Neuer Vorwärts Gozialdemokratisches Wochenblatt Verlag: Karlsbad, Haus„ Graphia" Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Nr. 167 SONNTAG, 23. August 1936 Aus dem Inhalt: Diplomatie auf dem Rummelplatz Arbeiterdeportation zur Rheinlandbefestigung Aera Stinnes wieder da Kurswechsel in Polen? Das bolschewistische Gespenst Nationalsozialistische Propagandahilfe für Franco.- Das wahre Gesicht des Faschismus. Furcht vor den Folgen des Verbrechens Neue Naziwaffen für Franco » Kraft- durch- Freude«-Dampfer als Transportschiffe Aus Hamburg wird gemeldet: schen Afrika- Linien« am 18. Juli ihre erste| spanische Regierungstruppen ist bekannt geDas grausame Verbrecherantlitz des Faschismus hat sich der Welt der Ahnungslosen und Leichtgläubigen für einen Augenblick entschleiert: 1500 Menschen in Bajadoz dahingemordet, Frauen und Kinder niedergemetzelt durch die Maschinengewehre der Afrikaner, die der Verbrecher Am 6. August sollte der>> Kraft- durch- Ferien- Reise nach Madeira antreten. Der worden, daß die spanischen faschistischen ReFranco nach Spanien gebracht hat, damit Freude«<- Dampfer»> Monte Sarmiento« Dampfer ist aber erst am 31. Juli aus Ham- bellen deutsche Antifaschisten an deutsche sie dort die europäische Kultur und die zu seiner» Madeira- Fahrt<< den Hamburger burg weggefahren, und zwar mit dem Kriegs- Kriegsschiffe ausgeliefert haben. Unter den Humanität vor dem Bolschewismus retten. Hafen verlassen. Zur Ueberraschung der material und nationalsozialistischen Offizie- Ausgelieferten befindet sich der frühere Diese bestialische Greueltat hat selbst den Fahrtteilnehmer wurde diesen mitgeteilt, daß ren an Bord. Die angekündigte» Feriensonder- Reichsbannerführer Indifferentesten für einen Augenblick den die Urlaubsfahrt des Dampfers mit Rücksicht reise« wurde abgesagt. Die Auslands- Die Werkzeuge nur jenen nicht, auf die Ereignisse in Spanien abgesagt werde. organisation der NSDAP, die ihren Spanien haben sich zugleich als seine Hendenen jeder Mörder und Verbrecher gegen Die» Monte Sarmiento hat aber am 7. August Sitz in Hamburg hat, hat die Oberleitung kersknechte betätigt. freiheitsliebende Volksmassen willkommen Hamburg mit Kurs Lissabon verlassen. dieser Transporte übernommen und einen ist, und wenn es eingeborene Afrikaner Offiziell wurde mitgeteilt, daß der Dampfer eigenen Spezialdienst für die Abwicklung der Demokratischer Beistand Atem stocken lassen von Puttkammer. des Nationalsozialismus in Die erschütternden und mahnenden Worte, die Louis de Brouckère, der Vorsitzende der Sozialistischen Arbeiterinternationale, bei seiner Rückkehr aus Spanien an die europäische Demokratie gerichtet hat, geben die Ersind. von der>> Deutschen Arbeitsfront« als» Wohn- Formalitäten und für die notwendigen TarJa, es waren farbige Truppen aus Ma- schiff« eingerichtet wurde und dazu bestimmt nungsmaßnahmen eingerichtet. rakko, die unter Führung eines weißen sei, 2000 deutschen Flüchtlingen aus Spanien Kulturträgers aus Spanien das Blutbad Unterkunft zu bieten. Es wurde angekündigt, Funknachrichten aus Spanien von Bajadoz angerichtet haben, und es daß auch die weiteren 4 Urlaubsfahrten des Der Gewerkschaftsverband in muß um so kräftiger unterstrichen werden, Dampfers ausfallen. In Wirklichkeit wurde Barcelona teilt mit: Auf Kurzwelle 41.6 Me- schütterung wieder, die die spanischen Erje schamhafter es die profaschistische das Schiff, wie einwandfrei festgestellt wer- ter werden von nun an zu verschiedenen Ta- eignisse bei den sozialistischen und demokraPresse aller Länder verbirgt. Es waren den konnte, mit 14 Flugzeugen, einer geszeiten letzte Nachrichten in tischen Parteien des Westens hervorgerufen deutsche und italienische Flug- großen Anzahl Flugabwehrkanonen deutsch, englisch, spanisch, französisch, haben. zeuge, entsandt von den faschistischen neuesten Modells und weiterem Kriegs- ungarisch etc. vom allgemeinen Gewerk- Die französische sozialistische Partei tritt Kulturträgern und Friedenspredigern in material beladen. Außerdem befanden schaftsverband gesendet, um den AlbernheiEuropa, die diese Farbigen nach Europa sich auf dem angeblichen>> Wohnschiff«< 250 ten der rebellischen Sender entgegenzutreten, schen Regierung ein. energisch für die Unterstützung der spanigebracht haben, um den Freiheitswillen des Zivilisten, zweifellos Instruktionsoffiziere, Pi- die von volksfeindlichen Zeitungen des Aus- schreibt Jean Longuet: Im> Populaire< spanischen Volkes niederzuwerfen. Das ist loten und sonstige Bedienungsmannschaft. landes zuweilen sogar als ernstliche Unterdas wahre Gesicht des deutschen und des der Was den Dampfer» Usaramo< italienischen Faschismus, deren Werkzeug» Deutschen Afrika- Linien<< betrifft, über desder Verbrecher Franco ist. sen Abfahrt mit 28 Bombenflugzeulagen für Nachrichten benützt werden. Das ist der Faschismus! Ob er in Kon- gen berichtet wurde, so kann nachträglich Henkersknechte der Nazis zentrationslagern langsam foltert und mor- noch ergänzend berichtet werden: Die» Usa- Deutsche Antifaschisten ausgeliefert. det, ob er durch seine Terrorjustiz den ramo« sollte laut Ankündigung der» Deut- Nach der Besetzung der Balearen durch Mord mit dem Mantel der Legalität behängt, ob er durch farbige Truppen Blutbäder, unter weißer Zivilbevölkerung anrichten läßt es ist der eine integrale Faschismus, das eine integrale Verbrechen. Der Präsident der spanischen Republik hat sich beschwörend an das französische Volk gewandt und an seine freiheitliche republikanische Tradition erinnert, die Das Ende der Olympiade Diplomatie auf dem Rummelplatz Der große Volksbetrug der Olympiade Es ist an sich eine Miẞachtung der ist vorbei. Das finanzielle Ergebnis für Völker, wenn Beratungen über ihre Gedas braune System wird nie genau be- schicke, die vor ihnen geheim gehalten spanische Regierung hat durch den Rund- kannt werden. Angesichts der riesenhaften werden, auf dem Rummelplatz ge funk das demokratische und republikani- Aufwendungen und im Vergleich mit den führt werden. Es liegt darin ein deutschen Rüstungskosten muß es mager Stück Autokratie und faschistischer Volkssche Europa um Hilfe gebeten. Die west- sein. verachtung, für die das Volk nur zu proeuropäische Demokratie ist in tiefster und Das propagandistische Ergebnis wird pagandistischer Staffage und als Material leidenschaftlicher Erschütterung und Empörung, sie ringt mit dem Problem, wie den Sommer nicht überdauern. Diese Spiele für den Militarismus da ist. Wenn dies sie ihre Sympathien für den spanischen mit der nationalistisch aufgepeitschten die Vorbereitung auf die kommende große sie ihre Sympathien für den spanischen Rekordsucht, mit ihren Peinlichkeiten und» Friedenskonferenz«< Freiheitskampf in materielle Hilfe über den Widerstand der Regierungen hinweg umsetzen soll. Was aber ist die Antwort der Faschisten? Die deutschen und die italienischen Faschisten sind für Franco, für die farbigen Truppen, für die Mörder von Bajadoz! ist, dann Streitereien sind eine zweifelhafte Propa- kann nur Unheil erwartet werden. Während des großen Rummels haben ganda. Der barbarische Prunk des braunen Systems, die Gartenfeste der Göbbels und sich die Perspektiven unheildrohend verGöring, bei denen die Herren Diplomaten düstert. Wenn die Berauschten sich umsich in Schützenbuden amüsieren und Ka- sehen werden, so werden sie erkennen, daß russell fahren durften, sind keine weltpoli- die Welt sich inzwischen noch weiter zum tischen Realitäten. Sie beweisen nur den Schlechteren verändert hat. Drang der Parvenüs zu den Bräuchen der >> Die schimpfliche Komödie der einseitigen Neutralität beginnt alle Grenzen zu überschreiten... Die allgemeine Meinung der Regierungsmajorität ist in der Tat, daß man mit der Komödie der einseitigen Neutralität ein Ende machen muß.<< Bracke schreibt im» Populaire<: >> Man muß den Regierungstruppen und der republikanischen Regierung alles geben, was sie braucht, um sich zu halten und zu siegen. Sie brauchen Medikamente, sie brauchen Lebensmittel wie Oel und Zucker, etc. Sie brauchen Waffen... Kein Mittel darf vernachlässigt werden, um die Blockade zu brechen, die man vorgibt um Spanien ziehen zu wollen. Was die Regierungen vielleicht nicht dürfen, werden die Völker ohne Zweifel können, direkt oder indirekt... In dieser Stunde ist die Front der Freiheit auf der Sierra Guadarrama. Alle auf zur Verteidigung!<< In Paris hat eine europäische Konferenz für die Verteidigung der spanischen Republik, der Demokratie und des Friedens stattgefunden. Es nahmen u. a. daran teil: von England Lord Listorel, Churchill, Wilkinson, Little, von Frankreich Jouhaux, Bracke, Vaillant- Couturier, Prof. Langevin, von Belgien Brouckère, Deloigne, Mertens. Die Konferenz beschloß einstimmig, eine Delegation nach Spanien zu schicken. Aus einem Bericht über ein Gartenfest Der französische sozialistische InnenminiHier ist die direkte Antwort des Nationalsozialismus auf den Ruf der spani-» feinen Leute«, sie riechen verdächtig nach Diplomaten auf dem Karussell schen Regierung, sie ist gegeben durch den der Parole: nach uns die Sintflut. besonderen Soldschreiber des Josef GöbDie Sintflut ist näher gerückt. Wähbels, durch den Rudolf Kircher, der rend des olympischen Rummels ist fieber- bei Göring mit Königen, Kronprinzen, Mini- ster Salengro sprach am 16. August in Lille. stern und Diplomaten. die Aufträge des Propagandaministeriums haft diplomatisch gearbeitet worden Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die >> Nach den tänzerischen Darbietungen kün- Hunderttausende von Deutschen und in der» Frankfurter Zeitung< vollzieht: von unverantwortlichen Berufsdiplomaten die früher der roten > Die Vorfrage, die sich dieses blutende und Regierungen, die der parlamentari- digten Herolde eine neue Ueberraschung an: Oesterreicher, Land zu stellen hat, ist die: Was ist die schen Kontrolle bis zum Herbst ledig ein im Garten aufgebauter Miniatur- Fahne zujubelten, ihrer Ueberzeugung treu eigentliche Lebensgefahr für Spanien: der sind. Es sind die alten und neuen Vasallen jahrmarkt, der bis dahin durch einen geblieben seien. Dann erklärte er: >> Ein Tag wird kommen, wir sind dessen Bolschewismus oder die Bewegung, die in politischen Besprechungen mit Instruk- Vorhang allen Nachforschungen verborgen von General Franco geführt wird? Die tionen versehen worden. Es sind Bespre- geblieben war. In einer Ecke des Gartens war gewiß, an dem die Völker Deutschlands und Ziele der Bolschewisten sind Moskauer Ziele. chungen mit den Italienern geführt wor- eine Art kleiner Schützenplatz ein- Oesterreichs ihre Freiheit wieder zu erobern Ueber sie ist kein Zweifel möglich... Die den, deren Inhalt unbekannt ist. Daß ein gerichtet, in dem typische deutsche Land- wissen werden.<< Ziele des Generals Franco sind weniger ge- genaues Zusammenspiel vorliegt, beweisen schaftsbilder, so eine Schwarzwaldmühle, ein nau bekannt. Im weiteren Verlauf seiner Rede wies der Drachenfels usw. französische Innenminister auch auf die ErJedenfalls hängt das Ge- die spanischen Dinge. Es sind wichtige Rheindampfer mit dem spenst des Bolschewismus wie eine Besprechungen mit dem Engländer Sir hervorgezaubert waren, während die helfen- eignisse in Spanien hin und erklärte folgendes: Klette an >> Ich bin mir meiner Verantwortung bejener Volksfrontregierung: die Robert Vensitterd gepflogen worden, des- den Kräfte die dazu passenden altdeutschen Geister, die sie rief und denen sie Waffen in sen Daueraufenthalt in Berlin diplomatisch Trachten trugen. Da gab es für die Damen wußt und wäge meine Worte ab. Als Frandie Hand gab, wird sie so leicht nicht los einzigartig ist. Daß dabei auch ausgerech- Ball- und Ringwerfen, für die Herren eine zose zuerst, dann aber auch als Mitglied der ein Karussell, das die Regierung der Republik wünsche ich, daß auf werden, sie mögen sich sogar den Regie- net Henlein unter die Fittiche des Eng- Schießbude, rungen an die Rockschöße hängen, die sich länders genommen worden ist, beweist, wie nahm haftesten Gäste nicht weni- der anderen Seite der Pyrenäen recht bald weit der Rahmen dieser Besprechungen ger als alle anderen benutzten.« die legale Regierung des befreundeten Landes zur Hilfeleistung entschließen würden.<< (> Frankfurter Zeitung vom 15. August.) siegen wird.<< Fortsetzung Seite 2. gezogen war. Das Holschewistische Gespenst ( Fortsetzung von Seite 1.) Da ist es, das A und O des Faschismus, das Gespenst des Bolschewismus, das uralte Rezept aller gegenrevolutionären Putschisten und faschistischen Neutralität und Intervention >> Die schimpfliche Komödie der einseitigen Neutralität«< Am 30. Juli ist die Unterstützung der Verbrecher, das immer wieder angewandt spanischen Rebellen durch die italienische wird, um die Spießbürger aller Länder zu faschistische Regierung weltkundig geworschrecken und in die Verbrecherfront zu den, so daß selbst die Diplomatie nicht daran bringen! Das war das Rezept der Vorgän- vorbeigehen konnte. Die drei italienischen Flugzeuge, die in Französisch- Marokko notlanden mußten, waren italienische MilitärAm die von Sardinien kamen. flugzeuge, französische ger des Nationalsozialismus in Deutschland, der Leute von der Orogesch, der Organisation OC, den Freikorps, der antibolschewistische Liga: man organisiere andern Tage schlug die durch Lockspitzel einen Streik in einem Regierung eine allgemeine NichtGroßbetrieb oder eine Fabrikbesetzung, einmischungskonvention vor, und um dann mit dem Rufe:» Nieder mit dem hat sich selbst strikt daran geBoschewismus!<< die gegenrevolutionäre halten. Bis zur Stunde, in der wir dies Diktatur zu errichten. So haben die Gö- schreiben, ist eine solche Konvention durch ring und Göbbels den Reichstagsbrand ge- faule deutsche und noch faulere italienische macht, um mit Hilfe eines nicht vorhandenen kommunistischen Aufstandsversuch Verschleppungsmanöver vereitelt worden. Was aber ist seither geschehen? die Zustimmung Hindenburgs und aller Spießbürger für die Verbrechen und Morde des braunen Terrors zu gewinnen. So haben sie gegen den gesamten deutschen Antifaschismus gekämpft mit dem Schlachtruf: Nach uns kommt der Bolschewismus! Der Bolschewismus: das heißt die Rache des Volkes, das Gericht der kämpfenden Demokratie, die ihre Angreifer zu Boden schlägt und Vorsorge trifft, daß sie sich nicht wieder erheben können. Das, was die faschistischen Verbrecher fürchten, und was sie heraufbeschworen haben, das hat nichts zu tun mit den grundsätzlichen Unterschieden zwischen dem freiheitlichen Sozialismus und dem System des sowjetrussischen Kommunismus! Es ist das nie zu unterdrückende Freiheitsstreben der Volksmassen, es ist der Wille der Besitzlosen, sich zu befreien von politischer und sozialer Sklaverei, es ist das Selbstbestimmungsrecht der Volksmassen, das sie fürchten, in welcher Form auch immer es sich ausprägen mag. Das ist die Interessensolidarität, die den Die Transporte sind inzwischen weiter-| aller Anhänger des Völkerbundes hervorge gegangen. Wie die gesamte englische Presse rufen, die den Regierungen laut vorwerfen, einmütig feststellt, konnte die deutsche daß sie die Existenz des Völkerbundpaktes Regierung nicht dementieren, daß ein wei- völlig vergessen haben, daß das Prinzip der terer Transport von 24 Flugzeugen für Neutralität unvereinbar sei mit der Idee des Franco abgegangen sei. Völkerbundpaktes, der nur Angreifer und keine Neutralen kenne. Vier englische Flugzeuge sind in Bur- Angegriffene, aber gos, dem nördlichen Hauptquartier der Re- So hat das in Genf erscheinende» Journal das die Völkerbundsidee bellen, eingetroffen. Zwei englische Flug- des Nations<, zeuge, die für die Regierungstruppen be- mit kämpferischer Orthodoxie vertritt, in Nr. stimmt waren, mußten von Frankreich 1505 die folgenden Angriffe gegen die Büronach England zurückkehren. Schiffe mit italienischer Munition haben gerichtet: die Blockade der Regierungsschiffe zu durchbrechen versucht. kratie des französischen Außenministeriums >> Die französische Regierung hält trotz der entgegenstehenden Ansicht von Léon Blum, von Jean Zay, von Max Dormoy, von Pierre Cot und vielleicht Eduard Daladier an folgendem fest: 1. den Völkerbund bei allen Angelegenheiten auszuschalten, die für die Aufrechterhaltung des Friedens wesentlich sind; 2. den Glauben an die Aufrichtigkeit der diplomatischen Versicherungen von Berlin und Rom einzugehen trotz ihrem Wissen, daß das Gegenteil wahr ist; 3. systematisch die kriegerischen Vorbereitungen der zwei Regierungen zu ignorieren, ide den spanischen Rebellen materiell beträchtlich helfen; Die internationale Tangarkommission hat die spanischen Regierungsschiffe aus Deutschland und Italien haben Flug- Tangar verwiesen; sie hat dagegen die Pässe und der Francoanhänger, damit zeuge, Waffen, Material, Offiziere für die Rebellen geliefert. Wir zitieren zwei Be- Franco offiziell anerkannt. Seit dem französischen Neutralitätsvorrichte. Nach einer, Meldung der United Press verfügen die Rebellen in Sevilla über schlag sind demnach die Rebellen unterstützt etwa 100 Flugzeuge, darunter Flugzeuge worden, die Regierung nicht. In diesen Wovom Typ Junkers, Heinkel, Caproni und chen ist eine einseitige Blockade Savvia. Deutsche und italienische Piloten gegen die spanische Regierung gehören den Rabellentruppen an. Daily geübt worden. Die Verschleppung des franTelegraph( Sir Percival Philipps) spe- zösischen Vorschlags ist praktisch eine Präzifiziert die in Sevilla befindlichen Flug- mie für die faschistischen Angreifer, zeuge als 20 Junkers- Transportflugzeuge, Sanktion gegen die Angegriffenen, oder 5 deutsche Jagdflugzeuge, deren Haken- wie es der» Manchester Guardian< bündig kreuz notdürftig übermalt ist, 17 schwere feststellt:» Neutralität bedeutet In- radenwegs in jene Anarchie des internatioCaproni- Bomber. Er gibt an, daß sich 60 tervention zugunsten der Re- nalen Rechts, auf die der Faschismus hinarbeitet. Neutralität hier und Hilfe für die deutsche und 12 italienische Flieger in der bellen.< Stadt aufhalten, ferner, daß ein deutscher Diese Sachlage ist nur erklärlich aus der Rebellen dort, das ist, wie das» Journal Instruktionsoffizier spanische Rebellen an gesamten europäischen Lage heraus. Sie ist de Moscou< feststellt:» die Lokalisiemodernsten deutschen Luftabwehrgeschüt- eine Folge der Agonie des Völker- rung des Konflikts nach den Perbundes. Sie hat die flammende Entrüstung spektiven Hitlers.<< zen einübt. eine 4. sich durch einen Feldzug der angeblich > großen Presse« zugunsten der französischen Neutralität beeinflussen zu lassen.< führt geDiese Politik der Neutralität herunteres lebe die Jugend; haben das In Nr. 29 der» Deutschen Revolution< Die Vasallen brauchen sich nicht in gelHerr Dr. Paul Hertz hatte die Liebens- kow oder Metaxas sie erhalten die IdeoENC In einer Rundfunkrede hat er das ganze Strenge gegen die Verbrecher wie für die Feststellung, daß Eduard Bernsteins höchSicherung der Demokratie. stes Ziel der Kampf um die demokratische geistige Requisit seiner Diktatur Sie erblicken jetzt wider ihr Erwarten Mitbestimmung des Volkes, insbesondere um gebetet: Giovanezza das Gesicht der kämpfenden Demokratie die Gleichberechtigung der Ar- fremde, westlerische Theorien deutschen Nationalsozialismus mit den und sie nennen es: das bolschewistische beiterklasse war, ein Gedankengang, Volk vergiftet; das Heil liegt in der Reinspanischen faschistischen Verbrecher verGespenst. Sie fürchten es, weil sie die der Otto Strassers Auffassung entgegenge- haltung der hellenischen Rasse; Griechenland bindet, den Göbbels und den Kirchner mit Beispielswirkung des spanischen Kampfes, setzt ist. erwache! idrav dem Franco und den Mördern von Baja- den sie entfesselt haben, auf ihre eigenen doz. Das ist die Logik der Angreifer und Länder fürchten. Es ist die Furcht der antwortete Dr. Otto Strasser: stige Unkosten zu stürzen. Ob Franco, ZenPutschisten, die die ganze Welt voll- Verbrecher vor gerechter Vergeltung. Das schreien:» Um Gottes willen, rettet uns> Gespenst des Bolschewismus« soll das würdigkeit, in einer kurzen Bemerkung auf logie von den Suzerainen mitgeliefert. und rettet euch vor den Folgen unseres Verbrechen des Angriffs, der Entfesselung die Ausführungen des Herrn Jellinek über Verbrechens!<< Das ist die Logik und Mo- des Bürgerkriegs, soll die Schande des mein Buch> Aufbau des Deutschen Sozialis- Der unzufriedene SA- Führer ral, die die Geschicke der Völker und Bürgerkriegs mit farbigen Truppen, das der Menschheit in die Hände von Verbre- Blutbad von Bajadoz und die Bestialität Wollen Eduard Bernsteins und meiner poliIn Romotten, Oberschlesien, werden augenchern gibt, die gewissenlos genug sind, der Rebellenoffiziere verdecken. blicklich> 50 reichsdeutsche Jugendführer tischen Zielsetzung keinerlei Identität beeinen Bürgerkrieg vom Zaune zu brechen, Sie werden der Vergeltung nicht ent- stünde. Herr Dr. Hertz hat hier Herrn Jelli- aus 13 Ländern< für den Auslandsgebrauch die Logik, die in den Satz einmündet: gehen! Selbst für den unwahrscheinlichen nek ganz die ganze Welt muß faschistisch werden; Fall, daß der deutsche und denn der Faschismus allein schützt gegen Faschismus durch die direkte Unterstütdie Folgen des faschistischen Weltputspanischen Freiheitssches! Und so schiebt der Francofreund zung Francos den Kircher, zu feige, offen zu sagen:» Ich kampf erwürgen würden, wird die Beispielswirkung dieser Verteidigung, wird die die Engländer vor: tiefe politische und moralische Erschütte,, Selbst wenn ein rein faschistisches Reder rung weiterwirken, die Spanien in gime in Spanien das Endergebnis wäre, die Engländer würden es wohl lieber sehen europäischen Demokratie hervorgerufen bin für Franco< als eine Periode eines spanischen Bolschewismus samt den möglichen Rückwirkungen auf Frankreich.< mus« darauf hinzuweisen, daß zwischen dem falsch verstanden, der italienische solch eine Behauptung gar nie aufgestellt hatte. der NSDAP abgerichtet. Diesen Scholaren eine der hielt Obergruppenführer Schöne üblichen Heilsreden, in der allerdings ein Wir sehr unüblicher Passus mit unterlief. zitieren den offiziellen Bericht: > Mit dem Siege ist die Aufgabe der SA. nicht beendet. Der Aufbau des Dritten Reiches, meine jungen Kameraden, ist heute bis zu den Kellern fertig. Die SA ist notwendig, daß das ganze Haus in Schönheit erstehe.< Bis zu den Kellern fertig bis zu Folterkellern Der versproEin ähnliches Miß- oder Unverständnis unterlief Herrn Dr. Hertz hinsichtlich meiner Stellung zu Sozialismus, Demokratie und Arbeiterschaft. Wer natürlich aus Grundsatz oder Denkgewohnheit Sozialismus mit Marxismus, Demokratie mit Parteienherrschaft und Arbeiterschaft mit Klasse identifiziert, der mag zu solchem Trugschluß kommen nur darf er sich dann nicht wundern, wenn chene> sozialistische Aufbau< fehlt noch, und die Entwicklung über ihn so hinwegschreitet, diese Tatsache wird jetzt von auffallend vieganda, die mit der Bolschewisten hetze über Unter dieser Ueberschrift hat es kürz- wie über Dr. Hertz und die deutsche Sozial- len SA- Führern in auffallend vielen Reden die Machtinteressen Englands im Mittel- lich eine Polemik gegeben, die wir um ihrer demokratie. meer hinweggleitet, wir halten nur fest, grundsätzlichen Bedeutung willen wiederwie der deutsche Nationalsozialismus sei- geben wollen. Wir halten uns nicht erst auf bei der haarsträubenden Grobheit dieser Propahat. Bernstein oder Strasser? nämlich. den betont. Aehnliche Betrachtungen über die Wer aber in die Zukunft und an ihr mit- Unvollkommenheit des neuen Staates und bauen will, wird gut tun, von solch ver- über die Notwendigkeit der SA hörte man vor dem 30. Juni 1934. nen Spießgesellen Franco damit zu Hilfe Das» Prager Tagblatte vom 5. kalkten Methoden des Denkens schon früher August veröffentlichte folgende Zuschrift und Handelns abzulassen. des Gen. Dr. Paul Hertz: eilt. Fritz Jellinek sagt in seinem Artikel Bauplatz für ein viertes Reich<: Wir wollen uns dazu mit folgenden Feststellungen begnügen: Sie haben es nicht so vorausgesehen, die verbrecherischen Offiziere in Spanien und ihre Auftraggeber in Deutschland und 1. Es scheint uns, als ob das alte Wort: Italien, daß sich die spanische demokrati> Im wesentlichen geht Strasser reforsche Regierung kämpfend gegen sie be- mistische und revisionistische Wege, wie Wer schimpft hat Unrechte von haupten würde! Ja, es ist wahr, daß der sie innerhalb der Sozialdemokratie Deutsch- Dr. Strasser neu bestätigt worden ist. lands vor dem Weltkrieg von Eduard 2. Hertz hat Jellinek keineswegs mißSieg über die Rebellen das Gesicht Spaniens, vielleicht das Gesicht Europas verBernstein beschritten worden waren.< verstanden. Er hat seinen Satz über Bernändern wird! Es ist wahr, daß der Sieg Als deutscher Sozialdemokrat, der zwar poli- stein und Strasser wörtlich zitiert. nicht immer mit Eduard Bernstein 3. Was Strasser über seine Stellung zu dem europäischen Faschismus das Gesetz tisch Demokratie und Arbeiterübereingestimmt hat, ihn aber als bedeuten- Sozialismus, des Handelns entreißen würde! Ein gelehriger Schüler Kriegsrecht in Nürnberg Für den zu erwartenden Parteitag ist in Nürnberg eine> ortspolizeiliche Vorschrift< erste Paragraphen erlassen worden, deren also lauten: 300 $ 1: Quartiergeber aller Art, und zwar gewerbsmäßige wie gelegentliche Quartiergeber und private Gastgeber dürfen nach dem 7. September 1936, 12 Uhr, bis einschließlich 16. September 1936 beherbergen, solche Personen tage nur die ihnen von der Organisationsleitung der Reichsparteizur Unterkunft zugewiesen sind. Das gilt für entgeltliche wie für unentgeltliche Beherbergung und auch dann, wenn die Unterbringung schon vor dem 7. September vereinbart worden ist. § 2: Die Bestimmung des§ 1 gilt nicht für die Aufnahme von nächsten Verwandten... Es ist wahr, daß in den Reihen der den wissenschaftlichen und praktischen Vor- schaft sagt, bestätigt in vollem UmRegierungsanhänger in Spanien Sozialisten kämpfer des marxistischen Sozialismus hoch- fang die in der Zuschrift von Hertz entund Kommunisten, Syndikalisten Syndikalisten und schätzte und ihm persönlich nahestand, emp- haltene Verwahrung gegen die miẞAnarchisten kämpfen. Es ist wahr, daß finde ich das Bedürfnis, diesen Irrtum zu bräuchliche Verwendung der Autorität des verdienten Vorkämpfers der Sozialdemodie kämpfenden Milizen in Katalonien eine berichtigen. Strassers> Sozialismus< ist besten- kratie, Eduard Bernstein, für Ziele, die er Agrarrevolution eingeleitet haben. Es ist wahr, daß die Milizen nicht gesonnen sein falls Bodenreform, gemischt mit autoritärer sein ganzes Leben hindurch bekämpft hat. werden, die siegreichen Waffen zweifel- Sozialpolitik, ohne demokratische Mitbestimhaften Generalen wieder auszuliefern. Es mung des Volkes in Politik und Wirtschaft. ist wahr, daß nach ihrem Siege die spani- Bernsteins>> Revisionismus« enthielt nach Der griechische Diktator Metaxas ahmt sche Regierung vor den großen Fragen der seiner eigenen Interpretation nie eine AbWiederaufrichtung einer Rechtsordnung kehr vom wissenschaftlichen Marxismus: daß das Dritte Reich nach. Er hat eine Arbeitsund der Neuorganisation des Machtbesitzes die Geschichte eine Geschichte von Klassen- front« verordnet, und bereits den Bau eines stehen wird, die im Gefolge jedes Bürger- kämpfen ist und daß nur durch die Ueber- Verwaltungspalastes dafür befohlen. Er hat Schwiegermutter bewilligt werden. Längst gut bezahlenden Sommerkrieges auftreten. Und es ist nicht min- führung aller Produktionsmittel in das Eigen- einen Propagandaminister eingesetzt, der jetzt gemeldeten und der wahr, daß das Ausmaß des faschisti- tum der Gesellschaft der Kapitalismus über- die Gleichschaltung der Presse betreibt. Es gästen ist schleunigst abzuschreiben. schen Verbrechens bestimmend sein wird wunden wird und der Sozialismus beginnt. wird gar nicht von ihm geleugnet, daß das übertrifft selbst die EinquartierungsvorschrifBesonders wichtig aber erscheint mir die Dritte Reich als Modell dient. für die Lösung dieser Fragen, für die tabt, Solange die braune Theaterwoche darf also kein Freund beim Freunde weilen äußerstenfalls kann die Aufnahme der ten des vorigen Krieges. Das Erfolge des nordischen Sozialismus Wahlvorbereitungen in Blutiger Naziterror in Danzig Ein früherer nationalsozialistischer Rechtsanwalt wurde Opfer eines nationalsozialistischen Terroraktes Das Blatt schäme sich nicht, den Völkerbund zum Garanten für die Erhaltung des Deutschtums zu erklären, denselben Völkerbund, der dem deutschen Volk bisher jede Gleichberechtigung und Gerechtigkeit versagt habe. Eine derartige Kampfesweise, die das den nordischen Ländern In den nächsten Monaten stehen in den skandinavischen Ländern Dänemark, Aus Danzig erfahren wir: Ausnahme vom Verbot der Oppositionspresse Schweden und Norwegen Wahlen Rechtsanwalt und Notar Monath, einer damit erkauft, daß sie eine Erklärung abgab, bevor, denen man nach dem günstigen Aus- der angesehensten Männer im Freistaat Dan- nach der sie sich mit innerpolitischen Angegang der Wahlen in Finnland mit besonderem zig, wurde im Seebad Steegen ohne jede Ver- legenheiten nicht mehr beschäftigen werde. Interesse entgegensieht. anlassung von vier Nationalsozialisten über- Diese freiwillige Unterwerfung hat nichts In Dänemark kommt der Wahlkampf fallen, niedergeschlagen und genützt. für die Teilwahlen zum Oberhaus, die im schwer verletzt. Nur der Umstand, Das Blatt hat Aeußerungen eines September stattfinden, in Gang. Die Stellung daß der Sohn des Ueberfallenen glaubte, die Dominikanerpaters aus dem Jah- Staatsinteresse völlig außer Acht lasse und der Regierung scheint eher noch günstiger Täter zu erkennen, und sie ansprach, veran- re 1872 wiedergegeben, in denen behauptet nur darauf bedacht sei, der Regierung Schwieals bei den so erfolgreichen Parlamentswah- laßte die Terroristen, von ihrem Opfer abzu- wurde, daß im Kulturkampf die öffentliche rigkeiten zu bereiten, müsse als verwerflich len im Oktober des vorigen Jahres. Die Zahl lassen und in den Strandwald zu flüchten. Meinung gegen die katholische Kirche un- und undeutsch bezeichnet werden. der Arbeitslosen ist niedriger als je seit den Monath liegt schwer krank danieder. günstig beeinflußt worden sei und knüpfte Diese Begründung des Gerichts läßt an letzten fünf Jahren. Die Bauernpartei ist ge- Der Rechtsanwalt war mit seiner Frau daran die Frage, ob diese Ausführungen nicht' Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Danspalten und bereitet sich auf einen Führungs- und seinem Sohn in einem Kraftwagen nach auch in vielen auf die heutige Zeit angewandt zigs Senatspräsident und seine Richterkreawechsel vor, ohne recht zu wissen, wer den Steegen gefahren, um sich am Strand der werden könnten. turen haben dem Völkerbund offen den Krieg gegenwärtigen Parteiführer, Dr. Krag, er- Ostsee zu erholen. Anschließend suchte man Der Danziger Polizeipräsident nennt die- erklärt. setzen soll. Die Konservativen haben sich das Strandrestaurant auf, um einige Erfri- sen Aufsatz eine» hinterhältige und noch nicht von dem Schlag der Oktoberwah- schungen zu sich zu nehmen. Dort wurde die verwerfliche Verleumdung der len erholt, bei denen sie einen Erfolg erhofft Familie bereits von einem unbekannten Mann Danziger und der deutschen Rehatten. Sie versuchen, den alten Popanz der fortgesetzt beobachtet. Als dann, die Familie gierung«, der geeignet sei, die guten und konservativen Politik, die Landesverteidigung, zu ihrem Kraftwagen ging, um die Heimfahrt lebenswichtigen Beziehungen der Freien Stadt wieder aufzufrischen: eine Frage, die mit den anzutreten, trat der Mann, der im Restaurant Danzig zum Dritten Reich zu beeinträchgegenwärtigen Wahlen nichts zu tun hat, von die Familie Monath beobachtet hatte, an vier tigen.< Mit dieser zynischen Lüge wird ein der sie jedoch hoffen, daß sie ihnen einige Kerle heran, die sich in der Nähe des Kraft- Dauerverbot der» Danziger Volks- Gamelins Mission in Warschau. Wähler zutreiben wird. Die Regierung hat wagens aufhielten. Wenige Minuten später zeitung< auf sechs Monate be- Man schreibt uns aus Polen: mitteilen lassen, daß die ganze Frage des kamen die vier Männer auf Monath zu und gründet. Man hofft in Polen, daß die Aussprachen Verteidigungsministerium geprüft wird, hat schlugen mit Knüppeln in barbarischer Weise Es war von vornherein klar, daß die Dan- zwischen dem französischen Generalstabschef sich aber geweigert, den wiederholten konser- auf ihn ein. Monath wurde dabei schwer ver- ziger Diktatur die gesamte Oppositionspresse Gamelin und dem polnischen Armeeführer vativen Forderungen nach einer öffentlichen letzt. Als dann der Sohn des Ueberfallenen einfach unterdrücken wollte, um die Danziger Rydz- Smigly einen Kurswechsel der polniErklärung zu entsprechen, so lange diese Vor- rief:» Sie kenne ich ja! Sie sind Verfassung der deutschen Despotie gleichzu- schen Außenpolitik nach sich ziehen werden. arbeiten nicht abgeschlossen sind. von der Leitung der NSDAP!<< lie- schalten. Immerhin hat es noch Leute ge- Zu dieser Erwartung trägt nicht zuletzt die Ben die Wegelagerer von ihrem Opfer ab und geben, die aus politischer Opportunität die Politik Hitlers in Danzig bei, von der in polflüchteten, da sie nicht erkannt werden woll- einfachen Tatsachen nicht sehen wollten. Der nischen Militärkreisen angenommen wird, daß ten. Fall» Danziger Volkszeitung< sollte ihnen die sie als Stützpunkt der Reichswehr ausgebaut Augen öffnen! wird. Es hat sich gerade bei den Verhandlungen des Obersten Becks mit Deutschland In Schweden herrscht allgemein die Auffassung, daß sich die Sozialdemokratie durch ihren Rücktritt von der Regierung in der Form, in der er erfolgt ist, eine günstige Stellung für die Parlamentswahlen im September geschaffen hat. Jedenfalls besteht kaum ein Zweifel über das Abschneiden der Sozialdemokratie im Vergleich zu den bürgerlichen Parteien einschließlich der Bauernpartei, die gegenwärtig die Regierung führt. Nicht ganz so sicher ist man hinsichtlich des Zurückdrängens der beiden kommunistischen Parteien, der schwedischen Sektion der Komund der sogemunistischen Internationale nannten» Sozialistischen Partei<( unabhängige Kommunisten). gibt für Die Sozialdemokratische Partei den Wahlkampf eine Reihe von Schriften herKurswechsel in der polnischen Außenpolitik? Rechtsanwalt und Notar Monath war in früheren Jahren Mitglied der NSDAP, sagte sich aber von ihr los, weil ihn die Ter Hohn auf den Völkerbund im Streitfall des Völkerbundskommissars errorakte und die Korruptionsaffären der NaNach der langen Nase die Ohrfeige. Beschwerde beim geben, daß die polnische Außenpolitik die Gefangene Hitlers ist. Die einseitige Bindung Polens an Berlin hat Warschau nicht nur die Freundschaft Frankreichs gekostet, sondern auch international als unsicheren Parttionalsozialisten abstießen, worauf er die Gemeinschaft mit seinen früheren ParteifreunDie deutschnationale» Danziger Nationale den löste. Seit dieser Zeit wird er von den Zeitung hat gegen das fünfmonatige Verbot Pressegericht eingelegt. Nationalsozialisten mit einem abgrundtiefen Das Pressegericht hat das Verbot verworfen. Haß verfolgt. Insbesondere von dem Kreisleiter der NSDAP, im Großen Werder, An- Nach der Meinung des Gerichts hätte schon ner hingestellt. Es ist nicht unbekannt, daß dres, der zugleich hoher Regierungsbeamter ist, denn er ist Landrat des Kreises Gr. Werder. Auch bei diesem Ueberfall scheint Andres, wie bei schon so manchen, seine Hände im Spiel gehabt zu haben, denn der Kraftder in der beschlagnahmten Ausgabe des Blattes vom 7. Juli enthaltene Satz: man die Pariser zu Pilsudskis Lebzeiten Freunde abgestoßen hat, obgleich selbst innerhalb der regierenden Oberstengruppe die » Wir wissen aus einer fünfzehnjährigen Erfahrung heraus, daß der Völkerbund Meinungen über die deutsche> Freundschaft<< der wesentliche Garant für die Deutsch- sehr geteilt waren. Zu der Gruppe, die die erhaltung Danzig war und ist<< gegenwärtige Bindung an Deutschland durch aus, von denen jede von einem anerkannten wagen des Rechtsanwaltes Monath war auf ein mehrmonatiges Verbot der Zeitung ge- Oberst Beck ablehnen, gehört auch der ArmeeFachmann verfaßt ist. Die erste stammt von dem gewesenen Ministerpräsidenten und Führer der sozialdemokratischen Partei, Per Albin Hansson, und gibt Antwort auf die Frage: Warum sind wir aus der Regierung geschieden?<< In der zweiten untersucht der der Fahrt nach Steegen von dem Auto des Landrats Kreisleiters Andres überholt worden. Umsonst unterworfen Das Danziger Zentrumsorgan, die» Dangewesene Minister für soziale Verwaltung und Ziger Volkszeitungs, hatte sich ihre Parteisekretär Gustav Möller die Leistung rechtfertigt. führer Rydz- Smigly, wenn er auch nur vorDieser Satz widerspreche nicht nur sichtig tastend einen neuen Kurs vorbereitet. den Anschauungen des größten Teils der Zu diesem Zweck ist schon bei den vorigen Danziger Bevölkerung, sondern sogar den- französischen Manövern ein polnischer Gejenigen von Anhängern der Parteien, die die neral abkommandiert worden, der schließlich selbst » Danziger Nationale Zeitung< be- den jetzigen Besuch des französischer Generalstabschefs Gamelin vorbereitet hat und kämpfen. dem nunmehr ein polnischer Besuch in Frankreich durch den Oberkommandierenden der polnischen Armee, General Rydz- Smigly, folgen wird. gutheißen, und ich will alles, was in meinen Kräften steht, tun, um die anderen zu überreden, daß sie ebenso handeln.< der Regierung in ihrem vierjährigen Kampf tik brachte Budgeterhöhungen mit sich, doch gegen die Arbeitslosigkeit; nachdem er den war die Arbeiterpartei in der Lage, in Noraußerordentlichen Erfolg auf diesem Gebiete die Unterwegen wie in Schweden auf belegt hat, untersucht er im Schlußkapitel, stützung der Bauern zu zählen. Dabei > Was noch zu tun ist. Die dritte Schrift, wurde die parlamentarische Genehmigung für Sheppard:» Ich ersuche Sie respektvoll um scher Kurswechsel auch innenpolitische Aen> Gerechte Steuern, ist eine Darstellung der schwedischen Steuersysteme durch den früheren Finanzminister Ernst Wigforss. Enddie Schaffung einer staatlichen Industriebank erlangt, der norwegischen Schiffsbauindustrie wurden beträchtliche Beihilfen getionalbank erzielt. Am Ende der Parlamentssystematische Wirtschaftspolitik der Regierung alle Erwartungen erfüllt habe und fortgesetzt werden müsse. In seinem Brief an Hitler sagt Canon Man erwartet auch, daß ein außenpolitialso Neuwahlen auf die Erlaubnis, in Deutschland in freien öffent- derungen in Polen nach sich ziehen werde. lichen Versammlungen sprechen zu dürfen, in Diese bereiten sich im Lande teils durch die der polnischen Bauern welchen ich versuchen will, dem deutschen Massenaufmärsche lich beschäftigt sich eine vierte Schrift von währt und eine großzügigere Politik der Na- Volk dasselbe zu sagen, was von der Frie- vor, teils in einer Linksorientierung gewisser densunion, deren Vorstand ich bin, in England Kreise des polnischen Regierungslagers, das Gunnar Lundberg mit der Frage der > Wahren Einheitsfront. Sie gibt eine Dar- session verwies der Finanzminister Indre- gesagt worden ist. Eine andere Bitte, die ich Arschluß an die Volksmassen sucht und mit stellen muß, ist, daß diejenigen, die in Vorschlägen zur Abänderung des bisherigen stellung der kommunistischen Opposition ge- boe auf den Rückgang der Arbeitslosigkeit, Deutschland an solchen Versammlungen teil- Wahlgesetzes kommt, gen die sozialdemokratische Regierung, ihrer die fortschreitende Besserung des Außenhannehmen, vorausgesetzt, daß sie erlaubt breitester Grundlage verspricht. Politik des systematischen Hin und Her< dels und erklärte, daß die tatkräftige und Wie die reichsdeutsche Presse, so ist auch werden und kommt zu dem Schlusse: Für uns gibt wegen ihrer Anwesenheit nicht beein Teil der polnischen Regierungspresse bestraft werden sollen.< es nur eine Einheitsfront: das ist die Sozial> Sonderbarer Schwärmer<, sagte Phi- müht, die Bedeutung des Besuches Gamelin demokratie; das ist genug.< Im ganzen hat die schwedische Wirtschaft Die norwegische Arbeiterpartei, die Ende lipp II., als Marquis Posa von ihm Gedanken- abzuschwächen und darzulegen, daß eigentfreiheit verlangte. Was wird Hitler ant- lich alle Erwartungen auf einen Kurswechsel Mai in Oslo ihren Parteitag abhielt, im Sommer 1936 rund 180.000 Menschen worten? der polnischen Außenpolitik übertrieben sind, mehr beschäftigt als im Sommer 1933; von auf einen stetigen Zuwachs während des da ja das polnisch- französische Militärbünddiesen sind ungefähr 110.000 wiedereinge- ersten Jahres ihrer Regierungstätigkeit verstellte Arbeitslose und 70.000 Neubeschäftigte weisen. Im Laufe des Jahres 1935 verzeichnis stets in Geltung war und daß man sich net sie eine Zunahme von 356 Ortsgruppen Drei Kölner Arbeiter wurden fristlos in Frankreich mit der Anlehnung Warschaus und 17.500 Mitgliedern. Der Mitgliederstand entlassen, weil sie» unwahre Behauptun- an Berlin abgefunden habe, ferner, daß Polen auf keinen Fall ein Durchmarschrecht zu Ende des Jahres betrug 122.007. Die Par- gen über den Betriebsführer verbreitet und russischer Truppen durch sein Territorium tel besitzt Ortsgruppen in 694 von den 747 den Betriebsappell vorzeitig verlassen hätten<. Gemeinden in Norwegen. Die Jugendorgani- Das angerufene Arbeitsgericht gab der Ent- gestatten werde. Man übersieht hierbei absation verzeichnet einen ebenso erfreulichen lassung statt, und die Begründung hebt fol- sichtlich, daß es sich für Paris nicht um das Gewinn von 127 neuen Ortsgruppen und 4000 genden schwerwiegenden Umstand hervor: neuen Mitgliedern, SO daß sie insgesamt 29.000 Mitglieder zählt. der nachrückenden Generationen. * oals Auch Norwegen steht vor allgemeinen Wahlen zum ersten Male unter Führung - einer Arbeiterregierung. uroda alb Der erste Abschnitt eines umfangreichen Programms sozialer Reformen ist soeben verwirklicht worden, als am 13. Juli das Gesetz über die Altersversicherung Annahme fand, das größte Werk sozialer Reform in der politischen Geschichte Norwegens seit vielen Jahren<, wie das Gesetz vom» Arbeiderbladet bezeichnet wurde. Ein Entwurf über staatliche Krankenversichekann Sheppard an Hitler Ein englischer Geistlicher, der in Deutschland predigen will. Der in England volkstümliche Friedensrung und staatliche Arbeitslosen- prediger Canon Sheppard hat an Hitler das versicherung soll während der Herbst- Ersuchen gerichtet, ihn in Deutschland spremonate fertiggestellt werden. Eine umfaschen zu lassen. Er bittet, daß die Deutschen, sende Schulreform, die insbesondere die die seine Versammlungen besuchen, dasselbe Landschulen fördert, wurde in dieser Parla- Gelübde gegen den Krieg unterzeichnen dürmentstagung angenommen. Ein neues Fa- fen, das in England von hunderttausend Menbriksgesetz hat den Arbeiterschutz schen unterzeichnet worden ist. Dieses GeIhre Hauptkraft hat lübde lautet: die Regierung jedoch auf die Bekämpfung der Krise verwendet. Diese Poliwesentlich verbessert. » Ich entsage dem Krieg und will einen künftigen Krieg weder unterstützen noch Nicht flüstern Durchmarschrecht handelt, sondern um eine an die Friedens> Es steht fest, daß die Kläger häufig Bindung Warschaus Zusammenkünfte abhielten, wobei politik der Pariser Regierung. sie sich leise unterhielten, ihr Ge- Wie Warschau nicht einseitig an die Politik spräch aber sofort ab brachen, wenn der Berliner Machthaber gebunden sein will, Zeugen erschienen.< so möchte es auch nicht gern an Paris und >> Wo zwei beieinander stehn, da Moskau gebunden sein. Aber die Politik der soll man auseinander gehn,< heißt Berliner Machthaber mit dem Ziel des Drangs ein Verschen aus dem deutschen Vormärz. nach dem Osten läßt Warschau befürchten, Ein schöner Traum. Im> Westen<<, Berlin, daß Polen das Opfer des kommenden Krieges ( Nr. 217) jubelt ein deutscher Journalist: durch Adolf Hitler sein wird, wenn es durch Und auch deswegen könnte von mir aus im- den Westen nicht geschützt ist. mer Olympia in Berlin sein: Man wird überall Alle Abschwächungsversuche der reichsso nett behandelt. Je der sagt sich, wer polnischen Regierungsweiß, ob das nicht ein Fremderist. deutschen und der Wenn man sich gar den Anschein gibt, ein presse dürfen darüber nicht hinwegtäuschen, Ausländer zu sein, und etwas gebro- daß gerade das Vorgehen Hitlerdeutschlands chen spricht, sind die Leute reineweg in Danzig in Warschau den Kurswechsel behinreißend.<< Des Volksgenossen Lieblingswunsch: kein Volksgenosse zu sein. schleunigen wird. Die MiHwirtsdiaft Darres Sdilechte Ernteaussichten— Rückgang der Versorgung Schon in unserem letzten Artikel haben wir darauf verwiesen, daß die Zwangs Wirtschaft Darres zu merkwürdigen und schwer erklärlichen Fehlergebnissen geführt hat. Im auffälligsten Widerspruch zu den Zielen der»Nahrungsfreiheit« steht der Rückgang der Getreidefläche. Von 1925 bis 1932 waren die Anbauflächen um rund 300.000 Hektar gestiegen. Dagegen ist die Anbaufläche für Getreide von 12,095.000 im Jahre 1933 auf 11,554.000 Hektar im Jahre 1936 zurückgegangen, ein Rückgang von 541.000 Hektar. Das ist um so bemerkenswerter, als die deutschen Ernten der letzten Jahre keineswegs für die Versorgung mit Brotgetreide und Futtermitteln ausgereicht haben. Und in dem eben beginnenden Erntejahr werden die Schwierigkeiten wahrscheinlich größer werden als in dem abgelaufenen. Zwar hatte Darre noch vor wenigen Wochen eine außerordentlich günstige Ernte vorausgesagt und in der Tat waren die Witterungsverhältnisse in Deutschland im Gegensatz zu Uebersee und einer großen Anzahl europäischer Länder recht günstig gewesen. Die amtliche Mitteilung vom Anfang Juli stellte eine bedeutsame Ertragssteigerung nicht nur gegenüber dem Vorjahr, sondern auch gegenüber dem Durchschnitt der fünf vorhergehenden Jahre in Aussicht und stolz wurde verkündet, daß Deutschland nicht nur'in Roggen, sondern auch in Weizen vom Ausland unabhängig sein werde. Aber die neueste amtliche Ernteschätzung schlägt schon viel gedämpftere Töne an. Das naßkalte und unbeständige Juliwetter in vielen Teilen des Reiches, so heißt es nun, konnte nicht ohne Auswirkung auf Stand und Ernte des Getreides bleiben. Die Ausreifung wurde beeinträchtigt zumal dort, wo die Frucht sich in stärkerem Maße legte. Die Ungleichmäßig- keit des Reifevorgangs und die Lagerung behindern die Ernte und erhöhen die Ausfälle, und die dauernden Niederschläge während der Ernte erschweren die Trocknung, fördern das Auswachsen der Körner auf dem Felde und erhöhen die Verluste bei der späteren Einlagerung. Die Schätzungen mußten also ihit Ausnahme von Wintergerste und Hafer ermäßigt werden, am stärksten beim Winterroggen. Die Abschläge, die die amtliche Schätzung jetzt am Augustbeginn vorgenommen hat, sind allerdings verhältnismäßig gering. Aber das Amt selbst scheint zu seinem eigenen Vorgehen kein allzugroßes Vertrauen zu haben. Denn ausdrücklich wird betont, daß dabei von der Voraussetzung ausgegangen sei, daß sich die Witterungsverhältnisse bis zum Abschluß der Ernte normal gestalten, und es scheint nicht, daß sich diese Voraussetzimg restlos erfüllt hat. Jedenfalls können die Schäden, die sich aus der Lagerung ergeben, nicht wieder gutgemacht werden, wie das auch die immer wiederholten Klagen über die dies- mals besonders schwierige Einbringung der Ernte und den daraus entstandenen Mangel an Emtearbeitem zeigen. Aber nehmen wir die— sicher zu optimistischen— Schätzungen nun einmal hin. Damach wird also mit einer Weizenernte von etwa 4,8 Mill. Tonnen gerechnet gegenüber einer endgültigen Ernte von 4,67 im Vorjahr. Nun betrug aber der Gesamtverbrauch an Weizen 1935/36 5,45 Mill. Tonnen, und zwar 4,5 Mill. Mahlgut, 0,35 Mill. Saatgut und 0,6 Mill. zur Ver- fütterung. Die Weizenernte bleibt also zunächst hinter dem tatsächlichen Verbrauch des Vorjahrs um 0,65 Mill. Tonnen zurück. Beim Roggen beträgt die Schätzung 7,96 Mill. gegenüber der vorjährigen Ernte von 7,48 Mill. Der Verbrauch betrag aber 8,3 Mill. Tonnen, von denen 2,9 Mill. verfüttert und 0,65 Mill. als Saatgut verwandt wurden, der Rest von 4,75 Mill. Tonnen der Mehlbereitung diente. Dazu kommt aber ein anderes. Zu Beginn des vorjährigen Getreidejahrs waren Vorräte von 2,5 Mill. Tonnen an Weizen und Roggen verfügbar. Davon dürften aber Anfang Juli 1936 nur noch 1 Mill. Tonnen verfügbar gewesen sein, die unterdessen zum großen Teil aufgebraucht sind. Im Gegensatz zum Vorjahr geht also Deutschland praktisch ohne nennenswerte Reserven in das neue Getreidejahr und ist also nur darauf angewiesen, was die neue Ernte bringt. 1935/36 wurden ungefähr 1,2 Mill. Tonnen Roggen und Weizen mehr verbraucht als 1934/35. Von diesem Mehrverbrauch entfielen nur 300— 400.000 Tonnen auf höheren Mühlenbedarf. Die restlichen rund 800.000 Tonnen sind zusätzlich verfüttert worden. Charakteristisch für den andauernden Futtermittelmangel ist es nun, daß sich die deutschen Landwirte jetzt genötigt sehen, Weizen, der in Deutschland früher nur zu menschlicher Nahrung verwandt wurde, in steigendem Maß zu verfüttern. Im letzten Jahr sind etwa 600.000 Tonnen Weizen— etwa ein Achtel der Gesamternte— in den Futtertrog gewandert! Erzwungen wurde dies durch die Verringerang der Futtergetreideeinfuhr von 1,1 Mill. Tonnen auf etwa 200.000 Tonnen. Es ist also zwar richtig, daß die diesjährige Roggen- und Weizen- ernte für die Broterzeugung ausreicht, nicht entfernt aber für die Deckung des Futtermittelbedarfs. Denn da die Weizen- und Roggenerate schätzungsweise 12,77 Mill. Tonnen bringen soll, der Verbrauch im Vorjahr 15,75 betrug, die Vorräte aber um mindestens 2 Mill. Tonnen höher waren, so ergibt sich— Brot- und Futterbedarf zusammengerechnet— ein Defizit etwa in der Höhe von 5 Mill. Tonnen. Selbst wenn man berücksichtigt, daß die Hafer- und Gersteernte vielleicht um eine halbe Million Tonnen das vorjährige Ergebnis übertreffen könnte, bleibt die Tatsache bestehen, daß die Einfuhr an Futtergetreide wird gesteigert werden müssen. Die vorjährige Senkung der Einfuhr auf 200.000 Tonnen kann nicht ein zweites Mal wiederholt werden. Das bedeutet aber vermehrten Devisenbedarf für die Sicherung der Ernährung. Ein Teil der Devisen, den Schacht durch seinen Dumpingexport hereinzuholen hofft, wird er schon dem Darre überlassen müssen. Daran ändert auch nicht viel, daß die feuchte Witterung bisher den Stand der Hochfrüchte und Wiesen begünstigt hat. Denn abgesehen davon, daß uns von der Rüben- und Kartoffelerate noch mehrere Wochen trennen, so ist in diesem Jahr der früher verringerte Schweinebestand wieder stark gewachsen und erfordert beträchtliche Mengen an zusätzlichen Futtermitteln. Der Nährstand fordert deshalb auch zu erhöhter Sparsamkeit auf. Roggenmehl von hellerer Ausmahlung als die vor zwei Jahren eingeführte schwärzliche Sorte darf nicht hergestellt werden. Die Landwirte müssen bereits bis zum 15. Oktober 30 Prozent ihres Getreidekontingents abgeliefert haben, um eine raschere Auffüllung der geleerten Lager des Reichsnährstands zu ermöglichen und eine ganze Reihe von neuen Zwangsmaßnahmen soll zur restlosen Erfassung des Getreides dienen. Aber all das kann nichts daran ändern, daß die Darresche Wirtschaft von ihrem Ziel der Nahrungsfreiheit, das ja auch die Produktion von Fleisch und Fett aus eigener Kraft der deutschen Wirtschaft sichern müßte, noch weit entfernt bleibt, ja daß das Ziel eher ferner rückt als daß es sich nähern würde. Und dabei zeitigt diese kostspielige Zwangswirtschaft noch eine Reihe sonderbarer und höchst schädlicher Nebenwirkungen. Sie hat den Futtermittelmarkt überhaupt dauernd desorg an isiert. Gerste und Hafer waren bis in den März 1936 hinein am freien Markt fast nicht zu erhalten. Futterroggen, der nicht in die Kontingentablieferung eingeschlossen ist, konnte zu wesentlich höheren Preisen verkauft werden als Mehlroggen. Man zahlte Ueber- preise für angeblich bessere Qualitäten, die gar nicht vorhanden waren, um den dringendsten Futterbedarf decken zu können. Erst gegen das Ende des Eratejahres setzte sich infolge der guten Heuernten eine Erleichterung durch. Aber eine bleibende Folge der durch die Zwangswirtschaft hervorgerufenen Störungen ist die Tendenz der Landwirte, sich vom Markt überhaupt möglichst zu emanzipieren und die Viehhaltung nicht von den weit unbegrenzteren und zugleich konstanteren Bedingungen einer freien Marktzufuhr, sondern von den weit mehr dem Wechsel und dem Zufall unterliegenden Möglichkeiten des eigenen Hofes anzupassen. Das Resultat hat jüngst ein gleichgeschaltetes Blatt so beschrieben: »Die Tatsache, daß die freie Marktversorgung mit Futtermitteln fast zwei Jahre hindurch mehr oder minder beschränkt war, hat zusammen mit der geforderten Umstellung der Viehhaltung auf»wirtschaftseigene« Futtermittel dazu geführt, daß der natürliche Austausch der verschiedenen Getreidearten über den Markt(Roggen gegen Gerate, Welzen gegen Kraftfuttermittel usw.) heute nicht mehr wie vordem stattfindet. Der einzelne Betrieb verbraucht, was er hat. Er verfüttert Roggen an Pferde. Hafer an Rindvieh, Weizen an Schweine, wenn er gerade Uber diese Artikel reichlicher verfügt. Eis wird schwer halten, diese Tendenz zur Hofautarkie mit ihren zweifellos nicht immer rationellen Auswirkungen auf die Fütterungstechnik, wie sie in dem Festhalten der Landwirte an allen irgendwie verfütter- baren Artikeln und der daraus erwachsenden Abneigung gegen den Zukauf von Markt-F'ut- termitteln zum Ausdruck kommt, im Laufe der Zeit auf ein vertretbares Maß zurückzuführen.« Diese Art Füttening ist aber nicht nur wirtschaftlich eine Verschwendung, sie ist auch physiologisch falsch. Wie in ververgangenen Zeiten erhält jetzt das Vieh, nicht das, was die Ernährungswissenschaft als richtig erkannt hat, sondern das, was der einzelne Landwirt jeweils aus seiner Wirtschaft nach Abzug der Zwangsablieferungen erübrigen kann. Daß das zu einer Gefährdung einer rationellen Viehwirtschaft überhaupt führen muß, ist unbestreitbar. Aber das wird nicht hindern, daß der Darre auch weiter seine Diktatur über die deutsche Landwirtschaft ausübt. Dr. Richard Kern. Die Aera Stiimes Ist wieder da! JVafurschu�park fürs Monopolkapital Herr Nonnenbruch, Schriftleiter vom Wirtschaftsteil des»V. B.<, veröffentlicht im »V. E.< vom 13. August einen Artikel»Expansionsbestrebungen« in dem er sagt, er habe bisher geglaubt annehmen zu dürfen, »daß sich in der Auffassung über die Zweckmäßigkeit der Konzentration eine Wandlung vollziehe.« Darin hat er sich aber sehr geirrt, denn»seit Jahresfrist etwa ist das aber anders geworden«. In kurzen Zwischenräumen lese man immer wieder von neuen Erwerbungen. Die Beispiele, die der»Völische Beobachter« aufzählt, sind allerdings sehr aufschlußreich. So haben die führenden Unternehmen des Margarinetrustes bekannte Schachtelkäsefabriken aufgekauft, der chemische und alkoholische Konzern S c h e r i n g-K a h 1 b a u m, »der wiederum zum Oberkoks-Kon- z e r n gehört«, sich die Pfcllrlngwerke angegliedert.»Der Betrieb von Pfeilring wird für Rechnung Schering-Kahlbaum geführt, Pfeilring wiederum hat den Betrieb der Eos- Werke A. G., einer Schuhputzmittel, Flek- kenwasser usw. herstellenden Firma übernommen.« Das ist eine ziemlich verzwickte Verschachtelung, aber immerhin besteht ein Fabrikationszusammenhang zwischen Chemie und Seife, zwischen Seife und Putzmittel, weniger schon zwischen allen diesen Dingen und den Erzeugnissen von Oberkoks, dem schwerindustriellen Trust Westoberschlesiens. Es besteht auch eine Beziehung zwischen Margarine und Käse, aber kaum eine zwischen Margarine und Textilien. Es haben sich nämlich Margarine- konzeme, denen man amtlich die Produktion beschränkt, aber die Gewinne garantiert hat und die daher das Bedürfnis nach und die finanziellen Mittel zusätzlicher Betätigung haben, Käufe von Textilunterneh- ra u n g e n usw. vollführt. Und der bekannte Persilfabrikant Henkel hat eine maßgebende Beteiligung an der Gladbacher Wollindustrie A. G. erworben, nachdem er bereits Besitzer von einem Drittel der Vorzugsaktien der Deutschen Gold- und Silberscheideanstalt, fast des gesamten Aktienkapitals der Hydrierwerke A. G. Rodleben sowie eines größeren Aktienpakets der A. G. S c h w a- b e n b r ä u, Düsseldorf, gewesen war. Herr Henkel ist somit bereits ein kleinerer Stin- nes, hat aber offenbar den EThrgeiz, noch zu wachsen. Angesichts dieses industriellen Ge- mischtwarenladens kann der»Völkische Beobachter«»gewisse Bedenken« nicht unterdrücken. Sollte hier etwa nicht Gemeinnutz von Eigennutz gehen, sondern dieser vor jenem?»Wenn eine Kapitalmacht auf produktionstechnisch fremde Unternehmungen Einfluß bekommt, so leitet sie dabei in erster Linie doch der Ertragsgedanke. Hierin liegt die besondere Gefahr.« Mit anderen Worten: Die Angliederungen erfolgen nicht aus Gründen der Produktion, sondern der Spekulati o'n. Andere lassen sich Villen bauen, kaufen Bilder oder Diamanten. Herr Henkel hat sich, um sein Geld aus des Dritten Reiches Schuldenwirtschaft zu retten, auf Industrieunternehmungen verlegt. Warum hält er sie für wertsicherer als etwa einen echten oder beinahe echten Van Dyk? Das kann man der»Frankfurter Zeitung« entnehmen, die am 9. August feststellt:»Heute stehen wir mitten in einer Welle neuer Marktabrede n«. Und zwar bedienen sich die Unternehmer zum Zwecke der Kartellbildung des sogenannten organischen Aufbaues der gewerblichen Wirtschaft, Den in ihr organisierten Fachgruppen usw. ist zwar »die Befassimg mit marktregelnden Aufgaben ausdrücklich untersagt«, aber der Kommandeur dieses Aufbaues, Herr Schacht gestattete den Unternehmern, seines Verbotes nicht zu achten. In den Fachgruppen sind nämlich zumeist die Beherrscher der Großkonzerne als von Schacht ernannte»Leiter« wirksam. Sie benutzen die ihrer Obhut anvertrauten Fachgruppen als»Kartellhebammen«.»Die einzelnen Vorgänge«, schreibt die»Frankfurter Zeitung«,»werden der Oeffentlichkeit zumeist nicht bekannt«. Eis besteht auch aller Anlaß, sie nicht allzusehr bekannt werden zu lassen. Aber manches läßt die Schilderung der»Frankfurter Zeitung« ahnen: »Zunächst ist in den Fällen, wo bereits ältere Verbände bestanden, durch die Personalunion der marktregelnde Verband sehr häufig nicht unwesentlich gekräftigt worden. Die Verhältnisse der Außenseiter werden nun der Verbandsführung genauer bekannt, die Einwirkungsmöglichkeiten nehmen zu, und auch der moralische Druck auf die abseits stehenden Firmen wird mit der wachsenden Gewöhnung an die Autorität der Wirtschaftsgruppen- Führung und ihrer Machtmittel zweifellos größer.« Die»Leiter« nutzen also ihre diktatorischen Vollmachten aus, um in die Geschäftsgeheimnisse ihrer Konkurrenten einzudringen und ihnen den Anschluß ans Kartell durch e r- presserische Bedrohung abzuzwingen. Auf diese Weise gelingt es,»daß nunmehr im Anschluß an die Wirtschaftsgruppenorganisation marktregelnde Verbände auf Gebieten gegründet werden, die bisher von Kartellansätzen mehr oder minder frei waren«. Diese Abreden sind nur äußerlich private Vereinbarungen, hinter ihnen steht als Befehl oder Bedrohung die Staatsgewalt. So wird der Unternehmer zum Staatsrentner und der Profit zur Staatsrentc. Die Industriebeteiligung ist also eine sichere Kapitalsanlage als die Anleihen des Dritten Reiches und bietet überdies die Möglichkeit, sich von deren Risiko zu drücken. Herr Nonnenbruch findet die»Expansions- bestrebungen«, wenn auch bedenklich, so doch verständlich: »Vom Standpunkt des Mächtigen aus ist jedes Streben nach Machterweiterung etwas Selbstverständliches. Bedenklich wird es aber, wenn es zur vollständigen Gebietsbeherrschung führt. Dann ist der Naturschutzpark da.« Wie die Elche im Naturschutzpark, ist also im Bereiche eines gebietsbeherrschenden Trusts die Ausbeutungsfreiheit staatlich geschützt. Damit hat Nonnenbruch selbst seinen Schwindel enthüllt, der Sozialismus werde verwirklicht, wenn alle Arbeit haben.»Wer die Wirtschaf tageschehnlsse der letzten Jahre aufmerksam beobachtet uaj in der Lage ist, auch mal einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, wird finden, daß von verschiedenen Stellen aus planmäßig auf eine Gebietsbeherrschung hingearbeitet wird.« Dagegen darf man allenfalls»Bedenken« äußern, mehr darf der sonst garnlcht bescheidene Nonnenbruch nicht riskieren. Denn er weiß ganz genau, warum der Nationalsozialismus, der die Organisationen der Arbeiter vernichtet hat, d i e Machtkonzentration der Unternehmer fördert. Unter anderem gerade deshalb, um den Arbeitern die Ausnutzung einer verbesserten Position auf dem Arbeitsmarkt unmöglich zu machen. G. A. F. Nr. 167 BEILAGE 23. August 1936 das buk du deuistim Die Thesen der braunen Sdiolastlk >Auch' in der Wissenschaft hat der völkische Staat ein Hilfsmittel zu erblicken zur Förderung des National- atolzes.« »Mein Kampf«, S. 473. Der Stabschef des Führers hat den Rektor der Universität Heidelberg, SA-Obertruppführer Groh, mit Wirkung vom 28. Juni 1936 zum SA-Sturmführer befördert. Amtliche Meldung. In den Tagen der Reichspropaganda-Olympiade, wo sich der Genius des Bizeps entfaltet und viel Tausende von Gästen aus aller Welt die gutge�trichenen Fassaden Hitler- Deutschlands arglos bestaunen, erscheint es nicht recht aktuell, von der deutschen Wissenschaft zu sprechen. Ihre jüngste Manife- sation das Heidelberger Universitäts-Jubiläum, ist im Zuge der neuesten Werbeveranstaltungen schon längst vergessen worden. Aber sehr zu unrecht. Jeder Chronist und jeder Geschichtsschreiber, der die Katastrophe des deutschen Geistes unter der Diktatur des absoluten Staates in ihren Etappen verfolgen will, wird diesen Heidelberger Tagen ein besonderes Kapitel zu widmen haben. Hier wurde der erste Versuch unternommen, die Erstickung der geistigen Freiheit und die Umwandlung der deutschen Hochschulen in Fachschaften des Nationalsozialismus nicht bloß als politische und»weltanschauliche« Machtposition zu begründen. Hier erfolgte vielmehr vor den Augen zahlreicher Ehrengäste, Gelehrten aus vielen Ländern, die feierliche Proklamation einer nationalsozialistischen»W issenschafts- lehre« in der Gestalt eines festgeschlossenen Systems, das seine Entdecker als die neue spezielle und deutsche Erkenntnistheorie präsentieren. In Heidelberg wurde parteiamtlich ausgetilgt, was in Jahrhunderten der Humanismus, die Renais- sance, die Reformation, der klassische Idealismus und endlich der Liberalismus an deutschen Bildungselementen geformt, was für Generationen deutscher Gelehrter und Hochschullehrer als Fundament aller Forschung und aller Lehre angesehen wurde. Es war das feierliche Staatsbegräbnis der deutschen Wissenschaft. Auf ihrem Grabstein steht der Satz des Professors Krieck aus seinem Festvortrag eingemeißelt:»Wir erkennen und anerkennen keine Wahrheit um der Wahrheit, keine Wissende' ft um der Wissenschaft willen« r r Programmatiker war der Reichsmini- stcr U u s t. Der einstige»Heldenvater«, der den Oberlehrerdienst frühzeitig auf Grund einer ärztlich bescheinigten psychisch-hysterischen Zerrüttung quittieren mußte, verlas ein sorgfältig niedergeschriebenes Manuskript, über»Nationalismus und Wissenschaft«, vermutlich eine von Rosenberg überarbeitete Referentenarbeit seines Ministeriums. Bei der Verteidigungsposition wegen der im Auslande erhobenen Vorwürfe über die Bedrückung der Wissenschaft durch das Regime hielt sich Rust nicht lange auf. Man habe eben die Vertreter des politischen Systems, das man gestürzt habe, von den Universitäten entfernen müssen— Vertreter, des»Umsturzes aller Ordnungen«, sagte Rust wörtlich. Daß die Zahl der verjagten Nichtarier um ein Vielfaches größer war als diejenige der Marxisten oder unentwegten Demokraten, wurde im Olympiajahre sorgfältig verschwiegen. Dann kam das sozusagen»Positive«. VVir heben aus dem langen Referat die Kernsätze heraus; 1. Wertfreiheit und Voran s- setzungslosigkelt, Objektivität und Autonomie sind keine Wesensmerkmale der Wls s e n- schaft. Würde man solche Prinzipien weiter frei dulden, so wären sie ein vollkommener Schutz für die Gegner des Nationalsozialismus zur Fortsetzung ihrer Vi®"®- 2. Wissenschaft ohne wertmäßige Grundlage ist überhaupt nicht möglich. Alle großen wissenschaftlichen Probleme waren getragen vom Glauben an den Sinn der Welt und die Bestimmung des Menschen in ihr. 3. Für den Nationalsozialismus ist der Mensch Glied einer natürlichen und geschichtlichen Ordnung, beruhend auf der Bindung an die Gemeinschaft des Blutes und der Geschichte. Damit hat die Wissenschaft einen einheitlichen Mntterboden gewonnen. Der Nationalsozialismus bekämpft darum notwendig die zum Grundsatz erhobene Welt- anschauungslosigkeit, jene Haltung des Al- les-Verstehens, welche die Kraft der Entscheidung lähmt. 4. Die Wissenschaft kann jetzt aus der Kraft einer S e 1 b s t g e w i ß h e i t schöpfen, weil ihr der Nationalsozialismus I den verlorenen Einheitspunkt wiedergegeben hat. Auf dieser sicheren Grundlage kann sie in Freiheit ein vollkommen neues Gebäude errichten. 5. Jetzt erst kann die deutsche Wissenschaft der wahren Objektivität nach den Bedingungen ihres Eigenlebens dienen. Der Nationalsozialismus ist»felsenfest« von der Richtigkeit seiner elementaren Entdek- kungen auf allen Gebieten des geistigen Lebens überzeugt. Hier besitzt die Wissenschaft volle Autonomie und Freiheit, denn sie ist nach nationalsozialistischer Auffassung das geistige Organ der im Volke lebendigen Kräfte, um unser geschichtliches Schicksal im Gehorsam gegenüber dem Gesetz der Wahrheit darzustellen. Das also sind die neuen Heidelberger Thesen.»Diese Rede ist ein Dokument«: so hallt es durch die braune Presse. Man darf ihr zu- stige Auseinandersetzung über die Möglichkeiten und die Grenzen der Wissenschaft durch die Groß-Inquisition erledigt. Die moderne weltanschauliche Diktatur beruht auf der Voraussetzung, daß Geist und geistiges Leben nach den Maximen der Politik autoritär durch den Staat reglementiert werden. Es ist die Lehre von der Eindimensionalität des menschlichen Daseins, das durch den Staat vollkommen determiniert ist und neben ihm kein selbständiger geistiger Bezirk mehr besitzt. Diese Verleugnung der Ursprünglichkeit einer freien geistigen Sphäre wird mit der einmaligen und absoluten Wahrheit identifiziert. Aber glaube niemand, daß sich im Zeichen dieser»Wissenschaftslehre« die Situation für die deutschen Hochschullehrer vereinfacht habe! Im Gegenteil, gerade für die Allerf olgsamsten haben sich die Gefahren vermehrt. Seinen totalen Uebergriff führt zwar der Nationalsozialismus mit fanatischer Konsequenz durch, aber zugleich ist er in der Praxis, in der Anpassung an die jeweils gegebenen politischen und sozialen Erfordernisse und Span- Dle Neutralität des braunen Systems stimmen, denn nun sind die letzten verhüllenden Schleier gefallen und legen das nackte Gerippe des braunen Wissenschaftgespenstes bloß, das auf dem Friedhofe der geistigen Freiheit spukt. Nur die Form der wissenschaftlichen Arbeit, die Methodik, ist an den deutschen Universitäten noch freigegeben. Aber um so eherner sind die Ausgangspunkte der Forschung und Lehre dekretiert, die nach den nationalsozialistischen Prinzipien gebildete»Ganzheit« mit den rassischen Untergründen, wie Professor Krieck bei einem späteren Anlaß sagte. Prädestiniert sind selbstverständlich auch alle Resultate, soweit es sich nicht um rein naturwissenschaftlich-technische Dinge ohne gefährliche geistige Explosivstoffe handelt. Münden diese Resultate nicht in der»Bejahung der völkischen Lebensordnung« des neuen Deutschlands, so sind sie»unfruchtbar, unwirksam, sinnlos«... Wer also heute noch an deutschen Universitäten lehren darf, hat das Recht der freien Gewissensentscheidung und der selbstverantwortlichen Wahrheitsforschung eingebüßt. Seine wissenschaftliche Bedeutung wird in den sogenannten geistigen Fakultäten nach den fixierten Wertmaßstäben des Regimes gemessen. Es wird von seinen Hochschullehrern nicht mehr die»Unterscheidung«, sondern die Entscheidung gefordert, wobei es a priori nur eine einzige gibt. Heidelberg war einmal der Ausgangsort einer großen Diskussion über Wertfreiheit und Voraussetzungslosigkeit der Wissenschaft. Damals, als Max Weber hier wirkte, dessen Andenken durch feierliche Erwähnung die braunen Festredner zu beschmutzen sich keineswegs scheuten. Für Weber standen die Wertordnungen der Weltanschauungen in einem ewigen, nicht auflösbaren Kampf. Fünfzehn Jahre nach seinem Tode wird jede geinungen, von äußerster Inkonsequenz. Es wird für die neudeutschen Gelehrten nicht so einfach sein, mit der»Wahrheit« über den»Einheitspunkt« zu balancieren, wenn dieser im Strome der politischen Machtbedürfnisse und der sozialen Kontraste hin und her geschleudert wird. Und daneben der gefährliche Wühler und Tunichtgut, der unter den Blitzstrahlen Rusts immer noch lebendige»abstrakte Intellekt«, der an den »Wurzelgründen« von Blut, Charakter und Geschichte zu nagen nicht aufhören will! Diese Fakten wurden in Heidelberg in der sublimen Form verkündet, die das Regime bei solch festlichen Anlässen unter Beobachtung des Auslandes beliebt.»Die Wissenschaft ist sowohl frei wie gebunden. Sie ist gebunden in der Substanz an etwas, was nicht selbst Wissenschaft ist. Sie ist frei in der Form, in der Begegnung mit der Wirklichkeit«: die deutschen Gelehrten dürfen also den Habitus abendländischer Wissenschaft äußerlich beibehalten. Sie dürfen und sie sollen sich so benehmen, als könnten sie wie die Hochschullehrer des Auslandes noch nach den Verantwortungen ihres Gewissens forschen und lehren. Es ist für sie nur»selbstverständlich«, daß Staat und Wissenschaft die gleichen Grundwahrhelten, jener gebietend, diese»erkennend«, besitzen müssen, wie Rust sagte. Kurz, die Grenzen des Gewissens und des Erkennens sind von SS-Leuten besetzt. Das ist der »Durchbruch der Wirklichkeit«... Dieses»absolut Neue,« das nach dem Ersuchen der Heidelberger Festredner fruchtbar auf die Wissenschaft der ganzen Welt ausstrahlen soll, ist freilich schon etliche Jahrhunderte alt. Bei Thomas von Aquin und Albertus Magnus steht es bereits, daß es Vernunftwahrheiten außerhalb der Glaubenswahrheiten nicht gibt und für niemanden geben darf. Schon damals war der Inhalt alles Denkens fest und unverrückbar: alle Wissenschaft war Theologie oder Magd der Theologie. Aber diese geistige Tyrannis hatte, was um der Gerechtigkeit willen festgestellt werden muß, ein gewaltiges Plus gegenüber dem weltanschaulichen Totalitätsanspruch des Nationalsozialismus. Die mittelalterlichen Scholastiker waren echte Gläubige. Ihr Weltbild war mit der religiösen Ueberzeugung identisch, zumal es andere Weltbilder im damaligen Abendlande überhaupt nicht gab und lebendiges gesellschaftliches Freiheitsbewußtsein nicht existierte. Die weltanschauliche Diktatur der braunen Despotie von heute aber ist ein in Eile zusammengehauenes Gerüst von umstrittenen Thesen, Symbolen und Mythen, deren »Sinngebung« dazu dient, mit allen modernen technischen Gewaltmitteln und durch demagogische Beherrschung der Massen den Eroberern des Staates die Beute zu sichern. Die alten Scholastiker besaßen nur einen einzigen Ausgangspunkt ihrer Erkenntnis: die Testamente. Ihre theoretische Auffassungsrichtung war platonisierend und aristotelisch. In Heldelberg aber lag Anno 1936 als Zeugnis neudeutscher Geistesleistung zur allgemeinen Besichtigung aus: Hitlers»Mein Kampf«, in kostbar niedergeschriebenen Pergamentblättern, das Hohelied des Haßes und der Gewalt, das Blutzeugnis für die»Schwelle des Zeitalters«, wo Wissenschaft und Forschung nach Krieck wieder an den »Anfang« gestellt worden sind, nämlich an die Schwelle der primitiven Barbarei, die sich hinter der dämonischen Phan- tastik moderner Propaganda und vollendeter materialistischer Technik verbirgt. Aber täuschen wir uns dabei nicht! Aus den geistigen und politischen Schwächezuständen des europäischen Freiheitsbewußtseins und der Mutlosigkeit zur Verantwortung entstehen Vorteile für die Diktatur. Die pseudoheroische Geste und die Selbstgerechtigkeit »absoluter« Wahrheitsfindung, womit die moderne Tyrannis ihre unaufhörliche geheime Angst vor dem eigenen Volke drapiert, sind Attraktionen in der Krise. Die unpolitischen und gedankenlosen Weltkulturbürger vergessen die braunen Blutgerüste, verstopfen die Ohren vor den Hilferufen aus den Kerkern und fangen an, die Verleugnung der geistigen Freiheit als interessante Gegebenheiten hinzunehmen. Sie kommen zur Olympiade, zu internationalen Kongressen, nach Heidelberg zum Begräbnis aller Grundsätze der Wissenschaft, die in Jahrhunderten von der Menschheit erkämpft wurden. Sie erliegen der Faszination, bis schließlich hinter dem Sportkleid oder dem Frack auch das Herz langsam im Hitlertakt zu klopfen beginnt. Das wollen, das organisieren, das bezahlen die braunen Diktatoren mit unwahrscheinlich hohen Summen aus ihren Beutefonds. wobei sie leider nicht vergeblich auf eine gewisse Rentabilität in der düpierten Welt rechnen. Die Flhrengäste klatschten beifällig bei der Verleihung von Dutzenden von Ehrenpromotionen an ausländische Gelehrte. Sie dachten nicht an den Galgen,— errichtet für Hunderte von deutschen Fachkollegen mit höchsten wissenschaftlichen Verdiensten, die ihrer Gesinnung oder ihrer Rasse wegen aus ihren Aemtem gejagt worden waren. Sie fanden es»wunderschön«, sie sangen, wie die braune Presse vermerkt,»Alt-Heidelberg, du feine«, sie waren bezaubert von Landschaft und Kulisse, hinter der das wahre Gesicht des Dritten Reiches verborgen wurde. Vor Jahrzehnten wurde bei Heidelberg ein vermorschter menschlicher Unterkiefer aus der ältesten Diluvialzeit gefunden. Von ihm leitet seither die anthropologische Wissenschaft den homo Heidelbergiensis ab. Es kommt, so gewiß, wie die Freiheit und das unveräußerliche Recht deutsches Land von der braunen Raubrltterei wieder reinigen werden die Stunde, wo im Kuriositätenkabinett der Weltgeschichte ein zweiter vorsintflutlicher homo Heidelbergiensis verzeichnet wird: ein Universitätsrektor mit den frischen Jubiläumssternen des SA-Sturmführers, die heiter in der Sonne der Geistessklaverei blitzen. Andras Howald. J Die Prostitution der Professoren Vor kurzem ist der Heidelberger Universitätsprofessor Heinrich Rickert, Ordinarius für Philosophie, nach etwa vierzigjähriger Lehramtstätigkeit gestorben. Für einen Forscher von dem Renommee Rickerts, für einen Professor, zu dessen Vorlesungen Studenten durchs Fenster eindrangen, um ein Plätzchen zu erwischen, für einen Philosophen, der Jahrzehnte als Oberhaupt einer neuen Richtung, der sogenannten»süddeutschen Schule« galt, ist das Lebenswerk ziemlich dürftig geraten. Als Ertrag seiner langen Studien über die Methodik brachte er die Erkenntnis heim, daß die alte Einteilung von Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften besser durch die Kennzeichnung»Kulturwissenschaften« und»Gesetzeswissenschaften« zu ersetzen sei. Das ist an sich etwas mager für eine jahrzehntelange Forschertätigkeit, besonders dann, wenn man in Anrechnung bringt, daß sein Lehrer Windelband bereits alles prinzipiell Wichtige mindestens aphoristisch beigesteuert hatte. Außerdem ist vieles daran anfechtbar. Trotz allem, der Nekrogolist könnte von Rickert und seinem Werk mit dem Gruße der Achtung Abschied nehmen, hätte dieser ihm das nicht zuguterletzt noch gründlich erschwert. Erschwert, geradezu verdorben durch die Angleichung seiner Erkenntnisse an die Versklavungsbedürfnisse und den Blubokul- tus des Dritten Reichs. Es besteht eine deutsche Gelehrtentragödie als wahres Unikum der Kultur: die Standpunkte geraten mit der zeitweiligen Konjunktur in Konflikt und dann gibts den Riß. Die Professoren kuschen, ihre Ueberzeugung geht in die Brüche oder sie verleugnen, was sie gedacht. Gute drei Jahrhunderte haben deutsche Philosophen und Juristen über die Freiheit gegrübelt, über die Freiheit des Willens und die Freiheit des Individuums von behördlichen Zwang. Man einigte sich schließlich, daß Freiheit der zweiten Kategorie den Besitz eines ergiebig staatsfreien Raumes voraussetzt. Sie gerieten, aller Philosophie und Wissenschaft zuwider, in das Untertänigkeitssystem, wurden wie alle anderen Reichsdeutschen Untertanen des Herrn Hitler aus Braunau. Und nun müssen sie Auskunft erteilen, wie das mit der Weisheit der klassischen Denker und ihrer eigenen Philosophie verträglich ist. Geschmeidige Prostitutionskretauren wie Carl Schmitt und Alfred Bäumler behaupten frischweg, daß jetzt erst Freiheit in Deutschland bestehe und daß Hitler der große Freiheitsbringer sei. Bäumler nahm unlängst den Mund ganz voll: erst Adolf Hitler habe Deutschland vom Mittelalter befreit. So robust ist Rickert nicht gewesen, aber er nahm doch den Freibeitsraub am Individuum in seinen philosophischen Schutz. Die gewundene Erklärung seines letzten Buches »Probleme der Philosophie«, erschienen 1934, dje Erklärung:»Falls eines Deutschen wissenschaftliche Weltanschauung mit den Forde- Die motorisierten Germanen Wer von uns Neugermanen genug nach innen lauscht, ist von dem Blut der Ahnen in einem fort berauscht, i Mercedes-Limousine? Dem Juden scheint es so, uns spiegelt dlo Maschine das Roß des Gottes Frö. Wo Bärte nicht mehr flattern, da glänzt ein Doppelkinn, und des Vergasers Knattern lenkt eichwaldwärts den Sinn. Hört deutschen Quell ihr sprudeln? (Das Urquell, Pilsen, echt) dort sammelt sich in Rudeln Germaniens stolz Geschlecht. Und eh wir Vollgas geben, vom süßen Met beschwipst, wird erst noch Waldesweben bei Mondenschein geknipst. Wenn's ein Mädchen wird, heißt's Freya, und so das Glück sich beut, wird sie einst waga-weia Abortfrau in Bayreuth. Wir sind die Shell-Germanen, und uns gehört die Welt, uns hat das Blut der Ahnen zum Herrschervolk bestellt. Hugin rungen des Tages nicht übereinstimmt, hat er seine Ansicht der historischen Situation anzupassen« ist eine klare Apologie des Freiheitsraubes. Rickert hat sich aber an seiner Vergangenheit noch widerwärtiger versündigt. Er war einst überaus stolz auf seine Erkenntnis, daß biologische Bestandteüe wertindifferent seien und er hätte gewiß jeden Studenten zurückgewiesen, der biologische Größen wie Blut, Boden, Rasse als Wertqualitäten in seine Doktorarbeit einzuschmuggeln gesucht hat. Nun hat es ein Treppenwitz dahingebracht, daß gerade diese biologischen Bestandteile auf Befehl des regierenden Ignorantenklüngels zu Höchstwerten der Kultur avancierten. Und Rickert? Landabiliter se subjecit. Löblich hat er sich unterworfen. Rasse sei eine Ordnung für sich. Es sei er- Zu den vielen Errungenschaften, mit denen der Nationalsozialismus die Welt vor allem auf seinem ureigendsten Gebiete, dem der Kultur, beglückt hat, gehören auch die Namen zahlreicher neuer Wissenschaften, von denen zu hoffen steht, daß sie noch vor Ablauf der berühmten tausend Jahre ihre Blüte erleben werden. Aber damit eine Wissenschaft blüht, dazu bedarf es nach nationalsozialistischer Auffassung gutbezahlter Stellungen für diejenigen, die sie betreiben. So hat man denn, um wenigstens am kulturellen Horizont so etwas wie einen Silberstreifen zu erzeugen, gut dotierte neue Lehrstühle für »kommende Wissenschaften« errichtet. Was gibt es da nicht alles auf der nationalsozialistischen Speisekarte des Geistes! Da wurde vor garnicht langer Zeit der letzte berühmte Berliner Physiker, als er in seinem Stammlokal mit einem be kanten Ministerialrat aus der Industriesphäre zu Mittag aß, durch die erschütternde Neuigkeit wahrhaft beglückt, daß die Berliner Universität endlich ihre letzte wissenschaftliche Abrundung auf physikalischem Gebiet in Gestalt eines Lehrstuhls für Wehrphysik erhalten habe. Zur Wahrnehmung dieses wichtigen Postens sei der»berühmte« Wehrphysi- ker Sch. auserkoren. Der große Physiker kannte zwar diese nationalsozialistische Koryphäe nicht einmal dem Namen nach, aber der tüchtige Ministerialrat, der schon so vielen Regierungen und jetzt natürlich auch den Nationalsozialisten seine unbezahlbaren Kräfte zur Verfügung gestellt hatte, konnte ihm versichern, daß der neue Mann beim letzten Geländemarsch den ersten Preis davongetragen habe. Betrübt und nachdenklich ging der große Physiker nach Hause und klagte beim nachmittäglichen Spaziergang sein Leid seinem weltbekanten Kollegen, dem Botaniker N. »Was wollen Sie«, antwortete dieser mit Die Seifenblase Der Roman»Kamerad Peter« von Helmuth Groth(Europa-Verlag) ist ein merkwürdiges Buch. Es beginnt im demokratischen Deutschland, scbüdert die sozialen Nöte seiner Helden, die Kämpfe mit den Braunen, den Sieg der gemeinsten Demagogie und die bittere Wanderung der Vertriebenen durch Europa. Adam Nolle, der arbeitslose Musiker, kämpfte in den Staffeln der kommunistisch geführten Antifa, aber als er mit seiner Frau bei der Roten Hilfe vorspricht, wird er überall abgewiesen. Er hofft auf Rußland. Neun Monate Kerker erlitt er für seinen Kampf in kommunistischen Reihen. Dann mußte er fliehen. Nun ist seine Frau, sein Kamerad Petra, trotz aller Tapferkeit müde, zermürbt, krank, auf allen Straßen Europas sind sie rundum getrieben worden, nun wird ihnen Rußland helfen müssen—»die Heimat der Werktätigen, welche keine Arbeitslosigkeit kennt...< Arbeiten wollte er, arbeiten! Aber sein Gesuch wird von der Sowjetunion kalt und ohne Angabe von Gründen abgelehnt. Wieder zieht der Heimatlose durch Winter und Kälte seine Straße, indes die Frau krank im Spital liegt. So schließt der erste Teil und soweit wäre alles graue, rauhe Wirklichkeit, etwas chronikhaft berichtet. Die Menschengestaltung schwach, die Dialoge meist uncharakterstisch, blaß und wenig gekonnt, aber alles vom roten Blutstrom des Erlebten umspült. Nun jedoch, im zweiten Teil, beginnt eine Art Verzauberung. Ueber Nacht ist Nolle ein berühmter Geiger geworden, das Geld strömt laubt, sie als ranggleich dem Geist, dem sie ja ohnehin verbunden sei, zuzuordnen. Das hat er Nazistudenten, die ihn ausfragen kamen, kurz vor Toresschluß noch konzediert. Rickert contra Rickert. Das Dritte Reich nimmt in seiner Art Charaktermustenmg vor und wahrhaftig, die deutschen Universitätsprofessoren bestehen die Prüfung, von Ausnahmen abgesehen, sehr schlecht Sie sind gewiß selten Barbaren, aber fast alle sind aus Feigheit bereit, sich In den Dienst der Barbarei zu stellen. Man muß schon dem großen französischen Gelehrten Boutroup recht geben;»In fast jedem deutschen Professor steckt ein Korporal, der sich ohne Befehlsempfang in der Welt nicht zurechtfindet.« Das war zu Beginn des Krieges gesagt: 1936 beweist es wieder. Dr. Bruno Altmann. milde-nachsichtigen Lächeln,»Sie sind doch noch garnicht so schlecht dran! Wehrphysik muß ja nicht imbedingt völliger Unsinn sein. Man kann sich ja zur Not darunter noch etwas leidlich Vernünftiges vorstellen. Aber was soll ich nur machen, wenn morgen der neue nationalsozialistische Gartenbaudirektor von Berlin zum Professor der Wehrbotanik ernannt wird?« Aber die neuen Herren sind sich selber nicht so ganz über die verschiedenen neuen Wissenschaften klar: So gibt es nicht nur Ordinariate für Wehrphysik, sondern auch solche für Wehrwissenschaft und obendrein noch solche für Heereswissenschaft. Dem Uneingeweihten ist der feinere Unterschied nicht erkennbar. Aber an der Uniform des vortragenden Professors kann der Student erkennen, in welchem Kolleg er sich befindet. Wehrwissenschaft ist den höheren S A-F ü h r e r n vorbehalten, Heereswissenschaft dagegen den Reichswehrgeneralen. So ist z. B. der Brigadeführer der SA, Achim von Arnim, derzeit maßgeblicher Repräsentant der Wehrwissenschaft, während General Becker sich die wissenschaftlichen Sporen In der Heereswissenschaft verdient.— Als unter Wilhelm II. der Klassiker der Physik, Helmhöltz in den erblichen Adelsstand erhoben wurde, registrierte der Simplizissimus diese welter- schüttemde Tatsache mit der Glosse:»Heute wurde durch allerhöchste Kabinettsorder dem preußischen Adel der Professor Helmhöltz verliehen.« Als aber kürzlich der Professor General Becker zum Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften ernannt wurde, blieb es der Flüsterzeitung vorbehalten, festzustellen:»Die Preußische Akademie der Wissenschaften wurde der Reichswehrgeneralität verliehen!« Aber nicht nur neue Männer haben neue Posten zur Förderung neuer F'seudowlssen- schaften bezogen. Auch alte Forscher, die ihm nur so zu, mit einem Konsortium emigrierter Techniker und Chemiker setzt man sich auf einer der Faröer-Inseln fest, zweihundert Emigranten gehen mit, ein gewaltiges Kraftwerk wird von einem idealistischen Kollektiv geschaffen. Und eines Tages, oh Wunder über Wunder, ist es soweit: eine Erfindung wird losgelassen, von der das braune Regime zerfetzt wird. Eine fabelhafte Rakete, die Flugblätter ausstreut und die Munitionsdepots zerstört. Die Menschen haben allemal gerade noch Zeit, die Werke zu verlassen. Soldaten meutern, die Revolution bricht aus, ohne daß ein Schuß fällt, der Kriegsschrecken ist vorbei, den kein Kriegswahn kann fürder gegen diese Erfindung an. Der Traum des radikalen Fäzifisten ist nach jeder Richtung hin erfüllt, der Despotentroß flüchtet, die Emigranten dürfen wieder in die Heimat, der ihr Sehnen gilt. Aber es ist zu schön, um wahr zu sein. Im Schlußkapitel erwacht Adam Nolle auf der harten Pritsche eines Bahnwärterhauses, wird wieder in den Schnee hinausgeweht, zieht eine trostlose Straße weiter. Alles, vom berühmten Gelger bis zur Wunde rrakete, war nur ein Traum, der stille Wunschtraum vieler Emigranten. Der Pazifist trampt wieder durch eine Welt, die in Waffen starrt, man muß die Verteidigung mit allen Mitteln wollen, wenn man die Freiheit will, es geht nicht ohne Kampf und kämpferischen Willen— und es ist besser, weniger von Zauberraketen zu träumen, Das wäre die Konsequenz dieses utopischen zweiten Teiles, aber sie wird leider nicht ausgesprochen. Würde diese Erkenntnis zum inneren Erlebnis, so hätte der Traum für das Buch etwas zu erben hofften, haben gesehen, wo sie blieben. So konnte man es beispielsweise erleben, daß der Mathematiker Hamel, ein Mann von achtbaren Leistungen, plötzlich die innige Verbundenheit ausgerechnet der Mathematik mit Blut und Boden entdeckte. Als er seinen Vortrag über diese sonderbare Verbindung gehalten hatte, stellte einige Tage später die akademische Flüsterzeitung fest, daß dem Kollegen Hamel eine große Ehre widerfahren sei:»Der Führer habe ihm das zweite»m« zu seinem Namen verliehen.« Academicus. Die teuere Leni Die Riefenstahl, die von Hitler als Filmregisseur für die Parteitagsfilme, den Film von der Winterolympiade und des Olympia- Filmen berufen worden ist. hat mit den bisher von ihr vorliegenden Arbeiten den Beweis erbracht, daß diese Berufung nicht in ihrem künstlerischen Können begründet ist. Obwohl Kritik an offiziellen Filmen kaum geduldet wird, mußte kürzlich erst die»Frankfurter Zeitung« zugeben, daß der Winter- Olympiade-Fllm der Riefenstahl von sportlichen, erziehlichen und künstlerischen Gesichtspunkten aus betrachtet, wertlos ist. Dabei kosten diese Filme eine Riesenstange Geld. So braucht die Riefenstahl für ihren Olympia-Film außer den dabei mitwirkenden Sportlern noch 300 Mitwirkende! Der Film wird auch nicht unmittelbar nach der Olymplade fertig sein, sondern die Regisseurin rechnet bis zur endgültigen Fertigstellung des Hauptfilmes und der Kurzfilme mit einer Zeit von 18 Monaten! 18 Monate!— Also nicht einmal die Olympiade darf im Film so gezeigt werden, wie sie wirklich gewesen ist. Das Huhn im Topf der Anderen Der Sportberichterstatter des»Paris Solr« erzählt: Da er schon einmal im olympischen Dorf war. habe er den Einfall gehabt,»auf des Führers Unkosten« am Tisch seiner Landsleute, der Radfahrer, zu speisen. Eine kleine Inkorrektheit, aber für einen Reporter natürlich. Wird er nicht berichten wollen, wie die Mannschaft verpflegt wird? Lapäbie habe ihm also dreimal vom Huhn gereicht, Charpentier hat ihm Beaujolais eingegossen, von Ulrich ließ er sich mit Kompott füttern. Aber er sagt, er tut das nicht noch einmal. Ihm sei noch kalt iin Rücken, wenn er an den Blick des Kellners denke, der zwar nicht Einspruch erhob,— dazu glaubte er sich nicht befugt,— aber der ihm mit den Augen folgte. Das war, so meint der Berichterstatter, ein»Beobachterblick«— jener Beobachterblick, mit dem man in faschistisch regierten Ländern die Leute einschüchtert. Gewiß. Aber woran der Franzose nicht gedacht hat: der Mann, der ihm beim Essen zusah, der hungert zu Hause. Polizeierziehung.»Die weltanschauliche Schulung« der deutschen Polizeibeamten wird auf Befehl Himmlers künftig durch das Rasseamt der SS vorgenommen werden. seine tiefere Berechtigung und wäre mindestens die konsequente Durchführung einer originellen Konstruktion. Schade, daß der Autor sozusagen umsonst träumte, daß er seinen Einfall nicht zum logischen Ende abrundete, sondern damit auf der Landstraße stecken blieb. So hängt denn der ganze zweite Teil im Buche wie eine übergroße verirrte Seifenblase. B. Br. Hoffnungslos In der Nazipresse wird ein Buch begönnert, In dem ein Fritz Forell seine Erinnerungen aus der Kriegs- und Nachkriegszeit wiedergabt und wider das perfide Frankreich wettert. Die vorsichtige»Köln. Volkszeitung« kann sich nicht enthalten, dazu zu bemerken: »Wenn wir dem im übrigen stets fesselnden und stellenweise erschütternden Erlebnisbericht noch etwas an den Rand schreiben dürfen, dann dieses; Man kann und darf, so meinen wir, kein ganzes Volk, wie das französische, für die Exzesse einzelner in einer wirren und haßvollen Zeit verantwortlich machen und dieses Volk für alle Zukunft mit seinem Haß beladen, erst recht nicht in einem Augenblick, da hüben und drüben die Reinsten und Ehrenwertesten, allen voran die FYontkämpfer, um Verstehen und Verständigung auf das heißeste bemüht sind. Würde Forells Verallgemeinerung Schule machen, es stünde wirklich hoffnungslos um die Welt.« Der Verfasser hat sich mit seinem Urteil durchaus an Hitlers»Mein Kampf« gehalten. Dort macht dieselbe FVanzosenfres- serei noch immer' Schule, wie die»K. V.« so schön sagt. »W ehrbotanik« Betrüger, Dieb und brauner Vertrauensmann Ein Lebensbild aus dem nationalsozialistischen er das: Alltag. Kinderreich und hitlertreu seiner Sittliche Verwahrlosung durch Rassewahn schlafen die Eltern mit ihren teilweise er- als den besseren Teil der Tapferkeit gerade wachsenen Kindern zusammen; auf diesem allzu- menschlichen Gebiet erbei 23 Prozent aller Fälle schlafen ältere wählt hat. Eine Schildbürgerei, komisch und männliche und weibliche Geschwister zu- gräßlich zugleich! sammen. 1 unkeine Kinder Das Königsberger Sondergericht verurteilte einen> politischen HochstapEin Leipziger Soziologe, Wolfgang Knorr, ler<, namens Schafft zu drei Jahren hat sich jetzt der wissenschaftlichen Mühe Zuchthaus. Der Gerichtsbericht gibt einige unterzogen, die sozialen Verhältnisse der Daten aus dem Leben des Angeklagten, und Kinderreichen, insbesondere deren Wohnverhältnisse in dem ihm zuUnterdessen arbeitet die Propagandamasehr gegen bei dieser Gelegenheit wird zu Stadtgebiet untersuchen. den Willen des Berichtserstatters die Tat- gänglichen Die hitlerdeutsche wissenschaftliche Welt schine des Dritten Reiches im Interesse des so die ärztlichen Fachblätter tut nun reicheren Kindersegens zu Nutz und Fromsache enthüllt, daß auch dieser notorische Be- Wie gesagt, die Untersuchung ist jetzt, im trüger wie hunderte seines Faches in den vierten Jahr der Regierung Hitlers und der so angesichts dieser schneidenden Anklage men der deutschen Kriegsaspirationen > 14 Jahren der Schmach< beim besten Wil- Herrschaft bevölkerungspolitischen Knorrs gegen das ganze System der braunen ermüdlich weiter und zwingt in ihre Dienste len nichts werden konnte, im Dritten Reich Ideen, vorgenommen worden; die Kinder- Karnickelpropaganda als wäre sie aus auch die deutsche Rechtspflege oder dagegen bald zu Amt und Würden kam. reichen sind bekanntlich besondere, zum Teil allen Wolken gefallen... Das, nämlich die doch das, was so nach allem von ihr übrig des na- Folgen SO verantwortungslosen Tuns im geblieben ist.>> Heil!<< und> Sieg!<< brüllt jetzt Humoristisch mutet es an, wie der braune sogar privilegierte Schutzbefohlene Zeitungsschreiber sich krampfhaft bemüht, tionalsozialistischen Staates geworden und Zeichen des Spätkapitalismus mit seinen sich der Chor der gleichgeschalteten Gazetten vor das typische Bild zu verschleiern. So macht gar nichts mehr von der Laszivität und vom förmlich überschlagenden Pauperisierungs- Begeisterung über ein erstes>> deutsches UrLiberalismus des> marxistischen Zweikinder- sturzwellen, hätte sie sich vorher klarmachen teil« in Ehesachen, nämlich des Landgerichts systems< ist eigentlich in Deutschland übrig sollen! Man zwingt die Kinder- Köslin, das ein Bauernpaar nur deshalb gegeblieben, wenn man dem offiziellen Trara reichen in die sittliche Verwahr- schieden hat, weil die Frau der Göbbels- Presse Glauben schenken will. losung hinein; aber der berühmte» Bund wollte. Dieser Ruhm hat nun wieder das Herr Knorr hat nun insgesamt 2500 kin- der Kinderreichen<<, der sich in der Republik Berliner Kammergericht nicht schlafen lasderreiche Leipziger Familien» bearbeitet<< durch eine besondere querulatorische Note sen und so hat es seinerseits eine andere Ehe also er ist sehr exakt und geradezu pedan- seiner Agitation auszuzeichnen beliebte, der geschieden, in der der Mann böswillig refütisch vorgegangen. Er berichtet über das Er- ein Jahrzehntlang die ältesten und bornier- sierte... Wenn das so weiter geht, wird im gebnis unter dem Titel» Die kinderreichen Fa- testen» Kämpfer« Hitlers unentwegt an sei- nächsten Jahr schon angeordnet, daß eben milien in Leipzig in der letzten Beilage der nem Busen säugte und der jetzt, im Dritten der Herr» Blockwart<<, der Herr Betriebswissenschaftlichen» Zeitschrift für Geopoli- Reich, eine Art offizielle Parteifiliale mit gut zellenleiter, der Herr Oberscharführer oder tik«. Nach seinen Angaben dort hat er fol- dotierten Bestallungen seiner ewig quängeln- der Herr Kreisleiter über jedem deutschen Vorstandsmitglieder geworden ist, Ehebett die amtlich vorgeschriebene Kinderfinsterem gende Zustände in den Wohn- und Schlafver- den Deutsch an Dr. Max Lewien, den be- hältnissen seiner Studienobjekte vorgefunden: schwört weiter treu zu seinem Landesvater, zahl durch eine Bekanntmachungstafel kenntrüchtigten Kommunistenführer, Bei 50 Prozent der ermittelten Familien obschon dieser für sich selbst die Vorsicht lich machen der damals Mitglied der Regierung des bayrischen Volksstaates war. Sein Freund Lewien hatte wegen der politischen Wirkam der Schwindel heraus. Der Verband,[ Die Verträge enthielten Bestimmungen darren ganz andere Dinge im Kopf, vergaß seinen» Freund und Funker Toni«, und dessen Namen eben so ängstlich verschwiegen über, unter welchen Umständen die deutsche Schafft mußte also die zehn Monate ab- wird wie die Höhe der unterschlagenen Sum- Filmgesellschaft zum Rücktritt berechtigt sitzen.< me, war natürlich ein nationalsoziali- sein sollte. Es hieß darin: Mit anderen Worten: die KPD fiel nicht auf stischer Verband und die Befugnisse den Schwindel herein, und der Betrüger hun- des Herrn Vertrauensmannes scheinen nicht gerte, lungerte und stahl sich in den folgen- ohne gewesen zu sein. den Jahren elend genug durchs Leben. >> Als die Soldatenratswirtschaft in München begann, ging Schafft zum Vollzugsrat, stellte sich als stud. med. und Vizewachtmeister vor und wurde. nun, was wurde er? Staatssekretär? sozialistischer Vertrauensmann? Verbandsleiter? Nein: Schreiber im Kriegsministerium. Lange kann die Herrlichkeit nicht gedauert heben, denn schon im März 1919 wanderte er wegen Betrugs und Urkundenfälschung Gefängnis. ,, Schafft wandte sich am 1. März 1919 mit einem Brief von geradezu ins Dann aber kam mit dem Dritten Reich eine große Konjunktur für Hochstapler: Wir hätten die Karriere dieses kleinen » Wenn Charell durch Krankheit, Tod oder ähnlichen Grund zur Durchführung seiner Regietätigkeit nicht imstande sein sollte, ist die Filmgesellschaft zum Rücktritt berechtigt und der Verlag zur Rückzahlung bereits empfangener Beträge verpflichtet.< Diebes garnicht geschildert, wenn sie den Lebenswegen der vielen großen Diebe nicht > Nach der Machtübernahme gelang es aufs Haar gliche. Von der Republik zu ihm, unter Verschweigung seiner bunten Recht abgelehnt, im Dritten Reich zu Ehren Vergangenheit und gestützt auf die Empals Schreib- und Geld gekommen fehlung eines Gutgläubigen, hilfe beim Amtsgericht anzukommen. Von Gescheiterte sind die Stützen der braunen eigentlich Erich Löwenberg. hier bewarb er sich um den Posten eines Parteiherrschaft. Abteilungsleiters bei einem großen Wirtschaftsverband. Eric Charell ist weder gestorben, noch solche und ähnliche ist er erkrankt. Aber er ist Jude und heißt Dies war der oder körperlches Unvermögen, sondern umfaßt alle Möglichkeiten verschuldeter oder unverschuldeter Verhinderung.< III. Urteil. daß Heinrich Heine hat einmal gesagt, Alter, Krankheit und Judentum die schlimmsten drei Gebresten seien, die einen Menschen betreffen können. Diese bittere Aeußerung des Dichters hat sich das Reichsgericht im Wortsinne zu eigen gemacht. Ja, es ist noch weiter gegangen. Jud sein, das heißt eigentlich schon tot sein. Unter dieser VorausFilmgesellschaft bei Vertragsabschluß be- setzung ist der Spruch der Leipziger Richter richtig. kannt. II. Das Reichsgericht ist erfolgreich in die Er behauptete Mitglied der NSDAP zu Recht ist, was krumm ist Schule der Tyrannen gegangen: Recht ist, sein und auch eine Ortsgruppe in Bayern Die alten Germanen hatten in ihrem Was das Reichsgericht aus diegeleitet zu haben. Ihm wurde nun die was uns gefällt. Die Reichsrichter und mit sem Tatbestand machte. Aufgabe gestellt, eine Buch- Weistum ein Rechtssprichwort: Recht ist, ihnen alle Deutschen werden erstaunt sein, führung für den Verband einzu- was recht ist<<. Und das hieß, daß alles rech- Der Leser wird verstehen, daß die deut- wenn andere Völker diese neue Rechtsregel richten. tens sei, was gerade ist. Ihren Urenkeln ist sche Filmgesellschaft das ihre tat, von dem einmal auf sie selbst anwenden sollten. Als Schafft verhaftet wurde, hinterließ der Vertrage loszukommen. Auch das Reichsgericht tat das seine, den Juden zu prellen. Die Filmgesellschaft hatte gewußt, daß deutsche er die Buchführung des Verbandes in einer es vorbehalten geblieben, dieses Wort solchen Verwirrung, daß es mehr als Väter in sein Gegenteil zu verkehren. 1000 RM und wochenlange Arbeit gekostet hat, sie wieder in Ordnung Außerdem hatte er zu bringen. selbst sein Gehalt erhöht, sich die I. Tatbestand. Ende Februar 1933 hatte eine Kürzung der sozialen Abgaben Filmgesellschaft zwei Verträge geschlossen. verhindert, Quittungen ge- In einem Vertrag, den sie mit einem ausfälscht und zum Schaden des ländischen Theaterverlag einging, erwarb sie Verbandes über Geldbeträge, wenn auch nicht großen Umfan- das Recht, und ging die Verpflichtung ein, ein Werk des Regisseurs Eric Charell ges, verfügt.< zu Optimismus Charell Jude war. Dreh des Reichsgerichts:> Wo wir so ville joldene Medaillen ge> Es war nicht voraus zu sehen, daß die wonnen haben, wenn nu unsre Waehrung Beseitigung des jüdischen Einflusses im nich bald wieder jedeckt is....«< Geistesleben schon in nächster Zeit mit elementarer Wucht auch auf rein künstlerischem Gebiete voll verwirklicht werde.< Charell war weder tot noch krank. Dreh Wen wunderts? Schlagzeile eines Naziblattes in der zweiDen zweiten Vertrag schloß sie des Reichsgerichts: Erst als der Abteilungsleiter behauptete, verfilmen. ten Olympia- Woche:» Deutschland olympier kenne den Führer sehr gut und als er die mit Eric Charell selbst und verpflichtete ihn » Der Vertragswortlaut ,, nicht imstande" scher Sieger und goldene Medaille in der Verleihung des» Blutorden s« beantragte, zur Regieführung. bedeutet keine Einschränkung auf geistiges Dressur- Prüfung.<< Die Wartehalle Im Juliheft der» Literatur« beschwert sich der einer über den Unterhaltungsroman deutschen Presse: am Götterglanz umgleißt euch golden, Balders Burgschloß Breidablick; Speerkampfspiele, Wein und Weibtreu; Hell Walhallas Licht und Lust!< Größe Rußlands vor ihren Augen wiedererstehen. Der Wirt, ehemaliger Rechtsanwalt in Moskau, denkt an die frühere Praxis, der Ober, einst Gardeoffizier Hofe des Zaren, an die glanzvolle Das und ähnliches wird in braunen VerEtikette, und die Mehrzahl der Gäste vielleicht an die vornehmen und fei- anstaltungen rezitiert und das Dortmunder nen Gaststätten in Moskau und Naziblatt nennt den Verfasser» nicht unbePetersburg.< gabte... > Inzwischen ist der große Umschwung in Deutschland gekommen, und die drei hinter uns liegenden Jahre haben so viel Neues, Ungekanntes gebracht, daß sich, möchte Die Zeiten sind vorbei, da Göbbels einst der Laie meinen, auch die Bedingungen für auf die vornehmen Leute schimpfte. Unter den Zeitungsroman grundlegend gewandelt haben. Wir dürfen es beinahe als den Fittichen Hitlers und Mussolinis sammelt daß sich die vornehme reaktionäre Emigration ein Phänomen bezeichnen, sich der Zeitungsroman selbst seither der ganzen Welt. noch gar nicht geändert Während doch die neuen Stoffe auf bekamen in Straße liegen! Gewiß, wir hat. der Weniger Schiller! Das Bekenntnis M. Romantik gewidmet hat und versichert:> Die Romantik gilt hier ersichtlich als eine Beschäftigung, bei der eine gewisse Freizügigkeit in bezug auf die> Wahrheite deshalb möglich ist, weil sie nur als unverbindliche Betätigung der Phantasie empfunden wird.<< Woraus wir wieder schließen: der Hitlerjugend hängt die amtlich gepredigte» Wahrheit< will sagen der Rassenschwindel und der ganze Nazischwinzu Karl May del so zum Halse heraus, daß sie ErAuf einer sogenannten» Rustwoche« der Hitlerjugend in Braunschweig wurde die Frage behandelt, ob der Hitlerjunge Karl May lesen dürfe. Es gab zwei Richtungen. rauhen Mengen Konjunkturangebote. Die E. W. Möller hat ein mittelalterliches Scholle dampfte von morgens bis Mitternacht, durch Frühling, Sommer, Herbst und Bauerndrama geschrieben. Darin beten die Die eine erklärte, daß die Verherrlichung der Winter. Doch nur die Vorzeichen hatten Bauern: sich geändert. Der Dreh der fingerfertigen Macher und ihr bejammernswertes Deutsch aber sind scheußlich wie am ersten Tag. Welch ein Optimismus! Das Deutsch ist Rothäute unvereinbar sei mit dem arischen » O Gott, wie bist du wunderbar. Du Rassenideal. Diese Richtung nimmt also den sendest Stürme und läßest die Türme der Rasseschwindel orthodox toternst und verfalschen Tyrannen erbeben.<< gißt, wie viel Karl May im Rowdytum der Schiller dichtete noch» In Tyrannos« und Nazibewegung in ihren Anfängen gesteckt erheblich scheußlicher geworden, selbst bei emigrierte lieber, als daß er sich beugte. hat. Die andere Richtung» bekannte sich denen, die bis dahin einigermaßen schreiben Hitlers Dichter müssen feinere Unterschiede offen zu Karl May und seinen Helkonnten. Die andern verlernen es infolge machen und von den falschen Tyran- den«. Sie verwies darauf» daß der Nationaldes zwangsweisen Anhörens der Führerreden. nen« sprechen, sonst funkt die Gestapo der Hitlers Emigranten Um zu Es gibt fürs Dritte Reich auch Emigranten, die keine Landesverräter sind. Berlin schmackhafter den Ausländern machen, erzählt der> Westen< von den internationalen Lokalen der Reichshauptstadt. Man liest da vom altrussischen Restaurant: > Schwer und melancholisch klingen russische Heimatmelodien auf und die Gedanken der Gäste, meist russische zurück zu Emigranten, schweifen richtigen dazwischen. Neue Lyrik Es gibt drüben einen Zyklus» Neue nordische Gedichte<, dessen Verfertiger Heinrich Gruber heißt. Wir geben eine Probe: » O der Schlachten, oft geschlagen: Rosse, Ritter, Schild und Schwert! Wahlstattwonnen: Stürzen, Sterben Siegen, Singen; Fest und Freud! Teure Toten, fern in Fremde, Brüderblut von Brunanburh! Trauertränen Ehrenerbe: verlorenen Dingen und lassen die einstige Runenritz, geweiht, bewahrt's! lösung bei Karl May sucht und so triumphiert schließlich der alte Karl May noch über Hitlers Kampf und Rosenbergs Mythos. Göbbels; Weltbester Die» Preußische Zeitung<< wundert sich: » Ist es möglich, daß eine Weltstadt im Verlauf einer einzigen Woche vollkommen ihr Gesicht verändert? Es ist möglich. Das Ereignis der Olympischen Spiele hat Berlin auf den Kopf gestellt.< Und sobald es wieder auf die Beine fällt, sozialismus darauf verzichten könne, der Ju- wird das Verbot des> Judenkenner aufgegend mit dem pädagogischen Zeigefinger zu hoben, wird der> Stürmer« erneut an allen drohen und ihr jede Romantik zu rauben; Straßenecken angeschlagen, wird weiter geeine heroische Jugend wolle Taten erleben foltert, gemordet und geköpft. und wolle und müsse sich an den Abenteuern tapferer Männer begeistern können.<< Die Bekenner Karl Mays waren die mehreren. Es bleibt bei der alten Tradition: mit Karl May zum nationalsozialistischen Heldenideal. Mißverständnis > Warum hamse denn den Kube abgesetzt?<< » Vermute: Kulturbolschewist.<< » Der aber der hat doch den> Totila< Aber nun kommt die» Frankfurter Zei- geschrieben...< tung«, die dieser wichtigen Debatte eine tief-» Jewiß. Un außerdem is er doch der Ersinnige Betrachtung über Pädagogik und finder von diesem Kubismus.< M Arbeiterdeportationen zur Rheinlandbefestigung Facharbeiter unter Kriegsrecht. Militärisches Dienstverhältnis gegen Lohnforderungen. Facharbeitermangel als Folge des Systems Die Deutsche Arbeitsfront hat in ihrem| nehmer in ihrer Arbeiternot beim Wegenga-| Meldung im» Deutschen Volkswirt<< vom 1. schmiede bei B.& V. hatten sämtlich ordApparat umfangreiche Sehulungseinrichtun- gieren von Arbeitskräften die ordnungs- August müssen seit der Wieberbesetzung des nungsmäßig gekündigt und erklärt, daß sie gen geschaffen. Ein Riesenheer von DAF- mäßige Aufkündigung des Arbeitsverhält- Rheinlandes alle am Bau von Kasernen in andere Betriebe übertreten, falls ihnen dort Waltern und Vertrauensräten wird in Lehr- nisses gar nicht erst abwarten, sondern und Befestigungen interessierten Un- höhere Löhne bewilligt werden würden. Ein kursen auf den Ordensburgen gedrillt und mit>> den Gefolgsmann zum Verlassen des Ar- ternehmungen, die sich ebenfalls einander polizeiliches Eingreifen war in diesem Falle dem Mythos der» Volksgemeinschaft<< ver- beitsplatzes von heute auf morgen veran- die Facharbeiter durch Lohnerhöhungen weg- nicht möglich, da jeder Kupferschmied streng traut gemacht. Diese politischen Parteifunk- lassen.< engagierten«, alle Bauvorhaben der öffent- legal und einzeln seine Kündigung einreichte. tionäre werden dann als Feldwebel und Un>> In einem besonders kraẞ liegenden lichen Hand unmittelbar den Arbeitsämtern Es konnte dieser Arbeitsgruppe keinerlei kolteroffiziere auf die Gefolgschaften in den Be- Fall hatte ein Ziegeleibesitzer einen Strei- melden. lektive Aktion nachgewiesen werden, die der trieben losgelassen, wo sie Gelegenheit ha- cher mit seinem Privatauto während der ben, sich bei Betriebsappellen und anderen Arbeitszeit von dem Streicherplatz der soldatischen Veranstaltungen zu bewähren. Nachbarziegelei in sein Werk herüberDas Mitgliedsbuch der NSDAP kann indes geholt.<< bei diesen Vertrauensleuten der Arbeitsfront ihren völligen Mangel an beruf lichen Fachkenntnissen Weise ersetzen. hätte« Die Arbeitsämter deportieren dann Gestapo ein Eingreifen ermöglicht hätte. Die zur Vermeidung von Lohnerhöhungen geforderte Lohnerhöhung mußte Facharbeiter aus den entferntesten Or- schließlich zugestanden werden. ten in die Festungszone. So arbeiten Aber zwei Tage später wurde der BelegDie Arbeitsfront hat jetzt eine Aktion gegen jetzt unter den 120.000 Festungsarbei- schaft durch Aushang bekannt gegeben, das Wegengagieren der Arbeitskräfte einge- tern im Rheinland bereits 80.000 aus>> daß sie sich als in einem militärischen in keiner leitet und auf zwei Urteile des Reichsgerichts Mittel- und Ostdeutschland Depor- Dienstverhältnisse stehend zu betrachten verwiesen vom 16. März 1934 und vom 24. tierte. Noch schlimmer steht es hinsichtlich be- April 1936, in denen das Wegholen der Ar- Nach einem Bericht im Wochenblatt der das heißt, daß künftig Kündigungen der ruflicher Befähigung und Ausbildung bei den beitskräfte als unlauterer Wettbe- DAF» Der Ruhrarbeiter« vom August 1936 Arbeiter nicht mehr möglich sind. Der Krieg Massen der Jugendlichen. Die Jung- werb und als sittenwidrig bezeichnet hatte sich dann zwischen den Unternehmern hat bereits begonnen, deutsche Arbeiter wererwerbslosen wurden in den Arbeitsdienst, in wird. In» Stein und Erde< wird bemerkt, daß ein Ringen um die Facharbeiter entwickelt. den unter Kriegsrecht gestellt. In einer Abdie Landhilfe usw. gesteckt. Auch hier ist es natürlich bei einer ordnungsmäßi- Die bisherigen Unternehmer der Arbeiter hat- handlung von Generalleutnant a. D. von der militärische Drill entscheidend, so daß die gen Aufkündigung des Arbeitsvertra- ten zur Selbsthilfe gegriffen, indem sie ein- Metzsch über Beziehungen zwischen> Arbeit spätere Unterbringung in den Betrieben im- ges jedem Arbeiter frei stehen müsse, den fach die Aushändigung der Ent- und Wehr« wird auseinandergesetzt, daß die mer wieder auf Schwierigkeiten stößt. Nach Arbeitsplatz zu wechseln, wenn er im ande- lassungspapiere verweigerte n. militärische Wehrmacht nicht allein entscheider Ableistung des Arbeitsdienstes erhalten ren Betrieb eine besser bezahlte Arbeit findet. Das Blatt nennt ein solches Vorgehen» un- det, sondern daß sich die Wehrfront aus die Jugendlichen zwar ein Recht auf bevorDeportationen gesetzlich<< und teilt mit, daß diejenigen Un- Wehrkraft und Wehrarbeit zusammensetzt. zugte Arbeitsvermittlung und einen Arbeitsternehmer, die die Arbeiter wegengagieren dienstpaß, doch die eingerichtete besondere und Kriegsrecht wollten, eingegriffen und den Arbeitern bei Aber weit gefehlt, der Arbeiter darf heute Erhalt ihrer Entlassungspapiere geholfen auch innerhalb des Bezirks den Ar- haben. Organisation des» Arbeitsdank« kann die ehemaligen Arbeitsdienstler nicht in Beschäftigung bringen. In den» Herbergen der Heimat« für mittellose Wanderer mußten besondere Abteilungen für die von Ort zu Ort ziehenden Arbeitsdienstler reserviert werden. In den Betrieben wiederum sind die Jugendlichen in den» Werkscharenk mit militärischen Uebungen überlastet, > Die beste Ausbildung der Wehrmacht wird nichts nützen, wenn nicht eine soldatische Geisteshaltung der Nation im Sinne von opferbereitem Verständnis für die wehrpolitischen Zusammenhänge dahintersteht.< beitplatz nicht mehr wechseln. Es ist neuer- Wie dieses Ringen um den Facharbeiter dings auch die bezirklich begrenzte Freizügig- schließlich enden wird, zeigt nun ein Fall, Die deutschen Wehrarbeiter müssen sich dieser keit aufgehoben, so weit eine Hebung des der sich in der dritten Juliwoche bei Blohm ihrer Bedeutung für heute und für kommende Lohnniveaus zu befürchten wäre. Nach einer& VOB abgespielt hat. Die Kupfer- Entscheidungen voll bewußt werden. ebenso wie die ganze Hitler- Jugend in ihrem Kostspieliger GrößenSoldatenleben keine Zeit behält, sich für ihre wahnsinn oder was sonst? berufliche Entwicklung zu ertüchtigen. Die Qualifikation der Jugendlichen für Aemter wird gleichfalls nur nach ihrer militärischen Eignung geprüft, so daß es nicht Wunder zu nehmen braucht, wenn der Nachwuchs an geschulten Fachkräften im Dritten Reich von Monat zu Monat spärlicher werden muß. Man reißt sich um den während die Preiserhöhung für die wichtig-, Mann ist oder nicht, doch, daß ihm den Mosten Lebensmittel weitergehen. nat Haft die Erinnerung an den stattgehabGelegentlich passiert es den Nationalsozia- ten Rehgulasch in seiner Armleuteküche Die Nationalsozialisten lassen dem deut- listen, daß sie ihre eigene Statistik Lügen leichter machen möge. Zur Moral aber von schen Volke die Parteiparaden und ihr Pro- strafen. Das geschieht jetzt in bezug auf den dieser» bemerkenswerten« Geschichte-? Eine pagandabedürfnis eine riesige Menge Geld Lebenhaltungsindex und auf das angebliche Parforcejagd ist immerhin noch Gotteskosten. Das Reich, die Länder, die Gemein- Gleichbleiben der Lebensmittelpreise durch dienst gegenüber dem sozialen den und Verbände haben die Aufwendungen Angaben, die in dem soeben erschienenen Geist und Gehalt dieses Staates, für die dringlichste Sozialfürsorge streichen Kleinen Berliner Taschenbuch der den von August dem Starken oder des müssen, sie haben dem Wohnungsbau den Zu- enthalten sind. Ein Vergleich der durch- fünfzehnten Ludwig durchaus beschämt. Daschuß entziehen müssen, weil Sparsamkeit schnittlichen Lebensmittelpreise aus dem mals durften die Bauern ihre Felder nicht zum obersten Prinzip erklärt wurde. Jahre 1935 mit denen des Jahres 1932 ergibt düngen, damit das folgende Bild. Es kosteten: Gleichzeitig treiben die Nazis aber Facharbeiter die ärgste Verschwendungssucht! Läßt sich ein Heute ist es soweit gekommen, daß das Hinauswerfen von vielen Millionen Mark für Regime seine wachsende Sorge über unsinnigere Zwecke denken, als für die soMangel an Facharbeitern nicht mehr verbergenannten Reichsparteitagsbauten? gen kann. So schreibt» Stein und Erdek vom 1. August: Gehacktes Rindfleisch Speck Schweinefett Zucker • Eier, 1 Stück Es wird hergerichtet ein Gelände von 8 Molkereibutter Kilometer Länge und 3,5 Kilometer Breite. Margarine » Der Mangel an Facharbeitern, der in der Salz Die Zeppelinwiese soll Platz für 320.000 Menletzten Zeit in einigen Industrien und in schen bieten. Der Mittelteil der Tribüne wird der Landwirtschaft aufgetreten ist, hat eine 23 Meter hoch sein. Die Steinverarbeitung unangenehme Begleiterscheinung zur Folge, ist angeblich von 600 Kubikmeter im vorigen die sich schon nachgerade zu einer Störung Jahre auf 11.000 Kubikmeter gesteigert wordes Arbeitsfriedens auswächst: Das Weg- den. Nicht weniger als 34 Steinbrüche seien engagieren der Arbeitskräfte.<< Ebenso schreibt der» Wehrdienst< 8. August: vom >> und wenn der Nachwuchs an Facharbeidafür in Betrieb. Fünfmal so groß als die Zeppelinwiese soll das Märzfeld werden. Eine Kongreßhalle wird 260 Meter lang, 224 Meter tief und 60 Meter hoch sein! Außerdem tern fehlt, so ist das ebenso schlimm, als werden noch ein Kongreß- und ein Konzertwenn Rekruten fehlen.<< Der Mangel an Facharbeitern tritt zur Zeit in der Metallindustrie und im Baugewerbe am schärfsten in die Erscheinung. Die gelernten Arbeiter wären daher in der Lage, den an ihnen verübten Lohnabbau der letzten drei Jahre heute spielend auszugleichen, gäbe es im Dritten Reich einen freien Arbeitsmarkt. Aber bekanntlich können Lohnforderungen nur mit der Gefahr von Verhaftung und Konzentrationslager erhoben, werden, saal gebaut. Da das Gelände für solche große Bauten nicht geeignet ist, müssen nach dem Nürnberger Naziblatt besondere Vorkehrungen getroffen werden, um den zu lockeren Boden für solche Anlagen tragfähig zu machen. Durch zahlreiche Rohre, die sich 14 Meter in den Erdboden hineinbohrten, werde Quarzsand und Granitsplit in den Untergrund gepreßt. Er erhalte dadurch eine Festigkeit, welche an die des Felsens heranreiche. Außerdem werde der Boden noch maschinell durch • den die Rebhühner nicht Dung- Geschmack annahmen. Ein totes Reh1932 1935 kitz aber kostet im Dritten Reich, widerRM RM rechtlich aufgefressen,» an sich< drei Mo1,40 nate; was mag eigentlich dort» an sich< 2,18 1,86 ein totgeschlagener Marxist wert sein? • 1 kg 1,25 1 1,72 99 1 • 99 0,91 1 2,76 99 3,09 1 99 1,29 1,81 0,21 99 0,30 1 0,71 99 Hojotoho.....! Meldung einer Nazi0,75 Zeitung: Bad Salzuflen. Ein hier zu Be0,07 0,13 such weilendes, etwa 12 Jahre altes Diese Aufstellung zeigt, welches Tempo die Mädchen warf beim Spiel mit einem Lebensmittelteuerung in Deutschland einge- Speer nach dem Bruder und traf dessen schlagen hat. In der gleichen Zeit sind Auge. Der Junge wurde sofort in ein Detaußerdem die Preise für Bekleidung und für molder Krankenhaus gebracht, wo festgestellt Gegenstände des täglichen Bedarfs gestiegen, wurde, daß das getroffene Auge rettungswährend Preissenkungen nur vereinzelt und los verloren ist. nur in ganz geringfügigen Ausmaße erfolgt sind. Demnach müssen also auch die Lebenshaltungskosten viel mehr gestiegen sein, als das der amtliche Index anzeigt. Da seit 1932 die Löhne und Gehälter gedrückt worden sind und den Millionen UnterNeuer Vorwärts Gozialdemokratisches Wochenblatt Herausgeber: Ernst Sattler; verantstützungs- und Rentenempfängern gleichfalls wortlicher Redakteur: Wenzel Horn; das Einkommen gekürzt worden ist, so macht Druck:> G rap hi a«; alle in Karlsbad. der wiedergegebene Vergleich auch das Zeitungstarif bew. m. P. D. Zl. 159.334/ VII- 1933. des Sinken des Lebensstandard deutschen Printed in Czechoslovakia. Volkes anschaulich. Rütteln und Stampfen verdichtet; bis zum Ein Reich, in dem Ordnung der Einzelnummer im Ausland Kč 2.-( Kč Oktober würden 14 Riesenrammen laufen. Deutschland Der» Neue Vorwärts« kostet im Einzelverkauf innerhalb der ČSR Kč 1.40( für ein Quartal bei freier Zustellung Kč 18.-). Preis 24. für das Quartal) oder deren Gegenwert herrscht in der Landeswährung( die Bezugspreise für Es bleibt so den Facharbeiter nur der Schließlich werde in den so befestigten Bo das Quartal stehen in Klammern): Argentinien Ausweg, seinen Arbeitsplatz aufzugeben und den eine Betonplatte von 3,5 Meter eine einzige Reichs- Pes. 0.30( 3.60), Belgien: Belg. Frs. 2.45( 29.50) in ein anderes Werk zu gehen, das ihm jägermeisterei. Bulgarien Lew 8.-( 96.-). Danzig Guld. 0.45 Dicke eingelegt, um das Fundament vor höheren Lohn bezahlt. Die Hitler- Diktatur ( 5.40), Deutschland Mk. 0.25( 3.-), Estland Grundwasser zu schützen. 16.000 FüllIn der reichsdeutschen Jagdpresse des E. Kr. 0.22( 2.64), Finnland Fmk. 4.-( 48.-), will aber die Löhne>> stabil« erhalten und säulen seien notwendig, um den Untergrund Monates August( vorn ist die von drei oder Frankreich Frs. 1.50( 18.-), Großbritannien sie hat deshalb zum Schutz der Rüstungsin- mit einwandfreiem Material zu durchdringen. gar vier Reichsministerunterschriften ge- d 4.-( Sh. 4.-), Holland Gld. 0.15( 1.80), Itadustrie gegen aufsteigende Löhne bereits am 80 Eisenbahnwagen würden täg- deckte und garantierte, vor lauter Humani- lien Lir. 1.10( 13.20), Jugoslawien Din. 4.50 15. Januar 1935 einen Erlaß gegen die lich verarbeitet, und zur Abfertigung tät nur so stinkende Verordnung des Herrn 0.55( 6.60), Luxemburg B. Frs. 2.45( 29.50), ( 54.-), Lettland Lat. 0.30( 3.60), Litauen Lit. Freizügigkeit herausgebracht. dieser Mengen sei ein eigener Bahnhof Göring abgedruckt, nach der nunmehr Norwegen Kr. 0.35( 4.20), Oesterreich Sch. nach dürfen die Facharbeiter und die techangelegt worden. > Jagden vom Pferde aus«( Parforcejagden) 0.40( 4.80), Palästina P. Pf. 0.020( 0.216), nischen Angestellten in der Metallindustrie Polen Zloty 0.50( 6.-), Portugal Esc. 2.dabei anscheinend verboten sind) lesen wir folgendes: Arbeit außerhalb ihres Bezirkes nur noch überhaupt keine Rolle, denn die riesigen Mit( 24.-), Rumänien Lei 10.-( 120.-), Schweden Kr. 0.35( 4.20), Schweiz Ffs. 0.30( 3.60), mit Genehmigung des zuständiSpanien Pes. 0.70( 8.40), Ungarn Pengö 0.35 gen Arbeitsamtes annehmen. ( 4.20), USA. 0.08( 1.-). DaDie Kosten spielen tel, die dafür notwendig sind, werden ja dem armen deutschen Volke abgeschröpft. Eine Der Mangel an Facharbeitern hat aber in Frage jedoch drängt sich noch auf: welche letzter Zeit einen solchen Grad erreicht, daß militärische Zweckbestimmung auch diese Beschränkung der Freizügigkeit hat diese riesige Anlage? nicht mehr ausreichte. Der» Volkswirt< Nr. 44 schrieb: >> Werber von einzelnen Unternehmungen reisen in ihrem Bezirk umher und ziehen die Arbeiter durch höhere Löhne zu sich herüber.<<< Der gefälschte Lebenshaltungsindex in » Bemerkenswertes Urteil. Das Amtsgericht Kronach verurteilte am 22. Juli 1936 den Erntehelfer Georg D. zu einem Monat Gefängnis. Tatbestand: ein in die MähmaEinzahlungen können auf folgende Postschine geratenes Rehkitz war so schwer scheckkonten erfolgen: Tschechoslowakei: verletzt, daß es D. mit Einwilligung seines Zeitschrift> Neuer Vorwärts< Karlsbad. Prag Dienstherrn tötete. Gegen dessen Anwei- 46.149. Oesterreich:> Neuer Vorwärts< Karlssung lieferte D. das Kitz nicht bei dem bad. Wien B- 198.304. Polen:» Neuer Vorwärts< Jagdpächter ab, sondern nahm es für die Karlsbad. Warschau 190.163. Schweiz:> Neuer Küche mit nach Hause. Der Staatsanwalt Vorwärts< Karlsbad. Zürich Nr. VIII 14.697. bemerkte in seinem Plädoyer, daß für diese Ungarn: Anglo- Čechoslovakische und Prager Tat an sich drei Monate Gefängnis ver- Creditbank Filiale Karlsbad. Konto> Neuer wirkt wären. Der Kreisjägermeister des Vorwärts< Budapest Nr. 2029. Jugoslawien: Kreises Kronach.< Anglo- Čechoslovakische und Prager CreditDer amtliche Lebenshaltungindex des Deutschen Reiches gibt die fortschreitende Das Mitteilungsblatt» Stein und Erde« berich- Teuerung nicht wieder. Er verändert sich Wir wünschen schon dem Erntehelfer D. bank, Filiale Belgrad, Konto» Neuer Vorwärts<, Beograd Nr. 51.005. Genaue Bezeichtet aus der Ziegelindustrie, daß die Unter- von Monat zu Monat nur ganz geringfügig, unbeschadet darum, ob er vielleicht SAnung der Konten ist erforderlich.