ueflmrniM Nr. 140 SOIVIVTAG, 16. Febr. 1936 Aus dem Inhalt; Mord und System Der Jude ist tot Wachsende Wirtschaftssorgen Kant gleichgeschaltet SDocfoiMa# Verlag; Karlsbad. Haus„Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Der Auswes: Freiheit! Ablenkungsversuche und wachsende Opposition im Dritten Reich Wenn die Schwierigkelten der Diktatur sichtbar werden, denkt das System an Ablenkung, die Leidtragenden aber denken an»Normalisierung«. Damit ist genau die gegenwärtige Lage des Systems bezeichnet Seine Träger wollen durch die Flucht in die alldeutsche Ideologie und die Kolonialpropaganda einen neuen nationalistischen Rausch entfesseln— aus Bürokratie und Wirtschaft aber erheben sich mahnende Stimmen, die auf wunde Punkte hinweisen, und deren Hinweise sich schon zu Forderungen verdichten, die aus Spezialforderungen zu allgemeinen politischen Forderungen werden. Man hat die»Normalisierer« und die»Normalisierung« totgesagt. Man hat geglaubt, daß neben der Allmacht des Systems jede andere Kraft verschwunden sei, daß es neben dem Willen der Spitze, oder hinter oder außer diesem Wil-' len nichts gebe, daß mit einem Wort in der Totalität des Diktatursystema alle politische Bewegung erloschen sei Man hat die Frage aufgeworfen, was»Normalisierung« eigentlich sei Die Antwort auf diese Frage gibt das System selbst. Ka bemünt sich, um oer Olympiade willen seine wilde Grausamkeit, sein zivilisationsfeindliches Wesen möglichst wenig nach außen treten zu lassen. Es braucht die Olympiade nicht nur des Devisengewinnes wegen, sondern wegen des Gewinnes an Ansehen, an Verbindung, an Vertrauen, den es davon erhofft Es braucht diesen Gewinn aus politischen und wirtschaftlichen Gründen. Normalisierung heißt Anpassung an die Kulturwelt, an die freien Völker, an die Norm, die bei ihnen gilt Das System heuchelt die Anpassung. Jeder Tag bringt blutige Beweise dafür, daß es sich nur um Heuchelei handelt Aber in der Heuchelei liegt das Geständnis, daß die Umwelt Deutschlands eine überlegene Norm besitzt und daß Hitlerdeutschland die Normen der Kulturwelt preisgegeben hat Soviel zunächst über den Begriff. Und nun zu den»Normalisierern«. Wir lesen in der»Frankfurter Zeitung« vom 6. Februar in einem Aufsatz zur Eröffnung der Olympiade: »Verbessern wir etwas, räumen wir dieses oder Jenes beiseite, so mag der Besuch zwar Anlaß zur Verbesserung sein, diese selbst ist ein Geschenk, das wir Deutsche uns selbst machen, nicht eine Konzession an die Besucher. Alles, was nur einer solchen Konzession gleichkäme, wäre ohnedies zwecklos oder könnte leicht die gegenteilige Wirkung hervorbringen. Gibt es überflüssige, gar anstößige Dinge, dann sind sie immer überflüssig, immer anstößig.« Die Tafeln»Juden ist der Zutritt verboten!«, die Kästen mit Streichers»Stürmer« wären also immer anstößig, immer ein Verstoß gegen die Norm? Wir wollen uns komplizierte Betrachtungen darüber schenken, ob diese Sätze eine höhere Form der heuchelnden Propaganda auf Befehl darstellen können. Wir wollen sie nehmen wie sie sind. Sie erscheinen in Deutschland, und ihre unbestreitbare Richtigkeit wird allen einleuchten, die nicht fanatische Nationalsozialisten und Göbbelsschüler sind. Und diese Richtigkeit wird als geistiges Faktum bleiben, wenn die Heuchelei des Systems selbst zu Ende sein wird. Aber die Streicherei ist nur die eine Erscheinungsform. Wesentlicher ist, daß die politische und wirtschaftliche Notlage innere Unruhe und Sorge bei jenen hervorruft, die bei einer Katastrophe zu verlieren haben. Sie rufen deshalb nach weiter und tiefer gehender Normalisierung. Diese Stimmen sind in den letzten Tagen auf zwei Gebieten laut geworden, die einigermaßen zusammengehören, auf dem Gebiete der Gemeindepolitik und der Wirtschaftspolitik, und ihr Sprachrohr war wieder die»Frankfurter Zeitung«. Am 6. Februar schrieb sie unter der Ueberschrift:»Wer spricht zur Bürgerschaft?« das folgende: »Es Ist darum ein berechtigter Wunsch des Gemeindebürgers, zu wissen, was Im Rathause vor sich geht Ueber dieses Prinzip sind sich im Grunde alle einig; denn wenn der Gedanke der Selbstverwaltung verwirklicht werden soll, der Ja als Grundpfeiler der neuen Gemeindeordnung anerkannt ist, wird man der Bürgerschaft auch die Rolle aktiver Mitarbeit, sei es auch nur im Sinne einer fruchtbaren Diskussion außerhalb der Amtaräum� zuerkennen müssen.« »Zeigen aber nicht die zitierten Stimmen, daß der eine oder der andere anfängt, ungeduldig zu werden?« »Die Erfahrungen der verflossenen Monate legen die Frage nahe, ob die Tätigkeit der Gemeinderäte, die Ja doch die berufenen Vertreter der Bürgerschaft sind, bereits ihr endgültiges Gesicht gefunden hat. Wir denken dabei weniger an den Ablauf der Beratungen im Rathause, die Ja von dem Gemeindeleiter Jeweils auch für öffentlich erklärt werden können, als an die gewichtige Verpflichtung der Gemeinderäte der Bürgerschaft gegenüber. Diese Verpflichtung besteht, aucn wenn sie bisher allzusehr hinter der Bindung an die Verwaltung, also der Pflicht zur Beratung, zurückgetreten ist.« Wie soll eine»fruchtbare Diskussion« geführt werden, wenn es keine Versammlungsfreiheit, keine D i s- kussionsfreiheit gibt? Wie sollen die vom System ernannten»Gemeinderäte« der Verpflichtung nachkommen, die Verbindung mit der Bürgerschaft herzustellen, wenn sie nicht das Recht zur Einberufung öffentlicher Bürgerversammlungen besitzen? Und wenn sie selbst das Recht erhielten, in erlaubten Versammlungen zu berichten— was hätten diese Versammlungen für Wert, wenn nicht die Bürgerschaft das Recht erhielte, Kritik zu üben und Forderungen vorzutragen? Hier wird die Unvereinbarkeit des Systems mit den schüchternsten Ansätzen zur Selbstverwaltung ohne weiteres sichtbar. Sichtbar wird aber auch, daß Jeder Versuch der Propaganda für die primitivsten Elemente der Selbstverwaltung mit Notwendigkeit zu»Normalisierunga- forderungen« führt, die zu politischen hinrühren. Aber diese Normalisierungsforderungen entspringen notwendig der Mißwirtschaft des Systems und der Not, die sie geschaffen hat. Am 8. Februar lobt die»Frank- Dep Jude Ist tot Der»Slurmer« und seine Gewährsmänner »Bürgerliche« Zeitungen am Niederrhein berichten über eine Verhandlung des Schöffengerichts in II. Gladbach. »Angeklagt war der 36 Jahre alte Wilhelm H. aus Odenkirchen, der eine Zeitlang in Jüchen wohnte. Er hatte dort im Dezember v. J. ein Mädchen geheiratet, das bis vor der Machtübernahme r a s s e n- schänderischen Verkehr unterhalten, seine Beziehungen zu dem Juden aber aufgegeben hatte, nachdem durch die naüonaLsozialistische Regierung die Judenfrage automatisch gelöst war. Ueber das Vorleben seiner Ehefrau war H. zweifellos unterrichtet. Wenn man nun die reichlich unrühmliche und nicht minder dunkle Vergangenheit des H.— er ging 1924 als verkommener Mensch nach Amerika und kam von dort als noch verkommeneres Indlvldium im Jahre 1932 zurück— berücksichtigt und ferner in Betracht zieht, daß er unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Deutschland wegen Betruges zum Nachteil eines auch aus Amerika zurückgekommenen Mädchens zu zwei Jahren Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt wurde, dann geht man wohl in der Annahme nicht fehl, daß man es bei H. mit einem Menschen zu tun bat, der mit seiner Verehelichung unsaubere Pläne im Sinne hatte. Und so erwies es sich schon nach kurzer Zeit. Während seine Frau— wie einwandfrei feststeht— Jegliches Zusammentreffen mit dem Juden vermied, suchte H. möglichst häufig und zwar in Gegenwart seiner Frau mit ihm zusammen zu kommen. Schließlich ging der elende Lump sogar so weit und versuchte seine Frau regelrecht an den Juden zu verkuppeln und diesen zu veranlassen, doch ständig als »Hausfreund« bei Ihm Im Hause zu verkehren. Dann Ist H. an den Juden wegen zunächst kleinerer Beträge herangetreten. Später wurde er Immer dreister und als er einsah, daß der Jude nichts mehr geben wollte, setzte er Daumenschrauben an. E r wandte sich an die Oeffentllch- kelt und auch an Behörden. In eindeutiger Welse bezichtigte er seine Ehefrau und den Juden des rasseschände- rischen und ehebrecherischen Verkehrs. Er war aber nicht In der Lage, auch nur den Schatten eines Beweises für seine schwerwiegenden Behauptungen zu erbringen und In der Verhandlung vor dem Schöffengericht wurde genau das Gegenteil der H.-'schen Bekundungen als erwiesen festgestellt. Das Gericht gab dem Vagabund, der zum Abschaum der Menschheit gehört, die treffende Antwort. Es verurteüte ihn zu 18 Monaten Gefängnis und zu fünf Jahren Ehrverlust. Mit dieser Strafe hat H. die Reife für die Sicherungsverwahrung erlangt.« Der Bericht ist leider nicht vollständig. Ergänzen wir ihn: Der»elende Lump und Vagabund und Abschaum der Menschheit« war geschätzter Mitarbeiter des vom Duzfreund des Führers herausgegebenen»Stürmer«. Streicher nahm die Denunziationen des»verkommenen Menschen« mit Wohlbehagen auf. Der»Stürmer« wurde in Jüchen angeschlagen und von Haus zu Haus verbreiteL Die SA sammelte sich brüllend vor dem Hause des zu Unrecht beschuldigten Juden. Die Kriminalpolizei nahm nicht etwa den»Lumpen« fest, sondern den Juden. Er wurde in»Schutzhaft« nach M. Gladbach gebracht. Einige Tage später kam die Meldung, er habe»Selbstmord« begangen. Niemand von seinen Freunden glaubt an diesen »Selbstmord«, denn wie die Gerichtsverhandlung gegen den Denunzianten zeigt, hatte der Jude das beste Gewissen. Uebri- gens war er Kriegsteilnehmer und Inhaber mehrerer Tapferkeitsorden. Die Zeitungen bringen den Bericht unter der Ueberschrift»Der größte Lump im ganzen Land...« Es ist nicht ganz klar, ob sie damit den Denunzianten meinen oder den Streicher-Freund des Führers, der die Donua- zlationen ungeprüft im»Stürmer« erscheinen ließ und so den Tod eines ehrenhaften Menschen verursachte. Opfer der Par1ei|ustiz Selbstmord des Rechtsanwalts Fließ. Unserer Meldung In Nr. 139 des»Neuen Vorwärts«, wonach der Jüdische Rechtsanwalt Fließ in Magdeburg wegen angeblicher falscher Anschuldigung und Beleidigung des Nazianwalts K u h I m e y zu neun Monaten Gefängnis verurteilt wurde, verlangt einen Nachtrag. Dr. Fließ hat sich am 29. Januar Im Korridor des Magdeburger Gerichtsgebäudes eine Kugel In die Schläfe gejagt und ist kurz danach gestorben. Eine Traueranzeige seiner Frau In den jüdischen Zeitungen teilt mit, daß Rechtsanwalt Ernst Fließ In Magdeburg»am 29. Januar nach einem Lieben der Arbeit, Liebe und Güte« verschied. Dr. Fließ, ein Mann von etwa 60 Jahren, hatte aus der in den Magdeburger Gerichtskreisen herrschenden Pogromsllmmung die Konsequenz gezogen, Indem er nach dem ungeheuerlichen Urteil der Großen Strafkammer freiwillig aus dem Leben schied. Der eigentliche Schuldige an diesem Tode Ist Dr. K u h 1 m e y, einer der bösen Geister Magdeburgs, dem es u. a, auch zuzuschreiben ist, daß der Reichsbannermann Karl J ä n 1 k- k e In dem bekannten Schönebecker Landfriedensbruch-Prozeß im Oktober 1934 zum Tode verurteilt wurde. Aus Ehrgeiz und Geltungsbedürfnis hatte Dr. Kuhlmey als Vertreter der nationalsozialistischen Nebenkläger das auf 15 Jahre Zuchthaus lautende Urteil der ersten Instanz angefochten und es durchgesetzt, daß das Sondergericht Halle gegen Jänicke ein Todesurteil fällte, und dies, obwohl Jänicke nach der Ueberzeugung weitester Kreise völlig unschuldig war. Jetzt hat Dr. Kuhlmey die Genugtuung, auch Dr. Fließ in den Tod getrieben zu haben, einen Mann, der wegen seiner Lauterkeit, U neigeanützig- kelt und Hilfsbereitschaft sich größter Sympathien in Magdeburg erfreute. Die Namen Fließ und Kuhlmey sind symbolisch für den beutigen Stand der deutschen Justiz: Der eine, der Anwalt des Rechts, wird in den Tod gehetzt; der andere, der triumphierende Wortführer des Unrechts und der Gewalt, degradiert die Justiz zu einer Dirne der Diktatur. Im Zeldien der Olympiade Antisemitismus wird mit Gefängnisstrafe erzwungen. Das Sondergericht In Braunschweig verurteilte den protestantischen Pastor Georg Althana zu sechs Monaten Gefäng- n 1 s, well er seine Schüler im Religionsunterricht aufgefordert hatte,»sich nicht an den antisemitischen Schreiereien zu beteiligen« und weil er zu Gott gebetet habe:»Das arme gehetzte Jüdische Volk zu schützen.« In der Urteilsbegründung behauptete das Gericht,»der Schöpfer selbst hat dieses Volk für seine Untugenden heimatlos gemacht.« Die nichtantisemitische Gesinnung wird im Dritten Reich als»Heimtücke« gegen den Staat mit Gefängnis bestraft. fnrter Zeitung« den Münchner Oberbürgermeister, weil er Rechnungsergebnisse für 1933 und 1934 und den Haushaltsplan für 1935 veröffentlicht hat Sie lobt ihn mit der ironischen Bemerkung, daß für die Leiter anderer Städte, die weniger günstig abgeschlossen hätten, der Reiz zur Publizität wahrscheinlich geringer sein v�ürde. Aber, so fährt sie fort: >In der Privatwirtschaft gilt ebenso wie In der öffentlichen Wirtschaft— nicht nur für die Gemeinden— die Wahrheit, daß sich Publizität bezahlt macht da in den Augen der Oeffentlichkeit eine umfassende Darlegung der finanziellen Verhältnisse ohne weiteres als Beweis dafür gilt daß nichts zu verbergen Ist, daß die Geschäfte solid und korrekt geführt wurden. Die Gemeinden, die dem Münchner Beispiel folgen werden, wenn es später wieder einen Kapitalmarkt für Kommunalanleihen geben wird, die Früchte ihrer Publizität ernten können, wenn sich ihnen zuerst das Vertrauen wieder zuwendet Bin Zuviel an öffentlicher Rechnungslegung hat noch niemals geschadet ein Zuwenig noch niemals genützt« Dieser letzte Satz ist ein lapidarer Satz, Er zielt geradezu auf das ganze System der Hitlerschen Regierungskunst, die alles geheim hält und jede Möglichkeit zu einer öffentlichen Kontrolle, zu wirklicher Publizität ausschaltet Jeder Versuch öffentlicher Darlegung ihrer Finanzwirtschaft, gar der Kritik daran, würde heute in Hitler- dcutschland terroristische Unterdrückungsmaßnahmen nach sich ziehen, die wahrscheinlich in Mord gipfeln würden. In dieser Ausrührung liegt darum ein Ansatz zur Opposition gegen die Wesen»- 1 züge der Diktatur, und die Hoffnung, daß sie»später wieder« abgebaut werden würden.»Wenn es später wieder einen Kapitalmarkt für Kommunalanleihen geben wird«— darin liegt das Eingeständnis der bitteren Not der Gemeinden, der Aufopferung aller ihrer Interessen für den Moloch Rüstung, aber auch die Hoffnung der Normalisierer, daß es nicht so weiter gehen kann. Es sind sehr große Wirtschafts- intereSsen aus allen Kreisen der Bevölkerung, die mit dem Schicksal der Gemeinden verknüpft sind. Die Forderung der Publizität, die sich hier mit der Forderung nach mehr oder weniger demokra- i tischer Selbstverwaltung der Gemeinden verbindet, wächst aus diesen Interessen hervor, Und es geht ja nicht nur um Gemeinden und Gemeindewirtschaft! Am 7. Februar heißt es in der»Frankfurter Zeltung« unter der Ueberschrift:»Das offene Wort«: »Der Sprecher einer Wirtschaftsgruppe schließlich, der mit Temperament und Energie Wiederholt um die Anerkennung der Existenzberechtigung seines Berufsstandes kämpfen mußte, erklärte kürzlich zur Rechtfertigung seines Kampfes: Wenn ein Beruf astand, der überzeugt sd, daß seine Leistungen unentbehrlich sind, um seine Anerkennung ringe, dann kämpfe er nicht nur um die Erhaltung seines eigenen Lebensraumes, sondern um den der Volksgemeinschaft Ein ebenso richtiges wie kühnes Wort!... Man könnte daher fragen, ob es angebracht sei, mit der lauten Propagierung von Binzelwünschen, die' oft mehr am Rande der großen Ziele unserer Politik liegen, die Oeffentlichkeit zu beschäftigen. Doch scheint es jedenfalls verfehlt sie ohne weiteres mit dem Vorwurf der Interessenpolitik abtun zu wollen; es Ist Ja Sache der politischen Führung, die Harmonie der Gesamtwirtschaft zu sichern und gegenüber den Wünschen einzelner Gruppen, die zu weit gehen, hart zu sein und ihnen rechtzdUg einen Riegel vorzuschieben. Kundgebungen wie die hier erwähnten beweisen aber, daß der Ruf nach Privatinitiative In der Wirtschaft nicht nur als dn Freibrief für die Betätigung des Individuellen Erwerbsstrebens verstanden wird, sondern daß Unternehmen und Organisationen bereit sind, mitzuraten und mitzu- schaffen für die möglichste Wohlfahrt aller. Sie sprechen natürlich aus dem Bereich Ihrer Erfahrung und bringen Ihre besondere Nöten und Sorgen vor. Man sollte sich ruhig dieser Initiative freuen; es tri jedenfalls besser, daß Spannungen, die hier und da auftreten, sich in einem offenen Wort äußern, als daß sie zu Verstimmungen führen, die unter einer ruhig scheinenden Oberfläche schwelen.« Heißt das nicht, daß bestimmte Unternehmer- und Interessentengruppen für sich politische Meinungsfreiheit, die Freiheit der Kritik, Pressefreiheit verlangen? Spricht nicht aus diesen so vorsichtig formulierten Sätzen Kritik am System, an der Knechtung seiner Wirtschaftspolitik, an seinen Methoden? Hier wird erkennbar, Denisdie Stpeilllditep Görlng am Horizont Von allen NazlfUhrern Ist er wohl der größte Masaenverächter. Nur selten macht er sich die Mühe demagogischer Mätzchen. Und wenn schon, dann geschiebt es gerne, wie beim Richtfest des Luftfahrtsministeriums, in der Rolle des großen Gönners, der zu Freibier, Zigarren und Frankfurter Würstchen inmitten seiner»Leute« herabsteigt. Für diesen Görlng ist die Masse Plebs und Kanaille, und im Privatgespräch verhehlt er diese Einschätzung gar nicht. Er vertritt die Ansicht, daß Glanz und Pracht und Prunk die Masse nicht abstoße, sondern anziehe und Ihre Bewunderung herausfordere. Vom Denken und Fühlen des selbstbewußten sozialistischen Arbeiters weiß er nichts. Er war und ist Offizier. Nun da er inmitten eines zersetzten und schwankenden Staatswesens Kommandeur der Luftwaffe geworden Ist, fühlt er sich als »der General«, wie er sich gerne von seinem nahen Freundeskreise nennen hört. Er verhehlt kaum noch, daß er sich zum deutschen Bonaparte berufen fühlt Sein Ziol ist, alles zu liquidleren, was in der HlOerei noch etwas an Revolution und Sozialismus erinnert Auch der Radauantlsemitiamus paßt ihm nicht So wird er denn umschmeichelt von allen, die auf eine Rettung und Konservierung des deutschen Kapitalismus Ihre Hoffnung setzen. Man weiß in diesen Kreisen, daß»der General« nicht besonders Intelligent Ist aber man traut ihm gerade deshalb unter dem Einflüsse Klügerer und Weitblickender in einer entscheidenden Krise Handlungen zu, vor denen andere zurückschrecken würden. Die Männer des Hochkapitalismus, die mit Görlng rechnen, sind von allen moralischen Skrupeln fred und haben nie Anstoß genommen an den Kampfmitteln und der Korruption Ihrer Werkzeuge. Reichstagsbrand und 30. Juni sind bei diesen Leuten Empfehlungen und nicht etwa kompromittierend, vorausgesetzt allerdings, daß nicht Ihre Häuser angezündet und nicht s 1 e vor die Flinten gestellt werden. So etwas glauben sie aber bei Hermann Görlng nicht befürchten zu müssen, zumal er als Traditionsoffizier und einer der höchsten Herren der Wehrmacht nötigenfalls Kommandogewalt genug hätte, um auch gegen die SS operleren zu können. Man hält gewiß Görlng nicht für einen Staatsmann, aber man behauptet, er habe unter dem Einfluß gescheiter Ratgeber doch die staatsmännische Tugend, warten zu können. Daß ihm aber Im rechten Augenblick die Energie zum Zupak- ken nicht fehle, sei unbestritten. Es komme nur darauf an, die Situation zu schaffen, und daß sie kommen werde, sei gewiß. So die Meinung wichtiger erprobter Gewaltpolitiker, die kalt beobachten, wie die strampelnden Demagogen sich abwirtschaften. Manchmal im unmittelbaren Gefolge des »Führers« und seiner Paladine«-leben die Gegner des Göbbels und Ley, wie der Volksbeifall für die Götzen des Nationalsozialismus schwächer und schwächer wird. Ihre Hoffnung Ist»d e r G e n e r a U. Die Bekenntnisfront In München hat die Gemeinschaftsschule einen klaren Sieg über die Bekenntnisschule errungen, bei den Schuleinschreibungen entschieden sich 65,11 v. H. der Eltern für die Gemeinschaftsschule und nur 34,9 für die Bekenntnisschule. Wie sich der Prozentsatz für die Bekenntnisschule auf Katholische und Evangelische verteilt, ist nicht ersichtlich. Der Protestantismus ist aber in München sehr unbedeutend. Die Kirche war in der Werbung bebindert. Nicht einmal Elternversammlungen durften, wie Im Vorjahre, abgehalten werden. Man mußte sich auf Predigten und Andachten beschränken. Sämtliche Kirchenglocken läuteten für die Bekenntnisschule. Der Nationalsozialismus hatte demgegenüber die Waffe, jeden Gegner der Gemeinschaftsschule als Staats- felnd zu denunzieren. So schmolz denn die Zahl der bekenntnistreuen Kathollken zusammen; von 65,45 auf 34,09 in einem Jahre. Die Bischöfe können an diesen Zahlen mit Deutlichkeit ablesen, wie ihr»Kampf« gegen die Ka- tholikenverfolgung in großen Teilen des katholischen Deutschland aufgenommen wird: die mehr oder weniger lauen Schäflein, die nur traditionsgemäß zur Herde gehörten, fühlen sich verlassen; sie sehen nur die Ueber- macht des Staates und die äußere Schwäche des katholischen Widerstandes. Allerdings darf man auch aus dieeer Niederlage des Katholizismus nicht zu weit gehende Schlüsse ziehen. Die Zahlen aus München beweisen d!o Richtigkeit unserer hier wiederholt aufgestellten These, daß die katholische Kirche zwar alles Mitläufertum verliert, aber Ihre Kerntruppen behält. Schon seit langen Jahren sind in den Großstädten nur etwa ein Drittel der Kirchenraltglleder praktizierende Katholiken, und in(He Reihen dieser Treuesten konnte der Nationalsozialismus bisher nicht einbrechen. Ob auch In dieser Garde des deutschen Katholizismus die Fahnenflucht zunimmt, wird man erst nach einem weiteren Jahre feststellen können. Nur insofern Interessiert uns zurzeit der Kampf der Gemeinschaftsschule gegen die Bekenntnisschule. Uebrigens hat sich die Kirche schon in manchen Ländern durchaus mit der staatücheo Gemeinschaftsschule abgefunden. Angriff auf das AHerheiligs�e Die kapitalistische»Reaktion« gibt zurzeit wieder mancherlei kräftige Lebenszeichen von sich. So wagt sie in ihrer Presse sich recht unverblümt gegen die Tatsache zu wanden, daß die Städte von einem unfähigen braunen Parteiklüngel heruntergewirtschaftet werden, der längst in keinerlei Beziehungen mehr 2m irgend einer größeren Schiebt der Bürgerschaft steht Nun hat sogar einer gewagt, das Programm des Führers allerhöchstsei bst, das dieser für unabänderlich erklärt hat, offen zu verhöhnen. Eis geschah in der letzten Nummer des»Deutschen Unternehmers«, einer Wochenzeitschrift, die nun nach 35jährlgen Bestehen In dem»Deutschen Volkswirt« aufgeht. Dort sagt ein Dr. O.: »Der dem Tag und seinen Sorgen verhaftete Mensch, der weder Zeit noch Neigung hat, den historischen, geistigen, sozialen, wirtschaftlichen und machtpolitischen Arbeitskräften der von Ihm erlebten Entwicklung nachzuspüren, pflegt sich mit dem Hinwels und der Berufung auf irgend ein Parteiprogramm zu begnügen. In Wirklichkeit bleiben alle Parteiprogramme, mö gen sie auch noch so bedeutungsvoll sein, geschichtlich gesehen, zeitgebundene Erscheinungen.« Und dann verweist Dr. O. auf die Schwierigkeiten des Außenhandels und fügt mit offenem Hohn hinzu;»daß die Zwangsläufigkeiten dieser Elntwlcklung noch lange Zelt stärker sein werden, als es den Programmatikern lieb ist.« Nun gibt es aber Im Reiche nur ein Programm, nämlich das nationalsozialistische, und nur einen Programmatiker, nämlich den Führer. Und diesen Jahrtausendmenschen und seine ewigen Programmsätze behandelt da Irgend ein Unternehmersyndikus wie Dreckl Ja, er geht noch welter und rüffelt ganz im Stile früherer Arroganz gegenüber den Gewerkschaftesekretären»jenes laute, geschäftiges Funktionärtum, das seine dienende Rolle verläßt und sich zum Herrn aufschwingt.« Und so etwas darf Im Dritten Reiche dem Programmatiker Hitler und dem Funktionär Ley schon öffentlich gesagt werden! Allerdings nur In einem Untemehmerorgan. Hannes Wink. daß es im System, neben und hinter dem System Kräfte gibt, die nach eigenen Zwecken drängen, und die es sich leisten können, grundsätzliche Forderungen gegenüber dem System zu vertreten. D e r p o- litische Prozeß des Ringens der gesellschaftlichen Kräfte istauch in H i 1 1 e r d e u t s c h 1 a n d nicht tot— er vollzieht sich nur in anderen Formen als in freien Ländern. Aus diesen Beispielen wird sichtbar, daß es auch heute noch— oder vielleicht heute wieder— Normalisierungstendenzen und Normalisierer In Deutschland gibt, und worauf ungefähr ihre Forderungen abzielen. Man mag darin eine Auswirkung des Kampfes von Schacht gegen die sture Fortsetzung der bisherigen nationalsozia- lisüschen Wirtschaftspolitik erblicken, und mag es seinem Einfluß zuschreiben, daß diese Stimmen sich bervorwagen können. Man mag auch annehmen, daß Furcht vor dem Ende in den Außenbezirken des Systems so wirkt, daß große Konzerne, die es sich leisten können, ihre Interessen öffentlich vertreten lassen, und die Beziehungen der»Frankfurter Zeitung« sind bekannt. Man kann sich vorstellen, daß die Sehnsucht nach der Weltwirtschaft hier genehmigten Ausdruck findet. Man kann schließlich kombinieren, daß alles nur Ausfluß einer besonders raffinierten Taktik des Propagandaministeriums sei, das im Olympiadejahr den Ei n d r u c k einer Lockerung, der Möglichkeit einer gewissen polltischen Diskussion erwecken möchte. Es kann nicht entschieden werden, welche Annahme die richtige ist. Wesentlich aber ist der Inhalt der Kritik und der Forderungen, die hier zutage tritt Sie lassen erkennen, daß das System im Widerspruch zu Lebensinteressen großer und verschiedenster Bevölkerungskrelse geraten Ist Sie lassen vor allem erkennen, um welche Forderungen die Gedanken derer kreisen, die auf Aenderung sinnen, gleich viel, auf welchem Wege sie solche Aenderungen erwarten. Es sind immer wieder dieselben Punkte, es sind Forderungen, die immer wieder durch die verderblichen Wirkungen des Systems selbst erzeugt werden: die Forderung nach Befreiung des Spiels der gesellschaftlichen Kräfte, nach Offenlegung der politischen Bewegung, nach einem gewissen Liberalismus und politischen Plnralismus, aus dem sich die Konsequenz der Parteibildung ergeben muß; die Forderung nach wirklicher politischer Anteilnahme des Volkes— sei es auch nur in Grenzen der Gemeindeverwaltung; die Forderung nach öffentlicher Kontrolle, knrznra, die Forderung nach Freiheit. Wieviel oder wie wenig Kraft zur Zeit hinter diesen Forderungen steht, ist nicht das entscheidende. Wesentlich ist, daß die Schwierigkeiten des Systems sie erzeugen, wesentlich ist, daß sie laut werden können, wesentlich Ist, daß sie in der Richtung der Lebensinteressen des ganzen Volkes gegenüber einem mörderischen diktatorischen Systems liegen. Sie sind ein Zeichen der Schwäche des Systems. In diesen Ansätzen von Normalisierungsforderungen liegt eine ernste Mahnung an die deutsche Arbeiterschaft, Sie hat ungleich stärkeren Anlaß zur Empörung als Unternehmergruppen, Mittelständler, Gemeindeinteressenten. Auf ihr ruht die ungeheure Last der Mißwirtschaft des Systems. Sie darf sich bei der Vertretung der Freiheitsforderung von keiner anderen Klasse übertreffen lassen! [\Ieue Versdnirfiing des Kirdienkampfes Die Verhaftung von katholischen Jugendführern. Der Kampf zwischen der Hlüerdlktatur und der katholischen Kirche Ist an einem der wichtigsten Punkte dieses Frontabschnittes neu entbrannt. In Westdeutschlaad hat die Gestapo eine größere Zahl von katholischen Geistlichen und Jugendführern verhaftet. Unter den Verhafteten befindet sich der Generalpräses des katholischen Jugend- und Jimgmännerverbandes, Prälat W o 1 k e r. Prälat Wolker ist seit vielen Jahren der führende Mann der katholischen Jugendorganisationen, er Ist der Vorsitzende der»Katholischen Jugend Deutschlands«, der Dachorganisation aller katholischen Jugendverbände In Deutschland, die zur Zeit des HiUerumsturzea rund eine Million Jugendliche umfaßte. Wolker hat in der Hitlerperiode wiederholt, zuletzt in seinen Verhandlungen mit dem Kirchenminister Kerrl, den Versuch unternommen, das Eigenleben der katholischen Jugendverbände vor den Totali tätsanaprücheo der Hitlerdiktatur zu retten. Dabei verteidigte er nicht nur die Orgamsatloosintere»- sen seiner Verbände, sondern das für die katholische Kirche lebenswichtige Prinzip der unabhängigen katholischen Erziehung der Jugend. Das Regime hat jetzt auf diese Bemühungen In der Ihm eigenen Sprache geantwortet, es hat den Wortführer der katholischen Jugend und seine Freunde hinter Schloß und Riegel gesetzt und sie damit zunächst mundtot gemacht. Dieser Ausgang kommt nicht überraschend. Die nationalsozialistischen Machthaber und Hitler und der Relchsjugendführer Baidur von Schi räch haben immer erklärt, daß sie auf eine einheitliche national sozialistlache Erziehung der Jugend Ihre größten Hoffnungen setzen, und zur Erreichung dieses Zieles ist die Vernichtung der katholl- ! sehen Jugendverbände und ihrer Erzlehunga- arbeit eine notwendige Etappe. Ee Ist möglich, daß auch dieses Mal noch die Diktatur vor der radikalen Lösung des offenen Verbots jeder katholischen Jugendarbelt zurückschreckt; aber die neuen Verhaftungen In Westdeutschland werden auch den verstän- dlgungsberelteaten Teilen des katholischen Klerus erkennen lassen, daß die Freiheit der katholischen Jugenderziehung nur gesichert werden kann im offenen Kampf gegen die Diktatur. m JkHU JUkk und det ueSHistte A•■.«• n■■•« m v••« m mm mr« j" Abgrundtiefe Deudiele! der Mörder und ihrer Knedbte Das braune System heuchelt Entrüstung über die Tat von Davos. Seine journalistischen Knechte, die mit beifälligem Grinsen über die Leichen der zu hunderten gemordeten oder in den Selbstmord getriebenen Juden hinweggehen, gehorchen den Befehlen des Propagandaministeriums. Wo waren sie, als die Schleicher, K 1 a u- sener, Jung unter den Schüssen kommandierter Mörder fielen? Der»Völkische Beobachter« schreibt, daß »der politische Mord von Jeher von allen zivilisierten Völkern als das verabschen- ungswürdlgste Verbrechen verdammt und verurteilt wird.« Es sind Hitler und seine Partei gewesen, die den politischen Mord zum System gemacht haben! Wer hat das Wort vom »Köpfe rollen« geprägt? Wer hat die »rauhen Kämpfer« organisiert? Als am 31. Juli 1932 fünf nationalso- ralis tische Mörder in Potempa in Schlesien einen schlafenden Arbeiter im Bett überfielen und vor den Augen seiner Mutter bestialisch umbrachten, hat Hitler seine Ehre mit der dieser Mörder verbunden. Als diese Mörder verurteüt wurden, telegraphierte er ihnen: »Meine Kameraden, angesichts dieses ungeheuerlichsten Bluturteils fUhle ich mich mit euch in unbegrenzter Treue verbunden. Eure Freiheit ist von diesem Augenblick an eine Frage unserer Ehre. Der Kampf gegen eine Regierung, unter der dies möglich war, ist unsere Pflicht« Hitlers Hauptorgan, der»Völkische Beobachter«, vertrat die These, daß Mensch nicht gleich Mensch sei. Gegen dies Bekenntnis zu den Mördern erhob sich damals noch Reichskanzler von Papen. Am 23. August 1932 sprach er in Münster; »Objektivität gilt als Schimpf. Solcher Verwilderung der politischen Moral entgegenzutreten, ist die Pflicht der Staatsgewalt Ich kenne kein Recht das nur das Kampfmittel einer Klasse oder einer Partei Ist Das Ist eine marxistische Auffassung, die ich ablehne, auch wenn sie von Nationalsozialisten ausgesprochen wird, denn sie schlägt Jeder deutschen"und christlichen Auffassung Ins Gesicht Ich bekenne mich zu dem Glauben an ewige Rechtsnormen, aus denen auch der altpreußische Grundsatz geformt ist:»Jedem das Seine«. Es ist die Tradition Preußens von seinen großen Königen her, daß nur der zur Führung einer Nation zugelassen werden kann, der sich freiwillig in ihre Gesetze einordnet. Die ZUgellosigkelt, die aus dem Aufruf des Führers der nationalsozialistischen Bewegung spricht paßt schlecht zu den Ansprüchen auf die Staatsführung. Ich gestehe ihm nicht das Recht zu, die Minderheit In Deutschland, die seinen Fahnen folgt allein als die deutsche Nation anzusehen und alle übrigen Volksgenossen als Freiwild zu behandeln.« Seitdem ist alles Recht in Deutschland zerbrochen und der feige Mord zum Regierungssystem erhoben! Ungezählt sind die Opfer, die unter ihm gefallen sind. Hier ist eine— unvollständige— Liste führender Sozialdemokraten, die vom braunen System ermordet worden sind: Georg Landgraf, Geschäftsführer, Chemnitz, ermordet am 11. III. 1933 in Chemnitz. Günther Joachim, Rechtsanwalt, Berlin, ermordet am 18. HL 1933 In einer SA- Kaserne in Berlin. Johannes Stelling, Reichstagsabgeordneter, ehemaliger Ministerpräsident von Mecklenburg, ermordet am 22. VL 1933 in Berlin-Köpenick. Johann Schmans, Sekretär des Landarbeiterverbandes, ermordet am 22. VL 1933 in Berlin-Köpenick. Felix Fechenbach, Redakteur, Detmold, ermordet am 7. VIIL 1933 auf dem Wege nach Dachan. Hans Alexander, Reichsbannersekretär, Breslau, ermordet am 2. IX. 1933 In Esterwegen. Fritz Solmitz, Redakteur in Lübeck, ermordet im September 1933 In Lübeck. Otto Eggerstedt, Reichstagsabgeordneter, Polizeipräsident, ermordet am 12. X. 1933 in Esterwegen. Ludwig Marum, Rechtsanwalt, ehemaliger badischer Justizminister, ermordet am 29. HL 1934 in Klßlau. Fritz Langhorst, sächsischer Landtagsabgeordneter, ermordet im Februar 1935 im Polizeipräsidium Dresden. Fritz Husemann, Reichstagsabgeordneter. Vorsitzender des Bergarbeiterverbandes, ermordet am 15. IV. 1935 nach seiner Verhaftung. In jedem einzelnen dieser Fälle handelt es sich um viehischen Mord, in keinem dieser Fälle ist ein Mörder bestraft worden — denn die Mörder waren alle Werkzeuge des Systems! Diese verabscheuungs würdigen Verbrechen sind leider von der Welt in dumpfer Lähmung hingenommen worden. Wir sagen es laut: Die Trägheit des Herzens, die sich vor dem System des politischen Mordes verschlossen hat, statt laut zu verdammen und zu verurteilen, sie trägt auch Schuld! Die braune Lügenpresse Man schreibt uns aus der Schweiz: Ein Orkan tiefster Entrüstung brauste durch den gleichgeschalteten braunen Blätterwald. In ihrer gespielten Entrüstimg, in ihrem in den höchsten Tönen wiedergegebenen Abscheu vor dem»politischen Mord«, der diesmal einem der Ihrigen galt, vergessen die Herren von der Feder, die Herren von der Presse, der Propaganda, der Zensur, daß das, was vor einigen Tagen in Davos geschehen ist, doch nur einen mikroskopisch kleinen, atomistisch verschwindenden Teil dessen darstellt, was die entrüsteten Tugendhelden an viel bedeutenderen Menschen, an den Besten ihrer Mitbürger, ja sogar an dem Führer einer benachbarten Macht verbrochen haben! Weil in dem jetzigen Deutschland und in allen so gemütvollen Naziherzen wohl schon längst Gras gewachsen ist über den Reichstagsbrand des Generals Gö- ring, über den von Nazis angezettelten Mord am österreichischen Kanzler D o 1 1- fuß, über den Massenmord vom 30. Juni 1934, über den meuchlings in fremdem Lande getöteten Gelehrten L e s s i n g, über den in seiner Wohnung abgeschossenen ehemaligen Reichskanzler S c h 1 e i- eher und dessen Frau, Uber all die Märtyrer ihres Glaubens und ihrer Ueberzeu- gung, die ärger behandelt wurden als die Opfer der mittelalterlichen Inquisition— glaubt man jetzt wahrscheinlich in Hit- lerien, daß auch die übrigen Bewohner de» Erdballs an Gedächtnisschwund leiden und verlangt von diesen, daß sie nunmehr alle einstimmen sollen in den Ruf::»Ein Jude hat einen edlen Naziritter getötet, dafür müßte man mit Fug und Recht zehntausend abscheulicher Juden stracks totschlagen!«...denn so sieht in den Augen dieser erleuchteten Germanen das Wertverhältnis aus zwischen»Jude und Nazi«! Der»Völkische Beobachter«, überschäumend vor Entsetzen und Wut, bemerkt, daß»der politische Mord von jeher von allen zivilisierten Völkern als das verabscheuungswürdigste Verbrechen verdammt und verurteilt wird«! Sie haben Recht zu sagen:»zivilisiert«, denn sie selbst haben so viele politische Morde auf dem Gewissen, daß sie sich logischerweise nicht mehr zu den zivilisierten Völkern zählen dürfen! Die»Germania« behauptet, daß hinter diesem Verbrechen die Emigranten stehen und daß daher die Intellektuellen die eigentlichen Urheber seien!!! Diese törichten Intellektuellen! Warum sind sie so mutig, die Wahrheit zu sagen?? Wäre es nicht besser, sie erzählten der aufhorchenden Welt, daß sie reich beschenkt und beladen mit den innigsten Segenswünschen von dem geliebten Führer über die Grenze geleitet wurden? Der»Berliner Lokalanzeiger« fordert, daß sich die ganze Welt wie»ein Mann« gegen dieses Verbrechen, das n a- t ü r 1 i c h nur von Kommunisten und Marxisten angezettelt wurde, erheben möge, gerade so, wie sie sich gegen den Mord von Marseille erhoben habe, dem(nur!) der König von Serbien und Minister Barthou zum Opfer gefallen seien! Daß der Mörder ganz einfach ein Jude ist, dem offensichtlich die tausend Morde, | begangen an seinen Glaubensgenossen, das Herz zerrissen und den Verstand trübten, das wird einfach und absichtlich Ignoriert und es spricht der Wahnwitz des Massenmörders aus den Worten des»Völkischen Beobachters«: »Wenn«a noch einer Rechtfertigung bedürfte für die Haltung des Nationalsozialismus in der Judenfrage, so wäre diese entsetzliche Tat eine solche!« Da wird mit einem Zynismus, der seinesgleichen sucht, Ursache und W i T~ kung umgekehrt, da die wahre Ursache: die tausend Morde, Folterungen, Enteignungen, Freiheitsberaubungen einfach totgeschwiegen und deren Wirkung: die Verzweiflungstat eines Mitfühlenden als Ursache bezeichnet und als Rechtfertigung ausgebeutet wird! H. K. Nationalismus und Mord Wer hat den politischen Mord erlunden? Das in Genf erscheinende»Journal des weniger bekannter Persönlichkeiten»Hqui- Nation« veröffentlicht eine Aufsatzreihe über den Mord von Marseille. In diesen Aufsätzen, die aus der Feder einer besonders qualifizierten Persönlichkeit stammen, dlert«. In Oesterreich fiel Doli fuß, well er gegen den Anschluß kämpfte, aber dieser selbe Dollfuß hatte den Terrorismua begün- befindet sich ein Abschnitt über die Epoche stigt und hatte dazu beigetragen. In seinem des Terrorismus. Wir entnehmen ihm die folgenden Ausführungen: »Man muß einen Blick auf diese seltsame Epoche des offiziösen Terrorls- mus werfen, die wir gegenwärtig durchleben. In den Ländern, in denen die Revancheeigenen Lande, den offiziösen Terrorismus zu propagieren. In Rumänien töten die Nationalisten den Premierminister Duca, den Frankophilen, und bedrohen andere Staatsmänner. In Bulgarien töten die Nationalisten den Premlerminister Stambouliskl. Er gelüste, der Revisionismus, der Drang hatte in der Tat in Nisch den Freundschafts- Rea Lauration und militärischer Expansion vertrag mit Jugoslawien unterzeichnet: sie stark sind; überall, wo die Anhänger des ennorden den früheren frankophilen Minister Krieges den Krieg vorbereiten und herbeiwünschen, folgt ein Akt dieses ganz speziellen Terrors auf den anderen, einer Immer dreister und zynischer als der andere. Dort, wo diese Tendenzen zur Macht kommen, wird dieser Terrorismua eine der offiziösen Waffen der Diplomatie. Diese allgemeine Regel gilt ebenso für den fernen wie für den nahen Osten, wie für Mitteleuropa, so für Kleinasien. Japan hat seinen Bundesgenossen, den Herrn der Mandschurei, den Marschall Tscbang-So- L 1 n»liquidiert«, als er zu einem Hindernis für die Pläne von Tokio geworden war. Die japanischen Terroristen, beeinflußt von der leitenden militärischen Clique, haben nach und nach drei Ministerpräsidenten ermordet: H a r a, weil er den Vertrag von Washington unterzeichnet hat. Hamaguttchl, weil er den Vertrag von London unterzeichnet hat, und I n o u k a 1, weil er in China nicht entschieden genug aufgetreten ist. In Deutschland haben die nationalen Terroristen schon vor Hitler die Minister Erzberger, Rathenau usw. ermordet, Das Hltlerreglme hat den früheren Reichskanzler Schleicher, seinen eigenen Mint- abscheuungswürdigste Verbrechen 1 stör R ö h m und eine ganze Serie mehr oder j dämmt und verurteilt wird.« Guennadiev, den Minister D o u p a r t- nov und eine große Anzahl von Abgeordneten und Politikern, die den Frieden wünschen und sich weigerten, den revisionistischem Extremismus zu unterstützen. Albanien und Ungarn werden gleichermaßen Aktionsgebiet für die nationalen oder fremden Terroristen. Sogar In Griechenland ist der Ausgangspunkt der kürzlichen Unruhen das Attentat gegen Venizelos gewesen, das durch eine Bande ausgeführt wurde, die mit den Nationalisten, den Freunden der Regierung, In Verbindung steht. Auch Polen befindet sich auf der Liste der Länder, die durch diese terroristische Epidemie erfaßt worden sind. Was Italien anbetrifft, wo das faschistische Regime ein offizielle« System des Terror« errichtet hat, leiht man den Terroristen der angrenzenden Länder Beistand, indem man dabei ihre Tendenzen zum Revisionismus, zur Restauration oder zum Separatismus unterstützt.« Das ist eine glänzende Illustration zu der Heuchelei des»Völkischen Beobachters«, daß»der politische Mord von jeher von allen zivilisierten Völkern als das ver- ver- Brauner Ginsfliilciitferungsversudi Abwehr der Schweizerisohen Oeffentllchkelt. Die Basler Nationaizeltung Nr. 64 schreibt: »Was ist geschehen? Ein jugoslawischer Student erschoß einen in Davos lebenden deutsehen Privatier. Und deswegen ist jetzt auch die Schweiz einem zügellosen nationalsozialistischen Binschücb- terungsversuch auagesetzt, wie sie in den letzten Jahren oft genug gelangen. Soli der Versuch vielleicht auch diesmal gelingen? Der Bundesrat darf gewiß sein, daß er für eine würdige Haltung im Pal! Gustloff das Schweizervolk in riesiger Mehrheit hinter sich hat. Ein jugoslawischer und ein deutscher Privatmann, beide zwar besonderer Art! Wilhelm Gustloff galt persönlich als ein anständiger Mann, der, bevor er sich der politischen Karriere verschrieb, die ihm tödlich werden sollte, unter den Davosern Sympathien genoß. Die Sympathien verschwanden seit der »Machtübernahme« durch die Nationalsozialisten im Januar 1933 immer mehr. Ja, Davos empfand Gustloffs Gegenwart schließlich als eine Belastung, als eine Last, der Landesführer der NSDAP Schweiz entwickelte sich zum politischen Störenfried, meistens wohl gegen eigenen WUlen. Geschäftsleute, Hoteliers, Sanatorturasinhaber fingen an zu klagen, Gustloffs Tätigkeit vertreibe ihnen deutsche Kundschaft. Die Fälle, daß deutsche Gäste (mit arischen Großmüttern!) Davos fluchtartig verließen, oder auch das ist notorisch, überhaupt mieden, nahmen zu, well die Gäste, der Aufsicht und Bespitzelung in der Heimat satt, nicht auch noch in der Schweiz bespitzelt oder mindesten« kontrolliert«ein mochten. Denn daß die Landesleitung der NSDAP Schweis die Kurgäste deutscher Herkunft kontrollieren ließ, steht fest...« »Im Spiegel der gleichgeschalteten Blätter sind noch weit mehr als die»verfluchte jüdische Pest- und Mörderrasse« die Schweizer selbst schuld. Das politische Leben der Schweiz sei ganz und gar verwildert, und schärfste Remedur sei dringend geboten. Für den Hauptschriftlelter Scheffer vom»Berliner Tageblatt« ist die»Schweizerische Atmosphäre des besinnungslosen Hasses«, ist das Schweizervolk Uberhaupt schuld. Und noch mehr trumpft das Reglerungsorgan selbst, der »Völkische Beobachter« auf. Hier wird geradezu ein Ultimatum gesteilt. Die Schweiz habe für den besonderen Fall Frankfurter die Todesstrafe wieder einzuführen. Die Schwelzerpresse müsse»gesäubert« werden,»damit ein Teil der Schande getilgt werde, die durch den Mord am Gast im eigenen Hause sonst niemals aus der Welt zu schaffen wäre. Wir klagen an des gemeinsten Meuchelmordes ein System des Hasses und der Verhetzung. Seit Jahren hat sich ein großer Teil der Schweizer- prease dazu hergegeben, politischen Vefbre- cbern Handlangerdienste zu leisten...« Wir haben Verständnis für die erbärmliche Lage der deutschen Journalisten, wer sich Jedoch zur schreibenden Kreatur der Ge- waltataatspropaganda, wir geben au, meisten« gezwungenermaßen, erniedrigte, hat das Recht, frei diskutieren zu dürfen, verwirkt. Wer die Gloiifizlerung der RathenaiunKr- der Fischer und Kern, die sich nicht einmal stellten, wie der»dreckige Jude« Frankfurter, sondern feige flüchteten, als Natlonalhclden Neudeutschland«, mitmachte; wer die Massenmorde vom 30. Juni 1031 Im Namen de« Rechts und der Gerechtigkeit publizistisch deckte; wer seine Feder dazu hergibt und eine Justiz unterstützt, die das Delikt der bloßen polltischen Oesinnung(wie letztliin im Fall des Schwerkriegsbeschädigten Claus) mit Kopfabhaoken ahndet, der schaltet sich ans der Gemeinschaft aller noch Ernstzunehmeu- den von vornherein aus. Mit voller Einstimmigkeit ohne Unterachled der Partei, weist die schweizerische Presse den nationalsozialistischen Elnschüchterungs- versuch zurück. Aber set�on meldet das»Berliner Tageblatt« mit großer Schlagzelle:»Die Schweiz spricht ihr Bedauern aus.« Als ob der Bundesrat zum Mord an einer Privatperson auf Schwelzerboden nicht rein privatim kondoliert hätte! Zugegeben, daß die Haltung des Bundesrates im Falle Gustloff bis jetzt die ruhig-e Entschiedenheit vermissen ließ und als Eingeschüchtertsein und Aengstlichkeit gedeutet werden kann. Aber das Einschüchtern ist längstgeübte, leider allzu oft mit Erfolg geübte Taktik, und nur der besteht vor den Herrschaften, die vom Angstmacben geradezu leben, der sich von ihnen nicht allzu sehr imponieren läßt. Ein Einschüchterungs- erfolg im Fall Gustloff käme den außenpolitisch gegenwärtig so schwerbedrängten nationalsozialistischen Machthabem übrigens eben rechte Mientfe hrsen- und kein Auweg! Die braune Wirdsdbafdspolitik Im eisernen Ring Deudsdie Wirtsdiatt Die Schuhausfuhr, die im Jahre 1932 noch mehr als 8 Prozent der Erzeugung betrug, ist im Jahre 1935 auf weniger als«in Prozent gefallen. Der Absturz war 1935 besonders stark, gegenüber 1934 ist die Ausfuhr der Menge nach um mehr als ein Viertel, dem Werte nach sogar um zwei Drittel zurückgegangen. Von rund 21.000 Bühnenangehörigen, die es in Deutschland gibt, sind zur Zeit nahezu 8500, also mehr als 40 Prozent, ohne Stellung und damit ohne Erwerb. Von den 400 Millionen Mark Spargeldern, die im Jahre 1932 bei den deutschen Konsumgenossenschaften von den Mitgliedern eingezahlt worden waren, sind bis Ende 1935 rund 250 Millionen RM abgehoben worden. Diese Ziffer wäre sicher noch höher, wenn nicht die den Konsumvereinen aufgezwungenen nationalsozialistischen Verwaltungen das Abheben der Spargelder bedeutend erschwert hätten. Das ungünstige Geschäft auf der Leipziger Messe bat In den letzten Jahren viele Aussteller veranlaßt, vor dem Ablauf der Messe ihre Verkaufsstände zu schließen und selbst vorzeitig atozureisen. Für die bevorstehende Frühjahrsmesse Ist allen Arbeitern und Angestellten verboten worden, vor dem Messeschluß beim Verpacken und Abtransportleren behilflich zu sein. Wer es dennoch tut, wird bestraft. Durch diese Maßnahme soll die Pleite der Leipziger Messe wenigstens solange verheimlicht werden, als sie andauert. Der auffallende Unterschied zwischen der jetzigen deutschen Wirtschaftssituation und der vorjährigen ist der, daß die Schwierigkeiten immer offener zutage treten, sich verallgemeinern, summieren, während die Lösungsmöglichkeiten sich verringern. Wie schön wars am Anfang! Da wurden Wechsel ausgegeben, und Arbeit beschafft, Steuern(Automobil- und Sektsteuer) abgeschafft und andere ermäßigt, da wurden jdie ausländischen Zinszahlungen etwa zur I Hälfte eingestellt, der»Neue Plan« | Schachts sicherte die notwendige Einfuhr, die Arbeitslosigkeit verringerte sich, zum Teil scheinbar, zum Teil wirklich, die ren Machtmittel nicht mehr imstande ist, das Gleichgewicht im Budget herzustellen, wie sie nicht mehr imstande ist, ordentliche Anleihen aufzubringen, weil sie alle echte Ersparnisse und Kapitalbildung bereits für die Aufrüstung verbraucht hat. Es ist so wie im Kriege und es wird enden, wie es nach dem Kriege geendet hat— mit dem Bankrott in der offenbar werdenden Inflation. Zu den immer drohender werdenden Finanzsorgen sind die Lebensmitte 1- der Löhne gegenübergestellt werden. Die Tariflöhne sind zwar nach der amtlichen Statistik seit 1933 völlig unverändert geblieben mit 78,3 Pfg. Stundenlohn für die Facharbeiter und 62,2 Pfg. für die Hilfsarbeiter.(Hier wird die amtliche Statistik allerdings zum reinen Hohn! Anm. R. K.) Sie liegen daher um rund 22 Prozent unter dem Stande von 1929. Hierbei darf aber nicht das steigende Ausmaß der Kurzarbeit in der Textll- Industrie, der Lederindustrie, den Oelmühlen und anderen Branchen übersehen werden, und Rohstoffsorgen getreten. But- ebensowenig wie die großen Abzüge für terknappheit? Eine vorübergehende Er- Sozialabgaben,... Seefdd hat Hunderte von Kindern verdorben... Dafür aber ist nicht er allein, sondern auch die verjudete Justiz der damaligen Zeit verantwortlich... Die verjudete Justiz der Systemzelt ist verantwortlich dafür, daß 12 hoffnungs- frohe Menschenkinder durch Verbrecherhand ums Leiben gekommen sind.... Es gab einmal eine Zeit, wo man sich selbst der verkommensten und absolut unverbesserlichen Subjekte mit Vorliebe angenommen hat. Das war die Zelt, In der der jüdische Vernichtungswillen allen jenen die Freiheit gab, deren ureigenstes Wesen nur auf Zersetzung und Mord bedacht war...« Die»verjudete Justiz« hätte also die Pflicht und Schuldigkeit gehabt, alle Uhrmacher zu verhaften, weil sie eines Tages Knaben morden könnten. Weil sie es nicht tat, ist sie verantwortlich für Seefeld, für alle Verbrechen, die im Dritten Reiche begangen werden und für den neudeutachen Gehirnschwund.— Da können nur noch Verrückte mit Steuereinnahmen wuchsen. Es hat nicht Millionen Devisen zur Verfügung stellen deutende Senkung des Realloh- lange gedauert, das Triumphgeschrei ist und in den großen Städten kommt zunächst n e s in den drei letzten Jahren und nament- gedämpft und die Sorgen werden immer Butter auf den Markt. Während die But-' lieh 1935 steht demnach außer Frage.« größer.; terknappheit noch andauert, beginnt die| Die Entwicklung der Lebenshaltungs- Da sind die Finanzsorgen. Man Eiemot Der Prozeß wiederholt sich, Eher- kosten war hauptsächlich gekennzeichnet hat zuerst alle flüssigen Gelder der Volks- zufuhren aus dem Auslande setzen ein, ein durch die Preissteigerung für Fleisch, Wirtschaft für die Unterbringung der Rü- glücklicher Zufall— die besonders milde Fette, Gemüse usw. Dazu kommt, daß die stungswechsel mit Beschlag belegt. Dann Witterung steigert die Legetätigkeit der billigen Qualitäten vom Markt verschwln- wolite man konsolidieren und zwang den Hennen und Darre kann sich den Witz ge-' den, daß die Festpreise durch den Zwang, Sparkassen- und Versicherungsgesellschaf- statten, den Eierpreis plötzlich noch etwas zugleich andere Waren über den üblichen ten Anleihen auf. Aber es geht nicht mehr, herabzusetzen, bis voraussichtlich Rind- Marktpreis hinaus abzunehmen, umgangen Die Deutsche Giro-Zentrale, das Spitzen- fleischknappheit neue Verlegenheit schafft werden usw. institut der deutschen Sparkassen, hat Aber Schacht ist damit keineswegs ge- 1 führt die Preissteigerung das kürzlich sehr deutlich gesagt: iholfen. Er erklärt, daß die deutsche Ein- auch ganz richtig auf die nationalsoziali- >An der Konsolidierungsaktion des Reiches fuhr bereits ein Minimum darstelle, das g tische Wirtschaftspolitik, auf die Wirkun- können künftig die Organisationen nur mit unter keinen Umständen mehr unterschrit- gen jer Handelspolitik, die»Arbeits- kleineren Beträgen teilnehmen. Die großen ten werden dürfe. Er reiche jetzt schon zur beschaffung« und die Wiederaufrüstung Summen des letzten Jahres ließen sich nur Fortführung der deutschen Wirtschaft jjuriiek die beide zu einem Ausbau der In- deahalb aufbringen, weil den Sparkassen(lies: Kriegswirtschaft) kaum mehr aus. landerzeugung(Spinnfaser, Braunkohlen- durch Sonderverfügung gestattet war, die Womit soll er die Rohstoffe bezahlen, wenn Benzin, Futtermittelanbau, Wollzucht usw.) Hälfte Ihrer schon vorhandenen Llquldltäts- Darre ihm die Devisen für die Einfuhr von Veranlassung geben. Die amtliche Proguthaben in Reichsanleihen anzulegen. Nach- Butter, Margarine, Schweine, Schlachtvieh gnogg ist nicht sehr hoffnungsvoll. Je dem diese Möglichkeit erschöpft ist, nachdem und Gefrierfleisch— alles Ergebnisse der mehr diese inländischen Erzeugnisse zum also die vorhandenen Liquiditätsguthaben in Autarkie— aus den Händen reißt? Also Verbrauch gelangten, um so mehr müßten dieser Weise hälftig angelegt sind, ist für die muß die Ausfuhr gesteigert werden. Nicht; gjcjj j�g höheren Preise auswirken. Das Zukunft nur noch im Rahmen des weiteren mehr; Raus aus dem Weltmarkt, rein in Amt hätte auch auf den»Neuen Plan« Elnlagenzuwachses und der darauf zu halten- denWeltmarkt! j Schachts verweisen können, der es z. B. den Liquiditätsquoten Platz für die Anleihe-! Ja, wenn die Rückkehr zur verfluchten! bewirkt hat, daß Deutschland 1935 für übernähme, abgesehen von den normalerweise liberaüsüschen Weltanschauung nur ge- 310 Mill. dz. Baumwoll-Einfuhr 293 Mill. für den Wertpapiererwerb breit zu stellen- nügte. Aber mit Weltanschauung kann zahlen mußte, während es für den- den Beträgen.« j man zwar eine große Wirtschaft und ein ggiben Betrag 1933 noch 4,16 Mill dz. ein- Da aber die Einlagen abnehmen, ver- großes Reich zerstören, aber man kann führen konnte, also ein gutes Drittel mehr. siegt diese Quelle. Der Kapitalmarkt aber noch kein Gramm exportieren. Da gehts jj, jer Steigerung von 70 RM für 100 kg versagt erst recht, wie der Mißerfolg der um Preise, um Gestehungskosten. Das Sta- auf 95 RM drückt sich die besondere Ver- Reichsbahnanleihe gezeigt hat Und so ist tistische Reichsamt hat einen Bericht über �er deutschen Baumwolloinfubr- die schrecklich»liberalistische« Idee aufge- die Entwicklung der deutschen Preise und durch den Kompensationsverkehr aus. Die taucht, die Ausgaben durch Steuern zu Gestehungskosten im Jahre 1935 veröffent- unmittelbar mit Devisen gekaufte ameri- deeken. jüchL Die recht zurückhaltende»Neue Zü- kanische Baumwolle hat sich von 70 auf Die»radikalen« Nationalsozialisten wa-' ncher Zeitung« veröffentücht daraus fol- 80 rm erhöht, aber die in der Qualität rem Feuer und Flamme. Da war die Rede genden kritischen Auszug: schlechtere brasilianische auf III RM! von einer großen V e r m ö g e nsab g ab e,»Nach den amtUchen Feststellungen ist Und Schacht hat die Textilindustrie ge- von Wegsteuerung aller Einkommen über der deutsche Großhandelsindex zu jrwungen, sich immer mehr auf die lächer- 10.000 RM oder wenigstens von hohen Ende Dezember 1935 um 11,9 Prozent gegen- Uch überzahlte Exoten-Baumwolle umzusteuern auf den Vermögens- oder Einkorn- über dem Tiefstand von Ende 1932 und um stellen! Ueberhaupt muß man, um die menzuwachs. Aber daraus wird nichts. 2,4 Prozent im Vergleich zum Dezember 1934 deutsche Preisstruktur und damit die Ex- Was soll aus der den Nationalsozialisten angestiegen, jedoch muß bezweifelt werden, zu teueren kapitalistischen Privatinitiative daß in diesen Ziffern, auch die vielen Ra- werden, wenn selbst nicht mehr in Papier- battkürzungen, Aenderungen der Liefemark verdient werden kann? Und wie soll rungs- und Zahlungsbedingungen, die zahlrel- Hno Preis- und Lohnniveau»festgehalten« chen Qualitätsverschlechterun- werden, wenn die überhohen Steuerlasten gen usw. bereits in die Erscheinung treten. noch erhöht werden? Kurz, die»Radika- In der gleichen Zelt Ist aber dar Großhandels- len« wurden rasch zurückgepfiffen und sie Preisindex in den Goldblockländern um 4 Pro- deutsche Ausfuhr konnte aber 1935 um haben auf den Pfiff gehorcht. Die großen zent und In den Sterlingablockländern(auf 2,5 Prozent wertmäßig nur gesteigert wer- Pläne, die das Gleichgewicht im Haushalt! Goldbasis) sogar um 5,3 Prozent zurückge-| den durch Einsetzung des Dumpingfonds herstellen sollen, sind aufgegeben. Kleine gangen, so daß die Ueberhöhung des von annähernd einer Milüarde RM. Das Mittelchen sollen einige wenige Hun- deutschen Preisstandes bereits ein ständige und unausbleibliche dertmillionen ergeben, um wenigstens einen beträchtliches Ausmaß annimmt Wachsen des inneren Preis- bescheidenen Beitrag für die Kosten der Besonders Interessant sind die Preissteigerun- niveaus verringert aber die Verzinsung der Reichsschuld zu erbringen, gen für einige wichtige Waren. Lediglich in deutsche Konkurrenzfähig- Man erwägt die Erhöhung der Um-Iden 12 Monaten bis Dezember 1935 stiegen keit auf dem Weltmarkt immer satzsteuef für die Landwirt- die Preise für: welter. portfähigkeit beurteilen zu können, sich klar machen, daß die verrückte Agrarpolitik bewirkt hat, daß die Tonne Butter in Berlin 2500 RM kostet, in Kopenhagen 1250 RM, Weizen in Berlin 200 RM, in Winnlpeg etwa 80, Gerste 170 in Berlin gegen 55 RM in Rotterdam usw. Die um 67,6% 62,6% 50,0% 47,6% 37,3% 36,7% um 34,8% .. 27.8% Maschinenöl 20.6% Rohjute um 20,4% Tee„ 19,5% Käse„ 16,7% Wolle Rindboxleder 7,8% 6.8% schaft, die bisher durchschnittlich 0,85 Kälber Prozent beträgt, auf zwei Prozent. Sollen Blei aber die Preise nicht noch weiter steigen, Hailf so müßten die Bauern die Last auf sich Ga£ö1 nehmen, da bei der gesunkenen Handels- Küho spanne der Handel dazu nicht mehr in der Ochsenhäuto Lage ist. Aber das wäre bei der wachsen- Rohseide den Aufsässigkeit des Landvolkes für das KuPfer Regime eine höchst bedenkliche Maßnahme Diesen teilweise außerordentlichen Preiserhö- und fraglich bleibt es, ob es dazu den Mut hangen stehen auf der anderen Seite auch finden wird. Man spricht auch von einer Preisrückgänge gegenüber, allerdings In we- Benzinsteuer. Aber eine neue Stei- sentüch geringerer Anzahl und geringerem gerung der ohnedies sehr hohen deutschen Auamaß. Diese Einzelheiten kommen in den Benzinpreise ist eine Hinderung der Mo- Indexziffern, die ja nur den Durchschnitt wic- torisierung und schon erklären die maßge- dergeben, nur ungenügend zum Ausdruck, sie benden Automobilindustriellen, daß der sind aber von größter Bedeutung für die Be- Autoabsatz bereits seinen Höhepunkt er- urtellung der gesamten Situation. Während von der Finanzseite her die Bedrängnis immer mehr zunimmt, ist auch die Erleichterung der deutschen Wirtschaftssituation von der Exportselte her Leinkuchen 13,1%! eine■ reine Illusion. Die Schwierigkeiten Speck um 11,7% gehen nicht vorüber, es kommen nur immer neue hinzu! Dr. Richard Kern. reicht habe und ein Rückschlag drohe, falls nicht die Unterhaltskosten gesenkt würden. Was die Lebenshaltungskosten anbetrifft, so zeigt hier die amtliche Index- Dann blieben aber nur noch Stempel- Ziffer per Ende 1935 nur eine Stelgerung um und Quittungssteuern übrig, die 4,4 Prozent gegenüber dem Tiefstand zu Ende unmittelbar vom Konsumenten getragen 1932. In den Goldblockländern ist der Index würden; ihr Ertrag würde nur eine im aber um 6,1 Prozent und in den SterUngWock- Verhältnis zu den Rüstungsmilliarden lä- 1 ändern(auf Goldbasis berechnet) sogar um cherliche Summe bringen. Es ist des-! 14,7 Prozent gesunken. Der deutsche E r- halb auch wirklich gleichgül-'nährrungskostenlndex verzeichnete tig, ob ein paar Steuern ge- eine Stelgerung um 7.1 Prozent gegenüber macht werden oder nicht. Sicher Ende 1934. Diese Ziffern können erst richtig 4u«sdiuß Auf einer Kundgebung In Rheydt sagte Qöbbels: »In Amerika müssen die großen Männer ihr Land verlassen, well sie vor den Gangstem nicht mehr sicher sind, was bei uns Uber die Grenzen geht, das ist Ausschuß.« Und deshalb darf ein Gangster, der solchen »Ausschuß«— etwa einen Professor Lessing— meuchlings ermordet, jederzeit des Lobes und des Schutzes seiner in Deutschland reglerenden Spießgesellen gewiß sein. Der Wansdi�raum »Kraft durch Freude«, Berlin, veranstaltet einen Faschingsball mit dem Titel: »Ende gut, alles gut«.— Die Arbeitsfrontbonzen, die dieses Motto ersannen, schei- ist, daß die Diktatur trotz ihrer uugeheu- verstanden werden, wenn sie der Entwicklung i nen nachts nicht gut zu schlafen. Nr. 140 BEILAGE UjucrlönnSrfs 16. Februar 19T6 ht gteidfestUUete Immnuet Die deutsdie Gegenwartsphilosophie des autoritären und totalen Chaos »Sie(die Aufgabe der na tionaJ sozialistischen Revolution) besteht für die deutsche Philosophie darin, den Inbeigrltf der modernen Ideen und Ideologien und ihre Wirklichkeit von der Wurzel her zu erkennen und aufzulösen!!)— nicht um der Negation willen, sondern damit sie frei wird. In ihrem Bereich die neue Wirklichkeit im Sinn und Geist des Nationalsozialismus als Idee, als Form auf allen Gebieten des geistigen und wissenschaftlichen Lebens zu begreifen und durchzuführen.« Hans H e y s e, o. ö. Professor der Philosophie an der Universität Königsberg, In der deutschen philosoph. Fachschrift >Kant-Studien«, begründet von Hans Vaihinger. Es ist noch nicht lange her, daß am Be spiel der im bisherigen deutschen»Intelligenzs-Sektor weit verbreiteten und verzweigten»K a n t-G esellschaft«, deren offizielles Publikationsorgan die von Vaihinger begründeten»K a n t- S t u- d i e n« sind, der Reichsinnenminister Pg. Frick seinen Gestapo-Bütteln in Stadt und Land klarlegte, wie sich die politische Opposition im Reich nunmehr in unpolitische Klubs und Zirkel, etwa eben in die »Kant-GesellschafUen, zu flüchten und aus diesem Hinterhalt heraus das große Werk des Führers zu berennen versuche, Warum Herr Frick gerade die»Kant-Gesellschaft« zum alarmierenden Beispiel nahm, ist nun heraus: In der distinguierten Vereinigung am deutschen Geistesleben interessierter Menschen muß es angesichts der intellektuellen und moralischen Ergebnisse der Diktatur sehr erheblich gebrodelt haben. Daraufhin hat das Regime die Säuberung und Gleichschaltung auch hier erzwungen, und sicherlich kaum mit anderen Methoden und anderer Zielsetzung, als man das gegen Bäckerzwangsinnung und Schrebergartenverein Im ersten Stadium der »Gleichschaltung« eingeübt hatte. So mußte vor allem die Redaktion der»Kant- Studien«, wie sie jetzt selbst mitteilt, ihren Redakteur hinauswerfen. Die »Kant-Gesellschaft« selbst aber hat in der gleichgeschalteten Form den Auftrag übernommen, das Werk des großen Philosophen von Königsberg mit»Mein Kampf« von Hitler in ideologische Uebereinstim- mung zu bringen... Nun ist es für jeden Deutschen immer eine fast schicksalhafte Frage gewesen, in wie weit Kant und sein kategorischer Imperativ der unbewußte Wegbereiter einer sturen Staatsraison gewesen sind, die in der preußischen Regierungsauffassung Haut und Knochen gewann. Kein Geringerer als der Denker Masaryk hat dieser Untersuchung einen Teü seiner Lebensarbeit gewidmet. Aber in diesem Falle handelt es sich ja nicht darum, für Herrn Hugenberg oder Herrn Seeckt Proselyten zu machen, sondern es sollen Philosophie-Rekruten für Herrn Hitler geworben werden: eine doch wesentlich verschiedene Aufgabe! Dies geschieht in den»Kantstudien«, in denen Herr Hans Heyse, der den Lehrstuhl Immanuel Kants in Königsberg selbst für sich mit Beschlag belegt hat, für den »Führer« und seinen Nationalsozialismus die erste Lanze des angeblich berufenen Kant-Interpreten bricht. Dias geschieht in einem Einführungsartikel zur ersten) gleichgeschalteten Nummer, überschrieben! »Philosophie und politische Existenz«. Kant und die SA—! Was! gibt es wohl, was der deutschen Nation erspart bliebe! Hören wir also Herrn Heyse, wie so gerade Immanuel Kant der erste geistige � SA-Mann gewesen ist! Da steht es: »Leitend ist die Ueberzeugung, daß die deutsche Revolution ein elnheitUober metaphysischer Akt des deutschen Lebens ist, der � sich auf allen Gebieten des Seins äußert, der eben darum auch die Philosophie und die Wissenschaft mit unwiderstehlicher Notwendigkeit in seinen Bann ziehen wird.« Es ist also— Gott sei Dank, darf man wohl sagen! n o c h nicht geschehen und es soll erst noch geschehen: das mit dem unwiderstehlichen Zug»in den Bann«.,• Uns dünkt da freilich, daß es historisch gerade immer so gewesen ist, daß wirkliche Revolutionen— eben als echt »metaphysische Akte«— ihre Schatten über Philosophie, Wissenschaft und Kunst weit und breit v o r a u s geworfen hätten; nicht aber so, daß ihnen nachher der Gerichtsvollzieher der Revolution ins Haus geschickt worden wäre, wie in diesem deutschen Falle! Wer verstände überhaupt Mirabeau oder Danton ohne Vol- | taire, der ein halbes Jahrhundert vor ihnen wirkte? Welche Dynamik hätte wohl die russische Revolution aufzuweisen ohne ihren Tolstoi— ein Menschenalter vor ! Lenins Emigrantendasein? Der philoso- ' phische Erbhofbesitzer Heyse in Königsberg macht hier zum wünschenswerten »Nur Im Existieren selbst, nur in der Entschlossenheit und Tapferkeit-des Existierens gelangt der Mensch zu dem tiefsten Wissen, in dem alle Philosophie und Wissenschaft gründet, zu dem Wissen um die Ordnungen des Seins, sie zu bejahen und zu erfüllen oder— das ist die andere Grundmög- llehkeit— sie zu verletzen und unterzugehen.« Der Feuerländer existiert ohne jeden Zweifel. Höchstwahrscheinlich existiert er sogar einigermaßen entschlossener und tapferer, als Herr Heyse, der weiß, daß nach dieser seiner Kraftleistung seine Pensionsberechtigung im Dritten Reich wohl unantastbar ist. Die Frage Armer John Rull! Sie sind Ihm so tief hinten hinein gckrodien» daß sie ihm oben wieder heraus kommen! Nachtrag seines»metaphysischen Aktes«, was sinngemäß sein unumgänglicher Vorbote, sein wirbelnder Sturmstoß vor der Entladung in Donner und Blitz hätte sein müssen. Aber das ist ja auch sehr wesentlich: sagt es doch das Notwendige aus über die ganze metaphysische Fragwürdigkeit jenes»Aktes«, auch wenn es Akten über den Osthüfe- Skandal und den Reichstagsbrand und über so vieles andere, was zum»Akt« gehört und so ganz und gar unmetaphysisch ist, gar nicht gäbe. Soweit nun Herr Professor"Heyse persönlich in Frage kommt, ist er allerdings sichtbar in jenen unwiderstehlichen Bann gezogen. Eis ist zwar kaum Kantianische Elrkenntniskritik, aber eine echt Hitlersche Bürgerbräu-Schwadronade, wenn er als Sinn und Aufgabe der gleichgeschalteten deutschen Philosophie weiter vorzutragen wagt: Zeichnung von Henry Dubois. freilich, ob sich ein Feuerländer durch seine tapfere und entschlossene Existenz allein schon so viel»tiefstes Wissen« aneignet, daß er in die Lage käme, Herrn Heyse in der gleichgeschalteten Leitung der»Kant-Gesellschaft« zu ersetzen, möchte letzterer wohl am besten selbst beantworten. Was will er also nun eigentlich im Bezirk höchster Erkenntnis, der Herr Heyse? Er will vor allem los von»den modernen Ideen des Geistes«, denen die sogenannte deutsche Revolution »mit Recht fremd gegenübersteht«; aber das bedeute natürlich keineswegs»eine Ablehnung der Idee des Geistes« an sich... Wer dieses philosophische Kreuzworträtsel nicht lösen kann, ist natürlich Staatsfeind, versteht sich, wozu dann noch käme, daß er außerdem von Kant, wie ihn Heyse interpretiert, keine Ahnung hätte! Weiter: Die bösen Briten— ja— die hätten es schon besser, als wir Deutsche. Bei ihnen hätten sich die Trennung von Geist und Wirklichkeit, von Philosophie und Politik»niemals in dieser Schroffheit vollzogen«, wie bei uns. Spencer wird als Muster dieser Harmonie zwischen Idee und Realität im englischen, im westeuropäischen Wesen lobend erwähnt Bei uns Deutschen aber? »Die Erfahrung hat uns unwiderlegbar gezeigt, daß alle jene Mächte Europas, vor allem Deutschland, nur noch tiefer in das Chaos hineinführen.« Das ist, der großen Worte entkleidet, nichts weiter als der Bolschewisten- schreck Adolf Hitlers in t r a n s s z e n d e n t a 1 e r Treppenbeleuchtung!»Jene Mächte«—? Je nun, das ist wohl beispielsweise— Heyse deutet es zwar nur an als vorsichtiger Mann— die»moderne Idee« von der H u- m a n i t ä t, die zivilisatorische Vorstellung der Gegenwart von einem Weltgewissen, das Bewußtsein des Europäers um Rechte, die droben hangen unveräußerlich. Weg damit, sagt Herr Heyse, das alles ist»m odern« und »w esteuropäisch«! Und wir Deutsche würden nur gewissermaßen über unsere eigne dicke Zehe stolpern, wenn wir uns damit überhaupt befassen wollten; nein, wir müssen das alles»auflösen«! Fragt sich freiüch nur, was mit diesem Verfolgungswahnsinn eines ins Philosophische abgeirrten Feldwebels der Königsberger Denker Immanuel Kant zu tun haben soll, der immerhin— freilich durchaus wohl eine Fehlleistung vom Standpunkt der heutigen»Kant-Gesellschaft«! — sein»Traktat vom ewigen Frieden« geschrieben hat Sollte uns gerade Herr Heyse, selbst ja doch Versuchskaninchen für die preu- ßisch-hitlersche Feldwebeltotalität, uns mit metaphysischen Erklärungen kommen dürfen, um die Diskrepanz zwischen Idee und Wirklichkeit im deutschen Wesen und Leben zu erklären, die ja in der Tat besteht? Ach, das ist alles doch so ganz untranszendental: und gerade in Königsberg, wo einmal dem Denker Immanuel Kant großmütig vom preußischen Serenissimus das Gehalt eines Dorfschulkantors bewilligt wurde— in Königsberg, wohin das Verdikt des Königlichen Geheimkabinetts erging, als der Philosoph eines Tages in den fürchterlichen Geruch nichtorthodoxer Kirchengesinnung gekommen war, hätte gerade Herr Heyse Gelegenheit, festzustellen, wie jene Disharmonie im deutschen Geisteskomplex auf eminent praktische Dinge, auf Junkertum und Bauernhörigkeit, auf den Korporalstock und die Baronspeitsche zurücKzuführen ist und daß man gar nichts erreicht zu ihrer Beseitigung, indem man mit dem Kopf gegen die eigene Hauswand Europa rennt, sondern nur so, daß man sich daran macht, diese Gewalten deutscher Zwiespältigkeit zu entthronen, mögen sie nun zufällig Friedrich Wilhelm oder Adolf Hitler heißen. Das andere zu tun, ist doch wohl gar zu bequem. Man kann damit allerdings, wie der Fall Heyse zeigt, sogar die Infamie legitimieren, das Andenken Immanuel Kants zu beschmutzen und edelste deutsche Werte durch die Gosse zu zerren. Es ist ein Nachfahre dieses Kant, dieser Herr Heyse, der sich am Ende seiner lichtvollen Deduktionen zum Zwecke der Gleichschaltung seiner Philosophie, zu folgendem Irrsinn versteigt; »Das Wesen der gesamteuropäischen Ideologien, deren Jahrhunderte alte Entwicklung nun zu Ende geht, besteht darin, daß der Mensch ausgeliefert wird an Jene großen außermenschlichen Prinzipien: Kapital, Technik, Wirtschaft... In diesem echt geschichtlichen Augenblick besinnt sich Deutschland in einer gewaltigen Umkehr, in einer radikalen Revolution auf sich selbst, übernimmt es eine europäische Aufgabe.« Dem»außermenschlichen Prinzip« des Kapitals, der Technik und Wirtschaft, steht sicherlich, wenn es nach Heyse geht, das so ganz und gar edel-»innennensch- liehe« Prinzip des preußischen Militarismus diametral gegenüber oder nicht? Aber Spaß bei Seite; wie viele Deutsche gerade von der Sorte des Herrn Heyse mögen wohl an der Ausbildung und Komplettierung außermenschlichen Weltbildes von »Kapital, Technik, Wirtschaft« führend beteiligt gewesen sein?! Gewiß ist das Weltbild des neunzehnten Jahrhunderts— das mechanistisch-materialistisch-biologische— aufs stärkste erschüttert. Aber als kürzlich der berühmte schwedische Botaniker Nielsson, bei Gelegenheit seiner Antrittsvorlesung an der altehrwürdigen Universität Lund, von seinem experimentell, erhärteten Fachstandpunkt aus einen Aufsehen erregenden Generalangriff auf die Entwicklungs- und Abstammungslehre unternahm— man braucht sich nur zu überschlagen, wieviel der Darwinismus und das Lamarckianer- tum zur Begründung, Vervollständigung und Legitimierung jenes Weltbildes beigetragen haben— fühlte sich gerade das Dritte Reich, eingesponnen in dem geistigreaktionärsten, biologischen Götzendienst seines Rassenwahns, der aus der menschlichen Gesellschaft nur so eine Art besserer Pferdekoppel zu machen versucht, verpflichtet, auf die Schanze für das berannte Jahrhundert des»Kapitals, der Technik und der Wirtschaft« zu steigen. Herr Professor Plate vom Ernst-Häckel-Institut in Jena, erprobter»Altkämpfer« mit persönlich ruhmreicher Geschichte aus den Hit- lerjahren vor der»Machtergreifung«, schlug sich für das materialistisch-biologische Weltbild geradezu wie ein Teufel in der deutschen Fachliteratur. Der Hitlerrevolution fehlt— das ist das Faszit — alles an wirklicher und ehrlicher geistiger Fundamentierun g. Auf ihrem einen Flügel kämpft ihr Pg. Plate für einen Materialismus, Mechanismus und Biologismu», dessen Perücke bereits außerordentlich vermottet Ist: auf dem anderen Flügel destilliert sich aus dem deutschen Idealismus Immanuel Kants Pg. Heyse die Theorie des totalen und das wäre in diesem Zusammenhang Chaos und des teutonischen Nihilismus.( eben die letzte Frage— was ist überhaupt Denn was soll das Bekenntnis zur blo- noch an jener hehren Königin der Wissen- ßen»Existenz«, die Trennung von allem, schaffen, die einst den Ruf und den Ruhm was»Europa« sich geistig erarbeitet hat, der Deutschen über den Erdball trug? Las- anders sein, als der dunkle Drang, beim sen wir einen, der sich auskennt und es Steinbeil und in der Troglodytenhöhle wie- sicher ganz ehrlich meint, über die philo- der anfangen zu wollen und bis dahin das sophische Gegenwart in Deutachland zu absolute intellektuale und moralische Wort kommen! Es war Professor B r u n o N i c ht s an aller Dinge Anfang zu stel- Bauch, der in den»Blättern für Deut- len? 80,16 Philosophie«, 9. Band, Heft 2, jüngst Die deutsche Philosophie— und der erbittert feststellte: Königsberger Philosoph in ihrer vordersten Reihe— hat einmal für die deutsche Nation Terrain in der Welt erobert, wie kein deutsches oder gar preußisches Schwert. Der Epigone namens Heyse, der sie einem Abenteurer-Tyrannen mundgerecht zu machen versucht und dabei vor keiner Totenschändung zurückschaudert, ist, so gesehen, in der Tat ein Volksverräter, dessen Namen jeder Deutsche mit Verachtung noch nennen müßte, wenn der Name Hitlers längst vergessen sein wird. Aber— Pßt Um Jläi&sIdiUiitäiHßitiB Kleines Porlrüt aus der neudeufsdien Kleldengalerte Aus Ostpreußen wind uns geschrieben: zum Königsberger Rundfunk, bei dem er In dem von Göbbels geschaffenen»Eeschs- außer solchen, vom Witz anderer lebenden kultursenat« sitzt neben anderen Leuchten des heutigen deutschen Geistes- und Kunst lebens auch der kürzlich ernannte Intendant des Reichssenders Königsberg, Dr. Alfred Lau. Vielleicht klettert er noch weiter auf der Stufenleiter und wird eines Tages Relchs- kulturmlnister, beim jetzigen deutschen System kann man ja nie wissen... Darum für den künftigen Biographen einiges über den Werdegang unseres so hervorragenden Landsmanns. Alfred Lau studierte— nicht ohne jüdische Unterstützung— Medizin und machte schlecht und recht seine Examina. Aber er erhielt keine Approbation als Arzt, denn als schwerer Epileptiker hätte er seine Patienten ernstlich gefährden können. Nun war guter Rat teuer. Da griff der junge Dr. med. auf eine Fertigkeit zurück, mit der er bisweilen seine Kommilitonen unterhalten hatte: seine Beherrschung des ostpreußischen Volksdialekts. Er gründete die»Ostpreußische Dittchen-Zeltung«(Dlttchen wird hierzulande das Zehnpfennigstück genannt) und lagerte dort die Früchte seiner Muse ab, zusammen mit einem stellenlosen, schwindsüchtigen jüdischen Schauspieler namens Po- wels. Kein Wunder, daß sein Blättchen fast unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erschien. Gelegentlich schrieb Lau auch mundartliche Possen von unsagbar tiefem Niveau. Eißes dieser wertlosen Stücke gelangte sogar auf che Bühne des Königsberger Stadttheaters: »Auguste«, die Erlebnisse einer Unschuld vom Lande In der Großstadt, komisch eigentlich nur durch die Darstellung des männlichen Komikers, der das Mädchen spielte. Aus jener Zeit stammt auch die Verbindung Dr. Laus Dialektdialoge auch die Rätselecke betreute; zu etwas anderem war er nicht zu brauchen. Als dann Erich Koch, der herausgeschmissene Elberfelder Eisenbahnassistent, vom»Führer« nach Ostpreußen entsandt wurde, um es für den Nationalsozialismus zu erobern, fand sich in der ganzen Provinz kein Redakteur, um für diesen gewissenlosen Ehr 2000 RM monatlich, der des Rundfunks erheblich mehr. Also inszenierte Lau In seinem Blatt eine verleumderische Hetze gegen den damaligen Rundfunkleater, einen tüchtigen Organisator und ollen, ehrlichen Reaktionär. Als für einen bestimmten Abend die Volksseele In der»Preußischen Zeiturg« aufgefordert wurde, vor dem Funkhaus spontan ins Kochen zu geraten, verkündete der Kö- nigsberger Sender laut und unmißverständlich, die ganze Aktion sei eine persönliche abschneidet und Verleumder, der alle seine poll- Machenschaft von Dr. Lau, der selbst I n- tlschen Gegner mit Kübeln persönlicher Verunglimpfungen übergoß, ein Blatt zu redlgieren. Nur einer erklärte sich schließlich dazu bereit, da sein eigenes Blättchen unmittelbar vor der Pleite stand: Dr. Lau. Erst als er die Anstellung in der Tasche hatte, wurde er Nationalsozialist. Als aus dem Nazi-Wochenblättchen die »Preußische Zeitung« wurde, mußte man Lau wohl oder übel übernehmen, obwohl man damals schon wußte, daß er nicht imstande war, einen lesbaren Artikel zu schreiben. So wurde dem Herrn Hauptschriftleiter das Feuilleton anvertraut, wo er nichts selber zu schreiben brauchte als die Theaterkritiken, che denn auch wahre wahre Sammlungen von Unbildung und Stilblüten wurden; die einzige eigene Geistesleistung darin pflegte die Feststellung zu sein, wer von den Darstellern judisch und daher abzulehnen wäre. Als aber im Januar 1933 das Morgenrot der nationalen Befreiung anbrach, schlug sich Lau allen Ernstes für den Intendantenposten des Schauspielhauses vor. Die eigenen Parteifreunde winkten entsetzt ab. Inzwischen war ihm etwas Besseres eingefallen: der Theaterintendant bezog ja»nur« ten Reichs denn auch aus. lendant werden wolle. Immerhin zog es der alte Direktor vor. Im Auto In den benachbarten Freistaat Danzlg zu enteilen, wo damals der glorreiche Umbruch noch nicht stattgefunden hatte. Aber er hatte wenigstens erreicht, daß nicht Lau seinen Posten erbte, sondern ein abgetakelter Reichswehrgeneral, der zu jedem Zugeständnis an die Parteidiktatur bereit war. Es hat diesen nichts genützt. Knapp zwei Jahre hat er sich in seiner fetten Pfründe halten können, dann hatte der inzwischen zum Ratsherrn avancierte Lau alle Widerstände in seiner Partei überwinden oder umgehen können und wurde von Göbbels zuerst i kommissarisch, dann endgültig zum Inten- jdanten des Relcbssenders Köln be- ! stellt. Jetzt wurde der unsterbliche Dichter der»Auguste« in den Relchskultur- senat berufen und sitzt dort neben seinem früheren Königsberger Kollegen G. O. Stoff- regen, dem heutigen Intendanten des Deutschlandsenders, der seine literarische Laufbahn in der Redaktion des»Junggesellen« begonnen hat, des pornographischen Lieblingsblatts aller Inflations-Lebe- jüngllnge. Und so sieht die Kultur des Drit- »Dle ernste wissenschaftliche A r b e 1 1 steht ja leider überhaupt in unserer Zeit nicht hoch im Kurs. Schon um die Jahrhundertwende trat das Bestreben in der Phüosophle hervor, und es hat sich dann In der Folgezeit immer stärker ausgeprägt, an Stelle gediegener, gründlicher, fredlich auch mühsamer und schwieriger Arbeit den leichten, oder deutlicher gesprochen: leichtsinnigen Gedankenflug kühner oder, abermals deutlicher gesprochen: übermütiger Schau zu setzen, um ohne Mühe an ein vermeintliches Hochziel der Erkenntnis zu kommen. In Wirklichkeit stürzt man damit nur in den Abgrund der Ignoranz.« Abgrund der Ignoranz; gibt es ein besseres Beispiel als diesen Heyse? F. E. Roth. Arische Physik Herr Professor Le n a r d aus Heldelberg, ein wirklicher alter rauher Kämpfer, hat eine Theorie ausgeheckt, von der selbst Streicner noch etwas dazu lernen kann. Er hat ein Buch geschrieben,»das einzig und allein der Erhärtung der These gewidmet ist, daß es eine arische und eine jüdische Physik gibt!« Die neue epochale Entdeckung Lenards dürfte in der Internationalen wissenschaftlichen Welt wie eine Bombe einschlagen, denn »die arische Physik« Ist, nach Lenard,»rassig, blutmäßig bedingt.«»In der jüdlscben Physik«, so schreibt Lenard,»wird schon jede Vermutung,, die nachher nicht ganz verfehlt sich zeigt, als Markstein gewertet. Die arische Art der Tätlgkelt(!) wird aber mit solcher Wertung stillgelegt, und es ist In dieser Hinsicht schon eine sehr merkliche Auawirkung erfolgt. »Arische Physik«—! dem Irrsinn Ist eine neue Variante beigefügt. Aber was war von Herrn Lenard, dem haßerfüllten Kämpfer gegen Einstein, anderes zu erwarten? Gewciienke Am 30. Januar wurde Hitler laut amtlichem Bericht»mit den Glück wüaschen d.*r gesamten deutschen Künstler und des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda« gleichzeitig ein Gemälde von Aaselm Feuerbach»als Geschenk der Reichskulturkammer« Uberreicht. Wenn das kostbare Gemälde aus Privatbesitz stammte, würde die offiziöse Meldung das nicht verschweigen. Die Oeffentlichkeit hat also hier zu fragen: In welcher Gemäldegalerie hing das Bild vorher? Sind staatliche Kunstschätze für den Zugriff der Nazibonzen auch so vogelfrei wie das Eigentum ihrer Gegner? Die Olympia glodke läuteis Ich fühl mich als Glocke so flau, so flau, die anderen Erze im ganzen Land vom nördlichsten Gau bis zum südlichsten Gau sind längst zu Kanonen und Bomben ernannt, Bum! Ja, faselt nur rnhtg vom Sport, vom Sport, vor dem aller Haß, alle Kriegslast weicht, tmd glaubt Ihr auch selber kein einziges Wort, die Gäste, die Gä»te, die glauben'» vleUeloht, Born! Mein Tönen, mein Tönen verdeckt so gut das heimliche Waffengeklirr am Rhein. Der Führer, der Führer, der weiß, was er tut, und kommt meine Stunde, dann schmilzt er mich ein, Bum! Ich fühl mich als Giocke so flau, so flau, doch leih Ich euch brummend mein Festgeläut, es kommt Ja der Tag, ach Ich spür es genau, da schießt man mit mir auf die Oä8te von heut, Bum, bum, bum! Hugin. Die G üunbeW 1 r wollen Herren in unserem Hause bleibe n«. Der Zweck der Betrieteordnung aber offenbart sich in den materiellen Eänzel- bestimmungeu. Arbeitszeit Was In den B.-O. über Anfang und Ehide der Arbeitszeit gesagt wird, bedeutet keinerlei Festlegung Uber die Dauer des Arbeitstages. Die»Soziale Praxis« meint verschmitzt,»daß vielfach der Ausweg gewählt wird, auf einen entsprechenden Aushang zu verweisen.«»Die im übrigen mehrfach zu findende Wendung, daß Ueberstunden zu vermeiden sind, sagt aber erfahrungsgemäß über die tatsächliche Handhabung von Ueberstunden durch die Werke nichts aus.« witziger aber ist, wenn ein Betrieb sagt, daß die Gewährung von Leistungszulagen »von der wirtschaftlichen Lage des Betriebes abhängig gemacht werden soll.« So wird der von Ley proklamierte Grundsatz einer zusätzlichen Entlohnung für»besondere Leistung des Arbeiters« ins Gegenteil verkehrt. Urlaub Großbetriebe, wie Siemens und Krupp, befassen sich in der B.-O. überhaupt nicht mit der Festlegung von Urlaubsfragen. Und die »Soziale Praxis« meint weiter skeptisch:»Ob I allerdings Urlaub von weniger als 6 Tagen den heutigen Anschauungen entspricht, wagen wir zu bezweifeln.« Arbeitsverhältnis Eün Betrieb verlangt nationalsozialistische Gesinnung in und außerhalb des Betriebes, ein anderer Mitgliedschaft zur DAF, ein dritter »nach Verhalten und Gesinnung anständige Menschen.« Häufig kehrt die Bestimmung wieder, daß das Gefolgschaftsmitglied auch zu anderen, als den vereinbarten Arbeiten verpflichtet ist. Kündigungsfrist Die»enge Verknüpfung des Arbeitere mit dem Werk« sieht recht windig aus. Die B.-O. enthalten Kündigungsfristen von 3 Tagen bis zu fünfjähriger Dienstzeit, 9 Tage bei 10 Dienstjahren und 12 Tage bei 20 Dienstjahren. Siemens, Salamander u. a, haben bis zu 10 Dienstjahren die 14tägige Kündigungsfrist, es hat sich demnach hinsichtlich der Kündigungsfristen auf keinen Fall eine Verbesserung ergeben, die durch die Aufhebung der Freizügigkeit des Arbeiters bedingt gewesen wäre. Monatsgehalt Als neue Werksgesinnung wird berichtet, daß einige Betriebe von der Wochenlöhnung zum Monatsgehalt übergegangen seien, während damit nur eine längere Kreditgewährung für verdienten Arbeitslohn an den Unternehmer erfolgt. Fristlose Entlassung Die Gründe für eine fristlose Entlassung sind erheblich vermehrt worden. Neben den früheren betriebsbedingten Gründen tauchen neu auf: nationale Unzuverlässlgkeit, unkameradschaftliches Verhalten. Dieser Ausschnitt aus den Betriebsordnungen ist nur ein weiterer Beweis dafür, daß die Betriete- führer unter dem Naziregime aller Rechts- begriffe»in ihrem Hause« ledig sind. Sie zeigen allerdings, in welcher Form der»kameradschaftliche Geist« in der neuen Betrieteverfassung seinen Niederschlag gefunden hat. Die deutschen Arbeiter werden bei der Vertrauensratswahl eine hörbare Ablehnung der gelben»Kameraden« aussprechen. �k&isScGftiiiitkikef' Jsi Hafdlafostttiätiuitp Entgelt Von den berichteten 12 Betrieben haben fünf auf die Aufstellung eigener Entgeltsätze »verzichtet«. Sie verweisen auf Tarifordnungen oder isteilen auf die Vereinbarung im Ehnzel- arbel tsvertrag ab, ohne den Betrieb durch die Aufstellung von allgemeinen Mindestentgelten zu binden. Hier steht demnach der einzelne Arbeiter, der um Einstellung im Werk nachsucht, in persönlicher Lohnverhandlung der Werksieitung gegenüber.« Also, Lohndiktatur in reinster Form. Leistungslohn Die B.-O. lassen meist die Nazi-Erfindung vom Leistungslohn überhaupt unerwähnt. Zum Trost schreibt die»Soziale Praxis«: »Sie gehen vermutlich von der Erwägung aus, daß der im Gesetz festgelegte Grundsatz unabdingbar ist«. Dann wird aber das Blatt aber selbst nachdenklich und meint: »Der Wortlaut einiger B.-O. könnte die Vermutung aufkommen lassen, als ob unter Leistungslohn Lohn für»geleistete Arbeit« verstanden werden soll.« In einer B.-O. wird ausgeführt, daß »besondere Leistung und Güte der Arbeit ihre Feststellung im Zeitgedinge finden...« Hier wird also der»Leistungslohn« ganz brutal mit dem Akkordlohn gleichgesetzt. Noch Eine Betrachtung der»Frankfurter Zeitung« über die Wirtschaft Japans kommt zu folgendem Ergebnis: »•.. auch der Oeldschleier einer jahrelangen AnleihepoUfik kann die Tatsache nicht verdecken, daß im realen Güterkreislauf der unproduktive Rüstungsverbrauch schließlich nur durch Konsum- und Invosti- tionsverzicht getragen werden kann.« Wenn Göring sagt. Erz sei wichtiger als Butter, und wenn Göbbels meint, die Aufrüstung werde»bezahlt von den Sorgen, die sich die Hausfrau machen muß«, so sagen sie im Grunde das Gleiche, nur daß in Hitlerdeutschland bereits eingetreten ist, was die »Frankfurter Zeltung« für Japan noch erwartet. Auch in anderen Ländern wird stramm gerüstet, das Tempo, mit dem man im Dritten Reich die»Wiedererlangung der Wehrfreiheit« betreibt, zwingt sie dazu. Wie kommt es aber, daß Hitlerdeutschlands Methode der Kriegsvorbereitung es von der Teilnahme an der Besserung der Weltkonjunktur ausschließt und die»Staatskonjunktur« einer allgemeinen Krise zutreibt? Die Vernichtung brasilianischen Kaffees in einer Menge, die ausreichen würde, un ein Jahre lang die ganze Welt gratis mit Kaffee zu bewirten, hat den Zweck, den Wert des in Kaffee investierten Kapitals zu erhalten, indem man die Menge des Kaffees verringert. EJin Teil des Kapitals wird körperlich vernichtet, damit der Geldwert des ganzen Kapitals erhalten bleibe. Das Verfahren ist zwar vom Standpunkte der gesellschaftlichen Vernunft sinnlos, aber sinnvoll vom Standpunkte dessen, der sein Kapital in Kaffeeplantagen oder Im Kaffeehandel angelegt hat. In Deutschland gab es vor Hitlers Machtantritt massenhaft unverwertbares Kapital. Von der Stahl- und Eisenindustrie z. B. lagen selbst in der besten Zeit ein Drittel, in der schlechten Zeit zwei Drittel aller Werksanlagen still. Trotz Schutzzöllen konnte der innere Markt, trotz Internationaler Kartell- verednbarungen der Weltmarkt die Riesenmenge von Elisen nicht aufnehmen, die am Rhein und an der Ruhr hätte erzeugt werden können. Dieser Friedhof der Industrieanlagen war das Ergebnis sinnloser Kapitalvergeudung einiger weniger Konzernmagnaten auf Kosten der übrigen Volksschichten. In den wichtigsten Industriezweigen war die Erzeugungsfähigkeit um durchsch mttlich 100 Prozent größer als das beim besten Beschäftigung agang erreichte Höchstmaß der Produktion. Stillstehende Maschinen sind brachliegendes Kapital. Mit seiner Masse wachsen Produktionskosten und Verscnul- duug. Unter der Last notleidend gewordener Bankschuldner erfolgte 1931 der �Zusammenbruch der deutschen Großbanken. Das iteioh war mit Staatsmitteln, die Reichsbank mit Opferung von zwei Dritteln ihrer ausländischen Zahlungsmittel helfend beigesprungen. Damit war der Bankrott von beispiellosen | Dimensionen verhütet, aber nichts daran ge- ! ändert, daß ein großer Teil der Industriewerke, ganz besonders der Schwerindustrie, weltwirtschaftlich gesehen altes Eisen war. Ueberwiegend weltwirtschaftlich überholt war auch der Getreidebau der 18.000 o s t- elbischen Großgrundbesitzer. Sie vor dem Bankrott zu schützen, reichten selbst die aufs Vielfache erhöhten Schutzzölle nicht aus. Der Osthilfeskandal ist noch in aller Erinnerung. Der Wunsch, ihn zu unterdrücken, hat bei der Geburt des Dritten Reiches Hebammendienste verrichtet, und es ist kein Zufall, daß der Kohlenkönig Kirdorf und der Stahlkönig Thyssen die ersten Nationaiaozia- Hsten unter den deutschen Großunternehmern gewesen sind. Wäre der politische Eünfluß von Trustmagnaten und Junkern nicht weit größer gewesen als ihre Bedeutung für den Weltmarkt, so würden sie längst haben Konkurs anmelden müssen. Unter ihrem Einfloß ist das Deutsche Reich zur Subventionsanstalt für finanzkranke Unternehmer geworden. Aber sie wollten nicht vom Staat als Gabenspender und vom Zufall der MachtverteUung im Staat abhängig bleiben. Sie wollten den Staat ganz ihren Interessen dienstbar machen, Dazu sollte ihnen die völlig unkontrollierte Staatsgewalt, die nationalsozialistische Despotie verhelfen. Das Großunternehmertum hat seinen unmittelbaren Eünfluß zugunsten der nationalsozialistischen Parteiherrschaft und ihres Machtapparates preisgegeben. Es hat, um sein Eügentum zu behalten, auf(he freie Verfügung darüber verzichten und sich Schachts Kommando unterwerfen müssen. Was hat es dafür eingetauscht? Eis handelt sich für das Unternehmertum darum, nicht neue Produktionsstatten zu schaffen, sondern die vorhandenen in Gang zu setzen. Sie reichen aus zur reichlichen Befriedigung aller Lebensbedürfnisse und hätten in ihren Dienst gestellt werden können. Wäre der Nationalsozialismus ein nationaler Sozialismus, so würde er die Produktivkraft der Nation in den Dienst Ihres Konsums gestellt haben. Das hätte eine von der werktätigen Bevölkerung getragene und geführte Geineinwirtschaft vorausgesetzt, Hitler hat aber nicht die Macht ergriffen, um die Ausbeutung, sondern um ihre Schranken zu beseitigen. Daher bleibt als Mittel, den ost- elbischen Junkern und den rheinisch-westfälischen Stahlkönigen zugleich guten Absatz und gute Preise zu sichern, an Stelle der nützlichen Verwendung des Kapitals nur seine sinnlose Verschwendung. Die deutsche Wirtschaft wird in eine Kriegswirtschaft verwandelt. Die Industrie wird in den Dienst der rasend beschleunigten Herstellung von Instrumenten der Vernichtung gestellt und die Gesamtwirtschaft vom Weltmarkt abgeriegelt. Junker und Eüsenkönige können jetzt die Staatssubventionen entbehren, denn den einen wird durch die Absperrung der Grenzen, den anderen durch Staats auftrüge eine Staatsrente gesichert und zugleich die Aussicht auf kriegerische Eroberung monopolistisch beherrschter Absatzmärkte eröffnet. Mit dem Apparat der staatlichen Zwangswirtschaft und dei neuen Armee wird zugleich ein Machtinstrument im Kampfe gegen die äußeren wie gegen den inneren Feind in der Hand der Naziclique geschaffen. Die»Staatskonjuniktur« ist überdies ein Mittel reklamehafter Herabsetzung der Arbeitslosenziffern und die Webrpropaganda ein Mittel zur Ablenkung des Volkes von Terror und aufgezwungener Not. Da die Hüstungs- produktion selber unproduktiv ist, muß dur Staat, der sie nicht mit Ertrag verwerten kann, aus den Erträgen der übrigen Wirtschaft bezahlen, diese zu gunsten jener ausbeuten und die Produktionsentwicklung hemmen. Die nationalsozialistische Wirtschaft ist also ein Versuch, eine riesenhafte Kapitalvergeudung mit einer noch gewaltigeren Ka- pltalvemlchtung zu bekämpfen. In dem Maße, wie Bich dieses Ebcperiraent als Fehlschlag erweist, wächst die Gefahr, daß die Vorbereitung des kriegerischen Angriffs in den Angriff selbst umschlägt. G. A. Frey. 1,60 Milliarden Stüde Eier weniger Die Nationalsozialisten haben es fertiggebracht, in Deutschland eine regelrechte Eiernot hervorzurufen. Obwohl durch die starken Lohnsenkungen der Eierverbrauch eingeschränkt worden ist, sind nicht einmal die für den gedrosselten Bedarf erforderliche Menge zur Verfügung. Betrug im Jahre 1930 der Eüerverbrauch in Deutschland 142 Stück pro Kopf, so ist er im Jahre 1935 auf 113 Stück zurückgegangen. Die Abnahme beträgt demnach beinahe 30 Prozent. Und das in einem Jahre, in dem aioh angeblich die Einkommen- Verhältnisse und die Lebenshaltung der Be- völkerung entscheidend gebessert haben sollen. Mit diesem geringen Eüerverbrauch bleibt Deutschland stark hinter anderen Ländern zurück, denn es entfielen 1935 auf den Kopf der Bevölkerung in England 140 Stück, in Dänemark 150 Stück, in Belgien 210 und in den Vei>einlgten Staaten von Nordamerika 240 Stück. Der deutsche Eünfuhr-Ueberschuß an Eiern ist von 2,86 Milliarden Stück auf 1,25 Milliarden Stück, also um 1,61 Milliarden zurückgegangen. Musterhaft Dr. Ley hat angekündigt, daß am 1. Mal dieses Jahres sogenannte Musterbetriebe ernannt werden sollen. Er erklärte: »Musterbetriebe und ihre Betriebsführer sollen dadurch geehrt werden. sa- p.en: In diesem Betriebe ist alles In Ordnung, das ist ein richtiger Betriebsführer, ein Offizier seiner Soldaten, und das sind Soldaten der Arbelt!« Die jüdische Konkurrenz ist größtenteils erledigt, aber vielen braunen Geschäftemachern geht es noch immer nicht zum besten, darum sehen sie sich nach neuen Opfern um. Die Teilung In»Musterbetriebe« und solche, die es nicht sind, wird die unentwegten Kämpfer ein gutes Stück weiter bringen, denn »Musterbetrieb« das beißt Staatsaufträge, und Staatsaufträge das heißt Subventionierung selbst der elendesten Bruchbude. Nur zu! Die kommende Pleite wird eine Musterpleite sein. ItecUoromrfe 6ojkiWciRpPraHfd>e» IToc�cnHaH Herausgeber: Ernst Sattler; verantwortlicher Redakteur: Wenzel Horn; Druck:»G r a p h i a«; alle In Karlsbad. Zeltungstarif bew. m. P. D. ZI. 159.334/VII-1933. Printed in Czechoslovakia. Der»Neue Vorwärts« kostet im Einzelverkauf innerhalb der CSR KC 1.40(für ein Quartal bei freier Zustellung Kö 18.—). Preis der Eünzelnummer im Ausland KC 2.—(Kö 24.— für das Quartal) oder deren Gegenwert In der Landeswährung(die Bezugspreise für das Quartal stehen in IClammern): Argentinien Pes. 0.30(3.60), Belgien Belga 0.48(5.90). Bulgarien Lew 8.—(96.—). Danzig Guld. 0.45 (5.40), Deutschland Mk. 0.25(3.—). Estland E. Kr. 0.22( 2.64), Finnland Fmk. 4.—(48.—). Frankreich Frs. 1.50(18.—), Großbritannien d 4.—(Sh. 4.—), Holland Gld. 0.15(1.80). Italien Lir. 1.10(13.20), Jugoslawien Din. 4.50 (54.—). Lettland Lat. 0.30(3.60), Litauen Ut. 0.55(6.60). Luxemburg B. Frs. 2.45(29.50), Norwegen Kr. 0.35(4.20), Oesterreich Sch. 0.40(4.80), Palästina P. Pf. 0.020(0.216), Polen Zloty 0.50(6.—), Portugal Eise. 2.— (24.—), Rumänien Lei 10.—(120.—), Schweden Kr. 0.35(4.20), Schweiz Fre. 0.30(3.60), Spanien Pes. 0.70(8.40), Ungarn Pengö 0.35 (4.20). USA. 0.08(1.—). Einzahlungen können auf folgende Post- scheckkonten erfolgen: Tschechoslowakei: Zeitschrift»Neuer Vorwärts« Karlsbad. Prag 46.149. Oesterreich:»Neuer Vorwärts« Karlsbad. Wien B-I98.304. Polen:»Neuer Vorwärts« Karlsbad. Warschan 190.163. Schweiz:»Neuer Vorwärts« Karlsbad. ZUrich Nr. VTTT 14.697. Ungarn: Aneio-Cechoslovakische und Prager Creditbank Filiale Karlsbad. Konto»Neuer Vorwärts« Bndanest Nr. 2029. Jugoslawien: Anglo-Cechoslovakische und Prager Creditbank, Filiale Belgrad, Konto»Neuer Vorwärts«, Beograd Nr. 51.005. Genaue Bezeichnung der Konten ist erforderlich.