Nr. 141 SONNTAG, 23. Febr. 1936 6i>s!altemolraKfcfrgg SPacfonftta# Verlag; Karlsbad, Haus„Graphia*— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt: Zwei Hitlerreden Mißtrauenswahlen Volksre volution und Volkssozialismus Konflikt mit der Schweiz Bankrottstlmmuns in Deutschlnnd Wachsender Zweifel am System Im Bürgertum An der Herbeiführung des Sieges der Nationalsozialisten haben sicherlich in erheblichem Maße auch kapitalistische Kreise — z. B. die Klein- und Mittelkapitalisten Sachsens, und große Teile der bankrotten deutschen Schwerindustrie— mitgewirkt. Trotzdem ist es falsch oder jedenfalls viel zu simplis tisch, den Sieg des Nationalsozialismus nun einfach als eherne ökonomische Notwendigkeit im Zeitalter des»Spätkapitalismus« oder als unausbleibliche Staatsfonn eines mysteriösen»Monopolkapitalismus« auszugeben, der in der Wirklichkeit noch gar nicht existiert, wenn auch für seine Entstehung starke ökonomische Tendenzen wirkend sind. Sicher ist jedenfalls, daß die nationalsozialistische Diktatur nach ihrem Siege eine außerordentlich starke Staatsmacht herausbildet, die ihr einerseits eine relative Unabhängigkeit gegenüber den einzelnen gesellschaftlichen Klassen und Schichten verschafft, andererseits aber in der Erhaltung und Ausdehnung der Machtorganisation der Diktatur ihre eigene Gesetzmäßigkeit entfaltet, die sie unter Umständen Kraft ihrer überlegenen Stärke auch gegefaüber den partikularen Interessen der einzelnen Schichten durchsetzt. Die Machtbehauptung und Machterweiterung, die in der Erreichung der Kriegsstärke und der Möglichkeit der Kriegsführung ihr den nationalistischen Diktaturen immanentes Ziel findet, bedeutet aber die Unterwerfimg der gesamten Wirtschaft unter außerökonomische machtpolitische Zwecke. In der italienischen und in noch höherem Maße in der deutschen Wirklichkeit bedeutet sie den fortschreitenden Ruin der gesamten Wirtschaft. Darunter leiden aber alle an der Wirtschaft beteiligten Schichten— in verschiedenem Maße, in verschiedenen Zeiten, aber sie kommen alle dran, und die Nutznießer sind nur die Inhaber des Machtapparats. Was Marx einmal von den römischen Plebejern gesagt hat, daß im Gegensatz zu den modernen Proletariern nicht die Gesellschaft von ihnen lebe, sondern sie auf Kosten der Gesellschaft, das gilt erst recht von der Staatsapparatur der Diktatur, der als politischer Parasit die Wirtschaft aussaugt. Und dies Leben ist so üppig, so anspruchsvoll, daß das Fortleben der Diktatur das zunehmende Siechtum der Wirtschaft bedeutet. Das erste Opfer waren und blieben die Arbeiter. Die Ansprüche der Diktaturmacht wurden in erster Linie befriedigt durch eine fortgesetzte Herabdriickung der Konsumrate, durch Lohnkürzimg und Teuerung. Dann kamen die Bauern daran. Nach einer kurzen Phase, während der sie Nutznießer der steigenden Lebensmittelpreise gewesen waren, machten sich die Nachteile der Zwangswirtschaft, die Verteuerung der Futtermittel, das Anziehen der Preise für Industrieprodukte, der Rückgang der Konsumkraft in den Städten, die Vernichtung des Kredits durch das Erbhofgesetz immer deutlicher geltend. Das Pestpreissystem, das die ansteigende Teuerung zwar hinausschieben, aber doch nicht verhindern kann, reduziert die Handelsspanne und bedroht weite Schichten des Mittelstandes mit Existenzverlust. Der ungeheuere Rückgang des Exports, der dabei in seinem reduzierten Umfang nur durch von der Industrie selbst aufzubringende Prämien gehalten werden kann, bedeutet Gewinnrückgang für zahlreiche exportierende Produktionszweige. Der Rückgang der Konsumindustrien, der in der Textil-, Schuh-, Radioindustrie etc. zu einer chronischen Krise geführt hat, senkt den Profit in allen nicht von Rüstungs- und anderen Staatsaufträgen alimentierten Zweigen. Bleibt zunächst noch der umfangreiche Kreis der Rüstungsindustrien im weiteren Sinn des Wortes. Kein Zweifel, daß hier die Profite stark gestiegen sind, daß hier ein Kreis von Kapitalisten vorhanden ist, der Nutznießer des Systems zu sein scheint, dessen ökonomische Interessen mit den politischen der Diktatur sich zudecken. Der Schein trügt. Ausdruck der Ueber- belastung einer Wirtschaft durch den Staat ist die Inflation. Begonnen 1933, ist sie seit dem Beginn der Wiederaufrüstung im raschen und bis jetzt unaufhaltsamen Fortschreiten. Die Inflation ist noch in ihrem latenten Stadium, aber verschiedene Anzeichen— der Mißerfolg der Reichsbahnanleihe, die Unzulängüchkeit der Sparkasseneinnahmen und Depositen- zunahme, die zunehmende Flucht in die Sachwerte— zeigen deutlich, daß die Grenze nicht sehr entfernt ist, an der bei Fortdauer der bisherigen Politik die latente in die offene Inflation umschlagen muß. Das kapieren allmählich auch die Rüstungs- industrieüen: Die Profite wären schon schön, wären es nur nicht Gewinne in Papiermark. Denn was soll denn weiter werden: entweder treiben es die Narren eben wirklich zur offenen Inflation und das überetheen wir nicht wirtschaftlich und die nicht politisch. Oder es wird noch ein Versuch gemacht, den Ausbruch der offenen Inflation zu verhindern; das geht nur auf unsere Kosten: Wegsteuerung unserer Gewinne und Einschränkung der Aufträge. Dann sind die uns aufgezwungenen Erweiterungen die ärgsten Fehlinvestitionen gewesen und wir sind wieder bankrott... Es ist nicht unwichtig, daß diese Einsicht in neuester Zeit stark um sich greift. Eine ausgezeichnet informierte und sehr urteilsfähige Persönlichkeit, die mit h o he n Beamten- und Bankkreisen in Fühlung steht, berichtete mir nach seinem letzten Berliner Aufenthalt eine Reihe interessanter Ein- d r ü c k e: Die Stimmung In der leitenden Wirt- schaftsbürokratie, von Schacht angefangen, habe sich in den letzten Monaten außerordentlich verschlechtert. Ein leitender Großbankmann habe ihm auseinandergesetzt, die Dinge müßten sich fortgesetzt verschlechtern; einen Ausweg gäbe es nicht, eine Besserung könne man nicht erwarten. Allerdings glaube er nicht an einen baldigen Zusammenbruch. Denn die Lebenshaltung der Massen könne noch stark herabgedrückt werden, bis sie auf das italienische oder jugoslawische Maß heruntergebracht sei. Und der Widerstand der Arbeiter sei sehr gering. Aber— und nun kommt das charakteristische— mit dieser Auffassung gelte er bei seinen Kollegen noch als Narr oder Optimist(in bezug auf das System), die sähen alle viel schwärzer. Auffallend, erzählte mein Berichterstatter weiter, sei die in den Wirt- schaftskreisen herrschende Expropriationsangst. Allgemein fürchtet man die Einführung einer hohen Vermögensabgabe und die Wegsteuerung der Gewinne— die einzige Möglichkeit für das Regime, der Inflation zu entgehen. Wenn die Vermögensabgabe noch nicht beschlossen sei, s© deshalb, weil man nicht wüßte, wie man die Sach- Wiederlagen der Reaktion Zwei Schlage gegen den Internationalen Faschismus Die internationale Reaktion hat einen heftigen Schlag erlitten Die spanischeLinke hat einen glänzenden Wahlsieg erfochten. Sie hat die Parlamentsmehrheit erobert, und sie wird künftig in Spanien regieren. Die reaktionären Terroristep sind bereits geflüchtet, der Anschlag auf die Bepublik und die Freiheit ist siegreich abgeschlagen. Vor dem Willen der.Volksmehrheit ist der reaktionäre Uebermut zerstoben, die Kerker öffnen sich, die Gefangenen kehren in die Freiheit zurück. Es ist eine Befreiung. Die spanischen Sozialisten stehen vor großen Aufgaben. Wir sind gewiß, daß sie mit neuer Kraft an ihre Lösung herangehen werden, und daß unter der kommenden Regierung Spanien ein festes Glied der europäischen Demokratie werden wird. Die Zeiten sind vorbei, in denen die Faschisten aller Länder nahezu jedes europäische Land als sichere Beute des Faschismus betrachteten. Die Niederlage der Reaktion in Spanien zeigt ihnen im Gegenteil ihr künftiges Schicksal. Auch die französische Reaktion hat erfahren, daß die Kräfte der Demokratie sich kraftvoll wieder erhoben haben. Der feige Ueberfall auf den Genoasen Leon Blum durch die Mörderbanden der Action Francaiso hat einen Sturm der Empörung in Frankreich hervorgerufen, der die französischen Faschisten belehren wird, daß das französische Volk sich nicht müde und widerstandslos ihrem Terror unterwerfen, daß es vielmehr die Terroristen kraftvoll niederhalten wird. Eine riesenhafte Demonstration der Volksfront In Paris, vergleichbar mit der Berliner Riesendemonstration nach der Ermordung Rathenaus, zeigt, daß Frankreich nicht in der Situation ist wie Deutschland 1932. Der französische Ministerpräsident hatj in der Kammer seinen entschlossenen Willen bekundet die Zentren des Terrorismus j und seine Führer«he ganze Strenge des Gesetzes kosten zu lassen. Wie anders ist die Reaktion der französischen Oeffentlichkeit auf das feige Attentat als die Reaktion der deutschen Oeffentlichkeit von 1932 gegen die Serien von faschistischen Ueberfällen. Als damals der Ley ein Attentat auf unseren Parteiführer Otto Wels unternahm, trat die ganze Lähmung der so- ztalistischen und demokretlschen Kräfte in Deutschland zutage, ebenso die Lähmung von Justiz und Verwaltung. Aber die Zeiten der demokratischen Lähmung sind vorbei. Das feige Attentat von Paris, das von dem gleichen Ungeist hervorgerufen ist wie die Attentate, die Morde, die Gewalttaten des braunen Gesindels In Deutschland, Ist eine große Lehre. Es zeigt, daß der Paschismus nur dort Erfolg haben kann, wo die Demokratie vor der entschlossenen Anwendung der öffentlichen Gewalt, vor der Unterdrückung öffentlicher Verbrecher, vor der entschlossenen, wenn es sein muß, revolutionären Gewalt zum Schutze des Rechts zurückschreckt. DerRüstungswettlauf Im englischen Unterhaus wird im März eine schicksalsschwere Debatte geführt werden über das Maß der englischen Aufrüstung. Ein Vorspiel dazu war eine Debatte über das Problem eines einheitlichen Verteidigungsministeriums. Es war eine düstere Debatte; denn sie ließ tiefe Skepsis gegenüber der Möglichkeit zur Erhaltung des Friedens erkennen. Sie hat auch gezeigt, wer der Feind ist, gegen den England rüstet: Hitler d e u t s c h 1 a n d. Die englische Aufrüstung ist seit langem im Gang— aber was künftig geschehen wird. wird die bisherige Aufrüstung bei weitem übertreffen. Man hat allmählich in England erfaßt, daß ein kommender Krieg ein»totaler Krieg« sein würde, man beginnt sich darauf zäh und systematisch vorzubereiten. England � hat den Rüstungswettlauf mit Deutschland aufgenommen. In dieser Unterhausdebatte ist die Forderung nach dem Zweimächtestandard für die englische Luftflotte erhoben worden. Hitler hat für Deutschland die stärkste Luftflotte in Euro- p a gefordert. Damit sind die Positionen angedeutet, nach denen der Rüstungswettlauf strebt. England kann hinter diesen Wettlauf die Kraft einer aufsteigenden Wirtschaft setzen, die die Krise überwunden hat, seinen Reichtum, seinen ungebrochenen inneren und äußeren Kredit. Es kann die bestehenden Kaders sedner Rüstung ausbauen. Hitlerdeutschland steht heute, wo England erst ernsthaft den Wettlauf aufnehmen wird, schon vor fast unüberwindlichen wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten, mit einer Wirtschaft, die vom Anstieg der Weltwirtschaft ausgeschlossen ist und in einem wahnwitzigen System dahinsiecht. Eis muß völlig neu rüsten, ohne an Erfahrungen und Kaders anknüpfen zu können. Und es kann vor allem nicht darauf rechnen, daß die Länder, die es zum Wettrüsten zwingt, ihm noch Geld dazu vorschießen. Eis ist nicht nur Elngland allein, das den Rüstungswettlauf aufnimmt Eis sind alle Länder Europas, und selbst Holland hat begonnen aufzurüsten— aus Sorge vor deutschen, militaristischen Plänen. Der größenwahnsinnige Aberwitz der braunen Rüstungspolitik wird an dem Punkte erkennbar, wo der Rüstungswettlauf unter Einsatz der Kraft und des Reichtums der anderen beginnt. Mit diesem Wettlauf aber beginnen auch die bekannten, verhängnisvollen Elrwägungen: wird der Gegner morgen nicht stärker sein als heute? Ist es nicht besser, heute zuzuschlagen, um morgen nicht kapitulieren zu müssen? Eine Diktatur, die sich angesichts eines drohenden Bankrotts zu solchen Erwägungen hingedrängt sieht, ist die stärkste Gefahr für den Frieden, die es gibt. werte— denn bei der vorhandenen, nur zum Schein verdeckten Illiquidlsierung sei die Aufbringung in Geld doch unmöglich— in Bargeld umwandeln könne. Freilich erfolge andereselts schon eine gewisse Drosselung der Staats. auftrüge. Man sei aber gezwungen, auch überflüssig werdende Arbeiter in den Betrieben zu halten. Dazu komme die ungeheure Belastung durch die erzwungenen kostspieligen Investitionen für die Ersatzstoffe durch die Exportabgabe usw. An eine Ausdehnung der Ausfuhr, von der Schacht so viel rede, sei bei den hohen deutschen Inlandspreisen n i c h t z n d e n k e n. Käme eine fühlbare Einschränkung der Staats- anfträge, so sei eine Krise von unvorstellbarer Intensität erst recht nicht zu vermeiden... In der Tat ist das das unentrinnbare Dilemma für die Hitler- Diktatur: Radikale Steuererhöhung, und bei dem Grad, das die Massen- belastung schon erreicht hat, dürfte die Diktatur bei den hohen Summen, um die es sich handelt, auch vor konfiskatorischen Zwei IIWler-Reden Hitler ist deutscher Reichskanzler. Seine Machtvollkommenheit ist größer als die irgend eines Staatsmannes in irgend einem Lande der Erde. Seine Reden und Aussprüche gelten in Deutschland nahezu als Gesetz, jedenfalls als Richtlinien für die Rechtaauffassung in Justiz und Verwaltung. Wenn er über internationale Angelegenheiten spricht, so schreibt die internationale Diplomatie seinen Reden den Charakter von Staatsakten zu Sie hält an der Fiktion fest, daß seine Worte für das genommen werden müssen, was sie zu sagen scheinen. Dieser Mann hat in einer Woche zwei Reden gehalten. Sie sind beide durch den Rundfunk verbreitet worden, beide in der deutschen Presse ausführlich wiedergegeben worden. Die eine dieser Reden wurde gehalten am Sarge des in Davos erschossenen Gustloff, des Chefs der Ausland- Gestapo in der Schweiz, die andere bei der Maßnahmen nicht zurückschrecken. Aber Eröffnung der B e r 1 i n e r A u t o- A u s- an der Grundtatsache, daß die Kosten der I s t e j j u n g Wir � man � Das Bild des lelienden deutschen Staatsmannes In dieser den Nationalsozialisten selber, Rede heißt es: »Unsere eigene nationalsozialistische Bewegung hat nicht begonnen, anderen Opfer aufzubürden. Nicht wir haben unseren Volks- genoosen, die sich gegen Deutschland erhoben hatten, Opfer zugefügt: in Deutschland begann aber In diesen Novembertagen zum ersten Male der rote blutige Terror offen zu rasen. In Berlin und in vielen anderen Orten wurden deutsche Männer ermordet, nicht weil sie irgend etwas verbrochen, nein, nur weil sie sich für Deutachland als Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht erschlagen wurden, als Kurt Eisner und Hugo Haase fielen, als jenes verfluchte nationalsozialistische Mordsystem begann, das von München aus wie eine Pest sich Uber Deutschland ausbreitete, und von verbrecherischen Beamten und Richtern gefördert und begünstigt wurde. Wir nennen Gürtner— heute Hitlers Reichsjustizminister, wir nennen Frlck— heute Hitlers Reichsinnenminister. Der Mann, der aus den Kreisen hervorgegangen ist, in denen der Mord republi- eingoaetzt hatten und sich auch wa- kani8cher Staatsmänner ebenso zynisch geplant und durchgeführt wurde, wie das Diktatur eine Laät bedeuten, die für die deutsche Wirtschaft auf die Dauer unerträglich ist, würde auch dadurch nichts geändert Schließlich ist der Unterschied nicht so groß, ob man die Ueberschüsse auf dem Steuerwege oder auf dem Weg der Inflation konfisziert; entscheidend ist daß sie für die Staatsausgaben nicht ausreichen. Geht die Diktatur aber den umgekehrten Weg, drosselt sie die Ausgaben, so bedeutet das einmal politisch das Versagen der ganzen nationalsozialistischen Außen- und RUstungspolitik. Die Rüstungen müßten gerade in dem Augenblick abgebrochen werden, in dem die neuen Gegenrüstungen Englands, Rußlands, Frankreichs und der kleineren Staaten in Gang Deutschland und außerhalb Deutschlands Hitlerreden gegenübersteht, und wie wenig Beachtung ihnen mehr geschenkt wird, wenn es sich nicht um internationale Angelegenhelten handelt. Diese beiden Reden jedoch sollte man genau studieren. Sie zeigen den Mann, seine Art, seine besondere Sorte von Geist. Sie zeigen den Staatsmann Hitler ohne Maske. Wir hängen sie ausdrücklich niedriger. terhln einsetzen wollten. Well sie sich einsetzen wollten für die Zukunft diesee deutschen Volkes, deshalb sind sie von schmutzigen und verblendeten Menschen erschossen, erdolcht, ermordet worden.« Diese Sätze sind eine einzige ungeheuerliche Geschichtslüge. Vor der ganzen Welt stellen wir feierlich fest, daß Hitler nicht in der Lage ist, auch nur einen einzigen Mann oder eine einzige Frau zu nennen, die in den Novembertagen 1918 ermordet worden wären, weder aus Berlin noch aus irgend einem anderen deutschen Orte. Es wurde nicht»ersebos- Henken anner Dienstmädchen, denen man »Volksverrat« vorwarf, dieser Mann spricht heute als deutscher Reichskanzler: »Auf dem Wege unserer Bewegung liegt nicht ein einziger von uns ermordeter Gegner, nicht ein Attentat. Wir haben das vom ersten Tag an abgelehnt. Nie kämpften wir mit diesen Waffen.« Glaubt dieser Mann, daß die Geschichte ein großes Vergessen ist? Glaubt er wirklich, daß Erzbergerund Rathenau aus dem Gedächtnis der Welt, aus den Büchern der Geschichte gestrichen sind, sen, erdolcht, ermordet«— denn die No-,, �.....„- vemberrevolutionäre haben die Achtung vor dem Menschenleben und der Meinung anderer bis zur Selbstaufgabe getrieben. Die Männer, an deren Händen noch das Die Rede in Schwerin war von ganz Blut vom 30. Juli 1934 raucht, sollen uns besonderer Qualität. Sie war teils geschrien, teils geweint, und ihr Inhalt entsprach ihrem Ton. Dieser Inhalt war eine einzige, ungeheuerliche Geschichtafäl- schung. Was als geschichtliche Wahrheit längst von allen ernst zu nehmenden Menschen aller Völker für die deutschen Nachkriegsjahre anerkannt wird, ist in dieser kommen: das Ziel, die militärische Ueber- Rede � verkehrt worden. Kein legenheit zu erreichen, wäre vereitelt, die ungeheuren Rüstungskosten von 15—20 Milliarden Mark, die den Ruin der deutschen Wirtschaft herbeigeführt haben, wären nichts als eine fürchterliche Fehlinvestition. Und nicht minder groß als die politische ist die ökonomische Hemmung. Drosselung der Rüstungsaufträge, auf die die ja in der Zwischenzeit der ganze Produktionsapparat umgestellt ist, bedeutet akute Arbeitslosigkeit, Zahlungseinstellung, kurz schwere Krise mit wachsenden Ausgaben für Unterstützungen bei sinkenden Einnahmen, und der Ausbruch der offenen Inflation wird wahrscheinlich erst recht unvermeidbar. Der zweite Weg ist also noch schwerer als der erste und beide werden kaum begangen werden. Es wird im wesentlichen beim alten bleiben mit einigen Modifikationen— ungenügenden Steuern, die nichts nützen, Ausgabeneinschränkungen, die in keiner Weise ausreichen. Die Inflation wird fortschreiten, die Angst vor dem drohenden Ende sich verbreitern. Es ist die Situation, in der die Diktatoren jeden Ausweg verrammelt sehen und die Flucht in den Krieg besinnen. Die wachsende Einsicht auch der bürgerlichen Schichten in die Verderbnis der Diktatur ist ein wichtiges Symptom, und es ist sicher nicht unsere»marxistische« Aufgabe, den Bürgerlichen einreden zu wollen, daß Faschismus in semen verschiede- denen Spielarten ihre Interesse oder ihre Rettung sei. Aber sie ist an sich noch keine politische Kraft. Sie trägt nur dazu bei, die Widerstandsfähigkeit der Diktatur zu schwächen. Ausgelöst kann der Sturz der Diktatur nur werden: durch Massenbewegu ngen, durch Aktionen der entrechteten, unterdrückten, immer weiter in die Verelendung hineingetriebenen Massen selbst. Erreichen können diese Massenbewegungen ihr Ziel aber nur, wenn die partikularen, oppositionellen Strömungen zusammengefaßt werden In eine allgemeine politische Bewegung mit klaren Parolen und klarer Zielsetzung; Wledererobernng der Selbstbestbn- mung, der Demokratie, Sturz der Diktatur und Einberufung der Nationalversammlung zur Gründung des Rechts und der Freiheit, bevor neuer Krieg den Untergang Deutschlands herbeiführt. Denn das Dilemma, in der die Hitler- Diktatur das deutsche Volk gebracht hat, wird immer eindeutiger: Es lautet: Freiheit oder Tod! Dr. Richard Kern. Satz dieser Rede, der vom politischen Terror in Deutachland handelt, wird in der ganzen Welt geglaubt— nicht einmal von das Andenken der Novemberrevolution wahrlich nicht schänden! Man mag ihr naiven Glauben an den besseren Teil der Menschheit, man mag ihr Unentschlosseu- heit, Weichheit, mangelnden MachtwUlen vorwerfen— aber erhobenen Hauptes können wir sagen gegenüber dem, was heute in Deutschland ist; ihre Gedanken und ihre Taten waren weit entfernt von Mord. Der blutige Terror fiel mit Entsetzen in die Seelen der Novemberrevolutionäre: HottfßUd hM det Stüweia Sie ist den Braunen nidit frei genug Neben Deutschland gibt es in Buropa noch einen ganz deutschen Staat, Oesterreich, und einen vorwiegend deutschen, die Schweiz. Solange in Berlin Sozialdemokraten und Republikaner regierten, waren die Beziehungen zur Schweiz ausgezeichnet, die zu Oesterreich noch besser. Kaum hatte Hitler das Heft in Händen, so entwickelte sich das Verhältnis zwischen Deutschland und Oesterreich bis hart an den Krieg. Jetzt ist ein offener Konflikt mit der Schweiz auch da. Well die Schweiz aus dem Fall Gustloff gelernt hat und das Aufziehen eines nationalsozialistischen Parteiapparates auf ihrem Boden nicht mehr dulden will, ist die ganze Pressemeute gegen sie losgelassen worden. Die»nationale Ehre«, die durch die Korrldor- sperre so wenig berührt wurde, daß Frank und Görlng danach noch nach Polen fahren konnten, ist plötzlich empfindlich getroffen. Oöbbels befiehlt Entrüstung, und man entrüstet sich. Göbbela hat die dümmste Parole ausgegeben, die In diesem Fall denkbar war. Man befolgt sie aufs Wort. Also konnte man am Mittwoch in allen reichsdeutschen Zeltungen lesen, die Schweiz habe ee unternommen,»relebsdeutaehe Bürger In der Ausübung Ihrer Staatsbürgerr echte zu bindern.« Die Berliner Verbrecherregierung nimmt den im Ausland lebenden Reichsdeutschen, die nicht nach ihrer Pfeife tanzen, Ihr Staatsbürgerrecht, sie stiehlt Ihnen ihr Eigentum und läßt sie gegebenenfalls durch ihre Rollkommandos umlegen. Die anderen, die Gehorsamen, faßt sie zwangsmäßig in ihren Auslandsorganisationen zusammen und mißbraucht sie zu ihren dunklen Zwecken. In Deutschland gibt ee so viel Staatsbürgerrecht, Haa ein Deutscher ins Ausland fahren muß, wenn er nach Belieben Zeitungen lesen will. Und auch dort sieht er sich noch um, ob ein Spitzel hinter ihm her ist. Jene Presse aber, die von rechtlosen Sklaven geschrieben und von rechtlosen Sklaven befehlsmäßig gehalten wird, redet jetzt von der Unterdrückung deutscher Staatsbürger- rechte— durch die Schweiz! Wenn reichsdeutsche Nazi das unveräußerliche Menschenrecht besitzen, sich im Ausland nach den Befehlen Berlins aufführen zu dürfen, wie ist es dann mit den Rechten ausländischer Nicht natioualsozialiatcn in Deutschland? Wie wäre es, wenn sich ausländische Sozialisten in Deutschland zu einer festen Organisation zusammenschlössen, mit einem öffentlich amtierenden Landesleiter an der Spitze? Würde das Dritte Reich ihnen gestatten, die Staatsbürgerrechte, die sie in ihrer Heimat wirklich besitzen, auch auf seinem Boden auszuüben? Wie sind denn In Deutschland die Ausländer bebandelt worden, die mit Recht oder Unrecht für»Marxisten« gehalten wurden? Aber wps ist Recht, was ist Logik? Frechheit ist die Parole! Darum droht der Göbbels in seiner Presse den Schweizern mit Roprä- salicn. Sie sind keine Polen, keine Franzosen, sie sind beinahe auch Deutsche— da kann man sie schon dementsprechend behandeln! Die Schweiz hat bisher— wie manche andere auch— in ständiger Furcht vor dem großen Nachbar gelebt und ihm alle denkbaren Zugeständnisse gemacht. Nun hat auch sie den Punkt erreicht, an dem es doch nicht welter geht Den Herren des Dritten Reichs genügt es nicht, alle Großmächte Europas zu unseres Volkes sich die Geschichte verändern zu können? Einst werden wir ihm die Morde und die Attentate vorhalten, die hundertfachen Morde, die seine Bewegung vollbracht bat. Heute erinnern wir nur an einen Fall, mit dem sein Regime begann: am 4. Februar 1933 erschoß ein siebzehnjähriger Gymnasiast, Führer der Hitlerjugend in Staßfurt, den sozialdemokratischen Bürgermeister der Stadt Staßfurt, Kasten. Er erschoß ihn feige von hinten. Es war ein politischer Mord— und Hitler hat nach wenigen Wochen den Mörder den Gerichten ent- zogen- Aber was sind Beweise, hundertfach belegte, von der ganzen Welt bezeugte Beweise gegen einen Mann, der spricht: »Gegen uns steht die haßerfüllte Macht unseres Jüdischen Feindes, eine« remo««», dem wir nichts zuleide getan haben.« Sie haben dem jüdischen Volke nichts zuleide getan! Er nicht, Streicher nicht, ihre Banden nicht, ihre Gesetze nicht! Wer so redet, über alle Wahrheit, über alle Rücksichten auf primitivste Richtigkeit hinweg— der offenbart ein Maß von innerer Verantwortungslosigkeit und Haltlosigkeit, das nichts mehr mit Machiavel- Jismus zu tun hat, sondern nur noch Zeuge ist für die ganz besondere Herkunft des Mannes! Gegenüber dieser Rede, die vom Geiste blutigen Hasses und der Verhöhnung der Wahrheit getragen war, iht die Rede bei der Eröffnung der Auto-Ausstellung ein Satirspiel. Hier zeigt sich nicht so sehr das besondere Verhältnis des Redners zur Wahrheit, sondern sein eigenartiges Verständnis für die Notlage des deutschen Volkes, für die wirtschaftliche Zwangslage, In die sein System Deutschland geführt hat Er sprach; »Es fehlen uns Kühe und Schweine und Schafe usw., aber nur, weil uns der Grund zu ihrer Erhaltung fehlt. Wenn einige Millionen bei dem Konsum von neuen Rüstungen gegen Deutschland angetrieben zu haben. Sie bemühen sich, auch die kleineren— Oesterreich, Schweiz, Tschechoslowakei, Holland, Dänemark— In die schärfste Gegnerschaft hlneinzuzwingen. Und für das alles wird das deutsche Volk einmal zu bezahlen haben! Dankbare IVu�nießer Tn der Monatsschrift»Deutsches V o 1 k s t u m«, Hamburg, verkündet ein brauner Schreiber mitleidig lächelnd: nicht ganz notwendigen Lebensmitteln etwas einschränken würden, u m ihre Kaufkraft auf ein Gebiet zu lenken, auf dem wir sie volkswirtschaftlich ohne weiteres befriedigen können, würde dies manche Schwierigkeiten unserer Ernährung sofort beseitigen. Ich sehe In der Erzeugung eines der breiten Masse von 2 oder 3 oder 4 Millionen Menschen erreichbaren Wagens eine auch von diesem Gesichtspunkt aus nationalwirtschaftlich schwerwiegende Tat.« Was soll man von einem Staatsmann Av�rSnrsÄsfmifn, S»Sen, der ein«,„»rrmd«,.„.geplto- ist er doch wenigstens in Paris noch ein dertem Volke sagt;»Ihr bekommt keine Butter, keine Eier, kein Fleisch— aber kauft statt dessen Autos«? bißchen unsterblich. Ja, in Paris ist der noch»ein bißchen unsterblich«. In Deutschland beruft sich der Führer nur laut und leise, früh und spät, Tag für Tag, wieder und wieder auf den L o c a r- n o- P a k t, ohne den verpönten Namen Stresemann jemals in den Mund zu nehmen. Die Franzosen erweisen dem Manne hohe Achtimg, von dessen Werk das Dritte Das ist der deutsche Reichskanzler, der leitende Staatsmann des Dritten Reiches! Das ist der Mann, der in Europa Uber Krieg und Frieden entscheiden kann. Wird man nach solchen Leistungen begreifen, wie Friedensreden dieses Mannes zu werten sind? Oder wird man Reich profitiert und dessen Andenken es da- sich achselzuckend mit dem Gedanken ab- für von jedem kleinen Federfuchser bespuk- finden, daß Diktatoren immun sind gegen- ken läßt. Die Woge der neudeutschen Dank-, über der Wahrheit, dem primitivsten mo- barkeit sind wunderbar. raiischen Anstand und der Logik? Hart und sparsam Wer hätte das gedacht, daß Hitler nxurt- mals der sozialdemokratischen Partei und ihren Regierungen und Funktionären die verdammte Bedürfnis] oalgkeit vorwerfen würde) Bei der Eröffnung der AutoaussteUung sprach er von der»Proletarlaierung dee Lebensniveaus«, von der»notwendigen Entwicklung zum Primitiven«, die aus der sozial demokratl- schon Theorie folge, er schob ihr die Schuld daran zu, daß es In dem»marxistisch regierten Deutachland« nicht mehr Autos gegeben habe. Nun er seibat hat sich redlich bemüht, den Absatz der Industrie in Luxuswagen zu fördern— wir aber mußten von ihm und seinesgleichen hören, als ea noch ein»marxistisch reglertea Deutschland« gab, daß wir prassende und verbürgerlichte Bonzen seien, die sich nicht auf proletarischem Lebensniveau bewegten. Trotz der Verleumdungen damals und der Verfluchung von beute müssen wir den Vorwurf der verdammten Bedürfnislosigkeit als gerechtfertigt anerkennen, und ebenso, daß unsere Nachfolger, die Funktionäre der na- tional sozialistischen Partei, in Amts- und Parteiatoll cn. dieser Bedürfnislosigkeit nicht schuldig sind. Wir können es schlagend beweisen. Am 16. Februar lasen wir in der »Frankfurter Zeltung«:»Sekt— endgültig steuerfrei«; und darunter die folgende Darstellung des deutschen Sektwunders: »Zur Ueberwlndung der Konsumhemmungen half entscheidend die Aufhebung der Schaumwein-Sondersteuer, die durch die Verordnung vom 15. November 1933 zunächst bis 31. März 1936 und nunmehr endgültig außer Kraft gesetzt wurde. Der Jahreskonsum konnte sich nach Schätzungen der Fachgruppe Schaumweinindustrie 1934 fast verdoppeln und 1935 nochmals um reichlich ein Viertel erhöhen, so daß im letzten Jahr der Vorkriegsverbrauch bereits Uberschritten wurde. Sctoaumwelnaljsata!: 1982 1938 1984 1985 MU1. Flaschen 4.81 5.48 10.27 18.00 Dieser starke Absatz überrascht angesichts der weniger günstigen Entwicklung einiger lebenswichtiger Verbranchsgüter. Die Absatzkurve der Massenkon- s umgüter wird aber durch die Entwicklung der Massenkaufkraft bestimmt, für den Schaumwein hingegen ist die Bewegung der höheren Arbeit»- und Kapitaleinkommen entscheidend.« Ist das nicht genug gesagt? Das Volk hungert, hingegen— die braunen Bonzen trinken mehr Sekt zusammen, als im Kaiser- relch jemals abgesetzt wurde! Sie sind jedenfalls nicht verdächtig, ein proletartochee Lebensniveau anzustreben, und daß ihr vermeintlich sozialer Aufstieg durch hinreichenden Sektkonsum nur wirklich« Primitivität beweist, verstehen sie Ja doch nicht. Was aber die anderen Deutschen betrifft — die mit der Massenkaufkraft, die an der »weniger günstigen Entwicklung einiger lebenswichtiger Verbrauchsguter« interessiert sind— so werden sie gut daran tun, wenn sie sich von dem Glauben fernhalten, daß Hitler bei der Autoauastellung an sie gedacht habe. Für sie hat zu gleicher Zelt an anderer Stelle Schacht geredet, kurz und bündig: »Nur indem wir hart arbeiten, sparsam leben und nicht vergeuden werden wir den Weg in eine bessere Zukunft finden.« Gestapo— allmaditig Im Jahre 1923 warf Mussolini die rhetorische Frage auf:»Was ist denn der Staat T<— und er antwortete darauf: xw tot der Poüziart!« Wenn Hitler gefragt wird, was ist dein Staat?— so kann er antworten:»die Gestapo«. Denn ohne diesen amtlichen Terrorapparat mit seiner eigenen bewaffneten Macht, ohne die» Untendrüdomgamaschine gegen die Opposition— wo wäre der Staat Hitlers? Die Gestapo tot für ihn dasselbe wie die einstige GPU für Sowjetrußland; eine vom Volke getrennte, gegen poUUschee Eigenleben im Volke gerichtete bewaffnete Diktatur mit Eroberercharakter. Die Ausnahme- rechte dieser Terrormaschine sind Jetzt wieder einmal aiuadrüokllch umrissen worden. Sie gilt als selbständiger Verwaltungszweig, der nur Hitler verantwortlich tot. Gegen ihre Anordnungen gibt es keinen Appell an die ordentliche Justiz. Sie ist durch keinerlei Gesetze gebunden. Sie kann den höchsten Verwaltungastellen Befehle erteilen. Sie tot allmächtig, und Ihre Allmacht ist das Eingeständnis des dauernden Kriegszustandes zwischen dem System und jeder möglichen Opposition im Volke. Sie ist ein Instrument, das durch sein Bestehen und seine Punktion die Volksfeind- lichkeit des Systems und eine aus bösem Gewissen geborene Furcht dazu verrät. Unsere Freunde haben die Bestialität der Gestapoburschen zur Genüge kennen gelernt.' Sie wissen aus Erfahrung, daß nicht nur dieser Apparat an sich eine Schändlichkeit tot, sondern daß sein Träger Menschen von besonders verächtUcber Gesinnung und besonders zynischer Brutalität sind. Beamte leeeet in BeosUieu Nazi-Redakteur als Bolsdbewist verhaftet Bio de Janeiro, Ende Januar. In Brasilien nimmt(genau so wie in den anderen lateinamerikanischen Staaten!) die Unbeliebtheit der Nationalsozialisten ständig zu. Ein klassisches Beispiel dafür ist ein Zwischenfall im Zusammenhang mit dem in Sao Paulo erscheinenden offiziellen Landesorgan der NSDAP, dem»Deutschen Morgen«. Der»Deutsche Morgen« bringt ausschließlich Artikel, die in der deutschen parteiamtlichen Presse erschienen sind, insbesondere Beiträge dar Nationalsozialistischen Korrespondenz, die ja parteioffiziellen Charakter besitzt. Kürzlich veröffentlichte er nun einen der üblichen demagogisch-dummen Artikel mit pseudoaozialistischem Ideengehalt unter dorn Titel„Nieder mit dem Kapitalismus«. Davon erfuhr die brasilianische politische Polizei, die sich sonst tun die nationalsozialiatiaohea liehen nationalsoctialtottochan Stellen Rat-, Bin besonderes Kapitel ist in ganz Süd- schläge und Weisungen bekämen. Diese Be- 1 amorika die Eintreibung der W i n t e r- gründung ist außerordentlich wichtig, weil h i 1 f e. Man hebt sie in Form von Kontribution«» bei den großen und mittleren deutschen Firmen ein. Wieso ist das im Aualand möglich? Ein Beispiel aus Rio de Janearo soll es belegen: Bei einer größeren deutschen Firma erscheint der Beauftragte der Winterhilfe und legt eine bereits auf den Betrag' ausgefüllte Quittung vor. Der Pirmcninhabcr fragt den Kassierer, wieeo die Parteileitung der NSDAP erstens wisse, daß er sich überhaupt au der Sammlung beteiligen wolle und wieeo«e zweitens dazu käme, ihm einen bestimmten Betrag vorzuschreiben. Der Kassierer wird verlegen, verspricht,«eh zu erkundigen, und entfernt sich. Eine halbe Woche später erscheint ein prominentes Mitglied der NSDAP, unterhält sich zuerst mit dem Chef der Firma Uber alles mögliche und legt ihm dann gleichzeitig mit der Quittung der tote den verantwortlichen Redakteur des renden Minenser Politiker hat einen Antrag Winterhilfe eine fast vollzählige »Deutschen Morgen« wegen des Verdachtes eingebracht, der sich gegen die Tätigkeit der jListc der in Deutschland leben- — bolschewistischer P ro p agan- 1 NSDAP-Ortsgruppen und der italienischen den Verwandten des Firmeninha- danut zum ersten Male offizieU von zuständiger Stelle eine Einmischung dee Dritten Reiches In die Innenpolitik ednee südamerikanischen Landes festgestellt worden ist. Da die Aualandsgruppen der NSDAP gerade in den südamerikanischen Staaten immer wieder die vollkommene Identität von Partei und Staat betonen, kann man sich ohne wed- ters vorstellen, welchen Bindruck diese Feststellungen des obersten brasilianischen Gerichtes auf die brasilianische Oeffentlichkeit machen. ♦ Diese Dinge haben übrigen« bereits in der brasilianischen Kammer einen beachtenswerten Widerhall und ein aufschlußreiches NachOrgane überhaupt nicht kümmert, weü sie spiel gefunden. Einer der einflußreichsten ihr herzlich uninteressant sind, und yerbaf- 1 Abgeordneten des Parlaments, einer der füh- da. Ehst nach einer Reihe von Aufklärungen, bei denen die leitenden Männer der Landea- gruppe der NSDAP ihre treu-kapitalistische Einstellung hundertfach beteuerten und versicherten, der fragliche Artikel sei»nur für das Volk« geschrieben worden, wurde der nationalsozialistische Redakteur unter scharfen Vermalmungen freigelassen. Die ganze deutsche Kolonie freut sich aber darüber, daß«He antikapitalistische Demagogie der Nationalsozialisten auf diese originelle Weise bestraft und entlarvt worden ist... * Kürzlich wurde durch ein Urteil dos obersten brasilianischen Gerichtes die Einmischung des Drittes Reiches In die Innenpolitik fremder Staaten eindeutig festgestellt. Vor diesem Gericht kam nämlich In letzter Instanz eine Klage der brasilianischen Faschisten zur Verhandlung. Sie betraf eine Reihe von Maßnahmen der Verwaltungsbehörden im Staate Pemarabuco gegen die politische und agitatorische Tätigkeit der faschistischen Partei, der»Intregrali st Ischen Aktion«. Diese Klage, die nach hiesiger Sitte in Form eines habeas-corpus-Gosuchea eingebracht worden war, hatte vor der ersten Instanz Erfolg, wurde aber von dem obersten brasilianischen Bundesgericht einstimmig (hier gibt jeder Richter ein eigenes, öffentlich mitgeteiltes Votum ab) abgewiesen. In dem Gutachten des Berichterstatters war als einer der wesentlichsten Gründe, der für die Ablehnung des habeas- corpus- Geeuchea sprach, die Tatsache angeführt, daß die Integralisten deutsches Geld erhielten und von amt- Fascioa in Brasilien wendet. Er erklärte, daß bers mit der Bemerkung vor, man werde durch die Wirksamkeit dieser Organisationen! in Deutschland aus der Einstellung der Fir- in die deutschen, bezw. Italienischen Kolonien ma zu der Sammelaktion«chorlich Rückein EHement dee Unfriedens und eine Miß- ischlüsse auf die staatspoliti- stimmung hineingetragen worden sei, die die sehe Einstellung der in Deutschland ansässigen Verwandt en und der Art, wie sie in das Ausland über den Neuaufbau des Reiches berichteten, Schlüsse ziehen; die Zahlung der Winterhilfe käme also indirekt den in Deutschland lobenden Familienangehörigen zugute, während im Falle der Zahlungsverweigerung die Angelegenheit von der Geheimen Staatspolizei ernstlich geprüft werden müsse... Wir kennen ähnliche Er- preosungsaktionen aus Porto Alegre, Novo Friburgo. Sao Paulo, Blumenau, Joänville, Montevideo. Buenos Aires und Santiago de Chile. Bei in deutschen Betrieben beschäftigten Arbeitern hat man oe in zahlreichen Fällen versucht, die von der Partei abgezogenen Beiträge für die Winterhilfe unmittelbar vom Lohn abzuziehen. Sehr häufig ist das mit der sofortigen Kündigung von Seiten der von dieser Räuberei betroffenen Arbeiter(die zmn Großteil alte Sozialdemokraten sind!) beantwortet worden, worauf meistens auf den Abzug verzichtet worden tot. Es ist aber mehr als einmal passiert, daß dann die Chefs von sich aus in Namen der betreffenden Arbeiter oder Angestellten Winterhilfe gezeichnet haben, weil man sie sich aus Sorge um das Schicksal von In Deutschland lebenden Angehörigen nicht dem Verdacht aussetzen wollten, eine»staatsfeindlich eingestellte Belegschaft« zu beschäftigen! brasilianischen Interessen auf das Schwerste gefährdeten. Eh1 schlägt der Regierung vor, die Frage eines Verbotes dieser Organisationen zu untersuchen. Eägentlich müßten die hiesigen Nationalsozialisten also langsam kapieren, daß der Geduldfaden der Brasilianer nahe am Reißen ist. Aber die Politik der brasilianischen Auslandsgruppen der NSDAP wird von Leuten gemacht, die sich jetzt schon vorgenommen haben, dann rechtzeitig zu verduften, wenn es einmal ernst wird. Die nationalsozialistischep Parteiangestellten beziehen nämlich ihre Gehälter in Devisen von der Hamburger Auslandsabteilung der NSDAP, vom Reichspropagandarai nlaterium und von der Deutschen Reichsbahn, diese Gehälter sind aber so hoch, daß es sich fürM a t c- r i a 1 s a m m I e r«, die mutwillig den Mantel christlicher Nächstenliebe zerreißen. Schmutzigstes Material aller Art zu liefern Ist ein Vorredht der braunen Reglerer, cUmo* Material zu sammeln gilt als Unrecht der Untertanen und kann nicht schwer genug geahndet werden. Yerwirtsdiaftetund verludert Das Naziorgan»Preußische Zeltung« antwortete einem Briefkasten-Ehagar: Vor dem Krieg betrug Deutschlands Volksvermögen 360 Mill., nach der Inflation 210 Mill., also waren 150 Mill., verwirtschaftet oder verludert worden. In den Fehlbetrag sind die Kriegskosten eingerechnet. Vielleicht versucht der edle Redakteur und Pazifist auch mal f ostzustellen, wieviel im Dritten Reich bereits auf Kosten des kommenden Krieges verwirtschaftet und verludert worden ist. und der Reichstag brannte. Südtirol fieberte. Aus mit den Parlamenten! Weg mit den faulen Friedensverträgen! Jetzt kommen die Taten. Jetzt siegte auch in Oesterreich der starke Mann! Ach, man hatte In der Eile den Fälschen hingesetzt; er verbündete sich mit Mussolini. Er wallfahrtete nach Rom und fand kein Wort für Südtirol. Er fuhr durch das Trentino und begrüßte che unterdrückten Brüder nicht! Aber das Hakenkreuz— das würde wohl aufräumen mit dem Verräter, das wartete nur auf den Augenblick, da es losschlagen konnte.---— Sepp war fünfundzwanzig geworden und einige Jahre aus der italienischen Kaserne heraus, da griff der Krieg in die Hütten der Südtiroler. Ihre Jugend sollte im Afrika sterben. Jetzt war die Stunde da, jetzt würde sich Hitler aufrichten und den Duce andonnern: »Willst Du Abeasinien, so gib erst den Südtirolern ihre Rechte. Laß ihnen wenigstens eigene Verwaltung, laß ihnen die Muttersprache, laß ihnen die deutsche Seele...« Nichts geschah. Alle Länder beechlossen Sanktionen gegen den Fäschismus, nur Hakenkreuz und Hahnensohwanz nicht. Sie halfen dem Unterdrücker, sie standen auf seiner Seite? Einst verkauften deutsche Fürsten ihre Landeskinder als Kanonenfutter, verkauften Deutschland und Oesterreich so die SUd- tiroler? Früher, da hatten manchmal deutsche Blätter ein Wort für Südtirol gefunden, da hatten die Sozi gegen den Duce eine Lippe riskiert— nichts hörte man Jetzt mehr. Nichts. Ach, der Osaf wußte wohl nicht, wie es um SUdtirol stand, wie alles wartete und wartete.... Sepp und sein Bruder erhielten den Ge- Hßkkiktuuk Mßtikdäl fuMitti w w w■wvvyv wiTUWWWWW*W Ea war im Jahre 1925, der Schrecken der Inflation war gewichen, der Ruhr krieg beendet. Ee schien, als sei die Perlode der gewaltsamen Austragung internationaler Konflikte beendet und ein Zeitalter internationaler Verständigung angebrochen. In dleeer Zeit erschien ein Buch mit dem Titel >Das vereinigte Europa«. Man konnte meinen, es enthielte eines der zahlreichen pazifistischen Projekte, die damals auftauchten, etwa in der Art des Paneuropäers Cou- denhove-Kalergi. Wer mit solchen Vorstellungen das Buch zur Hand nahm, mußte schon beim Aufschlagen der Widmungsseite enttäuscht werden. Da war nämlich zu lesen: »Herrn Oberfinanzrat Dr. Bang, dem Führer und Lehrer in Ergebenheit«. Der Oberfinanzrat Bang, Freund Hugen- berge, war unter den oberen Zehntausend einer der ersten Freunde und Gönner Hitlers. Der Herr Oberfinanzrat repräsentiert in seiner Person jenes Bündnis von hoher Bürokratie mit Eisen, Korn und Degen, das zu Wilhelms Zeit in Deutschland herrschend, in der Republik bemüht war, die Alleinherrschaft an sich zu reißen, und glaubte, sie durch Hitler endgültig gesichert zu haben. Sie sind die geschworenen Feinde der Weltwirtschaft, des freien internationalen Warenaustausches. Sie kennen nur zwei Mittel, sich In ihr zu behaupten: Protektionismus und gewaltsame Eroberung. Daher frohlockt der Verfasser des Vereinigten Europas darüber, daß das Ende der Weltwirtschaft nahe herbeigekommen sei: »Die Einheit der Weltwirtschaft als Wirtschaft der Welt ist zerrissen. Der Schwerpunkt des Wirtschaftslebens liegt betont im eigenen Staate.« So ist es aber nicht, daß jeder Staat sich auf die Selbstversorgung beschränken soll. Vielmehr wird»keiner die besonderen Ge- winnmöglichkeiten, die er für sich auf dem Weltmarkt noch erblickt, aufzugeben geneigt« sein. Aber auf friedlichem Wege geht das nicht, denn: »Die Zeit des friedlichen Wettrüstens ist vorbei und es gibt keine gemeinsame Arbelt zwischen den Staaten mehr. Es gibt dafür aber Aussichten auf .. Beute.,. Bisher hat es sich gehandelt um günstige Erwerbebedingungen und Gewinn, In einer neuen Zeit wird es sich handeln um Macht und Trlbüt«. Das vorträgt sich schlecht mit der nationalistischen Hetze gegen»die Fesselung von Versailles und das Sachverständigengutachten«. Ihr Zweck ist denn auch weniger die Befreiung von(fieser Fesselung selbst als »die Verantwortung des deutschen Volkes für die Herrscherstellung der deutschen Rasse in der Welte Man ahnt, wie sich der bescheidene Vereiniger Euro- pae das vereinigte Buropa vorstellt: Bs ist »(De Entscheidung über Herrentum und Sklaventum in der Weit.— Daraus folgt: »Es ist che Aufgabe der neuen Zeit für Deutschland, sich und Europa für diesen) Kampf vorzubereiten«, wobei es nur selbstverständlich ist, daß xfie germanische Rasse den Vorrang gegenüber der romanischen haben« muß. »So ist die Erneuerung Europas die Aufgabe Deutschlands, die Aufgabe der germanischen Rasse in ihrer deutschen Ausprägung... Die Rettung Europas beruht darin, ob es Deutschland gelingt, es Anschluß an diese von Amerika freie Wirtschaft zu vollziehen«. Dann kann»der Anschluß der deutsch-österreichischen Wirtschaft an die reichsdeutache« nicht mehr ausbleiben und»in diesem deutsch-österreichisch und redchsdeutachen'Wirtschaftsgebiet läge die Tschechoslowakei Wirtschaft- wach zu rütteln und es unter seiner po| lieh direkt eingekapselt... Wir hätten wtrt- litischen und militärischen Führung den schaftllch die Tschechoelowakei in der Hand«. »Italien wird sich ebenfalls bewegen lassen, großen bevorstehenden Aufgaben gegenüberzustellen. Heil dir, Deutschland!« Es braucht nicht hinzugefügt zu werden — weil es sich von selbst versteht, im Sie- gerkranz! Es wird nicht ganz klar, ob nur die Herrschaft über ein Weltreich oder die Weltherrschaft ohne Einschränkung geplant ist. Das Nahziel ist jedenfalls bescheiden genug, daß Deutschland»W Osteuropa und Afrika unter einer Führung zuaam- jmenfasaen sollte«. Zwar gibt es da 1»unsichere Faktoren« wie di« Frage,»ob England die Bildung dieses einheitlichen Ge- ! blets fördern oder hemmen wird« usw. Es ' genügt aber»der rücksichtslose Wille zum Siege« und daß»die Bildung dieses Herrschaftsgebietes möglich« ist. Wenn zwei sich nur gern haben, ka Sorg um den Weg. Ein Krieg als Uebergangsm aß nähme ist vorgesehen; »Unter Deutschland welchen Umständen nun und Frankreich ihre letzte diesem Gebiete sich anzuschließen.«»Von Deutschland aus wird der Balkan und Kleinasien beherrscht, nicht in Frankreich oder Marseille«.»Buropa läßt sich zwingen«, und Afrika findet sich, ehe es sich versieht, von selbst ein, wie die Maus in der Falle. Man versteht jetzt, warum es mit Frankreich nach Hitlers Erklärimg keine Gebietsstreiügkeitein zu geben braucht. Es handelt sich für das Dritte Reich nicht so sehr um die Eroberung europäischen Gebietes als um die Hegemonie über Europa. Als das Buch geschrieben war, bestand die Fesselung von Versailles noch, die deutsche»Wehrfreiheit« war noch nicht wiedererlangt. Aber was sind»Abrüstungsbesüm- mungen«(man kann hinzufügen; auch Ab- rüstwngsabkommen und Friedensbeteuerungen), wenn es gelingt, daß»Deutschland durch den Abschluß vom Weltmarkt in seiner Wehrkraft gehoben würde«. Also: der AbAuseinandersetzung haben werden, ist Schluß vom Weltmarkt als Mittel der Kriegs- nlcht absehbar. Was Deutschland betrifft, so gilt es, sich zu rüsten... in der felsenfesten Ueberzeugung seines Endsieges.« Vor der endgültigen Auseinandersetzung ist man aber bereit, sich mit der Waffe der Wirtschaftspolitik zu bescheiden,»und Wlrt- vorbereitung.»Je mehr die Kriegs technlk von nach außen sichtbarem Kriegsgerät aus Eisen und Stahl sich verlegt auf nach außen unsichtbare Elektrizität und Chemie, desto unwirksamer worden(äs Entwaffnungsbo- atimmungen.« Aber das Uebergewicht der schaftspolitik treiben, heißt Außenpolitik Xeutonen llegt � der Bewaffnung aJ- tredben«. Das wirtschaftspolitische Rezept lein Voraussetzung für die Eroberung der gleicht genau dem, was ein Jahrzehnt spä- Wejt � vor � Unterwerfung des ter im Dritten Reich wirklich geschieht. Das, �gen� dcnn; was wir tun müssen, sagt dieser Veredniger Europas, ist der Abschluß(gemeint ist die Abschließung, aber auch die falsche Bezeichnung kann noch richtig werden) unserer Wirtschaft deutscher Führung. »Denn in der Abschließung unserer Wirtschaft können wir die Kräfte, über die wir noch verfügen, konzentrieren, um sie zu neuem Angriff für neue Weltgeltung zu tühren... Sammeln »Die Ruhe des Hinterlandes entscheidet in erster Linie. Der gewinnt bei gleichen Kriegsmitteln, der die Disziplin im Hinterlande am längsten wahren kann. Das kann der Staat am besten, der das demokratische Gift am meisten ausgeschwitzt hat. Und das hat der Staat, der aus dem Weltmarkt mit seinem das Staatsgefüge untergrabenden Internationalem heraus ist.« I Ob Despotie und Terrordaß es auch bei bestem Willen schwer wird, einen Gedanken herauszuschälen. Aber dieses miserable Deutsch brauchte den Steguweit nicht abzuhalten, sich einmal zu dem Brief zu äußern, der jüngst hier abgedruckt wurde. Das sinnige Schreiben stammt aus den zwanziger Jahren und war an eine jüdische Dame gerichtet, der sich unser kleiner Dichter in Erinnerung brachte, indem er ewige Dankhorkcit gelobte für die Krankenpflege und Förderung, die ihm von der jüdischen Familie während des Krieges zuteil geworden war. Der Brief strotzte derart von schwulstiger, triefender Ergebenheit, daß man auch an dieser Zierde der braunen Reichskulturkammer erkennen kann, wie sehr Alljudas listige Hilfsbereitschaft selbst die Besten von heute um Erberlnnem und Rasseninstinkt brachte.»Wir brauchen Charaktere in der Partei«, sagt Göring, und der muß es wissen. Als solcher erweist sich auch der Lyriker Heinrich L e r s c h Immer mehr. Er, der einst! sang:»Es kommt dein Tag, Prolet«, sieht heute seinen Tag gekommen. In einem Feuilleton der Nazipresse schreibt er von »unsrer stolzen Rasse...« und kehrt sein völkisches Herz zu Tage; »... und stolz fühlten wir uns alle als Söhne Germamens. Bin unbändiger Zorn, ergriff mich immer, wenn ich sah, wie wir im Ruhrgebiet mit den entwurzelten Angeworbenen aus den slawischen Ländern gleichgestellt wurden.«- Einst ließ er sich gern von links fördern und erklärte sich mit seinen sozialdemokratischen ArbeitsbrUdem solidarisch, jetzt beschimpft er sie: »Freüieitlich« nannten sich auch meine sozialdemokratischen Kollegen, die mich wegen meiner Gläubigkeit verspotteten. Ich spürte instinktiv, daß diese materialistischen Kollegen mit ihren Affen theorien und Klassenkampfideen nicht siegen konnten. Ich liebte die Bauern. Denn das mit den Bauern ist jetzt drüben große Mode. Und was seine Gläubigkeit angeht, so war sie immer katholisch, er aber kehrt seinen um religiöse Gewissensfreiheit kämpfenden Glaubensgenossen den Rücken und huldigt dem»neuen Aufbruch«. An Uebung fehlt ee nicht, denn wieviel Aufbrüche hat er nicht schon besungen?»Charaktere fehlen uns«, sagt Göring. „Rrank oder verworfen*' In der Führorbibel»Mein Kampf« heißt es auf Seite 446: »Er(der Staat) muß dafür Sorge tragen, daß nur, wer gesund ist, Kinder erzeugt,— Daß es nur eine Schande gibt: bei eigener Krankheit und eigenen Mängeln, dennoch Kinder in die Welt zu setzen, doch eine höchste Ehre: darauf zu verzichten. Umgekehrt muß es als verwerflich gelten: gesunde Kinder der Nation vorzuenthalten. Wer kein Kind bekommt, muß also krank, mangelhaft oder verworfen sein. Da kann sich der Autor nun heraussuchen, was ihm Kebcr ist. Mißtrauens wählen Bei den Wahlen zu den Vertrauensräten in den Jahren 1934 und 1935 war In Teilen der Arbeiterschaft hier und dort noch die Illusion vorhanden, als könnte zwischen dem Vertrauensrat üni Dritten Reich und dem Betriebsrat von früher irgend ein Zusammenhang bestehen oder als könnte der Nazi- Vcrtrauensrat zu einer Art von Betriebsrat entwickelt werden. Heute herrscht in der deutschen Arbeiterschaft kein Zweifel mehr, daß der Vertrauensrat eine machtlose Scheinvertretung ist und bleibt, so lange nicht durch den politischen Widerstand der organisierten Arbeiterschaft der braune Terrorapparat erschüttert sein wird. Die im»Neuen Vorwärts-!: vom 2. Februar 1936 vertretene Auffassung, daß die allgemein politische Bedeutung dieser angeblichen»Betriebswahlen« für die Haltung der Belegschaften ausschlaggebend sein muß und die Befolgung von Parolen zur Aufstellung eigener»Arbeiterkandidaten« in geradezu verhängnisvoller Weise den heuchlerischen Propagandazwecken der Hitler-Diktatur zugute kommen müßte, wird von der Arbeiterschaft in Deutschland allgemein geteilt. Die an dieser Stelle dargelegten politischen Erfordernisse des antifaschistischen Kampfes werden durch eine Reihe von Einzelheiten aus der Erfahrungs- prasäs dreier Jahre Hitler-Deutschland erhärtet. Die vom L e y ausgegebene Parole zu diesen Wahlen»Fett oder Erz« kennzeichnet das Stadium der faschistischen Entwicklung, das die Taktik der kämpfenden Arbeiterklasse maßgeblich bestimmen muß. Die Auflockerung in den Massen, wie sie durch Lebensmittelnot und Teuerung, Sinken des Reallohnes und Steigen der Arbeitslosigkeit bedingt ist, stellt die revolutionäre Bewegung vor die Aufgabe, die wachsende Mißstimmung und Unzufriedenheit im Volke aufzufangen, sie in zielbewußte Tatbereitschaft umzusetzen. Es kommt hinzu, daß bei dieser»Wahl« festgestellt werden soll, inwieweit die Betriebe»für den Ernstfall« fest in der Hand der Arbeitsfront sind, ob die Arbeiter bereit sind, weiter für Kanonen und Flugzeuge zu hungern, wie weit die Gefolgschaften kriegsreif sind. Totalität gegen Totalität ermessen, daß(he Illusion von den»wirklichen Vertrauensräten« dem Faschistenhäuptling ein unverdientes Vertrauensvotum bringen müßte. Göbbels hat im Vorjahr diejenigen Wahlzettel, die nicht völlig ungültig gemacht worden waren, durchwegs als Ja- Stimmen gewertet. Der Wähler, der geglaubt hatte, im Betrieb einen einzigen sozialistisch gesinnten Kameraden gewählt zu haben, hatte in Wirklichkeit mit Ja für das faschistische Regime votiert. Bei der diesmaligen Abstimmung bedeutet jede Zustimmung zu einzelnen Kandidaten nicht weniger, als die Bejahung der Aufrüstung, der Parole Kanonen statt Fett, Bejahung des Krieges und der Not des Volkes. Für den Vertrauensrat aber bedeutet die Einschaltung der Arbeiterkandidaten eine Legitimierung durch die Arbeiter und Angestellten, während die gesamte Arbeiterschaft diese Scheinvertretung nur verachten gelernt hat. Wollen die deutschen Arbeiter für che Wiedergewinnung der ihnen geraubten demokratischen Freiheiten kämpfen, und vor allem echte Betriebsräte zurückgewinnen, dann wäre die Legalisierung der braunen Vertrauensräte durch eine gewerkschaftliche Tarnung das Gegenteil ihres sozialistischen Wollens. Es gibt»wirkliche Vertrauensräte« der deutschen Arbeiterschaft, die können heute nicht sichtbar gemacht werden, aber, sie sind, wie eine große Zahl von betrieblichen Aktionen bewiesen haben, wirksam. Die Anwendung der passiven Resistenz bei Lohnfragen und die gelegentliche Einleitung anderer den Methoden des Regimes angepaßter stummer Bewegungen in den Betrieben lassen sich nur fortführen, wenn die wahren Vertrauensleute des deutschen Proletariats von der Gefahr geschützt bleiben, als Kandidaten der faschistischen Vertrauensräte ins Rampenlicht der Bühne Arbeitsfront gezerrt zu werden. Soweit enttäuschte Nazis in den Vertrauensräten in Gegensatz zu den Unternehmern und den Treuhändern geraten, möge dieser Familienstreit dazu beitragen, den Zersetzungsprozeß des deutschen Faschismus weiter zu treiben. Es wäre indes eine Selbsttäuschung, aus solchen Vorgängen auf die Möglichkeit einer Legalität für die Betätigungsmöglichkeit sozialistischer Arbeiter schließen zu wollen, die in keiner Welse gegeben ist. Der Vorschlag, durch Fernbleiben von der Abstimmung eine Demonstration gegen die Hitlerdiktatur zu organisieren, wäre nur diskutabel, wenn die einheitliche Durchführung in ganz Deutschland gesichert wäre, was heute keineswegs der Fall ist. Unter den gegebenen Verhältnissen ist zu beobachten, daß das Abstimmungsergebnis nur nach den abgegebenen Stimmen festgestellt wird. Jede nicht abgegebene Stimme erhöht demnach den Prozentsatz der abgegebenen Ja-Stimmen. Es bleibt als wirksame und politische Protestaktion der Vorschlag, zur Abstimmung zu gehen und(he gesamte Kandidatenliste restlos zu streichen. Die auch diesmal zu erwartende Fälschung der Ergebnisse wird auf diese Weise soweit als möglich erschwert und die wirklichen Ergebnisse werden der Arbeiterschaft nicht verborgen bleiben können. Die sozialen Betriebsfragen können nur mit der politischen Gesamtentscheidung gelöst werden, sie kann nur eine totale sein. Eigene Arbeiterkandidaten und wirkliche Vertrauensräte im Paschismus gibt es nicht. Die Kandidaten der Vertrauensräte des Faschismus und des Kapitalismus sind Unternehmerknechte und damit Feinde der Arbeiterschaft. Durchstreichen heißt Mißtrauen und klassenbewußte Feindschaft gegen das Unheil des Faschismus. Die billige Ehre Es war einer der zahlreichen Tricks der N atlonal Sozialisten, als sie, um die Auseinandersetzungen von der sozialen Ebene weg- Die Antwort der Arbeiter muß darum am zuführen, mit der Phrase»Ehret die Arbelt« 3. und 4. April unmißverständlich und unversöhnlich sein. Der Totalität des Regimes kann in dieser Situation nur die totale Ablehnung der Schein-Vertrauensräte entgegengestellt werden. Die aktive Teilnahme einen wahrhaften Inflationsgebrauch trieben. Als sie dann mit dem Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit die»soziale Ehrengerichtsbarkeit« schufen, waren sie überzeugt, damit endgültig die an der Kandidatenaufstellung aber hieße mit Frage der Wahrung der Arbeiterrechte aus Ja stimmen, wo nur das vorbehaltlose Nein, das Mißtrauen der Arbeiter gegen Terror, Entrechtung und Sklaverei geboten ist. Die kommunistische Auffassung, daß die Gefolgschaften bei dieser»Wahl«»«he geringe Bewegungsfreiheit, die die Arbeiter noch haben«, ausnutzen müßten, ist einer sozialen zu einer moralischen Angelegenheit gemacht zu haben. Inzwischen hat es sich aber herumgesprochen, daß ihnen das nur in ganz mangelhafter Weise gelungen ist. Nicht nur die Zustände in den Betrieben bestätigen das, sondern auch die beinahe eine halbe Mil- irrig. Die AbsUmmung ist keine Wahl, es gibt HonKlagen. die aUein in den ersten zwei keine Wahlpropaganda, außer der amtlichen, der Wahlleiter ist der Unternehmer, er allein stellt(Se Kandidaten auf, er verfügt über alle Mittel des Terrors, nicht zuletzt Uber das der Entlassung. Die Meinung, als könnten sich die Arbeiter»im täglichen Ringen« um die Akkordsätze, um Ueberstundenzuschläge, Teuerungsausgleich, Url auba bezahl ung u. a, Vertretungen schaffen, die keine Unternehmerknechte sind«, geht am Wesen dieser»Vertrauensräte« völlig vorbei. Bisher sind alle Vertrauensräte, die es nur gewagt haben, Ar- belterlnteressen wahrzunehmen, wegen Unbot- mäßigkeit vom Treuhänder abgesetzt und gemaßregelt worden. Im Jahre 1935 wurden allerdings in einzelnen Betrieben ehemalige Sozialdemokraten und Gewerkschaftler, oft genug gegen ihren WUlen, auf die Kandidatenliste der Nazis gesetzt Diese Lockvögel, durch die die werden Jahren der Diktatur vor den Arbeitsgerichten anhängig gemacht wurden. Durch die eben jetzt veröffentlichte Ueber- sicht über die soziale Ehrengerichtsbarkeit im Jähre 1935 wird wieder der Beweis erbracht daß es sich bei dieser»Ehrengerichtsbarkeit« nur um blauen Dunst keinesfalls aber um einem wirksamen Schutz des Arbeiters handelt. Nach der Uebersicht haben sich die Treuhänder, die allesamt den Kapitalisten treu ergebene Nationalsorialisten smd, veranlaßt gesehen, in 204 Fällen die Klage vor dem Ehrengericht zu erheben. In wieviel Fällen die Treuhänder die Anträge der Arbeiter abgelehnt haben, das wird leider nicht mitgeteilt Unzweifelhaft ist aber, daß die Unternehmer mit ihren Klagen bei den Treuhändern milderes Gehör gefunden haben als die Arbeiter, denn unter den 204 Fällen befinden sich mindestens 15, in denen gegen Arbeiter verhandelt wurde wegen Gefährdung des Arbeitsfriedene durch fällten sie einen Fredspruch, einundzwanzig- mal sprachen sie einen Verweis aus, dreizehnmal eine Verwarnung. In achtundsechzig Fällen wurde(He verletzte Ehre durch Geldstrafe unter 500 Mark wieder hergesteUt; nur in acht Fällen betrug die Geldstrafe mehr als 500 Mark. Außerdem wurde e i n- m a 1 die Entfernung vom bisherigen Arbeitsplatz, und siebenmal die Aberkennung der Befähigung, Führer des Betriebes zu sein, ausgesprochen. Wenn schon nicht(He Arbeiter, so können doch die Unternehmer mit dieser sozialen Ehrengerichtsbarkeit ganz zufrieden sein. Es sind Urteile, die ihnen nicht wehe tun— selbst die Aberkennung der Betriebsführerbefähigung tastet ihre Untemehmeredgen- schaft nicht im geringsten an. Sollte die soziale Ehrengerichtsbarkeit mehr sein als nur ein" Mittel zur Irreführung der Arbeiter, dann müßte sie bei der im Dritten Reich unerhört gesteigerten Ausbeutung und bei der völligen Rechtlosigkeit der Arbeiter tägUch Hunderte von Unternehmern zur schärfsten Aburteilung bringen. Gewiß nicht nur des Essens wegen. Das andere war wichtiger: wir trugen unsere Pläne und Sorgen und Kämpfe in das stille Haus, und wir nahmen Anregungen, Ratschläge, Tröstungen mit uns. Oft auch Unterstützungen materieller Art. Wir nahmen all das, wie es gegeben wurde, unbefangen, ohne Getue, mit herzücher Freude.»Wenn's Euch mal gut geht, Kinder, könnt Ihr's ja zurückgeben.« Nun haben Sie solche Hilfe zum Glück nicht mehr nötig. Es geht Ihnen gut. Die deutschen Zeitungen schreiben, daß Sie»Seele tanzen« und»tiefe Innerlichkeit«. Ja, kürzlich verstieg sich ein Kritiker sogar zu dem Bekenntnis, er habe Blut und Boden in Ihnen entdeckt, und das ist sicher(He einträglichste Empfehlung,&e einem heute da drüben gezollt werden kann. Nur gut, daß er nicht(Ho kommunistelnde Gesinnung entdeckte, die Sie an den Tag legten, als wir einander noch kannten. Nebenbei— werden Sie sehr unangenehm berührt sein, wenn ich Sie darauf aufmerksam mache, daß unser gütiger Gastgeber von damals mit seiner Frau hungert T Sie wissen ja— er Ist Jude und man sagt, er habe als Mensch minderer Art unter Deutschen nichts mehr zu suchen. Er schrieb mir gerade gestern, er habe von Ihnen seit dem März 1933 nichts mehr gehört. Das ist verständlich. Sie müssen Seele tanzen und können sich gewiß nicht um alle Welt kümmern. Auch tut es nicht gut, der Freundschaft mit Juden berichtigt zu werden. Sogar das Grüßen soll ja verpönt sein. Aber vielleicht wollen Sie unseren Freund gamicht mehr grüßen? VieUelcht verachten Sie ihn so tief, wie die Redakteure jener Zeitschrift, an der Sie mitarbeiten und in deren Redaktion«He Karten zu Ihren Tanzabenden zu haben simd, alles Jüdische verachten? Merkwürdig— ich habe beobachtet, daß sehr viele Deutsche augenblicklich Ihre Verachtung durch Ablehnung jeder Dankes- und Rückzahlpflicht zum Ausdruck bringen. Es gibt auch andere, die sind über die Grenze gegangen, weil sie das, was jetzt in Deutschland geschieht, nicht mit ansehen und weil sie ihre Gesinnung nicht verleugnen wollen. Wieder andere wurden wie unser Kamerad Fred»wegen staatsfeindlicher Umtriebe« ins Gefängnis geworfen oder»wegen Umgangs mit Juden« um Lohn und Brot gebracht. Aber wenn man wie Sie Seele tanzt, macht einem vielleicht alles das nicht soviel aus. Nehmen Sie mir deshalb diesen Brief nicht Übel. loh habe sogar Ihren Namen verschweigen müssen, obgleich Sie ihn so gern gedruckt sehen. Ich fürchtete, dem jüdischen Freund könnte das, was er einst für uns tat, für Sie und für Fred und für mich, sehr übel genommen werden, und ich fürchtete auch, Sie selbst könnten seinen Namen— versehentlich natürlich— ausplaudern, wenn Sie danach gefragt würden. Leben Sie wohl! Aber das tun Sie ja schon. Also: leben Se weiter so wohl wie bisher und lassen Sie sich durch meine einfältigen Zeilen nicht stören. Eins noch; das Buch, das ich Ihnen borgte und das Sie immer auf Ihrem Nachttisch liegen hatten, um sich in schlaflosen Stunden daran zu begeistern, das Buch — es sind(He Briefe der Rosa Luxemburg— das Buch können Sie behalten. Ihr Frank. Stimmen der Marxisten gewonnen weruel1[ b 5a wi jj i ge Verhetzung der Ge- sollten, können ohne weiteres vom Treuhän- folgachafti wegen unzulässiger Eingriffe von Ventrauensmännern in die Betriebsführung und wegen der wieder abgesetzt und durch waschechte Nazis ersetzt werden. Die Art der Kandidatenaufstellung bringt es weiter mit rieh, daß die Nominierung der »Arbeiterkandidaten« einer Störung des Gemieinschaf tsgei- stes. In den übrigen Fällen handelt es rieh um nicht zu verantwortenden Denunziation der Klagen wegen Ausnützung der Arbeitskraft besten Kämpfer an die Gestapo gleichkäme. und Kränkung der Ehre. Die Kränkung der Ehre erfolgte fünundzwanrigmal durch Beschimpfung, einundzwanrigmal durch Mißhandlung, und neununddreißigmal lagen beide Tatbestände gleichzeitig vor. Wegen Angriffen auf(He Geachl echtsehre weiblicher Ar- Dle Aufstellung erfolgt über die NSBO oder den Betriebswart der DAF durch den Unternehmer. Jede noch so vorrichüge Fühlungnahme der sozialistischen Arbeiter mit der NBSO. d. h. mit der Betriebspolizei zum Zwecke der Namhaftmachung der Arbeiter- heiter wurde einundzwanrigmal geklagt. Die kandidaten heißt sie in einer überdies sinn- sozialen Ehrengerichte schätzen die Arbeiterlosen Weise zu opfern. j ehre recht bilUg ein: sie veranlaß ten in 34 weiter angebracht, an die Zähl- Fällen die Zurücknahme des von dem Treu- methoden des Göbbels zu erinnern, um zu, händer gestellten Klageantrages, acht Mal Brief an eine Tänzerin Ich lese, werte Kameradin von ehedem, Ihren Namen immer häufiger in den deutschen Zeitungen. Sie haben Karriere gemacht, wie wir es Ihnen damals von Herzen wünschten. Sie haben Ihre Karriere allerdings in einer anderen Welt gemacht als in jener,(He wir unsere Welt nannten. Sie haben Ihrem Bekanntwerden gelegentlich durch kleine rinnige Aufsätze in einer derb antisemitischen Zeitschrift nachgeholfen. Sie haben dort Ihre Lehrerin Mary Wigman mit bewegten Worten gepriesen, jene Mary Wigman,(He heute all denen eine lange Nase tanzt, die sie einst emportrugen. Ich weiß nicht recht, ob Sie rieh an jene sonntäglichen Stunden erinnern,(He wir gemeinsam im Hause unseres älteren Freundes verbrachten, Sie noch als junge Tanzschülerin, Fred, der Maler, und ich, der angehende Journalist. Das mag ja mm so acht Jahre her sein, und viel Blut ist seither durch's Land geflossen, da vergißt man wohl manches. Hoffentlich ist es Urnen nicht unangenehm, wenn ich Sie daran erinnere, daß unser Gastgeber von damals und seine Frau reinblütigo Juden waren. Diese sozusagen Fremdstämmigen nahmen ihre arischen Gäste, Sie und den Maler und mich, mit viel Güte auf und packten uns(He Teller ordentlich voll, obgleich sie selber nicht im Reichtum schwammen. Wir waren immer sehr ausgehungert, wir drei, und immer sehr dankbar, nicht? IlcutfTJornmtfs ®0|loWemt>fraHfcI)fB tDodjtnbkitt Herausgeber: Ernst Sattler; verantwortlicher Redakteur; Wenzel Horn; Druck:»G r a p h i a«; alle in Karlsbad. Zeitungstarif bew. m. P. D. ZI. 159.334/Vn-1933. Printed in Czechoslovakia. Der»Neue Vorwärts« kostet im Einzelverkauf innerhalb der CSR Ki 1.40(für ein Quartal bei freier Zustellung KC 18.—). Preis der Einzelnummer im Ausland KC 2.—(KC 24.— für das Quartal) oder deren Gegenwert in der Landeswährung(die Bezugspreise für das Quartal stehen in Klammern): Argentinien Pes. 0.30(3.60), Belgien Belga 0.48(5.90). Bulgarien Lew 8.—(96.—). Danzig Guld. 0.45 (5.40), Deutschland Mk. 0.25(3.—), Estland E. 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