Wr.ttO SOMKTA€,S.J«9K19»6 Verlag: Karlsbad, Haus„Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem hohak: Begräbnis der Osthilfe Braune Raubpläne in Südamerika Der Anschlag auf Danzig Romantischer Soziahsmus Die ZercM der SlMielt ein Fragebogen und eine Antwort »Keine Macht in der Welt kann Deutschland von seinen Zielen abdrängen. Deutschland anerkennt nur eine höchste Autorität— die Nation selbst.« (Hitler während der letzten Wahlbewegung in der Rede von Königsberg.) Schloß die englische Parlamentsdebatte über die auswärtige Politik mit der Anerkennung der von Mussolini vollzogenen Tatsache der Annexion Abessiniens, so die französische mit der Kapitulation der französischen Politik vor der von Hitler vollzogenen Tatsache der Wiederbesetzung und Befestigung des Rheinlandes. Und ebenso wenig wie aus den Reden Baldwins oder Edens läßt sich aus der französischen Regierungserklärung Klarheit über die Fortführung der Außenpolitik nach Eintritt der beiden umstürzenden Ereignisse gewinnen— aus dem einfachen, aber ausreichenden Grunde, daß solche Klarheit nicht existiert. So bleibt denn nur der heiße Wunsch, doch noch mit Hitler oder Mussolini oder womöglich mit beiden, zu den berühmten Vereinbarungen zu kommen, die den Frieden sichern und die kollektive Sicherheit garantieren. In der Erklärung der von Leon Blum geführten und von den Kommunisten unterstützten Regierung hat diese Sehnsucht sogar zu der Versicherung geführt, die französische Regierung wolle an der Zusage Hitlers, mit Frankreich zum Einvernehmen zu kommen, an idem Wort eines alten Frontkämpfers, der vier Jahre hindurch das Elend des Schützengrabens gekannt hat«, nicht zweifeln. Die Wiederholung einer Phrase, die man sonst nur aus dem Munde einiger englischer Hitler-Lords zu hören gewohnt war, in einer französischen Regierungserklärung ist um so auffallender, als ja jener Abschnitt aus »Mein Kampf«, der die Vernichtung des vwnegerten Frankreichs als das letzte, unverrückbare Ziel der Außenpolitik Hit- lera proklamiert, nicht nur nach vier Jahren Schützengraben, in dem sich Hitler übrigens nicht aufgehalten hat, sondern sogar nach dem Abschluß des Locamo- ver trage« geschrieben ist, und man Blutscheu dem Herrn der Konzentrationslager, dem Organisator und Exekutor des Kameradenmordes vom 30. Juni 1934, dem Erzieher der deutschen Jugend zu Völkerhaß und Kriegsrausch wirklich nicht vorwerfen kann. Verwundert fragt man sich, wozu denn die Anwendung solch törichter Phrasen, an die die Urheber ja selbst nicht glauben, dienen sollen und beharrt erst recht bei der altmodischen Meinung, daß »aussprechen, was ist« in so lebensgefährlichen Situationen nicht nur klügere Politik, sondern Gebot der Ehrenhaftigkeit ist Die französische Außenpolitik hat seit der Besetzung des Rheinlandes sehr viel von ihrer früher entscheidenden Kraft und Selbständigkeit eingebüßt. Die Führung und Hauptverantwortimg in dem Kampf um die Verhütung einer neuen Katastrophe ist auf England übergegangen. Verstärkte Zusammenarbeit mit England, Versuch, die kollektive Sicherheit im Rahmen des Völkerbundes doch noch zu erreichen bei Aufrechterhaltung der Allianzen mit Rußland und der Kleinen Entente, und Vermehrung der eigenen militärischen Stärke ist das nächste Ziel der französischen Politik. Ebenso und noch mehr als die englische sucht sie nach einer Bereinigung des Verhältnisses zu Deutschland und drängt auf die Beantwortung des berühmten, vor drei Monaten überreichten Fragebogens. England und Frankreich werden auf die offizielle, zur Einheftung in die Akten geeignete Antwort wohl noch lange warten müssen. Denn immer deutlicher wird es, daß die deutsche Regierung gar nicht daran denkt, ihre Politik festzulegen, daß die restlose Behauptung ihrer»B e w e- trotz aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten nur Angriffs- und Eroberungsabsichten dienen kann. Die englische konservative»Morning Post« hat soeben über die deutsche Aufrüstung Angaben gemacht, die über die Churchills noch hinausgehen. Darnach belaufen sich die Ausgaben für das laufende Jahr auf 900 Millionen Pfund (1154 Milliarden RM). Die eine Hälfte ent- Die Blut|iistiz wütet Neue Sdiredkensurteile gegen Sozialdemokraten Die Terrorjustiz des Dritten Reiches tenberg, Spremberg, Sorau, Forst und Umhat neue Opfer aus unseren Reihen gefordert. Der 5. Strafsenat des Kammergerichts Berlin hat unter dem Vorsitz des Kammergerichtsrats Dr. Taeniges in Cottbus einen Massenprozeß gegen Sozialdemokraten aus Cottbus, Senf- Helene Karich, Anton Lehmann, Paul Krause, Marta Tschickert, Otto Voigt, Günther Meide, Kurt Greischel, Kurt Töpfer, Hermann Bender, Kurt Schlosser, Otto Frömter, Otto Schorisch, Adolf Bierhold, Richard Kubow, Heinrich Wendel band, 30 Berta Jänchen, Max Gloger, Felix Kuhn, Paul Wobusa, Walter Scholz, Kurt Frömsdorff, Fritz Scheinert, Walter Graefer, Paul Walther Friedrich Bahner, Oswald Scheffner, Diese Schreckensurteile braunen Terroristen noch genügen den nicht Es ist deshalb gegen die folgenden Genossen Parteisekretär Schmidt aus Guben Gewerkschafter Trogisch aus Cottbos Arbeitersekretär Tschickert aus Spremberg ein besonderes Verfahren vor dem Volksgericht wegen Hoch- und Landesverrat eingeleitet worden. Dieses be- gebung durchgeführt. Sie wurden beschuldigt, die Organisation der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands illegal fortgeführt zu haben. Das Terrorgericht fällte die folgenden Schreckensurteile: 3 Jahre Zuchthaus, 2 Jahre 9 Monate Zuchthaus, je 2 Jahre 6 Monate Zoen th aas je 2 Jahre 3 Monate ZueMbans 2 Jahre Zuchthaus 2 Jahre Gefängnis 1 Jahr 9 Monate Gefängnis 1 Jahr 6 Monate Gefängnis 1 Jahr 6 Monate Gefängnis» 1 Jahr Gefängnis 8 Monate Gefängnis 4 Jahre Zuchthaus, 5 Jahre Ehrverlust 3 Jahre 6 Monate Zuchthaus, 5 Jahre Ehrverlust 2 Jahre 3 Monate Zuchthaus 2 Jahre Zuchthaus 1 Jahr 9 Monate Gefängnis 1 Jahr 9 Monate Gefängnis 1 Jahr 3 Monate Gefängnis 1 Jahr Gefängnis 6 Monate Gefängnis 6 Monate Gefängnis sondere Verfahren verfolgt den Zweck, die Beschuldigten zu höchsten Strafen zu verurteilen. Die Gefängnisse sind längst überfüllt, die braune Justiz wütet gegen die aufrechten Deutschen, die sich dem Druck der Despotie nicht unterwerfen wollen. Während das braune Deutschland zu prunkhaften Festen rüstet, bringt das aufrechte, friedliebende Deutschland unerhörte Opfer für seine Gesinnung. gungsfreiheit« ihr als bestes Mittel erscheint, die neugewonnene Stärke zu neuen Vorstößen ausnützen zu können. In der Tat ist das Ansinnen an Hitler, seine politischen Ziele selbst zu beschränken, in dieser Situation, in der ihm gerade seine Nichtgebundenheit alle Vorteile bietet, eine vollendete Kinderei. Für Leute, die nicht sich selbst und ihre Völker betrügen wollen, hat die Entwicklung der deutschen Politik längst die Antwort auf den Fragebogen erteilt und sie birgt mm wirklich keine Geheimnisse mehr. Die erste und wichtigste Antwort ist die erneute Steigerung des R ü- stungstempos, obwohl Deutschland alles in allem genommen schon heute die stärkste Militärmacht ist, von keiner anderen Macht trotz aller deutschen Lügenpropaganda bedroht wird und die Fortsetzung der Rüstungen in dieser Hast und fällt auf Kriegsmaterial, die andere auf die Unterhaltung der Armee, Flotte und Flugwaffe. Die Summe ist fast dreimal so groß wie die des britischen Wehrbudgets für 1936/37, das sich auf 170 Mill. Pfund beläuft. Der Friedenswille des»alten Frontkämpfers« manifestiert sich in einer einzigartigen Weise! Die zweite Antwort ergibt sich aus der sich allmählich entwickelnden Konkretisierung der deutschen außenpolitischen Zielsetzung. Wir haben in einem früheren Stadium einmal die deutsche Außenpolitik als die Addition aller je vorhandenen Wunschträume bezeichnet. Zu den Forderungen der Alldeutschen wurden die vor und während des Krieges entstandenen imperialistischen Bestrebungen, Hitlers Annexion Oesterreichs und Rosenbergs Kampf gegen Sowjetrußland und Eroberung bäuerlicher Siedlungsräumc im Osten hinzugefügt. Schon damals aber bemerkten wir, daß in diese chaotische Zusammenfügung, die als Unterlage einer irgendwie ernsthaften Außenpolitik absolut unbrauchbar ist, einmal Ordnung kommen werde durch das allmähliche Ueberwiegen der wirklichen Interessen des deutschen Kapitalismus und des diktatorischen Machtapparats über die romantischen Phantasien. Diese Entwicklung ist in raschem Fluß. Sie ist gekennzeichnet einmal dadurch, daß die Kolonialforderungen immer stärker in den Vordergrund gestellt werden ganz im Gegensatz zur Stellung Hitlers in »Mein Kampf«. Die veränderte Stellung ist unmittelbar erzwungen durch das Bedürfnis der diktatorischen Wirtschaftspolitik, die die normalen Quellen der Rohstoffbeschaffung selbst verschüttet, für ihre Aufrüstung aber einen ungeheueren Mehrbedarf hat und diesen ihrem inneren Wesen nach nur befriedigen kann durch Raub der Rohstoffquellen. Dabei macht es nichts aus, daß Kolonien den Rohstoffbedarf gar nicht befriedigen können. Denn die Kolonialforderung wird nur zum Teil eines umfassenden Programms, in Jom sie erst ihren Sinn enthält. Jedenfalls wird die Gewinnung des alten Kolonialreiches und seine Erweiterung wieder Ziel der deutschen Außenpolitik, die damit das alte imperialistische Bestreben der Vorkriegspolitik wieder aufnimmt. Nur ist infolge des von der Diktatur herbeigeführten Wirtschaftsbankrotts Deutschland eine bedeutsame Aenderung eingetreten. Es werden nicht neue Anlagesphären für überschüssiges Kapital gesucht, sondern zur Ausbeutung bereits fertig erschlossene Rohstofflager, deren sich die Diktatur zur Aufrechterhaltung ihrer Kriegswirtschaft bemächtigen will. Aehnlich verhält es sich mit dem Wiederaufleben eines anderen Ziels der deutschen Vorkriegspolitik, der Beherrschung des südosteuropäischen Raumes und dem Uebergrei- fen auf Vorderasien, wie es einst in der Bagdadbahn-Politik zu Tage trat. Wir haben anläßlich der Balkanreise Schachts dargelegt, wie die wirtschaftlichen Durchdringungsbestrebungen zugleich die politische Abhängigkeit des europäischen Südostraumes bezwecken. Auch hier ist jetzt der treibende Grund, daß die für die Kriegführung wünschenswerte Autarkie Deutschland der Ergänzung durch die Wirtschaft dieser in den wirtschaftlichen und politischen Umkreis Deutschlands einzubeziehenden Länder bedarf. Heute möchten wir darauf hinweisen, welche Bedeutung für diese Politik der Besitz Oesterreichs erlangt hat. Ein Deutschland unterworfenes Oesterreich sichert der bereits so kriegsstark gewordenen Diktatur den direkten Zugang zum Balkan und sperrt Italien den Landweg dorthin. Er gibt Deutschland schlechthin die entscheidende Stellung, deren Ueber- gewicht, verstärkt durch die Hinneigung Ungarns und Bulgariens zu Deutschland, sich kein Balkanstaat mehr so leicht entziehen könnte. War die Angliederung• Oesterreichs ursprünglich vor der deutschen Wiederaufrüstung, der Schwächung Frankreichs und Englands nur eine Marotte des Braunauers, so wird Oesterreich in der sich herausbildenden außenpolitischen Konzeption jetzt eine ungemein wichtige und ausschlaggebende strategische Position. Das gilt allerdings auch für Italien und erklärt, warum trotz aller Annäherung der deutschen und italienischen Politik«Ine volle Verständigung zwischen den beiden Raubmächten so schwierig bleibt. Das Hervortreten dieser Tendenzen be- leutet noch nicht, daß die deutsche Diktatur darauf verzichtet, auch kleinere, aber für Wahrung und Steigerung ihres Prestiges wichtige Ziele— M e m e 1, Danzig— zu verfolgen, daß sie nicht darauf bedacht bleibt, auch gegen eine Kombination, der Sowjetrußland angehört, gewachsen zu sein. Aber die materiellen Ziele, die die deutsche Diktatur anstreben muß, liegen viel unmittelbarer im Westen und im Südosten und alle Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß die dahinseienden 1 üch Tendenzen sich eher verstärken werden. Auf keinen Fall wird des- Begräbnis der Osthilfe Der Ursprung des braunen Systems halb die deutsche Diktatur diel war, sich In aller Stille wird im Dritten Reich die Osthilfe begraben. Eine Verordnung vom 20. Juni regelt ihren Auslauf. Die Osthilfe stand an der Schwalle zum Dritten Reich. Unter den Machproblemen, die in den letzten Jahren der Waimarer Republik umkämpft waren, nimmt sie eine zentrale Stellung ein. Die Osthilfe war das Instrument, mit dem die wirtschaftbankrotte Klasse des o s t e 1 b i- schen Grundadels, die zum Parasiten an der Volkswirtschaft geworden englischen und französischen Wünsche erfüllen und sich in ein System der kollektiven Sicherheit einfügen. Di« deutsche Außenpolitik verfolgt vielmehr, wie es die innere getan hat und mit wirklich unbeugsamer Konsequenz das Ziel der A t o m i- s i e r u n g des Gegners. Diesem dient die deutsche These, die nur zweiseitige An- griffapakte zuläßt und damit dem Angeauf und politischem Wege neuen damit neue Macht verReichtum schaffte. Der Reichspräsident von Hindenburg und die ihn umgebende Kamarilla gehörten zu dieser geld- und machtgierigen Clique. Der Reichspräsident von Hindenburg war durch das Geschenk des Gutes Neudeck und die damit verbundenen unsauberen Transaktionen gekauft worden. Im Januar 1933 wurde der unge- griffenen jede Hilfe dritter Mächte ent- heuerlichste Korruptionssumpf der Osthilfe zieht. Diesem dient die von Deutschland, aufgedeckt) ein Untersuchungsausschuß des angestrebte»Reform des Völkerbundes«, die jede Feststellung des Angreifers, jede Verpflichtung zur Hilfe für den Angegriffenen aus dem Pakt ausmerzen will. Diesem dient vor allem der zähe und unablässige Kampf gegen das Bündnis Frankreichs und der Tschechoslowakei mit Sowjetrußland. Die Behauptung von der Unverträglichkeit dieses Bündnisses mit dem Völkerbundstatut und dem Locarnopakt hält die deutsche Regierung unablässig aufrecht, noch nachdem sie aus dem Völkerbund ausgetreten und den Locarnopakt gebrochen. Mit dem Bestehen dieses Bündnisses hat sie die Befestigung des Rheinlandes begründet und unablässig fordert die deutsche Presse seine Beseitigung. Denn die deutsche Friedensliebe kann Militärbündnisse der anderen nicht vertragen! Genügt die Antwort wirklich nicht? Ist es wirklich so schwer, zu verstehen, daß Mussolini und Hitler, die sich gegenseitig so kräftig unterstützen, solange sie ihre volle Bewegungsfreiheit wahren, die soeben die isolierten, unkoordinierten, schwächlichen Abwehrversuche lahmgelegt haben, sich nicht binden lassen werden, solange sie nicht müssen? England und Frankreich wünschen Regionalpakte zur Stärkung der kollektiven Sicherheit Aber Hitler fordert die Preisgabe gerade des wichtigsten Paktes, des Bündnisses mit Sowjetrußland, und Mussolini die Rückgängigmachung der englischen Abreden mit den Mittelmecrmächten. England und Frankreich wünschen den Wiedereintritt Deutschlands in den Völkerbund, und Deutschland ist vielleicht dazu bereit vorausgesetzt, daß dem Völkerbund noch der letzte Rest einer Wirkungsmöglichkeit genommen wird. England und Frankreich möchten kollektive Sicherheit mit Hitler und Mussolini, und Mussolini und Hitler wollen die Vollendung der Atomisierung feuropas, die sie so erfolgreich begonnen haben. England und Frankreich aber haben das alles noch nicht schwarz auf weiß. Was nicht in den Akten ist, ist nicht in der Welt-, sie warten deshalb auf die Beantwortung des Fragebogens und vergeuden die Zeit, die für Hitler arbeitet. Dr. Richard Kern."� Reichstags leuchtete in die Geheimnisse der Osthilfe hinein. Als sich die Untersuchung der Präsidentenkamarilla und dem Präsidenten selbst näherte, schickte Hindenburg den Reichskanzler von Schleicher fort und berief Hitler zum Reichskanzler. Die Untersuchung über die Osthilfe wurde sofort begraben. Die Regierung Hitler verfolgte alle an der Aufklärung Beteiligten mit besonderem Haß: sie verleugnete ihre Herkunft und Zweckbestimmung nicht. Seitdem ist das System der Osthilfe, das System der direkten Bereicherung der herrschenden Schichten, zum allgemeinen System des Dritten Reiches geworden. Schwerindustrie und Großgrundbesitz ernten, was die Despotie aus dem entrechteten und bedrücktem Volke herauspreßt. Das System Darre hat zwar das deutsche Volk zum Hungern gebracht, es hat die Nahnmgsmittelversorgung Deutschlands verknappt— aber der ostelbische Großgrundbesitz sitzt wieder fest im Sattel. Schon nach zwei Jahren Hitlerherrschaft Der doppelte Boden Für und gegen Italien. Wie stark in Deutschland die Abneigung hat sich das Einkommen der Landwirtschaft um einen Milliardenbetrag gehoben — auf Kosten der Arbeiterschaft und der städtiachen V erbrauchemassen. Unter dem demagogischen Geschrei:»Abschaffung der Klassengegensätze« hat das Hitlersystem die brutalste und direkteste Klassendiktatur errichtet. Es hat die reaktionärste, wirtschaftlich verkommenste und unfruchtbarste Klasse, es hat die Klasse der ostelbischen Junker, die alten Feinde des deutschen Volkes und der deutschen Kultur um gewaltige Beträge bereichert auf Kosten der Armen. Für diese Klasse hat die Hitlerdiktatur ihren Zweck erfüllt Sie braucht keine Osthilfe mehr. Hitler besorgt alles. Ein Mittel des Terrors Nazijustiz greift ins Ausland über. Der Bericht der deutschen Strafreehts- kommission enthüllt, daß im Strafrecht des Dritten Reiches ein neues Delikt eingeführt werden soll unter der Bezeichnung:»v e r- räteräische Vo Iksentf rem diu n g«. Der Tatbestand ist erfüllt, wenn ein deutscher Staatsangehöriger es unternimmt, außerhalb des Deutschen Reiches lebende Teile des deutschen Volkes ihrem Volkstum zu entfremden oder ihr Volkstum zu unterdrücken, wenn also Teilnahme an Entdeut- schungsbestrebungen oder an der Unterdriik- kung des Deutschtums im Ausland vorliegt. Das ist eine überaus gefährliche Kautschukbestimmung, die der nationalsozialistischen Terrorisierung des Ausiandsdeutscbtums dienen soll. Wer künftig als Auslandsdeutscher sich nicht unter die Botmäßigkeit der Naziorganisatio- nen im Ausland begibt, läuft Gefahr, daß diese Bestimmung gegen ihn angewandt wird. In vielen hundert Fällen ist von den Naziorganisationen im Ausland mit dem Mittel des gröbsten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Terrors gegen Feinde des braunen Systems vorgegangen worden. Jetzt erhalten diese Organisationen eine Art von offizleUer Recbtsprechungsgewalt! Die Folge der Anwendung dieser Bestimmung durch sie wird sein, daß die offiziellen Vertretungen des Dritten Reichs mit terroristisciien Mitteln gegen Auaiandsdeutsche vorgehe® werden— unter Bruch des verfassungareebt- llohen Schutzes und der Gerichtsbarkeit der Länder, in denen die Aualandsdeutsohen wohnen. Besonders für Länder mit starken deutschen Minderheiten ist dies neue Delikt von großer Bedeutung, und es verdient deshalb die stärkste Beachtung. Sozialismus Ist slawisch! Rassentheoretische Entdeckung des Ober- flnanzrates Bang. Im Jahre 1924 gründeten deutsohnatlo- nale Industrielle, denen der Reichsverband der deutschen Industrie noch nicht reaktionär und scharfmacherisch genug war, eine Sonderorganisation,(he Deutsche Industriel- letwereinigung. Diese Organisation besteht un Gegensatz zu den Gewerkschaften, die Im Mai 1933 unterdrückt wurden, ruhig weiter fort. Hauptmacher ist der Oberfinanzrat Dr. Bang, der in der Kappregierung Finanzminister war, in die Hltler-Papenreglc- mng als Staatssekretär berufen wurde und jetzt im Rühestand lebt. In den»Wirtschafts-Nachriohten« der Vereinigung, die alle zwei Wochen erscheinen, kämpft Dr. Bang mit Zitaten aus Hitlers Reden und Schriften gegen den Drachen Sozialismus für ungeschmälerte Erhaltung der kapitalistischen Profitwirtschaft. Bei dieser Gelegenheit gelingt ihm die folgende rassen theoretische Entdeckung: »Bs ist in der Tat ein verhängnisvoller Irrtum, daß sich gemeinwirtschaftliche Ideologien, also z. B. Aufteilungs- oder Beteiligungspläne am Privateigentum, kollektivistische gemeinwirtschaftliche Regelungen, Sozialisierungen u. dgl. aus der germanischen Rechts- und Wirtschaft«- entwickliung begründen ließen. Solche Ideen sind rein slawisches Gewächs und beweisen nur, daß auch die s t a r k e alawische Blutmischung deutsches Denken und Empfinden gestört hat.« Wie man sieht, besteht die alte Verbindung zwischen Patriotismus und Geschäft auch im Dritten Reich weiter fort, nur daß der Patriotismus zeitgemäß durch Biubo ersetzt wird. Auf alle Fttlle aber bleibt es bei dem Grundsatz: Alles, was das Geschäft stört, ist»un deutsch«! und Felscnwüste das»Imperium romanum« neugegründet und damit nun erst das Rlsorgimento beendet zu haben.« Nazideutschland lieferte zwar den Ueber- faUenden und Friedensbrechern allerhand Kriegsmaterial und lehnte Sanktionen gegen die Gewalttäter ab, aber gegen den Militarismus der anderen dürfen die Naziblätter immer mal meckern, zumal der Gangsterstaat zwar die Störung des Friedens brauchte, aber zuviel Autorität Mussolinis nicht wünschen kann— wegen Oesterreich. Darum darf die»Kämpferin« eine Lippe gegen den Duce riskieren. gegen Italien bis weit in die Nazikreise hinein ist, läßt die braune Frauenzeitschrift sein. Aber sie ist nur mehr eine Rechts- Abdankung des Völkerbundes Die moralische Schwäche des Völkerbundes hat einen sichtbaren Ausdruck gefunden. Die führenden Völkerbundsmächte haben sich bemüht, den Negus von Abes- sinien von einer Darlegung seines Standpunktes auf der Völkerbundversammlung abzuhalten— weil sie die Bemühungen um einen neuen Akkord mit Mussolini nicht stören lassen wollten. Daß ihnen diese Absicht mißlungen ist, daß die italienischen Journalisten während der Rede des Negus eine pöbelhafte Szene veranstalteten, das zeigt die Untergangsstimmung, die über dem Völkerbund liegt. Die Institution ist noch vorhanden, und sie wird auch im Herbst noch vorhanden läßt die »Die Kämpferin« deutlich merken; man liest da: »Der Völkerbund hat nicht einmal verhindern können, daß Hunderttausende wehrloser Menschen jeden Alters und Geschlechts durch ruchlosen Ucberfall aus der Luft mit Brand- und Giftgasbomben hingemordet wurden. Wobei zugleich allen Völkern mit brutaler Anschaulichkeit eine Vorstellung darüber gegeben wurde, was_......_ der»Krieg« heute ist: von einem männlich, �euerh auf_ eine Aufteilung Europas heroischen Waffengang ist nichts mehr geblieben! Noch sind alle fest in 4er tödlichen Wahnvorstellung befangen, �er sei ein »Sieger«, der den mit G«w alt und Unrecht Ueberfallenen knock out geschlagen hat. Der Wahn kann sich bis zu Vorstellungen steigern, die des humoristischen Reizes nicht entbehren, z. B. wenn er meint, mit der Besetzung von einigen Tauoend Quadratkilometern ßand- fiktion, hinter der keine Rechtemacht steht. Alle europäischen Entscheidungen werden außerhalb des Völkerbunds getroffen und über seinem Kopf hinweggenommen. Die kleineren Staaten, soweit sie nicht Partner von Bündnissen sind, spielen im Grunde genommen nur noch die Rolle von Statisten. Die großen Mächte in Interessensphären los, die sich unter dem Gedanken der Regionalpakte verbirgt. Für die englische Politik liegt in diesem Gedanken eine große Erleichterung. Er ermöglicht es, daß die englische Politik die Fiktion ihrer unbedingten Völkerbunds- treuc aufrecht erhält und die Sprache des Völkerbundspaktes weiter spricht, währen die effektive politisch-militärische Verantwortung in Mittel- und Südosteuropa auf andere Schultern gewälzt wird. Die Vertagung des Völkerbundes auf den Herbst ist in Wahrheit eine Abdankung. Diese Vertagung ist weit entfernt davon, den Völkern ein Gefühl der Entspannung, der Atempause oder gar der Sicherheit zu geben. Sie hinterläßt lediglich das beklemmende Gefühl, daß die unmittelbaren europäischen Machtauseinandersetzungen nun in nächste Nähe gerückt sind, und daß keinerlei internationale Rechtsorganisation mehr dem WUlen der militärisch Mächtigen entgegensteht. Für Weltdemokratie! Roosevelt« Kandidatenrede Der bisherige und aller Wahrscheinlichkeit nach auch künftige Präsident der Vereinigten Staaten. Roosevelt, hielt in Philadelphia eine Rede, in der er sagte:»In vielen anderen Ländern der Welt gibt es bestimmte Völker, die einst um ihre Freiheit gekämpft haben. die jedoch zur Weiterführung dieses Kampfes bereit« ermüdet zu sein scheinen.« Sie haben ihre Demokratie in die Schanze geschlagen. Nur unser Erfolg kann ihnen wieder Hoffnung geben. Sie beginnen, sich bewußt zu werden, daß wir hier In den Vereinigten Staaten einen großen Kampf um die Freiheit führen. Es ist das insbesondere ein Kampf für das Weiterleben der Demokratie. Wir kämpfen um die Erhaltung dieser großartigen und unschätzbaren Regierungsforra für unser Wohl und für das Wohl der ganzen Weit.« Internationale Asylreditskonferenz Am 20. und 21. Juni fand in Paris eine Internationale Asylrcchts- Konferenz statt. Sie tagte unter dem Vorsitz von Lansbury, Broucköre Cachin und Daladier. Die Konferenz hatte sich die Aufgabe gestellt, konkrete Vorschläge für ein neu zu schaffendes internationales Flüchtllngs- statut auszuarbeiten. Der vorgelegte Entwurf wurde nach eingehender Beratung einstimmig angenommen. Er sieht im wesentlichen vor: 1. Amnestie aller politischen Flüchtlinge, die auf Grund von Vergehen, die mit ihrem Flüchtllngsdaseln im Zusammenhang stehen. verurteilt oder gefangen gehalten werden. 2. Verbot der Ausweisimg von Flüchtlingen. 3. Annullierung der bereits ausgesprochenen Ausweisungen. 4. Einspruchsmöglichkeiten der Emigranten gegen Verwaltungsmaßnahmen. 5. Arbeltsrecht für Emigranten. 6. Ausstellung von Pässen für die Emigrauten. Dieser Entwurf eines Internationalen Flüchtlingsstatuts wird der am 2. Juli 1936 In Genf stattfindenden Reglerungskonferenz des Völkerbundes, die unter dem Vorsitz des neuen FlüchtUngskommia- sara Malcolm tagt, überreicht werden. Die Flüchtlingskonferenz wählte eine Delegation für die Regienmgskonferenz in Genf in folgender Zusammensetzung; Alvares del Vayo (Spanien), Longuet(Frankreich), Finn Moe (Norwegen), Kober(Schweiz), Perrln (Frankreich), Tombell(England), Breitscheid(Deutschland), Jean Beiving(Belgien). Als Vertreter der Sopade nahmen an der Internationalen Asylrechtskonferenz in Paris teil die Genossen Dr. Paul Hertz-Prag und Gustav Ferl-Brüsael. Dumm aus Patelotismus Der deutsche Fachgelehrte von heute. »Man könnte sich fragen, ob eine Berechtigung dafür vorhanden ist. fremdsprachige Lehrbücher der Dermatologie ins Deutsche zu übertragen, nachdem(dieses Deutsch entfloß wahrhaft nicht unserer Feder! D. K.) wir über eine große Zahl guter und reich ausgestatteter eigener Lehrbücher verfügen. Bei der vorliegenden Neuerscheinung(J» Darier, Grundriß der Dermatologie, übersetzt von K. H. Vohwinkel) handelt es sich aber zweifellos um einen besonderen Fall.« Nachdem(!) das Dritte Reich schon einmal da ist, glauben wir durchaus nicht, daß es sich bei dieser Einleitung zu einer Buchbesprechung, die wir in der»Deutschen Medizinischen Wochenschrift«, letzte Nummer, vorfinden, um einen besonderen Fall, nämlich von rabiater und stupender Dummheit mit»nationalem« Hosenboden handelt. Diese Filsergeschichten in braun hat Hitler eben zum Besitzstand der Nation erhoben. Deuisdie Sirelflidiier Sein Polizeidiktator Vor wenigen Jahren war der Diplomlandwirt Heinrich Himmler noch ein unbekannter kleiner Geflügelzüchter in einem Dorf bei München. Die SS, deren Reichaführer er wurde, entwickelte sich damala erst aus der SA und war eine Truppe von nur wenigen tauaend Mann. Jetzt ist der noch nicht 36- jfthrige, der vor 20 Jahren von der Schulbank an die Front ging, Chef der größten Pollzei- macht In der ganzen Welt. Eh- selbst beziffert die SS auf 200.000 Mann, und zu Ueber- treibungen scheint er, im Reden wenigstens, nicht zu neigen. Dazu treten die Polizeimannschaften aller Grade, die Gendarmerie und das Feldjägerkorpe im ganzen Reiche: mindestens weitere 200.000 Mann. Das ist ein Heer von 40 0.0 00 unter seinem Kommando. Hitler wird wissen, warum er eine solche Riesenmacht in der Hand des Mannes vereinigt, der am 30. Juni 1934 durch das Niederknallen der SA-Führer nicht nur seine eigenen Rivalen beseitigte, sondern damit zugleich die einzige Opposition innerhalb der NSDAP, die dem»Führer« und seinen Kreaturen gefährlich werden konnte. Für blutige Gewaltarbeit ist Himmler zu brauchen. Das hat er bewiesen. Er selber nannte auf dem Goslarer Bauerntag sein Schwarzes Korps das»gnadenlose Richtschwert«. Nach den Olympiatagen wird sich zeigen, auf wen zunächst es niedersausen wird. Die Ernennung Himmlers spricht nicht gerade für die von so vielen im Ausland ersehnte»Normalisierung«. Was Streicher in der Rassen-Pornographie ist, das bedeutet Himmler in der Brutalität gegen alles»Niederrassige«. Juden, Marxisten und Katholiken sind beiden untermenschliche Volksschädlinge, die, wenn nicht ausgerottet, so doch niedergehalten werden müssen. Himmler betrachtet seine schwarze Miliz als einen Männerorden, als einen neuen deutschen »Schwertadel«, als eine nordische Zuchtwahl und Auslese Hochrassiger, die für Jahrhundert« in ihren Nachkommen Deutschland beherrschen sollen, wie es das Junkertum bis in die jüngste Vergangenheit getan hat. Nicht umsonst heißt der Führer-Nachwuchs in den Ordensburgen»Junker«. Daß Himmler zu Kompromissen neige, hat ihm noch niemand vorgeworfen. Durch Himmler hält nun Hitler eine ein- heitUche bewaffnete Relchsexekutive in der Hand, die, so lange sie zuverlässig ist, jeden Widerstand brechen kann, ohne daß die Wehrmacht sich zu exponieren braucht. Im Reiche erinnern jetzt Wissende an zwei Cisarenworte Hitlers aus diesem Jahre: An die Drohung in Nürnberg, daß er die Partei gesetzlich mit der Durchführung von Maßnahmen betrauen werde, wenn»die Bürokraten« versagen, und an den Aufschrei in Detmold am 15. Januar:»Sie kennen mich noch lange nicht! Der Nationalsozialismus regiert nach seinen Ideen, und die anderen werden sich fügen müssen.« Nun stehen vier- hundert tausend Bewaffnete für diesen Zwang bereit. Eine Macht, die um so größer ist. als unzähligen jungen Menschen Stellung und Vorrechte in der riesigen Polizeiarmee erstrebenswert sein werden. Dazu gehören nicht zuletzt auch viele Soldaten, die nach ihrer Dienstzeit Versorgung suchen. Scharf abgegrenzt bleibt gegen Hitler-Himmlers Hausmacht das Offizierskorps der Reichswehr, aber der deutsche Polizeidiktator ist bestrebt seine eigene Offizierskaste derjenigen der Wehrmacht gesellschaftlich gleichzustellen. Für seine ganze SS gilt der Ehrenkodex des Offizierskorps. Eän Befehl vom 9. November 1935 verfügte, daß jeder SS-Mann Recht und Pflicht habe, seine Ehre mit der Waffe zu verteidigen. Damit ist praktisch die Verfolgung jeder Bluttat der SS den ordentlichen Gerichten entzogen. Immer gigantischer und furchtbarer wird der Gewaltapparat des Dritten Reiches. Das zeugt für die Machtbesessenheit, aber nicht für das Sicherheitsgefühl der Diktatoren. Der Anschlag auf Danzlg Kapitulation des Völkerbundes gefordert— Kur Deutsche dürfen geprügelt werden— Der Kampf der Gewerkschaften Kapitulation des VÖLkerhundes vor dem Dritten Reich, Auslieferung Danzigs an den hemmungsloaen braunen Terror— das ist die Forderung, die der Gauleiter Forster in seinem Artikel gegen den Völkerbunds- kommiasar Oester erhoben hat. Forster verspricht, Danzig vor dem Bolschewismus zu retten, wenn Oester ihm dabei nicht in den Arm fällt. Der Bolschewismus wird in diesem Falle repräsentiert durch die Deutschnationale Partei das Zentrum und die Sozialdemokratie, die sich in einer Notgemednschaft der Opposition gegen die Gewaltherrschaft zusammengefunden haben. Der Vorstoß gegen den Völkerbund wird eharakteristischerweiäe begleitet von einem Rückzug vor Polen. In Danzig sind bei den letzten nati onalaozi alistLBchen Exzessen auch Polen mißhandelt worden. Der polnische Generalkommissar Papp« hat dagegen energische Vorstellungen erhoben. Egebnisse: der Danzlger Senat entschuldigte sich offlzieH und versprach Besserung. Den mißhandelten Polen wurden hohe Gel de ntsdhädi gungen bewilligt. Führer der SA erschienen beim polnischen GeneralkommisBar, um Entschuldigung und Bessenmgsgelöbnis zu wiederholen. Ein paar Burschen der Hitlerjugend wurden im Schnellverfahren zu Gefängnisstrafen verurteilt, und der Senatspräsident Greiser gab Order, daß kein Poäe mehr gezwungen werden dürfe, die Hakenkreuzflagge zu grüßen. Es dürfen also in Danzig zwecks Wahrung der nationalen Ehre nur noch Deutsohe geprügelt werden, die aber dafür um so gründlicher. Der Völkerbund, der Garant der freiheitlichen Verfassung der»Freien Stadt«, soll daneben stehen und zusehen. Bestrafte Reidisireae Das Urteil des Obergerichts der Freien Stadt Danzig im Gewerkschaftsstreit liegt jetzt in schriftlicher Ausfertigung vor. Es ist In mehr als einer Beziehung ein bemerkenswertes Dokument zur Zeitgeschichte. Das OborgericM. bestätigt durch dieses Urteil vorher ergangene Entscheidungen, nach denen der Raub der Danzig er Gewerkschaften durch die Nationalsozialisten zu Recht erfolgt ist. Am 12. Mai 1933— zehn Tage nach dem Handstreich gegen die Gewerkschaften im Reich— ernannte Schumann, der von Hitler beauftragte Leiter der deutschen Arbelter- verbändc, den Danzlger Nationalsoziahsten Kendzia zum Beauftragten der NSBO für die freien Gewerkschaften In Danzig. Kendzia erwirkte eine einstweilige Verfügung, wonach alles Eigentum der Gewerkschaften an ihn auszufolgen war und den biaberigan Ge- werikschaftslettem verboten wurde, Geschäfte irgendwelcher Art für die Gewerkschaften zu besorgen. Dieser Gewaltakt bildet den Gegenstand de« Rechtsstreites, tn dem jetzt das Obergericht seine Entscheidung gefällt hat. Das Gericht geht davon au», daß die reichsdeutsdhe Aktion vom 2. Mai 1933 ein revolutionärer Akt gewesen sei, der neues Recht geschaffen habe. Dies erhelle gerade daraus, daß Hitler, die den Akt sanktionierende Verfügung vom 10. Mai nicht als Reichskanzler, sondern als Führer der NSDAP erlassen habe und die Ver- fügung selbst nicht im Reichsgesetzblatt, sondern im»Völkischen Beobachter« erschienen sei.»Damit, daß die Kundgebung in dieser Form erfolgte, wurde besonders hervorgekehrt, daß es sich nicht um einen Akt der ordentlichen Gesetzgebung, sondern um einen revolutionären Akt handelte, der letzten Endes auf den Führer der Revolution selbst zurückzuführen war.« Hat auch die gerichtliche Feststellung, daß Hitler der Führer der»Revolution« gegen die Rechte der Arbeiter gewesen ist, ihr pikantes Interesse, so ist die Sache soweit doch verhältnismäßig einfach. Nun hat aber die »Revolution« nicht in Danzig, sondern in Deutachland stattgefunden, und Danzig besitzt noch immer— wenigstens auf dem Papier— eine freiheitliche Verfassung, in der das Recht der Gewerkschaften verankert ist. Also mußte doch das, was in Deutschland durch verbrecherische Gewaltanwendung »Rocht« geworden war, in Danzig blutiges Unrecht gebheben sein? Wie hilft sich da das gute Obergericht? Bin Glücksfall kommt ihm zu Hilfe. Als durch den Vertrag von Versailles Stücke von Deutschland abgerissen wurden, da entschlossen sich die Gewerkschaften, über die. neuen blutenden Reichsgrenzen hinaus ihre Orgatrt- satton aufrechtzuerhalten. Die gewerkschaftliche Organisation sollte ein Glied sein, das die Verbindung dem Mutterland und den abgerissenen Landesteilen aufrechterhielt. Demzufolge blieben die Danziger freien Gewerkschaften Ortsgruppen der in Deutschland wirkenden Hauptverbände, die Ortsteilung der Gewerkschaften unterstellte sich dem Vorstand de« ADGB. Hier ist der Haken, an dem die Paragraphenschlinge aufgehängt werden kann. In Deutschland sind die Gewerkschaften totgeschlagen und ausgeplündert worden; die Danzlger Gewerkschaften sind aber nur Gliederungen der reichsdeutschen Gewerkschaften, also können sie sich dem gleichen Verfahren nicht entziehen. Was in Deutschland»kraft revolutionären Rechts« geschieht, müssen sich auch die Darmger Gewerkschaften im geordneten Verfahren mit Genehmigung des Obergerichts gefallen lassen. Die Reichstreue ist den Danziger Gewerkschaften zum Verhängnis geworden. Das Urteil des Obergerichts spricht das mit zynischer Offenheit aus, indem es erklärt: »Die veränderte Zielsetzung in Deutschland wirkte sich auch für Danzig dahin aus, daß ein Recht der Danziger Gewerkschaften auf ein Eigenleben entgegen den veränderten Zielen der deutschen Verbände ebensowenig anzuerkennen Ist, wie ein Recht der Gewerkschaftsführer, auf ihre Faust innerhalb ihres kleinen Bereiches die alten Ziele mit den alten Mitteln weiter zu verfolgen. Wenn sich die Danziger Gewerkschaften durch ihre Eingliederung in dl« deutsche Gewerkschaf teorgani- satlon von Anfang an deren Zielsetzung unterworfen hatten und wenn sie während der ganzen Jahre der bisherigen Eigenstaatlichkeit Danzigs diesen Zustand aufrechterhalten haben, so ist es eine unvermeidliche Folge ihres eigenen freien Entschlusses, wenn sie Jetzt In das Schicksal der deutschen Gewerkschaftsbewegung mit hinelngerisBen worden sind.« Hätten sieh die Danziger Gewerkschaften in den Schutz der polnischen Regierung bogeben, hätte niemand Ihnen etwas antun können. Daß sie Jetzt gegen einen erbarmungslosen Gegner und die ihm willfährigen Gerichte einen schweren Kampf um Ihr Recht führen müssen, verdanken sie einzig und allein ihrer Reichstreue 1 Die»Danzlger VoUkssümme« erocheint ab' 1. Juli wieder. Durch Entscheidung des Preßgerichta ist die Verbotszeit von zwei Monaten auf einen Monat abgekürzt worden. 300 Jahre Oeflnsnis im KatMzer ItazIprozeO Adolf Hitlers Verbredien an der deutsdien Minderheit in Ostobersdilesien Fanatismus gemeingetährlidi? Das Schöffengericht in Frankfurt a. Main verurteilte den 46jährigen katholischen Pfarrer Alois Eckert zu drei Monaten Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe, weil er sich geweigert hat, am 9. November als dem Erinnerungstag des Münchener Hitlerput- sches zu flaggen. Der Priester bekannte sich zu seiner Tat, gestand, daß er mit voller Abriebt aus Gewissensbedenken so gehandelt habe. lehnte auch ab, zu erklären, ob er in Zukunft an jenem Tage flaggen werde. Sein Beispiel wird zwar kaum Nachahmung finden, wird aber der katholischen Opposition neuerdings zeigen, daß noch Männer im Klerus sind, freilich auch das Bedauern ver- Nach fast dreiwöchiger Dauer ist am 20. Juni vor dem Kattowitzcr Bezirksgericht der Prozeß gegen 119 Angehörige einer geheimen Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterbewegung zu Ende gegangen, der mit der Verurteilung von 105 deutschen»Volksgenossen« Hitlerschen Couleurs zu etwa 300 Jahren Gefängnis abgeschlossen wurde. Die sieben Hauptangeklagten, die zu 10, 8 und 7 Jahren Gefängnis erhielten, waren die Träger der Geheimorganisation, die mit reichsdcutschen Stellen in Verbindung standen und als Ziel der Organisation die Abtrennung Ostoberschlesiens von Polen anstrebten. Ein weiterer Angeklagter organisierte einen Nachrichtendienst, der bei der Beuthener Gestapo im sogenannten Polizeibüro endete und die Gestapo nicht nur Uber den Stand der gleichgeschalteten Verbände Adolf Hitlers innerhalb der deutschen Minderheit unterrichtete, sondern nebenbei auch die polnischen Organisationen beschimpfte und unter anderem zum Ergebnis kam, daß es hier nur»Schweinspolen« gebe, die der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterbewegung schädlich seien. Zwar behauptet der Hauptspitzel Pilorz, der sowohl für die polnische, als auch für die deutsche polltische Polizei Informationen lieferte, daß er zwar seine»gefärbten Berichte« so abgefaßt habe, als wenn sie nach Deutschland gingen, aber sie waren nur für die polnische Polizei bestimmt, damit diese die geheime NSDAP beseitige, die der Einigung des Deutschtums unter Adolf Hitler schädlich sei, aber im Prozeßverlauf ergab es rieh, daß er mit Stellen der Gestapo in Gleiwitz und Beuthen in Verbindung stand und auch den deutschen Generalkonsul als unzuverlässig denunzierte, da er den Nazis nicht freie Räume im Konsulat zur Verfügung stelle und außerdem die Führer des Systemdeutschtums als unzuverlässig bezüglich der nationalaozialistischen Gerinnung hinstellte und ihre Abberufung forderte. Der Prozeßverlauf hat einwandfrei erwiesen, daß, während von Berlin aus die mehren, daß nicht endlich ein Bischof wagt oder es für klug oder richtig hält, der staat- licbon Anmaßung als Märtyrer gegenüberzutreten. In der Urteilsbegründung des Frankfurter Gerichts sind übrigens zwei hübsche Sätze. Der eine verrät, wie es mit der Volksbegeisterung für das Flaggen Steht: »W enn der Angeklagte an Tagen, an denen zu flaggen sei, nicht flaggte, dann sagten sich seine Gemeindemitglieder, daß sie es auch nicht zu tun hätten.« Item: Freiwillig würde niemand die Fahne heraushängen! Noch schöner Ist der andere Satz: »Der Angeklagte ist ein Fanatiker und aus diesem Grunde gefährlich für das Allgemeinwohl!« Das Gericht hält mithin alle Fanatiker für gemeingefährlich, und man wird ihm nicht widersprechen wollen. Der stärkste Beweis für die Wahrheit der richterlichen Feststellung ist Adolf Hitler selbst, der in»Mein Kampf« und in seinen Reden sich zum Fanatismus bekennt, ihn predigt und schürt und rühmt und mit Horden gemeingef ährl icher Fanatiker oder Banditen, die gegen entsprechende Bezahlung Fanatismus vortäuschen, Deutschland terrorisiert und ruiniert. Hüben und drüben Vor dem Schwurgericht in Krems In Oesterreich sind eine Reihe von SA-Leuten zu Strafen bis zu 16 Monaten schweren Kerkers verurteilt worden. Sie wurden beschuldigt, an einer UnterStützungsaktlon für notleidende Nationalsozialisten beteiligt gewesen zu sein. Darum große sittliche Entrüstung in der deutschen Nazipresse:»Oesterreich bestraft Nächstenliebe.« Und Deutschland im Dritten Reich? Es bestraft sogar diejenigen, die zur Unterstützung der Frauen und Kinder von Opfern des Nationalsozialismus sammeln und mit zwei Monaten Gefängnis, wie in Oesterreich einige der Nazi-Angeklagten, kommt in Deutschland niemand davon. Die Athletik der Finanzanwärter In einem Lehrgang der Reichsfinanzschule In Ilmenau sollte der Rei chef i nanz- S taats- sekretär Reinhardt einen Vortrag halten:>W arum müssen wir Steuern zahlen?« Die Antwort darauf bestand in folgenden Weishelten:»Jede Steuerzahlung geschieht durch den einzelnen Volksgenossen nicht fremder Interessen wegen, sondern unmittelbar in Jedem Fall um seiner selbst willen. Steuern zahlen, heißt nicht Opfer bringen, sondern einzig und allein seine Pflicht tun,(Be die Natur dem einzelnen um seiner selbst willen auferlegt und deren Merkmale geregelt sind durch Gesetze des Staates.« Diese naturgesetzliche Steuertheorie bedarf nun immerhin zu ihrer Praktizierung bekanntlich der Steuereintreibung. Reinhardt verkündete, daß in Zukunft Jeder Finanzanwärter das SA-Sportabzeichen erworben haben müsse, ehe er eingestellt werden könne. Man darf vermuten, daß für den Außendienst vor allem Wert auf Boxer gelegt werden wird, die dem Naturgesetz des Steuerzahlens durch ihre Fäuste dem für die Finanzkassen wünschenswerten Nachdruck verleihen. Hannes Wink. Friedenspolitik und Freundschaft gegenüber Polen betont wird, mit Zustimmung reichs- deutscher Stellen eine Organisation In Ostoberschlesien begründet und auch unterstützt wurde, die etwa 50.000 Mitglieder umfassen sollte, einen Putsch spätestens im März 1937 in Szene setzen und die Hakenkreuzflagge an der früheren Dreikaiserreichsecke in Myslo- witz wehen lassen sollte. Der Haupt- angeklagte Maniura zog es vor, durch Selbstmord den peinlichen Gerichtsverhandlungen zu entgehen, da er nach eigenem Geständnis im Dienst der politischen Polizei in Beuthen stand, die mit Hilfe des Kreisleiters Pissarek der NSDAP die ost- oberschlesische Geheimorganisation leitete. Im Verlauf des Prozesses ist femer erwiesen, daß das Deutsche Auslandsinstitut die Wiedereroberung früherer deutscher Gebiete in seinen Schriften propagiere, daß der>B u n d deutscher Osten« in seinen Versammlungen die Wiedergewinnung Ostoberschle siens in den Mittelpunkt seiner Propaganda stelle und auch seine Mitgliedschaft auf polnische Bürger ausdehne, wenn dies öffentlich auch bestritten wird. Jedenfalls war einer der Angeklagten sogar Kontrolleur bei einer Beuthener Mitgliederversammlung des Bundes deutscher Osten, um nur solche Teilnehmer aus Ostoberschlesien einzulassen, die zuverlässige Deutsche, also Angehörige der geheimen NSDAP, waren. Es soll nicht geleugnet werden, daß die meisten der Angeklagten aus sozialer Not dem Betrug Adolf Hitlers verfallen sind und Mitglieder wurden, weil ihnen bei der Werbung offen Arbeit jenseits der Grenze versprochen worden ist. Aber nicht bestritten ist, daß die Mitgliedskarten durch die Polizei bei einem gewissen Nowak von den Angehörigen der NSDAP in Beuthen verwahrt wurden, daß nur sogenannte Frontkämpfer in die NSDAP aufgenommen wurden, und deren Adressen hat man sich aus den Listen verschafft, wie sie seinerzeit beim deutschen Generalkonsulat aufgestellt wurden, als man das sogenannte Kriegsehrenkreuz auch an polnische Bürger verleihen wollte, wogegen aber die polnischen Behörden einen energischen Protest erhoben. Man sieht, daß die Vorbereitungen zu einer militärischen Organisation nicht von der Hand zu weisen sind und sehr lange vorher vorbereitet wurden. Die meisten Angeklagten waren ja geständig, denn der deutsche Gestapospitzel Maniura hat sie ja durch sein Geständnis bei der polnischen Polizei preisgegeben, sie haben auf Adolf Hitier einen Schwur geleistet, ihn als einzigen Führer aller Deutschen anerkannt und ihm bis in den Tod Treue und Schweigen geschworen. Trotzdem war das Gericht bemüht, möglichst die Person des Führers Adolf Hitler aus diesem Prozeß auszuschalten und begnügte sich damit, festzustellen, daß die Angeklagten zum Teil Verbindung mit deutschen amtlichen Kreisen hatten. Hätte man zum Beweis Adolf Hitler«»Mein Kampf« herangezogen, so würde man verpflichtet sein, auch Adolf Hitler als den Schuldigen dieser Geheimorganisation zu erklären, und die« wollte man immerhin mit Rücksicht auf den deutsch-polnischen Freundschaftspakt nicht tun. Die reichsdeutsche Presse ist durch das Stichwort des Deutschen Nachrichtenbüros bemüht, den ganzen Prozeß als ©ine gemeine Spitzelarbeit hinzustellen, man rückt von dem»Volksgenossen« Pilorz ab, verschweigt aber, daß er Gestapospitzel war, wie auch der Hauptangeklagte Maniura vor seiner Spitzeltätigkeit in der Beuthener KPD an zwei Aufständen in Oberschlesien auf polnischer Seite kämpfte. Der Kattowitzer Naziprozeß hat nur die Lügenhaftigkeit der braunen Politik erwiesen, die nach zwei Selten, mit Freundschaft und Putschabsichten, arbeitet. Für diese Lügenhaftigkeit müssen 105»deutsche Volksgenossen« etwa 300 Jahre Gefängnis abbüßen. VaMinlsdie Nazipolitik In SQdamniba Der neudeudsdie Imperialismus sucht Abenteuer Letfter Rettungsanker Pensionsberechtigung nur durch Anthropologie »Im Falle, wo sich die arische Abstammung durch fehlende Urkungen nicht lückenlos nachweisen läßt, kann die Reichsstelle für Sippenforschung ein anthropologisches Gutachten von Universitätsinstituten anfordern. Der Reichsminister des Innern hat hierfür als berechtigt anerkannt die anthropologischen Institute der Universitäten Berlin, München, Leipzig, Frankfurt, Hamburg, Breslau, ferner das Thüringische Landesamt für Rassenwesen in Weimar.« Aus den letzten reichsamtlichen Verlautbarungen des Dritten Reiches—. Wenn jetzt doch endlich einer einen Kompressor erfände, der aus runden Köpfen lange quetscht! Der könnte Geld verdienen! mn. Bio de Janeiro, anfangs Juni. In der letzen Zeit entwickelt das Dritte Reich eine besondere Aktivität in Brasilien. Das Reichapropagandaministe- rium hat im letzten Vierteljahr seine Aufwendungen für die Beeinflussung der brasilianischen Presse mehr als verdoppelt. Seine Agenten in der Bundeshauptstadt Rio de Janeiro haben mit einem Riesenaufwand an Geld ein Boulevardblatt,»A Nota«, gegründet, das sich vollkomm«! in den Dienst der nationalsozialistischen Propaganda unter den Brasilianern gestellt hat. Die nationalsozialistischen Landesgruppenleitungen machen außerdem alle Versuche, stützungsbedürftige Zeitungen unter ihren Einfluß zu bekommen. Für diese Zwecke setzt man nicht nur die Gelder der deutschen Steuerzahler ein, sondern zwingt auch den deutschen Firmen eine entsprechende Inseratenpolitik auf. Mit großem Aufwand an Subventionen ist es gelungen, den in Sao Paulo erscheinenden»Cor- reio Paulistano« dazu zu veranlassen, jede Woche einmal eine»Seccao Germanlco« zu bringen, deren Stoff von Göbbelsagenten zusammengestellt wird. Große Anstrengungen hat man ebenfalls unternommen, um eine für den brasilianischen Gebrauch zurechtgestutzte portugiesische Ausgabe von»M ein Kampf« unter das Volk zu bringen. In ganz Brasilien sind aber, sieht man von den verschenkten Exemplaren ab, nur einige Dutzend Exemplare von diesem Meisterwerk Hitlers verkauft worden. Der brasiliamsche Verlag, die Edicao da Livraria do Globo in Porto Alegre, der die»Direitoe autorais exolusävos para o Brasil e Portugal concedidoe pelo F. Eher Nachf.« besitzt, also keine»wilde« Ueber- setzung herausgebracht hat, hat»Mein Kampf« nur zum Druck und zur Herausgabe übernommen, weil ihm die Nationalsozialisten von vornherein einen solchen Absatz garantierten, daß es für ihn ganz gegenstandslos war, daß regulär nur ganz wenige Bücher verkauft wurden. Er hat aber auf eine sehr originelle Weise den Nationalsozialisten seine höhnische Verachtung kundgetan: wie auch sonst üblich benutzte er den Umschlag des Buches zur Propaganda für andere in seinem Verlage erschienene Uebersetzungen. Auf dem Umschlag von Hitlers»Mein Kampf« (PortugiesiBCher Titel:»Minha Luta«) empfiehlt die Edicao da Livraria do Globo mit dem Vermerk»Algumas obras de valor edita- dos pela Livraria do Globo«(Einige Werke von Wert, herausgegeben von der Livraria do Globo) ausgerechnet die Bücher von— Emil Ludwig und Lion Feucfatwanger.., Deutsdier Dumpingexport Die Nationalsozialisten bemühen sich um die Beeinflussung der brasilianischen Oeffent- lichkeit aus einem sehr aktuellen wirtschaftapolitischen Grund. Brasilien wird für das von Devisen entblößte Deutschland als Lieferant von Baumwolle und anderen Rohstoffen immer wichtiger. Natürlich will das Dritte Reich dafür nicht Devisen bezahlen, denn dann hätte es Brasilien nicht notwendig; es will den Brasdlianem dafür— Verrechnungsmark anhängen. Nun gibt es in Brasilien genügend Politiker und Wirtschaftler, die den Schwindel kapieren. Auf der anderen Seite befürchten aber zahlreiche Interessenten, für die geringwertigere Baumwolle der Nordstaaten gäbe es (im Gegensatz zu der hochwertigen Im Staate detdstU-{tut Deuistke ftemdsfitatUe Fremde Sprachen erlernt man, wenn man verhindert ist, im Lande selbst zu studieren, durch eifrige Lektüre ihrer Literatur unter Zuhilfenahme einer Sprachlehre oder eines Sprachlehrers. Deutschen sei das Studium der»Frankfurter Zeitung« empfohlen. Der Einwand, sie sei ja deutsch geschrieben, also nicht fremdsprachig, ist nur äußerlich gesehen richtig. Der Witz liegt gerade darin, daß hier eine Fremdsprache in den Formen der Muttersprache geschrieben wird. Wer sie als Muttersprache ansieht, versteht den Sinn des Geschriebenen nicht. Das war ehemals paradox, aber nun bestätigt es ein Blick in den Artikel»Umschau« des Handelsteils vom 22. Juni, worin allgemeine Betrachtungen über dies und jenes angestellt werden. Einigermaßen verständlich geht es noch zu, so lange das Ausland behandelt wird. Da wird gesagt, gemeinsam sei den Staatsführungen in Paris(also einer von einem Marxisten und Juden dazu geführten Regierung) und Washington»das Beetreben nach Stillung der Not von Arbeitern und von Bauern«, Fremdsprachig und der Ueber- setzung bedürftig wird das Deutsch aber, wenn es um die Wirtschaft dos Dritten Reiches geht:»Die deutsche Lage ist wiederum anders. Hier ruht das bestimmende Gewicht In der Geschlossenheit der Staatsgewalt und der Einheitlichkeit des Verfahrens seit Jahren.« Uebersetzung; In Deutsehland hat Schacht seit mehr als drei Jahren die Wirtschaft in der Faust. »Was mit neuem Plan und ähnlichem nicht zu erreichen ist, die völlige Umkehr der Devisensituation, das kann erst aus späteren außenpolitischen Gesamtwirkungen hervorgehen.« Uebersetzung: Er kommandiert der Wirtschaft mit dem Mittel der Devisensperre. Aber sein Neuer Plan hat die Rohstoffnot nicht behoben, sondern erst recht hervorgerufen. Daher soll mit militärischer Drohung erreicht werden, was mit wirtschaftlicher Erpressung nicht gelungen Ist. »Im Reichsmark-Bereiche aber, unter dem Luftabschluß der Valutavorschriften, wurde ein gewisser Kreislauf bereits sichtbar; und neue Anleiheauflegungen werden, nachdem der Staatssekretär des Reichsfinanzministe- riums soeben eine Vermögensabgabe abgelehnt hat, das wahrscheinlich schrittweise bestätigen.« Uebersetzung: Gerade weil Devisen für Rohstoffe fehlen, zeigt sich um so größerer Geldüberfluß bei der Großindustrie. Aber das Dritte Reich verschont sie mit Besitzsteuern und zieht es vor, Schulden mit Schulden zu bezahlen, obwohl es weiß, daß die Großindustriellen sich nur»schrittweise« entschließen, des Reiches Schuldtitel zu übernehmen. »Spartanertum hat das Seinige dabei zu tun.« Uebersetzung: Weil die Reichen für das Reich nichts hergeben, müssen die Massen darben. »Das schließt nicht aus, daß der Konsum, der sich ständig verlagert, in seiner Gesamtheit wächst.« Uebersetzung: Werden weniger Eier gegessen, können doch desto mehr Autos gekauft werden. »Viele der neuen Abschlüsse konnten das bezeugen.« Uebersetzung: Die Rüstungsprofite steigen. »Die Zuversicht einer Daimler-Gesellschaft, einer Auto-Union wird wahrscheinlich in der nächsten Bilanz aufs neue gerechtfertigt werden.« Uebersetzung: Die Autokonjunktur hat gute Aussicht. »Nachdem der Mai wieder gut war, dürfte die den Käufern nur zur Ueberlegung. dem Fahrer zur Vorsicht zwingende Einführung eines ansehnlichen Selbstbehalts in der Wagenversicherung den Reiz zur Neuanschaffung nicht einfach ertöten.« Uebersetzung: Weil es zu viele Autounfälle gibt, sind die Autoversicherungen sanierungsbedürftig. Zu ihrer Sanierung hat das Hitlerregime den Autobesitzem gesetzlich anbefohlen, die Hälfte des Unfallschadens selbst zu bezahlen. Der»Reiz zur Neuanschaffung« wird dadurch zwar nicht»einfach«, aber immerhin doch»ertötet«. »Lieferschwierigkeiten ernsterer Art gab es bisher nirgends, gelegentlich nur kurzen Aufenthalt, weil die Reifenproduktion nicht immer mitkommt.« Uebersetzung: Die Autoproduktion droht zu stocken, weil es an Kautschuk fehlt. »Seit dem Februar 1936 weiß auch die fremde Besucherschaft der Autoschau, daß deutscher Kunatgummi nicht nur in höchat- anspruchsvollem Gebrauch, sondern auch in Industrieller Großentwicklung begriffen ist.« Uebersetzung; Der natürliche Kautschuk muß immer mehr durch künstlichen ersetzt werden, »Die Russen übergehen ganz die Kostenfrage, die man in keinem Lande so ignoriert, wenn es gilt, Devisen zu sparen.« Die Uebersetzung dieses Satzes im ganzen erübrigt«ch, nur das Wort Russen ist durch Deutsche zu übersetzen. Das Dritte Reich ist also zur Zeit noch mit anderen Dingen als mit der»Stillung der Not von Arbeitern und von Bauern« beschäftigt. G. A. Frey. Sao Paulo) keine anderen Abnehmer als die Deutschen. Sie schlagen vor, von den Deutschen Ueberp reise zu verlangen, und sind über die trotzdem gezeigte Abnahmebereitschaft, naiverweise, ganz begeistert. Sie vergessen aber ganz, daß die Deutschen Im gegebenen Augenblick Brasilien zwingen werden, für die geschuldeten Markbeträge deutsche Industriewaren zu noch exorbitanteren Ueberpreisen abzunehmen! Ein Teil der Brasilianer kennt eben noch nicht die gerissenen Methoden der amtlichen deutschen Wirtschaftspolitik. Um Warner und Mahner niederzuschreien, gibt im Augenblick das Reichspropagandaministerium sehr große Beträge in Brasilien aus. Was allerdings die Brasilianer sagen werden, wenn sie den Betrug merken werden, steht auf einem anderen Blatt! Englisdi-aincrikanisdies Mißtrauen In dem Zusammenhang ist wichtig, daß die deutsche Dumpingoffensive in Brasilien und in anderen südamerikanischen Staaten das außerordentlich starke Mißtrauen der Engländer und der Nordamerikaner erregt. Die Engländer und die Nordamerikaner, die in Südamerika seit langem miteinander rivalisieren, sind sofort einig in der Abwehr unlauterer deutscher Exportmanöver; und es läßt sich de facto nicht bestreiten, daß die Deutschen ausnahmslos und unter allen Umständen jeden Preis unterbieten. Man kann sicher sein, daß die Art, wie die nationalsozialistischen Wirtschaftspolitiker»in fremden Revieren« jagen, auch zu politischen Konsequenzen führen muß. Die Politiker des Dritten Reiches begeben sich, ohne Kenntnis der letzten Konsequenzen, täppisch auf ein Spannungsfeld der imperialistischen Gegensätzlichkeiten, dessen weltpolitische Bedeutung größer ist, als die Leute von der NSDAP offenbar kapieren... Erobererpläne der braunen Abenteurer Allerdings spielt bei der nationalsozialistischen Politik gegenüber Südamerika auch sonst ein Gemisch aus Abenteurerinstinkten, wilhelminischem Größenwahn, Impenahstl. scher Profitgier und blutigem Dilettantismus eine entscheidende Rolle. Die Nationalsozialisten rechnen nämlich ernstlich damit, daß Südamerika reif für deutsche Kolonialeroberungen ist! Sie meinen, daß die Selbständigkeit einiger kleiner südamerikanischer Staaten nur fiktiver Natur ist und daß»ein Wort der Engländer« genügt, um Deutschland hier Chancen zu gewähren. Sie haben aber, neben kleineren südamerikanischen Republiken ihr Augenmerk vor allem auf Teile von Brasilien geworfen. Dort gibt es viele deutsche Kolonisten, dort ist viel braches Land, dort sind genug Möglichkeiten, Deutschland fehlende Rohstoffe zu gewinnen, dort kann man eine Revolution arrangieren, um im Süden Brasiliens zu einer staatlichen Umgestaltung zu kommen, die deutschen Kolonialinteressen günstig ist. Die in den brasilianischen Südstaaten wie Rio Grande do SuT, Santa Catharina und Parana befindlich© (zum Teil schwer bewaffnete) SA, die deutschen Segelfliegergruppen und die zahlreichen deutschen Kriegspiloten, die die vielen Condor- Flugzeuge kreuz und quer durch Brasilien führen, können nach Meinung der nationalsozialistischen Abenteurer in den Auslandsorganisationen der NSDAP bei zukünftigen innenpolitischen Verwicklungen im Interesse der einen oder anderen Partei den Ausschlag geben. Man erhofft auf diese Weise in ganz Brasilien oder in einem Teile Brasiliens zur Aufrichtung eines Regimes beizutragen, das sich in eine vollkommene ideelle und materielle Abhängigkeit von dem Dritten Reich begibt. Es braucht nicht gesagt zu werden, wie verantwortungslos-abenteuerlich diese Plane sind(ein Teil stammt noch aus dem intellektuellen Milieu Ernst Röhms!), wie wenig sie mit den realen Gegebenheiten rechnen und neben den tatsächlichen Machtverhältnissen und den britisch-nordamerikanischen Interessen auch die Emanzipationsbestrebungen der südamerikanischen Staaten von jeder imperialistischen Bevormundung unterschätzen. Die Nationalsozialisten sind aber so wenig durch innere Selbstkritik und vernünftige Ueberlegungen gehemmt, daß sie mit einer munteren Selbstverständlichkeit ganz systematisch in Südamerika Dinge von einem verbrecherischen Wahnsinn mit im Augenblick noch gar nicht überblickbaren Konsequenzen vorbereiten! Nr. 160 BEILAGE 5. Juli 1936 Pee iHaäm tutint Ms dsMeu Ueities Artur Dinier: ein lebendes Stüdk Ansdiauungsunicrridii zu diesem System »Himmlischer Vater, wir danken Dir, Daß Diu unserem deutschen Volk Auch einen gewaltigen, großen Religiösen Führer erweckt hast...« Gebet eines»Deutschen Madchens aus dem Volk«. Wenn in den nachfolgenden Zeilen ein Lebens- und Charakterbild des hitlerdeutschen Reformators Dr. Artur Dinter zu zeichnen versucht wird— und zwar anläßlich des kürzlich feierlich genug begangenen Hundert-Monate-Jubiläums des Bestandes seiner»Deutschen Volkskirche«, sowie ausschließlich an Hand von Belege n stilistischer Art, die sämtlich der diesem Anlaß gewidmeten Feierausgabe der gleichnamigen Zeitschrift Dinters(»Deutsehe Volkskirche«, Heft 100) entnommen sind—, so geschieht das nicht um des Sujets an sich willen. Defekte Naturen, gerichtsnotorische Psychopathen, Mischungen von Gaukler und Heiligem, haben in jenem Deutschland der Kriegs- und Nachkriegszeitzerrüttung, die immer viel mehr eine geistig-moralische, denn eine bloß physischmaterielle gewesen ist, auch ohne Hitlers Mitwirkung und Begnadung eine Rolle gespielt, die vielleicht anderen Völkern ohne jene Erlebnisse nie ganz klar gemacht werden kann. Den ja wohl anerkannt verrückten Generalquartiermeister der Deutschen Obersten Heeresleitung mit diktatorischer Befugnis über ganz Deutschland in schwersten Stunden gab es längst vor dem entsprechenden Osaf in der gegenwärtigen Reichsleitung; wirklich nicht erst die Hitlerbewegung hat den Verfolgungsmaniker Ludendorff emporgetragen. Wirklich nicht Hitler ist auch für alle die anderen, teils halb närrischen, teils halb kriminellen Ret- terfiguren seiner eigenen Entstehungszeit— von Stinnes etwa bis zu Weißenberg— verantwortlich zu machen. Jedoch mit dem ihm ganz kongenialen Dr. phil. nat. Artur Dinter ist das etwas ganz anderes! Dieser Dinter ist ein nur zu lebendiges, gar nicht wegzudenkendes Stück des heute regierenden Nationalsozialismus! Dieser Dinter hat Anerkennungs- und Dankschreiben des»Führers« daheim dokumentarisch in seiner Schublade! Dieser Dinter war nachweisbar und, wie er selbst offensichtlich ungestraft renommiert, sogar in die letzten »revolutionären« Intimitäten des Putschisten Hitler von ihm selbst eingeweiht! Dieser Dinter war nationalsozialistischer Gauleiter, natlonalsoaalistiEfcher Reichstagsabgeordneter, sogar nationalsozialistischer Minister seines Heimatlandes Thüringen! Dieser Dinter rühmt ach öffentlich, mit Julius Streicher und Hermann Esser das Trifolium gebildet zu haben, das die eigentliche Parteinotregierung noch darstellte, als nach seinem Putsch Hitler selbst wohlgeborgen auf Festung saß. Dieser Dinter prangt heute, ohne daß die amtierenden braunen Behörden auch nur den geringsten Einspruch erhoben, allerorts in Deutschland auf riesigen Plakaten mit dem ausdrücklichen Anspruch, der religiöse Führer der Deutschen neben dem politischen Führer Hitler für das tausendjährige Reich zu sein, und mit dickster Unterstreichung seiner These, daß»nur auf beiden großen Männern« das Dritte Reich basiere! Demnach ist es die Aufgabe des politischen Publizisten, den Sachverhalt so— politisch!— zu sehen und danach auch zu urteilen. Gerade weil der»Führer«— Arrivierter und Saturierter, der er nun»an der Macht« ist— heute die personelle Mimikry an die große Welt nicht ohne manchen Erfolg der Düperie betreibt und seinen eigenen Werdegang aus der großen Quarantäne, die sie alle vereinte; Hitler und Dinter, Feder und Streicher, Ley und Litzmann, zu desavouieren oder doch durch Legende zu verschmieren bestrebt ist, ist es doppelt notwendig— gerade aus eminent politischem Grunde— beim wirklichen geistigen Tatbestand, bei der geschichtlichen Wahrheit, und beim allein logischen Zusammenhang zu bleiben. In diesem wichtigen politischen Zusammenhang zeugt allerdings wie kaum einer gerade der Dinter für den Hitler! Sein religiöser Klappe ist genau die politische Idiosynkrasie des»Führers«. Wie Adolf Hitler selbst sich in die politische Welt einführt, in dem er in seinem »Kampf» behauptet, in Wien, auf dem Bau, ein erbarmungswürdiges Opfer des Gesinnungsterrors seiner»marxistischen« Kollegen geworden zu sein— Hauptsache, daß es der Spießer, dem es immer vor der ihm fremden Welt der Werktätigen insgeheim gruselt, glaubt!— so tut es auch Dinter nicht ohne besonderes Märtyrer-Attest. Angefangen will er damit haben, daß er in einer offenen Theatervorstellung im Berliner Zirkus Busch, bei der das»Mirakel« in der Inszenierung Max Reinhardts, des»jüdischen Theatermagnaten« gegeben i wurde— Mitte Juni 1914— eine formvollendete Rede gegen»dieses jüdische Treiben« hielt, worauf er prompt aus seinem»sehr einträglichen Amt als Direktor des seinerlauter Mut und Männlichkeit— nach seinen eigenen Aufzeichnungen nämlich über sich selbst. Schon in jenem Zirkus Busch, also bei seinem ersten Kinderschritt in die»Oef- fentlichkeit«, herrscht er den Schutzmann, der ihn ob seines Radaus(»Protestrede« sagt Dinter) mit Recht verhaften will, an, er sei»preußischer Offizier und er würde nur einem Polizeioffizier Rede und Antwort stehen; und das geschah denn auch«... Das ist so sicher gelogen, wie damals Herr von Jagow als Polizeipräsident von Berlin phlilantropische Anwandlungen verspürt hat. Das fühlt jeder im kleinen Finger, der sich auch nur oberflächlich überschlägt, was anno 1914 noch in Berlin ein Schutzmann, der zur Festnahme schritt, war. Das Ganze ist ein Reißer auf die naive Romantik der Sorgen als die Beschäftigung mit der antijüdischen Hysterie eines Querulanten hatte; mag sein, daß irgend ein Zensuroffizier eines stellvertretenden Generalkommandos Herrn Dinter sich in die Akten schrieb. Er aber tut's nimmer unter einem deutschen Reichskanzler, dem er damals schon als ein»dangerous man«, als ein unheimliches Phänomen den Schlaf gestört haben will. Dem Rudolf Heß liest Dinter schon 1926 seine»197(in Buchstaben: hundert- siebenundneunzig— und nicht eine weniger!) Thesen zur Vollendung der Reformation« aus dem Manuskript vor—,»denen er begeistert zustimmte, zugleich aber auch sagte, daß die Partei als solche sich nicht mit religiösen Fragen befassen dürfe«. Das war also ganz offenkundig ein großer Reinfall; aber»begeistert« muß nun mal vor Dinter auch der sein, der ihn am liebsten sich ins Pfefferland wünscht. Ein mehr als krankhafter Geltungsdrang, ein naiver Egozentrismus, der die Welt sich gerade nur um ihn selbst drehen läßt— menschlich ist da der Sünden-Dinter genau derselbe, wie der unbekannte»Gefreite des Weltkrieges«, der auf einmal im Lazarett zu Pasewalk« beschloß, Politiker zu werden«. Ja, in der Tat; Hier fanden sich zwei Leutchen genau der gleichen psychischen Verfassung, nämlich der krankhaften Ueber- kompensation ihres eigenen unterwertigen Ichs: typische Verstrickte in eine peinlichwiderwärtige Autosuggestion. Von Hitlers eigener Ausfertigung weist heute sein psychisches Duplikat Dinter folgendes Telegramm vor, dessen Wortlaut allerdings beweist, wie gut innerlich die Kongenialen sich eigentlich verstehen: Freilich, dann hatte der Dinter beim ausgekrochenen Bierkellerputsch, November 1923, ausgesprochenes Pech. Er schrieb in Pommern, angeblich bei Freunden, an seinem »Evangelium«: die bewußte Postkarte von Hitler—»Jetzt geht's los!«— kam nicht! »Daselbst(also in Pommern) wurde ich von den Münchener Novemberereigniasen völlig überrascht«... Verflucht und zugenäht! Immerhin Herr Hitler hielt vorher kurz den verrückten Dinter absolut für würdig, ihm seine letzten Geheimnisse anzuvertrauen und ihm eine Hauptrolle bei seiner»Erhebung« sogar zuzuschreiben! Wie sehen Dinter seine Anhänger, die im zeit von mir gegründeten und für die ganze Welt organisierten Theaterverlages des Verbandes Deutscher Bühnenschriftsteller und Komponisten« hinausflog.(Zitiert ist hier — wie an allen weiteren Stellen dieser Darstellung— aus den autobiographischen Notizen, die in dem schon genannten Jubiläumsheft»Deutsche Volkskirche« den Einführungsartikel Dinters selbst bilden.) Wie man sieht: Dinter ist ein Märtyrer, der weiß, was an ihm eigentlich die Welt besitzt;»einträglich« ist selbstverständlich das ihm zukommende Gehalt immer und Verlage gründet er nur so»als für die ganze Welt organisiert!« Sein Märtyrertum ist— genau wie bei Hitler— ein weit über die bloße Geckenhaftigkeit bis zur Pathologie gesteigertes Renommierbedürfnis! Tut es jener nicht unter fünfzehn Engländern in Flandern, die er nur durch die Magie seines Blicks und das Dämonische seiner kriegerischen Eigenschaften zu mitleidbedürftigen Gefangenen machte, so platzt auch Dinter förmlich vor ewigen Acht- oder Neunzehnjährigen. Aber ist das nicht Hitlers»Mein Kampf« auch von der ersten bis zur letzten Seite? Auf dieser psychologischen Basis ist das Dritte Reich schließlich nicht anders basiert, als sein religiöses Pendant, die Dintersche»Deutsche Volkskirche«; das wird an anderer Stelle noch deutlicher. Wie wonnesam wird's, den Dinter über seine eigene Bedeutung und Berufung selbst zu hören!»So schrieb ich denn den Zeitroman»De Sünde wider die Liebe«, worin ich alle diese sozialen und völkisch-religiösen Fragen grundlegend behandelte«. Ha, wer glaubt denn wirklich, daß Dinter etwa nicht »grundlegend« wäre? Von seiner berühmtesten Schwarte der»Sünde wider das Blut« kräht er stolz wie ein Hahn, daß ihr»Druck vom Reichskanzler Bethmann-Holweg selbst verboten wurde«. Auch das ist ganz sicher nur so aus dem Daumen gelutscht, da im Jahre 1917 der»Kanzler-Philosoph« von Hohenfinow sicherlich wesentlich andere München, 30. 9. 27. Herrn Dr. phil. nat. Artur Dnter Dörrberg bei Gräfenroda, Landhaus»Waldruh«. Sehr verehrter Herr Doktor! Nachdem Sie nunmehr den Zeitpunkt1 für gekommen halten, Ihr Amt als Leiter des Gaues Thüringen niederzulegen, um Ihre" Kräfte für rein schriftstellerische Arbeiten frei zu bekommen, so enthebe ich Sie, unter Anerkennung ihrer Gründe, hiesmit von diesem Amt. Für Ihre in jahrelanger Kampfarbeit der Bewegung geleisteten Denste spreche ich Ihnen meine Anerkennung und meinen herzlichen Dank aus. Ich erwarte bestimmt, daß die Partei auch fernerhin auf ihre geistige Mitarbeit zäh- 1 e n kann. Als Leiter des Gaues Thüringen bestimme ich Pg. Herrn Fritz Sauckel, dem gesondert Schreiben zugeht. Mit deutschem Gruß bleibe ich Ihr dankbar ergebener gez. Adolf Hitler. Stempel: Nationalsoz. Deutsche Arbeiterpartei, Reichsleitung. Der Größenwahnsinnige seinem lieben Größenwahnsinnigen— man zankt sich vielleicht einmal aus taktischen Gründen, in die- sam Falle, weil Herr Hitler ja nicht nur eine Revolution der Landsknechte, sondern auch eine solche der Hilfspfarrer und Superintendenten machen wollte und darum Dinter zur Stunde gerade nicht mehr brauchte; aber man bleibt sich in»geistiger Mitarbeit« durchaus verbunden und»dankbar ergeben«! Dnter, der Schwer- Pathologe, ist einer der Hauptesoteriker des Dritten Reiches gerade zufolge dieser seiner geistigen Wahlverwandtschaft zu Hitler. So renommiert er in seinen biographischen Notizen weiter: »In einer längeren Unterredung besprach er(Hitler) mit mir die Möglichkeit eines Durchmarsches durch Thüringen nach Berlin für den Fall einer nationalen Erhebung in München. Hitler sagte mir, er werde, sobald die Sache so weit sei, mich benachrichtigen, damit ich dann nach München käme, um dabei zu sein. Das sagte ich mit Freuden zu.« Die Olympia Glmke Roman tSsdi er Sozialismus Antwort an Emil Franzel Dritten Reich, insbesondere jetzt nach dem Debacle der Hauer-Bewegung, nach manchem Hunderttausend zählen dürften? Bin Mitglied der Reichsleitung der»Deutschen Volkskirche« bekennt sich' zu seinem Religionsstifter Dinter als»einem kräftigen Mann mit einem scharf geprägten Kopf: ein wahrer Lutherkopf!« Diesem Lutherkopf entströmen wieder nach einem anderen prominenten Gewährsmann aus derselben Gemeinde an gleicher Stelle folgende wahrhaft measia- nischen Stilproben, adressiert an im Saal etwa anwesende»marxistische« Thomase: »Und wenn ihr dann einen Umzug macht, schreit ihr vor einem ehrlichen deutschen Geschäft»nieder!« und wenn ihr an einem Judengeschäft vorbeikommt, dessen Itzig Eure Parteikasse mit ein paar Zwanzigmarkscheinen gespickt hat, dann ruft ihr Hornochsen»hoch!« und merkt nicht, wie der Jude euch durch seine Ausbeutung das Geld, das er in eure Parteikaase geworfen hat, mit Zins und Zinseszins wieder herausholt! Ihr, mit dem Narrensack geschlagenen Rindviecher ihr!« Wie könnte es anders sein, als daß der Mann, der auf diese Weise Plato mit De- mosthenes in sich vereinigt, wie derselbe Gewährsmann versichert,»zweifellos zu den bedeutendsten und markantesten Persönlichkeiten der deutschen Gegenwart« gehört ja sogar, daß»sein ganzes Auftreten immer an den jungen Goethe in Straßburg erinnert!?« Din- tersche Versammlungen und Bergpredigten waren schon übliche und herkömmilche Glanzstücke und förmliche Juwelen des Saalradaus und der Biergläser-Offensiven, längst ehe Hitlers SA oder SS daraus ein militäroperatives System gemacht hatte; jeder Deutsche der Nachkriegszeit erinnert sich daran. In den Augen seiner gläubigen Gemeinde kommt er gleich hinter Ares, dem strahlenden Kriegsgott: Zum Beispiel an schon oben zitierter Stelle: »Das war Dinter zuviel. Er ging auf den Juden zu, packte ihn an beiden Armen, hob Um hoch und schmiß ihn in hohen Bogen vom Podium mitten ins Publikum. Die Freunde Dinters fingen den Juden auf und reichten ihn zum Fenster hinaus Ihren Kameraden auf die Straße, die draußen vor dem Lokal Wache Standen«. Oder auch; »... erschien hinter ihm ein Polizist, legte ihm die Hand auf die Schulter und brüllte ihn an: Sie sind verhaftet! Dinter drehte sich langsam um, legte nun auch seine Hand auf die Schulter des Polizisten und sprach; Kameraden, ich soll hier verhaftet werden. Ich glaube, wir lehnen dM ab. Bei den letzten Worten schob Dinter den Polizisten mit einer kräftigen Armbewegung nach hinten, so daß dieser nach rückwärts taumelte.« »Saalschutz— so nannte er seinen kräftigen Geblrgsstock, den er bei seinen Versammlungen stets ans Rednerpult hing« — wie geistig homogen ist das mit der Reitpeitsche, ohne die sich Hitler selbst In seiner Glanzheit nie photographieren ließ! Mehr als frappant ist diese charakterolo- gische Duplizität der beiden»Führer«-Gestal- ten des Dritten Reiches auf allen Gebieten des»Seelischen«! Man weiß, wie Hitler sich den Dreh leistet, so ziemlich als Bedürfnislosester der Deutschen zu gelten, und wie er, der Großverdiener und vielfache Millionär Kurt Doberers Hitler»J ugend Marschiert, marschiert und singt ein Lied, vom Landsknecht'und vom Winkelried und blast in die Trompeten. Spielt frisch und froh das Spiel vom Krieg und schießt und stecht und feiert Sieg und greift nach den Planeten. Vor zwanzig Jahren sangen wir. Wir spielten auch nicht am Klavier, "sondern mit Bleisoldaten. Sie hatten auch den Dreh heraus, vom Vaterland, vom Helm und Haue und hatten scharf geladen. Mit voUen Segeln in dem Dreck, zum Rübenmus vom Schweinespeck, hinab die Kletterstange. Wir wurden Ret. Ihr werdet auch— noch aufgeklärt durch euren Bauch. Um euch Ist uns nicht bange. Vision »■Alles vollzog sich wie im Nebel, wie in einem bösen Traume.« sagte der Historiker und zeichnete die Karte Europas in flüchtigen Strichen. Hakenkreuzlen reichte vom hohen Norden bis zum Balkan, von dem Voge- sen bis zum Peipussee. Der Historiker fuhr über die Karte hin; »Was da siegte, mein lieber, das waren einfach die Gesetze des Bluffs. Das Hakenkreuz wandte außenpolitisch dieselben Methoden an, mit denen es schon Innenpolitisch gewonnen hatte; das Gegenteil von dem zu Emil Francsei hat in seinem Buche»Abend- ländische Revolution« die heftigste, dabei gänzlich un/undierte Kritik an der relchs- deu lachen Arbeiterbewegung wie an der Politik der Sozlaldemok ratlsoh en Partei Deutschlands geübt. Er hat in seinem Buch Propaganda für eine Neuorientierung der sozialistischen Idee, für eine Umwertung der sozialistischen Werte gemacht in seinem Geiste, einem Geiste, der In der illegalen deutschen Arbeiterbewegung die heilloseste Verwirrung anrichten müßte— wenn er In sie eindringen könnte. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands hat als Illegale Partei nicht nur eine organisatorische, sondern auch eine eminent geistige Aufgabe: die Idee des Sozialismus vor der»Ueberfremdung« durch konterrevolutiomire Gedahkenelemente zu bewahren. Aus diesem Grunde ist das Buch von Emil Franzel hier kritisch besprochen und entschieden abgelehnt worden. Was kann Franzel vorbringen, um mein Urteil Über sein Buch zu erschüttern, da das Buch doch nun einmal vorliegt, und da seine eigenen Sätze, die man spaltenlang zitieren scheinen, was man ist und will. Sie hatten(Se Freiheit auf ihre Fahnen geschrieben und die Knechtschaft gebracht; sie brüllten gegen den»roten Terror«, um den eigenen lo* zu lassen:«le tobten gegen die Korruption der ganzen Welt und entstanden aus Betrug und Korruption; sie verhießen Erneuerung und errichteten einen Raubstaat, der ihre Bonzen zu Millicmären machte. Als sie so weit waren, brüllten sie nach Frieden und rüsteten, wie in diesem Tempo nie gerüstet worden war. Sie schrieen nach Friedenpakten und lehrten ihrer Jugend gleichzeitig wilde Kriegalieder:»Heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt!« Ihre Blätter beschuldigten Rußland. es plan« Krieg gegen Deutschland, während Rosenberg und Konsorten ganz offen die Ukraine als künftiges deutsches Siedlungsgebiet proklamierten. Sie schwenkten den bolschewistischen Popanz und bereiteten den rohesten Barbarensturm vor, den Europa seit Dsohi ngiskhan erlabt hat. Hitler triefte von Friedensreden, während seine Rassepropheten ganz offen die»germanische Vorherrschaft« predigten und die Pazifisten In den Konzentrationslagern verdarben. Sieh dauernd laut über die anderen zu entrüsten, gehörte zur StaatSkunst dieses Systems. Was die Welt dagegen tat, fragst du? Nichts. Sie ließ sich durch solche primitive Roßtäuschertcünste weiß Oott spalten. Hin bißchen rüsten, gelegentlich ein P rotes toben, ein diplomatisches Zwiegespräch, sonst nichts. Bin Regime von Hysterikern und Besessenen, von Brandstiftern und Verrückten bekamen Kredite, Wirtschaft serleichterungen, Rohstoffe zum Rügten, kurz alles, was es brauchte, I könnte, gegen ihn zeugen— wovon rieh jeder Leeer des Buches überzeugen kann? Mein Urteil geht von drei Kernpunkten aus. Der eine ist seine gänzlich unhistorische Kritik an der deutschen Sozialdemokratie, die ihn in gefährlichste Nähe der nationalsozialistischen Denkweise gebracht hat. Ich hatte mir die Mühe gemacht, den betreffenden Abschnitt seines Buches(S. 246/47) in größter Breite zu zitieren. Jetzt soll ich diese Sätze mißverstanden haben? Man muß von einem Autor, der cfie sozialistische Idee reinigen will, verlangen, daß er sich völlig unmißverständlich ausdrückt. An diesen von mir zitierten Sätzen aber ist nicht zu rütteln, sie stehen so da, ihr Sinn ist ganz eindeutig, und ich stelle fest, daß Franzel diesen eindeutigen Sinn nicht zu verteidigen wagt. Der andere Punkt äst die Verwandtschaft mit der gegenrevolutionären Romantik. Diese Verwandtschaft ist nicht bestritten worden—- sie ist nicht nur von mir, sondern auch von anderen sozialistischen Kritikern des Buches festgestellt worden. Ich um die Vernichtung der europäischen Kultur vorzubereiten. Alle Logik wurde auf den Kopf gestellt: Die Gläubiger feines Gangater- ataats gerieten in seine Schuldknechtschaft (statt umgekehrt!), er zerriß Friedensverträg« und die geschädigten Mächte diskutierten mit ihm Uber neue papieme Abmachungen. Ein Teil dieser anderen Weit schien aus Angst vorm Kriege kindisch geworden. Die Furcht vorm Kriege in aller Welt bis zum Schwachrirm zu steigern— das war des Hakenkreuzstaates größter Bluff. Dabei hätten einige Wirtsohaftsrepressalien genügt, um ihn zur Raison zu bringen. Stattdessen pendelte England hin und her und konnte seine Oef- fentlichkedt nicht«tamal zur Einführung der allgemeinen Wehrpflicht bekehren. In allen Ländern arbeiteten die Agenten des Hakenkreuzes an der Zermürbung des Widers tanda- wlllens; eine bestochene Presse stand in seinen Diensten, verwirrte dl« Völker. So erlengte der Barharenstaat schon ohne Krieg, was er wollte: die Vorharrikadiemng der Westgrenzen. Kolonien, Danztg, kleinere Oststaaten, Oesterreich. Seine Macht wuchs mit Jedem Zuwachs In progressiver Steigerung ebenso, wie die Angst vor seiner Kriege- mesohlnieri«. Als sie schließlich gegen den Osten losgelassen wurde und Japan mit eingriff, war der Ausgang von vorneherein entschieden.... Die europäische Wirtschaft Ist seitdem zwar zerstört, die deutschen Volkamassen verelendeten, das Deutschland, das wir liebten und für das wir einet unser Leben«insetzten, ist dahin, ist ein ungeistiger Schutthaufen geworden, aber dafür wird Mitteleuropa von einer braunen Erobererbande ausgeplündert, mache übrigens darauf aufmerksam, daß gerade jetzt die»herrlichen Gelegenheiten«, die»der deutsche Sozialismus in seinen liberalen Verirrungen versäumt« hat— nämlich die Verherrlichung der alten deutschen Kaiser— ganz nach Franzeis Rezept nachgeholt werden. Die SS veranstaltet gerade jetzt in Quedlinburg ein Jahrtausendfeder für Kaiser Heinrich I. Der dritte, und das ist der Hauptpunkt, ist das Verhältnis Franzeis zur Freiheit. Es ist charakteririert durch sein Bekenntnis in seiner Entgegung, daß er die Wertordnung des Sozialismus»von der Ueberfremdung durch die überai-bürgerilch- kapitaüstischen Wertbegriffe befreien« will. Er hat dabei ein Begriff samalgan hergestellt, indem er seinen Kampf gegen den geistigen Liberalismus als Kampf gegen bürgerliche, gegen kapitalistische Wertbegriffe bezeichnet. Zu seinem Leidwesen muß ich ihm sagen, daß auch dies Begriff sam algan— der Zweck ist durchsichtig— keine originale Erfindung noch Empfindung ist, so wenig wie sein Anti- liberal Ismus überhaupt. Es hat von jeher zu regiert das braun« Konzentrationslager vom Nordmoer bis zur Adria— mit ein paar autonomen Inselchen dazwischen. Vasallenstaaten ohne Freiheit. Die Souveränität der östlichen Randstaaten war von kurzer Dauer und wenn sie diese Entwicklung geahnt hätten, wäre einige Jahre vorher der Ostpakt nicht gescheitert. Aber Phantasie ist nun einmal meistens nicht die starke Seite der Politiker.« »Und Italien? Das fügte sich so in die Vonherrschaft des Hakenkreuzes? Südtirol weg, die Bucht von Kotor ein deutscher Kriegshafen?« »Der italienische Faschismus wurde da« Opfer seiner eignen Blufferei. Er hatte Hüter vorgeblufft, er hatte seinen kalten VorKrieg»- erfolgen vorgearbeitet, bis Italien der Gefangene dieser Politik war. Als Oesterreich hopps ging, war es schon zu spät. SUdttred riß sich los, die deutschen Flugzeuge schwirrten schon über der Adria, der Gegensatz zu England band die italienischen Streitkräfte im Mittelmeer, der abesstnische Bissen war auch noch nicht verdaut— es herrschte ein toller Wirrwarr. Hakenkreuzion versprach dem Duce eine Binfluflzone auf