Verlag; Karlsbad, Haus„Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite!- Sir Jolm Simon bM zu H« Eingeladen— ausgeladen.— Das Ende einer Illusion Wr. 91 SONNTAG, 10. März 1935 Aus dem Inhalt: Hitler wirbt um Mussolini Familie Höfeid Zu Tode gehetjt Ein Anschlag gegen den Frieden Aufrüstung In der bisherigen Art und Weise fortschreitet, kann das die Besorgnisse der Nachbarn Deutschlands nur noch welter vermehren, und der Frieden selbst kommt in Gefahr, bedroht zu werden. Die friedliche Gesinnung, der die Lenker des Reiches Ausdruck geben, ist von der britischen Regierung günstig aufgenommen worden, jedoch kann diese Regierung nicht unterlassen, festzustellen, daß nicht nur die militärischen Kräfte, sondern auch der Geist, den man Im dent- sehen Volke entwickelt, zu dem Gefühl der allgemeinen Unsicherheit beitragen.« Das Weißbuch, das die Unterschriften MacDonalds und B a 1 d w i n s trägt, sagt der Welt nichts Neues. Nur in Deutschland hat es eine Veränderung der Lage hervorgerufen, denn es hat dort eine Illusion zerstört. Man hat plötzlich eingesehen, daß man auch mit dem besten Essen und den teuersten Weinen England nicht von der Seite Frankreichs weglocken kann. Darum die jähe Wendimg, der brutale Widerruf eines heißersehnten und geradezu erbettelten Besuchs. Das ist der Stil, in dem heute deutsche Außenpolitik getrieben wird. Er unterscheidet sich von dem der Kaiserzeit nur insofern, als er seine karikaturistische Uebersteigerung darstellt Als vor dem Weltkrieg Lord Haidane Deutschland besuchte, ließ man ihn zwar zum Unglück der Welt und besonders Deutschlands wieder unverrichteter Dinge abziehen, aber man hat ihm doch nicht den Stuhl vor die Türe gestellt. Auch Lord Haidane machte damals kein Hehl daraus, daß es die Sorge wegen der deutschen Flottenrüstungen war, die ihn nach Berlin trieb. Und doch war die Art, mit der man ihn behandelte, im Vergleich zu der jetzt gegen Sir John Simon geübten Methode ein Meisterstück diplomatischer Geschicklichkeit Wenn jetzt in England besorgte Friedensfreunde die Zeitgemäßheit der Veröffentlichung der englischen Regierung unmittelbar vor Sir John Simons Besuch bezweifeln, so können doch solche Zweifel in keiner Weise die deutschen Machthaber entlasten, die sich mit wahrhaft barbarischer Plumpheit eine Herausforderung ohnegleichen geleistet haben. Damit haben sie all denen, die eine neue Einkreisung und gänzliche Isolierung Deutschlands erstreben, einen unschätzbaren Dienst erwiesen. So haben sie in einem Vorspiel, das ein Stück aus dem T o 1 1 h a u s ist, gezeigt wie man Deutschland in einen neuen Krieg gegen die ganze Welt und in den endgültigen Zusammenbruch hineinführt HMet wkti m ItotieM fyual Zickzack ist Trumpf, Hitler Ist heiser, 5*r John Simon ist ausgeladen, und die welt steht Kopf. England von Frankreich zu trennen, wie es schon in»Mein Kampf« beschrieben ist, war das Ziel. Darum schälte man aus dem Londoner Abkommen den Luftpakt heraus und erklärte sich bereit, Jhn anzunehmen. Darum mußte sich Hoesch t® London die Hacken abrennen und dem ebgli sehen Außenminister eine Einladung öach der anderen überbringen. Darum be- schloß man, aus der endlich zugestandenen t�oschäf tsreise ein überdimensionales deutsch-englisches Freundschaftsfest zu �chen, den Gast, statt wie er selbst wollte, einem Hotel, im Palais des Reichspräsidenten unterzubringen, und ein wohlerdachtes Ganzes von Empfängen und Auf- 'tdtreohen durch ein Festessen ohne gleiten zu krönen. Aber»zwischen Lipp' und Kelchrand "eil Webt der dunklen Mächte Hand«. Schon �aren in London alle Koffer gepackt und d" Berlin alle Knöpfe geputzt, als die er- "bhuttemde Nachricht von einer plötzlich �getretenen Wendung kam. Der erstaunte «eitungsleser erfuhr, daß sich der Führer **ibe leichte Erkältung, verbunden r111 einer starken Heiserkeil« zugezogen 7*� Darum hat er den englischen Gast bit- 611 lassen, seinen Besuch zu verschieben. S tresemann verhandelte als tot- "bbker Mann mit Poincare über die Räu- 'bbug des besetzten Gebiets, im Vorzimmer 'bß sein Arzt und forderte durch Boten ®b kranken Minister auf, endlich abzubre- cbcn. Hitler muß den englischen Minister fbsladen, weil er an einer leichten Erkäl- verbunden mit einer starken Heiser- leidet. Wie geht das zu? Kann der iihrer und Reichskanzler nicht verhan- ®lb, wenn er nicht schreien kann? In den ®rzehn Jahren der Schmach war für die ®btache Außenpolitik der Kopf im- ®rnochwichtigeral3derKehl- dessen Heiserkeit jeder Halsspezia- 7® für einige Stunden leicht beheben kann. Also ist nur zweierlei möglich: entweder . die Krankheit viel schlimmer, als öf- ®btlich zugegeben wird, oder sie ist nur „b? Vorwand für einen Akt der diplomati- jT60 Unhöflichkeit, der in der Weltge- lbhte kaum seinesgleichen hat. � Zunächst neigt ein Teil der Weltpresse j. brsten Annahme zu. Man verweist auf J18 seltsame Wesen, das der Herr des eutschen Reiches zur Schau trägt, auf Jähen Wechsel von Erre- . n8s-un(jDepreSaionszustän- Aber genau dieselbe Erscheinung 2ar auch bei Wilhelm IL zu beobachten. j�bde solcher Art sind nicht für den boenten selbst gefährüch, sondern nur ui andere. So bleibt von den beiden Hypothesen bn die»leichte Erkältung ver- den mit einer starken Heiserkeit«� ist i! 5®üi Vorwand, um einen mit umständ- Bemühungen herbeikomplimentier- v® Gast mit einem Fußtritt wieder wegzu- r*0rdern. Zugleich mit der Nachricht von off er�eteuen Besuchsverschiebung ver- Jbbtlicht die gleichgeschaltete Presse ent- p«>te3te gegen das neue engli- äuj* Weißbuch, in dem die Noriven- W.!? neuer englischer Rüstungen mit der nellen und moralischen Aufrüstung blands begründet wird. aiso war's! November 1934 hat die Regierung Vert �eatät, ohne die Uebertretung des an-, agea ron Versailles zu entschuldigen, die aut™ ne Aufmerksamkeit auf die Wleder- nE des Reiches gelenkt Wenn diese Wir erfahren aus besonderer Quelle: Der italienische Völkerbundsdelegierte Aloisi hatte am Vormittag des ersten März in einem festlichen Akt im fiegierongsge- bäude das Saargebiet dem Reichs minister F r 1 c k Ubergeben. Am nächsten Morgen wurde er von Hitler empfangen. Die Unterredung zwischen dem»Führer« und Aloisi dauerte zwanzig Minuten. Hitler lenkte das Gespräch sofort auf die deutsch-italienischen Beziehungen. Er erklärte, daß nach dem für Deutschland günstigen Ausgange der Saarabstimmung für das Reich eine mindestens ein Jahr währende Ruhepause in Innerpolitischer Hinsicht eingetreten sei. Diesen Zeitpunkt wolle er, Hitler, unter anderm zu einer grundlegenden Verbesserung der deutsch-italienischen Beziehungen ausnützen. Baron Aloisi solle helfen, wieder eine Brücke zu Mussolini zu schlagen. Baron Aloisi antwortete ebenso höflich wie zurückhaltend, daß sein Einfluß weniger groß sei, als Hitler vermute. Er werde jedoch bei nächster Gelegenheit die Anschauung des»Führers« an geeigneter Stelle vorbringen. Als Baron Aloisi seinerseits vom Wiedereintritt Deutschlands in den Völkerbund sprach, wurde Hitler sichtlich unsicher. Er zog sich auf die bekannten Erklärungen der Reichsregierung über die völlige Gleichberechtigung zurück. Lange konnte Hitler den diplomatlscben Charakter der Unterredung nicht festhalten. Immer wieder unterbrach er sie im aufgeregtem Tone mit dem Bekenntnis des Glücks- gefühis, daß die Saar wieder zu Deutschland gehöre und er hier weile:»Ach, Herr Baron, wie bin Ich glücklich, an der Saar zu sein!« Hitler machte während der ganzen Dauer der Unterhaltung einen nervösen und bei allen GefUhlsUbersteigerungen seelisch-deprimierten Eindruck. Nidits merken lassen Eine deutsche Firma versendet folgende Information für ihre Reisenden und Vertreter und für das Personal Im Hause; Fragen von Kunden und anderen Personen, ob wir Schwierigkelten hätten, Ware zu bekommen oder ob eine Warenknappheit besteht oder ähnliche Fragen, sind nur so zu beantworten, daß eine Warenknappheit nicht besteht und wir keine Schwierigkeiten hatten, Ware zu erhalten. Wenn gefragt wird, warum wir Rationierungen vornehmen, ist nur zu antworten, daß wir auf ein so gutes Geschäft nicht vorbereitet gewesen sind. Die Frage, ob wir Miscbware hätten, ist zu verneinen und positiv zu sagen, daß wir alles In guter Ware liefern. Fragen nach unserer Preiskalkulation sind dahingehend zu beantworten, daß die Preise nur wenig gestlegen sind, und daß wir uns streng nach der Faser- stoffversorgung richten. Wir bitten dringend, sich diese Antworten rechtzeitig gut einzuprägen und wir warnen, davon abzugehen. Wir können niemand schützen, der auf diesem Gebiet Fehler macht, oder es bei der Beantwortung obiger Fragen an dem notwendigen Ernst fehlen läßt. Es ist sehr schwer, in Deutschland Handelsangestellter zu sein! Wehe denen, die das berühmte, von Amerika übernommene Keep smüing am falschen Platze anwenden, so daß die Kunden sich etwas denken könnten! Am Ende sagt schließlich wieder jedermann: wir sind belogen und betrogen worden! 4udi Leder wird knapp! Ersatzsohlen sind für die Bedürftigen gut genug. Der Magistrat der Stadt Berlin hat an alle zugelassenen Schuhmacher für die Besohlung von Schuhzeug Bedürftiger folgende Mitteilung ergehen lassen: Berliner Beschaffungsamt (BBA.) Geschäftszeichen V.HI Berlin, den 31. Januar 1935. O, 27, Holzmarktstr. 1. An alle für die Ausführung von Schuhreparaturen für Hilfsbedürftige zugelassenen Schuhmacher 1. bei der Ausführung von Schuhreparaturen für Hilfsbedürftige auf Bestellzettel der Bezirkswohlfahrt- und Jugendämter und anderer städtischer Dienststellen dürfen künftig grundsätzlich nur Ersatzsohlen verwendet werden. Das BBA. hat verschiedene Arten von Ersatzsohlen geprüft und die Fabrikate der Firmen Vorwerk, Kraft 312, Bull Sohle als brauchbar ermittelt; es dürfen daher nur diese Fabrikate für die Wohlfahr tsbesohlung verarbeitet werden. 2. Nach den mit dem BBA. getroffenen Vereinbarungen gewähren die vorgenannten Ersatzsohlen-Fabriken für die Haltbarkelt der Sohlen(nicht für die Absätze) eine Garantie— bei Erwachsenen von 6 Monaten, bei Kindern von 3 Monaten. Die zugelassenen Schuhmacher haben die Verpflichtung, diese Garantie den WohlfahrtsbedUrftlgen gegenüber zu übernehmen. Hier folgen die Preise: gez. Blauert. Besondere Erwähnung verdient die Tatsache, daß der Wohlfahrtserwerbelose bisher alle drei Monate Anspruch auf einen Besohlschein für Ledersohlen hatte, während er jetzt mit den minderwertigen Ersatzsohlen für die Dauer von sechs Monaten abgefertigt wird. Also eine Verschlechterung in doppeltem Maße! Abkühlung Warsdiau-BerFn? Ein Streit um den Kopf der Frau von Berg. Ueber eine Abkühlung der deutsch-polnischen Beziehungen und ihre Ursachen glaubt man, wie das»Journal des Nations« schreibt, in französischen Kreisen folgendermaßen unterrichtet zu sein: Man weiß, daß der polnische Botachafter in Berlin, Herr L i p s k i, den Auftrag erhalten hatte, bei dem deutschen Außenminister von Neurath dringend in dem Sinne zu intervenieren, daß man der verurteilten Frau von Berg gestattete, durch eine Ehe das polnische Bürgerrecht zu erwerben und dadurch Ihr Leben zu retten. Der Gatte der Frau von Berg hatte sich zur Scheidung bereit erklärt, und man glaubte in Polen, daß der Vorschlag in Berlin angenommen werden würde, zumal auch Warschau in einem gleichliegenden Fall den Wechsel der Nationalität und die Rückkehr eines Verurteilten nach Deutschland gestattet hatte. Aber der Reichskanzler Hitler widersetzte sich In brutaler Welse Jeder Intervention dieser Art und es seheint, daß diese Art und Weise, in der sich die Angelegenheit entwickelte, und die extreme, nur In Kriegszelten zulässige Härte der deutschen Haltung In polnischen Kreisen Zweifel daran hervorgerufen hat, ob es Uberhaupt möglich sei, mit dem Dritten Reich zu verhandeln. Die Zweifel an der Dauer und Festigkeit des deutsch-polnischen Verhältnisses, wie sie in der letzten Debatte des Sejm geäußert wurden, sind dadurch außerordentlich stark, vermehrt worden. Bei der Berliner Spionageaffäre hat es sich auch keineswegs nur um Dokumente gehandelt, die die deutschen Rüstungen in der Luft betreffen. Der Hauptmann S o s- nowski, der nun wieder nach Polen zurückgekehrt ist und sich munter und gesund in Warschau befindet, hatte auch verschiedene Pläne für einen Feldzug gegen Polen in seinen Besitz gebracht. Da diese Pläne, wie es schien, neuesten Datums waren, fragt man sich in Warschau, wie ihre Ausarbeitung mit den deutschen Freundschaftsbeteuerungen und mit der deutsch-polnischen Annäherung vereinbar sei. Ein Anschlag gegen den Frieden Deutsch-polnische Eroberungsziele Steuersenkung für den Hausbesi� »Der Grundstein« vom 13. rebrunr 1935 berichtet Uber die bevorstehende Ermäßigung 4er Hauszinssteuer um 25 Prozent und versieht diese Nachricht mit der■«reUelhafteD üeberschrift:»Auch MleterenUastung?< Die Zeitschrift unterstreicht, daß mit dieser Maßnahme vor allem die Althausbesitzer eine steuerliche Entlastung erfahren sollen, fügt aber hinzu, daß auch die Mieter mit Spannung dem ersten April, dem Termin der Senkung der Hauazlnssteuer. entgegensehen. Sie hofften, daß die Steuersenkung durch den Preiskommissar doch auch zum Anlaß einer Mieteennäßigung genommen werden wind. »Der Grundstein« beantwortet aber sofort selbst die gestellte FYage.. Zwischen den Mieten der Neiihaiiswohnungen und der Althans- wohnungen bestehe bereits eine große Spanne und eine, generelle Mietasenkung für die Alt- hauswobnungen müßte diese Spanne noch erweitern.»Man darf also sagen, daß es der Wille der zuständigen Stellen ist, wirklich dem Althausbesitzer jene Steuerermäßigung zu gönnen.« Es handelt sich also um ein Geschenk an die Hausbesitzer; für die Mieter würde nicht nur keine Entlastung, sondern zum Teil sogar eine Mietserböhung eintreten; nämlich für den großen Kreis derjenigen Mieter, denen die Hauszinssteuer bisher gestundet worden ist. Ob sich Dr. Gör- deler dazu entschließt, die 25prozentige Haus- Zinssteuersenkung auf etwa 21 Prozent fest zu senken und die gewonnene Differenz von 4 Prozent den Gemeinden zusetzen läßt, damit die Wohlfahrtsämter Mittel zur weiteren Stundung von Hauszinssteuerzahlungen gewinnen. bleibt abzuwarten. Aber selbst wenn die Korrektur vor dem Erlaß der Verordnung erfolgen sollte, so würde damit lediglich die Gefahr einer weiteren Mietserhöhung abgemildert, es bleibt aber bei der Tateacbe, daß die Ermäßigung der Hauszinssteuer ausschließlich zugunsten der Hausbesitzer und ohne jede Rücksicht auf die Mieter vorge- nomrCien wird. Auch wieder;»Sozialismus der Tat«. IVadonalsoziaHstisdier Geist Zwei Notizen aus reichsdautscben Blättern: »Im übrigen hören wir noch, daß im De- bag- Konzern, also bei der deuteeben Baum- woll-AG., Osnabrück, eine Dividende von 8 Prozent gegen 7 Prozent i. V. für das am 30. April endende Geschäftsjahr In Aussicht gestellt wird. Die in diesem Konzern vereinigten F. A. Hammersen AG. und die Christian Dierlg AG. haben für das abgelaufene Geschäftsjahr je 10 Prozent ausgeschüttet gegen 8 Prozent Im Vorjabr.« »Der Mittag«, Düsseldorf, 1. März 1036. »Am schärfsten wandte sich der Wormser Oberbürgermeister Bartholomäus dagegen. daß von 110 bestellten Wohlfahrts- erwerbaloeen 90 es ablehnten, zu arbeiten. Nattonalsozialistischer Geist sei es, zu sagen, für 10 Mark selbstverdientes Brot schmecke besser als für 20 Mark ans Unterstützungsmitteln gekauftes. Er habe sich darum entschlossen, allen denen, die die Arbelt verweigern, grundsätzlich die Unterstützung zu sperren... Eis könne nicht so weitergehen. daß von 52.000 Einwohnern etwa 14.000 hie 18.000 von der Allgemeinheit unterstützt würden.« »Neueste Zeitung«, Frankfurt&. M-, 1. März 1935. Zu Tode gehetzt Soeben erhalten wir die Mitteilung, daß Genosse Hermann Worch, früherer Bürger» meister in Langewiesen In Thüringen, der steh jetzt In Grenaa, Dänemark, aufhielt, gestorben ist Ueber die näheren Umstände meldet die»Berllngske Tldendc«, Kopenhagen: »Der in Grenaa als Emigrant lebende Bürgermeister Worch, dessen Frau vor kurzer Zeit in einem deutschen Konzentrationslager verstorben ist und dessen Tochter ebenfalls Ms vor kurzem im Gefängnis saß, ist diese Nacht verstorben. Worch war vor einigen Tagen in Kopenhagen. Auf der Heimreise wurde er krank, In der Sonnabendnacht stand er im Fieber auf und packte seine Sachen. Eine Frau hörte etwas unten rufen und sah Worch ohne Ueberzeug draußen In der Kalte stehen. Er wollte im Fieberwahn nach Deutschland reisen. Man brachte ihn wieder Ins Bett. Gegen Morgen verstarb er.« Genosse Worch wurde vom System mit Ais Hilgenberg auf der Londoner Weltwirtschaftskonferenz im Juni 1933 sein berühmtes Memorandum bekanntgab, wonach Deutschland Siedlungsraum im Osten und Kolonien brauche, wurde er sofort von der Reichs regierung desavouiert, die offiziell erklärte, daß das Memorandum Hilgenbergs nur seine»persönlichen Auffassungen« enthalte. Bei dieser öffentlichen Preisgabe Hugenbergs spielte sicherlich das Bestreben Hitlers eine Holle, den unbequemen deutschnationalen Koalitionspartner loszuwerden und die national- sozialis tische Totalität zu verwirklichen. Maß gel)end war aber auch die Befürchtung, durch allzu frühe Aufdek- kuug der national sozialistischen Eroberungsziele im Osten die außenpolitische Lage Deutschlands zu verschlechtern. Daß diese Erwägungen eine bedeutsame Rolle spielten, wird auch dadurch bestätigt, daß Alfred Rosenberg, dessen Gedankengänge zum Teil im Memorandum Hugenbergs zum Ausdruck gelangten, in den Monaten nach der Londoner Weltwirtschaftskonferenz in den Hintergrund gedrängt wurde. Die außenpolitische Situation hat sich inzwischen in grundlegender Weise verändert. Die von Rosenberg und H i t- 1 e r vertretene aggressive Ostpolitik, die nur aus diplomatischen Erwägungen heraus verhüllt wurde, hat den deutsch-russischen Freundschaftsvertrag, ein Jahrzehnt lang die wichtigste Achse der deutschen Außenpolitik, zerfetzt und die Sowjetunion in das Lager der französischen Mächtegruppierung gedrängt. Auf der anderen Seite hat der deutsch- polnische Freundschaftsvertrag vom Januar 1934 der Wilhelmstraße die Möglichkeit verschafft, um den Preis des zeitweiligen Verzichts auf den polnischen Korridor und auf Ostoberschlesien Polen als Prellbock gegen die Kleine Entente und die Sowjetunion zu benutzen und das französische Bündnissystem im Osten und Südosten Europas zu unterhöhlen. Die Folge ist, daß die na tlonalsodalis tische Außenpolitik sich jetzt ganz offen zu Zielen bekennt, denen gegenüber die Forderungen des Hugenbergschen Memorandums als ein Kinderspiel erscheinen. Einen eklatanten Beweis dafür haben drei Artikel Im»Völkischen Beobachte r« über die politischen Kräfte im Osten erbracht, die Mitte Februar veröffentlicht wurden. In diesen Artikeln des nationalsozialistischen Zentralorgans spielt Deutschland ganz offen die Bolle eines agent provocateur», der Polen nnter Zusicherung der deutschen Waffenhilfe zum Krieg gegen die Sowjetunion aufzuhetzen»nebt. Nach einem historischen Rückblick auf die Gestaltung des europäischen Ostens, der ganz im Geiste des Großen Hauptquartiers zur Zeit des Brest-Litowsker Ge- waltfriedens von 1918 gehalten ist, weist der»Völkische Beobachter« mit besonderem Nachdruck darauf hin, daß nach der nationalsozialistischen Umwälzung in Deutschland Kräfte freigeworden seien, die, nach einer Periode der schwächlichen Zurückhaltung, dem Osten Europas ein ganzanderesGesichtznver- leiben vermögen. In dem Maße, wie die Lage Rußlands im Fernen Osten besonderem Haß verfolgt Er bat im Jahre 1932 pflichtgemäß Vorsorge gegen einen SA-Put«cb getroffen- Kr wurde deshalb von der hochverräterischen Justiz verfolgt Man hat ihn gejagt und ruiniert Als er emigrierte, wurde seine Frau als Geleel verhaftet und bis zu ihrem Tode in einem Konzentrationslager festgehalten. Der Tod seiner FVau in der Gefangenschaft hatte den Genossen Worch schwer getroffen. Hitlers militärische Bundesgenossen Der Pro pag&n dama jor der Reichswebr, Foertsch, hat«ine Broschflre veröffentlich t: »Die Wehrmacht im nationalsozialistischen Staat« Es ist eine kurze Fassung der Lagende, mit der das Bündnis wrtschen Reichswehr und Hitler umgeben wird— kräftige Ge- sohichtsklltterungen und bcfllasene Beweih- kompliziertar werde, verringere sich auch der Druck der ruasischeo Politik im Westen. Dies aber gebe Polen die Möglichkeit,»ein neues politisches Zentrum an der Weichsel« zu schaffen, das es instand setzen würde, über den ganzen Osten Europas zu herrschen. Polen könne nur dann die Stellung einer Großmacht erlangen, wenn es die Kleine Entente zertrümmere, den Anschluß Rumäniens an Polen erzwinge und die baltischen Staaten dem polnischen Einfluß unterwerfe. Ist, aber, fragt der»Völkische Beobachter« weiter, Polen allein in der Lage, dieses Programm zu verwirklichen? Das Organ Rosenbergs verneint diese Frage. Polen verfüge heute noch nicht über ein ausreichendes Fundament zur Aufrichtung einer wirklichen Großmacht Es sei auch durch den hoben Prozentsatz der nationalen Minderheiten auf seinem Gebiete in seiner Schlagkraft geschwächt Nur wenn es gemeinsam mit Deutschland vorgebe, könne es die Kraft erlangen, die Landkarte Osteuropas grundlegend zu verändern. Das nationalsozialistische Zentralorgan bietet dem polnischen Imperialismus bereitwilligst die Unterstützung Deutschlands bei der Verwirklichung seines Eroberongsprogranuns an. Deutschland habe im Osten genau dieselben Interessen wie Polen. Deutschland unH Polen brauchten im osteuropäischen Raum keineswegs miteinander zu kollidieren. Sie könnten ihre Aktionen ausgezeichnet miteinander in Einklang bringen. Nur bei einem solchen Vorgehen könnte Polen seine großen Ziele im Osten verwirklichen. Für zwei slawische Großmächte, schließt der»Völkische Beobachter« seinen Appell, gebe es im Osten keinen Raum! Wir haben die Ausführungen des»Völkischen Beobachters« so ausführlich wiedergegeben, weil sie nicht nur den Standpunkt des inoffiziellen Leiters der deutschen Außenpolitik, Alfred Rosenbergs, umreißen, sondern auch, wie der »Völkische Beobachter« vom 15. Februar versichert, das Programm kennzeichnen, für das Polen entschlossen sei zu kämpfen, Die polnische Regierung hat sich bisher hierzu nicht geäußert. Mit Recht weisen aber die Moskauer »Tswestija« in einem scharfen Leitartikel vom 21. Februar auf die auffällige Tatsache hin, daß die Polnische Telegraphenagentur und die polnische Presse kein Wort über die Vorschläge gemeldet haben, die das deutsche offiziöse Organ Polen gemacht hat, gar nicht zu reden von seinen außerordentlichen kompromittierenden Behauptungen über die Richtung der polnischen Außenpolitik. Während sonst der Berliner Korrespondent des polnischen offiziellen Organs»Gazeta Polska« jede Kleinigkeit aus dem Reiche Hitlers meldet, verschweige der polnische Offiziosus ebenso wie die gesamte polnische Presse die Tatsache, daß das»deutsche offizielle Organ in dm Artikeln Polen vorgeschlagen habe, einen räuberischen Krieg vom Zaune zu brechen und ihm hierbei die Unterstützung Deutschlands zusichere«. Man muß dem offizielien Organ der Sowjetregierung beipflichten, wenn es erklärt, daß der Artikel des»Völkischen rsueberungen Hitlers, aber gewürzt mit zu- kunftsschwangeren Vorbehalten. Der Herr Major stellt«he Reichswehr der Weimarer Republik als den organisierten Hochverrat vor, der den Machtstaat verwirklicht habe. In diesem Punkte trifft er sieh mit Hitler. Einige Jahre später wird dann wieder irgend ein Major eine Broschüre veröffentlichen, in der zu lesen steht, daß man zwar einerseits den Eid auf Adolf Hitler geleistet hat aber andererseits eigene Wege ging und Immer schon den potentiellen Hochverrat darstellte. Der Propagandamajor hat die Hintertür aus der Hitlertreue heraus wohlwedslicb offen gelassen Es schreibt: »Dem weltanschaulichen Grundsatz des Führerprinzips entspricht die Notwendigkeit, einer klaren Organisation der Flin- rung der Wehrmacht. Kein Parlament, kein Kriegsrat darf cingrelfeiL Der politische Führer allein trägt für die Beobachters« ebenso wie das Schweig® der pohiischen Presse ein Vorgang von ungewöhnlicher politischer Bedeutung sei, die die verstärkte Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit beanspruche. Dieser Vorgang b*" seitigt in der Tat die letztem Zweifel über die Ziele der deutschen Außenpolitik. W® Hitlerregierung ist der Unterstützung J»' p a n s und Polens so sicher, daß am Vorabend des Besuches des englisch® Außenministers Simon in Berlin und der Eröffnung der entscheidenden Verband* Inngen Ober den Ostpakt Polen rn ein«® kriegerischem Vorstoß gegen die Sowjetunion animiert und ihre eigene Mitwirkung bei diesem Raubüberfall in sichere Aussicht stellt Es geht aber nicht um den Vorstoß g*" gen die Sowjetunion allein. Bs handelt sich auch um einen Vorstoß gegen dl« Kleine Entente und die baltischen Staaten. Die Tschechoslowakei soll zertrümmert und iwi" sehen Deutschland, Polen und Ungarn aufgeteilt werden. Jugoslawien soll i® die deutsche Mächtegruppe hinübergelockt und Rumänien in die deutsch-polnisch« Einflußsphäre hineingezwungen werden- Litauen soll von Polen verschluckt Lettland und Estland Deutschland ausgeliefert werden. Das sind die Ziele, di« nicht nur der»Völkische Beobachter« proklamiert, sondern die auch auf polnischer Seite Professor Studnicki,«ä® dem Marschall PilsudsM und dem Außenminister Beck nahestehender Politiker, i® einem viel beachtetem Buche»Polen® politisches System und Euro- p a« vertritt Es tut nichts zur Sache, wenn neu®* dings in dem Warschauer Regierungsblatt »Kurjer Poranny« ein Londoner Beriebt erschienen ist in dem scharf gegen di« deutsche Außenpolitik Stellnng genom»«® wurde. Auf eine Büge des»Berliner Tageblatts« hin bat der polnische Offizioaus de- und wehmütig Abbitte geleistet Die»®r Vorgang ist symbolisch für die Vonnachtsteilung Berlins bei der Gestaltung d® gesamtem Ostpolitik. Die Hitlerdiplomstie fühlt sich durch die Konzessionen, die ib®9 von englischer Seite in der Aufrüstnag®- frage gemacht werden, so gestärkt daß«* auch Polen gegenüber nicht nur In d® Rolle des agent provocateurs, sonder* auch in der des Mentors und Führers auftritt Diese Rolle wird sie unzweifelhaft anck bei den Beratungen über den Oatpa�t zu spielen suchen. Sie wird, das tritt seb®® jetzt deutlich zutage, alle Hebel in Bt#* gang setzen, um gemeinsam mit Polen d«« geplante Paktsystem wenn nicht giudid» zu Fall zu bringen, so doch seiner wi®k- tigsten Bestandteile zu berauben. Sie wifd in verstärktem Maße sich als»KäinpfNachtausg»b6<-k Bilde In die Wodie »Ehrlos wurde diese Heimat, weil Ihr dl« Führer fehlten, deren sie In schwersten Tagen Gedurft hatte.« So sprach der Stellvertreter öes Führers, Pg. Rudolf Heß am Tage der Befreiungskundgebung an der Saar. Die fünf- Jahre»Schmach« wurden wieder einmal heraufbeschworen. In einen Taumel versetzte dessen rasten Beifall. Die wenigen, die Inmitten dieses Rausches Ihre Vernunft zu bewahren wußten, schwiegen. Aber einmal wird äle geschichtliche Wahrheit wie- öer auf die Bühne treten. Die Tatsachen sind: das sur Republik gewordene Deutschland des Jahres 1918 übernahm vom Kaiserreich mit 'kr größten mOltarl sehen Niederlage die voü- hodete Machtlosigkeit als Erbe. Entwaffnet "ml gefesselt durch eine militärische und Wirtschaftliche Weitkoalition rettete die Republik das ausgeblutete, ausgehungerte, von Rohstoffen entblößte, vom Bürgerkrieg zer- laaene. In allen Grundfesten erschütterte Reich. Die Republik wahrte die Landesgren- *0®. die von der natlonalsoziaUstischen Dlktar tur nicht nm einen Quadratmeter erweitert Werden konnten- Tief standen als Folgen von Versailles und der ReparaOonsfflktate die feindlichen Heere im Deutschen Reich. Ohne "Inen Schwertstreich drängte die Republik in �hler und zäher Befreiungspolitik die Trup- Poo der Franzosen und der Engländer, der Rolgier und der Amerikaner Uber die Landes- Srenzen zurück. Vertraglich sollten die letzte •kr Besatzungszonen erst im Jahre 1935 ge- rtumt sein. Die Staatsmänner und die Volksvertretungen der Republik errangen den gro- "«n friedlichen Sieg, Deutschland »chon im Jahre 1930 von dem letz- fon fremden Soldaten zu befreien. Zugleich erledigte die Republik alle die Sou- voriaität einengenden ausländischen Kontrol- kn. Die neuere Geschichte weist kein Beispiel tofür auf, daß eine ihrer Waffen beraubte. von tausend äußeren und inneren Nöten be- �riingte Nation durch reine Verhandlungs- Politik sich so rasch aus einem Netz von Fes- •ola befreit hätte. Die deutschen Naüona- Üsten haben den Männern dieser nationalen PValbeltspolitlk durch Revol vorkugeln und Uftlge Verleumdungen gedankt. Ein Fmbeitstag im Saargebiet? Ganz im ®®Senaatze zu dem gewaltigen Erfolge der Republik, die Besatzungszelt um fünf Jahre *�®ukürzen, bat die nationalsozialistische Dik- ktur das Saargebiet nicht eine Stunde vor Im Vertrag von Versailles angesetzten Twmln zurückholen können. Eine Volksab- •immung, die unter einer republikanischen klnolcratlachen Regierung zu einem einzigen ••wältigen hundertprozentigen Bekenntnis �Vür Deutschland!« geworden wäre, mußte �ttreh die nationalsozialistischen Regierungs- kRooer mit allen Mitteln der Relchspropa- •ända und Finessen Internationaler Intrigen W! einem Riesenkampfe gestaltet werden, ehe 'Üe Rückgliederung des unzweifelhaft deut- ••heo Gebietes erfolgen konnte. Wozu der ganze Siegeslärm T Die Diktatur hat nichts erreicht, was nicht In 'kv Republik von Weimar mit reinerem na- 'knaiem Ethos und mit wirklicher europäi- Wher Entspannung erzielt worden wäre. War es eine nationale Befreiungafeler? ein innerpolitisches Propagandafest. Ein �•kterstiiek der Täuschung auf Zelt über was die Saarländer im Dritten Reich *rwartet ••• Wir wollen hier große und schwierige in- •vnatlonale Verhandlungen, die ganz in ihren Anfängen stehen, nicht '�klysieren. Es geht, wie man weiß, um Ga- '•häe- und Friedenspakte. Feierlich will man verpflichten, nicht anzugreifen. Wo es �hoch geschieht, soll der freche Friedens- s�®rer durch gemeinsame Aktion bestraft forden. Grenzen und Unabhängigkeit der J�hder werden gewahrt. Wer zählt die Pakte, *ehnt Anfangs geschieht es aus Glauben «onArkannte Schöin- s�rtielt Uilhtfa IM•* .AAmen e eTaus Glauben Sl SttfSä? STÄSÄ Schein- ShJ."'»»il die neukomtrulert« BWW •teilt* �Abn die Konstruktion beraus schlL � Ersatz zerstörter WahrhdL unc II der enttäuschte Glaube in den feEbtiment um. mit denen man dann 0rdnu�lpf Aufnimmt gegen alle un J «rtÄ oder Bindung, well man es rieht Edlj daß andere glückhcher daran Glüc�Aman selbst und man Ihnen darum lhr Ve ,mlt diabolischer Dialektik als ,Id«>- »«t, JJbd Utopie' zu.beweisen' 80••• l%t der Wille zur radikalen Das Haus war ausverkauft In den Logen bemerkte man die beiden Bürgermeister und die Direktoren der Städtischen Werke. Das Parkett wimmelte von Beamten, die höheren Gehaltsstufen vom, nach hinten zu die Subalternen. Auf dem Olymp drängte sich das Volk der Heizer und Bürodiener. Nach der neuen Besümmung hatte das städtische Personal die unverkäuflichen Plätze des Stadt- theaters— je nach Einkommen— zu übernehmen. Man sah gelangweilt drein. Ausgerechnet den Wilhelm Teil mußte man ansebn. Ein Stück für die reifere Jugend. Auf der Schule war es einem schon verekelt worden. Da ging der Vorhang auf.»Es lächelt der See...« Wie eine Reklame von Suchard oder Nestle sah die Bühne aus.—»Die braune Lieal kenn ich am Geläut...< Nun kam atemlos ein fliehender Mann gelaufen. Aha, Baumgarten! Dem Steuerassistenten Penzlau fiel etwas ein. So— genau so war einige Tage nach dem»Umbruch« sein Flurnachbar. der ReichsbannerfUhrer Ller in seine Wohnung gestürzt und hatte gefleht. Um vor der SA zu verbergen. Penzlau hatte natürlich das einzig Vernünftige getan und den Mann— er tat ihm Ja leid, aber man hatte an seine eigene Familie zu denken— angegeben und ausgeliefert Er hatte noch gesehen, wie sie Her auf der Treppe mit Stiefelabsätzen zu Tode traten. Aber das durfte nicht gesagt werden, denn Ller war nach offizieller Lesart auf der Flucht erschossen worden. Na, er würde sich nicht den Mund verbrennen— darauf stand Gefängnis! Aber merkwürdig: Der Fischer auf der Bühne, der auch an seine Familie dachte und dem Baumgarten rieht helfen woUte, gefiel den Leuten rieht auch nicht dem Steuerassistenten Penzlau. Alles atmete auf, als Teil, der Retter erschien. Auf der Bühne waren die Dinge eben anders als im Leben. Auch der Sekretär Köhler wurde bsd der Erzählung Baumgartens plötzlich an gewisse Dinge erinnert Drehte sich rieht alles nach ihm um als vom Landvogt Wolff anschießen die Rede war. der Unziemliches von Baumgartens Frau verlangt hatte?— Kein Mensch beachtete Ihn Aber der Sekretär Köhler lief gleichwohl dunkelrot an. So wie Baumgarten den Landvogt hatte er den Obersturmbannführer Rothe einst bei seiner Frau erwischt Freilich war er, der Sekretär Köhler. rieht hinzugelaufen mit der A*t und hatte ihm das Bad gesegnet. O nein, er hatte sich ängstlich davongeschlichen. Gegen einen so hohen SA-Funktlonär konnte man nichts machen. Muckte man auch nur, da rückte einem gleich ein SA-Sturm auf die Bude... Tatsächlich, da erschien die SA schon auf der Bühne. Weil der Teil dem Baumgarten davongeholfen, demolierten sie dem unschuldigen Fischer die Hütte, fielen sie In die Herde des unbeteiligten Hirten! Ja, so trieben aie'c.— Nein, nicht diese gefährlichen Vergleiche, sie führten zu nichts!— Aber für sich denken konnte man doch einiges, jawohl!— Mit eigenen Augen hatte man gesehen, wie die SA aus Wut darüber, dnfl ihnen der sozialistische Abgeordnete Brill entkommen war, seinem Schwager die Wohnung kurz und klein schlug, genau wie jetzt die Schergen des Landvogts die Fischerhütfe auf der Bühne. Und Frau Brill hatten sie als»Geisel« mitgenommen, sechs Monate war die Arme interniert gewesen. Das mußte man als»Staatsnotwehr« gutheißen. Im Stück aber hatte man sich über genau das gleiche moralisch zu entrüsten. Da sollte einer sich auskennen! Je welter die Aufführung /ortschritt, desto größer wurde die Zahl derer, die etwas bemerkten. Nach und nnch erkannten sie; Ihre eigene Schmach wurde gespielt Sie aber, sie waren rieht die Helden, die sich auflehnten, sie waren Fleisch vom Fleisch der sich duckenden Feiglinge. Zwlng-Uri wurde auf der Bühne erbaut. Fronvögte schlugen die ermatteten Zwangsarbeiter. Ein paar Jüngere fühlten sich plötzlich an Ihre Zelt beim FAD zurückerinnert.»So haben aie's mit uns getrieben, wenn wir nicht mehr konnten.« Der Schieferdecker stürzte vom Dach. Auf dem dritten Rang, wo Arbeiter der städtischen Werke saßen, wurde man aufmerksam. In letzter Zelt hatten sich Infolge des verschärften Arbeitstempos die Unfälle vermehrt.»Genau wie bei uns Im Betrieb«, sagte eine Stimme aus dem Dunkel, ein paar andere erwiderten: »Stimmt!« Es schlug etwas von der Bühne in den Zuschauerraum. Die RUtliazene stieg. Von alten, verbrieften Rechten wurde erzählt,(He man früher besessen hatte und die einem geraubt worden waren. Wen betraf das?— Beim Schwur;»Wir wollen frei sein, wie die Väter waren...< klatschte es hier und da, aber noch waren die Aengstllchen In der Mehrheit: Ein bestürztes»Sssst...« raunte durch die Finsternis. Doch im dritten Akt geschab das Unerwartete. Der Hut ragte zu Altort auf der [ Stange, bewacht von Reisigen, die den vor- schriftsmäßigpen Gruß kontrollierten. Teil kam mit seinem Jungen, grüßte rieht:»Was kümmert uns der Hut, komm laß uns gehn.« — Bei diesen Worten rief eine laute Stimme: »Bravo, Eckmann!« Jedermann verstand. Eckmann war ein Kollege beim Magistrat gewesen, ein lieber, stiller Mensch, mit dreißigjähriger tadelloser Dienstzeit. Jeder hatte ihn gemocht, nie hatte sich einer vergeblich an ihn um eine Gefälligkeit gewandt. Polltisch war er kaum hervorgetreten, hatte Ihm angetragene Ehrenämter stets abgelehnt— in der Beziehung war er Eingänger gewesen. Aber als eines Tages nach dem Umbruch bekannt gegeben wurde, von nun ab sei beim Betreten der Räume der Gruß»Heil Hitler!« auszubringen,— da hatte Eckmann einfach nicht mitgetan. Man hatte ihn gemahnt, verwarnt, seine Vorgesetzten hatten ihn bestürmt, an seine Familie erinnert,— nichts hatte genützt. Eckmann war dabei geblieben: Einer so widerlichen Gesinnungskontrolle, einem so ekelhaften Byzantinismus unterwerfe er als aufrechter Mann sich riebt. Im Kaiserreich habe man selbst nicht mit»Heil Wilhelm!« grüßen müssen.— Natürlich hatte alles innerlich Eckmann völlig recht gegeben; aber — die Vorschriften! Man mußte Eckmann ohne Pension entlassen. Nun aber, als Teil dem Geßlerhut die Reverenz verweigerte, rief ein Kollege— welcher, ließ sich hinterher rieht feststellen— laut und deutlich:»Bravo, Eckmann!« Und aus dem Dunkel des Zuschauerraums antwortete ein tausendfältiges»Bravo!«— Gewiß, sie riefen nur»Bravo!«, weil sie geschützt im Dunkel saßen. Wäre das Licht angesprungen, Eckmann hätte wiederum allein gestanden und sie hätten ihn aus Ihrer Mitte abführen lassen wie die Schweizer ihren Teil. Doch nun war wenigstens einmal, den Bruchteil einer Sekunde, solange als der Ruf »Bravo!« dauert, Ihre wahre Gesinnung heraus, und dieser winzige Moment wirkte wie eine Erlösung vom Joch des ewigen Gesinnungszwangs. Auf der Bühne befreiten sich die Schweizer, Zwlng-Uri wurde zerstört, der Hut von der Stange geholt. Vor sechshundert Jahren machte man öbs so. Heute.•. Wie sie nach beendeter Vorstellung in die beleuchtete Garderobe strömten, wagte niemand recht, dem andern in die Augen zu sehn. Was waren sie doch allesamt Feiglinge und Arschkriecher. Doch wenigstens einmal hatten sie gesagt, was sie dachten! Uebrigens wurde acht Tage darauf der Pflichtbesuch des städtischen Theaters für (He kommunalen Beamten, Angestellten und Arbeiter wieder aufgehoben.• Mucki. Klndermord E» mutet wie ein schaurig- e» Anunenm&r- ohen an; zwei kleine, zehnjährige Mädchen pflücken am Flußufer FrUhllngszwedge, sind In ihre Freude vertieft, wissen wohl daß sie ein Verbot übertreten. Plötzlich springt dicht neben ihnen ein Kerl aus***" Gebüsch den sie nicht kommen hörten, well er fläch wie ein Verbrecher heranschlich. Die Kinder fühlen«ich bedroht— mit Recht, denn der starke, große Gesell« macht Miene, sich auf sie zu stürzen. Zu Tode erschrocken laufen sie davon— über ein Wehr— ein Kind stürzt, verletzt sich, blutet— das andere springt schreiend Ina Wasser. Der Mann sieht, was er angerichtet hat Sein erster Gedanke gilt nicht der Rettung seines Opfers, sein erster Gedanke gilt der Beseitigung des einzigen Zeugen. Er stößt auch das zweite kleine Mädchen in den Fluß. Beide Kinder ertrinken. Der Mörder geht nach Hause. Später meldet er, die Mädchen seien von einem Unbekannten ins Wasser geworfen worden. In die Enge getrieben, muß er seine Tat eingestehen. muß welter eingestehen, daß er die Kinder hat»züchtigen« wollen und deshalb »von hinten herangeschlichen sei«. Der Mann ist kein Säufer, er ist auch kein Vagabund— der Mann ist beamteter Feldhüter. Es klingt wie ein schauriges Ammenmärchen. Aber es geschab so In der vergangenen Woche bei Söllingen. Schauplatz also war— das Dritte Reich. Das könnte als Zufall gelten. Aber Zufälle hören auf, es zu sein, wenn sie sich In ähnlicher Art unter gleichen Bedingungen, in gleicher Umgebung ständig wiederholen. Nirgends gibt es augenblicklich mehr Kindertragödien als im Dritten Reich. In Frankfurt stößt ein Vater seine Tochter ins Wasser, um sie»heroisch sterben zu lehren«, anderwärts töten Kinder einander mit dem Fahrtenmesser, mit dem Revolver, von dep Kinderselbstmorden»aus unbekannten Gründen«(nämlich aus Uebensangst) nicht so reden. Das Verbrechen in Söllingen Ist in mehr als einer Hinsicht bezeichnend- Da ist der Feldhüter, der kleine Mädchen um«in Nichts»züchtigen« will, der auch diese Gelegenheit nicht verstreichen lassen kann. sich als starker Mann zu bewähren.' Der starke Mann, zu feig, seine Tat zu bekennen. wählt den Weg, der im Dritten Reich üblich ist und der schon vor der Machtergreifung in den nationalsozialistischen Reihen üblich war; er ermordet den Zeugen., Und die Kinder? Sind Arbeiterkinder. Sie waren im Frühjahr 1Ö38 alt genug, den Terror, der keine Stadt verschonte, mit vollem Bewußtsein zu erleben. Sie sahen Uniformierte, die auf Wehrlose einschlugen, sie hörten wahrscheinlich zu Hause von den Greueltaten der braunen Horden erzählen. In Nürnberg warf sich einmal ein kleines Mädchen einem SA-Mann au Füßen, der zufällig das Schulgebäude betrat, und rief:»Tun Sie mir nichts, ich bin Jüdin 1« Etwas von dieser Angst, von diesem Grauen Ist In aber tausend moderner Stummfilm Odert Lerne»rfiweigen ohne zu planen Einst leitete er eine Rednersebule, was kein schlechtes Geschäft war. Wozu gabs Redefreiheit? Wer reden konnte, vermochte den Schnabel besser zu nützen als andere. Und so konnte man sich bei Ihm schulen als Vortragender, Volksredner, Straßenverkäufer und für sonstige allgemeine Konversation. Es kam nur auf das Formale an, das Inhaltliche machte wenig Schwierigkeiten, denn es durfte damals Uber alles gesprochen werden, wes das Herz voll war. TJa, es war eine merkwürdige Zelt Dieses Rederecht gefährdete alle Schwerverdiener des Landes und mußte darum abgewürgt werden. Was einige Banden- führer für Geld und gute Worte gern besorgten. Reden durften nur noch die Gangsterführer und ihre Mäzene, für die anderen wurde Schweigen wieder Gold. Die Rednerschule starb, für sie gäbe nichts mehr zu lehren. Was und wie geredet werden durfte, zeigte der Rundfunk. Schwelgen war Trumpf geworden, also machte Fritz eine Schwelgesohule auf. Man kann eisig, betreten und beredt schweigen, kann mit Mimik, Kopf- und Körperhaltung allerband ausdrücken. Denn irgendein Mittel muß co Ja auch in Gangsterien geben, um säefa verwandten Seelen verständlich zu machen. Fritzens Institut leistete auf diesem Gebiete Hervorragendes. Die höchsten Staatsbeamten fanden sieh ein, um die Kunst des beredten Nichtredens zu lernen. Doch das Schwere war Ja nicht eigentlich die Sprache der Nlchtsp räche, sondern schwieriger dünkte jeglichem Gebein, das Maul halten zu können, wenn man die Zeitungen des Landes las. Ministerreden hörte oder aus öffentlichem Lautsprecher vernahm, daß die meisten Versprechungen bereits ein- geUSst seien und das Volk der Stummen herrlichen Zelten entgegen rase. Selbst geübten Kunstschweigern ging In solchen Momenten empört der Schnabel auf. Hier setzte Fritzens Abhärtnngsmethode ein. In seinem Institut wurden die Schüler — von 18 bis 80— mit dem unglaublichsten Schwindel angedonnert:»Täglich gehts uns besser] Täglich, hören Sie, täglich!« Nicht zucken durfte der Schüler.»Es herrscht Recht und Ordnimg!«—»Unsere Regierung will nichts als Frieden, hören Sie, nichts als Frieden!« Der Schüler klemmt die Zähne aufeinander.»Es gibt keine Korruption mehr! Merken Sie sich; keinerlei Korruption gibts mehr.« Der Novize knirscht mit dem Gebiß, sonst kein Ton. Wer im ganzen Lande konnte zu alledem schwelgen, ohne zu platzen? Nur Fritzens Schüler! Er lernte ihnen das vielsagende, stumm tönende Lächeln und entwickelte seine Methode derart vollkommen, daß seine Schüler den schlimmsten offiziösen Schwindel effektiv nicht mehr hören. Das Ohr leitet einfach nicht weiter, der Schall bricht sich resultatlos in der Muschel, während früher der Schallempfänger brach. Nach dem zweiten 30. Juni kamen sogar die obersten Kameraden des Bandenchefs gerannt. Neue Begriffe sind entstanden. Man redet von der gelstreichen tiefschürfenden Stummsprache des Herrn A. Man beneidet Herrn B. um seine durchschlagende rabulistische Schwelgedialektik, die weder Zweifel noch Widerspruch aufkommen läßt Man rühmt die messerscharfe Stummlogik des Herrn C. Im Schatten dieser mlttei- curopäiscben Großschweiger gedeihen Millionen arischer Kleinschweigcr. Ueberau in» öffentlichen geübt setzt sich die neue rauch-, knall- und gefahrloee Verständigung selbst bei den Gerichten diese« Landes durch. Ein bestimmter schräger Blick des Zeugen oder Angeklagten nebst herabgezogenen Mundwinkeln— und der Vorsitzende weiß: Ah*. dem Mann sind im KZ die Rippen gebrochen worden. So blüht«in Herrenvolk heran, das in» Kunstschwelgen schon heute der ganzen Welt voran ist eine Nation der Ober-, Groß- und Preisschwelger. Sie meinen, Verehrtester. damit wüchsen die Gefahren der Explosion einerseits oder der völligen Verdoofung und Verkafferung andererseits? Möglich, aber vorläufig bedeutet Fritzens Methode«in« einstwellige seelische Entladung und unver- folgbare Verständigung. Sollte man den Mann nicht von Staats wegen fördern? Das ist leider keineswegs geschehen. Denn au»- gerechnet ihm. der kunstschwieg wie kein Zweiter, mußte der für einen gelernten und geprüften Predsschwelger peinliche Lapsus passleren, daß er bei einer Mlnlsterreds pfuschte. Ein russischer Germane namens Rosenthal berg donnerte durch den Funk: »Deutschland ist beute das freleste Land der Welt!« Da geschab das Malheur. FritI klemmte zwar routiniert die Stockzähne aufeinander, aber ein Pfiff schlüpfte doch hindurch. Ein leiser Pfiff, so Im Bogen von oben nach unten. Das genügte der Gestapo. Einmal wird er Ja wieder aus dem KZ herauskommen, aber das Institut ist futsebi- kato. Ein Meister des neudeutsch«] Stummfilms scheiterte daran, daß er beim Schweigetraining vergaß, den oppoeitionellen Leise- pfiff hinwegzuüben. Bruno Brandy- deutschen Kindern zurückgeblieben und wird, eo lange sie leben, nicht zu beseitigen sein. Wenn ein Kind in den Fluß springt, um sich vor einem Menschen zu retten, so muß ein UebemaG von Furcht es beherrschen. Der Raichperzlehungmninister versicherte kürzlich in einem Erlaß, man werde lauter »kerngesunde Kinder heranrüchten«,»mit strahlendem Geist in herrlichen Leibern«. In ' Wahrheit müht man sich, die starken und kräftigen Kinder zu Draufgängern und Landsknechten, die zarten und schwachen zu Feiglingen zu erziehen. Und die Zukunft wird lehren, daß der Erfolg solcher Methoden in einer Vermehrung der Rohheitaverbrechen und In einer Steigerung der Selbetmordzlffern gipfelt. IVeudeutsdbe Efaeidylle L In Schlesien wurde eine deutsch- gläubige Ebeweihe vollzogen mit einem Ritual, das u. a. Vorlesung aus der Edda,»Odins Elche«. Männerchor»Die Himmel rühmen« und Ringwechsel vorsieht. Man hat dort übrigens nach der Meldung des »Evangelischen Deutschland« nach der Zeremonie, die ohne Wiesen des Geistlichen gehalten wurde, noch die kirchliche Trauung begehrt n. Der Kirchenvorstand der evangelisch- lutherischen Gemeinde Grohn hat beschlossen, daß wegen mehrfach erfolgter Störungen bei Trauungen In der Kirche von den Zuschauern bei Eintritt In die Kirche ein Eintrittsgeld erhoben werden soU. Hierdurch will man erreichen, daß nur wirklich Interessierte der Trauung beiwohnen. (Meldungen der Frankfurter Zeitung.) Der autarke Wik Der Berliner»Angriff« schreibt; »Zunächst sei festgestellt, der Witz ist j keineswegs«ine Jüdische Erfindung, auch kein Instrument des Satans, auch heroische Zeiten können ihn nicht entbehren.... De? Witz hat allerdings eine unsoldatische Eigeo- schaft; er läßt sich nicht kommandieren----- Witze sind zollfrei, aber das Ist kein Grand. unsere Witze aus dem Aualand zu bezieheD- Ich halte dafür, daß wir unser« Witz« künftig wieder selber macben- Auch die politischen, die erst recht. Ich M* für Autarkie auf dem Gebiet des Wi trieben«-« Die einzigen Jedoch, die ihnen gelingen. and die unfreiwilligen! IVichi verstandesmaß?� In der,.Kölnischen Volkszeitung" l'«*1 man: „Wir Uberlegen nicht verstandesmäßig, wir den Staat bejähen oder verneinen, sondern«He Bejahung ist selbstverständlich, meistens sogar unbewußt." Wir glauben es! Der lebende Leufanam G. Uauptmano und S. Fischer. Wenn Gerhart Hauptmann<9e Bilanz der letzten zwei Jahre rieht, wird er finden, daß er tot ist. Sein Kotau vor dem Dritten Reiche hat ihm nichts genützt. Man liebt wohl den Verrat, doch niemals den Verräter. Seine Stücke werden nicht gespielt, der Spielplan der Bühnen wird ja vom Relchspropagandbi bestimmt. Hanneies Himmelfahrt, die Weber, Fuhrmann Henachel, die Ratten etc.— das ist zwar Blut und Boden, aber nicht Blubo, wie ihn rieb braune Verkafferung denkt. Dos ist zuviel Menschlichkeit, realistlache Psychologie, von Freiheit wird dabei auch geredet— also für das Dritte Reich sozusagen Intellektuelle Asphaltliteratur, geschrieben für ein Zeitalter dar Vernunft. Man kann den Mann nicht brauchen. Dazu bat er vor Monaten ein traumhaftes Buch herausgebracht, mit dem er aus der unangenehmen Wirklichkeit flüchtet.»Das Meereswunder« beißt das reichlich verblasene Märchen und spielt in der Südsee und an einer Stelle wird»kalter Menschenverstand« angeklagt, der das»kalte, grausame, mörderische Handeln der Menschen« beschönigt. Der Held trauert, weil er nicht mehr»den hellen, heitergläubigen Wimpel des Menschheitsschiffes« sieht, sondern »etnen schwarzen. In Blut gefärbten...< Des alles wird Ins tropenkollerisch Phantastische verlegt— der Dichter drückt seine Enttäuschung sehr, sehr vorsichtig aus. Aber auch dieses Mlnlgramm genügte, um den Zorn der Nazipresse hervorzurufen, die auch dieses reichlich indifferente Alterswerk auf dan Schriterhaufen legt, well es nicht zu den »aufbauenden Büchern« gehört. Und schließ- lieh arschlen ja auch dieses im Verlag des Juden S. Fischer, der kürzlich starb, von der braunen Presse noch im Tode beschimpft. Die Neue Rundschau brachte einige Nachrufe seiner Autoren, darunter auch einer von Gerhart Hauptmann, in dem er schrieb, S. Fischer sei der»entschiedenst« Förderer« einer unauslöschlichen, nordisch betonten, großen Literaturepoche« gewesen... Wollte der Dichter, der seit dem 3. März Antisemitismus zur Schau trug, damit erklären, warum er, der seb lesische Norde, einem Jüdischen Verlag alle seine Werke gab? Wenn Ja. dann ist ihm das mißlungen, denn auch Uber diesen Nachruf regten eich naziotiacbe Klopffechter auf. So kann man in Will Vespern Zeitschrift lesen: Man müsse»der Wahrheit zuliebe feststellen, daß der Förderer dieser»nordisch betonten« Epoche in Wirklichkeit dar große Verleger der Juden und Hai bj nden in Deutschland war..., Aehnlich steht es mit Ger hart Hauptmanns weiterer Behauptung, S Fischers Verlag sei»für viele echte WA-ke deutschen Geistes, von Thomas Mann bis zu Hermann Stehr, die Heimstätte gewesen«. Iis ist wahrhaftig nicht offen und ehrlteb. in dem ganzen Nachruf keinen einzigen der jüdischen Autoren, die Samuel Fischer wirklich förderte, zu nennen...< In Wirklichkeit förderte dieser europäischste aller deutschen Verleger Jedes Talent, das er entdeckte, ganz gleich, ob es arisch oder nichtarisch war. Gerade Hauptmann hätte sich zu diesem Bekenntnis aufschwingen müssen, denn verschiedene Jüdische Schrlftstener des S.-Fischer-Verlages setzten sich nach besten Kräften für ihn ein und er ließ es sich gern gefallen. Kleine Poeten können alle mög- Ucben Kompromisse machen, es schadet ihnen nicht viel. Aber im Fall Hauptmann zeigt sieh wieder einmal, daß Dichter von Rang und Größe des Werkes, namentlich in kritischen Zeiten nur die Wahl haben, der Wahrheit und der Freiheit des Geistes zu dienen oder in Unehren zu modern. Gerhart Hauptmann modert. B. Br. Die zweite Saison Auf der deutschen«»hne hält noch immer die Flucht in die abgründigste Vergangenheit an. Ea ist noch einigermaßen zeitnahe, wenn Kleists Prinz von Homburg noch einmal Überkleis tet wird. Aber auch keines der neuen Gymnasiastendramen gelangt zu Irgend einer Gestaltung wirklicher Menschen, alles bleibt In Phrase und Agitationsrede hängen. Wir geben einige gleichgeschaltete Kritiken Über neuere Uraufführungen wieder. Die Frankfurter Zeltung schreibt über den»Prinz von Preußen« von Hans Schwarz: »Der Eifer der Dichtung reißt die Zuschauer agitativ mit Der weltgeschichtliche Augenblick wird allerdings oft nahe an die Grenze h o h 1 e n rhetorischen Ilshersehwangs getragen.« Das ist noch ein milder Fall. Schlimmer liegts mit drei Stücken, denen die»Neue Literatur« also zu nahe tritt: Bsc meiste r. Ernst»Siegfried«(uraufgeführt München, 24. Nov.). »Bacmeisters Segfried ist durch Christentum, Humanismus und deutschen Idealismus hindurchgegangen. Er könnte ein Sohn Schillers sein, so idealistisch drückt er sich aus. Brünhild ist eine bewußte Dämonin. sie kennt genau ihren Wert für die Innere Entwicklung Siegfrieds und trägt ihn auf eine fast wissenschaftliche Weise an. während Siegfried sie zum»Lichte wahrer Menschlichkeit« hinführen möchte. Hagen endlich ist ein einfacher, aus der Dunkelheit hervorspringender Totschläger, ein Kalb, ein geldgieriger Tintenmensch (fast hätte ich geschrieben Untermensch)* ... Der Kampf zwischen Segfried. Brün' hlld und Krimhild wurde beinahe zu einet an das Psychoanalytische streifenden An*' einandersetzung zwischen gebildeten Personen, die in einem dreieckigen Verbältoi* zueinander stehen(denn Siegfried liebt. er»sich seihst überwindet«, auch die dunW« Brünhüd)...« Hier hat nun mal einer versucht, Modern«* in altgermanlscbea Gewand zu hüllen und•* ist wieder nicht gegangen. Welter; Hollenbaeh,»Heinrich der LS�* (Altona, IS. Nov.). Historische Stücke, für... Adolf Feldvoß setzt in sejoej' Stück einen Fall, in welchem der»Br0*' recht«(Brautrecht, Recht der ers�l Nacht) durch wahre Liebe ad absurd� geführt wird. Ein Junger Schloßberr eine Bauerntochter sind sich so innig 10 getan, daß aus dem unmenschlichen HC" renanspruch ein natürliches Recht geWrt" den wäre— wenn sich nicht die Ko:'?*®' tion In Gestalt eines adelsstolzen Obrf0� zwischen die beiden gestellt hätte- v" Feldvoß ist ein bißchen zu weit ins G*®'» des romantischen Ritter- ü® Schauerstücks geraten.«. So begann also der zweite TheaterwÜ»1* der deutschen Erneuerung! Immer wie*' dasselbe: historischer Kitsch mit Hakenkr�*' reden und Schauerdramatik. Die Saison fHW wieder an, fürchterlich zu werden. Ott deulsthe hoitUukt ds thäaeu Mit den Arbeiisfronibeitpfi�en will Obbbels die dentsche Musik finanzieren In den venchleden« Kulturepochen «• dU Aufgabe der Jeweils herrschenden Klasse. das Protektorat Uber die schönen Künste auszuüben, das, da die Kunst schon von Jeher „brotlos" war, Immer auch seine materiellen Hintergründe hatte und den Aristokraten In der Holle des freigebigen Mäzens zeigte...Es «oll der Sänger mit dem König gehn"... Von dem Athener Solon bis zum groflherzog- llchen Hoftheater In Weimar Ist da« Immer dieselbe Geschichte. Es Ist ohne Zweifel deshalb eine ganz revolutionäre Erfindung des Dritten Reiches. die alles bisher Dagewesene direkt umstülpt. wenn dort Jetzt nicht der Herr, sondern der Sklave, nicht der Unterdrücker, sondern der Unterdrückte berufen und angehalten wird, sich als Mäzen zu produzieren. Geduldige Handhabe zur Durchführung dieser kuJturrevolutlonare.n Neuerung und gleichzeitig anscheinend unversiegbare MlttelqueHe Sind die„Arbelts- f ronf'-Belträge, die Jetzt der deutsche Industrieprolet zwangsweise an Stelle der früheren freiwilligen Gewerkschaf tsbel träge an Irgendwelche unkontrollierbaren und unkontrollierten Parteiinstanzen abzuführen hat. Die Reichsbahn und auch wohl ein großer Tel! des Hoteller- und Gastwirtsgewerbes sind sind es nämlich satt, weiter zur Hälfte jene Fahrten der„Kraft durch Freude" zu finanzieren, die Herr Ley extra erfunden hatte, um die natürlichen innerpolitischen Wirkungen der Diktatur In einer Dullöh- Stimmung zu ertränken; auch Herr Schacht hat schon wegen seiner besonderen Devisensorgen dem Ley* sehen Cook-Büro die Auflösung nahegelegt: Es war also nur eine kurze Einsommer- Freudel Aber diese„Kraft durch Freude"- Ep ritzfahrten In alle Welt des Sommers 1934 wurden ja zur anderem Hälfte auch aus den Beiträgen der Millionen vom Arbeltsfront- Mltgtledern finanziert, die nicht das Glück und auch wohl nicht die zusätzüoben Barmlt-: tel hatten, da mittun zu können. Was soll aber nun, selbst wenn alle uniformierten Bonzen der Arbeitsfront" bezahlt sind,(ohne daß irgend eine vernünftige Arbeitsleistung von ihnen gefordert wird), mit den einkommenden Geldern geschehen, soweit sie nicht auf dem langen Wege zwischen Beitragszahler und Reichsparteikssse der Nazis In München eben in der üblichen Korruption ver?tk- kern, wenn„Kraft durch Freude" als eigentliches und ziemlich einziges„Aufgabengebiet der Arbedtafront in Wegfall kommt? Herr Gäbbela mindestens ist um die Lösung keine Minute verlegen gewesen. Zur Zeit beschäftigt sich«He seiner Leitung unterstehende Reichsmuslk-Kammer mit dem Projekt, die finanziellen Mittel der„Arbeitsfront" direkt zur Erhaltung und Förderung des deutschen Musiklebens zu verwenden. Der schöne Plan ist mit nicht zu leugnendem propsgajuBstiscbem Geschick vorbereitet und er wird keineswegs mehr die Oeffentlich- keit des Dritten Reiches, soweit sie überhaupt vorhanden ist, groß durch seine Neuheit und Kühnheit Oberraschen, geschweige denn die Leidtragenden, seihst die Arbeiter, zufolge seiner Plötzlichkeit in die Rebellion treiben: man hat eben schon gut vorgebaut! In der Reichshauptstadt erscheinen schon seit beinahe hundert Jahren die„6 i g n a I e für die musikalische Welt". Wie Jedes deutsche Druckerzeugnis ist auch diese alte, traditionelle und offiziöse Vermittlerin zwischen autführendem Künstler, Kritiker, Konzertbüro und MuaikaUenverlag und-Handel gleichgeschaltet. Neben den zwei leitenden Redakteuren, zwei Professoren der Musik, ist in die Redaktion ein unmittelbarer Vertrauensmann des Herrn Reichspropagandaministers seinerzeit aufgenommen worden, ein stein-. alter Kämpe" namens Fritz Jarltz, der zwar als nun berufsmäßiger Leitartikler der . Signale" ein schauertiebes, sa orthodoxes Wasserpol akisch grenzendes Deutsch zusammenschreibt, hinter dem aber eben die Intentionen de« Herrn Ministers seihst stehen. In der letzten Nummer der„Signale"("Nr. 6) läßt sich nun der Jarltz folgendermaßen un- vertüttmt Ober seinen Plan aus, von dem festgestellt wird, daß er eben bereits die„Kammer" beschäftigt; Kr Ist nldit mehr alletn! Im Artikel des Reicbswart»Wir sind doch ßanr allein«, von Heinz Ewald Bluhm hieß *• unter anderem: »Denn über ans drohen die hedmllehen und finsteren Gewitter der Niederlage, der falsche Glanz eines poll tischen Phyrrusale- gea,... dieser letzte Widerstand, dl wer «chler unüberwindliche Wall ist der Kapitalismus.... Jeden Tag sagt zu euch: Trotz unserer neuen Freunde sind wir doch ■lleln....< Der Reichs wart wurde— angeblich(Meses Artikels wegen— verboten, doch wurde das Verbot bald wieder rückgängig gemacht, wie behauptet wird, darum, weil Reventlow nachweisen konnte, daß dieeer Artikel»ganz sllein« in den Relchswart gekommen Ist, als er»ganz allein« im Bett lag und so krank wa.- wie der Ewald Bluhm gesund. Aber der Ewald wird nun schon so krank bt den Kellern des Columbiahauses liegen wie erin Graf bei Erscheinen des Artikels Im eau bereu weißen Bett lag. Und dort wird er su der Erkenntnis kommen, daß er nicht «Bein Ist..., Jedenfalls kommen schon Meldungen aus Deutschland, wonach Bluhm tatsächlich im Columbiahaus ist. Janker Rahm We»Muttersprache«— Zeitschrift des Deutschen Sprachvereins— bricht In eine begeisterte Buchbesprechung aus. Sie achreibt: ... Mir erscheint der Versuch gut gelungen, und Jeder, der rasch die wichtigsten Tatsachen Überblicken oder der wissen will, welches die herrschende Meinung Ober eine dieser Fragen ist, wird an den Blättern seine Freude haben. Manches, was es in knapper, übersichtlicher Form noch gar nicht gab, z. B. die Judenfrage, findet er hier brauchbar verarbeitet... alles lu allem, das Hunderte von Blättern umfassende Unterrichtswerk beweist, daß der Urdeutsche Geist, dem sich der National- Sozialismus mit Leib und Seele verschworen hat... usw. usw. Judenfrage in überalchtUcher Form— herrschende Meinung— undeutscher Geist— das •nuß etwas ganz Besonderes sein. Um wel- citee epochemachende Werk handelt es«ich dgantlicb? Ja, das ist es ja gerade— wir wissen es nicht! Und auch die Abonnenten Werden es nie erfahren, denn der Titel jener gepriesenen Schrift wurde vom Zensor aus dem Text gestochen. Wo nur die Leser gäb- 11 en sollten, gähnt ein leerer, weißer Fleck. �be die Nummer der»Deutschen Mutter- *lftißKe< Vom Satz in den Druck gelangte. der»urdeutsche« Verfasser offenbar «ebon In tiefste Ungnade gesunken. So kurze hat der Ruhm im Dritten Reiche. Die Jaden! Die Frankfurter Zeltung veröffentlicht b&ter dem Strich eine schwäbische Sage aus der alten Salzstadt Hall. Wir lesen darin: »Eiaes Morgens war der H aalquell ver- «mkert, taub, tot. Nur der Gestank war noch d«- Vierzehn Tage lang standen die Hälli- «chen, vorweg die Grundrechtsbe sitzer. die Ober- und Unterpächter um die Brunoenstu- be herum, starrten die trockenen Bohlen an und den dürren Quellmund, sagten:»8" m u a ß was g'scheh"... Herrgottaakrament...! S* muaß was g'scheba.... also, so ka's net weite rgeha!« Am fünfzehnten Tag vermuteten sie. daß die Juden daran schuld seien, am sechzehnten behaupteten(de es. am siebzehnten wurden die Juden verbrannt. Als die dreizehn Juden tot waren, lief die Soolquelle immer noch nicht----« Unerwünscht! Eine Anordnung der Gestapa Frankfurt a. M., die von der»Israelitischen Gemeinde« als»Zwsngsauflago« veröffentlicht wurde. lautet: »Eis ist unerwünscht, daß Juden, sowie jüdische Organisationen und Körperschaften ihre Privat- und Geschäftshäuser mit den Reiehaf ahnen fHäkenkreuz- oder schwarz- weißroter Fahne! beflaggen. Beflaggung tn den Frankfurter Farben(rot-weiß) ist anheimgegeben.« „Vor allem gilt e«, die nicht unerheMicben Summen der Organisationsbeiträge der Förderung des deutschen Musiklebens dienstbar zu machen. Was wir Hebung und Propagierung des Sports möglich war, wird für die Festigung der deutschen Kultur(1) doppelt und dreifach möglich sein." Also Herr Jaritz, der es von seinem Minister her wissen muß! Pas Ganze soll aber nun beileibe nicht etwa so verwirklicht werden, daß dem Arbeiter als Mitglied der„Arbeitsfront" gute Musik für billiges Geld geboten werden soll. Nein. Herr Jaritz und damit Herr Göbbels meint das mit jener direkten Subvention der Musik durch die Arbeitsfront so: „Aeußcrst wünschenswert wäre weiterhin auch eine Einschränkung der Muslk- veranstaltungen Innerbalb zahlredcber Ge- meinschaftac. die das Publikum an Preise gewöhnen, die sonst für seriöse,«rstwuagi- 1 ge Konzerte nicht einzuhalten sind, und die damit nicht nur die Existenz der Künstler, sondern auch die der Konzertunternehmer usw. als Steuerzahler und Daaeuisberech- tigte gefährden..." Wenn also die„Signale" einerscit« wollen, daß die„Arbeittfront" unmittelbar die notleidende Kunst unterhalten soll, andererseits aber auch wieder verlängern daß die Preise für Musi k v eranstal tungen aller Organisationen(hier ist der tadelnde Hinweis darauf, wie es bisher gerade die„Kraft durch Freude"-Veran staltungen gemacht haben, ganz deutlich!) so beschaffen sein sollen, ds.ß kein Arbeiter sie bezahlen kann. dann- ist der Grundgedanke des Projekte« ganz klar: Die Arbeitsfront macht mit. ihrem Geld künftig solche Kuustabendc und trägt ihr Risiko, die aber uur von den„besseren Leuten" besucht werden! Die Berliner Philharmonischen und die Leipziger Gewandhaiis- konzerte etwa wechseln nicht ihr Publikum. wohl aber ihren Kasierer...? Jeder wird zugestehen müssen: Das ist eine geradezu klassische Volksgemeinschaft, in der du Teil der Teilhaberschaf t nach Kräften dafür sargen darf, daß der andere Teil«leb möglichst gut amüsiert, dieweilen man selbst geduldig zu Hause weiter Trübsal blasen darf! E. F. Roth. Di« nationaldeutschen Juden werden wetnen! Kleiner Grab�prud« Der berüchtigte reaktionäre Schwätzer »Stein Rumpelstilzchen« schreibt in der »Rhein- und Ruhrzeitung«; »An den von Uebcrmann gemalten Pferden ist das einzig Echte, daß sie dieselbe Hängenase haben wie er selber.« Kleine Momentaufnahme vom deutschen Geisteszustand! Galgenhumor �Vie daa Dritte Reich Karneval feierte. In Köln am Rhein, der klassischen Stätte ***• deutschen Karnevals, wie er trotz aller �ot der Zeit und des herrschenden Systems In voriger Woche»gefeiert« wurde, war die �tnachtastlmmung von Jeher«ine Art Ven- Wr das rheinische, an tibo russische Volks- rea8cntlment, von der altpreußischen Prä- ��ntegternng in der»eroberten Provinz« aus �"'Berwogenen gouvemementalen Gründen itlunpr blank gehalten. »Do stelht ne Schutzmann, do steiht ne Schutzmann, Dä hät dä ganze Daag dä Zäbel ahn—< Dnd der«i«" Besungene und von närri- � Gesellen Umprungene Heß es sich mit �■saurer Miene gefallen. Von sicherlich denselben Erwägungen sei- �» Staatsrai son« hat rieh das braune Sy- lenken lassen, die früher den höni�h Öreufliachen Regierungspräsidenten bestimm- �h. Narrenfreiheit zu gewähren, als man sich �thloß, wenigstens für die verflossenen ••(Blingstagc 1935 den Maulkorb zu lockern. � äuaonsten der Pr«we im Dritten Reich des Willens Ihrer Machthaber um- So durfte denn ein wenig der antl- tl**'rilsche Humor unter dem Galgen rirp- . Die Narrenpritsche handhabt sich ja gyt. wenn dicht daneben ein anderer � L,(j�j. Norwegen Kr. 0.35(4.20). Oesterreich Seh- 0.40(4.80). Palästina P. Pf. 0.018(0.216). Polen Zloty 0.50(6.—). Portugal Esc. 2.— (24.—), Rumänien Lei 10.—(120.—), Saargebiet F. FT. 1.50(18.—), Schweden Kr. 0.35 (4.20), Schweiz Frs. 0.30( 3.60). Spanien Pe®- 0.70(8 40), Ungarn Pengö 0.35(4.20), USA- 0.08(1—). Einzahlungen können auf folgende Postscheckkonten erfolgen: Tschechoslowakei! Zeitschrift»Neuer Vorwärts« Karlsbad. Prag 46.149. Oesterreich:»Neuer Vorwärts« Karlsbad. Wien B- 198.304. Polen:»Neuer Vorwärts« Karlsbad. Warschau 190.168. Schweiz;»Neuer Vorwärts« Karlsbad. Zürich Nr. Vm 14.697. Ungarn: Anglo-Cechoslovakische und Prager Credltbank. Filiale Karlsbad. Konto»Neuer Vorwärts« Budapest Nr. 2029. Jugoslawien! Anglo-Cechoslovaklsche und Prager Credltbank, Filiale Belgrad, Konto»Neuer Vorwärts«, Beograd Nr. 51.005. Genaue Bezeichnung der Konten ist erforderlich.