Ar. 131. Absimtmeitts- KcdMgiingtn: Ldonnemenl»-Pret» pränumerando: Vierleljährl. 330 Sil, monatt. l.loüRt., Nlöcheullich 28 Psg. frei in« Hau«. SlnKtne Numw'r 5 Pfg. Sonntag«« Nitmmer mir iitultri erler EonniagZ« Beilage„Tie Neue Welt" w Psg. Post. Pboitnement: 3,30 Mar! pro Quartal. Singetragen in der Post-Zeitung«» Preiöliste lür 1900 unter Hr. 7971. Unter Kreuzband für Teutschland und Lesterreich- Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland 3 Mar! pro Monat. Arsch, i»t täglich nutzer Moni»«». Berliner Volksblnit. 17. Jahrs- Die Inftrtlons- Gebühr deträgt für die fechSgelpalten« Kolonel- zeile oder deren Raum«0 Psg,. tut politische und gewerlschaftliche Berein«- und Bersammlung«- Anzeigen 20 Psg. „Kiew, Zwielgen" febe« Wort 5 Psg. (nur da« erste Wort f«t«>, Inserate für die nächste Nummer müffen bi« l Uhr nachmittag» in derExpedition abgegeben werde». Tie Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bi» 8 Uhr vormittag« geöffnet. Zernsprechtr-»mi I, Hr. 1508. Telegramm-Adresse: „Socialdrmokrirt Berlin" Contralorgan der socialdemokratifchen Partei Deutsthtands. Redaktion: 19, Vrutlz-Stratze 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Sonntag, den 37. Mai 1900. Expedition: 19, Bruth-Straste 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121. Der Wahlkampf in Italien. Rom. den 24, Mai 1V00. Nur noch eine kurze Spanne Zeit trennt uns von den Wahlen. am 3. Juni wird das Volk zu sprechen haben. Die socialdeino- kratische Partei ist auch diesmal noch gezivuiisten, um den Kampf für die Freiheit c; e g e n die Reaktion auf breitester Grundlage führen zu können, sich mit den Parteien der Linke», den Republikanern und Radikale» zu gegenseitiger Unterstützung bei den Wahlen zu einigen. Wohl fühlt sich die Partei stark genug, allein, gestützt auf ihre eigne Kraft, den Kampf aufzunehmen, und bei einem Teil der Parteigenossen ist der lebhafte Wunsch vorhanden, eine Heerschau zn halten und die socialistischen Stimmen in voller Rciiiheit zum Aus- druck zu bringen. Trotzdem hat aber der Parteivorstand jenen Wahl- bündniS-Beschlust gefaßt, um auf jeden Fall die Opposition zu stärken. In den Kreisen, in welchen die Partei sich stark genug glaubt, den Kampf gegen die Reaktion allein mit Erfolg führen zu können und Ivo eine andre der verbündeten Parteien keine Aussicht hat, geht sie selbständig vor. Im andern Fall unterstützen die Socialisten die Radikalen oder die Republikaner; bei Stichwahlen erhält der Kandidat die socialistischen Stimmen, der sich gegen die Pseudo-Gcschäftsordnung des Parlaments erklärt. Der letztere Beschluß wird namentlich für die Kandidaten der »konstitutionellen Linken" vielfach in Betracht kommen. Der Kampf wird von beiden Seiten so heftig geführt, wie niemals zuvor. Die Masse der Reaktionäre vom Ceittrittn bis zur äußersten Rechten steht unter der Führerschaft SonninoS, dcS eigentlichen Leiters der gegenwärtigen Regierung und des zu erwartenden Nach- folgcrS des Herrn Pelloux. Sonuino wird von der Regierung mit allen Mitteln unterstützt, der König selbst hat eine Million aus seiner Privaljchatnllc zur Unterstützung der Wahlen hergegeben. Der Wahlkampf hat kaum begonnen und schon sind eine Menge Konfiskationen von Zeitungen und Depeschen zu verzeichnen. Die Regiening und die MajorilätSparteien wollen durch die Wahlrefultatc eine Nechtfertigimg ihrer llngesetzlichleitcu und Brutalitäten erreichen. Fallen die Wahlen zu ihren Gunsten ans, so werden die Vcr- gewaltigungcn in- itttd außerhalb des Parlaments ihren Fortgang nehmen, lind diese Politik nennt die Regierung in ihren Kund- gedungen: Zurückiveisung der Vergewaltigung der Majorität durch die Minorität! Im Süden glaubt die Reaktion überall zu siegen, und es ist leider nur zu wahr, ihre Chancen sind in jenen zurückgebliebenen Gegenden nur zn gute. Tie unaufgeklärten Wählermassen, der Kucchlsinn der Bcvöllcruug läßt die gewissenloseste Politik, die unverschämteste Wahlmache zu. Der Präfekt thut alles, was die Regierung von ihm verlangt; er kann sich alles erlauben: Drohungen. Versprechungen, Bestechungen sind die Mittel, durch die alles erreicht wird. Im Norden liegen die Dinge anders, hier wird es der Reaktion nicht so leicht: in der Lombardei, in Picmont, in Toskana, in der Emilia hat die Opposition, und vor allem die Socialdcmokratie ihre Domänen. Die Socialisten hoffen bestimmt auf einen Zuwachs von mindestens 5 Sitzen zu den jetzigen 16. Das sind die Wahlkreise Alessandria(Professor Zcrboglio). Turin III(Claudio TrevcS), M o n t a ch i o(Borciaui. Bürgermeister von Rcggio Emilia), Vignale(Advokat Mgna) und Ga virale(Professor Pullö). Alle unsre bisherigen Deputierten haben die fast sichere Aussicht, wiedergewählt zn werden. Der erbittertste Kampf wird der gegen B i s s o I a t i sein, der in Pascarolo aufgestellt ist, ferner wird der Wahlkampf in Guastalla, Florenz und Osliglia, wo Sichel, Pas- cje t t i und G a t ti kandidieren für unsre Partei sehr hart werden. Dagegen haben Turati, Ciccoti und B a d a l o n i gar keine Gegenkandidaten. Tie Radikalen, die jetzt 38 zählen, glauben ebenfalls etliche Sitze selbst im Süden zu gewinnen, auf der andern Seite haben sie sicher mit einigen Verlusten zu rechnen, so daß sie etwa in derselben Stärke zurückkehren werde». Jedenfalls wird die äußerste Linke im ganzen um einige Stimmen zunehmen, verlieren keinesfalls. Von den zwei Gruppen der»Konstitutionellen Linken" Z a n a r- delli und Giolitti wird die elftere mehrere Sitze verlieren, die andere voraussichtlich in der alten Stärke zurückkehren. Zanardelli hat an Vertrauen sehr verloren; er nnterstützt zwar die äußerste Linke in ihrem Kampf, aber er ist mich stets mir zn sehr bereit, sich durch seine Handlunge» selbst zu desavouieren. Giolitti ist von moderneren Anschauungen durchdrungen, weitsichtiger und cinsichts- voller auf dem volkSwirthschaftlichen Gebiet; er hat daS Vertrauen unter der modernen industriellen Bourgeoisie. Ein andrer, der verlieren wird, ist R n d i n t. der sich mit seinen Erklärungen f ü r die Konstitution und seinen antikonstitutionellcu Abstimimingen nach beiden Seiten hin anstößig gemacht hat. Nach alledem scheint es, daß nur die äußerste Linke und die Ultrareaktionären gewinnen werden. Der Konflikt wird daher bei der Wiedereröffnung der Kammer noch viel schärfer werde». Die Linke, gestärkt durch die Stimmung des Landes, wird ihn mit frischen Kräften aufnehmen. Enrico Ferri, der anerkannte Führer der Obstruktion, ist in mehr denn 20 Wahlkreisen aufgestellt, u. a. auch in Rom. Hier am Sitz der Regierung und des Königs, nahe am Ouirinal, hat er gegen den Reaktionär S a n t i n i zu kämpfen; gewählt wird er— ohne einen Gegenkandidaten zn haben— in Gonzaga. In der Stadt der schönen Künste, in Florenz ringt DÄnnunzio mit dem Urheber der famosen ncnen„Geschäftsordnung" in der Kammer, mit Cambrai-Digny um den Sieg. Von den Wahlen und deren Ausgang erwarten viele die politische Wiedergeburt der Nation. Die Socialisten benützen den Wahlkampf zur Propaganda für ihre Ideen und zur Vernichtung der Camorra und der M a f f i a. Noch auf einen Umstand sei hingewiesen. Die Wahlcampagne der Reaktion wird hauptsächlich von Soitnino ntit Hilfe der Mailänder „Moderierten" geführt. In der Sttidt Mailand haben sie natürlich keinen Erfolg zu hoffen; anders in den umliegenden Landgebieten. Das Gebiet um Mailand, die„Vendse des Nordens" wird noch vollkommen von den Priestern beherrscht. Fast überall u n t e r st ü tz t die Kirche diesmal die Kandidaten der Regierung, die Deputierten der Untcrnehuier und Kapitalisten Die Wunden vom Mai 1898 siud bereits vergessen, Kirche und Staat beginnen auch bei uns, s i ch auszusöhnen und gemeinsam das Volk niederzuhalten. Damit wird aber auch— das soll unsre Sorge sein— das Ansehen der Kirche im Volk verlieren, und die Socialdcmokratie wird dabei gc Winnen._ Die Reform der Nttfallversichernitg. i. Die kleine, aber einflußreiche Gruppe dcS Central-VcrbandS der Industriellen hatte vor 2 Jabrcn die Reform der Ilttfallversichernng im letzten Augenblick zum scheitern gebracht, weil die damaligen Bc- schlüssc der SleichStagS-Mchrlieit den Herren zu— socinldeinokratisch waren. Diese schreckliche Beschuldigung war den bürgerlichen Social- refonnern so sehr zn Kopf gestiegen, daß die guten Leute bei der diesjährigen Refonnarbcit vor Beschlüssen zurückscheuten, die jenen Kreisen allzu sehr mißfallen köuiitcn. Daß die Arbeiter hierbei nicht zniii besten fortkommen, liegt auf der Hand, lim aber nnsern Lesern einen klaren Ilcbcrblick über das Ergebnis dieser, für die Arbeiter so wichtigen Reform zu ermöglichen, fassen wir die bc- schlossenen Aciiberimgen noch einmal znintiunen. Allen Arbeitern eine nitgctitcffcne Entschädigung für die Folgen der BetriebStmsällc zu sichern, wurde abgelehnt. Rur ans einige wenige und verhältnismäßig kleine Gruppen der bisher der Ilnfallversicherriitg noch nicht unterstellten Betriebe ist die Vcrsichcrungspflicht ausgedehnt worden. So attf alle gewerblichen Brancrcicn, alle Battgeichäste, alle Schlossereien, alle Schmiede« tverkstältcn. auf das Fensterputzer- und Flcijchergeivcrbe. die Lagere!- betriebe soivic die LagerungS-, Holzfällungs- oder der Beförderung von Personen oder Gütern dienenden Betriebe, wenn sie mit einem HandclSgcwcrbe, dessen Inhaber ii» Handelsregister eingetragen steht, vcrbnndc» sind; auf alle Betriebe, in welchen durch t h i e r i s ch e Kraft bewegte Triebwerke zur Verwendung komme», und auf die kraft öffeutlich-rechtlicheu Verpflichtuiigen auf dem Lande für Gcmcindezivecke zu leisteudeu Arbeiten zur Her- stellung oder Unterhaltung von Gebäuden, Wegen, Kanälen, Däumte» und Wasserläusen.— In der See-Unfallversicherung sind zwei Lücken ausgefüllt worden. Nach dem alte» Gesetz waren von der Vcr- sichcruug ausgeschlossen die Besatzungen der Schiffe mit einem Raum geholt von 50 Kubilmeteru und wcuiacr, und ferner, wie die Scebarone cincö schönen Tages hcrauStüftelten, die Personen, welche, ohne zur Schiffsbesatzung zu gehören, auf deutschen Srcfahrzeugen in iiiländischen Häfen beschäftigt werden. Diese Arbeiter sind jetzt ebenfalls versichert. Von den Betrieb sbeattitcu sind in die Versicherung htuciitgezogcu nicht mir, wie bisher, die mit einem JahrcSverdtcitst bis zn 2000 M., sondern auch die mit einem solchen bis zn 8000 M. Trotz dieser Flickcrei bleiben die meisten Arbeiter des KlcingciverbcS, des Handels und der nicht gewerblichen Betriebe n n versichert. Mit der Versicherung der H a» s g e w e r b e t r e i b e n d e n ist, weiiigsteilS auf dem Papier, ein allerdings sehr bescheidener Anfang gemacht. Den BcrnfSgeiiosscnschaftcii ist daö Recht eingeräumt durch Statut in den versicherungspflichtigen Gewerbe» diele Klein- incister dem VcrsichcnmgSzivang auch für ihre eigene Person z» unterstellen. Ten andern Klcinmcistcrn ist. sofern ihr Einkommen 3000 M. pro Jahr nicht übersteigt oder sofcnr sie nicht regelmäßig mehr als zwei Lohnarbeiter beschäftigen, die freiwillige Versicherung gestattet, Auch bezüglich der B e in e s s n n g der E n t s ch ä d i- gu Ilgen konnte die RcichstagSmchrhcit eS nicht über sich vringen, ganze Arbeit zu leisten und die Eiitschädigimgcn so weit zn erhöhen, daß sie den«ätzen gleichkommen, die allen andern Menschen nach dem bürgerlichen Gesetzbuch für einen ersatzpflichtigen Schaden zustehe». Den veriiiiglücktcu Arbeitern werden auch fernerhin weder die besondren Aufwendiinaen, noch der entgangene Gewinn, ja nicht einmal der ganze bisherige Verdienst ersetzt. Bei völliger ArbeitSnnsähigkeit werden die Arbeiter mit 2/3 ihres bisherige» Verdienstes, mit einer'/«-Rente abgefunden, die aber— auch eine Verbcffernng— in eine sogenannte„Vollrente" umgetaitst worden ist. Nur dann, wenn der Verletzte infolge des Unfalls nicht allein völlig erwerbsunfähig, sondern auch derart hilflos geworden, daß er ohne fremde Wartung iind Pflege I nicht bestehen kann, ist ihm für die Dauer dieser Hilflosigkeit die Rente bis zu 100".o dcS Jahres- Verdienstes zu erhöhen. Bei nur teilwciscr Erwerbsunfähigkeit„k a n ii" eine Erhöhung der Reute dadurch eintreten, daß die BerufSgenossen- schaft. wem, sie so gnädig sein will, dem Verletzten, solange er ans Anlaß des Unfalls thatsächlich und unverschuldet arbeitslos ist, statt der Teilrente die Vollrente geivährt. Eine erhebliche Verbesserung ist nur in der Seeunfallbersichermig dadurch erzielt, daß für die Rentenberechnimg der nicht zur See- schiffs-Bcmammng gehörenden Personen nicht mehr der viel zu niedrig abgeschätzte.DurchschnittS"lohn. sondern der wirkliche Arbeitsverdienst, der Jndividuallohn. zn Grunde gelegt wird. Das gleiche trifft auch zu für die unter die land- und forstwirtschaftliche Unfallversichenuig fallenden Personen, welche zum Unterschiede von den gewöhnlichen land- oder forst- wirtschaftlichen Arbeitern eine, technische Fertigkeiten erfordernde Stelle einnehmen, z. B. Förster. Gärtner. Gärtirergehilfen. gewerbliche Facharbeiter, wie Brenner, Maschinciiführer. Heizer. Müller, Ziegler, Stellmacher, Schmiede und andere. Ba- züglich der letzteren mußte diese AnSiiahmebestimmuiig ein- geschaltet ivcrden. wenn nicht die beteiligten Arbeiter geschädigt werden sollten. Denn mancher von ihnen war bisher in der g e- werblichen Unfallversichenuig versichert, ist aber durch die neue Faffung de« Gesetzes unter die landwirtschaftliche Unfallversicherung gekommen. Die Folge hiervon wäre, wenn nicht für ihn jene Ausnahme gemacht worden, die gewesen, daß nach einem Unfall seine Rente nicht, wie bei allen g c- werblichen Arbeitern, nach seinem wirklichen Arbeitsverdienst berechnet worden wäre, sondern nach dem, für die andern land- wirtschaftlichen Arbeiter maßgebeiiden„DnrchsckmittSverdieiist". Für diese Arbeiter bedeutet daber jene NnSiiahntebcstimmiuig keine Vcrbcsscnmg, sondern nur die Verhütung einer Verschlechterung.— Auch die andern Seeleute, nämlich die zur Schiffsbesatzung ge- hörenden Personen, sind günstiger gestellt worden. Der für ihre Rente zu Grunde zn legende JahreS-ArbeitSverdienst ist nicht mehr daS Neunfache, sondern das E l s fache des von der Behörde er- initteltcn„durchschnittlichen" Monatlohns.— Für einige Arbeiter endlich ist auch das von Wichtigkeit, daß jetzt zum Arbeitsverdienst die Bezüge zugeschlagen werden müssen, welche— wie zum Beispiel Trinkgelder— den Arbeitern mir gewohnheitsmäßig ge- währt werden. Die besser bezahlten Arbeiter waren bisher dadurch ganz bc- sonders geschädigt, daß ihnen der«Mark übersteigende Betrag ibreS TagclohnS für die Rente nur mit einem Drittel als Lohn angerechnet ivurde. Hier ist eine Verbesserung insoweit erzielt worden, daß die Kürzung ans ein Drittel erst bei dem die Sunnne von 1500 M. übersteigenden Betrag des JahrcS-ArbeitSverdicnstcS eintritt.— Die ganz ungerechtfertigte Karenzzeit von dreizehn Wockcn ist wenigstens gegenüber denjenigen verunglückten Arbeiter« aufgehoben, die vor dem Ablauf der dreizehnten Woche gesund ge- schrieben werden, mithin kein Kranlengeld mehr erhalte», die aber eine über die dreizehnte Woche hinaus an- dauernde Beschränkung ihrer Erwcrbsfähigleit zurückbehalten haben. Jhiicu wird die Rente nicht, wie bisher, erst bom Beginn der 14. Woche, sonder» sofort nach Fortfall des Krankengelds bezahlt. Auf die andern Arbeiter, bei dencn die Verhältnisse genau ebenso liegen, mit dem Unterschied, daß die nach der Krankheit zurückgebliebene Beschränkmig der Erwerl-sfähiglcit bis zum Ablauf der 13. Woche beseitigt ist; ans diese Arbeiter bezieht sich die Verbcffernng nicht, sie erhalten nach wie vor keinen Pfennig von der Berufsgenossen- schaft. eS sei denn, daß die letztere sich selbst dazu durch ihr Statut ausdrücklich verpflichtet._ politische Mobevstchk» Berlin, de» 26. Mai. Der Reichstag ist in die Ferien gegangen, die freilich sehr kurz sein werden, da schon am 6. Juni die Sitzungen wieder beginnen sollen. Tic Flottenvorlage wird dann den Rest der Session beherrschen. In erster und zweiter Lesung wurde am Sonnabend zunächst das Gesetz betr. Verlängerung des Handels- Provisoriums m i t Gn g l a u d angenommen. Freilich wurde die Verlängerung nur ans ein Jahr und nicht, wie die Ncgienmg es wünschte,„bis auf weiteres" zugestanden. Bei der Gelegenheit kam die Vorbereitung des neuen Zoll- tarifs' zur Sprache, wobei Staatssekretär Gras Posa- d o w s k y es als sicher hinstellte, daß derselbe bereits in der nächsten Session dem Reichstag zugehen werde. Der Frei- sinnige B r ö m e l tadelte nicht mit Unrecht die Gehcimthuerei, mit der man bei den Vorarbeiten zu den neuen Handels- Verträgen zu Werke gehen. Nach den Ferien hat, entgegen den Wünschen der Regiening. die die Vorlage schon jetzt der- abschiedet wünschte, noch eine dritte Lesung des Provisorilims stattzufinden. Alach diesem Intermezzo ging die dritte Beratung der Unfallversicherungs-Novelle weiter. Beim so- genannten„Mantelgesetz" gelang es unsrer Partei, eine Vcr- besserung durchzusetzen und den Bmifsgenossenschaften das ihnen in zweiter Lesung zugebilligte gefährliche Recht, Arbeitsnachweise zu errichten, zu nehmen. Bei der Beratung des UnfallversicherungS- gcsctzes für Land- und Forstwirtschaft wurden wenigstens konservative Verschlechterungen gegenüber den Befchlüffen zweiter Lesung abgewehrt. Zu ar keiner Diskussion gaben die Gesetze über See- und )au-Unfallvcrsichcrung Veranlassung; ebensowenig entspann sich eine solche über das Gesetz betreffend Gefangenenfürsorge. In der Gesamtabstimmung über die ganze Novelle — unter die bekanntlich das letzterwähnte Gesetz nicht ällt— stimmte unsre Fraktion mit dem gesamten übrigen Hanse, d. h. mit ja. Durchaus mangelhaft, wie die neuen Gesetze trotz aller unsrer Bemühungen ausgefallen sind, bedeuten sie doch immerhin eine Verbesserung gegen- über dem best che n den Zustande. So ist— ein seltener Fall!— die Novelle zur Unfallversicherung schließlich e i u st i m m i g angenommen ivordc».— Eine neue polizeiliche Zuchtrute oll nach einer Meldung der„Deutschen Tages-Zeitung" vom Mi- uist'erinm des Innern gegen die nichtdesitzeiiden Klaffen gewunden werden....... Danach hat der Minister des Innern den verschiedenen Provmzial- regiernngen einen Entwurf einer den Betrieb des Schank- gcwcrbcs uud deS Kleinhandels neu regelnden o I i z e i v e r v r d n u n g zur Bcgulachtung durch die untere n -o e r w a l t n n g s- B e h ö r d e n zugehen lassen. Nach den hauptsächlichsten Beitimmniigeii dürfen die Gast- und Schank- '■jirte sowie die Inhaber öffentlicher Lokale ll er Art. in denen geistige Getränke zum Ans- chank gelangen, in der Zeit zwischen 10 Ubr abends un d 8 Uhr morgens geistige Getränke nicht ver- abreichen, auch Gäste in den zum ö s s e n t l i ch e n Verkehr « st i m m t e n R ä n m e n(G a st st u b e n) n i ch t d u I d e n. AnS- genommen sind die Gnfllvüte ihren Wohngästen nnd die Inhaber der Bahnhofsrc'stmnationcn dem reisenden Publikum, gegenüber. Die OrtSpolizcibehurdcn sollen ermächtigt sein, die bezeichneten Stunden allgemein oder für einzelne Lokale oder für sonstige individuelle Fälle und Gelegenheiten anders fest- ansetzen. Des ferneren soll der Ausschank an bestimmte Kategorien von Gästen, an Geisteskranke. Trunkenbolde. Schüler, Armenhäusler ec. verboten werden. Weiterhin sollen mit Geldstrafen bis zu llO M. Personen belegt werde», die sich betrunken an vfientlichc» Orten zeigen oder trunken bei Pcrrichlnngen betroncn werden, die zur Verhütung von Gefahr für das Leben und die Gesundheit Dritter besondere Vorsicht erfordern. Wir müssen natürlich die Verantwortung für die Mitleilungcn, die etwas unwahrscheinlich klingen, der„Deutschen TageS-Ztg." überlassen. Sollte sedoch die Mitteilung den Thatsachen entsprechen, so ist die Annahme wohl nicht zu verwegen, daß die geplante» Polizei- lichcw Beschränkungen des hetrefsendcn Gcwerbezweigcs im wesentlichen von politischen Gesichtspunkten diktiert sein dürften. Hier handelt cS sich darum, der Polizei das Recht ein Znräimien, ganz nach Gutdünken den Gastwinen den Schankbctricb für die späteren Abend-, die Nacht- und die Morgenstunden zu ver bieten oder zu gestatten. lind mail kennt aus der vieljährigcu Praxis zur Genüge da Priucip,»ach dem bisher schon die Polizei bei der Festsetzung der sogen. Polizeistunde verfahren ist. Nach dein Entivurs des Ministeriums des Innern würden aber die bisher etwa noch lässigen Polizei-Organe angehalten' sein, die Gnstwine in verschiedene Klassen mit größeren und geringeren Privilegien einzuteilen. Am schlechtesten würde» natürlich die Schaiilpclricbe mit A r b e i t e r v e r k e h r fahren. Namentlich aber besäße man ein Mittel, diejenigen Wirte, in denen die Arbeiterschaft ihre Vereins- und Volksversammlungen abhält, ganz besonders aufs Korn zu nehincn. Zahlreiche Wirte, die schon jetzt unter der Entzichnng des Rechts der Veranstaltung von Tatizbelustigungen und früherer Polizeistunde leiden, würden direkt gezwungen werden, ihre Lolalilätcu der Arbeiterschaft zur Abhaltung von Versammlungen zu versagen Die politische E n t r e cii t un g der Arbeiterklasse wäre dglui zur Thal geworden, ohne jedes Ausnahmegesetz, lediglich an; Grund einer Pvlizciverordnung! lind selbst dem geselligen Verkehr der Arbeiterschaft wären die größten Schwierigkeiten bereitet. Die Boiirgcoisio vermöchte im Notfall C a s i n o§ zu gründen der Arbeiterklasse jedoch wäre auch dieser Ausweg nnmöglich gemacht da nach dem Gesetz vom Jahre 189b der§ 33 der Reichs-Gewcrbc Ordnung dahin ergänzt worden ist. daß dieser Paragraph, der bc slimnit, daß die Ausübnng des Schankgelvcrbcs von einer Er l a» b n i s abhängig ist, auch anf„Vereine. wcläic den gciiieiuschaftlichen Einkans von Lebens- und Wirtschaftsbedürfnissen im großen und deren Absatz im kleinen zum ausschließlichen oder hauptsächlichen Zweck haben" seine Anwendung fi»dcl. Tic B e d ü r f n i S s r a g e für A r b e i t e r k a s i n o S aber würde, das lehren die verschiedensten Erfahrungen, verneint werden! Man darf daher gespannt daraus sein, was sich ans den Mit teilungen des Agrarierblatts als wahr herausstellt,— Tic Wiener Gcmciudewahle». Wien, 25. Mai. TaS politische Zniercsse lvcudct sich in diesen Tagen den Wahlen, zirni Wiener Gcinciiiderat zu. Eine Einwirkung auf die Entwicklung im Staate, wie etwa die Miuiizipalwahlcn von Paris, köinrcn die Wiener Wahlen ualürlich nicht erlangen: dazu ist von der Zcr klüftuug dieses Staates, die leine gemeinsame Politik auskommen läßt, ganz abgesehen die HanptstaLi im Reiche viel zu einflußlos. Die Wahlen find nicht einmal für die Frage der Verwaltung der Stadt von Belang, denn daß die CTHristlich-Socialrii eine große Majorität znsmüincnagitiercii werden, unterliegt leider nicht dem geringsten Zweifel. Die Wahlen haben aber eine gewisse kulturhistorische Bedeutung: sie geben Antwort auf die Frage, ob es möglich sei. daß trotz aller Schmach, die sie auf die Sladt gehäuft, die Äuti- scmiteii noch Fortschritte machen können, ihre HeilSlchre an Anziehungskraft nicht verlöre» hat. Die Wiener Ehristlich-Socialeii haben seit dem Jahre 1899, Ivo sie die Herrschaft in Wien eroberten, so viel Unheil auf die Stadt gehäust, so viel Unrat verbreitet, sie haben sich politisch als die feilste Partei erwiesen, »nr Verwaltung cincS großen Gemeinwesens sich als völlig uiizn- reichend gezeigt, so daß man meinen könnte, die Empönmg der Wähler werde sich nun in voller Wucht gegen sie wenden. O b d i e W i e ii e r ü b e r h a n p t z n r B e s i n u u u g l o m m cn können: das werden die dieZnioljgeu Wahlen darthnn. Die Hauptschlacht wirdhente geschlagen, bei denWahlen des zweiten Wahlkörpers, die heute slattsinden. Im dritten Wahlkörper, der festen Burg der Luegerei, da hier vorzugsweise dos Kleinbürgertum zur Urne geht, finden Neuwahlen überhaupt nicht statt; es waren da nur zwei frei gewordene Mandate zu besetzen. Im ersten Wahllörper sind durch den Rücktritt der Liberalen 22 Mandate erledigt, doch ist bei der plntokratischen Zusammensetzung dieser Wählcrgruppcn ein größerer Bcsitzivcchscl ziemlich ausgeschlossen. Bestritten sind eigentlich nur die Mandate des. zweiten Wahlkörpers, in dem der mittlere Besitz und die Intelligenz� sAerzle, Advokaten, Lehrer, Beamte) das Wahlrecht ausüben. Von den sli Mandaten waren bisher 14 im Besitz der Liberalen, der Rest gehört seiteiupaarJahrciiden Ehristlich-Socialen. DaS neue Statut bestimmt eine neue Verteilung der Mandate und zlvar auf Kosten des liberalen Besitzstandes: die sieben Mandate der inneren Stadt wurden nämlich aus zwei reducicrt. Groß sind die Aussichten der Gegner der Ehristlich-Socialeii— hier kämpfen nämlich Liberale, Socialpolitikcr nnd Dcntschnationale gemeinsam— nicht; hie neue Wahlordnung hat nämlich die Wählerzahl um mehr als fünfzig Prozent erhöht, und da diese Erhöhung durch Herabsetzung des Censns bewirkt worden ist, so wurde der Wahlkörper der „Intelligenz" von dem antisemitischen Kleinbürgertum förmlich Überschwemmt. Gewinnt aber der Lucger die heutige Schlacht, so hat er die Mehrheit im Gcmcindcrat schon im Sicher». Eine wesentlich politische Bedeutung kommt mir den Wahlen des vierten Wahlkür'pers zu, der am nächsten Donnerstag wählt, denn da entbrennt der alte Kampf zwischen Ehnstlich-Socialcn, und Socialdemol raten. Der vierte Wahlkörper ist bekanntlich eine Art allgemeines und gleiches Wahlrecht: hier wählen alle erlvachsenen Männer, die drei Jahre in Wien ununterbrochen wohnen. Diese Bedingung der dreijährigen Seßhaftigkeit verschiebt natürlich den Kampf eher zu Ungunsten der Arbeiter, denn sie. als daS heimatlose Volk der modernen Gesellschaft, wandern der Arbeitsgelegenheit nach, während die Besitzenden leicht„seßhaft" bleiben können. Noch härter trifft sie die Skrnpellosigkeit des Wiener Magistrats, der ein Werkzeug der Antisemiten ist, nnd die unglaublichsten Schwindeleien entweder selbst begeht oder ruhig begehen lässi. Trotzdem haben die Socialdcmokraten den Kamps fruchtlos aufgenommen und haben in allen zwanzig Bezirken Kandidaten aufgestellt. Von den auch im Ausland bekannten Genossen kandidiere» P e r n e r st o r f e r, Ellenbogen, Reumanu und S ch u h m e i e r. Ilm den schmachvollen Vergtwiilligungcii. die die herrschende Partei an der unabhängigen Lehrerschaft verübt, einen Protest enrgcgenzusiellen, kandidiert die Socialdemokratie auch zwei aktive Lehrer. Die Chance» der Wahl hängen. vielfach von dem heutigen Wahlgang ab. denn dieser wird die Stinnmmg der Wähler anf beiden.Seiten wesentlich beeinflussen. Aeutiches Aeich. Die Kanalvorlage wixd wieder hervorgeholt, diesmal vom„Hminoverschen Konricr�s Der erweiterte ENlwnrf, der außer dem Rhein-Elbe-Kanal auch die östlichen Waffcrstraßen einschließlich des Berlin- Stetiiiicr Kana enrhäll, soll feilig sein und zur Ilmerschrisl im Kabinett des Kaisers bereit liegen. Am 14. Jniii soll dem Blatt zufolge die Beralung im Abgeordnetenhaus bereits beginnen können. � Da auch der erweiterte Emwurs von der Mehrheit des Land- tagS abgelehnt werden wird, ließe sich diese hochsommerliche Einbringung der Vorlage nur ans einer tendenziösen«ehnstzcht der Rc- giernng nach Niederlagen erklären. Tie Meldung des hannoverschen Blatts scheint danach mehr als zwciselhasr. Die Kanalirage selbst wird allerdings im Abgeordneten- Hans.unter allen Umständen demnächsr zur Sprache tommcn, weit Freisinnige und Konservative gemeinsam eine Jnter- pellalion eingebracht haben, ut der sie die Regierung tragen. ivarnm der in der Thronrede angekündigte Enlwlirs des Berlin- Stettincr Kanals noch nicht vorgelegt ivorden sei. Bei einem Fesi- inahl in Dortiniind hat der Handelsininister Brefeld erklärt, er hoffe den Miltellandkaual noch zu erlebe». Ob als Minister, hat er! nicht gesagt.— Konfcrbatib-Klerikales Kartell? Die„Kölnische Vollszeitung" beweist ihre» Groll ob der Heinze- Niederlage durch die selbstmörderische Drohung, daß ihre Partei nun den Konservative n nahe rücken werde: Die rücksichtslose Art, in der der Liberalismus seine Welt- und Lei) e'n's a»sch a nll ii g als die allein berechtigte zur Geltung bringen will, der Spott nnd Hohn, den er für alle Anders- denkenden hat, die frivole Behandlung der ciitgegenstehenden reti- giöscn Gefühle usw. haben in diesen Tagen wohl in jedem deutschen Katholiken die Ueberzeiigmig* reifen lassen bezw. befestigt, daß eine Herrschast dieser Richtimg im Deutschen Reich entschieden zu beklagen wäre. Wir haben gn den Konservativen gewiß vielerlei ausznsetzeil, aber m it ihnen läßt sich doch i in m e r noch besser lebe n. Unter dem.Eindrucke dieser Er- sahrungen sind C e n t r u m und Konservative sich in der letzten Zeit n ä h e r g c r ii ck t als lange Jahre zuvor, denn cS liegt in der Natur der Sache, daß eine Verschärfung des Gegen- sayes zwischen dem Centrnm und den Liberalen von selbst eine Besserung des Verhältniffes. zu den Konservativeii im Gefolge Hab." In den Heinzekämpscn bat nicht eine Herrschaft des Liberalismus sich Lahn brechen wollen, jondrnt eS galt mir, die Amnpßiingel! der kleiilalen Dinikelmänner abzuwehren. Niemand hat die religiösen Gefühle und Anschauimgen der Katholiken angetastet, wohl aber hat das Ccimum das ganze Volk durch Gesetzesinacht zit seiner wideniatürtichen und niiwahvbaftigcii Schcinsiltlichleit zwingen lvotlen. Die konservative Presse freut sich der Aeußcrnngen des CentrnmSblattcs. Wollte das Ceittrnm an dieser Auffassmig festhalten, so würde das ersprießlich für die weitere Entwicklung der politischen Lage werden— sagt die„Kmiz-Zeilimg", Tic Schwein- burgschc»„Bert. Pol. Nachr." erhoffen eine Stärkiuig der S a m m e l- V o l i t i l. Weniger hoffillmgssrendig ist die„Post", die wachsende Nachgiebigkeit der Konservaliven gegen die„svcialpolilischeii Liebhabereien" des Ccntrnms nnd vermehrte„Gefahren für Kirche und Schule" wittert. W i r nehmen die aus dem Heinze-Katzenjaniiiier geborenen Drohungen der„Köln. Bolksztg." nicht tragisch. In die That inngcsetzt. daS weiß die„Köln. Bolksztg." selbst, würde ivlchcs Drohen nur den Ersolg haben, daß das Eenlrnm in der Wählerschaft eine Niederlage. erleben würde, gegen welche sein jetziges Paria- mcnlarischcs Mißgeschick bedeutungslos ist. ücr„Vorw ärts" weiß ganz gut, daß er cbensoivohl das B. ans vom Himmel hcriniter hätte fordern können, denn er weiß,«aß die verbündeten Regierungen Vennögens- und Einkoinmenstener als' Reichssteuer unbedingt ablehnten. Und Nim diese Logik: weil.diese.Stenern keine Aussicht ans Annahme hatten. lehnen die Socialdeinolraten auch die B ö r s e n st cur r ab. die Ivenigsiens die tragfähig'eren Schultern belasten,! Ter„Vorwärts" niuß seine Leser sür sehr beschränkt halten, daß er ihnen Verstäiidiiis sür eine solche„Logik" zutraut. Gewiß würde» durch Einkommen- imd Verinögenssicner die Hurramarinistcu und Paiizerlieseramen weit kräftiger herangezogen worden seiu, aber wenn man diese Steuer nun cinnial nicht habe» kann, soll dann eine andre, die nächst jener die kräfligercn Schultern am sichersten trifft, auch abgelehnt werden? So könnte nur ein Thor handeln." Das klerikale Blait verurteilt durch diese Ausführungen nicht daS Verhalten unfrcr Parteigenossen in der Budgetkomipissiois. sondern allein die Stenerpotilik seiner eignen Partei. Das E c n t r n»n ist die ausschlaggebende Partei in der Frage der Flottenvermehrnng. Ohne Zustimmung des Ecntrnms känn dw Regienmg die ersehnte starke Flotte nicht bekommen. Das Centrnm' Hai. ja auch thalsächlich, allerdings nur infolge nnsres die Silnation so weil ausgenutzt, daß eine unteren Volksklassen ferngehalten wurde. Konme nnd mußte das Ceinrnm nicht die Silnation so ausnutzen. daß die Mehrkosten für die Flotte in der auch von ihm anerlannr gerechtesten Art ausgebracht würden? Hat der Abgeordnete Gröber nicht selbst zuerst eine Ergänziingssreuer gefordert? Es ist kein Zweifel, daß die Regierung sich zu einer solchen ernsthaften Steuerreform entschlossen haben würde, wenn das Centrnm darauf mit Ernst bestanden hätte. Die Eemrnmsblätter. auch gerade die»Mark. Bolksztg.", haben oft genug betont, daß die Regiernng unmöglich wegen der Steuerfrage eine Reichstagsauflösuug wagen werde. Es war alio eine bessere Regelung der Steuerfrage sicherlich zu erreichen. Die Einsührnng einer ReichS-BenilögenS- und Reichs- Einkommensteuer, würde zukünstigeii Ansprüchen deS Militarismus und MariniSinnS mäßigend entgegengetreten sein, denn ver- mittels dieses StcuetsysiemS würden die Reichen dauernd zur Deckung derartiger Ausgaben herangezogen werden können. Jetzt aber, nacb den jämmerlichen Steuereutlchlüsion des Eentrums, wird nicht nur die bisherige Ausnahme- besteuerung der arbeitenden Klassen durch Zölle und Verbrauchs- abgaben beibehalten, sondern auch die Gefahr fortbestehen, daß ein weiteres Wachstum dieser Rcichseinnahmcn vollauf für andre un» produktive Ausgaben Verwendung sinden kann. unablässigen D rängen?, neue Mehrbelastung der Tie Maßregelung des Professors v. Liszt, der in der Lex Hciiize-Versammlung im CirknS Renz scharf gegen den nngchener licheii Entivnrf gesprochen, verlangt nnzwewentig die„Krenz-Zeitiing" v. LiSzt habe sich lediglich in den plattesten Redensarten bewegt: „Ganz absonderlich aber muß cS erscheinen, daß ein o r d e n t licher Professor der Rechte dabei auch äußerlich als der enge Verbündete eines s o c i a l d c m o k r a t i s ch e n Ab- geordneten vor das Publilum getreten ist. Welche heil- jjo s e Verwirrung muß da bei der studierenden Jugend Platz greifen, nnd ivie muß iinmentlich bei ihr das Gefühl gefährdet werben, daß die Umstnrzparlci der gemeinsame Feind aller OrdnniigS Parteien sein muß!" Warum ist die„Krenz-Zeitiing" so bescheiden, sich mit dem einen Liszt zu begnügen? Veranstalte sie doch gleich eine Razzia anf alle Professoren, die gegen die lex Heinze protestiert. Dann werden die Universitäten einmal gründlich gesäubert werden, nnd der Geist der Stöckcr, Äropatschcck, Gröber und Dasbach ans den von den verkappten Umstürzlern befreiten Lehrstühlen sich nieder lassen.— Die KrenzzeitungSritter von 1848 gehen bisweilen in dem Blatte mn. So kündigt einer dieser altertüinlichcii Ritter das Ende der Welt an. weil in„zweierlei Obstruktion" die lex Heinze beseitigt — die Berliner Straßenbahnwagen zum Stillstand gebracht worden sind:.. „Das traurigste an der Sache ist, daß das Publikum diesen Erscheinungen wie in einem Theater gegenübersitzt, als wenn cS sich um ein Schauspiel handelte. Was ist ihm Hcknba! Mau freut sich über die wabernde Lohe und merkt nicht, daß sie auch schon im Parkett wabert! „Der Streit der Straßenbahnbcamten ist doch sicher ein Kinder- spiel gegen einen künftigen Streik der Eisenbckhnbeamten oder gar der Postbeamten. Und doch hat das Publikum nichts dagegen, daß sich die Socialdemoktrat.ie allmählicki in das Heer derselben hineinfrißt, um sie ihrem Einfluß botmäßig zu machen und um eines TagcS, gereizt durch irgend eine„infame Reaktion", dckre- tiercu zu könneii:„Eisenbahn stehe still, Postvcrlchr höre ans, bis lvir versöhnt sind."... „Wo sängt denn eigentlich das Interesse des Pnbliknms an seiner Erhaltung an? Für Staat und Kirche, für Familie. Zucht und Sitte hat es doch offenbar keines; sonst würde es nicht jeden in Schutz nehmen, der diese Eüier angreift, unterwühlt, umstürzt, sonst würde es nicht jedem in die Arme nnd Zügel fallen, ihn mit Spott nnd Hohn überschütten, der diese Güter zu schützen sucht. „Ich glaube. die gegenwärtigen Reichstags- Verhandliingeti sagen cS zur Genüge: das Jntcreffe des Publikums deschräilkt sich auf nngezngeltcS Vergnügen und auf den Gewinn des hierzu nötigen Geldes. Es wird böse, wenn eS hieran gehindert wird. wenn anf diesem Wege Schranken irgend welcher Art— seien es nationale oder ethische— aufgerichtet werden. „Es hat jemand gesagt, die Staaten würden mit lvenig Aufwand an Weisheit regiert. Nichts ist aber der Denkfaulheit vergleichbar, mit der das Publik»!» insgemein der Regierung gegenübersteht." Drmii. verehrtes Publikum, werde schleunigst juukcr-frnmm!— Entlassene Offiziere. Mit großer Gemigthuung stellt die militärfrommc Presse fest, daß im letzten Jahr lMai 1899/4900) nur Offiziere der preußischen Armee unfreiwillig den„Rock des Königs" ausziehen mußten, gegenüber 3t im Vorjahr. Bei der Garde finde sich„überhaupt kein Ossizier, der sich solche Versehen zu Scknildtn kommen ließ, daß er unfreiwillig den Dienst quittieren mußte." Da allein in dem Harmtoscii-Prozeß mehr aktive Offiziere als Zeugen auftraten, als der gesamte»JahreSverlust" an Offiziere» beträgt, so beweist dies, daß das Hazardspiel und seine BegleitungS- crsckwinnngen nicht zu„solchen Verfehlungen" gehören, die den 'chlichtcn Abschied nach sich ziehen.— TaS TaSbach-Blatt beliebt seine Unwahrhaftigkeiten gegen die Socialdemolralie„als Schützerin der Börse" fortzuspinnen. Ans nnsre nrnliche Bemerkung riwidert es: 0u alledem iril t erschlägt die„Märk. Volksztg." den zweiten von uns angegebenen Grund zu der Abstimmung unserer Ali- geordneten vollständig. Wir verhalten uns ablehnend gegen Stenern, die zn einem uns unamichmbareii Zweck aufgewendet werden sollen. Würde das Centmm etwa irgend welche Stenern bewillige», die zur Unterdrücknng der katholischen Kirche bestimmt ivären? UebrigenS begreifen wir durchaus die klerikale Flunkersucht wider die Socialdemokratie. Die Herrschaften müssen versuchen. die Augen der Ocffentlichkcit vom schmählichen Flottenvcrrat ihrer Partei abziikenkc». Daß daS mit unreinlichen Mitteln geschieht. nimmt bei dein Dasbach blatt nicht Wunder.— Der Bischof von Trier» Dr. Eorum. hat sich einer im- gehcncrlichcn Beschimpfiing der Socialdemokratie schuldig gemacht. Bei der Einweihung des katholischen Vereinshanses„Trcviris" in Trier, die dieser Tage vor sich ging, hielt er»ach dein Bericht der „Trierischen Landeszcitnng" eine Rede, die folgende«tcllc enthält: „Wenn Ihr das Wort der edlen Männer, die sich Eurer Be- lehrung widmen, hört, dann vibrieren die Saiten, dann ist echte Gleichheit und Brüderlichkeit da. Wenn ich davon höre. muß ich an die gräßlichen Scenen, die sich vor jetzt mehr als hundert Jahren in Paris ereigneten, denken. Tos sei I esondcrS den Arbeiter» gesagt, damit sie sich nicht betrügen lassen durch gewisse B o l k s a n s w i e g I e r. die ein neues Reich schaffen wollen. Gcrqdc so Haben sie es im Jahre 1791 in Paris gc- macht... Als die Handwerker sahen, daß die Revolution ihnen nur Riiinem brachte, wurden vierundzwanzig von ihnen beim Konvent vorstellig, die Stellvertreter der Zünfte, und verlangten die Freiheit, mit der inau sie getröstet..... Man hörte sie an. überstiminte sie, und am nächsten Tage ffclc» die vierundzwanzig Köpfe der Ziiust- meislcr: die sociale Frage war gelöst— jo, löst sie die Revolution! So sollen auch heute die Arbeiter den Sturmboct mache«. um«iedcrznwcrscn, was de« Socialdemokratcu gefällt; anderen zu dienen, dazu siud sie gut genug. Die blutige Arbeit könne» sie machen. Wenn aber der Kampf vorüber, wenn die Arbeit gctha»»st, dann könne» sie nur hoffen auf Hunger und Blut, das allein bietet ihnen die Revolution. Diese Gedanken muß man den Arbeitern näher bringen, denn der Arbeiter ist meistens ein Bethörter." Der frühere Bischof von Trier, Bischof Ebcrhardt, hat die «ordinäre Sprache" eines DasbachblattcS gerügt. Was würde er tvohl zu dieser Leistung seines Nachfolgers im Amte sagen? Das Urteil im DaSbach-Prvzctz stellt fest, der ZcitnngSkaplan habe es an der dem Bischof schuldigen Achtung fehlen lassen. Run ver- stehen wir die Haltung Dasbachs; er hat den Bischof gekannt und sich gesagt: Der ist meinesgleichen! Uebrigens was sagt der Bischof dazu, daß da? Centrum in Bayer» diese„Bluthunde" bei de» Wahlen unterstützt hat?— Tic Entschädigung unschuldig Verhafteter, die in der zweiten hessischen Kammer von infferm Genossen U'I r i ch beantragt worden war. ist trotz der von der Regierung geltend gemachten Bedenken, daß diese Frage reichsgeseylich geregelt werden müsse, von dem G e s e tz g e b n n g s a n s sch u ß der Kammer befürwortet worden. Der Ausschuß war der Ansicht, daß cS sich hier nicht um eine Materie handle, die ansschließtich der Reichsgesetzgebung unterliege. Er halte es für viel notwendiger und praktiscber, eine Entschädigungspflicht gegenüber denjenigen anznerkeniien, tvelche unschuldig verhaftet würden, als deiijenigeil, welche unschuldig verurteilt und mittels de» Wieder» änfnahmeverfähreNS freigesprochen wurden. Von dieser Ansicht nnd von der Erwägung ausgehend, daß die betreffenden Behörden imd Organe vorsichtiger bei Verhasttingen sein werden, wenn eine zu Unrecht an- geordnete Verhasttnig für den Staat materielle Nachteile erwarteil läßt. stellte der Ausschuß das Ersuchen, die Negierung wolle baldmöglichst eine Gesetzesvorlage machen, die eine seste Entschädigung sür zu Unrecht verhastete'Pastmcn vorsieht. Hoffentlich entspricht die Regierung recht bald dieser Anregung, zum Beweis, daß die Regieningen der Einzelstaatc» sich nicht nur bei Schaffung von Arbeiterknebelgesetzen über rcichSgesctzlichc Bedenken ganz andrer' Art hinwegsetzen.— Seid fruchtbar und mehret Euch— für die Flotte. Einen „tiefempfundeiieu" Appell nckuele der„sturm"erprobte Kommandant der rheinischen Reklame- Flotte in Dürkheim an die Dame n. :>iach einem bürger!ichcn Bericht wußte er in chevaleresker Höflichkeit auch den Damen einen„echt lvei blichen" Wirkniigskreis für die er- habcne Aufgabe der Flottenvermehrnng zuzuweisen, indem er also sprach:. „... Wir sind gerade dabei, die Marine zu vergrößern, und wir gevranckien dazu viele Leute. Wenn ich jedoch die große Zähl von Dürkheimer n sehe. sa brauchen wir nicht zu verzagen, wir werde» gute, tüchtige, prächtige M a t r o s e« aus Dürkheim bekommen. Ich sehe hier aber nocki viel mehr: ich s e h ch e i n e Unmenge Damen. Dame» sind für die Vergrößerung der Marine noch viel wichtiger. Ich schätze mich glücklich, den Dürkheimenl meinen tiefempfundenen Tank zum Ausdruck bringen zu können," Die Dacuen sollen von dem charmanten Herrn Kapitänlieutenant ganz hingerissen gewesen fem.— HildeSheim, 26. Mai. Tic RrichStagöersotzwckhl in Eiubrit- Northeim wurde anf den 6, Juli festgesetzt. Ausland. Belgien. Brüssel, den 25. Mai 1900. ?fm Tonnkag, den 27. Mai, finden in gan� Belgien die Wahlen zur Deputicrtenkammer sowohl, als auch zum Senat statt. Die diesmalige» Wahlen beanspruchen ins v fern ein besonderes Juleresie, als diese die ersten sind, welche unter dem neuen Wahlgesetz vorgenommen»Verden. Es ist da-Z Prchwrtionaliuahl, Sustcm(Repräsentation proportionells. das hier zur Auivcndnng loinint. Allerdings ist es ganz iveseutlict) verschlechtert durch die Anfeechterhaltung>.dcs„Vota.I�Iural", nach ivclchcm reiche itcute drei, die Annen aber nur eine Stimme abgeben. Auch ist das Land rächt etwa— ruaS wohl das idealste wäre— zu einem einzigen Wahlkreis gestaltet, sondern cS besteht riachs wie vor eine Ärciscinterlung. Dadurch werden die grasten Slädte mid in erster, ltinie ivieder die Socialdcmolcatcn geschädigt. die wückstairdigerl Provinzon begünstigt. M ganzen sind 50 Senalssitze und 152 Abgeordnetensitze zu vergeben, um die sich mehr denn 1000 Kandidaten bewerben. Tie .Wahlen znin Senat interessieren fast gar nicht, dagegen ist der Liauips nur die Depmienrnsitze ein heftiger. llclwr der» Anssasl der Wahlen lnstt sich exaktes nicht sagen, so viel ist aber' sicher, dast es mit der rnoirslrösen Majorität der Klerikalen endgültig vorbei sein wird. Die Liberalen, die fast ganz ans dem Parlmncirt vcrschivundcu waren, haben von dcnr neiien Wahlgesetz den grostten Vorteil, sie»verde» i» größerer Zahl »vieder cricheiiicu. Die S o c i a li sl e n criuartcn keine große Zm "ahme ihrer Sitze: sie»varen bisher 28 nud hoffen e-s ans 32 oder K zu briiigen. Dagegen»vird die Ctunmciizahl, die sich ans die Soeialdcmokraten vereinigt, sicherlich einen großen ZutvachS erhalten.— Täneinark. Lossage der dänischen Linken von der Socialdeniokvatie. Iii den letzte» Jahren»varen bei allen Wahlen diese beide» Parteien znsamnieiigegmigcu zum Vorteil für beide, denn sie konnten dadurch der Rechten nrebr Sitze abnehmen, als eS zhncn einzeln möglich geivessn»värc. Nim soll dies aufboren,»veil der rechte Flügel der dänischen Linkei» hoffi. daß ihr Führer Albcrti Minister»vird und sie zur Regienmgspartci avanjicreii. Vieles deutete schon lange aus die„Bekehrung- der Linken,'ivie die Bewilligung von Schloßbantei» und Appanagcn für Prinzen, ihre Haltung bei dein Ministerivechsel zc. Run hat Albeni selbst vor sciiien Wählern die Lossage bestätigt. Er sagte: Es ist meine Hosfiiniig, daß bei den nächsten Wahlen größere Scheidegrenzen zwischen der Linken und der Social- dcmvkralic gezogen werden.' Es bestehen ja große Differenzen zwischen den beiden Parteien, so Ivill die Socialdcmokratie das Königtum� die Kirche, das Militär abschaffen, all' das will die Linke nicht! Sie»vünscht keine Republik, sondern eine ebenso starke Stellung für das Königtnui, wie in England, auch»uill sie nicht die Abschaffung der Staatskitchc. sondern im Gegenteil staatliche Stütze derselben. Diese Rede bclvcist nicht nur die Lossage von der Socialdcuiokratic,' sonderst auch von dem radikalen' Flügel der Liiileii. Herr Albeni ist weis, Minister zu»verde».— Ruftland. Nebcr die 2lrbeiterbc>vegulig iu Kiew berichten bürgerliche Blätter. Danach»var die beabsichligie Demonstration am 1. Mai durch strengste UllterdnükiiiigSiuaßrcgciii. bei denen auch das Miiiiär engagiert war. mmröglich gemacht»vordcn. Dagegen brach am l.Mai ein S t r e i k d e r B ä.ch e r gesellen ans. der mit dem Sieg der Streikenden, die ihre. Forderungen bis ans die erstrebte Lohnerhöhung durchsetzten, endete. llntcr den Stndeilten der sUelver Universität hat, so berichtet die bürgerliche Darftelllmg. sich in letzter Zeit eine socialistischeVewegnug bemerkbar gemacht, die»amciUlich bei den polnischen und lleinrusiiichcii Studenten Anhäiigcr g-fnstden halte. Nicht»rir bei den Vor- bercitungen für eine �Demonstration der Arbeiter, sondern auch bei dem Streik der Bälkergeseften waren Slndentcn beteiligt gewesen: Die Polizei Halle»Kht'cr.e Vcrhastniigcn vorgenonmic» und socialistische Schriften»md Ausrufe gesunden. Am t. Mai sind in einent Speischause etwa 60. Studenten festgenommen »vord e», die dort rine socialistische Versaimnlnng abhalten wollte». Bei den vorjährige»» Studentenunnihcn»varen 146 Studenten unter Anklage gestellt worden. Vor kurzem ist über sie das Urteil von» Mimslcrimu des Innern gefällt worden. Einer, der Inhaber der damals bestehenden geheimen Druckerei, ist zu sechs I a h r e». F e st u n.g verurteilt worden. Ein Teil von ihnen hat FcstniigSstrafcn von sechs Monaten bis zu z w e i 3 ii h r e ii erhalten und cS ist ihnen der Aufenthalt in Uni- veriitätsstädte» für 1�-3 öahre verboten lvorden. Unter diesen bc- stiidcn sich einige öftre ichi sch e Staatsangehörige ans Galizieii. Die Uebrigen sind für 1— 3 Jahre in die östlichen Gouvernements verwiesen worden.— Asien. Tie„Boxer". China und die Mächte. Ans Peking liegen einige Meldnngcy vor. die die Lage ziemlich kritisch erscheinen lassen. Die Nachrichte» lauten: London, 26. Mai. Die Boxer zerstörten zwei Dörfer in den Provinzen Szcchnou nud Hnpei»nid ermordeten viele christliche Einwohner. Der in Tschiuanfu loimnandicrende General entsandte ein Regiment, um die Aufruhrer»icdcrznwcrsen. aber die Truppen iiclen in einen Hinterhalt und verloren 26 Tote mid eine An- zahl Verwmidete. Die Vicclönlg Tschäng- Tschi- Jnng ordnete die Entskndnng weiterer Verstärknngcii von Ilschnng an. Pckiirg, 25. Mai. Bei Pnting-fu lvmde eine Abteilung chinesischcr Kavallerie von Angehörigen der„Borer"-Sckte on- gegriffen. Der Oberst fiel und 70 Mann wurden getötet oder ver- ivnndet. Die chinesische Regierung hat daraufhin de» Mächten das er- ncute Versprechen gegeben.' die Beivcgnng der Boxer mit aller Energie unterdrücken'zu. wollen. Ob die Mächte sich dabei beruhigen werden, bleibt abzmvnrten. Partcipresse. Bei der..Münchcner Post" wird Genosse Ad. Müller, seinem Wunsche gemäß, nach Beendigung der Landtags- session die Leitunff des politischen Teils derselben nicht mehr über- »chmeir. Genosse Müller bcäbsichligt, iin Interesse der bayerischen Parteiprejie und im Eiiwerständuis mit der Landtagssraktion. sich noch mehr wie bisher mit der speciellen Behandlung bayerisch- politischer Angelegenheiten zu.befassen. Die Umwandlung der„Mecklenburgischen Volkszeitung" zu Rostock auS einem dreimal wöchentlich er- scheinenden Organ in ein Tageblatt gewinnt nunmehr greifbare Gestalt. Das Grundstück für das eigene Geschäftshaus ist gekauft und die Baupläne harren nur noch der Genehniigung der Bau- Polizei. Sofort nach Eiutrcff'en derselben wird mit dem Bau be- gomien. so daß bis zum 1. Oktober die Vorbereitungen für das tägliche Erscheinen des Blattes vollendet sein lverden. polizeiliches, Gerichtliches nfw. Wege»» Beleidigung der Staatsanwaltschaft wurde der verantwortliche Redacteur der„Schiväbischen Tagwacht-, Genosse Keil in Stuttgart, zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt. Er soll diese Behörde der Parteilichkeit geziehen haben. Gewerkschaftliches» Berlin und Umgegend. Tie Direktion der elektrischen Strafteubahn von Siemens ». H a l s i e hat ihre Angestellten in den Lohubczügen mit den An» gestellten der Großen Berliner Straßenbahn gleichgestellt. Auch die Errichtung einer Pcnsionskäffe ist in Aussicht genommen. TcnischeS gleich. Die Hamburger Cwcrfühver haben»nit einer Lohnbewegung, iit die sie kürzlich eingetreten waren, einen ganz, hübschen Erfolg er- zielt, und zivar ohne Streik. Tic Ewerfnhrerbaase sArbeitgebers erklärten sich aus Ersuchen der Lohulommission der Ewerführer bereit, mit. dieser vor dem Sekretär der Haiidelskamiuer zu verhandeln. Diese, Verhandlungen haben stattgefunden, und in denselben erzielten die Elvcrführer die Hcrabmindcrriiig der Arbeitszeit von 12>.2 Stunden ans Ii1-'3 Stunden, die Verlängernng der bisher einstnndigen Mittagspause nm eine halbe Stunde und eine besiere Bezahlung der lleberardcit. Die getroffenen Vereinbarungen sollen ain I. Julr d.J. in Kraft treten und sikr 3 Jahre Geltung haben. Bisherßhattcn die Baase allein einen eniseitige» Tarif ausgestellt, der jetzige ist'seit langen Jahre» der erste, der von Arbeimchniern und Arbeitgebern gemeiuschastlich beschlossen ist. Die Klempner in Stettin sind in eine Beivegrmg ans Er- zielnng der zehnsrnndigen Arbeitszeit, eine» Miminallphns von 35 Ps. tJlniggcscllcn 30 Pf.) und.Höhcrbezahlnng von lleberstnirden, Nacht- und SönniägZärbcit sowie einiger Ncbenfordcrnngcn ein- getreten. Ein Teil der Meister hat die Forderungen bereits ein- geführt, ein andrer die Einführung zugesagt, so daß mir 7 Werl- stellen mit ca. 40 Arbeitern am Montag in den Streik eintreten. weirn Nicht in letzter Sttnide noch beivilligt ivcrdcu sollte. Die Klempner bitten daher,'d c» Zu zii g von Stert in fern zu halten.' Tie Angestellten der Straßenbahnen si>»d i» mehreren großen Städten in eine Lolmbeivcgnng eingetreten. Auster in Stettin sind in Breslau die Motorftihrer der Oberschlesischen Dampfstmßcn- bahn bemüht, eine Gehaltszulage von 10 Vi. pro Monat zn erlangen. In Hannover verlangen die Führer 90 Vi. pro Monat steigend vis t2t> Vi. Die Schaffner fordern 80 M. steigend bis 105 M. Die Arbeitszeit soll auf i> Stunde», für Oinnibllskntscher auf 10 Stunde» scslgesetzt»verde». I» B r.a wir s ch w e i g wurden am Sonnabend»vegen Besuchs einer. Nachtverscnnmluug 22 Angestellte entlassen. Im Hallenser Maiprozeß»vnrden die Tischler mit ihren Fordeningen von dem Getverbegericht abgelviescn, odivohl das Urteil des Landgerichts vom Jahre 1896 mit zur Auwendmig gebracht wurde. Die Kläger hatten sich am Morgen des 1. Mai für den Tag entschuldigt, sind' dann an» 2. Mai ausgesperrt und dadurch gehindert lvorden, ihren aitgefangenen Accord scnig zn'stellen. Besonders wurde der Lohn vom Sonnabend und Aiontag vor dem 1. Mai iniiebrhaltcn. Da§ Landgericht nah»» im Jahre 1806 an, da st die Verweigerung der Arbeit am 1. Mai»nr eine Unterbrechung, aber kein„Verlassen der Arbeit" nach der Geivcrbc-Ordnnng sei. Derjenige Geselle, der am l.Mai feiert, beabsichtige nicht, die Arbeit für i mm er im Stich zn lassen. DaS Gewerbegericht hingegen erblickte heilt in der Ver- lveigcrnng der Arbeit für den eilten Tag eine beharrliche Ver- »v c i g e r u» g. Einige Kläger»Verden ihre Foidernngen zusammen einklagen, damit ein Betrag von über 100 M. hercmSkonmrt und dadurch ein Urteil bewirlt»vird.»vogegen bei den höheren Instanzen Bcnifmig eingelegt werde« ka' n. Das JnnungS-Schiedsgericht»vill die ausgesperrten Tischler auch noch ans Grund des 8 628 Absatz 2 des Biirgerlichcn Gesetzbuchs auf Schadensersatz für die Meister heranziehen. Tie Glasarbeiter in Usch, einem kleinen Städtchen an der Netze in der Provinz Posen, sind in der dort seit langem bestehenden Glasfabrik in eine» Ausstand eingetreten, der de» Arbeiter» ein rühmendes Zeugnis ihres SolidaritälegesühlS ausstellt. Tie Lage der Arbeiter ist natürlich keine glänzende, aber trotzdem versuchte man im Herbst vorigen Jahres eine BerschlcchtcriMg des ArbeitSverhältniiics cinznsührc». Hiergegen wehrten sich die Arbeiter in seltener Einmütigkeit nnt dem Erfolg, daß die geplanten Maßregeln aufgehoben wurden. Diese Auflehnung gegen die sonst widerspruchslos hiiigcnonnncne Herr- schaft der Tireltio» hatte natürlich sehr verschnupft»nd so wurde der angebliche Ucbellhätcr vor kurzem entlaffeu. Ter beircsfende Arbeiter»vor jedoch bei seine» Kollegen eine so beliebte Persönlichkeit. daß alle erklärte», die Maßregelmig nicht ruhig hinziinehuren. Da Borstellmigen bei der Direktion nicht halfen, lündigtcn sämtliche Arbeiter. Ihr Schritt ist um so folgenschwerer, weil die Arbeiter die Wohnungen und gepachtetes Land von der Direktion innehabeu. Das Verlasse» der Arbeit bedeutet Aufgebe» der Wohnung und deS PachtlandcS. Trotzdem kommt eS ziun Ausstand und ist bereits sür ein andres Unlcrlomincn der Fauiilien gesorgt. Die Arbeiter verlangen nnnniehr eilten Lohn- Zuschlag von 3 Proz., und bitte», den Zuzug fernzuhalten. Wie die Untcruchuirr ihr Wort halten. In Aachen hatten bclaniitlich die Iliiternckmer der Textilindustrie mit ihren Arbeiter» eine AibeitSordmmg vereinbart. Die Textilarbeiter waren durch Vertreter der verschiedenen Organisalionen bei der Verein- barnng zugegen gewesen. Unter oudcri» war eine zehn st ü n d i g e Arbeitszeil eine der Hauptforderungen gcivescn und auch zugestanden worden. Die von der Handelskammer ausgearbeitete Arbeitsordnung ist mm ausgehängt und rief unter der Textilarbcitcrschast Aachens, ivie schon gemeldet, eine allgemeine Entrüstung hervor, da die Ein- Haltung der zehnstündigen Arbeitszeit ganz von dem Willen der lliiternehmcr abhängt. Ans Wtimch dcnclben iiiiisscn stets Neveistiliideii gemacht werden. Auch der K 616 des Bürgerlichen GcsetzvnchS ist durch die Arbeitsordnung ganz aufgehoben. Einen Kaiitschnckparagrapheii. durch welchcti die Arbeiter ganz in die Hände deS Untcrnchmcrö gegeben sind, hat die Handelskammer eingefügt. Derselbe besagt, daß zur sofortigen Entlassung des Arbeiters be- rcchtigt: Ruhestörungen. Ungehorsam. migebührlicheS Benehmen, Widersetzlichkeit, Seldsthilfe. Thätlichkeitcn, Verstöße gegen die gute Sitte lind Fahrlässigkeit. Man sieht, das Unternehmertum setzt die Beftinintiingen der'Gclverbe-Ordimiig außer Kurs, denn nach dem Paragraphen kann man jeden Arbeiter plötzlich entlassen. Eine große Texlilarbeitcr-Beriammlniig hat sich mit der An- gelegcnhcit' besaßt und hat beschlösse», dje Fabrikordiinng nicht an- zuerkennen nnd von den Untcrnehmem die Einhaltung ihres Ver» fprechens zu fordern. Die ganze Tcxtilarbeiterschaft Aachens geht geschlossen vor, nnd lann eS zu emem großen Ausstand konmrcii. I» Cnprn haben die W e b e r d e r Firma Ernst die Arbeit eingestellt. Der Unteniehmer wollte eine Lohureduktion vornehmen, mid bcaiiftragten daraufhin die Arbeiter ihren Ausschuß, vorstellig zn werden. Den Ausschußmitgliedern ivurdcn aber lnr.zer Hand die Papiere ausgehändigt. Sofort erklärte» sich jäniiliche Arbeiter mit dem Ausschuß solidarisch nnd verließen die Fabrik. Die Arbeiter gehören sämtlich dem christlichen Verband an. AuSlanb. Die Streikbrlvegnng in DlvinSk. lEig. Ber.) In der letzte» Zeit sind bei uns eine ganze Reihe von Streits i» den vcrschicdciifteii Gewerben zlun Ausbruch gekommen. Besonders hervorzuheben ist dabei, daß. bei diesen Streits nicht nur da» jüdische Proletariat, sondern auch daS christliche Proletariat Schulter an Schulter mit ihren jüdischen Kollegen un« Bcrbcfferuiig ihrer Lage kämpfen. Tie Hauptforderung bei diesen Streiks war die B e r k ü r z u ii g der Arbeitszeit und dieselbe wurde mich überall erzielt. Es streikten Tischler 225 Mann. Maurer 500, Maler 150. Schmiede 125, Eisen- bahnarbeiter SSMami. Außerdem streikten noch bieKiirichuer, Klempner, Bürstenarbciter, Sattler, Drechsler und Lederarbeiter. Sociales. Reichs. Zcnchcngesc», und Rohrleger. Die Rohrleger und Justallo teure Breslaus haben durch ihre Bc- aiistragten den B cv öllm ä cht» gte n Max K o r d i tz l c und den Vertrauensmann W i l h« Im Alter au die socialdcinolra- tis�en Rcichstogs-Äbgeordneteit das Erffichen �gerichtet: bei Beratung des Reichz-Seuchengesetzes Anträge zum Schütz' der Rohrleger und Jiiställatcure zn stellen. Znr Begründung ihres Verkang».ts mächen sie dgrans aufinerk- sam, daß sie in ihrem Berns bei Seuchen der Rnstecknngsgesahr mindestens ebenso stark ausgesetzt sind, wie Aerzte nnd Krauten- Pfleger. Sie haben Aborte, Pissoirs. Ausgüsse»md Bnde-Einrichtnngen zn revidieren und zn reparieren,'Anschliissc an Kanäle anSzuführen und dergleichen. Gerade bei dem Anftreteii- von Seuchen würden derartige Arbeiten häufiger als sonst vorznne.hmeii sein. Es gebe Kanalsusteiiie,- wo Arbeiter ans den zugänglichen Hanvikanäleii die darin lagernden Abfallstoffe heranszuholen nnd iii geschlosicne Wagen zn- bringen hätten. Arbeiten, die noch dazu niiter den uugiitisligstcn Umständen, zumeist bei Nacht. ausgeführt werden müssen.'Dabei ist eS gär nicht zu vermeiden, daß sie mit den die Ansteckliiigsleiilie in Massen enthaltenden Äbfallstoffen in direkte Be- tlihnmg kommen, sich die Kleider und den- Körper beschmutzen. ES stehet» ihnen aber weder Reiniginigs- noch Dcsiii'fektionsciiiriÄttzilgen zur Versiignng und auch zu Hanse sind sie bei' ihren- schlechten n'irtscbaftlichcn Verhältiiissen nicht in der Läge, jedesmal eine so gründ- liche Reinigung des Körpers oder gar der Kleider vorzniichinc». wie sie zur Vcrhiilnng von Kraiikheitsiibcrtragniigcn nötig tvare. Die Petenten ersuchen alle Interessenten, sofort zu der Frage Stellung zu nehmen nnd Znstiminimgserklärimgen an den Bevoll- iiiächtigtei! Max Korditzke in Breslau, Marimniciistraße 18, gelangen zu lauen._ • Tic Hamburger Bürgerschaft nahm in ihrer letzten Sitzung mit einigen Aenderniigen eine Vorlage des Senats an, die ans eine Saniermig der durch die Cholerä-Epideiine des Jahres 4692 satlsaiil bekannt gewordenen WohnnngShöhlen in den Gängen und Höfen der iunereu Stadt abzielt. Die Grimdeigentiimer-' Mehrheit der Bürgerschaft konnte natürlich nicht umhin, der Vor- läge das zn iiehineit. ivas sie besonders wertvoll machte. Nack der Vorlage sollte nämlich vor der Abschätzung der vorn Staat zn erwerbenden und dann niederzureißenden Hänser die vor ein' en Jahre» neu geschaffene Wohnnngspslegcbchölde. die durch chtlnpes Wirke» den ganzen großen Haß der Hansagrarier ans-sich'geladen hat, darüber gehört werden, ob die in de» Hnnfern- befindlichen Wohnimgeii verniictbar seien, mit einemWort: cS sollte-ntchtdersktinstlich erzielte, sich in den Miete-Einnahmen dotmncntierönde Wert für die Grundstücke gezahlt werden, sondern der reelle Wert der Kneift entsetzlichen Baracken. Diese Bestimmnng hat die Bürger- schaft zu Fall gebrockt. Die Wohnnngspslegebchörde soll nicht gehört werden. Dafür wird aber, wie der Senat ver« sichert, die AbichäyuiigSkommisfion die der WohnuiigSpslcgebehörde zugedachte Mission liberiiehineu nnd so hoffentlich vcrhinderii! daß die Grnndcigcutümer bei dem zum Wohl' der Gesamtheit geschaffenen Gesetz einen gar zn großen Rebbach machen. Opfer der Arbeit. Die„Oestreichische Eilschrift für Berg- und Hiittcnwescn- veröffentlicht eine viiitaressanre Charasteristik über die tvichtigsten Bergwerkskatastrophen der letzten ft'inf Jahre»1895 t iS 1899). An der Spitze marschiert Deutschland mit 40 schweren Explosionen mid Fenersbriiiistcn. wobei 700 Arbeiter� ihr Leben verloren. Vereinzelte Unglücksfälle sind bei dieser, istatistik deS TodeS auf dem Felde der Arbeit, der von keiiicm patriotischen Dichter besungen wird, nicht einmal mitgewählt. . An zweiter Stelle steht Rußland mit 650 Opfer». Hier kostete eine einzige Katastrophe sErsäufung von Schächte») 300 Arbeitern das Leben. Es folgen Amerika mit 395 und England mit 365 Opfern. In Amerika bildeten den Anlaß zur Katastrophe hauptsächlich Explosionen, in England außerdem auch Uebcrschlvcimmingen. In beiden Ländern sind nur Unglückssällc gezählt, die miiidcsleiis zehn Menschenleben kosteten; im ganzen ist daher wohl �>ie Zahl der Opfer erheblich größer. Es folgen weiter Ungarn mit 126, Spanien.mit 108, Frankreich mit 70, Belgien mit 48 Opfern.[■ ä Gewerkschnftsbewegnttg und die politischen Parteien lautete daS Thema, über das Genosse Bebel am Freitag in einer öffentlichen Versaiiimlung sprach. Das zeitgemäße Thema hatte eine zahlreicke Zuhörerschaft angezogen. Bis ans den letzten Platz war der große Saal des GelverksckaftshauscS gefüllt. Die Versammlung war von den Lithographen und Steiiidrnckern einbernfeii, es waren aber auch eine Anzahl bekannter Führer andrer Gewerkschaften, sowie Angehörige der uationalsocialen Partei und andere Leute aus bürgerlichen Kreisen amvesend. Bebel verwies znnächst daraus, daß eS die Geiverkschaften mit Rücksicht auf das Vereinsgesetz seither vermeiden mußten, Polittl innerhalb der Organisation zu treiben. Jetzt, nachdem das Ver- bindiingSverbot für politische Vereine aufgehoben ist. stehe aber den gewerkschaftlichen Organisationen kein Gesetz mehr im Wege, welches sie an der politischen Thäligkcit hindern köiintc. Mittlerlveile sei aber in der GewcrksckastSlvelt selbst die Ansicht anfgetancht, daß es nickt Aufgabe der Geiverkschaften sei, Parteipolitil zu treiben, sondern daß sie imr Fach- nnd BetriebSintcressen zu vertreten hätte. Daß diese Aiiffaffnng entstehen konnte, dazn trage der Umstand bei, daß wir in den Hirsch-Tnukerschcn Gewerlvercinen Organisationen liberalen Gepräges haben, und daßncnerdingS auch von katholischerund protestantischer Seite Gewcrlschaften gegründet worden seien, bei denen es hauptsächlich darauf ankomnie, die'Gläubigen der genannten Konfessionen zusammen zn halten. Jetzt gebe es fnnf geiverkschaftliche- Richtungen: 4. die so- gcnanntc sociäldemokratische, 2. die liberale Hirsch-Dunckersche. 3. die katholische. 4. die evangelische und 5. die durch den Buchdrucker- verband vertretene möglichst neutrale. .Nninvalich könne die Gewerkschaft ihre Zwecke erreichen, wenn ihre Mitglieder in verschiedene politische Richtimge» getrennt sind. Tie Unteniehmer seien sehr gut, viel besser wie die Arbeiter organisiert. Sie haben die Notwendigkeit einheitlichen Handelns ohne Rücksicht ans religiöse oder politische Meinungsverschiedenheiten be- griffen. Das lehre unS, daß die Zersplitterung, wie sie seit Jahren in der GcwerksckaftSbclvegnng besteht, nicht iveitcr bestehen dürfe. Die GcwcrkschäftSbelvegnng' habe die Aufgabe, auf dem Boden der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung die ArbeitSbedingimgeii für ihre Mitglieder möglichst günstig zu gestalte». Das könne sie aber mir, wen» sie die Bernssgenosien in möglichst großer Zahl hinter sich hat. nnd wenn sie über anSreicheiwe Mittel verfügt. Eine Zitknnftsorgnnisqtion sei die Gewerksckaft höchstens insofern. als sie nack der'Beseitigung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung die Leitung der Produktion in die Hand zn nehmen habe. Doch davon sei für hcnt abzusehen.' Wenn die Gewerlschaft stark ist»nd wenn sie eilte gute Leitung hat, dann werde eS ihr gelingen, für ihre Mitglieder verhältnismäßig erhebliche Vorteile zu erlangen. Täruiit sei es Pflicht aller Arbeiter, der Organisation ihrcS Berufs anzngehörcn. Vertrete man den hier dargelegten Standpunkt, dann sei cS selbstverständlich, daß P'a r t e i p o l i t i l ans den Gcwcrlschaften auszuschließen iei. Arbeiterpolitik dagegen müsscii die Gewerkschaften treiben. Arbeiterpolitik treiben heiße aber auch eine Reihe von Fordcrnngcii stellen, die ohne Politik und ausschließlich durch rein gewerkschaftliche Thätigkeir nicht erreicht werden können. So sei eS z. B. sehr schwer, Bernte, in denen die Arbeiterinnen über- wiegen, gut zn organlfieren, so lange die Frauen nicht social nnabhäiigtg find. In der HanSindnstrie habe die Organisation belämitlich»venig Erfolg gehabt. Wo eine Arbeiterkategorie nach Lage der Verhältnisse ans eigner Kraft sich nicht helfen kann, da iniisse die Gesetzgebung eingreife». Das gelte auch von den Arbeitern der Miiiiär-»nd Marinebctricbe, der Eisenbahn-, der Bergarbeiter usw. Anch hier niüsse die Gesetzgebung, besonders die Kritik in den gesetzgebenden Körperschaften eingreifen, nm für drese Arbeiter, die unter der Gcivalt der Behörden stehen, ettvaS zn thun. Tie bürgerlichen Parteien hätten aber in dieser Hinsicht so gut wie nichts gclhan. Der Redner besprach nun die belannten gegen die Social- bemolratie gerichteten Auslassungen des»Korrespondent der Buchdrucker. Da heiße es, die Socialdemokratie habe troy B7 Stimmen im Reichstag die Arbeitszeit noch nicht um Vi Stunde verkürzt und den Lohn noch nicht um 5 Pf. erhöht. Wenn das ein in der Wolle gefärbter Bourgeois geschrieben hätte, dann wäre es begreiflich, nicht aber von dem Redacteur eines Arbeiterblatts, einem früheren Socialdemokraten. Bebel erinnerte daran, daß ia die ganze Socialgesetzgebung nicht wäre, wenn wir nicht die socialdemokratische Partei hätten. So lange wir im Reichstage in der Minderheit sind, können wir freilich keine Gesetze in unserm Sinne machen, aber wir können, und das haben wir stets gethan, anfeuern, antreiben, und dadurch hat die Socialdemokratie der Regierung und den Parteien schon manches abgenötigt. Parteipolitik soll die Gewerkschaft nicht treiben. Klassenpolitil dagegen soll man als Politiker, aber nicht als Gewerkschaftler treiben. Ich habe früher— sagte der Redner— in dieser Frage eine andre Meinung gehabt. Ich bin jetzt der Meinung, daß die einseitige politische Thätigkeit in den Gewerkschaften ein Fehler war. Es ist nicht richtig, wenn man von dem Gewerkschaftler verlangt: Du mußt die und die politische Ansicht haben! Weiter nahm Bebel Bezug ans eine Aenßerung des„Evangelischen Arbeiter- boten", worin den Gewerkschaften geraten wird,' eine Brücke zur Verständigung mit den bürgerlichen Kreisen zu schlagen. Er vcr- urteilte diesen Harmoniestandpunkt als eine politische Bestrebung. die die Gewerkschaften entschieden bekämpfen müßten und schloß unter Hinlveis auf die beiden Seiten der Arbeiterbewegung politische und gewerkschaftliche, mit den Worten: Thun Sie das Eine, aber lassen Sie nicht das Andre!(Lebhafter Beifall.) Dem Vortrage folgte eine rege, ausgedehnte Distnssion. Znep sprach ein evangelischer Theologe, Reinhard Wurm mit Nanien. Er sieht die Socialdemokratie durch die unpolitische Gg- wcrkschaftsbewegung gefährdet, und meint, die Socialdemokratie habe deshalb ihren tüchtigsten Redner vorgeschickt, um ihren Einfluß arr die Gewerkschaften nicht ganz zu verliere». Weiter plaidierte der Redner für einheitliche, unpolitische Gewerkschaften, in denen alle mitarbeiten können, denen es um das Wohl der Arbeiter zu thun ist. T i s ch e n d ö r f e r ist erfreut, daß seine Anschauung, die Politik habe in der Gewerkschaft nichts zu thun, von Bebel geteilt wird Für die Gewerkschaften in Deutschland sei der Bucki drucker-Verband ein Vorbild, denn er habe es verstanden, stabile Arbeitsverhältnisse und damit Ruhe inr Gewerbe zu schaffen.— Die Gewerkschaftsarbeit müsse Klassenpolitik, Arbciterpolitik sein. Wenn sie dabei einmündet in die Bahnen der zur Zeit arbeiterfreundlichsten Partei, der Socialdemokratie, so brauche man das nicht zu hindern Wenn Vorträge, wie der heutige, öfter gehalten werden, so würde bald den christlichen Gelverkschaften, die nichts als eine Reaktion gegen die socialdemokratische Arbeiterbetvegung seien, und auch den Hirsch-Dnnckerschen der Boden abgegraben werden. Der Redner be zeichnete sich als Verfasser deS von Bebel angezogenen Artikels des „Evangelischen Arbciterboten" und meinte, er habe in demselben nicht für die Aussöhnung der Arbeiter mit der bürgerlichen Klasse eintreten wollen, sondern für eine rein gcwerkschaftlchc. zu fried lichen Verhandlungen mit den Ilnteniehmern stets bereite Arbeiter organisation. Nachtigal schloß sich im allgemeinen den von Bebel ver- tretenen Anschauungen an, ebenso P ö tz s ch, der unter anderm ausführte: Wenn wir auch von der Ansicht, die Gcwerk- schaften seien die Rekrntenschule für die Socialdemokratie, ab gekommen seien, so dürfe man doch nicht, wie es Tischen dörfcr thue, glauben, die Sympathie der bürgerlichen Kreise sei uns sicher, wenn wir uns nicht als Socialdemokraten zeigen. Jede Lohnbewegung werde, um sie zu kompromittieren, von bürgerlicher Seite als socialdemokratisch bezeichnet. Parteipolitik sollten die Gewerkschaften nicht treiben, aber ohne Politik gehe es nicht, denn die Gewerkschaften könnten doch nicht umhin, sich mit Fragen des Arbeiterschutzes zu befassen, und das sei schon Politik. Man' brauche in der Gewerkschaft nicht immer den socialdemokratischen Standpunkt betonen, man solle aber nicht ein für allemal sagen, die Ge wertschaften dürfen keine Politik treiben. Viele Berufsgrnppe» können durch gewerkschaftlichen Kampf gar nichts erreichen, hier müsse die Gesetzgebung erst die' Bahn frei machen. Redner citiert einen Paragraphen aus dem Statut der „Evangelischen Arbeitervereine", der als Hauptzweck des Bundes die„gemeinsame und planmäßige Bekämpfung der Irrlehren der Socialdemokratie" hinstellt. Sei das ctlva keine Politik? Auch die Hirsch-Dunckerschen sind durchaus politisch, indem sie durch den bekannten Revers die Socialdemokraten von ihren Vereinen ausschließen. Er warne davor, ans einem Extrem in das andre zu verfallen, gewerkschaftliche und politische Fragen ließen sich vielfach nicht trennen. Nach einer Geschäftsordnungs-Debatte. die sich um Vertagung oder Schluß der Debatte drehte, erhielt M a s s i n i das Wort, um, wie er sagte, auf die Angriffe Bebels gegen den Buchdruckcr-Verband KU antworten. Bebel habe gesagt, an den Auslassungen Rcxhäusers im„Korrespondent" sehe man, wohin die Neutralität führt. Redner meint, wenn Rexhäuser die Angriffe, die der Buchdrucker-Verband seit 18SS von der Socialdemokratie zu erdulden hatte, in anständiger Form zurückweise, so thue er damit nur seine Pflicht als Redacteur des Verbandsorgans. Wenn es der Socialdemokratie daran läge, daß dieser Streit aus der Welt geschafft werde, dann hätte der Parteivorstand der„Leipziger Volkszeitung" und dein„Stettincr Vollsboten" untersagen sollen, einen so gehässigen Ton gegen den Bnchdrucker-Verbnnd anzuschlagen, wie sie es gethan. Das Unrecht. was man uns seit Jahren zugefügt hat, werden ivir bekämpfen, und in diesem Kampfe werden wir Sieger bleiben. Ich hoffe, daß es nicht wieder vorkommt, daß der„Vorwärts" Citate aus dem Zu- sammenhang reißt und daran unberechtigte Angriffe knüpft. Das ist nicht recht, das ist nicht nobel, und ich weise es zurück. Bebel ivandte sich in seinem Schlußwort zunächst gegen Massini, dessen letzte Ausführungen einen ziemlich erregten Ton hatten. Erregte Leute— sagte Bebel— haben selten recht. Nicht gegen den Buchdrucker- Verband, sondern gegen dessen Redacteur Äexhänser habe er sich geivandt. Eine sonderbare Ansicht sei eS, wenn Massini meine, der Parteivorstand habe das Recht, den Partei blättern zu sagen, was sie schreiben sollen. Eine solche Diktatur bestehe bei uns nicht. Der„Korrespondent" habe in den letzten Jahren so viele Angriffe gegen die social- demokratische Partei geschleudert, daß es ein Verbrechen wäre, wenn die socialdemokratische Presse nicht darauf geantivortet hätte. Der Buchdrucker-Verband sei stets so neutral gewesen, daß er den Arbeiterstandpunkt nie vertreten habe. Als ihm aber bei dem großen Streik im Jahre 18S2 die Mittel ausgingen, da sei er an die socialdemokratische Partei heran- getreten und habe auch von derselben Geld erhalten. Ein Beweis, daß die Partei dem Buchdrucker-Verband nicht feindselig gesinnt war. Von den Buchdruckern seien die Angriffe auf die Partei ausgegangen, und dadurch sei die gegenlvärtige Spannung erzeugt worden. Sorgen Sie dafür, daß Ihr Redacteur nicht einen Ton gegen die Socialdemokratie anschlägt, der ein Skandal in der Arbeiterbewegung ist.(Stürmischer Beifall. Massini ruft:„Er hat es gelernt I") Nun, lvenn er diesen Ton gelernt hat, dann sollte er nicht die unanständigen Sitten andrer Leute nachahmen.(Lebhafter Beifall.) Hierauf wandte sich Bebel gegen einige Ausführungen Tischendörfers, und bemerkte zu den Auslassungen Wurmö, daß dessen Ansicht über das Verhältnis der Socialdemokratie zu den Gewerkschaften und die Ursache der heutigen Versammlung ganz unzutreffend seien. Von der Nentralisierung der Gewerkschaften habe die Socialdcnwkratie keinen Schaden. Die Versammlung endete um 12�/2 Uhr. Zur Fortsetzung der Debatte soll eine neue Versammlung, in der Bebel aber nicht erscheinen kann, einberufen werden. Berliner Partei-Angelegenheiten. Parteigenossen der Schönhauser Vorstadt veranstalten am Pfingstmontag in Mierkes Volksgarten, Schönhauser Allee 101, ein F r ü h k o n z'e r t. an dem die Gesangvereine„Rote Nelke" und „Gleichheit", sowie eine Kapelle der Eivilberufsmusiker mitwirken. Eintrittskarten zu 20 Pf. find bei allen bekannten Parteigenossen zu haben. Um rege Beteiligung wird gebeten. Sechster Wahlkreis. Eintrittskarten zur heutigen Urania- Vorstellung nachmittags 4 Uhr sind noch bei Tauschel, Wiesen- straße 29, zu haben. Freie Volksbühne. Heute nachmittag VI. Abteilung im Lessing» Theater: Die drei Töchter des Herrn Dnpont. Gleichzeitig nach- mittags 2Vi Uhr, im Carl Weiß- Theater. IV. Abteilung: Abschied vom Regiment, von O. E. Hartlcben. F r i tz ch e n, von Herm. Sudermann. Abschiedssouper, von Arthur Schnitzler. In Schöneberg hält Montagabend 8 Uhr Frau Dr. Zepler im Klubhanse. Hauptstraße 5/6, einen Vortrag:„Welchen Wert hat die Bildung für die Arbeiterin. Auch sieht die Gründung eines Vereins für Frauen und Mädchen auf Tagesordnung. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Goviiszks-'Iettung. Welche unhaltbaren Sitnatione» der fliegende Gerichtsstand der Puffe schafft, zeigte sich gestern wiederum bei zwei Ver- Handlungen vor dem hiesigen Schöffengericht. In dem einen Fall war der'Redacteur einer in Nürnberg erscheinenden Branerzcitung hier in Berlin angeklagt worden, weil er einen Mann in Riesa in Sachsen beleidigt hatte. Dieser kraffe Fall hatte seiner Zeit dem damaligen Vorsitzenden. Rcichstagsabgeordneten Amtsgcrichtsrat Gau l k e Veranlassung gegeben, sich für unzuständig zu erklären und in einer umfangreichen Begründung darzulegen, daß solche Zilstände als sinnwidrige bezeichnet werden müßten. Es hat nichts genützt. Bei dem zweiten Fall liegen die Verhältnisse ebenso sonderbar. Der königlich bayrische Kammersänger Brucks, der Ehemann der geschiedenen Gräfin L a r i s ch, Tochter des Herzogs Ludwig von Bayern, fühlt sich durch den Theaterkritiker der Elberselder„Neuesten Nachrichten" verletzt; er wohnt auf seinem Schlosse in Tegernsee, der Beklagte in Elberfeld, die Klage ist aber bei dem Berliner Gericht er- hoben, weil die„Neuesten Nachrichten" auch in 12 Exemplaren nach Berlin gelangen! Kammersänger Brucks sang am 24. Ob tober vorigen Jahres bei einem Gastspiel- Cyklus im Elber selber Stadllheatcr den„Trompeter von S ä k k i n g e n". Tags darauf erschien in den„Elberf. N. Nachr." eine Besprechung des Kritikers Herrn Dorp, in welcher dieser seinen Unwillen darüber ausdrückte, daß Herr Brucks angeblich in einem Zustand auf der Bühne erscheinen sei, der auf reichlich genossenen Wein hindeutete. Der Sänger fühlte sich durch diese in viele andre Blätter iiber gegangene Behauptung beleidigt und strengte die Privatklage an. Er ivurde im gestrigen Termin durch Rechtsanwalt Hugo Marcus«, Herr Dorp durch Nechtsantvalt V r o d n i tz vertreten. Nach kurzer Verhandlung, in welcher auf die bei den Akten befindlichen umfang- reichen Schriftsätze Bezug genommen wurde, kamen unter Mitwirkung des Gerichts die Vertreter der Parteien dahin überein, bei ihren Auftraggebern einen Vergleich auf folgender Grundlage anzu bahnen:„Ter Angeklagte erklärte: auf Gnuid der stattgehabten Beweisaufnahme halle ich mich für überzeugt, daß der Privatkläger bei der Ausführung des„Trompeters von Sälkingeu" im Elberselder Stadt-Theatcr am 24. Oktober 1899 von einer heftigen stimm lichen Erkrankung befallen war. Dem gegenüber hebe ich jedoch hervor, daß ich bei der Abfassung meiner Kritik vom 25. Oktober v, I. nach dem äußeren Eindruck mich zu den ge- wählten Ausdrücken berechtigt halten durfte. Eine Bclcioiguug des Privatklägers hat mir fern gelegen."— Zum Abschlüsse deS Ver- gleichs wurde eine Frist von 14 Tagen festgesetzt. Eine Schein. Ehe von kurzer Dauer beschäftigte gestern die 4. Strafkammer des Landgerichts I. Der Arbeiter Friedrich Kaminski verlobte sich im Anfang des vorigen Jahrs mit der 20jährigen Tochter des Tischlers K. Am 24. März v. I. sollte die standesamtliche Trauung stattfinden. Al§ der Vater der Braut sich erbot, die jungen Leute zu begleiten, erklärte Kaminski, daß es nicht nötig sei, da er bereits für Trauzeugen gesorgt habe. Der Vater, der seine Arbeit nicht versäumen wollte,»ahm darauf gern von der Bcgleitriiig Abstand. Auf dem Weg zum Standesamt erklärte Kaminski einer Braut, daß die Trauung nicht stattfinden könne, da er sich die nötige» Papiere noch nicht habe verschaffen können. Er überredete ie, den Eltern zu versichern, daß die Cercmonie stattgefunden habe. Mittags kehrten sie angeblich vom Standcsamte zurück. Sie»ahmen die Glückivünsche der Verwandten entgegen und am folgenden Tage richtete K. das Hochzeitsmahl her, so gut eS in seinen Kräfte» stand. Dann bezog das junge Paar eine von den Schwiegereltern ein- gerichtete Wohnung. Für Kaminski begann jetzt ein freundliches Leben, er ging jeder Arbeit aus dem Wege und be- chäftigte sich nur damit, die wenigen Barmittel, die er als Mitgift bekommen, zu verprassen. Dann wanderte ein Stück der neuen Möbel nach dem andern zum Trödler, bis die Wohnung fast völlig ausgeräumt war. Kaminskis angebliche Frau erhielt fast täglich Prügel, iveil sie sich weigerte, ihn durch gewerbsmäßige Un- zu'cht zu ernähren. Aus Furcht vor ihr angedrohten schiveren Miß- Handlungen ließ sie sich aber beivegen, ihren Eltern ein Sparkassen- buch über 40 M. zu stehlen.. Als auch dies Geld verpraßt war. lüchtcte die K. zu ihren Eltern und beichtete. Kaminski suchte sie noch einmal auf. traf sie aber nicht anwesend. Er fand bei diesem Bestick, Gelegenheit, eine Uhr, die an der Wand hing, mitzunehmen. Der Staatsanwalt hatte keinen Zweifel daran, daß der Angeklagte nie die Absicht gehabt hatte, die Zeugin K. zu heiraten, er beantragte gegen ihn zwei Jahre Gefängms. Der Gerichtshof bezeichnete das ganze Verhalten des Angeklagten als ein so bodenlos gemeines, daß auf eine härtere Strafe erkannt werden müsse; das Urteil lautete auf drei Jahre Gefängnis und dreijährigen Ehrverlust. Ein prügelnder Polizist ist vorgestern in Schweidnitz wegen Körperverletzung und Freiheitsberaubung zu sechs Monate» Gefängnis verurteilt worden. Der Edle hatte eine» Schlosser, ohne daß er irgendwie von dem Arbeiter belästigt worden war, mit Ohrfeigen traktiert und ihn grundlos verhaften lassen. Der Holzarbeiter-Vcrband hielt am 22. d. M. bei Keller. Koppcnstraßc, eine Bautischler-Versammlung ab. Maß erörterte die Einigungsbedingungen vom letzten Streik und die Stellung der Bautischler dazu. Sodann berichtete er über die Thätigkeit der Acht- zchner-Kommission und bemerkte, daß überall, wo dieselbe angerufen ist, zur Zufriedenheit der Kollegen die Sache erledigt wurde, denn meistenteils handelt es sich um den Mehrbetrag der erhöhten Ma- schinenpreise. welche nach den Einigungsbedingungen der Arbeilgeber zu zahlen hat. Man müsse verlangen, daß die Kollegen ihre Arbeit- geber auf die Einignngsbedingungen aufmerksam machen und wenn keine Einigung erzielt tvird, der Bezirkskommission Mitteilung zu machen. In der Diskussion sprachen fich alle Redner für Ausstellung eines Tarifs aus. Beschlossen wurde, daß die Obmänner sämtlicher Bezirke Material zum Zweck der Ausstellung eines Tarifs janunclu sollen. Die Freie Vereinigung der Civil-BerufSmusiker hielt am 22. Mai ihre Mitglieder-Verfammlung ab. Aufgenommen wurden drei Kollegen. Die Versammlung bewilligte den streikenden Tabak- arbcilern in Finsterwalde 20 M. Unter Verschiedenem kam man auf die Veranstaltungen am 1. Mai zu sprechen und wurde mitgeteilt. daß im 4. Wahlkreis(Osten) und im 6. Reichstagswahlkreis außer der Schönhauser Vorstadl nicht organisierte, ja sogar LehrlingSkapcllen die Musik aufführten. Hierüber entstand eine längere Diskussion, die mit Annahme folgender Resolution endete: Die Versammlung erklärt die Handlungsweise der Festkomitees des vierten Reichs- tags-Wahlkreises(Osten) und des sechsten Reichtags-WahlkreifeS (ausgenommen den Bezirk Schönhaufer Vorstadt) zur diesjährigen Maifeier betreffend die Beschäftigung unorganisierter Musiker, sogar Lehrlingskapellen trotzdem die Freie Vereinigung durch Zn- rückgehen auf den 1395er Tarif den Komitees entgegenkam, für eine die geiverkschaftliche Bewegung so schädigende und unsolidarische, daß vom' gewerkschaftlichen Standpunkt dieses'Beginnen zu argen Bedenken Anlaß geben muß. Die Dekateure(Filiale III) hielten am 20. Mai bei Feindt, Weinstr. 11, eine außerordentliche Generalversammlung ab. Auf der Tagesordnung stand der Bericht der Lohnkommission. Es wurde beschlossen, folgende Lohnskala aufzustellen: Minimallohn pro Woche für Meister 35 M.. für Aufschläger 26 M.. für Abkocher 26 M., für Dreher 22 M., für Hilfsarbeiter 22 M., für Ablieferer I 30 M., ftir Kutscher 24 M. Sodann wurde zum 2. Vorfitzenden Ziehm und zum 2. Schriftführer Rosenbaum gewählt. Unter Vereiusangelegenheiten empfahl man, das Verlangen zu stellen, daß der 1. Mai gänzlich frxi- gegeben wird und außerdem am Sonnabend nicht um 7 Uhr, sondern iim 6 Uhr Feierabend eingeführt wird. Luckoscheck verlangte, daß die ausgegebenen Listen für die ausgesperrten Elberfelder Arbeiter sobald wie möglich abgeliefert werden. Der Verband deS technischen Bühnenpersonals hörte in seiner Mitgliederversammlung am 19. d. MtS. einen Vortrag des Herrn Nachtigall über„Zweck nnd Stutzen der gewerkschaftlichen Organisation". In der Diskussion wurde allseitig dafür eingetreten. daß die Bühnenangestellten dahin streben müssen, eine» Minimal- lohn von 100 M. nionatlich zn erreichen. Auch soll die Erlangung eines wöchentlichen Ruhetags als nächstes Ziel gesteckt werden. Daß diese Forderungen durchgeführt werde» tönnc», zeigen die Theater in Leipzig, die ihren Angestellten drei Ruhetage im Monat ge- währen. Auch in Augsburg hat das Personal zwei bis drei Tage im Monat frei. Man beschloß, behufs besserer Kontrolle von jetzt an zu den Versammlungen die Mitgliedsbücher mitzubringen. Rixdorf. Eine Versammlung der Tabakarbeiter und Arbeiterinnen beschäftigte sich am 23. Mai mit dem Lohnabzug bei der Firma C. Schulz. ES wurde folgende Resolution angenommen: Die Ver- sanimlung spricht dem Cigarrenfabrikanten C. Schulz, Rixdorf, Stein- nietzstraße 72. ihre Entrüstung über den von ihm verfügten Lohn- abziig aus. Sie erwartet von den Arbeitern Rixdorfs, daß dieselben ibre Rechte energisch mit vertreten nnd dem betr. Herni zeigen, daß Sie nicht gewillt sind, die schlechte Lage der Tabakarbeiter noch Ivciter herunter drücken zu lassen. Im weiteren beauftragte die Versammlung den Delegirten zum Gewcrkschaftskartell, daß er die übrigen Gewerkschaften ersucht, die Tabokarbeiter in diesem Fall zu unterstützen. Allgciiieiuc Famtlieu-Sterde Kasse. Heut« Zahltag: Ackerslr 123 bei Diele und Oranienstr. 185 bei Bukow von 3—6 Uhr. VevsÄmnrlungen. Der Ausstand der Parkettbodenlegcr dauert unverändert fort und sind die Verhandlungen, die am Freitag zivischen der Lohir konimission und den Fabrikanten ftattgefimde» haben, vorläufig als gescheitert zu betrachten. Die Fabritanten haben wohl verschiedene Preiserhöhungen zugestanden und auch die übrigen Forderungen teilweise anerkannt, aber daran die Bedingung geknüpft, daß der Tarif erst am 1. Oktober in Kraft treten soll. In der stark besuchten Versammlung, die gestern im GcwerkschaftS- hause tagte, wurde über die Verhandlungen mit den Unternehmern be- richtet. Das Auerbieten der Unternehmer begegnete lebhaftem Widerspruch. Allgemein wurde der Meimmg Ausdruck gegeben, daß die Bedingung bezüglich des Jnlrafltretciis deS Tarifs für die Arbeiter völlig un» annehmbar sei, schon deshalb, tveil am 1. Oktober wenig Arbeit vorhanden ist und der Tarif für die Arbeiter dann gar keinen erheblichen Wert hat. Nach längerer Diskussion und nachdem die Ausständigen der einzelnen Firmen längere Zeit unter sich beraten hatten, wurde beschlossen, nur dann den Ausstand zu beenden, lvenn die Hälfte der zugestandenen Bedingungen sofort bei der Wiederaufnahme der Arbeit und der gesamte von den Unternehmern bewilligte Tarif vom 1. Juli ab in Kraft tritt. Dieser Tarif s»ll sodann auf zwei Jahre festgelegt werden. Auf Grmid dieses Beschlusses wird die Lohnkommission aufs neue mit den Vertretern der Unternehmer- Vereinigung in Verhandlung treten und gleichzeitig die Abänderung einiger' Positionen des beivilligten Tarifs beantragen. Falls die Unternehmer den entgegenkommenden Vorschlag der Ausständigen nicht acceptieren. so sollen die von den Arbeitern ursprünglich auf- gestellten Forderungen im vollen Umfang anftechterhalten und die Arbeit nicht eher aufgenommen werden, bis dieselben zur An- erkennung gelangt sind. Der Krieg. Wird eS Lord Roberts gelingen. den Baal zu überschreiten? DaS ist die Frage, von der die weitere Gestaltung de« Krieg« wesentlich abhängt.'Trotzdem der Uebergang über den durchschnittlich 20 Fuß tiefen Fiutz in Anbetracht des UfergeländeS und des zu er- wartenden hartnäckigen Widerstands als sehr schwierig angesehen wird, bofft man in England dennoch auf raschen, glücklichen Erfolg der Operationen des Oberstkommandiercnden. UcbrigcnS hat die B o r h u t der Engländer bereits den«aal überschritte». Roberts meldet ans Wolvehoek vom 26. Mai, daß die Vorhut der Engländer bereits vorgestern bei ParyS den Baal über- schritten hat. Die Abteilung des Generals Hamilton steht in Bosch- dank. Die englischen Anfklänmgsmannschattcn stehen in Biljoeus Trift. Die dort befindlichen Kohlenminen sind unbeschädigt. Die Arbeiten in denselben sind nicht unterbrochen. Südlich deS Baal steht kein Boer mehr. Ferner liegt folgendes Telegramm vor: Warrcntön, 25. Mai.(Meldung deS„Reuterschen Burean»'.) Die Boeren, welche sich von Mafeking nach dessen Entsetzung zurück- gezogen hatten, bereiten fich jetzt vor. den Engländern den weiteren Vormarsch von Mafeking an einem Punkte 10«ngl. Meilen östlich der Stadt streitig zu machen. Letzte Mcldnugen. Pretoria, 26. Mai.(Meldung des Reuterschen BnreauS.) Das amtliche Blatt meldet, daß die britischen Truppen den VaalflnS bei GroblerS Drüfte in der Nähe von ParyS überschritten haben. Die Brücke bei Verccniging ist von den Boeren in die Luft gesprengt worden.— Nachdem die Boeren Heilbron wieder genommen haben, sind sie den Briten bis nach Walvehoel gefolgt. Die Reichstagswahl in Nürnberg. Durch den Tod nnsres unglücklichen Parteigenossen Oertel machte sich für den Wahlkreis Nürnberg eine Nachwahl nötig, welche am gestrigen Sonnabend stattfand. Nürnberg gehört zu den unbestrittenen Besitzständen der Socialdemokratie, schon seit 18S1 befindet er sich in unfern Händen; der Sieg war uns denn auch gewiß. Ueber den Ausfall der Wahl wird unS depeschiert: Nürnberg, den 96. Mat. Bis 9 Uhr werden gezählt für Südekmn(Soc.) SS 409 gegen Teiler(Mischmasch) 14999. Eft» Teil der ländlichen Bezirke steht noch a«S, dies wird aber am Endresultat nicht» ändern. Oertel erhielt 1397. als er für den verstorbenen Grillenberger eintrat 20 173, die verschiedenen Gegner 14 094. Bei der Haupt- Wahl 1893 erhielt Oertel: 22 593 gegen 13 872. Das Stimmen- Verhältnis ist also ziemlich gleich geblieben. Uetzke Tlaitzvichte» und Depeschen. Wien. 26. Mai.(W. T. B.) Del den heutigen Gemeinderats- Stichwahlen im ersten und neunten Bezirk wurden durchiveg Anti- semitcn gewählt. Im letzteren Bezirk hatten die Liberalen Wahl- eiithaltung als Parole ausgegeben, weil sie die Gesetzlichkeit der gestrigen Hauptwahl anfechten. Budapest, 26. Mai.(W. T. B.) Di« ungrische Delegation hat in ihrer heutigen Plenarsitzung nach kurzer Debatte das Heeres- budget im allgemeinen angenommen und die Fortsetzimg der Special- debatte auf Montag anberaumt. Verantwortlicher Redacteur: Paul John in Berlin. Für den Jnscratentetl verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu 4 Beilagen und NntrrhaltungSblaU« Sr. 12!. 17. 1-W-g. 1. Ktllllßt Veichskag. 203. Sitzung. Sonnabend, den 26. Mai Ivoo. 11 Uhr. Slm Bunde-ZratStisch: Graf Posadowsky, Graf B ü l o w. Tlnf der Tagesordnung steht zunächst die erste»nd eventuell zweite Beratung des Gesetzentwurfs betr. die Haudelsbezichungen zum britischen Reich, wodurch der Bundesrat auch über den' 30. Juli 1900 hinaus bis auf weiteres ermächtigt wird, den Angehörigen und den Erzeugnissen des britischen Reichs und seiner Kolonien sunt Ausnahme von Canada und Barbados) daS Recht der„Meist- bcgüiistigung" weiter zu gewähren. Abg. Dr. Oertel(kons.) bedauert, daß die Vorlage zu einer Zeit eingegangen ist, wo eine gründliche Erörterung nicht mehr möglich'ist. Früher ist die Ermächtigung nur auf ein Jahr erteilt, jetzt soll sie„bis auf weiteres" erteilt werden. Dem könnten wir nur zustimme», wenn gewiß wäre, daß bereits im nächsten Jahre der neue Zolltarif zur Beratung stände. Staatssekretär Graf Posadowsky: Die Vorbereitungen für de» neuen Zolltarif und das Zolltarif- Gesetz sind so ivcit gediehen, daß begründete Hoffnung vorhanden ist, daß diese Vorlagen in nächster Session vorgelegt werden können. Abg. Möller-Dnisburg snatl.) erklärt namens seiner Freunde sein Einverständnis mit der Vorlage und begrüßt die Erklärung des Staatssekretärs. r Abg. Brömcl{frf. Vg.) will dem Verlangen der Vorlage nicht widerspreche», da die Mehrheit zur Bewilligung geneigt iß. Was den neuen Zolltarif anlangt, so möchte ich bei dieser Gelegenheit zur Sprache bringe», daß von einer Vernehmung von Sachverständigen über die Höhe der Zölle nach einer offiziösen Meldung Abstand'genommen iverden soll. Jeden- falls wäre es dringend wünschenswert, daß der neue Zolltarif so bald wie. möglich der Oefsentlichkeit unterbreitet würde und nicht erst bekannt wird, lpeim er dem Reichstag zugeht. Staatssekretär Graf Posadowsky: Ter neue Zolltarif ist so gut vorbereitet, wie nie vorher ein ähnliches Gesetz. Das ReichSamt des Innern und daS Reichs- schatzmnt ist durch die Interessenten auch vollkommen unterrichtet über die Wünsche betreffs der Zollhöhe der verschiedene» Artikel. Die Angriffe gegen das Rcichsamt des Innern in dieser Beziehung sind vollkommen unbegründet und tragen den Stempel der Tendenz an der Stirn. Abg. Dr. Paasche(nat.): Wir sind dem ReichSamt des Innern außerordentlich dankbar für die sorgfältige Vorbereitung der Handelsverträge und hoffen, daß Sic aus dem eingeschlagenen Wege weiter fortschreiten»verde».— WaS den vorliegenden Entwurf anlangt, so hat er mich doch einigermaßen überrascht. Wer garantiert uns denn dafür, daß nicht>vic Canada nnd jetzt Barbados so auch später weitere Kolonien von dem Meist- bcgünstignngSverhältniS hcransbröckeln und uns differenziert bc- Händeln? In einzelueu Fällen könnte nnS daS recht empfindlich werden. Mir wird, die Zustimmung zu der Vorlage unter diesen llinftänden nicht leicht. Abg. Rösitfe-Dessau swildlib.): Der Abg. Brömcl hat sich nur darüber beklagt, daß. obgleich die Sachverständigen nur zur Beratung des Tarifschemas eingeladen luarcn, doch auch über die Höhe der Zölle verhandelt wurde. Vor allen» hat sich Herr Brömcl darüber beklagt, daß diese Verhandlungen als vertrauliche behandelt iverden. Es ist ein berechtigtes Interesse aller Interessenten, über die gefaßten Beschlüsse informiert zu werden. Die scharfe Zurückweisung des Herrn Abg. Brömcl durch det» Herrn .Staatssekretär mar also wohl nicht angebracht. Abg. Dr. Rösickc-KaiserSlautern(B. d. y.): In» vergangenen Jahr haben wir die Werte bis mif weiteres in dem vorliegenden Entivurf gestrichen, nnd ich sehe ab- s olut keinen Grund ein, ivcSlialb»vir heute die Ermächtigung für länger als ei» Jahr erteilen sollen. Ich behalte niir daher vor, bei der zlvciten Lesung dieselbe Aenderung zu beantragen, die wir in, Vorjahre- vorgenonunen haben. Staatssekretär Gr'af Posadowsky: ES ist vollkommen unmöglich, die Höhe der Zollsätze ohne Ver- .iichiming Sachverständiger festzusetzen. Diese Sachverständigen be- schließen aber nichts. sondern sind eben nur Gutachter. Die Ver- ösfenllichung der Verhandlungen ist aus handelspolitischen Gründe,» ganz unmöglich. Abg. Brömcl iFrs- Vg l .bittet nochmals um»nöglichst baldige Veröffentlichung des neuen autonomen Zolltarifs. Damit schließt die erste Beratung. Zur zweiten Beratung liegt .der Antrag R ö s i ck e- Kaiserslautern sB. d. L.) vor, die Worte „biS auf weiteres" zu ersetzen durch die Worte„bis zun» 30. Juli 1901". Abg. Paasche lnatl.) schließt sich diesem Antrag an. Abg. Tr. Bache»»<(£.) bittet ebenfalls den Antrag anzunehine». llnsre Position England gegenüber wird absolut nicht' geändert, ob »vir die Ermächtigung aiif ein Jahr oder bis auf weiteres erteile». Nachdem auch die Abgg. Dr. Lertcl(k.) nnd Möller-DniSburg (imtl.).fich für den Aiitrag Rösickc ausgesprochen haben, wird der Antrag Rösicke. mi» großer Mehrheit angenommc», ebenso der so veränderte Gesetzentwurf in zweiter Lesung. . Abg. Richert(srs. Vp.) beantragt sofort die dritte Lesung dieser Vorlage vorzunehmen. Abg. Dr Sattler lnatl.) ist principicller Gegner jeder lieber- .stürzmig. bei Beratung wichtiger Gesetze uud richtet die Anfrage an die Regierimg. weshalb sie die Erledignng der Vorlage»och heute Ivünscht. � Staatssekretär Graf Posadowsky: Die schleunige Erledigung .ist erwünscht, damit die Handelsivclt sich danach einrichten kann. Natürlich ist cS der Regierung gleichgültig, ob sie das Gesetz heute verabschieden, wenn die Ermächtigung nur vor Pfingsten erneuert wird. Abg. Dr. Bachem IC.): Die Regierung wußte doch, daß der Wunsch bestand, i» dieser Woche in die Ferien zu gehen. Wenn ihr so viel an der Erledigung der Borlage vor Pfingstc» lag. hätte sie dieselbe ja acht Tage früher ciiibringci» können. Abg. Rickert Ifrs. Vg.) zieht darauf seinen?lntrag, die dritte Lesung sofort vorzunehmen, zurück. Die dritte Beratung der UufalluersicherungSgesey-Novelle» wird, hieraus bei dein Ma u tclgesetz fortgesetzt. Die§js 1—6 werden dcbatteloS angenommen. 8 7 wird i» der von, Abg. R ö f i ck e- Deffa» vorgeschlagenen Fassung gleichfalls debattelos augenomnien. § 9 handelt von den Koste» des Schiedsgerichts. Es beantragen die Socialde molraten, folgeildc» Abs. 4 zu streichei»:„Das Schiedsgericht ist befugt, bei» Beteiligten solche Koste» des Verfahrens zur Last zu legen,»velche durch Mutwille» oder durch ei» auf Verschleppung oder Jrreführmig berechnetes Verfahren derselben ver- einlaßt sind." Abg. Hoch ISoc.) begründet den Alitrag. ES liege keine Ver- nukasmiig vor, den Beteiligten i,» einzelnen Fällen die Kosten deS Verfahrens anfzuerlegen. Hierauf»vird der Paragraph unter Ablehnung des social- demokratischen Antrags angenommen. Zu ,§ 15 liegt eil» von Vertretern aller Parteien unterstützter Antrag vor, der eine Reihe redaktioneller Acuderungen und Ergänzungen vorschlägt. Der Antrag»vird debatteloS angcnoinmen, .ebenso der 8 15, ,.... iltS Jltmitf I»§ 15a beantragt Abgeordneter Rö si cke- Dessau stvildl.) in Konsequenz srühcrcr Beschlüsse das Wort Spruchkammer zu ersetzen durch„Senat". Der Antrag wird angenommen, ebenso der Paragraph. § 20 lautet nach den Beschlüssen zweiter Lesung:„Die Berufs- genossenschaften sind berechtigt, Einrichtungen zu treffen: 1. z»lr Ver- sichernng der Betriebsui»tcrilchn»er und der ihue» in bcziig auf Haftpflicht gleichgestellten Personei» gegen Haftpflicht: 2. zur Organisation des Arbeitsnachweises; 3. zur Errichtung von Rentenzuschuß- uud Pciisioiiskassei». Die Teilnahme a» diese» Einrichtungen ist freiwillig. Soweit es sich un» Hastpflichtansprüche aus der' rcichsgesctzlichei» llnfallver- sichcruiig handelt, darf bei der Einrichtung unter 1 nicht mehr als Zwcidri'ttcl durch Versicherung gedeckt werden. Bei der Einrichtung zu 2 sind die Arbeiter in gleiche»» Umfang Ivie. die Arbeitgeber an der Verwaltung zu beteiligen." Hier beantragt Abg.' R ö s i ck e- Dessau(wildlib.) die Ziffer 2 zu streichen; ferner in Absatz 2 den zweiten Satz zu streichen. Dagegen bcantragci» die S o c i a l d e m o k r a t e n. die Ziffern 1 und 2 zu streichen; ferner den ganzen Absatz 2 zu streichen. Abg. Dr. Hitze iE.) erllärt, seine Partei werde für die Anträge Röficke stimme». Abg. Hoch ISoc.): Ich freue nrich, daß das Centrum»ms jetzt entgegenkommt. Wir gehen freilich noch»veitcr und wollen auch die Ziffer 1 sowie den ganzen Absatz 2 gestrichen wissen. Die Begründung habe ich bereits in der zweiten Lesung gegeben. Hierauf wird der socialdcmokratische Antrag abgelehnt. Der Antrag Röficke»vird»nit großer Mehrheit angenommen, ebenso der so veränderte Paragraph. 8 22 behandelt die Gesetzeskraft. Absatz 2 setzt fest, welche Para- graphe» der einzelnen Vcrsichcrungsgcsetzc erst am 1. Januar 1902 in Kraft treten. Dazu liegt vor ein Antrag R ö s i ck e- Dessau stvildlib.), der den Kreis der erst 1902 in Kraft tretenden Paragraphen wesent- lich erweitert. Ferner beantragen liier die Abgg. T r i m b o r n(C.)»md Genossen, Absatz 3 zu fassen ivie folgt:„Im übrigen tritt dieses Gesetz am 1. Oktober 1900 in Kraft."(Vorlage: n»it den» Tnge der Vcrkiindilna.) Diese Anträge werden angenvuimeil, ebenso der so beränderte Paragraph. In 8-3a, der festsetzt, daß die Bestimmimgeii dieses Gesetzes aiich Anwcndlliig finden auf Entschädigungsansprüche aus Unfällen, »velche sich vor den» Jnkrofttretcn dieses Gesetzes ereignet haben, beantragt Abg. R ö s i ck e- D c s s a» stvildlib.) statt„ans Entschädi- gnngsanspriiche" zu sagen:„auf die erste Feststellung von Entschädi- gnngsansprüchcn" ans Unfällen nsw. Dieser Antrag wird angenommen, ebenso der Paragraph. Hierauf wird Einleitung und Ueberschrift»nd dann' in der G e- s a in t ä b st i n» m u» g das ganze Gesetz einstimmig an- gcuoiiimcn. ES folgt die Beratung deS UnfallverfichcrimgS-GcsetzcS für Land- und Forstwirtschost. 8 1 bcstiniint über den Unifang der Versicherung: Alle in land- oder forstlvirts'chaftliche» Betrieben beschästigtcn Arbeiter und BetricbSbeainteu, letztere sofern ihr JahreSarbeitS- verdienst an Gehalt oder Lohn dreitausend Mark nicht übersteigt, iverden gegen die Folge» der bei dem Betriebe sich ereigiienden Un- fälle nach Maßgabe der Bestimmimgeii dieses Gesetzes vcrsichert- TaSselbc gilt von Arbeitern nnd BclriebSbcamtcn in land-»md sorst'.virtschastlichcn Ncbenbctriebcn. Den Absatz 6 dieses Paragraphen bcantragci» die Abgg. Rösickc- Dessau livildlib,) und Gen. wie folgt zu fassen: „Wer»»» Sinne dieses Gesetzes als BctncbSbeanitcr oder als eine solche Person aiizuseheii.ist,»velche eine besonder«, eine technische Vorbildung erfordernde Stellimg einnimmt iFörstcr, Gärtner, Müller. Ziegelineistcr, Stcllmochcr, Schmiede nnd andre Facharbeiter), wird durch statutarische Bestimnnmg der Beriifsgeiiossenschaft für ihren Bezirk festgestellt." Abg. Frhr. v. Richthofei»(kons.) und Genossen beantragen diesen Paragraphen solgcndcnnaßen zn fassen: „Wer ini Sinne dieses Gesetzes als BctriebSbcamtcr anzusehen ist, wird durch statutarische Bcstiminiing der Berufsgenossenschaft für ihren Bezirk festgestellt." Den vorletzte» Absatz des Paragraphen, nach dem auch der Betrieb der Kirnst- ii»d HandcISgärtnerci als landivirtschnftlichcr Betrieb gilt, beantragen die Abg. Rösickc- Dessau(wildlib.) wie folgt zu fasse»: „Als landwirlschaftlichcr Betrieb in» Simie dieses Gesetzes gilt auch der Betrieb der gewerblichen Gärtnerei(Annft» und Handels- gärtiicrei, Baumschule nnd Samengärtiicrci), dagegen nicht die aus- schlicßliche Beivirlschaftling von Hans- nnd Ziergärten." Ohne Debatte iverden die Anträge Röficke angenommc n, der Antrag Richthofei, a b a c l c h n t. 8 0a bestininit:„Bei Berechnung der Rente für Betriebsbeamte nnd die übrigen in» 8 1 Abi. 6 bczeichiicteu Personen, sowie für die sonstigen Arbeiter, welche hauptsächlich i» Ncbcnbctricbcn beschäftigt sind, ist der JahrcSarbcitSvcrdicnst zu Grunde zu legen,»velche» Tier Verletzte in dem Betriebe, in ivelchcm der Unfall sich ercignetc, während des letzten Jahres bezogen hat." Abg. Rösickc(wildlib.) beantragt die Worte:„sowie" bis„be- schäftigt sind" z» streiche». Ter Abg. v. W a I d o w- Rcitzenstein(k.) beantragt die Worte „und die übrigen in 8 1 Abs. 6 bezeichneten Personen" z n streiche ll. Abg. v. Waldotv(l.): Ich beziehe mich aus meine aussührliche Begründung nieines Antrages bei der ziveite» Lcsinig. Die Berechnung der Rente für Facharbeiter nach Jiidividnallöhnei,»vürde die landivirtichaftichei» Aerufsgenossenschaftci» zu sehr belaste» und ich halte überhaupt die Berechnung der Rente»ach Jiidividuallöhnei, in der Landwirtschaft für»mdurchfiihrbar. Abg. Dr. Opfergelt(C.) bittet cS bei den Beschlüssen zweiter Lesung zu belasseu. Abg. Molkeubuhr(Soc.): Wem» die landwirtschaftlichen Berufs- genoffenschafte» die Facharbeiter durchaus haben»volle», so müssen sie auch die Konsequeuzeu tragen nnd diese Arbeiter bei der Renten-1 bercchnung so behandeln,' als wenn sie den gewerblichen Bcrufsgeiiosseiischastcn oiigchörtci». Wir sind überhaupt dafür, daß auch bei landwirtschaftlichen Arbeitern die Rente nach dem Jndividuallohii berechnet wird. Wenir auch die Offiziers-»md Beanitenpensionen nach Durchschnittsgehältern berechnet würden, da»n würden die Herren onf der Rechten sofort die Ungerechtigkeit merken, die darin liegt. lSehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Außer- dem sind ja die Dnrchschnittssätze von der BerU'altnngsbehörde ganz willkürlich festgesetzt, ivie Sie iclbst zuaebc». und wir haben gap keine gesetzliche Gewähr dafür, daß bei einer eventuellen Er- höhiing diese Dnrchschnittssätze den wirklichen Dlirchschnittslöhncn entsprechen. Der Antrag v. W a l d o w(k.) wird hierauf abgelehnt, der Antrag Rösickc angenommen, ebenso 8 6a in dieser Fassmig. 8 6ab bestimmt: Bei Berechnung der Rente für versicherte BctricbSunternchmer ist der für den Sitz des Betriebes festgestellte diirchschnittlichc Jahres- arbcitSverdienst land- oder forstwisseiischaftlichcr Arbeiter zn Grunde zu legen. sofern iiicht durch das Statut hiervon ablveichende Bestiminungcn getroffen iverden. Die Abgeordneten Sl l b r e ch t(Soc.)»md Genossen beantragen folgende Fassung: Bei Berechnung der Rente für versicherte BetriebSi»,tenieh»»er ist der JahreSarbcitSverdicnst zu Grunde zu lege», welcher für die beftgelohntei» Arbeiter des Kreises gezahlt ivird. Somlllg. 27. Mai 1900. Abg. Hoch(Soc.): Wir haben unfern Antrag aus zweiter Lesung in verbesserter Fassmig wieder eingebracht. Er trägt den thatsächlichen wirtschaftlichen' Verhältnissen Rechnung. denn zur Leitung einer Bailernwirtschaft gehört eine Reihe von' Erfahrungen, wie sie nur besonders tüchtige Arbeiter haben. Slbg. Dörksen(k.) bittet um Ablehnung des Antrags, da die Lohnvcrhältnisse im Osten nnd Westen zu verschieden seien. Abg. Hoch(Soc.): Diesen verschiedenen Verhältnissen trägt unser Antrag Rechnung, da der Jahresarbeitsverdienst der bestgc- lohnten Arbeiter des betreffenden Kreises zu Grimde gelegt iverden soll. Abg. Hofmann- Dillenburg(natl.). Es genügt, wenn durch Statut die Rente für solche Betriebsunternehmer erhöht werden kann. Der Antrag ist auch in der vorliegenden Form unaimchmbar, da gar nicht gesagt ist. ob der Jahresarbeitsverdienst der bestgelohntei» Industrie-' oder landwirtschaftlichcn Arbeiter zu Grimde gelegt werden soll. Der Zliitrag A l b r e ch t(Soc.) Ivird abgelehnt.§ 6 ab unver» ändert angenommen. Bei 8 9 beantragen die Socialdemokraten die Bestimmung zu streichen, wonach notorischei, Trunkenbolden die Zahlimg der Rente in Naturalien geleistet iverden kann. Abg. Molkeubuhr(Soc.) besürivortet den Antrag, da die Be- stimmung eine Gehässigkeit gegen die ländlichen Arbeiter bedeute und diese minderwertiger als die industriellen erscheinen lasse. Bringt ein Trimkeiibold seine Familie i» Not, so kann er nach dem Bürger- lichcn Gesetzbuch entmündigt iverden. Der socialdcmokratische Antrag wird abgelehnt, 8 9 nach den Beschlüssei» zivcitcr Lesung a>» g e li o m m e n. Bei 8 87c, der von den IliifallverhütmlgS-Vorschriften, die das Rcichs-VcrsichcrungSamt erlassen kam«, handelt, kommt Abg. Dr. Hitze(C.) auf die Vorwürfe zurück, die Abg. Gainp bei der zweiten Lesung gegen die vom Reichs-Bersichermigsamt früher schon erlassenen Uiifallverhütimgs-Vorschriftcn gerichtet hat Redner nimmt den früheren Präsidenten dcS Reichs-Versichenmgs- aultS, Dr. Bödickcr, gegen den Vorwurf in Schutz, er habe die Vor- schristen ohne Berücksichtigmig der praktischen Verhältnisse nur vom „grüneil Tisch" aus erlassci». Die Avg. Rösirke-Dessau stvildlib.) und v. Frege(kons.) schließen sich dem Abg. Dr. Hitze an. 8 87c ivird miverändert angenommen. Ter Rest des Gesetzes ivird mit einigen unwesentlichen rcdaktio- ncllei» Aendernngen genehmigt. I» der Gesanitabstiminmig ivird das Ilufallversicherungs-Gesetz für Land- und Forstwirtschaft einstimmig an- g c n o>il»» e n. Es folgt die dritte Lesimg des Bau- U»fallvcrsichern>»gs- Gesetzes. Das Gesetz wird in seinei» einzeliien Paragraphen unver- ändert allgenomnie»(nur in den§8 10a, d und c iverden in Konsequenz früherer Beschlüsse einige Aenderimgen vorgenommen) nnd in der Gesamtabslimninng einstimmig genehmigt. ES folgt die dritte Lesung des See- flnfallversichcrungS- Gesetzes. Auch hier werden nach einen» Antrag Rösickc, der von Mit- gliedern aller Parteien»niteizcichnet ist. an einigen Paragraphen Aendernngen vorgenommen, die Konsequenzen früherer, bei den vorhergehciidci» Uiifallversichermigs-Gesetzei» gefaßter Beschlüsse sind. Aiich das S e e- U», f a l l v e r s i ch e r» n g s-Gesetz wird hierauf i>» der G e s a.m t a b st i m m u»» g ei»ist i m»» i g an- g e n o»»»» e». Schließlich wird auch das Gewerbe- Unfall- Ber- sicher u ngs-Gesxtz in der Gesamtabstimmnug einstimmig genehmigt. Es folgt die dritte Beratung des Gesetzentimirfs betreffend Unfallfürsorge für Gefangene. Nach Annahme einiger Konsequenz- antrüge Röficke ivird auch dies Gesetz einstimmig in der Gesamt- abstimmung ailgcnomincn. Damit ist die Tagcsordimng erledigt. Präsident Graf Ballestrem: Ehe»vir unS trennen, wollte ich Ihnen, wem» auch leider nur eine kurze, so dock eine recht intensive Pfingsterholung»viiiischen. (Heiterkeit.) Ich hvffc, daß Sie alle neu gestärkt hierher zurückkehren zn hoffentlich nicht mehr sehr langer Arbeit. Ich wünsche Ihnen allen ein recht sroheS Pfingstfest.(Lebhaftes Bravo.) Nächste Sitzung: Mittwoch, den 6. Juni. 2 Uhr.(Flotten- v o rla g e.) Schluß 3'/- Uhr._ Koilgrey der durch Vertrnueiislilliiliier centrülifierten Gemerkschlistell Deutschlllnds. Die S o n n a b e ii d- S i tz u n g begann mit dem dritten Punkt der Tagcsordiumg: Die veränderte Taktik nach Aufhebung des Verbind niigsverbotS für politische Vereine. Der Rcscreiit Keßler warf eine» Rückblick auf die E"tstchung der deutschen Gewerlschaftsbewegmig. Im Jahre 1868 forderten die Marxisten, daß die Geiverkschnftcn die Grundlage der social- Vemokratische» Partei sein müsse», aber cS zeigte sich bald, daß die BcreinSgesetzgebilng die Ausführung dieser Idee unmöglich machte. Es bildete sich also»eben der politischen Orgainsation die geiverlschastliche, die auch während deS Socialistengesetzes die Träger der socialdcmokratischen Agitation waren. Es hieß damals ganz mit Recht, die Gelverkschaften feie» die Vorschule für die Socialdemo- kratie. Das Socialistciigesctz fiel, die Gelverkschaften standen als starke Orgniiisatio» da und blieben»eben der politischen Organisation bestehen. Nim kamen die von Hainbnrg ansgehendc» Beslrebiiiigeii. welche auf mipolitische Gewerkschaften hinarbeiteten. Die Hambnrgerei sagte i Die Socialdemokratie braucht ims nicht mehr. Unsere gewerkschaft- liche Atichtmig sagte dagegen: Die Socialdeniokratie braucht uns doch noch, den» die gclvcrkschaftliche Agitation dringt in Kreise, ivohin die Socialdeniokratie»och nicht kommt. Daruni muß in den Gcivcrk- schaftc» Politik getrieben werden. Der Streit zwischen beiden Ge- wcxktchaftsrichtnngen war nicht ein Streit um die Fonn, sondern »>N Prineipien. Jetzt ist ja das Verbindimgsverbot gefallen. Nim muß die Vereinigung der politischen»nd gewerkschaftlichen Organi- sation wieder hergestellt iverden. DaS geht allerdings nicht auf einmal, aber unfre Aufgabe ist cS. diese Ver- eiiiigung vorzubereiten. Es gilt, für ein und dasselbe Proletariat eine einheitliche Organisation zu schaffen. Das ist die praktische Seite unsrer Thätigkeit. Aber wir haben auch eine agitatorische Aufgabe, nämlich die, dem Bestreben bürgerlicher Kreise ciitgegenzuarbeitei», welche durch socialreforinatorische Bcstrcbimgeii diq Arbeiter von der Socialdeniokratie abivenden u»d niit der biirger- lichcn Gesellschaft aussöhnen wollen. Wenn jetzt, nach Anfhebung des Verbindmigsverbots, die Ceiitral- Berbände gesagt hätten, jetzt»vollen mir Politik treiben, dann hätte uns nichts gehindert, uns»nit den Verbänden zu vereinigen. Das ist aber nicht geschehen. Im Gegenteil. Man will ans jener Seite unpolitisch sein und bekämpft»ms nach»vie vor mit der gleichen Schärfe, deshalb»nüssen»vir auch ferner uiisre eignen Wege gehen. Die Bezeichnungen„lokal" und„central" sind»ichtssagcildc Schlag- worte, die die Vcrbäiidlcr erfunden haben, die aber das, was uns von jenen trennt, nicht treffen. Ich hatte deshalb beantragt, daß wir uiisen» Namen ändern»nd uns„Föderation der socialistlschen Gelverkschaften Deutschlands" nenne»,. Ich ziehe diesen Antrag zurück im Einverständnis mit der Geschäfts-Koinmission. die es für besser hält, wem» lvir unsre bis- herige Benennung beibehalten. Die Diskussion währte zwei Stunden. Verschiedene Redner beteiligten sich an derselben. Sic waren im Princip mit dein Referenten tjöflip einverstanden. Folgende Resolutionen wurde» angenommen: P r o g r a m m« R e j o l u t i o n. Der 4. Kongresi der Vertrauensmänner- Ccntralisation Deutsch- 7ands. der vom 24. bis 26. Mai 1900 in Pankow bei Berlin tagt, sieht keinen Grund darin, daß die Verbindungsverbote, die bisher in verschiedenen Staaten Deutschlands für Vereine bestanden, die politische Aiigelegenhcite» zn erörtern bezweckten. aufgehoben find, seine bis jetzt befolgte Taktik im wesentlichen zu ändern. Er erkennt auch heute an, dasi, wie es in der Programm-Resolution des ersten Kongresses vom Jahre 1807 zu Halle a. S. ausgesprochen wurde: der geiverkschaftliche Kamps nur dann init dem nötigen Nachdruck und der nötigen Einheitlichkeit von den Arbeitern geführt iverden kann, wenn er als Klassenkampf der Arbeiterklasse gegen die Ausbeutung anerkannt und geführt wird, und daß dieser»otivendige und unvermeidliche Klassenkampf nur unter enge», und bcwnhtcm Anschluß an die Grundsätze der social- demokratischen Partei Deutschlands mit Aussicht auf Erfolg geführt werden kann', daß also 1. eine Trennung der gewerkschaftlichen Bewegung von der bewußten socialistischen Bewegung unmöglich ist. ohne den Kampf um die Besserung der Lage der Arbeiter mif dem Boden der heutigen Ordnung miSsichtSloS zu machen, und daß 2. die Benuihiingtn, von welcher Seite sie auch kommen mögen, die den Zilsammcuhang der gewerkschaftlichen Bewegung mit der Socialdcmokratie zu lockern oder zu zerbreche» bestrebt sind, als arbeiterfeindlich zu betrachten sind. Wir sind von der Notwendigkeit iiberzcngt, daß die Bewegung zur Verbesserung der Lage der Arbeiter auf dem Boden der heutigen Ordnung, die gewerkschaftliche Beivegiing. deren Ziele auch in, zweiten Teile des Programms der soeialdemolratische» Partei Deutschlands enthalten sind, sich nicht trennen darf von der socialistischen politischen Bewegung zur Befreiung des Proletariats ans Not und Knechtschaft durch VergeseNschaftlichnng des Privateigentums und der HerstcklnngSniittel,' und daß beide Zwecke am besten und leichtesten durch dieselben gewerkschaftSlveisc gegliederten Organisationen gefördert werden, wodurch die geWerk- schaftlichcn Organisationen,„IS die allein richtige Fonn für die Arbeitervereine, die Griindbcstandteilc der socialislischcn Partei- organisation werden köiuic». Daß heute zwei Organisationen derselben Arbeitcrnlasse, eine gewerkschaftliche und eine politische nebeneinander bestehen, ist eine Notwendigkeit gewesen durch daS BerbmdnngSverbot. Es ist fetzt diese Notwendigkxit nicht mehr vorhanden und ist eine allmähliche Bereinigung beider Organisationen schon ans Gründen der Sparsam- kcit mir den Arbeitcrgrvschcu sehr tvüuschenSwert. Da heute die Forin der Organisation kein Hindernis Mehr ist für die Verfolgung der politischen Ziele der Arbeiterbewegimg durch die Organisation, so bildet die Horm kein trennendes Kennzeichen mehr. Es können unsrcr Ccntralisation also auch solche Gcwerk- schaftcn angehören, die die Form einer Ccntralisation haben, wenn sie diese Progranimresolutioii anerkennen. Taktische Resolution. Der 4. Kongreß der durch Vcrtranensmänner ccntralisicrtcu Gewerkschaften Deutschlands beschließt: In Erwägung 1. daß eine starke und teilweise sehr sachkundige und einsichtige gegcnsocialiftische Bewegung besteht, die unter tcilweiser Anerkennunxj sogen,„berechtigter Forderungen der Arbeiter" und der socialistischen Kritik an den heutigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zuständen, durch Reformen, die die heutige kapitalistische Ordnung nicht antasten dürfen, danach strebt, den Arbeitern die Ucberzengnng beizubringen, daß sie aus dem Boden der heutigen Ordnung, durch Selbsthiltc in ihre» Organisationen, durch llntcrstützmigsvcreine und»Kaisen, durch Reformen, die vom Staate und der Gesellschaft durchgeführt werden sollen und teilweise schon durchgeführt sind, alles erreichen können. um die berechtigten Beschwerden abgestellt und ihre Ansprüche aus Schutz ihrer Gesundheit, Sittlichkeit/ gesicherter lvirtschaftlichcr Lage und gesetzlicher Gleichberechtigung befriedigt zn sehen: 2. daß diese Bemühungen, wem, sie auch, wie vielfach nicht ab- zuleugnei, ist, aus ehrlicher Uebcrzeugimg und m>S echter Arbeiter- srcuudlichkeit unten, ommen, doch den beabsichtigten-Zweck haben, die Arbeiter mit der heutigen Wirtschastsordmiug auszusöhnen»nd der socialistischen Bewegung, die durch Verstaatlichung der ProdnItionS- mittel die Befreiung des Proletariats erstrebt, das Vertrauen der Arbeiter entziehen, sie von ihr abziehen wollen; 3. daß dieser sehr geschickt geleiteten Bewegung gegenüber große Wachsnnileit und energische Ablvchr dringend geboten ist; 4. daß diese Abwehr ganz besonders auch in den gewerkfchast- liche» Organisationen notwendig ist. weil diese die ersten Angriffs- gegenstände unsrer Gegner sind, ist es notwendig: daß die socialistische Agitation in den gewerlschastlichen Organi- sationen mit Nachdruck betrieben wird, damit die Arbeiter klar begreifen, wie diese gcgeiisocialisiiicheii Arbeiterfreunde nur auf Srhaltmig, wenn auch auf Erträglichiiiachmig der heutigen Zu- stände hinarbeiten, ivie sie niemals die Befreiung des Proletariats ans der Lohnknechtschafl bezwecken, die nur das.. Ziel des SocialiSmus ist; und folgt daraus. daß also gewerkschaftliche Orgamiationen. die sich den Zielen des SocialiSmus„neutral" aegeuuberstellen, ihre Hauplpflicht vcr- säumen, den schlauen Angriffen der Gegner daS Feld vorbereite» und eine Gefahr für die socialistische Arbeherbeivegnng darstelle». Die durch Lertrauensmäimer ceutralisierteu Gcivcrkschaftei, Deutschlands sehen eine wesentliche Aufgabe für ihre Taktik also i» der Agitation für die sociaUsiischc Arbeiterbewegung. Organisatorische Ret v t u t i o n. Die aus den, Kongreß>>, Halle a. S. beschlossene orgauisowrische Resolution wird mir einer geringe» Acuderuug folgendermaßen deschlosie»: Der Kongreß der durch Vertrauensmänner centralisierten Gewer!- schaftcn Deutichlaiids beschließt: 1. Eine Geschäftskommission von S Personen wird in Berlin eingesetzt, die den Auftrag hat, für eine planmäßige Agitation unter de» zur Föderation gehörige» Gewerkschaften Deutschlands zu sorgen, auch die Jnleressen dieser Organisation nach außen und durch die Presse zu vertrete». 2. Die selbständigen Organisationen an jedem Ort haben einen Vertrauensmann zu wählen. Derselbe hat die Sammlungen zmn Agitationsfonds zu leiten und sämtliche örtlichen Verhältnisse nach den Beschlüsien des Kongresses zu regeln. Die Höhe der Beiträge zum Agitatious- refp. Streikfonds bestimmt jeder Ort und Beruf selbst,'die in sich cenlralisiertc» Gewerkschaften verkehren mit der Geschäftskommission durch ihren Centralvorstand. 3. Der Kongreß proklaniiert die unbcdiiinte Solidarität der Föderation ohne Rücksicht ans die Organisatiousform und politische Anschauung, soweit sie auf den, Boden des Klassenkampfes stehe». Die Ausstände der Arbeiter wird sie diesem Grundsätze gemäß nach besten Kräfte» unterstützen. Hierauf wird der fünfte Punkt der Tagesordnung behandelt: Die Presse. Thi eme, Verleger der„EiiiigkeU". legte Rechnung über den finanziellen Stand des Blattes ab. Zu emem Antrage, welcher wünscht, daß daö Organ den Verbänden gegenüber einen weniger heftigen Ton anschlage, nieinte der Redner, der Autrag sei unt des-, willen unangebracht.' weil der Ton des Blattes der KanipfcSweijc der gegnerische» Richtung angepaßt sei, nnd im Interesse der eigenen Richtuna nicht abgeschwächt werde» lönne. Die weiteren 8l»S- führnngeu des Redners betrafen geschäftliche und technische Linzel- heilen des Organs. In der Disknssiön bemerkte M o r i ck e. daß die Metallarbeiter- Gewerkschaft mit den, Gedanlen nmgehe, ein eigenes Blatt zu grüudeu. da die„Einigkeit" die Verhältnisse der Metallarbeiter nicht genügend berücksichtige. K l e i n l e i» vertrat die Ansicht, die '„Einigkeit" befasse sich fast nur mit den Verhältnijjeu der Maurer, den andern Berufen biete sie gar nichts. Das Blatt müsse' eine» besser gewürzten Stoff bringen, so daß auch jemand, der nicht Maurer ist, die gebotene geistige Kost mit Freuden genießt. Keßlers Kraft genüge nicht mehr zur geistigen Leitung des Blattes. Es müßten auch andre Mitarbeiter herangezogen iverden. Neugründnngen, wie sie die Metallarbeiter- Gewerkschaft beabsichtige, müßten unterbleiben, und die ganze Kraft darauf verwendet iverden. daß die„Einigkeit" ein auf geistiger Höhe stehendes, focialistisches Organ werde. Unser Endziel ist der SocialiSmnS, darauf müssen wir hinarbeiten. Thieme wies die Ausstellungen Kleinleins sehr energisch zurück..Die „Einigkeit" habe alle wichtigen Vorgänge auf den, Gc- biet' der Arbeiterbewegung berücksichtigt. Der Vertreter der Berliner Stockarbeiier ist auch der Anficht, daß die „Einigkeit" fast nur für Bauhandwerker geschrieben werde nnd die andern Berufe nicht genügend berücksichtige. Andre Redner sind mit der Haltung des Blatts vollkommen einverstanden. Keßler be- merkte gegenüber Kleinlein, eS sei eine lompictte Unwahrheit, wenn behauptet werde, die„Einigkeit" diene nur den Interessen der Bau- Handwerker»nd nicht der allgemeine» socialistischen Propaganda. Änf den Beifall des Herrn Kleinlein verzichte er gern. Bezüglich der Presse tviirden folgende Anträge angenommen: Das Organ«Die Einigkeit" erscheint wöchentlich einmal und ist überall dort, wo die Organisationen sich nnsrcr Centralisation an- schließen ivollen bez. angeschlossen haben, wenn irgend möglich, obligatorisch einzuführen. Aon Zeit zu Zeit ist die Resolution des vierten Kongresses zn Berlin, in welcher die Grundsätze der Le,trane>isn,äiiner-Centralisatiou niedergelegt sind, an hervorragender Stelle der Beilage zn vcröffcnt- lichcn. Der Redaktion wird anempfohlen, de», Bedürfnis der Abonnenten in Ivisscnschaftlichcr, socialpolitischer und den Tagcssragen ent- sprechenden Artikeln und Aufsätze» in gediegener Auswahl entgegen zu kvimncu. Die Redaktion der„Einigkeit" hat in der Zukunft die Interessen der Nahruiigsmiltel-Arbeitcr durch Leit- oder andre Artikel mehr wie bisher zn berücksichtigen, nm auch hier das Interesse für uusre OrganisationSform zn ivcckcn. Die Mitglieder der Geiverkschaften sind verpflichtet, die in ihren Bernsen vorkounncuden Unfälle der„Einigkeit" zur Acr- ösicutlichung mitzuteilen. Hieraus wurde der Geschästslonunissiou Decharge erteilt. Nunmehr folgt der vierte Punkt der Tagesordnung: II ii t e r st ü tz»» g v o n Streiks und Sperre». Hierzu ivurde nach längerer Debatte folgende vom Referenten Kater cmpfohlciie Resolution angenoiinnen: Die Streiks oder Aussperrungen der uusrer EcschäftSkommission angeschlossenen Gewerkschaften iverden im Bedarfsfall durch diese unter nachfolgende» Bedingniige» unterstützt: 1. Wenn bei einem angeschlosiencn Berns an rineu, Orte ein Streik oder eine Sperre anSznbrechen droht nnd an diesem Ort ei» Geiverkschaftskarkell»»srcr Richtnug nicht besteht, so ist inöglichst frühzeitig. spätestens aber an dem Tage, an dem der Streik oder die Anssperrnng wirklich eingetreten ist, der Geschäfts- koniinission davon Mitteilung zu»lachen. Tie GcschäftSkoi»missioii darf nur Strcikniitcrstütznng gewähre» bei Angriffsstreiks, soweit die Mittel der Geiverkichast nicht zn- rcichrn. Jedenfalls hat die Gewerkschaft die Ilntcrstütznng für die ersten zwei Wochen, iowcit sie überhaupt gezahlt wird, ans eignen Mitteln zu tragen. Bei AnSsperrungen ist die Geschäftskommission berechtigt nnd bei Mangel an Mitteln in der betroffenen Gciverl- schafr verpflichtet, sofort mit Unlerstntznng einzugreifen. 2. Ausbringung der Gelder: Alle au die Geschäftskommission angeichlosseucn Geiverlschaften haben die Pflicht, die»oltvendig sür diesen Zweck zu verausgabenden Gelder, prozentual ihrer Mit- glicdcrzahl und örtlichen Lohuvcrhältuisie. zn decken. Die Form der Ausbringung der Gelder ist die Sache der Organisation selbst. Die Geschäfts-Kommission hat die Pflicht nach Beendigung eitles Streiks zc. je., die erforderten Summen zusammen zu stellen und auf die verschiedenen Baufsorgaiiisationeu nach Verhältnis zn verseilen. Die Sitzung schloß um 7 Uhr. Um 8 Uhr findet eine Abend- sitzung statt. Nomnutttkrtes. AuS der Magistratssitzung am Sonuabcud. Infolge einer Petition des Bunds der Berliner Griiudbesitzer-Verciue, in welcher derselbe über den sortdaucrnd zimehmendcn Hausierhandel auf den Straßen Berlins, der zu vielfache» Belästiguugcn des passicrcudcu Publilums Anlaß gebe, Beschwerde führt, hat das Magtstrais- Kollegium beschlossen, das Polizeipräsidium zu ersuche», folgende Bestiinnmngen zn treffen: 1. Tie Waren bei den Straßenhändlen, werden ebenso, wie die in den Markthallen von der Sanitätspolizei mehrere Male an, Tage der Kontrolle unterworfen; 2. Ter Straßen- ändler muß, so bald er seinen Stand verläßt, deuselben besenrein erstellen. Das Magistratskolleginm hat beschlossen, den Magistratsassessor Lohmeier aufLebenszeit und den Gcrichisassessor Pictsch als Magistrats- asicssor anzustellen. Bezüglich der K a i s e r W i l h e l», st r a ß e hat der Magistrat bei der Stadtverordneten- Versammlung beantragt, sich damit einverstanden zn erklären, daß die künftige Weilers ührung der Kaiser W i l h e l m st r a ß e bis zur Lothringerstraße unter Be- seitigung der alten Ttraßeuzüge im sogenanulcir Sckieunenviertcl »ach Maßgabe des Entwurfs 4a erfolge. In diesen, Entwurf sind zwei von eine», größeren dreieckigen Platze ausgebende, 22 Meter breite Hauptstraße» vorgesehen, die in gerader Richtung„ach dem Schönhauser- bezüglich Prenzlauer Thor zugeführt iverden. Genau genommen gehen die Eim»ü>,dungSstel!eir über die beide» Thorc hinaus und schneiden etwas in die Sckiönhauser und Prenzlauer Allee ein; eS geschah dies, um den jetzt schon sehr starken Verkehr vor den Thoren nicht mehr zu belasten. Außer diesen Hauptstraßen ist in der Verlängerung»nd in der Breite der Straßburgerstraßc ein neuer Straßendurchbruch bis zur ivestlichen Hauptstraße angenommen. Di« bisherigen Straßen des eigentlichen Scheuuenviertels, also die Füsilier-, Amalien-, Koblmik- und Weydingerftraße werden kassiert. Die Linien- und die Kleine Alepanderstraße— so weit dieselbe erhalten bleibt— ans 16 Meter verbreitert und nur die Bartelstraße, welche gar keinen Durchgangsverkehr aufzuweisen hat, wird in der jetzigen Breite beilw'haltc». Bei der großen Zahl der zn erworbenden Privat- grundstücke tvird. nach der Ansicht des Magistrats, die that- sächliche Durchführung des Ilniernchincns nur angängig fei«, wenn der Stadlgemeindc die Entsigmingsbefugms nicht nur für die zu Platz nnd Straßen bestimmten Grundflächen, sondern über den Rahmen des Gesetzes von, 2. Juli 1875'hinaus sür das ganze so- gcuamite Scheuueuviertel erteilt wird. Hierüber. sollen zunächst Vcr- Handlungen mit den Staatsbehörde!» gepflogen werden, so daß eS sich gegenwärtig nur darum handelt, das grimdiätzlichc Einverständnis der Stadtverordnuten-Versammlung mit einen, bestimmten Entwurf herbeizuführen. Es wird deshalb die Frage, ob schließlich die that- sächliche Durchführung des Unternehmens von der.Stadtgeiiieindc selbst oder von irgend einem Fiiianztonsortilm, nach spezieller Ver- einbarung zu bewirke» sein wird, vorläufig eine offene bleiben köpucn.'_ TokAles. tu dem Entwurf rplaus für die Gcmeindeschule hat am Freitag der„Berliner L e h r e r v c r e i n". in einer ungewöbiuich gut besuchten Versammlung Stellung genommen. Der Verein hat seit langem die Forderung einer Reform deö Gemeinde- schnl-Lehrplans vertreten nnd hat sich um die Kläning dieser Frage ein nicht geringes Verdienst erivorben. In« vorigen Jahre bat er, einer au ihn ergangene!, Aufforderung der städtischen Schul- depntatiön folgend, seine diesbezüglichen Wünsche genau formuliert. In dem jetzt von der Schnldeputation aufgestellten Entwurf ist leider nicht viel von diesen Wünschen berücksichtigt worden. Der Entwurf hat daher beiderMehrheitderLehrerschaft einege- wisse Enttäuschung hervorgerufen. Am Freitag kam das ziemlich deutlich zum Ausdruck. weniger in dem die Besprechung eiiileitenden Referat, das der Lehrer G. Acrter übernommen hatte, als in der Diskussion. Der Referent erklärte sich mit dem Entwurf im allgenicincn einverstanden, hielt aber im einzelnen eine Reihe von Llbäudeniiigen für notwendig. Seine in mehreren Thesen nieder- gelegten Vorschläge greifen in der Hauptsache auf die alten, weiter- gehenden Forderungen des Lehrcrvcreins zurück. In der sehr an- geregten Diskussion wurde, im Gegensatz zu dem Referenten, von zahlreichen Rednern nachdrücklich betont, daß in den, Lehrplan- Entwurf keineswegs das geforderte Achtklossen- System.im Priucip au erkannt" sei. daß viel- mehr nur erst von einem Sicbenklasscn- System mit dem sehr fragwürdigen Anhängsel einer lO-Klasse geredet werden könne. Auch wurde entschieden bestritten, daß das Opus der Schuldcputation einen„wesentlichen" Fortschritt bedeute. In diesen beiden Punkten mußten sich die Thesen des Referenten eine bemerkenswerte Abschwäch, mg durch die mit sehr großer Mehrheit beschlossene Streichung der betreffenden Ausdrücke gefallen lassen. Dagegen niachie die Versammlung hinsichtlich der Stundenzahl und' des Lehrstoffes zu den Thesen, über die Forderungen des Referenten hier und da hinausgehend, noch einige Znsätze.' In der beschlossenen Fassung haben die Thesen, wenn die mehr nur den Fachmann interessierende» Punkte übergangen Iverden, im wesentlichen folgenden Inhalt: Der Lehrerverein bedauert, daß die Lehrerschaft nicht schon bei der Ausstellung des LehrplauS zur Mitarbeit herangezogen worden ist, erkennt aber an, daß der Entwurf einen Fortschritt gegenüber dem bisherigen Lchrplan bedeutet, und wünscht, daß das AchlNasscu-Syslcin iu allen Gemcindcschulcn durchgeführt werde. Bezüglich der UntcrrichtSdauer und der Begrenzimg wie der Vcr- teiluug des Lehrstoffs iverden Acuderiingen vorgeschlagen. Die wöchentliche Stnndeiizahl ist im 1. Schuljahr ans' 18(statt 22), im 3. auf 26(statt 28) zn verringern, die Stundenzahl für Deutsch ist zu vc,-mehren und übrigens bei den Mädchen ebenso hoch zu be- messen wie bei den Knaben, die Stundenzahl für Religion ist zu verringern, desgleichen die für weibliche Handarbeiten. In R e- l i g i o n ist das Pensum durch Streichung schwer verständlicher und sür die siiilich-rcligiöse Erziehung wertloser Stoffe, namentlich durch Ein schränk»» g des Memorierstoffs, noch tveiter zn vermindern, daS Leben Jesu ist aus allen Stufe» in den Mittelpunkt des Unter- richts zu stellen, der besondre Kaiechismusunterricht ist aus die oberen Klassen zu verschieben. In Deutsch ist das Peusum für die Mädchen nicht zu kürzen, für die oberen Klassen ist die L e k t ü r e klassischer Werke einzusnhreu. I» IIcchnen ist das Pciisnn, der Klassen V und IV zu beschränken, iu 1 0 sind die schwierigen Aufgaben ans den bürgerlichen Ncchmmgsarlen und die einfache Buchführimg zu be- handeln. In Nälurkunde soll für Knaben und Mädchen der Unter- richt erst in, 4. Schuljahr beginnen, in 10 ist für Knaben und Mädchen die Anthropologie mit der Biologie zu vereinigen. Geo- graphic soll in V nur Hein, atgriU, blichet Anschauungsunterricht sein imd erst in IV als besonderes Fach auftreten. In Geschichte ist das Prusmn der I O(alte Geschichtet zu kürzen. Von den weiblichen Handarbeiten sind die, welche für die Hauswirtschaft nicht mehr die frühere Bedeutung haben, zn beseitige».— Die Thesen sowie ein Bericht über Referat nnd Diskussion sollen d e r S ch u l d c p n t a t i o n mitgeteilt werden.� Ob die Schnldeplitation mehr thm, wird als das Schriftstück„zn den Akten zu nehmen"? Tic Aerztckammer für Berlin und die Provinz Brandenburg trat gestern im Provinzial-Ständehansc zu einer Sitzung zusammen. Zunächst sprach die Aerztekammer nach erfolgter Berichterstattung dem Vorsitzenden Geheinwat Becher ihre Anerkennung dafür aus, daß er sich geweigert hat, vor der Behörde de» E! d auf die Geschäftsordnung zu leisten. Es tvurde nämlich die Bestnninung, tvclche die Vorsitzenden der ärztlichen Ehrengerichte verpflichtet. von eriolgtcn Verurteilungen den S t a a t s ä n w a l t in Kenntnis zu setzen, für änstvßig erachtet. Tamr'folgte eine ausgedehnte Er- örtcrung über die Fmge der Zulaffmig der R e a l s ch u l- A b i t u- ri ent cn zum ärztlichen Stnditlin. Die Aerztekammer sprach sich gegen die Zulasiuua aus; für den Fall aber, daß man doch eine Schulreform in diesem Sinne vornehme» ivolle, müsse die Zulassung sich auf alle Fakultäten erstrecken. Die Aerztekammer wählte ferner eine Konmnssion zur Bclämpftmg der Kurpfuscherei. Dr, Schäffer referierte über das Reichsseuchengesetz. Der Gcsctzcutivurf befriedigte die Acrzte nicht, weil er die häusigsten und verheerendsten Krankbeitcu außer acht lasse und weil seine Durch- sührbarkeft nicht gewährleistet ist, so lange nicht die Obliegenheiten nnd die Stellniig der beamteten Acrzte in der von den ärzlichcn Vertretung«» oft geforderten Weffe geregelt ist. Immerhin biete der Entlvnrf die Grundlage zur Belänchfting einiger gemeiugefährlicher Kraukhcitcn; er bedarf jedoch einiger Acndc- rungeil beziehungsweise Ergänz, mgeu. So müsse bei der„Anzeige- Pflicht" zum Ausdruck kommen, daß unter„Behandlung" nur eine solche durch approbierte Aerzte zu verstehen ist. Eine Behandlung dieser Krankheiten durch andre Personen sei, so weit die Landes'- gefetze es zulassen, zn verbieten nnd unter Strafe zn stellen. Ferner müsse ausgesprochen werden, daß die Leichenschau nur durch approbierte Acrzte vorgeuonmien werden soll. Tann müßtet, die Kosten der Desinfektion ans öffentlichen Mitteln bestritte» werden. Zu,» Goetheb nnd hat kürzlich das Direktorium derAkadcmischen Lesehalle Stellung genommen. Es war nämlich beantragt ivorden, in der Lesehalle Listen zur Einzeichnung sür den Goethcbmid aus- zulege». Nach längerer Beratung, in der' sich manche Rückschrittlichkeit vrcil machte, beschloß das Direkiorium, auf den Wunsch des Antrag- stcllers nicht einzugehen, da in der Akademischen Lesehalle lein Bedürfnis zur Auslegung der Listen vorhanden sei. TaS Berliner GewerkschaftShanS liegt, wie der Berliner Mitarbeiter der Mailänder Zeitung„II Secolo" in diesen, Blatt ausführt, nicht am Engel-IIfcr, sondern am EngelS-Ufer. Die Ar- bciter der ReichShauptsiadt sollen diese kleine Umtaufe zn Ehren ihres verstorbenen Führers Friedrich Engels vorgcnomnien haben. Bielleicht könnte man an die zuständigen Behörden herantreten nnd eine offizielle Umtaufe in EngelS-Ufer beantrage»; eS braucht ja Nur ein einziger Buchstabe eingefügt zu werden, uin der Straße einen Namen zu geben, bei de», man' sich wenigstens etwas denken kann.. Tie Frage, ob nach Bronsartschcm Rezept die F e n e r- spritze bei den Unruhen vor acht Tagen lvirksau, gewesen Iva». wird in einigen Blättern erörtert. Es soll eine Konferenz zwischen dem Branddirektor und dem Polizeipräsidium stattgefunden haben, in der Herr Giesberg von der Anwendung des erwähnten Ordiiungs« mittels abriet, weil die Tinnnltuan'ten leicht die Schloychleiftingen durchschneiden könnten. Wir meinen, daß die Feuerspritze, wenn auch vielleicht nicht Sonntag an, Roscnlhaler Thor, so doch Montag im A b g e o r d n e t e ii h a u s e bei richtiger Anwendung von heilsam abkühlender Wirkmig gewesen wäre. Kasperle treibt in der„Deutschen Tageszeitung" wieder fein Wesen. Er erzählt den gläubigen Bauern eine gruselige Geschichte, wie die Berliner Sonntags-Ausflngler nicht allein selber dem Bier- und Schnapsgenuß fröhndn, sondeni auch ihre einjährigen Kinder statr mit Milch mit Nordhänser volltränkeii. Diese den Schnapsbaronen in hohem Maße zn Gute kommende Ernährnngs- Methode erklärt Kasperle auf folgende Weise:„Fragt man nach den Ursachen dieser eigentümlichen Sommer-Vergnügimge» der Berliner. so wird man lediglich die S o c i a l d em o k r a t i'e dafür verant- Ivortlich niachen müssen, daß eine so bedauerliche, der Volks- gesimdheit schädliche Auffassung des Bergnügens in freier Luft Platz gegriffen hat. Die Socialdemokratie predigt daS durch materielle Genüsse erreichbare„Glück", nnd so glaubt dem, der Berliner Arbeiter ohne ein« Unmasse von Bier, Schmips je. sich nicht unterhalten zn können. Die Socialdemokratie ist den», auch eine große Feindin von besseren Elemente» unter den Arbeitern, die sick an der Peripherie Berlins ein Stückchen Land pachten und dcrt Eemiise« und Blumenzucht treiben." �. Am Ende war eS gar nicht die Psiizei. sondern die Social. demolratie, die die Laubenlolonisten vor zwei Jahren wegen ihres Erntefestes mit einer— Beriammlungtanflöfunz bedrohte. In der ..Deutschen Tageszeitung" sollte man dafür sorgen, daß Kasperle bald Ferien nimmt. Nördlich von Berlin liegt ein Lot, der sich vorzüglich für ihn zur Sommerfrische eignet. Zn drr Medrnwaldtschey Mordsache bringt die gestrige „Morgenpost" eine sensationelle Mitteilung. In der Dahnung des Tischlers Gluth erschienen gestern nachmittag eine Frau Schubert, die Frau eines Sattlergesellen aus der Potsdamersirahe zu Spandau, und ihre Tochter und beschuldigten den Schlosser- gesellen Heinrich Langenberg aus Spandau des Mordes an dem alten Fräulein Medenwaldt. Ihren Mann zieh Frau Schubert der Mitthäterschast; er ioll dem Fräulein Medenwaldt die Beine festgehalten haben. während Langenberg sie ermordete. Dem Mörder sei eine bedeutende Geldsumme in die Hände gefallen. Einige Gegenstände, die Eigentum deS Fräulein Medenwaldt gewesen, seien noch in der Wohnung des Mörders. Dieser habe übrigens nicht weniger als zehn Morde auf dem Gewissen. gröhtenteilS Lustmorde, wie die an der Hedwig Franke in Spandau, der Hedwig Nietsche in Bertin und der Kranken- Pflegerin Schweichel. Langenberg trage sich wieder mit der Idee, einen Word zu begehen, da er Geldmangel fürchie und beabsichtige weiter, die Zahl setner Morde' aus ein Dutzend abzurunden, in dem Aberglauben, dah er vor jeder Entdeckung sicher bleibe, wenn ihm dieses gelinge. Frau Schubert wollte dieies alles von ihrem Mann wissen, der mit Langenberg befreundet fei und seine Wissenschaft im Trunk erzählt habe. Sie gestand es, wie sie sagte, aus Mitleid mit dem unschuldig verhafteten Willy Gluth und tveil ihr Mann gedroht habe, seine 16 Jahre alte Stieftochter zu ermorden. Soweit die„Geständmst'e" der Frau Schubert und ihrer Tochter. Max Gluth berichtete sie in später Abendstunde an die Redaktion der„Morgenpost", die sie veröffentlichie. Die hiesige Kriminalpolizei erhielt von der Entdeckung des Mörders der alten Lehrerin gestern morgen durch den Mörder selbst Kenntnis. Langenberg bekam nämlich die.Morgenpost" schon früh zu Gesicht, steckte sie ein. fuhr schleunigst nach Berlin und stellte sich unter Vorlegung deS Blatts der Kriminalpolizei unverzüglich zur Verfügung. Der'zusiandigeKriminalkommissarerstindigte sich nach seinen Verhältnisien, stellte fest, dast er sich des denkbar besten Rnss.erfreut. beruhigte den in begreifliche Aufregung geratenen Wann, der siöb bei der Kriminalpolizei auch erkundigte, was gegen derartige Veröffent- lichungen zu thuit sei. und liefe thn in Frieden wieder nach Hause gehen, da auch nicht das geringste gegen ihn vorliegt. Der Artilel wurde zugleich nach Spandau gesandt, damit dort Schritte gethan werden, um Frau Schubert aus ihren Geisteszustand untersuchen zu lassen. Dir Tittltchkctt der frommen Jünglinge. Der Vorsitzende eines Berliner Fufeballklubs übersandte der»Freis. Ztg." ein Traktätchen des Christlichen Vereins junger Männer. Darin wird unter der Ueberschrift„Du bist in Gefahr" vor der Unsittlichkeit, namentlich vor geheimen Jugendsünden unter eingehender Schilderung ihrer Folgen gewarnt. Insbesondere schwelgt das Traktätchen unter Citiernng von Bibelstellen förmlich in der Wiederholung des Wortes H..... in dessen Gebrauch auch der Abgeordnete Schrempf im Reichs« tage bei der Beratung der lex Heinze sich gefallen hat. Dies Flugblatt de«„Vereins christlicher junger Männer" ist gefunden worden bei einem Schüler des Spielklubs und allgemein auf dem Tempelhofer Feld an Schüler von 12—14 Jahren verteilt worden.„Ich finde nicht Worte genug," schreibt der Vereinsvorsitzende,„um meiner Empörung darüber Ausdruck zu verleihen, dafe gerade ein auf be- sondere Christlichkeit Anspruch machender Verein Flugschristen so un- sittlichen Inhalts an die Jugend verteilt, die wir durch Bethniigen- lassen des EpieltriebeS und der damit verbundenen körperlichen Ermüdung gerade von schmutzigen Gedanken, wie sie die Lektüre der Anlage bei unreifen Knaben hervorrufen mufe, fernzuhalten bestrebt sind."— Unter die lex, Heinze fällt dieses Treiben von Heinze- männern nicht, denn nach der im Reichstag am Dienstag an- genommenen lex Heinze wird„wer S-briften.... welche, ohne unzüchtig zu seil», das Schamgefühl gröblich verletze», einer Person unter 16 Jahren gegen Entgelt überläfet oder anbietet, mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis 600 Mark bestrast". Ein Buchhändler aber würde es sich reistich überlegen nlüssen, ob er derartige Flugblätter verkaufen darf. Talmibegetsterung— Talmilorbeer. In einem fachmänni- schen Artikel des„Cenwalbl. d. Bauv." über den F e st s ch m u ck am Brandenburger Thor zum Enrpfang des Kaisers Franz Joseph am 4. Mai d. I. werden die Gesamtkosten der reinen AuS- fchmiick, inasarbeiten auf etwa SöOOO M. angegeben. Hiervon entfallen aus Zimmererarberten 98 000 M. a,if>sMalerarbeiten 6000 M. und auf TekorationSarbeiten einschliefelich der bronzierten Laub- gewmde etwa 13 000 M.. während die gärtnerischen Arbeiten SSOO M. vetrugeu. In dem Artikel wird bestätigt, dcifc von den Lorbeerbäumen nur die nuf den unteren Absätzen stehenden echt, während die hoch oben auf der Ehrenpforte prangenden aus Buchsbaumreisiq nachgeahmt waren. Cervelatwurst. Aufsehen erregte im vergangenen Jahre die Nachricht, dafe in Berlin fabrizierte Bferdewrirft in grofeen Quantitäten nach Gotha geschickt wird, um von dort durch Ver- Mittelung einer Gothaer Firma al» echte Gothaer Cervelatwurst in die Welt zu gehen. Unter andern Orten wurde besonders München genannt, wohin Berliner Pferdewurst als.echte Gothaer" geliefert worden sei. Demgegenüber erklärt jetzt der Vorstand der Fleischer- innung zu Gotha in eine: an die„Allgemeine Fleischer- Zeitung" gerichteten Zuschrift, dafe durch die von der Innung angestellten Nachs-rschunoen nunmehr festgestellt ist. dafe bei den erwähnten Be- trügereien eine Gothaer Firma überhaupt nicht beteiligt war. dieses saubere Gewerbe vielmehr von einer Firma in Eilenberg in Thüringen ausgeübt worden ist. Stn Zusammenftoh zwischen einem Eiswagen und zwei elektri- scheu Strafeenbahn-Wagen veranlafete gestern nachmittag eine große Verkehrsstörung in der Elsasserftrafee. Von«inrm Geschäftswagen überfahren und schwer verletzt wurde gestern nachmittag um 3�/2 Uhr der t3 Jahre alte Gemeinde» schüler Willy Beyer genannt Templtn, der bei seiner Tante in der Wöhlertstr. 11 wohnt. Der Knabe wollte von der Gartenstrafee in die Tieckstrafee einbiegen, wurde von einem Geschäftswagen über- fahren und am Kopf' und rechten Bein fo schwer verletzt, dafe ein Schutzmann des 11. Reviers ihn mit einer Droschke in ein Kranken- Haus bringen mufete. Die Benutzung einer gefundenen Monatskarte der Stadt- bahn wird dem 22 jährigen Kaufmann W. teuer zu stehen kommen. W. wollte die Stadtbahn vom Bahnhof Friedrichstrafee aus benutzen und zeigte dem Bahnschaffner eine Monatskarte vor. Hierbei benahm er sich tedoch so unsicher, dafe der Beamte sich veranlafet fühlte, die Karte genauer zu prüfen und zu seiner Ueberraschung den Namen einer kurz vorher als verloren gemeldeten Karte auf derselben enl- deckte. W.. der nicht mehr leugnen konnte, die Karte gefunden zu haben, wurde zur Feststellung seiner Personalien der Polizei über- geben. Der Leichtfertige wird sich wegen Fundunterschlagung und versuchten Betrugs zu verantworten haben. Der Vertrauensmann im sechsten Wahlkreis t-iltuns folgendes zur Veröffentlichung mit: Am 1. Mai ist bei der Feier n Ärends Brauerei ein Damenschirm mit Handschuhen gefundeu worden. Abzuholen bei Pfarr, Putlitzstr. 10. Mit Leuchtgas versuchte gestern msttag die nervenkranke Ehe- frau de? Lehrers S. aus der Quitzowstrafee sich zu vergiften. Die junge Fran, die seit einem Jahre in kinderloser Ehe lebt, war gestern vormittag, währeich ihr Mann sich in der Schule befand, allein zu Hanse. Leute, die über ihr wohnen, hörten sie gegen ll'/s Uhr heftig weinen und nahmen bald darauf einen Gasgeruch wahr, der aus ihrer Wohnung kam. Sie holten den Pförtner, gingen mit ihm in die unverschlofsene Wohnung und fanden Frau S. angekleidet be- ivufeilos aus dem Fufebaden der mit Gas angesüllten Küche liegen. Die Nervenkranke hatte in einem heftigen Anfall von LebenS- Überdruß den Haupthahn und alle Nebenhähne der Gasleitung geöffnet. Drei Aerzte riefen sie ins Leben zurück und ließen sie mit einem Koppschen Rettungswagen' in das Moabiter Krankenhans bringen. DaS Schauspiel einer Sounenfiusterni» ist am Montag, 28. Mai zu sehen. Die Finsternis tritt bei uns in den Nachmittags- stunden ein und ist daher auch in Berlin bequem zu beobachten. Sie begiimt um 3 Uhr 94 Minuten damit, dafe der Mond am süd- westlichen Rande der Sonnenscheibe sichtbar wird, sich allmählich vor dieselbe schiebt und im Augenblick der größten Phase um 4 Uhr 51 Minuten etwas mehr als die Hälfte des SonnendurchmesserS be- deckt. Von diesem Augenblick an nimmt die Verfinsterung ivieder ab. bis sie um S Uhr 4S Minuten für Berlin ihr Ende erreicht. Bus Anlnfe der Finsternis wird die U r a n i a- S t e r n w a r t e am Montag bereits von Uhr an den Besuchern offen stehen! um 4 Uhr beginnt ein halbstündiger, erläuternder Vortrag über Mond- und Sonnensiiisternisse. zu welchem ein besondres Eintrittsgeld nicht erhoben wird. ES sei noch bemertt. dafe zur Beobachtung der Finsternis mit bloßem Auge gute Blendgläser auf der Sternwarte vorrätig gehalten werden. Auch auf der Treptower Sternwarte kann die Sonnen- sinsiernis beobachtet werden. Die Sternwarte ist Montag von 1 Uhr mittags an geöffnet. Rngrsichts deS Ituistands, dafe der größere Teil des B a r n n m und Baileyschen Pferdebestandes in nicht zugänglichen Ställen jenseits de» Kurfürstendamnis untergebracht worden ist, hat Herr Bailey Vorkehrungen zu einer Pferve-Ausstelluiig in dem große» Zelt für die noch verbleibenden zwei Wochen getroffen. Diese wird zwischen den circensischen Vorstellungen und den Reinie» auf der Hippodrombahn im Hauptzelt stattfinden und so viele Renn- und Zugpferde des Bornum und Baileyschen Bestands vorführen, als der Raum es gestattet, lieber 400 Pferde befinden sich in den Ställen der Rieseii'schansiellung, die jedoch nicht alle im Euluszelt vorgeführt werden können._ AuS de» Nnchbnrorie». Nochmals Herr V. Thielen und die Strastenbahnen. Aus Pankow schreibt man uuS:•- Der Standpunkt des EisenbahnministerS im Straßenbahner» streik wird erklärlich. Im Vorort Pankow, der den größten Umlade- Bahnhof Deutschlands besitzt, wird die Ortspolizeibehörde tagtäglich von Eisenbahnbedieiisteten mit Gesuchen um Ausstellimg von Führungsatteste» bestürmt. Ans die Nachfrage, wozu die Atteste dienen sollen, bekommen die PoNzeibeamtei» stets zur Antwort:„Wir wolle» versuchen, bei der Grofeen Berliner oder bei Siemens u. HakSke anzukommen." Man hat eS hier nicht nur mit Bahnarbeitern, sondern mit a n g e st e kl t e n B e a m t e n zu thun, welche diesen Schritt zur Verbesserung ihrer Lage unter- nehmen. Da begreift man, dafe Herr v. Thielen dem Versuch der Slrafeenbahner, ihre Lage zu verbessern. n,it Mifebehagen zuschaut. Am Ende könnte auch gär die Eijeubahnbehvrde gezwungen werden, bessere Löhne zu zahlen. Elf Mitglieder deS ArbeiterauSfchusfeS im Feuerwerks- Laboratorium zu Spandau haben am Freitag ihre Aemter niedergelegt. Wie verlantet. soll der Grund zu diesem Vor- gehen in Differenzen zwischen dem Arbciterausschufe und der Direktion über die Auslegung und Anwendung des neuesten L o h n t a r i s s zu suchen sein. Näheres wird jedenfalls bald bekannt werden. Bor dem Friedhof in Wetstrnfec erschossen Hai sich gestern abend um 8�/2 Uhr der 85 Fahre alle Apotheker Dr. N a t h a ns o n. der Sohn eines Rentners aus der Rosenthalerstr. 40. Als Veranlassung zu dem Selbstmord wird angegeben, dafe Dr. Nathanson an einer Augenkrankheit schwer zu leiden hatte. Marktpreis« vou Berlin am 25. Mai»000 mich Ermittluiige» des tgl. PollzeiprSstdiiim«. Wetze», gut D-Ltr. . mittel gering »)Rogge». gut „ mittel gering "Mrste, gut mittel gering f) Haser. gut . mitlel „ gering Nichtstroh He» Erbsen Sveisebohnen Linsen 15,15 15,11 15,07 14,80 14,10 13,50 15,30 14,80 14,30 6,- 8,90 10,- 45,- 70,— 15,13 15,09 15,05 14,20 13,60 13.- 14,90 14,40 14.- 5.32 6,80 26,- 25,- 30- Kl>rtosset».neue.D-Ctr. Rindfleisch, Keule 1 kg do Bauch„ Schweinefleisch» Kalbfleisch„ Hamilielfleisch Butter Eier Karilfeu Aale Zander Hechte Barsche Schier« Blei« Krebs« «0 Stück l Ks per Schock S.I.SO 1.20 l,»0 1,60 1,60 2,60 3,20 2,20 2,80 2,60 2,40 1,80 3- 1.40 18.- 1,20 1,- 1.10 1,— 1- 2- 2,20 1,20 1,40 1- 1,20 0,80 1,40 0,80 2,60 •) frei Mühle ab Bahn ") frei Wagen oder ob Bahn. ch) srei Wagen oder ab Bahn Produktenmarkt vom 2« Mai. Auf dem Getreide markte behciivtete(ich die schwache Haltung»»solge des warme» regnerischen Wetters. welches den Saaten zu gute kommt, und ausjerdem neben den unverändert reichlichen Warenofietten Rußlands auch vom Inland einiges Angebot brachte Daraushi» war nantentlieb efsekiive Ware am Frühmarkte billiger z» habe» Das Liejerungsgeschäft entwickelte sich mittags ebenfalls bei rück- gängiger Preisgestaltung, besonders für Weizen, der durchweg 0.50 M. nach- gab. während Roggen seine gestrigen Kurse behauptete unb nur für Herbst- sichten bis 0.75 M schwächer war- Bon den ausländischen Börsen lagen durchweg mattere Teudeiizberichte vor Am Hasermarlte waren inländische Offerten unverändert, ausländische billiger. Jnsolgedeffen behauptete der Artikel im TffeltipgeschSste leine» lebten Preisstand, während Lieferungen etwas nachgaben Mai« blieb lest, Rüböl war eine Kleinigkeit billiger zu haben Spiritus loco unverändert Städtischer Schlachtviehmarkt. Berlin. 20. Mai 1900. Amt. licher Bericht der Direktion- Zum Verkauf standen: 4948 Rinder. 1840 Kälber, 6871 Schafe. 8297 Schweine Bezahlt wurden tür 100 Pfund oder 50 Kilogramiu Schlachtgewicht in Mark(beziehungsweise für 1 Pfinid in Pf): Für Rind er: Ochsen: a) voll fleischige, ansgeiiiästete, höchsten Schlachtwertes, höchstens 7 Jahre alt 59-63, b) junge fleischige, nicht ausgeiiiäftete und ältere allsgemästete 54-58 1 o) iiiäflig genährte sunge und gut genährte ältere 62- 53; d) gering genährte jede» Alters 49—51.— Bullen: a) voll fleischige höchsten Schlachtwertes 57-60; b)»inffig genährte jüngere und gut genährte ältere 54—56; a) gering genährte 50—93.— Färsen und Kühe: a) vollfleischige, ansgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 00—00; b) vollslcischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 53-55, c) allere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jünger« Kühe und Färsen 50-52; ck)»lästig genährte Kühe und Färsen 46—49; o) gering genährte Kühe»nd Färsen 43—45.— Kälber: a) feinste Mastkälber(Bollunlchmast) und beste Saugkälber 72—75, d) mittlere Mastkälber und gute Saugkälber 62—68, v) geringe Saugkälber 50— 50, d) ältere, gering genährte(Fresser) 40-49.- Schafe: a) MastlKimner und jüngere Mast- Hammel 60- 63, d) ältere Masthauunel 53-58, o) mäßig genährte Hammel und Schafe(Merzschase) 47-50, d) Holsteiner Niederungs. schase(Lebendgewicht) 00-00.- Schweine: a) vollfleischige der feineren Raffen und deren Kreuzinigen im Aller bis zu!>/« Jahren 46—47, b) Käser 00- 00. c) fleischige 44-45, d) gering entwickelte 41-43, e) Sailen 41—42. Verlauf und Tendenz. Das Rindergeschäst begann lebhast und verlief dann ruhig; es bleibt nur kleiner Ueberstand. Der Kälberhandel gestaltete sich ruhig. Bei den Schafen war der Geschäftsgang glatt; es wird wohl ausverlaust Der Schweinemarlt wickelte sich anfangs glatt ab, ver- flaute aber daiin. wird aber voraussichtlich geräumt. Vvrmislltzkes« Der OrtScimiehmer Staufs in WilwiSheim legte, wie ans Sirafesiurg gemeldet wird, auf dem Sterbebett da? Geständnis ab, b r e t M o r d e und verschiedene Brandstiftungen verübt zu haben. Die infolgedessen eingeleitete Untersuchung führte� zur Verhaftung eines gewisse» Buchen wegen Verdachts der Mitthäter« schuft am Morde des Ortseiimehmers Fuchs, des Vorgängers StauffS.' Ein furchtbares Grubenunglück ereignete sich In der Eumnock- Mine in Nordcarolina. Während alle Bergleute in der Tiefe ar« beiteten, entstand eine Explosion. 50 Personen wurden gelötet, viele andre verletzt. SocigldemoIirstisoItcT WahlverdH f. den 2. Berliner Reichstags-Wahlkreis. yrettaanachmittag«erstarb plötzlich am Gehirnschlage unser langjähngro Mltglles, der Buchdruck-Maschinen metster Wilhelm Maser im 46. LebenSjahr. Die Beerdigung findet heute, nachmittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Reuen Jakobt-KtrchhotS in Rixdorf. Hermannstraste, au» statt. Rege Beteiligung erwartet 238/S jver Voi-arand. Gewerkschaft der Buchdrucker 2c. Am Freitagnachiii. 1'/, Uhr ver- starb plötzlich im Alter von 45 Jähren unser Mitglied, der Maschinenmeister Viilkvlm Maser am Gehirnschlag(infolge Ohren Vereiterung). 267/14 Die Beerdigung findet heute nachm. 5 Uhr von der Leichenhalle des Neuen Jakobt- Kirchhofes in Rixdorf, Hermannstraste, aus statt. Rege BeteUigung envartet Der Bertrauensniann. Arbeittt.Kildmgsvetti!! siir Marmdlirs u»i» llvlgMd. 9tachruf. Allen Parteigenolsen zur Kenntnis. dast unser altes MitgUeb Friedrich Koch in der vorigen Woche, von uns ge- schiede» ist. 1230b Ehre seinem Andenken! Der Borstand. veulselier «elsllarvetter-Verdsvll. Am Mittwach, den 23� Mai ct., starben unsre Mitglieder, der Dreher Hermann Albrecht sowie der Dreher sllZ/7 Max Jander. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung deS Kollegen .lldrecktt findet am Sonntag, den 27. Mai, nachmittag 3 Uhr, von der Leichenhalle des alten Luisen-Kirch- hoss. Beramannstraste, aus statt. Die Beerdigung des Kollegen JanAer findet gleichfalls am Sonntag, den 27. Mai, nachmittag 1 Uhr. von der Leichenhalle des Emmaus-Kirchhofs in Rixdorf aus statt. Die Vrtsverwaltung. Am Donnerstag, den 24 Mal ver- starb unser Kollege!l72/lS Fr. Vorkauf. Die Beerdigung findet Sonntag- nachmittag 4 Uhr von den Baracken. Birkenstraste, aus nach dem Heilands- ktrchhos in Plötzensee statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht vor Vertranenitinann. Reue« Königliche» Oper» Theater. Diesen Sonntag: Die Fledermaus Nächsten Sonntag: Ter Berschwendir.— Leifing-Theater. Alle Abende: Daisy.— Residenz- Theater. Alle Abende: Die Dame von Maxim.- Theater de« Westens. Alle Abende: Die Getsha.— Sentral- Theater. Alle Abende: Berlin nach Elf. Thalia-Theater. All- Abende: Wie man Männer seffelt.— Metropol- Theater. Alle Abende: Der Zauberer vom Nil.— Belleallianee-Theater. Alle Abende: Bis ans Ende der Welt.(Internationale Urania.)— Carl Weist- Theater. Alle Abend«: Kämpsende Armut. Somitag: Am Spieltisch des Lebens— Urania. Alle Abende: Bon den Alpen zum Beiuv— LuHen- Theater. Alle Abende: Die eine weint, die andre lacht.— Apollo Theater. Alle Abende: Im Reiche des Jndra. Dauksagung. Sage hierdntch meinen innigsten Dank allen Freunden und Kollege» für die rege Beteiligung an dem Be- gräbnts meine« lieben Mannes 1208b Die trauernde Witwe A, Wusch q* Kinder. Verband der van, Erd- n. gewerblich. Hllfaarbelter Berlin II). Todes-Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, dast unser Mttgüeb, der Kollege IVilhelm Marquardt am 23 d. M freiwillig aus dem Leben geschieden ist Die Beerdigung findet Sonntag, den 27. d. M., nach- mittags 3 Uhr. von der Leichenhalle des Retnickendorser Ktrchhos». Hum- bvldtstraste, aus statt. 32/20 Um rege Beteiligung ersucht Tie OrtSverwoltung. Für die vielen Kranzspenden bei der Beerdigung unsres lieben Mannes und Vaters, des Tischlers Heinrich Schäfer, sagen wir allen Freunden und Bekannten, besonders dem Tsichlerverew und den Kollegen unsren herzlichsten Dank. 12516 Di« Hinterbltebenen. Centtal- Verband der Maurer Deutschlands. Filiale Berlin II. Den Milgliedern zur Nachricht, daß am 24. Mai unser Kollege P«iU Postör im Alter von 27 Jahren versiorben ist. Die Beerdigung findet am Sonniag. den 27. Mai, nachmittags 4 Uhr, vom Augusta-Hospital in der Scharnhorst- straste aus nach dem neuen Nazarelh- Kirchhof statt. 137/14 Um rege Beteiligung ersucht Die Berbandsleitung. 50 Mark. Gebrauchs- . muster " 40 Mark. 'Geiamtprets.) Eigne Modellwerkstatt, diskret. Berlin. Patentbur. 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Wöllnrer lsreis.) empfahl die Ablehnung jeder Erhöhung Jedes Hindernis, das wir der Bauthätigkeit in den Weg legen. seien Schläge, die der Arbeiterklasse zugefügt werden. Man schädige damit unbcduigl die Erwerbsjähigleit der arbeitenden Klassen. Stadtv. Hirsch(Soc.s bestritt, dah die Erhöhung der Umsatzsteuer ein Schaden für die Arbeiterklasse sei. Nu: der Schacher mit Grund ruid Boden werde dadurch getrosten. Welchen Unisang dieser Schacher angenommen habe, ergebe stch aus der Thatsache, dafc allein in einem einzigen Jahr der Charlottenburger Bauverein dabei fast drei Millionen profitiert habe. Durch die Erhöhung der Umsatzsteuer gehe die Bauthätigkeit lcineslvegs zurück, denn alle übrigen Vororte Berlins hätten die Steuer auf 1 Proz. erhöht und trotzdem sei die Bauthätigkeit dort im beständige» Steigen. Er bedauere es, daß der Ansschnst die von richtigen soeialpolitischen Gcsichtspuulteir ausgehende Vorlage des Magistrats nicht zur An- nähme empfehle. Er beantrage Wiederherstellung der Magistrats- vorläge. Stadtv. Buka kann ebenfalls in einer Erhöhung der Umsatz- steuer keine Schädigung der Arbeiter erblicken. Die Stadtvv. S ch l i e m a n n und Markus sfreis.) traten für dciiAnSschutzantrag, Stadtv. S l r ö h l e r und Bürgermeister M a t t i g für die Magistvntsvorlage ein. Durch einen Schlustantrag wurde u. a. uuserm Genossen Baake das Wort abgeschnilten. Die Ab- sti>nmi»ig ergab die Annahme des A u s s ch n tz a n t r a g s. Die zweite Vorlage betraf den elektrischen Betrieb der G roste ii Berliner Straßenbahn. Die Gesellschaft ist verpflichtet. vom 1. Oktober ab sämtliche Chailottcuburger Linien ausschiiestlich mittels Elektricität zu betreiben; sie ersucht den Ma- gistrat. dicscu Termin bis zum l. Juli kW! zu verlängern, und verpflichtet sich dagegen, die Linien Aiulsgericht— Schlcsischcr Bahnhof mid Uhlaudstrastc— Küstriner Play bereits bis zum l. Juli d. I. für den elektrischen Betrieb unizuwaudela. Der Magistrat beantragt, das Gesuch zu genehmigen, und zwar mit Rücksicht darauf, daß die Stadtgcmeinde der Großen Berliner Straßenbahn gegenüber ver- pflichtet ist. spätestens vom 1. Juni d. I. ab Strom anS dem städtischen ElektricitätSwerk zu liefern, dieser Termin aber mir mit großen Schwierigkeiten eiiigehnllcn werden kann. Die Große Berliner hat sich bereit erklärt, falls ihrem Gesuch statt- gegeben wird, den Termin der Strvinlicfcrung bis zum t. Juli hinausznschiebc». Ter Referent, Stadtverordneter Ca lla m cmpstchlt Annahme der Magistratsvorlage mit dem Zusatz, daß die Firma Lohiiieycr, der der Bau des ElektricitälSwerkS übertragen ist, zu einer Ersüllung ihrer Veipslichtuugcn aiigehalien und für den cintrrlcnden Schaden verantwortlich gemacht werden soll. Stadtverordneier H i r) ch(Soc.) beantragt, die Magistratsvorlage abzulehnen. Er gebe zu. daß die Stadtverwaltung sich in einer gewissen Notlage befindet. Diese Notlage aber suche die Große Berliner Straßenbahn- Gciclljchait aiiözunntzr», indciu sie für sich ganz erhebliche Konzeistonen verlange. Man müsse alles daran setzen, um die Schwierigkeiten bei der Stromlieserung zu überwinden, denn es liege wahrlich kein Grund vor. der Großen Berliner auch nur die geringste Konzession zu machen. Namentlich. nachdem die Eeiellichaft durch eigne Schuld drei Toge hindurch den Verleh: nach Berlin völlig unterbunden, also ihre kontraltlichen Ver- pstichtungcn nicht innegehalten habe, sollte sie froh sei», daß die Stadl nicht vcn dem ihr zustehenden Recht Gebrauch macht. Stadtiyndik us Schulze erklärt, daß die Stadt nicht in der Lage sei. bis zum 1. Juli den Strom zu liefern. Stadtv Slröhlen erblickt die Schuld für dle Notlage der Stadl bei der Firma Lohmeyer. Sladlbaurat B r e d l s ch n e i de r erwidert, es sei alles geschehen, um die Firma Lohmeyer zur Jmieholliing des Termins zu bewegen. Man dürse aber auch nicht vergessen, daß die Maurer aus nichtigen Gründen die Arbeit niedergelegt und sich qeiveigert hätten, nachts zu arbeiten. Stadtv. Baake(Soc.) giebt seinem Erstaunen darüber Ausdruck, daß der Stadlbaurat jetzt auf eimnal den Maurern die Schuld beimißt. Er erwarte den Beweis dafür, daß die Arbeiter wirklich aus nichtigen Griiudeii die Arbeit niedergelegt hätten. Zu der Ver- Weigerung der Nachtarbeit seien sie wohl berechtigt gewesen. Mit Rücksicht auf die zahlreichen Unglücksfälle bei nächtlicher Arbeit hätten die Maurer durckiaus richtig gehandelt. Er rate dem Stadtbaural. die Energie, mit der er den Maurern entgegengetreten, der Firma Lohmeyer gegenüber an den Tag zn legen. Es folgt nun eine scharfe Auseinandersetzung zwischen dem Stadtbanrat und den beiden socialdcmokratischcn Vertretern. Im Verlauf derselben betont der Stadtbaurat die Notwcndigtcit, Ordnung und D i§ c i p l i n aufrecht zu erhalten. lStadtv. Baake: Kleiner Stumm!) Eimnal hatten die Maurer gestreikt, weil vier Kollegen wegen angeblicher Trägheit und Faulheit eutlasscu iverden sollten, ein andres Mal hätten sie sich geweigert, mit Erdarbeitern, die im Accord arbeiteten, zusammen zu arbeiten. Die Stadtvv. Baake und Hirsch verteidigen das Verhalten der Maurer und raten, k ii listig nur organisierte Arbeiter e i n z u st e I l e n; dann sei die Stadt sicher, daß die Arbeiter nicht leichtfertig die Arbeit niederlegen. Die Vertreter der bürgerlichen Parteien beteiligten sich an dieser Debatte nicht, be- kündeten aber durch den Beifall, den sie den Worten des Stadtbau- rals spendeten, ihr Einbcrständnis mit dessen Scharfmachcrpolitik. Der Antrag des Rcscreiiten gelangte dann gegen die Stimnien der socialdcmokralischen Mitglieder zur Annahme. der It'luu'nbeu'rguttg. Ter Verein der Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse hielt am Montag, den 21. Mai. seine regelmäßige VereinSversammliing ab. in der Herr Rechtsanwalt Fränkl einen Vortrag hielt. Als Thema hatte er gewählt.AnS der Geschichte der Justizmorde und Jnstizverbrechen". Redner sprach sodann über das Vereinsrecht der Frau, und erntete für seine interessanten Ansfühningeii reichen Beifall. Unter VcrciiiSuachrichtcii teilte die Vorsitzende noch mit, daß am 3. Pfiugstfciertag ein Ausflug nach Pankow. Restaurant Ww. Roells Gescllschaftshmis, Krenz- und Spaiidaucrstraßcii-Ecke, stattfindet, und bat um rege Beteiligung. Ein nrncr Francnvcrrin will ins Leben treten. Er soll für die Frauen mid Mädchen aus dem Arbeiterstand in der westliche» Vorstadt ein Mittelpunkt werden zur Pflege von Geselligkeit und höherer Bildung. Nur mit herzlicher Freude kann man das neue rege Geistesleben willkommen heißen, das überall zu Tage tritt und nach Belhätigung ringt. Ganz besonders aber dann, wenn es in jenen Frauenkreisen erwacht, welche die Not des Daseins der Schrei nach dem täglichen Brot schon seit früher Jugend ins Joch gespannt hat. Sie wolle» nicht mehr von dem allgemeinen Fortschritt ausgeschlossen sein; sie wollen sich Rcchenschafl ablegen von allem, was ibr Leben erfüllt. Ucber Arbeil und Haushalt. Ehe und Kinderpflege. Gesuiidheitslchre und Gesetzeskunde ivollen sie mehr wissen, als was ihnen Schule und Elternhaus noidürflig mitteilten. Sie sehnen sich nach Weiler- bilduug. sowohl in ollgemeliieii Kenntnissen als in den praktischen Lebensfragen. Diesem eifrigen Streben nach idealen Gütern verdanken die beiden bestehenden Vereine>n Berlin und in Rixdors ihr rasches Ausblühen und kräftiges Gedeihen. Sie geben dadurch den Nachbar- orten Anregung zu eigner Thättgkeit. indem sie zur Befolgung ihres Beispiels einladen. Eine zahlreiche Beteiligung an den bestehenden Organisationen findet ihre Grenze bei dem Maße der Entsernuiig, welche ein zu großes Opfer an Zeit und Fahrgeld beansprucht. Des- halb planen'die fortgeschrittenen Arbeiterfrauen in Schöneberg schon lange die Gründung eines eignen Vereins mmd halte» die Zeit dafür gegenwärtig für günstig. In seinen Grundzügcn wird der neue Verein die bereits bestehenden zum Muster »ehiiien. Durch belehrende Vorträge ivird der Gesichtskreis der ZnhörerinneN erweitert, durch die nachfolgende Diskussion etwa vorhandene Unklarheiten beseitigt und eine Anregung gegeben, die in empfänglichen Gemütern nutzbringend weiterwirkt. Auch die Pflege der Geselligkeit wird nicht vernachlässigt werden. An schönen Sominertagen ein' heiterer gemeinsamer Ausflug, im Winter ein gemütlicher Unterhaltungsabend, ein fröhliches Tänzchen für die Jugend, zu Weihnachten ein Kinderfest geben günstige Gc« legenheit zu gegenseitiger Annäherung und srcuiidschaftlichem Verkehr... Die Gründung des Vereins erfolgt Montag, 28. Mai, m einer zu diesem Zweck einberufenen Versammlung im Klubhaus, Hauptstraße 5—6. Anfang 8>/s Uhr. Mit umso größerer Zuversicht hoffen die Veranstalter auf sehr zahlreichen Besuch aus Schöncberg und dem ziiiinchst gelegenen Wilmersdorf, da Frau Dr. Zepler de» ein- leitenden Vortrag' halten ivird. So kann der werdende Verein wohl einein ersolgreichen Anfang entgegen sehen, dein eine lange, erfreu- liche Lebensdauer folgen nivge. Briefkasten der Kedakkion. Tie juristische Tprechsimide siiidet Montag. DieuStag und Freitag von 7-i» Uhr abends siai». R. G. 8. Auch uneheliche Wöchnerinnen werden im Wöchnerinneil- heim am Urban ausgeiiommen. „Etreit*. Die sogenannten Arbeitslosen-Krawalle fanden am La. und SS. Febr. 1892 statt- P. R. l. Nein. 2 Buchhandlung. 3. Hier unbekannt. I. S. 31. Sprechen Sie gelegentlich i» der juristüchen Speechs»»»de vor.- Predigtbnch. Die Strafversolgnng ist nicht verjährt. Eine Strafanzeige ist kosieiilos. Soviel ersichtlich mvffen Sie die Kosten zahlen; spreche» Sie mit dem Urteil gelegentlich in der Svrechstunde vor. damit iiiaii Ihnen sagen kann, ob eine Bernsung Aussicht auf Erfolg hat. -«. H.. iUvüiiralstr. 18». Ja.- P. fi. 100. DaS Einbehaltuiigs- rccht des Wirts ersircikt sich nicht auf»nxfändbare Gegenstände.—(seiet- liste. Nur Much Güte.- Liberty. Nor der Dinsterunz ist die Eingabe an die Ersaylmnmissiou z» richten.— R. B. Eh. 1000. 1. Nein. 2. Leider nein.— H. Si. 101. 1»nd 2. Solcher Verein ist uns nicht be- kannt. 3. Net».- W. S. 11. Nein; Sie können die Aiierkennuiig der Vaterschaft in Jbrem Falle ablehnen.- 23. 1. Das bängt von ärztlicher Anordnung ab. 2 Ja.-(f. Z. 9, Innerhalb 2 Jahre».- Hg. Rem. 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Montag, abends 8 Uhr: ir,57/H9(: 3 Uhr 54 Min. bis 5 Uhr 40 Min, ,,8onncnfln8«criii«'-. Tägl. Sternwarte. Nachmittags 5—10 Uhr. 'Passsge-Panopticum; Riesen und Zwerge. 10 Uhr von», bis 10 Uhr abds. Passage-Tliealer: Vorstellung von 7— 101'. Uhr. ■■ CASTANS■■ PANOPTICÜM Frledrlchstr. 105. Der berühmte Magier S�Mr. Roberls. MM�Die weltberühmte Hohenzollern-Galerie. Die Helden des Transvaal-Krieg;«. Oer französische Saal. Im Kestaurant täglich mittags und abends Grosses Konzert iS Berliner Aquarium Unter den linden 68a. Lingang' Mehadosvstr. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis SM- 25 Pf. EeichhRlti'»ste Ausstellung der Welt an lobenden Seetieren, _ Kcptilien etc. CarlWelss-Theater Gr. Frantsnrlerstraste 13*. Kämpfende Armut. Anfang 8 Uhr. Im Garten 4V,. Uhr: Grofics Theater. Specialitätcn »nb Konzert. Nur Kräfte erste» Ranges. Belle-Ailiance- Theater. Fm herrlichen Suuimcrgarleu: (vornehmstes».grvhartlgstils Sommer- Ctobliffement der Residenz) zza» tiarten-fsniizert. 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Pfingstfeiertag): FrAh» Konzert arrangiert von den Parteigenossen in �oei§ Vicloria-lüarlen und Endvigz Parhreslauranl(Köpniolcer Landstrasse). 2Xufrtiirt sruy 4 Uhr. Bittet 20 Pf. 215/6 Tie Kaffeetüchs ist von 4'.. Ubr ou geössnet. a Liier 00 Pf.' v»»_ MimTSÄi Walißis- Scintiaiiser Vorsti. Mm Montag, den 4. Juni(2. Pfingstfeiertag): Großes IriManzert in vlisrkSL VolksgArkev, Schöichaiiser Allee Nr. 101—102, veran?ialLet von focfalOeniotitlfisch�tt Parte igeuossev der Schönhauser Vorstadt, unter ÄHUwirTimg der Gesangvereine �.Gleichheit" und„Rote Nelke"(Mitglieder des Arbeiter Zängerbunds). Dirigent N. B lob et. Pennt von Mitgliedcni der Freien Vereinigung der Civil Berufsmnüter unter Leitung des Dirigenten M. fccOnrcid Billets a 20 Pf. sind bei allen.belanmen Partelgeuofsen zu haben. 22Y/42 Um rege Beteiligimg ersucht vus »O»HOOOOOOOOOG>M>S6OOO6»OGOOeD ß„Zee�Ferrasse", Lichtenberg,% G— Roderstrasse 6. •.(Die breite Röderstrasse verbindet das Steuerbaus Landsberger Allee mit dem Dorfe Lichtenberg) Zu Fuss in S Min. v. den betr. Kin.s:bahuötationen u- Haltesteil, der elektr. Bahn erreichbar. || Vergnögongs-Etablissement I. Ranges 20 �Jsfnd8011611 1 Mein üoDzer! der Römer Bersaglierl. � Täglich vorrilgl. Klitc-Prograinin im Variete Theater. @ Novität:„Lichtenberg auf Stelzen" Tanz: Sunntäg, Montag und Donnerstag, Gvotzvv VovnnüqunASpavlr. 4 liege N> u Ii ne». Ztl Ruderboote. Stallmigen. Schntztaüuser filr lOÜ Fahrräder. Familien können KafTee kochen. Eintrittspreis: 10 Pf., Kinder frei. l MeriMSinmEriangtr Wo amüsiert man sich grossartig! 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T as �»n�ert wird von dem 20 Mann starken„Neuen Berliner Konzert- Orchester" unicr Lciinua des Herrn Rudolf Tie?, die Gesangs- Bortrage von dem Gesangverein„Lnra uia"(M. d. A.-G.-V.) unter Leitung ihres Dirigenten Herrn Lehmann ausgeführt. Eröffnung 4 Uhr. Anfang 3 Uhr. BikletS im Borverkauf ZV Ps., an der Kasse ZZ Pf. Programm am Eingang gratis. Ten geehrten Tarnen steht dic Kaneclüche von 4 Uhr ab zur Verfügung (Liter 80 Pf., Ve Liter 40 Pf.). BiNctS find zu haben im Butcftu, tn den.Zahlstellen, sowie bei samtlichen Borstandsmitglicdcrn. 7ö,g Sonnutag, den 24. Jnui lZOS Großes Sommerfest in Stralan. Konzert, Specialitätcn Vorstcllmlg und Feuerwerk. Restaurant Neu- Seeland, Wlv, Schoncrt. Um zahlreiche Beteiligung an bridcn Bcrgniigiinngen er'ilcht Das Komitee. Norddeutsche Brauerei, ChaasHcestrassc 58. Sonntag, den 3. �uni(l. Psingstfcicrtag): Großes Frnß Konzert unter Mitivirkuiig dcZ GelängdertinZ «. ** An rang 5 Dhr. Msvv y»et Äxk Killet ZV Pfff. [220 1" liMor Volks- Dapten, _________ Berliner Strasse 40. Empfehle meine Lolälitate» mit ichouclii Nalnrgarten, größein Tanzs'aal, K�gelb.ahnen,. Ka f.sc.ckstchc?c. de» geehrten Vereinen und Gcwerlicha'ten zu FestUchlciten(auch Söun'tags). s46lZ1L� -.ÄA,«artkll-Roluert. SSÄ Dall. -«M- Sartm-Kolünt. SÄ Dali. tvozn crgcbcnst einladet........ f'.niil Witte. Deutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Mittwoch, den 30. Mai. abends 8 Uhr, bei Keller, Koppen- strafte SO, CreueR'«!- V ersammluiig. ---•" Tages-'Ord nuu g: t.. 1. Kassenbericht. 2. Bericht des Borftands und des 2lrbeitsvennittlcrs. ?. Wahl des Äusschuffcs. 4. Wahl Lines SchriftWrers.'5. Bericht vom Bcrbondstag. ü. Antrag aus Anstellung eines Beamten. 7.'Antrag auf Anstellung des stiauvotitehers. 8. Berbandsangelkgenheiten. Tie Mitglieder werden crutcht, zahlreich und piwlllich zu erscheinen. Eintritt»nr mit Mitgliedsbuch. SSM Die Ortsvcnvaltniig. Braucht der Korbmacher. Montag» de» 28. d. Mts., abcndS 8'. Andreasstrafte Nr. 20, Uhr, bei Wilke. NoviÄttltnlung. T a g c s- O r d n n n g: I Tic.Zustande in der Werkstatt von Starke, und wie beseitigen wir dieselben? 2. Siegelung des Vertrauensmnnner-Snstcitts. Branchen- angelegettbeitcu. 4. Verschiedenes.— Tie Äollegcu von Starke sind zu dieser Bcrsaminluiig besonders eingeladen. Tic Kommission. Deutsch. Metallarbeiter-Verband Vernaltnngsstelle Berlin. Bureau: Engel lifer 15. Zimmerl-5. Fernsprecher.' Amt A' II, Z5Z. Montag, den 28. Mai 1000, abends 8'/z Uhr, Aiisserordentlicbe General-Versamnilung im Palast-Theater, früher Feen-Palast, Burgstraße, Ecke St. Wolsgangstr. T a g« s- O r d.» n n g: Portsetunng cker Beratnn««ler Anträge des Hitglieds F. Idtfia. Cime Mitgliedsbuch kein Zutritt. Tie Vertrauensleute stttd verpflichtet, den Mitgliedern die Mitglieds buchet aitsznyändigcn._ Dienstag, den 20. Mai 1000, abcndS 8' Uhr WM" Versammlung der Gold- n. Sllder-Ardeiter u.Yernfsgeliosselt im„Tresdener Garte»", Dresdenerstr. 4ä. T a g es- O r d n n n g: 1. Vertrag des- Herrn Schürte über..Attentate in der prenvischeti Geschichte."— 2. Diskussioii.— 8. Bericht der Aommiftion übcr'die Per- baiidlnugen mit der Goldschmiede Iitniuig bezügl. des Gesellen-Llitsschusses. 4. Berbands-Ängelegenheiteii....... Tie Kolleginnen»nd Kollege» werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. llS/K Die Drtsvertrnltriiig.' 8chönhaiiser Allee 1DZ. Alle» Freuttdcn,. Bekannte» ttnJ) Gcnoffctt znr Nachricht, daß ich ohigcö. Lokal wieder übernommen babc. Fcden Sonntag: Frei- Kannert, von Berussinusikeiit ausgesühil. Grober schattiger Garte», 6000 Per- loneti fassend. Groftartige Kasfecküche. täglich aeösjitct. 46!tiLi___________' ÄVillie'Ini' 8c1imidt. Tlr Sl Milllfpr'8 Kur- n. Wasser-Heilanstalt All. U. iUUllIQl BcrNn. SchüHcnstrafte Nr. 20 30. Uasserkiireil, kieltr. Mbiidtr, j Lflnftsn,'Hak?-, Asihwa-,' s Nasen, Arhlkopslcidcn. i Idcfcrnng ZllhsillltliriW(NetÄall Wechmes Soolhal), I ,fütSt-aftKJ WW" Tischler I ■Am Bontag, den 88. Bai 1900, abends 8 Uhr, findet Koppenstrafie 89, im Lokale deS Herrn Keller, eine ÜgT Vovsammlnng siimtlichcr bei Junungs- Mitgliedern beschäftigten Gesellen und Arbeiter statt. '' T a g e S- C rd n u II g: 267 Ist Wahl von 10 Beisitzer» sowie 10 Stellvertretern zum Fniiutigs-Schiedsgericht. Ol der Gewerbe-Drdnüug.■• Wahlberechtigt ist jeder Tischler, Mobclpoliercr. Drechsler. Bildhauer und stiitirliche bei Mitgliedern der Tischler-Jnmtttg beschäftigte Arbeiter und Arbeiterinnen, soweit sie das 2ö. Lebensjahr vollendet und i'cit mindestens einem Fahr in dem Bezirk des Gerichts Wohnung oder Beschäsligmig bei einem Jnnungs-Mitglied haben. Wählbar ib, wer das sO. Lebensjahr vollendet, in dem der Wahl vormi- gegangenen Fahre iitr sich oder seine Familie Zlriitcnunlerstützung auS ofseittticheii Mittern nicht empiangen oder die empsaitgetw Armeiiimterstützitug erstattet hat und in dem Bezirk des Gerichlö seit uiindestens zwei Fahren wohnt oder beichastigt ist ,'GewerbejertchtS-Aksttz K 10 A. 1.)•■•■■ Als Legitimation gilt dos Mitgtiedsbuch der Krankenkasse der Tischler- Fnmtng oder eine Bescheinigung des Arbeitgebers Der Vorstand der Tischler- Innung. •, F. A.: C Raliardt, Cbermeister. Seit?lrzt Dr. 8. Bunter, leibe», MetienatiSmns• j■ kassen. pccialarzt(iit Wa ss e rhe i lvcrsa y ren u. Massage. Golilener Scvinn! Cosnac. Kam, lilqaeare und sAmmtlicIie Branntweine von köstlichem Aroma und herrlichem Geschmack von Jedermann höchst einfach und leicht selbst zu bereiten mit den allein echten C'ombinirten Original Reictael-BMcnxen(ges gesch.). Garantie für reine Naturproducte— Absolut nicht trübend. 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UM" Tapezierer."HW ' TsenStag, den 29: Mai, abenbS 8''» Nhr, Mitglieder- Berfammlung Süd: Markgrafeustrafto Nr. 83. Tageso rd np» g: ' l. Bortrag deS vir 8t« In er über„Gerhard Hanotniatm und das Geistes- leben der Gegenwart/' 2. Diskussion inid Bcrichiedcncs. Nord: Bruuuenstrafte Ar. 188. T a g e s- O r d n it n g: l Bortrag des Sladw. llokkmsnn über„Kumödianteit". 2. Tiskiissio» und Berschtedeites.— Zahlreiches Erscheineit erwünscht. 177/10 Tie AerbaudSleitung. EitUlro-Molltklltt! Montag, dcn 28. Mai, abends 8Va Uhr, bei Feuerstein ...(J»h. Hcrzberg), Alte Jakobstr. 7S,... Große öffentliche Uersammlnng. Tages-Ordnuug: 1. Vortrag des Herrn Rechtsanwalt Victor brankl über:„Aus der Gc schichte der Fttstizirrtüiiier/' 2. Die Zustände in mtsrer Branche und wie verbessern wir dieselben? Kollege F. Abraham. 3. BcrbaiidS-Attgclicheirheiten. Zu dieser Bcriamvtlung jind�allc Kollegen, sowie deren Frauen herzlich fitr ifle BmaiNmkitng rege eingeladen/ Pflicht cincs jeden Mitglieds ist cS, zu agitieren. 267/15 Der Vorstand. Is Samariter-Knrsus Ja für Arbeiter und Arbeiterinuen. D Ter II. BortragSabend in der Filiale bei A'eaninnn in der Bruniten- strahc 150 findet morgen, Motttagabend 0 Uhr, statt. Neue Teilnehntcr köiinen noch beitreten. 155,0 Bortrag des Herrn Dr. AVez-I über MUlUUllt 1|. PhWClllglt (Bau und LebensthSiigkeit deS menschlichen KörperS).'Gäste' willkommeir. Der A'orstand. Leiltriil Verhiliick äer Zimmerer Sonntag. (Zahlstelle Berlin und der Aororte). den L7. Mai. vormittags 10 Uhr. tn dcn Arminhallen, Kommandantenstr.'10: 254.41 VevfkmmUvmg. Tages-Ordnung: 1. Bortrag des. Genossen Dr. I-eo A.ro»s über:„Tie?liifgaben der Gewerkschaftsbeweginig'. 2. Die Kontrolle der Saminellarteu zum ort- lichen Fonds(erstes Halbjahr'. 3. Brrbattdsaitgelegeuheitcn. Kauieraden! Erscheint vollzähtiz und sorgt dafür, dafl dir Bersainwlung gut besucht wird Der Vorstand. 'In mixsrem Verlage erscheint soeben: Eduard Bernslein:& �V�ctiSu«; Preis 50 Pf. Die Schrift bildet einen wertvollen Beitrag zur Klärung der Fragen und theoretischen Auseinandersetzungen die sich an den Namen Bernstein knüpfen. Zum erstenmal wendet sich Bernstein nach rechts in einer Kritik seiner Kritiker von dieser Seite. Dr. Ladislaus Gumplowicz: E,%0iebc.freie Preis in eleganter Ausstattung 50 Pf. Agitationsausgabe 2" Pf Eine �Erörterung dieses stets aktuellen Themas vom socia.- listischen Stanctpunkte aus dürfte allgemeinem Interesse begegnen. Verlag der Socialistischen Monatshefte, Gledltsch- Strasse 23, Berlin W. Kinderwagen, Kindeibettstelleu,; Puppen, Kasten-, Leiter- tind Sportwagen u. vcrstcllb. Stühle.! Bestes Fabrikat, billigste Preise. Eilte I Wagenladung Kinderivagen zu billig- f fitti Preisen eingetroffen. Schutzvor/ richtung„Adenl" verhind. ij. Heraus- fallen des Kindes. 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Mit iiiisrer Kcnnzcichnimg dc-Z Buchdr»cker-„Korrespondciit" in Nr. 108 dcs„Vorwärts" lwschäftigte sich, wie wir aus dem Bericht iir genanntem Blatt ersehen, in der Versammlnng am IS. Mai die Berliner Mitgliedschaft des Buchdrnckervercha'ndS. Es sprachen dazu mkM einigen andern Rednern auch der Leiter der Berliner Verbandsadteilnng, M a s i i n i. und der Verbandsvorsitzende Döblin. Von zweien der Redner, von denen wir jedoch nickt erfahren, was sie gesagt haben, wurde Rexhäuscr als„der Schuldige" bezeichnet. Im übrigen wurde uns vorgeworfen, daß wir den Verband beleidigt hätten, daß wir uns in die inneren Angelegen- heilen des Verbands.eingeinifcht hätten, baß wir. den Artikel Rexhäusers aus dem Zusammenhang gerissen, das heißt also wohl entstellt� hätten und daß wir unnobel gehandelt hätten, weil wir Rexhäusers„Berichtigung" zurückgewiesen' haben. Herr Döblin im besonderen fand in unsrer Notiz nur den Bc- weis„des. grpßur Verständnisses" für das, was der Buchdrucker- verband schon für den Fortschritt der deutschen Gewerkschaftsbewegung gethan-habe und ferner„die schon öfter zum Ausdruck gebrachte Feindseligkeit des„Vorwärts" gegen die Centralorgauisatiou.".'> Herr Massini resumirte die Ansichten der Versammlung am Schlüsse dahin,„daß wohl auch Rexhäuser vorbeigetroffen habe, daß aber darum Unberufenen jede Einmischung in unsre VcrbandSangelegcn- heiten durchaus nicht zu gestatten sei und die Berliner Kollegenschaft die unschönen Angriffe dcS Centraiorgans.�der focialdemokratischen Partei mit Bedauern bemerkt habe." Von einer Zurückweisung oder Mißbilligung der»»„Korrespondent" zum Ausdruck gebrachten Ausichtc» über das Verhältnis von GeWerk- schaftSbclvcgung und Socialdemokratie ist in dem Bericht keine Rede. Was zunächst die behauptete Feindseligkeit des„Vorwärts" gegenüber der Centralorganisaliou angeht, sö sei bemerkt, daß sich ,der„Vorwärts" von jeder Feindseligkeit gegen' irgend eine gewerk- fchaftliche Hrganisatjönsfonn frei weiß und es'niemals als seine Aufgabe betrachtet Haft sich in den Streit um die Organisationsform Wir werde,, übrigens recht häufig von den Anhängern bald dieser, bald jener Orga,ii>atio»sform der Feindseligkeit gegen sie besHuldigt. •- Wir mischen uns nicht in den Streit um die Organksatiolisforn,. weil wir es überhaupt nicht als die Aufgabe der Parteipresse bc- trachten, sich in die inuern Angelegenheiten der gewerkschaftlichen Organisationen zu mischen. Das haben wir auch dem Buchdrucker- verbaick-gegenüber nicht gethan durch unsre Notiz in Sir. 108 und deshalb ist die Zurückweisung solcher Einmischung durch die Berliner Buchdrucker uns gegenüber durchaus verfehlt. . � W>r haben nur festgestellt, wie dnS Verbandsorgan sich zur socialdemokratischen Partei stellt, und'! daß' wir uns dazu berufen halten, wird man uns schon gestatten müffen. Das Verbandsorgan erklärt und der BerbandSvorsitzcnde wie die Berliner Verbandsmitglieder weisen daS nicht zurück: „Die Gründer unsrer' Organisation waren glücklicherweise keine Socialdemolraten." „Für die Gewerkschaftsbewegung betrachten wir die Social- demokratic nicht als förderlich." „Wir Buchdrucker haben wahrlich die socialdemokratische Partei nicht nötig, um unsre Organisation aufrecht zu erhalten." Diese Sätze stehen klipp und klar in dem Artikel vom 21. April, ohne daß ihr Sinn durch den Zusammenhang irgendwie beeinflußt wird. Darauf können wir nur den Vorwurf Döblins, wir hätten kein Verständnis für das, was der Verband für den Fortschritt der deutschen Gewerkschaftsbewegung schon gethan habe, in vielfach vcr- stärktem Maße zurückgegeben. Wer die gekennzeichneten Sätze schreiben konnte und wer sie billigt, den, mangelt jedes Verständnis für die Bedingungen des Kampfes, den die deutsche Arbeiterklasse gegen das Unternehmertum und seine Regierung zu führet, Haft Kein Zweifel: Die Arbeiterklasse bedarf der gewerkschaftlichen Organisation, um sich gegen den Einzelunternehmer zu wehren oder ihm Vorteile abzuringen. Der Kampf um den Lohn, um die Arbeitszeit, um anständige Behalwlung. die Ueberwachung der Durch- führ, mg der gesetzlichen Arbeitcrschutzvorschriften. das find Aufgaben, für die starke, gewerkschaftliche Organisationen, unentbehrlich sind. Aber schon in diesem Kampf ist den deutschen Arbeitern die Presse der politischen Arbeiterorganisation, der Socialdemokratie. unent- behrlich, und auch den Buchdruckern ist deren Hilfe stets sehr will- kommen gewesen, z. B. bei dem letzten allgemeinen Buchdrucker- ausstand 1892, oder den Berliner Buchdruckern in dem Kampf gegen Scherl. Aber, die deutsche Arbeiterbewegung kann nicht blos Büchdrucker- bewcgung, oder Holzarbeitcrbcwegnng, oder Metallarbeiterbewegung sei». ES sind Hnnderttansende, denen es gar nichts nützt, daß sich eine Gruppe Arbeiteraristokratcu eine Verkürzung der Arbeitszeit und dergleichen erkämpft. Sie müssen durch die staatliche Gesetz- gebung geschützt werden. In Deutschland ist es einzig die Social- demokratie, die politische Organisation der Arbeiterklasse, deren Thätigkcit die vorhandene Schutzgcsetzgebung zu verdanken ist und durch deren Thätigkcit allein sie gefördert werden wird. Die gewerkschaftlichen Organisationen aber bedürfen auch zu einem ersprießlichen Wirken des Koalitionsrechts, des freien Vereins- und Versammlungsrechts, und wo wäre das ohne die Social- demokratie? Freilich, wenn die großen gewerkschaftlichen Verbände der Elite der deutschen Arbeiterschaft in eine» bewußten Gegensatz zur Social- demokratie gebracht werden könnten, wenn sie auf eine Bahn gedrängt werdest könnten, wo sie ihre Aufgabe darin sehen, ihre Angehörigen vor der Socialdemokratie' zu warne,,, sie ihr abwendig zu machen— und es gießt ja genug Leute. die eifrig an diesem Werke. arbeiten. und Herrn Rexhäusers Thätigkcit im„Korrespondent" rechnen wir auch hierher— dann konnte deren Wirken zur Förderung der �„tcressen der gesamten Arbeiterklasse �allerdings wei entlich gehemmt werden. Die 57 Ab- geordneten der socialdcinokratischen Partei können ja gewiß keine Gesetze beschließen. Ihre Erfolge beruhen wesentlich darauf, daß die bürgerlichen Parteien fürchte»/ die Masse ihrer sick auch nur aus Arbeitern rekrutierenden Wähler an die Socialdemokratie zu vcr- lieren, wenn sie deren parckanientarisch geltend gemachte und im Volke ejsrig agitatorisch vertretene Forderungen gänzlich unberückfichtigt passen. Sitzt ihnen diese Furcht nicht mehr im Nacken, weil etwa dafür gesorgt wird, daß den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern die Socialdemokratie als nicht förderlich erscheint, dann hat es aufgehört mit der Förderung des gesetzlichen Arbeitcrschutzes und mit der Förderung aller Gesetze, die der Arbeiter- klaffe zum Vorteile gereichen. Den Schaden hat natürlich nicht irgend ein mystisches' Partciwescn, den Schaden hat die deutsche Arbeiterklasse. Schließlich: Für wen der gewerkschaftliche Kampf der Inbegriff des Kampfs der deutschen Arbeiterklasse ist, wer sich damit begnügt. daß die Arbeiter etwas höheren Lohn und etwas kürzere Arbeitszeit erringen oder vom Unternehmer als„Herr" angeredet werden, der känn nicht darauf Anspruch machen, zu den socialpolitisch modern Denkenden gerechnet zu werden. Die Erkenntnis, daß der gewerk- schaftliche Kämpf nur eine Episode in dem großen Befreiungskampf der Arbeiterklasse ist, macht den wesentlichen Inhalt des Begriffs der modernen Arbeiterbewegung aus, und wem diese Erkenntnis mangelt, den können wir nicht als zur Käinpferschar der modernen Arbeiterbewegung gehörig betrachten. Nun noch ein Wort zu Herrn Rexäuser. Man hat gesagt. eS sei nniiobel, daß wir seine Berichtigung nicht aufgenommen haben; er selbst will darin sogar einen Mangel an Mut erblicken. Wenn es als ein Beweis mangelnden Muts angesehen wird, daß man sich nicht mit jemand in eine Diskussion einlassen will, der förmlich darin schwelgt, seine Gegner aus der socialdemokratische,, Partei mit den pöbelhaftesten Schimpfwörtern zu belegen, dann geben wir gern zu. daß uns dieser Mut»naugelt. Die uuS daraus den Vorwurf des Mangels an Noblesse machen, sollten lieber besorgt sein, daß ihr Fach- blatt etwas mehr den Grundsätzen der Noblesse entsprechend geleitet würde. Was Rexhäuser uns nuter dem Namen Berichtigung zugeschickt hat,, berichtigt nichts von dem, was wir aus dem„Kor- reipöndcnt" citiert und festgestellt haben, sondern macht nur den Ver- such/ durch neue Beschimpfungen der Socialdemokratie— die aller- diugs bei dem Abdruck des Schriftstücks in Nr. 57 des„Kor- rxspondent" in einem w es e nt li ch en W o�ct e wesentlich abgeschwächt ist— eine Rechtfertigung seiner Schimpfereien 'zu liefern. Ihm dazu bei uns die Gelegenheit zu geben, lagen weder Rücksichten auf Noblesse noch andre Gründe vor. »lUlerungSüberstch« vom Sv. Mai 1900. inorgenS» ttyr Statiolieu ts H � h öS 5 s 763 NW 765 NNW 763 S! � 764 N 763.W 762 Still Wetter 1 bedeckt 46edeckt '/bedeckt '/bedeckt 4 Reget, O'bedeckt SS- 766>SSW 767 S ,76751310 4Nebel 2 Mb. beb /'bedeckt S-wwcmde .bmnbmg Bertli,' Fmukf./M. München Wien Wetter-Prognose für Sonntag, den 27. Mai IVOO. Ein wenig wärmer, zeitweise heiter, vielsach wolkig bei schwachen nprd westlichen Winden; kein« erheblichen Niederschläge. Berliner W c t t e r b n r e a u. Stationen Sävarandg Petersburg Cork ilberdee» Paris 7SVS Wetter /wolkig SS Sd» 8 C. Spittelmarkt 16/17.# SW. Leipzig/rstr. 64.* SW. Belle- Alliancestrasse 1-2. Unsere Waarenhäuser sinck heute jSonntag den 27. JWai von Mittags 12 Uhr bis Abends 6 Uhr ununterbroohen geöffnet. 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AMiig, sisclilei'! «»läßlich bei Maifeier sind die Tischler in der Bautiichlerei mm Ktlobitz 4. Kttpchen, Char lottenbnrg. entlassen worden. Die Wcrlstatt ist solgedessen bis auf tocitsres.gelperpt.. � 88/1" vi« Grievarwaltimg Gbarlottendurg. Verantwortlicher Redakteur: Banl John in Berlin. Für den' Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck- und Berstig von Max Babing in Berlin. Wllllg, Drechsler! Bei der Firma Vveltaikorr, Ritterstraste 15, haben 15 Kollege» wegen Differenzen hie Arbeit nieder» gelegt.'- 89/8 Die OrtSverwaltuag. «Wz! SßtWj Stuccateure. Bei der Firnm dnnkersdsrf, Wilmersdorf, find Tifferenzett aus- gebrochen Zuzug ist streng-fenizu» halte». Ter.BcOranensinann. pr. 121. i7. 4. Keilage des„iormlitts" Kerlmer MlkslilM. � m vm. Socinlo Veiszkspflvgv. DaS ordnungsmäßige Zcugniö. Die Finna Spanholz a. C o. halte dem Sckloiler und Werkzeugmacher Sch. in einem ZeNgnis bescheinigt, daß er bei ihr„als Schiosser im Werkzeugraum" gearbeitet habe. Sch. verklagte sie darauf beim Geiverbegericht und verlangte, das; er als Werkzeugmacher oder als Werkzeugschlosser in dein Attest bezeichnet werde. Kläger machte geltend,' daß er thatsächlich die Stellung eines erkrankten Werkzeugmachers ein- genommen hätte. Sieben Stunden sei er mit dem Neüanfertigen von Werkzeugen beschäftigt gewesen und nur etwa drei Stunden habe er Werzeuge ausgegeben und repariert. Der Vertreter des Beklagten führte aus: Gewiß möge der Kläger an manchen neuen Werkzeugen gearbeitet haben; die Firma könne aber nicht begutachten, ob er alle die Teilarbeiten, wie das Fräsen, Hobeln, Feilen, Drehen usw. verrichten könne, ohne die die vollständige Herstellung aller vor- kommenden Werkzeuge unmöglich sei. Sie dürfe deshalb Sch. garnicht als Werzeugmacher bezeichnen, da sie sonstmöglicherweise haftbar gemacht werden könne.— Der K l ä g er betonte nunmehr, daß er ganz grimdlos aus die schwarze L i st e gekommen sei und daß die Beklagte ihn nur in seinem fernem Fortkomme» zu schädigen suche.— Die Beklagte wurde verurteilt, dem Kläger in einem neuen Zeugnis zu bestätigen, daß er seit Mitte August 1889 als Werkzeugmacher bei ihr beschäftigt gewesen sei. Der Vorsitzende, Gcwcrbcrichter Voigt, führte begri'mdmd ags: Der Gerichtshof habe allerdings angenommen, daß Sch. nur die Werkzeuge für die Drehbänke und ähnliche Hilfsnuttel angefertigt habe und daß ihm im fraglichen Betriebe nicht d i e G e I e g c u- heit geboten gewesen sei, alle Werkzeuge herzustellen. Er sei aber dennoch Werkzeugmacher gewesen und habe ein Recht darauf, als solcher bezeichnet zu werden. Ein andrer Prozeß gegen die Firma Spanholz n. Comp. fiel � ebenfalls zu ihren Ungunsten aus. Der Kläger Z. hatte den rückständigen Lohn für zwei Spindelkastcn verlangt und den Anspruch hinsichtlich des einen ermäßigt, weil daran angeblich ein andrer Arbeiter, 19 Stunden nachgearbeitet hat. Der Vertreter des Beklagten lehnte vorläufig ab, für den zweiten Kasten etwas zuzubilligen, und be- gründete dies damit, daß der Kasten no ch nicht a u f s e in'eB ra u ch- barkeit hin nachgeprüft sei. Er meinte, es könnten sich noch Fehler herausstellen. Uebrigens wäre der Kasten bisher nicht abgenommen worden. Der Gerichtshof, unter dem Vorsitz des Gewerberichters Voigt hielt ein solches Hinziehn des Klägers für unzulässig und verurteilte die Firma, für jenen Kasten dem Kläger den vollen Lohübetrag zu zahlen. Der Vor- sitzende bemerkte, der Kasten hätte inzwischen längst untersucht werden können. Man könne nicht vom Kläger verlange», daß er fortwährend in der Fabrik oder auf dem Gericht erscheine, um zu hören, ob die Arbeit schon nachgesehen sei. Da nun die Firma nicht habe behaupten können, daß der Kasten nichts tauge, so habe sie ohne weiteres zur Zahlung des ganzen Betrages verurteilt werden müssen.— Für den nachgesehenen und nachgearbeiteten Kasten wurde dem Kläger die ermäßigte Klagcsumme zugesprochen. Unfall infolge von Spielerei. Als der jugendliche Arbeiter Nägele, der in der Augsburger Kammgarnspinnerei arbeitete, api 23. März 1899 von Tisch kam und auf dem Wege zur Arbeitsstätte durch das Wollmngazin des Betriebes gehen wollte, wurde er dort von einigen Kameraden auf- gehalten, die das Tesching ihres Mitarbeiters Sieber bewunderten. Nägele holte aus seiner Westentasche eine Patrone und meinte, die würde wohl gerade passen. Sieber lud damit den Revolver und legte scherzweise auf Nägele an. Ein unglücklicher Griff, die Waffe entlud sich und Nägele bezahlte den„Scherz" mit seinem linken Auge. Die Süddeutsche Textil-Berufsgcnosscnschaft lehnte später seinen Antrag auf Gewährung einer Unfallrente mit der Begründung ab. daß es sich nicht um einen Betriebsunfall im Sinn des Gesetzes handle. R. legte Berufung ein und verwies besonders darauf, daß der Unfall im Betriebe passiert sei. Das Schiedsgericht verwarf jedoch das Rechtsmittel als unbegründet und das Sieichs- Vcrsichernngsamt als ReknrSinstanz erkannte ebenfalls zu Ungunsten des Klägers, indem eS von folgenden Erwägungen aus- ging: Die notwendige Voranssctznng für die Annahme eines Betriebs- nnfallS fei der Zusammenhang des Unfalls mit dem Betriebe und seinen Einrichtungen und Gefahren. Diese Voraussetzung fehle hier Eine Verletzung, die auf die mutwillige Handlungsweise eines Mit- arbeiters zurückzuführen sei, bilde an sich noch keinen Betriebsunfall. Wenngleich sie zum Teil durch das Zusammenarbeiten mehrerer Personen bedingt sei, so fehle es doch an Momenten, die den ursäch- lichen Zusammenhang vermitteln. Als solches könnte unter Umständen die Bemxtzung eines dem Betriebe dienenden Werkzeugs angesehen werden, wenn damit die Verletzung verursacht worden sei. Die Pistole sei ein der- artiges Werkzeug nicht, deimsieseiwederdurch den Betrieb hervorgebracht worden, noch habe sie sonst etwas damit zu thmr gehabt. Siebcr habe sie vielmehr in den Betrieb mit hineingebracht, wie der Kläger die verderbliche Patrone. Etwas vom angeuicffene» Lohn. Der Eiseudreher S. hatte von seinen Arbeitgebern Hinnewinkel und Tismer für 18 Arbeitsstunden nur 3,M Mark, das heißt für die Stunde nur 20 Pfennige erhalten. Er beanspruchte darauf im Klagewege noch 4,50 M., indem er sich die Stunde mit 45 Pf. berechnete. Die Beklagten bestritten ihm das Recht dazu nnd betonten, daß eine Lohnabrede nicht getroffen worden sei. Die Leistungen des.Klägers erklärten sie für angemessen bezahlt. Der Kläger ivar indessen geneigt, anzunehmen, daß man ihn ch i k a- nieren wolle, weil er die Stellung sobald wieder aufgegeben habe. Ueber das Engagement selber wurde im Lauf der Verhandlung vor der Kammer V des G e w e r b e g e r i ch t s folgendes festgestellt. Der Kläger wurde gefragt, wie viel er bisher verdient habe. Er antivortete. er hätte zuletzt für die Stunde 45 Pfennig erhalten.' Darauf erfolgte seine Annahme.— Die Kammer verurteilte die Beklagten nach dem Klageantrage zur Nachzahlung von 4,50 M. Sie ging von der Erwägung aus, daß ein Stundenlohn von 20 Pf. für einen Dreher viel zu gering sei und daß � mangels einer direkten Abrede ein angemessener Lohn gezahlt werden' müsse. Als solcher wären 45 Pfg. für die Stnnde anznschen. Im vorliegenden Fall käme für die Bemessung noch hinzu, daß der Kläger wegen der Frage nach seinem früheren Ver- dienst geglaubt habe, dieser sei ihm durch seine bedingungslose Ein- stellung auch von den Beklagten zugestanden worden. 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Dies gilt namentlich für den weniger Bemittelten, denn sein Wahlspruch muss stets lauten: Gut und billig zwei Begriffe, die sich nur schwer mit einander vereinigen lassen. Und doch sind gerade bei der Lösung dieses Problems schon grossartige Fortschritte gemacht worden. Nehmen wir z. B. das Gebiet der Nahrungsmittel, das ja offenbar eines der wichtigsten ist, weil jeder Mensch nicht nur essen will, sondern unbedingt essen muss. Da hat uns nun die Maggl- Gesellschaft eine Reihe neuer Produkte beschert, welche in der That hervorragende Güte mit aussergewöhnlicher Billigkeit vereinigen. Man kann daher ruhig sagen: Jede Hausfrau, die ihren Mann, ihre Kinder durch schmackhafte und gesunde Speisen erfreuen und gleichzeitig mit dem Haushaltungsgeld sparen will, verwende die MUGGI- Produkte. Sie sparen das Doppelte bis Achtfache, wenn Sie Ihren Kam, Cosnac, Branntwein oder Llqiteur mittels der echten Xons Orlglnal-K* tractc selbst bereiten. Misslingen aiiSgeschlossen. 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