbntannl«» d 4.—(Sh. 4.—). Holland Gld. 0.15(1.80). � lien Lir. 1.10(13.20), Jugoslawien Din. (54.—). LetUand Lat. 0.30(3.60), Litauen W 0.55(6.60), Luxemburg B. Frs. 2.—(24-— Norwegen Kr. 0.35(4.20), Oesterreich seh- 0.40(4.80), Palästina P. Pf. 0.018(0.21ÖJ; Polen Zloty 0.50(6.—), Portugal Esc.*• (24.—), Rumänien Lei 10—(120.—), Sa� gebiet F. Fr. 1.50(18.—), Schweden Kr. � (4.20), Schweiz Frs. 0.30(3.60), Spanien F"?' 0.70(840), Ungarn Pengö 0.35(4.20), U5 0.08(1.-). Einzahlungen können auf folgende F0*,. scheckkonten erfolgen: Tschecho8lowa"J Zeltschrift»Neuer Vorwärts« Karlsbad, fr* 46.149. Oesterreich:»Neuer Vorwärts« Ka1", bad. Wien B- 198.304. Polen:»Neuer Vorwäri* Karlsbad. Warschau 190.163. Schweiz; Vorwärts« Karlsbad. Zürich Nr. VHl l4-6� Ungarn: Anglo-Cechoslovakische und Credltbank. Filiale Karlsbad. Konto»fe„j Vorwärts« Budapest Nr. 2029. Jugosla«»1*.� Anglo-Cechoslovakische und Prager bank, Filiale Belgrad. Konto»Neuer wärts«, Beograd Nr. 51.005. Genaue Bez#'08 nung der Konten ist erforderlich,