Nr.$3 SONNTAG, 27. Januar 193S tttactKnMa# Verlag; Karlsbad, Haus„Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt: Das Elend der Saarflüchtlinge Wirtschaftliche Folgen der Rückgliederung Evangelische Theologen gehen nach Rom Der Bauer als Opfer des Systems Die Opposition In Deutschland Der Kampf um die Freiheit— Die unterirdischen Parteien Die angesehene Zeitschrift»The FortnlghOy« veröffentlicht einen Aufsatz von Wickham Steed über die Weltlage und die englische Politik. Im Kähmen dieses Aufsatzes beschäftigt sich der führende englische Publizist mit der Stabilität des Hitlersystems. Er gibt die folgenden Ausführungen über die Opposition in Deutschland wieder, die von einem Deutschen stammen, der beruflich Deutschland bereist. Wickham Steed betont ausdrücklich, daß diese Darstellung die Dinge seiner Auffassung nach richtig wiedergibt: Neben den Meckerern und Kritikastern, ber die Dr. Göbbels im vorigen Sommer **agte, gibt es ein»illegales Deutschland«, bnd die 10 Prozent Opposition gegen das �egime am 19. August 1934 spiegeln die 'VEtematische Arbeit von mindestens 6 0 l-Hini Ppositionsgruppen wieder. Wer er in der Lage ist, die Situation in den Vefschiedenen Landesteilen zu studieren, 'büß � cjcm Ergebnis kommen, daß die �üte Hälfte des Volkes(einschließlich der 'üeisten Frauen) heute hinter Hitlers Per- steht, obgleich kaum 40 Prozent den Nationalsozialismus billigen und nicht ein- 20 Prozent auf der Seite von Hitlers Leutn wiants— wie Göring, Göbbels, Rosen- und Frick— stehen. Dieses Ergebnis wird bekräftigt durch 016 Ausbreitung der illegalen Propa- �an daß sie nicht mit gewissen sozia- ven Forderungen einverstanden wä- Wollen, wie immer sie heißen mag, weü Si '«ä k. ' vüe z. B. Aufteilung der großen Land sCher Ur"� Einschränkung der kapitalisti- \Y(_cri Monopole. Aber es ist ein weiter � vou diesen Forderungen bis zur Diktatur des Proletariats; und diesen Weg, davon bin ich überzeugt, wird der deutsche Arbeiter nicht gehen. Wenn die kommunistische Gefahr vor Hitlers Machtergreifung klein war, so kann man heute kaum von ihr sagen, daß sie existiert oder in Zukunft existieren wird. 1. Die Sozialisten. In ganz Deutschland findet man eine lebhafte Agitation, die vou der sogenannten»Sozialistischen Aktion« betrieben wird, das heißt, von den Mitgliedern der früheren Sozialdemokratischen Partei, deren Hauptquartiere jetzt außerhalb Deutschland liegen. Der Hitlerismus hat das Gerüst dieser Partei beinahe unberührt gelassen. Sie hat noch Millionen von Anhängern, auch unter den Jungen, die sehr still und zäh gegen den Nationalsozialismus arbeiten und gleichzeitig gegen die Kommunisten, die von den Sozialisten als schlimmste Feinde der Weimarer Bepublik und als Wegbereiter Hitlers angesehen werden. Nach der Reinigung vom 30. Juni machte diese»Sozialistische Aktion« in der SA Fortschritte, und die SA treibt in manchen Gegenden eifrig die Ulegale Propaganda weiter. Ungeachtet der persönlichen Gefahr tun diese Propagandisten ihre Arbeit in der Hauptsache mündüch, aber sie verteilen auch Flugschriften. Wenn es der Geheimen Staatspolizei gelingt, eines solchen Propagandisten habhaft zu werden, wird immer die Ergreifung eines»kommunistischen Agitators« gemeldet. Das stimmt mit der grundsätzlichen Praxis der Nazis Uberein, alle Opposition auf der Linken als»kommunistisch« zu behandeln. Aber in Wahrheit wissen die Naziführer sehr genau, daß die Sozialisten ihre wirksamsten und am schwersten greifbaren Feinde sind. Das beweisen verschiedene Wntausbrüche in der offiziellen Nazizeitung, dem»Völkischen Beobachter«. 3. Die dritte Oppositionsgruppe wird von Otto Straßer geführt, dem Bruder von Hitlers früheren Bundesgenossen Gregor Straßer, der am 30. Juni gemordet wurde. Otto Straßer trennte sich vor Jahren von Hitler, und während er eine andere Form des Nationalsozialismus anerkennt, verwirft er den Antisemitismus. Er betreibt seine Propaganda in einer Flugschrift, die im Ausland gedruckt und in beachtüchen Mengen nach Deutschland geschmuggelt wird. Sein Ziel ist, solche Nationalsozialisten um sich zu sammeln, die sich nach dem 30. Juni von Hitler abwandten, und es ist Grund zu der Annahme vorhanden, daß er unter den Bauern und kleinen Landeigentümern Fortschritte macht. 4. Die frühere Zentrumspartei und die römisch-katholischen Christen halten im allgemeinen an ihrer stillen, aber ausdauernden Feindschaft gegen das Hitlersystem fest, obgleich sie sich, soviel ich feststellen"kann, von Ulegaler Propaganda zurückhalten. Zwischen den verschiedenen Gruppen der katholischen Bevölkerung scheint eine Art stillschweigender Ueber- einkunft zu bestehen, gegen den Nationalsozialismus auf religiösem Gebiet und in Gewissensfragen zu opponieren. Die Art, in der die»Hitler-Jugend« dem Christentum abspenstig gemacht wird und die Agitation der»Deutschen Glaubensbewegung« haben den Boden bereitet, auf dem die stille katholische Propaganda erstarkt. 5. Die fünfte Gruppe wird von den Oppositionellen des konservativen Mittelstandes gebüdet, einschließlich all jener Unorganisierten, die das gegenwärtige System aus politischen, wirtschaftlichen oder religiösen Gründen verwerfen. In diesem Zusammenhang ist die Spaltung in der evangelischen Kirche außerordentlich bedeutsam und die Feststellung ist nicht übertrieben, daß der Sieg der»Bekenntniskirche«, der in der Absetzung Dr. Jaegers,»Rechtswalter« des Hitlerschen Reichsbischofs Müller, zum Ausdruck kam, ein Ereignis von großer politischer Bedeutung war. Sollte der evangelischen Opposition die Entfernung des Reichsbischofs Müller gleichfalls gelingen, so hätte sie einen vielleicht entscheidenden Sieg über Hitler selbst erfochten. Innerhalb der Mittelstands-Opposition gehört die eigentliche Führerschaft den »Volksmonarchisten«, d. h. den Anhängern jener Tendenzen, die von dem am 30. Juni ermordeten General Schleicher verfochten wurden. Dieser Mord und die Ermordung anderer bekannter Persönlichkeiten machte einen verheerenden Eindruck auf die Krise, in denen die diplomatischen und wirtschaftüchen Folgen der deutschen Isolierung voll verstanden werden. All diese Gruppen und Richtungen haben ein einziges Ziel— den Sturz de» nationalsozialistischen Sjt� s t e m s— und es darf als gewiß gelten, daß Beziehungen zwischen einigen dieser Gruppen bestehen und stärker werden. Weder durch»Veisöh- nungsfeldzüge«, noch durch Görings»eiserne Faust« wird es Hitler gelingen, ihrer Herr zu werden. Der Abgrund zwischen ihnen und dem Nationalsozialismus ist zu tief, besonders aber der Abgrund zwischen ihnen und dem Begriff»Totaler Staat«. Alles in allem besteht kein Grund, die Aussichten des Hitlerregimes als rosig"zu bezeichnen. Das Elend der iSaarf liiditlinge Eine Anklage an Europa und den Völkerbund! Alle Befürchtungen, die man hinsichtlich der Flüchtlinge von der Saar nach einem Siege Hitlers hegte, sind durch die Wirklichkeit furchtbar übertroffen worden. In die lothringischen Grenzorte ziehen in kaum unterbrochenen Strömen Männer, Frauen und Kinder, weil sie sich vor dem braunen Terror nicht mehr sicher fühlen. Allein in Forbach, einer kleinen Stadt dicht an der saarländisch-loth- ringischen Grenze, sind bisher nahezu 3000 Emigranten eingetroffen, kaum mit dem notdürftigsten Gepäck, viele mit nichts anderem, als dem, was sie gerade auf dem Leibe hatten. Mit tiefer Erschütterung sieht die lothringische Bevölkerung die Elendszüge kommen und sucht nach Möglichkeit zu helfen. Die französischen Behörden haben eine umfassende und sorgfältige Vorbereitung zur Aufnahme der Flüchtlinge getroffen, die von hier aus nach dem Süden Frankreichs, zunächst nach Toulouse, im Sonderwagen weiterbefördert werden. Aber diesen Massen in dieser Not sind die geschaffenen Einrichtungen zur Aufnahme und zur Verpflegung kaum gewachsen. In der Forbacher Turnhalle, dem Hauptsammelplatz, drängen sich Männer, Frauen und Kinder so dicht, daß sehr viele in den kommenden Nächten kaum eine Gelegenheit zum Sitzen haben werden. Die Kinder müssen in Strohsäcken auf der Bühne schlafen. Dabei spielen sich herzzerreißende Szenen ab. Wahrscheinlich werden in Kürze auch Kasernen zur Unterbringung der Flüchtenden bereitgehalten. Dabei scheint alles erst ein A n f a n g zu sein. Das allerschlimmste wird erst für die Tage nach der offiziellen Rückgliederung am L März gefürchtet Es ist die erste ganz überwiegend proletarische Emigration der neueren Geschichte, mitten im Herzen Europas. Sie bedeutet zugleich eine schreiende Anklage gegen den Völkerbund, dessen Saarregierung Tausende und aber Tausende schutzlos läßt Die Polizei, die der Regierungskommission untersteht, wagt nicht, die Gegner der Rückgliederung gegen Bedrohung und Gewalt zu beschützen. Die Beamten befürchten, selbst, wenn sie den guten Willen zum Eingreifen hätten, daß sie nach der»Heimkehr« des Saargebietes ihres Amtes enthoben und sofort durch»alte Kämpfer« ersetzt werden würden. Die überwiegende Mehrheit der Polizei steht ganz offen im Dienste der braunen Front, Der Chef der Polizei, Direktor Heimburger vom Ministerium des Innern, ist vollkommen isoliert und wird bei allen amtlichen Meldungen völlig übergangen. Er empfängt seine Informationen über die Zustände im Lande von ausländischen Journalisten, die in heller Empörung über den Zusammen- bruch der Polizeigewalt in einem dem Völkerbund als Treuhänder übergebenen Lande sind. Dies alles geschieht unter den Augen der internationalen Truppen, die untätig in den Kasernen und Unterkünften festgehalten werden. In den gleichen Stunden, in denen der Völkerbundsrat feierlich die Bückgliederang des Saargebietes an Hitlerdeutscb- land beschloß, müssen tausende angeblich geschützter Saarländer in bitterstem Elend und zerquält von ihrem im gewesen Schicksal die Heimat verlassen... Die S a a r e m i g r a t i o n ist ein W e 1 1 s k a n d a 1. Sie steht im krassen Gegensatz zu den feierlichen Versicherungen des Reichskommissars für das Saargebiet, des Gauleiters Bürckel, des Kom- merzienrates Röchling und der andern Größen der»Deutschen Front«, die den fremden Journalisten immer wieder beteuerten, daß aus dem ganzen Saargebiet nur 100 Menschen emigrieren müßten. Greift der Völkerbund nicht schnellstens eia, so ist er für alle Zeit neben dem »Dritten Reich« mitverantwortlich für das Elend der Saaremigranten. Aus Neunkirehea erfahren wir; Kaum war da« Ergebnis bekannt,«o setzte Art ohnedies schon schlimme Terror der Nazis vetetärkt ein. Einige Minuten nach der Bekanntgabe mußte unter dem Druck der Nazis dir Buchhandlung der Partei, die sieb Unmittelbar bei dem Volkshans befindet, geräumt werden. Da« Volkshaus könnt« man kabm mehr verlassen, ohne angepöbelt zu werden. Die Nazi»" standen davor und foto- graflerten die faulte, die au*- nnd eingingen. Den ganzen Tag über versammelten sich Gruppen vor dem Hause, die eine drohende Haltung einnahmen und ihre Sprecbehöre riefen. Alle diese Dinge steigerten sich natürlich gegen Abend, als der Fackelzug der Deutschen Front marschierte. Viele Genossen aus den Nachbarorten trafen im Volkshaus ein, well sie sich vor dem Terror der Nazis schützen mußten. Andere verbrachten die Nacht im Waide, weil man sie in der Wohnung bedrohte. So kamen im Volkshaus Nennkirchen am Mittwoch morgens 5 Uhr eine Anzahl Frauen an, kleine Kinder auf dem Arm und suchten Schutz. Sie waren aus N I e- defhexbach. Man hatte ihnen die Fen- stcrscheiben der Wohnungen zertrümmert und brennende Fackeln tu die Wohnungen geworfen. Das Volkshana glich einem Flüeht- Ungnasyl. Die Polizei machte auch nicht die geringste Geste, um diesen Leuten etwa Schutt zu gawähren. Im Gegenteil, diese üebergrlffe wurden wohlwollend geduldet. Man sah größere Abteilungen der Polizei im Fackelzug der Deutschen Front mitmarschleren. Beamte, die an den Straßen postiert waren, erhoben während des Vorbeimarsches die Hand zum Hlilergruß. Man hatte den Eindruck, als sei die Rückgliederung schon offiziell vollzogen. Eine große Anzahl von Genossen hat unter diesem Eindruck Asyl In Frankreich genommen. Der Alkoholangriff auf die SS Wollte man den deutschen Zeitungen Glau- ten schenken, so hat sich auf dem großen Friedensbankett in Berlin folgepdes zugetragen: der Relohswehrmlnister hat ein« Molle spendiert, und die SS, akademische Jungens, di*«ich nicht lumpen lassen, haben sich durch Auabändigung ihrer Waffen revanchiert. Wie, haben w i r denn die Mollen getrunken 7 Das ist zu dick aufgetragen, es wird schon wieder unglaublich! Das steht ja fast auf einer Stufe mit der Rede Oering«, wonach keine Regierung einiger sei als die deutsche. Wir haben nichts getrunken, und darum glauben wir weit eher, daß die OerUchte zutreffend sind, wonach es in Magdeburg und Brcalau tu Schießereien kam, ale Reichswehrsoldaten das feierliche Versprechen des Bierabends einlösen und die Waffenlager ausheben wollten. Offenbar hatten die SS-Leute inzwischen einen Rollmops gegessen und bei nüchterner Betrachtung der Dinge festgestellt, daß sie eigentlich furchtbar schlecht getauscht haben. Die Reichswehr hat das Bier nur spendiert — aber nicht getrunken. Das überließ sie den anderen, sie hat die SS geschluckt! Sie hat auf der ganzen Linie gesiegt. Die klein« Armee ist gut! Früher haben die Schwarzen sidb und anderen weis gemacht, sie werdet mit der Reichswehr auch noch fertigwerden. Das haben sie so feierlich und ebenso berauscht betont, wie sie sich nun entwaffnen heften. Drei Regimenter bleiben übrig, drei Standarten. Aber dl« Reichswehr hat ihnen nicht nur dl« Waffen weggenomtnen, sondern auch daß Versprechen gegeben, daß sie als Mann- sohaftsersatz berücksichtigt werden. Das kann schon sein, denn einige von den Kerlen sind sicher doch brauchbar und entwichlung«- tähl*. Wenn die meisten erst merken war- daß, daß«le nicht zu den wenigen gehören, werden sie schimpfen, daß sie die Maschinen- gewähre nicht benutzt, sondern in»hlmm- llsebsr« Einfalt abgeliefert haben— für eine rinayn Molle! Nun, Alkohol bat im Kriege ja iMnier ein« große Roll« gespielt, aber daß maa nur mit ihm und fast ohne jeden Schuß eins Armee«riedigt, ist ein« völlig neue Taktik, die in die Kriegsgeschichte eingeführt zu haben, da« bleibende Verdienst der deutschen RMObSWehr Ut. AbIKsting folgt »Sofort arischer Teilhaber zur Ablösung eines■■. nicht mehr tragbaren Nlchtariers gesucht.« (Reichsdeutsches Inserat.) Er hat es getragen so mänChes Jahr— und jetzt wird er kein Feld mehr haben. Ple grolle Futterkrippe Wer sich In HItler-Deulschlatid mästet— Volks- Wohlstand lief gesund cn, aber gewaltige Inflation des Behörden-Apparats und des Beamtentums Als die Nazis in der Maienblüte ihrer Pro- paganda-Demagogis jedem alles versprachen, fand sich unter den vielen Parolen natürlich auch die: Vereinfachung der Verwaltung— Schluß mit dar Krippenwirtschaft der schwarzroten Bonzen! Nun, sie haben, zur Macht gelangt, die Verwaltung ebenso wenig vereinfacht, wie sie die Zinsknechtschaft zerbrachen! Daß die braunen Ausbeuter Deutschland zu einem Dorado der Postenjäger, Futterkrippen-Eroberer und Parasiten gemacht haben, hat endlich sogar das in künstlicher Dummheit gehaltene deutsche Volk gemerkt. Der Prunk ufcd Pomp der Bonzen Von Hitlers Gnaden fiel allmählich den Zahmsten auf, ebenso wie man erkannt«, daß plötzlich fast alle«, was ein Nazi-Parteibuch besessen �hatte, mit einem Schlage herrlich und in Freuden auf Staatskosten zu leben begann. Doch kann man sich allein aus den noch so vielen Details dieser schmarotzenden Bonzenwirtscbaft noch kein rechtes Bild von ihr machen; ihr erschreckender und ruinöser Umfang wird erst sichtbar, wenn man sich durch den ganzen Dschungel des neudeutschen Aemter- und Behördenapparats zu winden versucht. Alles, Was seit dem 30. Januar 1Ö3S an Posten und Pöstchen, Aemtern und Behörden auf dem braunen Mistbeet gewachsen ist, läßt sich unmöglich aufzählen; es sei denn, man würde gleich ein dickleibiges Nachschlagewerk veröffentlichen. Eines der vielen unergründlichen Gehrimniss« Hitler-Deutschlands ist, wie die Herren Ober-, Unter- und NebenfUhrer sich 1 In dleaem Labyrinth Uberhaupt noch zurechtfinden, geschweige denn, der heimgesuchte' Bürger. Für das heillose Behörden-Durcheinander und-Gegeneinander, das heute in dem Ordnungsstaat Deutschland herrscht,! gibt es unzählige Beweis«. Als das»fluchbeladene Weimar-System« nach vierzehnjährigem»Schmach-Regime verschwand, gab es in Deutschland rund dreieinhalb Millionen Beamte, al- 80 Arbeitnehmer, die entweder von Kelchs-, Staats- oder Kommunalbehörden fest besoldet wurden und alle Beamtenrechte genossen. Gewiß, der Verwaltungsapparat war damals schon ziemlich kompliziert und gab manchem Bürger, wenn er mit ihm in Berührung kam, eine harte Nuß zu knacken. Doch es war ein geradezu paradiesisch einfacher Zustand gegenüber dem heutigen Chaos. Die Hitler- Regierung hält selbstverständlich, so weit sie nur kann, alle Endziffern zurück; und da sie, nicht wie frühere Regierungen, in ihrer Selbstherrlichkeit keinem Parlament eine Haushalts-Abrechnung vorzulegen braucht, läßt Sich alles verschleiern. Man muß sich deshalb an dürftige Ziffern-Angaben anderer Stellen halten, wenn auch diesen gegenüber der Verdacht der absichtlichen Irreführung durchaus gerechtfertigt lat. Nach den letzten Angaben der Deutschen Arbeitsfront, der Ja zwangsweise alle arischen Arbeitnehmer angehören müssen, hat die Hitler-Regierung immerhin die Imponierende Leistung vollbracht, fast Jeden zwölften Deutschen von Staats wegen tu versorgen, das heißt Um zu einem Beamten zu machen! Es gibt nämlich heute in Deutschland weit mehr als fünf Millionen Beamte der Reichs-, Staats- und Kommunal behörden! In diese Ziffer sind noch lange nicht eingerechnet all die großen und kleinen Würdenträger,»Kommissare« und sonstigen Satrapen des Dritten Reiche«, deren Bezüge insgesamt ja auch eine ganze hübsche Menge Kleingeld ausmacht! Ja, man hat nach dem Machtantritt die Verwaltung»vereinfacht«; Man hat, wo man nur konnte, die Beamten mit verdächtiger Gesinnung hinausgeworfen und sie vielfach gleich durch zwei Inhaber alleinseligmachender brauner Parteibücher ersetzt. Man hat auch, wie man weiß, die Verwaltung durch dl« Umwandlung der Länder In Reichsgaüe »Vereinfacht« und ebenso durch die Ueber- nahme großer Teile der Landesregierungen auf das Reich. Doch wie das für das den braunen Gängstem zu jeder BrändsefiatZUhg überlassene Reichssäckel aussieht, sei nur an einem Beispiel illustriert: Hitler hat bekanntlich, nachdem noch einundzwanzig seiner besten Freunde g'anz groß zu versorgen Waren, dies« zu Reichsstatthaltern ernannt. Darunter auch den wegen Ordensschwindels, Urkundenfälschung und ähnlicher Delikte vorbestraften Hamburger Gauleiter Kaufmann. Die Herren Reichsstatthalter beziehen beute das Gehalt eines Reichsministers, das sind nettö 36.000 Reichsmark. Außer diesen 3000 Mark Monatsgehalt, hat Herr Kaufmann noch folgende monatliche Einkünfte: Gehalt als Gauleiter(das ja praktisch auch aus der Hebammen«, ist ungewiß. Das Reichs- ReiohskaSee kommt) 2000 Mark. Aufwands- Wirtschaftsministerium kann es neuerdings entschädigimg als Reichsstatthalter 790 Mark. Diäten als Reichstagsabgeordneter 660 Mark. nicht unter fünf Relchskommissaren machen. Da man Ja so deutsch und christlich ist, Inagesamt also bezieht Kaufmann schon nach hat man selbstverständlich eine eigens offiziellen Angaben monatlich 6310 Mark, Da er aber mit diesem Einkommen selbstverständlich noch nicht standesgemäß leben Reichskirchenregleruag mit verschiedenen Nebenämtern— RelchsklrCheft- kammer, Reichskirchenflihrung, Reichsklr- kann, erhält er dazu noch einen monatlichen chenrat usw.— geschaffen. Auch die Wohnungszuscbuß von 300 Hark, ferner freie»Reichsleitung deutscher Chrl* Beheizung und ein Dienstauto! Doch dieser sten« kann nicht nur vom Wotanglauben Kaufmann ist ja noch ein Waisenknabe an Einnahmen neben G ö r i n g. dem Lametta- Hermann. der allein aus seinen beiden Hauptleben. Die Jugend braucht natürlich ein »Relchsjugandführungsamt«. Damit die Deutschen endlich ihre Belange ken- ämtern als Reichsminister und preußischer nenlernen, gibt es jetzt ein»Reichsamt Ministerpräsident ein Jahresgehalt von 95.000 für Volkstum und Heimat«. Dooö Mark bezieht, dazu kommen noch hübsche teilt es sich in der Wahrnehmung der Bs- runde Summen aus seiner»Tätigkeit« als lange mit dem>R eichsamt für Rai- Reichstagspräsident, Reichsjagdmeister und sen-Oe«etzgebun g«. Der»R e i c h»• Reichsforstmeister. Selbstverständlich, daß Sportführer« muß natürlich in allsn Görings Luxuswohnung am Leipzigerplatz Reichsgauen Reichssportunterführer habeo, äus Staatsmitteln erhalten wird, wie auch die ihrerseits wieder nicht ohne Aemter für sein ganzer Prunk, da er ja der Repräsenta- Reichssport auskommen können. Was übrf* tion des Dritten Reiches dient, von der öffent- gens, um ea nachzutragen, Görlng in Beine» liehen Kasse honoriert werden muß. Schl eßllCh ReiohsluftmlnislerlUm auch nicht kann, we»- kann er ja auch beanspruchen, daß er erheb- halb er, über das ganze Reich verteilt, seeb- lich besser gestellt ist als sein Liebling, der zehn Reichsluftämter errichtet hat. Staatstheater-Intendant Gründgens, dem et ja»nur« 100.000 Mark Jahresgehalt Zahlt! Doch was bedeuten schon diese Lappa-; lien angesichts der Unsummen, die der wahnwitzig aufgeblähte Aemter- und Behörden-Apparat verschlingt! Offiziell-wird Selbstverständlich immer der Anschein erweckt, als ob ein strenger Unterschied zwischen Reichs- und Parteikasse bestehe! In Wirklichkeit ist es aber längst offenes Geheimnis, daß all die halbofflzlellen Stellen, die sich ganzamtliche Befugnisse anmaßen, nichts anderes als Futterkrippen für soundsoviel Parteibonzen sind, die im Dritten Reich an Hitler einen Anspruch auf staatliche Da em sich im Dritten Reich bekanntlich nur um Ehrenmänner handelt, ist es eigentlich unerfindlich, wozu es noch eine besonder« »Relchsüberwacbungsstelle der NSDAP« gib» und gar ein»Amt für Grundaatatreue«. Was die»Reich«- tauschstelle« bezweckt, ob Hitler etwa in ihr das alte Nazi-Programm gegen Schacht« zehn Gebote eingetauscht hat, ist unergründlich. Unter einem>S t a b e a m t« macht es bekanntlich heute kein deutsober Führer und sei es auch nur der Führer der»Fach*1 Schaft Käse«. Was wunder also, daß Hitlers alter Gönner und Geldspender, der Herzog von Koburg— Im Dritten Reich Versorgung haben. Da ist, zum Beispiel, die Reichskommiaear der»Fachschaft Auto« großartige Verwaltung des»R 6 i C h 8 n ä h r- ein»Stabsamt des Herzog« von Koburg« Standes«, der bekanntlich in Goslar sein hat. So könnt« man endlos in der Aufzählung Hauptquartier aufgeschlagen hat uttd allem fortfahren, denn nichts let im Dritten Reicb in diesem nicht weniger äls'übfer 2000" MäWri ztr blöde/ uni UleBt'-flaUft zu einem■Ainv eF' beschäftigt. Ganz zu Schwelgen von den tm- hoben zu werden. Man kann auch nicht einmal den«ohüob- ternen Versuch machen, all die Aemter und Kommandostellen mit mehr oder minder behördlichen Charakter zu nennen, mit denen die NSDAP heute einer Heuschreckenplage gleich, das Reich überzogen bat. Schon allein die»zivilen« Aemter würden ganze Seiten füllen; ganz zu schweige* von denen der SA und SS! Für den Bereich Berlin«Deine fUDen dl« »Parteigliederungen« der NSDAP nahesü zwei engbedruckte Selten de* Fernspreohver* zeichntsseSl Selbstverständlich fließen-U* zähllgen Nebenämtern des Reichsnährstandes: So dem»Stabsamt des BauernfUh- rers«, der»Reichsstelle für die Auswahl deutschstämmiger Bau- e r n«, dem»R eichsamt des Reich s- bauernführers«, dem»Stabsamt der Landesbauernschaft«, der »Relchsstelle kraftfahrender Fleischer«, und ähnlichem. Das alles aber sind nur Zweigstellen des Reichsernährungs- minlstertums, da das nicht reicht, Ist neuerdings auch noch ein»Amt für Brauchtum« geschaffen worden, das den deutschen Bauern_____________________ echt deutsche Art beibringen soll. Wer zählt Gelder für die Unterhaltung aesen Uber* ae>R eichskammern« aller Art— j amensionolen Apparates nur aus der Belciw Reichstheaterkammer, Reiehsmosikkammer, kasse— man muß es ja glauben, denn Hitler Reichsscbrifttumkammer, Reichakulturkam- hat es doch gesagt! Niemals würde es dooB, mer, Reichsfilmkammer usw. sind nur einige beispielsweise, ein Hitler der Reicbskosse*ü* von diesen Dunkelkammern!— die heute im- 1 muten, den Aufwand für dos»A u ß e o p o''* mer dann geschaffen werden, wenn einige tische Amt der NSDAP zu bestre*- Parteihäuptlinge noch schnell tu versorgen ten, da dieses Ja für seine weltumspannend«« sind. j zwecke den ganzen nach der Wilhelms traß« Wie gesagt: Es ist unmöglich, alles auf- gelegenen Flügel de« Hotel Adlon besetzt zuzählen, man kann nur einige illustrative palten muß. Beispiele anführen: Es gibt jetzt ein 1 Unter Oöbbels Patronanz muß es sogar >R e i C h s- S. A.-H ochschulam t«, das eine besondere>R eichsfacbschaft ds' dem Portemonnaie seines Leiters gut he- Erfinder« geben. Vom Käse war sc'*0 kommt. In einem»Reicbsfübreramt« — das nichts mit der so vorzüglichen Reichsführung zu tun hat, sondern nur so heißt— werden offenbar die künftigen ReicbsfUhrer Deutschlands mit allen einschlägigen Paragraphen des Strafgesetzbuches vertraut gemacht. Herr Göring hält sich neben seinem Heichaluftministerium natürlich auch noch ein die Rede, und es ist ein« Öelbstverständlicl-* keit, daß sich zu Jedem Belang sofort die Fachschaft findet, Um all« Besorgnisse zu zerstreuen, � das deutsch« Volk eines Tage«, Gottbehüte» etwa ohne Führer bleiben könnte, gibt 63 noch eine amtliche»ReiehsfUhrerscbü 1 e«. Es ist also unleugbar, daß die Macht Reichsluftschutzamt, ebenso wie haber des Dritten Reiches für alles gesorgt GÖbbels sich nicht mit dem Propagandamini- 1 pü, gje gibt es kein Kopfzerbreche*» sUrium allein begnügt und auch mit den Ein- mehri Und schließlich: Wozu haben sie nahmen aus vielen Aemtem zufrieden sein kann und deshalb noch einige Nebenkommissariate, so für Theater, Film usw. mit gutem Erfölge für sein Bankkonto verwaltet. Wo was ist, muß selbstverständlich sofort ein Reichs- doer Staatskommissar sitzen, Voräfl der Staatskonimissaf für Berlin, jener L i p- p e r t, dem noch 1032 ein Berliner Gericht lü einem Urteil eine besonders ehrlose Gesinnung attestierte. Reichsforstmeiater GÖrtng ist, wenn es sich um seine eigenen Belange handelt, absolut gegen Verrelchlichunf, deshalb bat er auch noch eine besondere Ländes- Forstyerwaltung. Die»Reichsstelle lüf Pflege des deutschen Gesellschaftstanzes« gehört selbstverständlich ztlm Aufgabengebiet defl fleiTn Göbbeis. Ob auch die»Reichsstelle deutscher Reicbsscbuldenverwoltung 7 Das Knlinpsterben Wig die rein nationalsozialtsttsche lauer Stadtverwaltung mitteilt, Ist beseB'0*' sen Worden, eine der beiden CreSlauef spietbühnen ZU schließen. Die Abcndka««� des zur Schließung bestimmten Theaters, heißt es In der Begrüddüng dieses ßesch'1� decken noch idcht annähernd<5* yOf seB, kosten. Auch das andere Theater, da« erst noöh weitersplelen soll, verkauft, so die Stadtverwaltung, von 1300 Sitzpl*� selten mehr als 300. Natürlich— Herr Jobst hat es ja g63®� »Wenn leh da« Wort Kultur höre, ent3ICh•!, ich meinen Browning.« Die Niederlage an der Saar Di« Abstimmungsberechtigten Im S&ar- Sebiet haben sich mit Uber DO v. H. für die «Wortige Rückgliederung nach Deutschland «Btschleden. für Frankreich wurden nur 'uad 2000 Stimmen abgegeben, nicht einmal o r d nu n g s dl e n e t« •Berkannt und zu Absperrungsmaßnah- Ofra und Zu verkehrspolizeiltchen Diensten herangezogen. Die Wirkung auf die politische wenig gefestigte Baafbevölkerung � ohtie nennenswerte politische Und tewerkzohaftllohe Tradition ist, war 'urohtbar. Eine Psychose breitete steh •u«. Man glaubt« weithin, der Steg Hltler- BButsehtands set nicht»ehr aufzuhalten, und ** sei nutzioe und gefährlich eich für den Statue quo zu exponieren. Nur die Funktionäre der Volksfront stan- B*0 wie die Mauern und taten bis zum und Buch nach dem Abatlrnrnunfstage Ihre volle Selcht. Der christliche Volksbund hatte überhaupt nicht vermocht, einen Funktlonär- *Üt-per zu entwickeln. fcie Unsicherheit erhöhte eich, als mehr fKl mehr deutlich wurde, daß die als Völ- herhundsarmee entaandten Truppen sich auf Abhaltung von Platzkonzerte« be- "Wirtnkten und die Roglerungskommlsalofl Welt davon entfernt war, sieh etwa statt auf ®e huierlsch gewordene Polizei auf die Trup- �ukontlngente zu stützen. Die Reglerungs- hömmiaaion hatQ«se-tz-Uber den Auagleich Bürge r Ii c lv r e cb 1 1 1 c h e r Ansprüche« nennt. Bürgerllch-reehttlche Ansprüche werden für gewöhnlich auch in Hltlerdeutsch- land hoch nach dem RGB entschieden. Was versteckt sich dahinter? Die Begründung sogt: Besondere Nachteile, die einzelnen durch politlsobe Vorgänge der natlo- nalsozialistlschen Erhebung zugefügt worden sind, Sollen ausgeglichen werden»soweit dieser Ausgleich nach gesunden Volks- eropflnden zur Beseitigung unbilliger Härten erforderlich ist.« Also wollen die braunen Banditen zahlen? Sie wollen für zerstörte Existenzen, Zertrümmerte Häuser und Möbel, verwüstete und gestohlene Waren ebenso zahlen wie für gestohlene Häuser, Unternehmungen, Zeitungen, Waren? Aber nein, im Gegenteil: Sie wollen eben nicht zahlen! Dieses Oesetz Ist nämlich ein Zweckgesetz. Der Gau Westfalen der NSDAP hat seinerzeit den»Dortmunder Generalantel- ger« einfach gestohlen und hat daraus die »Westfälische Landeezeltung« gemacht. Bei dieeam Raub haben sich einige Nasi- b 0 n s e n kräftig bereichert. Die früheren Eigentümer aber klagten, und hatten auch bereits ein Urteil zu ihren Gunsten erzielt. Das neue Gesetz bestimmt nun, daß derartige Ansprüche ausgegllohsn werden sollen. Ausgeglichen— das heißt nicht suf dem Rechtsweg entschieden) Nun versteht man auch den Satz:»soweit dieser Ausgleich nach gesundem Volksempflnden zur Beseitigung unbilliger Härte erforderlich IsU. Es wäre nämlich unbillige Härte, wenn der Gau Westfalen und seine reich gewordenen Bonzen für den Raub Bezahlen sollten! unbillige Härle gilt m diesem Gesetz für den Dieb, idcbt für den Bestohlenen! Das»gesunde Volksempflnden« Ist in dem gpezlalfall, der das Gesetz hervorgerufen bat, durch das Gebrüll der westfälischen Nazis demonstriert worden. Wie wird nun aber ausgegiiohen? Der Reiohslnhenmim- gter entscheidet selbst über den Inhalt des Ausgleichs. Er kann sogar anordnen, daß Gezahltes zurückgewährt wird! Mit änderen Worten: nachdem die braunen Räubef sich bereichert hatten, kann Cr nun den Beraubten sogar die Beträge wieder abnehmen, die sie vielleioftt als höhnende Abgeltung erhalten haben. Das ist namuöh der Fan bei» Dortmunder Genefalahzelgefl Das Gesetz trifft aber zugleich Vorsorge für eine Zelt, Wo das Regime sich gewandelt haben könnte: alle Schadenersatzansprüche, die schon wegen der Kürze der Zeit und dem Fehlen jeder Organisation nicht an das katholische Volk herankommen. Der Terror aus der»deutschen Front« war gegen dlesee Häuflein Katholiken beinahe hoch stärker als gegen dl» Volksfront. Die Geistlichkeit blieb be- stenfalls neutral. Die Erwartung auf dai aktive Eingreifen zugunsten des Status quo wurde nicht erfüllt. Was an Priestern öffentlich auftrat, war nicht bodenständig und hatte daher wenig Vertrauen. Die meisten Katholiken scheuten sich, in den Ruf des»Separatisten« oder»Landesverräters« zu kommen. Die katholische Jugenä lehnte den Status quo so gut wie geschlossen ab, Und zwar aus heroischen Gedanken und Gefühlen; Sie wollte im»Katakombengeist« des deutschen Katholizisraus arbeite« und kämpfen und nicht auf einem Gebiet hüt ReserVatrcChten. Die geschliffene und in Jahrhunderten denkende Politik des Heilige«' Stuhles ließ sich zu Irgendwelchen Erklärungen für den Status quo ideht herbei. Das durfte niemanden wundern. Der Papst denkt universal. Seine Kirchenpolitlk kann sich nicht an den Splitter Saargebiet binden. Auf der päpstlichen Weltkarte Ist' Deutschland ein wichtiger Faktor, und im Vatikan glaubt« man wohl nicht, von der Saar her, die Kirchenpolitik gegen das»Dritte Reich« um wichtige Positionen verbessern zu können. Diie»ozlallsbisch-kommunl* Stlsche Einheitsfront kam seht spät, erst um die Mitte des Jahres 1934. Bis dahin haben die saarländischen Kommunisten jeden Gedanken an einen Völkerbunds- Staat Saar als separatistisch, als landesverräterisch, als kapitalistisch, als Lakaleü- dienste der Sozialdemokratie gegenübef det internationalen Hochfinanz und Was derartige Scherze mehr sind, abgelehnt Wir aberkennen gerne, daß sie dann rasch tlhd gründlich umlernten und mit einer große« Energie nicht nur für den Status qüö, sondern aüch für weitgehende politische Demokratie. für sehr gemäßigte reformistisch« Ziele statt für eine Sowjetsaar Und für Voll« religiöse Toleranz kämpften. Aber die Zeit war schon reichlich vorgeschritten, und vielr auch bei vielen in der Volksmasse nicht mehr recht ernst genommen. Jedenfalls hat das Ergebnis des 13. Januar denjenigen Unrecht ergeben, die in einer Vereinigung der beiden automatisch nicht bis zum 31. März 1935 eingeklagt sind, sollen als erloschen gelten! Die braunen Diebs- und Räuberbanden wollen ihren Raub formal-juria tisch sichern. Es Ieicht wurde der Sroße Wandel handelt Sich nicht uffl Schutz von Enteignungen für Staat oder Gemeinde zum Wohle der Allgemeinheit, sondern um die Legalisierung der Bereicherung von NaZlorgaflisa- tlonen und von einzelnen Nazibonzen durch marxistischen Arbeiterpartelen Raub.»Die in Betracht kommenden Fälle«— 1 entaprechende Vermehrung ihrer poll- so sagt die Frankfurter Zeitung in einem tischen Stoßkraft sehen wollen. Zwar hat vorsichtigen Kommentar—»scheinen zahl- die Einheitsfront an der Saar äußer- reich und mannigfach zu sein. Kleine das Versammlungswesen und die und große, zum Teil«ehr gfoße Bum- sonstige Werbearbeit aktiviert, aber Uber men stehen im Spiel«. Es stehen nicht nur den engsten Anhängerkreis hinaus hat sie kleine und große Summen llh Spiel, sondern nicht werbend gewirkt. Es ist das lediglich die Frage nach der Herkunft des eine geschichtliche Feststellung, die wir nicht Reichtums dar nationalsozial t- auf alle Zeiten und auf alle Länder ange- stlSehen Neureichen, die wie Pilze wendet wissen wollen. Immerhin: wer die aus der Erde geschossen sind! I kommunistischen Redner in den Volksfront- Dless wenigen Feststellungen genügen, Versammlungen kritisch hörte, müßte de« um den Raubcharakter dieses Gesetzes zu Kopf schütteln. Da war nicht einer, der Vöh zeigen— zugleich aber auch den moralischen der alten abgelebten kommunistischen Phra- Charakter der Regierung, die dieses Gesetz seologie loskommen und die Wirkung Uber gemacht hat. Sie müssen sich doch sehr als den Funktionärkreis hinaus abschätzen konnte. Ehrenmänner Vorkommen, die nichtnational- Die Psychologie war miserabel. sozialistischen Herren Relehamlnlster, wenn| im Einzelnen sind hervorragende Leistun- sie ein Gesetz zu» Schutze der eklatantesten gen jm vollbracht worden. Die Zahl Korruption und des räuberischen Diebstahls wirklichen Kämpfer war freilich nur Zugunsten einiger brauner Elgontumsverbre- klein, und sie wäre noch geringer gewesen, eher unterzeichnen, das in keinem Rechts- wenn eln€ g�r V0I1 Emigranten sie Staat»ögllob wäre, das ihnen vielmehr in ver8tärkt nätte. Das große Ringen wurde jede» Reohtsstaat ein Verfahren wegen krimineller Verbrechen zuziehen würdet Die neue Schlacht Oöbbels hat befohlen: »Die EfzeUgungisohlacht der deutschen Landwirtschaft ist eine echt nationalsozialistisch« Kampfmaßnahmt! in einem Landeetell ausgetragen, der stets die bescheidensten Anteile an der politischen Schulung des deutschen Arbeltsvolkes hatte. Daher auch die Labilität der Arbeiter! von denen viele sich dem Terror rascher und leichter fügten, als das anderwärts der Fall gewesen wäre. Ein unerhörter Glaube Und eine beldenhafte Tapferkeit hat die Sozialdemokraten und Kommunisten beseelt, dM zur gfuftdsätzlloben Lösung der Wirtschaft-„ uchsn Fragen, vof denen Sieh unser Vo.k 0,1»enu« bei"8he �relnzelt In ihrer Heimat beflhdet,,. Deshaib Wlfd angeordnet; daß*e«en �«�htlgste Diktatur der Welt Und bis auf weiteres jeder Partelrsdner in allen � paftelvefsammlungeB auf die grundlegende Bedeutung der Erzeugungssohlacht für die Sicherung unserer Zukunft hinzuweisen hat.« Die Ernte war schiecht— die Chance ist groß, daß die nächste Besser wird. Dann kann die Nazi Propaganda wenigstens eine gewonnene Schlacht veneioimeA. Hie wirt- SchaftUchen Fragen,»Vor dened sich unser Volk befindet«, sind damit nicht gelöst und die RauefH lassen sich durch Göhbels»Er- seugungeSöhlacbi«»cht«eef iß#« irtMiiicBe Lag« IM System hinweg Wüffeft. Abs# die stehen, und die fast ein halbes Jahrhtindeft Naziredner und Nazipreßkulis wissen nun sozialdemokratische Piohlerarbelt geleistet wenigstens, WSlOhes Wort SIS iß der nächsten haben. Ihr Opfer beschämt, ihre Treue vrft Zelt zu papageien haben. J pflichtet uns. Hannes Wink. nahe jeder dieser Männer hätte sich kaufen lassen können. Nicht einer tat es. Das bleibt ihr Ruhm. Diese Menschen sahen wir nUn mit Frau und Kindern bis zum Säugling bei FotbaCfi und Saargemünd in bitterster Winterkälte mit, einigen rasch zusammengerafften Wäschestücken Uber die Orense ihres, unseres Vaterlandes ih das Elefid der Frorilde gehen. BS waren Männer und Frauen dabei, die nahe dem GreiseflaUer Wlrtsdiaftlldie Folgen der Saarrückgliederung j Die Rückgliederung des Saargebietes wirft für die saarländische wie für die ganze deutsche Wirtschaft Fragen auf, die nicht leicht szu Jösen sein und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Deutschlands noch erschweren werden. Freilich, das Problem, das einst im Vordergrund gestanden hatte, wie nämlich die Kohlengruben, die durch den Versailler Vertrag aus dem Besitz des preußischen Staates in den Frankreichs übergegangen waren, von dem geld- und devisenarmen Reich zurückgekauft werden sollen, hat durch die Entwicklung selbst eine Lösung erfahren. Der Wert der Sc.argruben war in den früheren Verhandlungen— und schon Stresemann und Briand hatten in der berühmten Unterredung von Thoiry eine vorzeitige Rückgabe des Saarlandes ins Auge gefaßt— heftig umstritten gewesen. Die Reparationskonimission hatte bald nach der Uebernahme den Wert der Gruben auf 300 Millionen Goldmark beziffert. Es war die Zeit der großen Kohlennot nach dem Kriege, die ja überhaupt zur Saarregelung geführt hatte; denn die Saargrubenförderung sollte Frankreich den Ersatz für die Produktion der durch die deutsche Kriegsführung zerstörten französischen Bergwerke liefern. Die deutschen Regierungen, in der Meinung, diese Summe würde später auf die deutschen Reparationszahlungen angerechnet werden, hatte Anfangs die Festsetzung als zu niedrig bekämpft. Als sich dann zeigte, daß die von der Reparationskommission für die Gruben ebenso wie die für die abgetretenen Kolonien und Handelsschiffe eingesetzten Werte für die Reparationszahlung ganz gleichgültig gewesen waren, änderte sich der deutsche Standpunkt. Denn jetzt hatte der Fall des Rückkaufs allein noch Bedeutung und Deutschland suchte den Wert der Gruben möglichst gering hinzustellen. Mark für Franken Bei den Vorverhandlungen in Genf im Dezember wurde ein Kompro- m i ß erzielt und dies umso leichter, als ja die Zeit der Kohlennot einer Zeit des Kohlenüberflusses und der Ueberproduk- tion gewichen ist. Der Preis für den Rückkauf wurde auf 900 Millionen franz. Francs oder 150 Millionen Reichsmark festgesetzt. Außerdem erhält Frankreich das Recht, die Ausbeutung der an der Grenze gelegenen Wamdtgruben auf die Dauer von fünf Jahren, frei von Pachtzinsen, fortzusetzen mit einer Maximalausbeute von 2.2 Millionen Tonnen jährlich. Der Wert dieser Vereinbarung ist etwa auf 50 Millionen Francs zu schätzen. Bei der unterdesssen zu so würgender Devisennot gesteigerten deutschen Finanzlage war die wichtigste Frage, wie denn nun der Transfer des Kaufpreises zu sichern wäre. Und da ist nun Deutschland ein eigenartiger Umstand zugute gekommen. Am 1. Juli 1923, auf dem Höhepunkt der deutschen Inflation, ist im Saargebiet die französische Währung eingeführt worden. Jetzt wird sofort die deutsche Währung an die Stelle der französischen treten und die im Saargebiet umlaufenden Francs müssen in Reichsmark umgetauscht werden. Wie hoch die Menge dieser Francs ist, ist nicht genau bekannt und die Schätzungen gehen weit auseinander. Einige hundert Millionen Francs wird aber die Reichsbank wohl im Umtausch gegen von ihrneugedruck- te Marknoten erhalten und damit wird das Reich, dem die Reichsbank gegen' neugedruckte Schatzscheine die Francs zur Verfügung stellen wird, die Gruben— zu einem wesentlchen TeU wenigstens— bezahlen können. Bleibt ein Restbetrag, so soll dieser in jährlichen Gratis-Kohlen- lieferungen abgetragen werden. Die Saarländer freilich erhalten für Zahlungsmittel der festesten Goldwährung der Welt jetzt die Noten der von Gold und Devisen entblößten Reichsbank. Aber sie haben es ja so gewollt Neugierig darf man auch darauf sein, ob die Gruben, was im fluchwürdigen System selbstverständlich gewesen wäre, wieder ganz in den Besitz der öffentlichen Hand— Preußens oder des Reichs— überführt werden oder ob nicht der wütig kapitalistische Schacht einen Versuch der Privatisierung unternehmen wird, wie er zugunsten Thyssens beim Stahlverein geglückt ist Kohle und Eisen Findet so die Frage des Rückkaufs der Saargruben eine verhältnismäßig einfache Lösung, so stellt die Rückgliederung für die Dauer doch die deutsche Wirtschaft vor große Schwierigkeiten. Das Saargebiet ist Ueberschußgebiet für Kohle und Eisen. Die Jahresleistung des Steinkohlenbergbaus betrug 1933 rund 10% Millionen Tonnen Kohlen und 252.000 Tonnen Koks; dazu kommen noch 1.6 Millionen Tonnen Hüttenkoks. Das Hauptabsatzgebiet war Frankreich, während die deutschen Absatzmärkte, besonders der süddeutsche Markt in der Zwischenzeit von der Ruhrkohle okkupiert wurden. Bisher war das Saargebiet in das französische Zollgebiet eingegliedert und genoß andererseits auch im Verkehr mit Deutschland besondere Vergünstigungen. Dieser Zustand wird jetzt ein Ende finden. Schreibt doch der»Temps« sehr entschieden: »Deutlich sei gesagt, daß nach einer gewissen Uebergangszeit keine wlrtschaft- lichen Vergünstigungen von Frankreich dem Saargebiet zugestanden werden können. Die Saarländer haben mit aller Deutlichkeit bekundet, zu Deutschland zu gehören; dem sei so, aber auch mit allen Konsequenzen, die sie damit für ihre Wirtschaft in Kauf genommen haben.« Nun befindet sich der französische Bergbau in einer schweren Krise, obwohl er den Inlandsbedarf nicht vollkommen deckt. Deshalb war ja auch die französische Schwerindustrie und mit ihr auch manche Regienmgs- und Deputiertenkreise in Wirklichkeit durchaus f ü r die Rückgliederung der Saar in der Hoffnung, dadurch von einer unbequemen Konkurrenz befreit zu werden. Die Zechenbesitzer, aber auch die Arbeiter fordern immer dringender von der französischen Regierung, daß sie die Zufuhr ausländischer, und das heißt deutscher und jetzt auch saarländischer Kohle einschränke. Denn die französischen Bergarbeiter müssen jetzt 8 bis 10 Feierschichten im Monat verfahren. Sie haben deshalb sogar schon dagegen Protest erhoben, daß die Restbezahlung für die Gruben in Form von Gratiskohlen- lieferungen erfolgen. Jedenfalls muß damit gerechnet werden, jdaß der Saarkohlenabsatz nach Frankreich eingeschränkt wird und die Rückgliederung jedenfalls eine erhebliche Verschärfung der deutschen U e b e r p r o d u k t i o n mit sich bringt. AehnUch liegt es bei der Eisenproduktion. Die deutsche Eisen- und Stahlproduktion ist ohnehin übersetzt. Bisher hatte das Saargebiet im internationalen Eisenverband ein eigenes Kontingent zugewiesen. Auch hier wird eine Neuregelung erfolgen, die das jetzt deutsch gewordene Kontingent kürzen, den deutschen Eisenabsatz also drosseln wird.. Freilich ist auch Frankreich am Saarabsatz stark interessiert. Außer Eisenerzen und Mineralölen hat Frankreich namentlich landwirtschaftliche Produkte aus dem Elsaß nach der Saar geliefert. Aber gerade die agrarische Einfuhr wird bei dem jetzigen Kurs der deutschen Wirtschaftspolitik auf den stärksten Widerstand stoßen und die Devisennot die Einfuhr der Eisenerze beschränken. So muß man dem Resultat der bevorstehenden Wirtschaftsverhandlungen mit größter Skepsis gegenüberstehen. Auf alle Fälle verliert das Saargebiet die günstige Stellung, die es bisher zugleich in dem französischen und dem deutschen Wirtschaftsgebiet innegehabt hat, und seine Eingliederung bedeutet für die deutsche Schwerindustrie eine wesentliche Steigerung der Ueberproduktion, während eine Reihe kost» spieliger Maßnahmen vom Reich getroffen werden müssen, um die Krise, die durch den teilweisen Verlust des französischen Markts für die Saar entsteht, zu mildem. Wadisende Schwierigkeiten Dies alles trifft, zusammen mit einer A b s c h w ä c h un g d e r deutschen Konjunktur. Die Wirkung der»Arbeitsbeschaffung« scheint ihren Höhepunkt im Sommer erreicht zu haben und seitdem ist eine gewisse Ermüdung zu verzeichnen. Das zeigen selbst die manipulierten Zahlen der ArbeitsIosenstati- stik. Nachdem die Zahl der Arbeitslosen im November um 86.000 gestiegen war, ist im Dezember eine neue Steigerung um 252.000 erfolgt Natürlich ist diese Zunahme in beträchtlichem Maß auf saisonmäßige Einflüsse zurückzuführen, obwohl die Arbeitslosigkeit der Landarbeiter wohl zu einem großen TeU nicht mehr in der Statistik in Erscheinung tritt und die »Landhelfer« von den Bauern auch über den Winter behalten werden müssen. Entscheidender ist, daß offenbar die wirkliche Arbeitslosigkeit größer ist als sie die Statistik ausweist Denn während die Zunahme der Arbeitslosen im November nur mit 86.000 angegeben wird, ist die Beschäftigungszahl nach der Statistik der Krankenkassen, in der noch dazu die Landhelfer und Notstandsarbeiter mitgezählt werden, von 15,637.000 auf 15,476.000, also um 161.000 zurückgegangen. Die Dezemberzahlen Uegen noch nicht vor, aber jedenfalls ist die unsichtbare Arbeitslosigkeit erneut im Wachsen. Das Jahr 1934 war für die deutsche Wirtschaft das Jahr der künstlich mit inflationistischen Mitteln angekurbelten Binnenkonjunktur, zugleich das Jahr der völligen Erschöpfung der Goldbestände, der fortschreitenden Außenhandelsschrumpfung und der beginnenden Rohstoffschwierigkeiten. Die Fortsetzung der Ankurbelung stößt auf Schwierigkeiten, die ihr in absehbarer Zeit ein Ende bereiten müssen und die Rückgliederung der Saar wird diese Schwierigkeiten nur noch vergrößern. Dr. Richard Kern. Der Bauer als Opfer des Systems Kein Produkt der landwirtschaftlichen Erzeugung unterliegt einer so strengen Regelung, bei keinem ist der Markt so radikal ausgeschaltet wie bei Getreide. Im ersten Jahre der Hitlerregierung begnügte man sich mit der Festsetzung von M i n d e s tpreiaen, im zweiten ist man zu F e s tpreisen übergegangen. Die Preisgestaltung soll von Wind und Wetter und den Einflüssen der Jahreszeiten unabhängig gemacht werden. Der Preis ist für den ganzen Kalenderablauf ein für allemal festgelegt. Er beginnt bei 144 Mark je Tonne im Erntemonat und steigt bis zur nächsten Ernte um 2 Mark je Tonne monatlich. Er ist also nach der zeitlichen Entfernung von der nächsten Ernte, er ist aber außerdem noch nach der räumlichen Entfernung des Versorgungsgebiets vom Erzeugungsgebiet gestaffelt. Das ging solange gut, als der sonst so unzuverlässige Wettergott sich als strammer Nationalsozialist aufführte und die Getreideernte einen Ueberscbuß ergab. Erst im Jahre der Dürre, in dem die Getreideernte um ein Fünftel geringer war als Jahre vorher, erwies sich die Zwangsbewirtschaftung des Getreides nach wie vor als ein Segen für den vorwiegend getreidebauenden Großgrundbesitz, aber jetzt als ein Fluch für die vorwiegend viehzüchtenden Bauern. Darrö stand jetzt vor der Entscheidung, entweder dem Städter die Brotratton zu kürzen oder den Bauern die Futtermittel zu verknappen. Darr6 hat das letztere vorgezogen: offenbar fürchtete man, daß im Dritten Reich die Plünderung von Bäckerläden in den Städten sich aufdringlicher bemerkbar machen könnte, als das schimpfende Bauerntum. Deshalb hat man mit einer Million Tonnen Getreide von der vorjährigen Ernte das fehlende Brotgetreide ersetzt und die Vermahlungsquote von 65 auf 75 Prozent erhöht. Bei der Vermahlung des Brotgetreides ergibt sich ein Abfall, die Kleie, die eines der wichtigsten Futtermittel ist Bis dahin ergab die Vermahlung eines Zentners Getreide 65 Pfund Mehl und 35 Pfund Kleie, jetzt 75 Pfund Mehl und nur 25 Pfund Kleie. Der Zweck der Verordnung ist die Streckung des Brotgetreides auf Kosten des Futtermittels und damit auf Kosten des Bauern. Daß es den Bauern an Futtermitteln fehlt, Dem Vieh das Korn dem Mensdben die Kleie lerregierung 46 Millionen auf, um dem Markt unverkäufliches Vieh zu entziehen. Das war aber ein Tropfen auf den heißen Stein, denn man kann den Berliner zwar zwingen« für sein Brot dreimal soviel zu bezahlen dafür ist aber nicht die Mißgunst der Natur verantwortlich, sondern die von Darrt bewirkte vollständige Abschnürung von der Zufuhr ausländischen Getreides, die den Ernteauafall hätte wettmachen können. Für den getreidebauenden Großgrundbesitz, der Getreide zu verkaufen hat, ist die Drosselung der Einfuhr eine Quelle von Monopolprofiten, für den Bauern, der Getreide als Futtermittel zukaufen muß, ist sie eine Quelle von Verlusten, dem Großgrundbesitz bringt die Mißernte erhöhte Einnahmen, dem Bauern erhöhte Ausgaben. In den Jahren 1927 bis 1929 hatten die bäuerlichen Betriebe unter 20 Hektar, also die Mittel- und Kleinbauern, 50 bis 60 Prozent ihres Bedarfes an Futtermitteln zukaufen müssen. Die Futtermittel haben also an den Erzeugungskosten des Mittel- und Kleinbauern den Hauptanteil. Die Kleie war im Herbst so knapp geworden, daß der Bauer für die Kleie, also für den Abfall, fast soviel bezahlen mußte wie für das Getreide selbst. Der Kleiepreis stand nur um ein Zehntel niedriger als der Getreidepreis. Der Bauer konnte also Futtermittel, sein wichtigstes Produktionsmittel, nicht oder nur zu riesigen Preisen bekommen. Die Folge war, daß die Bauern, anstatt teure Futtermittel zu kaufen, ihr Brotgetreide dem Vieh vorwarfen. Die Bauern sagten: Die Mensehen essen die Kleie, während dem Vieh in den Krippen Korn vorgesetzt wird. Vielfach halfen sich die Bauern damit, daß sie das Vieh, anstatt es groß zu züchten, massenweise abschlachteten. Da setzte Herr Darrt Festpreise für Kleie fest. Das hatte aber nur zur Folge, daß die Futtermittel noch knapper wurden und daß die Bauern gezwungen waren, das Vieh, anstatt es groß zu züchten, massenweise abzuschlachten. Herr Darrt sah sich gezwungen, den Einfuhrzoll für Kleie von 10 auf 2 Mark je Doppelzentner herabzusetzen. Der Bauer hätte jetzt mehr und billigere Kleie bekommen können, wenn nicht Schacht soviel Devisen für die Rüstungseinfuhr benötigt haben würde, daß er außerstande war. auch noch Devisen für die Futtermitteleinfuhr zu bewilligen. Die Rindermärkte waren überfüllt und es drohte ein Preissturz. Anfang August wandte die Hit- wie der Londoner dafür bezahlen muß, aber man kann ihn nicht zwingen, mehr Flelseb zu kaufen, als er Uberhaupt bezahlen kann« Das Schlimmste für den Bauern ist aber, daß das Erbhof gesetz, das die Verpfäi.dunß von Grund und Boden verbietet, ihn hindert. Kredite für Inventarbeschaffung, Gebäude* reparaturen, Landverbesserung usw. aufzunehmen. Kein Wunder, daß der Bauer die Beförderung zum Erbhofbauern nicht als Segen. sondern als Strafe empfindet. Da 20 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland unter das Reichserbhofgesetz fallen, U' das Problem des landwirtschaftlichen Kredite ungeheuer dringlich. Man kann allerdings der Hitlerregierung nicht vorwerfen, daß sie nach dieser Richtung ganz untätig geblieben wäre. Ende Oktober hat das Relchswirtr schaftsministerium ein»Gesetz über die Förderung der Getreidewirtschaft« erlassen, da* in der deutschen Presse nicht veröffentlicht worden ist, damit es die Bauern nicht zu lesen bekommen. Darin wird verfügt, daß da* Reich für die Landwirtschaft neue Kred�* garantien bis zu 150 Millionen Mark übernimmt, auf daß die Banken veranlaßt werden, den Landwirten Kredit für Düngemittelkäufe einzuräumen. Diese Kredite sind nicht für die gesamt* Landwirtschaft, sondern ausdrücklich nnr für die Getreidebewirtschaftung bestimmt« Sie sind also eine zusätzliche Subvention den Großgrundbesitz und für die Herren voh* Chemietrust und den großen Kalikonzern«0' Der Bauer ist bei diesem Geschäft ebenso d»* Opfer wie bei der Darrtschen Zwangswirt* schaft für Getreide! Er ist das Opfer d** Systems! Emigranten bietet sich glinstige Gelegenheit mit kleine� Kapital zur Gründung einer Existenz. Zuschriften unter»Aussig 100« an die Verwaltung des Blattes. LkkkkkkkkkkkkkkkkkkLLkkkkkkkl* Nr. 85 BEILAGE UmccTJaratärte 27. Januar 193? iÄPltiS .r•-'-'"••■■;•;■ Emil Ludwig über III ude n 8111 rg Im Querido-Verlag, Amsterdam, erschien soeben: Emil Ludwig:»Hinden- surg und die Sage von der Deutschen Republik.« Wenn einer der meist gelesenen Schriftsteller der Gegenwart wie Elmil Ludwig über eine der meist gekannten Persönlichkeiten, wie H i n d e n- �urg ein großes Buch schreibt, kann der Erfolg nicht ausbleiben. Das Buch, dem cihstweüen der Weg ins Deutsche Reich �Crsperrt ist, wird von vielen der immerhin So Millionen Auslandsdeutschen mit Begierde gelesen, es wird in alle Weltsprachen übersetzt werden. Ein solches Rkch ist nicht nur ein-literarisches Er- sjgnis, sondern auch ein politisches Faktum. Sein Verfasser trägt als deutscher Schriftsteller und Weltbürger p o- ltische Verantwortimg. Emil Ludwig hat es unternommen, das Psychologische Rätsel Hin- hcnburg zu erklären. Wie kam es, daß kieser Mann, über dessen geistige Fähig- aciten sich kein nüchterner Beurteüer je- **ls einer Täuschung hingegeben hat, an küssen solide Rechtschaffenheit aber alle ss auf ganz wenige Ausnahmen glaubten, � Ende eines nur scheinbaren großen, aber doch anständigen Lebens, in eines er schmutzigsten Abenteuer der Weltgeschichte verstrickt werden konnte? Han- elte es sich um eine Art von Greisen- �ahnsinn oder Stumpfheit infolge von 'tersschwäche? War er nur Werkzeug 0der auch Spießgeselle? Gleichviel die �fauen volle Tatsache bleibt bestehen, daß eser Mann, an der Spitze des deutschen �ches stehend, tatenlos und gleichmütig wie die von ihm beschworene, sei- .ein Schutz anvertraute Rechtsordnung �es zivilisierten Staates zerbrochen, wie lne vertrauenden Anhänger in die Ker- er geworfen, gefoltert und ermordet wur- en- Und das war der Mann, der mit dem wiederholten Wort»Treue um Treue« bfeh sein ganzes langes Leben gegangen War?; g diesem Problem sind viele M e n- cben innerlich zerbrochen. Die kfwirrung, die am 20. Juli 1932 in so- T�oemokratischen Pührerkreisen einzu- �Ren begann, ist zu nicht geringem Teil .j Umstand zurückzuführen, daß g63® sozialdemokratischen Führer, wie sti a Vn> Severin g, Löhe, als an- j. kbige Menschen fassungslos dem Ver- Regenüberstanden, den Hindenburg bergen hatte. Bringt uns Emil Ludwigs Buch eine i�kkg dieses psychologischen Rätsels? bdwig zeigt uns, wie Hindenburg, ein *nn von durchschnittlicher Begabung q0 beschränkter Auffassung durch die J®8t der Umstände und ohne Verdienst zum Biegreichen Feldherrn, dann, 3chdem er den Krieg dennoch verloren, 10 Staatsoberhaupt emporsteigt Das ist e8> richtig gesehen, klar und einfach, b? sicheren Quellen geschöpft Zum g•. aber verdunkelt sich das 1' d. An die Stelle einer offenen Rech- , kgalegung, wie sie im Lande eines par- p'keatarischen Regimes und einer freien j,'®88® selbstverständlich ist tritt mit der ktlassung Brünings ein Gewirr von Hof- g�balen und Palastintrigen. Politische kbieber und Abenteurer, die im Dunkeln � �ten, gewinnen das Uebergewicht vor ®b Personen, die im Vordergrund stehen, , die Kolossalfigur des alten Hinden- ist nur noch eine Kulisse, die dieses Pj-�kdliche Treiben notdürftig verdeckt diese letzte Zeit von Hindenburgs Le- gießen die Quellen nur spärlich. Auch g wig jj. jjgjj letzten 60 Seiten seines die diesen Zeitabschnitt behan- � auf Kombinationen angewiesen. Zu "ah WaS als Sewiß bekannt war oder als �krscheinlich angenommen wurde, hat er öe®entliches nicht mehr hinzufügen kön- E v,�*®8 Verdienst seiner Arbeit ist die h�blättepmig �er Hinden- lejrf �"Legende und nicht dieser al- j�I�udwig macht der ganzen Kaste, der keft0 Zeitperiode des preußischen Jun- '"ks und Konservativismus den Pro- Ein Enpolitischer über einen Unpolitischen zeß. Es enthüllt den großen Volksbetrug, der mit Kaisern und Königen, Helden und Rettern getrieben worden ist. Soweit das Buch dieser Aufgabe dient, wird es jedermann mit Nutzen lesen. Umso bedauerlicher ist es, daß Emil Ludwigs Werk in anderer Beziehung geeignet ist, ungerechte Vorurteile nicht zu zerstören, sondern eher noch zu festigen. Ludwigs Spott über den unpolitischen Sinn des deutschen Volkes ist sicher nicht unberechtigt, aber hätte der deutsche Schriftsteller Emil Ludwig einmal ganz scharf in den Spiegel gesehen, so hätte er eben auch keinen Politiker entdeckt. Er ist es noch nicht einmal in dem Maße, wie er es sein müßte, um als Historiker auf der Höhe seiner Aufgabe zu sein. Ludwig ist ungerecht gegen das deutsche Volk. Daß dieses beGleichberechtigung und sozialen Fortschritts in die Gesamtheit einer europäischen Kulturmenschheit einzugliedern. Hauptträger dieses Versuches war die Sozialdemokratische Partei. Eis ist unmöglich, die bedenkenlose Oberflächlichkeit außer acht zu lassen, mit der Emil Ludwig über diese Tatsache hinweggeht Hier zeigt sich sein unpolitischer Sinn. Was soll man dazu sagen, wenn er eine Darstellung der dramatischen Auseinandersetzungen in der sozialdemokratischen Führung über den Eintritt in die Regierung des Prinzen Max mit den Worten abschließt:»Es war ergreifend, es war dumm«. Ich selbst habe bei jener Auseinandersetzung mit leidenschaftlicher Ueberzeugung gegen Ebert gestanden, aber, wenn Ludwig in Eberts Verhalten nichts anderes als eine Art von begabte, mit vielen ausgezeichneten Eigenschaften ausgestattete, um die Kultur der Welt verdiente aber durch Jahrhunderte zu Untertanensinn und Kadavergehorsam erzogene Volk bei dem ersten Versuch, sich selber demokratisch zu regieren, einen moralischen Zusammenbruch ohnegleichen erlitten hat, ist eines der großen tragischen Ereignisse der Weltgeschichte. Diesen Versuch selbst aber wegen seiner wirklichen oder angeblichen Unzulänglichkeit zu verhöhnen, wie es heute die meisten Modeschriftsteller tun, ist ein Unrecht und ein unverzeihlicher Fehler. Wer Geschichte und nicht bloß Feuilleton schreiben will, muß doch sehen, daß die 14 Jahre zwischen dem Ende der Monarchie und dem Beginn des Dritten Reichs, einen Versuch darstellen, Deutschland als ein Reich geistiger Freiheit, politischer schränktem Kleinbürgerpatriotismus erblicken will, so beweist er, daß er sich nicht einmal die Mühe genommen hat, die öffentüchen Reden, die Ebert über seine damalige Stellungnahme hielt, zu lesen. Noch weniger hat er sich die Mühe genommen, in den Sinn der vertraulichen Beratungen einzudringen, die zu jener Zeit geführt wurden. Seme Voreingenommenheit gegen die Sozialdemokratie zum Ausdruck zu bringen, läßt sich Ludwig keine Gelegenheit entgehen. Seine Darstellung des Kampfes um die Fü rs t e n v? r mö g e n ist so vollkommen schief und irreführend, daß es schwer hält, auch nur den guten Glauben des Verfassers anzunehmen. Seine Behauptungen über die Behandlung dieser Angelegenheit im Reichstag sind gehässige Unwahrheiten; dabei verschweigt Ludwig, daß der große Volksabstimmungskampf, der jenen von ihm falsch dargestellten Vorgängen im Reichstag voranging, von der Sozialdemokratie gemeinsam mit den Kommunisten geführt worden war. Emil Ludwig, der Biograph, hat eine interessante Seelenanalyse eines Mannes geliefert, der ohne eigenes Wollen durch die Gunst des Schicksals Weltruhm erlangte und dann im Glauben an sein eigenes preußisches Pflichtbewußtsein von Verrat zu Verrat geschritten ist. Als Biographie ist sein Buch wertvoll, als Beitrag zur allgemeinen deutschen Geschichte und zur Politik der Gegenwart läßt es den Sinn für Wirklichkeit und Gerechtigkeit stark vermissen. Ludwigs Buch über Hindenburg ist im Grunde das Buch eines Unpolitischen über einen Unpolitischen. Friedrich Stampfer. Ihr Spielzeug Rund um Dalldorf Der Vormarsch der Konservativen zeigt sich auch in der Deutschen Adelsgenos- senschaft. Auf ihrer letzten Tagung mißbilligte ein beträchtlicher Teil der BlaublU- tigen, daß sich der organische Adel»so schnell auf den Boden des nationalsozialistischen Staates gestellt« habe. Vorm 30. Juni hätten die Blaublütigen solche Worte nicht gewagt. Vor allem protestierte man gegen den leidigen Arierparagraphen und forderte eine Klärung der Frage,»wann man nichtarisches Blut als getilgt ansehen könne.«— Ein Teil der biologischen Wissenschaft erklärt bekanntlich: Nie— aber ganz einig ist sie sich darüber nicht. So bleibt die Sache also zunächst eine politische Machtfrage und man darf wohl prophezeien, daß die Karenzzeit des nichtarischen Blutes der Konservativen In demselben Tempo gemildert wird, in dem Hitler von Schacht und den Seinen aufgefressen wird— zumal ja der Stehkragen auch nicht ganz ohne jüdische Verwandtschaft ist. Der deutsche Adel mag sich übrigens trösten, es kommen ihm bereits neue Rasseth coretiker zu Hilfe. Dem Göttinger Privatdozenten Dr. Salier wurde die Lehrbefähigung entzogen, weil er, wie das Raasepoliti- sche Amt der NSDAP mitteilt, die Anwendung des Rassegedankens auf soziale Verhältnisse vertreten habe und»gleich anderen von gesellschaftlichen Rassen spricht.« Er lehrt, daß den heutigen Klassen ursprünglich Rassen zugrunde liegen, den unteren Klassen also untere Rassen. Er spricht sogar von einer Korbmacher-Rasse. Diese Theorie ist vom Standpunkt des nationalsozialistischen Rassenwahns nicht so absurd, wie sie vom Standpunkt der Vernunft und der wirklichen Wissenschaft aussieht; der Mann denkt im Gegenteil nur gewissen Phrasen der braunen Oberbonzen konsequent zu Ende. Denn wenn es ungünstige Rassenmischung ist, die das deutsche Volk herunter gebracht hat und»schlechte Rasse« gleichzeitig verminderte Tüchtigkeit bedeutet, so ist die unterste Schicht eben deshalb unten, weil sie unterste Rasse ist, während Oberklasse gleich Oberrasse zu deuten wäre. Von Leers bis Salier ist nur ein winziger Schritt und die Politik des nationalsozialistischen Staates entspricht ja auch durchaus dieser Knechtstheorie. Aber der Mann Salier mußte vorläufig kaltgestellt werden, denn wenn es eine Korbmacher-Rasse gibt, dann gibts auch eine Anstreicher- Rasse. Und so aggressive Formulierungen kann der Oberosaf nicht brauchen. Dr. Salier und sein Kreis lassen sich damit zu frech merken, daß sie braunen Rassequatsch bereits im Interesse der herrschenden konservativen Oberschichten definieren. Wenn ein Volk von den Blut-und-Boden- Doktoren aller Schattierungen derart gedrückt wird, so muß es von rassischem Verfolgungsund Minderwertigkeitswahn heimgesucht werden. Sogar das deutsche Aerzte- blatt sieht sich genötigt, gegen die wachsende»Erbhypochondrie« anzukämpfen. Professor Luxenburger weist auf drohende Gefahren hin; Leute, die ihre Großmutter nicht in Ordnung haben, fangen an, ihr»Erberinnern« zu belauern. Wo einer gar als erbkrank abgestempelt ist, beginnen 44 imet int deutsätesUh... Da sie ihre Bettelarmut in allen geistigen Dingen manchmal doch peinlich empfinden, die großschnauzigen Herren des»Dritten Reichs«, beschwören sie Immer wieder wahre Vertreter des deutschen Geistes aus der Vergangenheit, die sich nicht dagegen wehren können, als Schwurzeugen für ihre eigene Stumpfsinnswelt herauf. So ging es mit Goethe, so eben erst mit Schiller, und jetzt vergreift sich der Vize-Hitler, der Heß, an Wilhelm Busch, indem er in seiner Ansprache Verse von ihm aufsagt und ihn zugleich »einen der Deutschesten« nennt. Nun war Wilhelm Busch als deutscher Dichter, deutscher Zeichner, deutscher Maler allerdings»einer der Deutschesten«, aber keineswegs im Sinn der Banausen und Barbaren, die heute den Begriff Deutschtum mit ihrer braunen Kloakensauce beschmieren. Denn gelernt hatte er von den französischen Karikaturisten;»der Strich«, raunzte schon in den siebziger Jahren Friedrich Vis eher gegen Ihn,»ist nicht deutsch; wer auch nur»Journal Amüsant« angesehn, kennt ihn und versteht, was ich meine«. Mehr noch scheidet Busch von den Hakenkreuzlern sein Drang, die lücherllchen Selten der Menschennatur aufs Korn zu nehmen, aus der Welt die Lachsubstanz zu destillieren und seinem Publikum vorzusetzen. Denn die Gewalthaber Braun-Deutschlands sind von dem tierischen Ernst aller Dilettanten, stolzieren auf Stelzen einher, schwelgen in hundertprozentiger Pa- thetik und verabscheuen wie alle Despoten Humor und Satire, weil sie bei jedem fröhlichen Gesicht argwöhnen, es werde Uber sie gelacht, über des einen Tintenklex unter der Nase, über des andern Fastnachtsprunkgewand, über des dritten Klumpfuß:»Lügen haben kurze Beine«. Der deutsche Untertan hat so wenig zu lachen wie der preußische Muschkote im Glied. Endlich ist jenes geistlose Spieß- und Mastbürgertum, dem immer wieder Büschs grausamer Stift zu Leibe ging, der Kern des Nazi-Heerbanns; die Typen, die Hitler zuerst und am tobsüchtigsten als einem der ihren zujubelten, wir kennen sie längst aus»Herr und Frau Knopp« und den andern Köstlichkeiten. In unmittelbar politischer Satire bat Busch sich nur selten ausgegeben, aber wenn er es einmal tat, versäumte er nicht, das Zerrbild, das die antisemitischen Vorläufer des Nationalsozialismus vom Juden entwarfen, grimm zu verulken, indem er es liebevoll nachzeichnete: Und der Jud mit krummer Ferse, Krummer Nas' und krummer Hos' Schlängelt sich zur hohen Börse Tiefverderbt und seelenlos. Wahrscheinlich hat der Heß diesen bösen Hohn auf die Judenhetzer für bare Münze genommen und deshalb Busch als»einen der Deutschesten« gepriesen. Aber aus der herben Verachtung jenes neudeutschen Kurses, dessen Kraftstoffelel und Kitschstil das eingestandene oder unelngestandene Ideal der Nazis Ist, hat Busch nie ein Hehl gemacht. Wie hätte er sich, da er schon Trara und Tamtam Wilhelms n. unwirsch ablehnte, vor Ekel Uber das tausendfach tollere Treiben des »Dritten Reichs« geschüttelt! Aber vielleicht hätte er als»einer der Deutschesten« mit den Hitler, Göring und Göbbela Gift und Galle gegen die t t t»Marxisten« gespuckt? Nun, als Bismarck mit seinem Sozialisten* gesetz die Vorprobe für die»MandstenJunlw Ist nur ein kleine« Kapitel aus dem . Z*8 rinee Lehrer», der meiner Vateretadt � ü und brav zu dienen sucht. Vielleicht hat j'««wischen zum Lexikon gegriffen, viel- �•üit informiert er sich heimlich bei roten krinensehen, aber sobald er den kleinen . 1*8«r trifft, wird Ihm so unbehaglich wie � wenn sein Blick auf den sohönen ühüspruch fällt. �"nTektionslHeraiai*, Marke Blubo« literarische Blut- und Bodenfabrikation g'll Deutschland einen solchen Umfang an- �«Umen, daß sie männlgltoh langsam«um jjj � herauswächst. In der Zeitschrift lWiaöd<(Verlagsort nicht etwa Berlln- Wu\#ten0d)enbkitf Herausgeber: Ernst Sattler; verantwortlicher Redakteur: Wenzel Horn; Druck:»Graphia«; alle In Karlsbad. Zeitungstarif bew. m. P. D. ZI. 169.334/VII-1933. Printed in Czecho- Slovakla, Der»Neue Vorwärts« kostet im Elnz®1" verkauf innerhalb der CSR. Kö 1.40(für ein Quartal bei freier Zustellung Kö 18.—). Pre� der Einzelnummer im Ausland Kö 2.— 24.— für das Quartal) oder deren Gegenwert in der Landeswährung(die Bezugspreise für das Quartal stehen in Klammern): Argentinien Pes. 0.30(3.60), Belgien Fra. 2—(24.—), Bulgarien Lew 8.—(96.—), Danzig Guld. 0.30 (3.60), Deutschland Mk. 0.25(3.—), Estland E. Kr. 0.22(2.64), Finnland Fmk. 4.—(48.—)' Frankreich Frs. 1.50(18.—), GroßbritannleD d 4.—(Sh. 4.—), Holland Gld. 0.15(1.80).***' llen Ur. 1.10(13.20), Jugoslawien Din. 4.1*' (54.—), LetOand Lat. 0.30(3.60), Utauen tri- 0.55(6.60), Luxemburg B. Frs. 2.—(24.— Norwegen Kr. 0.35(4.20), Oesterreich Seh- 0.40(4.80), Palästina P. Pf. OJ018(0.210)' Polen Zloty 0.50(6.—), Portugal Esc. 2.— (24.—), Rumänien Lei 10—(120.—), Saaf* gebiet F. 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