Nr. 155 SONNTAG, 31. Mal 1936 60sialdgmagra$ifd)gs$Dsd)giMa# Verlag; Karlsbad, Haus„Graphia*— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt; Spitzel und Lockspitzel Tagung der Internationale Ein Olympier ohne Maske Ablenkung von der Rohstoffhot Die Hodiflut der Prozesse Heber 50.000 polilisdie Gefangene In den Gefängnissen Vor einigen Wochen gab der Berliner Korrespondent der»Neuen Züricher Zeitung« die Zahl der Strafanstaltsinaagsen für Preußen Ende d. J. 1935 mit 109.000 an. Das läßt, da Preußen weniger als zwei Drittel der Reichsbevölkerung umfaßt, auf 170.000 Strafanstaltsinsassen im ganzen Reich schließen, wobei die Zehntausende In Konzentrationslagern eingeschlossenen Gefangenen nicht mitgezählt sind. Vor Hitlers Machtergreifung, zu Ende des Jahres 1932, betrug die Zahl der Strafgefangenen in Preußen etwa 37.000, sie hat sich also seitdem verdreifacht. Von dem jetzigen Bestände kommt mehr als der vierte Teil(27 Prozent) nach der angegebenen Quelle auf die wegen politischer Vergehen Verurteilten. Ihre Zahl ist für Preußen auf über 30.000, für das Reich auf nahezu 50.000 zn veranschlagen. Das sind erschütternde Zahlen. Trotzdem spricht nichts dafür, daß sie bereits im vollen Umfang die Verfolgungssucht des braunen Terrorregiments angeben. Obwohl das System versucht hat, durch die jüngste Scbeinamnestie etwas Platz In den überfüllten Strafanstalten zu schaffen, dürfte die Zahl der wegen politischer Delikte Inhaftierten während des laufenden Jahres noch zunehmen. Der famose»OrdnungHstaat«, der noch nicht einmal seine Ausgaben und seinen Staatshaushalt bekannt zu geben wagt, hält natürlich erst recht die Bilanz seines strafrechtlichen Terrorregiments geheim. Die wenigen Angaben der amtlichen Statistik sind, falls überhaupt glaubwürdig, jedenfalls Irreführend. Die amtliche Statistik hält erst>w»tTn Jahre 1933. Sie verrät u. a., wie viel Personen auf Grund der zu Beginn der Naziherrschaft erlassenen Terror-Verordnungen noch Im gleichen Jahr rechtskräftig abgeurteilt wurden. Abgesehen davon, daß über A n 1 a u f s z e i t«, entsprechend der durchschnittlichen Prozeßdauer, vergeht. Ein großer Teil der bereits 1933 eingeleiteten Strafverfahren wird erst in der Urteilsstatistik von 1934 und 1935 erscheinen. Die liegt, wie gesagt, noch nicht vor. Nim hat aber das System in der Folgezeit neue Terrorgesetze erlassen, teils als Sondergesetze, teils als Abänderungen des allgemeinen Strafgesetzbuches. Ob die Anlaufzeit dieser Gesetze bereits abgelaufen ist, erscheint mindestens zweifelhaft. Sicher dagegen ist: ihren Zweck, von oppositioneller Betätigimg gegen das System abzuschrecken, haben die Gesetze trotz ihrer geradezu Irrsinnigen Strafandrohungen nicht erfüllt. Die wachsende Opposition gegen das braune Regiment wirkt sich als eine Verlängerung der Anlaufszeit der Terrorgesetze aus: die Riesenzahl der Angeklagten in den einzelnen Prozessen bedingt— trotz aller Abkürzungsmethoden des berüchtigten Schnellverfahrens— eine sehr lange Dauer der Prozesse. So gehen z. B. die jetzt sich abrollenden Prozesse gegen die 624 Angeklagten von Wuppertal und gegen die 270 Angeklagten von Elmshorn auf Vorgänge noch aus dem Jahr 1934 zurück, der Zeltzcr Massenprozeß auf Vorgänge von Anfang 1935. Die Justiz folgt also den Ereignissen in mehr als einjährigem Abstand. War 1935 noch das Jahr der Prozesse mit einigen Dutzenden Angeklagten, so ist 1936 zum Jahr der Prozesse mit Hunderten von Angeklagten im gleichen Verfahren geworden. Außer den oben genannten Riesenprozessen erwähnen wir noch den Hamburger Hochverrats- prozeß mit ca. 570 Angeklagten, den Prozeß um die Duisburger Brotfabrik »Germania« mit ungefähr 400 Angeklagten, den Dortmunder Prozeß gegen 54 Angeklagte usw. In einem dieser Prozesse, dem Wuppertaler, sind bereits mehr als eintausend Jahre an Freiheitsstrafen verhängt worden, dabei harrt eine große Gruppe von Angeklagten noch des Urteils. Die Ziffer von 50.000 politischen Strafgefangenen Ende 1935 stellt also schwerlich die zu erwartende Höchstzahl dar. Erst wenn die großen Massenprozesse von 1936 ihre Opfer an die Strafanstalten abliefern, wird die»Anlaufzeit« der Terrorjustiz vorüber und der Zustand einer grauenhaften Stabilität In der Belegschaft der Strafanstalten erklommen sein. Allerdings steht auch dahinter noch ein Fragezeichen. Man darf nämlich eins nicht vergessen: Dieser Anklage- und Verurteilungsquantität benötigte das System zu seiner Erhaltung in einer Zeit, in der, wie es selbst sich rühmt, die öffentliche Ordnung nirgends gestört war! Es brauchte diesen ungeheuren Aufwand an Strafen allein, um zu unterdrücken die Bildung; oppositioneller Parteien, die Verbreitung regierungsfeindlicher Schriften, sowie die spontane Aeußerung von Unmut über das Mißregiment. Die 50.000 politischen Gefangenen des braunen Systems sitzen wegen Handlungen, für die in Frankreich oder England insgesamt nicht ein einziger Tag Gefängnis herauskäme! Dieser Umstand macht es außerordentlich zweifelhaft, ob von einem Behammgszustand in der Bestrafung politischer Handlungen im Dritten Reich, solange es existiert, überhaupt je die Rede sein kann. Jedenfalls nur, so weit ein Behammgszustand des Grolls und der Erbitterung über die barbarische Tyrannei eintreten könnte. Justinlan. Der Zekungsraub Vor etwa einem Jahr erließ der braune Pressediktator Amann jene Verordnungen, die den Besitz oder die Herauagabe von Zeitungen»regelt« und von der Abstammung oder Gesinnung abhängig macht Dieses Revolvergesetz Ist kürzlich auch für Zeitschriften ausgedehnt worden. Die»Basler NatJonal- Zeitung« berichtet, daß sich auf der Grundlage der Amannschen Dekrete eine»Phönix- G. m. b. H.« gebildet habe, zu deren Gesellschaftern außer Amann»dn Kreis hochstehender Spitzen des Regimes gehören, die gleichzeitig Besitzer des Parteiverlags Eher und des Völkischen Beobachters sind«. Diese Gesellschaft hat während der letzten Monate nicht weniger als 2 6 5 gut rentierende deutsche Tageszeitungen in ihren Besitz gebracht. Der Kaufpreis betrage, von ganz wenig Fällen abgesehen, nie mehr als die Höhe des letzten Jahresgewinns und werde in monatlichen Raten abgetragen. Dieser Bericht eines neutralen Blattes spricht eine grauenhafte Sprache. Eine deutsche Tageszeitung nach der anderen wird von der regierenden Clique geraubt. Wer die Zeitung, auf die diese Bande ihr Auge ge worfen hat, nicht gutwillig für einen Pappenstiel hergibt, hört den Revolver des Gesetzes knacken. Irgend einen Schutz, irgend eine Gegenwehr gibt es nicht, denn auch diese Gangster sitzen in den»allerhöchsten Kreisen«. So ähnlich werden fortgesetzt jüdische Geschäfte»aufgekauft«, und nach der Olympiade wird die Räuberei noch offener werden. In verschiedenen demokratiachen Ländern fordern die Soziallsten eine Kontrolle und Rechenschaft über die Vermögen der Politiker und Verantwortlichen. In Deutschland sind die Erneuerer über Nacht mit Gangstermethoden zu Millionären geworden und wer nach dem Woher auch nur leise zu fragen wagt, fliegt In den Kerker. Grauenhafter, korrumpierender Anschauungsunterricht für (De Generationen, die unter diesem Raubsystem heranwachsen. Aber jene werden Recht behalten, die da meinen, daß diese Zerstörung jedes Rechts, jeder sittlichen Auffassung, jeder Spur von Treue und Glauben in nicht zu ferner Zeit zum schwächsten Punkt, zum Gefahrenpunkt für das verbrecherische System werden muß. Der Slachekongreß Kommt der Delegierte von Manchester? Im Zusammenhang mit den Beschlüssen der Londoner Lokal ve rwal tung und der amerikanischen Bürgermeister, den deutschen Städtetag nicht zu beschicken, beschäftigt sich der»Manchester Guardian« auch mit einem Beschluß des Gemeinderats von Manchester, der nach der entgegengesetzten Seite geht. Wie er mitteilt, ist dieser Beschluß nur auf die Weise zustande gekommen, daß der ihn betreffende Punkt der Tagesordnung am Schluß einer arbeitsreichen Sitzimg mit dem übrigen Rest der Tagesordnung bei allgemeiner Unaufmerksamkeit in einem Aufwaschen erledigt wurd«. Nach richtiger Würdigung und vorangegangener Debatte würde, so versichert das Uberale Blatt, der Gemeinderat einen solchen Beschluß niemals gefaßt haben. Darum appelliert es an den gewählten Delegierten, Mr. Ackroyd, er möge als guter Demokrat den ihm erteilten Auftrag zurückgeben. »Vielleicht«, fährt der»Manchester Guardian« fort,»reizt Mr. Ackroyd der Gedanke, er könnte den Deutschen etwas von der Hel- Ugkeit der Freiheit in der Selbstverwaltung erzählen— aber eine solche Rede würde dann nur in Manchester zu lesen sein, nicht aber in der deutschen Presse, die nur druckt, was befohlen wird. Das deutsche Volk würde nichts anderes vernehmen, als daß dieser Nazikongreß, der die Vernichtung der deutschen Selbstverwaltung zur Schau stellt, die Billigung der öffentlichen Meinung Manchesters gefunden hätte. Und das wäre höchst bedauerlich, zumal es eine Unwahrheit sein würde.« Ihr Paradies Am Grabe des Hitlerchauffeurs Schreck sagte SS-Führer Himmler: »Wir wissen es, wir alle treffen uns an einem Ort, in einem Gedanken, in einem Kampf wieder, wo wir auch In den großen Weltall des Herrgotts sein mögen. Und so, wie wir kämpfen, dienst du droben in Walhall für deinen Führer, für die Bewegung und für Deutschland!« Und wenn die tausend Jahre um sind, fememordet er aus Rache den Wotan. Politik oder Lähmung? Was wird ans den Sanktionen? Die internationalen Rechtafiktionen geraten in immer schreienderen Gegensatz zur Welt der Tatsachen. Eis gibt einen Völkerbund— aber die wirkliche Politik vollzieht sich außerhalb des Völkerbundes und gegen ihn. Eis gibt ein mit Garantien versehenes Statut des Völkerbundes— aber die freventliche Verletzung dieses Statuts ist völlig risikolos geworden— im kleinen wie im großen. Ob es die Zwergregierung des Danziger Senats ist, die die Anweisungen des Völkerbundes mit offenem Hohn sabotiert, oder ob es die Großmacht Italien ist, die zynisch den Grundsatz verkündet, daß das Statut nur für die Schafe gelte, aber nicht für die Wölfe — in jedem Falle hat sich der Völkerbund als völlig ohnmächtig und hilflos erwiesen. Aus seinem Sanktionsbeschluß gegen Italien ist das Gegenteü von dem geworden, was beabsichtigt war: eine Methode zur »Lokalisierung« eines Angriffskrieges, ein Mittel, um dem Angreifer den Rücken zu decken. Diese Sanktionen, teils ungenügend, teils sabotiert, sind heute noch in Kraft. Sie werden voraussichtlich auch noch länger in Kraft bleiben. Wenn der Völkerbund seine bisherige Politik fortsetzt, werden sie überhaupt niemals aufgehoben werden. Man wird sich immer wieder vertagen und wird immer wieder neue Vorwände finden, um die Vertagung zu rechtfertigen, und schließlich werden die Sanktionen— noch formal in Kraft, aber schon verfault und von niemanden mehr beachtet— auf den großen Misthaufen der Geschichte geworfen werden, auf dem verschiedene andere Dinge schon lagern, die auch alle noch formal in Kraft sind: der Locamovertrag, der Kelloggpakt, das Völkerbundsstatut. Was soll aus den Sanktionen werden, was aus Abeasinien? Was Abessinien anbetrifft, so äst dieser Fall schon einmal dagewesen. Mandschukuo ist fest in japanischen Händen. Das ist ein weltgeschichtliches Faktum, das unbestreitbar ist. Aber weder der Völkerbund noch England haben das Faktum de jure anerkannt. De jure kann auch Abessinien zehn Jahre lang oder noch länger für den Völkerbund ein selbständiges Land bleiben, das im Völkerbund vertreten ist— aber an den realen Tatsachen wird dies nichts ändern. Und die Sanktionen werden schließlich, wirkungslos wie sie in ihrem heutigen Ausmaß sind, ein jederzeit greifbares Spektakelstück der faschistischen Propaganda werden. Auf diese Weise wird der Völkerbund von einer zukunftsträchtigen Institution herabgewürdigt zu einem traurigen Ueber- bleibsel einer verfehlten Politik, zum Hauptstück jener Rechtsfiktionen, die niemand mehr ernst nimmt, obwohl sie immer noch in der Luft herumgeistern. Dieser Gegensatz zwischen Wirklichkeit und Rechtsfiktionen ist gefährlich an sich, er ist um so gefährlicher, wenn er nicht erkannt oder künntlich verschleiert wird. Dann werden die, die nur an der Stützung der Rechtsfiktionen arbeiten, ohne ihnen wirkliches Leben zu geben, zu hilflosen Zuschauem ohne Politik, die sich hinterher den Kopf zerbrechen können, wie die Neuverteilung der Welt durch den neuen Imperialismus nyt ihren ideologischen Prinzipien zu vereinbaren ist. Man setzt Hoffnungen auf eine Neubelebung der antifaschistischen Politik durch den Regierungswechsel in Frankreich. Sollten diese Hoffnungen berechtigt sein, so müßte sich im Völkerbund alles radikal ändern. Man müßte sich klar dar- Mesoiution der Exekutive der Sil führt und die Kriegsgefahren gesteigert. Das faschistische Italien hat durch Giftgas, durch die Hinschlaehtung der Zivilbevölkerung, durch den vorsätzlichen Bombenabwurf auf offene Städte und Rote-Kreuz- Ober werden, daß man eindeutig wählen muß zwischen zwei Haltungen dem Faschismus gegenüber: entweder Kampf oder gewähren lassen. Aber den Schein des| Kampfes ideologisch zu werden, um damit die Tatsache des Gewährenlassens zu ver-{ bergen, das ist keine Politik, sondern nurj eine Kapitulation. Das ist die Sünde, die i der Völkerbund auf sich geladen hat mit Die SAI erinnert daran, daß sie von jeher dem Erfolg, daß sein Ansehen und sein u"d mit stet8 steigendem Nachdruck die Prestige vollständig verspielt ist. i konsequente und mutige Anwendung des oiucv-j v.-,... i Völkerbundpaktes gegen jene, die Krieg Solche Sunden brauchen sich nicht so-: führeni oder Krieg zll führ(,n drohen( gefordert fort m außenpohüschen Katastrophen zu hat. 1>lp von Uurzsich{jgen Son. rächen- sie rächen sich meistens zu- derinteressen poUtik � Regie- nachst im Innern der S t a a t e n...... , ,, rungen gegenüber dem japanischen Impenalis- Wenn die Volker erst hinter die Hohlheit i„0......». ,,,, mus, dem faschistischen Angriff auf Abessi- der Rechtsfiktionen kommen, dann haben i„.„...,....., „,„.',„. i men«nd der Hitlerprovokation am Rhein hat die Demagogen des Krieges leichtes Spiel!„..,,. TXT,. T,,,..., 711 neuen Erfolgen der Vertragsbrecher go- Welche Kraft hat nicht Hitler aus dem Scheitern der Abrüstungskonferenz, aus dem Spiel mit dem Begriff der Gleichberechtigung gezogen! Welche Kraft wirdj seine Agitation aus einem völligen Ver- j faulen des Völkerbundes ziehen, wenn die-, ,.K1I v j � j. „,, ,, Stationen den Völkerbund herausgefordert, ser statt eine Pohtik zu haben, von Ver- � Vo)k Abe8einlen8 niPdergeworfen m)d agung zu Vertagung weiterschreitet! Wie schl.eßl.ch d.e WoltöffentIIChkeit herau3. leicht ist es den faschistischen Demago- 1,, �.,, ,„,.," fordernd, die Annexion Abessiuiens proklagen dann, darauf zu pochen, daß bei ihnen die harten Tatsachen sind, auf der anderen«..„j,.,,.,„,_., „..,,., Wieder hat sich erwiesen, daß der Frieden Sc.te aber nur rechtliche Fiktionen ohne____ A____.......,, „,.. nur durch die entschlossene Anwendung des Kraft, die, weü sie kraftlos sind, Lugen! ,.x,.„.... 1' I Völkerbuudpaktcs gerettet werden kann. Die Sln' i SAI lehnt daher jede Kapitulation vor ver- Schon hat die Leitung der braunen! tragswldrig geschaffenen Tatsachen ab. Propaganda die Parole ausgegeben, für die Es gilt zu verhindern, daß das faschistische Vertagung der Sanktionsfrage im Völker- Italien die Früchte seines brutalen und feigen bund zu agitieren— denn Vertagung heißt Angriffs ernte. Die Sanktionen müssen auf- Entschlußlosigkeit, heißt freie Hand für recht erhalten werden bis die Autorität des die Faschisten, heißt zunehmende Verwir- Völkerbunds wieder hergestellt ist. rung im Innern der demokratischen Völ- Die Sicherung des Friedens gestattet keine ker, heißt Zeitgewinn für die Vorbereitung Abschwächung, sondern fordert die Verdes K fliege», heißt psychologische Ent- Stärkung der Politik der kollektiven Slcher- waffnung der möglichen Gegner eines helt. Dies bedingt die Zusammenfassung der braunen Angriffskrieges. Denn das Recht Kräfte aller dem Krieg feindlichen Staaten, und das Rechtsbewußtsein der Völker insbesondere die weltgehende Koordination der wird eine furchtbare Waffe sein bei einem Politik Großbritanniens, Frankreichs und der künftigen Kriege demokratischer gegen Sowjetunion zur Verhinderung aller Angriffsfaschistische Mächte. Wenn aber erst ein- iiandlungen der Vertragsverletzungen, die den mal der Glaube an das Recht durch die Frieden In irgend einem Teil Europas ge- Regierenden der demokratischen Völker fährden können. Diese Koordination muß zum selbst zerbrochen wird, wenn an die Stelle starken Kräftezentrum aller Staaten, die ent- von Rechtstatsachen sorgfältig konser- schlössen sind, den Frieden aufrecht zu halten vierte Rechtsfiktionen gesetzt werden,| und zu verteidigen, innerhalb des Völker- dann wird die Mobilmachung der morali- bundee werden sehen Kräfte gegen den Angreifer nicht mehr möglich sein. Entweder entschließt sich der Völker- 1,che Kraft elner nmfassenden Volksbewegung bund zu einer Politik— oder er wird steht- � Eroberung des Friedens erfordert nichts anderes sein als der Ausdruck der<"e unablässige Wachsamkeit und die angevölligen Lähmung gegenüber der Kriegs- sPannte Enerele � breiten Volksmassen. Vorbereitung, die der Faschismus aller, Auch diejenigen, die sich heute noch weniger Richtungen mit großem Lärm im Ange-»»edroht glauben, müssen einsehen, daß der Krieg für alle Völker ohne Ausnahme zur Katastrophe werden muß und der Friede nur gerettet werden kann, wenn alle Nationen das gemeinsame Interesse Uber ihre Sonderinteressen stellen. Sie lotermtiMole zur dieltpolitlichen Lose Eine Friedenspolitik ist aber nur dann gewährleistet, wenn dahinter die unwldersteh- sicht der ganzen Welt betreibt. Die belgisdien Wahlen Die Parlamentswahlen In Belgien haben die Regierung der Koalition aus Sozialdemokraten, Katholiken und Liberalen nicht erschüttert. Nach wie vor besitzt diese Koalition, die die Devalvation durchgeführt hat und am Versuch arbeitet, che Wirtschaft planmäßig zu ordnen, eine sehr große Mehrheit. Innerhalb dieser Koalition hat sich jedoch eine wichtige Verschiebung gezeigt. Die Sozialdemokraten sind— obwohl sie drei Mandate eingebüßt haben— zur stärksten Partei geworden, während Katholiken und liberale verloren haben. Dem Verlust der drei sozialdemokratischen Mandate steht ein Gewinn von sechs Mandaten durch die Kommunisten gegenüber, so daß die Arbeiterparteien insgesamt verstärkt aus der Wahl hervorgehen. Im bürgerlichen Lager jedoch hat sich eine starke Partei mit faschistischem Einschlag, die sogenannten»Rexisten« herausgebildet. Es handelt sich um eine Spielart des katholischen Faschismus. Der unerwartet große Erfolg dfeser»Realsten« hat In der gleichgeschalteten Presse In Deutschland gewisse Hoffnungen erweckt und wird dort entsprechend ausgeschlachtet. Die belgischen Sozialisten werden diese Faschisten unerbittlich bekämpfen. Sie sind eine Warnung für sie: sind doch während dea Wahlkampfes zwei sozialdemokratische Propagandisten von Rexisten jsrmordet worden. Da die Sozialdemokratie die stärkste Partei ist, wird Vandervelde mit der Regierungsbildung beauftragt werden. In Frankreich wie In Belgien werden also führende Sozialdemokraten an der Spitze der Regierungen auf der Wacht gegen den Faschismus stehen Die SAI, ihrer Pflicht bewußt und in Erkenntnis des Ernstes der Situation, ruft die Arbeiter, die Volksmassen, die Frauen, die Jugend, alle Menschen guten Willens in der ganzen Welt zu einer moralischen nnd politischen Offensive gegen Faschismus und Krieg, für Frieden und Freiheit auf. Die Tagungen der SAI In Brüssel tagte vom 16. bis 18. Mal 1936 unter dem Vorsitz von de Broucköre die Exekutive der Sozialistischen Arbeiter-Internationale. Die Exekutive widmete den ersten Tag ihrer Beratungen mit einer Nachtsitzung vollständig der Behandlung ihres ersten Tagesordnungspunktes:»Die internationale Lage, der Krieg in Abesslrüen, die Kriegsprovokationen Hitler-Deutschlands und Japans«. Nach Abschluß der umfangreichen Diskussion wurde eine Kommisaion eingesetzt, der G i 1- lies(Großbritannien), Hilferding (Deutschland), Longuet(Prankreich), Lundberg(Schweden) und Nenni(Italien) angehörten. Der von ihnen ausgearbeitete Resolutionsentwurf wurde von der Exekutive in ihrer Sitzimg vom 18. Mai nach kurzer Debatte angenommen. Sehr eingehend beschäftigte sich die Exekutive auf Grund eines vom Sekretariat ausgearbeiteten Berichtes mit den Problemen des Boykotts gegen faschistische Staaten, insbesondere des Boykotts gegen internationale Veranstaltungen in faschistischen Staaten. Vor Eingang in die Debatte gab der Generalsekretär des Internationalen Städtebundes, Genosse V i n c k(Belgien), der als Gast anwesend war, eine Darstellung der Tätigkeit und Geschichte der von ihm vertretenen Org-anisation, sowie der Vorgeschichte des nächsten Kongresses, dessen Einberufung nach Berlin schon im Jahre 1932 beschlossen worden war. Die von der Exekutive angenommene Resolution lautet: »Die Sozialistische Arbeiter-Internationale und der Internationale Gewerkschaftsbund haben sich bereits in der gemeinsamen Sitzung ihrer Vorstände am 19. Mai 1933 In Paris für die Förderung und Fortsetzung des in spontaner Weise bei allen zivilisierten Völkern In Erscheinung getretenen»direkten moralischen und materiellen Boykotts« gegen den Terror und die beispiellose Barbarei der Hitlerregie- rnng ausgesprochen. Der Weltboykott gegen die Barbarei des Naziregime« hat jedoch viele Lücken. Wichtige wirtschaftliche und politische Motive haben bei den verschiedensten Gelegenheiten Staaten und Organisationen aller Arten gezwungen, im Hinblick anf ihre eigenen Interessen den Boykott gegen Nazideatschland zu unterlassen oder wenigstens stellenweise zu durchbrechen. Aber auch der moralische Boykott Nazideutschlands konnte nicht lückenlos durchgeführt werden. Immer wieder gelingt es dem Hitlerregime die politische Indolenz der Umwelt für seine Zwecke auszubeuten. Immer wieder lassen sich hochkulturelle internationale Vereinigungen von den obersten Chefs der Nazi bewillkommnen und bewirten. Immer wieder drücken prominente Vertreter europäischer Zivilisation höflichst die Hände der faschistischen Häuptlinge. Aber trotz all ihrer Gebrechen hat die Boykottbewegung zur Bekämpfung de« Hitlerismus beigetragen und muß daher Je nach den vorhandenen Möglichkeiten mit Energie durchgeführt werden. Die Exekutive der SAI begrüßt daher die Boykottierung der Olympiade in Deutschland durch die Sozialistische Sport-Internationale, die Boykottierung des Kongresses für Freizeitgestaltung in Hamburg durch den IGB und fordert alle Sozialisten zur Boykottierung des Kongreeses des Internationalen Städtebundes in Berlin und München auf.« Die französische Sektion der SAI hatte den Antrag gestellt»die Frage der Einheitsaktion Im internationalen Maßstab« auf die Tagesordnung zu stellen. In ihrem Namen leitete Zyromski die Verhandlungen durch einen eingehenden Bericht über die Lage in Frankreich ein. An der umfangreichen Debatte nahmen unter anderem in teils sehr ausführlichen Darlegungen teil: de Broucköre, Devlgne(Belgien), Stivln und Jak s ch(Tschechoslowakei), ein österreichischer Delegierter, Dallas und Glllies(Großbritannien). Lundberg (Schweiz), Modigliani(Italien), Bracke und Grumbach(Frankreich), Abramowltsch und Suchomlln(Rußland), Erl ich(»Bund«, Polen), Sassouni (Armenien). Gvardjaladzö(Georgien), sowie der Sekretär Adler. Am 14. Mai 1936 hielt die Kommission zum Studium der Stellung der der SAI angeschiofl- aenen Parteien Im Kriegrsfalle zwei Sitzungen ab, In denen über die von sechs Parteien eingesandten Memoranden und einen zusammenfassenden Bericht des Sekretärs der SAI eine eingehende Debatte stattfand, die in einer späteren Tagung fortgesetzt werden wird. Am 17. Mai 1936 fand eine Sitzung der Kommission zur Untersuchung der Lage der politischen Gefangenen statt, über die in den»Mitteilungen« dieser Kommission ein Bericht erscheinen wird. Gering kauft Schuhe Als Göring das letzte Mal Budapest besuchte, brauchte er aus irgend einem Grunde irgend ein Paar Maßschuhe. Diese nicht gerade aufregende Angelegenheit ist für einen Nazi in Budapest insofern etwas peinlich, als er fast gezwungen ist, diesen Einkauf bei einem Juden zu tätigen. Die Juden beherrschen in Budapest Handwerk und Handel, bilden sie doch 22 Prozent der Stadtbevölkerung. So kaufte auch Göring bei einem Juden. Herr Görlrg- fühlte sich in den Jüdischen Schuhen so wohl, daß er als preußischer Ministerpräsident gnädig ruhte, dem jüdischen Handwerker in einem amtlichen Schreiben seine Anerkennung auazusprechen. Dieses Schreiben wird von dem Budapester Schuhmaoher mit Stolz herumgezeigt, ein Beweis, daß dieser Handwerker zwar ein guter Schuster, aber ein ganz erbärmlicher Wicht ist. Diese charakterlose Eitelkeit führt jedoch dazu, daß man einen dokumentarischen Nachweis erhält, wie die heutigen Machthaber amtliche und persönliche Angelegenheiten verquicken, Unsauberkeit und Korruption, Eigennutz und persönliche Bereicherung in die deutsche Staatsführung eingedrungen sind. Der Herr preußische Ministerpräsident dankt nämlich nicht nur dem jüdischen Sohuster, sondern tätigt eine sehr erhebliche Nachbestellung. Gleichzeitig teilt er mit, daß die Schuhe bei der Deutschen Gesandtsohaft in Budapest abzuliefern sind, wo auch die Bezahlung der Rechnung vorgenommen werden würde. An Verstößen ist festzustellen: Für eine Privatangelegenheit des Herrn Göring werden in Tätigkeit gesetzt: ein Ministerialrat, der das Schreiben auagefertigt und unterschriehen hat, die Kanzlei des Ministerpräsidenten und mehrere Beamte der Deutschen Gesandtschaft. Die Bestellung im Ausland wird ohne die notwendigen Bewilligungen vorgenommen, die ein anderer Sterblicher beantragen muß, will er auch nur die kleinste Bestellung Im Aufliand erteilen. Eine Auslandsschuld wird durch Beamte der Deutschen Gesandtschaft bezahlt, ein ganz klarer Verstoß gegen die deutschen Dervisen- gesetze und die Zahlungsverelnbarungen zwischen Deutschland und Ungarn. Und endlich; das Kuriergepäck der Deutschen Gesandtschaft In Budapest wird für Privatgeschäfte eines deutschen Beamten benutzt, ein ganz klarer Verstoß gegen die internationalen Vereinbarungen. Bin kleines, aber ein typische« Beispiel, ein ernster Fall, der prinzipiell so eraat ist, daß man die Verstöße gegen den nazistischen Rassen-, Blut- und Bodenunsinn ganz unerwähnt lassen kann. Mit zynischer und bodenloser Drenstigkedt vollzieht sich ein derartiger Korruptionsfall fast öffentlich, halb Budapest kennt den Fall und hat das Schreiben des Herrn Göring gelesen. Eines Tages wird aber auch das deutsche Volk diese Tatsachen erfahren und dann werden diese Sohlen unter den Füßen dea Herrn preußischen Ministerpräsidenten zu brennen anfangen. Geschlagene von gestern— Sieger von heule Am 24. Mai marschierten 500.000 Pariser unter Führung Löon Blums, des kommenden Ministerpräsidenten, an den Gräbern der erschossenen Kommunarden auf. Am Morgen desselben Tages schrieb Leon Blum im»Po- pulaire«: »Die Erinnerung an die Toten der Kommune Ist ein Ausdruck lebendiger Hoffnungen der Menschen von heute. Sie sind gestorben für die Freiheit. Sie sind gestorben für die soziale Gerechtigkeit. Sie sind gestorben für all das, was die Volksfront in sich verkörpert. Die heldenmütigen Barrikadenkämpfer haben mit ihrem Blut für die Demokratie gezahlt. ESne barbarische Unterdrückung hat sie dezimiert. Wer der Erschießung an Ort und Stelle oder den methodischen FüslUaden von Satory entging, nahm seinen Weg ins Bagno, ins Exil! Man glaubte, wir wären geschlagen, ausgerottet für ewige Zeiten. Aber diese Besiegten waren dennoch— die Sieger!< Eine bekannte lleiodie Die»Preußische Zeitung« wendet sich mit guten Ratschlägen an die Hausfrauen: »Wie oft hört man das große Rätselraten:»Was gebe und koche ich morgen? Wie kann ich Abwechslung In die Kost meiner Familie bringen?« Am deutschen Markt ist nun zur Zelt reichlich verbilligte Marmelade zu bekommen. Und sie gerade ist geeignet, den Appetit anzuregen. Sei es zum Morgenkaffee und Nachmittagskaffee, oder für den Sonntagstisch ihre Verwendung im Gebäck. Sie führt unserem Körper Vitamine in reichlichem Maße zu und bildet eine vorzügliche, leicht verdauliche Kost. Ihre Bestandteile bestehen restlos aus deutschem Obst Und wer Ißt das nicht gern?« 1914 hatte es die deutsche Presse schwerer. Diesmal braucht sie sich gar nicht erst umzustellen, wenn ein Krieg kommt. Deutsdiland heute Ein Gastwirt sieht, wie zwei seiner Gäste im Hintergrund der Kneipe eifrig eine flüsternde Unterhaltung miteinander führen. Er macht seine Frau auf die beiden aufmerksam und meint:»Da hinten sind wieder zwei am Tuscheln, später werden sie dafür brumme n«. Der ZeUungssiand Man achreibt uns: Wer Zeitungen— Nachrichten in des Wer- Heiitsdie Streifliditer tea sprachgoochichtUcher Bedeutung(böse EigennuU VOP Gcmeinnuk Zeitung, gute Zeitung, was bringst du für Zeitung?) wer, sage ich, so etwas am deutschen Zeitungsatand zu finden erwartet, wird enttäuscht. Angenehm oder unangenehm— Je nach Veranlagung. Der Zeitimgsstand ist ein Raritätenkabinett, ein Bauernmuseum. Was früher auch zu haben war, was am Rande ein bescheidenes Dasein führte, Mode, Sport, Spiel, Jagd, das ist heute die j Hauptsache. Es ist, alles andere überwuchernd, i ein weni8: zu öffnen- Er hat in einer öffent- lichen Kundgebung beklaget,»daß eine ganz erhebliche Anzahl von Gefolgschaftsmitgliedern in den verschiedenen Betrieben unter Tarif entlohnt wir d.« Zu dieser Erkenntnis ist Im Rheinland ist trotz der mit Begeisterung aufgenommenen Remilitarisierung die Stimmung schlecht. Auch Truppenaufmärsche und Militärkonzerte täuschen nur sehr kurzfristig über die Haushaltssorgen der Arbeiter hinweg. Infolgedessen hat der rheinische Treuhänder der Arbeit Pg. Börger beschlossen, die Ventile innerpolitischer Demagogie ins Gigantische gewachsen; und, vor allem, es hat seltsam bunte, abseitige Blüten getrieben. Zwei, drei Exemplare von Huters astrologischer Wochenschrift»Das neue Deutschland«,»Der Runenforscher«,»Die Dreh- das Urteil gewiß Aufsehen erregt haben. Die Drohung mit dem sozialen Ehrengericht bedeutet für das Unternehmertum, zumal für das gewaltige der Rüstungsindustrie, rein gar nichts. Die Unternehmer laufen etwa eben so viel Gefahr, vom Blitz erschlagen zu werden, als ihre Betriebsführung zu verlieren. Wenn nach den parteiamtlichen Eingeständnissen mitten in einer RUstungskonjunktur größten Ausmaßes die Arbeiter ihre Löhne nicht einmal halten können, sondern sie durch Rüstungsgewinnler gedrückt sehen, so ist das ein vernichtendes Urteil über Hitlers Phrasensozialismus. Die Zerstörung der Arbeitersolidarität hat nicht dazu geführt, daß Gemeinnutz über Eigennutz geht, sondern daß Scheibe«,»Das schwarze Korps«,»Die braune Herr Borger gekommen, weil er nun schon der kapitalistische Eigennutz über die Ar wiederholt in Betriebsversammlungen vor gähnend leeren Räumen gestanden hat und Post«, aber auch»Rennsport«,»Rennwoche«, »L'Auteuil«,»Herr und Hund«,»Die Jägerzel- ihm seine Betriebezeilenobleute recht deutlich tung«, derlei Spezialitäten nehmen drei von vier Geviertmetern des Standes ein. Den über den Mangel an Begeisterung bei den Ar- »Stürmer« rechne ich dabei nicht mit. Der beitern haben- 80 hat er denn auch füllt jeden Zwischenraum zwischen zwei Spar-; dle NaziPresse 3eines Bezirks angewiesen, die ten und liegt in allen 4 Quadratmetern, wie Arbeiter fühlen zu lassen, daß etwas für sie die Strümpfe zwischen allen anderen Dingen �eschieht Infolgedessen liest man plötzlich, im Koffer. Neulich habe Ich an einem Stande i daß zwar die �kommen vieler Unternehmer 7»Stürmer« an verschiedenen Stellen im Aus- lnfol�e der Staatskonjunktur, nicht aber die hang gefunden.»Der Judenkenner« ist be- 1 Arbeiterlöhne gestiegen seien. In einem dieser »Westdeutsche Beobachter« vom 18. Mai sogar zu der Dro- scheidener und begnügt sich mit ein und zwei Ald'sätze versteigf sich der Aushangstellen. Wenn man sich früh, eilends vor Abgang hun�:>Ein Betriebsführer, der trotz guter der Straßenbahn aus den Ueberschriften in- Rentabnität des Betriebes seine Gefolgschaft formieren wollte, würde man etwa folgeftdes � elnen Teil der ihr zustehenden Mindest- Weltbild an- die Arbeitsstelle mitnehmen: Iöhne ��"ich betrügt, indem er untarif- »Theoderich von den Freimaurern ermordet«, »Stier oder Jungfrau— Stalin oder Hitler— lieh bezahlt, ist ein Verbrechen an der Volksgemeinschaft, dem man unseres Erachtens die Schicksalswende im Osten«,»SaJIy Ohren- die Eigenschaft, Betriebsführer Knaben«,»Die zu sein überhaupt absprechen bäum verdreckt deutsche Handschrift Churchills ist sein Schicksal«, 3 0 1 1 1 e.« Auch Börger selbst droht in seinem »Deutsche Mädchen lernen kochen«.»Deutsche Erlaß mit dem sozialen Ehrengericht. Arbeiter kreuzen auf eigenen Schiffen den1 Bedeutet das nun eigentlich eine Gefahr Ozean«,»Schiller von den Freimaurern ermor-] det«, Trenkner als Bergsteiger, Trenkner als Bergsteiger, Trenkner als Bergsteiger, der Gute hängt mit sonnenverbranntem, trutzig lächelndem Gesicht siebenmal nebeneinander, zeugend für die Güte und den Reiz der Hamburger oder Kölnischen Illustrierten und füllt die Lücken, die das Innenministerium durch Verbot in den Stand gerissen hat. 10- bis 12mal überreichen drei weißgekleidete Jungmädchen dem Führer ein Jelftnger-Jelleber- Sträußchen und er tätschelt ihnen die Wangen. In einer Ecke führen die Tageszeitungen ein bescheidenes Dasein.»Völkischer Beobachter«,»Angriff«, Frankfurter, DAZ, zwei, drei Lokalblätter, schrumm— lies irgend eines, wurst welches. Einen Zeltungsstand, so wie europäische Völker ihn kennen, gibts nur am Bahnhof.— Was Wunder, daß der Zeitungsmann Zigaretten, Bonbons und Heftpflaster verkauft und daß er politisch verdächtig ist. Er ist entweder der politischen Polizei suspekt, well er in seiner Armut und Mißmut die kaufende Kundschaft aufwühlen könnte; oder die Kundschaft argwöhnt, daß er sie bespitzele. Oder er ist beiden verdächtig. Damit wieder Ist nicht gesagt, daß er die eine oder andere Note nicht stärker in sich anschlage, während er beides— das Murren und Bespitzeln wie den Zigarettenverkauf als Hilfsund Nebengeschäft betreibt. Jedenfalls umgibt Ihn eine Aura von Brechung und Widerstand, nicht durch die bedruckten Blätter, die er verkauft, sondern wegen deren, die er nicht verkauft. Das nennt sich Hodiverrat Die deutsche Justlzpressestelle berichtet Uber die Verurteilung von 71 Angeklagten in Bonn, die wegen»Vorbereitung zum Hochverrat« vor Gericht standen. Alle Angeklagtem erhielten Freiheitsstrafen, 48 von ihnen Zuchthaus und zwar bis zu acht Jahren. An die Mitteilung des barbarischen Straf registers hängt die Justiz- p ressestelle das wehleidige Kommentar: »Da schon der bloße Ankauf hochverräterischer Druckschriften eine mit Zuchthaus bedrohte Straftat ist, kann vor dem Ankauf derartiger Schriften nicht dringend genug gewarnt werden.« Hier erfährt man einmal authen tisch, was im Dritten Reich unter»Hochverrat« verstanden wird. Es wird mit dem Hochverratsbegriff etwa derselbe skandalöse Unfug getrieben, wie mit dem»crimen laesae majesta- tis« zu Callgulas und Neros Zeiten. In allen Kulturländern verstand man bisher unter Hochverrat eine auf den Sturz der Regierung abzielende Handlung. Daß aber bereits das Kaufen einer verbotenen Druckschrift Hochverrat sein könnte, um das herauszufinden, war es erst nötig, Verbrecher mit der Abfassung von Gesetzen zu b 0- für das Unternehmertum? Im Jahre 1935 standen nach der amtlichen Statistik 204 Verfahren im ganzen Reiche vor den sozialen Ehrengerichten an. In 34 Fällen wurde der Strafantrag fallen gelassen. Nur in 128 Fäl- schlagung der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften wehrlos gemacht sind. Kleiner Unfall Einige Wochen nach der»Wahl« hat Julius Streicher rührende Briefe von armen und ärmsten Volksgenossen veröffentlichen lassen, die sie ihm als Begleitschreiben zu Opfern für den»Wahlkampf« übersandt haben. Von ungelenker Frauenhand soll folgende Epistel eingegangen sein: »Lieber Frankenführer! Anbei möchte ich auch ein kleines Schärflein für die Wahl beilegen. Es ist Ja herzlich wenig, aber ich habe acht Kinder und mein Mann ist schon 7 Jahre arbeit s- 1 o s. Ich habe die Mark von meinem letzten Stillgeld aufgehoben, falls ich für mein Kleines mal was Dringendes brauche. Es ist ja für unseren lieben Führer und unser herrliches Vaterland. Da würde es mir weh tun, wenn ich ganz mit leeren Händen dastehen würde.— L. Sch.« Uns scheint dieser Brief ein ganz raffinierter und gelungener Schlag gegen die Schwindelpropaganda der Nazis mit ihrer Arbeitslosen-Statistik zu sein. Das Oberhaupt einer Familie von 10 Köpfen ist seit sieben Jahren arbeitslos! Weder der liebe Führer noch das herrliche Vaterland haben sich des Mannes bisher erinnert. Nun hat es sich seine len kam es zu einem rechtskräftigen Urteil. üki,««___ j.•»r•,■ Frau die letzte Mark, die für den Säugling In 34 Fallen wurde ein Verweis oder eine. ix- o-„__ r o TT.-,,_r,,■ I bestimmt war, kosten lassen, um der Welt Warnung erteilt. In 8 Fallen erfolgte Frei- 1 or,-,,,,», t—, tc__ j, j,„ mitzuteilen, wie es mit der deutschen Blutspruch. In 76 Fallen wurde eine Geldstrafe verhängt, und zwar meist von lächerlichen Beträgen bis unter 100 Reichsmark. Nur in vier Fällen erreichte die Strafe 1000 Reichsund Schicksalsgemeinschaft und der Arbelt für alle steht. Daß Streicher und seine Presse diese furchtbare Anklage ahnungslos ver- mark und darüber. In ganzen 9(neun) Fällen öffentlichen' fUr dic hohe Eitelkeit der wurde auf die Aberkennung der Befähigung, Herren' aber �e/en � soziales Empfinden. Führer des Betriebes zu sein, erkannt. Ein' VoPsIdlt Im Uptcll! Unternehmen von bedeutender Größe kann' Im Dritten Reich ist man nicht nur gegen nicht darunter gewesen sein, denn sonst würde Verleumdung wehrlos, sondern auch gegen Lob durch den Staat und seine Kreaturen, und das ist unter Umständen noch ehrenkränkender als die Ehrabschneidung. Wir kennen einen tief in Boden und Blut verwurzelten deutschen Künstler, der trotzdem nicht auf »Blubo« schwört und nie mit dem Dritten Reich sich aussöhnen wird. Es Ist ausgeschlossen, daß er einer Nazizeitung je einen Beitrag anbietet, aber wir begegnen seinen Arbeiten in der Hitlerpresse immer wieder. Befragt, erklärte er seinen und unseren Freunden, daß er diese Nachdrucke nicht verhindern könne. Nie sei er um Erlaubnis gefragt worden, und Honorar habe er auch noch nie erhalten. Wenn es doch je kommen solle, werde er es würdig zu ver- v/enden wissen. Er ließ uns durch seine und unsere Freunde sagen, wie ihm— so ergehe es manchem deutschen und darum antihitleri- schen Künstler und Schriftsteller. Man finde nicht nur Romane, Erzählungen, Gedichte, Bilder in Zeltungen, mit denen man geistig nichts zu tun habe, sondern wache eines Tages auf und finde sich mit Photo und Lebenslauf als einen Kulturträger des Dritten Reichs in der Parteipresse geschildert. Dagegen sei man machtlos, wenn man nicht emigrieren wolle, | was ganz und gar unpolitischen und beschaulichen Naturen schwer falle. Wissenschaftern, so wurde uns an mehreren Beispielen nach- 1 gewiesen, gehe es nicht anders. Eine Entdeckung fernab aller Politik werde als eine nationalsozialistische Großtat gerühmt, auch ' wenn der Mann des Verdienstes nie den be- ' scheldensten Anlaß zu der Annahme gegeben habe, daß er mit dem jetzigen System irgend etwas gemein haben wolle. Gelehrte, die nur ihren Hörsälen, ihren Kliniken, ihren Studierstuben lebten, fänden sich gelegentlich eines Berufsjubiläums oder irgendeines— zigsten Geburtstages plötzlich in der Parteipresse als Säulen nationalsozialistischer Wissenschaft gefeiert, empfingen Besuche und Telegramme nationalsozialistischer Würdenträger und könnten nicht anders, als sich diese unerbetenen Ehrungen stillschweigend gefallen lassen, wenn sie nicht den Beruf zum Märtyrer in sich fühlten. Auch sei der Anlaß wirklich nicht geeignet, sich offen als»Staatsfeind« zu bekennen, wenn man nie poütisch in die Oeffentlichkeit getreten sei. Man wird diese verbürgten Fälle wohl nicht verallgem einem dürfen, aber zu einer gewissen Vorsicht im Urteil Uber den und jenen können sie uns doch wohl veranlassen. Hannes Wink. trauen, die dann nach ihrem famosen Grundsatz handelten: Recht ist, was uns nützt! Unrecht, was uns schadet... M. Weltbild braun In braun Ein brauner Journalist, der mit einem neuen Frachtschiff der Hugo-Stinnes-Reederei nach New York reiste, hatte das Pech, den 1. Mai in Belgien zu verleben. Dort wurde der brave Parteizeitungsschreiber unfreiwilliger Zeuge der sozialistischen Aufmärsche— und geriet in nicht geringe Verlegenheit. Vielleicht ist es verboten, sich so etwas auch nur von ferne zu betrachten? Nun, er sandte der deutschen Presse, um sich für jeden Fall reinzuwaschen, einen Bericht, wie er nach Göb- bels' Ansicht in solchen Fällen sein soll, einen Bericht, in dem alle Sozialisten jüdisch aussehen, alle Kommunisten betrunken sind und die Freiheitslieder nicht gesungen, sondern gegröhlt werden. So machte er das: »In der Stadt wird es lebhafter. Nun haben sich schon die»Großen« gesammelt. Männer mit rotem Schlips, Frauen mit Kindern auf dem Arm und an der Hand. Eine Kolonne marschiert heran. Ich traue meinen Ohren nicht: die Kapelle spielt auf Saxophonen einen kitschigen Schlager. Ein gemütlicher Verein. Ueber ihren Köpfen leuchten riesige Transparente!»Nieder mit dem Faschismus!« Kein Wunder, wenn man näher die erste Reihe betrachtet, wo die »Führer« marschieren. Die Nasen verraten sie in jedem Land... Unterwegs treffe ich eine Jugendgruppe, Jungen und Mädchen mit blauen Hemden und roten Schleifen. Vor ihnen weht eine rote Fahne. Disziplinlos torkeln sie einher und gröhlen ein Lied, dessen Melodie mir bekannt ist. Den Text verstehe ich nicht, nur das Wort»Internationale«, das in jedem Satz wiederkehrt... Der große Demonstrationszug der Roten hat sich aufgelöst. Dort eine betrunkene Gruppe von Kommunisten. Der Fahnenträger wankt. Jetzt torkeln sie in eine Taverne und stellen das rote Tuch in eine Ecke.« Die deutschen Arbeiterleser werden bei der Lektüre schmunzelnd festgestellt haben: der braune Schmierfink hat«ich kräftig geärgert, also waren die Aufmärsche groß und eindrucksvoll, der braune Schmierfink knurrt wie ein Kettenhund, also tragen die Genossen draußen gläubig und unverzagt ihre Fahne durch die Straßen, ihre Fahne, die eines Tages auch wieder in Deutschland wehen wird. — Die braune Presse täte besser daran, sich jeden Berichts über den 1. Mal außerhalb der deutschen Gefängnlsmauem zu enthalten. Die deutschen Arbeiter haben viele sozialistische Aufmärsche im In- und Ausland miterlebt, sie glauben weder an das Getorkel, noch an das Gegröhle, noch an die Betrunkenheit. Je plumper die nationalsozialistischen Schreiber lügen, desto sicherer erreichen sie das Gegenteil deseen, was sie beabslchtl gen. „Absdiaum u. Sumpfblüten** im HItlerdeutsditum Der Bruderkampf innerhalb des gleichgeschalteten Deutschtums in Ostoberschlesien um das Vorrecht in der Führung im hundertprozentigen Nazismus, hat jetzt selbst zum Entsetzen des polnischen Lagers bedeutsame Enthüllungen gezeitigt. Während die polnischen Behörden auf Anordnung dos Innenministeriums der Jungdeutschen Partei die Demonstration mit dem Hakenkreuz in jeder Form verbieten, sei es auf Fahnen oder Armbinden, Bannern und Kranzschleifen sowie das Tragen von Uniformen, setzt diese Partei des Senators Wiesners ihren Kampf um die Eroberung der sogenannten System deutschen im Volksbund fort und besohüldigt dessen Leitung, daß die VoJkstumsarbeit einen solchen Bankrott erlitten habe, daß man nach 16 Jahren nicht weiß, wer eigentlich Deutscher ist. Diese Angriffe gegen den Volksbund beantwortet Jetzt dessen Geschäftsführer Ulltz auf der Generalversammlung des Volksbundee in Myslowltz, daß sich die Mitglieder der Jungdeutschen Partei aus dem Abschaum von Elementen zusammensetzen, die kaum zum Deutschtum gezählt werden können. Die Partei wäre mit»Sumpfblüten« durchsetzt, was schon aus der Führung hervorgehe, da der Chefredakteur des jungdeutschen »Aufbruch«, der Landespropagandaleiter Dr. Walter OUntzel, einer natlonaldemokratl- sohen polnischen Studentenverbindung angehört habe und der verantwortliche Redakteur des»Aufbruch«, ein gewisser Kostorz, seinerzeit aus dem»Volksbund« ausgeachlossen werden mußte, weil er zugleich Mitglied der polnischen Sokolorga- n i s a t i o n war. Diese Enthüllungen der HiUerongandsatio- nen gegeneinander beweisen sehr eindeutig, von welchem Geist im Sinne Adolf Hitlers die gleichgeschaltete deutsche Minderheit beherrscht wird. Wie die Diadochen im Dritten Reich, so wird auch der Kampf im Auslands- deutschtum um die Totalität geführt, zur Freude des pohiisöhen Lagers, welches unter solchen Umständen an den hitlerdeutschen Enthüllungen beweisen kann, daß es nur germanisierte Polen und keine deutschen Minderheitsangehörigen in Ostoberschleaieö gibt, die durch eine umfangreiche Polonlsie- rung der Mutter Polen wieder zurückgeführt werden müssen und das alles im Zeichen der Volksgemeinsohaft Adolf Hitlers. Zwischen Luxemburg und Deutschland Der Grenzverkehr zwischen Luxemburg und Deutsohland unterliegt seit einigen Wochen auf deutscher Seite verschärfter Kontrolle. Die Reisenden werden nicht nur von Gendarmen und Zollbeamten, sondern auch von Geetapoleuten so gründlich ausgefragt und untersucht, oft bis auf den nackten Körper, daß große Zugsverspätungen eintreten. Ob es sich nur um vermehrte Devisenkontrolle oder auch um politische Untersuchungen handelt, ist nicht bekannt. Der Touri- stenverttehr nach Luxemburg, der früher sehr starte war, ist jedenfalls von der deutschen Seite auf ein Mindestmaß gesunken, well niemand die Grenze überschreitet, der e« nicht unbedingt nötig hat. Ablenkung von der Rohstoff noi Kolonlalfordcrungcn wieder im Vordergrund die Emfuhr von Wolle wurde um 5.5, die von Baumwolle um 6.4 Millionen gesteigert. Hielt sich die Anfuhr also in ihrer Gesamtsumme ungefähr auf dem bisherigen Niveau, so erfuhr die Ausfuhr mit 366 Millionen eine Verminderung um 13 Millionen gegenüber dem März, die bis auf 2 Millionen ausschließlich auf Fertigwaren entfällt. Es ist richtig, wenn der offizielle Kommentar darauf verweist, daß ein Aus- f uhrrückgang im April eine Saisonerscheinung darstellt Andererseits darf aber nicht übersehen werden, daß der Welthandel im ganzen eine wenn auch langsame Zunahme erfährt und daß die Vereinigten Staaten und in geringerem Maße, zum Teil bedingt durch die Störung des Handelsverkehrs infolge der Sanktionswirkungen gegen Italien, auch England und andere Industriestaaten Steigerungen ihrer Ausfuhr zu verzeichnen haben. Die Steigerung der Ausfuhr und erst recht die des Ausfuhrüberschusses bleibt also weit hinter den Bedürfnissen der Rohstoffeinfuhr zurück. Nur darf man nicht vergessen, daß durch die Bildung des Dumpingfonds von einer Milliarde die deutschen Ausfuhrpreise künstlich gesenkt die Ausfuhr auf Kosten der deutschen Substanz forciert worden ist Der Herr Reichsbankdirektor Brinkmann hat diesen Zustand erst kürzlich ganz richtig beschrieben, als er meinte, es tobe am Weltmarkt heute ein Kampf, der in seiner Heftigkeit und Brutalität kaum noch stedgerungsf ähi g sei... Man könne sich des Eindrucks nicht erwehren, daß in vielen Fällen die Gestehungskosten, die natürlicherweise die untere Grenze jeder Preisbestimmung bilden, für die Kalkulation überhaupt nicht mehr ausschlaggebend seien, sondern daß die Parole heute vielfach laute: Absatz um jeden Preis. Nur daß diese Beschreibung nicht, wie der Herr Brinkmann den Anschein zu erwecken sucht, ganz allgemein zutrifft, sondern in Wirklichkeit nur für die von Schacht organisierte deutsche Schleuderkonkurrenz. Aber auch sie erweist sich als unzureichend. An eine Steigerung des Exports in der von ums als notwendig gezeigten Größen- ordnung ist offenbar nicht zu denken. Daraus erklärt sich die Intensität des Kampfes in den führenden Kreisen um die neuen wi r t s c h a f t s p o 1 i t is c h e n Maßnahmen. Herr Schacht hat all seine Leute gegen die Anhänger edner Markentwertung mobilisiert. Auf allen möglichen Wirtschaftstagungen, auf der Untemchts- woche für Reichsbankbeamte, läßt er seine Leute auftreten. Wenn aber die Devalvation unterbleiben soll, wenn der Dumpingfonds, über dessen endgültige Aufbringimg offenbar noch immer keine definitiven Beschlüsse gefaßt sind, sich als unzulänglich erweist, was dann? Schacht antwortet mit der Forderung nach Kolonien und trifft sich darin mit der intensiven Agitation, die von der ganzen nationalsozialistischen Partei geführt wird. Und in der Tat gewinnt es den Anschein, daß die Kolonialforderungen entgegen den früheren Bekundungen Hitlers nunmehr immer stärker in den Vordergrund der Außenpolitik gerückt werden sollen. Zugleich sucht man die Kolonialforderungen, die einst vor allem eine Angelegenheit der großen Bourgeoisie und der Militärkreise gewesen sind, zu einer Massenforderung zu machen, nach dem Muster Mussolinis in der abessinischen Angelegenheit Obwohl die Einfuhr aus den deutschen Kolonien im Jahre 1913 nur 42.6, die Ausfuhr 52 Millionen betrug, also weniger als 1 Prozent des deutschen Außenhandels, wird den deutschen Massen eingeredet, daß die Wiedererlangung der Kolonien aller Rohstoff- und Lebensmittelknappheit ein Ende bereiten würde. Die Diktatur sucht aus den Nöten, die sie durch ihre Autarkie- und Aufrüstungspolitik selbst geschaffen hat, Nutzen zu ziehen, um sich eine breite Massengrundlage für ihre aggressive Politik zu verschaffen. Darin trifft sich Schacht mit seinen Gegnern, daß sie zur Ablenkung der Massen von der Wirtschaftsnot, die sie gemeinsam erzeugt haben, die Offensive auf dem außenpolitischen Gebiet verstärken. Dr. Richard Kern. Das akuteste Problem der deutschen Wirtschaftslage bildet augenblicklich die Rohstofflage. Der Umfang von rund vier Milliarden Einfuhr reicht nicht ans, um bei dem gegenwärtigen Ausmaß der durch die Kriegskonjunktur aufgetriebenen Produktion die nötige Zufuhr an Rohstoffen und Lebensmitteln zu sichern. Schon im Jahre 1935 mußte auf die Substanz, d. h. auf die im Laufe von 1934 zum Teü vermehrten Lagervorräte, zurückgegriffen werden. Um etwa 400 Millionen sind diese verringert worden. Sollten sie wieder ersetzt, die Lager also wieder aufgefüllt werden, so wäre eine Steigerung der Ausfuhr, die ja allein zu einer entsprechenden Vermehrung der Einfuhr führen könnte, um etwa 800 Millionen notwendig. Nun betragen die auf den verschiedenen Verrechnungsabkommen allmählich entstandenen unbezahlten Warenschulden noch immer rund 500 Millionen RM. Diese müssen allmählich abgetragen werden. Denn die Opfer dieser von Schacht auferlegten Zwangsanleihen setzen sich immer kräftiger zur Wehr und die deutschen Handelsbeziehungen erfahren stets neue Störungen dadurch, daß die betroffenen Staaten wie z. B. augenblicklich Rumänien, die weiteren Einfuhren aus Deutschland für kürzere oder längere Zeit sperren, bis durch neue, zur Bezahlung dieser Schulden dienende deutsche Warenlieferungen die Zwangskredite vermindert oder abgetragen sind. Um diese ungeregelte Schuldenwirtschaft in Ordnung zu bringen, wäre also eine weitere Steigerung des Exports in der Höhe von rund einer h'al- benMilliarde notwendig. Dazu kommt noch, daß auch in den deutschen Deviseneinnahmen in diesem Jahre ein immerhin empfindlicher Ausfall zu verzeichnen ist. Im Jahre 1935 zahlte Rußland noch etwa 220 Millionen RM in Gold und Devisen auf die ihm früher eingeräumten Kredite zurück; in diesem Jahre sind nur noch 53 Millionen RM abzuzahlen. Man sieht also, daß um die Einfuhr auch nur in der bisherigen unzureichenden Höhe aufrechtzuerhalten, eine Steigerung der Ausfuhr in einer Größenordnung von etwa anderthalb Milliarden nötig wäre. Um Lebensmittelknappheit und Rohstoffmangel unter Auffechterhaltung des jetzigen Umfangs der Kriegsproduktion zu verhüten, müßte also die Ausfuhr noch über diese Summe hinaus vermehrt werden. Aber rechnen wir selbst günstiger: nehmen wir an, daß auf die Auffüllung der Lagervorräte verzichtet werden könnte, daß eine Abtragung der Warenschulden nur zur Hälfte vorgenommen würde, auch dann bliebe eine Vermehrung in der ungefähren Größenordnung von einerMilliardeRM noch immer notwendig. Man versteht also, daß die deutschen Handelaansweiae jetzt immer stärkeres Interesse beanspruchen. Der Ausweis für den Außenhandel im April verzeichnet aber zunächst einen auf 5 Millionen RM(gegenüber 23 Millionen im März) verminderten Ausfuhrüberschuß. Diese Verminderung des Aktivsaldos ist das Ergebnis einer leichten Steigerung der Emfuhr, vorwiegend aber einer— Verminderung der Ausfuhr. Dabei war der deutsche Außenhandel dieses Monats durch die Preisentwicklung an ach noch etwas begünstigt. Denn der Durchschnittswert der Einfuhrwaren ist leicht gesunken, der Durchschnittswert der Ausfuhrwaren leicht gestiegen. Die Preisschere, die sich in der jetzigen Konjunkturphase daraus ergibt, daß die Preise der eingeführten Rohstoffe im allgemeinen rascher steigen als die der ausgeführten Fertigwaren, hat also keine Rolle gespielt und mengenmäßig waren deshalb die Veränderungen auf beiden Seiten stärker als es die Reichsmarksumme zum Ausdruck bringt. Die Einfnhrist von 356 auf 361 Millionen gestiegen und lag um 2 Millionen über dem entsprechenden Vorjahrsmonat. Dabei hat eine gewisse Verschiebimg stattgefunden, da infolge der saisonmäßig günstigeren Eigenproduktion von Nahrungsmitteln die Einfuhr von Nahrung»-, Genuß- und Futtermitteln im Gegensatz zu den letzten Monaten um 12.6 Millionen RM oder fast 9 Prozent vermindert war, wozu in erster Linie die Verminderung der viehwirtschaftlichen Einfuhr beigetragen hat Dagegen betrug die Zunahme beim Rohstoffbedarf 15 Müidonen RM; JHe BeitUshUu Steigende Leistungen— Dm Januar dieses Jahres hat die Reichsbahn ihre Gütertarife um 5 Prozent erhöht. Diese Tat war damals von der»Deutschen Alvern einen Zeitung« aJs»Tarifsozialismus« gerühmt worden, womit gesagt sein sollte, daß die Reichsbahn ihre Finanzkraft der Wehrhaftagkeit zum Opfer gebracht habe oder yiekmehr dazu gezwungen worden ist und deshalb kein anderes Mittel weiß, ihres Defizits Herr zu werden, als die Belastung der Konsumenten mit einer in Gestalt der Tariferhöhung erhobenen Steuer. Damals war das finanzaelle Ergebms des Jahres 1935 bereits bekannt, das aber erat jetzt im Jahres- beriebt der Reidhaibahn veröffentlicht wird. Der nunmehr publizierte Jahresbericht stellt also die Lage dar, die vor der Tariferhöhung bestanden und sie veranlaßt hatte. Die Reichsbahn hat in der Republik, mindestens bis zum ESnsetaen der Krise, sehr hohe Ueberaebüsse abgeworfen. Sie war einst das rentabelste Unternehmen Deutschlands. Kein Wunder, daß es Hugo Stinnes reizte, sie mit sich entwertenden Papiergeld an �cb zu reißen. Noch 1929 hatte die Reichsbahn einen BetiiehsüberachuB von 826 Millionen. Jetzt wird es als Erfolge gebucht, daß der Betriebsgewinn von 24 Millionen im Jahre 1934 auf 152 Millionen gestiegen ist. Er bleibt also auch jetzt noch um nicht weniger als 80 Prozent hinter 1929 zurück, obwohl die Verkehrsleistung nur um etwa 16 Prozent geringer ist. Die Reichsbahn könnte also auf Grund Ihrer Leistungen ein glänzend rentierendes Unternehmen sein, wem sie nicht gezwungen wäre, ihre Ge- sch&ftapolit&k dem Ziei der Machtentfaltung des Dritten Reiches unterzuordnen. Darur zeugt das Zurückbleiben der Verkehrseinnahmen hinter den Verkehraleistungen und das stetige Wachsen des Abstand es zwischen beiden. Es hatte betragen die Einnahme je Kilometer, 1929 4,56, 1934 3,76, 1935 nur noch 3,66 Mark. Zwischen 1929 und 1934 liegt eine Tarifsenkung, aber nicht zwischen 1934 und 1935. Wie ist es zu erklären, daß dennoch die Etnnahmen von 1935 noch weiter hinter den Leistungen zurückbleiben als im Jahre zuvor?. Woher das Sinken der Rentabilität der witd ä&öufißtl ww aiw u* wrmßw steigendes Defizit Reichsbahn bei gesteigerter Inanspruchnahme ihrer Verkehrseinrichtungen? Die Reichsbahn selbst erklärt das teils mit der Abwanderung auf den Kraftwagen, teils mit der weiteren Gewährung von Auanahm e tarif en. Aber die Konkurrenz der Lastautos ist durch die Annäherung ihrer Tarife an die der Reichsbahn eingeschränkt. Das Eingeständnis. das die Hauptbel astung in den der Reichsbahn aufgezwungenen Tarifvergünstigungen liegt, käme einer Kritik am System gleich. Tatsächlich stehen die Tarife zumeist nur auf dem Papier, weü die Reichsbahn gezwungen wird, zum höheren Ruhme des Dr. Ley und zum Zwecke der wirtschaftlichen Vorbereitungen des künftigen Krieges, Beförderungen gratis oder unter den Selbstkosten zuzulassen in einem Maße, daß nach dem Geschäftsbericht»damit eine Grenze erreicht ist, die ohne Erschwerung der Finanzwirtschaft nicht unterschritten werden kann«. 1935 war der Anteil der zu ermäßigten Tarife beförderten Reisenden von 64 auf 66.4 Prozent gestiegen, die Einnahme je Personen-Kilometer hatte sich auf 2,50 verringert gegen 3,02 In 1929. Wie Kraft-durch- Freude-Fahrten fast, so werden die Sendungen des Winterhilfswerka ganz unentgeltlich durchgeführt und Ausnahmetarife gewährt zur Förderung der Rohstofferzeugung (Erze) und der Rohstoffersparnis(Altöl, Schmieröl), für Getreide, Hülsenfrüchte, Mehl und Kartoffeln, Gemüse, Milch und Butter, Eier. Schlachtvieh und Fleisch, Seefische, Kraftfuttermdttel und sämtliche Düngemittel, kurz für alles, was unter der Oberhoheit Darräs fällt. Trotz diesen Opfern der Reichsbahn für die»Staatskonjunktur« könnte die Reichsbahn ohne Defizit abschließen, wenn sie ihren Betriebsüberschuß für sich behalten dürfte. Sie muß Ihn aber dem Reich abtreten. Der Tribut, den die Reichsbahn ehemals den Reperationegläubigem leisten mußte, ist ihr, obwohl ade es dringend gefordert hat, nicht erlassen worden, sondern wird Jetzt vom Reich erhoben, das ihn zur Finanzierung der Aufrüstung nicht entbehren kann. So hat sich das rechnungsmäßige Defizit zwar behoben, aber dahinter vertilgt sich ein tatsächliches Defizit, das die Reichsbahn selbst auf 150 Millionen schätzt. Denn der Betriebeüberschuß ist nur dadurch zustandegekommen, daß notwendige Erneuerungen unterlassen, notwendige Abschreibungen unterblieben und wieder Reserven angegriffen worden sind. Die Emeuenmgsaus- gaben sind nur um 2 Proz. gestiegen, die Unterhaltungsauagaben sogar um 1 Proz. gekürzt worden. Die Reichsbahn wird also gezwungen, nicht nur ihre Rentabilität, sondern auch einen nicht geringen Teil ihrer Substanz für die»Wehrfreiheit« hinzugeben. Was jetzt unterlassen wird, muß später nachgeholt werden. Dazu soll die Tariferhöhung dienen, die nach der Schätzung der ReichsbaJhnleitung 1936 eine Mehreinnahme von 100 Millionen bringen soll Zur Behebung des Defizits würde also auch sie längst nicht ausreichen, weü die Reichsbahn um der»Staatskonjunktur« willen in eine riesenhafte Ueberschuldung hineingedrärgt worden ist. Allein die kurzfristige Schuld beträgt fast eine Milliarde, davon rund 700 Millionen Arbeits- beschaffungawechsel, deren Rückzahlung 1936 beginnt und 1941 beendet sein soll. Die 5 00-Millionen- Anleihe vom Finde vorigen Jahres darf die Redchsbahn zwar voll verzinsen, aber ihren Erlös nicht für sich seihst verwenden. 400 Müllonen mußte sie an das Reich zur Bezahlung der Reichsautobahnen abliefern. Diese Opfer auf dem Altar der Arbeitsbeschaffung haben zur Folge, daß trotz Tariferhöhung das Defizit für dieses Jahr noch höher sein wird als im vorigen. Die Reichsbahn selbst schätzt es auf 165 Millionen. Die Preisgabe der Rentabilität könnte man allenfalls rechtfertigen, wenn eine Erhöhung der volkswirtschaftlichen Produktivität damit erkauft würde. Sie wird aber dem Macht- und Rüsturgswahnalnn des Dritten Reiches zum Opfer gebracht. G. A FYey. Ehescheidung als Kon}unkUnsterblichen«, dem das berühmte rote Bändchen am Knopfloch leuchtet?! Damit der anerkannten Welt und der geachteten Gesellschaft, auf die Herr von Tschammer- Osten nun einmal losgelassen ist, weil das Reich Devisen benötigt, unter Umständen arger Verdruß und A erger oder gar noch Schlimmeres erspart bleiben möge, sei hier einiges zur Visitenkarte dieses Duplikats von Ribbentrop beigesteuert! Wir nehmen nämlich nicht ohne Grund an, daß der Herr »Reichasportführer« niemandem und unter gar keinen Umständen verraten wird, auf welche Weise er, der vor vier Jahren noch gar so»unbekannte Soldat«, eigentlich eine so glänzende und einträgliche Karriere gemacht hat, die ihn heute zum W el t r ei se n d en der deutschen Kation befähigt. Herr von Tschammer-Osten war ein sehr, sehr beschäftigungs- und mittelloser Offizier a. D. des Weltkriegs— und er trug auch damals noch durchaus keinen ein wenig nach Hochstapelei riechenden Doppelnamen, als er auf einmal in dem sächsischen Spießerstädtchen Löbau auftauchte. Das Städtchen hatte den Anschluß an die gloriose Aera Krupp- Thyssen vor vielen Jahrzehnten mit dem Todesmut der Krähwinkelei und dem ganzen stolzen Trotz des Klein-Bourgeoda höchst erfolgreich verpaßt; es wollte partout keine »Roten« in seinen Mauern haben. Dafür hat es bis heute mehr Kneipen und Budiken, als selbst ein Brauereiaktionär gut verantworten kann. In den allermeisten macht Gambrinus das Kompagniegeschäft zusammen mit Venus vulgivaga— letztere in Gestalt der auf Kredit vom ober- achlesischen Mädchenhändler bezogenen Kellnerin oder auch»Bedienung«. Der spätere »Reichssportführer« fühlte sich nirgendwo geborgener, als in dieser feucht-sächsischen Romantik hinter Bierfilzen und zugezogenen Gardinen im»Privatzimmer« der Löbeuer Wirte, die in so stattlicher Zahl damals in den Jahren der Schmach und der Schande Herrn Tschammer geborgt haben dürften, daß sie eine ganze Standarte oder doch einen Sturmbann komplett machen könnten. Aber dem Herrn Oberleutnant a. D. mit dem nassen Herzen und dem trockenen Portemonnaie glückte zuguterletzt dennoch der große Wurf des Lebens. Da liegt, eine Stande von Löbau weit, das Rittergut Klein-Dehsa — sicherlich keine allzu üppige Angelegenheit, wie es schon die Rittergüter im ehemaligen»roten Königreich« zum Unterschied von ihren preußischen Kameraden zu sein pflegen. Immerhin war da ein stattliches Herrenhaus, Immerhin Stallung für fünfzig und einiges Hornvieh, wenn auch alles ein wenig schon baufällig und verfallen. Der von Tschammer erschien der einsamen Erbin dieses Rittergutes als ein strahlender Kriegsheld, sie heiratete ihn! Herr Tschammer legte sich von Stund' an Reitstiefel und Sporen zu. Aber auch seinen wahlklingenden Doppelnamen. Schon vorher hatte Herr Tschammer(ab dato: von Tsrham m er-Osten) zwischen Vor- und Nachmittagaschoppen eifrig darüber nachgedacht, wie des Vaterlandes Schmach und Schande und wie zugleich seinem Dalles ein Ende in Ruhm und Ehre bereitet werden könne... Gelegenheit, die Schleusen des Gefühls sowohl wie der tatfrohen Männlichkeit nach dieser Seite zu öffnen, bot damals der »Jungdeutsche Orden« des ähnlich beschäftigungslos darniederliegenden Herrn Oberleutnants a. D. Mahraun,»Hoch-« und »Großmeister« besagter ritterücben Angelegenheit mit Supemumerar- Beigeschmack. Die Nazis gab es— ach!— noch nicht. Beim »Stahlhelm« aber waren mehr die potenteren und soliden Reaktionäre.— Für romantisch gehobene Handlungsgehilfen, für dürftig durch die Inflation durchgekommene Seminaristen, für Kriegsleutnants außer Dienst ohne einen Monatswechsel der helmischen Penaten _ für sie alle war damals der»Jungdo« einfach da! Herr von Tschammer wurde gleich ein»Großkomtur« der»Ballet Sachsen«(wörtlich und dokumentarisch!)... In dieser seiner Ordenswürde verwaltete er auch einiges Geld. Noch war damals der Osthilfe- Skandal zwar noch nicht erfunden, aber er lag doch schon gewissermaßen in der Luft, Herr von Tschammer machte also zunächst einmal seine private Osthilfe! Wozu hatte er auch das Geld seines»Ordens« daheim in der Truhe liegen? Nicht nur, daß er damit zunächst einmal seine Wirte nebst zugehörigen»neuen feschen Bedienungen«, die gleicherweise heftig drängelten, zur Ruhe und Räson brachte,— nein, auch ins eigene Rittergut steckte er die schäbigen Reste. Man sprach von einigen... zigtausend Mark, die es so schmählich verpaßten, mit Mahraun und dem »Hochmeister« gen Oatland zu reiten, dafür aber an den Gemüsebeeten und Schweinetrögen von Klein-Dehsa hartnäckig kleben blieben. Herr von Tschammer mußte schließlich mit einigem Gestank, aber auch plötzüch aus dem»Jungdeutschen Orden« verschwinden. Eis gab lange Wochen, in denen ihm fast jeden Tag die sehr weit verbreitete Zentralzeitung des»Ordens«, der Berliner»Jungdeutsche«, gleich auf der ersten Seite öffentlich und redlich bestätigte, daß der ehemalige sächsische»Großkomtur« ein runder und kompletter De- fraudant und Dieb sei. Nie ist bekannt geworden, daß der jetzige»Reichssportführer« Hitlers die so erworbene plötzliche Berühmtheit an dafür eingerichteter Stelle desavouiert und bestritten hättd! Wo aber hätte Herr von Tschammer- Osten, nachdem er den»Jungdeutschen Orden« schon beklaut hatte, anders landen können, als eben bei den nun sich vordrängenden Nazis?! So einem»alten Kämpfer« (siehe Röhm!) sieht man ja nicht ins Maul! Herr von Tschammer-Osten, obschon emeritierter Dieb, kam zu den Nazis; und sein Rittergut Klein-Dehsa wurde von mm an eine Art höherer Kriegsakademie für Bürgermord. In seinen Scheunen und Ställen übten jetzt alle angesehenen SA- und SS-Fuhrer Ostaachsens, wie Trvnn cfie»Marxisten« frontal und durch Umfassung erledigt. So riemlich jeden Sonntag war in Klein-Dehsa Manöverkritik der versammelten Versammlungsschlä- ger. Die Gendarmerie, stärker innerlich schon gleichgeschaltet, als die gutmütigen Republikaner sich je erahnten, drückte alle amtlichen Augen zu; der Herr Amtshauptmann nicht minder! Schließlich lief den Proleten dör näheren Umgebung die berühmte Laus über die Leber. Sie brachen sich einige handfeste Latten an Tschammer-Ostens rittergütlichem Zaun ab und verwalkten den ehemaligen »Großkomtur« ebenso gründlich wie seine Bürgerkriegskommüi tonen. Eis war die einfache und leicht verständliche Notwehr der sozusagen kochenden Volksseele. Der Staatsanwalt aber schleuderte gegen die Frevler Donner und Blitz und Zuchthaus nur so aus dem Talarärmel; er hatte wieder einmal— schon damals— im Interesse seiner kommenden Karriere im Dritten Reich— die»kommunistische Weltgefahr« entdeckt: Eis hagelte Landfriedensprozesse, nicht freilich gegen den ehrenwerten Herrn von Tschammer... Was aber hatte bis dahin eigentlich Herr von Tschammer-Osten mit dem deutschen Sport und den deutschen Leibesübungen zu tun, wenn man nicht grade seine Elxerzitien in Löbaus Kneipen oder auch seine Bürgerkriegsmanöver als solches, das mit der»mens sana in corpore sano« zusammenhängt, ansehen will? Weniger als gar nichts! Aber dafür durfte er gleich zu Anfang der Hitlerei einen Mann wie den Staatssekretär Lewald verdrängen und diesen bis voris Tor eines Kazett bringen. Dafür durfte es die letzte Großtat von ihm sein, erst in den vergangenen Wochen der deutschen Turnerei ein unrühmliches Elnde im großen Auslaugekessel der»Reichssportschaft« zugunsten der riesigen Bonzengehälter Gleichgesinnter zu bereiten, nachdem die»innere« Gleichschaltung bei den zahlreichen und zum Teil finanziell gut fundierten deutschen Turnvereinen bereits längst früher schon erfolgt war. Uns kann niemand übertriebener Sympathie für Deutschlands Tumerei bezichtigen, wie sie schon— Abklatsch der allgemeinen poüti- schen Tragödie der Deutschen!— historisch geworden war. Immerhin, vor einigen Jahren führte sie noch der alte grimme, bärbeißige Leipziger Sanitätsrat Götz, alter Achtundvierziger, dessen Sohn als freiheitlich gesinnter Professor für deutsche Geschichte an der Leipziger Universität den Traditionsstolz seiner Klasse wenigstens honoris causa zu bewahren suchte. Die deutschen Turner—? Noch nicht einmal der Name ist ihnen heute noch geblieben, von ihren Vereinskasten, aber auch von ihren goldenen Fahnen ganz zu schweigen— sie, die jetzt grade noch bed- tragasteuemde Staffage für einen perfekten Hochstapler aus Hitlers Umgebung sein dürfen! Vom bramabarsierenden, aber grundehrlichen patriotischen Kauz Jahn über den knorrigen Leipziger Sanitätsrat Götz zu Tschammer-Osten, von einer vaterländischen Tradition zum internationalen Bluff, vom »Turnvater« zum»Reichssportführer«— weich ein echtes, aber auch trauriges Stück deutscher Geschichte! ooo sen bst Am 2, Mal 1933 hatte sie den Gewerkschaften Hab und Gut geraubt. Nach den Uebemahmeprotokollen sind damals allein von den freien Gewerkschaften 250 Millionen Barvermögen und ein gleicher Betrag an Immobilien, Beteiligungen usw.»übernommen« worden. Die Arbeiterbank mit 150 Millionen Depositen und 12 Millionen Stammkapital war gleichfalls nationalsozialisiert worden. Heute muß die Arbeitsfront, mit einer jährlichen Beitragseinnahme von 300 Millionen Mark und dem gestohlenen Gewerkschaftsvermögen feststellen, daß sie nicht mehr in der Lage ist, ihre Unterstützungsverpflichtungen an die Mitglieder zu erfüllen. Die Leistungen waren schon einmal gekürzt worden und jetzt wird erklärt, daß es bei gleichbleibenden Beiträgen unmöglich geworden ist, weiterhin diese verminderten Unterstützungsleistungen zu gewähren. Die Erneuerer des Dritten Reiches haben innerhalb der Arbeitsfront nachweislich Millionen sorgsam ersparter Vermögen der früheren Gewerkschaften vergeudet und sie haben sich persönlich aus den zusammengetragenen Ar- bedtergroschen bereichert. Die Ausweise, soweit es solche gibt, ergeben, daß diese Vereine des Ley nicht weniger als fast 30 Prozent der Beitragseinnahmen oder jährüch 84 MUlionen für Verwaltung, d. h. für Bonzengehälter verbraucht. Also müssen die Unterstützungen abgebaut werden. Die ESnnahme des Ley bewegt sich in der Höhe des Emkom- mens Schachts, der es aus nabeliegenden Gründen immer wieder ablehnt, seinen fetten Posten als Reichsbankpräsident mit dem eines Wirtschaftsministers zu vertauschen. Die FäUe von Unterschlagungen und Korruption gehen in der DAF und ihren Reichsbetriebsgemeinschaften in die Hunderte. Aebnlich den Transaktionen des verschuldeten Reiches geht nun auch die Arbeitsfront dazu über, den Grundbesitz der früheren Gewerkschaften Stück um Stück zu verhöckem. Diese Banditen, die das koüektive Vermögen der Arbeiterbewegung geraubt, verjuxt und vertan haben, verleihen heute»als Gradmesser für den Leist ungswillen der deutschen Wirtschaft« Orden und Ehrenzeichen. Wenn einer verdient hat, sich dieses Leistungsabzeichen anzustecken, dann nur der Reichsleiter der Arbeitsfront. Denn was die Deutschen Arbeitsfront unter Leys FTihrung vergeudet und verwirtschaftet hat, ist nicht zu übertreffen. »l uterridit im Heiratsbefehl« In Potsdam sprach Himmler zu den»weltanschaulichen Schulungsleitern der Hitlerjugend«. Er sagt u. a.: »Die Anforderungen(in der SS), besonders auf sportlichem Gebiet sind in den ersten fünf Jahren hoch. Eis kommt hinzu der Unterricht im Heiratsbefehl d e r S S und die Eh-ziehung zu einem ganz bestimmten Schönheitsideal und Typ.« Der»Unterricht im Heiratsbefehl« ist am besten in den Kaninchenstall zu verlegen. Heuerlonote (So}fcü6emoPraHfcf>M lDod)rab!aH Herausgeber: Ernst Sattler; verantwortlicher Redakteur; Wenzel Horn; Druck:»G r a p h 1 a«; alle in Karlsbad. Zeitungstarif bew. m. P. D. 251. 150.334/VII-1933. Printed In Czechoslovakia. Der»Neue Vorwärts« kostet im Einzelverkauf innerhalb der CSR Kö 1.40(für ein Quarta] bei freier Zustellung Kö 18.—). 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Das so oft angekündigte Be- rufaausbildungagesetz ist zwar noch immer nicht zu sehen, aber die deutsche Jugend mag beruhigt sein, denn Loy stellt grundsätzlich fest,»daß die Deutsche Arbeitsfront der Treuhänder der deutschen Berufserziehung ist«. Sie hat ais dem reichen Schatz ihrer Erfahrungen Richtlinien aufgestellt, die eine Berufserziehungswerkstätte gerecht bewerten lassen. Sie hüden den Maßstab für die Verleihung des Leistungsahzeichens an industrielle kaufmännische Betriebe usw. »Das Leistungsabzeichen zeigt das Hakenkreuzzahnrad, hinter ihm einen Hammer, an dessen Stiel Eichenlaub liegt und trägt die Aufschrift„Von der Deutschen Arbeitsfront anerkannte Beruf aerzi eh ungs- stätte".« Es Wann am Haas, auf den Briefköpfen und an den edelsten Körperteilen der Betriebsführer angebracht werden. Bei der Prüfung wird natürlich vor allem nach der weltanschaulichen und körperlichen Erziehung der Betriebeleiter»Im nationalsozialistischen Sinn« entscheidender Wert gelegt. Wer die Arbeltsfront kennt, wird kaum annehmen können, daß die EMangung des»Leistungsabzeichens« etwa billiger zu stehen kommt, als der Kommerzienratstitel im kaiserlichen Deutschland. Ley hat aber gleichzeitig eine große soziale Tat zur Höherentwicklung des Lehrlingswesens vollbracht. Eil sind nicht etwa Schutzbestimmungen gegen die Lehriings- züchterei und Lebrlingsausbeutung getroffen worden. Aber es ist endlich Schluß gemacht worden mit der»sang und klanglosen« Einführung und Freisprechung der Lehrlinge, Eis darf nicht länger geduldet werden, daß der junge Mensch»formlos in den Beruf tritt«. Um den Berufastart zu feiern, soll in den Großbetrieben im Rahmen eines Betriebs- appells die feierliche Eänführung des neuen Lehrlings erfolgen. In den Kleinbetrieben hat Ley eine ähnlich herzliche Art für die Be- rufselnführung des Lehrlings angeordnet. Derselbe Klimbim wird für den EYeispruch des ausgelemten Lehrlings verfügt. Ley behauptet, daß mit diesen grundlegenden sozialen Reformen die innere Verbindung des Lehrlings mit dem Betrieb hergestellt worden wäre. Als besonderes Geschenk wird der Ausgelemte auch noch ein Fachbuch überreicht erhalten. Nach diesen letzten Ehrungensc haften der DAF hat sie, wie die DAK feststellt, einen Gradmesser für den Leist ungswillen der deutschen Wirtschaft geschaffen. »Die DAF hat darüber hinaus aber auch der Wirtschaft eine weltanschauliche Prüfung vorgelegt Denn das Leistungsabzeichen kennzeichnet nicht nur einen sachlich einwandfreien Betrieb, sondern es sagt auch jedem, daß hier im nationalsozialistischen Sinn gearbeitet daß hier der Sozialismus des neuen Reiches geformt wird. Die Deutsche Arbeitsfront ist berufen, solche Leistungsabzeichen zu verleihen, nachdem sie eine dreijährige eigene Höchstleistung an Mißwirtschaft und Korruption aufzuwel-