Ar. 130. AbennrmeMs Zedingunge»: Obonnnnenl»-PniZ pränumtrand«: vierleljährl. ZLV MI., mon-ll. l.IOMi., wöchc»lltch 28 Psg. frei in» Hau». CiiMlne Numw'r 5 Pfg. Sonnlagt» Slummet mit umnuctuc Sonntag«» Beilage»Tie Neu« Welt" 10 Pfg. Poü« eudonnemeiil: SL0 Mark pro Quartal. Singelragen in»er Post. Zittnng!» Preisliste für ,so» unier»r. 7S7l. ilnler«reu, bann für Teutlchland und Lesterreich» Ungarn 2 Mark, für da» übrige Autland s Marl pro Monat. Prsi�rinl täglich«uljer Monlig«. 17. Jahrg. Devlinev VolKsblstt. Die ZnstrNons-Gedahr � deträgt für die fechtgelpaltene«olonelt� »eile oder deren Raum so Pfg., für polittfcheund gewerkschaftlich« Pertin»- und Persammlung»-'Anzeigen 20 Pfg.' ..»leine Anseigen" jede» Wort S Pfg. (nur da« erst« Wort fet». gnserat« für die nächste Nummer müssen di« t Uhr nachmittag» in derSxpedition abgegeben »erden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen dt« 7 Uhr abend», an Sonn, und gesttagen dt» 8 Uhr vormittag» geöffnet. Fernsprecher.-»ml I, Hr. 1608. Telegramm-Adresse: «»»rlsldemostrat»erlia" Centvalorgan der socialdemokratischen Partei Deutschtands. Redaktion: 19, Brutlz-Skrahe 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Expedition: LW 19, Veuth-Strahe 3. Fernsprecher: Amt I. Nr. 5131. Zum Gedenktag der Einheit. (36. Mai 1875- ISOO.) Stn den Nomen deS Dr. I. B. v. Schweitzer knüpft sich die Geschichte der Spaltung der deutschen Socialdemokratie, die zum Kongreß in Eisenach vom 7. bis 9. Augnst 1869 und der dort voll» zogenen Konstitnierung der socialdemokratischen Arbeiterpartei führte. Jahrelang wurde von da ab ein erbitterter Kampf zwischen den beiden Fraltioncn, den„Lassalleanenr" und den„Eiscnachern", geführt. Der Name des Dr. I. B. v. Schweitzer ist cS wieder an den die ersten, ernsten Versuche, die Versöhnung unter den entzweiten Brüdern herbeizuführen, anknüpfen. Im Lauf des Sommers 1872 waren in den Kreisen der Mit» glieder des Allgemeinen dentschen Arbeitervereins in Hamburg ernste Zwistigkeiten mit der Vercinsleitung in Berlin ausgebrochen. Unklar, wie die Führer der Hamburger waren, verlangten sie starres Festhalten an der Lassalleschen Organisation, wie sie sie ver- standen, und bekämpften sie besonders die damals sich mächtig regende gewerkschaftliche Bewegung im Verein, zugleich aber wurde von ihrer Seite die Wiedervereinigung mit den.Eisenachcrn" ge» fordert. In ihrer Ratlosigkeit wandten sich die oppositionellen Mitglieder des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins auch an ihren früheren Präsidenten Dr. v.'Schweitzer und dieser sprach sich in seiner schriftlich gegebenen Antwort rückhaltlos für die Vereinigung der bis» her feindlichen Fraktionen aus. .Mi t den Führern, wenn diese wollen, ohne sie. wen» ste unthätig bleiben, trotz ihnen, wenn sie widerstreben. Einheit nm jeden Preis I" So lautete der Mahnruf Schweitzers, der aus Berlin im No beniber 1872 datiert war und dessen Begründung von dem Adressaten in Druck gegeben und in einer Auflage von zchiitanscnd Exemplaren unter den deutschen Arbeitern verbreitet ivurde. So groß das Mißtrauen damals gegen Dr. v. Schweitzer auch in den beiden Fraktionen ivar, feine Aufforderung zur Vereinigung übte doch eine gewaltige Wirkung aus. Besonders war dies im Allgemeinen deutschen Arbeiterverein der Fall, zumal ja auch die Mehrheit der großen Hamburger Mitgliedschaft in offener Opposition gegen das Präsidium stand, und in einer Reihe andrer Mitgliedschaften, besonders aber im Maiugau und Bremen, die Opposition starken Anhang fand. Um dieselbe zu ersticken, berief deshalb der Präsident Hasen» clever zum 6. Januar 1373 den Gesamtvorstand deS Vereins, der aus 22 Personen bestand und dessen Mitglieder über ganz Deutsch- land zerstreut wohnten, zu einer Sitzung nach Hamburg. Die Ver- Handlungen dauerten zwei Tage.' Jin Vorstand hatte das Präsidium eine sichere Majorität, aber die Mitgliedschaft Hamburg beherrschte deren Bevollmächtigter A u g u st B r ä n e r. so daß die Beschlüsse des Vorstands nicht in geschlossener Mitgliedschaft, sondern in einer zu diesem Behufs berufenen Volksversammlung verkündet tverden konnten. Der Vorstand hatte in entschicdciister Weise Stellung gegen die Bereinigung genommen; da« gleiche geschah auf der Generalversammlung des Vereins, die vom 18. bis 24. Mai in Berlin tagte. Von den Herren E. B. R i ch t e r- Haimover lspäter Wandsbeck), K a m i g a u- Eothen, T ö I ck e- Iserlohn, Kinn» Berlin, Arnold- Finsterwaldc, Schmidt und D a ß b a ch- Hanau wurde folgender Antrag eingebracht: In Erwägung: 1. daß die sogen.„Socialdcmokratische Arbeiterpartei' Ursprung- lich auf dem Verbandstag der Schulze-Delitzschen Arbcitcr-Bildungs- vereine zu Nürnberg im Jahre 1863 bez. auf dem Kongreß zu Eise- nach im Jahre 1369 lediglich in der Absicht gegründet worden ist, die Arbeiterbewegung in Deutschland zu schädigen dadurch, daß neben dem Allgemeinen deutschen Arbeiterverein eine zweite. angeblich socialdemokratische Fraktion geschaffen Ivurde, welche nur deshalb ein anscheinend mehr politisch- revolutionäres Programm aufstellte, um durch dasselbe die Arbeiter anzuziehen und so die Spaltung der dentschen Arbeiter herbeizuführen; in Erwägung: 2. daß da? jetzige Zusammenwirken deS Herrn v. Schweitzer mit den Führern der sogenannten.Socialdemokratischen Arbeiter Partei" zum gemeinsamen Unterwühlen und zur Beseitigung der Organisarion des Allgemeine» deutschen Arbeitervereins den schlagendsten Beweis liefert, daß die Vernichtung de« Allgemeinen deutschen Arbeitervereins der Hauptzweck der Führer der Sociah demokratischen Arbeiterpartei ist, die sich nicht scheuen, sich zur Er- reichimg dieses Zwecks mit unstreitig reaktionären Elementen zn verbinden; i» Erwägung: 3. daß daS Programm, die Organisation und die Taktik der Socialdemokratischen Arbeiterpartei durchaus unvereinbar sind mit dem Programm und der Organisation des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins. tritt die Generalversammlung dem Beschlüsse des Vorstands des Allgemeinen deutsche» Arbeitervereins vom ö. Januar ds. Js. bei, welcher also lautet: In Erwägimg, daß für di« Mitglieder des Allgemeinen beut- schen Arbeitervereins in principieller und fonneller Beziehung durchaus keine Beranlaffung vorliegt, an der Organisation des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins zum Zweck einer Ver- einigung mit der Eisenacher Partei eine Aenderung vorzunehmen,— in fernerer Erwägung, daß es den Mitgliedern jener Partei freisteht, in Gemäßheit des Statuts des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins in diesen ein- zutreten, welcher durch seine starke Organisation sowie durch seine viel bedeutendere Mitgliederzahl die beste Grundlage zur Einigkeit der Arbeiter bietet, der geht der Vorstand über die sogenannten EinigungS-Vorschläge Eisenacher-Partei zur Tagesordnung über. Dieser Antrag wurde mit allen gegen die Stimmen der drei Deputierten aus Offenbach a. M. und Bieber, Häuser, Stnrtz und Ehmann, angenommen. Tie Hamburger Opposition, deren Führer A. Bräucr mittlerweile aus dem Vereine ausgeschlossen war, war auf der Gcneralvcrsanimlnng nicht vertreten. Ein von den Bremer Vercininiitgliedein gemachter schüchterner Annäherungsversuch für die nahe bevorstehenden ReichStagSwahlen wurde mit allen gegen die eine Bremer Stimme zurückgewiesen. Die Antwort auf diese schroffe Haltung lag für die Eisenacher nahe. Hatten sie auf ihrem vorjährigen Kongreß in Mainz ihren Ausschuß beauftragt. Annäherungsversuche an den Allgemeinen deutschen Arbeiterverein einzuleiten, so nahmen sie jetzt ans dem Kongreß in Eisenach, der vom 23. bis 27. August tagte, einstimmig einen Antrag der RouSdorfer Genossen an. der folgenden Wortlaut hatte: .Da von feiten unsrer Partei bereits Schritte zur Einigung der gesamten deutschen Socialdemokratie gemacht worden, von der diesjährigen Generalversammlung deS Allgemeinen deutschen Arbeitervereins die Einigung aber fast ciiiftimmig zurückgewiesen ist, erklärt der Kougi-rß, jedweden Versuch mit obiger Fraktion, sei er auf die Einigung der Partei oder auf die Wahlen gerichtet, ein- zustellen." ES stand also fest, daß die beiden Fraktionen getrennt in den bevorstehenden Wahltanipf ziehen würden und dieser selbst hat auch nirgends ein gcnieinsameS Vorgehen gezeigt. Wo die Lasialleancr Anhang hatte», stellten sie eigne Kandidaten auf. unbekümmert nm die Eisenacher und diese zahlten mit gleicher Münze. Ja, als es im sechsten Berliner Wahlkreise zur Stichwahl zwischen Schnltze-Delitzsch und Hasenclever kam, weigerte sich ein Teil der Eisenacher ent schieden, unter Metzners Führung, für Hasenclever einzutreten. während Eduard Berustcin den entgegengesetzten Standpunkt vertrat. Der Ausgang der Wahlen hat übrigens für beide Fraktionen sehr ernüchternd gewirkt. Hatte bisher der.Reue Socialdcmokrat" seine Leser stets in dein Glanben zu erhalten geivllßt, daß die Eisenacher nur ans wenigen mißgcleitcten Arbeitern nnd partiknla- ristischen VolkSparteilcrn und Kleinbürgern sich rekrutierte», und wurde man in Leipzig allen Ernstes gefragt, ob cs denn in Berlin und Hamburg nach immer.Schweitzerlinge" gebe? stellten nunmehr die Wahlen zur allgemeinen Ilebcrraschnng fest, daß beide Fraktionen fast gleich stark an Anhängerschaft waren. Von den bei der Hanptwahl abgegebenen aöl 670 socialdemokratischen Stimmen lantcten 180 319 auf Laffallcanische und 171 351 auf die Kandidaten der Eisenacher. Während aber die erstere» mir mit Hasenclever und Reimer ini achten und neunten schleSwig- holsteinischen Kreise gesiegt und mit Hasselmann in Barmen- Elberfeld in aussichtsreicher Stichwahl stände», hatten die Eisenacher in Sachsen im ersten Ansturm sechs Mandate gewonnen und später in der Stichwahl noch Lcipzig-Land mit Johann Jacoby dazu erobert. In Elberfeld wurde Hasselmann gewählt, während Jacoby daS Mandat ablehnte, bei der Nachwahl aber die Eisenacher unterlagen. Die Socialdcmokraten zogen also mit neun Mann in den neu« gewählten Reichstag ein. Dort zeigte sich das unerträgliche der Spaltung in zwei Parteien sofort. Präsident Forckenbcck, gegen die Minoritäten wohl der gehässigste und parteiischte Präsident, den der Reichstag je gehabt, lehnte cs ab, die Vertreter der Arbeiter als in zwei Parteien ge- trennt, anzuerkennen. Für ihn gab es nur socialdemokratische Ver- treter, und da von diesen sich natürlich bei wichtigen Anlässen stets die Vertreter beider Richtungen zum Wort meldeten, so gab Forckenbeck,„um es mit keiner Seite zu verderben", keinem der Ge- meldeten das Wort. Die socialdemokratischen Abgeordneten wurden also von den Gegnern förmlich dazu gedrängt, sich zu verständigen. Auch bei den Parteigenossen im Lande war da« Bedürfnis nach Einigung durch die Wahlen mächtig angeregt. Das große Hindernis, das der Vereinigung— abgesehen von dem persönlichen Widerstreben einzelner— noch im Wege stand war der Glaube der alten Lassalleaner an ihre Organisation, den Allgemeinen deutschen Arbeiterverein. Lassalle hat in glühenden Worten den Arbeiten: den Wert der Organisation für ihre EmaneipationSbestrebunge» gelehrt und bei den treuesten Lassalleanern stand der Glaube fest, daß diese Organisation nur der Allgemeine deutsche Arbeiterverein sein könne. Jeder Ber einigungsvorschlag, der auf Zustimmung bei den Kerntruppen der Lassalleaner rechnen konnte, mußte also zur Voraussetzung den Eintritt in den Allgemeinen dentschen Arbeiterverein Hadem Daß aber an«ine Vereinigung auf dieser Basis nicht zu denken war, lag auf der Hand. Trotz deS auf beiden Seiten vorhandenen FricdensbedürniffeS war daher die Aussicht auf Befriedigung desselben eine sehr geringe. Da sandte daS Schicksal in Herrn v. Tessendorff einen Retter in der Not. Dieser extra von Magdeburg nach Berlin oerpflanzte Socialistentöter zerstörte durch die gerichtliche Schließung des Allgemeinen dentschen Arbeitervereins und der mit ihn: verwandten Organisationen den bis dahin unerschütterlichen Organisationsglanben selbst der orthodoxesten Lassalleaner so gründlich, daß mm daS stärkste Hindernis gegen die Vereinigung endgültig beseitigt war. In: Herbst 1874 war die Stimmung in beiden Lagen: ver- söhnlich. In den beiden Hauptorganen„Neuer Socialdemokrat" und Volksstaat" herrschte Waffenstillstand. Allgemein erwartete man in der Partei den ersten offiziellen Schritt zur Anbahnung der Ver- einigung von der nenn Köpfe starken socialdemokratischen Vertretung im Reichstag. Es kam anders! Der Ausschuß der Socialdemokratischen Arbeiterpartei hielt seine Sitzungen regelmäßig Dienstags nnd FrdiogS abends in der Privat- Wohnung des Genossen A. Geib. RödingSmarkt 12. ab. Wieder einmal an einem Herbstabend 1874 hatten sich die fünf Ausschuß- Mitglieder eingefunden, nm ihre« Amts zu walten, als Geib sie mit der Mitteilung überraschte, daß er etwas ganz SuperbcS— wörtlich: reinen Marzipan— vorzulegen habe. Natürlich war die Neugierde der Ausschußmitglieder auf daS höchste gespannt, und sie machte allgemeinem Erstaunen Platz, als Geib ein längeres Schreiben von der Hand C. W. Tölcke's auf den Tisch nieder- legte. In diesem Schreiben des erbittertsten Gegners der Eisenacher sprach Tölcke seine Ueberzeugung aus, daß der alte Streit zwischen den bisher feindlichen Brüdern begraben werde nnd eine Vereinigung herbeigeführt werden müsse. Tölcke teilte weiter mit. daß sei» Frennd Hasenclever von seinen: Schritt unterrichtet und damit ein- verstanden sei. Weiter machte Tölcke den Vorschlag, für den Fall, daß der Ausschuß zu einer Konferenz bereit sei. mit den: Genossen Rudolph aus Hannover nach Hainburg zu kommen, um dort unter Beiziehnng der Hamburger Bevollmächtigten mit den: Eisenacher Ausschuß zu konferieren. Der Vorschlag Tölckes wurde von: Ausschuß eiustiinmig acceptiert. Geib wurde mit der notwendige» Korrespondenz be- austragt. Wenige Tage später fand in denselben Räumen die abgemachte Konferenz statt. Tölcke brachte, wie angekündigt, das Vorstandsmitglied Rudolph aus Hannover, den Hamburger Bevollmächtigten Vater und den leider auch schon verstorbenen Augnst Hörig mit. Bon den Eiscnachern war außer den fünf Vorstandsmitgliedern Geib, Bcunccke, Auer. Fischer nnd Martienßen, noch Theodor York anivesend. Die Verhandlungen ergaben daS vollständige Einverständnis über die Notwendigkeit der Einigung. Nur einer schwieg während der gepflogenen Verhandlungen und den ganzen Abend. Dieser eine ivar Theodor gork; als wir uns nach der Konferenz auf der Straße zum Abschied die Hand schütlelten. rannte er mir ins Ohr:„Ich glaube nicht, daß eS Tölcke ernst meint". Der brave Kork, er konnte die leidenschaftlichen Kämpfe, die er seit 1868 mit de» Lassalleaner« durchgefochten, nicht vergessen. Selbst Lassalleaner durch und durch, ist ihn: der Bruderzwist doppelt nahe gegangen. Anders August Geib. Obwohl er an seiner hohen Stirn eine breite Narbe trug, die anS einer Verwundung herrührte, die ihm gelegentlich einer von den Mitgliedern des Allgemeinen dentschen Arbeitervereins gestürmten Versammlung beigebracht wurde, glaubte er von der ersten Stunde an an den Ernst der VereinigungS- bestrebiingen nnd was an ihm lag. geschah, um dieselben zu fördern. Der.arme Jork erlebte die Vereinigung nicht mehr. In der RenjahrSnacht 1875 verschied er im Freimaurer- Krankenhanse zn Hamburg. Bei seinem Leichenbegängnis beteiligten sich aber Lassalleaner und Eisenacher in geschlosseucu Massen und über seinem Grabe begrüßten sich die Fahnen der bisher feindlichen Brüder zun: erstenmal. In das Komitee zur Fürsorge für die Hinterbliebenen Aorks traten Lasialleancr und Eisenacher zn gleichen Teilen. Die Fürsorge für die Angehörigen eines im Kampfe gefallenen braven Gciiosicn war die erste offizielle That der zwar noch nicht offiziell aber thatsächlich wieder geeinten Socialdemokratie Hamburgs und seiner llmgebimg. Die Vorbereitungen für den VereinigungSkoiigreß, dcffcn Rot- wcndigkcit allseitig anerkannt wurde, wurden in die Wege geleitet. In einer Sitzung der Reichstags-Abgeordneten am 15. Dezember 1874 wurden Liebknecht nnd Hasselmann beauftragt. Programmentwürfe auszuarbeiten, während OrganisationScntwiirfe von den beide» Parteileitniige» vorgelegt werden sollten. Man verständigte sich, daß nach Fertigstellung der Entwürfe eine Konferenz in einer Stadt Mitteldeutschlands stattfinden sollte. Die Parteipresse gab den Genossen von diesen Vorgängen Kenntnis, in Berlin und Hainburg fanden die ersten Massenversamm- hingen statt, in denen Abgeordnete der beiden Fraktionen über die Notwendigkeit der Vereinigung sprachen. Jubelnd stimmte» di« Massen zu. Die Verschmelzung der beiden Fraktionenfftand von dieser Zeit an auf der Tagesordnung der deutschen Socialdemokratie. Während so äußerlich alles im schönsten Fluß war und besonder» die Masse der Genossen den Gedanken der Vereinigung mit wahrer Vegeisternng aufnahm, gab eS hinter den Conlissen doch mancherlei Friktionen. Bald stellte sich nämlich herans, daß durch die Leitung des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins ein dicker Riß ging. Tölcke war vom tiefsten Mißtrauen gegen Hasselmann erfüllt nnd dieser, dies wissend, brachte deshalb der Tölckeschen Vcrinittc- lungSthäligkeit ein voll gerütteltes Matz von Abneigung entgegen. ES bedurfte großer Vorficht ans feiten der Eisenacher und des gewaltigen Drängens der Mafien in beiden Lagern, um zu verhindern� daß nicht ein Bruchteil der Lassalleaner von der Vereinigung ausgeschieden blieb. Daß Hasselmann sich später weigerte, in die Redaktion deS neuen CentralorganS„Vorwärts" einzutreten, war auf dcu alten Gegensatz Tölcke- Hascnclebcr contra Hasselmann zurückzuführci:. Hasselmann war stets nur mit halbem Herzei: bei der Bereinigung, seine späteren Seitensprünge erklären sich daraus. War Haffelmann nur ein halber Freund der Vereinigung, so waren— und das fiel schwerer ins Gewicht— Marx und Engels ausgesprochene Gegner derselben. Daß Marx den Programm« entivurf bitterbös zerzauste, ist bekannt, er und Engels schrieben aber auch an den Hamburger Ausschuß, daß das, was die preußische Regierung seit einem Jahrzehnt mit aller Finesse und unterstützt durch das Geschick eines Herrn v. Schweitzer vergebens angestrebt habe, nämlich die deutsche Socialdemokratie in den Dienst des Berliner MolkenmarltS zu bringen, daß dies jetzt dem Pygmäen Hasenclever spielend zu gelingen scheine. Diese Einwürfe, für so unberechtigt sie auch erkannt wurden, schlugen wie ein Donner in die Reihen der Eiscnacher> Parteileitung ein. Hn dein Briefe erklärten Marx und Engels weiter, daß wenn die Bereinigung auf der geplanten Grundlage stattfinden sollte, sie sich uni nhrer Stellung in der internationalen Arbeiterbewegung willen von der neu zu gründenden Partei los sagen müfiteiu Das war eine harte Nnfi. An ein Zurückgehen dachte niemand bei den Eisenachcrw Die Angst vor Hascnclever und seinen Jntrigucn war hinfällig und absolut unberechtigt, darüber war nur eine Meinung, Wie waren aber die Londoner Führer von ihrem Vorurteil abzu- dringen und die Partei vor einem Eclat zu bewahren?, Genosse Liebknecht fand das erlösende Wort, Er erklärte: in allen prinzipiellen Fragen erkennen wir die überlegene Einsicht der Genossen Marx und Engels gern und ohne Vorbehalt an. In allen taktischen und organisatorischen Fragen aber müssen ivir uns in Deutschland die Schlufientscheidnng vorbehalten. Hier kann nur eingehendste Personen- und Sachkenntnis— die den im Auslande lebenden Genossen naturgemäß fehlt— für die Entscheidung maßgebend sein. In diesem Sinne wurde namens nach London berichtet und der gesaniten Parteileitung Marx und Engels gaben ihren Widerspruch ans. Später haben beide gern und offen anerkannt,- daß sie sich in ihrem ursprünglichen Urteile über Personen und Erfolg der Vereinigung geirrt hatten. Sollen aber einmal die Schwierigkeiten aufgezählt werden, die es galt bei der Vereinigung zu überwinden und alle bedeutenden Gegner derselben zu nennen, so muß auch gesagt werden, daß eine Zeitlang kein geringerer als Genosse Bebel dazu gehörten Sil der Zeit vom Jahre 1872 bis 1875 hatte Genosse Bebel zwei Jahre Festung und neun Monate Gefängnis mit kurzer Unter drcchimg abznniachcn. Als er seine neun Monate Gefängnis in Zwickau antrat, lag die Vereinigung noch im weiten Felde. Alle Verhandlungen und Abmachungen mußten getroffen werden, ohne ihn unterrichten zu können. Die Parteipressc war ihm nicht zugänglich. An dem Programm-Entwurf hatte Genosse Bebel auch mancherlei auszusetzen und persönlicher Berkehr und Aussprache war natürlich ausgeschlossen. So braucht es denn nicht wundernehmen, daß eines schönen Tags in Zwickau em Kassiber geschoben wurde, der nichts weniger enthielt als einen vollständigen Programriv-Entwur; und die Erklärung des Genössen Bebel, daß wenn man dem Lassalle anismus, um der Vereinigung willen, zu weitgehende principielle Kon Zessionen mache, er, Bebel die Vereinigung nicht mitmachen werde. Dieser Widerspruch wurde nun weniger ernst gc nommen als der von Marx und Engels. Man wußte, daß Bebels Strafzeit vor dem Vereinignngskongrcß abläuft und war sicher, sich mit-ihm leicht zu verständigen, sobald dcr� persönliche Verkehr wieder möglich war. Die Thatsachen haben diese Annahme bestätigt. In Gotba wirkte Bebel mit allen ihm Gebote stehenden Kräften für die Bereinigung. Der Einigungskongrcß selbst. verlief' ohne jede Störung. Unter den 127 Delegierten, mit denen er beschickt war. herrscbte nur ein Streben, die Vereinigung zur Wahrheit und That zu machen. Im Geist war dieselbe in der deutschen Arbeiterschaft schon vollzogen; es handelte sich nur noch darum, die Form zu sanktionieren, Dies geschah' in den Tagen vom 22. bi 27. Mai 1875. Es war ein gutes-Werk, das die Vertreter der deutschen Social- demokratic in jenen Tagen vollbrachten. J. A. ■*• Die Redaktion der„Petite Repnbliqne" in Paris sendet der deutschen Socialdemokratie tclegraphischen Glück- wünsch: „Wir senden zum 25. Gedenktag der Einigung der deutschen Socialdemokratie unsrcn deutschen Freunden brüderlichen Glück- wnnsch. Wir hoffen, daß alle socialistischen Nichtnngcn bei uns in Frankreich gleichfalls die volle Einigkeit der Arbeiterklasse ver- wirklichen werden! Es lebe die internationale Socialdemokratie!" Wir danken im Namen der deutschen Socialdemokratie den französischen Parteigenosse», daß sie sich mit uns in der Feier eines der bedeutsamsten Tage der deutschen Arbeiterbewegung vereinen. Mögen auch die ernsten' nnd uitcrinüdllchen Bemühunge» unsrer französischen Kampfesfrennde um die Ziisammeufaffung aller prolctarisch-sozialistischcif Kräfte Frankreichs bald von vollständigem Erfolg gekrönt werden! 2a Mai. Ehe eintrat. übrigens politischv Llebevficht. Berlin, de» Reichstag. der Reichstag am Freitag in seine Tagesordnung sprach der Präsident Graf B a l l e st r c m dem— durch die GratulationZconr am Erscheinen Der- hinderten— Tr. L a n g e r h a n s, dem greifen bürgerlichen Tcmokratcn, unter allseitigem Beifall die Glücklvünsche des Hauses zu seinem SO. Geburtstag aus. Der Platz des Jubilars mar aus Anordnung des Präsidenten mit einem Blumenstrauß geschmückt. Ohne erhebliche Debatte wurde der?! a ch t r a g s c t a t für die Legnng des, fünften Kabels nach England in dritter Lesung bewilligt. Sodann trat das Hans in die dritte Lesung der Novelle zur U n s a I l v c r s i ch o r n n g ein. In der Generaldebatte legten noch einmal die Redner der einzelnen Parteien ihren Standpunkt dar. Im ?!amen unsrer Fraktion erkannte Molke nbuhr an, daß das Gesetz einige B e r b c s s e r n n g e u des bestehenden Zu- stands bringt. Diesen Verbesserungen stehen aber mancherlei Verschlechterungen gegenüber, die teils die Interessen- Politik der Berufsgenossenschafte», teils die Schlaffheit der bürgerlichen Parteien in die Novelle hineingebracht haben. Mit treffendem Ansdnicl nannte unser Fraktionsrcdner den C c n t r a l v e r b a n d d e u t s ch c r I n d n st r i e l l e r die Ii eich s- Ober rcgicrung, deren Willen die Reichs- tags- Mehrheit, mo irgend es angeht, zu erfüllen ängstlich beflissen ist. Im Namen der Liberalen entschiedenerer Färbung pries R ö s i ck c- Dessau, im Namen des Ccntrnms pries Dr. Hitze das Gesetz, Mcnn auch beide Redner anerkannten, daß noch nianchcrlei zu wünschen übrig bleibe. Herr Dr. Hitze gab Mieder die famose Parole aus, den Socialdcmokraten nicht zu antworten, dagegen ihre Anträge unbcsehens nicdcizustimnicn. wofür er von Molken- buhr die gebührende Ab fuhr bezog. Dr. O c rt c l. der beliebte Sachse in der weißen Weste, philosophierte sich etwas über Mittelstandspolitik und notleidende Landlvirtschaft zu- sommcn und verriet, daß ein Teil seiner Freunde aus agrarischen Motiven am liebsten gegen das Gesetz stimmen möchte, aber ans einem Rest von Schamgefühl davon Abstand nehmen will. Die industriellen Untcrnehmer-Schmerzen brachte in wehmütiger Klage der Nationallibcrale Dr. Lehr zum Ausdruck, doch auch er schloß mit der Erklärung, daß seine Freunde in den sauren Apfel beißen und für das Gesetz stimmen wollen." Vor. leeren Bänken— nur die s o c i a l d c m o k r a t i s ch c l Fraktion war fast' in voller Stärke zur Stelle— wurde die S P e c i a l d i s k u s s i o n vorgenommen. Sie ergab zwar das Resultat, daß nnsre Verbesscrungsanträge von der Kom- Promißmehrheit zum größten Teil unter den Tisch geworfen wurden, daß aber andrerseits einige, auf u n s r e Anregung zurückgehende V e r b e s s e r u n g e n gegenüber den Beschlüssen zweiter Lesung erzielt wurden. So ward in letzter Stunde das Lberanssichtsrecht der Bernssgetiosscnschaften über die A r b e i t c r e h e» vereitelt und den im A u s l a n» e weilenden Inländern der Weiterbezug der Rente garantiert. Auch eine Verbesserung bezüglich des Heilverfahrens wurde erzielt. Tic driite Lesung des G c w e r b e- U n f a l l- V c r- s i ch e r u n g s- G c s e tz e s wurde beendet. Gelingt es, morgen die übrigen 4 Versichcrungs-Gesetze zu erledigen, so ist-»ach der Versicherung, die der Präsident demLlbg. Ricke rt gab. Aussicht vorhanden, daß schon am Sonnabend die Pfingsp fcricn beginnen werden. Die Wirdcreröffmmg der Kamincr. Paris, 23. Mai. Wenige Schritte vom Palais Bourbon dehnt sich die.Welt- ausstellung in ihrer ganzen Pracht ans. Ehe die Deputierten den Schauplatz der parlamentqristhrn Kämpfe und Jutriguen betreten »lüfscn sie den handgreiflichen Eindruck des von Frankreich der ganzen Welt gegebenen Friedcnssesles über sich ergebe» lassen. Das bändigt die rabiateste PortcfenUse-Sncht der miiiifterfähigeu Politikaster, entmutigt die tapfersten oppositionellen Stürmer und Dräiiacr. So schwebte delm auch der Gedanke an die Weltausstellung übet der Eröffinuigssitzinig der Kamincr. Anstatt der angekündigten und wieder znrückgezogcncn nationalistischett Interpellationen kam zur Verhandlung eine Interpellation des ministeriellen_ Lints- radikaleu,. Gonztz. Die von der Opposition gefürchtete Kraftprobe wurde aber vom siegeSsicheien Negiernngslager angeboten. Tic Sieden des Ministerpräsidenten machten übrigens auch den Eindruck, als ob er sich einer langweiligen, überdrüisigen und iiberfllijsigen Formalität zu entledigen hätte. Mit einem Wort, die Debatte war diesmal nicht nur inhaltlich, sondern auch in der Form eine Spiegelfechterei: dieselben nnzählige Male wiederholten Arglnncnte hüben nnd drüben. Unter diesen Sliminnngcn hatte selbst die Besprechung der bc- deutsamen Gcmcindelvahlen zu leiden. Um so mehr freilich trat die wahre Bedentnng dieser Wahle» in dem negativen Umstand zu Tage, daß die' siegcsbcransck'tcn Pariser Nationalisten es nicht wagten, ihren Sieg, der i»..ihren Zeitungen die„Zerschmettcrmig des Ministeriums" bedeuten sollte, auch in der Kamincr zu einer Miiiistersturzaklion alie-zinnchen. Ein kompromittierendes Ein- gcsländnis. daß die Pariser Wahlen eine isolierte Erscheinung sind. Ebensowenig konnten die Nationalisten Waldeck-Ronsicaus Be- Häuptling bestreiten, daß die n a t i o n a l i st i s ch e M c b r h c i t des Pariser GememderätS— infolge der ungerechten Wahlbezirks- ciiitcilüng— eine Minderheit der abgegebenen S l i in in c ii vertritt. Tic mit 13 Stimmen Mehrbeit voiieiie Veitraiiensfoemel be- sagt, daß die Kammer, eiitichlvisen ist. ein Politik republikanischer Reformen n»d der Beiteibigmig des weltlichen Staats lgcgcn den Klerikoliemuü) energisch zu befolgen". Ter konkrete Inhalt dieser Formel wurde in Waldeck-Rvnjscalis Rede angegeben; Gesetz gegen die Äoiigregaljoiien zur Eindämmung des Wachstums des Vermögens der toten Hand, des KriegSfchatzcS des Klerikalisinns nnd jeglicher Reaktiv»: Gesetz über den obligatorischen dreijährigen Besuch staat- licher Mittelschulen für alle' Beamteiikaiididalcn. demokratische Erbschasts- tind Einkommenstencr- Reform. Altcrspensionen für die Arbeiter. Ein schönes Programm, das aber erstens durch die An- lündigtnig eines realtionären PreßgesctzeS lnamcntlich zum Sckintz des PräsidNiteu der Republik) vmnizieit wird, und zweitens den Fehler aller schönen Miiiisterprogranuue i» Frankreich teilt: bei der „Arbeitsweise" des sranzösischcli Parlaments würde. der ganze zweijährige Rest der lausciiden Legislatur für die Verwirklichung des Programms nicht genügen. Bis dahin aber wird mehr alS ein Miinsteritim gewechielt haben und manches iiene Programm versprochen worden sein... Daher konnten auch für den rein programmatische» Teil der Vcrtialicnsfötiiiel nicht njeniger als 43D gegen bloß 56 Stimmen votiercii. Auch die klcrilalstcii und die reaktionärsten Parteien koimlcn ruhig miljlinimeu, denn ein solches Potluil verpflichict gar nickt. Erst am Schluß der Sitzung versuchten die Nationalisten eines euer Uingehiiiigsnianöver, die in der Kammer so cmpörciid-häusig 'ind nnd darin bestehen, mit Hilfe cities Zusatzes zur eben votierten Bcrtrnncnsfvrinel das Ministerium zu Boden zu werfen. Der Konnnie- Renegat. Alphonse H n m b e r t, Leiter des gcneralskäblenscheii .Eclair", entwickelte eine regelrechte D r ey f n s-J n t e rpe lla t i o u anfGrilnd einer von ieinciliBiatt dies crTage„ciithiillrcil"Ränbeegcichichte. die>vie ciit. Ei. dein andren den sattsam betaunten Rlachenichaften der Fälscherbande ähnlich sieht. Es handelt sich mii angebliche Ver- nche von Sicherheitspolizei-Agsilten, eine..neue Thatsache" ausfindig ii mächen ziiiii Zweck der Wiedcransiiahme der Revision des Drciifns- Prozesses. Natürlich verfiel die Kammer, die die Fälschungen Henrys ganz Frankreich hatte anschlagen lassen, sofort in patriotische Krämpfe und votierte besinmingskos niit 425 gegen 60 lsocialislische Und raditales Stimmen eine„Einladung an die lltegiening. sich der Wiedereröffnung der Dreyins- Äffaire energisch zu widersetzen". Tie Regierung war ihrerseits dem Manöver ausgewichen durch die Erklärung/ daß der uatioiialistijchc Zufatzautrag überflüssig wäre, indem die bereits gebilligten Re- gierungserklärungen die Amnestie als die Porliedingiing eines dcsiiiilivcn Fliedens" in der DrtyfliSsachc befürworteten. Im übrigen setzten Waldeck-Ronsscan und Galliffct den.Enthüllungen" HunibertS ein energisches Dementi entgegen. Die hysterische Angst der Kammer von dein Drcyfilsgcspenst hat die reaktionäre Demagogie zu neuen Hoffnungen beflügelt. Deutsches Weich. Thieleus Rückzug. Die Offiziösen bemühen sich, die Aeuße- rungen des Eiscnbahmiiiiiistcrs über den Streik der Eisenbahn- Augestellten mit mehr Eifer als Geschick zu verwischen. Wir begrüßen in diesen Versuchen eine Ancrlciininig unsrer Kritik der ministeriellen Atislasiungeii, Nur sollten sich die Herren Offiziösen doch vor den unehrlichen Praktiken der„Post" in acht nehmen und den Anschein zu erwecken suche», als ob in der Erklärung des Herrn v. Schulz folgendes inhaltlich zu lesen wäre: „Unzutreffend ist aber auck die Behauptung. daß der Herr Minister behördliche Maßnahmen gegen die Ausständigen schlechtweg angedroht habe. Tic Änslassungcn des Herrn Ministers haben sich vielmehr in derselben Richtimg bewegt, in ddr auch die ministeriellen Erklänmgen am Montag im Abgeordnetenhause gehalten waren. Strenge Maßregeln der Be- Hordel» wären hiernach nicht gegen die Fortsetzung deS Streiks, sondern nur gegen diese n igen in Ausfichr. gestellt, welche S t v r n n g c n der öffentlichen Ordnung sich zu schulden kommen lassen sollten." Das steht so wenig in der Erklärung des Herrn v. Schulz, daß viclmchr daS Gegenteil darin ausgesprochen ist. Die Offiziösen lasicn in der Angst der Rechtferlignng ihren ministeriellen Patron eitel Unsinn reden:„Die Aiigestclltcn sollten nur schleimigst die Arbeit wieder anfnchmcn, weil sonst- die Behörden iiimachfichtlich gegen die— Ruhestörer einschreiten würden, die gar nichts mit Ans- ständigen zu thim hatten." Man sucht die mit den Gesetzen nicht in Einklang stehende Ein- Mischung zu Gunsten der Unternehmer jetzt dadurch aus der Welt zu schaffen, daß man die zuerst von der Scharfmacher-Presse so feurig gerühmten Drohnngcn gegen die Streikenden zn einem sinn- I und zwecklosen Gerede zu verwässern sucht.—' Tic Bestrafung des KontraktbruchS fordert jetzt täglich zweimal die„Post", Sie sieht den Untergang des Siaales an dem Tag besiegelt, wo einmal alle Menschen zu Fuß gehen iiiüsien: „Immerhin macht die rasche Aufeinanderfolge der Lohnfordc- runden auf eine Möglichkeit aufmerksam, die mau beizeiten ins. Auge fassen muß und auf die wir auch bereits bei Erörterimg des Kontraktbruchs hingeiviesen babcn. Wir meinen die S o l i d a r i t ä t a kl c r P c r k c h rs a n g e st e l l t e n untereinander. Wäre dem Gcwerkschaflsvcrbaud der Verkehrs- und Transportarbeiter der große Wurf gelungen, die gesamten Angestellten der Straßenbahnen für sich cinzusangci!. so war die solidarische Organisation schon ge- schaffen. Nun haben aber die Angestellten der„Großen Berliner" beschlossen, cincii eignen Verband zu gründen._ Sie rücken dadurch etwas von der'socialdemolratischen Nachbarschaft ab. Wenn nun aber die Angestellten von Sieniens u. H a l s k e, die O m n i b n s a n g e st e I l t c n und sogar die Droschkenkutscher eigne Verbände gründen und diese im cnt- scheidenden Augenblick für einen bestimmten Zweck gc- m eins a in mobil machen, so ist mit einem Schlage der -gesamte Berliner Verkehr lahiii gelegt. Das bedeutet eine Schädigimg des Zuitionalwohlstands und eine Störung unsrer Ordnung.' die sich gor nicht vorher berechnen und er- inesseii'läßt. Soll rs' nun gar keinen gesetzlichen Schutz da- gegen geben, daß'über Nacht ein derartiger Schlag gegen die Be- völkernng der Reichshcinptstadt ausgeführt werden kann?>söll der Äoiitrallbriich in einem Uiiternchmeu, von dem für Taiisendc'und Abcrtciiiscnde von Familicn die Exislciizbcdingnngcn abhängen, ebenfalls straflos bleiben.".....„Es gicbt nur ein Schutzmittel gegen die brutale, rücksichtslose Gctvalt der A ii g est c ll t e ii. nnd das ist die Bestrafung des Kontrakt- bnichs in solchen Füllen,'wenn dadurch öffentliche Interessen i»id die Ordnung gestört weiden. AlleS andre sind leere Redens- arten, mit denen man nur der Socialdemokratie entgegenkommt," Es fehlt jetzt nur noch eine Oeynhanscr Rede und wir haben zur Abwechslung nach den Umsturz- und Zuchthausvorlagcn einen Entwurf zur Bestrafung des Kontraktbruchs, eine lex Große Berliner.— Das Ende eines Socialistcn. Wir haben vor einiger Zeit die Vermutung'ausgesprochen, daß Herr Max �Lorenz, erst Socialdemokrat. dann einer der national-socialen Führer, bei der „Post" endigen würde, allwo ja alle früheren Socialdenwkratcn von der Art des Korbmachers Fischer eine letzte Zufluchtsstätte finden. Wir müsse» heute uiisern Irrtum bekennen. Herr Max Lorenz gicbt sich nickt mit Klciingkeitcii ab. Er hat die freikonscrvative Station kühnlich übersprungen und ist sofort in der„Kreuz- Zeitung" gelandet!, Jetzt bleibt für die weitere Entwicklung nur noch das..Adelsblatt" als allerletzte Station der Entwicklung übrig— indessen wird ihn eine gewisie naive Ehrlichkeit, die'in dem Adcksblatt herrscht, davor bewahren. diesen allerletzten Schritt zu wagen. Er mag also nach Kropatschecks Rcdaktionssitz streben..-. Tie„ K r c n z- Z c i t u n g" hat sick ans Anlaß der lex Hkmze den Luxus eines Specialrcnegaten geleistet, während die„ P o st" solche Personell beraiizuzicocu pflegt. wciiii es sich um die tiefen Probleme der Mästimg von, gewisiciilosen Agitatoren mit Arbeiter- groschcn handelt, Herr Max Lorenz aber beweist in cinem Lei- ärtikcl der„Krenz- Zcttmig" haancharf. daß die Socialdcmokraten weder im Gegemvans- noch im Zuklinslsstaat die idealen Interessen der Kunst ivährzitNehmeii vermögen. Jiikolgedesien sollten sich die Künstler vor den Liebesiuerbmigen der Socis hüten. Also wende man sich lieber an die„Kreuz- Zeitung" und die Bäter der löx, Die Sociokdcmokratic hat wirklich Glück, Es wäre doch eine derbe Blamage für uns geworden, lvcnn Herr Max Lorenz länger mit seinen philosophischen' Speknlatianc», semen intellektuellen unst moralischen Gaben bei ims gastiert hätte. Wir glauben sogar, daß sich selbst die Nativiml-Soeiale»— der Verein entpuppt sich immer mehr als bloße politische'Tiiichgailgsstalioil— gratulieren, den Max Lorenz losgen>orden zu sciii. Er gehört in die„Krenz-Zeitung'!. Kürzlich hat— wie bei dieser Gelegenheit— erwähnt sei— inner französischer Genosse I a u r ö S einen Vortrag über Kunst und S o c i a l i S iii u s gehalten, den er mit folgenden Sätzen schloß:'. � „llcbcrall(in der herrschenden Reaktion) Heuchelei nnd S ch e i n h c i l i g k e i t, überall L ü g«. infolgedessen überall B e r- neinnng des Lebens, V c r n e i n u n g der Schönheit': und da wir von«nS mit Recht bchaiipteii, daß wir die bewegende Wahrheit darstellen, das Leben selbst in seiner notwendigeil Uni- gcslaltung, glauben wir besser, als alle andren, den Ausschwung der K ü ii st c imtersuitzeu zu können. „Darum tvcndc ich mich an alle, die an die Schönheit glauben, die da glauben an das Ideal, sie alle fordere ich auf. ihre Kräfte zu vereinigen mit der Kraft des Prole- l e t a r i a t s, das den Kampf führt, um die Gerechtigkeit, „ K ii n st l e r! Vereinigt Euch mit n n S!" So Genosse Jaiirus. der freilich noch nicht den Beweis deS deutschen Exgqiossen gelesen hat, daß Äimst und Socialiömus im- vereinbare Widersprüche sind,— Die Heinzcmänncr die Vertreter der Minderheit. Wir hatten bereits daraus hingeiviesen. daß die Gegner des gefallenen Heinzc-Paragraphen nur die Minderheit der Wähler Himer sich hätten, daß also schon a»S diesem Grund die Obstrultwii berechtigt gewesen sei, Tie„Volks-Ztg," macht mm eine spccificicAe Rechniltig über die eüizelnen Parteien des Reichstags und die Zahl der für sie abgegebenen Stimmen aus, als deren Resultat auch sie feststellt, daß die Parteien der Opposition und Obstruktion ohne die Polen 51,3 Proz. aller abgegebenen Stimmen auf sich vereinigten. Dies Resultat kommt hauptsächlich dadurch zustande, daß die Socialdcmvkiatic, die allein 22,5 Proz. aller abgegebenen Stimmen für sich in Ansvrilch nahm, um 13,2 Proz. Abgeordnete w c n i g c r. zählt, als ihr iiack dem Durchschnitt zu- komme» müßten, während umgekehrt das Centnim um 6,5 Proz. seiner Abgeordneten zu stark vertreten ist. Hätte die anS einer dem Grundsatz' des gleichen Wahlrechts widersprechend e u W a h l k r e i S v e r t r e 1 u n g ihre Macht herleitende Heinzemajötität, auf der brutalen Gewalt fußend, ihre Absichten durchgesetzt, so wäre also die Mehrheit des Volkes durch die Minderheit ver- g e w a I t i g t worden. Wäre endlich einmal die von der Reaktion hintertriebene N e u v e r t r e t u n g der Wahlkreise, die daS P r i n c i p nnsleS SteichswahlrecktS erfordert, vorgenommen worden, so hätte es freilich nickt der Obstruktion bedurft, um die Respcktietung deS Rechts der Mehrheit durchzusetze»,— DaS Volk quitticet! Ans Mciuingen wird uns ge- schrieben: Es ist den Lesern des„Vorwärts" bekannt, in welcher Weise vor drei Jahren die Majorität des Meininger Landtags eine Revision des Gemeindewahlrechts vornahm, indem man an Stelle des gleichen Wahlrechts das Pluralsystem setzte. Die Folge davon war,' daß in der im Herbst 18S7 stattgestnidenen LandtagSwahl anstatt des bisher einen socialdcmokra'tischeii Vertreters_ deren v i er gewählt wurden.. Doch, siehe da! Noch war die Majorität mit der Wahlrechtsrebision nicht befriedigt, sie wollte noch iveiter zeigen. daß ste Herr im Hause am Bleichgrabcn sei. Und so schloß sie denn einfach die Socialdcmokraten ans allen Kommissionen des Landtags aus— weil, nun weil diese so unverschämt gewesen wäre», den Landtags- ErvffmmgS- G o t t e S d i c n st nicht mitzumachen! Immerhin eine Begründung! Jedoch, solche �tücklein der geivöhnlichsten Vergeivaltigung erheiichcn Sühne, sagen wir Lcr- geltung, und die Socialdemokratie. sie hat vergolten, mit schweren. 'wuchtigen Hieben direkt ins Angesicht der patentierten„Ordnirngs", Parteien hat sie sich Geiingtbiuing verschafft. Anfangs dieses Jahres starb in Rauensieili der Vertreter deS Schalkau-Raucnsreiner Kreises. Kommerzienrai Georg«. Sofort trat miste Partei in Aktion und in der am 8. März slaitgehabten Hanptwahl errang unser Kandidat 496 Stimmen, während der Landrat des Kreises 653. ein dritter Kandidat 492 nnd ein vierter 267 Stimmen erhielt. Kein Zwcncl. unser Kandidat mußte in der Stichwahl unterliegen angesichts ocs landrätlichcn iii>d ticr 759 sonstigen bürgerlichen Slinlincn. Und doch siegle unser Genosse Hosinann' am 19. März in der Stichwahl mit 9l4 gegen 879 landrätliche Stimmen. -s-nbci muß man Vedenken, daß der Kreis überwiegend landwirt- slbaftlich ist und daß mit dem erdenklichsten Hochdruck des amtlichen Apparats gearbeitet wurde!— Roch mitten in, Wahlkampf kam die Knude, daß der Vertreter des Wasuuger Kreises, der Senior des Landtags, der 82 jährige Landivirt P e tz c» b e r g e r gestorben sei. Die Sriolge im Schalkan-Rauensteiner5lreisc ließen nnsre Hofsnnng schwellen nnd so traten wir auch hier mit aller Energie in den Wahlknmpf. Und siehe da. die Domäne des Bundes der Landivirtc, sie zeigte recht guten Boden' für unser Wirken, denn»ach hartem Kanipf brachte uns der 10. Mai, der Hanptwahltag 489 Stimmen für wiscm Genossen Sämhniachcr W e h» e r i» S a I z n n g c»(gegen 1897: 2371, während drei weitere bürgerliche Kandidaten 45«, 263 und 394 Stimmen erhielten. Wieder wurde ,»it aller Energie die Arbeit aufgenommen: auch in den kleinstcu Orte» wurden Ber- s a mni lmigen abgehalten und die„anti kollektivistischen Bauern", wie waren sie ganz Ohr. ivcnn ihnen in den Versammlungen das Evangelium des Socialisnms zum erstemnal gepredigt wurde! Die Gegner zogen alle Register, alle alten Schmöker und Wahlwitzchen mußten herhalten, und doch war alles das vergeblich. Die Bauern ließen sich nicht gruselig machen durch das angekündigte„Teilen" ihres Besitztums, derStich-Wahl- tag. der 26. Mai, brackNe nnsrem Genossen 890 und dem Aanernbündlcr Krug 730 Stintiucn. Ter Sieg hat deshalb doppelte Bedeutung, ivcil der Wablkrcis wiederum ein fast rein däncrlichcr ist nnd der Gegen- kaudidal als„Bauer" sich der wärmsten Protektion der Rcgicrnngskrcisc erfreute! Jetzt hat unsre Partei mm von de» 24 Sitzen des Mciiiingcr Landtags 6 inne. refp. von den l6 Sitzen der Mindesibeslcncrten fast die Hälfte: bedenkt Man ferner, daß bei der letzten Wahl der Saal- fclder Kreis in.� mit nur 11 Stimmen und der Grnfcnthalcr Kreis mit nur 5 Stimmen verloren ging, so sind auch da die Aussichten für die nächste Wahl die besten. Mail darf min begierig sein, ivie beim Wicdcrznsaminentritt des Landtags die Orduungsmajorität sich anstellt Jind ob sie es auch noch ferner wagen wird, uiisre Genossen principiell von den Kouiinissioucn fernzuhalten.— Tie bayrische Regierung ale> agrarischer Stlirmbock. München, 25. Mai. Die Abgeordnetenkammer»ahm bei der Beratung des. ZolletatS mir großer Mehrheit einen Antrag Lutz an, durch welchen die Regierung gebeten wird, im Bundesrat dahin zu wirken. daß in den Inttstigcn Handelsverträgen und Zolltarifen der Zoll auf Gerste und Hafer dem Zoll auf Weizen und Roggen gleich gestellt werde. In». Laufe der Debatte erklärte der Fi n a n z m i izist.« r Freiherr v. Riedel, die Regierung werde seiner Zeit bei den VcrtragSverhandlnngen die t h» n I i ch st e Erfüllung dieser Wünsche und auch eine Zoll- e r h v h.u n g. für. aar S.ländi s ch c n T a b a k zu erreichen suchen. Ileberhaupt werde die Regierung alles thun. um die Interessen der L a n d w i r t s ch a s t möglichst zu schütze n. Durch die„ H a.ii d c 13 he r träge wurde der Zoll auf Hafer vou 4 M. auf 2,80 M., der für Gerste von 2.25 aus 2 M. herab- gefetzt. Eine Glcichstelstmg des Zolls auf Gerste und Hafer mit dem ans Weizen und Roggen würde also wahrscheinlich mindestens einer Verdoppelung gleichkoiniiien. Die bayrische Regierung hat Nim nicht nur versprochen, den Wünschen der agrarischen Antrag- stellcr bezüglich dcS Zolls auf Gerste zu entsprechen, sondern auch noch ein Eintreten für die Erhöhung deS TabakzollS in Aussicht gestellt'— Karlsruhe, 24. Mai.e früheren Borgänge zurück- gegriffen werden. Hoffmann ist 1886 aus der evangelische» Landes- kirche� ausgetreten und hat dann seine Kinder nicht mehr am Religionsunterricht in der Schule teilnehmen laffen. Er wurde deshalb nach einiger Zeit angeklagt, in der Revisionsinstnnz aber am 6. Februar 1390 freigesprochen. Das Kamuiergerichl führte damals u. a. aus:„Schon das Allgemeine Landrecht spricht im§ 11 II 12 den Grundsatz ans, daß schulpflichtige Kinder zur Teilnahme am Religionsunterricht einer Konfession, welcher die Kinder oder ihre Eltern nicht angehören, überhaupt nicht angehalten werden dürfen. In Ausführung dieses Grundsatzes, der noch zu Recht besteht, hat nun der Minister der geistlichen Angelegenheiten durch Erlasse von 1872, 1875 und 1877 bestimmt, daß Schüler, die in einer Religion beziehungsweise Konfession erzogen iverden sollen für welche im allgemeinen Lehrplan der betreffenden Schul anstatt Unterricht nicht angesetzt ist, ans den Antrag der Eltern ohne weiteres und bedenkenlos von dem Religionsunterricht in der Schule zu dispensieren sind, und �daß dies insbesondere auch für die Kinder von Dissidenten, welche in gültiger Form aus der Landeskirche ausgetreten sind, gelten soll. Zu diesem Erlafie war der Minister befugt."— Nach dieser Eni scheidung hielt Genosse Hoffmann neun Jahre lang un- gehindert seine Kinder vom Religionsunterricht fern. Ani 6. Dezember 1898 erhielt er dann wieder ein Strafmandat wegen un- berechtigter Schulversäumnis eines Sohnes, den, eine ganze Anzahl Strafmandate folgten, wogegen Hoffmann die Gerichte' anrief. Am 14. September 1899 bestätigte das Kammergericht ein landgerichtliches Urteil vom 27. Mai 1899, durch welches Hoffmann lvegen jener wiederholten Versäumung der Rcligionsstundcn zu einer Geldstrafe von 5M. verurteilt worden war. Der Strafsenat des Kammergerichts führte in den Urteilsgründen aus, daß das Gericht den 1890 noch vertretenen Standpunkt seit dem Jahre 1893 verlassen habe. Maßgebend wäre allerdings§ 11 II 12 des Allgemeinen Land rechts, worin es heiße:„Kinder, die in einer andern Religion. als welche in der öffentlichen Schule gelehrt wird, nach den Gesetzen des Staats erzogen werden sollen, können dem Religionsunterricht in derselben beizmvohnen nicht angehalten werden/ Diese Bestimmung sei so auszulegen, daß die Kinder am Rcligions Unterricht in der Schule teilnehmen sollen, wenn nicht der Nach weis erbracht werde, daß sie außerhalb der betreffenden Schule in_ einer andern, vom Staate anerkannten Religion unterrichtet würden. Irgendwelcher Religionsunterricht werde verlangt. Damit ständen auch nicht in Widerspruch die§§ 1—5 II 11 des Allgemeinen Landrechts, ivelche die„vollkommene Glaubens- und Gewissens freiheit" anerkennen, denn hier handele es sich nicht um Glaubens und Gewissenszwang, sonder» um Unterricht in einer Religion. Was ein Religionsunterricht nach den Gesetzen des Staates sei, das zu bestimmen stehe der Schulbehörde zu. Ohne Dispens hätte der Angeklagte seinen Sohn vom Religionsunterricht in der Volksschule n i ch t fernhalten dürfen.— Die verschiedenen„Strafthaten" wurden als eine einzige einheitliche Handlung angesehen.— Hoffmann machte sofort Gebrauch vondemRecht, sein Kind in einer„andrenReligion uachdcnGe- setzen des Staats" unterrichten zu lassen, indem er schleunigst die Zu- lassung zum jüdischen Religionsunterricht beantragte. Die Schul- deputation gab auch seinem Aulrag statt. Am 13. März 1900 verurteilte das Landgericht als Berufimgs- instauz abermals Hoffmann zu einer Geldstrafe, jetzt in Höhe von 9 M. Und zwar handelte es sich um das fortgesetzte Fernbleiben feines Sohnes vom evangelischen Religionsunterricht in der Zeit vom 10. Januar bis zum 12. August und vom 13. August bis zum 9. September 1899, solvie um das Fernbleiben von der Schulfeier zu Kaisers Geburtstag und von der Feier des Reformationsfcstes am 2. November 1899. Das Gericht schied alle vor dem 27. Mai 1899 liegenden Versäumnisfälle aus, tveil sie ivegen der Annahme einer einheitlichen Handlung durch das am fraglichen Tage gefällte, oben erwähnte landgerichtliche Urteil mit erledigt seien. Das Fernbleiben von der Reformationsfeier sah das Gericht als dadurch entschuldigt an, daß der Angeklagte bereits alle Schritte gcthan hatte, den Knaben in der jüdischen Stcligion unter- richten zu lassen. Die sämtlichen übrigen Versäumnisse zwischen dem 27. Mai und dem 9. September 1899 erklärte die Strafkammer für eine einheitliche Handlung, da sie sämtlich zurückzuführen wären„auf den im voraus gefaßten einheitlichen Vorsatz, fort- dauernd das Kind dem Religionsunterricht fernzuhalten, und da sie völlig gleichartig, fortlaufend aufeinander gefolgt seien". Genosse Hoffmaun legte Revision ein. Mit dieser hatte sich der Strafsenat des K a m m c r g e r i ch t s in seiner letzten Sitzung zu beschäftigen. Der Angeklagte war persönlich erschienen und vertrat noch einmal gründlich seinen Standpunkt, daß er nicht verpflichtet' sei als Dissident, sein Kind am Religionsunterricht in der Schule teilnehmen zu lassen. Eine solche Verpflichtung ividcrspräche der in Preußen verfassungsmäßig gewährleisteten Gewissensfreiheit. Ferner hob Hoffmann die RechtSunsicherheit hervor, die durch daS Schwanken in der Praxis deS Kammergcrichts verursacht werde. Er als Laie habe sich auf das Urteil aus dem Jahre 1890 verlassen und solle nun dafür büßen, daß hervorragende, in ihrem Fach er- graute Juristen sich geirrt hätten und sich ungestraft irren dürften. Uebriaens müßte er im vorliegenden Fall schon deshalb freigesprochen werden, loci! bei Annahme einer einheitlichen Handlung diese alle Versäumnisse seines Sohnes bis zum 14. Sep- tember 1899 umfasse, d. h. bis zum Tage des für ihn ungünstigen Kammergerichts-Urteils. Für eine Handlung könnte man nur einmal bestraft werden. Das Kammergericht hob die Vorentscheidung auf und sprach den Angeklagten mit folgender Begründung frei: Das frühere verurteilende Erkenntnis sei durchaus gereckitfertigt und das Gericht habe keine Veranlassung, auf die Dissi- dentenfrage noch einmal näher einzugehen. Der Senat habe aber angenommen, daß das Landgericht diesnial den Begriff des fortgesetzte!» einheitlichen Vergehens ver- kannt habe. An sich sei ja das Gericht berechtigt gewesen, die im Landgerichtsurteil vom 27. Mai 1899 und im Kammer- geriibtsurteil vom 14. September 1899 nicht berücksichtigten. Schulversäumnisse aus der Zeit vom 27. Mai bis zum 9. September desselben Jahrs besonders zu prüfen. Aus dem jetzt angefochtenen Urteil vom 13. März 1900 sei nun jedoch zu entnehmen, daß das Landgericht in den Worten„einheitliche Handlung aus einen im voraus gefaßten Entschluß" den Entschluß gemeint habe, auf den auch aslle übrigen schon im vorigen Jahre durch das Kammergerichts- Urteil vom 14. September end- gültig abgeurteilten'Schulversäumnisse vor dem 27. Mai 1899 zurückzuführen wären. Danach stehe fest, daß sämtliche Vergehen die Folge eines im voraus gefaßten Entschlusses feien und daß sie a l I e zusammen eine einheitliche Handlung bildeten. Wegen dieser ein- heitlichen Handlung sei H. aber schon einmal infolge Endurteils des Kammergerichts vom 14. September 1899 bestraft worden, eine aber- malige Bestrafung deshalb sei darum unzulässig. Hätte das Landgericht einen andern Entschluß aus der Zeit nach dem 27. Mai 1899 festgestellt, dann iväre seine Entscheidung vom 13. März 1900 gerechtfertigt, so sei sie es aber nicht. Gemevlischnftliffzes. Berlin und Umgegend. Zur Lohnbewegung der Parkettbodenleger. In der Ver- sanimlung, die gestern im Gelvcrkschaftshause tagte, konnte berichtet werden, daß die Situation für die Ausständigen außerordentlich günstig ist. Von den 170 Personen, die in der Parkeilbodenleger- Brauche überhaupt beschäftigt sind, befinden sich gegcmvärtig 160 im Ausstand. Die 10 Personen, welche noch iveiter arbeiten, können den Ausständigen unter den gegebenen Verhältnissen durchaus keinen Abdruck thun. Die Konjunktur ist eine sehr gute und die Arbeit drangt überall. Die Unternehmer-Bereinigung hat sich zu VerHand- lungen mit der Lohnkommission bereit erklärt und ist zu gestern bereits eine Sitzung anberaumt worden. Tie Arbeit soll so lange ruhen, bis eine zufriedenstellende Vereinbarung von den beider- seitigen Kommissionen erzielt worden ist und auch Verhandlungen mit den einzelnen Unternehmern sollen unterbleiben. Heute nach- mittag 3 Uhr findet im GcwcrkschaftShaus wieder eine Versammlung statt,'in der die Konnnission über daS Resultat der Verhandlungen Bericht erstatten wird. Achtung, Brauer k Kollegen! Trotz größter Mühe der Fünfer- Konnnission ist eS derselben nicht gelungen, die Mehrzahl der dem Verein der Brauereien Berlins und Umgegend nicht an- gehörigen Brauereien zur Anerkennung unsrer Forderungen zu ver- anlassen. Ein Teil derselben hält es gar nicht für nötig, auf unsre wiederholten Schreiben zu antworten. Sir sehen uns deshalb ge nötigt, den Beschluß der letzten öffentlichen Versammlung. die be- treffenden Brauereien zu veröffentlichen, zur Durchführung zu bringen. (Siehe Annonce.) Die Füufer-Kom Mission. Achtung Ttnccatenre! Die Firma Junkersdorf, Wilmers- dorf-Bcrlin ist gesperrt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die L o h n k o m m i s s i o n. Aus Pankow wird uns geschrieben: Das V e r s a ni m l u n g S- recht scheint für Pankow nicht zu existieren. Die Filiale des Verbands der Handels-, Transport- und Ver kehrs-Arbeiter Pankow wollte in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch eine Versammlung im Blaurockschen Saal abhalten. Blaurock, welcher persönlich zum Amtsvorsteher ging, um obige Versammlung anzumelden, mußte unverrichlct'er Sache heimkehren, ivcil der Amtsvorsteher unter keinen Umstände» die Versammlung' ftatt> finden lassen wollte. Nachdem von feiten des AmtSvorstehers ein Expreß-Bote zum Landrat gesandt war. wurde Blanrock mitgeteilt, daß der Landrat des Nicderdarnimcr KreiscS ebenfalls die Abhaltung obiger Verselinntlung nicht dulden werde, eine schriftliche Begründung würde nicht gegeben. Wir möchten anraten, den Beschivcrdcweg in allen Instanzen zu verfolgen, denn obigeS Verbot würde das Vereins- und Versammlnug'sgesetz vollständig illusorisch machen. I» Spandau entwickelt sich iir erfreulicher Weise die erst vor kurzem ins Leben gerufene Zahlstelle der Fabrik-, Land- und Hilfs arbeiter. Nachdem sich auch die Arbeiter eines dortigen größeren Sägewerks fast vollzählig organisiert haben, beträgt die Mitglieder� zahl der Zahlstelle bereits 126. Die Direttion der chemischen' Fabrik auf dem»og..Salzhof", deren Arbeiter fast sämtlich organisiert sind. hat sich denn auch den ruhigen, einheitlichen Wünschen' der Arbeiter um Aufbesserung ihrer Lage in mancherlei Beziehung nicht ver- schlössen, sondern diese Wünsche in der Hauptsache ohne weiteres er- füllt. Vielleicht wird die große Masse der unorganisierten Arbeiter in Spandau jetzt versuchen, es den Fabrikarbeitern nach zuthun. Vo» dev Firnin Völtzkow sSpiegel-, Bilder- und Photographie Rahmen-Fabrik) erhalten lvir folgende Zuschrift: „In Ihrem Blatte vom 19. er. bringen Sie eine Notiz, worin 16 meiner Arbeiter ivegen Maßregelung und geplanter Abzüge ihre Arbeit niedergelegt haben. Da diese Aussührnng de» Thatsachen nicht entspricht, so ersuche ich um Richtigstellung dahin, daß diese Arbeiter ihre Thätigkeit eingestellt haben. weil einer ihrer Kollege», der durch Sticheleien und Beleidigungen aus feinem Arbeitsverhältnis gedrängt wurde— anläßlicki»einer Nichttciluahme an der Maifeier— nach achttägiger Arbeitslosigkeit von mir wieder eingestellt wurde. Einer erneuten Vcrhaudlu'ug war ick, nicht zu- gänglich, da dieselbe lediglich den Ziveck verfolgte, diesen einen von seinen Kollegen g e ni a ß r e g e l t e n Arbeiter und Familienvater von neuem auf die Straße zu setzen." Auf unsre Anfrage erklärten die Ausständigen noibmalS ausdrücklich, daß für sie lediglich die Lohnrednktion als Anlaß zum Streik in Betracht kommt. Die Red. Deutsches Reich. Sämtliche Tischler— 50 Mann— der Möbelfabrik von Robert Werner in Schweidnitz sind zwecks Erzielung höherer Löhne in den Ausstand getreten. Die Angestellten der Stettiner Strastenciscnbahnen, die vor etiva vierzehn Tagen in eine Beiveguug zur Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse eintraten, überreichten am Freitag- mittag der Direktion der genannten Gesellschaft ihre schriftlich forrnü- liertcn Forderungen mit dem Bemerken, daß die Angestellten sich die Antwort der Direktion bis Montag, den 28. d. M.. mittags 12 Uhr, erbitten. Die Forderungen werden auch für die Strecken-, Bahn-, OberleitungS- und Schuppcnarbeiter gestellt und erstrecken sich be- onders auf die planmäßige Erhöhung der Löhne für alle Angestellten solvie die Festlegung der täglichen' Arbeitszeit und eine Herab Minderung der Strafen. Auch die Errichtung einer PensionSkasse wird neben der Errichtung� einer Beschwcrdckommission gefordert. Das gesamte Fahrpersonal sowie die Hilfsarbeiter ist mit' wenigen Ausnahmen organisiert und ist, wie es den Anschein hat aus die»em Grunde, die Direktion den Vertrauensleuten der Angestellten gegen- über bei Abgabe ihrer Forderungen sehr entgegenkonunend gewesen, 'o daß die Bewegung höchstwahrscheinlich ohne daß eS zum AuS- stand kommt mit einem Erfolg für die Angestellten enden wird. In der Waggonfabrik in Uerdingen am Rhein legten ämtliche Holzarbeiter die Arbeit nieder. Grund: eS sollte der Stundenlohn abgeschafft und Accordlöhne eingeführt werden. Die Accordlöhne waren aber derartig niedrig gesetzt, daß die Arbeiter ihren früheren Lohnsatz nicht erreichen konnten. Die Direktion sucht Holzarbeiter heranzuziehen. Es wird ersucht, de»i Zuzug fern zu halten. Ausland. Ueber die Bauarbeiter-Ausfperrung in Stockholm find älsche Zahlen verbreitet worden und zwar vom Arbeitgeber- Verein. Derselbe hatte die Zahl der ausgeschlossenen Zimmer- leute und Maurer auf ca. 5000 angegeben, die sich auf 20 000 steigern könnte, iveun die übrigen Baugewerke mit hineingezogen würden. Offenbar haben sie mit dieser Uebertreibung einschüchternd »virken wollen, denn der Arbeiter-Verband konstatiert nun, daß nur 1100 Maurer und 900 Zimmerleute. 6—700 Tischler und ein paar Handlanger, also ca. 3000 ausgesperrt sind. Der Krieg. Die Boeren haben sich vom Rheuosterflust zurückgezogen, um hinter den Baal zurückzuweichen, wo sie entschlossen sein sollen, zähe sie» Widerstand zu leisten. Ihr abermaliger Rückzug ist nicht ihrer Feigheit oder Demoralisation zuzuschreiben. sondern der oft betonten riesigen U e b e r m a ch t der Engländer. die diesen bei nicht allzu schwierigem Gelände stets die Möglichkett der Umgehung der Bocrenflanken giebt. Ueber den Rückzug der Boeren meldet Feldmarschall Roberts vom Südufer des Rhenosterflusses vom 23. d. M.: Ich fand bei der Ankunft hier heute früh, daß der Feind ivährend der Nacht geflohen ivar und eine starke Stellung auf dein Nordufer de« Flusses besetzt hatte, ivelche er sorgfältig verschanzte. Der Feind hielt es jedoch nicht für ratsam. diese Stellung zu ver- teidigen, als er hörte, daß Hamiltons Abteilung in Heilbronu stehe und daß unsre Kavallerie. welche den Rhenostcr- Fluß einige englische Meilen weiter abwärts überschritt, seine rechte Rachhut bedrohte.— Die Brücke über den Rhenoster, mehrere Bahn- Überführungen und einige Meilen der Bahnstrecke sind zerstört.— Die Truppen Hamiltons hatten die Boeren unter Piet Dewet von Lindsley nach Heilbron vor sich hergetrieben. Der Uebergang über den Rhenoster wurde stark bestritten, und»nsre Verluste hätten schwer sein können, wenn wir nicht einen sehr gut verabredeten Plan gehabt hätten, welcher die Brigade unter Smith-Dorricn gerade' im rechten Augenblicke an die Flanke des Feindes heranbrächte.— Der unsre Stellung in Boshof lommaudierende Offizier meldet, daß sich in den letzten Tagen über 300 Oranje- Boeren ergaben. Kellh-Kenny berichtet, daß die Aeonmnry das Land zwischen Bloemfoutein und Boshof vom Feind gesäubert habe. Eine gleichzeitige Meldung des„Reuterschen BureauS" vom Rhenosterfluß besagt: London, 24. Mai. Die Boeren. welche die Stellungen vonRhenoster- fluß verlassen haben. marschieren jetzt gerade auf den Vaalfluß zu; sie erklären: daß sie bis zum Tode kämpfen werden. General Frcnch befindet sich in Prospcct. einem Orte an der Eisen- bahn ungefähr 5 Meilen nördlich deS Rhenosterflusses. General Hamilton wirkt bei den Betvegnngen Frenchs mit. � Ob die Boeren wirklich ernstlichen Widerstand leisten werden, hängt also lediglich davon ab. ob Lord Roberts nicht wieder ihre Flanken und ihren Rücken zu bedrohen vermag. Im übrigen ist mitzuteilen, daß die Boeren einige kleine Erfolge zu verzeichnen haben. Bei dem Uebcrfall der Schwadron des Obersten Bethune er» beuteten die Boeren auch 2 Maxi in- Geschütze nebst reichlicher Munition. Ferner melden amtliche Boeren-Telegrnmme, daß die Boeren in den Gefechten, die der Besetzung H e i l b r o n s durch die Engländer vorangingen, 20 Engländer, darunter 3 Offiziere, zu Ge- fangenen gemacht hätten. Weiter wird dem„Reuterschen Bureau" auS dem Bocreukager bei Volks ruft von 20. gemeldet: Gestern nachmittag griffen die Vorposten der Boeren eine Abteilung britischer Truppen zwischen Rqutu und Mount Prospekt, südlich von M a j u b a an. Acht Engländer wurden getötet, dreizehn verwundet. Die Boeren hatten keine Berlnste. Die BurgherS sind mehr denn je entschlossen, einer Invasion in Transvaal entgegenzutreten. Ein andres in Pretoria eingegangenes amtliches Telegramm behauptet sogar, daß die Boerens'lreitkräste am vergangenen Dien»- tag bei Heilbron in ein Gefecht mit den Engländer» geraten seien, wobei die Engländer sich unter Zuriicklassnng von 60 Toten nud Ver- wundeten hatten zurückziehen müssen und 200 Engländer gefangen genommen worden seien. Andrerseits laufen englischerseitS beständig Nachrichten über Ab- teilungen von Oranje-Boeren ein, die sich ergeben hätten. Eine in Kapstadt verbreitete Nachricht, daß das der Boeren- mission angehörende Mitglied Fischer Krüger zum schleunigen Friedensschluß geraten habe, ist sofort dementiert worden. Uetzke ZtachLithken und Depeschen. Ocstreichische Delegation. Bildapest. 25. Mai.(W. T. B.) Die heutige zweite Plcnar- sitzung der östreichischen Delegation verhandelte über daS Budget des Ministeriums des Auswärtigen. Elf Redner hatten sich eingetragen, darunter vier Czechcn contra. Kafta» sEzechc) bespricht die Berliner Reise Kaiser Franz Josephs und erklärt, die Czechcn könnten dieselbe nnmvglich als Stärkung der Großiunchtstelilnig Oestreich-Ungarns ansehen. Berlin sei durch den Besuch Mittelpunkt der europäischen Politik geivorden, in Rußland aber Mißstimmnug erzeugt. Redner bezeichnet es aks einen Affront gegenüber den Czcchen, daß die Beteiligung Kaiser Franz Josephs an der Eilthüllung des Standbildes de? Kaisers Sigismund im Programm in Aussicht genommen gewesen. Dank dem Kaiser Franz Joseph sei dieser Affront dem czechischen Volk er- spart geblieben. Die Czechcn wollten die besten Beziehungen zu Deusch- land, aber nicht, daß Oestreich-Ungani ein Vasallenstnar Deutschlands werde. Bor Angriffen Rußlands, welches Oestreich-Ungnrn stets Beweise loyalen und korrekten Vorgehens gegeben, habe sich Oestreich-Ungatn nicht zu fürchten. Ter Dreiblmd habe Oestreich-Ungarn wirtschaftliche Nachteile gebracht. Da« deutsche Zolltarifprojekt weis« auf eine be- absichtigtc enorme Erhöhung des Zolles hin. Redner kritisiert die Politik'Oestreich-Ungarns gegenüber Serbien und Montenegro und ivllnscht Anlehunng an Rußland. StranSky(Czeche) führt aus, der Besnch'des Kaisers sei von den Berliner Arrangeuren aufgebauscht worden; die östreichsche Diplo- niatie hätte rechtzeitig abwinken sollen. Redner wirst dem Grafen Golnchowski Uustetigkeit und Wankelinütigkeit in der Politik vor und meint, der Einfluß Oestreich-Unganis in Konstantinopel sei ganz geschwunden; daS beweis« die Affaire des östreich-ungrischen Militär- Ättachss Freiherrn v. Gießk. Redner verlangt die Vorlage von Rot- büchcrn nud wirft Golnchowski Einmischung in die innere Politik zum Nachteil der Czechen vor, welche daher mit Mißtranen Golu- chowSki gegenüber erfüllt seien. Nach Stransky spricht Demel und erklärt, die Deutschen billigten vollkommen die Politik GoluchoivSkis. Sie hielten am Dreibünde und der Bekräftigung desselben durch die intimen Beziehungen der Monarchen unter einander fest. Nicht minder freudig begrüßten sie daS Einverständnis mit Rußland in der Orientfrage und die freundfchaft- lichsten Beziehungen zu diesem aufstrebenden Staat. Redner wünscht engen wirtschaftlichen Anschluß zlvischen Dentschland und Oeftreich. Slama bespricht die Ausweisungen aus Dentschland und citiert das Amts- blatt der preußischen Regierimg im Regierungsbezirk Liegnitz, nach welchem auS dein Landkreise'Beuthei»'l99 Personen wegen ihrer mährischen, czechischen oder polnischen Abstammmig ausgewiesen seien._ Karlsruhe, 25. Mai.(SS. T. B.) Bei der heutigen Stichwahl im VII. badischen ReichStags-Wahlkreis ist Schüler(Ccutrum) gewählt. Nach den bisherigen Feststelllmgen erhielt derselbe 9534 Stimmen. Reinhard(natl.) erhielt 9050 Stimmen. Wien, 25. Mai.(W. T. B.) Bei den heutigen Gemeinderats- wählen des zweiten WahlkörperS in sämtkilben 20 Bezirken Wiens wurden in 17 Bezirken durchweg die Christlich-Socialen gewählt. In zwei Bezirken ivurden Christlich-Sociale gewählt und außerdem rst eine Stichwahl erforderlich. Philadelphia, 25. Mai.(W. T. B.) In einer Besprechung der Rede, die der amerikanische Botschafter in Berlin, White, an die deutschen Krieger aus Amerika richtete, sagt der„Public Ledger": Wenn nicht die Demagogen in beiden Ländern wären, die sich bemühen, Unruhen zu sttsten. damit sie persönlich Vorteil daraus ziehen, so würde nicht der Schatten einer MißHelligkeit zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland bestehen. Verantwortlicher Redacteur: Paul John in Berlin. Für den Jnseraienteil verantwortlich Th. Glocke ü« Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 2 Beilagen. Hr. 120. a im. i. Keilllgt des.Amiilts" Kerliller KMMM 2«� M°i 1000. Rvichsksg. 2V2. Sitzung. Freitag, de» 2S. Mai 1900, 11 Uhr. Ä>n Bimdeäratüiisch Graf P o f a d o w s k y.> 21m Platze de» Herrn Abg. Dr. L a n g e r h a n S liegt ein großer Llumeiistrauß. Präsident Graf do» Ballestrem: Unser lieber hochverehrter 5iollcge Herr Dr. Langerhanö bollendet hente in erfreulichster Frische des Geistes und des Körpers sei» 80. Lebensjahr. Ich ivciß. daß ich im Sinne aller Kollegen handele, lvenn ich den: ehrwürdigen Geburtstagskinde unsre herz- lichsten Glückivunsche darbringe, zugleich mit dem Wunsche, daß auch sein fernerer Lebensabend sich als ein segensreicher und ungetrübter für ihn gestalten möge..(Lravo!) Als äußere» Ausdruck unsrcs Gliickivunschcs habe ich auf dem Platze des Herrn Dr. Langer- Hans iin Namen des Reichstags eine Blnmenspende nieder- legen lassen. tBravo!) Wir bedauern lebhaft, daß der Herr Kollege durch dienstliche Abhaltung verhindert ist. unsre Glückwünsche persönlich entgegen zu nehmen. Auf der Tagesordnung steht zunächst die dritte Beratung deS NachtragSetatS. der 2 Millionen für das fünfte Kabel nach Eng- land verlangt. ' Abg. Dr. Eickhoff sfrs. Pp.) fingt an, ob die Lcgung und der Betrieb dieses Kabels der Deutsch- atlantischen Telcgraphen-Gesellschast übertragen sei, und ob es richtig sei. daß der Herr Staatssekretär dieser Gesellschaft gegenüber eine Garantie für die Deckung von etwaigen Dcficits von'Reichswegc» übernommen habe. Geheimrat Sydow erwidert, daß eine solche Garantie nicht gegeben sei und daß da» »nie Kabel auch nicht der Dcutsch-atlantischen Telegraphen-Gesell schaft übergeben, sondern genieinsmner Besitz der deutschen und eng Istchc» Regierung sei. Der NachträgSetat wird hierauf unverändert bewilligt. Es folgt die dritte Beratung der Novellen zum UnfaU-Ber- slchrrungSgcset?. 2>ll der Gencraldisknssion erhält zunächst daS Wort Abg. Molkcnbuhr lSoc.): . ist zweifellos, daß das Gesetz einige Berbesserungen bringt. Das ist ja aber cigeiitlich selbstverständlich, denn bei jedem Gesetz werden ja immer einige berechtigte Forderungen zurück- gestellt, weil man sich sagt,.man kann ja später abändern und vcrbcstern. Solche Berbesserungen sind z. B. die Ausdehnung des Kreises der Versicherte», die Erhöhung der Waisen- reute, die Einfügung deS Begriffs der vollsiäudigen Hilfslofigteit. Auch kann die Rente jetzt schon früher als nach Ablauf der 13. Woche gezahlt werden und das mindeste Sterbegeld ist von 30 ans 40 M. erhöht. Beim Sec-Unfallversicherungsgcsetz hat man die volle Heuer der Be- rechnnng der Witwen- und Waijenversichcruug zu Grunde gelegt usw Aiurerseits aber taucht doch die Frage aus:„Genügen die Per- ocsscrungcn?" Ich glaube diese Frage verneinen zu müssen. Ich betrachte»amlich das neue Gesetz nicht lediglich im Vergleich aUen, � sondern im Vergleich zu dem qönzen wirlichastlichcn Leben und da fragt sich doch, waS wurde m Anbetracht der wirtschaftlichen' Lage des JahreS 18S4 lcincr ZeU damals den Arbeitern bewilligt und tvaS bewilligt man ihnen bei der heutigen wirtschaftlichen Lage. 1884 that man mit dem Geich geivisserinaßen einen Sprung ins Dunkle. cS gehörte ein gewisser Mut da'zii, den Unteruchnter» eine ganze Reihe von Lasten mlfznbürden. Seit 1884 hat sich aber die GeschästslaAe ganz er- heblich verbessert. Wir haben zwar keine vollständige sociale Statistik aber für einzelne Berilse besteht sie doch, und besonders für den Bergbau ist es statistisch festgestellt, daß der Wert der Produktion sich seit 1884 enorm gesteigert hat. während die Lohiistcigcrungc» Kit lencr Zeit durchaus nicht so große sind,'so daß also die Profitrate der Unternehmer erheblich höher geworden ist. Das zeigt sich ja auch an den Kursen, die am besten Zeugnis von dem ungeheure» Ivirtschaftlichen Auffchwimg seit 1884 ablegen. Es wäre daher nur angebracht gewesen, daß' man das»eiie Gesetz diesen neuen Ivirtschastlicken Perhältnisscn angepaßt hatte und den Arbeitern mehr darin zugestanden hätte, als geschehen ist. Dazu war ja auch noch vor zwei Iahren einigermaßen Neigung vorhanden. � Man sagt: mit dem, was hier bewilligt wird, wird de» Arbeitern ein besonderes Geschenk gemacht. Solche Ansichten oiirfc» wir überhaupt nicht aufkommen lassen. Herr von Botlicher hat übrigens 1884 die that, achliche Lage viel richtiger erörtert, als er den Unternchinern sagte:„Wir arbeiten M für Sic". Gegenüber den alten Bestimmimgen des Haftpflicht- Gesetzes»nt seinen schwankenden Belastniigen war die Versicherungs- Gcictzgcblnig für die Unternehmer thatjächlich viel günstiger, da'sie mir eine ganz bestimmte Summe in Rechnung stellen tonnten. Die GeiamtauSgabc» für die Versicherung betragen auch nur 8 Pf. pro Kopf imd Arbeitstag. Das ist eine so minimale Summe, daß sie wder Unternehmer zu tragen vermag. Ein weiterer Vorteil für die Mlteruchmer lie�t auch darin, wenn durch die Versicherung die Ge- snndhcil der Arbeiter erhalten wird. Das hat nicht nur hohe» ideellen, sondern auch großen materiellen Wert, da hier- dnrch die Leistungsfähigkeit der Industrie gesteigert wird. AlidrcrlcitS hat man den Arbeitern seit 1854 eine Reihe iieiier Lasten anfgebiirdet. So betrugen die Getreidezölle 1884 1,85 M., 1885 ■' 1887 5 M. Die Mietsprejje sind gestiegen, ebenso die Fleisch- prelle. Durch diese Fleifchsteigening werden alle Lohnsteigerungen, die etwa stattgesundeii habe», ausgeglichen. Erst vor kurzem haben Sie noch das Fleischbeschaii-Gcsctz angenommen, und es ist sehr möglich, daß durch die infolgedessen zu crtvartende Erhöhung der Fleischpreisc. alle Vorteile, die durch dieses Gesetz dem Verletzte» gegeben werden, durch dieselbe wieder aufgehoben werden. Dabei iverden durch diese» Gesetz nicht einmal die Forderungen erfüllt, die 1887 die Führer der Mehrheit nickt für gerechtfertigt hielten. So zum Beispiel die Verlürzung der Karenzzeit ans vier Wochen, die Erhöhung der Rente für Gaiizivaisen aus 25 Proz. Auch wurde danials gefordert, daß nur ein amtlich bestellter Arzt Uebersiihruug in eine Heilanstalt beantragen könne. Weiter wurde die Teilnahme von Ärbcitervertrctern bei Festsetzung.der Rente und bei Etnleituiig des Heilverfahrens als völlig berechtigt anerkannt, ja man verlangte sogar Rciitenfestsetznngs- Kommissionen. Slnch verlangte man, daß die Vorstände der Hilfskaffen größere Rechte bei de» Wahlen zum Schiedsgerickt haben sollten. Dep größte Teil dieser Forderungen ist ja nun heute nickt nur »icht wieder gestellt worden, souder» wir haben sogar das Schau- spiel erlebt, daß diejenigen, die damals diese Anträge stellten, jetzt dagegen gestimmt haben. Man sagt, die Regierung würde ihre Zu- stiniiiniug nicht geben. Seiner Zeit schien es ja. als ob die Regtcrnng die Vorschläge der Kommission wieder als Vorlage einbringen würde. da aber erklärte der Verband deutscher Industrieller, er könnte diese Beschlüsse der Kommission unter keine» lknrständen billigen. Auf diese Weise werden wir sckließlich dahin kommen, daß der Reichstag den Pcrband deutscher Industrieller als Ober ReichSrcgirrung anerkennt.(Sehr richtig! bei den Socialdcmokratcn.j Das können wir natürlich nicht mitmache». Trotz alledem würde aber die Möglichkeit für uns vorhanden fein, den, Gesetz unsre Zustimmung zu geben, wen» nicht durch das- selbe eine ganze Reihe von Verschlechterungen geschaffen würden, wodurch die Verbesserungen fast vollständig kompensiert werden. So wird durch§ 5 einer Anzahl von Leuten, die bisher einen Rcntenaiispruch haben, derselbe entzogen. ES heißt freilich. daß dies nur in Fällen vorkommen soll. Ivo der Ulisall sich bei Begehl, ug eines AcrdrechcuS oder vorsätzlichen Vergehens er- eignet hat, und das scheint ja auch von vornherein ganz plausibel. Denken Sie doch aber zum Beispiel an den Fall, der sich in Westfalen vor einigen Jahren ereignet hat, wo in einem Bergwerk übergebant wurde in das Revier eine» Nachbarwerks. Wäre dabei ein Unfall passiert, so hätte man den Verletzten auch eine Rente absprechen können, da es sich um einen unterirdischen Dieb- stahl handelte und die Leute ja thatsächlich ans diesem Gebiet nichts zu suchen hatten. Vergehen gegen das Dynamitgesetz können im Bergwerksbctricb sehr leicht vorkommen. Die ziveite Verschlechtern ng liegt darin, daß man ein besondres Ehcrecht für die Arbeiter geschaffen hat, indem die Berufs- gcnossenschaft eine vom Richter noch' nicht aufgelöste Ehe schon als nicht bestehend betrachten kann, und endlich bedeutet das Ruhen der Rente in diizelncn Fällen eine Verschlechterung des Gesetzes. Dazu kommt, daß man in einzelnen Fällen auch den Nachweis der Bc- dürftigkeit verlangt, also einen Grundsatz des Armeurechts hier hineingebracht hat. Es ist doch ganz zweifellos, daß ein Kind, das seine Mutter verliert, bedürftig ist, während cS nach dein Gesetz erst nachweisen muß, daß die Mutter ganz oder über- wiegend seinen Unterhalt bestritten hat. Nun beruhigt man sich dabei, daß ja die Bernfsgenossenschast das Recht erhalten, nach eignem Ermessen in geeigneten Fällen eine höhere Rente als die gesetzlich festgelegte zu zahlen. Damit verschiebt man aber ganz den eigeiitltcheil Charakter der Bernssgenossenschaftcn, man macht sie zu Wohlthätigkcitsanstaltcn, und übergiebl ihnen Llnfgaben. die sie nicht erfüllen löiinen, da ihnen zur Erforschmig der Verhältnisse des Reiltenbercchtigtcn die geeigneten Organe fehlen, wie sie den Armen- behörden zur Berfiignilg stehen. Eine ivcitere Verschlechterung liegt in der Einschränkung der Haftpflicht. Ganz abgesehen von' dem Wert, den die Hastpflichtent- schädigiliig bisher gehabt hat, steht es doch ganz ohne Beispiel in der Geschichte der Gcsctzgebnng da, daß man Leuten einen Rechtsanspruch nimmt, den sie bisher gehabt haben, ohne ihnen einen andren dasür zu geben. Bei den Puvaipostcn hat man doch eine Entschädignng für den Verlust eines Rechtes für berechtigt anerkannt, dem Slrb'eiter gegenüber hält»tan das nicht für notwendig. Eine Mutter, die für ihren Sohn alles gethan hat, uin ihm eine gute Ausbildung zu geben, verliert den Anspruch auf Rente, wenn der Sohn als Lehrling per- unglückt, iveil sie nicht ilachweisen kann, daß sie auf ihn als Er- nährcr zur Zeit de» Unfalls angewiesen ivar, sie hat aber auch keinen Anspruch auf Entschädigung auf Grund deS Haftpflicht- Gesetzes. Gegenüber all dieser Verschlechterungen reichen die Verbejsernngen durchaus nicht aus. ganz abgesehen davon, daß ja die ganze übrige Wirtschaftspolitik zu Gunsten der Landwirtschaft auf Kosten der Arbeiter geht, die unter der geplanten Erhöhung der Getreide- und Fleischprcise am meisten zu leiden haben.'— Wenn wir nun nicht in den Jubel über das so verbesserte Gesetz einstiinmen, wird man uns iviedcr vorwerfen: Wir lebte» ja mir von der Unznfriedenhcit der Arbeiter und suchten diese daher zu erhalten. Diese durch nichts begründete Behauptung kann ich jetzt ganz schlageiid zurücktveisen an der Hand einer Äbstiiimiung, die vor acht Tagen in der Schweiz vollzogen tvorden ist. Dort ist ein UnfallversichcriingS- Gesetz, das noch erheblich weiter ging als dieser Entwurf, trotzdem von der großen Mehrheit der Bevölkerung verworfen worden. Diese» Votum betveist aber, daß, wenn wir auch früher derartige Gesetze abgelehnt haben, wir mir die Stimmung zum Ausdruck brachten, die in der That in der großen Masse der Bebolkerung vorherrscht(Sehr richtig! bei den Socialdcmolratcn), und dadurch erklärt c» sich ja auch, daß trotz unsrcs adlehiienden Votums unsre Partei keinen Schaden erlitten hat. Ich betrachte aber dies Gesetz nicht voni Partei- politischen Standpunkt, sondern sage, wenn wir überhaupt einem Bersicherungvgcsetz unsre Zustimmung geben sollen, so müßte e» mehr Verbesserungen, zum in i n d c st e n aber keine so e r h e b I i ch e ii L e r s ch I c ch t e r u» g e n enthalten.(Sehr richtig! bei den Socialdemolraten.) Abg. Dr. Rösickc- Dessau(wildlib.): Ich habe aus den Ausführungen des Herrn Vorredners leider nicht entnehmen können. ivie er und seine Freunde in der Gesamt- abstimmunz sich zu dein Gesetz stellen werde». Ich möchte zunächst der Ansicht des Herrn Molkenbnhr entgegentreten, als ob das Reich aus den, Gebiet der Unsallversichcrung so gut ivie gar nicht vorwärts komiile. Auch die Herren Socialdemokraten werden. wenn sie unter sich sind, zugeben müssen, daß wir ein ganzes Stück weiter sind als andre Staaten. Es ist ein glücklicher Ilmstand, daß gerade jetzt mit Rücksicht auf die Pariser Ausstellung ein neuer Lest- sadcn erschienen ist. in dein die Leistmigen ans dem Ge- biete derltfilrbeiter- Versicherung 1 nochmals t�zusammcngestellt smd. Nach ihm sind ans dem Gebiete der Krankenversicherung von 1885 bis 1893 ausgegeben 1144 Millionen, wovon allerdings die Arbeiter einen große» Teil beigetragen haben.(Sehr richtig! bei de» Socialdcniolralen.) Aber in derfelbeii Zeil sind nur von den Arbeitgebern geleistet für die Unfallversiche- Uliig 517 Millionen und für die Iiivalidenversichcrung 402 Millionen. DaS sind doch so erhebliche Lelstungen. daß man»icht so darüber hiinvcggehe» darf, wie der Abgeordnete Molkenbnhr e» gethan hat. Ich kann Herrn Molkenbuhr mich nicht darin zustimmen, daß die Verbesserungen, die in das Gesetz hinciiigeloinmen sind, geringfügiger Llrt sind. Nicht nur i» Bezug auf den Kreis der Perjoneu hat eine Ausdehnung der Versicherung stattgesuiiden. sondern mich in Bezug aus die Dhätigkeit, die Vcraillaiiung zu einem Unsall geben kann, ferner" in Bezng auf das Heilverfahren und die UnfallverhiiiiliigL-Vorschriften. Herr Molkcnbühr haf auSgesührt, die Arbeiter wollen keine Wohlthaten, sie ivolle» nur ihr Recht. Die vorliegenden Gesetze zeige» doch aber gerade, daß wir olle diese Siechte anerkeimcn. ES handelt sich mir um das Maß, wie iveit wu in dieser Hinsicht gehen dürfen und gehen können.— Znm Schluß»och eine Bemerkung zu dem Kapitel„Ruhen der Rente". Wir haben eine bessere Vorschrift in dieser Beziehung mir beim See- Unfallgcsetz,»nd ich iverde deshalb mit andern Mitgliedern zu- sammeil vorschlagen, die Bestimmungen dieses Gesetzes über das Ruhen der Nente in möglichste Uebereinstimmnng mit dem See- llnfallgesetz zu bringen.— Jedenfalls iverden Sie, wenn Sie berück- sichtigen, was als Vorteil und Verbesserung an diesem Gesetz an- erkaimt werde» muß, und dem gegenüberstelle». Ivos Hm Molkenbnhr als Verschlechterung bezeickn'et hat, selbst ongenommen, daß das alles auch Verschlechterungen sind, zn dem Schlüsse kommen. die Verbesserungen überwiegen die vermeinllichen Verschlechterungen in einem Maße, daß es unverantwortlich wäre gegenüber der Arbeiterschaft, dieses Gesetz nicht anzunehmen.(Bravo! bei den Freisinnigen, im Eentrun, und rechts.) Abg. Dr. Oertel-Sachse»(l): Ich gebe dem Abg. Molkenbuhr darin recht, daß sich die Arbeiter durch dieies Gesetz nicht ein Geschenk, sondern ein geivisies Recht er- werben sollen. Sie könne» sich aber diese; Recht nur er- werben durch Opfer der Geiainrheit und der Arbeitgeber, die bei diese» Opfern oft über die Grenze ihrer LeistungS- ähigkeit hinanSgehen müssen. Herr Molkenbuhr sagte, seit 1884 seien die SUbeite: stark belastet worden. Ich stelle dem gegenüber sest. daß seil 1584 die Preise für Weize», Roggen und Speise- kartoffcln nur ganz unwesentlich gestiegen sind, während ich vor kurzem wieder iin„Vorivärts" lesen konnte, daß die Löhne in den meisten Benissarten in dieser Zeit ganz wesentlich gestiegen sind. Gewiß, die Konjunkturen sind in den letzten Jahren für viele In- dustrie» sehr befriedigend gewesen. Aber in den mittleren und kleineren Betrieben sind die Warenpreise so gestiegen, daß das Ulikostenkonto den Reiligewiii» aufgezehrt, und diese Betriebe sind die festesten Stütze» der Monarchie und der ganzen Kultur.(Oho! links.) Deshalb ist ihre Lage bei der socialen Gcseygcbniig besonders zu berücksichtigen. Außerordentlich schiver aber fallen die Lasten der Uniallvcrsichcrung den landwirtschastlichen Betrieben. Das Fazit, das wir ziehen, ergiebt eine so empfindliche Mehrbelafiung der Land- Wirtschaft, daß einige meiner Freunde geraten haben, die Gesetze abzulehnen. Aber ivir werden trotz aller Bedenken, trotz des Bewußtseins, daß ivir der Landwirtschaft neue große Lasten zumuten, fast ausnahmslos für das Gesetz stimmen, weil e» stets unser Streben gewesen ist, die Lage der wirtschaftlich Schwächsten zu verbessern. Der landwirtschaftliche Arbeiter freilich wird m. E. gegenwärtig noch immer als Arbeiter zweiter Klasse behandelt. Ich strebe deshalb dahin, daß er mit dem gewerblichen Arbeiter gleichgestellt werde, denn nur dadurch wird der Landflucht der Arbeiter Einhalt geboten. Das Gesetz bedeutet einen Schritt ans dem Wege, der zur Gleich- stellnng der landivirtschaftlichc» und gewerblichen Llrbciter führt.; auch deshalb werde ich f ü r das Gesetz' stiinmeu.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Hitze(C.):' Ich habe mich gefreut, daß Herr Ocrtel eS anerkannt hat/ daß die Durchschnittslöhne der ländlichen Arbeiter erhöht werden müssen. Es liegt das im Interesse der Landwirtschaft selbst. Es. ist deshalb nur zu wünschen, daß die Regierung der von uns gestellten Re- solution Folge giebt. Die ländliche Unfallversichernng ist eine Wohl- that für die ländlichen Bctriebsunternehmer, denn sonst würde das Haftpflichtgesetz Platz greifen und ein Unfall würde dann oft den ganzen Betrieb in Frage stellen können. Wir iverden uns auch bei dritte» Lesungen aller Aeiißernngen möglichst enthalten. Wir halten da» Gesetz für einen so kolossale» Fortschritt, daß Ivir mit dein Erreichten vorläufig zufrieden sind und das Gesetz möglichst bald verabschieden lvollen. Wir werden deshalb auch jimr für die Anträge eintreten, die von vornherein einer Mehrheit im Hause sicher sind. Wir haben diese Zurückhaltnng schon in der Kominission beobachtet»nd sind als entscheidende Partei dazu verpflichtet. Denn sonst könnte leicht dnrch unsre Entscheidung das ganze Gesetz Gefahr laufen und scheitern. Der Abg. Molkenbnhr hat die iiachteüigril Stellen besonders hervorgehoben und dabei»och wesentlich über- trieben. Das Beispiel des Abg. Molkenbuhr über niigcrcchtfertigten Renteneiitzng ivar ganz verfehlt. Zur Rentenentziehung gehört doch. daß sich der'Arbeiter strafbar gemacht hat. Die Bergleute, die an- gewiese» worden sind ans fremdem Grund und Boden zu haue», sind doch nicht strafbar, dafür ist allemal der BetriebSuiiternehiner verantlvortlich. Andrerseits kann man doch bei einer ftrafbaren Handlung»icht Rente bewilligen. Es kann doch keine Berufs- genossenschaft einem Einbrecher, der sich bei einem Einbruch verletzt hat, Rente zahlen. Herr Molkenbnhr sieht in der Unfallversichernng einen mir ungenügenden Ersatz für die Hastpflicht. Die Haftpflicht- Prozesse waren aber ein Unglück für die Arbeiter. ES mußte immer erst das Verschulden des Unternehmers nachgewiesen werden und das war meist sehr schwierig. Man muß doch überhaupt die ganze Sache vom socialen, nicht vom individuellen Gesichtspunkt ansehen. Herr Molken- biihr sagte, wir hätten keinen Grund, das Gesetz mit Jubel zu begrüßen. Wir jubeln auch nicht. DaS Gesetz stellt einen gesunden maßvolle» Fortschrittldar und ich hoffe, daß auch der Abgeordnete Molkcnbuhr das noch einmal zugeben wird. Die vom Abgeordneten Molkenbuhr erwähnte Abstiniinung in der Schiveiz bedaure ich. Ich glaube auch der Abgeordnete Molkenbuhr bedauert sie(Molkenbuhr nickt). wenn wir heute das Gesetz einstimmig annehmen, so wird das auf die Zwiespältigkeit der Ansichten in der Schiveiz wohlthuend wirken. (Beifall im Ecntrmn). Abg. Dr Lehr(natl.) polemisiert gegen den Abgeordneten Oertel wegen seiner Acnßernng über die Zulassung nicht miindclsichcrer Papiere für dw Anlegung der Kapitalien' der Versicherungsgelder. De» Wert'■ unsrer ocialen Gesetzgebung haben ja die Herren Hitze und Rösicke bereits dargelegt, ich ivill nicht weiter daraiif eingehen, die Socialdemokraten Iverden ja doch stets bei ihren gegen- teiligen Behauptungen bleiben. Ich kann mich ans die Erklärung bckchränke», daß ineine Freunde trotz einiger Bedenken sür die Ge- setze stimmen iverden. Wir iverden damit einen kräftigen Schritt vorivärts thim auf dem Gebiet der socialen Gesetzgebung, aus dein ivir ja alle» andren Stationen voranschreitcn. Wir glauben, daß auch die Arbeiter die Verbesserungen, die diese Gesetze bringen, anerkennen Iverden, aber nicht um dieser Aiierkeniiung willen, sondern um unsre Pflicht zu erfüllen, stimmen wir für die Gesetze..(Brgvo! bei den Nationalliberalen.) Abg. Molkenbnhr(Soc.): Dem Herr» Abg. Ocrtel erwidere ich. daß di? Belasinng der Unternehmer durch' die Unfallversicherung den wirtschaftlichen Aufschwung nicht verhindert hat, im Gegenteil, dieser hat sich gerade mit insolee der Unfallversicherung seit bem Jähre 1884 vollzogen. Was die Getreidezölle anlangt, so hätte Herr Oertel nachweise» müssen, daß 1898 die Differenz der Getrcideprcise in Deutschland zu den Wcllmarktpreiscn nicht größer war als sie 1884 gewesen ist. Ucbcr die Zurückhallinig deS Herrn Hitze bei der Beratung dieses Gesetzes habeich mich selbst gewundert. Ich habe allerdings, geglaubt, sie hinge mit der lex Hcinze znsannnc». Jedenfalls halte ich es- für ganz mibe- rcchtigt, wenn man Anträge, die man für vollberechtigt hält, nur deshalb nicht vertritt, tvcil die Regierung nickt dafür zu haben ist. Wenn die Regierung das Bedürfnis hat, solche vollberechtigten Wünsche zurückzuweisen und sich vor dem Volke zu blainicrcn, so tragt sie selbst dafür die Verantwortung.(Sehr richtig! bei den Socialdemo- kratcn.) Wa» de» Fall eines Unfalls bei Begehung einer strafbaren Handlung betrifft, so hat Herr Hitze nicht recht, weil» er meint, der Arbeiter selbst.»liisie sich eines strafbaren Vergehens schuldig ge- mackt haben. Dabo» steht nichts im Gesetze.— Ich habe»icht gesagt, daß die Unfallversicherung ein ungenügender Ersatz für bis Häftpflichl sei. sondern ich habe daraus hingctvicscn, daß eS ganz ungerecht ist. lvenn Fälle vorkommen können, in denen eiir Anspruch auf Grund deS HaftpflichtgesctzcS nicht erhoben werden kaml, obgleick der Betreffende auch keinen Anspruch aus Unsallreiite hat.'— Die Abstimmnilg in der Schweiz habe ich mir znm Betveise daiür erwähnt, daß wir nur der Stinmnmg im Volke Ausdruck gebe», wenn Ivir gegen derartig mangelhafte VersichcrungSgesetze stimme». Uebrigens ist es in der Schiveiz eher möglich. Verbesserungen in solcke Gesetze zu bringen, da dort das Volk entscheidet, bei uns aber der Verband deutscher Jndnstriellcr.(Beifall bei de» Socialdemokraten.) Damit sckließt die Generaldiskussion. In der Spcriitldiskusfion werden die§§ 1 bis 4 unverändert angenommen. In K 5, der Gegenstand der Versicherung und Umfang der Entschädignng behandelt, beantrage» die Abgg. Fischer(Sachsen). Hoch, Molkenbnhr und S t a d t h o g e n(Soc.j folgende Bc- siinnninigcn zu streichen: „Der Anspruch kann ganz oder teilweise abgelehnt werden, wenn der Verletzte den Unfall bei Begehiiiig eines durch strafgericht- liches Urteil festgestellten Verbrechens oder vorsätzlichen Vergehens sich zugezogen hat. In FSven der letzteren Art kann die Rente, sofern der Verletzte im Jnlande ivohncndc Angehörige hat. welche im Fall seines TodeS Anspruch auf Rente haben lvürdcn, ganz oder teiltveise den Angehörigen überwiesen iverden.— Die Ablehinmg kann, auch ohne'daß die vorgesehene Feststellung durch strafgericht- liches Urteil stattgefunden hat, erfolgen, falls diese Feststellung wegen des Todes oder der Abwesenheit deS Betreffenden oder ans einem andern in seiner Person liegenden Grunde nicht erfolgen kann;" Abg. Hoch(Soc.): Es ist schon bei der Generaldebatte ein Fall erwähnt worden. der die Konsequenzen beleuchtet, zu welche» dieser Absatz führen würde. Ich bitte Sie, ihn abzulehnen. Geheimrat Caspar: Ich kann mich nur dem anschließe», was Herr Hitze in der Gencraldebattc dem Herrn Abg. Molkenbuhr erwidert hat lind bitte Sie, den Antrag abzulehnen. Der Antrag Fischer- Sachsen u. Gen.(Soe.) wird hierauf gegen die Stinmien der Socialdemokraten ahgelrhnt, 8 S nach de» Beschlüssen zweiter Lesung angenommen. In§ 5a lautet der letzte Absatz:„So lange LZcvletztx avZ Aula» des ttufaktö thatsächlich(Jdct unverschuldet arbeitKloS ist, kau» der Aenossenschaftsvorstand die Tcilrente bis zum Betrage der Voll« reute vorübergehend erhöhen," Hier beantrage» die«rocialdemokraten. den Nachsatz zu fasse» ivie folgt;„Ist die Tcilrcnte bis zum Betrage der Vvllreute zu er- höhen." Abg. Stadthagcn(Soc.): In dem 8 S». ist eine der wesentliche» Verschlechteningen dcZ be- stchendcu Gesetzes vorhanden, die ans einem an sich guten Gedanken hineingekommen ist. So wie der Tcrt jetzt lautet, heiht es: Wer ans Anlast eines Unfalls nnverschuldet arbeitslos ist, gilt nicht als voll erwerbsunfähig. Der Genossenschaftsvorstand soll erst die Entscheidung haben. Ich bitte Sie dringend, diese Berschlechterung herauszubringen. Es lastt sich gar nicht erincssc», wie sehr dadurch die Rente sinken kann. Uebrigcns vertreten wir in nnsrem Antrag nicht lnur einen Wunsch der Arbeiter, sondern auch der BerusSi gciwssenschafte». Abg. Trimbornr die Ehe- vcrhällnisse des Arbeiters hineinmische» und»»tersuche», ivcr die Schuld an. ettvaiaen schlechten Verhältnisse» trägt und ob die Frau sich ans einem gesetzlichen Arund hin vom Manu getrennt hat. Der Anspruch der Wilive soll auch ganz oder »eiliveije abgelehm werden können, iven» die von ihrem Manne ge- Umü lebende Ehefrau ohne Beihilfe deö Ehc>nanneö ihren Unter- hall gefunden hat. Wird die Frau also von der Arnicnvcrwaltimg unterhalte», dann treffen die Borau ösetzmige» des Paragraphen nicht zn nnd sie erhalt die llteutc. Wenn aber eine Frau sich und ihre «linder ernährt, wird ihr zur Strafe die Rente entzogen. Das kann doch nicht die Absicht de« Gesetzgeber« sein.—_ Wir beantragen. auch den letzten Absatz zu streichelt, erstell«: weil die Stelle für diese Bestimmulig unpassend geivnhlt ist, denn erst in späteren Paragraphen ist die Rede von einer Eni- schädigiiiig. weirn die Ehefrau bei einem Betriebsunfall Schade» erlitten hat. Zweiten« halten wir es für falsch, daß die BernfSgenossenschafte» nicht verpflichtet sein inüssen, in diesem Fall die Kilider zn unterstützen, daß auch hier nur die falnltalive Form gewählt ist. Abg. Nösickc-Dessau siuildlib.) bittet gleichfalls, die beiden Absätze zu streichen. Redner macht sich die Begründung des Abg. Hoch für die Streichung de« ersten Absatzes zu eigen. Auch er hält die Selbstver>valtung«orgaiu nicht für geeignet, zn prüfen, ob eine Ehefrau sich in der Tbat ein Jobr lang vor. dem Unfall ohne gesetzlichen Grund von der hän?«" lichen Eemeinschaft ferngehalten hat. Den zweiten Abiatz hält er an sich für berechtigt, empfiehlt aber, redaktionell ihn an dieser Stelle zn streichen und dem§ 6d znzn rügen. Ihn ganz aus dem Gesetz zu enlsernen, iviirde eine Per schlcchtcrnng sein, weil sonst die Berufsgenossenschaft überhaupt nicht da« Recht hätte, in solchen Fällen den Kindern die Rente weiter zu gewähren. Hieraus wird der Antrag der Socialdemokraten gegen die Stimmen der Rechte» enzenoulmcil und in dieser Fassung der sj 6 ir. $ 61» kantet:„War die Verstorbene beim Eintritt deö ttnfav« ver- heiratet, aber dcrLebcnSnnterhalt ihrer Familie weg«» Erwerbsunfähig- keit des Ehemannes ganz oder überwiegend durch sie bestritten worden, so erhalten sie bis zum Wegfall der Bedürftigkeit(folgen die einzelnen Bestimmungen). Hier beantragen die S o c i a l d e n, o k r a t c n, die Worte„aber der Lebensunterhalt,.. bestritten werden" zu streichen. Der Abg. Rösickc- Dessau beantragt den z Ed wie folgt zu fasten: War die Verstorbene beim Eintritt deö Unfalls verheiratet, ober der Lebensunterhalt ihrer Familie wegen Erwerbsunfnhigkcit de« Mannes ganz oder überwiegend durch sie bestritten worden, so er- halte» sie bis zum Wegfalle der Bedürftigkeit au Rente a) Der Witwer 20 Prozent. b) jedes Hinterbliebene Kind bis zum 1ö. Lebensjahre 20 Proz. des Arbeitsverdienstes. Die Bernssgenossenschast ist berechtigt: im Falle der Tötung einer Ehefrau, deren Mann sich ohne gesetzlichen Grund von der häus- lichen Gemeinschaft ferngehalten nnd der Pflicht der Unierhaltung der Kinder entzogen hat, diese» Kinder» die Rente zn gewähren. Abg. Hoch(Soc.) beantragt, in dem letzten Absatz des Antrags Liösicke statt„berechtigt" zn sagen„verpflichtet". Abg. Molkenbuhr(Soc.): Wir wollen das Gesetz nicht al« Armengesetz ausgestalten, daher haben ivir nnsern Antrag gestellt. E« soll der Nachweis der Be- dürftigkeit geführt werden, daß die Kran den Unterhalt liberlviegend bestritlcn hat. E« wird doch aber eine sehr seltene Anönahme sei». daß die Frmi zum Vergnügen in die Fabrik geht, sie wird ei immer ans Nor. an« Bedürftigkeit thnn, daher müssen die Kinder im Fall ihres Tode« stet« die Rente erhalten. Abg. Rösickc- Dessau(wildlib.) biltet mit Bezug auf seine Ausführungen in der Generaldebatte, seinen Antrag aiizuuehmcn. Der Antrag Hoch bedcntci eine ZU weit- gehende Verpflichtung für die Berufsgenossenschaften. Abg. Molkenbuhr(Soc.) hält diese Vcrpflichtnng nicht für zn iveitgehcnd. ES ist doch daö größte Unglück sür«rivachfeiie Kinder, die Mutter zu ver- lieren; in besonder« unglücklicher Lage sind diesclvcn. wemi der Vater sich wieder verheiratet, daher muß ihnen die Rente auf jeden Fall gcivährt werden. Anch muß den ehelichen Kinder» daö- selbe Recht eingeräumt werde», da« Sie im Ka den unehelichen Kindern gewährt haben. Geheimrat Caspar. Die eheliche» Kinder haben in ihrem Bater de» naifirlichen Er nährer. während die unehelichen auf die unzureichende Alimentation angeiviesen sind. Ich bitte Sie den Antrag Hoch abzulehnen. An der Abstimmung lvird der Antrag Rösicke angenommen, die Anträge der SocialdemokrateN abgeleh'nt.§ 6b in der so ver- änderten Fassung a n g c n o m m e». $ 7 bestimmt, daß an Stelle deö Krankengeldes und der Rente die Aernfogenossenschnfl freie Kur nnd Verpflegung M einer Heil- anstalt gewähren kann. Für Verletzte, ivelche verheiratet sind oder eine eigene Haushaltung haben oder Mitglieder der Hanshaltiing ihrer Familie sind, bedan cS zur Unterbringung in einer Heilanstalt der Znstimmnng der Verletzten. Der Zustimmung bedarf es incht. wenn die Art der Verletzung Anforderungen an die Behandlung oder Verpflegung stellt, denen in der Familie nicht genügt werden kann, oder wenn der für den Aufenthaltsort de« Verletzten amtlich bestellte Arzt bezeugt, daß Znstand oder Verhallen des Verletzten eine fort- gesetzte Beobachtung erfordert. Die Sorialde molrate ii beantragen, die letzte Bestimmung von„oder wenn der" bis„erfordert" zu streichen. Abg. Hoch Soc.): Der Zusatz, dosten Streichung ivir beantragen, ist ganz über- flüssig. Wir fürchte», bah diese Bestimmung zu Unznträglichkeiie» für den Verletzte» führen wird, nnd daß gerade, wenn e« sich um ei» Heilversahren handelt, jede unnötige Anfregnng von dem Verletzte» jerugehalten wird. Der Antrag der Socialdcmokratcu wird abgelehnt,§7 unverändert geiiehnngt. $ 7s giebs der Berufsgenossenschaft die Befugnis, jederzeit ein neues Hcilvcrjahren eintreten zu lassen, wen» begründete Annahme vorhanden ist, daß der Empfänger einer Pollrente dadurch eine Er- Höhimg seiner Er>vorböfähigkeit erlange» würde. Hat sich der Verletzte ivlchcn Maßnahmen oder gemäß den Be- stimnmngen dcs KrniikenverstchcrmigS-Gesetzcs getroffene» Maß- nahmen' ohne gesetzlichen oder sonst triftigen Grund entzöge», so kann ihm der Schadensersatz auf Zeit ganz oder teiliveise versagt werden, sofcni er auf diese Folge hingewiesen ivordc» ist und nach« gewiesen wird, daß durch sein Verhalten die Enoerbsfähigkeit ungünstig beeinflußt wird. Die SocialdemokrateN beantragen stir zweiten Absatz vor dein Wort„Maßnahmen" einznschieven da« Wort„rechts- kräftigen" und vor den» Wort.getroffenen" das Wort„recht«- kräftig". Abg. Stadthagcn(Soc.): Der Verletzte soll gerade mit Rücksicht auf seinen kranken Zustand vor allen Aufrcgimgen veivahrt bleiben. Wenn er aber meint. er werde auch ohne Heilverfahren gesund iverde». nnd sich deshalb gegen vie Maßnahme wehrt, so hat jetzt seine Berufung gegen die Entscheidung der AcrilfSgciioslenschaft nur insofern anfichubeude Wirkung, als er sich nicht sofort in die Heilansialt begeben muß, ipähreud die Rente ihm weckt» seiner Weigerung sofort entzogen werden kann, und ihm erst später nach dem Schiedsspruch eventuell erstattet lvird. Den Arbeiter» liegt aber gerade daran, daß sie auch die Rente erhalten, bis das Schiedsgericht entschieden hat. Geheimrat Caöpar: Die Darstellimg deö Herrn Stadthagen ist nicht ganz zutreffend. Wenn der Verletzt« jetzt Bcr»su»g gegen die Eiitscheidimg einlegt, daß ein neues Heilverfahren eintreten soll, sa hat dies» Beriifling gegen die ganze Anordimng der Berusögenoiienschast anfschiebende Wirlnng, also anch solvcit dieselbe ei» vorläustgcö Sistiem« der Rentenzahlung ausspricht. Ter Antrag des Abg. Stadthagcn ist also über- lüssig. Die Abgg. Rösicke Dessa»(wildlib.) und Zrimboruer Benisnng bezieht sich ans de» ganzen Inhalt der Entscheidung. mvohl ans die Auorduung, sick in ein Krankenhans zu begeben, als auch aus die Anordnung betreff« Entziehung der Rente. Abg. S t a d t h a g e n(Soc.) zieht darauf den Antrag zurück. 8 7» ivird«»verändert angenoituiien. ebenso die weitere» Para- grophen bis 56. 8 57 giebt Bestimmungen über die Feststellung der Entschädigungen. Abg. Rösicke- Dessau(ivildlib.) beantragt, den Abf. 3. der fest- setzt, daß vor der Feststellung der Entschädigung dem Entschädig, mgs- berechtigten Gelegenheit zu geben ist. sich zu äiißern. zu sticichc» uiid den Abs. 4 wie folgt zu fassen: „Soll auf Grund eines ärztlichen Gutachtens die Bewilligung einer Entschädigung abgelehnt werden oder n»r Teilrcnte festgestellt werden, so ist vorher der behandelnde Arzt zu hören. Steht dieser zu der Genossenschast ui einem Bertragsverhältnis, so ist aus A»trag ein andrer Arzt zu hören." . Fcmct beantragt Abg. Rösickc- Dessau(wildlib.) folgenden § 57 i*. einzuschieben: „Soll die Bewilligung einer Ensschädizimg abgelehnt werden, so ist diese Abficht dem Verletzten oder im Fall seines Todes jeuien Hinterbliebenen, soweit st« entschädigungöberechligt find, mit- zuteilen. Soll eine Entschädigung beivilligt iverden, so ist den ge- nannten Personen die Höhe der'N Aussicht genommeneu Eilt- schädignng mit den rechnungsmähige» Grundlagen mitzuteilen. Der Verletzte sowie seine Hinterbliebene» sind besngt. auf diese Mitteilung innerhalb zweier Woche» sich zn äußern. Ans ihren An- trag hat die untere Veripaltmigsbehörde diese Aenßernng ZU Protokoll zn nehmen. Von einem solchen Antrag« hat die untere Äerwaltungs- behörde dem zuständige» GenossenjchastSorgan Kenntnis zu geben; diese hat bis zum Eingang dkS Protokoll« den Bescheid aus- zusetzen." Die beiden Anträge Rösicke werden debattelo« angenommen. 8 66a giebt Bestiininungen über da« Nuhcn der Rente. Einmal soll sie nchc» während der'Verbüßung einer Freiheitsstrafe, dann Iven» der Verletzte nicht im Inland seinen gewöhnlichen Aufeilt- halt hat. Abg. Molkenbuhr(Soc.) befürwortet einen soclcildemokratischcn Antrag, diesen Paragraphen zn streichen. Er sieht in de», ersten Teil des§ 66a eine Strafvcr- jchärfung, macht gegenüber dem zweite» Teil des Paragraphen darauf aiifmcrksain, daß man einem Krüppel die Grenzen de« Arbeitsfeldes möglichst erweitere. Finde ein Krüppel nickt im In- land, sondern im Auslaiid Arbeit, so solle man ihm die Rente nicht vorenthalten. Abg. Rösickc-Dejsa»(wildliberal): verkeimt die Richtigkeit des zweite» Hinweises seitens deS Vorredners nicht und beantragt deshalb, daß dem berechtigten Ausländer, wenn er wieder ins Ausland geht und dort ständigen Aufenthalt nimmt, das Recht auf Rente cutzogc» wird, daß aber dem berechtigten Inländer, der im AnSlande Anfenthalt nimmt, die Rente bleibt. Der Inländer muß sich aber dem deutschen Konsul von Zeit zu Zeit vorstellen, nicht öfter aber als einmal im Jahr. Unter Ablchnimg des socialdemokratischc» Antrags wird§ 66 a mit dem Autrag Rösicke augcnornuieu. 8 67 bestimmt, daß die Berufsgenossenschaft emeil EntichadigungS- berechtigte» auf seine» Antrag nach Anhörnng der mitcreu Ver« waltniigsbehörde durch eine entsprechende Kapitalzahlimg abfinden kami, iven» bei teillveiser Eriverbsinifähigkeit eine Rente von z iv a n z i g oder weniger Prozent der Vollrente festgestellt ist. Die Soeialdemokraten beantragen statt„zwanzig Prozent oder weniger" zn setzen„zehn Prozent oder weniger". Abg. Rösicke- Desia»(ivildlib.) beantragt statt„von zwanzig Prozent" zn setzen „von fünfzehn Prozent". Abg. Stadthageu(Soc.) begründet den socialdemokratischen Antrag. Er weist darauf hin. daß früher vom Centrnm selbst die jetzt von den SocialdemokrateN verlangteil 10 Proz. al« Grenze getvunscht worden seien. Unter Ablehnung deS socialdemokratischen Antrags wird§ 67 mit der Aendernng durch den Antrag Rösicke angenommen.. Im g 78, der den BerilsSgenosseiischaften das Recht giebt. Nnsollvcrhiilnngs-Vorschriften zu erlassen, wird folgender Zusatz de« Abg. Rösicke a n g e n o»t m r n:„In den Unfallversichcrnngs- Vorschriften ist anzligcben, in welcher Art diese Vorschriften zur Kenntnis der Versicherten bringen sind." ' 8 V5 lautet im ersten Teil:„Die versicherten Personen und ihre Hinterbliebenen lönnen, anch wenn sie einen Anspruch ans Rente nicht haben. cincil Anspruch auf Ersatz dcs infolge eines Unfall« er! fiten ei, Schaden« gegen den BetriebSinitcrnehmer»nr dann geltend mache», wenn durch strafgerichtliche« Urteil festgestellt worden ist, daß der in Anspruch Gciiommcne de» Unfall vorsätzlich herbei- geführt hat." Die SocialdemokrateN beantragen die Worte„auch" und„nicht zu streichen. Abg. Stadthage«(Soc.): Auch dieser Paragraph bringt«ine Verschlechterung gegen de» bestehenden Zustand, wen» unser Antrag nicht angenonimen wird. Der Kreis derjenigen Personen, die au sich auf eine Rente Anspruch haben, ist durch dieses Gesetz erweitert, aber gleichzeitig lvird durch dieses Gesetz hinzugefügt, daß diese Personen. al,o z. B. Eltern, keinerlei Rechte ans dem Bürgerlichen Gesetzbuch geltend mache» dürfe», nicht nur. wenn sie Rcuie bekommen, sondern auch wenn sie einen Anspruch ans Rente nicht haben. Wir ersuchen nur um Streichung der Worte„auch" und„nicht", so daß also da« Recht au« dem Bürgerlichen Gesetzbuch nur dann verloren gehen soll, wenn ein Recht auf Rente besteht. Der Antrag der Docialden,okraten ivird abgelehnt und 8 W un- verändert ongenoinnien. 8 V6 stellt die Haftung deö Unternehmer« fiir alle Austvcndlingen der Bernisgenossenschasten und Krankenkasien fest, wenn durch straf« gerichtliches Urteil festgestellt ist, daß er den Unfall vorsätzlich oder fahrlässig verschuldet hat. Abg. Dr. Opsergelt iE.) und Genossen beantragt für die Haftung gegenüber den BenifSgenoffenschaften folgende Bestimmung zn treffen: „Dieselbe» Personen(die Unternehmern.) haften der Genostenschaft für deren Ailsivcndlmge» auch ohne Feststellung durch strasrechtlicheo Urteil. Ist der Unfall durch Fahrlässigkeit nnd Allherachtlassung derjenigen Aiifmerksanikeit. zu der sie vern'öge ihres Amts. Berufs oder Gewerbe« verpflichtet find, herbeigeführt, so ist die Genossen- schafts-Versainmlung besuat, von der Verfolgung deS Anspruchs abzusehen. Durch da« Statut kann diese Befugnis auf den Vorstand übertragen werden. § 06 ivird in der vom Abg. Opfergelt vorgeschlagenen Fassung debattelo« angenommen. Dieselben Abgeordneten schlagen vor. dem 8 96» folgende ��".Will"der�Vorstand den Ersatzanspruch geltend machen, so hat er de« Beschluß dem Ersatzpflichtigen schriftlich mitzuteilen. Der Ersatzpflichtige kann hiergegen die BeschlnßfassiUig der General- versamnilnug anrufen.(Diese« AppellattonSrecht des Ersatzpflichtigen war in dem' ß 06a„ach den Beschlüssen S. Lesung nicht so klar ans- gesprochen) Die Klage darf nicht vor Ablauf eine« MonatS nach der Zlistellliiig dieser'Mittrilniig nnd mir dann angestellt werden, ivenn nicht innerhalb dieser Frist die Beschlußfassting seitens deS Ersatzpflichtigen angenifen ist. Ist letztere« der Fall, so ist dw Beschlußfassung der GenossenschaftS-Bcrsammlung abzuwmtcn." Abg. Stadthage»(Soc.): Ich bitte Sic. de» ganzen Paragraphen ZU streichen, weil durch diese Bestiminnng zweifellos eine LerMehnmg der Unfälle herbei- geführt wird. Der Antrag Opfergelt stellt zweifellos eine Ver- fchärsima diese« Nebel« dar. Er giebt dem Unternehmer, der straf- rechtlich veraiilivorllich ist und vom Borstand der B-rusSgenossenschaft civilrcchtlich hastbar gemacht ivird, da« Recht, an die Generalver- sammlung der Berufsgenossenschaft zu appellieren, dort aber hat er natürlich' die größte Aussicht, daß ihni Gnade für Recht wird. So ivird diese Bestiinmnng zu einer Prämie ans Bmmnelei nnd Sorg- losigkeit der Unternehmer. Direktor v. Wödtke: Ich bitte NM Annahme deö Antrag« Opfergeld E« muß kl« Möglichkeit geschaffen werden, die Geiiosicnsckastövcriammlimg zuiii Ricktcr darüber zu macheu. ob der betreffende Unternehmer Haft- pflichtig sein soll oder nicht. Nachträglich giebt Redner noch reinem Bedauern über die Annahme des Antrag« Opfergelt 8 0.6 Ausduick, der den Schutz beseitigt, daß ein Umeniehmer erst strafrechtlich ven«teilt sei» muß. ehe er der Berufsgenossenschaft civilrechtlich hastet. 8 66- ivird hierauf in der Fassung Opfergelt gegen die Stimmen der Socialdemokratcu angenommen. Ebenso dereiltz' sprechend veränderte§ 06 d. Der Rest des Gelverbe-UnfaUversicherunaZ-EesetzeZ wird dcbatteloS erledigt. Präsident Graf Vallestrem: Wir hahen noch nachzuholen den Aufruf des§ 1 des Haupt- ?* l?*** U' zweiter L e s u n a. der seiner Zeit durch inei» Ber- ichnlden verpesten worden ist.— Em Widerspruch erhebt sich nicht. Der§ 1 ist in zweiter Lesung genehmigt. .. Ich schlage dem Hause nunmehr vor, sich zu vertagen und setze tue nächste Sitzung an auf Sonnabend 11 Uhr mit folgender Tagesordnung: 1. Erste eventuell zweite Beratung des Ges'etzent- wnrfs betreffend Handelsbeziehungen zum britischen Reich. 2. Fort- setznng der heutigen Tagesordnung.- Abg. Widert ffr. Bg.) szur Fragestellung�: ES herrschen Zweifel darüber, ob der Herr Präsident die Absicht hat, nach Erledigung der Unfallversicherungsgesetzc, noch weitere Gegenstände vor Pfingsten auf die Tagesordnung zu setzen. Wir Provinzialen haben ein lebhaftes Interesse daran, dies zu erfahren. Graf Ballestrem: Ich bin auch Provinziale und habe daher volles Mitleid mit •vchncn. lHeiterkeit.) Außer dein Entwurf, betreffend Handelsbeziehungen zum britischen Reich, dessen schleunige Erledigung das Auswärtige Amt wünscht, beabsichtige ich keine weiteren Gegenstände vor Pfingsten zu erledigen W utz der Sitzung 6 Uhr. Munpt imfr TViponschAft. Schillertheater. Freudlose Liebe. Schauspiel von Giacosa. Deutsch von Otto Eisensch itz. Der Uebcrsctzer erzählt, daß da» Schauspiel vor zehn Jahren in Italien die grüßte Ueberraschung und die hellste Begeisterung iveckte. Uns hat es weder überrascht noch begeistert. Es ist ein Theaterstück wohlbekannten Genres, in dem nur hier und da(besonders in der letzten Scenef poetische Begabung hervorbricht. Versöhnend und wohlthuend wirkte der sittliche Ernst, der durch die Arbeit geht. Der Ehebruch(es handelt silb um einen solchen) ist nicht ohne Sinn für Tragik aufgefaßt; die künstlerische Gestaltnng bleibt aber ganz im Aeutzerlichen stecken. Statt Pshchologie und innere Handlung er- halten wir nur robuste Theatersituationen. Die eigentliche Kunst- scene des Stücks, die im allgemeinen wohl den Abend entscheidet, hat auf mich am allerkältesten gewirkt. Die Art. wie der Ehemann die beiden Sünder entlarvt, ist durchaus gemacht, konstruiert, er- klügelt. Der Liebhaber brauchte nur wie ein vernünftiges Wesen zu handeln, anstatt sich ans einen in dieser Situation völlig verschrobenen Edelmut hinauszuspielen— und die ganze Scene wäre wie weg- geblasen. Einen tieferen Eindruck macht nur der Schluß. Die Bitterkeit, die hier aus den Worten des Ehemanns spricht, wirkt um so ätzender, je feiner sie ist. Hier huscht wirklich ein tragischer Schatten über das Schicksal zweier Mensche». allgemeinen gut. i e i e und Eyben zu Z o ll i n zeichnete den Gerichtsassessor zu grob, sprach zu kaut und Gespielt wurde im P a t r y. Alwine An erster Stelle sind nennen. Herr zu wenig nüanciert. Ob sich für Frau G u n d r a nicht gelegentlich eine bessere Beschäftigung finden ließe? Sie zeigt immer eine dcccnte Natürlichkeit, die mir etwas zu versprechen scheint.— Schließ- lich gab es»och die ,. S ch u l r e i t e r i n" von Pohl. Es genügt, den harmlosen und recht bekannten Schwank zu nennen. E. S. Vevsttnunlungen. Der Verband der Möbelpolierer hielt am 2l. ds. Mts. eine außerordentliche Generalversammlung ab. Dieselbe war wegen Nichterscheinens der Annonce im„Vorwärts" äußerst schtvach besucht. Nur Punkt 1 der Tagesordnung, Wahl eines Delegierten zum Kongreß der Vertrauensmänner-Ccntralisation wurde erledigt. Zu demselben wurde Kollege N i t s ch k e gewählt. Bollfraß forderte zur Flug- blattverteilung am kommenden Sonntag auf. Schulz machte be- kannt, daß der Streik in Dresden nur aufgeschoben nicht auf- gehoben sei. »reirelUiöse Gemeinde. Senntag. den 27. Mai, vorm. BVzHfjr, im oberen Saal des„Englischen Gartens". Alexanderftr. 27 o: Bersamm- lu»g.„Freireligiöse Vorlesung."- Um 10V. Uhr vormittags ebendaselbst Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille i„Das Vaterunser. VI. Denn Dem ist das Reich, die Krast und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen". Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen.,_ Ecntrnlverein der im A»»ess«nwcse» und verwandten Branchen Beschäftigten. Berlin. Sonnabend, den 2». Mai, admds 8 Uhr, bcr Kernchen, Wallstr. 57: Versammlung.. Lokalverbaud der Elcktrouiontenre und Berufspenossen Berlms und Umgegend. Heute 8'/, Uhr: Sitzung im Restaurant„Zum alten Plätt- eise«", Schillingstr. 36.__ «tt»,ernn«»i,derl>cht vom»5. Mai 1900. morgetz» 8 Uhr. Stationen Swlneiude Willi» Wie» TM. e» II 757 758 756 760 761 760 NNO W Still WSW W Still «eller 1 wolkig 1 Regen llbedeckt Hbedectt s'Sfieaen Obedeckt SS« -T» 4« g» w Stationen Haparanda Petersburg Eork «bcrdeen Pari» LL r- e 761 766 Still S MlÄRW Welter Owolkenl heiter wolti, detze« ll ii 10 Wetter Prognose für Sannabend, den SS. Mai ISOO. 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Packhofetr. 13. Heilbrona, Kaiserstr. 26. Hildesheim, Hoherweg 35. Köln, Breitestr. 103. Kiel, Holstenatr. 22. Königsberg I. istr-, Schmledfstr. 13, Leipzig, Reichsstr. 13. Mannheim, Q 1. 8. Magdeburg, Alte Markt 11. Mainz, Schusterstr. 12. NUrnberg, PJobenhofstr. L. Posen, Krämerstr. 19/20. Potsdam, Brsndenburgstr. 49. Reichenbach, Markt 8. St. Johann>SaarbrUoken, Babnholstr. 83. Stuttgart, TUbingerstr, 16. Staeefurt, Schloss- und Steinstrassen-Ecke, Stettin, Heumarkt 1. Strassburg, Kinderspielplatz]. Wiesbaden, Langgasse 83. Worms, Kämmererstr. 40. Zwickau, Wühelmstr. 6. Weltbekannt sind unsere Fabrikate durch ausserordentliche Haltbarkeit, durch auffallend billige feste Preise, durch vorzügliche chice Passform, durch unerreichte Leistungen auf dem Gebiete der Schuhindustrie. Unsere Specialität Goodyear Welt-Herren- und Damenstiefel, System Handarbeit, ist der beste Stiefel der Gegenwart. Slrapazier-Damen-Stlefel Strapazler-Herren-Stiefel Derber Kinder-Stiefel Mk. 3,40. Mk. 4,50. 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Abgelehnt find somit alle unter dem Einfluß der Social- demokratie erhobene» Forderungen, wie: die Nichtverhängnng von Geldstrafen. Entlassungen oder Ehrenerklärungen einzelner Ober- bcamten und die Entnahme Nenanzustellender au» dem Arbeits- Nachweis des Centralverbands der Handels-, Transport- und VertehrSarbeiter. Auch die in der Presse verbreitete Behauptung, daß erst in- folge des Streiks die Einrichtung der P e n s i o n s k a s s e zugestanden worden sei, ist völlig unrichtig. Die Einrichtung einer solchen Kasse war vielniehr schon seit langer Zeit von der Direktion beschlossen; auch waren die hierzu erforderlichen Mittel bereits zur Verfügung gestellt worden. Die Kasse konnte ihre Thätigkeit nur wegen einzelner Meinungsverschiedenheiten, welche zwischen dem Magistrat und der Direktion obwalteten, noch nicht beginnen. Ersterer hat in der Sitzung vom 18. d. Mts. zur Beseitigung der Mcimingsdiffcrenzen einen Vergleichsvorschlag gemacht, der von der Direktion umgehend angenommen worden ist." Wenn diese von amtlicher Stelle kommenden Darlegungen einen Sinn haben sollen, so doch nur de», daß die Angestellten, die allen Lerleumdnngcn und Hetzereien der Direktion zum Trotz so be- wunderuswürdig maßvoll blieben, mit dieser ihrer Mäßigung blutwenig, oder um im Tone der..Voss. Ztg." zn reden, nur ein Linsengericht erreicht haben. Weiter ist aus den amtlichen Darlegungen der Schluß zu ziehen, daß die Straßenbahn-Beamten ein zweites Mal nicht so thöricht sein dürfen, sich mit derart be- scheidenen Forderungen zu begnügen. Es ist anerkennenswert, daß man so an amtlicher Stelle die schroffen Worte, die die Herren M i n i st e r im Ab- geordnetcnhanse und in der Unterredung mit Herrn v. Schulz gegen die Ausständigen gebraucht habe», wieder gutzumachen sucht. Allerdings ist die Form, wie hier namentlich Minister v. Thielen desavouiert'wird, möglichst ungeschickt gehalten; wie leicht könnte» die Straßenbahner durch die a m t l i ch e Herabsetzung ihrer Errungenschaften von neuem in den Streik ge- hetzt werden?! Am Ende hat aber die amtliche„Verl. Korr." die Entschuldigung für sich, daß die Angestellten unter.. s o c i a l d e m o- krati' scher" Leitung schon viel zu viel DiSciplin ge- lernt haben, um zu ungelegener Zeit von neuem los- zuschlagen. Und darin mag das amtliche Blatt ja recht haben. Die Angestellten werden immer mehr den Wert einer straften Organisation schätzen lernen und unter deren Leitung zu einer Zeit, wo es ihnen paßt, auch die Forderungen zn erringen wissen, die die Direktion nach k a p i t a l i st i s ch e m Urteil allerdings schon heute bewilligen könnte, ohne ihr und ihrer Aktionäre Interesse auch nur ün geringsten zu gefährden. Psttfei Volizriliches, Gerichtliches usw. — VersainmlnngSvcrbote und Tchanksperre» vor Gericht. In dem Polizcikampf gegen die Arbeiterbewegung stehen vcr- sammlnugSverbote und Schankspcrrcn im Ruhrrevicr an erster Stelle. Durch solche Maßnamen der Behörden wurde hier schon manche Vcr- saminlnng illusorisch. Viele Wirte erklären bei Ansragcn betreffend Hergäbe ihres Lokals zu Versammlungen offen heraus:„Wir wagen es nicht mehr, wir fürchten geschädigt zu w e r d e n 1 1! Anläßlich der diesjährigen Maifeier find auch wieder eine ganze Anzahl Versammlnngsv'erbote erlassen worden. An? diesem Grunde erschien in der„Arb.-Ztg." ein Artikel, der sich mit dem behördlichen Vorgehen gegen Arbeiterversammlniigeu be- faßte. Durch diesen Artikel wollen nun verschiedene, vor und nach- geordnete Behörden beleidigt sein. Es haben nämlich gegen den verantwortlichen Redactcur der„Arb.-Ztg.", Genossen Bredenbeck, ein Amtmann, ein Landrat und der NegirrungSprösident von Westfalen Strafantrag gestellt. Selbstverständlich wird Genosse Bredenbeck ein reichhaltiges Material beibringen, durch ivelcheS die Maßnahmen der Behörden, wcim es sich»m Arbeitcrversammlungen handelt, ganz eigenartige Bclcnchtnng fiudcit werden. Durch de« Wahrheitsbeweis wird Bredenbeck auch den Nachweis führen, daß er in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt hat. Berliner Partei-Zlngelegeikheiten. Eine Flngblatt-Vcrteilmig erfolgt am S o n n t a g v o r m i t t a g in Berlin»iid sämtlichen Vororte». Es wird erwartet, daß die Parteigenossen und Ge- nossinncn sich zahlreich und pünktlich an de» bekannten Stellen einfinden. Ju> zweite» Wahlkreise erfolgt die Verteilung früh T/a Uhr von folgenden Lokalen aus: Schonhcim, Gräfcstr. 3; Miillcr, Gräfe- straßc 81; Ewald. Schönlemstr. 6; Groß, Ecke Barnther- und Zossenerstraßc; Sicbert, Großbrcrcnstr. 54; Pinzcr, Schützcnstr. 18/19; Saß, Markgrafenstr. 102; Lindcman». Moritzstr. 9; Qtinndt, Ecke Bcrgma»»- und Bellcallianccstraßc; Voigt. Königgtiätzerstraßc 39; WagaS, Pallaöftr. 16ß Werner. Bülowstr. 59. Die Mitglieder des WahlvcreiuS IV tOst) werden ersucht, sich Sonntag früh 7�/« Uhr Mann für Mann zur Fl»gblatt-Ver- tcilung an den bekannten Stellen einzufinden. Desgleichen werden die Partcigenoficn des 5. Wahlkreises ersucht, früh 7'/» Uhr an folgenden Stellen zahlreich zu erscheinen: Lange, Dragoucrstr. 15; Willner, Wiusslr. 59; Teschncr. Gollnoivstr. 6; Kuötich, Hirtenstr 10; Wittschow. Kl. Hambnrgcrstr. 27; Gründer, LohanniSstr. 9. Im S. Wahlkreise versammeln sich die Genossen ebenfalls Punkt 7>/s Uhr an folgenden Stellen: Pfarr, Pntlitzstr. 10; Krönst, Müllcrstr. 7 a; Schulz. Schtvartzkopffslr. 15; Bachgängcr. Swine- mündcrstr. 34; Rosi», Rnppinerstr. 42; Hoppe, Ackerslr. 2l; Abendroth, Badstr. 42; Herrmann, Pulbuscrstr. 45; Schönfcld, FchrbeNinerstr. 9, Ecke Christinctistraße. In Charlvttrnburg werde» die Flugblätter früh 7 Uhr in folgenden Lokalen ausgegeben: I.Bezirk: Paaschc, Potsdamerstraße 44; 2. Bezirk: Leder, Bismarckstr. 74; 3. Bezirk: Dörre. Wallsir. 90; 3. Bezirk: Gimpel, OSiiabrückcrsir. 4; 4. Bezirk: Kant, Pcstalozzistr. 65; 5. Bezirk: Wille, Bismarckstr. 35; 6. Bezirk: Böttger, Leibuizstr. 8; 7. Bezirk: Bredlow. AnSbachcrstr. 31. In Pankow-?ticder- Schönhausen erfolgt die Verbreitung früh 7 Uhr vom Lokal des Herrn Dcvanticr. Ecke Mühlen- und Florastraße ans. In Wciftcnsce treffen sich die Parteigenosse» früh 7V» Uhr bei Gartz, Lebdcrstr. 5. In Britz beginnt die Verbreitung früh 7 Uhr von Dorn, Bürgcrstr. 4 äiiS. In Lichtenberg und FriedrichSbcrg treffen sich die Gcnoffen 7'/s Uhr an folgenden Steven: Lnttcrbin'e. Friedrich Karlstraße 11. Grauer, Fraiilfurter Allee 181. Wcriücke, Gürlelstr. 22. Lange, Wartcnbcrgstr. 67. Sarnow, Atzpodicnstr. I. In Steglitz und Friedenau versammeln sich die Genosse» früh 7l/- Uhr in folgenden Lokalen: Friedenau, bei Grube; Steglitz, bei Schcllhaase, Gärtner, Schimmrvck, Kaijerhallcn, Wollcnzicn, Marksteinstr. 1. In Mariendorf ist der Treffpunkt früh 8Va Uhr bei Ebel. In der letzten Lokal- Lifte muß cS unter Saat winke! heißen: Restaurant„JSgerhänSchen". Inhaber 28. Schumann(statt Lehmann). Grünau. Im Arbeiter-BildungSverein spricht am Sonnabend, denj 26. Mai. Genosse F. Günther über: Die Folgen der lex Hcinze. In Obcr-Schönewcide ist Montagabend 8 Uhr bei Töpfer öffentliche Versammlung, in der Geiiosi« Hoffmnnn über„Glaube und Vernunft" spricht.' Heute hat der Arbeiter-Bildungsverein keine Sitzung._ UoKtztles. Die Erholungsstätte vom„Roten Kreuz" in der Äuugfcrnheide. Auf dem vorjährigen„Tnbcrknlose-Kongreß" regten zwei Berlincr Acrzte, die Herren Drr. Becher nnd L e n n h o f f die Schaffung einer neuen Einrichtiing, der fogenannten„Erholungsstätten" für kranke Arbeiter an. Es sollten in der waldigen Um- gebung der Großstädte aus Segeltuch hergestellte„Döckersche" Baracken— wie sie im Kriege als Feldlazarette Verwendung finden, und deshalb schon in FriedcnSzeiten vom„Vaterländischen Francnverein" vorrätig gehalten werden— Aufstellung finden, um denjenigen Kranken, für deren Gesundheit ein längerer Aufenthalt in frischer Waldinst wünschenswert erscheint, die Gelegenheit zu einer solchen„Freiluftkur" zn bieten. Dieser Gedanke wurde von dem „Heilstäticiivcrcin voni Roten Kreuz" aufgegriffen, und zunächst die Einrichtung einer solchen„Erholungsstätte" für männliche Kranke in der I u n g f e r n h e i d e in Aussicht genommen. ES gelang denn auch dem Verein, insbesondere durch die thatkräftige Mitwirknug seines Sekretär«, de« Herrn Oberstabsarzt Dr. P a n n w i tz. den Plan soweit zu fördern, daß die„Erholungsstätte" nmmrehr in Betrieb genonnnen iverden kann. Sie liegt etwa fünfzehn Minuten vom Bahnhof Jungsernheide entfernt an einem Waldwege. der sich vom Tegeler Weg gerade gegenüber dem Hinkeldcy-Denknial nach links abzweigt. Ans einem größeren, durch einen Drahtzaun abgegrenzten Raum sind zwei Döckersche Baracken aufgestellt, von denen die eine zun, Aufenthaltsraum bei ungünstiger Witterung bestimmt, eine kleine Bibliothek, Zeitungen usw. den Besuchern bieten soll, während die andre einen Lazarettraum für Plötz- liche Unglücksfälle, das Zimmrr der dicnstthuenden Schwester, die Küche usw. enthält. In der Umgebung der Baracken ist ausgiebig Gelegenheit zum Sitzen, Liegen. Spielen usw. geboten; auch steht es selbstverständlich den Kranken frei, die Umzäunung zu verlasse» und sich im Forst zu ergehen. So ist vorläufig für etwa 100 Personen eine Einrichtung geschaffen, wie sie bisher in dieser Weise für Kranke der nnbemittclten Bevölkernngsklasscn nicht zur Verfügung stand. Eine Enveiternng würde im Bedarsfall schnell auszuführen fein. Der Betrieb der„Erholungsstätte" ist so gedacht, daß die Kranken, welche die Nacht in ihrer Behanstnig zubringen— nur um solche handelt es sich hierbei—, sich morgens um 9 Uhr einfinden mid bis 7 Uhr abends im Walde verbleiben. Mittagbrot und Milch wird in der Erholungsstätte zu billigem Preise erhältlich sein, bez. ans Kosten der Kassen, welchen die Kranken angehören, geboten werden; andrerseits steht nichts im Wege, daß die Besucher sich auch ihr Mittagessen mitbringen, und es an Ort und Stelle wärmen lassen. Um zur Erholungsstätte zur gelangen, be- nutzen die Kranken am besten die Stadtbahn. ES schivebe» gegen- wärtig noch Verhandlungen mit der Eiseiibahn-Verwaltuiig über eine FahrpreiS-Er Mäßigung, und es ivird voraussichtlich den Besuchern der Erholnngsstätte gestattet werden, Arbeiter- Wochenkarten auch außerhalb der sonst für die Fahrt gestellten Stunden zn beiintzeu. Aus der Benutzung der Erholungsstätte an sich e r>v a ch s e n k e i n e r l e i K o st e n. Kranke, welche keiner Krankenkasse angehören, können ihre Auf« nähme direkt im.Bureau der Erholiuiasstätte vom Roten Kreuz, W., Unter den Linden 16" nachsuchen. Kasseukranke sollen sich zu« nächst an ihre Kassenärzte wenden, die in geeigneten Fällen einen entsprechenden Antrag an die Kasscnverwaltung stellen werden. Ani Hiinnielfahrisiage fand ans Veranlassung der„Central- k o Nl Ul i s s i o II der K r a n k e u k a s s e n Berlins" eine Be- sichtigung der„Erholungsstätte" statt, zn ivelcher die Kaffenvorstände und Bcrwaltuugsbeaintcn eingeladen wäre». Etwa 200 Personen hatten sich eingefntzdeit. Herr Ober- Stabsarzt P a n n w i tz erklärte die Eiiuichinngen und gab Erlänteruliaen über den Betrieb der Anstalt. Die Slnweseiidcn konnten nur ihre Anerlcimnng über das in so kurzer Zeit Geschaffene aussprechen. Schon bei der Besichtigung erllärte» einige Kassenvorstäiide. daß sie nicht allein ihren Kraulen die Be- nntzimg der„ErholnngSslätte" gestatten würden, sondern daß sie anck, auf Grund des Krnukciivcrsichcrungs-Gesetzes berechtigt zu sein glaubten, für diese Kranken die Kosten der zu verabfolgenden Milch und des Mittagessens zu tragen. Es wäre zu wünschen, daß sich möglichst alle Kassen dem aiischließen. Zu seinem 80. Geburtstage wurde gestern der Stadtverord« nctc»- Vorsteher Dr. La ngerhauS durch unzählige Deputationen beglückwünscht. Auch Vertreter unserer Fraltion erschienen unter Führung des Genossen Singer. der dem Jubilar Worte dc§ Dankes für die Liebe und Gerechtigkeit darbrachte, welche Dr. Langerhans als Stadtverordneten- Vorsteher der socialdemokratischen Fraktion ivährend seiner Geschästsführiing habe angedcihen lassen. Gerührt dankte der Jubilar. Wenn seine Ansichten von denen der Social- demokratie auch abwichen, so sehe er doch vollkommen ein. wie notwendig für die Arbeiter die Vertretung sei, deren sie sich in der socialdemokratischen Fraktion erfreuten. Der Oberbürgermeister Kirschner sprach im Namen der Stadt den Wunsch aus, daß sich Dr. Langerhans noch recht lange dieser AiiSzcichiimig zn crsrcncn haben werde. Der Wortlaut des Ehren- bürgerbricfS ist folgender: Wir der Magistrat der kgl. Haupt« und Residenzstadt Berlin beurkunden und bekennen hiermit, daß wir im Einverständnis mit der milunterzcichnetcn Stadtvcrordncteii-Versanmilnng dem prak- tische» Arzt Dr. med. Paul Langerhans, der seit 36 Jahren durch das Vertrauen seiner Mitbürger zum unbesoldeten Ehrendienst in der Gemeindeverwaltung berufen, der Stadtverordncten-Bersammlniig seit nahezu 25 Jahren angehört und deren Leitung während der letzten 7 Jahre nunnterbrochen mit größtem Pflichteifer und strengster llnpartcilichkcit geführt hat. der. einer alten Familie entsprossen. immer treu zu seiner Vaterstadt gehalten und für ihr bestes gewirkt, iiiSbesondere an der Verbesserung der gesundheitlichen Verhältnisse Berlins auf daS Eifrigste mitgewirkt hat, der in echtem Bürger- sinn nnd Bnrgerstolz alle Zeit die Grundsätze der Selbst- verwaltnng als die Voranssctznng für das Blühe» und daS Gedeihen dcS städtischen GemeindeivcscnS hoch gehalten nnd verfochten hat, der sich in dcni hohen Alter von 80 Jahren noch gern und freudig den Pflichten unterzieht, die ihm seine Ehrenämter in Reich. Staat und Gcincinde auferlegen, und sich durch seine rast- lose Thätigkeit nnd durch Einsetzung seiner besten Kräfte um da» Wohl der Stadt Berlin verdient gemacht hat. da? Ehrenbürgerrccht nnsrer Stadt erteilt haben. Dessen zur llrlund haben wir diesen Ehrcnbürgcrbrics unter nnsrer Nnterichrift nnd unter Anhängnng nitsrcS großen StadtsicgclS anfertigen lassen. Berlin, den 25. Mai 1900. Magistrat ic Stadtverordnete. Nach einer kurzen Ansprache dcS Stadtverordneten- Vorstehers Michelct dankte der Jubilar, in seiner Rede hervorbebend, daß er, wenn er seine Stellung ausgefüllt habe, viel der Zkachsicht seiner Kollegen zu verdanken habe. Er hoffe, noch ein Weilchen mitmachen zu köiuicn. Er werde derselbe bleiben. . Zn nnsrer vorgestrigen Mitteilung über den Fall Ziethen erhallen wir vom Rechtsanwalt Victor F r ä n kl eine Zuschrift folgenden Inhalts: Ich bitte Sie. zu der Ziethennottz folgendes nach- iragcn zu wollen: 1. Der von nur benannte neue Zeuge Mayer hat sich nicht in. sonder» nach dem Prozeß Landauer gemeldet. 2. Bei der Frage der Berivcrtbarkeit der sogenannten„Aussagen" der tätlich verletzten Frau Ziethen habe ich mich vornehmlich aus neue Gutachten von Autoritäten der Hirnpathvlogie und Psychiatrie gestützt. Ich habe u. a. schriftliche Aciißerungen der Professoren Eulcnbnrg, Forel, Wille, Oppenheim. Mendel und des Dr. Kurclla beigebracht, welche alle nach Kenntnisnahme von dem Inhalt der Vernehmungen der Ehefrau Ziethen und dem Obduktionsbefund sich ablehnend gegen den Wert ihrer Angaben— teilweise in scharfen AuSlasiimgen— ausgesprochen haben.— Im einzelnen den sehr anfechtbaren An»- fühnmgen der Elbcrfclder Strafkammer entgegenzutreten, wird ja Sache der sofortigen Beschwerde sein— nur das sei noch gesagt: ES ist für den Geist nnsrer Strafprozeß-Ordnung charakteristisch, daß da» Gcricbt keinen Anlaß zu finden brauchte, die neu bezeichneten Zeugen zn vernehmen, um durch lebendige Anschauung ein Bild von ihrer Glaubwürdigkeit zu gewinnen. Victor Fränkl. Für die Provinz Brandenburg und den Stadtbezirk Berlin wird vom Polizeipräsidium folgendes verordnet: Die öffentliche Allkündigung von Ge heim mittel», die dazu bestimmt find, zur Verhütung oder Heilung von Pflanzeiikrankheiten zn dienen, ist vcr- boten. Ziiwiderhandlnngcn gegen dieses Verbot werden, falls nicht nach den allgemeinen Strafgeictzen eine härtere Strafe eintritt, mit einer Geldstrafe bis zu 60 M.. im Bcrmögensfall mit Verhältnis- mäßiger Haft bestraft. Wie in früheren Jahre» wird auch in diesem Jahre das Milchsest von den Zöglingen der RummelSbnrger Waiscnanstalt und deS HanseS Alte Jnkobstraße 33, und zwar Mittwoch, den 13. Juni, nachmittags, in TabbertS Waldschlößchen in der Köpnicker Heide begangen werden. DaS von unS unter Reserve vermerkte Gerücht, wonach die rücksichtslose Ausnutzung deS Straßcnbahupcrsonal« auf Unregelmäßigkeiten im Betriebe zurü-ckzusübren fei, wird von der„Nat.-Ztg." für unbegründet erklärt. Leider fällt es nnS schwer, die„Rat.-Ztg." in Straßeiibahnangelegeiiheiten als Autorität anznerkcmien. War tticä Blatt dach mit besonderem Eifer auf Verbreitung der falschen Nachricht versesslii, fcdfe die streikenden Angestellten sich an den SktSßcin Unruhen beteiligt hätten. Die Kohlenhändler Berlins planen eine Protestnersäminlüng in der die jetzigen unleidlichen Kohlen- und Eoaköverhältnisse er- örlerr werden sollen. Gegen das Verfahren der Gasanstalten in der Vergebung von Coals, das bekanntlich zu der gegenwärtigen ungewöhnlichen Verteuerung geführt hat, will man energisch pro- testieren. Schwer verbrannt wurde Donnerstagabend 8'/s Uhr das lkjährige Dienstmädchen Martha E ck e r t, Elisabeth-Ufer ä7. ES war erst am Tage vorher von auswärts gekonnnen und hatte bei dem Patentanwalt Jahr Stellung genommen. Vorgestern Abend erhielt es de» Auftrag, einige Flaschen Bier ans dem Keller heraus- zuhole», wozu es siib eines Lichlcs bediente. Sie stellte dasselbe aus die Erde, bückte sich und»ahm die Flaschen auf. Bei dieser Gelegenheit waren die Kleider unbemerkt mit dem Lickite in Be- riihrnng gekommen und hatten sich entzündet. AhmiilgS- los schriti das Mädchen die Treppen empor und hatte bereits seine im ersten Stock belegene Wohnung erreicht, als das bis dahin glimmende Fcncr sich am Nu z». helle» Flammen entwickelte. Unter Hilfernse» stürmte es die Treppe herab »ach dcvi Hofe, Ivo der zufällig anwesende Destillateur B. die Flammen mit Hilfe seines schnell ausgezogenen Rockes vergeblich zu ersticken suchte. Erst als noch mehrere Hansbewohncr auf das Hilfcgeschrci herbeigeeilt waren, gelang es, das Mädchen unter der Hofpnnipe auf die Erde zu werfen und das Feuer zu löschen. Die Bedauerns- Werte hatte im Rucken und an den Beinen gräfliche Brandwunden davongelragcn und wurde von dem Personenwagen Nr. 8 der alarmierten.Feuerwehr schleunigst nach dem Kranleghause Am Urban bc- fördert, wo sie schwerkrank darmederliegt. Am kommenden Sonntag tritt eine ertveitcrte Geschäftszeit ein. An diesem Tage dürfen die Verkaufsräume der Geschäfte, ab- fjoschcii von den üblichen Bcrkauföstnndeii bis 10 Uhr vormittags, von 12 Uhr mittags bis 6 Uhr abends geöffnet bleiben und das Personal in diesen Stunden beschäftigt werden. Der Schnlimann Tchötvc rettete zwei kleine Kinder vom Ersticken. In der Lichteiibergerstr. 6 waren in der Wohnung der Arbeiter Haaseschcn Eheleute Läppen, die auf dem geheizten Herd zum Trocknen lagen, in Brand geraten und entwickelten einen der- artigen Onalm', das; die allein in der verschlossenen Küche befind- lichcu Kitidcr der iieiin Monate alte Hnnseschc Sohn'lind der sechs ?ahr alte Sohn eines Nachbarn, den: Ersticken nahe waren. Der Schntzmann Schvwe, der durch den ans dem Fenster dringenden Ranch ausmcrkfam geworden war, brach die Küchenthür ans und brachte die Kinder iii Sicherheit. Bci'lrflluillliicit ist seit dem 18 Meli die HWi Ünhrn eilte W»..■.. Haar und trug zuletzt ein hellgelbes Jackett, blanscidcneii runden Hnt mit weißem Band, schwarz karricrtc Bluse und schwarzen Oberrock. Die Eltern bitten dringend um Benachrichtigung nnd sind gern bereit, alle Unkosten zu ersetzen. Fcncrbericht. Während der beiden letzten Tage erfolgten mehr- fache Alarmierungen, die teilweise auf die herniedergeganaenen Regen- masicn zuiückzilsühren waren. So wurden Wilhclnistr. öv. Holzmärlt- strnßc 3 und Antonsir. 9 die Keller dcrmaszen überschwemmt, daß die Wassermasien durch die Fcuerivchr ausgepumpt iverden nnißten. Fußboden nnd Balkenlage hallen Neue Königslr. 1, Knrfürstenslr. 13 und Franzstr. 7 Feuer gefangen, doch konnte in allen Fällen die Gefahr, leicht beseitigt werden. Sllcxändrincnstr. 118a nnd Birken- straße 4 waren Küchenbrände abznlöschcn. Letzterer war durch Explosion einer Petroleumlampe entstände». Ein fehlerhafter Blitz- ablcitcr der elektrischen Straßenbahn von Siemens n. Hakske batte Freitag früh Kottbnfcr Ufer 33 einen Kurzschluß verursacht, weshalb die Feuerwehr herbeigerufen lvurde, die die Leitung ansschältctc. worauf die Bahnvcrwaltnng für Ausbesserung' der defekte» Leitnng sorgte. Das Bicrtage-Rcnne», das auf der Rennbahn am Änrsiirstc» dämm Donnerstag beginnen sollte, ist wegen des iiiigünsligen Wetters zunächst ans Freitag nnd gestern ans gleichem Grunde abermals ans Soniliag vertagt worden. Jkni Birlorta Thcatcr ist vorgestern mit einem Schivank von Girardin„Die K a n o» e u k ö n i g i n" ein Erfolg erzielt ivorde». Das von Richard Mauz bcarbcilelc Siück ist. wenn auch nick't ohne Pilanterie. so doch frei von Lascivitäten»nd führt im hübschen Auf- bau eine Sleihc kunterbunter Vcrwcchsclnngcn vor. Das Spiel war dnrchiveg flott und ansprechend: besonders zeichneten sich ans Emnia Stiefke in her Titelrolle nnd Herr Waiden als nnaliicklichcr Professor.____ A>»s de» Siachbtn orten. Spandau. Bei der Ersatzwahl eines Stadtverordneten fiir die zweite Abteilung siegte in der Stichwahl der Kandidat der Bürgcr- partci. Blätzlu. niil Lkä Stimmen gegen 223 Stimmen, die Herr WachSmutth, der auch von nusrer Partei nntcrstützt winde, auf sich vereinigte. Die Wahlbclcilig ung>var eine sehr rege. Der Gemeinde-»nd AnttSvorftrhrr in Treptow, Bürger- meistcr a. D. Schmock. dessen Wahl zum eisten Liirgcrmeisler der Stadt Jnowrazlaw wir kürzlich meldeten, der aber diese Wabl wegen des dortigen rauheren Klimas im Interesse der Gesundheit seiner �GaUil�wcht�lick�s�cleh��hast���etzl�meism�BmMeri� der-Stadt Malstait-Bnrbach einstimmig gswählt worden, nnd hat die Wahl chngenommcn. Im Königreich Sliimni wird Herr Schnwck sich vielleicht ganz wohl fühlen. Waidmännölüst. Der Gemeinde Hermsdorf ist von der Stadtgemeinde Berlin ein Bertrag wegen Lieferung von Gas zu Belenchtungs- und andern Zwecken überreicht worden. Es steht zu erwarten.'daß dieser Vertrag, wenn vielleicht auch mit einigen Modifikationen, angcnoinmcn ivird'Z dann dürsten auch die beiden Nochbargcmeindcn Lnbars-Waidmamislnst und Dalldorf, durch deren Gebiet' die Rohrleitung hindnrchsührt, an die Beleuchtungsanlage mit angeschlossen iverden.. Sollte aber � keine Einigung mit der Direktion der'städtischen Gaswerke erzielt werden könucn, so bietet. sich wenigstens für Waidinaiinslnst noch eine andre günstige Aussicht ans Vcrwirkljchnng des GaSbclenchtiings- Projekts. Llnch hie Gasanstalt in Tegel würde bereit sein, den Ort mit dem nötigen Gas zu versorgen. Tegel. Die auf dem Tegeler See und der oberen Havel sahrendhst Dampsboote sind jetzt in den Händen einer Geselljchaft, ivelchc infolge der beseitigten Konkurrenz' die Fahrpreise in jeder Weise zu llngiinslcn des Publikums erhöht hat. Pankow. In der letzten Sitznng der Gcmciitdcbcrtrctung wurden zivci neue Be b an n n gs p käu e genehmigt, von denen der eine einen neuen Straßenzug nach Niederschönhauicn im Zuge der Wasserwerke nnd des zn crbauendcn KraiikcnhanscS vorsieht. Auf dem Terrain der Berliner Jminobilicnbank soll das in den Plane» angegebene Schulgebände naher au die Berlinerslraße heran- gerückt werden.— Das Schulgeld a» der.R e a l s ch u l e soll von 80 M. ans 100 M. erhöht' iverden, dabei wird in Aussicht gestellt, daß der Etat wohl erheblich überschritten werden müsse. Für die Gescllschast für Hundezüchtung, die demnächst eine Ausstellung in Pankow veranstallet, wurde ein Preis von 20 M. gestiftet. In der Angelegenheit des D i a k o n i s s c n h a u s e s, welches das Konsistorium erbaut haben ivill, beschloß die Gemeinde- llcrtrctiiiig. der geistlichen Körperschaft ans seine Anfrage zu ankwörteil. daß der Termin für den Bau des Hauses sich>ncht bestimmen lasse nnd zur Zeit für die Gemeindc auch kein Anlaß vorliege, mit dem Bau zu beginn«». Die Gemeinde habe sich auch nicht davon über- zeugen können, daß der Prediger unter einer Wohmmgsiioth leide. Reinickendorf. Der Brand in der Jordanschen Schneidemühle in der Provinzstraßc, welche in der Nacht vom 24. znin 22. Februar dieses JahrcS total eingeäschert wurde, wird ein gerichtliches Nach- spiel Häven. Bei der Beriiehinniig der Angestellten sind so wider- sprechende Angaben gemacht worden, daß die Verhaftung des Werk- s ü h r e r s vor einigen Tagen erfolgte.— In unbeschreibliches Elend gcratcn ist die Arbeiterfamilie S l a b s, die hier Provinzstr. C9 ivohnt. In der ans 13 Köpfen bcstehciiden Familie ist vor ciiiigc» Tagen niitcr den 11 Kinder» Scharlach und Diphtheritis ansgebrochen: Krmtkhcile« zum Opfer gefallen. Da krankt daniederliegt, ist der Mmm gc- fern zn bleiben. Tchönebcrg. Außerordentlich hohe Anforderungen hat der auf dem Hoizplatze von Scckel n. Schweitzer stattgehabte Brand an die Leistliiigsfähigkeit der Schöncbergcr und Berliner Fe»erwehr gestellt. Der Magistrat bar daher dem Polizeipräsidium 600 M. zur Verteilung an die' Mannschaften übcrivieien. Auch der Schöncbergcr Wehr soll ci» anseblilicher Beirag zur BertciliiNg übergeben werden. — Zn einem Konflikt zwischen Stadtverordneten nnd M a g i st r a t ist es in der städtischen T i c f b a n- K o in- m i s s i o n gckonmic». Der Stadtverordneteuvorftehcr Müller nnd zwei andre Stadlverordncte haben ihr Amt niedergelegt, ivcil im Widerspruch zur Deputation Pflasterarbcitcn anstatt an den Mindcstfordcriidcn unter Mehrbeivilligung von 1000 M. an einen andren Uiitcrnehmer vom Magistrat vergeben worden sind nnd ferner, tveil sie der Ansicht sind, daß eine Asphalticrung von Straßen nur mit Gc»ehi»ign»g der Sladveiorducle» für jedes Jahr vorgenonnueu werden dürfe nnd vor dein Beginn derselben die Deputation gehört werden müsse. Gin seltsames Abenteuer erlebten am Donnerstag einige Ausflügler ig D a l l d o r f. Als ihr Wagen abends Ö1 4 Uhr unter strümendem Rege» dort durch die Oroniciiburgerstraße fuhr, wurden sie eines Mannes ansichtig, der ihnen im AdaniSkostüm entgegentrat. Der Alme war offenbar geisteskrank. Ein Gendann irar nicht zn finde», nnd daher packten die Ausflügler den llnglückiichcu in ihre Troschke, ivickeltcn eine Pferdedecke n»> seinen Körper und fuhren mit ihm zur Jrrciiaiistalr. Dort kanicn sie aber schön an. Ter Portier crlläitc, daß er die Ansuahmc des Kranken vcnveigcrn müsse, da dieser ja keine— Papiere bei sich habe. Vergeblich suchten dir Männer dem beljeffenden begreiflich zn»lochen, daß der Irre sich der staalSbürgcrlichcn Pflichr, für feine Papiere Sorge zu tragen. wohl' im kritischen Augenblick nicht recht be- mißt gcivescu sei, da er ja nicht einmal an eine gehörige Ordnung seiner Toilette gedacht habe. Als Mensch mochle dciii Portier dieser Cfiffluknö am Ende einkrnchltn. als Beamter hielt er sich aber an den juristischen Grundsatz � quod non est in'actis non est in mundo, was sich nicht durch Geburtsschein legitimiere» kann, ist für mich Luft. Da es den Samaritern nntcr dein immer ärger'iverdcnden Ilnmetier»ichl gut möglkch war. dies Arginuent zu widerlegen, und da sie, so leid>'s ihnclt um de» n»- glücklichen Irren lhat. es auch nicht gut veraniworten lomilen. ihn i» Berlin in ihre» FamilienIrciS aiisznnehmcn, io blieb ihnen zu ihrem Bedauern nichts übrig, als den Atmen, so ivic er war. i» Dalldorf scinein Schicksal zu überlassen. Was ans ihm geworden ist. konnten sie in der späten Stunde nicht mehr i» Erfahrung bringen._ Wie wir, aus den Abendzeitungen vernehmen, ist der Irrsinnige. der ein Tischler Schreiber ans Berlin sein soll, später nackt auf einen Pferdebahnwogen gesprungen. In der Millerstraße gelang' es dem Schasiner. Polizeibeamtc herbeizuschaffen, die'den Mann nüch der Wache und von da nach Dalldorf brachten. Gerichts �Zeilung. Ein Unhold. Wegen schwerer Kuppelcr' war die Arbeiterin O effentlichkcit statt: Frau, Junker hat vor einigen Jahren ihre» Manu durch den Tod verloren. Dieser hinterließ ihr sechs Kinder fm jüngsten Alter, aber nichts zum Beißen und zum Brechen. Sie mußte die Kinder durch ihrer Hände Arbeit ernähren, und da ihr dies überaus schwer lvurde, suchte sie durch Inserate einen„Freund", der geneigt sei. eine„arme Witwe" zu unterstützen. Der„Menschen- freund" fand sich i» dem Angeklagten Kallmann, der in Bezug auf seine Ansprüche ebenso hoch hinausging, wie er knauserig ivar in der Abmessung des Sündenlohiis. Er opferte i» Zivischenräluncn 3 M. nnd wenn es hoch kam. auch einmal 2 Mark. Dafür opferte die entmenschte Mutter ihre ältesten Töchter im Alter von 13 I a h r c n v i s herab z u 9 Jahren. Sie stand dabei, ivenn die Kinder sich unter den Qualen krümmten, die ihnen der WüstUng bereitete. Schließlich suchten die Kinder bei fremden Leiitcu Schutz vor diesen Mißhanöluiigen, was zur Erhebmig der Anllagc führte. Das Urteil lautete für Frau Jnnlcr auf vier Jahre Zucht- Hans, 2 Jahre Ehruerlnst und Polizeiaufsicht, für Kallmann auf zwei Jahre Zuchthaus und 3 Jahre Ehrverlust. Nevmifltzkes. � Der von dem Rittergutsbesitzer Buchholz ans Kosseublalt aus Rache wegen einer»ngünstigcn Aussage in ciurm Prozeß wegen Verleitung zur Brandstiftung durch Schüsie schwer verletzte Guts- gärtiicr Donald ist, nach der„Frlf. O.-Ztg.". au den Folgen der Verwnndlingen gestorben. Er hinterläßt eine Witwe nnt sechs Kindern, von deiicn daS älteste sechs Jahre, das jüngste drei Monate alt ist. Zum Konitzcr Morde wird auS Könitz gemeldet: Ter Antrag des btechtsainvalts Maschke, auf Haftentlaffung des früheren Fleischers I s r a c l s k i wurde abgelehnt. Die Kriminalpolizei forscht neuerdings n. a. nach dem Verbleib eines früheren Gesellen des Fleischermcisters Hoffinaii». Der große Elberger Moorbrand gewinnt, wie der„Voss. Zeitung" ans Osnabrück gemeldet wird, immer mehr auS Ans- dehiiuiig. DaS Feuer hat bereits den Emskanal übersprungen»md die herzoglich Arcnbergschen Forsten ergriffen. ES ist zimächst un- niöglicki. dem gewalligen Brand Einhalt zu thun, trotzdem rastlos gearbeitet wird. Die Gholcra in Iiaui. Ein auS Bangkok unter dem 20, v. M. nach Brüssel abgesandter Bericht meldet, daß die Ebolera im König- reich Siam stark wütet. Das Tberrnometer zeigt 37 Grad über Rull im Schatte» und nachts 31 bis 32 Grad. Die Regengüsse figd iilt Rückstand: das Wasser der Kanäle nnd des Flusses ist satzig»nd djc- jcnigcn. die dabo» trinken, sterbe» massenhaft an der Ehviera.' Aich Europäer sind ihr erlegen. Der deutsche Generaldirektor der Tram- bahnen Bcihgc nnd scnie Frau siud, wie criiliierlich, auch an der Cholera gestorben. Aus Turbo», 24. Mai. wird amllich gemeldet, daß dort ein Todesfall an Bcnlcnpcst porgekoinmen ist. Der Verstorbene ist cm Jndicr. Es sind sofort die nötigen Vorsichtsmaßregeln getroffen ivorden... Marktpreise von Berlin am A.'k. Mai lilOO itacki Er» illiiivgrn des tgl. Poltzeipräsrdiuiiis. Wetzen, gut D.-Elr, iiiniel gauig «)Si eggen,«IN uiiiiel gering Geiste,«nl milkt gering gin uiiiiel gering sti ichist reh He» Erbse» Speiseböhne» Lnitr» *> ab Bah», f) irei Wagen»nd ab Bahn, Prodnkteiiinartt a»> 23. M a i .gartoffew. liene.D Etr, Rindstcisch,.Ueiilc 1 lex do, Bmich.. Schweinefleisch Kglbfleifäi Haniiiic'lsteisch Nnilcr Eier Karg setz Aale Jan der Hechle Barich« Schlei« Bleie Zlredje «0 it 5imt Heg per Scho.I 8,- i,tin 1,30 l.nv 1,80 IM 2 oft 3.10 2.20 2;S0 2,00 2,20 IM 3,- 1,20 18,— «- 1,20 1.- 1,10 I— I— 220 1,20 1,10 I,- .1,20 0,80 1,40 0,80 2 50 Getreide, Die P teste gaben endlich narb. da endlich der fiir die Saaten.'erwünschte, reichliche Regen ein- «etrelcn lsi. Effektive Ware war an» Frühilwrkt zn billigercu Preisen osic- rierl. Alillags tvniiten»ch Lieseivngr»»ach iilgllerei» Beginn euirger- inaxcu cihole», da vo» benäuslaiidischen Bvrlc», insbesondre ans Leftreich- Ungäui, Franlreich vnd Noidämcrila, scsle Tevdeuzbcrichle vorlagen, hoch blieben die Preiie bei destt Mangel an Bclxillgnng für WciZcN uoch 0,25, si'ir Roggen 0,50 M hintcr vorgestern znrnek. Roggen war ans Rntzland zu kulanten Bedlnanngeii aiigebelc». Auch Mehl war etwas lchwächer iin Preise, Am Hafer Uwrit rvurden in Ermangeliing rnleindischer Ware rusftsche Provenienzen zu etiuahigten Preisen gehandelt. Mai« lag unverändert lest. RübSl nachgebend. S p i.r r l u s lneo nnvcrändert.__ Spcialdeinukraliitliei- Walilverein f. den 6. Beiliiier T'eiclistags-Walilkreis. Todes-Anzeige. Ten Parkfgrnqffcii zur'Nachricht, de« uisterMilglied, der Ziinmarnianli Lrnst 8edlll2, Graunftr. ll, am 24. d. Mts. ver- slorbeli ist..Tie Beerdigung'findet ani Sonnlagnnchinitlag 4 Uhr von der Leichenhalle des Kirchhofs zu Rleder-Zchonhmiien aus stall, Zahlreiche Beteiligung: wünscht 241. II Ter Vorstand. 'Allen Freunden»na Bekanmen hiermit die traurige'Nachricht, daß weine innig geliebte Frau und Jwifre liebe Mütter Bertha Wentker geb. Klein fl206& om heutigen Tage nach langen schweren Leiden ii» Alter von lyJahbcn verorben ist. Ties beirauert von den Hiiilerblieveneu Hamburg, den 23.'Mai 1900. N, IVealüer»el»l Nlnrlorn, Vöde«-.* nie.eiKe. Alien Freunden und stollcgen die traurige'Milteitnilg, daß der Aollegc Schloster tten»,. H'n��ltnlilei- ani Freitag, de» 18 d tstirs., abends 10' U Uhr, verstorben ist.— Tic Beerdigung NN der am S onntag. den 27. d. Mlp., nachm. 4 Ullr, von der Leichenhalle des Hcilalid-KlrchhöfS in Plödeii'ce an« statt. 120Sb Dia Kollegen vom Werkzeugbau der A.£-0. Ack«r»tra»sa. SeMmkiili ktßimtct KnlilMtolle Berlin. Ten Milglledcrn zitr Nachricht, daß unter treues Mitglied Lrust Lcliul? am 24. d. M. an Llingenentzü'ndima geftorden ist. Tie Becrdigimg rindet Sonntag, de» 27. Mai, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle der Friedens- gemeinde in Nieder-Tchanhauscn ans statt. Ilm rege Beteiligung erlucbt 254,12 Bei» Vnee.tnnel. veulzevei' �etsIlsrbeiter-Vefbsllli. Vucke«,- �n«else. Am Freilag, den 18.- Mai 1900. starb infolge eines Unfalls unser Milglied, der Schiosfer KMgW Wzliljlllös. E b r e seinem A» d e» t e u! Die Beerdigung stndei am Sonn- tag, den 27.'Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Heiland STlichHofs in Plopciilee aus statt. 113/5 Tie Orisverwaltimg. BankMagnng:. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme an dem Begräbnis unsres lieben Sohnes mid Bruders Emil Oommaing lägen allen Freunden und Bekannten l'oivie den Bereinen und Kollegen nulern herzlichsten Tank. Familie Dommalng, Köpenick. Am 23. d.!9ft/ starb vier M anal nach dem Tode ihres Mannes ililire liebe Mittler, Schwicgcr-u. Großmutter. Frau. Lluilie 8e!ttieiller gel»,«ütiklee. Dies zeigen licsbetrlibt an- vernbard, Naal,£rleda. Olga Schneider, Anna Wolf i\«b. Schneider, Faul Wolf ' Tie Beerdigung niidel nicht Sonntag, sondern heule nach- mittag 5 Uhr von der Halle des städtischen Central-Friedhofs in Friedrichsselde au« hott, sllllllb lUiscrai-Mitarbetter Fi'Ita Bliimel zu seinem'.'»sähngeii'2lrbeilsiubiläum ltttt'crn herzlichen Glürkwunsch. Tao PeEonal der Firma F. Budweg u. Sohn, Waidmaniislnst. Berlin. Von der Reiic zurückgekehrt Be. �illl»ee!l>tein. I2l2b sttixdors. Central-Kranfell-«. sterbe- Mt Der Zimmerer. «£.-6. Rr. 2..6 a m b» r g.> Am Donnerstag, den 24. d. Mts., starb das Mitglied unfrcr Kaste, dcr Zlnimerer 259/6 Hrnst Sehulz:, Graunstr. 4l. Tie Beerdigung slndet am Sonntag. den 27, k> Mis.,»achilittlags 4 Uhr.'von der Leichenhalle der Kriedensgcmeindc in Nieder'- Schau- hause». aus statt. Um rege Beteiligung bittet Ter Borsland. Bez. II kakrrääer prima deutsche Fabrikate ss auf leiliktllung. Vf. L. Adomeit, _____________ LothringerBtrasse 63, I DeutschVlUletallarbeiter-Verband Vei'waltnngagtcllc Berlin. Bnrcan: Ensel-Ufer lS.Ziinmcrl— Z. Fernsprecher: Zimt Vlll, ZZ3. Montag, de» 28. Mai, abends 8'/» Uhr Ausserordtiitliclie General-Versammlung im ,.PaIat»<-TheaV.:.2ioll!zpraße 50 bei Wen«. 5V- Blumenthalstraße 5 bei«ehrend. _ XVV: Havelbergerstraße 37 bei Pcrschke. AM- lZahlftmlden Montag. Miltivach»na Frellag abends von 9 llhr.) Wedhing: Paseivalferstrabe 3 bei Bergmgim. � rZahIslunden Soiimagvormiltag von 10—12 Utr.7"HDix 124/14 Bcr Voi-Mtand. Verband der Möbelpolierer. Montag, de» Ä8l. Mai. abend« 8'/. Uhr. im I,«l.al«|e» Berrn?Ii>IiriliA, AUmii'al»li'a*sc 18c: Dersez nt ut I xt ng. T a g e s- O r d n il n g 1. Bartrag des Kollegen Benter über:..Unlcr Berns einst und jetzt'. 2. Diskiilstp». 3. Berichte den es 146/16 Ter Kollege Hugo B l a i l e, Ripdorf, Thoniasslraße?, wird aillgetordcrr, seine Streitlisic abzurechnen. Am 3. Pstngftsriei lag ündet eine Herreilpartir nach Pichetswerdrr statt. Trcslpunlt Schlesilchcr Bahutzos«Madatstraße) morgeiis 7 Mir. Bei' Vorstanil. Jchwng! Former. AAmg! Soillitag. den 27. Mai, mittag» IÄ llhr, im«eiverfschastShaitS. tkngcluser IS: Große öffentliche Versammlung der Former nud Bernfsgeiiosse«. Tagcs-Orduilng: I. Tie t«i»ig„»gsvcrhai,dluiig in Leipzig. Referent länraten. 2. Diskussion 3. Verichieden« Mihstandc ln den Berliner Mcßerejen»nd das Verhallen der Meister. 4. Die auswärtigen ForuierstrzifS. 5 Ver- lchiedeucs. ölt» iTas Erscheinen sämtlicher ZloNegen lst dringend erforderlich. Ter Einbrrnser. Z. A. A. P. Wr de» Inhalt der Inserate über»«'»»»» die Redaktion de», vnbliknn, gegenüber keinertei f. Veraiitwortiing.•■; tsmmmmammmmmmmmm TlzvAtrv. Sonnabend, den 26. 3)1 aV cpernvans. Ter BärcnhkUKr An- --.taug 7l/z Uhr. Schanspielvaiis. Standhafts Liebe. Tie Tiensiboteii. Anfang TV, Uhr. Tciitschos. Die Lügnerin. Vorher: Di« iittliche Forderung. Anfang ..7Vz U b r. Lessing. Osi-D Uhr. Metropol. Specialitätciiaorslellnng. Ter sauberer am Nil. Ansang 8 Uhr. Apollo. Specialiläle»- Barstcllung. Ein Abenteuer im Harem. Zlnfang '8 Uhr. McichShaNcn. Stettiner'Tanger. , Ansang 8 Uhr. Vassage- Panopttknin. Special!- laten-Boritelliliig. Urania. Fnvalidenstr. l>7,tiS. Täglich abends von 5—10 Uhr: Strniwarte. < Tnnbrnsirnisc IS/Ktt. Abcilds 8 Uhr lim Thentersaalf:. Pon hen itllpeu zum Vesuv". Schllll'rÄjtlittt tWn>l»er-Tliealer>. Tonil abend, abends 8 Uhrl _ Freudlose Liebe. Schaiilniel in;> Alfen u. G. Gioeoin, deutsch van O. Eifcnschüi.!. H i e r a u i: üle hieliulreitei-in. Lüstlpicl in 1 Akt von Emil Pohl. Sonntag. nadimUlags s Uhr: Uic Hill e. Sonntag, abends 8 Uhr: Älobe. Hieraus: Der Diener zweier Herren. Mo»tag, abends 8 Ubr: Gebildete Henaeben. W tkleterische Znnbcrbäiimc. OB Anfang 6 Uhr.(iiittriit 75 Pf. Ende 11 Uhr.. Sassantarlen an der Kasse. Ttiajia-'nikater� T«l. AmtIVa 6440. Dresdaneratr. 73 73. Gastspiel An« ie Divtens. Wie man Mniltt s'eßtlt. Vcchdcvillc- Pope in 4 Akten. Musik v. Victor Roger. Anfang l7V, Uhr. Morgen und'olgendc Tage: Wie man Männer fesselt. HMffl'Wki. BcHr»l>flr. 55,57. Tirektion R. Schultz. , Telephon l 2126.' iW Um 0 Uhr to Min.:"TBE Oer gröabte Operctten- Hrfol« der letzten E Jahre. DfirWereranii. Biirlesle Äusstattniigs-Sperelte 4.....- stnme\ das neue erstklassige Mai-Specialitäten-Programni Anfang täglich S Uhr ianch Sonntags). Rauchen überall geflaUct. Unsnis Tanbenetrasse ck8/ckU. lm D Ire als r abeiräs 5 llbr: „Vou den Alpen zum Vesnv". Invaildcncstr. 57/6S: Sternwarte. Nachmittags 5—10 Uhr. ■Passage-Panopticn; Riesen und Zwerge. 10 Uhr vorm. bis 10 Uhr abds. Passage-Theater: Vorstellung von 7— IG/r Uhr. "■ CASTANS■■ PANOPTICUM Fricdrlchstr. 165. Per berahmte Magier MRr. Roberts.�! woltbcmhmte-VS Hohenz ollern- Galerie. Die Helden dos Transvaal-Kriegs.. Oer französische Saal. Im Kigstanrant täglich mittags und abends m Großes Konzert. � Belle-Alliance-Theater. (Internationale Urania.) Heute ugb folgende Tage: Lis ans Ende Her Welt. Ein Schauspiel der 3?gliir>11 12 Bildern und einem Prolog von � Tr.;Vc. Wilhelm Meyer. _ AiEalig 8 11 Iii._ [Mfflfifi grösste SaliaustalliiDS dar Erda. Kurfürsten-Damm. Honte um und Uhr und aweimal täglich um dieselbe Zelt. Nur bis zum 10. Jnui. . Pie äelienawilrdigkeiten sind «in i und 6'. Uhr s« besichtigen. Billetverkanf mn dieselbe Zeit an der Kasse.- Pie Xachinittags- Vorstellungen sind garantiert dieselben nie am.�beiid. Pie Abnormitiiton sind in dem Menagerie- Pa viflon von 1 bis 41,, Unr und von 6, bis 6 Uhr ausgestolli. Pas die Xaohmittags• Vor- Aellun�e« besuchende Publikum » ird höflichst gebeten, die Zelte um 0 Uhr au verlassen, damit die Abend-VorsleUmigen vorbereitet derdon können. n Entree iür sämtliche Sehens- G Würdigkeiten u. Sitzplatz lür ■ gni d, Cirkns-Vorstellung. |M tf Bessere Plätze 2 Mk. M Ulli. Reserv. u. numerierle Plätze Z, 4 ri.fl Mk. Kinder unter 10.Tahreu zahlen die Hallte für alle Plätze mit Ausnahme der 1 Mark- Plätze. Sämtliche Plätze sind numeriert mit Ausnahme der 1 und i Mark- Platze. 4 und 6 Mark-Plätze im Vorverkauf bei Paul fr r i m m, Gigärren-Importhaus. Unter den Linden No. 47. Mctoria-Theater. Alerandeiplatz. Ensemble Waiden-Jordan _(F* Wrostcr Varl, erfolg: �_ Me innDHrnhottigütr Anfang 8 Uhr. Morgen: Dieielbe Vorstellung. Apollo-Theater, Ein Abenteiier im Harem. Roh. Steidl. Krüger u. Kirsten. In Vorbereiluii«: Venns auf Erden. Kasseneröniinng 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. Billel Vorberlanf im Theater sowie beim Anpalideiidank ühd Kifnstferdank. VI. Noacks Theater. Bniiincitstrastc 16. -Irden Sonntag. Dienstag nnd Tonuersiag: Theat«?- Vai'isteilnng. Rill Reogsliseher Tiger. Lustfoicl iit 1 All von Quo Randolf: U5l uol! Phlegma. Poste mit Äesong ml Akt von Angely. 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