IVr. 16$ SONNTAG, 30. August 1936 tttecfonHatf Verlag; Karlsbad, Haus„Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt: Frauen im Konzentrationslager Das Moskauer Terrorurteil Hoffnung auf Sieg in Spanien Geheimnisse brauner Steuern Die Brandfadcel über Europa Hilst ungstr eiberei bis zum Weißbluten.— Verdoppelung der Militärdienstzeit Hitler hat auf dem Verordnungswege die militärische Dienstzeit in Deutschland auf zwei Jahre verlängert. Das bedeutet die Verdopplung des stehenden Heeres— von 550.000 auf 1,100.000 Mann, wobei der Arbeitsdienst nicht eingerechnet ist. Die Schraube des Wettrüstens wird erbarmungslos weitergedreht. Diese Maßnahme ist von entscheidender Bedeutung für den künftigen inneren Kurs des Systems. Sie steht neue gewaltige finanzielle Ansprüche. Sie bedeutet die Zurückweisung aller jener Pläne, die aus finanzpolitischen und wirtschaftspolitischen Gründen eine Verlangsamung des Rüstungstempos vorschlugen. Sie zwingt das System zu neuer verschärfter Ausbeutung der Arbeiterschaft und der ganzen Bevölkerung— damit zur Verschärfung des Terrors. Sie setzt die Ruinierung der Konsumgüterindustrie und der Exportindustrie zugunsten der Rüstungsindustrie fort. Sie bringt mit einem Ruck den Zeitpunkt näher, an dem das System zum Kriege greifen muß, weil es keine Möglichkeit der weiteren Steigerung der Rüstung mehr sieht. Diese Maßnahme vergiftet aufs neue die internationale Situation. Sie zeigt, daß das System sich nicht mehr an frühere feierliche Erklärungen gebunden hält. Zu diesen Erklärungen gehört die Zusicherung, daß Deutschland seine Heeresstärke nicht über 550.000 Mann bringen werde, ebenso die zeitlich befristete Zusicherung, daß es das Rheinland nicht befestigen werde. In dem Zeitraum, der angeblich der Vorbereitung einer europäischen Friedenskonferenz dienen soll, belastet das braune System die europäische Lage mit einer gigantischen Verstärkung seiner militärischen Macht, die nur zu deutlich den Willen zur militärischen Ueberiegenheit, zur Vorherrschaft in Europa erkennen läßt. In diesem Geiste will es auf die europäische Konferenz gehen. Nach der Kheinlandbesetznng, nach der demonstrativen Nichtbeantwortung des englischen Fragebogens eine provokatorische Heeresvermehrung, die namentüch in Frankreich als Kundgebung für den Willen zum Ueberf allkrieg, zur Diktatur über Europa angesehen wird. Das ist die Antwort des braunen Systems auf den ausgesprochenen eindeutigen Friedenswillen der westeuropäischen Demokratien. Statt des Friedens eine Rüstungstreiberei bis zum Weißbluten, die verstärkte Kriegsgefahr bedeutet! Statt der Abrüstung eine Aufrüstung, die nahezu schon Mobilmachung ist. Das ist das wahre Gesicht des braunen Systems, das nach der Olympiade die Maske abwirft! Für Spanien Internationale Arbeitersolidarität Die Streitkräfte der republikanischen spanischen Regierung setzen ihre erfolgreiche Verteidigung gegen die konterrevolutionäre Militärrebellion fort. Die europäischen Mächte haben sich untereinander verpflichtet, keine Waffen nach Spanien zu Uefern. Alle Beobachter stimmen darin Uberein, daß die Regierung siegen werde, wenn den Rebellen keine Waffen mehr geliefert werden. Diese günstige Wirkung der Liefersperre hängt von zwei Voraussetzungen ab: 1. daß die Waffen sperre eingehalten wird; 2. daß die Rebellen nicht inzwischen im großen Stile bewaffnet worden sind. Die Einhaltung der Waffensperre gegen die Rebellen zu überwachen, ist die Pflicht der Arbeiter aller Länder. In England, Frankreich und Belgien hat die Arbeiterschaft Beispiele der Solidarität gegeben. Sie hat den Abgang von Waffentransporten für die Rebellen verhindert, sie hat, wie in der De Havilland Company— einer englischen Flugzeug- firma, von der Flugzeuge zu den Bebellen gegangen waren— durch ernste Vorstellungen die Zusicherung der Nichtlieferung erreicht. Diese Kontrolle durch die Arbeiterschaft ist um so notwendiger, als die reaktionären Kreise aller Länder mit den Rebellen sympathisieren. So hat der»Daily Herald« enthüllt, daß Finanziers in der City von London Sammlungen für die Rebellen eingeleitet haben. Darüber hinaus aber beweisen die Arbeiterparteien dem spanischen Freiheitskampf praktische Solidarität. In einer Sitzung der Vertreter der Sozialistischen Arbeiterinternationale und des Internationalen Gewer k- schaftsbundes in Paris wurde festgestellt, daß der Aufruf der beiden Internationalen zur Solidarität prachtvolle Aufnahme gefunden habe. Nach Berichten von J o u h a n x und deBrouckere, die aus Spanien zurückgekehrt sind, hat diese Sitzung eine gewisse Anzahl von Maßnahmen getroffen, die dem Interesse der für ihre Republik kämpfenden spanischen Arbeiter entsprechen. Hoffnung ntff Sieg Der spanische Ministerpräsident Girat hat dem»Daily Herald« Erklärungen abgegeben, in denen es heißt: »Ich bin mit dem Verlauf des Krieges mehr als zufrieden. Ich habe große Hoffnungen. Es ist ein Krieg, ein überaus ernster Bürgerkrieg, aber ich habe große Hoffnungen, daß er in nicht aliznianger Zeit vorüber sein wird. Wenn wir gesiegt haben werden, so wird das unmittelbare Ergebnis ein großer Fortschritt in den sozialen Bedingungen des Volkes sein. Ich bin mit der Zusammenarbeit von Sozialisten, Kommunisten und Syndikalisten absolut zufrieden. Sie sind in ihren Forderangen nie über das Programm der Volksfront hinausgegangen und ihre Unterstützung Ist der Regierang gegenüber absolut loyal gewesen. Die Regierung ist eine ausschließlich republikanische Regierung, und sie wird es bleiben.« Von Korruption zerfressen! Nach Kube— Görlitzer Der Berliner stellvertretende Gauleiter Görlitzer ist im Znsammenhang mit dem Kubeskandai verhaftet worden. Auch er wird schlimmster Korruption bezichtigt. Der Kassenverwalter Rottenhofer der Gauverwaltung Köln der Arbeitsfront ist nach Unterschlagung von 80.000 Mark geflohen. Xeue Terpopurteile Die Gestapo in Hamburg beginnt bereits jetzt noch bevor das Todesurteil gegen Edgar Andre bestätigt ist, die im Prozeß aufgetretenen Entlastungszeugen in Konzentrationslager einzuliefern. Bekannt wurden die beiden Fälle der Zeugen Paul Tastesen und Anton Saefkow aus Hamburg. Neben dem Prozeß Andre wurde vor den Hamburger Gerichten zu gleicher Zeit eine Serie weiterer politischer Prozesse erledigt. So wurden allein am 28. Juli von einem Hamburger Gericht 12 Angeklagte: JUr- gensen, Kappelmann, Thomsack, Nlethe, Büsen, Rathenau, Okon, Sänger, Homan Falkenhagcn, Schmidt, Dyrkopp, Bieber, Fölster, zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt. Keine Zeitung berichtete auch nur mit einem Worte von dem Urteil. Die Form der Verhandlungsführung ist bedingt durch die Masse der Inhaftierten, die abgeurteilt werden sollen. Die Norm Ist: 1. Tag Vernehmungen zur Person, 2. Tag Anklage und am 3. Tag wird meistens bereits das Urteil gefällt. Die Verteidiger sind in sämtlichen Prozessen Offizialverteidiger. Der größte Teil der bisher Abgeurteilten wurde in das Gefängnis nach Rondsburg transportiert, dessen Belegschaft in ganz kurzer Zeit von 400 auf 1000 Gefangene gestiegen ist. Es befinden sich sehr viele Frauen unter den Abgeurteilten, So erhielt z. B. eine Frau Huthmann 3 Jahre Zuchthaus, eine Frau Schmidt 2 Jahre. Willkür lldie Strafverlängerung Aus Deutschland wird jetzt der zweite Fall offiziell gemeldet, in dem ein politischer Gefangener nach Verbüßung seiner Strafzeit in Sicherheitsverwahrung genommen wurde. Der erste Fall im Mai d. J. betraf den Kommunisten Rückert, der im Zusammenhang mit dem Totschlag an Horst Wessel noch vor Hitlers Machtergreifung zu sechs Jahren Zuchthaus verurteüt worden war. Der zweite betrifft ebenfalls einen Kommunisten, der nach der>Fr. Ztg.« im November 1931»wegen Ueberfalls auf Nationalsozialisten«(das Nähere wird nicht angegeben) In Düsseldorf fünf Jahre Zuchthaus erhielt und jetzt seine Strafzeit verbüßt hat. Er soll mehrfach vorbestraft sein, ob wegen politischer oder krimineller Delikte, geht aus der Meldung nicht hervor. Jedenfalls beantragte der Staatsanwalt gegen ihn jetzt nachträglich die Anordnung der Sicherheitsverwahrung und die Große Strafkammer Düsseldorf entschied entsprechend. Man sieht aus diesen beiden Fällen: Sy stematisch wandeln die braunen Machthaber, die unter der Weimarer Republik verhängten zeitlichen Freiheitsstrafen in lebenslängliche um(denn das bedeutet die Anordnung der Sicherheitsverwahrung praktisch), und zwar geschieht das, wenn das Rachemotiv wegen Verletzung eines der ihren im Vordergrund steht Diese nachträgliche willkürliche Straferhöhung bildet das würdige Seitenatück zu den Strafgesetzen mit rückwirkender Kraft, die den Täter einer zur Tat noch gar nicht angedrohten Strafe belasten. Ein Szenenwechsel Nach dem Panthersprung das neue BUstungsprogramm Das braune System hat plötzlich die Richtung seiner hysterischen außenpolitischen Aktivität gewechselt. Es bekennt sich zum Prinzip der Nichteinmischung in Spanien, es erläßt ein Ausfuhrverbot für Waffen nach Spanien, es stimmt seine künstliche Entrüstung über den Fall des Dampfers»Kamerun« herab. Das Spanienabenteuer des neudeutschen Imperialismus wird in die zweite Linie gestellt. In die erste Linie kommt statt dessen wieder die provokatorische Rüstungspolitik; Verlängerung der Dienstzeit auf zwei Jahre, Versuche zur Bildung militärischer Allianzen in Mitteleuropa, die Befestigung des Rheinlands. Das spanische Abenteuer des braunen Systems war ein mindestens so gefährliches Spiel mit dem Feuer wie seinerzeit der Panthersprung nach Agadir. Es war geradezu eine Kopie dieser wilhelminischen Glanzleistung. Man muß annehmen, daß der auf den Obersalzberg befohlene Admi- ral Raeder seinem»Führer« einen instruktiven Vortrag darüber gehalten hat, welche Wirkungen es haben könne, wenn er es wirklich zu einem offenen Konflikt in der Nähe von Gibraltar treiben würde, und daß die deutschen Schiffe wohl geeignete Instrumente gegen die schwachen spanischen Regierungsschiffe sind, nicht aber gegen englische und französische Schiffe. Die deutsche Presse hat eben noch auf Befehl laut über den Fall des Dampfers»Kamerun« losgeheult. Spanische Regierungsschiffe haben ihn angehalten und festgestellt, daß er Benzin für die Rebellen mit sich führte. Deswegen wurde die spanische Regierung eine Anarchistenbande, eine Piratenrotte genannt. Deswegen wurde im Stile Wilhelms II. mit Selbsthilfe, mit Eingreifen der deutschen Flotte gedroht. Jetzt ist das alles mehr in den Hintergrund gerückt, und Hitler hat sich bequemt, den Vorschlag der Nichteinmischung anzunehmen. Die nationalistisch aufgeregte braune Presse muß sich wieder abregen. Aber Mussolini war noch rascher: Er hat früher noch als Hitler den Nichteinmischungsvorschlag angenommen, und diese Tatsache ist es gewesen, die die Annahme durch Hitlerdeutschland nach sich gezogen hat. Warum hat Mussolini, der wahre Hintermann Francos und dessen bester Lieferant, es plötzlich eilig gehabt? Hält er Franco für hinreichend versorgt oder hält er die Sache der Rebellen bereits für verloren? Oder ist er über die wahren Absichten seines Bundesgenossen Hitler unruhig geworden? Hier verknüpft sich das spanische Abenteuer der beiden Faschistenführer mit dem mitteleuropäischen Problem. Die Ansprüche Deutschlands und Italiens in Mitteleuropa sind keineswegs schied- lich-friedlich verteilt worden. In Oesterreich ist ein erbittertes unterirdisches Ringen zwischen dem deutschen und dem italienischen Einfluß im Gange, ebenso in Ungarn. In Ungarn sind die Dinge noch offener als in Oesterreich. Mussolini will den Ministerpräsidenten Gömbös durch Bethlen ersetzen, aber Hitler ist für Gömbös, den Freund Görings. Die deutsche Propaganda bearbeitet Jugoslawien auf das stärkste mit deutlicher Spitze gegen Italien. Sie rechnet Jugoslawien vor, daß der italienische Imperialismus ein Lebens- interesse an der Losreißung Kroatiens habe, und sie will mit solchen Argumenten erzielen, daß sich Jugoslawien in die Arme Hitlerdeutschlands wirft. Die Dauerberatung des braunen Systems mit den Balkanherrschern und Diplomaten, der Besuch Horthys bei Hitler— welche historische Begegnung übrigens zwischen diesen beiden Männern des gegenrevolutionären Terrors — die Sondierungen über die Herstellung einer d eu t s c h- ö s t e r r e i- ch i s c h- u n g ar i s c h e n Militärkonvention— das alles zeigt das Streben des braunen Systems nach der Vorherrschaft auf dem Balkan, das sich mit dem gleichen Streben Mussolinis keineswegs verträgt. Diese Treibereien auf dem Balkan sind ein ebenso gefährliches Spiel wie die Machenschaften gegen das republikanische Spanien. Sie werden von den Staaten der Kleinen Entente mit großem Emst betrachtet. Die verlogene, brandstiftende Propaganda des ungarischen Revisionismus ist in diesen Tagen von der»Prager Presse« mit großer Ruhe aber noch größerem Nachdruck zurückgewiesen worden, und die Interventionslust gewisser deutscher und englischer Revisionspolitiker in die innerstaatlichen und territorialen Verhältnisse der Nachfolgestaaten ist eine deutliche Deklaration des tschechoslowakischen Staatspräsidenten entgegengesetzt worden. Die abenteuernde hysterische Politik des Dritten Reiches muß erkennen, daß die Machtlage noch keineswegs für den großen Putsch reif ist. Daher die Fortsetzung der Aufrüstung in verstärktem Tempo. Zur Begründung der Verlängerung der Dienstzeit, die auf eine glatte Verdoppelung des stehenden Heeres in Deutschland hinausläuft, muß wieder das bolschewistische Gespenst herhalten. In den Tagen vor der Verkündung der Hitlerverordnung über die Verlängerung der Dienstzeit hat sich die nationalsozialistische Presse geradezu überschlagen in der Hetze gegen Sowjetrußland. Im Deutschen Nachrichten-Büro konnte man lesen; »Man hat Kronstadt das»rote Malta« genannt. Hier bereitet sich die Flotte des Weltbolschewismus auf den Tag vor, an dem sie nach dem Willen Stalins und der Komintern im Dienste der Weltrevolution auslaufen soll.« Der»Völkische Beobachter« schrieb am 21. August: »Aus allen frechen Provokationen menschlicher Moral und europäischer Kultur durch die Greuelparolen der Moskauer Agenten wird klar und deutlich, daß man dort jetzt den direkten Wunsch hat, den spanischen Bürgerkrieg zum Anfang eines bolschewistischen Weltbrandes zu machen. Im Hintergrund steht darauf wartend die rote Armee, um ihren Marsch gegen die letzten Staaten der europäischen Ordnung und Zivilisation anzutreten.« Die letzten Staaten europäischer Ordnung und Zivilisation— das sind offenbar die Despotien Hitlers und Mussolinis! Aber: den bolschewistischen Sack schlägt man und den englischen und französischen Esel meint man. Wenn die deutsche Diktatur aus ihrem spanischen Abenteuer den Schluß zieht, daß sie noch stärker rüsten muß, so heißt das: wir wollen so stark werden, daß uns bei einem künftigen Abenteuer nicht mehr Frankreich, aber auch nicht mehr England hemmend in den Weg treten kann. Darüber ist nicht der mindeste Zweifel möglich. Wir haben kürzlich vorausschauend bemerkt, daß schließlich bei der braunen Propaganda selbst ein Mann wie Sir John Simon es noch zum Bolschewisten bringen könne. Nun, heute ist es soweit. Dieselbe Propaganda, die mit wilder Bol- schewistenhetze Begleitmusik zu der neuen deutschen Heeresverstärkung macht, fällt wütend über die Männer des englischen Liberalismus und der englischen Demokratie her, die angesichts der Rebellion der spanischen Faschisten an die große demokratisch-liberale Tradition Englands erinnern— und das sind die angesehensten Männer Englands. Sie nennt sie(siehe »Völkischer Beobachter«)»Salonbolschc- wisten liberaler Prägung, Klubsesselspartakisten«. Ist die Zweckbestimmimg der neuen Aufrüstung nicht klar? Sie dient dem Angriff auf alles, was in Europa mit den Ideen der Freiheit und der Demokratie verknüpft ist, sie soll freie Bahn schaffen für die wahnwitzige Politik imperialistischer Abenteuer und Brandstiftung. Der Moskauer Terrorprozell Der blutige Machtkampf um die Nachfolge Lenins Auf Grand des Urteils des anßerordent- liehen Gerichts sind in Moskan 13 Kommunisten erschossen worden, unter ihnen führende Mitglieder der alten kommunistischen Garde und ehemalige höchste Staatsfunktionäre, wie Kamenew, Sinow- j e w und S m i r n o w. Mit einem neuen Prozeß und Erschießung sind bedroht weitere alte Kommunisten, wie Bucharin, Rykow, Sokol- nikow, Radek. Der alte Kommunist T o m s k I hat Selbstmord begangen. Das Staiinsche Regime kündigt einen Ausrottungsfeldzug gegen die gesamte Opposition an. Höchste Staatsfunktionäre und höchste Offiziere, sowie Großwürdenträger der Partei werden damit bedroht. Es ist das Ende der alten Bolscbewild. Der Moskauer Prozeß hat die Blicke der Welt auf die innere Struktur des Sowjetregimes gelenkt. Von allen großen politischen Prozessen, die seit der Entstehung des Sowjetregimes in Rußland geführt worden sind, ist dieser der aufwühlendste. Alle diese Prozesse, denen durch großzügigste Propagandamethoden eine gewaltige Resonanz in Rußland gegeben worden ist, haben nach außen hin nicht propagandistisch für die Sowjetunion gewirkt. Es war dies auch nicht ihre Zweckbestimmung. Auch dieser Prozeß ist eine innere Angelegenheit des Sowjetregimes. Das schließt nicht aus, daß aus ihm Schlüsse auf die Stabüität und Kontinuität der gegenwärtigen Herrschaft in Sowjetrußland gezogen werden und daß er auf die europäische Stellung der Sowjetunion zurückwirken kann. Er trägt alle Merkmale der bisherigen politischen Prozesse in Sowjetrußland, einer Gerichtsbarkeit in einem Diktaturlande, die verurteilt, aber keine restlose öffentliche Klärung hinterläßt. Es ist charakteristisch, daß die ganz allgemeine Frage außerhalb Sowjetrußlands diesem Prozeß gegenüber nicht ist;»Wo ist Recht und Unrecht, was ist Wahrheit?«, sondern daß sie lautet:»Was sind die Motive? Welcher Zweck soll mit diesem Prozeß erreicht werden?« In der Tat sind die Begriffe Recht und Ünrecht auf diesen Prozeß nicht anwendbar. Die Verurteilten waren weder im Recht noch im Unrecht. Ihr Unrecht bestand lediglich darin, daß sie die Schwächeren waren. Denn dieser Prozeß ist nichts ande- resals der blutige Abschluß eines Machtkampfes, der nach L e ni n s T o d üb e r ein Jahrzehnt geführt worden ist. Es war der Kampf um die Nachfolge. Lenin hatte eine natürliche Autorität. Dank seiner natürlichen Autorität und dank seiner überragenden politischen Klugheit vollzogen sich Meinungsbildung und Entschlußfassung in der russischen kommunistischen Partei— Zumindestens in ihrer führenden Schicht, in demokratischen Formen, die einen Kampf auf Tod und Leben um Streitfragen verhinderten. Nach seinem Tode ist die führende Schicht der KPR zerrissen worden von wüden persönlichen Machtkämpfen. Verschiedene Gruppen und Anwärter um die Herrschaft kämpften gegeneinander mit den Mitteln der innerparteilichen Konspiration und des Terrors. Die Verurteilten des Moskauer Prozesses sind nicht weniger diktatorisch gesinnt als die Freunde Stalins, sie haben zum Teü nicht weniger nach der Alleinmacht und der Vernichtung der anderen gestrebt. Dieser Kampf um die Herrschaft ist mit Theorien und Verhüllungsideologien umgeben worden. Verschiedene Plattformen, der Kampf um die sogenannte Generallinie, die Taktik in verschiedenen außenpolitischen Fragen, die Verteilung des Schwergewichts zwischen Arbeitern, Bauern und kommunistischer Partei haben in diesem Kampfe eine große ideologische Rolle gespielt. Aber die Politik des Stalin- schen Regimes war weitgehend zwangsläufig, von großen gesellschaftlichen Notwendigkeiten bestimmt. Ein anderes Regime— ein Regime Trotzki-Sinowjew z. B.— hätte in der großen Linie sich den gleichen Notwendigkeiten beugen müssen. Die Staiinsche Generallinie enthält so sehr wesentüche Elemente der Trotzkischen Plattform, daß aus der Sache nicht klar wird, warum dieser unerbittliche Kampf geführt werden mußte. Das ist es auch, was die großen Auseinandersetzungen, die Kämpfe in der russischen kommunistischen Partei den Beobachtern von außen fast unverständlich gemacht hat Der Streit um Theorien, um die Geschichtsschreibung, um die Auslegung der Geschichte, um die Auslegung der Lehre Lenins— alles das verhüllte nur den persönlichen Machtkampf, der um die Kommandohöhen der Partei geführt wurde. Es ist ein erbitterter, erbarmungsloser, haßerfüllter Kampf gewesen, in dem Parteiausschluß, Verhaftung, Verbannung, Existenzvernichtung, Mord und Selbstmord ihre Rolle gespielt haben. Das innere Gesetz der Parteidifctatur und der Diktatur in der Partei, die Abwesenheit jeder wirklichen Selbstverwaltung und die damit verbundene zentrale bürokratische Diktatur, die Abwesenheit einer öffentlichen Parteimeinung, das innere Gesetz der neuen Bürokratie— alles dies hat in den Jahren des Kampfes zugunsten Stalins gewirkt. Er hat eine Opposition nach der anderen rücksichtslos niedergeworfen. Ein Teil der Männer, die das Todesurteil getroffen hat— so Sinowjew haben in den ersten Phasen dieses Machtkampfes gemeinsame Sache gemacht mit ihm zur Vernichtung Trotzkis, mit dem sie sich später gegen Stalin verbündet haben, und mit dem gemeinsam sie jetzt I die tödliche Anklage traf. Das innere Gesetz der Diktatur und des Terrors, das sie alle bejahen, hat gegen sie und für Stalin entschieden. In der gegen sie erhobenen Anklage ist viel propagandistische Erfindimg. Aber die Hauptanklage ist wahr. Sie haben auf den Terror des Siegers und des Mächtigen, des Herrschers über die Staatsgewalt, mit dem Terror der Besiegten, der Schwachen und Verzweifelten antworten wollen und geantwortet. Die Ermordung Kirows war eine innere Angelegenheit der kommunistischen Partei. Die Unterlegenen, rechtlos gemacht, ohne Möglichkeit, auf die Partei einzuwirken, sind zur blutigen Antwort auf ihre Unterdrückung übergegangen. Kamenew hat diesen Schritt vor Gericht begründet;»Weil die blutige Konzentrienmg der Macht in Stalins Händen zum Verderben führen müsse.« Die Ermordung Kirows ist vor zwei Jahren geschehen. Seitdem ist ein Teil der Angeklagten in Haft. Was seitdem im Lande geschehen ist, ist undurchsichtig. Aber der Prozeß selbst enthüllt, wie ein Beobachter mitteüt,»ein wirres, die ganze Sowjetunion umspannendes Netz von allerlei Verschwörergruppen verschiedener geistiger Herkunft, deren gemeinsames Ziel die Beseitigung Stalins gewesen zu sein scheint«. Ein solcher Zustand ist alarmierend für ein diktatorisches System, und es ist ganz offenkundig der Zweck des Prozesses, eine mögliche Terrorwelle gegen die Spitzen des Systems auszutreten.(Terrorwellen gegen mindere Funktionäre hat es immer gegeben.) Zu diesem Zwecke soll gleichzeitig alle einstige und jetzige und alle in der Zukunft mögliche Opposition zertreten werden, ohne Rücksicht auf ihre Parteitradition, ihre Verdienste um die Revolution, ohne Rücksicht darauf, ob sie in terroristische Pläne verstrickt war. Das Auftreten des individuellen Terrors aber zeigt immer, daß ein System nicht in Ordnung ist. Der Terror ist keine normale Oppositionsform— er ist geknüpft an diktatorische und autokratische Systeme.- Die Sowjetregierang hab-�or kurzem eine neue Verfassung dekretiert. Auch diese Verfassung läßt völlig unklar, wie sich normale Oppositionsformen entwickeln können, sie läßt vollkommen unberührt, wie innerhalb der kommunistischen Partei andere Meinungen als die von den Kommandohöhen der Partei her vertretenen verteidigt und durchgesetzt werden können. Das Austreten des Terrors allein heüt das Uebel nicht. In der Tatsache, daß Kommunisten gegen Kommunisten mit terroristischen Mitteln kämpfen, und vor allem in dem blutigen Ausgang dieses Machtkampfes, liegt eine Ver- urteüung des Systems der Parteidespotie und der Despotie in der Monopolpartei. „Dumpfes oder bequemes Schweigen". Selbst manchem Großverdiener des Dritten Reiches geht die deutsche Kirchhofstille langsam auf die Nerven. Bis wird nicht mehr debattiert oder beraten, es wird gehorcht— im Reichstag genau so wie in der kleinsten Gemeindevertretung. Die Untertanen dürfen den strammstehenden»Volksvertretern« beim Gehorchen zusehen und ihren Groll in sich hineinfressen. Die Angst, dieser Groll könnte sich eines Tages entladen, veranlaßte wohl den ehemaligen Sparkommissar, jetzigen Oberbürgermeister von Leipzig, Dr. Goerdeler, zu folgender Meckerei in der»Deutschen Presse«: »Die Gemeinderäte werden nicht mehr gewählt, sondern berufen. Die Gefahr ist also groß, daß die Bürger den auf Vorschlag der Gemeinderätc berufenen Bürgermeister und die ebenso berufenen Beigeordneten nicht mehr als Männer ihres Vertrauens empfinden könnten. Wenn die Beratungen der Gemeinderäte so erfolgen, daß nur die Tagesordnung aufgerufen und womöglich überhaupt kein Bericht erstattet wird, dann kann auch die beste Berichterstattung der Presse kein Interesse der Oeffentlichkeit für solche Beratungen erwecken. Das Interesse der Oeffentlichkeit Ist nur mit einem echten Funken zu erwecken und dauernd lebendig zu erhalten, und dieser echte Funken heißt:»Freie Meinung.« Solange und soweit die Oeffentlichkeit das Gefühl hat. daß die Männer, die da sitzen, nicht ihre Meinungen sagen, sondern nach irgendeiner vorgefaßten oder gar zugewiesenen Auffassung handeln, solange wird für die Handlungen der Gemeinderäte kein wahrhaftes Interesse sich einstellen. Der Gemeinderat muß wissen, daß, wenn er schweigt, er nicht nur zustimmt, sondern für die Zukunft auch moralisch des Rechtes der Kritik beraubt ist. Es ist geradezu Aufgabe des Bürgermeisters, in den Gemeinderäten die Ueber- zeugung wirksam werden zu lassen, daß dumpfes oder bequemes Schweigen von jedem betätigt werden kann, und daß der Staat viel mehr Gefahr läuft durch solches Schweigen als dadurch, daß in einer Gemeinde die Geister aufeinander- platzen und sich klären.« Und alles, was hier den Gemeinden vorgeworfen wird, ließe sich wortwörtlich auf den deutschon Reichstag beziehen, in dem die braunen Abgeordneten für ihre guten Diäten bestenfalls einmal jährlich »Heil« rufen dürfen. Aber hier zieht auch der meckernde Goerdeler»dumpfes oder bequemes Schweigen« vor— denn alles andere wäre lebensgefährlich. Mehr Feiepschichten! Obwohl im deutschen Steinkohlenbergbau die Zahl der Beschäftigten im Monat Juli nur eine ganz geringfügige Erhöhung erfahren hat, haben die eingelegten Feierschichten eine Vermehrung erfahren. Wiesen die Angaben der Wirtacbaftsgruppe im Juni je Arbeiter durchschnittlich nur 0.76 Feierschichten aus, so im Juli 1,26. In Wirklichkeit wird der Umfang der Federschichten noch etwas größer sein, da die arbeitstägliche Förderung im Ruhrgebiet und im Saargebiet im Vergleich zum Vormonat im Juli einen stärkeren Rückgang aufweist. 10.000 Tote— 200.000 Verlebte! Seit einiger Zelt wird wöchentlich die Zahl der sich im Deutschen Reich ereignenden Verkehrsunfälle veröffentlicht. Sie ist überraschend groß: in jeder Woche werden durchschnittlich 160 Personen getötet und einige tausend verletzt Das Statistische Reichsamt hat jetzt für das zweite Vierteljahr 1935 eine Uebersicht der Straßenverkehrsunfälle veröffentlicht. Die Gesamtzahl der Unfälle ist gegenüber dem ersten Vierteljahr um 44 Prozent gestlegen und betrug 72.500! Bei diesen Unfällen kamen 2300 Personen um ihr Leben und 49.765 wurden verletzt. Auf ein Jahr umgerechnet werden also in Deutschland nahezu 10.000 Personen auf der Straße durch Verkehrsunfälle getötet und rund 200.000 verletzt! Diese erschreckend hohe Unfallziffer ist auf die überstürzte Motorisierung zurückzuführen, für die sich die Verkehrswege in Deutschland als' keineswegs ausreichend erweisen. In der Uebersicht selbst wird darauf verwiesen, daß 58 Prozent der verletzten bezw. getöteten Personen Opfer von Verkehrsunfällen in Landgebieten geworden sind. Außerdem wird die starke Vermehrung der Unfälle in Landgebieten Infolge Ubermäßiger Fahrgeschwindigkeit hervorgerufen. Das Rasen der SS- Wagen ist eine bekannte Landplage. 10.000 Tote und nahezu 200.000 Verletzte als Opfer des Straßenverkehrs— das ist ein Rekord, um den niemand das Dritte Reich beneiden wird! Wirklich, sandte! Kube& Co. darüber Glückwunschtelegramm Mit Frauen im Konzentrationslager Ausnahme von Bericht aus dem Frauenlager Moringen die einigen wenigen waren Nervenzusammenbrüche -daß durch auf den Das Sündenregister des gestrandeten Oberpräsidenten und Gauleiters der Kurmark wird wohl nie bekanntgegeben werden. Was er gestohlen, verjuxt, verhurt hat, Das Konzentrationslager Moringen, im holt die, rere Eintragungen in den Personalakten bedeuten schlechte Führung, das hat bei der wird das Gericht wie in allen ähnlichen Sollinggebiet bei Northeim( Provinz Hanno- Folge. Fällen angeblich hinter geschlossenen Türen verhan- ver) ist Für einen Teil der Frauen bedeutet die Weitergabe an die Gestapo zur Folge, das einzige Frauendeln. Ausschluß der Gerichtsöffentlichkeit Konzentrationslager. Es ist in dem dort be- Anbringung eines Radio- Lautsprechers einige diese die Gefangene als» noch nicht reif« zur und weiter in Haft wegen Gefährdung der Staatssicherheit«: findlichen Landesarbeitshaus der Provinz Abwechslung, anderen dagegen wieder zerrt Entlassung betrachtet was bliebe auch übrig von die Hannover untergebracht, das einen großen es noch mehr an den Nerven. Vielfach sind läßt. es Mütter, die mehrere Kinder daheim haben, Die Wärterinnen stehen unter Leitung sem System, wenn die wahre Gestalt seiner Gebäudekomplex darstellt. die schon Halbgötter schonungslos der Oeffentlichkeit Im Arbeitshaus sind vorwiegend Männer. oder, noch schlimmer, deren Kinder zwangs- einer Beamtin des Arbeitshauses, enthüllt würde! mehrere hundert insgesamt, die aber streng weise in Erziehungsanstalten überführt wur- seit fast einem Menschenalter Dienst tut. Sie Nur einmal hat das System sich genötigt von den inhaftierten Frauen getrennt sind. den. Einer Anzahl Frauen, die in Moringen ist gegen 60 Jahre alt, von unförmiger Leivon den Nazis er- besfülle, krank, launenhaft und unpolitisch gesehen, einen Zipfel des Vorhangs zu lüften, Die Frauen sind in einem Seitenflügel des sitzen, wurde der Mann der seine korrupte Fäulnis profanen Blicken Grundstückes untergebracht. Der Gebäude- mordet oder hingerichtet, kaum eine Frau und läßt ihre Launen an den Gefangenen aus. Die Verpflegung ist schlecht. Morgens verhüllt: das geschah zur Rechtfertigung des komplex macht einen deprimierenden, trau- ist da, deren Mann nicht im Gefängnis oder sehr dünnen> Kaffee«, dazu Schlachtens vom 30. Juni 1934, und die rigen Eindruck. Es ist ein rotes Backstein- Zuchthaus sitzt oder auf das Urteil wartet. gibt es einen in drei Schüben Fenster Anfang des Jahres sind Schlächter täuschten sich in der psychologi- gebäude, zwei Etagen hoch, einen Kanten Brot für den ganzen Tag. Die ist Frauen und Mädchen Brotmenge ausreichend. Abwechselnd schen Wirkung nicht: das Publikum übersah, natürlich schwer vergittert. eine größere Anzahl sich In diesem Haus befinden daß zwischen ihnen selber und ihren Opfern etwa aus Bayern gekommen, darunter viele Mäd- wird dazu eine winzige Portion Margarine nicht der geringste Unterschied hundert Frauen. Davon gehören rund chen, 1933 erst 17 Jahre alt, die jetzt oder ein Löffel voll Marmelade geliefert. Die der Veranlagung und Mentalität bestand, daß dreißig zum eigentlichen Arbeitshaus. Es seit drei Jahren in den Konzentrations- Fettration, etwa 20 Gramm, ist völlig unzudie ermordeten Röhm, reichend. In der Zeit der LebensmittelknappErnst oder Heines handelt sich dabei um Kriminelle, Protistu- lagern sitzen! keine größeren Schweinhunde waren als z. B. ierte usw., die in der ersten Etage des Ge- Alle Mädchen, Frauen und Mütter sind heit war es besonders schlimm, da dann diese unschuldig, am Morgen bäudes untergebracht sind. jener Oberpräsident Kube, der gegen sie ist kein Urteil er- winzige Portion ganz ausfiel und durch MarIm Konzentrationslager selbst befinden Die Klage über die nach der Tat seinem Führer ein hündischdann wären sie ja im Gefäng- melade ersetzt wurde. gangen, nis oder Zuchthaus schweifwedelndes sich gegen 70 Frauen. Etwa 12 sind Jüdinsie sind im Unge- Fettknappheit ist allgemein. Wenn die Frauen alle anderen sind nen, wissen über ihre Zukunft, den Termin nicht die Möglichkeit hätten, auf eigene Koaus politischen Welche Orgien, Unterschlagungen, Fäl- Gründen inhaftiert. Es sind darunter fünf ihrer Freilassung bestimmt die Gestapo- sten noch etwas dazu zu kaufen, dann könnSozialdemokratinnen, die übrigen sind stelle ihrer Heimatstadt. Das Mindestmaß ten sie nicht dabei existieren. schungen dieser Mann im einzelnen auf dem sich Das Mittagsmahl zeichnet ist drei Monate, zumeist wird dann auf unGewissen Kommunistinnen. ( Verzeihung für das Wort!) hat, Abwechselnd bestimmte Zeit verlängert. Die Entschei- schreckliche Eintönigkeit aus. ist im Grunde ziemlich belanglos. Wir wissen, dung der Gestapo wird beeinflußt von der kommen Linsen, Erbsen, Graupen, Bohnen wie viel zusammen kommen muß, damit die Frauen, die in Einzelräumen liegen, sind alle mit Kartoffeln zusammengekocht, in zwei Gemeinschaftsschlafsälen wie sie sich selber anderen Art der Führung der Gefangenen. > verschworene Bande<, zu nennen beliebt, Die Feststellung, ob sich die Gefangene Tisch. Es ist immer das gleiche. Dazu kommt, einen der Ihren fallen untergebracht, die 25 bezw. 35 Personen läßt. Wir wissen aber auch das: Kube ist Schlafgelegenheit bieten. Zumeist sind zwei gut« geführt hat, hängt im wesentlichen von daß wochentags kein Fleisch hineingekocht nach Natur und Wesen diensttuenden Frauen der NS- Frauen- wird. Das Essen wird mit Rindertalg zubekein anderer als Betten übereinander angebracht. Als Betten den die in all den Schutzhäftlingen reitet. Streicher, als Ley, als Kaufmann, als Himm- dienen Strohsäcke, mit Leinen überzogen. Zum schaft ab, werden Decken geliefert. Die marxistische Untermenschen sehen und von Um der Eintönigkeit zu entgehen, haben ler, als Koch, als Sprenger, als Weinrich, als Zudeoken 20 Schutzhäftlinge freiFreisler, als Kerrl oder drei Dutzend andere Schlafräume sind nicht heizbar. Obwohl die Haß gegen sie erfüllt sind. Sie wechseln mit sich im Frühjahr vier Decken er- den Schutzhäftlingen kein Wort. willig gemeldet, Feldarbeit zu verrichten, obder Führer- Garde, deren Namen man beliebig Schutzhäftlinge im Winter hielten, war die Kälte fast unerträglich. Sie Die Aufseherinnen von der NS- Frauen- wohl es beschämend für sie war, in den ergänzen mag. Jeweils eine sitzt schrecklichen Anstaltskleidern im Freien Allen diesen konnte man nämlich, was sie haben ständig gefroren und sich Krankheiten schaft lösen einander ab. Sie machen arbeiten zu müssen. Aber es war immer noch bevor sie an sind, längst anmerken, die geholt. Obwohl es im Mai noch sehr kühl täglich im Gemeinschaftsraum. den ganzen Tag in dem engen Macht kamen. Es gibt ein psychologisches war, wurde den Frauen schon zu dieser Zeit sich nur selten bemerkbar, höchstens, daß besser, als Grundgesetz, das im Dasein tausendfältige die beste Schlafdecke entzogen, so daß sie mal eine Ruhe gebietet, wenn es ihr zu laut Raum zubringen zu müssen. erscheint. Um so gefährlicher sind sie deshalb, Nach einigem Hin und Her wurde die Bestätigung findet, nämlich: der Charakter auch dann noch froren. eines Leseklubs gestattet. mit Aus- weil sie ausgesprochen Spitzeldienste leisten. Gründung jedes Individuums weist eine gewisse Grund- Die Gefangenen müssen sich aus dem Vorlesung gelangt der Völkische Beobachanlage auf, die sich immer wieder, in allen nahme des Spazierganges im Gemeinschafts- Jedes Wort, jede Handlung, die Er ist für die Frauen( die Rahmen fällt, wird von ihnen» nach hinten ter«. Ganz allgemein kann gesagt werden, Ausstrahlungen der Persönlichkeit ausprägt. raum aufhalten. Auf welchem Sachgebiet das Individuum auch Jüdinnen haben einen Extra- Raum) viel zu gemeldet«, d. h. der Direktion angezeigt und daß die Schutzhäftlinge an Wissen und poliKeine der tischer Erfahrung weit, weit über ihren NStätig sein mag, die Art, wie es seine Auf- klein. Es sind fünf Tafeln als Tische aufge- in den Personalakten vermerkt. an Ell- Schutzhäftlinge weiß, aus welchen Gründen Frauenschafts- Aufseherinnen stehen. Die NSgabe auffaßt und durchführt, wird immer die stellt, die Frauen sitzen, Ellbogen an ihnen gemessen, politische über sie Eintragungen erfolgen. Frauen sind, gleiche, wird die seiner charakterlichen bogen, drum herum. Diese Beengung, dieses und ewige Zusammensein mit den vielen anderen Aber wenn auch diese kleinen Vergehen< Analphabeten. Grundveranlagung entsprechende sein. die Hoffnungslosigkeit nicht auf der Stelle gestraft werden, viel Die gefangenen Frauen sind vollkommener Es ist ein vielleicht weitverbreiteter, Leidensgefährtinnen, nichtsdestoweniger verhängnisvoller Irrtum, und die Sorge um die Familie zermürben die schlimmer wiegt die Tatsache, daß die Länge Willkür preisgegeben. Sie werden ihrer Geder da meint, jemand könne als Politiker ein Frauen seelisch ganz außerordentlich. Wieder- der Freiheitsberaubung davon abhängt. Meh- sinnung wegen festgehalten und gequält. gemeiner Fetzen, ein Schandmaul, ein Verleumder, sonst aber ein sehr honetter und achtenswerter Mensch sein. Ein Mensch ist nicht nur auf einem Gebiete schlecht. Er ist entweder anständig oder unanständig und dann in allem was er beginnt. Fehlen also einem Redner die sittlichen Hemmungen, ligt, fälscht und verdreht er ungeniert, aus dem Feld zu seinen politischen Gegner um tiger Sicherheit überall im Leben tun, wo es um sein eigenes Vorwärtskommen geht. zigesmal reden zu hören, um abzulesen. Von kleinerem Gesox, wie dem Seine -wann BROOK SREER GREE Zur daß (> Preußische Zeitung< Nr. 226.) Ebers neuestes Geschäft Wir reproduzieren das folgende aus dem » Völkischen Beobachter<: Ahnenpaß Nazis nur sieben Mann im Hause waren, Damit aber kommen wir zu der Frage:| geln. Von der Güte der ostpreußischen Marauch ihnen gegenüber die Minderheitsrechte Stellt das Kubesche Demagogentum in der kenerzeugnisse spricht die Tatsache, geachtet. zehn bis fünfzehn Prozent der > Purer Schwindel!«<, brüllt Kube Nazibewegung etwa einen Sonderfall dar? auf. Der verstorbene Landtagspräsident Bar- Durchaus nicht den Regelfall. An Wüst- eingelagerten großen Buttermentels habe damals die paar Nazis in gemein- heit und Hemmungslosigkeit der Demagogie gen noch nach der dreimonatigen Laster Weise beleidigt und brutalisiert. Alles stehen Gestalten wie Streicher, Freisler, Göb- gerung mit der Höchstzahl von 20 Punkten schaut ratlos, denn das einzige, was man bels, Ley usw. usw. die wichtigsten nennen bewertet werden konnten.< dem Verstorbenen vorwerfen konnte, war wir hier absichtlich nicht durchaus nicht schlagen, so wird er das mit hundertprozen- seine viel zu große Milde und Langmut gegen hinter Kube zurück, eher übertreffen sie ihn die Rüpeleien des Septetts. Und nun kommt noch. Kube heraus: Bartels habe die Nazis zwingen Ist nun aber der Fall Kube in Punkto Einen Kube, brauchte man nur ein ein- wollen, im Landtagsrestaurant an einem be- gewissenlose Demagogie keine Ausnahme, die absolute sonderen Tisch ( nämlich dem Tisch der sondern die Regel der Nazibewegung, so kann moralische Hemmungslosigkeit vom Munde Fraktionslosen) zusammen mit zwei Polak- auch nach den Gesetzen der Logik sein geken<( den Vertretern der polnischen Minder- samtes persönliches CharakterBorkumer Narbenbeschauer Münchmeyer, heit, zwei katholischen Geistlichen) ihr Essen bild kein Ausnahmefall sein. Wie oder Kubes schon vor ihm gestürzten Kumpan einzunehmen! Eine größere Schmach gegen wir sahen, stellt der Charakter jedes IndiviSchulze- Wechsungen gar nicht zu reden. Den deutsche Männer sei nicht denkbar. Und was duums in seiner Grundanlage eine Einheit letzteren hörten wir einmal mit einem jüdi- die Nazis jetzt auch ihren Gegnern anzutun dar. Wir müssen deshalb annehmen, daß schen Redner sich auseinandersetzen. gedächten, die unüberbietbare Schmach, mit Menschen, die sich auf einem bestimmten habe hier überhier dem politischen Argumentation: Der Jude > Polacken zusammen essen zu müssen, wür- Tätigkeitsgebiet haupt nicht zu reden, denn ein Jude sei kein den sie ihnen denn noch nicht antun. übereinstimmend in der gleich skrupellosen Deutscher: ein Esel, der zufällig in einem Der Psychologe hat hier alles bei einander. Art betätigen, sich überhaupt in Wesen und Pferdestall zur Welt käme, bleibe ein Esel Die Fabel vom Lamm, das dem Wolf das Charakter nur sehr wenig von einanund werde kein Pferd. All das in krähendem Wasser trübt, wird übertrumpft. Ein Sieges- der unterscheiden. Nicht immer verLeutnantstenor. Ueber niederste Gemeinhei- berauschter hat unmotivierte Grausamkeiten dichtet sich die gleiche Anlage zu den gleichen ten kam er nicht hinaus. Die kritiklosen länd- gegen die Besiegten im Sinn. Zur Rechtferti- positiven Taten. Das hängt von den äußelichen Zuhörer jauchzten.( Sie amüsieren sich gung nach außen müssen sie als Vergeltung ren Umständen ab: Wer sich z. B. alles, was ja auch königlich, wenn sie in den Fliegen- für selbst erlittenes schwerstes Unrecht er- er begehrt,» schenken« lassen kann, der hat den< die schlagfertigen Antworten des ange- scheinen. Da solches Unrecht nicht existiert, nicht nötig, auch noch zu stehlen. Aber poklagten Strolches vor Gericht lesen.) wird ein völlig harmloser Vorgang zum Ver- tentiell das behaupten wir wird ein verstorbener jedem Menschen, der der Politik mit den Kube war nichts anders: Arroganz und brechen aufgeblasen, mit einem nicht Ehrenmann beschimpft und schließlich ein Mitteln der Unehrlichkeit und der niedersten Schamlosigkeit verband er zuckte großes Nachbarvolk als ein schmutziger Aus- Gemeinheit kämpft, einer, der in allen alltäglichen Lautsprecherorgan. Nie zur Anwendung dieser Mittel sein Gesicht, auch nicht bei der dreistesten wurf hingestellt, neben dem allein zu sitzen Lebenslagen das gleiche fähig ist. Lüge, deren sich der Sprecher unbedingt be- höchste Schmach sei. Notabene Solche Veranlagung erkennt man allerwußt sein mußte. Nie errötete er über seine Nachbarvolk, mit dem man kurz darauf einen dings nicht auf dem Wege des Rasseinstinkts. eigene Doppelzüngigkeit, über seine ungenier- Freundschaftsvertrag Man erkennt sie nur, wenn man den Sinn ten Umfälle, wenn z. B. just er, der noch i. Waffenbündnis schließt. Das psychologische Urteil lautet: Mangel für Sauberkeit und Redlichkeit besitzt, und J. 1926 als Völkischer die republikanische nur ten erarbeiten. Auf diesem Gebiet hat, das Für Viele heute schon ein unentbehrlicher Polizei um Hilfe gegen die ihn bedrohenden jedes Gerechtigkeitsempfindens. Sieht Nazihorden angebettelt hatte, wenn derselbe den Splitter in des Nachbars Auge, nicht den dafür muß man sich selber diese Eigenschaf- Ausweis, wird der Ahnenpaß über kurz oder Kube, zwei Jahre darauf jedes Vorgehen der Balken im eigenen. Zu jeder Herabsetzung ist nicht zu leugnen, der Instinkt eines gro- lang amtlich verlangtes Dokument. daher vorteilhaft, diese wichtige Urkunde Mitmenschen fähig, absolut hem- Ben Teiles des deutschen Volkes allerdings schon heute zu besitzen. In LeinenumPolizei gegen randalierende SA mit Stentor- seiner stimme als>> System Metterniche verdonnerte. mungslos in der Wahl seiner Mittel, selbst- kläglich versagt. Die Tatsache, daß ein Wir möchten dies Demagogentum an einem gerecht, verlogen. Beispiel analysieren. In einer der letzten solcher Mensch später den Besitz der Macht Sitzungen des preußischen Landtags, als die nur auffaßt, nur auffassen kann als ein MitNazis sich bereits rücksichtlos als Sieger tel, seine niedersten Instinkte auszutoben, lümmeln, beruft ein Redner der bürgerlichen überrascht den Psychologen nicht im mindeMitte sich darauf, man habe doch, als die sten. und ein steckt in Dr. X. Deutsche Frischbutter Es ist Besitzer Adolf schlag RM.-.50. Durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Zentralverlag der NSDAP Franz Eher Nachf., München. » Um die Butterversorgung sicher- Der Verlag Franz Eher macht ein großes Geschäft mit zustellen, sind in diesem Jahre erstmalig An- Hitler ordnungen erlassen worden, die die Durch- einem demnächst» amtlich verlangten Dokuführung der Buttereinlagerung re- ment<. der Geheimnisse der braunen Steuern Die Volksgemeinschaft in der Praxis sich damit einen unbeunverzinslichen Kredit verSteuerfreiheit für» Führer«| NSDAP noch zu den der NSDAP angeschlos-| Bier, das er am 1. Mai auf eigene Kosten ein behält und senen Verbänden gehören. Womit ausdrück- trinkt, bei der Lohnsteuer in Abzug zu brin- fristeten und >> Jeder Betrag<<, so heißt es in dem Vortrag, lich gesagt ist, daß die NSDAP das gen. Es ist aber kennzeichnend für das schafft, für den er nicht einmal voll haftet, den Staatssekretär Reinhardt zur Eröffnung Privileg genießt, für den Staat Dritte Reich, daß der Staatssekretär Rein- war allerdings zur Zeit des Schmachsystems weniger opfern zu dürfen als hardt es nicht unterläßt, ausdrücklich zu be- nicht möglich. Wenn also die> Deutsche andere. Bei gewöhnlichen Geschäfts- tonen, daß ihm das nicht zusteht: Steuerzeitung sich mit der Rechtsprechung reisenden sind Reisespesen nur soweit steuer->> Dagegen sind die Ausgaben, die die Ge- in dieser Frage beschäftigt, so nicht, um zu durch folgschaftsmitglieder selber frei, als sie die> Kosten der Lebenshaltung, ihre untersuchen, ob diese Art der Entwendung die den Steuerpflichtigen auch ohne die Reise Teilnahme an der Maifeier haben, steuer- von Lohn erlaubt ist, sondern ob der Arbeiter rechtlich anders zu beurteilen.< den entwendeten Lohn auch noch versteuern In der Begründung ist es Reinhardt gelungen, muß.» Der Reichsfinanzhof hält die von dem in einem Satz das Wesen des> deutschen Arbeitgeber jährlich eingezahlten Beträge Sozialismus« auszudrücken. Die Begründung für steuerpflichtigen, zugefloslautet: der senen Arbeitslohn Arbeit. als nationalsozialistische Führer auserlesenen > Denn die ausgegebenen Beträge bilden Die Herren steuerfrei. Führer des Reichsnehmer«, auch dann,» wenn die Einzahlunkeine Aufwendungen zur Erwerbung, nährstandes sind von der Versteuerung Sicherung und Erhaltung der Einnahmen.<<| gen zwar nicht auf ein gesperrtes Bankkonto wohl aber, wie hier, ihrer ehrenamtlichen Betriebseinnahmen be- Im Gegensatz dazu sind also die Aufwendun- des Arbeit nehmers, freit, nicht weil sie Betriebsausgaben haben, gen des Betriebsführers am Tage der Natio- auf ein Sonderbankkonto des ArEs handle sich sondern weil sie zur nationalsozialistischen nalen Arbeit sehr wohl Aufwendungen zur beitgebers erfolgen... der Reichsfinanzschule Ilmenau am 4. Mai 1936 gehalten hat, der dem Staat und damit Volksgemeinschaft vorenthalten wird, fehlt dem Staat zur restlosen Erfüllung seiner Aufgaben und muß unter Umständen auf andere Volksgenossen mehr umgelegt werden.< Man müßte also annehmen, daß gerade die Führer« mehr bezahlen, als sie unbedingt müssen, damit andere Volksgenossen weniger zu bezahlen brauchen. Die nationalsozialistische Steuerwirklichkeit widerspricht aber einigermaßen dem nationalsozialistischen Steuerprinzip. Denn in den Veranlagungsrichtlinien zur Einkommensteuer und Körperschaftssteuer für 1935 veröffentlicht in der>> Deutschen Steuerzeitung, Herausgeber Fritz Reinhardt, vom 11. Januar treffen«, überschreiten.» Zu den steuerfreien Reisekosten gehört nur der Mehraufwand.< Während also Aufwandsentschädigungen sonst versteuert werden müssen, sind sie für die Clique gehören. Das Amt des Führers ist Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der um ein aus der Betriebsgemeinschaft sich eralso weniger ein Opfer als ein Privileg und Einnahmen<. So ist es in der Tat. Das gebendes Treueverhältnis, das es 1936, heißt es zur Frage der Entschädigung mindestens ebenso sehr ein gutes Geschäft Freibier am 1. Mai ist eine Ent- rechtfertige, auch bei diesen Formen der Eindes Führerpersonals im Reichsnährstand<: nicht bezahlte zahlung das Bankkonto als dem >> Bei den Landesbauernschaften und Kreisbauernschaften sind Bauernführer, Obmänner wie eine hohe Ehre. Freibier ist steuerfrei schädigung für Ueberstunden. Arbeitnehmer zugehörig zu betrachten.< Dieses>> Treuberechtigt jenen zum Nehmen und verpflichtet diesen zum Zahlen! und Hauptabteilungsleiter Der Arbeiter, dem der Unternehmer am Lohnsteuer für entwendeten verhältnis zwischen Führer und Gefolgschaft » ehrenamtlich« tätig. Die Bezüge, Lohn die ihnen vom Reichsnährstand gewährt 1. Mai, dem Tag der nationalen Arbeit, ein werden, sind nicht als Arbeitslohn, sondern Abendbrot und ein Bier schaft anzusehen.<< Daß man ein Amt, das» Bezüge einbringt, als Ehrenamt bezeichnet, war ehemals paradox, aber jetzt bestätigt es ⚫ die Zeit des Nationalsozialismus. Was soll aber die UnterArbeitslohn und Bedie bezahlt, bekommt Im Dritten Reich gibt es eine neue Art Arbeitsdienstler für einen Tag Die Frankfurter Zeitung vom 29. Juli meldet: >> Die Beamten der Stettiner Regierung hatten sich, wie der» Arbeitsmann«< mitteilt, kürzlich für einen Tag in den Arbeitsdienst begeben. Sie beschäftigten sich mit Erdarbeit, während die Stenotypistinnen und Sekretärinnen im weiblichen Arbeitsdienst Haus-, Garten- und Stallarbeiten leisteten.<< Fiasko der braunen Handelspolitik verbraucht Kein Anschluß an die Weltkonjunktur Die Der Trost Die Deutsche Allgemeine Zei> Bei der Musterung 1935 mußten 14,86 Prozent der Gemusterten wegen schlechter Zähne zwischen untauglich und tauglich zwei eingegliedert werden. In einem süddeutschen Industriewerk 558 Lehrlingen 92,5 Prozent zahnärztlich behandelt werden, bei 13,8 Prozent waren die Zähne so stark angefault, daß ein Zahnersatz notwendig war. An sich sind diese Zahlen so erschreckend, daß man von einer Seuche reden kann.< als Betriebseinnahmen aus Land- wenigstens einmal im Jahre praktisch zu er- von Zukunftssicherung< für den Arbeiter, und Forstwirtschaft anzusehen, wenn diese fahren, was> deutscher Sozialismus<< ist. Aber die darin besteht, daß der Arbeitgeber auf Personen im übrigen Einkünfte aus Landund Forstwirtschaft beziehen. Unter den er ahnt nicht, daß die Kosten dieser Art der ein Bankkonto, das die Bezeichnung> Pengleichen Voraussetzungen sind auch die Be- Ueberwindung des Klassengegensatzes nicht sionskonto N. N.< trägt, gewisse Beträge einzüge der Personen, die bei der Reichs- vom Unternehmer selbst bestritten werden, zahlt. Die Verwaltung des Kontos steht leitung des Reichsnährstandes ehrenamtsondern, zum Teil wenigstens, aus der ausschließlich dem Arbeitgeber lich tätig sind( Obmann für den ReichsEine Auszahlung der auf das Konto einnährstand, Reichshauptamtsleiter), als Be- Staatskasse. Es heißt nämlich in der Deut- zu. dem triebseinnahmen aus Land- und Forstwirt- schen Steuerzeitung vom 2. Mai 1936 zum gezahlten Beträge soll erst nach Thema> Einkommensteuer und Aufwendungen A bleben des Arbeitnehmers oder anläßlich des Tages der nationalen Arbeit<: bei dessen Ausscheiden aus der Firma >> Die Aufwendungen, die der Betriebs- des Arbeitgebers erfolgen. Eine Verantworführer anläßlich des Tages der Nationalen tung für die Sicherung der auf dem Konto Die Stettiner Arbeitsdienstler können also, Arbeit für die Bewirtung und Beschenkung eingezahlten Gelder sollte keinen der Arbeitgeber wenn sie schon Lohn bekommen, der Gefolgschaftsmitglieder macht, können des Genusses scheidung zwischen als Betriebsausgaben bei der Ermittlung nicht tragen. Diese neue Art von Zukunft- wenigstens einmal im Jahre triebseinnahmen? Ist es nicht praktisch des Einkommens abgezogen werden.<< sicherung<, die darauf hinausläuft, daß der teilhaftig werden, ihre heimatlichen Führer G. A. F. gleichgültig, ob die ehrenamtlichen Bezüge Kein Arbeiter würde daran denken, das Glas Unternehmer einen Teil des Lohnes arbeiten zu sehen. so oder so bezeichnet werden? Keineswegs. Vielmehr verbirgt sich hinter dieser Benennung ein echt nationalsozialistischer Bluff. Die Sätze sind ein wahres Kabinettstück nationalsozialistischer Stilkunst, der nicht nur die Erfindung ehrenamtlicher Bezüge gelungen ist, sondern auch, die Befreiung der Führer vom Steuerzahlen anzuordnen, aber die ausdrückliche Fest- Das Ziel der deutschen Handelspolitik muß selbst betont, saisonbedingt ist, bleibt aber stellung der Steuerbefreiung zu vermeiden. in der gegenwärtigen Situation eine Stei- hinter der vorjährigen, wo sie 10 Prozent beDer Arbeitslohn ist Einkommen, Be- gerung der deutschen Einfuhr sein. trug, zurück. Der Ausfuhrüberschuß beträgt und hat damit den tung« schreibt: triebs einnahmen sind es aber an sich Denn der bisherige Import von 4,16 Milliar- diesmal 50 Mill. RM nicht, sondern erst nach Abzug der Betriebs- den im Jahre 1935 reichte nicht aus, um Er- höchsten Stand dieses Jahres erreicht. Aber ausgaben. Nennt man die Bezüge der nährungsschwierigkeiten und Rohstoffknapp- diese Besserung der Handelsbilanz ist bisher Herren Führer statt Lohn Betriebseinnahmen, heiten zu beseitigen, obwohl gleichzeitig Roh- eben immer wieder auf neue Verringeso kann, wenn man den Betriebseinnahmen die stoffvorräte aus 1934 etwa in der Höhe von rung der Einfuhr zurückzuführen, wähmußten von wurden rend gerade ihre Vermehrung immer mehr zu Betriebsausgaben gleichsetzt, das Privileg der einer halben Milliarde unbezahlte Waren- einer dringenden Notwendigkeit wird. Steuerfreiheit eingeräumt und dennoch der und in gleicher Höhe Anschein erweckt werden, als sei es keines, schulden an das Ausland entstanden waren. Einfuhrverminderung im Juli muß zudem besondern> der Begriff der Gleichmäßigkeit der Es handelt sich also um eine Steigerungsnot- sonders große Schwierigkeiten bereitet haben. Besteuerung erfüllt, den Reinhardt in seiner wendigkeit, die die Höhe von 1 Mil- Entgegen der Saisontendenz, trifft die BeIlmenauer Rede als nationalsozialistischen liarde überschreiten müßte, selbst, schränkung ausschließlich die NahNa und? Woran liegt das? Man könnte Grundsatz verkündet hat. Wie das gemacht wenn man berücksichtigt, daß durch die in- rungs- und Genußmittel. Deren Einauf mangelhafte und minderwerwird, zeigt der zweite Abschnitt dieses Kapi- dustrielle Ersatzproduktion( im wesentlichen fuhr ist insgesamt um 15.5 Millionen gedrosselt worden, ebenso wie tige Ernährung hinweisen oder auf ein bis jetzt Benzin und Zellstoff) und durch die 13 Prozent tels der Richtlinien. Er lautet: >> Es kann allgemein davon aus- noch fragwürdigere Vermehrung der Agrar- die von Textilstoffen( um 8 Millionen), Nachlassen der Schulzahnpflege, gegangen werden, daß bei den Perso- erzeugung mehrere Dutzend Millionen einge- um eine gewisse Mehreinfuhr von Kriegsroh- die in den> 14 Jahren der Miẞwirtschaft<< mit nen, die bei den Kreisbauernschaften ehrenspart werden können. Die Erhöhung der stoffen, wie Eisenerz und Kautschuk, Sorgfalt gefördert wurde. amtlich tätig sind, durch diese Tätigkeit Ausfuhr ist augenblicklich nur das Mittel, zu ermöglichen. Es ist aber nicht wahr- weiß einen besseren Trost: Betriebsausgaben in Höhe der sich die starke Einfuhrihnen vom Reichsnährstand ge- um eine vermehrte Einfuhr zu erlangen. So scheinlich, daß währten Entschädigungen ent- lange das nicht gelingt, müssen die Spannun- beschränkung von Nahrungs- und stehen. Bei den Personen, die bei den gen, die sich aus der Rohstoffknappheit er- mitteln in der nächsten Zeit wird aufrechtleitung des Reichsnährstandes tätig sind, geben, immer neu auftauchen und sich unter erhalten lassen. Die geringe Steigerungsfähigkeit des können die Verhältnisse verschieden liegen. Umständen, z. B. beim Eintritt einer unzuJedoch können auch hier Betriebsausgaben reichenden Ernte, akut verschärfen. Die Ein- deutschen Exports ist dabei eine in angemessener Höhe ohne besonde- fuhr, die 1929 rund 13% Milliarden RM be- dige Sache. Man muß sich der Tatsache beren Nachweis anerkannt werden.< tragen hatte die Ausfuhr lag noch einige wußt sein, daß in dem größten Teil der kapiDen> Führern« wird also, im Gegensatz zu Millionen höher war 1933 auf 4,2 Milliar- talistischen Welt ausgesprochen gute, zum anderen Sterblichen, der Nachweis, daß den den RM gefallen. 1934 war sie 4,45 Milliar- Teil Hochkonjunktur herrscht. Man hätte erBetriebseinnahmen Betriebsausgaben gegen- den, ging aber 1935 wieder zurück auf 4,16 warten können, daß mindestens bestimmte und in welcher Höhe, erspart. Milliarden, obwohl seitdem die fieberhafte deutsche Wirtschaftszweige, wie die EisenSondergericht in Königsberg verurdes Staatssekretärs Beschäftigung der Rüstungsindustrie einen und Stahlindustrie, der Maschinenbau diese teilte einen Bauern, der bis zum Jahre Reinhardt hinsichtlich der Betriebsausgaben außerordentlich starken Bedarf von auslän- Industrien können z. B. in England die Nach- 1932 der NSDAP angehört hat, zu den Verdacht, daß es da kaum dischen Rohstoffen hervorgerufen hatte. 1936 frage nicht mehr befriedigen die deutsche einem Jahr und 6 Monaten welche gibt. Er ist nicht ganz unbegründet, zeigt in bezug auf die Einfuhr keine Besse- chemische Industrie etc. bedeutende fängnis> wegen gehässiger, hetzerivon niederträchtiger Gesinnung denn es steht in den Richtlinien: Exportsteigerungen erreichen müß- scher und Reichsnähr» Die aus den Kassen des über leitende PerIm ersten Halbjahr betrug die Einfuhr ten. Das ist aber nur in verhältnismäßig ge- zeugender Aeußerungen standes gewährten Tage- und Uebernachtungsgelder sind als steuerfreie Einkünfte 2110 Mill. RM gegen 2126,9 Mill. in der glei- ringem Grade eingetreten und wird teilweise sönlichkeiten des Staates und außerdem aus chen Vorjahrszeit; sie weist also eine leichte durch Exportverluste gerade in Zweigen der§ 186 StGB wegen Verächtlichmachung des Die Führer des Reichsnährstandes beziehen Verringerung auf, obwohl die agrarische Ab- Fertigwarenindustrien, die früher eine starke Oberpräsidenten und Gauleiters<. In der Uralso außer ihren ehrenamtlichen Bezügen sperrung infolge akuten Futtermittel- Exportfähigkeit und eine gefestigte Position teilsbegründung heißt es: Weltmarkt hatten, wettgemacht. noch andere Aufwandsentschädigungen, und und Fleischmangels gelockert und eine er- auf dem Oelsaaten, Fest steht jedenfalls, daß auch diese sind steuerfrei. Weniger erlesene höhte Einfuhr von Oelfrüchten, Wirtschaft den Anzugelassen werden deutsche Volksgenossen werden weniger schonungsvoll Fleisch und Schweinen Die eben veröffentlichten Ziffern s chluß an die aufsteigende Konbehandelt. In den gleichen Richtlinien wird mußte. zur Entschädigung des Führer- und Ver- über den Außenhandel im Juli zeigen dieselbe junktur der übrigen Welt nicht trotz der Milwaltungspersonals beim Deutschen Luft- Tendenz. Die Einfuhr ist mit 346 Mill. gegen- h at finden können und beim Reichs- über dem Vormonat( 360 Mill.) wert- und liardensubvention für den Export, trotz allen sportverband wirtschaftlich luftschutzbund« gesagt, daß ihre Auf- mengenmäßig um 4 Prozent gesunken. Die Drucks, den Schacht auf die Und deshalb wandsentschädigungen keine steuerfreien Ausfuhr ist von 371 im Juni auf 395 Mill. ge- schwächeren Länder ausübt. diese stiegen etwa um 7 Prozent. Aufwandsentschädigungen sind, weil Die Steige- bleibt das Nahrungs- und Rohstoffproblem in Verbände weder zu den Gliederungen der rung, die, wie die amtliche Verlautbarung seiner ganzen Schärfe bestehen. Landesbauernschaften und bei der Reichsüberstehen, Schon die erweckt Diskretion zu behandeln.<< rung. des um Futtermerkwürdie R. K. Aber die DAZ >> Doch sei hier daran erinnert, daß diese Zahnkrankheiten keineswegs ein Zeichen moderner Degeneration sind, wie vielfach angenommen wird. Man findet sie in Alemannengräbern bei weit mehr als 50 Prozent der Funde.< Und was den alten Alemannen recht war, muß den jungen Neugermanen billig sein. Zum Teufel mit der Zahnheilkunde! Der Undankbare Das Ge> Die Strafe habe so schwer ausfallen müssen, weil die Straftaten geradezu eine Gipfelleistung an Beschimpfungen und Verleumdungen darstellen, was um so verwerflicher sei, als gerade der Angeklagte als Bauer genau wußte, in welcher Weise sich die nationalsozialistische Regierung besonders des Bauernstandes angenommen habe.< Er scheint es nicht genau gewußt oder wenigstens nicht gemerkt zu haben. Wahrscheinlich liest er keine Zeitungen. Nr. 168 BEILAGE Ucuttteootfe 30. August 1936 Die siegreldie T erteidigung in Spanien Die Pflidit der internationalen Arbeitersdiaft Madrid, August 1936. Das Spanien des Volkes und der Arbeiter ist mit dem militärfaschistischen Aufstand vom 17. und 19. Juli 1936 in einen neuen Abschnitt seiner Geschichte eingetreten. Nur durch ein Wunder ist es dem Anschlag gegen seine Freiheit entgangen, den Militärs, Pfaffen und Faschisten unter der Oberleitung des Kapitals unternahmen. Es hat sich gezeigt, daß fünf Jahre nach der Revolution vom April 1931 die Armee, die Gendarmerie, die hohe Beamtenschaft des Staates sich nahezu vollzählig gegen die Republik erhoben, der sie den Treueid geleistet hatten. Dies bestätigt nur, daß es keine wirkliche Revolution gibt, die nicht zur systematischen Zerstörung und organischen Umschmelzung des militärischen, polizeilichen und Verwaltungsapparats des Staates greift Die negative Seite des Wunders, dem die Republik ihre Rettung verdankt, war die Unentschlossenheit der müitärischen Kommandanten in Madrid und Barcelona. Der Militäraufstand brach in Marokko am 17. Juli aus, in Madrid und Barcelona aber erst am 19. In Madrid insbesondere haben sich die faschistischen Militärs, statt das Präsidentenpalais, die Ministerien und die Straßen zu besetzen, in ihren Kasernen eingeschlossen. Der Präsident der Republik, A z a n a, hat dem Genossen de Brouckere und mir erzählt, daß ihn die Rebellen im Prado, wo er sich damals befand, mühelos hätten überwältigen können. Wahrscheinlich haben sie es gar nicht für nötig gehalten, sich des Staatschefs zu versichern, und ebenso hatten sie den Widerstand des Volkes nicht vorausgesehen. Dieser Widerstand, schlagfertig und heldenmütig, bildete die positive Seite des Wunders, von dem wir sprechen. Die Einnahme der Montana-Kaserne durch das Volk hat dem Aufstand den ersten tödlichen Schlag versetzt. Inmitten der Unordnung, die der Rebellion der Militärs und dem Aufstand der Faschisten folgte, gab es eine kleine Insel der Ordnung; die Kaders der sozialistischen Arbeitermiliz, die schon im Oktober 1934 gekämpft hatte. Um diese Kader herum bildete sich die neue bewaffnete Macht der Republik, Auf diese Weise wurde das Grundproblem jeder Revolution, wenn nicht gelöst, so doch der Lösung nahegebracht: waffnung des Volkes und die einer revolutionären Armee. Ich habe soeben einige Tage an der Sierra-Front verbracht. Noch gibt es auf dem Gebiet der Organisation unendlich viel zu tun. Langsam nur vollzieht sich die Verschmelzung der Elemente der alten Armee mit den verschiedenen Milizen. Die beherrschende Tatsache aber ist, nach meiner Meinung, die Entstehung und Entwicklung eines revolutionären Patriotismus und einer revolutionären Disziplin. Natürlich hat dieser Patriotismus nichts mit dem Nationalismus gemein, gleichwie diese Disziplin nichts mit dem alten Kasernengehorsam oder der kirchlichen Unterordnung zu tun hat. Sie beruht nicht auf dem Geist der Subordination, sondern auf dem Geist der Solidarität im revolutionären Schaffen. Bei diesem, dem allerwich- tigsten Werke, legen die Männer und Frauen, die der Partei und dem vereinigten Jugendverband entstammen, außergewöhnliche Fähigkeiten an den Tag. Ihr Mut, ihre Redlichkeit, ihre Ehrlichkeit und ihre Intelligenz erhöhen sie in den Augen der gesamten Bevölkerung und der wenigen Offiziere der alten Armee, die der Republik treu geblieben sind. Neben dieser Geburt einer neuen Armee, die in unseren Genossen ihre Elitetruppen findet, entsteht im Feuer der Aktion ein neues Recht, eine neue Lebensauffassung. Das Kollektivgefühl— dessen Wurzeln in Spanien wir nicht kennen —, trägt den Sieg über das individualistische Empfinden davon; die Schöpferkraft der Revolution überragt ihre Zerstörungskraft. Auch auf diesem Gebiet leisten die Genossen der Partei, der vereinigten Jugend und der sozialistischen Miliz die wichtigste und erfolgreichste Arbeit. Ich begnüge mich für den Augenblick mit dem Hinweis auf die außerordentlich wichtige Rolle der Genossenschaften innerhalb des Verpflegsdienstes und auf das ganze Netz von Fiirsorgeeinrichtungen für die Kämpfenden und ihre Familien, die in wenigen Tagen aus dem Boden gestampft wurden. In diesem Zusammenhang muß ein Märchen zerstört werden, das die Runde durch die bürgerliche Welt macht und den Lügen über angebliche Greuel der Republikaner nacheifert. Man spricht von der Plünderung der Klöster und Paläste. Tatsächlich sind eine gewisse Anzahl von Palästen der Madrider Aristokratie und von Klöstern besetzt worden; aber in neun von zehn Fällen hat diese Besetzung nicht die geringste Zermäßig zukommen. An ihrem Besitz soll sich das Verbrechen der Reaktion rächen. Allgemein gesehen, wird der Verrätergeneral F r a n c o die Rolle des Generals Kornilow gespielt haben. Er wird den Verlauf der demokratischen Revolution beschleunigt und Spanien auf den Weg der proletarischen und sozialistischen Revolution gedrängt haben. Aber wehe uns, wenn das internationale Proletariat sich der Meinung hingäbe, daß die Schlacht bereits gewonnen ist. Sie ist es noch nicht In diesem Punkt habe ich mich bemüht, mich so umfassend wie mögüch zu informieren; daraus ergeben sich nachstehende Schlußfolgerungen: die Beschaffung Störung mit sich gebracht. Ich habe das Palais Girardelli, den Klub del Campo, den Klub Grace Pena besucht, die von der vereinigten Jugend besetzt sind; desgleichen das Palais des Herzogs von Medina Coeli, wo die motorisierte Brigade untergebracht ist, und die Palais, die die Bataillone»Oktober« und»Largo Caballero« der sozialistischen Miliz besetzt haben. Ueberall herrscht musterhafte Ordnung. Ueberall wurde ein Inventar der Wertgegenstände, der Möbel, Bilder, Teppiche usw. aufgenommen. Neben den von Gold- und SUbergedecken strotzenden Kasten essen die Milizkämpfer ihre Büchse Sardinen, neben den schwellenden Betten Uegen sie auf der Erde. Sie tragen ihr altes, zerrissenes Hemd und fühlen sich gar nicht versucht, sich etwas von der Wäsche der ehemaligen Besitzer anzueignen. Natürlich sind sie überzeugt, daß es sich um eine Besetzung für immer handelt, aber sie betrachten sich als die Beauftragten der Gesamtheit des Volkes, dem die Reichtümer derjenigen, die der Republik den Bürgerkrieg aufgezwungen haben, recht- Die Schlacht könnte als endgültig gewonnen gelten, wenn der Grundsatz der Neutralität, um dessen Anerkennung durch alle Staaten sich die französische Regierung bemüht, für einige von ihnen eine bloße Heuchelei wäre.£ s i s t gewiss, daß, wenn keine Einmischung von außen erfolgte, die Zeit für uns arbeitet. Wer sich über die Langsamkeit der militärischen Operationen wundert, an denen schließlich zahlenmäßig nur sehr schwache Kräfte beteiligt sind, möge nicht vergessen, daß am Abend des 19. Juli die Republik ohne Armee, ohne Gendarmerie und fast ohne Verwaltung dastand. Das alles mußte neu geschaffen werden, und erst jetzt geht aus dem Wirrwarr der Improvisation eine technische und militärische Organisation hervor, so daß, während die Rebellen schwächer werden, die Republik an Kraft gewinnt. Aber dieser Prozeß könnte leicht beeinträchtigt und selbst in sein Gegenteil verkehrt werden, wenn die Neutra 1 i t ä t n u r f ü r die Republik Von Pietro N e n n i. gelten sollte und nicht für die Aufständischen. Es steht außer Zweifel, daß die Rebellen sich nur in dem Maße halten konnten und können, als sie von Portugal, Italien und Deutschland Waffen und Vorräte empfangen. Die Aussichten der faschistischen Militärs sind äußerst gering und sie hängen durchaus von dem Tempo ab, in dem es dem General F r a n c o gelingt, seine Truppen aus Marokko nach Spanien herüberzuwerfen. So ist die Lage. Die Demokratie und die Arbeiterschaft Spaniens waren es der internationalen Demokratie und dem internationalen Proletariat schuldig, die bedrohte Freiheit in ihrem Land zu verteidigen. Das Spanien des Volkes hat diese seine Pflicht mit herrlichem Mut und ohne Wanken erfüllt. Umgekehrt schuldet die Demokratie und die Arbeiterschaft der ganzen Welt den spanischen Demokraten und Arbeitern die Verteidigung des Volkes gegen die Anschläge des internationalen Faschismus. Es gilt, um jeden Preis die Bewaffnung der Aufständischen zu verhindern! Wird dies erkannt und getan, dann ist der Sieg der Republik und des Sozialismus in Spanien außer Zweifel. Kirdbe am Sdieldcweg! Option für den Nationalsozialismus? Daß der kritische Punkt für die katholische Kirche, die zwischen ihrer konservativ-patriarchalischen Hinneigung zum»autoritären« Reglerungssystem jeder Art generell und prinzipiell und der praktischen und ideologischen Unvereinbarkeit sowohl ihres Ideengehaltes wie ihrer politischen Geschichte in Deutschland mit den Ansprüchen des totalen nationalsozialistischen Staates hin und her sich ziehen läßt und dabei alle Varianten improvisierten und notstandhaften Reagierens — vom vollendeten»Brückenbau« bis zum gehamischten diplomatischen Protest— in wenig imposanter und auch wenig symphonischer Weise durchspielt, nunmehr so nahe gerückt ist, daß es zur endlichen Option und zu einem allseits befreienden Entweder-Oder (gerade auch vom Standpunkt der in diese fürchterliche Schaukellage mit einverleibten Gläubigen im Reich) kommen muß, wird um so klarer, je unmittelbarer der Vatikan durch die spanischen Ereignisse mit ins große und entscheidende Drama der Weltpolitik der Gegenwart verwickelt ist. Auf der einen Seite— zusammen mit bombenflugzeugliefernden Verbündeten— die »Ordnung«, wie sie auch die Kirche traditionell versteht, auf der anderen Seite die Freiheit der bisher Unterdrückten, von der sie nicht nur einen Einbruch in ihren ideologischen Bereich, sondern vor allem auch eine mehr als bloß empfindliche Schmälerung ihres weltlichen Besitzstandes befürchten zu müssen glaubt. Es unterliegt gar keinem Zweifel: so bewußt es der Kirche ist, daß sich eine neue, die dritte Woge des nationalsozialistischen»Neuheidentums« in Deutschland bereits in Bewegung gesetzt hat und daß sie nur von der Rücksicht auf das propagandistische Olympia-Bedürfnis vorerst von den Machthabern noch hinter dem Deich gehalten wird, so zwingend scheint für die kuriale Politik die internationale und außerdeutsche Weltsituation sie auf aktiven Anschluß an die gegebenen Mächte der Konterrevolution hinzuweisen. Keine Beschönigung, keine fromme Illusion! Spanien mag aus zehn und hundert Gründen den Herren auf dem vatikanischen Hügel näher liegen, als jenes Deutschland, in dem der Katholizismus doch nur eine Minderheitsangelegenheit ist, die bei kluger Politik zwar weggetuscht, aber nie beseitigt werden konnte! Die anti-hitlerschen deutschen Emigranten-Katholiken, die vereinsamt und selbst von denen desavouiert, die in anderen Ländern Fleisch von ihrem Fleisch und Geist von ihrem Geist sein müßten, einen sehr schweren und tapferen Kampf bisher kämpften, empfinden selbst diese schicksalhafte Wendung. Sie scheuen sich auch nicht, in bitteren Worten dem Ausdruck zu verleihen, daß manches dafür spricht, daß sie schon sehr bald das Opfer, das deutsche Opfer der Politik der Kurie im Hinblick auf ihre ungleich größeren internationalen Interessen darstellen sollen. So schreibt die Pariser katholische Anti- Hitler- Korrespondenz» Kulturkampf« wie alarmierend und wie als Notsignal, ausgelöst von einer unmittelbar gerade ihrer eigenen Tendenz drohenden Gefahr: man Entnordung mittels Antenne Das Dritte Reich entdeckt eine neue Weltgefahr werden. die ganze zivilisierte Menschheit alarmierend<< wirken muß! > Es ist klar, daß man an derartig wichtigen Ergebnissen, wenn sie auf TatAußerhalb jener mit Recht als so gefährsachen beruhen sollten, nicht achtlos vorübergehen kann. Denn wenn es sich bei lich bezeichneten Radio- Technik freilich( der den Versuchen zwar nur um Pflanzen han- Autor dieses Beitrages gesteht es freimütig, delt, so wissen wir doch, daß es zwischen daß er davon nichts versteht und hoffentlich hinsichtlich Pflanzen- und Tierreich der wäre auch niemals etwas verstehen wird) Beständigkeit des Erbgutes keine prinkönnen Das beder das Dritte Reich ist geschehen! Das Dritte Reich, aufgebaut auf Ohren-| im Berliner> Acht- Uhr- Abendblatt<, in mit der Unterschrift: betäubung und Schock jedweder Art, kann» B. Z.<, im» Stürmer< oder im> Schwarzen rühmte Telegramm sondern in der autoritativen» Moses, Standartenführer« könnte furchtbare » Der Abschluß des österreichisch- deut- nicht leben ohne die Entdeckung immer neuer Korps<, Medizinischen Wo- Wahrheit werden. Einerseits. Andererseits: schen Abkommens mag gewisse Hoffnun- Weltgefahren. Was beispielsweise den Unter-» Deutschen aus der braunen Führerclique in der irgend einer gen( für die Situation der Kirche angetanen Wilhelms des Zweiten eine Zeitlang der chenschrift< lesen wir also sichts der neuen jetzt stattfindenden Fulist dem braunen letzten Augustnummer zu dieser förchter- erwacht eines Tages, nachdem er sich den daer Bischofskonferenz in Deutschland. D. Halleysche Komet war, wahrhaften Abend vorher durch Abhören der so beliebR.) erweckt haben, zum anderen hat die Leibeigenen mindestens ebenso drangvoll der lichen Entdeckung folgenden Akzentuierung der kommuni- bolschewistische Grusel, das > asiatische Alarmschrei, und zwar unter Autorschaft der ten Militärmärsche von Königswusterhausen stischen Gefahr im Zusammen- Steppengespenst<. Mitunter und in perio-» Genetischen Abteilung des von den Strapazen unerhörten Regierens erhang mit den Ereignissen in total verjudet! Ja, das für holt hat, und ist müssen neue Kaiser- Wilhelm Institutes Spanien in zur Resignation neidisch festgelegten Terminen genden Kreisen die Frage auf- Popanze einer staatlich geförderten allge- Hirnforschung in Berlin- Buche: ist allerdings eine größte Gefahr«, die>> auf geworfen, ob nicht die meinen Panikstimmung losgelassen Wahl zwischen einer kommuni- Der schrecklichste der Schrecken ist freilich stischen und einer nationalsozialistischen Periode in Europa erst in diesen Tagen entdeckt worden: die Radio nämhabe und sich infolgedessen mit dem Na- Entnordung durch tionalsozialismus als dem kleineren Uebel« lich! Man überlege, was das bedeuten abfinden müsse.<< will zwar nicht für einen Menschen, der Gewiß, der> Kulturkampf< wehrt sich noch halbwegs seine fünf gesunden Sinne zutapfer gegen» eine solche von der Propa- sammen hat und die Bürgerschule von eheganda der beiden Gegner aufgezwungene dem mit hinreichendem Erfolg absolvierte, dem könne in aber doch für jenes Dritte Reich, da Formel«. Außerdem sagt er Grundlage > Thron und einem totalen Staat schon im Hinblick auf eine ganze dessen Wesen nicht gut von einem» kleineren Altar«, von Staatsphilosophie und StaatsUebel gesprochen werden, vielmehr sei er räson, von Bibelgläubigkeit und Dogmenimmer das Uebel für die Kirche! Aber was festigkeit im Sinne von» Mein Kampf< erverschlägts, wenn jene Agitationsformel der schüttert, verwüstet und zertrümmert wird! > Antibolschewiken< tatsächlich von den ein- Was nützt nämlich noch Rassenhygiene, flußreichen und dirigierenden römischen Krei- wenn du beim Klang eines Jazz über die Man muß be- Kurzwelle sen mit übernommen wird? obachtet haben, wie die gesamte österrei- negerst?! Warum die SS zuchtmäßig mit Presse, unterm Krummstab deutschen Jungfrauen paaren, wenn der tükähnlich gleichgeschaltet, reichs- kische Aether, sich dir in Form eines eindeutsche unter Göbbels, Ereignisse in schmeichelnden Tangos aus Radio Toulouse Spanien in diesen entscheidenden Tagen in- nähernd, dich um alle Früchte so nordischen daß zu wissen, nicht nur Bemühens in terpretiert, um der» Ordensburg« bringt?! Hitler oder Mussolini, sondern auch Warum noch Sterilisationen und ErbgesundSachverständiger für Rassedie Diplomaten rund um den Stuhl St. Petri heitsgericht, des Innern, glauben, in einen einzigen und einfachen und wesen beim Reichsministerium grausigen Dualismus, in die Auseinanderset- Judengesetzgebung, Arierparagraph oder Moskau- Christenheit Moskau- Ahnentafel beim Referendarexamen, zung es sonst nennen das alles jetzt sozusagen Abendland oder, wie man über die Spule möge, mit eingreifen zu müssen! rutscht?! chische scher wie die die aus von Milwaukee der sowieso verund wenn zu zipiellen Unterschiede gibt. Hier wie dort allerdings mit erheblich größerem Ernst zum spontane Erbänderungen auftre- philosophischen« oder auch> weltanschauliten, hier wie dort können künstliche Mu- chen« Hintergrund besagter Angelegenheit, tationen ausgelöst werden mit Hilfe gleisozusagen zu ihrer» Metaphysik« etwas cher Methoden. Wenn es nun tatsächlich gelungen sein sollte, mittels Radiowellen sagen: Dieses Dritte Reich der Keimdrüsen Mutationen zu erzielen, so müßte diese und der Erbanlagen gründet sich nämlich inMitteilung auf alle Rassenhy- tellektuell wie moralisch auf einen so handgieniker und die ganze zivili- festen Materialismus von Pech und Draht, sierte Menschheit alarmienem durch die rend wirken, da ja jeder in sei- daß alle jene braven Leutchen am Anfang Zeitenwende im ach so liberalen Wohnbereich die der erklärten:» Der überall verbreiteten Rundfunk- vorigen Jahrhundert, sender täglich und stündlich den Mensch ist, was er iẞt<, in der Uebertrumpverschiedensten Intensitäten fung durch Hitler ihre nachträgliche Ehrendieser langen Wellen ausgehaben. Das ist also der setzt ist. Da sich diese Kulturerrun- rettung erfahren genschaft erst in den letzten Generationen Aspekt, der quasi> weltanschauliche<<, vom stark verbreitet hat, es also noch völlig an Wesen des Menschen, daß es auf die KeimErfahrung fehlt, ob die Radiowellen irgend drüse und auf deren hermetischen Verschluß einen Effekt auf den menschlichen Organismus, bezw. seine Keimorgane zukommt, gegenüber den tückischen Radio- Sendern anF. E. Roth. so könnte man für die nächste Generation kommt! auf viele Ueberraschungen gefaßt sein...) Dringende Pflicht der Rassenhygieniker und Erbärzte müßte es also sein, auf Mittel zur Abwehr dieser großen, ja der größ- die mit ihrer Gruppe von fünfzehn Berliner ten Gefahr, die je das mensch- Jungen und Mädchen in die Wirren des spaliche Erbgut bedroht hätte, zu nischen Bürgerkrieges geriet und nunmehr heimkehrte, erzählt in der» Deutschen Allgemeinen Zeitung<<( Nr. 378): sinnen.< BdM tanzt Eine deutsche Austauschschülerin, 17jähr., » Können Sie sich vorstellen und auch meine Mutter will mir das kaum glauben daß wir trotz aller Gefahr, trotz des Knatterns von Maschinengewehren, seelenruhig getanzt haben? Was sollten wir anders machen, als die Zeit von einem Hören der Nachrichten bis zum andern gut ausfüllen? Eine Option für jenen sehr tendenziösen Um es mit dem gebotenen wissenschaft> Antibolschewismus« Hitlerscher, Mussolini- lichen Ernst an dieser Stelle die erschrocken oder Frankoscher Fasson? In der Tat: man bedenke die Folgen für Nun, aufhorchende Welt wissen zu lassen es ist gerade in Deutschland, wo schon einmal eine also irgendwo angeblich festgestellt: Durch das Dritte Reich und seine Rassentheorie! große Kirchenrevolution stattgefunden hat Bestrahlung Keimorgane einiger Welche Katastrophe für den Walhall- Budund wo sich schon einmal das Kirchenvolk Pflanzen durch lange Radiostrahlen sind jetzt dhismus! Da lebt vielleicht künftig irgendwo gegen die Kirchengewaltigen verschwören bei diesen ganz neue Blütenformen im hintersten Pommernschen ein jüdischer mußte, wäre, den Blick nicht auf eine bar- und Farben erzielt worden. Ja, es ist Viehhändler, beargwöhnt ob aller Merkmale barische Mode, sondern auf Zeit und Ferne sogar gelungen, durch solche Bestrahlung von seiner» Rasse<, ob all seines unverkennbaren gerichtet, das Experiment nicht ganz unge- Tafeltrauben ganz neue Sorten zu erzeugen, Erbgutes und ob hundert sonstiger Imponder derabilien, weit ab von jedem frevelhaften fährlich. Nach all diesen und den noch dergestalt, daß der ganze Obstbau vor einer Gedanken an> Reichsbürgerschaft<< und VerKirchenvolkes kalifornische an erster Stelle kommenden Erlebnissen des im Dritten Reich. Das Wäre wendungsfähigkeit steht... paradiesischen Renaissance ganz bestimmt nicht ungefährlich.... es möglich, daß sich ein begabter Schüler Konzentrationslager ist ihm immer mindedas alles von Mark Twain am Arizona- Kikker hier stens so nahe wie das Steueramt Remilitarisierte Zone einen guten Zeitungsscherz geleistet hätte? von Rassehygiene( im Sinne Hitlers) wegen! > Eiserne Kreuze I. und II. Klasse, Vielleicht! Viehisch und unheimlich Und der Kerl geht nun mit echt jüdischer sowie Frontkämpferabzeichen, die ernst aber nimmt bei ihrer Ver- Bosheit hin, kauft sich einfach einen Göb- Feuerprobe ohnegleichen. Herz und Wilin den letzten Wochen gefunden und beim strickung in die hitlerdeutsche belsschen Volksempfänger, richtet die Intennicht auf den Laut( Kölner) Polizeipräsidium abgegeben worden Keimdrüsen- Philosophie auf je- sität der Glühbirnen seinen Hinterkopf, sind, liegen dort zum Empfang für die be- den Fall den Spaß vom Arizona- sprecher, sondern auf rechtigten Besitzer bereit.<< E. ( Aus dem» Völkischen Beobachter.<) Der Sphinx Mulmend qualmt das Ruhrgebiet. Leuna kocht brisante Klösse, deren Stank das Reich durchzieht. Eine duffe Wolkenwand hält in seiner ganzen Größe grau den Himmel überspannt. Droht Gewitter? Keine Spur. Auf der düstern Wolkenwand projiziert die Diktatur ihren Trickfilm in das Land. Und Europa, das beinah mit gekränkter Nase grollte, weil es roch, was es nicht sah und auch gar nicht sehen wollte, steht nun überwältigt da. Von den Alpen bis zur Küste über sieben Breitengraden siebzehn Grad von Ost nach West flimmern prunkende Gerüste: Buntbewimpelte Fassaden feiern fröhlich Richtefest. Richtefest des Dritten Reichs, des modernen Babylon. Gnädigstes Diktat des Scheichs jagt die jauchzende Nation tanzend um ein Luftgebäude. Munter sprudelt Kraft durch Freude. Bieder plärrt das Mikrophon. Kikker die deutsche schaftliche Fachwelt! Menschen bluten und sterben dicht vor der Tür? Nu wenn schon! Darf ich um den nächAus diesem Material sten Tango bitten? schnitzt man Heldenmütter. Das deutsche Herz boxt » Unsere jungen Boxer bestanden eine len beflügelten die Fäuste.<< (> Preußische Zeitung« Nr. 228.) Kube. Der abgesetzte Gauleiter und Oberwissen- Bauch oder einen anderen beliebigen Körper- präsident Kube sitzt in strenger Haft in der das Unheil für Festung Küstrin. Nicht etwa teil mit Keimdrüsen und Deutschland: Tausend Jahre Kirmes! Tausend Jahre Reichsgestüt! Auf der Wand des Lichtbildschirmes springen zärtlich braune Böckchen braunen Zicklein um die Böckchen und veredeln das Geblüt. Rassenreine Ehrenmolche schwingen hübsche kleine Dolche. Wie die Dolche lustig blinken. Friedlich schneiden sie die Schinken, die geräuchert sind und tot. Panzerwagen schleppen Braten, Bombenflieger Wurstgranaten, und der Train fährt Honigbrot. Die Schlaraffenwürste fliegen, daß sich alle Balken biegen und der Film zu reißen droht. Reißt er, endet das Vergnügen, und die luftgeblähten Lügen flattern trist nach rechts und links. Ueber der zerfetzten Feier schimmert durch den Wolkenschleier nackt und bleich die Wahrheit rings. Von den Alpen bis zur Küste dehnt sich eine braune Wüste. In der Wüste hockt ein Sphinx. Feist behüten ihn Eunuchen vor den Sklaven ohne Zahl, die ihn bauten und ihm fluchen, Vögte, die die Peitschen zücken, beugen einem Volk den Rücken vor dem Spuk aus Lehm und Stahl. Deutschland muß sein Reich zerroden. Deutschlands Sphinx friẞt Blut und Boden. Hinterhältig grinst die Fratze. Ist es Drohung oder Schmus? Reckt die breitgeprankte Tatze sich zum Schlage oder Gruß? Ein Gefolge brauner Schnaken und vergierter Kakerlaken leckt ihm eifrig Schwanz und Fuẞ. Schäkernd tätscheln ihn Hyänen. Esel tanzen um den Götzen. Schmeichelnd dampft ihr Opferdung. Der Geruch sträubt Löwenmähnen. Doch die Vipern in den Klötzen züngeln vor Begeisterung. Die Kamele, welche scheu unter seinen Blicken rasten, schwören loyal und treu zitternd unter ihren Lasten rückhaltlose Wiederkäu. Straußen bergen Spatzenbirne vor dem Spukbild in den Sand. Und der Wandrer senkt die Stirne: Sphinx, wann frißt du unser Land? Duff schließt sich der Dunstverhang wieder vor des Bildes Blöße, und die Antwort ist Gestank. Giftgestank wallt auf und zieht. Leuna kocht brisante Klösse. Mal mend qualmt das Ruhrgebiet. Der Rote Hans Der Spanier In Toulouse, an einem kleinen Hafen des Canale du Midi, der den Atlantischen Ozean mit dem Mittelmeer verbindet, erfolgte unsere erste Begegnung. Er war aus Cadix und fuhr nun schon 22 Jahre lang mit seinem motorisierten Schiff > Marie- Rose« immer zwischen Bordeaux und Zéte hin und zurück. Die Weine von Perpignan und der Gascogne in mächtig gewölbten Tonnen lasteten schwer auf dem bescheidenen Kahn und drückten ihn tief bis zur Fläche des Wassers herab. Was mich an diesen Mann fesselte? Ein unvorstellbar braunes Gesicht mit zwei hellen Augen, die von unzähligen kleinen Fältchen strahlenförmig umsäumt waren. Der Vierzigjährige hatte nach einer Pause von Jahrzehnten seine Mutter in der Heimat besucht und berichtete darüber gestenreich und übersprudelnd in einer Sprache voller Klang und Farbe, einem Franzö sisch mit spanischen Wortbrocken. Ich habe damals versucht, diesem Manne auch politisch nahezukommen. Es war vergebliche Mühe. Den Namen Marx hatte er noch nie in seinem Leben gehört, dafür verstand er um so mehr von allen Weinen des Landes und ihren Finessen, und als ich seine wohlgenährten Hühner, die auf dem Schiffe zwischen den Fässern krochen und pickten, bestaunte, lud er mich zum sonntäglichen Poulet in der schmalen Kajüte ein. Ich lehnte ab, aber da blitzte er mich an:» Ich bin Patron, ich verdiene meine 1800 Franken im Monat und habe alles frei hier auf dem »Aufregend Interessant« Kttensmas und WilhebninismtM— auch der deutschfreundlichste Schweizer sieht keinen Unterschied. Der»Bund« in Bern hat sicher eine ganze und lange deutschfreundliche Tradition zu verlieren. Aber er achtet, auch gegenüber dem jetzigen Hitlerdeutschland, sorgsam darüber, daß er das nicht tut. Während des Weltkrieges war er der förmliche Anwalt des durch Hindenburg-Ludendorff verkörperten militanten Germaniens und sein einziger Stegemann— man sagte ihm damals nach, daß er direkt von der Obersten Heeresleitung inspiriert werde— hat zur Zerstörung der feindlichen Propaganda sicherlich mehr beigetragen, als der unmittelbare Vorgänger des Göbbelsmlnisteriums, das Kriegspresseamt seligen Angedenkens mit allen seinen 500 oder auch 1000 monokelwetzenden Offizieren in Berlin zusammen. Und da hat dem Schweizer Blatt jetzt der reichsdeutsche Verlag, die Frankhsche Buchhandlung, seine letzte Neuerscheinung— Paul Sethe,»Im Banne der Grauen Eminenz«— als Rezensionsexemplar übermittelt. Die »Graue Eminenz« ist— in historizisierender Anspielung auf den Vertrauten des großen Richelieu, den Kanzler des vierzehnten Ludwig— jener geheimnisumwitterte Geheimrat Friedrich von Holstein im Berliner Auswärtigen Amt zur letzten Kaiserzeit, der Todfeind Bismarcks, Großverdiener in politischen Börsenmanövern, die er selbst inszenierte, Intrigant im tiefsten Dunkel der anonymen Ge- helmrätlichkeit, menschenscheu, lichtscheu, moralscheu... Das alles hat Sethe in seiner Korruption, in seinem Bombast, in seiner falschen Ruhmredigkeit gesehen und beschrieben. Und nun schreibt dazu der»Bund«: »Für Reichsdeutsche, die politisch denken, muß es fast aufregend interessant sein, auch in diese unter der Diktatur veröffentlichten Darstellung des wilhelminischen Regimentes den schonungslosen Nachweis der Folgen eines Systems zu lesen, das nur eine Meinung, nämlich die des Herrschers, duldet, vor der jeder bürgerliche Mut zur Wahrheit erstirbt, während der Herrscher im Dunkel Uber das gehalten wird, was die Leute denken und wie es die Parasiten des Systems treiben.« Die Buchkritik schließt mit dem ausdrücklichen Hinwels auf solche frappante Analogie: Wilhelm-Hitler! So urteilt also ein wegen seiner Deutschfreundlichkeit bekanntes und in derselben Sache sogar verdientes Blatt der Schweiz. Aber auch die Analogie Wilhelm-Hitler stimmt doch nicht ganz; sie stimmt nicht ganz— zugunsten Wilhelms nämlich! Denn schließlich hat der letzte Hohenzoller von den Börsenmanövern und landesverräterischen Spekulationen seines Holstein wirklich nichts gewußt, der Hitler aber—? Nun, er hat sicher den Reichstag nicht gerade persönlich angezündet! F. E. Roth. Positive Medierer Ein Kapitel von Haarfarbefetisdiismus, Wasserstoffsuperoxyd und Irrfahrten Im Glauben Ein beliebtes Wort der braunen Diktatur lautet:»Dynamik«. Es rauschen und zünden alle Motoren der germanischen Erneuerung, es entwickeln sich unheimliche mythische Kräfte und Gesetze selbst gewissen Sturm und Drangs, wenn dieses Wort aus Führermund strömt. Aber selbst im Leben der Dynamik ist es manchmal häßlich eingerichtet. Ein Aufsatz von Otto Herrmann, der durch zahlreiche braune Blätter geht, beweist, daß man auf diesem steilen Grade leicht ausrutschen kann. Herrmann entdeckt nach drei Jahren des Dritten Reiches, wie schwer es ist, die»blutmäßigen« Thesen des Nationalsozialismus vor der alltäglichen deutschen WirkUchkeit arteigen und rasserein zu erhalten. Jeder Blick auf die obere Garnitur der braunen Ordenschaft zeigt, daß es neben den langschädeligen und hochbeinigen Blondlingen des Nordlandes zahlreiche privilegierte dinarisch-ostisch-semitische Schwarzalben und schrumpfarische Gestalten gibt, die man bei bestem Willen aus dem deutschen Eichwalde gar nicht entfernen kann, ohne ihn selbst zu entblößen und zu entblättern. Hitler, Heß, Göbbels sind von so zahlreichen schwarzhaarigen Schicksalsgefährten umgeben, daß sich— dies beweist Otto Herrmann — die rassische Dynamik des Dritten Reiches(und späterhin Walhalls) vor gemeingefährlichen Fallstricken kaum noch zu retten vermag. Hier hat sich soeben ein neuer heimtückischer Parasit angesiedelt, den Otto Herrmann zur Warnung für die deutsche Volksgemeinschaft aufspießt: der»positive Meckerer«. Man kannte bisher müden simplen Wald- und Wiesen-Meckerer, der infolge»negativer« Einstellung das Regime und seine großen Männer verunglimpft und dafür rechtens mit Gefängnis und Konzentrationslager bestraft wird. Was aber ist der neue»positive Meckerer?« Otto Herrmann klärt uns darüber folgendermaßen auf: »Es hat sich im Laufe der Zeit herausgestellt, daß jenem Typ des kleinlich unzufriedenen, ewig nörgelnden, dem die Gegenwart den weniger schönen als treffenden Namen»Meckerer« gegeben hat, genau eine andere, nicht weniger kleinliche Spielart entspricht, die auf den ersten Blick das Gegenteil zu sein scheint. Diese Spielart geht in ihrer Unzufriedenheit nicht vom Negativen aus, sondern verlangt vielmehr mit deutlich ausgesprochener Zustimmung zur Grundhaltung ihre weiteste Ausdehnung und Geltung... Diese Spielart unberufener Zeitbeurteiler ist eine Art positiver Meckerer, die man als Irrfahrer der guten Absicht und der rechten Grundsätze bezeichnen könnte. Meckerer mit umgekehrten Vorzeichen sind sie, well sie trotz bester Absicht nicht aufbauen, sondern verwirren. Ihre Verwandtschaft mit den eigentlichen Meckerern wird sofort einleuchten, wenn man bedenkt, daß es sich in beiden Fällen um eine Stellungnahme zum Geschehen und zum Geist unserer Zeit handelt, die aus dem Geltungstrieb des Unzulänglichen stammt, die den Mangel der Ein Hitler-Sie� mit peinlidiem Oelgeschmack Pennbrüder— im Dritten Reich sehr gefragt Jubilierend verkünden die braunen Blätter Hltierdeutschlands zur Zeit, daß die Zahl der »Wanderer« einen riesigen Rückgang zu verzeichnen habe. Wurden in der Stichnacht vom 10. auf den 11. Dezember bei den Ver- pflegsstationen im Jahre 1934 noch 36.024 Personen»auf der Walze« gezählt, so in derselben Nacht 1935 nur noch 30.221. Das wäre also eine Besserung der Sozialverhältnisse, vom Wanderer- und Pennbruder-Phänomen aus betrachtet, gleich um volle 16 Prozent! In der Tat, hier hat sich sicher nicht zwar die Sozialpolitik, aber die ungeheuerliche Neo-Militarismus des Dritten Reiches»segensreich« ausgewirkt. Aber die frohe Ziffer einmal unter die Kerze gehalten, ergibt sie doch noch eine weitere Kleinigkeit, nämlich:»nur in den Herbergen zur Heimat war die Zahl der Wanderer höher als im Jahre zuvor; fü r die Gasthäuser und Wirtschaften ist dagegen erfreulicherweise ein um 31 Prozent niedrigerer Bestand festgestellt worden.« So heißt es in dem amtlichen Siegeskantus wörtlich! Hält man das mit der totalen Rückgangszahl vergleichsweise zusammen, kann man sich ungefähr ein Bild von dem wilden Andrang der ganz Mittellosen auf die»Herbergen« beziehungsweise Nachtasyle im Dritten Reich machen! Wer früher von seinem»Verband« immerhin noch das notwendigste Zehr- und Uebernachtungsgeld erhielt, liegt jetzt ganz Mutter Grün oder dem Herbergsvater zur Last. Die private Mildtätigkeit aber ist durch»NS-Volkswohlfahrt< und andere System-Bettelei so gut wie abgestorben. Es hat also noch eine weitere riesige Verelendung der schon genug Elenden stattgefunden— was denn auch in der Tat dem wirklichen sozialen Status des Dritten Reiches, nachweisbar auf auch allen anderen Gebieten, entspräche. »Kur volle Unterwerfung« »Es ist klar, daß bei dieser Weiterentwicklung im Geiste des Nationalsozialismus über alle Widerstrebenden hinweggeschrit- t c n wird. Wir Nationalsozialisten verlangen grundsätzlich nur, daß sich der Beamte diesen, den Staat tragenden Ideen des Nationalsozialismus voll und ganz unterwirft.« (Gauleiter Koch bei der Verpflichtimg des neuen ostpreußischen Landeshauptmanns von Wedelstädt.) eigenen Leistimg durch eifrige Versicherungen ihres Besserwissens zudecken wollen.« Nietzsche spricht einmal von der Sehnsucht nach dem»gefährlichen« Leben, das 1 den wahren Uebermenschen erfüllen müsse. Seine Forderung ist für Deutschland in über- , raschend reichem Maße erfüllt worden. Gibt es irgendwo in der Welt eine gefährlichere Situation als hier, wo der buchstabengetreue- ste Anhänger der Lehre und des Glaubens, der unbedingte und leidenschaftliche Jasager als»Besserwisser«, als»lächerlicher Irrfahrer«, als»Haarfarbenfeti- s c h i s t< gebrandmarkt wird, wenn er die rassisch-biologischen Grundforderungen allzu wörtlich nimmt? Wer kennt sich da überhaupt noch aus? Schon beginnt die Lage für den»positiven Meckerer« noch katastrophaler zu werden, als für den»gemeinen«, denn dieser ist nicht so hintergründig wie der andere, der partout sein Blond verlangt und schwarzhaariges Gezeugs konsequent dem Lindwurm zum Fräße vorwerfen möchte. Vielleicht erleben wir in Kürze neue Volks- und Sondergerichte gegen die allzu fanatischen Bejaher, die an den Wurzeln der Volksgemeinschaft nagen. *** Wo ist aber dieser neueste innerpolitische Gefahrenpunkt entstanden? Auf der Ebene des deutschen Films, die immer schon voller Mikroben war. Eine»durchaus ernsthafte Zeltschrift«— so nennt sie Otto Herrmann — hatte sich jüngst dagegen gewandt, daß man westisch und ostisch aussehende Darstellerinnen wie Jenny Jugo und Lucie Englisch»liebenswerte Idealgestalten« spielen lasse, nordisch aussehende Frauen aber»unweigerlich unsympathische Rollen« bekämen. Der ritterliche Herrmann proklamiert dem gegenüber das Recht für jede deutsche Schauspielerin, ihren »Typ« zu spielen. Man wisse ja ohnehin nicht, ob Wasserstoffsuperoxyd ein echtes Rassenmerkmal sei, das im Kino oft nur als das Zeichen des Erfolgs gelungener Friseursarbeit angesehen werden müsse. Nur im Kino? Ist nicht das ganze Dritte Reich eine einzige Ondulierung auf falschen blonden Locken? Freilich, wir haben gegenüber dem tapferen Herrmann den Verdacht, daß er diesen mutigen Kampf gegen das privilegierte arische Wasserwellengepränge nicht ohne hochmögende Helfer im Rücken aufgenommen hat. Die dunkelhaarig-ostische Jenny Jugo gehört nämlich zum engeren, häufig fotografierten Freundeskreis von Joseph Göbbels und Frau Magda, und wer bei diesen Soupers das blonde Haar in der Suppe vermißt, der hat das Brandmal des»positiven Meckerers« sich selber zuzuschreiben. Harald. Schiff. Ich bin fremd hier im Land, grad so wie Sie. Wir sind Kameraden, verstehen Sie, und wenn es Ihnen mal an was fehlt, so wissen Sie, daß ich jeden Monat hier vorbeikomme.« Diese Einladung liegt ein Jahr zurück. Jeden Monat sagten wir uns Guten Tag. der Schweiß perlte auf seiner Stirn, wenn er unermüdlich die Zangen des Kr ans um die Ränder seiner Fässer preßte. Er rollte sie in unendlicher Reihe über das harte Kopfpflaster der Straße am Canale, eine wohlgeordnete und duftende Bastion, über die Kinder hüpften, bis der Abtransport erfolgte. Vor vierzehn Tagen sahen wir uns wieder. Er stürmte auf mich zu:»Kamerad, ich muß Ihnen Lebewohl sagen. Ich muß mit herüber, ich muß mitkämpfen mit den anderen. Zu sieben Mann gehen wir morgen los. Die Bande da drüben darf nicht gewinnen, die Spanien auf dem Gewissen hat. Die Generale, die Kirche...< Seine Augen blitzten, er warf die Arme hoch und schrie beinahe.»Und das Schiff?« fragte ich.»Was geht mich noch das Schiff an? Ich habe mit dem Verlader abgerechnet, 22 Jahre haben wir zusammen gearbeitet, und nun versteht er mich nicht, daß ich weg wül. Die»Marie-Rose« wird einen andern finden. Bei den sieben Kameraden, die wir morgen über die Grenze gehen, sind Familienväter mit zwei, mit vier Kindern. Da soll ich zurückbleiben?« Ich bohrte weiter mit meinen Fragen, denn mein Freund war auf einmal von einer Leidenschft durchschüttelt, die alle gewohnten und bekannten Maßstäbe eines kämpferischen Proletariers überschritt. Ich wollte wissen, zu welcher Partei er gehört. Er sah mich erstaunt an:»Partei? Partei? Darum geht es doch nicht. Es handelt sich um die Freiheit!« Dann nahmen wir Abschied voneinander. Vier Tage später kam eine Karte von der französischen Grenze, vom Pont des trois Roys, worüber die Fahrstraße nach Barcelona geht.»Dem Kameraden einen Gruß. Gleich sind wir drüben.« Darunter sieben Unterschriften. Mit ungelenker Hand war daneben eine geballte Faust gemalt. Andreas. Die Pleite der K. O. Die wirklichen Künstler boykottieren den braunen Wettstreit. Wie die deutsche Presse berichtet, soll die Kunstolympiade angeblich mit einem»überlegenen Sieg für Deutschland« geendet haben. Das Dritte Reich ersiegte 12 Medaillen. Kunststück, wo ja doch jede freiheitliche Gesinnung von vornherein sämtliche deutschen Kunstfeldwebel gegen sich haben mußte und eine beträchtliche Schar Künstler schon deshalb auf eine Beteiligmag an solcher Sorte Wettbewerb verzichtete. Das geht hervor aus verschiedenen Kommentaren der Blätter. So schreibt»Der Westen«; »Um so mehr möge das Ergebnis nun alle Nationen anfeuern, sich bei den nächsten Olympischen Spielen reger und vollzähliger am Kunstwettbewerb zu beteiligen a 1 s d i e s m a I. Es sollte nicht mehr vorkommen, daß in einzelnen Kunstarten überhaupt keine Preise verteilt werden können, wie es jetzt bei der Graphik, Dramatik und bei Kompositionen für ein Instrument der Fall war, oder auch nur, daß in der Malerei, bei Zeichnungen, Aquarellen und Plaketten die goldenen Medaillen ausfallen.« Wer aber ist schuld an dieser Pleite? Selbstverständlich die mangelhafte Propaganda in anderen Ländern: »Bei der Propagierung dieser geistigen Seite der Idee Coubertins haben aber noch die Veröffentlichungsmittel In den verschiedenen Ländern, ob es nun Zeltung, Zeitschrift, Funk oder Film ist, in großem Umfange versagt. Es ist bezeichnend für die Kulturlage des 20. Jahrhunderts, wie unverhältnismäßig gering das öffentliche Interesse auch 1936 an dem Kunstwettbewerb gewesen ist, wenn man an den Riesenaufwand denkt, der den sportlichen Veranstaltungen gewidmet wurde.« Das Interesse an diesem Wettbewerb mit Maulkorb war eben so gering, wie seit drei Jahren das allgemeine Interesse an der deutschen Kunst. Es war ein regelrechter Boykott, durchgeführt von den wirklichen Künstlern. Preislyrik Die ostpreußische Gaufunkstelle veranstaltete in verschiedenen Städten ein Preisausschreiben:»Gesucht wird der beste Werbespruch für den Volksempfänger«: Wie die braune Presse meldet, wurden u. a. die folgenden Sprüche durch Preise ausgezeichnet; »Wer mit dem Volksempfänger Rundfunk hört, dem ist das Leben noch einmal soviel wert.« »Du knüpfst im Betrieb der Gemeinschaft Band, wenn Du einen DAF-Empfän- ger hast zur Hand.« »Das Neueste im Weltenrund, der Volksempfänger tut es kund. Doch wenn nun gar der Führer spricht, fürs deutsche Herz gibts schöneres nicht.« Die nationalsozialistischen Rundfunker Ostpreußens sollten als Preisrichter zur Kunstolympiade entsandt werden. Alldht ganz zufrieden? »Es tut mir immer weh, wenn der eine oder der andere meist noch recht jugendliche Deutsche, den das gewöhnlich gar nichts angeht, über die Frontsoldaten urteüt:»Ja, die Taten der Frontsoldaten in hohen Ehren! Aber ihr tatet, weü ihr mußtet! Ihr zogt nicht freiwillig in den Krieg, sondern well es eure Pflicht war, weil man euch eingesperrt oder an die Wand gestellt hätte, wäret ihr fahnenflüchtig geworden. Die polltischen Soldaten aber taten alles, was sie taten, freiwillig. Sie zwang niemand. Sie folgten dem Führer aus eigenem Willen. Darum haben die politischen Kämpfer euch Frontsoldaten gegenüber ein großes Plus!< So etwas gibt Verärgerung, gibt Spannung zwischen jung und alt...« (»Fridericus«.) Steuer-Olympiade Um die während der Olympiade verpulverten Propaganda-Millionen wenigstens zum Teil wieder hereinzuholen, werden deutsche Olympia-Marken mit einem Ueberpreis von 66?/1%(eine 6-Pfennig-Marke für 10 Pfennig) verkauft. Eine herrliche Gelegenheit, auch von Nichtdeutschen eine Steuer einzuziehen!»Philatelisten aller Welt, kauft deutsche Olympia-Marken(Wir sind pleite)!« „In Deutschland ist nlles besser jeworden" 90 Prozent der Hausgehilfen gegen die Arbeitsfront— $6 Prozent der Holzarbeiter gegen Nazipresse Unter Führung von»Kraft durch Freude« haben, wie die Deutsche Arbeitsfront berichtet, 50 Griechinnen eine Fahrt durch die deutschen Gaue gemacht, und ihre Wortführerin hat beglückt ausgerufen: »Heute ist alles so froh und lebendig, daß es ohne weiteres klar wird, daß im neuen Deutschland alles besser geworden ist.« Die Berichte der sozialistischen und der gewerkschaftlichen Vertrauensleute spreche® eine andere Sprache. Aber selbst die Mitteilungen der Arbeitsfront lassen zwischen den Zellen erkennen, daß die Lage der Arbeiter und Angestellten nicht besser, sondern schlechter geworden ist. Dabei bedient man sich folgenden Tricks; Im ersten Teil der DAF-Artikel wird an den sozialen Zuständen von früher eine vernichtende Kritik geübt, dann wird sachte zugegeben, daß es immer noch»Querulanten« unter den Unternehmern gibt, und schließlich wird festgestellt, daß die heutigen unsozialen Zustände auf das Schuldkonto der früheren Epoche zu verbuchen sind. Nol der äUeren Angestellten So befaßt sich die»Deutsche Arbeits- Korrespondenz« mit dem Stellenmarkt der Angestellten und faselt von der himmelschreienden Not der älteren Angestellten in der Zeit vor Adolf Hitler. Und heute? »Wenn der Kreis der Aelteren noch nicht restlos eingebaut werden konnte, so ist das der Auffassung einer vergangenen Epoche zu verdanken, die die Ware als das Wesentliche ansah, jedoch den Menschen erst in zweiter Linie im Spiel der Zahlen wertete.« Das Institut für Konjunkturforschung teilt in seinem Wochenbericht mit, daß die»Not- und Grenzgebiete immer noch eine verhältnis- nismäßig hohe Arbeitslosigkeit ausweisen« und bemerkt: »Dasselbe gilt auch für die älteren arbeitslosen Arbeiter und Angestellten, deren Zahl ebenfalls außerordentlich hoch ist.« Warum beharrt der Direktor darauf,»daß der 25jährige Buchhalter dem 50jährigen vorzuziehen ist?« »Weil der Herr Besserwisser oder Herr Trauerweide an die Zeiten von vor sechs oder vier Jahren ergebenst erinnert wird.« Hausgehilfen pfeifen auf die Arbeitsfront Die Beseitigung der Arbeitslosigkeit beruht, soweit es sich um die Hausgehilfen handelt, auf dem Geheimnis, daß arbeitslose junge Mädchen in großer Zahl den wohlhabenden Familien ohne Lohn und lediglich gegen Gewährung des Unterhalts aufgezwungen werden. Die DAK wundert sich nun über die Klagen der Hausfrauen, daß ihre verzweifelten Hausgehilfinnen»die Stellungen ohne Kündigung« fluchtartig verlassen. Die DAK richtet daher an die bedauernswerten Hausfrauen die Bitte, für den Beitritt der Hausangestellten zur Deutschen Arbeitsfront sorgen zu wollen. Die DAF allein verbürgt»die Zuverlässigkeit der zu Vermittelnden«. »Nach genauer Prüfung der Dinge konnte festgestellt werden, daß 90 Prozent dieser Hausgehilfen der Deutschen Ar-' beitsfront nicht angehörten.« Um dem Uebel abzuhelfen, hat die»Reichsfachgruppe Hausgehilfen« eine Reorganisation durchgeführt und drei Fachschaften für Küche, Haushalt und Wirtschaft errichtet. Die letzte hat fünf Sparten; 1. Gärtner, 2. WirtschaftsgeMlfen, 3. Kraftfahrer, 4. Diener, 5. Diener, Kutscher, Kraftfahrer. Nun werden die»Herrschaften« der Volksgemeinschaft dafür sorgen, daß ihre Bedienten alle Mitglied der DAF werden. Die Fachschaft könnte ihre umständliche Gliederung vereinfachen und drei Gruppen schaffen: Diener, Knechte und Mägde. Holzarbeiter lehnen die Arbeitsfrontpresse ab Die Arbeitsfront gibt in ihrer Propaganda meist nur Gesamt-Mitgliederzahlen an, die sich zwischen 22 bis 25 Millionen bewegen. Da es sich um Zwangsmitgliedschaften handelt, geben die Zahlen auch keinerlei Aufschluß über die innere Einstellung der Arbeiter und Angestellten. Ein Gradmesser für die Ablehnung dieser Arbeiterkaserne ist In der Zahl der Leser der einzelnen Fachblätter zu finden. Hier kann der Ley z. B. bei den Holzarbeitern folgendes Fiasko feststellen: Nach der letzten Berufszählung umfaßt das Holz- und Schnitzgewerbe an Erwerbstätigen insgesamt 866.737 Personen. Die Auflage des Fachblattes aber wird jetzt mit nur 124.000 angegeben. Trotz Zwang und Terror lehnen also 86 Prozent der Berufsangehörigen das Fachblatt und damit den ganzen Schwindel der Reichsbetriebsgemeinschaft offen ab. Ehe»Auslandsvertretimg der deutschen Gewerkschaften« schreibt treffend: »Die Holzarbeiter mögen weder die Nationalsozialisten noch Ihre„Leistungen".« Eine dieser»Leistungen« ist der Schwund der Löhne bei gleichzeitiger Verminderung der Kaufkraft. Die amtliche Lohnerhebimg in der Holzindustrie zeigt bei aller Unvollstän- digkeit der Nazi-Statistik: Nettolohn 1931..... 40.78 RM 1985..... 38.86 RM Elffausend Berliner Budidrudter arbeitslos Die faustdicke Lüge über den angeblichen Rückgang der Arbeitslosigkeit wird wieder einmal von der Arbeitsfront selbst enthüllt. Der»Korrespondent« gibt die Zahl der arbeitslosen Buchdrucker für ganz Deutschland mit nur 15.000 an. In einem Gerichtsbericht aus Berlin aber heißt es; »Kreis-Verwaltungsgericht Niederbamim. Einer der 11.0 00 Berliner Buchdrucker. der 59jährige Ernst Heinze, der in der Siedlung an der Persantestraße in Bernau ein kleines Anwesen sein eigen| nennt, möchte sich durch Eröffnung einer Schankwirtschaft eine neue Existenz schaffen... Kr.-Verw.-Gericht Niederbarnim beschloß...« Wer lügt? Leistungen der Arbeitsfront Während so das Elend der Arbeiter aller Berufe weggelogen wird, übt sich die Arbeitsfront in»Schönheit der Arbeit«: »Kraft durch Freude im Spiegel der Woche. Die bekannte Großdruckerei Hendes in Köslin hat in gemeinschaftlicher Arbeit sämtliche Fenster ihres Betriebsgebäudes mit Blumenkästen geschmückt« Da die bunt geschmückten Fenster der Betriebsstätten aber keinen genügenden Unfallschutz bieten können, muß die DAK zugeben, daß die Schadenverhütung in der deutschen Wirtschaft nicht funktioniert. Die»Reichsarbeitsgemeinschaft Schadenverhütung« hat feststellen müssen, daß der Verlust an sachlichen Werten und an menschlicher Arbeitskraft im Jahr rund fünf Milliarden betragen hat. »Das Beklagenswerte dabei ist, daß 75 Prozent des Schadens durch Selbstverschulden verursacht ist.... Ganz unersetzlich ist für die Volkswirtschaft der Verlust an Arbeitskraft, wobei einmal ganz davon abgesehen sein soll, wieviel Lebensglück dabei im einzelnen zerstört wird und wieviel menschliches Leid dadurch verursacht wird.« Sie reden von der»Schönheit der Arbeit« und haben in ihrer Erziehung zur»Volksgemeinschaft« die profitlichen Unternehmer noch nicht einmal zur Beachtung der Unfallverhütungsvorschriften bewegen können. Aber e i n»Erfolg« der Deutschen Arbeitsfront soll nicht verschwiegen werden, denn er kennzeichnet sie. Bis zum 1. September werden 2 1.6 Millionen Arbeiter und Angestellte mit dem Arbeitsbuch ausgestattet sein. »Von diesem Tage ab darf kein Arbeiter und Angestellter beschäftigt werden, der nicht im Besitz des Arbeitsbuches ist.« Das Dritte Reich hat zur höheren Ehre der Arbeit die mittelalterliche Gesindeordnung wieder hergestellt. Und noch eine Freude des Lebens weiß die Arbeitsfront den Hörigen in Deutschland bekanntzugeben. Auf der Freilichtbühne des Reichssportfeldes Ist die»Kraft-durch- Freude<-Großtanorgel den deutschen Schaffenden vorgestellt worden. Tonerzeugung, Klangfarbe und elektrische Schwingungserzeuger werden den Arbeitern genau erläutert.»Der Großtonorgel sind in der Lautstärke kaum Grenzen gesetzt.« Wenn es auf die Lautstärke ankäme, wäre die soziale Frage im Dritten Reich schon gelöst. Die Folier Durch die nationalflozialistische Presse geht ein Artikel»Zweikampf oder Folter?«. Darin heißt es: »Die nationalsozialistische Regierung hat das Recht auf den Zweikampf zur Reinhaltung der eigenen Ehre wiederhergestellt. Nur wenige wissen, daß der Zweikampf nicht etwa eine Erfindung der studierenden Jugend oder der alten Studentenverbindungen war, ja, daß er nicht einmal auf das ritterliche Turnier zurückgehen dürfte, sondern daß seine älteste uns bekannte Form bäuerlichen Ursprungs ist und aus der Rechtspflege unserer Altvordern stammt. Man betrachtete den Zweikampf als eine Art Gottesurteil des Freien. Erst im 13. Jahrhundert, als infolge fremder Einflüsse die führenden Schichten des Volkes dem alten Geiste entfremdet waren und als das Römische Recht über die alte deutsche Rechtsauffassung gesiegt hatte, drang von Italien her die Folter in unsere Rechtspflege ein, die dem Angeklagten die Möglichkeit nahm, sich zu verteidigen, und die ihm in der grausamsten und unmenschlichsten Welse der Willkür sadistischer Schergen auslieferte. Wer sich den Unterschied zwischen dem Zweikampf vor Gericht und der grausamen, von elenden Henkersknechten vollzogenen Folter klar macht, kann ungefähr begreifen, welcher unsagbare Unterschied besteht zwischen der alten germanisch-deutschen und der späterhin eingedrungenen fremden, römischen Rechtsauf f as- s u n g.< Daß es Inzwischen einmal eine Rechtsprechung gab, die ohne den»Zweikampf der Freien« und ohne die Folter(etwa in den Gestapokellern oder im KZ) auskam, kann sich ein richtiger brauner Neugermane gar nicht mehr vorstellen. Nicht arbeiten" marsdiieren! Zu den Besonderheiten der Nürnberger Parteitage gehört es, daß größere Gruppen von jungen Leuten aus den verschiedensten Teilen des Reiches nicht wie die übrigen Teilnehmer mit der Eisenbahn verfrachtet, sondern z u F u ß nach Nürnberg entsandt werden. Manche Propagandamärsche dieser Art dauern wochenlang. Die ostpreußischen Burschen z. B.—»stramme Söhne des deutschen Ostens« werden sie in den braunen Zeitungen genannt— kehren erst nach 1% Monaten in ihre Heimat und an ihre Arbeitsplätze zurück. Der Beruf wird einfach so lange an den Nagel gehängt, denn die Arbeit ist ohnehin Nebenberuf geworden, der Parteimmmel ist die Hauptsache. Die ostpreußischen Naziblätter schreiben allerdings: »Kein Betriebsführer wird einen Lehrling leicht sieben Wochen entbehren, und doch ist es so, daß es Teilnehmer der Marscheinheit Ostland gibt, die für den Adolf-Hitler-Marsch frei bekommen haben, weil ihre Leistungen eben so gut sind, daß die anderthalb Monate Urlaub ihrer Ausbildung nicht schaden können!« Und das könnte ja beinahe so aussehen, als läge die Entscheidung bei den Arbeitgebern, die ihren tüchtigsten jungen Leuten freiwillig»freigeben« dürfen. Eine Notiz in den Berliner Zeitungen rückt die Angelegenheit allerdings in ein anderes Licht: »Die Reichswirtschaftskammer hat an die Betriebsführer die Aufforderung gerichtet, den Gefolgschaftsmitgliedern, die laut Bescheinigung der zuständigen Parteistellen für die Teilnahme an dem diesjährigen Reichsparteitag in Nürnberg ausersehen sind, den hiefür erforderlichen U r- laub ohne Anrechnung auf den den Gefolgschaftsmitgliedem sonst zustehenden vertraglichen oder tariflichen Urlaub zu gewähren.« Also nicht die gute Meinung des Betriebsführers, sondern die»Bescheinigung der Parteistelle« gibt den Ausschlag. Da der übliche Urlaub neben dem Parteitagsurlaub bestehen bleibt und da auch sonst viele Wochen für»Schulungslehrgänge«,»Uebungen« und andere »Dienstobliegenheiten« draufgehen, ist so ein junger Bursche einen beträchtlichen Teil des Jahres unterwegs. Die Lehrlinge marschieren — und der im Dritten Reich viel beklagte Facharbeitermangel marschiert auch. Wo so viele Entgleiste an der Spitze eines Staates stehen, muß die Achtung vor planmäßiger und ausdauernder Arbeit sinken. Enttausdite Handwerker Unter der Ueberschrift:»Die Belebung und das Handwerk« ist in einem Artikel in der»Frankfurter Zeitung« u. a, zu lesen: »... Von den Schlossereien verzeichnen die kleineren Betriebe eine geringere Beschäftigung... Insbesondere hört man Klagen, daß die Heeres- Bauämter die Schlossereien bei der A u f- t r a g s v e r g e b u n g noch zu wenig bedenken... Auch im Handwerk bleiben diejenigen Zweige zurück, die aus dem Sondercharakter der allgemeinen Belebung mittelbar oder unmittelbar nur wenig Nutzen ziehen können. Ueber schlechte Beschäftigung klagen allgemein die Bürsten- und Pinselmacher, die Musikinstrumentenmacher und die Drechsler... Die ländlichen Stellmacher und Schmiede klagen über Zurückhaltung der Bauern in der Auftragserteilung... Außerordentlich schleppend sei auch die Bezahlung der Arbeiten durch die bäuerlichen Kunden... Bei den Korbmachern hat sich die Lage dadurch verschlechtert ... Eine ständige Einbuße bedeutet hier die Gefängnisarbeit... Bei den Buchdruckern hat die Auflösung vieler kleiner Z e i t u n gs b e t ri e b e einen empfindlichen Auftragsausfall verursacht. Im Nahrungsmittelhandwerk sei die Lage der Bäckereien noch immer sehr angespannt; die Verschuldung wird als recht hoch bezeichnet. Bei den Uhrmachern ergibt sich ein Ausfall an Reparaturen... Ganz ähnlich bringt die Ausbreitung des billigen Gebrauchsschuh den Schuhmachern einen erheblichen Ausfall an Reparaturen.. So sieht also die»Belebung« des deutschen Handwerkes aus! Kaum ein wichtiger Zweig, der nicht über geringere Beschäftigung, über Auftragsrückgang, Verschlechterung der Lage oder über Verschuldung klagt. Diese Schilderung kommt der Wahrheit viel mehr näher, als jene rosig gefärbten Darlegrungen, die zu Propagandazwecken gegeben werden. Sie deckt auch die Ursachen der wachsenden Unzufriedenheit auf, die gerade die Handwerker, die sich von der Hitlerherrschaft sehr viel versprochen haben, in breitem Umfang erfaßt hat. Grabdenkmal-Inschriften unter Zensur! Die»Frankfurter Zeltung« meldet: Das Konsistorium der Provinz Brandenburg hat im Hinblick auf unliebsame Vorkommnisse angeordnet, daß für alle Inschriften auf Grabdenkmälern auf kirchlichen Friedhöfen die vorherige Zustimmung des zuständigen Geraeindekirchen- rates einzuholen sei. Melodik In den sogenannten Wehrbeilagen der Hitlerpresse macht ein Aufsatz, gezeichnet Dr. A. Büchner, die Runde, in dem es wörtlich heißt: »Fragt ein Kind, wie die Wanduhr spreche, es wird sagen:»Tik-tak!« Die Glocke vom Kirchturm?»Bim-bam!« Und das Mühlrad?»Klipp-klapp!« Aber wie spricht der Schuß? Unser Kind wird antworten»Plff-paff!« oder »B u m m!< Der Kämpfer des Weltkrieges faßt den Gewehrschuß lautlich in verschiedenster Weise auf:»Päng! Päng!« hört der eine, der andere»Pitsch! Pitsch!«, »Krach, krach!«,»P a m, pam!« »Zim, zim!« So geht es drei Spalten lang weiter, alle erreichbaren kriegerischen Lautmalereien bekannter und unbekannter Schriftsteller von Lillencron bis Schmidkunz werden zitiert (»taktaktaktak, i- i- hi- hi, bau- u- u- lululululu• ch- sch- ach, trachtarararach!«), und überschrieben Ist das Ganze:»Harmonik und Melodik unserer modernen Feuerwaffe n.«— Noch ein paar Jährchen so weiter und die Musiker werden Maschinengewehre im Konzertsaal auffahren müssen, wenn sie deutschen Ohren schmeicheln wollen. "HjucrUormnrfs 6ojiaW»mpfraHfc!)«»odjcnblaH Herausgeber: Ernst Sattler; verantwortlicher Redakteur: Wenzel Horn; Druck:>G r a p h i at; alle in Karlsbad. Zeitungstarif bew. m. P. D. ZI. 159.334/VII-1933. Printed in Czechoslovakia. Der»Neue Vorwärts« kostet im Einzelverkauf innerhalb der CSR Kö 1.40(für ein Quartal bei freier Zustellung Kö 18.—). Preis der Einzelnummer im Ausland Kö 2.—(Kö 24.— für das Quartal) oder deren Gegenwert in der Landeswährung(die Bezugspreise für das Quartal stehen in Klammern); Argentinien Pes. 0.30(3.60), Belgien: Belg. Frs. 2.45(29.50) Bulgarien Lew 8.—(96.—). Danzig Guld. 0.45 (5.40), Deutachland Mk. 0.25(3.—), Estland E. Kr. 0.22(2.64), Finnland Fmk. 4—(48.—), Frankreich Frs. 1.50(18.—), Großbritannien d 4.—(Sh. 4.—), Holland Gld. 0.15(1.80), Italien Lir. 1.10(13.20), Jugoslawien Din. 4.50 (54.—). Lettland Lat. 0.30(3.60), Litauen Lit. 0.55(6.60), Luxemburg B. Frs. 2.45(29.50), Norwegen Kr. 0.35(4.20), Oesterreich Sch. 0.40(4.80), Palästina P. Pf. 0.020(0.216), Polen Zloty 0.50(6.—), Portugal Esc. 2.— (24.—). Rumänien Lei 10.—(120.—), Schweden Kr. 0.35(4.20), Schwei« Frs. 0.30(3.60), Spanien Pes. 0.70(8.4(V). Ungarn Pengö 0.35 (4.20), USA. 0.08(1.—). Einzahlungen können auf folgende Post- Scheckkonten erfolgen: Tschechoslowakei: Zeitschrift»Neuer Vorwärts« Karlsbad. Prag 46.149. Oesterreich:»Neuer Vorwärts« Karlsbad. Wien B-198.304. Polen:»Neuer Vorwärts« Karlsbad. Warschau 190.163. Schweiz:»Neuer Vorwärts« Karlsbad. Zürich Nr. VTII 14.697. Ungarn: Anglo-Cechoslovaklsche und Prager Creditbank Filiale Karlsbad. Konto»Neuer Vorwärts« Budapest Nr. 2039. Jugoslawien; Anglo-Cechoslovakische und Prager Creditbank, Filiale Belgrad. Konto»Neuer Vorwärts«, Beograd Nr. 51.005. Genaue Bezeichnung der Konten ist erforderlich.