JU'. 123. Äbcmumtirt»•gcblngnngtrt: «bonnemint»- Preis pränumerando: Vterleljährl. 3L0 Mr., monatl. 1,10 Mr., wöchenllich 28 Big. frei in« Hau«. Einzelne Nuuifli'r s Big. Sonnlag«- Runim«»Iii UluNrlcrier Sonmag«- Beilage„Tie Neue Well" 10 Pfg. Post- "ilboiinement: SLO Marl pro Quarlal. ltingelragen in der Post- Zellung»- Preislift« für 1S0U unler Nr. 7871. Unler Nreuiband für Teutschland und Lest erreich-Ungarn 2 Marl, für da« ädrige Ausland 3 Marl pro Monat. «rscheiul läglich«uQtr»»»lag«. Devlinev Volksblakk. 17. Iiilffg. Dir Anftrtions- Gebühr teirägi für die fechSgespaltens Kolon«,- «eile oder deren Raum so Big., für polilis che und gewerlschaslliche Vereins- und Versammlung«- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anfeigcn" jede« Wort S Pfg. (nur da« erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen blä s Uhr nachmittag« in derExpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen bi« 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Zernsprecher: Sink I, Nr. 1508. Telegramm-Adresse: „«»riakdeuivkrat Sertin» Centralorgan der socitttdemokratiMen Partei Deutschtands. Redaktion: SW. 19, Veulh-Strahe 2. Fernsprecher: Amt l, Nr. 1S08. Mittwoch, den 30. Mai 1900. Expedition: SW. 19, Beullz-Stratze 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 3121. Die Lage der Bäckerei-Arbeiter Berlins. Die Lohnfommission der Bäcker veröffentlicht soeben dos Ergebnis einer Statistil. die über die Arbeits-, Lohn-, Kost- und Wohiinngs- Verhältnisse der Berliner Bäckergesellen Anskunft giebt. Die Umfrage fand zu Anfang des vorigen Jahres stattundivenn sichdicLohnkoinmission der Bäcker entschlossen hat, erst jetzt das Material in einer Broschüre znsannnenhängend der Ocffentlichkcit zu unterbreiten, so geschieht es geiviff nn Hinblick auf die Lohnbewegung, die gerade eiiisetzen soll. die krassen Uebelstände zu beseitigen. Für die' Berechtigung dieses Verlangens bietet die Statistik den besten Nachweis. Es ist nicht die erste socialpolitische Arbeit dieser Art. die uns die Organisation der Bäcker liefert, schon im Jahre 1897 ist eine gleiche Arbeit unter- nonnuen, die sich besonders gegen das immer stürinischcr auftretende Verlangen der Unternehmer richtete, den zwölf stündigen Arbeitstag im Bäckercigewerbe zu beseitigen. Da mals wurde in trefflicher Weise der NachivciS geführt, dost die Bundesrats- Verordnung überhaupt noch gar nicht zur Durchs führung gekommen ist, sondern fortgesetzt umgangen wird. Und wenn von Erhebungen über die Lage der Arbeiter dieses Berufs die Rede ist, dann wird man nie die aufsehenerregende social- politische Studie unsres Parteigenossen Bebel vergessen dürfen, der mit seinem wuchtigen Material das Interesse weiter Kreise wachrief. Dem ist später die Enquete der Kommission für Arbciicrstatistik gefolgt. der dann im weiteren Verlauf die Bnndcsrats-Vcrordnung über die Arbeitszeit in Bäckereibetricben ihr Enistchcu verdankt. Diese En- qnete hätte gelvitz viel wichtiges Material herbeigeslbafft, wenn sie sich nicht mir auf die Arbeitszeit und Lehrlingsverhältuisse beschränkt hätte. Diese Lücke hat die Statistik der Gewerkschaft ausgefüllt, wobei sie allerdings mit groben Schwierigkeiten zu kämpfen hatte und ein erschöpfendes Bild nicht geben kaiiu, da ihre Anfrage vieb fach vor verschlossenen Thüren Halt machen mustte. Die Umfrage erstreckt sich auf 418 Betriebe, eS ist das die Zahl der brauckibarcn und zurückgekommenen Fragebogen von 1309 in Berlin, Rixdorf, Schöneberg und Charlottenburg auSgcsandtcn. Damit sind sofort die Schwierigkeiten, besonders das geringe Interesse der Arbeiter dieses Berufs an solchen Anfgabcn der Gewerkschaft dargelegt. Aber diese Jnteicsselosigkeit wird uns erklärlich, wenn wir die elende» Berhältniflc beriiclsiikitigen. unter denen die Arbeiter dieses VcrusS zu leiden habe». Das Material. daS hier ziisammenttetragen ist, behält auch so seine Bedeutuiig selbst wenn es nur einen Teil der Betriebe nmsastt. Auf die Frage, wo unser tägliches Brot hergerichtet wird, be sagen die Antworten, da st die Arbeitsrän.me sich bei 272 Betrieben im Keller, 141 im Parterre, 2 im Souterrain befanden. Die Räume sind meist eng. jedoch sah man davon ab, eine AnS- Messung der Rämne vorzunehmen, da die Beantlvortung dieser Frage etwas kompliziert war und ungenaue Beantwortung befürchten liest. Man beschränkte sich darauf festzustellen, ob überhaupt die Mög- lichkcit einer reinen Luftzufuhr gegeben sei. Danach crgiebt sich, dast 248 Betriebe vorhanden, nach welchen genügend frische Luft in die Räume einziehen kann, für 131 Betriebe ist diese Möglichkeit nicht gegeben. 32 Fälle sind hier angegeben, wo die Arbeitsstätten als verpestete, dunipfigc Höhlen bezeichnet werden. Diese Angaben bc- ziehen sich ausschliestlich auf Kellerbackrämne. Bei eintretendem Temperatutivechsel ivird sogar von parterre liegenden Backräumen angegeben, dast zeitweise daS Wasser die Wände herunterlaufe. WaS die Lichtzufuhr betrifft, so scheint man hierauf weniger Wert bei der Fragestellung gelegt zu haben. Man stellte aber trotz- dem fest, dast 17 Betriebe existieren, bei dcucii ein Eindringen des Tageslichts überhaupt unmöglich, sondern jeder Zeit Gas oder Petrolemnlampcn LeNvendnng finden müssen. Was für die Sauberkeit der Arbeitsstätten spricht, so sei angegeben, daß Mäuse. Schwaben, Motten, Ameisen, ja sogar Ratten in den Backräumen auftreten. Mau hat diese Frage deshalb gestellt, weil man überzeugt war. dast in Bäckereien. Ivo Ungeziefer,' luie Mäuse und Ratten vorhanden sind, es gar nicht aiiSgeschlossen sein kann, dast auch das Mehl— auch wenn es in Säcken steht— derartigen Parasiten zugänglich wird. So werden nicht nur die Säcke zernagt. sondern all� möglicher Schmutz zu Nestern zusanmiengetragen, so dast man in gefüllten Mehlsäcken, die etwas länger den Lagerraum drücken, gegebenenfalls ganze Mäuse- und Ratten ue st er findet. WaS hier als ein Mangel über die Sanhcrkeit der Backränine empfunden werden mnst. gilt in noch weit höhcrem Mäste für die Sauberkeit der Backgeräte. Nach 173 Angaben werden Semmeltücher über- h a ii p t nicht g e w a s ch e n. in 47 Betrieben Ivird eine halb- oder vierteljährliche Reinigung derselben vorgenommen, in 23 eine monat- ljche und in 7 eine wöchentliche Reinigung. In 34 Fällen wird weiter angeführt, dast die Seinniclliicher ans mangelnder Reinigung die im- angenehmsten Gerüche verbreiten, dast vielfach sogar die darauf ge'setzteWare hänge» bleibt oder voll S ch mit tz kl e b t. Zivei Betriebe gaben sogar an, dast die Semmeltücher den Küchen- läppen ähnlich sind; in einem Betrieb finden sogar als Semmeltücher die schmutzigen Handtücher der Gesellen Verwendung. Was die Bockeimer betrifft, so wird in 144 Betrieben wohl nach Gebrauch gespült, aber keine weitere gründliche Reinigung vor- genommen. In 152 Betrieben werden dieselben wöchentlich einer gründlichen Reinigung unterworfen. In 47 Betrieben werden dieselben alle 3 bis 4. 5 und 6 Wochen gründlich gereinigt. In zwei Betrieben ivird sogar der Backeimer, da vielleicht kein Waschgefäst vorhanden ist, zum Waschen der Füste verwandt. Ob die Gehilfen ciucu besonderen Raum zum Waschen hatten. ist bei der Fragestellung nicht erwähnt. In den iveitauS meisten Betrieben ist es Usus, dast die Waschgcfäste in den Backränmen Auf- siellung finde Ii, ja vielfach bieten die Schlafröume nicht einmal Raum zum Ankleiden und muffen auch hier die Lackräume in Anspruch ge- nominell werden. Es ist bezeichnend für die Zustände in den Bäckereien, dast in keinem Betrieb ein S p u ck n a p f an- getroffen wurde. Die Umfrage hat in Bezug auf die Arbeitszeit abermals festgestellt, dast die Bestimmungen der Bundcsrats-Verordniing viel- fach umgangen werden. Die Arbeitszeit beträgt in 239 Betrieben 12 Stunden, in 196 Betrieben 13 Stunden, in 34 Betrieben 14 bis 15 Stunden, in 14 Betrieben 16—17 Stunden und in 4 Betrieben 18 Stunden. Für Lehrlinge wurde in 38 Betrieben bei 53 Lehr- lingen die Arbeitszeit auf 19—12 Stunden, in 19 Betrieben bei 13 Lehrlingen auf 13—14 Stunden und in 16 Betrieben bei 23 Lehr- lingen auf 15 Stunden angegeben. Die Vorschriften über die Sonntagsruhe wurden mir in 241 Betrieben aufrecht erhalten; in 166 Betrieben wurde» sie rcgcl- mästig anster acht gelassen und in 123 Betrieben je nach Bedarf überschritten. Die Sonntagsarbeit ist mit Ausnahme von zwei Betrieben, die infolge eines Schichtwechsels eine 24— 48stündige Ruhe- pause gewähren, allgemein üblich. Die Löhne bewegen sich natürlich in sehr bescheidenen Grenzen. Für Werkmeister sind als Höchstlohn bei eigener Verpflegung 27 M. angegeben, wird Kost und Logis gewährt, ist ein Lohn von 21 bis herab auf 12 M. üblich. Bei den Gesellen schwankt er zwischen 5 bis 18 M. Der Höchstlohn wird aber nur gezahlt bei teilweise eigener Verpflegung. Sehr trübe lauten die Angaben über daS Logiswesen. Der Lage nach befinden sich 152 Schlafsiälten im Keller. 299 im Parterre, 8 in den Lagerräumen, 3 über oder neben dem Pferdestall, 1 im Holzstall. 1 in der Küche des Meisters, 9 unter dem Dach und 4 über dem Backofen. lieber die Beschaffenheit derselben giebt man 199 Schlafrämne als g»tc und geräumige, 192 Schlafrämne als misanbcre, dumpfige Räume an. lieber iiiigcm'igende Rciniguiig derselben klagt man in 89 Betrieben, 247 werden täglich einer trockenen, 36 einer feuchten Reiinginig unterworfen. Von den übrigen wird berichtet, dast in nachdem jede Woche oder alle 3—4 Wochen und in 65 überhaupt nicht gereinigt ivird. Weiter aber sind 28 Schlafräiimc genannt, je Ivelchcn abiveckisclnd in e i n e m B c t t 2 Personen schlafen. In 2 Schlafränmen schlafen abwechselnd in 2 Betten 4 Personen, in einem Schlafraum abwechselnd in 2 Betten 5 Personen. In einem Betrieb ist zeitweise für einen Gesellen kein Bett vorhanden; er schläft neben den Betten seiner �-gen auf einem von Mehlsäcken hcrgcstellicn Rnhelagcr. In 19 X.uicbeii schlafen 2 Personen gleichzeitig in einem Bett. Die gewechselte» B e t t e n lv e r d e n teilweise von Hausdienern. Konditoren, Tage- b ä ck c r n, F r ü h st ü ck s j u n g e n. ja sogar V o m D i e» st- mädchen o c c np i e r t. Betreffs dcS Wechsels der Bctüväfche lauten die Angaben, dast man sich in 33 Betrieben überhaupt eines solchen ErcigniffeS nicht criniicrt, 32 gaben den Wechsel auf ein Vierteljahr an und nun fthwnnkcn die Vlngnden bis mif 2 lnS 3 Wochen. (fiii Wechsel der Bettwäsche bei Eintritt ciiieS»eneii Gesellen soll nach 165 Angaben nicht stattgefunden babcn: nach 198 Angaben soll ein Wechsel vorgenommen worden sein, 17 Betriebe geben ihren Leuten Logis anster dem Hanse. Sitzvorrichtungen und Tische, die als das ?l l l e r n o t lv c n d i g st c angesehen werden müssen, sind in 23 3 S ch l a f r ä i! in c n nicht vorhanden(ja solche kommen nach Angabe auch nicht in den ArbeitSränmrn vor). 23 Schlafrämne haben für die von den Gesellen abgelegten Kleidungsstücke keine Spinden. Die dort beschäftigten Gehilfen hängen ihre Kleidungsstücke an die Wände oder in die Ecken der Schlafränme— notdürftig geschützt mit einem alten Tuch vor dem Mehlstanb. Dast bei solcher Niisauberkcit allcrwärtS Ungeziefer anzutreffen ist, ist selbstverständlich. Mit der stark hervortretenden Abncigimg der Bäckermeister gegen alle Üteinlichkcit steht im Einklang, wenn berichtet ivird. dast mir in 299 Betrieben pro Mann die Woche ein Handtuch geliefert wird. Nur in 78 Betrieben kommen auf den Manu zwei Handtücher und in einem Betrieb 4 Handtücher. Alle andern lasscii den Wechsel erst in längeren Zwischenräumen eintreten. Kann mau es den Arbeiter» verdenken, wenn sie anS diesem patriarchalischen Verhältnis herauskommen wollen und die Beseitigung dcS Kost- und LogiSwescns beim Meister verlangen? Noch krasser treten die ekelhaften Zustände in den Bäckereien hervor, ivcim wir aus den Eiiizelschilderunge» einige wiedergeben Wir finden da folgende Angaben: Nr. 9. Die Bäckerei befindet sich im Süden von Berlin. In dcrfelben sind 2 Gehilfen und 1 Lehrling beschäftigt. Letzterer erhält nicht nur ganz erbärmliche Kost, sondern wird täglich über die gcsctz- lich zulässige Arbeitszeit beschäftigt. Desgleichen uiust er Sonntag- vormittags bis nahezu 19 Uhr arbeiten. Tie Schlafstube. Ivclchc sich neben der Backstube befindet. ist 4 Meter lang, 2 Meter breit und 2l/e Meter hoch. In derselben schlafen 3 Personen. Dieselbe Ivird als eine Bude voll Ungeziefer geschildert. Ebenso wird von den Semmeltücher» gesagt, dast dieselben 15 Monate lang ungewaschen gebraucht würden. Nr. 14. Die Bäckerei liegt im Centrum von Berlin. Sie bc- schäftigt drei Gehilfen. Die Backränine liegen im Keller; dieselben haben' ivohl genügend Licht, doch herrscht daselbst eine verpestete. stinkende Luft. Das Wasser läuft von den Wänden bis vor die Beuten. Das Wasserbassin sitzt fingerdick voll Schmutz, und doch wird das warme Wasser ans diesem Behälter zum Backen verwandt. DaS Klosett befindet sich unmittelbar über dem Mehlboden. Das- selbe war schon vier- bis fünfmal verstopft und überscknvemmte mit der Jauche den ganzen Roggemnehlkasten. Das daselbst vorhandene Mehl ivird ruhig zum Backen verwandt. Nr. 22. Die Bäckerei liegt in einem Borort von Berlin. Sie beschäftigt 2 Gehilfen. Bon den Schlafränmen wird berichtet, dast dieselben neben dem Mehlboden liegen und allen äußeren Einflüssen. wie Regen, Schnee und dergleichen ausgesetzt sind. Bettdecken sind nicht vorhanden, man benutzt Pferdedecken zum zudecken. In einem wackeligen Bett schlafen die beiden Gehilfen zusammen. Nr. 25. Die Bäckerei befindet sich im Norden von Berlin. ES nid drei Gehilfen in derselben beschäftigt. Die Arbeitszeit derselben beträgt täglich 13 Stunden. Die Schlafräuine, welche voll von Un- gcziefer sind, liegen zwischen dem Pferde- und Holzstall. Zwei Personen schlafen abwechselnd in einem Bett. Festgestellt ist, dast die Semmeltücher überhaupt nicht gereinigt werden. Nr. 169. Die Bäckerei befindet sich im Norden von Berlin und beschäftigt drei Gehilfen. Die Backränine liegen parterre, doch kann kein Tageslicht in dieselben gelangen, da mir eine Glasscheibe in der Thüre, aber keine Fenster vorhanden sind. Die Schlafräume befinden ich direkt am Ofen, so dast es vor Hitze nicht ausznhalten ist. Die Gehilfen, welche sich«in andres Quartier suchen imisttcn. schlafen nun neben einem ausgeplatzten Klosettrohr, den ekelhafte» Gestank einatmend. In diesem neuen Schlafraum ist nicht einmal das Umkleiden möglich. Die Kost wird als sehr schlecht geschildert. Nr. 219. Die Bäckerei befindet sich im Norden von Berlin und beschäftigt 2 Gehilfen und 1 Lehrling. Die Backränine liegen im Keller und werden als dumpfig geschildert. Semmeltücher und Backeimer werden überhaupt nicht gereinigt. Die Lagerräume für Mehl und sonstige Materialien sind in einem sehr schmutzigen Zustand. Das Mehl ivird nicht gesiebt, und so kam es vor, dast der Kot der Katze im Teig zn finden war. In den Arbeits- und Schlafränmen treten als Ungeziefer Natten ans. Der Lehrling, als williges Ans- bentimgsobjekt, mnst manchmal bis zu 29 Stunden arbeite». Nr. 257. Die Bäckerei liegt in einem Vorort von Berlin. Selbige beschäftigt einen Gehilfen. Die regelmäßige Arbeitszeit beträgt 17 bis 18 Stunden. Sonntags ivird bis 12 Uhr des Mittags ge- arbeitet. Die Schlafstube befindet sich neben der Backstube. ES wird weder gereinigt, noch werden Betten gemacht. Des Nachts schlafen zwei Frühstiicksjungeii in dem vom Gesellen verlassenen Bett. Nr. 322. Die Bäckerei befindet sich im Westen von Berlin und beschäftigt 2 Gehilfen und 2 Lehrlinge. Die Maximal-Arbcitszeit wird täglich überschritten. Ebenso werden niemals �die gesetzlichen Bestimmungen für die Lehrlinge eingehalten. Die Schlafstube be- findet sich neben dem Pferdestall und der Dunggrnbe. lieber der- selben befindet sich ein Tanbenverschlag, der das ganze Ungeziefer in der Schlasstiibe abladet. Gereinigt ivird der Schlafraum nie. Die Spinden der Gesellen sind aus Eicrlistcn zusammengebaut. Die Kost wird als schlechte bezeichnet. Gegenüber einem solchen Anklagematcrial hätte die Gesctzgebnng und BcrivaltnngSbchörde schon längst im Interesse der Konsnnienten und der Arbeiter eingreifen müssen. Denn nickst nur mnst jedem ein Gefühl des Ekels überkommen, wenn er hört, wie Heiitc eines nnsrer wichtigsten Nahrungsmittel hergestellt wird, sondern auch die Gefahr ivird uns gegenwärtig sein, ivie bei solchen Schmntzcreien die gefährlichsten Krankheiten verbreitet werden können. Man ist im Reichstag damit beschäftigt, ein Reichs-Senchengesetz auszuarbeiten. Die Aufgaben, die dieses Gcsctz erfüllen soll, sind mir halbe, wenn nickst weiter gegangen wird und alle Betriebe der Nahrungsmittel- Industrie einer peinlickicii Uebcrwachnng und strenger Vorsckriften in Bezug auf Sauberkeit nntcrworfcn werden. Auch daS Fleischbefchan-Geietz. soweit es Veterinäre Vorschriften eist- hält, genügt nicht, es ist vielmehr die Kontrolle der iveiterc» Verarbeitung des Fleisches dringend notwendig, denn im Fleischer» gcivcrbc liegen die Dinge nichi viel anders als in der Bäckerei. Die Ocffcntlichkeit vermag nicht das Gewissen jener liederlichen Fabrikanten zu schärfen, das bestätigt die Statistik, die Hebel sind ditscll'i'» flcliiiclicn trotz ollcr Kritik. Dkinsirgriiiiber gicbt es ilur ein Mittet: entweder die Gesetzgebung erfüllt ihre Pflicht oder die Arbeiter greisen zur Selbsthilfe. Das letztere wird in nächster Zeit geschehen, daß die Lohnbewegung nicht imberechtigt ist, beweisen zur Genüge die grauenhaften Zustände in den Bäckereien. Z�ollikiflchv Ltvbevjtrizi» Berlin, den 29. Mai. Anschlag auf das Neichswahlrecht. Im Bundesrat soll, so geht das Gerücht, die Ge- Währung von Diäten an die Neichstagsabgeordnetcn ernstlich erwogen werden. Die zahlreich widerholten und fast von allen Parteien einmütig gesastten Beschlüsse des Reichs-. tags haben sicherlich— wenn jenes Gerücht überhaupt richtiges mitteilt— weniger zu diesen Erwägungen beigetragen als die Unannehmlichkeiten, die der Regierung selbst aus dem mangel- hasten Besuch des Reichstags seitens der rcgieruugsfrommell Parteien erwachsen sind. Die Regierung soll nun die Gewährung von Tagegeldern an die Bedingung knüpfen wollen, daß die Wahlen für den Reichstag nach Schluß der Legislatiirpernode sowie nach erfolgter Auflösung bereits binnen 44 Tagen stattfinden müssen. Es soll nicht ausgeschlossen sein, daß dem Reichstag im nächsten Winter eine entsprechende Borlage zugehen wird. Zur Durchführung dieses mutmaßlichen Rcgierungs- plans würde eine Bersassungsänderung nicht nötig sein. Die Verfassung fordert nur, daß die Neuivahlen bimieii 60 Tagen nach Auflösung des Reichstags stattfinden müsseil. Eine frühere Anberaumung der Wahlen schließt die Ber- fassnng in keinem Fall aus. Nur die Bestimmungen des Wahlgesetzes von 1869 über Aiisstellmig und Auslegung der Wählerlisten hindern bisher die Ansctzung ciues sehr kurz- fristigen Wahlternnns. Nun ein Teil der führenden Parteihlätter spricht sich bereits zu diesen angeblichen Regiernngsabsichtcn aus. Die „Deutsche Tageszeitung", die stets für Gewährung von Diäten eingetreten ist, will sich mit der Forderung von Gegenleistungen nicht befrenuden. Der„Reichsbote" trifft aber die Anschauung der Mehrheit der konservativen Parteien, wenn er erklärt:„Wir glauben nicht, daß eine solche Ber» kürzung der Agitationsfrist den rechtsstehenden Parteien als ein genügendes Aequivalent für das Aufgeben der Diätenlosigkeit erscheinen wird..." Nur die„ N a ti o n a l» Zeitung" ist inbrünstig einverstanden mit der„Abkürzung der Agitationsfrist" und bekundet ihren Liberalismus durch wahrhaft skandalöse Auslassungen über die Bedeutung der Wahlagitation: „Es ist uns bekannt, daß schon früher die lange Dauer, welche die Wahlagitationen im Reiche regelmüßig annehmen, innerhalb der Regierung als ein Uebcl aiigejehen und erörtert worden ist, und auch wir halten sie für ein solches. Wenn in England oder in Italien eine Anstösung erfolgt, so köuiien die Neuivahlen binnen acht oder zehn Tagen statifinden, und selten vergeht ein erheblich längerer Zeitraum. Bei uns geht es imter fünf bis sechs Wochen Wahlagitation nicht ab. Die letzte Anflöiiiiig des Reichstags beispielSiveise, die von 1893, erfolgte am 6. Mai, die Nenwahl am 15. Jum. Die nächste Folge ist, daß in der überlangen Wahlagitation der Grund der Anflösuiig sehr bald zurück-, ganz andre Streitpunkte immer mehr in den Vordergrund ireten. Käme es jetzt, wa» thatsächlich ausgeschlosseil ist, zu einer Auflösung wegen der Nottcnvorlage, so würde von dieser in der Wahlbewegung einige Tage, dann aber wochenlang von Getreide Zöllen und Fleischeiufuhrverboteu, vielleicht auch von Warenhaus steuern und dem Konitzer Mord die Rede sein. Was aber noch schlimmer ist— denn es ist natürlich, dav bei Neuwahlen die gesamte politische Lagern Betracht gezogen werden inufe— das ist d i« endlose Berhetzung, welche durch eine fünf- bis sechs wöchen tlicheWahlagitation bewirkt wird, das immer stärkere Zurücktreten der Hauptgcsichtspuukte, die Anzettelung unnatürlicher Wahlbündnisse, kurz die Ersetzung der ursprünglichen Volksauffassung durch die Wirkungen der Drahtzieherei. Eine Verkürzung der Agitatiousdauer würde uns durchaus nützlich und eine vierzeh ntügige Frist vollkommen aus reichend erscheinen.... Der Glaube au die �Notwendigkeit langer Fristen entsprang. als mau das Wahlgesetz machte, ans den Anschauungen einer harmloseren Zeit; das Partciivescn in seinen b c d e u k l i ch e n, agitatorischen Zügen>var weniger entwickelt, so daß man längerer äußerer Vorbereitungen zu bedürfen meinte, als jetzt thatsnchlich fiir irgend rsne Partei er- forderlich sind; und andrerseits hatte man noch nicht die Ersah ruugen der letzten Jahrzehnte ü b e r d i e A u s a r t u n g e n de Wahlagitatio n." Die„National- Zeitung" führt die Sprache der bösesten Feinde des allgemeinen Wahlrechts. Sie redet unbedenklich einer Einschränkung der Wahlagitation das Wort, die einer schweren Beeinträchtigung des Wahlrecht gleichkommt. Tie Möglichkeit einer sachgemäßen Wahl vor bereitung bildet ein notwendiges Zubehör zum Wahl recht. Wenn die Regierung nach jener Aenderung des Wahl gesetzes begehrt, so thnt sie das nicht aus harmlosen Beweg gründen. Die Wähler sollen der reaktionären Heber rump elung ausgeliefert werden. Sie sollen vor einer ausgiebigen, gründlichen Erörterung aller zu einer gewissen Zeit politisch bedcutsanicn Angelegen heitcn„geschützt" werden wie Bismarck sie vor Wahl beeinflussungen schützen wollte, indem er ihnen den Polizisten an die Seite gab. In Hurrastimmungen sollen die Wähler an die Wahlurne geschleppt werden. Der Reichstag darf nicht eine Grundbedingung der freien Wahlrechtsausübung zerstören lassen, um die Gewährung der Diäten, die Erfüllung einer selbstverständlichen Pflicht von der Regierung einzuhandeln.—_ Zur Reinigung der Krankenkassen. Weil wir gestern die offiziösen Fühler für die Neuorganisation der Krankenkassen festgenagelt haben, erklärt heut Herr Schiveiuburg daß„Einrichtungen, welche der Eintracht und dem Frieden unter Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu dienen bcstiunut sind," eben nicht zu Instrumenten des Klassenkanipfs erniedrigt ivcrdc» dürfen. Er erkennt wiederum, daß es eben nicht da Ziel sachlicher und unparteiischer Geschäftsführung ist, welches die Socialdemokratie auf dem Gebiete des Krankeukassen- wcsens verfolgt, sondern daß sie auf Kosten der Sachlichkeit die Krankenkassen zu Filialen der socialdemokratische» Organisationen umzuwandeln trachtet." Den Beweis für diese leichtfertige Behauptung, daß die Social dcniokratie die Krankenkassen zu Instrumenten des Klassenkanipfs zu machen bestrebt ist, bleibt Schiveiuburg ebenso gemiitsruhig schuldig, wie den Beweis dafür, daß bisher die Arbeiter bei Vcrlvaltung der Krankenkassen unsachlich verfahren wären und das Interesse der Vcr sicherten irgendwie geschädigt hätten. Bemerkenswert ist übrigens, daß er heut nicht mehr die Bc Häuptling wagt, daß die Verivaltungskosten der Ortskassen zu hoch seien. Wir haben bekanntlich nachgewiesen, daß alle andern Ver- sicherungszwcige und die meisten Krankenkassenarteu viel höhere Vcr- waltungSkostcu haben wie die OrtSkasscu.— Deutsches Weich. Herr Rören führt den Kainpf gegen die erschreckliche lku- sittlichkeit nicht nur als Gesetzgeber, sondern auch vermittels Denunziationen beim StaatSanivalt. Aus Hagen wird gemeldet: Vor der hiesigen Strafkaminer kam am Sounabeud eine au die Kämpfe um die lex Heinze eriiuienide Aiigelegeubeit zur Verhandlung. Wegen Verbreitung unzüchtiger Bilder hatten sich' die hiesigen Buchdruckereibesitzcr Friclinghaus und Möbius zu verantworten. Die Angeklagten hatten von einer Koburgcr Firma Postkarte» bezogen und sie nach auswärts angebölen und verschickt. Auf den Karten befanden sich die Bilder „ S k l a v e n m a r k t im Orient" und„Jupiter u 11 d A n t i o p e" Ein Wirt in Kol n zeigte die Karten in e h r e r c» Juristen, die erklärten, daß es sich um Reproduktionen bc- kannter Kunstwerke handele. Als aber die Karten dem Reichs- tagS- Abgeordneten Äaudgerichtsrat Rören vorgelegt wurden, vcranlastte dieser Strafverfolgung. In der. Sitzung am Sonnabend wurde festgestellt, daß der Äoburger Firma der Verkauf der Karten gestattet sei, da sie bekannten Kunstwerken nachgebildet seien. Das Gericht erkannte darum auf F r e i s p r e ch u n g." Herrn Röreus Beklciduugsfanatismus hat bei seinen Amts- kollegcn ebenso wenig Erfolg als im Reichstag.— Der Offiziervcrein im Zeitalter der ler Heinze. Welche sonderbaren Vergünstigungen der große Konsumverein für Offiziere seinen Mitgliedern gcivährt, das lehrt ein Fund, der unsrem Kieler Parteiorgan in die Hände gefallen ist. Auf' der Rückseite eines an eine Gummiwarenfabrik adressierten Postaniveisungsformnlarcs ist folgendes zu lesen: Bitte für diese 11,60 M. wieder um Znsendung von 21 Stück uahtlofcn Präservativs a 0,50 M. Ich bin Mitglied deS Offiziervereins. 24 Stück.......— 12 M.— Pf. Porto——„_ 20„ 12 M. 20 P f. 5 Proz. Offiziervercin_—„ 60„ 11 M. 60 Pst Ich bitte mit der Sendung um Quittung. Achtungsvoll Korvetten-Kapitän. DaS Kieler Blatt hat dem Verlierer die Postanweisung wieder zugestellt. § 184 dcS Strafgesetzbuchs lautet in seiner neuen Fassung im dritten Absatz: Mit Gefängnis bis zu einem Jahre und mit Geldstrafe bis zu eintausend Mark oder mit einer dieser Strafen wird bestraft, wer Gegenstände, die zu unzüchtigem Gebrauch bestimmt' sind, an Orten, welche dem Publikum zugänglich sind, ausstellt oder solche Gegenstände dem Publikum ankündigt oder anpreist. Wenn man derlei Artikel in einem Blatte anzeigt, so ist das strafbar. Wenn man aber Mitglied des Ossiziervercins ist, so erhält man bei solchen Waren 5 Proz. Rabatt. Es möchte spitzfindige Leute geben, die in dieser Rabattleistung, die der Offiziervercin venuittelt, einen größeren Anreiz zur Benutzung von Gegenständen zu unzüchtigem Gebrauch sehen als in allen Anpreisungen durch die Presse und Schaustellungen an öffentlichen Orten. Trotz- dein ist der Offizierverein keiner strafbaren Handlung schuldig, selbst der ckolus eventualis wäre nur mit Schwicrigkelteu ' anzuziehen, denn der Verein ist ja nicht verantwortlich für die Be- dürstiisse seiner Mitglieder und für die unzüchtigen Artikel seiner Rabatt gewährenden Lieferanten. In der Komödie der modernen SittlichkeitShenchekei darf der brave Korvettenkapitän, der als Mitglied des Offiziervercius Gegen- stände zum nnzüchtigeli Gebrauch um füns Prozent billiger erhält als Civilpcrsoilen, einen ehrenvollen Platz beanspruchen. Wasserstraße» und Eisenbahnen. Dafür, daß Eiscilbahnen und Wasserstraßen ciuauder nicht aufschließen und bekämpfen sollen, sondern daß sie zu beiderseitigem Nutzen zusammeu wirken könncii liringt das„Centralblatt der Bauuerivaltung" intcr- csiaiite Mitteilungen. In einem Aufsatz über die„Zunahme der deutschen Bilmeiischiffahrt" wird der Güterverkehr aus deutscheu Bimicuivasserstraßcii auf 2,9 Milliarden Toiuieukilometer im Jahre 1875 angegeben gegen 7,5 Milliarden 1895 und 10.7 Milliarden 1898. Da- gegen betrug der Eisenbahii-Güterverkehr DeutschlaiidZ im Jahre 1875 10,9 Milliarden Toiiueukiloineter gegen 26,5 Milliarden 1895 und 32,6 Milliarden 1898. Danach bezifferte sich die Steigerung des Güterverkehrs aus den Wasserstraßen in den 20 Jahren von 1875 bis 1895 bei fast gleichgebliebener Länge(ri»id 10000 Kilometer) auf 159 Proz., diejenige auf den Eisenbahnen trotz deren starker Vermehrung(1875 26 500 Kilometer Eiselibahnlänge gegen 44 800 Kiloiiicter im Jahre 1395) nur ans 143 Proz. Auch die Verkehrs- steigeruug von 1895 bis 1898 fällt zu Gunsten der Wasierstrnßen aus. Denn während, ohne uemieuswerte Aeiideruug in der Länge, der Verkehr der Wasserstraßen in diesen 3 Jahren um 43 Proz. stieg, nahni derjenige der Eiseubahlicu rrotz Vergrößerung des Netzes derselben auf 47 700 Kilometer nur um 23 Proz. zu. Jiiteresiaut ist auch, wie stch bei gleichgebliebener Länge der Waffcrstraßcii und rapider Ausgestaltung des Eisciibahiiiietzes die Anteilnahu, e der beiden Verkehrswege au der gesaniten Güterbeweguiig(ohne Landstraßen) in umgekehrtein Maße wie erwartet versckioben hat. Es betrug der Anteil au der gesamten Güterbeweguiig Teutschlands der Eisenbahucn 1875 79 Proz. 1895 78., 1898 75„ Allerdings sind bei obigen Vergleichen nur die Vollbahuen im inue der amtlichen Statistik berücksichtigt. Schmalspurbahneu und Kleinbahnen sind nicht in Betracht gezogen.— Ein agrarisches Urteil über die Industrie, wie es bor- n i c r t e r und g r o l c s k e r, aber auch ehrlicher, iveiiigstenS in unserin. bnndesrärlich herbeibefohkeneu Jahrhundert, wohl noch nicht gefällt wordcii iciu dürfte, hat unlängst in einem Weimarer konservative» Blättcheir das Licht der Well erbkickr. Wir lesen daselbst: „Ter Callmaimsche KoilkurS mit dein Selbstmorde der Gebrüder ist eine göttliche Mahnung an Weimar! Zugleich Belveis, wie jeder ehrliche Weimaraner seinen LandeSfürsten höchachtcn sollte als F ü r st und M e u s ch! Wie lange hat sich Seine k ö n i g l. H o h e i t g e st r ä u b t, l ii seiner Hauptstadt I u d u st r i e n e» t st e h e n zu las s e n? War ihm nicht deshalb Apolda ein Dorn im Auge?... D i c F a b r i t a n l a g c ii h a b c n die Gebrüder Call- m a ii n u ii d alle die, die Verluste h a b e u, a u f d e iir Gewissen!... So war Apolda mit Recht ein Dorn im Auge unsres ehren- werten Laudesfürsten, lind Gotr hat es gefügt, daß dies nilii auch der beschränkteste Kopf cinseheu lernt! Möge also Weimar seinen Laiidesfürstcn chreu und folgen, keine I u d» st r i e- A n l a g e u in Weimar wieder ordern! Wollen andre Städte dies thnn, und dem Beispiel Apoldas folgen, möge» sie es thnn! Au England scheu wir, wie dieser gerühmte reiche Industriestaat Meuschen-Tierblut. und inigchciire Geldverluste, Verachtung von jedem edleren Menschen aus dem Gewissen bat. in Traiisvaal und der Wasserstraßen. 21 Proz. 22 25" Ich habe eben zufällig die Kritik über Ihren neuen Roman „Allfcrstehung" gelesen. Leider habe ich nicht die Möglichkeit, das Buch selbst zu kaufen, iveil wir, die verwundeten Wölfe, meist um ein sehr jämmerliches Gehalt bekommen. Und da habe ich. ein KriegSinvalidc, eine Bitte an Sie zu richten, edler Gras,� eine Bitte. die aus meiner tiefsten Uebcrzeuguug, aus dem JiniersteN meiner Seele kommt: Schreiben Sie, Graf, ein gutes« gefühlvolles Werk gegen den Krieg. Sein Inhalt müßte sein:„Krieg gegen Krieg". Ich habe zivei Feldzüge mit der preußischen Armee uiitgeinacht(1866—1870) und hasse den Krieg von ganzem Herzen, iveil er mich schrecklich unglücklich gemacht hat. Wir Kriegsinvaliden erhalten meist eine so kümmerliche Pension, daß man sich»virklich schämeii muß, daß>vir ehemals Patrioten waren. Ick, bekonime z. B. 80 Pf. täglich für meinen beim Sturm von St. Privat am 18. August 1870 zivelinal durchschossenen rechten Arm. Mancher Jagdhund bedarf mehr für seine Existenz. Schon im Jahre 1866 habe ich au dem Kriege gegen Oestreich teilgenommen, kämpste bei Tranteuall und Köuiggrätz und habe in Fülle furchtbare Greuel ge- sehen. Im Jahre 1870 wurde ich als Reservist wieder unter die Waffen gerufen und bei St. Privat verwundet... Ich verlor eine gute Stellung(als Brauer)... Der Rausch ist schnell verflogen und dem Kricgeriilvalidcu blieb nichts übrig als sich von Bctt'elpfcniiigcu zu nähren. Vier Jahre später entschloß sich die von mir zärtlich geliebte Frau, in den Tod zu gehen, iv e i l s i e fürchtete, daß sie in ihren alten Jahren i ns.H ei m für alte Frauen" g e st e ck t w e r d e. Seitdem habe ich angefangen, öfters im Stillen über die llnglückseligkeit des menschlichen Daseins nachzudenken... Nur das Beivnßtscin. daß ich ein sittlich unbefleckter Mann bin, der immer das Gute wollte, hat mich von eben demselben Schicksal zurück- gehalten. In der Welt, wo die Menschen wie dressierte Tiere herumlaufen lind zu keinem andern Gedanken fähig sind, als wie cinander zu überlisten des MamonS wegen, in einer solchen Welt möge man mich für einen Sonderling halten, ich fühle aber doch in mir den gött- lichen Gedanke» voiii Frieden, der so trefflich in der Bergpredigt ausgedrückt ist. Daher, edler Graf, bitte ich Sie. ein gutes Werk gegen den Krieg zu scbieiben. Nach meiner tiefsten Ueberzeugung ist' der Krieg ii»r ein Handel in größerem Maßstabe, ein Handel ehrgeiziger und mächtiger Leute mit dem Wohle der Völker. lind was für Slbauerliebkeiten erlebt inan nicht dabei. Niemals iverde ich sie vergessen, dies furchtbare Stöhnen, das bis ins Mark der Knochen hnicindriilgt... Hochverehrter Herr Graf, für wirklich edle Menschen, die vom Geiste des wahren Christentums durchdrungen sind, giebt es keine Feinde. Ich eriiiiiere mich sehr gut, wie friedlich wir im Jahre 1866 aus dem Kampfplätze bei Köuiggrätz unser kärgliches Essen mit den gefangenen Ocstreichern geteilt haben... Leben Sie ivohl. edler Graf. Möge Gott Ihnen noch ein lange? Leben schenkeli iiild Sie erhalten und beschützeil zum Wohle derannen, leidenden Menschheit: dies wünscht Jhncii von ganzer Seele Ihr Sic ivahrhaft liebender Johan» Kleinoppcn, Kriegsinvalide. Luskand. Das Indien! Das i st die gepriesene Industrie- ch iv ä r m e r e i von R e g i e r n» g c n, Parlamenten, Z e i tu n g s s chr eib e r n ec.! Bor a!!s»i F r e i s i» n l e r und o e i al d em o kr a ten! Danken wir Gatt, daß das weimarische Fürstenhaus eine Ausnahme machte und mir mit schwerem Herzen der Sliimiiemiiehrheit endlich nachgeben iniißte! Jetzt hat Gott gerichtet! Wird vielleicht noch weiter richten." Die krippenrejterliche Ucberhebung, die der kürzlich von»nS ans Tageslicht gezogene Artikel des„Dentschc» Adelsblatts" gegen die marchands" atmete, ist zwar Geist von dein»äinlichen Iliigeistc, der uns aus dem Weimarer Jntelligciizblältchcn so befremdend anweht. allein gegen diese Geisterstimme aus dein Läudchen uiisrer Dichterfürsten nimmt sie sich dach ans. ivie Auerlicht neben einer Oclfnnzel von ältester Konstruktion. Und doch giebt es so inailcheii Kähne bewilligenden Jiuiker, der accurat so deiilen mag. ivie dieser lallciidc Arnic an Geist.— Aus dem Lande der strammsten Gottesfurcht und frömmsten Sitte, ans Oberschlcsicn, sei hier der folgende bezeichnciide Vorfall mitgeteilt: Jni Dezember v.J. wurde in Laurahätte das Kind einer blutarmen Witwe begraben. Das Kind erhielt nicht eiiiiiial ein bc- 'anderes Grab, sondern kam in ein offenes Grab(!). in dem sich bereits eine andre Kindeskeiche befand(!). Dach diese Schändinig der Armut genügte dem Totengräber Gaivel ans Lanrnhütte nicht. Kaum hatte er de» Sarg ins Grab gesenkt, da fragte er die nil- glückliche am Grabe stehende Mutter, ivcr das Begräbnis bezahlen werde. Als die Frau sagte, daß sie das nicht könne, Iveil sie voll- tändig mittellos sei. sprang der fromme Totengräber ins Grab, nahm den Sarg de? Kindes heraus und rief:„Sa lange nicht bc- zahlt Ivitd, ivird das Kind nicht begraben!" Und der brave Christ aus Lanrahürte ließ in der That den Sarg des junge» Proletariers c h r e r e Tage und Nächte n n b e g r a b e n auf d e in K i r ch- Hof stehen. Wegen Grabschändung bekam er für seine Nichts- Würdigkeit sechs Monate Gefängnis. Zur RcichstagS-Ersatztvahl in Miilhauscn wird uns gc- chrieben: Die Wahl findet nach einer Bekaiiiilinachinig der amtlichen Straßburger Korrespondenz" am 5. Juli statt, ivahrend mit dem Auslegen der Wählerlisten am 5. Juni zu beginnen ist. Der bis- herige Verlaus der Wahlvorbercilniigen läßt es kaum noch als ivah'rscheinlich erscheinen, daß der von der ordiiungspartcilichcn Presse des Reichslands befürwortete Znsamnienschlnß aller nichtsocialiftischen Parteien zu stände koiiimeii wird. Dafür sargt in erster Linie der Gegensatz, der, wie tailin in einer andern Stadt Elsaß- Lothringens, heute noch in Mülhausen zwischen Eingeborciien und Eiiigewanderten Vorhände» ist. Die Gonvernenientalen sind bereits mit der Sonderkandidatur des Professors Fabcr hervorgetreten, dessen Ullterslütznng durch die elsässisch-klerikale LandeSpartei ausgeschlossen erscheint. Die letztere verfügte am 16. Jnin 1893 über 8052 Slinimcn, während die Gonvernemen'talcn es nur auf deren 1761 brachten. Wenn nicht besondre Umstände eintreteii. wird sich also der Ans- marsch der Parteien am 5. Juli in derselben Weise vollziehen, wie dies bei der Hanptwahl vor zwei Jahren der Fall war. Damals siegte der socialistische Kandidat Bneb im ersten Wahlgang mit 13 610 über insgesamt 9813 gegnerischen Stimmen, hatte also reichlich 1900 Stimmen über das absolute Mehr. Unsre Mülhanser Partei- genossen sind seit Wochen für ihren Kandidaten Leopold E m m e l eifrig an der Arbeit, so daß die Hoffnung berechtigt ist, der Mül- hauser Wahlausfall werde sich dem Sieg von Nürnberg würdig anreihen.—_ Ei» deutscher KriegSinvalidc über de» Krieg. Graf Leo Tolstoj veröffentlicht in der Moskauer Zeitung.Courier" den Brief eines deutschen Kriegsinvaliden, der das ganze Elend eines zerrütteten Menschendaseins und grenzenlose Enipörung über jene legitime Massenschlächterci atmet, die noch immer berühmte Feld- Herrn und selbst christliche Theologen als kulturelles Regenerations- mittel zu feiern wagen. Ter Brief lautet in seinen markantesten Stellen wie folgt: Hochgeehrter Herr Graf! antitemitische Wien. —st.— Wien, 25. Mai. Tie Wahlen aus dem zweiten Wahlkörpcr haben der Lncgerei cincii vollen Sieg gebracht: er ist noch größer ausgefallen, als ihn die Antiseniitell selbst in ihren kühilsten Träumen erwartet haben dürften. Von den 20 Stadtbezirken haben iieuiizehu antiseuiitisch gewählt, von den 46 Mandaten sind von den Ehristlich-Socialeii 42 erbeutet worden. Nur ein einziger Bezirk hat der christlich- socialen Hochflut widerstanden: die Leopoldstadt, wo die jüdische Wählerschaft ivohl die Hälfte der Wahlberechtigten auSmachcii dürfte. Selbst die Innere v-tadt. der alte Kein des städtischen GemeniwesenS. ist in die Hände der Christlich- Socialen gefallen: hier, wo einst das Centruin dcS östreichischenLiberalisninswar, ist diesmal ein katholischer Geistlicher, also ein niiverfälschtcr Klerikaler, gewählt worden. Zum größten Teile beruht der Bonibeiicrfolg der Antisemiten auf dem neuen Statut, das von raffinierter Walflgeometrie geradezu durchsetzt ist,»nd auf den zum H.minel schreienden Wahlmißbräuchen, die der städtische Magistrat, der in Wien dem Bürgenneister untersteht, mit eiiicr Dreistigkeit betreibt, als läge Wien irgendwo in Halbasien. In Wien bedarf es zur Ausübung der Wahl einer behördlich ausgestellten Legitimation. Das Bestreben der Antisemiten zielt nun darauf hin, so viel als möglich nnbestcllle Lcgitiliiatioiicn in die Hand zu bc- konuilcii, die dann von Wachniännern zur Abgabe von Stiniiiizeltcln ausgenützt werden, welchem Schwindel die ausschließlich ans Anti- sciiiiten znsamüieiigesetztenWahIkolnniissioilen verständnisvoll entgegen- kommen. Dainil»un eine recht stattliche Zahl solcher filiglerte» Wähler. die nicht in der Wirklichkeit, sondern nur in den Wählerlisten existieren, zu stände koinnic, begehen die Aiitisemiteii eine Reihe gröblichster Betrügereien. So sind in der Jiiiiercn Stadt ein paar hundert K l o st c rg ei st l i ch c— diese besitzen das qualifizicite Wahlrecht zniir zweiten Wahlkörper— in die Liste eingetragen worden, die ihr Lebenlang nicht in Wien gewohnt habe»,»ich: eimiial vstreichische � taalsbürger sind. Ganze Orden inarschicren da aus. Dann steckt die Wählerliste voll„toter Seelen", das heißt: längst verstorbene Wähler werden einfach zu Ziveckcn der LegitiniatioiiSanhäusiing weitergeführt. Aber das höchste, ganz originelle ist die Eintragung von Namen, deren Träger»ieinalS existiert habe», die rein erfunden worden find,— alles' ans der bewußten Absicht, mit falschen Legitimationen f a l s ch e A b st i»i m n n g e n zu voll- ziehen. lind solche Schamlosigkeiten werden in Wien verübt, gleich- sani unter den Augen der Regicrung! Auch an diesen Dingen sieht man den geistigen und kulturellen Ztiedergang des Staat?, die völlige Vcrschüttliiig des öffentlichen RechtsgefühlS. Die Hauptstadt des Reichs ivird heute von einer Bande Betrüger und Schwindler ver- ivaltet: das sagt über Oestreich genug! Es ist also nicht der zahlenmäßige Erfolg der Christlich-Socialen, der zu einer Betrachtiing reizt. Sondern das Merkwürdige, in gewisser Beziehmig Kiilturgcschichtlichc ist der Rückgang der gegen die Lncgerei abgegebenen Stimmen. Denn der erst zeigt an, daß das Wiener Bürgertum die Kraft verloren hat, sich gegen die korrumpierenden Wirkungen der christlich- socialen Demagogie überhaupt»och zur' Wehr zu setzen. Mit Ausnahme gewisser selbständiger Schichten, insbesondere der Lehrerschaft, verfällt die Wiener Bourgeoisie immer inehr dem neuen K l e r i k a I i S ni n S, als den sich das christlich- sociale Schlagwort innner deutlicher cutpuppt. Dieses Wiener Christentuin ist freilich eine ganz besondere Spielart. Das ist nicht mehr der alte, äußere KlerikalisuinS, der prineipicilfeste und unversöhnliche Katholizismus. Das ist ein Christentum, fiir die aniüscinentSlüstenien Herren einer großstädtischen Bevölkerung präpariert, ein Christclitnm. als wienerische Hetz gegeben, als eine Unterhaltung wie der Wurstel- pratcr, wo inan ja auch seit Gedenken den„Inden" totschlägt. Herr Lueger ist alles andre denn ein fürchterlicher Mensch, er hat nickits von' einem Alba an sich, sondern ist mcbr ein wienerischer Komödiant, eine politische Eocotte, dem Männer und Weiber nachlaufen, weil er gar so lustig und gar so schön ist. Wenn die Inden keinen grimmigeren Feind hätten, als diesen politischen Frcgoli, so könnten sie ruhig sein. Aber die ans der Geschichte überlieferte Abneigung gegen die In den, die hat Herr Lueger sehr zu beleben verstanden, und sie in polt- tisches Kapital anSgeniünzt zu haben, ist das Geheimnis seiner großen Erfolge. Er hat die Wahlen— nicht bloß kommunale, sondern auf allgemein politische— zu der Frage umgewandelt, ob man die Juden lieben kann oder nicht lieben soll. Daß diese kultnr- historische Albernheit zu einer Frage werden konnte, übet die die gesamte Bevölkerung einer Millionenstadt erbitterte Kämpfe fülirt: das ist in der geistigen Verfasstliig jenes„Wieiicitnms" begründet, das neben wenigen Lichtseiten so viel trübe Schatten enthält. Tie guten Wiener waren iiiimer ein recht oberflächliches, unsachliches, ilnerilstes � c e e.:.. rc.:,. /T!.'i,„ s"___' Hi. i it fiov rtTYlJfi ,,',X Ich hoffe.' Graf, daß Sie einem einfachen Mann aus dem Volk Völklciu. Ein„Espas", eine„Hetz" geht ihnen über alles und gestatten werden, zu Ihnen mit vollem Anpcrtranen sich zu wenden., Späße zu machen, Hetzen zu arrangieren, das versieht Herr Lueger vortrefflich. In der berühmten..Kaiserstadt" waren Ernst. Gcwissen- baftiqkcit, Gründlichkeit immer mir importierte Dinge; wienerisch ist d,c Lnst am Klatsch, der bcdientenhafte Servilismus, der falsche �okalpatnotiSmus. Herr Lueqer mm ist der kongeniale Ausdruck Meies WienertuMS; er drückt die geistige Verfassung dieser Stadt o-zne Rest ans. Wenn also Wien antisemitisch wird, sä bleibt es sich treu; es ist nur die uene, modernisierte Form für das uralte und unzerstörbare Wiener Spießertum.— Mm- sEig. Ber.) Die Kundgebung auf dem Pere-Lachai,c-Friedhof zum Andenken an die blutige Mai- Woche, die. wie alljäbrlich, am letzten Maisonntag stattfand, trug einen imposanteren Charakter als gewöhnlich.' Sie vereinigte mindestens 15 000 Teilnehmer. Der Zug der Manifestanten an der .Mauer der Föderierten", der letzten Stätte des Hcldcnkampfes, dauerte nichr als zwei Stuudcu. Die relativ stärkere Beteiligung als sonst erklärt sich teils aus dem Drang nach einer proletarisch- locialistischcn Machtentfaltnng unmittelbar nach dem Pariser Gemcindewahl- Sieg der Nationalisten. teils wohl auch als eine Art Protest gegen die Berufung Galliffets ins Kricgsnrinistcrinm. Leider fehlte auch diesmal die polizeiliche Brutalität nicht, trotzdem die Rcgienmg offenbar in ihren Instruktionen die nationalistische und socialiftenfcindliche Polizei im Zaum zu halten versucht hatte. So durften die Manifestanten unbehelligt„nmstürz- lerische" Hochrufe erschallen lassen und die„Internationale" im Chor fingen. Hingegen ivar daS Polizei-Aufgebot ebenso enorm, wie all- lahrlich. Beim ersten Anlaß brach nun die verhaltene Wut der Polizei los und es kam zu einem ernsten Zusammenstoß, in welchem unter andern ein Minderjähriger schwer am Kopfe verwundet wurde. Insbesondere tbat sich hervor ein als rabiater Nationalist bekannter Polizcikommissar Namens Picot. Dem Polizei- prafcktcn Lepine in Person gelang cS nicht so leicht, die nationalistisch- polizeilichen Provokateure zur Stühe zu zwingen... Es kam zu sieben Verhaftungen, die aber ans daS Verlangen von socialistischen Abgeordneten und Gemcinderats- Mitgliedern nicht aufrechterhalten wurden. Für ein„Ministerium der republikanischen Verteidigung" hätte es sich freilich geschickt, daS den friedlichen Verlauf der Kundgebung gefährdende Aufgebot einer ganzen Polizei- Armee zu Fuß iind zu Pferde zn vermeiden. Aber die Regierung zog eS vor, eine möglicher- weise gefährliche Interpellation der Mcline' und Konsorten zu vcr- aieiden.— In den gestrigen Gencralrats-Ttichwahle» des Seine- Departements wurden gewählt: 2 Radikale, 2 Bourgeois- rcpublikancr und 1 Nationalist. Insgesamt ergaben die General- ratswahlcn: 2 Socialisten. 9 Radikale und Linksradikale. ü BonrgeoiSrcpnblikancr und 3 Nationalisten. Da nun im Pariser Gcincinderat den 41 Nationalisten. 36 Socialisten und bürgerliche Republikaner gegenüberstehen, so c n t h ä I t d c r G e n c r a'l r a t. Ivo die 80 Pariser Gemeinderatsmitglieder Sitz und Stimme haben, eine a n t i n a t i o n a l i st i s ch e Mehrheit von 52 gegen 49 Stiinnien, w e n n nämlich die etlichen Bonrgeoisrepnblikaner sich nicht nationalistisch mausern.— Oestrcich-Ungarn. Die Kulturwidrigkcit des Militarismus ist international. Jn Samborz. der galizischen Stadt der Polizeitorturen, nahm sich ein junger Ilnterosfizier vor einiger Zeit das Leben. Jetzt wird in polnischen Blättern der AbschicdSbrief veröffentlicht, den der Unglückliche an einen Freund geiandt hat. Es heißt dort:„Ich nehme Abschied von Euch, meine Kaincraden, und muß mir das "eben nehmen wegen meinem Major Nowotny und dem Cvinpaguic- chcf Zawadtki; das sind meine Mörder: bei unsrein Regiment sind Torturen genau so wie im Magistrat. Ich denke, daß meine Kollegen sich an ihnen für mich rächen werden und bitte, sich besser über die Verhältnisse in unsrem Regiment zu erkundigen und dies den höheren Behörden und der Presse mitzuteilen; mehr kann ich nicht schreiben, die Hand zittert mir, denn mein Revolver liegt vor mir...." Der schlichte Brief ist, eine wuchtige Anklage gegen den MilitariSiiius. die geradezu Bände spricht..-.••, .... Zu dcmsölben Thema veröffentlicht unser Krakauer Parteiblatt einige Briefe von Soldaten und Unteroffizieren, die von einer geradezu nnerhörtcu Roheit in den Dienstverhältnissen des östreichischen Heeres zeugen. - Zm ersten Brief wird von einem Wachtmeister erzählt, der das Ohrfeigen der Soldaten gewohnheitsmäßig betreibt. Trotz der ans diesem Grunde erfolgten Desertatiou eines Soldaten ist der Wacht- mcistcr noch ungestraft im Dienst. Ter zweite Brief stammt von ..älteren Unteroffizieren" des 10. Jnfantcne-Rcgiincnts. Der Oberst ohrfeigt die Leute. Der Kapitän droht, ja nichts von den Zuständen in der Kompagnie weiter zu erzählen ldic Znslände müssen ja nett sein h Sonntagsruhe gicvl es >n der Kompagnie nicht. 20 Proz. der Soldaten'liegt im'Lazarctt. Weitere 20 Proz. sitzen hinter Schloß und Riegel. Der dritte Brief stammt ans Trembowla, beschuldigt einen Korporal, einen Ulanen niit dem Säbel und den Fäusten bearbeitet zip haben. Ans den Zuschauer wurde ganz unbegründeter Weise eine Säbrlattacke Unteniomme», die ihn zur Flucht zwang. Die drei netten Kultlirbilder paffen zu den ganzen barbarischen Zuständen in Galizieu, für die ein verlotterter Adel imd eine von lhm adhängige Bcamteiischar die Verantwortung trägt. Schweiz. Freigesprochene Anarchisten. Das BundeS-Strafgericht ver- handelte am Montag mid Dienstag gegen die Anarchisten Frigcrio, Held und Bcrtoin, gegen welche die Eidgenossenschast wegen Heraus- gäbe und Verbreitung des ßogenaimten„Almanaco Socialista- Anarchrco pro 1900" Klage erhoben hatte. Die drei Angeklagten wurden ohne Zubilligung einer Entschädigung freigesprochen und die Kosten der Eidgenossenschaft zur Last gelegt.— Norwegen. Rücktritt deö norwegischen Ministeriums. In Norwegen hat das Liiiksminifterium dem Slorthingspräsidenie» mitgeteilt, daß es seine Verabschiedung fordern müsse, da der Kronprinz-Regent dem im norwegischen Storthing angenommenen Konsulats- abgaben-Gesetz seine Ziistimmung verweigert hat. Dies Gesetz lvar von der Linken-Mazorität angenommen, von der Rechten- Minorität abgelehnt. �Cs führt die Neuerung ein, daß die Konsulats- abgaben von den Schiffen daheim und nicht von den fremden Koiisulii erhoben werden. Das ganze harntloje Gesetz ist gemacht, um als ein Fühler in der ÄonsuIatSfragc vorgestreckt zu werden: aber die schwedische Regierung hält auch hierbei den Standpunkt fest, daß alle Konslilatsfragen Unions-Angelegenheiten seien und nicht in den Einzelparlamenten entschieden werden können. Die norwegische Slaatsrats-Abteilung reiste wegen des Rücktritts nach Christiania zurück. Das Ministerium bleibt, bis der Storthing den Rücktritt gebilligt hat.— Belgien. Ueber die Wahlen in Belgien seien noch einige Einzelheiten nachgetragen. Die Zahl der Kammerwähler betrug 1 452 232(21,4 Proz. der Bcvölkepnng). Infolge des reaktionären Mehrstimmenrechts werden von diesen 1 452 232 Wählern jedoch 2 239 621 Stimmen abgegeben. Da das Mehrstiminenrecht an den Besitz und einen bestimmten diplomierten Bildungsgrad geknüpft ist, ist es klar, daß die�Social- dcmokratie. deren Anhäiigcri'chaft sich zum weitaus größern Teil aus industriellen und ländlichen Proletariern zusammenfetzt, von diesem Pluralwahlsystem nilr einen verschwindenden Vorteil hat, wahrend den bürgerlichen Parteien das Mehrstiminenrecht sehr zu gute kommt. Zu wählen waren insgesamt 152 Abgeordnete. Gewählt wurden 85 Klerikale. 33 christliche Demokraten. Liberale und Radikale und 33 Socialisten. Tie Kammer war bisher aus 112 Klerikalen. 28 Socialisten, 6 Radikalen und 6 Liberalen zusammen- gesetzt. Die Klerikalen haben somit 27 Sitze verloren, die Socialisten 6, und die oppositionellen bürgerlichen Parteien 19 Sitze gewonnen. Die Stimmenzahl der Socialisten hat eine bedeutende Zunahme aufzuweisen. Unter den wieder- gewählten Deputierten befinden sich u. a. der bisherige K a m m e r- Präsident V e e r n a c r t. der frühere Minister W ö st e. die Socialisten Defnisseaux und Demblon. Der Führer der christlichen Demokraten A b b o D a c n s ist n i ch t wieder- gewählt. Die Kammermajorität der Klerikalen ist durch den WahlanSfall zwar sehr erschüttert, aber noch nicht beseitigt worden, da sie noch immer eine Majorität von 9 Stiinnien besitzen. Das Fortschreiten de-s Socialismns wird aber dafür sorgen, daß wahrscheinlich schon bei der nächsten Wahl die Majorität der Klerikalen endgültig be- seitigt wird. Seit 1884 besaßen die Klerikalen die Majorität in der Kammer und sie haben dieselbe in einer Weise ausgenützt, daß dein radikalen Liberalismus, nämenilich aber dem SocialiSninS der Boden für sein rasches Vordringen trefflich geebnet wurde. Seitdem die KIcrikalcn das Heft in den Händen'hatten, hat sich die Staatsschuld von 1600 auf 2600 Millionen vermehrt. Von dieser Milliarde wurden aber mir 300 Millionen zum Ankauf von Eisenbahnen, der Rest fast ausschließlich zu unproduktiven, knlturwidrigeii Zwecken verausgabt. Das Schulbudget wurde durch Aufhebung zahlreicher Schulen verringert, das Knltusbudget durch Erhöhung der Pfarrgehältcr erhöht. Die Folge dieses klerikalen Regimenis zeigte sich in dem riesigen Anwachsen des Vermögens der toten Hand und in den miserablen Zuständen der Volksbildimg. Belgien hatte 1846 770 Klöster mit 12 000 Mönchen und Nonne», 1890 dagegen 1775 Klöster mit 30 000. männlichen und weiblichen In- iaffen. 1846 betrug der Wert der Immobilien der Klöster 642 Millionen Franken, 1895 1657 Millionen. Die Älostergllter machten im Jahre 1893 den zehnten Teil des imbewcglichcn Vermögens des ganzen Landes aus. Im letzten Jahrfüuf ist jeden- falls noch eine bedeutendere Steigerung des Besitzes der toten Hand eingetreten. Wie sehr der Klerus seine kolossale geistliche und materielle Macht zur Vcrdnmmnng der Massen mißbraucht hat, bc- weisen folgende Angaben über den Prozentsatz der Analphabeten. Bei der vorjährigen Milizänshcbiing in der Stadtgcmeinde Brüssel, die 197 000 Einwohner zählt', konnten 1567 junge Leute weder lesen noch schreiben; das waren 13 Prozent der Ge- sainthcit. Nach einer im vorigen Jahre veranstalteten Erhebung, über die der Direktor Slnys vom städtischen Lehrerseminar berichtete, gab cS in Brüssel 22 244 Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren; davon besuchten 3005 keine Schule. Von diesen letzteren waren 1632 in einer gewerblichen Lehre, 310 halfen ihren Eltern beim Broterwerb und 11l3 strichen aufsichtslos umher. Außerdem giebt es Rinder, die schon mit 10 oder li> Jahre» die Schule verlassen. Die Brüsiclcr Stadtverwaltung hat sich seit. Jahren bemüht, den Schulbesuch zn hebe», da jedoch keine gesetzliche Schul- Pflicht besteht, ist sie machtlos. Man sieht, welche Aufgaben die liberale und socialistischc Mino- rität. die hoffentlich beider nächsten Wahl zur Majorität ivcrdcn wird, zn lösen hat. Wie sich die Socialdentokratie die Jnangriff- nähme der nächstliegenden legislatorische» Aufgabe» denkt, geht aus folgenden programmatischen Forderungen hervor, die der„Penple" angesichts des möglichen Sieges der Opposition und des Znstande- kommens einer liberalen Regicrnng gestellt hatte: „Wir verlangen nach dem Siege die Einfübrnng des unverfälschten a II g e ni e i n c n Stimmrechts in Staat und Gemeinde, den o b l i g a t o r i s ch e n V o I k§ u n t e r r i ch t, die A b-s ch a ff>i n g der Stellvertretung und der Kon- s k r i p t i o n, die H c r n b s etz u n g der Dienstzeit und eine Enquete über die von uns g e w n n s ch l e Volks- b c w a f f n u n g. Wir verlangen ferner die R c v i s i o n. des B e r s i ch e r n n g§ g e s e tz e s, das den alten Arbeitern das lacherliche Almosen von 18 Centimes bietet, iind die Durch- f n h r u n g einer ernsthaften I n v a l i d i r ä t s- und A l t e r§ v c r s i ch e r n n g; wir verlangen, nm die Verwirklichung dieser Ncfonncn zn sichern, eine progressive Ein- k o m in e u st e n e r und eine gerechte Anteilnahme des Staats a n den Erbschaft c n; wir verlangen die g r ü n d- l i ch e Revision der ganzen S o c i a I- G e s e tz g e b n n g, die der Klerikalisnius und die Reaktion mit ihrem Geiste durch- tränkt baben." Ein Teil dieser Forderungen wird, sich auch setzt schon verwirk- lichefi' lassen, wenn die Liberalen und Christlich-Socialcii ihre Hand zn ernsthafter socialpolitischer Arbeit zu bieten geneigt sind. Es ist freilich zu befürchten, daß ein Teil der L i b e r a l e n' sich aus Furcht vor dem mächtig anwachsenden SocialiSninS dem Klerilalismns in die Arme werfen niid dadurch den Einfluß der Opposition schwächen wird. Wie weil die Dacnsisteii und Radikalen mit den Socialisten zirsainiiiengehen werden, werden die nächsten Jahre zeige». Jedenfalls wird der belgische Parlainentarismus daS intcr- cffaiiie Schauspiel socialer Entwicklung und Zersetzung gewähre».— �-rnnkveich. Tie gestrige Kaunucrschlalkit endete wiederum mit einem Siege des Ministeriums W a l d eck-R o u s s e a u, trotz- dein der Kampf diesmal ein sehr hitziger war und eS mehrfach den Anschein hatte, als sollte eS den Nationalisten gelingen, den Sturz des Ministeriums herbeizuführen. lind zivar schien es, als sollte es im Ministerimn selbst zu einer Spaltung kommen. G a l l i f f e t Halle nämlich von den Papieren eines in Nizza verhafteten Spions gesprochen und dabei die Aeußerung gerhan, daß der Minister des Innern diese Papiere dem Rriegsnfiuistermm nicht niiterbreitct habe, obwohl er das babe thun können. Freilich schwächte der Kricgsminister diese Wendung, die den Nationalisten bereits wie Siegesrausch in die Ohren klang, dadurch ab, daß der Minister des Innern das nur deshalb unterlassen habe, weil er den Papieren einen zu geringen Wert beigelegt babe. Tie Hoffnungen der Nationalisten auf eine Spaltung des MinisteriuniS wuchsen abermals, als Galliffet plötzlich die Kammer verließ, als Waldcck-Nousieau das Verhalten des Kapitäns Feilsch als Felonie bezeichnet hatte. Sofort verbreitete sieb das Gerücht. Galliffet habe diese Wendung als eine Beleidigung der Armee aufgefaßt und deshalb demonstrativ den Saal verlassen. Man be- hauplete ans nationalistischer Seite, Galliffet habe sofort seine Demission einreichen wollen und sich nur durch die Bestnrmmigeii mehrerer Minister, die Waldeck-Nonsscau ihm nachgesendet habe, von der Ausführung feiner Absicht abhalte» lassen. Auf der andern Seite ivurdc der auffallende Auftritt damit er- klärt. daß der bereits feit einiger Zeit kränkelnde Kriegs- minister von einem derartigen plötzlichen Unwohlsein befallen worden fei, daß er die Sitzung habe verlassen müssen, daß demnach sein plötzlicher Abgang mit den Ausführungen Waldeck-Rouffeans in gar keinem Zusammenhang gestanden habe. Diese Darstellung gc- winnt durch die Mitteilung an Wahrscheinlichkeit, daß Galliffet ernstlich erkrankt nach Hanse gekommen sei und fein Arzt erklärt habe, daß Galliffet ohne Gefahr nicht länger den Vcrhaud- lungen der Kammer beiwohnen könne. Nichtsdestolveniger wird in pariomentarischcn Kreisen der Rücktritt Galliffets noch immer als immittelbar bevorstehend angesehen. Man nimmt an. daß der Ministerpräsident Waldeck-Rotisseau sofort einen Nachfolger für ihn zu gewinnen beabsichtige und möglicherweise der Rücktritt Galliffets erst' zugleich mit der Ernennung des neuen Kriegsministers amtlich bekannt gegeben werde. Trotz dieser kritischen Momente trug das Mimsterinm den Sieg davon, nachdem Bourgeois daS Schlagwort in die Debatte ge- worfen hatte„Die Republik ist in Gefahr!" Ueber den Verlauf der Sitzung geben wir im Anschluß an unsre gestrigen Meldungen noch folgende Telegramme wieder: Nachdem die Sitzung wieder um 7 Uhr eröffnet ist, erklärte Waldeck-Nousseau, es sei ihm niemals eingefallen, die Thatsache der Auslieferung der Briefe Tomps anders zu beurteilen, als dies Galliffet gethan habe. Der Ministerpräsident protestiert gegen die Anschuldigung, daß er es abgelehnt habe, sich den wohlverdienten Lobreden Galliffets auf die Armee anzuschließen. Krantz widerspricht den von Waldeck-Rouffeau gegen Offiziere des zweiten Bureaus ge- richteten Anschnldigiingen und wirft dem Ministerpräsidenten vor. er habe Machenschaften geduldet, deren Zweck war. die Dreysils- Angelegenheit wieder aufleben zn lassen. Hierauf wird die Diskussion geschlossen. Es werden mehrere Tagcsordinmgen eingebracht. Wolbeck- Ronsscan nimmt, die von Leon Bourgeois beantragte an, welche läutet: Die Kammer billigt die Haltung der Regierung, und in der Gewißheit, daß die Armee Frankreich und der Republik ergeben ist, geht sie zur Tagesordnung über. Bourgeois bemerkt hierzu, das Land sei lange genug durch eine Angelegenheit gc- spalten, welche man als eine rein juristische hätte bc- handeln müssen. Keine Regiernng könne den Wunsch haben, die Frage wieder aufzurollen. Es ist Zeit, daß die Kämmer eine gute politische That vollführe. Wenn eine Partei sich national nennen könne, so sei daS diejenige, welche nach 1870 die nationale Ver- tcidignng wieder neugeichaffeu habe. Bourgeois wendet sich schließ- lich an die republikanische Partei und erklärt, die Republik innsie sich dem Ausland gegenüber stark und einig zeigen.(Beifall.) Meline wirft dein' Ministerpräsidenten sein Zusammengehen mit den Kollektivisten vor und kündigt den Republikanern an, daß ihr Vertrauen zu Waldeck- Rousieau ihnen teuer zn stehen kommen werde. Hierauf schreitet man zur Abstimmung. Hnmbcrt beantragt,' daß man zuerst über eine Tagesordnung abstimme, durch welche die Regierung aufgefordert wird', den Umtriebcn ihrer Agenten, die daraus gerichtet seien, den Fall D'reyfus wieder aufleben zu lassen, ein Ziel zu setzen. Dieser Antrag lvird mit 291 gegen 246 Stinunen abgelehnt. Sodann beantragt Denöchcau den Vorrang für eine Tagesordnung, in welcher es heißt, die Kammer billigt. daß der Kriegsminister der Disciplin Achtung verschafft hat, ist aber entschlossen, der Republik und der Armee Achtung zu ver- schaffen und geht zur Tagesordnung über. Dieser Antrag wird mit 282 gegen 242 Stimmen abgelehnt. Sodann wird der erste Teil der von' Bourgeois eingebrachten Tages ordninig mit 288 gegen 247 Stimmen angenommen, die Annahme des zweiten Teils, welcher die Armee betrifft, erfolgt bei 515 Stinunenabgabcn einstimmig. Endlich lvird die gesamte Tagesordnung mit 293 gegen 246 Stimmen angenommen und sodann die Sitzung mit Hochrufen ans die Republik geschlossen.— Während die Sitzung der Kammer unterbrochen war. hatten Delcasss und Monis im Kriegsministerinm eine Besprechung mit General Galliffet. Die Nationalisten verbreiteten in den Wandelgänge» das Gerücht, Galliffet wolle demissionieren, Dekasse habe ihii aber im Namen des Kabinetts gebeten zu bleiben, da sein Rücktritt den Sturz des MinisteriuniS herbeiführen müßte. Die Nach- richt von einer solchen Absicht Galliffets tvird � indes in aller Form als unrichtig bezeichnet. Paris, 29. Mai. Zola hat an den Senat ein offenes Schreiben gerichtet, in dem er in scharfen Worten gegen die Amnesti'c-Vorlage proteslirt und erklärt, der Senat werde durch Annahme des Gesetz- enltvurfs einen Verrat am Volke begehen.— Dem Vernehmen nach beabsichtigen mehrere republikanische Deputierte, dem Kammer- Präsidenten eine Resolution vorzulegen, nach welcher die Kammer bis nach Bccndignng der Weltansstellniig vertagt werben soll.— Infolge des Gerüchts. Hauptmann Fritsch habe den Minister- Präsidenten gefordert, hat ein Redactenr des„Gaulois" den gc- nannten Offizier aufgesucht, der jedoch jede Auskunft verweigerte.— Tie Pariser Gemeindewahl. ES liegt nunmehr eine genaue Statistik der Stiminenverteilung in den Pariser Gcmcindewahlen vor, die den ziffeiumäßigen Beweis erbringt, daß die natio- n a l i st i s ch e M e h r h e i t des Gcmcinderats eine Minderheit der Wähler vertritt. Von den in der Hanptwahl abgegebcnsn 394 627 Stiinmen erhielten die einzelnen Parteien: Socialisten............. 142 772 Radikale und Linksradikale....... 59 473 Bonrgeoisrepnblikaner......... 22717 „' mit Untcrstütznng der Vaterlandsliga 26 795 Älcrikal-Monarchisten......... 20 220 ■ Nationaliswn(„rcme").......... 122650 Also stehen 224 962 antinationalistischen Stimmen luir 169 66a nationalisiische Stimmen gegenüber. Während die republikanischen Parteien eine Mehrheit von 55 297 Stimmen besitze»,. haben sie im Gemeinderat nur 36 Vertreter gegen 44 Nationalisten aller Gattnugeii. Ebenso steht die Stinimenzahl der gewählten Kandloaftn im Mißverhältnis zu ihrer Zahl: die 20 Socialisten erhielten....... 74 382 Stimmen, die 15 Radikalen und Linksradikalen erhielten 42 259, der 1 antinationalistischc Bomgeoisrepublikaner erhielt............. 1 208„' Zusammen für 36 Gemeinderatsmitglieder 117 849 Stimmen. Die 27„reinen" Nationalisten erhielten., 75 497 Stimmen. Die 9 Klcrikal-Monarchiftcn erhielten.. 17 028„ Die 8 national. Bourgeoisrepnblikancr erh. 21 099„ Znsammen für 44 Räte 113 624 Stimmen, Im Durchschnitt einfallen aber auf eine» gewählten Socialisten 3719 und auf einen gewählten Nationalisten bloß 2796 Stiinnien. Wie bereit» hervorgehoben, ist an diesem Mißverhältnis die ungerechte, von Anfang an auf reaktionäre Interessen zugestutzte WählhczirkS-Einteilnng schuld. So enthält ein socialistischer Bezirk im Durchschnitt 8667 eingeschriebene Wähler gegen 6854 in einem »atioiialislffchen und 3918 in einem klerikal-monarchistischen Bezirk. Erst die nationalistische Sturmflut hat die Ansmerlsamkeit.dsr linksstehenden Parteien auf die reaktionäre Wahlkreis- Geometrie gelenkt. Ein tvcnig Energie von ihrer Seile dürfte hinreichen, um' eine gerechte Einteilung der Wahlbezirke durch- zusetzen.— Die fünf Stichwahlen znm Gcneralrat des Seine-Deparlc- ments fanden am«onntag statt. Gewählt wurden zwei Republt- lauer, ein Nationalist, ein Radikaler und ein Socialist. Asien. Die Wirren in China nehmen eine immer bedrohlichere Gc- stalt an. Wenn die Telegramme, die tvir gestern gebracht haben, nicht tendenziös übertrieben haben, so hat die freindcnfciiidlicho Bc- ivegnng in China, die durch die sogenannten„Boxer" repräsentiert wird, einen Ilmfang angenommen, der beweist, daß es sich nicht mehr um kleine lokale Revolten, sondern um den Anfang einer Revolution handelr. Es wird für die Regiernng, der wahtscheinlich nicht ohne Grund nachgesagt wird, daß sie mit den Bestrebungen der„Boxer" bis zu einem gewissen Grade sympathisiere, kein Leichtes fem, sich den vereinigten Mächten willfährig zu erweisen und die„Boxer"-Beiveguiig völlig niederzuwerfen. Andrerseits freilich würde die ckinesischs Regierung nicht klug handeln, wenn sie die Dingo auf die Spitze zn treiben suchte, denn' dann könnte eS leicht geschehen, daß die Mächte tvirklich Ernst machten und die erste Teilung Chinas dicht bevor- stände. Ein Privattelegramm der„Boss. Ztg." meldet nämlich: London. 28. Mai. Die Shanghaier„China Gazette" meldet: Die fremden Gesandten in Peking betrachten die Antwort des Tsungli- Uamen ans ihre Vorstellungen wie die allgemeine Haltung der Regierung als durchaus unbefriedigend und dazu angethan, die Fortdauer der in vielen Teilen des Reichs bestehenden Schreckensherrschaft zn er- muntern, wenn sie nicht gar zur Ausrottung aller Anhänger des Christentums in China führen. Das diplomatische Korps hielt am 27. M a i eine iv e i t e r e Sitzung, um die chinesische Regiernng zn veranlassen, Ivirksamere Schritte zur unverzüglichen Hcrstellmig der Ordnung zu ergreifen. Die Gesandten verleimen nicht die Größe der Aufgabe, wenn die Mächte selber«neu d i r c k t e n D r u ck auf die aufständischen Provinzen anwenden wollten. Ein solches Verfahren würde eine Truppen- macht von miudestcus hunderttausend Man« erheischen. Fünf- hundert Flüchtlinge suchten Schutz in der französischen Kathedrale in Peking. Nach einer ferneren tclegraphischen Meldung ans Tientsin der- lantet, daß mehreren Belgiern, die mit ihren Familien in Chang- sintieii, zehn Kilometer von Jengtai, ansässig sind, die Flucht ab» geschnitten ist und daß sie sich auf einem in der Nähe des Orts gelegenen Berge gegen die Boxer verteidigen, Welche jetzt die Stadt Fengtai niederbrennen. Vfori hegt für das Leben der Belgier ernste Besorgnisse. In Pao-ting-fu sind mehrere Missionare abgeschnitten.— Ein weiteres Telegramm meldet: Die Maschincnban-Werkstätten aus der Bahnstation in Fengtai sind von den Borern niedergebrannt worden. Mehrere Personen sind dabei umgekonimen. Ticntsin, 29. Mai. Zweihundert chinesische Soldaten haben �die Eisenbahnverbindung zwischen Ticntsin und Peking wieder- .hergestellt. Von den belgischen Eisenbahn- Ingenieuren' der Linie Peling-Hankau rst man hier ohne Nachricht. Im übrigen herrsch: ! grössere Ruhe. Dreißig jaxnnische Marinesoldaien vom Kanonen- boot„Ataookan" sind heute in Tientsin angekommen, die sranzöstschen Kriegsschifse„d'Entrecastrcaur" und„Surprise" haben Taku ver- lassen. � � Es ist unverkennbar, daß sich den Mächten so leicht keine io günstige Gelegenheit wieder bieten ivird gegen China vorzugehen. Andrerseits wird die Zaudertaklik der Machte wohl durch die nur zu berechtigte Besorgnis bestimmt, sich in ein Kolonialabenteuer zu stürzen. .dessen Ende gar nicht abzusehen wäre. Denn abgesehen von dem enormen militärischen Ausgebot das eine Besetzung größerer chinesischer Gebietsteile erfordern würde. hat jede der Mächte auch alle Ursache, der andren nicht zu trauen. Der Ein- marsch der Mächte in China würde wahrscheinlich auch im russisch- japanischen Konflikt den Stein ins Rollen bringen, an dessen Aus- trag auch England und Frankreich nicht uninteressiert wären. Kurzum. die Mächte haben allen Grund, sich jeden Schritt, den sie unter- nehmen, erst zweimal zu überlegen. Ob die weltpolitische Aden- teurerlust nicht trotzdem über die Stimme der kühlen Besonnenheil siegen wird, ist keinestvegs sicher. In dem Maße, wie die afrikanische Frage an Interesse verliert, wird die ostasiatijche immer brennender.— Amerika. Geforderte Zollreprefsalien. Washington, 29. Mal. Im Kiepräsentantenhans brachte Bailey sKansas) eine Bill ein. welche bcstintmt. daß der Präsident, sobald er erfährt, daß in Deutschland das Gesetz, welches Prohibitivzölle auf amerikanische Fleischprodukte lcgt.�eudgültig augeuommen ist. eine Proklamation erlassen soll, die den Tag festsetzt, von dem ab alle in Deutschland erzengten oder fabrizierten Waren, die zum Verbrauch über Häfen der Vereinigten Staaten eingeführt werden, um zehn Prozent höhere Zölle als die bisherigen bezahlen sollen.— GemevKMMfEliifzVS. Berlin»ud Umgegend. Der allgemeine Ausstand der Parkettbodenlcger wird voraussichtlich durch Vergleich nach nunmehr über achttägiger Dauer in der nächsten Zeit sein Ende erreichen. Allerdings haben die Unter uehmer auch die in der letzten Versammlung beschloflenen Forderungen nicht im vollen Umfang anerkannt, sondern die Einführung des gesamten Tarifs erst zun: 1. August d. I. zugestanden. Anderseits sind aber am Montag in den Verhandlungen der beiderseitigen Konnnissionen Abmachungen in Aussicht genommen, die geeignet sind, wenigstens für eine längere Dauer stabiele Verhältnisse im Gewerbe zu schaffen. Wie den Arbeitern, so ist jetzt auch den Unternehmern natürlich daran gelegen, einheitliche Löhne für alle Berliner Firmen festzulegen. Der Vertrag soll zunächst auf zwei Jahre für beide Teile bindend sein. Um die Jnnehaltung der Vereinbarungen zu sichern, werden sich die der Vereinigung an' gehörenden Unternehmer verpflichten, den Arbeitsnachweis des Holz- arbciter-Verbands zu benutzen, und überhaupt nur Vecbandsmitglieder zu beschäftigen. Hingegen sind die Bodenleger, um auch die der Ver- ciuiguug nicht angehörenden Firmen zur Beachtung der Vereinbarungen zu zwingen, streng gehalten, bei solchen Unternehmern nicht zu arbeiten, bei welchen der Lohntarif und die übrigen Bedingungen nicht an- erkannt werden. Nach dem Bericht der Lohnkoininission, den sie in der gestrigen Versammlung erstattete, werden diejenigen Firmen, welche gegenwärtig unter dem 189lZcr Lohntarif bezahlen, verpflichtet, bei Wieder- aufnähme der Arbeit die diesem Tarif entsprechenden Lohn- erhöhungen vorzunehmen. Sofort soll auch, und zwar bei allen Unternehmern, das Hinanstragen des Materials zu den vereinbarten Bedingungen bezahlt Iverden. lieber das Resultat der Verhandlungen entspann sich in der stark besuchten Versammlung der Ausständigen eine lebhafte Debatte. Insbesondere erschien einein großen Teil der Ausständigen der Termin am 1. August, an welchem der neue Tarif in Kraft treten soll, als zu spät. Nachdem sich die Ausständigen der einzelnen Firmen unter sich noch beraten hatten, wurde schließlich beschlossen, auf die von den Unternehmer:: zugestandenen Bedingungen einzugchen. Unter allen Umständen soll die Arbeit aber so lange ruhen, bis die Vereinbariingen schriftlich mit den Unternehmern fest- gelegt sind und eine Versammlung der Ausständigen die Wieder- anfnahme der Arbeit beschlossen hat.' Deutsches Reich. Die Wageuputzer der Oberschlestschen Eisenbahn in Breslau hatte:: am Montag die Arbeit niedergelegt, da ihnen die geforderte Lohnzulage nicht bewilligt wurde. Nachdem die Direktion erklärt hat. daß eine Lohnerhöhung bereits in Erwägung gezogen ist, kehrten die Ausständigen wieder zur Arbeit zurück. Der Tischlerstreik in BreSlan. Die Finning hatte den Streikenden bor einigen Tagen einige unbedeutende Zugestäudniffe gemacht, die jedoch von den Ausständigen zurückgewiesen wurden. Einige kleinere Finnen haben den Tarif anerkannt. Die Modell- tischlcr haben sich bei der ihnen bewilligten Zulage von 10— IS Proz. statt der geforderten 20 Proz. für dieses Jahr beruhigt. Ferner sind eine wöchentlich S8 stündige Arbeitszeit, statt der geforderten 57 slündigen. und sämtliche andere Forderungen bewilligt. Tie Zimmerer in Langenbielau in Schlesien hatten vor 14 Tagen die Kündigung eingereicht, nachdem ihre Forderung, Er- höhuna des Stundenlohns auf 30 Pf., abgelehnt worden war. Nach Ablaus der Kündigung kam jedoch eine Einigung zu stände und zwar bewilligten die Unternehmer 27 Pf. Stundenlohn sofort. während vom 10. Juni ab eine weitere Erhöhung des Stundenlohns um 1 Pf. stattfinden soll. Der bisherige Stundenlohn betrug 23 und 24 Pf. Zum Leipziger Bäckerstreik. Nach dem Bericht des Streik- komitces haben in der letzten Woche iusgelaint 11 Meister die Forderungen bewilligt. 188 Gehilfen arbeiten zu den neuen Bedingungen. 11 haben außerhalb Leipzigs Arbeit angenommen, 50 sind abgereist und bei 40 Zugereisten ist es gelungen, sie zur Weiterreise zu be- wcgeu. Von den Innungen zu Dresden, Chemnitz, Magdeburg, Erfurt und vor allem Berliu sind einige Arbeitskräfte nach Leipzig abgeschoben worden. Ein Erfurter Meister hat sich sogar der Mühe unterzogen, die Leute nach Leipzig zu geleiten, damit sie unterwegs von den Streikenden nicht abgefangen werden sollten. Daß die Bewilligungen nicht zahlreicher erfolgt sind, liegt zu- nächst daran, daß sich die Meister nicht obne weiteres dem Druck widersetzen können, der von feiten der Innung auf sie ausgeübt wird. Die Hauptschuld tragen aber die Arveitswilligeu, unter denen sich eine größere Anzahl Verbandsmitglieder befindet. Die Straffe» bahn-Angcstclltc» in Halle haben durch eigen- händige Unterschrift der Direktton acht Forderungen unterbreitet. Die Forderungen erstrecken sich auf die Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Insbesondere wird auch eine Aendernng der Strajvorschriftcn ver- langt, die große Härten ausweist. Die Angestellten haben bis zum Freitag Antwort erbeten. Wie Arbeiter behandelt werden. In geradezu unerhörter Weise sind die Augcstelllcu der Haunoverichen Straßenbahn von der Direktion dieser Gesellschaft behandelt worden. Ein so schroffes Ablehnen jeder selbständigen Regung der Arbeiter gehör: selbst bei den wütendsten Scharfmachern zu den Ausnahmen. Wir habe:: bereits berichtet, daß wegen der Teilnahme an den Beratungen über eine Lohnbewegung 3t Angestellte entlassen wurden. Darauf hatte die Direktion durch Anschlag aufgefordert, die Lohnkommission möge sich bei ihr melden. Im Vertrauen daraus, daß die Direktion verhandeln wcll:e. meldete sich die Lohnkommission. Sofort wurden sämtliche Leute entlassen, ohne daß es zur Verhandlung kam. Diese Schneidigkeit wird Herrn v. Thielen und Herrn v. R h e i n- b a b e n gewiß imponieren und ganz der von ihnen gewünschten Taktik enffprechen. aber diese Behandlung einer großen Arbeiterschaft. die nur den Versuch unternimmt, bessere Arbeitsbedingungen zu er- reichen, muß suis äußerste empören, schliinmer kann ine persönliche Freiheit eines Zuchthausinsaffen nicht bedroht werden. Um aber d:e Grundsätze noch besser kennen zu lernen die für die Bebandlung. oder besser Mißhandlung der Angestelllen bei der Direktton die'er Gesellschaft maßgebend find, geben wir folgende Antwort an das Arbeilerlekretariat wieder, welches die Vermittlung in der Streitfrage angeboten hatte: „Dem geehrten Arbeitersekretariat erwidern wir auf das ges. Schreiben vom 23. er.... erg., daß für uns eine Lohn- Kommission der Bediensteten der Straßenbahn Hannover bisher un- bekannt war: dieselbe hatte sich ohne u n s r e Erlaubnis unter Uebergehung des Vertrauensausschusies des Fabrpersonals und ohne Anmeldung an die Direktion gebildet, ist daher nach den bestehenden Vorschriften und Bestimmungen u n- gültig. Grundsätzlich würden wir überhaupt ab- lehnen, mit dem wohllöblichen Arbeitersekretariat zu verhandeln, denn dieses existiert für uns überhaupt nicht', wir sind die Direktion der Straßenbahn Hannover, die nur mi: ihren Leuten unter Ausschluß fremden Personals zu verhandeln hat und auch für die Zukunft nur verhandeln wird. womit das ges Schreiben vom 23. Mai seine Erledigung gesunden hat. und müssen wir den Leuten, die sich Ihrer Führung anver- trauen, alles Weitere überlaffen." Welche unwürdige Stellung der Uuterordmilig weist dieses Schrift- stück den Arbeitern an. ES ist im Ton und der Gesinnung eine Auf- faffung, die nur noch auf dem Kasernenhof wiederkehrt. So ist also der Arbeitsvertrag der Angestellten gedacht, daß sie ohne Erlaubnis der Direktion nichts unternehmen dürfen, es sei denn bei Strafe der sofortigen Entlaffung. sie mögen sich zum gefügigen, jeder Ordre parrie renden Sklaven beträchten. Wenn diese Grundsätze derGcringschätznng der Arbeiterorganisation, wie dieDireklion von oben herab versichert, für alle Zukunft für sie maßgebend sein wird, so kann sie sich im großen Irrtum befinden. Es gicbt eine Macht, vor der auch diese Grund- sätze schlveigen müssen, daS ist die Einigkeit und Entschlossenheit der Arbeiter, die solche entivürdigende Behandlung zurückweisen muß. In Erfurt ist es bereits zu einem ernsten Konflikt gekommen. Nachdem die Direktion die Forderinigen der Angestellten abgelehnt hatte, trat man am Sonntag ftüh in den Streik. Von den 36 Wagen tvaren nur 9 im Betrieb. Der zur Unterhandlung abgesandten Kommission erklärte die Direktion, daß sie die Entscheidung über die gestellten Forderungen bis zum l. Juni hinausgesetzt wünsche. Maß regelungen werde sie nicht vornehmen. Nach dieser Zusage wurde um 9Vs Uhr der Betrieb wieder aufgenommen. Die Bäcker in Frankfurt a. M. nahmen am Sonnabend endgültig Stellung zu ihrer Lohnbewegung. Nach dem Bericht der Lohnkommission wurde mit 491 gegen 6 Stimmen der Streik be- schloffen, der gestern in solchen Betrieben zum Ausbruch gekommen ist, wo die Forderungen der Gehilfen, welche in der Hauptsache auf Beseitigung von Beköstigung und Wohnung beim Arbeitgeber ge- richtet sind, nicht bewilligt wurden. Bis Sonntagabend hatten von 221 Bäckereien mit 630 Gehilfen. die bei diesem Streik in Betracht kommen. 174 Betriebe mit 582 Gehilfen bewilligt. AnSland. Banarbeiter-Anssperrnng in Stockholm. Der Lieferanten- verband hat den Vorschlag gemacht, ein Schiedsgericht zu bilden, das ans je zwei Repräsentanten der Arbeitgeber- und Arbeiter- organisation bestehen soll, die einen Unparteiischen als Vorsitzenden wählen. Sollte nicht Einigkeit über ihn erzielt werden, dann soll der Oberstatthalter dazu erwählt werden. Das Schiedsgericht soll alle Streitfragen entscheiden; wenn dies geschehen ist, soll die Arbeit wieder aufgenommen und keinerlei Repressalien von einer Partei ausgeübt werden. Der Lieferantenverband hat nun die beiden im' Kampf befindlichen Verbände aufgefordert, dem Vor- schlag zuzustimmen. Die Arbeitcrorganisatiouen haben den Vorschlag angenonimen und sind sofort zur Wahl der Vertreter ge- schritten. Es ftagt sich, wie sich der Meistcrverein verhalten wird, der bisher alle Schiedsgerichtsvorschläge der Arbeiterorganisation ab- gelehnt hat. Auch die Steinhauer und Cement- a r b e i t e r werden im Anschluß an die Bauarbeiter-Aussperrung arbeitslos, da der schwedische Steiniudustrie-Verbaud beschloffen hat, aus den Arbeitsplätzen in Schonen die Arbeit einzustellen Sociales. Ueber die Wirkungen der Bäckereiverordnung jagt der Bericht der Bremischen Gewerbe-Inspektion: „Bei der Hälfte der revidierten Bäckereien wurde die strikte Befolgung der Borschriften als mit der Art des Be- triebes unvereinbar, als undurchführbar hingestellt. Es wird kein Hehl daraus gemacht, daß überall Ver- stoße gegen die Verordnung vorkommen, daß wüßte einer vom andern. Man wird sich also dem nicht verschließen können, daß bezüglich der Bäckerei-Verordnung nach deren mehrjährigem Bestehen offenkundige Mißstände vorliegen. Auf entsprechendes Befragen treten die Meister größtenteils der Ansicht bei, daß die Ausübung ihres Berufs richtiger auf die Tageszeit zu verlegen wäre. Für die Durchführung eines solchen Plans fehle es jedoch an genügender Ein ig ke ist in der „»nun g. Einer der Bäcker, welcher sich keinesfalls als letzter einem solchen Vorgehen anschließen ivürde, befürchtete von dem Auf- geben der Nachtarbeit einen Niedergang des Bäckerei- gewerbes durch Ausdehnung und weitere Einrichtung von Brotfabriken. Allen jenen Unzuträglichkeiten, welche auS der gesetzlichen Zeitregelung zivischen Gesellen und Meistern erwachsen sind, würde, abgesehen' von einer Abänderung oder von EriveiteruiigS-Bestimmmigen der besiehenden Verordnung, durch Abschaffung der Nacht- arbeit gelvitz am wirksamsten begegnet werden könne n. Von den Angestellten im Bäckereiberriebe könnte die durchgehende Beseitigung der Nachtarbeit nur mit Genngthuung be- grüßt' iverden. Dies entspricht dem rein menschlichen Enipfiiiden. Es muß hart erscheinen, daß ein ganzer, großer BenlfSzweig so Nacht für Nacht gezwungen ist zu arbeiten, nur weil eS von alters her der Brauch war und die Lebensgewohnheiten sich danach ein- richteten. Ganz besonders wird durch die Nachtarbeit die körperliche Entivickluug der Lehrlinge berührt. Schon im letztjährigen Bericht ist auf das Aufgeben der Nachtarbeit hingewiesen worden. Vielleicht geben diese Zeilen eine weitere Anregung zur Verfolgung dieses Zieles." Man sieht also, die Schwierigkeiten, den Bäckerei-Arbeitern menichemvürdige Arbeitsbedingungen' zu gewähren, liegen höchstens darin, daß es noch eine übergroße Anzahl von Bäckereibetrieben giebt, deren Existenz mir beruht auf übermäßiger Ausbeutung der Arbeiter und die zun, Teil zu Grunde gehen könnten, wenn die be- stehenden. gewiß bescheidenen Schutzvorschriften energisch durch- geführt werden. Die Stimme ist sehr beachtlich, daß die vollständig? Beseitigung der Nachtarbeit nur an dem Mangel der Einigkeil der Däckerineisicr cheitere. ES bedarf also nur einer gesetzlichen Anordnung, um dies herbeizuführen. Arbeiterschny in Spanien. Am 13. März 1900 ist in Spanien ein Gesetz über die Regelung der Arbeit von Kindern, jugendlichen Arbeitern und Frauen' erlassen worden. Kinder unter 10 Jahren dürfen mit keinerlei Arbeit beschäftigt werden: wenn sie indes lesen und schreiben können, dürfen sie vom nennten Jahre an beschäftigt iverden Bis zu ihrem 14. Jahre dürfen sie in Fabriken nickt länger als sechs Stunden täglich und in kaufmännischen Betrieben nicht länger als acht Stunden beschäftigt werden und es sind während der Arbeitszeit Ruhepausen von insgesamt mindestens einer Stunde vorgeschrieben. Wenn sie keinen Elementar» und Religionsunterncht erhalten haben und sich innerhalb 2 Kilo- meler von der Fabrik eine Schule befindet, müssen die zwei letzten Stunden für den Schulbesuch freigegeben werden. Wenn die Eni- feruuug von einer Schule 2 Kilometer überschreitet, mutz eine Fabrik oder Werksrötle. die regelmäßig mehr als 20 Kinder beschäftigt, eine eigene Fabrikschule unterhalten. Kinder unter 14 Jahren dürfen nachts nicht beschäftigt werdenchrichkrn. Ei» ueueS polnisches Parteiblatt soll in Chicago vom T Juli ab wöchentlick erscheinc». Am l. Mai ist die erste Probe- , immner erschienen. Ta-5 Blatt heißt der„Arbeiter". Es enthält in der Mainummer einen Mäi-Artikel, der zum politischen Klassenkampf aufruft, zwei slottgeschriebene Maigedichte, eine Reihe von Aufrufen von den verschiedene» polnischen socialistischcn Gruppen in Amerika lind vom Redacteur des„WorkcrS Call", der die Sympathie der englisch sprechenden Svcialistcn zur Neugründimg ausdruckt und eine Reihe von Korrespondenzen. Die Sammlungen für das Blatt sind bereits eröffnet worden. Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, daß ein polnisch-socialistischcs Blatt in Nord-Amcrika schon besteht. Poliicilichrs, Gerichtliches«Nv. — Von der Strafkammer in Sora» wurden an, Montag die Rcdacteure der„Märkischen Volksstimme", die Genossen Wittrisch und �appay, wegen formaler Beleidigung eines Forster Schneidermeisters zu 20 bczw. 300 M., sowie Genosse Wittrisch wegen Hausfriedens- bruchs zu 80 M. und der Schncidcrgeselle Friedrich Matschke wegen Beihilfe zu demselben zu 20 M. Geldstrafe verurteilt. Es handelte sich um die Beschreibung der Wcrkstätte eines Forster Schneider- meisters, welche als besonders' schnmtzig geschildert wurde. Das Gericht hielt den Wahrheitsbewci-z für erbracht, aber die Fonn für beleidigend. Matschke hatte W. die Werkstätle ohne Erlaubnis des Arbeitgebers gezeigt, daher der Hausfriedensbruch. Im katholischen Rheinland wird die Arbeiterbewegung immer lebhafter, damit mehren sich aber auch die Schwierigkeiten, die sich ihr auf allen Wegen entgegenstelle». Wir hatten schon vor einiger Zeit eine Znsainmcnstcllüng aller der Schwierigkeiten gc- geben, die zu überwinden sind, und können heute einen neuen drastischen Fall hinzufügen. In Viersen bei Krefeld löste der Polizei- kommissar eine öffentliche Versammlung auf, weil Frauen anwesend waren. Der Genosse P c u S, der als Referent anwesend war, begab sich sofort zum Bürgermeister, um über die«»gerecht- , fertigte Auflösung Beschwerde zu sichren. Im Vorbeigehen sagte er zu de», Polizeikommissar. die Versammlung werde dafür am Sonntag stattfinden und dann»mso besser besucht fein. Darauf verhaftete der Kommissar den Genossen Pens und ließ ihn durch einen Beamten abführen. Erst dieser ließ ihn frei. nachdem er sich durch seine Karte legitimiert hatte. Die Auffassung, die den Beamten zur Auflösung, der Versammlung veranlaßte, zeigt sich in seiner Aeilßcrultg, daß, sobald jemand eine Versammlung eröffnet habe, diese einen politischen Verein bilde. Wenn Staatsbürger infolge so krasser Mißverständnisse über die Bedeutung der Gesetze diese verletzen, dann werden sie bestraft, auch wen» niemand den geringsten Schaden von der GesetzcSvcrlctzmig bat. Verletzt aber ein Beamter in solcher Weise das Gesetz, dann erhält er schlimmsten Falls eine Belehrung, selbst wenn die Bc- troffenc» noch so vielen Schaden haben von seiner Handlung. Aus dvv Frsnvubewegung. Tie Petition der focialdcmokratischen Frauen um Streichung deS z 361,6 hat vorläufig keinen Erfolg zu verzeichnen. Bei der Wledereröffnung des Reichstags nach Ostern ging ein Nachtrag zu derselben ein, welcher die Zahl der Unterschriften bis weit über 10 000 erhöhte, trotzdem die Hoffnung einer Neuregelung durch die Art der Verhandlungen gesunken war. Und darin liegt der Wert einer so energischen Meinungsäußerung über diesen wnnden Punkt des Strafgesetzbuchs. Wie sehr die Beschwerde olle Frauen ohne Unterschied des Partcistandpunkts angeht, beweisen die zahlreichen Stimme» aus bürgerlichen Kreisen, welche der Petition zuginge». Wie so viele andre Mißstände, welche von unsrcr Partei lebhaft und ausdauernd, wenn auch nicht immer mit uumittelbarcm Erfolge angegriffen werden, ist auch dieser nicht Partcisache im engeren politischen Sinne, wohl aber in jenem weitherzigen und allgemeinen, in welchem all' daS als Partcipflicht gilt. ivaS dem Schutz des Schwächeren vor Unterdrückung, vor Benachteiligung durch das Gesetz dienen kann. Nachdem sich erst die Ucberzcugung Bahn gebrochen hatte, daß es dieser hier in Frage kommende z 361, 6 ist, welcher es ermöglicht, jede Frau, bei Tag oder Nacht fivcnn eS auch zumeist bei Nacht gchandhabt ivird) auf den einfachen Verdacht eines Sitten- ichutznianns hin zur Polizei zu sistieren— mit all de» mögliche» unerträglichen Folgen— ohne jede Garantie einer Genugtuung auch im Fall offenkundigsten Jrrinns,. da war die Gegnerschaft gegen die allzu dehnbare Verordnung eine allgemeine. Mochte auch der Abgeordnete Stören in seltsam mißverständlicher Aus- fassnng jene Versammlung, tvclcke nicht dulden wollte, daß alle Frauen von der Polizei als Dirnen behandelt werde» dürfen, eine Dirnenversaiumluiig nennen— in iveiten Kreisen der über diesen Gegenstand besser Unterrichteten fand die Petition Billigung und Verständnis. Wie nachhaltig diese Ucbcr- zeug, mg weiter wirkte, beweist am besten die Thatsache, daß»ach Eiubringnng der Petition sich wieder etwa 2000 Stimmen nachträglich bei der Sannnclstclle eingefunden haben. Vielleicht sind ihrer auch gcgcnwärtig noch gar manche unterwegs, welche nicht rechtzeitig zur Absendung gelangten. ES liegt darin immerhin ein tröstlicher Beweis dafür, daß die Bewegung sich allmählich mehr Freunde gewinnt, daß sie keinesfalls nach' dem einen Versuch erlahmen wird, daß fie bei erneuter Gelegenheit wieder ihr« Stimme erhebt gegen einen gesetzlichen Mißstand, welcher alle Frauen rechtlos macht und sie deshalb alle erniedrigt, wenn auch selbstverstäuMich nur ein verschwindender Bruchteil persönlich be- troffen ivirö. SS ist eine schöne Errungenschaft fortschreitender Kultur, daß daS i�chtsgesühl sich mehr und mehr verfeinert, so daß man. daZ Unrecht, weiches dem Nächsten angethan wird, als das eigne empfindet. So wirkt den» ein allgemeines Gebot, dessen Schärfe uns persönlich sicher nicht treffen kann, doch seiner Uli- gcrcchtigkcit wegen ivie eine ganz persönliche Beleidigung. Es.liegt im Wesen jeder willkürliche» Gewalt, daß sie uns be- lvußt wird. ES ist schon ungemein gefährlich und bedeutet eine schivere Schädigung upsres RechtSlvescnS. daß in immer zahlreicheren Fällen der Richter seinen Spruch nach Gutdünken, nach persön- lichci» Empfinden abgeben kann, mit einer möglichst geringen Bindung durch feste Regeln. Was hier auch einem hoch- gebildeten, durch längeres Studium geschulten Mann oft genug zum Fallstrick'werden mag. wen» in seiner Rede heiße persönliche Vorurteile mit der kühlen unparteiischen Erwägung um die Oberherrschaft ringen, das muß einem wenig gebildeten »utcrn Beamten oft genung zu Ungerechtigkeiten aller Art verleiten. Und ob er sich in noch so»nbcgrcislicher Weise irren mag. er weiß, er ist unverantwortlich und deshalb unverletzlich. Er kann seine Vollmacht, den Frauen gegenüber, nicht überschreiten, denn sie ist einfach unbeschränkt und beruht nur auf seiner rein persön- lichen Anschauung. Wenn die Gegner der Petition sie ver- wcncn, wenn sie den betreffenden Absatz stehen lassen wie er ist, iveil sonst die Prostitution ohne jede Regelung bestehe, so ist dies eins jener Mißverstäudnisjc, lvelche sich zu rechter Zeil immer einstellen. Nicht Sache der Petenten war cS, an Stelle des bekämpften Miß- brauchs die bleibende Vorschrift neu zu gestalten. ES ist ja aller- dings ihre feste Ucberzengulig. daß die'Prostitution, als Bcgleit- crschcinung der kapitalistischen Wcllordnung. auch nur mit dieser zugleich verschwinden wird. Bis dahin muß sie, wie jede andre EcbcnSform. unter bestimmten Gesetzen stehen. Aber ganz gewiß nicht, wie bisher. unter der Willkür der Polizei. Die gesetzliche Regelung aber ist cS, welche in der Petition verlangt wird, wie es ciii jeder sehen konnte, tvelcher sich die Mühe uahm.'das einfache Blatt zu lese». Auch den wirtschaftlichen Stand- Punkt keiner Partei kann c§ verletzen, wenn man verlangt, daß dieser traurigen Schmarotzerpflanze an unscrm Volksleben, welche man sich zu schwach fühlt auszurotten, durch feste gesetzliche Schranken. lvelche beiden Geschlechtern ihre Rechte wahrt und ihre Pflichten auferlegt, in ihrer Entwicklung bestimmte Grenzen gesetzt werden. Gevichks-'Äeikttng. Ein« Urteilsbegründung. Am 21. Mai wurde der Redacteur des„Handelsangestclltcn" vor dem hiesigen Schöffengericht wegen Beleidigung der Finna Speyer u. Peters zu 100 M. Geldstrafe verurteilt.' In der schriftlichen Begründung dieses Urteils befindet sich ein PasiuS, der wegen der ganz unmotivierten Llrt, in der die s o c i a l d e m o k r a t i s ch e Partei zur Ausfüllung der Urteils- gründe herangezogen wurde, wert ist, wiedergegeben zu werden. Er lautet: „Strasvcrschärfcud kam indessen in Betracht, daß der ganze Artikel den guleu Ruf des Privatklägers vollständig zu unter- graben geeignet ist, daß der Artikel in besonders gehässiger, hetzerischer Sprache geschrieben ist, einer Sprache, wie sie nur in s o c i a l d e m o k r a t i s ch e n Kreisen und Zeitungen geführt zu werden pflegt." An Gcrichtsstätte sollte es unzulässig sein, große Kreise der Be- völkcrung in der Weise herabzusetzen; auch politische Leidcuschastcn sollten ein Urteil nicht färben. Leider ist dieser Grundsatz hier nicht innegehalten; die UrteilSgriiude gewimre» durch die Sprache des Urteils allerdings nicht. Ten Wicdcrcrwcrb der berlorcuen StaatSzugehörigkeit betrifft eine wichtige Entscheidung deS Ober- Vcrwaltnugsgerichts. Der jetzige Direktor deS hiesigen Savoy- Hotels, Braun, war als vierzehnjähriger Knabe nach Amerika übergesiedelt und hatte im August 1891 durch Ablauf der zehnjährigen Frist die preußische Staatszngehorigkeit eingebüßt. 1803, also zwei Jahre später, er- warb er in den Vereinigten Staaten das Bürgerrecht. Im selben Jahre kam er wieder nach Berlin. Durch einen zweijährigen Aufenthalt hicrselbst büßte er auch das amerikanische Bürgerrecht ein. Infolgedessen wurde B. hier 1866 nachträglich zum Militär- dienst herangezogen. Demnächst beantragte er die Wiederaufnahme in den preußischen Staatsvcrband gemäß 8 21 Abs. 5 des Gesetzes vom 1. Juni 1870. Der Polizeipräsident lvics den Autrag zurück und daS Ober-VerwaltuugSgcricht cutschied ebenfalls zu seinen Un- gunstcu, indem eS ausführte: B. könne nicht die Wiederaufnahme nach§ 21 Abs. ö verlangen. Der Absatz 5 finde nur Auweudnug auf die, die im Ausland 10 Jahr verweilt habe», ohne dort nalnralisicrt zu sein, und die ihre preußische StaalSzngchvrigkeit lediglich durch den zehnjährigen Aufenthalt im Ausland verloren hätten. Hier sei aber eine Naturalisation erfolgt: Auch gebe die Heranziehung zum Militärdicust dem Kläger kein Recht auf den Wicdcrcrwcrb der Staatszugehörigkcit, denn sie sei nach den Beftimmungen der Wehrordunng berechtigt gewesen, weil B. zur fraglichen Zeit ein ehemaliger Staatsangehöriger gewesen sei. der seine fremde Staatszugehörigkcit bereits wieder verloren hatte. Könne somit von einer Wieder aufnähme in den preußischen Staat gemäß tz 21 Absatz 5 deS Gesetzes vom 1. Juni 1870 nicht die Rede sein, so stehe es B. ja noch frei, die Naturalisation zu beantragen. Ei» Prozeß wegen Wuchers, in Verbindung mit andern Strafthatcn hat zwei Tage lang die vierte Strafkammer des Land- gerichtS I unter dem Vorsitz deS Landgerickits-DircktorS O p p e r- in a n n in Anspruch genommen. Die Vcrhaudluikg fand im kleinen Schwurgcrichtssaal statt. Angeklagt waren der Agent Rudolf H ö n i n g h a u s und die Äauslcutc Gebrüder Adolf und Moritz Mendclsohu. Gegen den vierten Angeklagten, den bekauuten Kaufmann Pariser, kountc nicht verhandelt werden, weil er sich. angeblich seiner angegriffenen Gesundheit wegen, seit den letzten Jahren im Ä u S I a u d aufhält. Die beiden ersten Angeklagten sind deS Wuchers und des versuchten Betrugs, Hölting- hanS ist'anßerdcm noch der Urkundenfälschung und der Unterschlagung beschuldigt, Moritz Meudelsohn ist nur insoweit beteiligt, als er von dem Gelde, welches, wie er wußte, durch Wucher erlangt war, 100 M. angenommcil hat. Durch das teilweise Geständnis der Angeklagten in Verbindung mit der Beweisaufnahme ergab sich folgender Sach- verhalt: Graf H.. Rittmeister in einem Husaren- Regiment, hatte seit Jahren mit Geldverlegenheiten zu kämpfeil. Im März 1898 wandte er sich an den ihni als Geldvermittler bekannten Agenten Höninghans und beauftragte ihn, ihm gegen einen Wechsel von 5000 M. und unter Bürgschaft eincs Kameraden Geld zu beschaffen. Die Versuche des Angeklagten HöninghauS schlugen fehl, nach längeren Vertröstungen mußte er dieS seinem Auftraggeber mitteilen. Dieser machte nun scincrscits ebenso ver- geblichc' Versuche, de» Wechsel von HöninghauS zurück zu erhalten. HöninghauS hatte da« Papier dazu benutzt, um es bei einem Möbel- Händler, dem er 6000 M. schuldete, als Sicherheit zu hinterlegen. Im Mai 1893 trat Graf H. mit der Frage an Höninghaus heran, ob er im stände sei, ihm 50 000 M. zu beschaffen, er' könne dann seine Verhältnisse regeln. HöninghauS nahm Rücksprache mit dcni Agenten Friedmann, der sich wiederum an den Angeklagten Adolf Meudelsohn wandte. Dieser wußte den Geldmami Pariser für die Sache zu erwärmen. Zunächst sollte ein Wechsel über 15 000 M. verwertet werden. EL geschah dies in folgender Weise: Pariser gab an Meudelsohn für den Wechsel 10 000 M. bar und ein Camphausenschcs Bild, das er mit 4000 M. berechnete. AIS Provision brachte er 1000 M. für sich.in Abzug. Meudelsohn behielt ebenfalls von den übrig bleibenden 10000 Mark 1000 Mark als Provision für sich und gab seinem Bruder noch 100 Mark, angeblich weil dieser den Geldnian» nachgewiesen habe. Die an HöninghauS abzuführende Summe war demzufolge uimmchr auf 8900 M. zusammengeschmolzen. HöninghauS nahm auch noch 1000 SR. für sich in Anspruch, cS blieben also noch 7900 M. Aber auch diese Summe führte HöninghauS nicht an den Grafen H. ab. sondern verbrauchte sie zur Deckung seiner eignen Verbindlichkeiten. Gras H. mußte sich vorläufig mit dem Bild begniigeu; zum Glück fand er einen Käufer, der ihm 4000 M. dafür zahlte. Mit dem Wechsel über 15 000 M. hatte Graf H. noch zwei andre über 13 000 und 20 000 M. an HöninghauS gegeben. Pariser wollte wcitcre'Geschäfte nnt dem Grafen nicht eingehen und nun versuchten Höninghaus und Adolf Meudelsohn, die beiden letzten Wechsel unter der Hand bei Geldleuten und Bankgeschäften unterzubringen. Ilcbcrall verlangte man in erster Linie eine Aus- kunft über den Grafen H. und dessen Bürgen. HöninghauS ver- schaffte sich eine solche von dem AuSkunftSbureau„Soll und Haben". die ihm aber nicht„zweckmäßig" erschien, da die Angaben über die Verhältnisse der Augeklagten annähernd der Wahrheit entsprachen. Bald darauf konnte er den Bankgeschäften eine Auskunft vorlegen, die dem Stempel und der Nnterschrist nach aus der S ch i m m e l p f en g s ch e n Auskunftei stamnitc. In dieser Auskunft wurden die Verhältnisse der Angcsragten als geradezu glänzende hingestellt. Die Bankgeschäfte ließen sich dennoch nicht auf das Geschäft ein. Die Auskunft erwies sich als gefälscht. Der Angeklagte erzählte eine etwas romantische Geschichte, wie er in den Besitz der Auskunft gelaugt sei. Der Agent des Instituts„Soll und Haben" habe ihn eines Vormittags nach einem Restaurant bestellt, um ihm Bescheid zu sagen, ob er im stände sein würde, auch eine Schimmelpfcngsche Auskunft zu besorgen. Der Bescheid habe ver- n e i n e n d gelautet. Gleich darauf sei ein Herr an ihn heran- getreten mit der Erklärung, daß er das soeben geführte Gespräch mit dem Agenten zufällig gehört habe, er sei im Schimmel- pfengschcn Institut angestellt und erbötio, gegen Zahlung von 30 M. die gewünschte Auskunst zu beschaffen. Der Angeklagte sei darauf eingegangen und habe am folgenden Tage die Auskunft er- halten. Der Lieferant i st niemals zu ermitteln gewesen. Graf H. erhielt weiter kein Geld, als 1800 M.. die ihm Frau HöninghauS nach der Verhaftung ihres Mannes geschickt hat. Graf H. hat dann noch den ersten Wechsel über 5000 M, den Höninghaus widerrechtlich dem Möbelhändlcr über- antwortet hatte, bezahlen müssen, so daß er erheblich gc- schädigt ist. Im Verhandlungstermin wurde Höninghaus_ vom Rechtsanwalt Dr. Alfred B a l l i e n, die Angeklagten Adolf und Moritz Meudelsohn wurden vom Justizrat Rosenbaum verteidigt. Als die Verhandlung am zweiten Tage wieder aufgenommen werden sollte, war der Angeklagte Adolf Meudelsohn nicht anwesend, es wurde ein Attest beigebracht, wonach er während der Nacht so heftig erkrankt sei, daß er cm Gerichtsstellc nicht erscheinen könne. Die Ver- Handlung gegen den Erkrankten und seinen Bruder Moritz Meudelsohn wurde deshalb ausgesetzt und allein gegen Höninghaus der Prozeß zu Ende geführt. Staatsanwalt Krebs hielt ihn nicht des Wu ch c r s, wohl aber der Untreue, der Urkundenfälschung in Verbindung mit Betrug, der Unterschlagung und des versuchten Betrugs für überführt. Er beantragte gegen ihn eine Gesamt« strafe von 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis, untcr Anrechuung von 6 Monaten Gefängnis durch die erlittene Uutersuchnugshast, und 500 M. Geldstrafe! DaS Urteil lautete dem Antrage gemäß. Eingegangene Drnckschrifte». Von der»Reuen Zeit"(Slilttgart, Dictz' Verlag) ist soeben daS 35; Heil des 15 Jahrgangs erschiciicn. Aus dein Inhalt heben wir hervor: Von Tessendnrss bis Thielen.— Klassen und Parteien in Italien. Bon Dr. Jvauoe Bononii. III.— Handelsvertrags, und imperialistische Expan- ftonSpolitik. Von Heinrich Ciuioiv. II.— Zeitdrainen. Von D. Bach.— Midail Emilicscu. Von Georg Adam.—.Litterarischc Rundschau: Dr. John L. Tildslcn, Die Entstchuiig und die ökonomischeii Grundsätze der Chartisten- beweginig.- Keiiilleton: Dem neuen Jahrtausend ciitgcgc». Eine natnr- wissciischastliche Umschau von Dr. Friedrich Knaner.(Schluß.) Ter Kmiitscr Mord. Ein Beitrag zur Klärung. Unter diescin Titel ist im Verlage von Prcuß u. Jünger in Breslau eine kleine Schrift er- schiene», die in übersichtlicher Auordimiig alles bringt, was über die ge- heiniuisvvllc lluthat bisher beknnut geworden ist. Arn Schluß seiner Dar- stelluiig veröffentlicht der Verfasser, ein Dr. med. H, zum Heberst uh eine Reihe Urteile wiffenschastlicher Kapacitätcu, die sich gegen den Aberglauben vom Nitnalmord wenden. Die»ene Heilmethode. Lehrbucki der naturgemäßen Lebensweise. Von M. Plate», Deutsches Verlagshaus Bong u. Co., Berti», Leipzig-c. Vollständig in 24 Heften a 50 Pf. Hest 1 und 2. Marktpreise von verli« am 28. Mai lvvv nach Ermiltlmigcu des kgl. Polizeipräsidiums. 15.35 15, 10 14,80 14,10 13,50 15,50 15,- 14,50 6,32 8,80 40,- 45,- 10,— 14,20 13,60 13.— 15,10 14,60 14,20 5,32 5,80 25,— 25,- 30,- Kärtosfeln, neue, D-Ctr. Nilidslcisch, Keule 1 kg do. Bauch„ Schweinefleisch„ Kalbfleisch, Haiiiinclfleisch„ Butler Eier Karpsen Aale {Zander Hechte Barsch« Schlei« Bleie Krebse 60 Stück 1 kg per Schock 8,- 1,60 1,20 1,60 1,60 1,60 2,60 3,20 2,20 2,80 2,60 2,40 1,80 3,- 1,40 12.- 6- 1,20 1- 1,10 I,— 1,- 2_ 2�20 1,20 1,40 I,- 1,20 0,80 1,40 0,80 3,- i jüdzeit, gut D.-Ctr. „»Uttel gering ♦)9lofl0cii, gut „ mittel gering -f) Gerste, gut „ mittel gering f) Haser. gm „ mittel .. geling Richtslrvh Heu Erbsen Speiscbohtlen Ltiisen *) ab Bahn. f) frei Wagen oder ab Bahn, Produrteniiiarlt vorn 2 0. Mal. Für Getreide entwickelte sich matte Tendenz, da sich die Ernteanssichten in den östlichen Provinzen infolge des reichlichen RegeufaNcS der letzten Tage weseiitlich gebessert haben und außer- dein auch in Amerika und Rußland ziemlich bedeutende Ernten erwartet werden. Verhältiiisinäßig am wenigsten gedrückt waren am Frühinarkt die Preise für effektive Ware, da das Angebot knapp bleibt. Auch vordere Liefeniiigen wurden dadurch ciittgcnnatzcn gestützt, während Herbstsichten mittags unier dein Druck russischer Offerten bei eng begrenztcin Geschalt matt waren. Weizen gab 1,25 M., Roggen 0,75 biS 1 M. nach. Hascr loca fest, da inländische Ware Inapp und teuer, russischer im Lieserungshandel nachgebend. Riiböl lag gut behauptet, obwohl Paris für nahe Sichten matte Notierungen ineldet.— Spiritus loco unverändert,— Schluß: Roggen leicht befestigt, Weizen schwach, »vitteinnKsiiberstcht vom 39. Mai 1900, morgens 8 Ilhr. Stationen 5 2 »= Swiiieinde Hamburg Berlin Fraukf./M. Msinchen Wien 764 WNW 764 WSW 765 W 767 W 767 W 764 NW Wetter iäK *11 i« H I wolkig 3Rcgen tzwolkig l hlb.bed 2 Rege» 2wollettl siäilonen LS <5 B H °J[ & C 3 i f Haparanda Petersburg Cork Aberdeen PariS 771O 763-NO 774.N 769N22 770NO Weiter 2zvolkenl 1. bedeckt Oheiter Owolkiz Swolkenl S ä 8 9 11 12 12 COciici'- Prognose für Mittwoch, de» 30. Mai 1900. Langsam aufklarend bei mäßigen nordwestlichen Winden, leichten Regensällen und etwas steigender Temperatur. Berliner Wetterbureau. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montag. DieuStag und Freitag von 7-0 Nhr abends statt. Gcrstendcrger. Im„Vorwärts" schon vor einigen Wochen de- 9». 305. Der Arbeiter-Radsahrcrverein„Berlin" tagt jeden ersten Donnerstag im Monat bei Wilkr, Andrcasstr. 26, jeden dritten Donnerstag bei Raabe, Kolbergerstr, 23, � E. St. Die Siegessäule ist bis zur Plattform des Kapitals 46 Meter, bis zur obersten Spitze 61,5 Meter hoch. Der RathauStunn mißt bis zur tzlltitn 74 Meter, bis zur Spitze der Flaggenstange 87 Meter.- W. ist Chciuilci�. � sBcltt,cn Sie sich an den Arbeitsnachweis der Metall- arbcitcr, Engelufer 15. M.F. Liegt der Sachverhalt so, wie Sic ihn schildern, und können Sie den Beweis für diesen Sachverhalt führen, so ist der gegen Sie erhobene Anspruch aus Zahlung abzuweisen.— A. F. 14. 1. Ja. 2. Ja. 3. Sie würden verklagt und verurteilt werden.— I. M. Unbedeutende Fehler an den Füßeii, Bruchanlage und unerhebliche Schwerhörigkeit.— Land- brirfträger. Leider giebt das Gesetz Ihrem Vater leine weitergehenden Rechte. Die Klcbcpfticht besteht. Der Brief nebst?l»lage ist dem von Ihnen bezeichneten Abgeordneten übcrsandt.— Pflichtteil. Die Frage, wie hoch das Pflichtteil ist, wird, auch wenn das Testament im Jahre 1896 gemacht ist, da der Tod na ch dem 31. Dezember 1899 eingetreten ist, nach dein Bürger- lickicn Gesetzbuch bcurleilt. Danach beträgt das Pflichtteil die Hälfte der gesetzlichen Portion. Plan-Nfer. Ja,- 74. G. I. I. Einbchaltene Sachen müssen ohne Zeitgrcnzen aufbewahrt werden. Das Psand kann nian nur dadurch IoS werden, daß man die Forderung einklagt und dann das Pfand durch einen Gerichtsvollzieher verlausen läßt oder daß man nach gehöriger Androhung das Pfand öffentlich verkaufen läßt oder daß man mit dem Schuldner sich über Verkauf oder Anrechnung des Pfandes einigt, Der letztere Weg ist der tostenlusc, der erster« der lostspicligstc. Es ist deshalb in der Regel zwecklos, Psandobjelle, die wenig Wert haben, ei», zubehalten.— H. E. 13. Ja. - F. B. 00. Die Altcrörcntc kommt in Fortfall, sobald dem Altcrsrentncr Invalidenrente gewährt wird.— Heureka. 1. Ja. 2. Jimerbalb eines Jahres.— P. B. 77. 1. Ja. 2. Der Arbeitgeber hat die Hälfte de» Slcbeniarkeiibetragö zu zahlen.— Pohle. Wenden Sie sich mit einem Antrag aus Erhöhung der Unterstützung an den dortigen Kreisansschuß zu Hände» des Landrats.— H. M. Ch. 1. Das Urteil de» Reichs- Versichernngsanits ist rechtskräftig und nicht mehr angreifbar. — Wichmann. Die Bremer Gesinde- Ordnung berechtigt die Herrschast, Nicht, polizeiliche Maßregeln zur Zuführung des Dienstboten zu veranlassen. Sie kann nur aus gerichtlichem Wege vorgehen und Schadcnsersatp I verlangen. Ein Schndeiiscrsatzanspruch ist ausgeschlossen, wenn das frei« Guu eilen des GeuchtS annimmt, ein„wichtiger Grund" liege Nor. Der von jjpncn erivtihnte Uniftnnb würde niä wichtiger Grund migesehen werden.-- � rven. Die Aeuliwister des Eheinoims würden in Ihrem Kalle mit- erben, wein, der Ehemann nicht— wozu zu raten ist— ein Testament macht, ü. Die Unterstütznng ivliide nur sür Sie, nicht für Ihn«inder wetdeu.— Z. IVO. Auf Naturalisierung in Deutschland hat kein Ausländer ein Rech t. Ein Gesuch um Ausnahme in den prcuhischen Staatsverband kann ohne Grunde abgelehnt werden. Wollen Sie naturalisiert werden, so geben Sie Ihr Gesuch aus Ihrem Polizeirevier zu Protokoll. Wenn Sie naturalisiert werden, so wird Ihnen eine Raturalisatwnsurkiinde auSgesertigt. Dieselbe kostet 50 M.- X. 7. Nein. M» 3. Sie leben außer Gütergemeinschaft mit Ihrer Frau. Die- selbe hastet nicht sür Ihre Schulden. Der Abschluß eines notariellen Per- trags, durch den Sie das Eigentum Ihrer Iran anerkennen und auf Niest- »rauch und Verwaltung verzichten, ist aber zweekmähig.- F. J. eil l. Die Glaubiger Ihres Gläubigers sind an die zwischen Jbne» und Ihrem Gläubiger getroffenen Vereinbarungen gebunden.—>s den Krankeiikassensiatut). 2. siir Knappschastskaffe»- Mitglieder der �00fao,e Betrag dcS von dem Kaffenvorsiand sesizlisetzcnden diirchschmttNchen täglichen Arbeitsverdienstes, wenn dieser den ortsüblichen Tageiohn ul�er- sieigt 3. für Seeleute der DurchschiiittSbetrag de? für die BerrckNnng de. Ulisallrente» vom Reichskanzler oder der böhereu Berwaltungsbelivue i-st- gesetzten Jahres-Arbeitsverdiensies, 4. sür die m der Land- und Foiuwirt- schaft beschästigten Personen, falls sie nicht zu den unter Nr. 1 ausge uhrte« Kategorie» gehören: der sür sie von der höheren �erwaituii�- behörde festgesetzte durchlchuittliche Jahres-ArSeltSverd.enst. 5 Lehrer und Erzieher, falls nicht ein SÄ«S-Arbel�verdwiist von mehr als 1150 M. nachgewiesen wird, 850 bis 1150 M. I>t in, Boraus für Wochen, Monate. Vierteljahre oder Jahre eine feste bare Vergütung verernbart und ist dies« höher alS der nach diesen Regeln m ah gebende D n r ch s ch n i t t s b e t r a g, so ist die, e Ber- gütung, also der wirkliche Arb-itsverdleiist. zu Grunde tu Icaeii Das ist für viele gewerblichen Arbeiter, Werkmeister und Haiidluligsgehilfen von Erheblichkeit. Statt der hiernach zu verwendenden Marken können Marken einer höheren Lohnklaffe verivendet werden, lucmi Arbeitgeber und Arbeiter hierüber einverstaiideii sind. Aneb wenn ktzln Ein- verställdnis herbeigesührt wird, kann der Versicherte beanspruchen, daß sur ihn in einer höheren Lohnklaffe gellebt wird, muß dann jedoch den Mehr- betrag selbst zahlen.__ Nur den Jiihnlt der Inserate libmiimnu die Redaktiv» de,» Publikum gegenüber fciiierlci PeranOvortiiiig. Cficnfcu. Mittwoch, den 30. M a i. Opernhaus. Der Evangelimami. Ansang 7Vi Ulir. Gchausplelhaiis. Jiigend von heute. Ailfang 7l/. Uhr. ■— Der Star. Ansang Deutsches. 7l/z Uhr. Lcsslng. vais�(A runaway girl). Anfang T1/, llhr. Berliner. Berlin bei Nacht. An- sang 7>/, Ii br. Neues. DaS Stiftungsfest. Anfang 7»/, Uhr. Residenz. Die Dame von Maxim. Anfang 7>/z Mir Weste». Die Geisha. Allfang 7V- Uhr. Schiller. Freudlose Liebe. Hier- ans: Die Schulrciterin. Ansang 8 Uhr. Thalia. Wie man Männer fesselt. Anfang 7i/z Uhr. Lnise». Die eim: weint, die andre lacht. Ansang 8 Uhr. Ventral. Berlin»ach Elf. Anfang 8 Uhr. Varl Weist. Kämpfende Zlnuut. Anfang 8 Uhr. Bictorin. Die Kanonen-Köiitgin. Anfang 8 Uhr. Friedrich. WtlhelinstädtischcS. Die Mädchenhändler von Europa. Anfang 8 Uhr. De»«- stlllinnev.(Jnteriiotionnle Urania.) BiS aus Ende der Welt. Anfang 8 Uhr. Metropol. Spcciaiitälciivorstellnng. Der Zauberer am Nil. Ansaug 8 Uhr. Llpolto. Specialitälen- Vorstellniig. Ein Abenteuer i», Harem. Ansang 8 Uhr. Rcichshalle». Stettincr Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage> Pnitoplikiim, Spcciali- läten-Vsrftclliing. ilrania. Jnvalldenstr. i»7/i1S. Sägilch abends von 5—10 Uhr: Sternivarte. De»drustraftr ä8/>lS. Abends v Uhr(Im Theatersaal):„Bon den Alpen zum Vesuv". Ellillltl''TIjtl!lkr (Wallner-Theater). Mittwoch, abends 8 U y r: Cchanspiel in 3 Akten v. G. Giacosa, dentsch von O. Etsenschttz. Hierauf: Die Scluilrcitceln. Lustspiel in 1 Akt von Emil Pohl. Donnerstag, a b c n d S 8 Uh r: Klobv. Hierauf- Dei-Dlener' iSTvelei' Herren. Freitag, abends 8 Uhr: Frendloiio Liebe. Hierauf: Die bicbtilrMtcfln. Thalia-Tlieater. Tel. AmtIVa 6440. Dresdenerstr. 73/73. Gnstspiel Annie DirkenS. Wie viiltt Niiililer scjsclt. Vandeville- Posse i» 4 Akten. Musik v. Victor Roger. Zlnsaiig 7>/z Uhr. Morgen und folgende Tage: Wie «INN Montier fesselt Belle�iance-Theater. (Internationale Urania.) rHfittt lind folgende Tage:"VL iis ans ßnSe Skr Welt. Ei» Schauspiel der Nainr in 12 Bildern lind ciiiei» Pröiog voll Dr. M. Wilhelm Meycr. Anfang 8 Uhr. üßtrepol-TliGatBr. Veyrenstr. 55/57. Direktion Ol. Schultz. Telephon I 2126. Um 9 Uhr 10 Mi».:"VW »er zrrij«Mte Dperetlen- Ki-folif der IctKteu 3 Jahre. DerUereraiiii. Bnileske AiiSstatiungs-Opeeette sowie llkis nslie ei'StldäLLige �si-8pklZiklIitKtkn-ki'ogiMm Alisoiig täglich 8 Uhr(auch Soniiiagd). Rauchen iweralt gestattet. Urania Tnubcnaeraaeie 48/-ib. Im Theater abends 8 Uhr: „Von den Alpen znm Vesuv". luvallilvnatr. 57/(13: Täfll. Slerikivtirte. Nachmittags 5—10 Uhr. ■Passap-Panopticui.' Riesels und JSiwer�e. 10 Uhr yom. bis 10 Uhr abds. Passage-Thealer: Vorstellung von 7— IOVj Uhr. „See-Terrasse", Lichtenberg Röderslrasse 6.__ (Die breite Röderstraeee verbindet da« Steuerhau« Landebertzer Alle« mit dem Dorfe Lichtenberg) Zu Fuss in 8 Min. v. den betr. Rine/bahnstationon u. Haltestoll. der elektr. Bahn erreichbar. Vergnögiiiigs-Etablissenient i. fianyes 20 Of°?8fnd80nen Täglich; Konzert der Römer Sersagiieri. Tätlich vonllgl. Elltc-Prograinm im VariiStO-Theatcr. NoTität: Lichtenberg auf Stelzen" L�rföTgi und Donnerstag.'WjI •f Vi Montni CASTANS PANOPTICÜll rpl«(U-lch>tr. 165. Der berühmte Mr. Roberts, üj Die■n'eltberühmte'TJUS Holienzollern-Galerie. Die lieldeu des TraitHvaal-Kriegs. Oer französische Saal.| Im Restaiifaat tiislich mittags und abends Grosses KonzertSS WWUWWWW« CjiflWeiss-Tiieater Gr. Frankstirirrstraste Iis. Rämpseittie krmwl Sociales Schauspiel fn 3 Akicn v. G. Äörncr. An lang 8 lthr. Im Garten täglich: Gr. 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Den Parteigenossen zur Nachricht, dass iiliscr Mitglied, der Maurer Julius Dietrich, Schwedterstrasse 29, am Sonntag, 27. Mai, verstorben-ist.. Die Beerdignng findet am Donners- tag, den 31. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Zions- Kirchhofs, Ntedcr-SchöNhauseii, ans statt.' Um zahlreiche Beteiligung ersucht -247/12 Der Vorstand. Allen Verwandten u. Freunden zur Nachricht, dass die Beerdigwig meiner lieben Frau, unsrer guten Müiter„nd Grossmutter Louise Roseubaiim, heute, Mittwoch, den 30. Mai, nachmittags 4Vz Uhr, von der Leichenhalle des Rtpdorfer Kirch- Hofs, Rndowerstrasse, ans statt- ftndet. 12775 Die trauernden Hinterbliebenen. l'. ItoeenbaiiRi. ZWNWZKZ Grts-UmMeMsssej der Maler. Die Beerdigung unsres Vor- sitzenden RicM Schröder findet am Mittwoch, 30. Mai, nachulittags 5 Uhr, von der! Leichenhalle dCrZions-Gemeinde,| Nieder-SchöNhausen, mtS statt. 1278b Der Vorstand. Sclmitae, Wassei-tUorBtr. 1/3, 1. Behandlnng aller Haut-, s Harn- und Blaseulridc» ohne! ! segltche BerNssstöning. 39731.' j Sprechstunden 9—2 u. 5—9. Dounerötagvormittag keine Sprechstunde. Bei Vorzeigung der| I VerbandSkarte 10 Proz. Schweizer Garten Am XSnlgstlior.— Haltestelle der Ringdahn.— Am Frlsiii'lchshsln, 8,m 8rnb-Kl)«zttt v»d Ärstcllnng. Karlen- Xonierl und kxlrn-Vorslelluv?. Bolksbelnftigungeu! 3 u* aller Zlrt. 1'OOII. Eintritt 30 Pf. eintritt 30 Pf. Btginil her Haujitsaison Nh her tögl. VoriNllllgtll. Extra-Vorstelluttg. Vo amtisiert man sich grossartig? Jahnstr. 8 in KcimecelBboPKB Max Schindler.— Telephon: Amt IV __ Heute: GroBser Ball,"9�4 als Speeialitüt: Pfannkuchen-Regen, verbunden mit Hasenhelde 21 FeBtBftlen, Nr. 1132. und Jnh. ais«»eciniitiit: Pfannrnrue» megr», veiouuoen mir Schlangen- u. Apkelslnen-Nagen u. diversen Ueberraschungcn. Täglich: Speeialttateii-VorfteUu»«. Entree frei. 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Dieser Umstand scheint der Fünfer Kommission nicht bekannt gewesen zn sein, sonst würde dieselbe nnsre Firma nicht erwähnt haben. Berlin, den 29. Mai 1900. Radeberger Exportbierbranerei Ibteilung: Piclielstiorf. «"g'-os Billigster Bezug 100 stock rorjedeii Ratichccnnd Httndler! Olk. 4,«5. Wurms Magendoktor Ansichts-Poslknrte erhalten Sie beim Einkauf von Wurms konzentr. Kräuter- liqueur Magendoktor in den Eestowationen und conc. Ladengeschäften r�So0 Ä C v-vb' Cruolla (Versand nach Auswärts nicht unter 100 St. von einer Sorte, von M. 11,-* an portofrei. Bei Abnahme von 500 Stück 5 Proz. Rabatt.) Moralis pr. 100 St. M. 2,40 I Havanna House, 100 St. M. 3,00[ Imperiö pr. 100 St. M. 5,00 Habanna„„„„ 2,75 Hora ,,„„ 4,00 Eminente„„„„ 5,50 � Hanki Po ,,„>,„ 3,15 1 Onkel Bräsig„» 4,50 1 Flor de St. Felix Brasil ,, 6,00 �- PCeisliste fraueo.—>[4741 L* © M. it< EGGS® M. 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Der Einführung von Fahrkarten-Antomaten wird in der «Acitschrift für Kleinbahnen", die nnter ihrem Titel die Bcincrknng trägt,„Herausgegeben im Ministerium der öffentlichen Arbeiten". menschenfreundlich das Wort geredet. In der Beilage dieser Zeit- fchrift, betitelt:„Mitteilungen des Vereins deutscher Straßenbahn- und Kleinbahn. Verwaltungen", finden wir eiricn Artikel des Civil- ingeuieurs Fritz Knill in Hamburg über elektrisch betriebene Fahrkarten- Automaten für elektrische Straßen- bahnen. ES ist ja ein offenes Geheimnis, daß das Streben der Straßenbahn-GeseNichaften überall darauf hinausgeht, mit der Ein- führnna des elektrischen Betriebs die Schaffner abzuschaffen, um durch das beträchtliche Ersparnis an Löhnen den Profit der Aktionäre zu steigern. Auch in Berlin würde dies zweifellos bereits in um- fassendem Maße geschehen sein, wenn nicht die Verkehrspolizei mit ihren Bestimmungen solcher Profitvennehrung hindernd im Wege stände und wenn die Sache nicht sonst ihren Haken hätte. In jenem Artikel wird nun lebhast Propaganda für die Abschaffung der Schaffner und Einführung des Automaten gemacht, dessen Vorzüge in Wort und Illustration angepriesen werden. Ganz abgesehen davon, daß durch Eiuführnng solcher Automaten tanscndrn menschlicher Hände wieder das Stück Brot geraubt würde, nmtz der Fahrtarten-Automat auch zu einer Steigenmg der Betricbs- Unsicherheit führen. Schon heute gefährden die rasch dahin- fahrenden Motorwagen in den Centraistraßen der Großstädte die Sicherheit des Verkehrs in außerordentlichem Maß und es ist gewiß nur der Aufmerksamkeit von Wagenführer und Publikum zuzuschreiben. daß sich nicht mehr Unglücksfälle ereignen. Beseitigung der Schaffner durch Automaten würde aber selbstverständlich eine größere Belastung des Wagenführers mit Arbeit mit sich bringen, ferner würde das Auf- und Abspringen bei fahrendem Magen imiucr mehr einreißen. so daß die Betriebssicherheit ganz erheblich gefährdet würde. Bei alledem mag man es hingehen lassen, daß die Direktion und Aktionäre der Slrabenbahn-Gcscllschastcn in dem an amtlicher Stelle herausgegebenen Blatt mit der Aussicht auf vermehrte Profite lecker gemacht werden. Hübsch ist eö nur nicht, daß dies auch air Kosten des ehrlichen Namens der bartgcplagtcn und elend entlohnten Angestellten geschieht. ES heißt nämlich schlankweg in dein Fachblatt: „Ferner ist es eine bekannte Thatsache, daß nicht gerade selten die Schaffner der Straßenbahnen zu F a h r g e l d h i n t e r- Ziehungen verführen, indem sie im EiiiverstäuduiS mit dem Publikum das Fahrgeld einkassieren, ohne BillesiS zu erteilen oder nur einen Teil des Fahrgelds erheben und in ihre Tasche stecken, den Passagier aber blind mit- nehmen. Diescni Unwesen wird durch den Billclautomatcn der Garaus gemacht. Das ist eine Propaganda, die über das Maß der guten Sitte beträchtlich hinausgeht. Die Frommen sind auch gestern an der Arbeit gewesen. Der zumeist aus H o f p r e d i g e r u und Hofbcamteu beiderlei Ge- schlecht? zusammengesetzte Ausschuß dcS evangelisch- kirchlichen Hilfsvercins hielt im königlichen Schloß seine Jahres Versammlung ab. Der Vorsitzende Wirklicher Geheimer Rat v. L c v e y o w richtete eine Begrüßungsansprache an die in der Versammlimg anwesende Kaiserin. Nach der„Kreuz-Zeitung" sagte der Vorsitzende:„Die kirchlichen und socialen Notstände nehmen infolge der Zeitumstände zu. Die K i r ch e n f e i n d e, die meist auch Feinde von Thron. Staat undGcs ellschaft sind, machen das Uebel um s o schlimmer. Demgegenüber sind uiisere Kräfte nur schwach, und Eure Majestät werden gewiß vfler gesagt und gedacht haben: könnte der HilfSvcrein nicht noch mehr thun?" Und diese bewegte Klage, trotzdem der Kirchenbanvcrcin für die Errichtung von„GottcShänscrn" jc. mehr als elf Millionen Mark verbraucht hat. Wenn die evangelische Kirche mit Gold ihr Sienomniee haben könnte, so müßte allerdings ganz Berlin bereits durch und durch verfronimt sein. Wo solches nun leider nicht geschehen,„Unglaube" und wisscnschastliche Er kenntniS hingegen immer mehr in der Bevölkerung zunehmen, ist cS eigentlich ein wahres Glück, daß eS Feinde' von Thron. Staat und Gesellschaft giebt, die angesichts der geistigen Ohnmacht der Kirche als Prügelknaben dienen können. Mit welchen Schmerzen die Fronimen sich übrigens zuweilen plagen, darüber giebt ein Synodalbericht in der„Voss! Ztg." Kunde. Es heißt darin:„Der Bericht ans der Dorotbceustädtischen Gemeinde beilagt, daß der Fremdenvcrksehr in den zahlreichen HotelSnnd Chambre garnies und die Nähe der Vcrkchrscentrcn und Verkehrs- Wege schon am vormittag der Sonn- und Festtage u n g n n st i g aus die Feiertagsruhe und Feiertagsheilignng zurückwirken. Der Gemeindckirchenrat hatte deshalb ein Gesuch an die städtische Verwaltung uni Asphaltierung der Mittelstraße und Neu- stadtischen Kirchstraße gerichtet, das aber abschlägig beschieden ist. Wie wäre es, wenn die Straßen nud Babuhöfc wahrend der Kirchstunden gesperrt würden? Was dem Militär recht ist. sollte der Kirche billig sein. Der Fall Ziethen. Gegen den Entscheid der Elbcrfelder Straß kaminer ist Beschwerde eingelegt; bei der außerordentlich schwachen Begründung jenes Entscheids ist ein günstiges Resultat zu erwarten. Jedenfalls werden die Männer, welche von Ziethens Unschuld niebr als je überzeugt sind, in ihren Bemühungen nicht nachlassen. Im Gegenteil, sie sind erforderlichen Falls entschloffcn, an die öffcnt- liche Meinung weit kräftiger noch zu appellieren, als es bisher aus Rücksicht ans den regulären instanzcnmäßigen Verlauf der Sache für nützlich erachtet wurde. Wer Mitteilungen in der Angelegenheit zu machen hat, oder Information zu erhalten wünscht, der wende sich an den Genossen Wilhelm Liebknecht, oder den Rechtsanwalt Genossen Fränkl, Köthcncrstr. 1, der den Prozeß nach wie vor führt.— Einige neue Telegraphenanstalten werden demnächst in Berlin eröffnet werden. Die Mittel dafür sind bereits bewilligt, so daß die Anschlüsse im Laufe dieses Sonimers werden bewirst werden. Im Centrum erhält das Postamt 77 in der Linienstr. 34, welches dem Postamt 22 in der Rosenthalcrstr. öS untersteht, den Tele» graphen. Im Norden soll daS kleine Postamt 103 in der Pulbuser- straße 20 angeschlossen werden. Dieses Amt gehört zu dem Postamt 31 in der Usedom str. V. Im Westen Berlins soll das Post- amt SS in der Nürnbcrgerstraße nnd Kurfürstrnstr. 101, daS zum Postamt 02 in der Landgrafeustr. 2 gehört, nnd das Postamt 104 in der Genthincrstr. 37 Telegraphen erhalten. DaS letztere gehört zum Postamt 135 in der Lützowstr. 03. Außerdem ist noch eine Tele- graphcnanstalt für die Postagentnr WilbelmSberg in Aussicht ge- nommcn. In den Berliner Krankenhäusern befanden sich Ende Januar d. I. 5347 Kranke— gegen 4084 am Anfang dcS Monats.— Gestorben sind in den betreffenden Krankenhäusern im Monat Januar 770 Personen. Ter Schnrllzng Berlin-Kiil«, der mittags 1 Uhr 8 Minuten vom Bahnhof Friedrichstraße abfährt, wird bis zum 81. August auch Wagen dritter Klaffe führen. Tie elektrische Beleuchtung der Mühlendamm- Schleuse wird jetzt vorbereitet. ES sollen nämlich in Zukunft, wenn es er- forderlich ist, auch bei Nacht Schiffe durchgeschleust werden. Die Nachricht, daß zwischen dem Polizeipräsidium und dem Branddirektor Giersbcrg eine Beratung über die Beteiligung der Feuerwehr bei Unterdrückung von Unruhen stattgefunden habe, wird amtlich für unrichtig erklärt Große Ztbspcrrnngcn giebt es am Donnerstagmorgen aber- mals in den nach dem �cmpclhofer Felde führenden Straßen, weil an diesem Tage eine Parade stattfindet. Durch eine» Sturz vom Gerüst ist gestern mittag der Maurer Eduard L e ß k e aus der Schönhauser-Allee 73 schwer verunglückt. Auf dem Grundstück Brunnenftr. 193 wird da§ Hintergebäude abgeputzt. Hierbei war Lcßke auf einem Gerüst inr dritten Stock be- schästigt. Das Brett, auf dem er stand, war überlastet und brach. Der Maurer stürzte mit dem Mörtel und seinem Handwerkszeug ans den gepflasterten Hof hinab, zog sich schlvcre innere und Kopf- Verletzungen zu und mußte mit einem Lückschen Rettungswagen durch die Rettungswache in der Kastanien-Allee nach der Charits ge- bracht werden. Auf der Polizeiwache gestorben ist der 46 Jahre alte Maler Albert Hintze, desten Tod cm trauriges Bild aus dein Großstadt- elend cuthüllt. Hintze. der aus Angermünde stammt, war dem Trunk ergeben. Bis zum Februar dieses Jahres wohnte er mit seiner Frau und fünf Kindern im Alter von ein bis zehn Jahren in der Pappcl-Allee 120. Dann wurde er exmittiert. Einen Monat war die Familie im städtischen Obdach. Anfangs April trennte sich Frau Hintze von ihrem Mann nnd zog mit einem Kind nach Angermunde zu Verwandten. Die beiden jüngsten Kinder kamen in ein Krankenhaus, wo sie starben, die beiden älteste» in das Waisenhaus. Hintze fand eine Schlafstelle in der Dnnckerstr. 18. Gestern abend erhielt seine Frau die lelcphonischc Mitteilung, daß er gestorben sei, nnd sie kam daranshin heute morgen hierher. Gegen 5 llhr nachmittags fanden ihn Schutzmänner zwi'jchcn der Prenzlauer Allee nnd der Dnnckcrslraße ans dem freien Felde liegen und brachten ihn im Interesse seiner eignen Sicherheil nach der Wache des 98. Reviers in der Rykcstr. 41. Hier erstickte er während eines heftigen Erbrechens bald nach der Ankunft. Unter dem schweren Verdacht, sich gegen seine eigne nnd seine Slieftochrcr vergangen zu haben, ist der 40 Jahre alte Hut- machcr Albert Uiigcr, Höchstesir. 23, verhaftet worden. Ilngcr beiratete nach dem Tode seiner ersten Frau vor vier Jahren eine Witwe, die eine jetzt zwölf Jahre alte Tochter in die Ehe mit- brachte, während seine eigne Tochter 17 Jahre alt ist. Diese hatte seit vierzehn Tagen keinen Dienst und war z» Hanse. I» dieser Zeit soll der Vater, wenn seine Frau r'rgniS zum ZcitnnganSiragcn die Wohnung verlassen hatte, sich ichwcr gegen die Tochter nnd Sticftoäitcr vergangen haben, gegen diese auch früher schon. Die Polizei des LI. Reviers nahm Ilngcr auf erhaltene Anzeige fest und führte ihn nach einem Verhör auf der Revierwache der Kriminalpolizei zu. Nuf der Straßcnbahn verunglückt ist gestern nachmittag die 6 Jahre alte Tochter Margarethe des Malers Ludwig ans der Jnsterbnrgcrstr. 18. DaS Kind spielte in der Frankfnrtcr-Allcc mit einem achtjährigen Bruder ans dem Mittelwege. AIS cS über den Fahrdamm hinüberlanfen wollte, wurde es von ciiicm elektrischen Slraßcnbahnwageu der Linie Spiltclmarkt-FricdrichSfcldc um- gerissen. Ter Verunglückten wurden zwei Finger der linken Hand abgefahren, außerdem erlitt sie Verletzungen am Kopfe. Sie wurde durch die Rettungswache in der Frankfurter Allee nach dem Krankenhaus am Friedrichs- bain gebracht.— Ebenfalls ist der 10jährige Knabe Klose, der bei seinen Pflegc-Eltcrn, den Voigtschcn Eheleuten in der Linienstr. 130 wobntc, beim Abspringen vom Pferdebahnwagen tödlich vermiftlückt. Der Knabe sprang in der Jnvalidenftraße in der Nähe des Neuen Thors trotz wamrnder Zurufe wäbrciid der Fahrt ab. fiel hin nnd geriet unter einen Brancrwogcn, dessen Kutscher die Pferde nicht mehr zum Stehen bringen konnte. Die Räder des bc- Indciicn Wagens gingen dem Verunglückten über dch Brust. Nach drei Stunden erlag er in der Charit«, wohin die Pflegcinnttcr ihn brachte, den inneren Bcrlctznnge». Eine Gesellschaft von etwa 70 Herren der anthropologischen und dermatologischc» Eesellschast besichtigte gestern morgen im EirkuS Barnmn n. Bailcy die dort ausgestellten Monstrositäten. Im Zoologische» Garten ist nnter der Leitung des Herrn F. Marquardt eine aus dreißig Männern, Frauen nnd Mädchen bc« stehende Truppe van S a m o a n e r n angekommen. Am Freitag wird sich die Truppe zum erstenmal öffentlich zeigen. Im Berliner Aquarium ist die Abteilung der Terra rieniewohner um eine Anzahl Riesen- und Bislschlaugeu bereichert worden, die soeben ans Indien und Amerika anlangten und für die Anstalt höchst erwünschte Er- gänzungc» der vorhandenen Bestände bedeuten. Die eine der indischen Rieseuschlangeu gehört zu einer Pnthon-Art, welche in ibrer anatische» Heimat schon merkich in der Abnahme begrifscn ist. Tie andre siamml von der Insel Java und sällt gegenüber der vorigen in ihrer bunten Rückciizcichming dadurch auf, dab an ihren dunkle» Rauten- und Ruudfleckcu ein Goldgelb schön hervortritt, so dnb sie dem Agnarium akö„Gold-Python" angeboten wurde._ 9Cii3 de» Sinchlicirorte». In der letzten Sitzung der Stadtverordneten-Versammlniig zu Schönrbcrg kam der Konflikt, den einige Mitglieder der Tiefbau-Deputation mit dem Magistrat hatte», zur Erörterung. Man sah es den Gesichter» der Stadtväter an und hörte es ans ihren Reden: sie waren nicht gesonnen, eine etwaige Einbuße an Rechten, die ihnen der Magistrat zumntcte, ohne weiteres hinzu- nehmen. Und als der Vorsteher G. Müller noch einmal die An- gelegenhcit vortrug, und bewies, daß der Magistrat im Gegensatz zn der Deputation die Pflasterarbciten anstatt an de» Mindest- fordernde» an einen um 1000 M. teueren Unternehmer vergeben hatte. lohnte ihn von allen Seiten Beifall. Die Antwort des Magistrats durch den Mund des Ersten Bürger- m e i st e r s war eine ziemlich reservierte. Es wären schwerwiegende Gründe, die zu einer derartigen Stellung geführt hätten; um den Ruf der Firma nicht zn schädigen, müsse er von einer weiteren Aus- spräche absehen; er sei jedoch geneigt, bei einer darauf hinzielenden Fragestellung den Stadtverordneten klaren Wein einzuschänkeu. Nun- mehr wurde vom Genossen O b st der Antrag gcstellr, die Bcant- Wartung der Frage in der S t a d t v e r o r d n e t e n- V e r s a m m- l n n g. nicht wie von einer andern Seite gewünscht, in einer Kam- Mission erfolgen zn lassen. Dieser Antrag fand Amrahme, und es steht mithin zn hoffen, daß dadurch der gesamten Bevölkerung Gelegenheit geboten wird festzustellen, ob der Magistrat die Geschäfte der Stadt den Wünsche» der Stadtverordneten entsprechend führen will oder nicht. Eine längere Diskussion brachte ferner der Antrag deS Magistrats, ans Anlaß des letzten großen Brandes der Berliner Feuerwehr die Summe von 600 M.. der Schöneberger Wehr dieZPauschalstiminc von 260 M.(dem Feldwebel 20 M., 6 Oberfenennännern je 10 M., 36 Feuennänncrn je b M.) zn überweisen. Gen. O b st konnte sich mit dem Modus einer Klassifizierung kür die von allen Personen geforderten Ausopfernngen nicht einverstanden erklären. Ein großer Teil der Feuerwehrleute hätte 6, die übrigen 5 Tage hintereinander Dienst gehabt, ohne nach Hause gekommen zu sein. Hieraus gehe hervor, daß gerade die Feuermänner die größte Thätigkeit entfaltet hätten. Obst beantragte, ohne Unterschied jedem Feuerwehrmann 10 Mark zu bewilligen. Sowohl dieser als ein anderer Antrag, der 'ür denJFeldwcbel 20 M. für alle andren aber 10 M. festgesetzt haben wollte, wurde abgelehnt und eS blieb bei dem Vorschlag des Magistrats. Das Fortbtldnugs- Schulwesen in Rixdorf führte in der letzten Sitzung der dortigen Gcwerbe-Deputation zu ein- gehenden Erörterungen. Am Unterricht in der st ä d t i s ch e n Fort- bildungsschnle nehmen etwa 300 Schüler teil. Am besten besetzt sind die sieben Z e i ch e n k l a s s c n. Das eigentliche Fachzeichnen tvird von 53, das Freihandzeichnen von 22 Schülern betrieben. Der Zeichenunterricht soll nunmehr nach dem von der Regierung gut- geheißenen Plan eingerichtet tverden, den der Regierungs- und Gewerberat Lachner aufgestellt hat. Es handelt sich»in eine bessere Gruppierung, die die Einrichtiiiig einer achten Klasse notwendig macht.— Der wichtige Unterricht in Physik hat leider nur sieben Schüler Zu fesseln verniocht, so daß die Deputation sich gezwungen sah, ihn vorläufig eingehen zu lassen, wobei besonders berücksichligt wurde, daß es an Instrumenten fehlt und daß sich solche jetzt nicht beschaffen lassen, weil keine Mittel verfügbar sind. Man will dafür sorgen, daß in den nächsten Etat die benöligte Summe eingestellt wird. Der Gesangsunterricht wird vom Lehrplan gänzlich ver- schwinden, dagegen soll die einfache B u ch f ü h r u u g vom nächsten Jahr ab nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer gelehrt werden. Von der doppelten Buchführung wurde Abstand ge- nommcn. Der Besuch der Rixdorfcr Fortbilduiigsschnle ist von einem Kommissar des Ministers für die Größe der Stadt als zu gering befniideii worden. Der Herr hat die Einführung des obligatorischen Unterricht» für das beste erklärt. Der Krcisschiiliiiipektor bemerkte dazu, da» dies gewiß das Ideal aller Mitglieder der Deputation sei. Aber. aber die Mittel! Die Stadt müßte etwa sechsmal soviel als jetzt für die Fortbildnngsschnle auswerfen, tvcnii das Obligatorium ein- geführt werden sollte. Die Geldfrage, die Nixdorfs Koiniitiinallebeii schon manches Mal lähmend beeinflußt hat, bewirkte denn auch, daß jede Dcbatie über den obligatorischen Fortbildungsiinterricht unterblieb. Eine Piämiicrimg der besten Schüler tvird nach einem weiter» Be- schlnsje n i ch t mehr stattfinden, um Eifersüchteleien zu vermeiden. — Die Errichtung einer kaufmännischen Fort- bildungsschnle für Rixdorf steht in Aussicht. Die Anregung ist von den Acltesten der Berliner Kauf- Mannschaft ausgegangen. Es handelt sich um ein Privatunter- nehmen, das der Äussscht der Gewcrbcdcpiitation unterstehen würde. Die Fortbildungsschule für F r a u e n u n d M ä d ch e n. eine der Deputation unterstehende private Gründling der Lehrer Bergliiccht nnd Engel, hat es bereits auf 151 Schülerinnen gebracht, wovon 35 Ehefranen sind. Nrn-Wcißensee. Ein erneutes Gesuch um Ueberlassung einer Turnhalle z I! u II t e r r i ch t s z Iv e ck e II hat der hiesige A r b c i t e r t n r n v e r c i n an den Gcmeiiidevorstcmd gerichtet. Der Zeitpunkt zur Erncncning dieses Gesuchs ist insofern als günstig an- zusehen, als auf dem neuen Schulgriindstiick in der Goethcstraße eine Turnhalle errichtet wird. JedcnsaNs wird die Gemeindevertretung sich mit der Angelegenheit zu befosicu haben, und dann wird sich zeigen, ob die seiner Zeit gegen den Verein angewandte» pädagogischen Maß- nnhincn deS Amtsvorstehers als Richtschnur gelte», oder ob die Mehrheit sich frei weiß von kleinlicher Gehässigkeit gegen alles waS von der Arbeiterschaft ins Leben acriifeii wurde.— H a l b f e r i e n k o l o ii i c ii ins Leben zu rufen, hat sich ein Komitee zur Aufgabe gestellt. Dieses gewiß lobenswerte Beginnen erführt eine eigentümliche Vclenchtnng durch die Gründe, die für diese Einrichtnng sprechen sollen. Neben dem selbstverständlichen Zweck, den änncre» Schulkindern die Wohlthaten einer Erholung zu teil werden zu lasse», sollen es namentlich„die Klagen der Ein- wohuerschaft über Belästigungen der unterrichtsfreien Schul- fügend" gewesen sein, die das Komitee zn seinem Vorgehen ver- anlaßt haben. ZlnS Wilmersdorf wird uns berichtet: Obgleich ans den im Dezember vorigen Jahres gestellten Antrag der Gemeindevertretung, die Verleihung' des S t ä d t e r e ch t s betreffend, eine Antwort noch nicht eingegangen ist, hat der socialdcmokratische Verein doch schon beschlossen, die Wahlagitation in Angriff zu uehineu. Zu diesem Zweck erfolgen Bezirksbesprechnngen für Halensee am 30. Mai bei Hcidcniann, Wcstfälischestr.144, für den nördlichen Bezirk am 6. Juni bei Rohr. Pariser Platz 55. für den östlichen Bezirk am 13. Jnnr Briichsalstraßc. Ecke der Diirlnchstrnße. In dicscii Versammlungen werden ebenfalls die Vorarbeiten für die Wahlen zum Gewerbe- g e r i ch t erledigt. Material hierzu wolle niaii an Töpfer Wilhelm Picskcr, Wilmersdorf. Gasteinerstr. 29 übermitteln. Ii, Johannisthal liegen die S ch ul v e r h äl tu i s s e. wie UNS von dort geschrieben wird, sehr im argen. Die Äinder der unteren Klaffen haben statt der vorgeschriebenen 22 Stunden wöchent- lich vielfach mir 1! Stunden Unteriicht; ebenfalls sind in den mitt- leren Klaffe» verschiedene llntcrrichtsstiinden ausgesetzt. Erwägt man ferner, daß in der dritten Klaffe 81 Kinder sitzen, so kann mm, sich ein Bild von der Art machen, wie vor den Thoren der Residenz- stadt noch der Unterricht in den Gemcindeschulen gehandhabt wird. In dem Zimmer der erwähnten Klasse sitzen die Kinder so gedrängt. dav es ihnen an Platz fehlt, um die scknft- lichen' Arbeiten gehörig zu erledigen. Die Gemeinde- Vertretung hat beschlossen, sich wegen Anstellmig eines Lehrers und einer Ersatzkraft für die erkrankte Lehrerin an die Regierung zu wenden. Leider ist der Beschluß des GeincinderatS die Miets- ciitschädigung für unverheiratete Lehrer von 200 M. auf 240 M. zu erhöhen, von der Regicrnng nicht bestätigt worden. Die Berufs- frcndigkcit der arg geplagten Männer wird dadurch kaum erhöht werden. Die Pfingstmaic» nnd Gendarmen. Die Gendarmerie der Kreise Niederbarnim und Tcltow-Bccskoiv-Storkotv ist angewiesen worden, den mit Birkenreiserii nach Berlin fahrenden Händlern be- sondere Ausmcrksamkcit zu widmen und die Ursprungsalteste für die Pfingstmaien sich vorzeigen zu lassen. Diese Maßnahme ist darauf zurückzusühren, daß in den letzten Jahren Birkenwälder in der Um- gcbung Berlins in größerem Umfang von derartigen Handelsleuten geplündert und beschädigt worden sind. Faniilienkatastrophc. Tot aufgefunden wurden heute morgen in ihrer Wohnung in der Wilhelnistr. 21 zu Nen-Weißeiisce die Frau de? Droschenkiitschers Hockardt und ihr ein Jahr und vier Monate altes Tochterchen. Wie von der Krnninalpolizei festgestellt wurde, hat Frau H. ihr Kind ermordet und dann sich selbst das Leben ge- nominell. Die Ursache zu diesem Kindesmord und Selbstmord soll in traurigen Familienverhältnissen zn suchen sein. Die Firma G. Jordan in Reinickendorf, Provinzstr. 67. teilt uns zu der am Sonnabend gebrachten Nachricht über die Ver- hastung ihres Werkmeisters berichtigend mit, daß die Mitteilung in keiner Weise den Thatsache» entspricht. Von einer Verhaftiliig des Werkmeisters Herrn Behrens, wie Überhaupt von einem Verdacht gegen ihn sei niemals die Rede gewesen. Wir be- danern unter diesen Umständen natürlich auf das lebhafteste, einer alschen Nachricht Raum gegeben zu haben. Die Bcschädignngcn, die durch Abflüsse der Charlottenburger Rieselfelder von Karoliiienhöhe an Grimdstücken in den Span da u er Weinbergen angerichtet worden, haben die Spandauer Polizeiverwaltung veranlaßt, den Ackerbürger T h i e m e aufzuforderii. seine Wohnstälte zu räumen, weil der Aufenthalt darin infolge der unablässigen Bersiimpfling und Berseilchinig durch Riesel- waffer lebensgefährlich sei; die Baulichkeiten sind durch Uiitcrspiiliing dem Einsturz nahe gebracht. Bei andern Grundstücken in derselben Gegend ist die Anordnung ähnlicher polizeilicher Maßregeln binnen kurzem zu erwarten. Da' die betroffenen Ackerwirte sämtlich Viehzucht und Milchwirtschaft treiben, so müssen sie gleichzeitig mit dem Ver« lassen der Besitzung auch ihre ganze meist von den Voreltern über- nommene Wirtschaft aufgeben. Den Leuten ist, falls sie kein andres Unterkommen finden können, eine alte Kaserne, die die Stadt vor einiger Zeit gekauft hat. als vorläufiges Asyl angewiesen worden. Soweit sie infolge der Aufgabe ihrer Wirtschaft auch mittellos werden sollten, muß die Stadt für sie sorgen. Für allcZ hat aber die Stadt Charlottenburg aufzukommen, da deren Enschädigunc�s- Pflicht durch vorhergegangene Prozesse in höchster Instanz bereits anerkannt ist. Nur der Entschädiguugsbctrag soll noch im Klagetveg ermittelt werden._' SociÄlv VezizkSpflegv. Die Frage, ob und wann Mnsiker Gewerbcgehilfen sind. ist nunmehr auch im Vcrivaltungsstreit-Vcrfahren in letzter Instanz entschieden worden. Es handeile sich um einen Rechtsstreit der Stadt Berlin gegen die Allgemeine O r t S k ra n k e n ka s s e gc- werblicher Arbeiter und Arbeiterinnen. Die Stadt beanspruchte von der Kasse 185 Dt., die sie für die Bcrpflegnng des geisteskranken Musikers Raak in Dalldorf ausgegeben hat. Ihr Vertreter machte geltend, R. habe in den Jahren löiKJ Bis 1898 als Gehilfe des Kapellmeisters Kluck im Embergschen Ballsalou Tanzmusik gemacht und sei durch diese' Art seiner Thätigkeit Mitglied der beklagten Kasse geworden, so daß diese verpflichtet gewesen wäre, ihm 13 Wochen lang das übliche Kranken- geld zu zahlen. Der Anspruch des R. sei auf die Stadt übergegangen. Der Borstand der Kasse bestritt jeder Verpflichtung R. und der Stadt gegenüber. R. unterläge als Musiker überhaupt nicht der Bcrsichernngspflicht, weil er kein gewerblicher Arbeiter sei. Nur solche Personen, die bei der Herstellung eines Gewerbe- Erzeugnisses mitwirkten, seien versicherungspflichtig. Die Thätigkeit eines Musikers könne hierzu n i cki'l gezählt werde». denn sie gehöre ihrer Natur nach zu den freien Künsten. Gleichgültig sei dabei, ob bei der Ausübung der Musik in jedem Fall ein höheres Kunftintercsse obwalte oder nicht. Ter Be- zirtSansschuß wies die Klage der Stadt ab und nahm gleich den» Reichsgericht an, daß die Musiker lediglich eine künstlerische Thätigkeit entfalteten. Auf die Berufung der Stadt hob jedoch das Ober-Verivaltungsgericht die Bor- cntscheidung aus und verurteilte die Kasse nach dem Antrag der Stadt. Es wurde begründend ausgeführt: Musiker seien zum Teil versicherungspflichtig, zum Teil nicht. ES konime ganz darauf an, ob sie als gelverbliche Arbeiter und Gehilfen oder als Künstler anzusehen seien. Bei der Entscheidung dieser Frage sei der Praxis zu folgen, die auf dem Gebiet der JiivaliditätS« und Altersversicherung sich herausgebildet habe. Danach sei fiir die Bejahung oder Verneinung der Zivangsversichcrung entscheidend der Charakter des G c s n in r u n t e r n e h m e u s, bei dem der betreffende Musiker mitgelvirkt hat, ohne Rücksicht auf die Lei st un gen und auf die Vorbild riug deS » i n z c l n e n Mitwirkenden. Walte bei dem Gesamt- unternehmen ein höheres Interesse der Kunst ob, dann seien die mitwirkenden Musiker nicht versicherungspflichtig, im andern Falle seien sie vcrsicherungspflichlig. Hier habe die Kapelle, der Staal angehörte, in einem gewöhnlichen Balllokal zum Tanze aufgespielt, Raak müsse deshalb'als versicherungspflichtig nngeschcu werden. Er hätte somit thatsächlich an die beklagte Kasse Ansprüche gehabt, die wegen der Verpflegung in der Dalldvrscr Anstalt auf die Stadt übergegangen seien. Auf die sechöwöchcntliche Küudigung der„mit höheren technischen Leistungen betrauten Personen" erhob der Techniker M. in einem Rechtsstreit Anspruch, den er gegen den Ingenieur und Maschinenfabrikanten Kortüm beim Gciverbcger:cht führte. Der Kläger>var im technischen Bureau des Beklagten als Zeichner beschäftigt gewesen und hatte dort kleinere Zeichnungen v e r- g r ö ß e r t und sogenannte Pausen angefertigt. Die Kaumier V unter dem Vorsitz des Dr. Voigt erklärte solche Arbeiten für kein höheren technischen Dienstleistungen und riet dem Kläger, sich ii Vcrglcichsivegc mit einer Gehaltsentschädignng für li Tage zu frieden zu geben. Ein entsprechender Vergleich kam denn auch zu stände. > e im Angelegenheit endgültig wurde bekanntgegeben. am 5. Angnst mit dem VevlÄnt,nlttttsetr. Der Arbciter-Eäugcrbund Berlins und der Umgegend hatte am 20. Mai eine Alisschußsitzung anberaumt. Anfgenommen wurden die Vereine„Süd-Ost 1kl" und„Gesangverein der Maurer" in Wilmersdorf. Der Wahlverein des dritten Berliner Kreises hatte zum Stiftungsfest cinen indisierenten Gesangverein cngagixrt. was zur Folge hatte, daß am 1. Mai seitens der zugeteilten Vereine nur eine schwache Beteiligung bei der Gesaugsaufführung er- folgte. Von feiten des Vorstands wurde dieses gerügt und zugleich mitgeteilt, daß diese geregelt sei.— Vom Vorstand daß die Vereinbarungen zum Sängerfest Oekonom vom„Schloß Weitzensce" nunmehr abgeschlossen sind und eine bedeutende Vcrbessernug im Aufbau stattfindet.— Zur Ein teilnng der Uebnugsstunden nach Bezirke» sollen Sitzungen mit den Vertretern der Vereine zur nähern Besprechung cinbernfen werden. — Zum Schluß wurden diejenigen Gesangvereine, welche im Nieder- Barnimer Kreise, im 6. sowohl wie im 4. Kreise domizilieren, auf- gefordert, sich an den im„Schloß Weißensce" stattfindenden Volks- festen zu beteiligen. Der Mctallarbeitcr-Vcrband sOrtsverwaltung Berlin) hielt am Montag eine außerordentliche Generalversammlung, in der als einziger Punkt die Fortsetzung der in der vorigen Generalversammlung begonnenen Debatte über die Angelegenheit Litfin ans der Tages- ordnung stand. Den Anlas; zu dieser Debatte bot ein Antrag. welcher verlangt, daß Litfin. der vor!>/, Jahren wegen eines in der bon ihm verwalteten Zahlstellenkasse vorgcfnndenen Jehlbetrags seines Amtes entsetzt worden ist, wieder innerhalb des Verbands agitatorisch thätig sein darf. Ein Gegenantrag verlangt, daß Litfin aus dem Verbände gänzlich ausgeschlossen werde. In der Debatte, die fünf Stunden lang, mitunter in recht leidenschaftlichem Ton, geführt wurde, brachten mehrere Redner eine Anzahl von Unregelmäßigkeiten zur Sprache. deren sich Litfin bereits in früheren Jahren schuldig gemacht haben soll. Litfin stellte diese Anschuldigungen in längerer Rede als un- begründet hin und suchte sie zu entkräften. Nachdem bereits ein großer Teil der Versammluugsbesncher den Saal verlassen hatten, wurde um 1 llhr mit 209 gegen 222 Stimmen beschlossen: beim Hanptvorstand den Ausschluß Litfins zu beantragen. Das Resultat der Abstimmung wurde einerseits tnit Vfui-Rnfen, andrerseits nur lebhaftem Beifall aufgenommen. Ter Verein der Zimmerer hielt am 20. Mai seine regelmäßige Mitglicder-Vcrsamnilung ab. Der Vorsitzende gab bekannt, daß wegen der Feier dcS 1. Mai 24 Mitglieder des Vereins gemaßregelt wurden, die insgesamt 218.20 M. Ilntcrstiitznng erhielten. Es entspann sich sodann eine längere Diskussion über die Presse, wobei CzeminSki den Wunsch aussprach, daß den Zimmerern in der „Einigkeit" eine Rubrik frei gelassen werde, in der sie ihre Angelegen- heilen besprechen können. Thicme, Redactcur der„Einigkeit", erklärte, daß er sich alle Mühe gebe, um de» Wünschen der Gewerkschaften Rechnung zu tragen.' Der Bnchbindcrberbatid hielt am 22. Mai bei Feuerstein, Alte Jakobstraße, seine Mitgliederversammlung ab. Herr Joel hielt einen sehr lehrreichen Vortrag. Zur Hcrstcllnng von Plakaten mit einem Adressenverzeichnis nnsrer Zahlstellen wurden 50 M. bewilligt. Ferner gab Schuhmacher bekannt, daß am 16. Juni auf der Treptow- Sternwarte ein Vortrag und am 10. Juni von Adlershof aus eine Besichtigung der Banmschnle in Treptow stattfindet und daß die Kollegen von Adlershof unfern ArbeitsnackttveiS und Rechtsschutz benutzen und ihre llnterstiitzimg bei der Zahlstelle Berlin erheben. Die Arbeiter und Arbeiteriunc» der Wäsche- und Krawattcubranche hielten am 22. d. M. eine äußerst stark bcslichtc Berciusversammlung ab. I. Wollhcini sprach über:„Leben und Luft". Seine lehrreichen Ausführungen fanden reichen Beifall. Hünchen von der Fmna Molsi u. Glafcrfcld bezeichnete die Be- Häuptling der öffentlichen Versammlung vom 11. Mai, wonach in dieser Fabrik ein junger Mann eingestellt sein soll, um die Arbeiterinnen beim Verlassen der Fabrik nach gestohlener Ware körperlich zu nntcrsuchen, als unwahr. Tie Drechsler hatten am 23. Mai im Gewerkschaftshaus eine Versammlung einberufen, in der R o b e r t S ch m i d t über Tarif qemeiuschaften sprach. Redner steht dem Abschluß solcher Verträge sympathisch gegenüber, betonte aber, daß zur Jnnehaltung solcher Verträge eine' gute Organisation der Arbeiter nottvendig sei. Die Diskussion gestaltete sich im allgemeinen zustimmend zu dem Vor- trag Sodann wurde der Streik bei der Firma Völtzkow erörtert. Nach den Angaben der Ausständigen sind bei der Firma Abzüge vor gekommen, die zu den Differenzen führten. Im Allgemeinen Arbeiter- und Arbeiterinnen- Verein Berlins und Umgegend hielt am 22. d. M. Viererbe einen bei fällig aufgenommenen Vortrag über„Die Socialdemokratic und das platte Land". Zum Kongreß wurde Weife delegiert. Eine Vcrsaminlnng deS Verbands der Fabrikarbeiter und Arbeiterinnen Teutschlands tagte Dienstag im Kolberger Salon. Zum VcrbandStag wurde ein Delegierter gewählt. Betreffs der Arbeitslosen- Unterstützung entspann sich eine längere Diskussion, in der verschiedene Redner für und gegen sprachen. Das Mitglied Fr. Müll wurde aus dem Verband ausgeschlossen. Einige Kollegen sprachen noch den Wunsch aus, daß die Mitglieder die Versamm hingen mehr besuchen müßten, damit sie die Verhältnisse des Vcr- bands mehr kennen lernen; dann würde es ihnen auch möglich sein, eine wirksamere Agitation zu cutfalten. Obcr-Schöneweide. Am 26. Mai sprach hier in einer außer ordentlich stark besuchten Versammlung Adolf Hoffmann über das Thema: Glaube und Verimnft. In der hierauf folgenden Be- sprechung wicS John darauf hin. daß in nicht langer Zeit unsre Gemeinde wohl auch eine Kirche erhalten würde. Die hierfür auf gewendeten Mittel wären weit besser zur Beseitigung einiger un- angenehm fühlbaren Mißstände am Ort angebracht. Der wirksamste Protest wäre ein Masscnaustritt auS der Landeskirche. Köpenick. Im Arbeiterverein sprach hier am 22. Mai Adolf Hoffmann über das Thema: Die lex Heinze und die sittlich Empörten. Dem beifällig aufgenommenen Vortrag folgte die Er- ledigung einiger interner Angelegenheiten. Rnmmelsburg. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Anilin brauche hielten hier am 20. d. Mt§. eine gut besuchte Versammlung ab, in der SkeichZtags-Abgeordnetcr Rosenow über die Lage der Ar- beiter referierte. Redner weist darauf hin, daß die winzigen Lohn- aufbesserungen der Arbeiter in keinem Verhältnis zu den großen Gewinnen steht, die die Industrie einheimst. Fast ohne Ausnahme bleiben die erhöhten Löhne in ihrer Wirkung auf die Lebenshaltung der Arbcirer ohne Einfluß, da die Preise für notwendige Lebens� mittel sehr gestiegen sind. Um eine bessere Lebenslage Herbeizn führen, fei die Organisation thatkräftig zu fördern. Johannisthal. Am 21. Mai fand hier bei Senftlebcn eine sehr zahlreich besuchte Versammlung statt, in der Genosse W. Lieb- knecht einen recht beifällig anfgenommenen Vortrag hielt. Redner besprach eingehend den Kampf gegen die lex Heinze, die Flotten- vorläge und das Fleischbeschangcsetz und kritisierte, wie unter diese» kultnr- und volksfeindlichen Gcsetzesvorlagen jeder Fortschritt der Socialpolitik unterdrückt wird. In Zehlcndorf fand am verflossenen Sonntag eine öffentliche Volksversammlung statt. Tic Beteiligung an derselben war eine so starke, daß der Saal des„Waldschlößchen" die Zuhörer kaum zu fassen vermochte. Genosse G ö h r e sprach über die Gründe, die ihn zum Eintritt in die socialdemokratischc Partei veranlaßt haben. Der Vortrag ist unsren Lesern bekannt. Eine Diskussion fand nicht statt. Alsdann folgte die Konsliluiernng des socialdcmokratischen Vereins für Zehlcndorf und Umgegend, Beratung der Statuten und Wahl eines provisorischen Vorstands. Den letzteren bilden die Gc- Nossen Krause, Heinrich und Richter. Nachdem noch Ailkc die An- Ivescudcu zur Unterstützuiig des Wirts, der seinen Saal zur Vcr- fügung gestellt hnbx, aufgefordert, und die Genossen Heinrich und Richter spezielle Zehlendorfer Verhältnisse besprochen, erfolgte der Schluß der Versammlung. Eharlottenbnvg. In einer sehr gutbcsuchten Mitglieder-Ver- sammlung des CentralverbandS der Maurer sprach am 21. Mai ReichstagS-Abgcordneter E. Rosenow über: Wirtschaftliche Kämpfe und Arbeiter-Organisationen einst und jetzt. Unter Geiverkschastlickiem wurden die Bestimmungen des Arbeitsnachweises, wie sie der Deutsche Bauarbeitgebcr-Bnnd vorgelegt hat, einer herben Kritik unterzogen. Man sprach sich allgemeiti dahin aus, den Arbeitsnachweis in der vorgelegten Form nicht zu benutzen. Vereinskalender. Arbeiter � Täiiqerbuiid Berlins und der Umgegend. Vorsivender Mich. Thate, Zcbüncberg, Gruneivaldstr. SS. Erster Kassierer: Seilrit, Fidicinstr. Ist. Zltlc Aeiiderungeu im VereinSkalender sind zu richten an O. Jsaack, Strelitzerstr. 15, Hof 2 Trepen. Mittwoch. UebilnaS- stnnde abendS 9 llhr,'Ausnahme von Mitgliedern.—„LicdeSfrciheit 1", Mattee, Langestr. 108.—..Norddeutsche Schleiie". Liibbke. Melchiorstr. 15. —„Freva 1"(Gemischter Chor), Schiller, Roienthalcrstr. 57.—„Lorbeerkranz", Späth. Wcinstr. 28.—„Liederlust I(1865)", Roll, Adalbertstr. 21.— ..Spandau", in Spandau, Radtke. Neimieisterftr. 5.—..Deutsche Eiche 1", Zimmermann. Grüner Weg 29.—„Allegro". Wetzcl. Wrangelstr. 136.— „Freier Männerchor„Nord-Weft", Lautsch, Stephanstr. 31.—„Gleichheit", Ewald. Berimuerstr. 95.—„Schneeglöckchen 1", Rixdorf, Köpfe, Hermann- und Karlsgartenstrabeli- Ecke.—„Hossnuiig I", Branden- bürg a. H., Wuthenow, Wredowstr. 17.— Arveiter- Gesangverein„Britz" in Britz. Dorn, Bürgcrstr. 4.—„Maiciigrust", Charlottcnburg, Bartsch, Scescii- heiinerstr. 11.—„Heimatklänge", Köpenick, Melier, Rosenstr. 101.— „Wacht ans", Dambcck, Danzigerstr. 71.—„Vorwärts X", Nauen, Hobusch, Marktstr. 16.—„Treu und Fest I", Grunow, Grüner Weg 110.— „Bruderbund", Fickinger, Usedomstr. 22.—„Ost- n. Weftprensten", Zimmer- mann, Aleranderstr. 30.—„Keramik", Charlottenbnrg. Prestcl, Osnabrücker- strafte 1.—„Zaget nicht". Steglitz, Kaiserhallen, Alvrechistr. 130.—„Liedes- lust II", Potsdam, Voigt s Blumengarten, Spaiidaurrstr. 33.—„Wcltenrus", Schiller. Rosentyalerstr. 57.—„Enterbten", Tollkühn, Putvuser- straftc 22.—„Frohe Stunde", Schulz, Manteuffelstr. 72.—..Treu und Fest II", Lehitiaun, Koppcnstr. 17.— Zulunft III", Nieder- Schönhauscii, Settekorn, Lindenstr. I.—„Vorwärts I", Roll. Adalbert- ftrafte21.—„ Linde", Schebera, Schönhaus. Allee65.—„Eichenkranz II", Knoblich, Soldinerstr. 36.—„Friedrichshagener Säligerchor", FriedrichShageii. Conrad, Friedrichstr. 138.—„Frisch auf II", Borniin 6. Potsdam, Fähnrich, Mittelstrafte 12.—„Trehericher Gesangv.", Schulz, Zonidorserstr. 8.—„Diana", Moabit, Kausch, Rvstockcrstr. 53.—„Freundschaft",'Restaurant Ecke Fitster- burgerstraftc n. Weidenweg.—„Zimmerer", Friedrichsberg, Gorgas. Schorn- wederstr. 4.—„Mclodia II". Kranz, Dimckerstr. 8.—„Frekheit-Nord". Franke. Schnlstr. 21.—„Süd-West", Ladewig tKlostcrglocke), Kommandanten- strafte 66.—„Fortschritt". Fürstenhof, Köpnickerstr. 137-138.—„Rirdorier Männerchor I", Rixdorf. Klcmke, Bergslr. 136/137.—„Freie Sänger Rix- dorss", Eramer. Hermannstr. 199, Rirdors.—„Geselligkeit", Charlorrenburg, Bayer. Wallür. 94.—..Dornrose", Tabert, Grüner Weg 14.—„Sanges- lust III", Teiitpclhof, Werth, Dorfstr. 18. Gesang-, Turn- und gesellige Bereine. Mittwoch: Rauchklub -chmvke'S Werke", Rheder, Langestr. 9.—„Xyinphaea alba", Berein sür Aquarien- und Terrarienkunde zu Berlin. Jeden Mittwoch nach dem 1. und 15. des Monats. Restaurant Bttrgergarten. Jernsalemerstr. 8.— Doppcl- Quartett„Stern", abends von 9—11 Uhr bei Rheinsberg, Schwedtersw. 17. -„Klub der Hannlosen", 9 Uhr bei Drescher, Lünenstr. 218.— Skatklub Namenlos", Gnmlich, Reichenbergcrstr. 149.— Mundharmonika- Berein „Symphonie", Uhl, Anton- und Prinz Eugcnstraften- Ecke.— Skatklub ..Revolution", Golz, Grünauerstr. 3.— Theaterverei»„Proletariat", Dres- dener Garten, Dresdenerstr. 45.— Artisten- und Ringspott- Berein„Neu- Cölln", jeden Mittwoch nach dem 1. bei Nole, Kottbuscr Damm 103.— Bläscr-CorpS„Harmonie", Restaurant„Zur Hütte", Sknlitzerstr. 31.— Psropfcnvercin„Nord-Ost", Jobnas, Elbingerstr. 9.— Gesangverein„Nord- ftem", Wernau, Schwcdterstr. 23/24.— Kraft-Klub„Philip» Hans", Lieg- nitzerstr. 40.— Klub„Sumpfhuhn", alle 14 Tage bei Wuttge, Reanderftr. 5. — Mäiiner-Tambour-Verein„Frei weg". Kuschle, Linicnsir. 241a.— Männcr- Gesaiigverein„Fester Wille". Gnaft, Lvuiscu-llser 52.— Männer-Gesangverei» „Jminerfroh", Hildcbrand, Brunnenstr. 41.— Thcatcrverein„Freier Wille", Märkischer Hof, Adniiralstr. 18o. Arbeiter Tiirnerbund. Mittwoch: Turnv„Fichte", Berlin, abds. von 8—10 Uhr: I. Männer-Abt. Jriedenstr. 37. 3. Männer- Abt. Böckb- strafte 17/20. 8. Männer-Abt. Höchstestr. 36/37. 2. Lehrlings Abt. Skalitzer- strafte 55,56. 4. Lehrlings- Abi. Stephanstrafte 3.—„Freie Turner- schast Rixdorf- Britz" und LehrkrngS- Abt. 2. von Schüler-'Abt. von 8V2— lO'/i Uhr abends, Bethge Männer- in Britz,' Chättsseeflraße 39. Schülerinnen- MkZ von 6>/z- ZOz, Frauen- Abt. von N/,— ION. Ubr abds., Peters, Knesebeckstr. 113.—„Freie Turnerichaft Johannisthal", abds. 8— 10 Uhr, Senftlebcn.—„Arbeiter-Turnv. Adlcrshof", Uebungsstunde von f»/,— 10>/z Uhr abends. Schmauser, Bismarckstr. 16.— „Tunlerschaft d. B. Nereus"(Gegründet 1882), I. Lehrlings-Abteiliina von 3-10 Uhr Manteunelstr. 7. Arbeiter Raiicherbiind Berlins und Umgegend. Aeitderiingen im VereinSkalender sind zu richten an Eugen Raschle, Rixdorf. Mahlowerstr. 1. IV Mittwoch:„Arkona", Armer Konrad. Reichenbergerstr. 16.-„Waldes- grün", Kunze, Forsterstr. 36.—„Frei Weg", Schöncberg, Hoppe, Mcrse- burgerstr. 7.-„Fidele Raucher". Rixdorf, Kliiuke, Nanseiistr. 1.— „Jutclligeiiz", Liebifch, Manteuffelstr. 66.—„Granate", Engel, Forster- strafte 56.—„Fidele Brüder", Fricdrichsfclde, Lohfe, Luisenstr. 20.— „Frohsimis-Hoimat", Schöftler,«trumstr. 28.-„Deutscher Michel", Pankotv, Griffel, Kaiser Friedrichstr. 15.—„Die Dampfenden", Sauer, Reichenberger- strafte 162.—„Fliederduft", Kautsch, Fruchtstr. 61.—„Kein Ton", Schuiidt, Rykestr. 25.—„Komblumc I", Menzel, Eneisciiaustr. 71.—„Einigkeit II", Wähner. Gubenerstr. 57.—„Alter-Stamm", Röhl, Kottbuscr Dann» 18/19.— „Lebensblüte", Ebeling, Grüner Weg 120.—„Rote Nelke", Weiftcnsee, Sedau- intd Weiftenburgstr.- Ecke.—„Ohne Furcht", Schmidt, Wiencrstr. 44.— „Einfach", Brix, Cuvrystr. 27.—„Frisch gewagt", Otto, Posenerstr. 20.— „Kolumbus S.-O.", Gaida, Oppelnerstr. 19.—„Beilchenduft", Gandt, Hussiten- strafte 24.—„Verzaget nie", Schöneberg, Krener, Sedanstr. 48.—„Pfeifen- deckel", Trichter, Fruchtstr. 69.—„Vorwärts" Seiffert. Cuvrystr. 2.—„Buk- garien", Kowsk», Koppenstr. 56.—„Granium", Schmeift, Münchebergerstr. 4. —„Freundschaft Vorwärts", Zarger, Christburgerstr. 13.—„Zufriedenheit", Roft, Rixdorf, Jägerstr. 46.—„Lange Pfeife", Friedrichsberg, Hecht, Mainzerstr. 5.—„Fidelibus", Kienast, Zorndorferstr. 9.—„Tabak zur Asche", Beier, Charlottenburg, Wallstr. 94.—„Sommerkahl", FriedrichSberg, Pritzel, Kronprinzenstr. 4/5.—„Excelstor", Weber, Görlitzerstr. 33.— „Fliederdnft II". FriedrichSberg. Schlöffer, Frankfurter Allee 171.— „Rosenblüte". Theila. Köchhannstr. 8.—„Edelweift", Rixdorf, PeterS, Knesebeckstr. 113.—„Ohne Zwang", Krüger, Naunynstr. 54.—„Sorgenlos", Ruppert, Adalbertstr. 82.—„Oualmbrüder", Rnmmelsburg, Radloff, Türr- fchmidtstr. 37.—„Gemütlichkeit H SO.", Kurth, Wrangelstr. 104.—„Halb und Halb", Häuftler, Meuielerstr. 61. Arbritcr-Schwiinmcrbuiid. Aufragen sind zu richten an E. Bratke, Schnlstr. 24. Mittwoch: Schwimm verein„Nord". Uebungsstunde abends 7 Uhr im AdmiralSgarteii-Bad, Friedrichstr. 102. Lese- und Tistutierklubs. Mittwoch. Socialistenklub„Vorwärts", Christiania, Olaf Äyes Plads Nr. 8, Cafe Keifer. Jeden Mittwoch: DiS- iusfion. Arbeiter- Steiiographenvereiu„Stolze".(Einigungssystem.) Bezirk„Norden", bei Gleinert, Schnlstr. 29, abends 8V2 Uhr. Schaffner, Kutscher und Platzarbciter iu der Müllabfuhr: Mittwoch, den 30. Mai, abends 8l/} Uhr, grofte öffentliche Vcisanimlung im Grand Hotel Alexanderplatz, Ecke Neue Königstrafte. Tagesorduung: 1. Die Aussperrung in der Wirtschasts-Genosienschnft und unfre Stellungnahme dazu. Referent Kollege Straube. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. VevmiMkes. In der Kouitzer Movdaffaire wurde gestern der Fleischer- ineister H 0 f f in a n n unter dem Verdacht des M 0 r d e s an den G y m n a s i a st e n Winter verhaftet. Gegen Hoffmanil Ivnrde bekanntlich gleich zu Anfang der Affairc Verdacht gehegt, iveil Winter mit der Töchter ein Verhältnis gehabt haben soll. Mail vermutete damals einen Racheakt. Die„Staatsb. Ztg.", die den ch r i st l i ch e u Charakter deS Hoffmami betont, läßt sich berichten, daß ob dieser Verhaftung große Aufregung in Könitz herrsche. In Czcrsk lWcstpreußen) hat sich der P 0 l i z e i d i e n e r W e u tz e l eine grobe Veruntreuung der ihm anvertraute» a m t- l i ch e 11 Gelder zu Schulden kommen lassen. Er verstand es, sich etwa 8000 M. durch falsche Buchungen zc. zu verschaffen und verbrauchte das Geld in SauS und Braus. Als die That entdeckt war und W'. in UiitcrsuchimgShaft geuommen tverdcn sollte, vcr- giftete er sich. Eine Witwe und vier unerzogene Kinder bleiben in den dürftigsten Verhältnissen zurück. Von de» 13 Arbeitern, welche am 10. Mai in der GeWerk- [chaft zu Jünkerath lEifel) von der heißen Gießmassc einer um- geschlageucn Pfanne überschüttet wurden, sind bereits sieben g e- stürben. Born kranken Bayernkönig. Im Fiiianzmisschuß der bahri- chcn Abgevrdtictciilammcr gab Miitisterpräsideiit Freiherr v 0 n Crailsheim Anfklärrmg über das Befinden dcS Königs Otto. Er(Minister) habe sich ßenauen Aufschluß von dein be- haiidelnden Arzt geholt. Danach besteht keine unmittclbarc Gefahr für das Leben des Königs. Körperlich leidend sei der König seit zivei Jahren. Genau keime man daS Leiden nicht. Enttvcder fei es ein Blasen- oder ein Nierenleiden. Eine genaue Koustatierung ei unmöglich, da der König einer körperlichen Untersuchung den größten Widerstand entgegensetze. Geivalt wolle man aber nicht an- wenden. Es sei deshalb auch von einer beabsichtigten Unttrsiichnng mit Röntgen-Strahleu abgesehen worden. Der König könne sich, wenn er sitze, nicht allein wieder erheben. Er könne auch nicht gehen lind sich daher im Garten auch nur sitzend aufhalten. Appetit und Verdauung seien gut, ebenso der Schlaf. Ncbcr eine eigentümliche Mcnschenquälcrci wird der„Voff. Ztg." aus Paris berichtet: Unsrer Zeit war cS vorbehalten, eine neue Folter zu erfinden, von der man in den Tagen der peinlichen Gerichtsbarkeit nichts wußte, die aber ruhig der Daum- schraube, dem spanischen Stiefel und der Wasierprobe an die Seite gesteht werden laim: cS ist die„Vergnügungsreise nach der Weltaus st cllung" uuter den Bedingungen, unter denen eine große englische Fabrik sie für ihre Ar- beiter veranstaltet hat. Die Brüder Lcver in Port-Suluight ver- sielen auf den großmütigen Gedanken, ihren 1700 Arbeitern und Arbeiterinnen eine Freude zu bereiten und ihnen die Pariser Welt- anSstellmig zu zeigen. DaS stellten sie nun so an: Freitag früh mit Tagesanbruch bestiegen die 1700 Spritzsahrer eine Anzahl Sonder- züge und fuhren den ganzen Tag von Port-SunligHt in Nordengland bis nach Dover, wo sie spät abends ankameit. Sie wurden sofort in zwei Soiidcrdampfern eingeschifft, kamen um 3 Uhr morgens in Calais und gestern Soimabend früh gegen 8 Uhr hier an. Nach einer Abfütte- rung mit je zwei Etcr». kaltem Ausschnitt und Thee oder Kaffee wurden sie zwei Stunden lang in der AuSstellting umhergeschleift. hierauf andre zwei Stunden in Kremsern durch die Hauptstraßen von Paris gekarrt, dann in einem Duval in zivei Schüben zum zweiten- mal gefüttert und nachmittags endlich einige Stunden lang in der Welt- ausstelluilg sich selbst überlassen. Reichlich neun Zehntel der Unglücklichen beeilten sich, irgendwo im Schatten unterzuschlüpfen und sich auf Sandhaufen, Treppen. Rampen, unter Tropengängcn, an Baum- itämmen hinzusetzen oder, wo cS möglich tvar, hinzulegen, um ein iveuig zu schlafen. Die Stunden, die sie auf diese Weise der Ruhe und dein Schlummer widmen konnten, waren sicher die einzig er- träglichcir dcS ganzen AuLj-lugS. Am Abend wurden sie am Fuße dcS Eiffelturms wieder gesammelt und in Züge geordnet, ihre Führer stellten sich von neuem an ihre Spitze, unter Pfeifen- iglialen und Befehlrufeu ging es zur dritten Fütterung, worauf gegen Vall Uhr nachts die Rückfahrt angetreten wurde. Heute Sonntag früh ivar die Gesellschaft in Dover und heute abend sollte ic sehr spät in Port Sunlight eintreffe», um morgen Montag 'rüh nur 6 Uhr wie gewöhnlich die Arbeit in der Fabrik zu beginnen. Die unglücklichen Arbeiter waren also drei Tage und zwei Nächte unterwegs, um halbtot vor Ermüdung und jedenfalls völlig abgestumpft einige Stunden durch die AuSstellwig zu galoppieren und andre Stundeii im Ausstellungögebiet zu verdösen. Die Herren Lever rühmen sich, daß diese Spritzfahrt sie 6000 Pfund Sterl., also 120 000 Mark, gekostet hat. Wer hat von diesem Geld Nutzen oder Vergnügen gehabt'( Es hat für das Lcbersche Geschäft eine große Eiitiagsreklame gemacht, aber die Arbeiter wurden einfach totgehetzt. Eine Großherzigkeit solcher Art ist grausame Menschenquälerei und sonst nichts. Katastrophe auf hoher Sce.� Die Fischerschaluppe„Gott mit uns" ans Brest ist ans ossener See mit ihrer cniS zehn Köpfen bestehenden Mamisckiaft untergegangen.— Ein weiteres ichwercS Schiffsrniglück wird ans Engl. Guyana gemeldet.„Daily Expreß" berichtet aus Damarra, daß ein Personendompfer mir 120 Personen an Bord auf dem Fluß von Posano gesunken ist rnid 40 Personen dabei den Tod fanden. Veronuvortlicher Siedactcur: Paul John in Berlin. Für den Jnsuatcuteil verautwortlilb: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in BerUn.