Neuer Vorwärts Sozialdemokratisches Wochenblatt Verlag: Karlsbad, Haus„ Graphia" Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Nr. 170 SONNTAG, 13. Sept. 1936 Aus dem Inhalt: Papst und Diktator Der Preis für den Locarno- Ersatz Deutsche Justiz im Kriegsschmuck Der Terror in Danzig Parteitag der Kriegsbereitschaft Die Mobilmachung des faschistischen machtwillens Die große Mobilmachung der braunen Parteiarmee in Nürnberg hat wieder begonnen. Sie erfolgt mit lautem militärischem Gepränge mit einem Aufwand von finanziellen Mitteln, der den ganzen Wahnwitz dieses Systems zeigt. Es ist eine Befehlsausgabe, bei der der angeblich dem Staat befehlenden Partei eröffnet wird, was der Diktator der Partei befiehlt. Papst und Diktator Der Hirtenbrief und die sozialistische Zukunft Der Katholizismus ist eine gut funktionierende Internationale, soweit es sich um kirchliche Interessen handelt. Was darWie immer ist diese Mobilmachung mit Gerüchten und Prophezeiungen umgeben worden. Man hat Erklärungen und Befehle über die internationale Politik, über die Friedensfrage, über die fernere Ausrottung der Juden in Deutschland angekündigt. Man hat ein Rätselraten veranstaltet über die Frage: Was wird er sagen? Klar ist nur eines: die Tatsache dieser Vermutungen ist ein schlichter, unwiderleglicher Beweis, daß die ganze Welt in Deutschland unter zu verstehen ist, wird immer vom eine Despotie erblickt. Vatikan und im Einvernehmen mit ihm von den hohen Klerikern der verschiedeDer Gang der Politik dieser Despotie aber ist eindeutig bestimmt durch den militärischen Charakter, durch die bis nen Nationen bestimmt werden, nicht aber zum äußersten getriebene Aufrüstung und Heeresverstärkung, durch die Aufopferung eines ganzen Volkes und seiner von vereinzelten» Modernisten<<, sie seien theologischer oder politischer Natur. Es Wirtschaft für die Kriegsvorbereitung. Die Nürnberger Parade ist nichts anderes als ein Symbol der Kriegs- mögen sich Millionen Katholiken aus polibereitschaft. Von dieser Parade der Kriegsbereitschaft aus wird das System zur---» Friedenskonferenz« tischen Gründen der katholischen Kirche gehen! entfremden: der Vatikan wird das würdigen, die Ursachen prüfen und die Menschen wieder einzufangen versuchen, aber er wird die internationale kirchliche Autorität nicht preisgeben. Sie beansprucht den ganzen Menschen in allen seinen Lebensäußerungen, auch den politischen. Diese umfassende kirchliche Autorität fühlt sich in der Gegenwart durch zwei ob nicht die Kraft| rung Sowjetrußland vertraglich verpflichtet totalitäre Staatssysteme eingeengt, ja Die Tatsache, daß die westeuropäischen Frage der Konferenz Großmächte ihre ganze Aufmerksamkeit der Verträge die Sowjetregierung trotzdem hat, im Ernstfall nicht etwa neutral zu blei- bedroht: durch das faschistische und das auf die projektierte Fünfmächtekonferenz zu einem unsichtbaren Teilnehmer ben, sondern Frankreich gegen Deutschland bolschewistische. Aus dem Umstand, daß gerichtet haben, die einen Ersatz für den machen müßte. Maßgebliche Franzosen ver-( wie vor dem Weltkrieg) militärische Hilfe die Kirche mit der Totalität des deutschen viel zu leisten, und nachdem die Sowjetregierung Nationalfaschismus in schwere Konflikte von Hitler zerrissenen Locarnopakt schaf- sichern, die Vertragsbindungen seien Der Preis für den Locarno- Ersatz Hinausdrängung Sowjetrußlands aus der europäischen Politik fen soll, überschattet verhängnisvoll die lockerer als wir anderen glaubten, keinesfalls sich zu offenbar uferlosen Rüstungen ent- geraten ist, haben bis vor kurzem manche europäischen Angelegenheiten. Frankreich aber werde die Substanz des Locarnogedan- schlossen hat. geschlossen, man werde die Kirche durch und Deutschland werden auf diese Konfe- kens durch sie betroffen. Es ist möglich, über Verträge, die man bolschewistische Toleranz in eine gemeinoder doch in eine gewisse renz mit vollkommen entgegen- Die Idee der Ausweitung ist dabei sicher nicht aufheben kann oder will, praktisch same Linie gesetzten Absichten gehen. Die keine rein französische Idee( etwa bloß mit soweit hinwegzusehen, daß nicht Fühlung mit der sonstigen deutschen Opfranzösische Politik will die Rücksicht auf den Russenvertrag entstan- mehr viel von ihnen übrig bleibt, position bringen können. Man vergaß daStabilisierung des Friedens den), sondern auch die Engländer wünschen aber wenn man Frieden und gutes Einver- bei, daß alle maßgeblichen Publikationen erreichen, die deutsche Politik die Lage im Osten geklärt zu sehen, schon nehmen will, muß die Tatsache, daß dies der universalen Kirche auch in der hitzigaber die Wiederausschaltung weil auch sie( wie Deutschland) die Trag- die Absicht ist( wenn sie es ist), mit sten Fehde stets sehr gewichtige zwischen FaSowjetruẞlands aus der euro- weite des Russenpaktes genau kennen lernen vollkommener Deutlichkeit sichtbar und spür- Unterschiede schismus und Bolschewismus päischen Politik. wollen. Sie möchten die sowjetrussische Mit- bar werden.<< gemacht haben. Im bolschewistischen Der Eintritt Sowjetrußlands in den Völ- wirkung an einem Friedensplan nicht missen. kerbund wie die politische Annäherung Aber heute würden sie zweifel- aber es wird sie nur erhalten, wenn es sich Kommunismus sieht die Kirche nur den zwischen Frankreich und Sowjetrußland los eine Abschwächung der bis- dem deutschen Diktat unterwirft und das Abschluß einer aus der kirchlichen Lehre Frank- russische Bündnis opfert. Damit aber ist ein wichtiges Element des Friedens und herigen Allianzpolitik würde eine völlige Verschie- hebung, die das Individuum seit der frander Verteidigung der europäischen Demo- reichs begrüßen. Deshalb betrachtet lage zugunsten der faschistiAber die Forderung an die französische Politik wird noch entschiedener: gen. Das französische Ziel ist von Léon schoben wird? Blum in seiner Rede vor den französischen Sozialisten gezeigt worden, in der er seine Spanienpolitik aus dem großen Gesichtspunkt der Erhaltung des Friedens erläuterte. Das deutsche Ziel wird der deutschen Propaganda offen dargelegt. von Frankreich strebt nach Abrüstung zu verwerfenden menschlichen Selbstüberaus der göttlichen von der für die Kirche kratie gegen den Eroberungs- und Beherr- man auch in England die französisch- polni- bung der europäischen Macht- zösischen Revolution Gebundenheit und Geborgenheit losgeschungswillen des internationalen Faschis- schen Visiten nicht ohne Wohlwollen.<< mus. Damit ist der Expansion des Faschis- Kann der Wille zur Ausschaltung Sow- schen Länder eintreten. Das ist trennt und über» Menschenrechte«<, die in mus ein Hindernis entgegengestellt worden. jetrußlands klarer zum Ausdruck gebracht die Zumutung, die die Hitlerpolitik an die ihrer liberalen Proklamation Kirche stets verworfen worden sind, zur Dies Hindernis hofft das Hit- werden? Kann man klarer fordern, daß Regierung Léon Blum stellt. rein materialistischen Lösung aller Zeitdie Fäden zu Sowjetrußland lersystem auf dieser Konfe- Frankreich Dem Streben nach Abrüstung und probleme geführt hat. Das alles ist und und zur Kleinen Entente lockere, Erhaltung des Friedens hat Léon Blum bleibt und wird bleiben renz zu beseitigen. Die Gegensätzlichkeit des französischen die mit einer Handbewegung als nicht seine gesamte internationale Politik unter- reines Teufelswerk, mit dem sie nicht pakund des deutschen Zieles ist nicht verbor- zum Kern Europas gehörig beiseitege- stellt, dies Streben liegt seiner Haltung tieren kann. Der Faschismus hingegen biein der Frage Spanien zugrunde. Angesichts tet für die Kirche kein einheitliches Bild. der deutschen Forderungen gleicht diese Neben der nationalistischen Mystik eines Politik nahezu einem Versuch der Qua- groben Materialismus aus» Blut und Bodratur des Zirkels. > Bei einiger Aufmerksamkeit hätte man den« trägt der Faschismus sozialökonoin England auch bemerken müssen, daß die Auf jeden Fall wird der Preis, den misch ständische Züge, die mit der bis deutsche Regierung immer an ihrem Vor- die europäische Demokratie heute schon jetzt maßgebenden kirchlichen Eigentumsund Sozialordnung grundsätzlich ein für diese Suche nach dem Unwahrschein- lehre schlag festhielt, dem Wettrüsten Der Faschismus predigt, Ende zu machen, und es wäre gut gewe- lichen bezahlt, immer höher, und die verwandt sind. sen, wenn die englische Presse, gleich der Vorgänge in Spanien zeigen die Gefahr, mindestens in seiner Phraseologie, die Frankreich das ein?<< schreibt die deutschen, sich darum bemüht hätte, der daß dieser Preis bald eine schreckliche Gottgebundenheit des Menschen und den konfessioneller Religionen, > Frankfurter Zeitung< Nr. 446: französischen Oeffentlichkeit Höhe erreichen könnte. Die europäische Wert daß und warum vom Demokratie hat diese Versuche seit dem das auch von Rednern, die nur noch eine >> Aber zunächst wären die führenden klarzumachen, europäischen Mächte>> unter sich<, deutschen Standpunkt aus die Hereinzie Zusammenbruch des Völkerbunds mit einer dunkle Ahnung ihrer einstigen lutherinämlich die drei Angrenzer im Rheingebiet: hung der Sowjetpolitik und der politischen und moralischen Schwächung schen Katechismusstunden besitzen, oft in die der katholische Deutschland, Frankreich und Bel- Sowjetarmeen in das europäische Spiel bezahlt. Der Preis, den der deutsche Fa- Formen geschieht, gien, sowie als Garantiemächte von Locarno eine grundlegende Aenderung der schismus von der französischen, von dem Kleriker entweder als Greuel empfindet Großbritannien und Italien. Diese strategischen und" wehrpoliti- Sozialisten Léon Blum geführten Regie- oder weise belächelt. Aber wie dem auch Mächte bilden tatsächlich den politischen Ueberlegungen und Maß- rung fordert, läßt erkennen, daß in der sei: jedenfalls vertreten die Faschisten Grade Philosophie- und StaatsSie sind dazu nahmen mit sich bringen mußte. französischen Politik die Existenz und Zu- aller schen Kern Europas. französischen sozialistischen systeme, die Autorität von bestimmt, das Fundament des europäischen Was vielleicht bis dahin noch als Schlüs- kunft der Friedens zu bilden. Sowjetrußland sel für die Bemessung der militärischen Be- Partei eingesetzt worden ist in einem letz- h er fordern, und das ist verwandt mit katholischen Auffassungen. eine Fünfmächtekonfe- dürfnisse der einzelnen Länder hätte hinge- ten verzweifelten Versuch, ein Ziel zu erliegt abseits kann unmöglich reichen, das mit dem Ziele der Hitlerpolitik So haben denn die deutschen renz würde diese Tatsache unterstreichen. nommen werden können, Bischöfe niemals in einem Unter der Ueberschrift >> Sieht Nur fragt es sich und dies ist die kritische mehr gelten, nachdem die französische Regie- grundsätzlich unvereinbar ist. wenn oben li�cher diesem»Gott schöfe bis ters Adolf Hitler ihrer Hirtenbriefe das natfo»- nalsozialistische Regime grundsätzlich verworfen, wie sie das immer wieder gegenüber dem Bolschewismus getan haben. Die Brücke zum Staate und auch zur nationalsozialistischen Staats parted wurde nie abgebrochen und die Gebete für den deutschen Führer und Reichskanzler erlahmten nicht. Allerdings jetzt erst in dem neuesten Fuldaer Hirtenbriefe wird er zum ersten Male»Unser Führer« genannt, und er erhält für seinen antibolschewistischen Kreuzzug den Segen des gesamten deutschen Episkopats. Das kann ein Ereignis von Bedeutung werden. Die deutschen Kirchenfürsten machen sich in Wendungen, die sehr dem Stile von »Mein Kampf« ähneln, die»Idee« Hitlers zu eigen, daß er das göttliche Instrument sei, um Deutschland vor dem Bolschewis mus zu erretten, ja sogar Europa vom Bolschewismus zu»säubern«. Dieses militärisch-polizeiliche Wort in einem kirchlichen Dokument, das den Geist der Bergpredigt atmen sollte, ist besonders deut- Ijch. Es zeigt, wie die Barbarei unserer Tage auch Geist und Seele derjenigen verwüstet hat, die zur Nahrung höchster see- Werte berufen sein sollten. Von will es!« der deutschen Bi zur Salbung des Kreuzzugsrit- und zur Segnung seiner Mordmaschinen für den Religionskrieg gegen den Teufel in Moskau ist nur noch ein Schritt. Wenn Hitler ihn tut: daß dann alle deutschen Dome läuten und die Bischöfe aufrufen zum heiligen, zum gerechten, zum gottgewollten Krieg, ist nach diesem Hirtenbriefe gewiß, war allerdings auch schon vorher für keinen Wissenden zweifelhaft. Nur scheinbar haben che Begleiterscheinungen des spanischen Krieges diesen Hirtenbrief entscheidend beeinflußt. Spanien hat nur die in wirklichem Hetzton gehaltene antibolschewistische Einlage veranlaßt. Von Hetze muß hier gesprochen werden, denn auch die Bischöfe wissen, daß Dutzende»Kommunisten« in Deutschland auf Grund justizmörderischer Urteile auf die Blutgerüste geschickt wurden, nur ihrer Ueberzeugung und geistigen Betätigung willen. Hetze muß man diesen Teil des Bischofsbriefes nennen, weil er außer den Kommunisten auch Sozialdemokraten und christliche Arbeiter noch mehr in Gefähr bringt als bisher, als»bolschewistische Staatsfeinde« eingekerkert und gemartert zu werden. Die Bischöfe rufen zur Ausrottung des Bolschewismus auf, haben aber nie ein Wort gegen die Bestialitäten des deutschen National f as c hi smu s gefunden! Schon vor dem Faschistenaufstand gegen die Republik Spanien war die taktische Schwenkung der deutschen Bischöfe festgelegt. Sie ist ein Triumph der Nationalkatholiken um Franz yon Papen und wurde durch die deutsch-österreichische Verständigung vorbereitet, an der die päpstliche Diplomatie nicht unbeteiligt ist. Der Vatikan sieht die Abwehr des Bolschewismus und der westeuropäischen»freimaurerischen« Volksfronten für brennender und wichtiger an, als die sofortige Rückeroberung verlorener kirchlich e r P o s it i on e n in Deutschland. Daher die auf vatikanische Weisung erfolgte internationale katholische Predigt— und Presseoffensive gegen alles, was bolschewistisch ist oder sich mit Kommunisten taktisch verbündet. Die Kommunisten sind schlecht beraten, wenn sie glauben, diesem Sturm dadurch begegnen zu können, daß sie ihren notorischen Atheismus und ihre radikale Kirchenfeindschaft, die doch wahrhaftig in Bergen von Material bezeugt sind, bußfertig ableugnen, Die seit längerer Zeit dauernden inoffiziellen Verhandlungen zwischen den Bischöfen und der Reichsregierung sollen nun offiziell in Gang kommen. Auf beiden Seiten gibt es Optimisten, die sich insbesondere auch von einer persönlichen Begegnung zwischen Adolf Hitler und dem einen oder anderen Kardinal oder Bischof etwas versprechen. Soviel dürfte aber gewiß sein, daß der Nationalsozialismus von den vielen der Kirche abgenommenen Bastionen nichts preisgeben wird. Es ist durchaus möglich, daß Hitler versöhnliche und gnadenreiche Gesten auf dem Justizgebiet macht, aber der»politische Katholizismus«, worunter das letzte Kirchenblatt Polens neuer Kurs Die Erneuerung des französischpolnischen Militärbündnisses bedeutet für das Hitlerreich nicht weniger als den Zusammenbruch seiner ganzen blsherl gen Außenpolitik. Denn ihr einziges Aktl- vum, das ziemlich allgemein für sicher gehalten wurde, war der deutsch-polnische Freundschaftsvertrag. Er war mit dem Verzicht auf die Grenzrevision im Osten und mit der Preisgabe der deutsch-russischen Freund schalt teuer genug erkauft. Kein Minister der Republik hätte ein solches»O s t- 1 o c a r n o« riskieren können, ohne In Gefahr zu geraten, erschossen zu werden. Hitler riskierte es, weil er den nationalistischen Meu chelmord nicht zu fürchten brauchte, und well er die Notwendigkeit fühlte, den Ring des Mißtrauens, der sich noch seinem Machtantritt um Deutschland legte, wenigstens an einer Stelle zu durchstoßen. Das Opfer Ist umsonst gebracht, der Ring Ist wieder ge schlössen. Warschau hat sich gegenüber Berlin als der überlegene Spieler gezeigt- Es hat von der nationalistischsten Regierung, die Deutschland je gehabt hat, den Verzicht auf den Korridor, Posen und Oberschlesien, erreicht, ohne von den Vorteilen, die ihm das Bündnis mit Frankreich sicherte, auch nur das geringste aufzugeben. Ja, er hat sich sogar auch vor dem Vorwurf der Untreue geschützt, Indem er nie aufhörte zu versichern, daß sein Bündnis mit Frankreich unverändert fortbestehe. Die Erneuerung dieses Bündnisses wirft alle Südostpläne Hitlers über den Haufen. Ein polnisch- tschechoslowakisch- rumänisch- Jugoslawischer Bund, hinter dem im Osten Sowjetrußland stünde, und der sich südlich im Balkanbund fortsetzte, müßte die deutsche Außenpolitik auch nach dem Südosten hin unbeweglich machen. Daran könnten auch wirtschaftliche Abmachungen mit Rumänien und Jugoslawien wenig ändern. Diese beiden Staaten wissen ohnehin, daß die deutsche SUdostpolitik mit dem ungarischen Revisionismus untrennbar verbunden ist. Das Gerede von einem deutsch-italienisch-öster- reichisch-ungarischen Block war gar nicht mehr notwendig, um sie auf diese Tatsache aufmerksam zu machen. Im ganzen lief Hitler« Außenpolitik darauf hinaus, durch militärische Machtanhäufung einschüchternd zu wirken und von den schwächeren Nachbarn im Osten Unterwerfungsverträge zu erzwingen. Der Vertrag mit Polen sollte der erste dieser Art«ein, der mit Oesterreich der zweite, ein dritter war mit der Tschechoslowakei geplant. Das alles fällt nun wie ein Kartenhaus zusammen. Was bleibt Hitler übrig als der Versuch, wieder dort anzufangen, wo die Republik aufgehört hat? Je weiter sich Polen von ihm entfernt, desto mehr Ist er genötigt, die Wiederannäherung an die Sowjetunion zu suchen. Aber den Weg dabin hat er sich mit seinem antibolschewlstischen Geschwätz und den unsinnigen Ukraineplänen selbst verbarrikadiert. ÜMlgarieB im Schatten Hltters Eine Kundgebung der bulgarischen Sozialdemokratie. Wir haben vor kurzem über die Lage In Bulgarien berichtet, wo durch den Vorstoß der faschistischen Gruppe um Z a n k o w eine Entscheidung nahegerückt ist. Der Zentral- Ausschuß der sozialdemokratischen Partei hat zu dieser kritischen Situation In folgender Erklärung Stellung genommen. Die Art und Welse, in welcher die Regierungskrise am 4. Juli 1936 ihre Lösung fand, wobei das Kabinett Kiosselwanoff nach langwierigen Verhandlungen und unzähligen Besprechungen teilweise abgeändert wurde, stellt an sich ein« Ueberr&scbung dar. Da« neue Kabinett, In welche« zwei Vertreter der Zankow-Partel berufen worden sind, kann nicht zur Normalisierung und Befriedung des Landes, sondern nur zur Befestigung und Le g al i s i e r u ng d e r Diktatur beitragen. Ein solches Kabinett kann keine freien Parlamentawahlen durchführen. Durch die Dekretierung eines reaktionären Wahlgesetzes soll der freie Wille der Wähler vergewaltigt werden. Durch die Abänderung der Verfassung in einer nicht festgesetzten Art und Weise wird sich die Diktatur— schlimmer und gefährlicher als die jetzige— endgültig zu festigen trachten. Es ist nicht diese Regierung, die das bulgarische Volk wünscht. Es ist nicht die Regierung, die die Not des Landes augenblicklich erheischt. Es ist eine verwegene Herausforderung im Angesicht des ganzen Volkes. Wir protestleren gegen diese Herausforderung. Die Wiederherstellung der Verfassung und der Freiheiten obliegt jenen, welche immer für sie gekämpft und sie unausgesetzt verteidigt haben. Dies bleibt auch heute die Aufgabe, die große und wichtige Aufgabe des Soziallsmus und der Demokratie in unserem Lande. Indem wir unseren Weg zur Schaffung einer mächtigen Bewegung für große Umgestaltungen in unserem Lande und für die Verteidigung der Interessen der Arbeitermassen verfolgen, meinen wir, daß der Front der Diktatur, der Reaktion und des Faschismus eine Volks-Verfassungsfront sämtlicher Kräfte der Verfassungsmäßigkeit, der Freiheit und der Demokratie gegenübergestellt werden muß. In dieser Front muß die Arbeiter- und sozialistische Bewegung die Zentral-, bezw. die Führerstellung einnehmen, die Ihr die augenblickliche Lage der Arbeitermassen zuweist. Wir rufen zum Kampf für die Wiederherstellung der Verfassung und der Freiheit der Bürger, sowie zur Errichtung einer Volksmacht, alle diejenigen auf, denen die Ruhe und die Zukunft des Volkes und des Landes ans Herz gelegen Ist. • Nach der Regierungserklärung sollen die Wahlen Ende Oktober stattfinden; es wird jedoch befürchtet, daß sie vertagt werden. Einstweilen sind die politischen Freiheits- rechte noch Immer nicht wiederhergestellt, die Partelen immer noch verboten und die Pressezensur wird brutal und rücksichtslos ausgeübt. und der letzte dörfliche Theaterverein zu verstehen ist, hat keine Konzessionen zu erwarten. In den hohen Regionen des Nationalsozi aliamua möchte man angesichts der an den Krieg streifenden außenpolitischen Spannimg und der ökonomischen Schwierigkeiten durchaus so etwas wie eine Befriedung mit der katholischen Kirche, deren Einwirkung auf die grollenden Massen auch von Hitler hoch eingeschätzt wird; aber die eigentlichen Weltanschauung s-Nationalsozialisten halten eine tiefere Versöhnung für unmöglich. Ihr Mißtrauen gegen den Klerus ist unvermindert. Vom Weltanschaulichen abgesehen, halten sie den Katholizismus auch national für unzuverlässig, da den Klerikern in ihrer Masse die nationale Besessenheit für das unbedingte Durchhalten mit allen Mitteln im Kriegsfalle fehle. Es gibt aber kirchlich sowohl wie nationalsozialistisch sehr einflußreiche Männer, die einen Verständigungsfrieden auch auf dem umstrittensten Gebiete, dem Erziehungswesen für nicht so schwer zu verwirklichen halten. Ein führender Jesuit formulierte das so:»Es werden sich Wege finden lassen, die Interessen der Erziehung, wie die Kirche als die Hüterin und Mittlerin der Religion zu wahren hat, mit jenen, die dem Staat aus seiner konkreten Situation rechtmäßig erwachsen, in Einklang zu bringen. Staat und Kirche stammen von demselben Gott und stehen in keinem grundsätzlichen Gegensatz zueinander.« Warum sollte da ein Friede ganz ausgeschlossen sein? Es werden ihn freilich beide Partner nur als einen Waffenstillstand betrachten. Aber das war und ist bei den meisten Friedensschlüssen so. Der Nationalsozialismus in seinen Rosenbergern mag träumen, den Katholizismus besiegen und auflösen zu können. Die Kirche aber rechnet nicht mit den»tausend Jahren« Adolf Hitlers, sondern mit Ewigkeiten, und sie leitet aus ihrer kirchenpolitischen Erfahrung mit vielen Revolutionen und Diktatoren die Erfahrung her, daß der Fels Petri machtvoll aus den sinkenden Fluten des Zeitgeschehens sich erheben wird, wenn längst die Zäsaren darin ertrunken sind. H 1 1- 1 e r sucht Frieden mit der Kirche, um auf den errungenen Positionen, seine Macht zu stabilisieren; die Kirche will den Frieden, um von dem mühsam Behaupteten aus allmählich zu ihren alten Einflußsphären möglichst weit wieder vordringen zu können. Wer sich dabei verrechnet— es können auch beide Partner sein— wird die Zukunft lehren. Diese Zukunft birgt für den Katholizismus in Deutschland schwere Probleme. Verständigt er sich mit dem Faschismus, so geschieht es mit einem Staate, auf dessen äußere und inneren Politik die Kirche keinen Einfluß hat. Es fehlt jedes selbständige geistige und organisatorische katholische Leben, wie es in der Republik und im Kaiserreich blühte und die Verbindung zwischen der Staatspolitik und der Kirchenpolitik herstellte. Die Massen der katholischen Arbeiter, Bauern und Mittelständler sind aber nicht nur als Kirchgänger, sondern auch als Staats- und Wirtschaftsbur- ger von dem Hitlersystem abgestoßen. So bleibt von der sozialen Seite ihre Opposition gegen den Hitlerismus, und ihre Sorgen, ja ihr Zorn und ihr Haß werden nicht dadurch gemindert, daß aus der Enzyclica Quadragesimo anno und aus zahllosen Kommentaren Verbindungslinien zu den vollkommen unausgegorenen und verworrenen nationalsozialistischen Sozialideen hergeleitet werden können. Kein katholischer Standesverein und auch kein katholischer Kleriker auf der Kanzel wird die päpstliche Soziallehre frei erörtern und mit der nationalsozialistischen Wirklichkeit kenfrontieren können. So werden die katholischen Massen auch im Kirchenfrieden politisch und sozial fuhrerlos bleiben, wie sie es niemals in der deutschen Vergangenheit gewesen sind. Für eine antihitlerische und klar sozialistische Politik bleiben die Katholiken Deutschlands ein großes Eroberungsfeld, ganz gleich wie die Bischöfe sich zum herrschenden Regime stellen, aber man wird ihnen eine sozialistische deutsche Zukunft zeigen müssen und eine große Sache nicht an kleine Tagesschläue preisgeben dürfen. Hannes Wink. gen Friedens ablehnen, der unserer Doktrin und unserem Temperament fremd ist, wünschen wir solange wie möglich mU allen In Frieden zu leben...« Für den Faschismus, der darin dem deutschen Nationalsozialismus gleich ist, hat nur der ewige Krieg, der durch gelegentliche Frledensperiodeo unterbrochen wird, einen Sinn. Der neue Ausbruch Ist ihm eine Frage nicht des Ob, sondern nur des Wann. Mit solchen Doktrinen und Temperamenten kann es für den echten Friedensfreund keinen Ausgleich geben. Nur im Kampfe gegen sie kann Europa vor der Vernichtung durch einen aweiten Weltkrieg bewahrt werden. Krieg nur Zeitfrage In seiner Rede zum Abschluß der großen italienischen Manöver leistete sich Mussolini folgende Aufrichtigkeit: »Obwohl wir den Unsinn des ewi- Die spanische Tragödie Immer noch»schändliche Komödie der einseitigen Nentralität«. Die Konvention über die Nlchtbellcfc- rung der spanischen Regierung wie der faschistischen Bebellen mit Waffen and Kriegsmaterial ist immer noch nicht voll in Kraft gesetzt. Das Streben der faschistischen Mächte ist offenbar, diese Konvention zu einem der schändlichsten Kapitel der politischen Geschichte zu machen. Noch am Tage des formellen Inkrafttretens bat Italien 24 Flugzeuge für die meuternden Generale In Vigo abgeliefert. Seitdem aber weigert sich die portugiesische Difctatarregierung mit synlseher Zähigkeit, die Konseqnenzen ans der Konvention zu ziehen. Portugal Ist noch wie vor der politische und militärische Sammelplatz der Rebellen, der Rückhalt für ihre Operationen. Als eine der ersten Taten des geplanten KontroUansschnsses zur Durchführung der Konvention ist das Ve'rbot der Freiwilli genwerbnng für Spanien Ins Auge gefaßt. Aber Franco führt ständig neue farbige Trappen ans Marokko gegen die Verteidiger der spanischen Freiheit. In diesem schreienden Gegensatz zwischen Recht und»Völkerrecht« spiegelt sich die heutige Machtlage in Europa. Das, was angesichts dieser Machtlage als Völkerrecht gilt, hemmt und schwächt das Recht und stärkt und bewaffnet das Unrecht! Deutsche Justiz im Kriegsschmuck Der Naziterror in Danzig Hoheitszeichen, Schnüre, Spangen und Kordeln. Gerichtssaal. Der Ersatz für das Recht im Amtlich wird jetzt im Dritten Reich bekanntgegeben: a Es Zwei Abgeordnete der englischen Ar- zig vorlegen. Darin erheben sie die Forderung,| bescholtene Arbeiter zu beaufsichtigen. beiterpartei, die Genossen James Grif- daß der Völkerbundsrat Neuwahlen herbei- kam bald zu einem großen Krach, da Skibbe fiths und Arthur Jenkins, haben führen solle, daß die Verbote, die die Gewerk- ein großer Freund des Alkohols ist. Darauf Danzig besucht, um sich ein Bild von den der erhielt der verdiente alte Kämpfer< Zuständen in der vom Naziterror bedroh- schaften und die politischen Parteien eine ten Freien Stadt zu machen. Einem Be- Opposition behindern, aufgehoben werden, daß Stellung als Aufseher bei der Städtischen > Die Amtstracht in der Reichsjustiz- richte, dem sie nach ihrer Rückkehr nach die Pressefreiheit wieder hergestellt, die zehn- Ziegelei Zigankenberg, wo ihm auch Frauen London der verwaltung ist durch eine A. V. des R. J. Oeffentlichkeit übergeben tausend uniformierter Nazitruppen entwaff- unterstellt waren. Jetzt ist Skibbe erneut zu M. vom 26. Juni 1936 festgelegt worden... haben, entnehmen wir folgende Darstellung: net werden, daß der Kommissar als Vertreter zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden, Absatz 2: Richter, Staats- und Amtsanerkannt, die Polizei- diesmal wegen Abtreibung. Zu seinen Unteranwalte sowie die Urk.- Beamten der Ge- Es wurde der Befehl herausgegeben, daß des Völkerbundes richte tragen auf der rechten Brustseite jeder Danziger Staatsbürger, der sich in spitzel vor seiner Türe entfernt und der unbe- gebenen gehörte auch eine jüngere Arbeiterin, das Hoheitszeichen, und zwar die irgendeiner Form an den Völkerbundskom- hinderte Zutritt zu ihm gesichert werde. die ihrem Bruder gern Beschäftigung in der Mitglieder der O. L. G. in Gold, im übrigen missar zu wenden wagt, als Feind des Nazi- Die Zustände sind unhaltbar Ziegelei verschaffen wollte. Die Arbeiterin staates betrachtet und als solcher behandelt so schließt die Erklärung. Wir appellieren glaubte, das durch Skibbe erreichen zu könwerde. Zu diesem Zwecke wurden vor dem an alle Freunde der Freiheit und Anständig- nen. Die junge Danzigerin hatte Pech: ihr Absatz 3: Die Richter der ST. A. tragen Eingang des Büros des Kommis- keit, sich in der Forderung zu vereinen, daß Bruder bekam durch Skibbe keine Arbeit den Besatz am Amtsgewand und an der sars zwei Polizeibeamte aufge- der Naziterror in der Freistadt Danzig auf- aber die Arbeiterin wurde durch den verheiKopfbedeckung in Samt nach besonderen stellt, ein uniformierter Wachebeamter und hören muß! Abmessungen, Rechtsanwälte in Seide, ein Detektiv in Zivil. Dieser ist mit einer Urk.- Beamte in Wollstoff. in Silber. Die Präsidenten der O. L. G. tragen Halsketten nach besonderem Muster. im Freistaat Danzig Ein Defraudant, der droht. Absatz 5: An der Kopfbedeckung tra- Kamera ausgestattet und hat die Aufgabe. Braune Korruption gen die Präsidenten der O. L. G. sowie der jeden zu photographieren, der das Büro zu Gen. St. A. zwei Schnüre in Gold; betreten wagt. Unterdessen spricht der andere die Räte der O. L. G. und der O. St. A. bei Polizist den Besucher an, fragt nach Namen, diesen beiderseits zwei Spangen in Adresse und nach der Angelegenheit, die er Gold. Die Präsidenten der L. G. zwei beim Kommissar vorzubringen wünscht. Der Besucher wird darauf ausdrücklich verwarnt, daß, falls er auf der Unterredung mit dem Kommissar bestehe, dies nehme Folgen haben könne. Schnüre in Silber. Der O. St. A. bei großen L. G. eine Schnur in Silber, darunter eine schmale Kordel. Die Direktoren der L. und A. G. sowie die übrigen O. St. A. eine Schnur in Silber. Die Oberamtsrichter und die Ersten St. A. bei den L. und A. G. beiderseits zwei Spangenin Silber. Absatz 8: Amtstrachten, die von den bestehenden Bestimmungen abweichen, können bis 31. Dezember 1938 aufgetragen werden; jedoch wird das Hoheitszeichen in jedem Falle nach demnächst ergehenden Bestimmungen ehestens angelegt.< für ihn Büro des Kommissars verödet. von rateten Aufseher schwanger, Skibbe machte darauf bei der Frau einen verbotenen Eingriff. Die Folge war eine schwere Erkrankung der Arbeiterin, wodurch die Sache ruchbar wurde und das Paar in Haft genommen wurde. Das ist. Verfahren gegen die Arbeiterin wurde schließIn Stutthof im Freistaat Danzig ist der lich eingestellt, Skibbe jedoch zu 2 Jahren Steuererheber, Pg. Schwichtenberg, plötzlich Gefängnis verurteilt. Dabei stellte man fest, seines Amtes enthoben worden, weil in seiner das dieser Erneuerer deutscher Kultur beKasse ein Fehlbetrag von bisher 2000 Gulden reits sechzehnmal vorbestraft Das Geld ist unange- festgestellt worden ist. Schwichtenberg verjubelt worden. Das ist Die Fischer haben genug von den Nazis. Die Fischerbevölkerung des Freistaats der braunen So ist eine Vorsprache beim Völkerbunds- unter der Herrschaft KorUngewöhnliches. Bekommissar nach Naziauffassung ein Ver- ruptionstöter nichts Danzig ging den Nazis ins Garn, weil diese brechen geworden. Da solche Besuche tat- merkenswert ist aber, daß man nicht wagt, den Fischern alles mögliche versprachen. Die sächlich Folgen in Gestalt schwerer Ver- gegen den Defraudanten vorzugehen, obwohl Fischer glaubten, unter einer nationalsozialiprügelung nach sich gezogen haben, ist das die Bevölkerung von Stutthof das entschieden stischen Regierung würde ihre Notlage begaben deshalb einen verlangt. Warum geht man gegen den De- hoben werden und Als wir hinkamen, war allerdings von fraudanten nicht vor? Nun, Pg. Schwichten- Hakenkreuzstimmzettel ab. Aber das Gegenteil trat ein. Es wurde eine ZwangsorganiPolizei nichts zu sehen. Wir entdeckten spä- berg hat gedroht: sation für das Fischereigewerbe eingeführt Soweit die neueste Verordnung, mit der ter, daß, da wir die Vorsprache telephonisch und die Fischzentrale geschaffen, an die alle Hitlers System die» Volksgenossen« mal wie- vereinbart hatten und das Gespräch abgegefangenen Fische abgeliefert werden müsder beglückt. Von Wilhelm dem Zwoten horcht wurde, die Polizisten gerade im Zeit- Deshalb wagt der Gemeindevorsteher, Pg. sen. Die Preise sind noch niedriger als früher, ist es überliefert, daß er ganze Tage zu- punkte unseres Besuches zurückgezogen wor- Klanowski, ein Onkel des Nazi- Landrats d. h. die Preise, die den Fischern gezahlt werbrachte, neue Achselklappenstücke für Regi- den waren. Sie besetzten nur einen Beobach- Johst, es nicht, den Defraudanten zur An- den, während die Bevölkerung jetzt höhere menter zu ersinnen; und da er selbst ohne tungsposten an einem Fenster, von dem aus zeige zu bringen! Festgestellt sei noch, daß Fischpreise zahlen muß. Auch dürfen die Fangschnüre auf der kaiserlichen Brust nicht man den Eingang zum Büro übersieht. Die der Ortsgruppenleiter der NSDAP von Stutt- Danziger Fischer ihrem Berufe jetzt nicht leben und nicht wirken konnte, ernannte er Nazi rühmen sich offen, daß sie mit dem hof, der Lehrer Zube, ein ganz besonders mehr so nachgehen, wie sie es seit alten sich selbst zu seinem eigenen Generaladju- Kommissar nichts zu tun haben wollen. Sie eifriger Bekämpfer der>> roten Korruption< Zeiten gewöhnt waren. Den Fischern in alles von wegen der Schnüre! Trotz beantworten seine Mitteilungen nicht und ist. Danzig geht es jetzt noch schlechter als der Achselklappen und trotz der Adjutanten- wollen überhaupt keine Verbindung mit ihm. früher, deshalb sind sie auf die Nationalschnüre hat dann sein Militär doch sozusagen Will der Völkerbund hilflos zusehen, wie sein sozialisten nicht gut zu sprechen. den Weltkrieg verloren. Adolf Hitler hat min- Vertreter nicht nur miẞachtet, sondern bedestens ähnliche, ja sogar gesteigerte Amleidigt und mitunter bedroht wird? bitionen! tanten Es möchte freilich so scheinen, als ob viele Millionen Deutscher es für ungleich auf wichtiger erachteten, daß der Richter Recht und Gesetz und seinen Eid, statt auf sein neues Hoheitsabzeichen achten würde. werden Auch dem servilsten Staatsanwalt die Schnüre in Gold und in Silber nicht den Spiritus, aber auch nicht die Verantwortlichkeit vor jener Rechtsinstanz ersetzen oder abnehmen, die einmal nach der Hitlerei so sicher wie das Amen in der Kirche kommen wird. Der Willkürstaat wird nicht dadurch zum Rechtsstaat, daß er sich um die Dekoration gerade der Stätten bemüht, wo der Rechtsstaat am gräßlichsten mißhandelt wird: in den Gebäuden der deutschen Gegenwartsjustiz! ein Es wirkt wie eine weithin gellende Ironie, wenn in der Deutschen Juristenzeitung auf ihrer einen Seite ihre in Amt und Würde befindlichen Leser sich bereits im Flimmerglanz der neuen» Hoheits<-Etikette spiegeln, während auf der anderen Seite in einer Korrespondenz aus Stockholm geradezu Mitleid erregendes Wortgefasel vorgebracht wird, weil die doch so» nordischen<, also so stammverwandten Schweden am allerwenigsten bereit sind, die Verwirrung der primitivsten Rechtsgrundsätze, die das Dritte Reich zu einem lamentierenden System erhoben hat, auch nur in angenähertem Verständnis anzuerkennen. Da heißt es zum Beispiel: >> Wenn sie mich einsperren, dann decke icn alles auf!<< Einst ein Held und jetzt? Anfang des Jahres 1931 erschoß der SAMann Max Skibbe auf dem Fischmarkt in Das zeigte sich auch sehr deutlich bei einer Danzig im Verlauf einer Auseinandersetzung festlichen Veranstaltung, die die Fischzentrale Einer der Führer der Oppositionspar- den gänzlich unbeteiligten Fleischer Streng. in dem Fischerdorfe Bodenwinkel veranstalteien, der weder Sozialist noch Kommunist Skibbe erhielt dafür 21/2 Jahre Gefängnis. tet hatte. Die Fischer hatten freien Eintritt, ist, sandte eine Beschwerde an den Völker- Kurz nach dem> Umbruch« in Danzig wurde außerdem sollte jeder Fischer 2 Gulden Bierbundskommissar. Er wurde verhaftet und der Revolverheld aus der Haft entlassen. Mit geld erhalten. Trotzdem waren von den 200 ins Gefängnis eingeliefert. Niemand durfte einem riesigen Blumenstrauß holten ihn seine Bodenwinkeler Fischern nur etwa 30 zu dem ihn sehen; seine Frau wußte nicht einmal, Parteifreunde aus dem Gefängnis ab und Vergnügen erschienen. Die übrigen ließen der in welchem Gefängnis er in Haft gehalten brachten ihn in einem Triumphzuge in das unter Nazileitung stehenden Fischzentrale wurde. Auf Anfragen wurde lediglich ge- Gaubüro der NSDAP. Max Skibbe wurde wie sagen:» Legt auf den Fischpreisen, die Ihr antwortet, daß es ihm gut gehe; er be- ein Held gefeiert. Dieser auch wegen uns zahlt, 5 Pfg. pro Pfund zu, dann kaufen findet sich in» Schutzhaft«<. krimineller Dinge etwa ein wir uns unser Bier selbst!<< So beliebt sind Die beiden Abgeordneten wollen dem Gene- dutzendmal vorbestrafte SA die Nazis jetzt bei den Danziger Fischern. ralrat des Gewerkschaftskongresses einen aus- Mann wurde dann Aufseher bei der Städti- Bodenwinkel war früher eine Hochburg der führlichen Bericht über die Zustände in Dan- schen Straßenreinigung und hatte ältere un- Nazis. ferner fest, daß eine besonders schwierige| Eine Zierde des Aufgabe auf die Schultern der deutschen Rechtswahrer gelegt ist, da diese häufig mit so wenig spezifizierten Begriffen, wie Ehre, Treue, Glaube usw. arbeiten müssen. Nur Denn wenn man an den Gebrauch eines hoch. formalistischen Tatsachenrechtes sich gewöhnt hat( sic!), erscheint es fast unmöglich, in metaphysisch bedingten Grundbegrif- auf. fen etwas Wirkliches zu sehen obwohl Lumpen: halter wurde und sich durch weitere LumAm 30. Juni sollte der » Volksgerichtshofsa pereien auszeichnete. Der Fememörder Killinger. ewig Kompromittierliche mit gekillt werden, die Lumpen kommen drüben wieder entkam durch die Flucht und kroch irgendVor einigen Monaten tauchte Her- wo bei der Marine unter. Man hörte zwei mann Esser wieder aus der Versenkung Jahre nichts mehr von ihm, jahrelang durfte nannte ihn Hitler einen sein Name nur geflüstert werden. Jetzt ist > Ein eitler und ränkesüchtiger er wieder oben, auf Vorschlag des Reichsdas gerade dem Empfinden des nordischen Mensch, dabei feig, ein Lügner und Schwind- justizministers zum Mitglied des OberMenschen entspricht. Große Benchtung ler!< Was ja übrigens Streicher einst auch sten Volksgerichts ernannt! haben in Schweden, und zwar sowohl unter litische Verbrechen« steht in Schweden im Noch 1923 Was muß der Mann denunziert haben, ehe den Juristen wie auch in der breiteren Oef- gegen Hitler geschrieben hat! Nach dem 5. fentlichkeit die besonders schweren Strafen März wurde der>> Lump Esser bayrischer er solches Vertrauen wieder gewann! Wiegefunden, mit denen in Deutschland ein Staatsminister. Bis er wegen einiger Lum- viele Kameraden muß er ans Messer geliefert Volksverräter getroffen wird. Auf das popereien abermals in Ungnade fiel. Nun ist haben, ehe man ihm die reuige Umkehr allgemeinen die Custodia honesta; es ist er wieder oben: Präsident des deut- glaubte! Nun sitzt der Mordgeselle und Mäddeshalb schwierig, dem großen Publikum schen Fremdenverkehrsvereins! chenschänder als Richter am Berliner Terklar zu machen, daß wirkliche VerratsAuch Manfred von Killinger ist wie- rorgericht. verbrechen gegen Volk und Vaterland zu den schlimmsten Untaten gehören, bei denen der Verbrecher grundsätzlich nicht auf Gnade rechnen kann<. >> Nur die Besten der Nationalsozialisten der da. Ehemals Mitverschworener der Erzbergermörder, zwischendurch Anbiederungs- dürfen Parteigenossen sein«, hat Hitler geversuch an die Republik durch eine Offerte sagt, und was z. B. ein Killinger ist, weiß Und ob das schwierig ist?! Bisher tat man an den damaligen sozialdemokratischen In- der Führer nicht.> Nur die Besten...< Und > Dem schwedischen Juristen, der aus einem sich zur liberalistischen Rechts- und freilich im Dritten Reich immer so, als ob nenminister Sachsens, später nationalsozia- nur die Bestien kommen noch höher. Ein bekennenden Lande erscheinen Grundgedanken und lediglich die Greuelmeldungen verlogener und listischer Abgeordneter im sächsischen Par- Blutregime braucht Lumpen. erörterten Gedanken Staatsauffassung kommt, die>> nordische lament, techtelte mit Stennes, nannte Hitler Auswirkungen des neuen deutschen Rech- verkommener Emigranten tes zunächst außerordentlich fremd und Entrüstung über das Dritte Reich in Schwe- im engeren Kreise eine> aufgeblasene PrimaVon diesem schwer verständlich... Dem im neuen Reich den künstlich verursachten. Jetzt auf einmal donna<. Gesinnungsathleten wieder lebhaft Hegels, durch das subjektive Ich das all- gibt man zu, daß der objektive Be- stammt ein Buch:» Ernstes und Heiteres aus dem Putschleben<. deutschen Rechts<-Wirklichkeit Killingers weißgardigemeine Ich und damit die wahre Freiheit fund der stische Erinnerungen an die Niederwerfung des Volkes zu realisieren, steht der durchschnittliche Schwede- ein ausgesproche- dem schwedischen Blutsvetter die Haare nur der bayrischen Räteregierung. Darin erzählt völlig fremd gegen- so zu Berge stehen läßt. Aber was in Schwener Individualist er heiter, wie auf sein Kommando in Münauch er ausgeprägtes den ist sollte das nicht allenthalben in der über, obwohl(!!!) chen ein Mädchen über die WagendeichNationalempfinden hat.<( Dieses> obwohl<< sel gelegt und ausgepeitscht wurde ist der beste Witz, den man an dieser Welt so sein, die sich auch nur einen Rest und rühmte nebenbei sich der Ermordung Stelle schlechterdings machen könnte. Aber von Gesittung und überlieferter Moral erhaldann weiter:)» Der formalistische und po- ten hat, höchstens die Allerwelts- Interesseneines Kommunisten. sitivistische schwedische Jurist erblickt in metaphysisch begründeten Rechts- ten am Faschismus ausgenommen? denken eine Gefahr für die> Rechtssicher- werden den neu heit( Anführungszeichen von der Deutschen Juristenzeitunge, die so was natürlich Volksgeistes hält er für eine dem Darum Diktatur und Geist Hitlers holländischer Nachahmer Mussert hat unlängst einem deutschen Naziblatt ein Interview gegeben. Dabei äußerte der Diktator Hollands in spe folgendes über sein Verhältnis zur Intelligenz, die im öffentlichen Leben Hollands eine ziemliche Rolle spielt: » Daß die sogenannten Intellektuellen in Holland nicht zu unseren Freunden gehören, schmerzt uns nicht. Dieselben Leute, die heute Bücher gegen uns schreiben, werden viele Werke zu unsern Gunsten abfassen, wenn wir in Holland am Ruder sind.<< Mussert hat wahrscheinlich bel diesen an die deutschen Johste, Jhéringe, Als der Staatsanwalt auf solches Zeugnis ausstaffierten deutschen hin ein Mordverfahren einleitete, verleugnete > Rechtswaltern< die neuen Hoheitszeichen der Kapitänleutnant a. D. sein eigenes Buch bagatellisiert). Den Begriff des deutschen mit Schnüren, Spangen und Kordeln beson- und erklärte das alles als Scherz, poetisches Worten abstrakte ders gut stehen. Vorne sind sie üppig deko- Geflunkere, Irreführung der Leser! Also ein Hanns Heinz Ewers und Konsorten gedacht. Spekulation, übersieht dabei aber, wie tief riert; hinten verpestet ihr Gestank die ganze geborener Erneuerer, der nach dem 5. März Nun ja, jedes System hat die Lobredner, dieser Begriff tatsächlich im deutschen Volk Welt denn auch prompt sächsischer Statt die es verdient... verankert ist. Mit Kopfschütteln stellt er! · F. E. Roth. Deutschland* die gliicklose Lolininsel Um keinen Preis Lohnerhöhungen! In Deutschland ist eine Diskussion über Lohnerhöhungen in Gang gekommen. Um es aber gleich zu sagen: bei diesen nationalsozialistischen Erörterungen handelt es sich nicht etwa um die Frage, ob und in welchem Ausmaß Lohnerhöhungen durchgeführt werden sollen, sondern vielmehr um die Gründe, aus denen jedes Zugeständnis verweigert werden soll. In einer Unterredung zwischen Schacht und Ley hat Schacht auf die schüchternen Vorstellungen des Gewerkschaftsräubers, ohne Zugeständnisse würde die Arbeitsfront um den letzten Rest ihrer Stellung bei der Arbeiterschaft gebracht, geantwortet: Sie glauben wohl, wir leben in einer Konjunktur, da täuschen Sie sich aber gewaltig. Und in seinem»Deutschen Volkswirt« läßt Schacht des längeren nachweisen, daß für Lohnerhöhungen in der Wirtschaft der Diktatur kein Raum sei. Was an Gewinnen entstehe,— darauf lief die Beweisführung hinaus— das müsse dem Staat für die Finanzierung seiner Rüstungen und dem Rüstungsindustriellen für vermehrte Akkumulation zur Verfügung stehen. Deshalb sei eine gleichzeitige Konsumsteigerung unmöglich. Dadurch würden nur die Preise weiter erhöht und der Fortgang der Konjunktur— lies: Rüstungsproduktion— gefährdet. Gegen diese Offenherzigkeiten wendet sich erregt der»Wirtschaftspolitische Dienst« der Nationalsozialistischen Partei-Korrespondenz: »Für den Nationalsozialismus sei die bessere Entlöhnung des deutschen Arbeiters keine Konjunkturfrage. Der nationalsozialistische Staat stehe und falle mit der sittlichen Forderung des»Rechts auf Arbeit«. Dieses Recht, das niemals von einer wirtschaftlichen Lage abhängig gemacht werden könne, schließe aber auch das Recht auf Erhöhung der äußeren Lebenshaltung des schaffenden Menschen ein. Wenn dieses sittliche Recht zur Zeit noch nicht in dem Maße verwirklicht werden könne, das von Herzen gewünscht werde, so nicht, weil dem irgend eine»Konjunktur« entgegenstünde, sondern nur deshalb, well es vor einem noch höhere n Recht zurückstehen müsse, dem der Selbsterhaltung des Volkes, der politischen Freiheit und der absoluten Sicherung der Nahrungs- und Rohstoff-Freiheit.« Schacht wird natürlich zugestehen müssen, daß ihm die alten Pg's doch noch über sind. Seinen wirtschaftlichen»libe- ralistischen« Argumenten kann jeder Arbeiter mit dem Hinweis auf den von Schacht doch sonst so gerühmten Aufstieg der deutschen Produktion und die anschwellenden Unternehmungen begegnen. Jetzt aber geht es um Sittlichkeit und Ethik, um das»höhere Recht«. Der Ley hat doch auch immer gesagt, höhere Löhne können wir Euch nicht geben, aber Eure Ehre hat Euch der Führer wiedergegeben. Schön und ehrenvoll ist es, für das Vaterland zu hungern, bis wir für das Vaterland sterben dürfen... Dagegen läßt sich schwer polemisieren, wenn dahinter der Terror steht. Und noch in einem anderen, dem augenblicklich kitzlichsten Punkt, ist der Pg dem Schacht überlegen. In Deutschland herrscht infolge der fieberhaften Rüstungs- konjunktur in manchen Zweigen Mangel an Facharbeitern, der jetzt noch durch die Einführung der zweijährigen Dienstzeit verschärft wird. Der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung weist darauf hin, daß in der Metall- und Maschinenindustrie sowie im Baugewerbe es keine Facharbeiter mehr in nennenswerter Weise gäbe. Er verlangt verstärkte Ausbildung guter Facharbeiter und eine verstärkte Lehrlingshaltung. Er macht sich auch über die Nährstandsideo- logen lustig, die den gewerblichen Nachwuchs zur»Ertüchtigung« und zur Bereitstellung billiger Arbeitskräfte für die Agrarier ein oder zwei Jahre in die Landwirtschaft schicken wollen. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sind solche auf längere Sicht und der Facharbeitermangel ist in einigen Berufen akut. Das hat dazu geführt, daß inmitten des allgemeinen Lohndrucks wenigstens einige Arbeiterkategorien in letzter Zeit kleine Verbesserungen erreichen konnten, daß also von hier aus ein gewisser Auftrieb einsetzte. Dagegen wendet sich der»Wirtschaftspolitische Dienst« mit voller Schärfe. »Eine einseitige Erhöhung der an sich schon über dem Durchschnitt liegenden Facharbeiterlöhne wäre eine gewisse Ungerechtigkeit gegen die»konjunkturell« nicht so günstig dastehenden Arbeiterkreise. Auch der Nationalsozialist werde solche Lohnerhöhungen ablehnen, weil sie nicht einer Mehr- leistung des Facharbeiters entsprächen, sondern lediglich einer ohne Verdienst der Facharbeiter entstandenen»Konjunktur«. Das Ziel seien Leistungslöhne, nicht Konjunkturlöhne.« Man sieht, gegen so viel Sittlichkeit ist kein Kraut gewachsen. Schacht, der elende Liberalist und Materialist, lehnt Lohnerhöhungen aus wirtschaftlichen Gründen ab— der Arbeiterfeind! Die Pg's aber sind idealistische Sozialisten und bestehen darauf, daß die Lohnerhöhung ein— Ideal bleibt. Der Kampf gegen jede Verbesserung der Lebenshaltung der Massen ist um so skandalöser, da erstens in keinem anderen Lande— das faschistische Italien vielleicht ausgenommen— die Lohnsenkung seit 1931 so stark war als in Deutschland. In Skandinavien, England und den Vereinigten Staaten sind die Reallöhne der beschäftigten Arbeiter sogar noch während der Krise gestiegen. In Deutschland hat die Diktatur, die schon nach dem Sturz der Regierung Müller einsetzende Lohnsenkung akut gesteigert. Die Nominallöhne sind verringert worden, die Tarifverträge werden seit der Zertrümmerung der Gewerkschaften nicht eingehalten, die Abzüge sind ins Unerträgliche gewachsen. Dazu kommt aber die Verringerung des Reallohns durch die fortgesetzte Steigerung der Lebenshaltungskosten, von der der amtliche Index nur ein ganz unzureichendes, absichtlich gefälschtes Bild gibt. Und das alles bei einem gesteigerten Arbeitstempo, das vermehrte und verbesserte, nicht verringerte und qualitativ schlechtere Ernährung erforderte. War die Reduktion der Arbeitslöhne in Deutschland schon während der Krise größer als in allen anderen Industrieländern, so hat sich die Differenz zwischen deutschen und ausländischen Löhnen gerade in der letzten Zeit rapid vergrößert. Denn überall sind sehr bedeutende L o h n s t e i g e r u n g e n zu verzeichnen. Sie waren relativ am bedeutendsten in Frankreich. Dank dem Sieg der Linken und dem Eingreifen der Regierung Leon Blum wurde bekanntlich in zentralen Verhandlungen zunächst eine allgemeine Lohnsteigerung von 10 bis 15 Prozent erreicht, und neben wichtigen sozialpolitischen Verbesserungen die Einführung des bezahlten Urlaubs und der Vierzig- stundenwoche ohne Lohnkürzung, so daß Jouhaux die Gesamtverbesserung des Ar- beitereinkommens auf etwa 35 Prozent beziffern konnte. Die französische Bewegung griff unmittelbar auf Belgien über. In den letzten zwei Monaten ist eine allgemeine Lohnerhöhung von 10 Prozent erfolgt; in einzelnen Industrien war die Steigerung größer, so im Kohlenbergbau um 12 Prozent. Dazu kommt auch in Belgien die Gewährung der bezahlten Urlaube. Weniger plötzlich und allgemein, aber ganz regelmäßig gehen Lohnverbesserungen in dem ganzen Gebiet der kapitalistischen Prosperität vor sich, das die Randstaaten, Skandinavien, England und seine Dominien sowie die Vereinigten Staaten umfaßt. Zusammenfassende Angaben stehen noch nicht zur Verfügung, und die Lohnzugeständnisse werden fast immer ohne größere Kämpfe erreicht. So sind zum Beispiel eben die Wochenlöhne der erwachsenen Arbeiter in der englischen Eisenindustrie um 4 Schilling die Woche(was an Kaufkraft mehr als 4 RM bedeutet) heraufgesetzt worden, während die Eisenbahnarbeiter und die Kohlenarbeiter Lohnerhöhungen bereits vor einiger Zeit erreichen konnten. Dabei erweist es sich natürlich auch als falsch, daß die Aufrechterhaltung niedriger Löhne eine Bedingung der Verringerung der Arbeitslosigkeit sei. Denn in diesem ganzen Gebiet ist die Arbeitslosigkeit erheblich zurückgegangen, in Schweden, Norwegen, Finnland fast völlig geschwunden. Am schärfsten wird das arbeiterfeindliche Verhalten der deutschen Diktatur vielleicht dadurch charakterisiert, daß selbst der italienische Faschismus sich jetzt zu Zugeständnissen gezwungen gesehen hat. Die industrielle Arbeiterschaft Italiens umfaßt etwa 4 Millionen. Für annähernd drei Millionen sind jetzt die Löhne um etwa 7 bis 11 Prozent erhöht worden, Erhöhungen, die allerdings durch die Verteuerung der Lebenshaltung hier überfällig waren genau so wie sie es in Deutschland sind. Daß sich die nationalsozialistische Diktatur als das schlimmste Hemmnis jeder Bewegung der Lebenshaltung erweist, hat allerdings seine besonderen Gründe. Es ist das wahnwitzige Tempo der Aufrüstung und Kriegsvorbereitung, das die Einschränkung des Konsums und die Niedrighaltung der Löhne bedingt; die Arbeiter dürfen nicht mehr konsumieren, weil die Produktivkräfte nicht für den Konsum, sondern für die Ausdehnung der Kriegserzeugung verwandt werden müssen. Die Lohnerhöhung widerspricht der Kriegsvorbereitung und wird damit zur Bedrohung des politischen Systems der Diktatur. Hinter dem Streik lauert für dieses System in der Tat die »Hydra der Revolution«! Dr. Richard Kern. Sdiadii-Gesdiäf te In Brasilien! Konflikte mit englisdi-amerikanisdien Wirtsdhaftsinteressen tr. Pemambuco, Anfang August. Die wiptschaftlich« Misere, in die der Nationalsozialismus und Schacht das deutsche Volk gebracht haben, und die daraus resultierenden Schwierigkeiten in der Rohstoffversorgung führen zu vennehrten Anstrengungen, Rohstoffe aus den südamerikanischen Ländern hereinzubekommen. Der Anteil Südamerikas an dem GesamtvoUimen des deutschen Außenhandels stieg nach dem Bericht der Deutschen überseeischen Bank von 1934 auf 1935 von 6.5 auf 9.5 Prozent! Am bemerkenswertesten sind die Versuche, den Brasilianern Baumwolle und andere Rohstoffe gegen Verrechnungsmark herauszulocken. Unter geschickter Ausnutzung der in den verschiedenen Teilen Brasiliens sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen Interessen gelang dem Dritten Reich anfangs Juni der Abschluß eines provisorischen Handelsabkommens, auf Grund dessen die brasilianische Regierung, die eine strenge Außenhandels- und Devisenkontrolle ausübt, die Auafuhr von 62.000 Tonnen Baumwolle (verteilt auf zwölf Monate) gegen Zahlung in Verrechnungsmark gestattete. Allerdings umfaßt der größte Teil des zugestandenen Kontingents nur sehr geringwertige Sorten, für die Deutschland noch dazu Preise zahlen muß, die sonst für erste Qualitäten gelten! Die deutsche Regierung mußte sich außerdem zu einigen Zoll- ermäßlgungen, ferner zur Abnahme einer Reihe von Waren verpflichten, an denen In Brasilien ein Ueberfluß besteht: Kaffee, Tabak, Bananen, Gefrierfleisch, Orangen. Die deutsche Regierung hat sich verpflichtet, die 1.6 Millionen Sack Kaffee, die sie Brasilien abnehmen muß, nicht wieder auszuführen. Bei der allgemeinen Mentalität der deutschen Wirtschaftsführung und einigen praktischen Erfahrungen, die südamerikanische Länder schon mit dem Dritten Reich gemacht haben, besteht allerdinga nicht der geringste Zweifel, daß sich die Reichsregierung an dieses Versprechen nicht halten wird! Sie wird, wie schon einmal, den Kaffee mit Verrechnungsmark bezahlen und ihn, um Devisen zu bekommen, zu konkurrenzlos billigen Preisen auf solchen Märkten verkaufen, wo die Brasilianer ihren Kaffee sonst zu regulären Preisen absetzen können. Eine besondere Bewandtnis hat es mit der deutschen Genehmigung für die Einfuhr von 20 0.0 00 Kisten Orangen. Der Vorsitzende des»Syndicato de Exportadores de Fructas do Brasil«, Herr Alberto Cocozza, teüt nämlich mit, die deutsche Reichsregie- rung habe diese Genehmigung nur unter der Voraussetzung erteilt, daß— im Gegensatz zu der sonst üblichen Regelung— eine einzige deutsche Privatfirma (unter Ausschaltung jeder Konkurrenz!) das Recht zu dieser Einfuhr erhält. In einer öffentlichen Eingabe wirft der Präsident des Syndikates der Reichsregierung vor, sie unterstütze»ein spekulatives Manöver zugunsten einer einzigen Firma«. Ueber diese neudeutsche Geschäftsmoral wundert sich aber höchstens ein naiver Brasilianer über solche Dinge, bei denen— nach Meldungen, die der brasilianische Exporthandel aus Hamburg erhalten hat— einige geschäftstüchtige Pgs, einen großen Schnitt machen wollen! Viel wichtiger als diese Detailfragen ist aber die Opposition, die in Brasilien schon vor dem Abschluß des provisorischen Handelsabkommens gegen Kompensationsgeschäfte mit Deutschland bemerkbar war. Insbesondere der Finanzminister Souza Costa gehört nicht zu den ausgepichtesten Freunden der Regelung... Man fürchtet nämlich unlautere Geschäftsmethoden der Deutschen bei der Durchführung der einzelnen Vertragsbestimmungen, und fragt sich außerdem besorgt, unter welchen Bedingungen Brasilien seine Markguthaben wird später verwerten können. Nebenher geht noch ein starkes Mißtrauen gegenüber der deutschen Währung und schließlich hat man Befürchtungen vor unangenehmen Rückwirkungen dieses Vertragsabschlusses auf das übrige Ausland, insbesondere auf die Vereinigten Staaten und England! Die Nationalsozialisten haben anfänglich die Proteste, die(offiziell und inoffiziell) insbesondere von nordamerikanischer Seite kamen, nur mit Schadenfreude zu Notiz genommen. Sie haben sogar die Brasilianer anzustiften versucht, die Demarchen der USA nicht emstzunehmen, weil sie, in ihrer Freude über den Abschluß des Geschäftes, das Gefühl für die tatsächlichen Machtverhältnisse verloren hatten. Zu gleicher Zeit mit den hartnäckigen Demarchen der nordamerikanischen Diplomatie und anderen(vielleicht noch eindrucksvolleren) inoffiziellen Schritten wuchsen— zum Teil unabhängig davon— die eigenen Bedenken der Brasilianer. Sie schufen darum mit größter Beschleunigung einen eigenen Kontrollapparat für die Ueberwachung des Kompensationsverkehrs mit Deutschland, waren sie doch Inzwischen über die diversen Praktiken und Winkelzüge der Schachtschen Wirtschaftspolitik einigermaßen informiert worden. Nach zuverlässigen Meldungen beeilen sich die Brasilianer aber anscheinend überhaupt nicht mit der praktischen Inkraftsetzung des Vertrages, insbesondere soweit es die Baumwollieferungen betrifft. Die deutschen Vertreter, die zur Uebemahme der Waren von Deutschland nach Brasilien kamen, wurden zwar mit der hier üblichen Höflichkeit empfangen. Sie konnten aber bis zur Stunde noch keinen einzigen Faden Baumwolle Ubernehmen. Außer einem bisher völlig ergebnislosen Antichambrieren erschöpft sich ihre ganze Tätigkeit in der Bewunderung der landschaftlichen Schönheiten in der Umgebung Rios und der halbdunklen Schönheiten in der brasilianischen Bundeshauptstadt selbst. In ihrer eigentlichen Mission, die Baumwolle zum Import nach Deutschland freizubekommen, sind sie trotz aller Versprechungen noch keinen Schritt weitergekommen! Es sieht auch sonst nicht danach aus, als würden in handelspolitischer Beziehungen die neudeutschen Bäume so schnell in den recht imberechenbaren brasilianischen Himmel wachsen, wie es sich Herr Schacht und seine Leute vorgestellt haben. Sind BVaslüaner erst einmal mißtrauisch geworden, bleiben sie zwar noch immer liebenswürdig und vermelden ein brüskes»Nein!«— man kann aber bei ihnen dann kaum noch etwas ausrichten! Im übrigen unterschätzt das Dritte Reich ganz bestimmt die Wirkung, die seine muntere Betriebssamkeit in Brasilien, in den Vereinigten Staaten von Nordamerika auslöst. Bei der braunen Katastrophenpolitik kommt ee allerdings auf einen weltpolitischen Konflikts« Stoff mehr oder weniger gar nicht mehr 3.11••• Nr. 170 BEILAGE UcutfteÄ 13. September 1936 Die antifasdiistisdie Kritik Zur Aufrüttelung der Trägheit der Herzen Die antifaschistische Kritik, ob sie in Wort oder Bild ausgeübt wird, hat ach in ihren Inhalten und Methoden nach dem Gegner zu richten, den sie bekämpfen muß. Diese Feststellung, die sich notwendig aus dem Wesen jeder Kritik ergibt, ist dennoch nicht ganz überflüssig. Denn bei manchen Zeitgenossen, und gerade auch bei solchen, die nicht direkt nationalsozialistisch verseucht sind, stößt der antifaschistische Kampf auf Gleichgültigkeit, Ablenkung oder Widerwillen. Fragt man nach den Gründen dieses Verhaltens, so erhält man fast immer die gleiche Antwort. Die antifaschistische Kritik, wie sie den Unzufriedenen in den Zeitungen und Zeitschriften der deutschen Emigration entgegentritt, ist ihnen zu unterstrichen, zu grob oder zu gehässig. Sie wünschen mehr Ruhe, Würde und Objektivität. Nun braucht man freilich nicht jeden Exzeß und die mitunter recht primitiven Veröffentlichungen zu entschuldigen, die wie in jedem Lager so auch in der weit verzweigten, den verschiedensten Richtungen dienstbaren und unter schwierigsten Verhältnissen arbeitenden Publizistik der deutschen Emigration anzutreffen sind. Trotzdem soll man sich die Menschen genauer betrachten, die mit ihren generell ablehnenden Urteilen über die antifaschistische Kritik so leicht bei der Hand sind, und soll sie belehren. Für die Methoden des politischen Kampfes gegen die Reaktion gibt es überzeugende und klassische Beispiele großer Künstler und Dichter. Eines der schlagendsten Beispiele sind die unerhört scharfen und bissigen Attacken, mit den denen der große englische Ironiker Jonathan Swift, der weltberühmte Verfasser von Gullivers Reisen, die gesellschaftlichen Zustände seiner Epoche angriff. Man kann auf die genialen Radierungen des spanischen Malers Goya verweisen, der mit unerbittlichem Realismus die Greuel des Kriegs und die Opfer menschlicher Dummheit und fanatischer Verfolgungssucht zeichnete. Da sind die exemplarischen Streitschriften Voltaires, Diderots und anderer Enzyklopädisten gegen die feudale und klerikale Reaktion, jene glänzende Literatur, die den Weg für die französische Revolution bereitete. Da sind die großartigen Zeichnungen und Karikaturen des französischen Malers D a u m i e r gegen die Fratzen eines gewissenlosen Kapitalismus und des Schiebertums in der Politik. An den »Hessischen Landboten« Georg Büchners mit seinem Motto»Friede den Hütten, Krieg den Palästen!« muß man erinnern als an das Muster jeder illegalen Aufklärungsschrift. An die Pamphlete Victor Hugos gegen Napoleon»den Kleinen« soll man verweisen, gegen den Scharlatan auf dem französischen Thron und den gerissenen Ahnherrn aller faschistischen Methoden. Zolas mutiges J'accuse darf man schließlich nicht vergessen, das er einer militaristisch und antisemitisch verblendeten Justiz entgegenschleuderte. Diese Dichter und Künstler wirken darum auch heute noch so überwältigend, gerade weil sie die Stärke ihres Hasses keineswegs verhehlten, weil sie ihn betonten und unterstrichen, soviel sie nur konnten. Sie wußten edle, jja» sie einen Gegner zu bekämpfen hatten, der selber keine Schonung und Rücksicht kannte und dem man mit sanften Mitteln nicht beikommen konnte. Bei ihren Feinden, den rückwärts gewandten Privilegierten, herrschte Heuchelei, brutale Unterdrückung und Ausbeutung. Auf ihrer Seite war das Recht, die Freiheit und der Fortschritt des Menschengeschlechts. Sie brauchten keine Rechtfertigung für ihr Tun, da der Stolz dieses Bewußtseins sie mit einer Leidenschaft erfüllte, vor deren Glut die Bedenken schmolzen, ob ihre Kritik sich im Ton vergreifen, ob sie zu kraß oder zu scharf sein könnte. Wenn sie nur wirkte, wenn sie den mächtigen Gegner nur traf! Ihr Angriff mußte auch darum von größter Heftigkeit sein, weil sie nicht nur die Machthaber zu bekämpfen hatten, sondern mindestens ebenso sehr die Gleichgültigkeit ihrer Zeitgenossen. Denn nur zu leicht gewöhnen sich die Menschen auch an die schlimmsten Zustände, auch an das schreiendste Unrecht, vor allem wenn die zahlreichen, mehr oder minder bestochenen Hüter der bestehenden Mächte, wenn Schule, Presse und alle Organe der öffentlichen Meinungsbildung von einer gottgewollten, durch die Jahrhunderte geheiligten Ordnung reden. Eine derart befestigte Welt kann man wirklich nicht mit zarten Farben und mit säuselnden Worten in Trümmer legen. Die Männer, die für eine neue und bessere Erde kämpften, waren sich darüber im klaren. Hinter all ihren Aeußenmgen stand als Antrieb der Schlachtruf Voltaires, mit dem er nicht müde wurde, seine Mitwelt anzufeuern:»Ecrasez ITnfäme— vernichtet die Schmach!« So war es einst und wie könnte man es heute anders halten, wo sich im Herzen Europas eine Gewaltherrschaft eingerichtet hat, die ihresgleichen in der Geschichte sucht! Dabei waren in den Zeiten der französischen Aufklärung, selbst noch in der Epoche des großen Realisten und Menschheitsfreundes Zola die Begriffe der Humanität und der sozialen Gerechtigkeit nur erst ideale Forderungen, die keine oder eine recht mangelhafte Realisierung gefunden hatten. Nicht zuletzt dank der Wirksamkeit dieser Männer hatten sich die progressiven Tendenzen seitdem immer ungestümer entfaltet. Die ungeheure Erschütterung des Weltkrieges hatte sie nur noch beschleunigt. In manchen Ländern waren sozialistische Regierungen zur Macht gekommen, in andern hatten die mächtig angewachsenen sozialistischen Parteien einen Druck ausgeübt, der zum Wohl der ganzen Menschheit humanere Gesetze zeitigen half. Der Gedanke des Sozialismus marschierte und es war bei der fortschreitenden Zersetzimg der kapitalistischen Ordnung klar, daß er den Sieg erringen würde. Da hatte der Faschismus zum Gegenschlag ausgeholt, am furchtbarsten und grausamsten in Deutschland, dem Land, dem wir angehören und das wir lieben, dem Land, in dem die Ideen des Sozialismus und der Humanität geboren wurden. Was verlangt man von uns, den anti- faschistischen Kritikern? Kann man im Ernst von uns erwarten, daß wir mit kühler Ruhe das wahnsinnige Treiben von Menschen betrachten, die das Rad der Geschichte rückwärts drehen wollen und in ihrer blinden Zerstörungswut bis auf die Wurzeln alles vernichtet haben, was es an mühsam erkämpften politischen, kulturellen und sozialen Errungenschaften in Deutschland gegeben hatte? Viele unserer Freunde und Genossen, die dem barbarischen Gesindel in die Hände fielen, wurden viehisch ermordet. Manche von ihnen wurden gefoltert, Nacht für Nacht aus den Betten geholt, von besoffenen Burschen getreten, gepeitscht; mit Stahlruten wurden ihnen die Nieren zerschlagen, sie wurden in Stehsärge eingeschlossen. Viele von ihnen schmachten noch immer in der Hölle der Konzentrationslager unter Qualen, die nur der teuflischste Sadismus erfinden konnte. Und wir sollten das alles ohne Groll und mit sanften Worten besprechen? Wer der antifaschistischen Kritik Ueber- treibungen vorwirft, übersieht oder will geflissentlich übersehen, daß es die deutsche Naziwirklichkeit selber ist, die unaufhörlich Uebertreibungen unwahrscheinlichster Art produziert. Shakespeare, der sich in den dunkelsten Tiefen der menschlichen Seele aus- kannte und überreich an blutigen, grausamen Bildern ist, hat keine Szene sich ausdenken können, die an blutiger und grotesker Gemeinheit den Vorgängen eines dreißigsten Juni gleichgekommen wäre. Kein Politiker konnte die Schande der Juden- und Rassengesetze ahnen. Der Satiriker braucht seinen Witz nicht mehr sehr zu bemühen. Er braucht nur wörtlich darzustellen, was an Dummheit und Unsinn drüben täglich geschieht. Der Liebhaber der deutschen Sprache, der sich mit dem braunen Schriftum be- Der Parteitag des Friedens FERTICi �0�. schäftigen soll, steht entwaffnet vor so vielen Schnitzern, soviel Albernheit und Wortungeheuern. Der Karikaturist, den die Gesichter des Dritten Reiches anstieren, hat nie soviel Stoff zu Fratzen gefunden. Kurz, es ist die vollendete Barbarei, der furchtbarste Rückschlag aller Zeiten, dem die antifaschistische Kritik gegenübersteht. Und sie sollte das nicht mit nackten, deutlichen Worten sagen? Die antifaschistische Kritik steht im Dienst der einzigen rettenden Idee, die eine gequälte Menschheit von ihren Nöten befreien kann. Sie hat ihre Pflicht zu erfüllen, ihren Todfeind zu entlarven, ihn der Schande preiszugeben und zum Untergang reif zu machen. Mögen empfindsame Gemüter unbelehrbar bleiben und weiter mit ihrem Ton unzufrieden sein, es soll sie nicht kümmern, es kann sie in ihrem Kampf nur bestärken. B. Der IVansenpaß als Retter Von Franz von Puttkamer. Rivesaltes, 2. September 1936. Mein sehr seltsames Erlebnis, das in meiner gewaltsamen Auslieferung durch die spanischen Faschisten von Ibiza an ein deutsches Schiff gipfelte, um dann überraschenderweise statt im deutschen Konzentrationslager mit allgemeinem Händeschütteln in Genua zu enden, enthält über das Persönliche hinaus einige politische Momente allgemeiner Bedeutimg. Diese Geschichte begilnnt im September 1934, als im Hafen der Mittelmeerinsel Ibiza das deutsche Frachtschiff»Trappani« zum erstenmal mit einer Hakenkreuzflagge erschien. Wie in vielen Häfen mit organisierter Arbeiterschaft traten auch die Hafenarbeiter von Ibiza in Streik. Am Streikbeschluß hatten wir keinen Anteil. Sehr bald entstand aus unserer Dankbarkeit gegenüber den Arbeitern die Idee einer Sammlung zugunsten der armen Hafenarbeiter, die ihrer und unserer politischen Ueberzeugung ein großes Opfer brachten. Sehr rasch waren 70 Peseten beisammen, ein angesichts des Lohnausfalls bescheidener Betrag, den wir zu dritt im Gewerkschaf ts- büro der Hafenarbeiter ablieferten. Nebenbei teilte man uns dort mit, daß das Schiff auf Grund eines Kompromisses ausgeladen werden könne. Da nach internationalem Seerecht nachts alle Flaggen eingezogen würden, werde man das Schiff eben bei Nacht ausladen. Etwas enttäuscht zogen wir ab. Am folgenden Tage wurden wir drei verhaftet, da die Nazis uns der spanischen Behörde als Urheber des Streiks denunziert hatten. Wir konnten den Nachweis führen, daß wir uns nicht in innerspanische Verhältnisse eingemischt hätten, da es sich nur um einen Akt der Wohltätigkeit gehandelt habe« Aber was wir aktiv nicht getan hatten, bewirkten wir sogleich passiv. Kaum erfuhren die Hafenarbeiter von unserer Verhaftung, so war schon das»Nachtkompromiß« zerbrochen. Das Schiff blieb unausgeladen im Hafen. Andererseits beikräftigte der Gou- Was Jeder MJ-Führer wissen In der Gauführerschule Rippen wurde ein Schulungslehrgang der Kreisjugendwalter und Kreiajugendreferentinnen des Gaues Ostpreußen abgehalten. Manch einen interessiert es vielleicht, was die jungen Leute bei solch einem»Schulungslehrgang« eigentlich lernen, und die»Preußische Zeitung«(Nr. 217) ist so freundlich, darüber Auskunft zu geben. Zunächst erfahren die Schüler, daß jedes Gemecker auch dann Landesverrat ist, wenn nur Blockwarte oder andere Unter-Unterführer davon betroffen werden: »Der Gauorganisationsleiter der NSDAP, Parteigenosse Dargel, erklärte in seinen Ausführungen: Wenn heute jemand erklärt, daß er den Führer vollkommen anerkenne, irgendeinen Unterführer aber ablehne und ihn somit angreift, der greift auch den Führer an.« Also Vorsicht bei der Aufdeckung parteiamtlicher Unterschlagungen! Weiter wird den Hörern eingetrichtert, die Lebensmittelknappheit gehöre zum Aufbau und müsse heroisch ertragen werden. Der gleiche Redner sagte: »Die späteren Geschichtsschreiber werden sicher über die Einführung der Wehr- höheit und damit über ein gigantisches Werk unseres Führers berichten und nicht über die Butterknappheit schreiben.« Nachdem in solcher Weise klargelegt war, über was nicht geredet werden dürfe, kamen die Dinge an die Reihe, über die viel und oft geredet werden soll und muß; »Parteigenosse Rohde ging auf hin und wieder vorkommende Streitfälle zwischen Meister und Lehrling ein. Wenn z. B. der Meister dem Lehrling sagt, der Beruf gehe dem HJ-Dienst vor, so Ist hierzu zu sagen, daß der Dienst in der NSDAP und damit in der HJ genau so wichtig ist, wie der Beruf. Es gibt keinen guten Handwerker, wenn er nicht gleichzeitig auch ein guter Nationalsozialist ist.« Bisher scheint sich diese Auffassung nicht recht durchgesetzt zu haben, denn; »Parteigenosse Ebeling machte darauf aufmerksam, daß die Bestimmung des Lan- deshandwerksmeisters, Parteigenossen Ma- gunia, dahin gebt, daß im Handwerk nur Lehrlinge eingestellt werden, die der HJ angehören. Es dürfte natürlich nicht vorkommen, daß er vor Eintritt in die Lehre seinen Beitritt zur HJ erklärt, und dann ach Eintragung in die Lehrlingsrolle wieder aus der HJ austritt. Dieses sehe er als einen Entlassungsgrund an, denn wer nicht tragbar für die HJ ist, der ist auch nicht tragbar für die Lehre.« Wehe dem Kleinmeister, der sich seinen Lehrling nicht»entlassen« lassen möchte! Nun war es wohl an der Zeit— so etwa am fünften Tage des Lehrganges— ein Wörtlein über den Sozialismus zu sagen. Das ließ sich zuerst ganz kräftig an: »Es sprach der Gauorganisationswalter der DAF, Grickßus: Wir verbitten es uns, daß verschiedene Betriebsführer»Schulterklopfsozialismus« betreiben. i Die, die nur am 1. Mai und 1. Oktober mit dem Arbeiter scheinbar kameradschaftlich zusammensitzen, lehnen wir ab, denn der Betriebsführer hat sich jederzeit um seine Gefolgschaft zu kümmern. Die Arbeitskraft ist das Größte und Schönste, was ein Volk hat, und deshalb hat der Betriebsführer für soziale Verhältnisse zu sorgen.« Die schulterklopfenden Betriebsführer, die den Bericht etwa gelesen haben sollten, werden sicher aufgeatmet haben, wenn sie auf den nun folgenden Satz stießen: »Wir werden eine« Tages dahinkommen, daß der Arbeiter nicht nach Tarifen, sondern nach Leistungen bezahlt wird.« Das Ist ja gerade der heißeste Wunsch der Schulterklopfer. Und somit zeigte es sich, daß die böse»Wir-verbitten-uns«-Drohuiig gar nicht so ernst gemeint war. Das alles lernen die Kreisjugendwalter und Kreisjugendreferentinnen bei einem Schulungslehrgang. verneur der Balearen durch telegrafische Anweisung unseren Haftbefehl. Unsere Lage war schwierig, weil damals gerade in Spanien eine Rechtskoalition am Ruder war. Unsere Verhaftung weckte ein ungewöhnlich starkes Echo in der spanischen Bevölkerung. Ein Priester, der mit einem meiner Leidensgenossen bekannt war, erschien selbst wiederholt im Gefängnis, ließ sich alles genau erklären und sandte schließlich ein endloses Telegramm an den ihm befreundeten Gouverneur. 35 liberale Bürger unterschrieben eine Petition, die ebenfalls dem Gouverneur telegrafisch übermittelt wurden, in der sie sich für uns verbürgten. Die gleichzeitige Generalstreikdrohung wurde von dem schlauen Gewerkschaftssekretär nur dem rechtsgerichteten Bürgermeister geflüstert, der nun seinerseits»Um des lieben Friedens willen« sich der Telegrafiererei an den Gouverneur anschloß. Unter dem Druck dieser»Weimarer Koalition« ließ der Gouverneur uns am vierten Tage laufen. Die Angelegenheit sei für uns ohne alle und jede Konsequenz niedergeschlagen. Im Augenblick, als wir das Gefängnis verließen, sahen wir»Trappani« abfahren und hörten wir seinen Abschiedstuten. Natürlich waren wir über den Ausgang der Dinge sehr vergnügt und belachten vor allem die Rolle der Nazis, die mit ihrer Gehässigkeit unzweifelhaft das Löschen von »Trappani« verhindert hatten. Im Januar dieses Jahres lebte die Affäre wieder auf, als ich in Budapest die Erneuerung meines Passes beantragte. Der deutsche Konsul der Balearen verweigerte mir den»Unbedenklichkedtsvermerk«, weil ich es als früherer sozialdemokratischer Redakteur unternommen hätte, spanische Arbeiter gegen ein deutsches Schiff aufzureizen, und zwar mit dem Versprechen von 2000 Peseten. Das war mir neu! Nie war von dieser Summe die Rede gewesen. Offenbar war das die alte Nazilüge! Auf die Idee, mich einmal zu fragen, war der Konsul nicht verfallen. Ohne jede Prüfung wurde so aus einer Denunziation eine Urteilsbegründung eines deutschen Konsulats. Der deutsche Konsulatsbeamte in Budapest bot mir einen kurzfristigen Paß zur sofortigen Rückreise nach Deutschland an! Ich zog die ungarische Identitätskarte, gültig für 6 Monate, vor, die mir die ungarische Polizei ausstellte. So konnte ich nach Spanien zurückkehren. Bei Ausbruch des spanischen Bürgerkrieges war ich wieder in Ibiza. Die kleine Garnison der Insel machte die Rebellion der Generale mit. Zwischen dem Kommandanten der Rebellen und dem deutschen Vizekonsul entstand sehr bald ein lebhaftes Zusammenarbeiten, das sich jedoch nur auf Transport- und Wohlfahrtafragen zu beziehen schien. Daß der deutsche Vizekonsul meine Auslieferung auf Grund der alten Lüge, daß ich die Arbeiter zum Streik»aufgereizt« hätte, fordern und dann natürlich auch erreichen würde, fiel mir nicht im Traum ein. Am Vorabend der Ankunft des deutschen Frachtschiffes wurde ioh verhaftet und ohne jede Angabe von Gründen, trotz meiner Proteste auf das deutsche Schiff transportiert. Einem Freunde gegenüber hat der Vizekonsul ausdrücklich meine Auaweisung mit der Schi ffsgeschicbte begründet. Auf dem deutschen Schiff zog ich naturgemäß meinen ungarischen Paß. »Das habe ich nicht gewußt!«, stammelte der Vizekonsul. Und:»Da können wir nichts machen!«, sagte der erste Offizier im Einverständnis mit dem Kapitän. Ich war frei auf dem Schiff! Nur nach Ibiza konnte ich im Augenblick nicht zurückkehren. So erlebte ich nieht die Eroberung Ibizas durch die Regierunga- truppen. An einem Mittwoch mußte ich die Insel verlassen. Schon am folgenden Samstag wurde Ibiza bombardiert und ergab sich am Sonntag. Der Kommandant der Rebellen erschoß sich, nachdem er den Befehl zur Hissung der weißen Fahne gegeben hatte. Durch Radio-Madrid, der meine Auslieferung In fünf Sprachen mitteilte, darunter natürlich in deutsch, sind hoffentlich andere deutsche Emigranten, die sich in Rebellenhäfen befanden, rechtzeitig gewarnt worden. Denn Vertrauen In ein Mindestmaß von Respekt vor Recht und Menschlichkeit ist bei spanischen Faschisten offenbar ebenso unangebracht wie bei den deutschen! Der staunenden Madiwelt »Die Kreisstadt Ortelsburg feierte am Donnerstag die Grundsteinlegung des neuen Rathauses. In einer Kupferkassette wurden mehrere Dokumente, darunter u. a. Adolf Hitlers »M ein Kampf«, je ein Exemplar der »Preußischen Zeitung« und des »Völkischen Beobachters« sowie Auszüge aus den Wahlakten eingemauert.«(Deutsche Pressemeldung.) Abgesang Mit dem Satz, wonach die Buben Immerdar als Buben enden, Hat es auch bei Nazi-Kuben Sein Bewenden. Korruption und Saufgelage brachten ihn um die Karriere. Sowas hütet heutzutage Deutschlands Ehre! Dieser Wicht hat ausgewichtet; Was er andern als ein gelber Neidllng stets hat angedichtet, Trieb er selber! Doch des Paladins Debakel Dient des Führers Glorienscheine; Ausgetilgt wird dieser Makel, Dieser eine... Dieser eine! Muokl. Väter und Söhne Im Dritten Reiche wächst eine arrogante Jugend heran, denn da die Aelteren immer wieder an die schöne Zeit zurückdenken, als es noch Recht und Meinungsfreiheit gab, muß der Jugend von Staats wegen eingeredet werden, das damals sei alles liberalistischer Mumpitz gewesen, ein altes Sündenkonto verkalkter Generationen. Und so macht sich denn ein verzweifelter Vater in der DAZ einmal Luft, es gibt»zwischen Vater und Söhnen eine Auseinandersetzung, die heute in der Luft zu liegen und notwendig zu sein scheint...« Er erzählt den Söhnen etwas von der vorolympischen Jugend, der für Sport keine Zeit blieb, denn sie mußte arbeiten und gestaltete ihr bißchen Freizelt nabh eigenem Ermessen; »Es gab für sie damals noch kein Anhalten, Anleiten kein Kommando zum Sport, Wandern, Zelten, zu körperlicher Ertüchtigung. Außer Elternhaus und Schule keine Stelle, die sie in Disziplin nahm. Es lag an jedem Jungen selber, was für ein Kerl und Mensch er wurde. Ungeschriebene Gesetze gaben den Rahmen des Möglichen und die Ausrichtung, jeder hatte die höchstpersönliche Verantwortung dafür, ob er ein anständiger Kerl wurde, der vor Gott und Familie und Volk und vor sich selber bertehen konnte. Und sie bestanden! Sie bewiesen es In dem Krieg, der sie gründlich auf Herz und Nieren prüfte. Anfangend mit Flandern.« Das ließen die Söhne zur Not noch gelten.»aber das Nachher, das nach dem Krieg?— Der Vater erzählt den Söhnen etwas von den allgemeinen Nöten, Schwierigkeiten und Kämpfen nach dem Kriege, ehe »der Nachschub« kam, der nötig war,»um zum Durchbruch anzusetzen...« Bis dahin war der alte Herr leidlich klar, aber mit dem Durchbruch setzt bereits Gestammel ein: »Im Grunde war dieser Nachschub nicht revolutionärer als ihre Väter in der Jugend waren. Nur war das alles nicht so einfach damals. Da war das Reich groß, stark, geachtet, gefürchtet. Es gab Arbelt, Fortkommen, Hochkommen, Reichtum, Sicherheit, Aufwärtsentwicklung von einer scheinbaren Unbegrenztheit. Wer da spürte, wie trotz alledem der Boden brüchig wurde, wer da den Hufschlag der apokalyptischen Reiter von fern her hörte und einen Hauch vom Geist eines Neuen, einer Wende spürte, der war, bewußt oder unbewußt, schon ein Revolutionär, ein Träger der neuen Zukunft. Der Krieg zerschlug die schöne Kruste des Altan unbarmherzig und stieß auch die Bünden und Widerstrebenden in das Neue hinein, wenn sie es auch noch nicht sofort zu begreifen vermochten.« Ja. es gab vor dem Kriege allerdinge Revolutionäre,»Träger einer neuen Zukunft«, das waren aber nicht die Leser der DAZ, sondern die Marxisten, die Sozialdemokraten. Sie hörten die»apokalyptischen Reiter« nicht nur von ferne, sondern sie suchten ihnen auch den Weg zu verlegen. Und als ihnen das nicht gelang, standen sie für die Landesverteidigung auf, kämpften für einen Frieden der V erständigung, der dem deutschen Volke ein ehrenvolles Kriegsende eingebracht hätte, während Ludendorff und der völkische Troß einen Versailler Vertrag erkämpften. Diese« Stück Geschichte kommt in der Polemik des Vaters leider recht schlecht weg; er verschweigt auch, daß die Leser der DAZ den braunen»Durchbruch« so total nie gewollt haben. Aber vielleicht sind seine Söhne richtige Hitlerjungens, wie sie der Führer wünscht: bereit, auf Vater und Mutter zu schießen und ihre Meckereien der Gestapo zu melden. Vielleicht haben sich diese Söhne schon einige Denunziantenpreise geholt, so daß dem Vater die Wahrheit Uber die Vergangenheit den Kopf kosten könnte. Nur so ist das zum Schlüsse unklare Gestammel des vorher klareren, leise meckernden alten Herrn zu erklären, und so bleibt er nur ein trauriges Beispiel dafür, wie heute drüben selbst in der Familie die geschichtliche Wahrheit verleugnet werden muß! Er tröstet sich schließlich damit, daß ja auch»die Söhne seiner Söhne so um die Zwanzig herum« ihre Väter mancherlei fragen werden. Zum Beispiel: Was habt ihr mit Recht und Freiheit gemacht?! Aber das darf der alte Herr schon nicht mehr andeuten, weil sonst auch gleich die DAZ mit abgeht— so total ist»der Durchbruch des Nachschubs« und so herrlich ist die»Wiedergeburt Deutschlands«. Der»Wo�enpralles« Erinnerung an die Weltkriegslyrik. Eine Mappe fällt mir in die Hand; Gedichte aus der Kriegszelt, ausgeschnitten, gesammelt von irgendwem, der geglaubt hat, auf die Welse der Nachwelt wertvolle Dokumente zu erhalten. Er hat es getan— In negativem Sinne: auf dem gekrampften Ge- reim liegt dicker Staub und er Ist nicht wegzublasen. Nichts ist von dieser Gelegenheitspoesie ins Bewußtsein des Volkes gedrungen, nicht« in der Erinnerung haften geblieben. Der kommandierende Gefühlsschwung ist genau so spurlos vorübergerauscht, wie der um zwanzig Jahre Nachkommende In abermals zwei Jahrzehnten abgetan und vergessen sein wird. ,■ Gibt es keine Ausnahmen?— Karl B r ö g e r s Strophe vom ärmsten Sohn Deutschlands, der sein getreuester war, dürfte die einzige sein. Der Sozialdemokrat hat allein eine echte Gefühlssaite angeschlagen, hat etwas ausgesprochen, was wirklich mit dem Fühlen des Volkes in innerstem Zusammenhang stand,— so innig, daß noch das Hitlerregiment schnöden, sinnfälschenden Mißbrauch mit seinen Versen trieb, während es den Dichter ins Konzentrationslager sperrte... Sonst— nichts!— Während der ersten Sanerbrudi an der „Aerztelront" Er verteidigt das 19. Jahrtumdert gegen »Chaos und Mystik«. Der Miinchener Chirurg Professor Sauer- brucb hat vor einiger Zelt Hitler operiert und Ihm die Möglichkeit zurückgegeben, die Vollkraft seiner Stimme wieder in reiner Schönheit zu entfalten. Vielleicht ist dieses Bewußtsein der Unentbehrllchkeit für den Notfall der Grund, daß Sauerbruch sich mit seinen Meinungsäußerungen etwas freier hervorwagen kann als seinesgleichen. Im Verlauf einer Vortragsreihe in Berlin über»ärztliches Denken und Handeln im neuen Deutschland« hielt Sauerbruch eine Rede, die voller offener und versteckter Spitzen gegen alles war, was das Dritte Reich an angeblich neuen Ideenschätzen ausgegraben hat. Er wagte zunächst eine Verteidigung des naturwissenschaftlichen Denkens des 19. Jahrhunderts, das als materialistisch und llberali- stlsch von der nationalsozialistischen»Wissenschaftslehre« in Acht und Bann getan worden ist. Dieses Jahrhundert habe vielmehr, so sagte Sauerbruch vor den erstaunt aufhorchenden ärztlichen Hörem, gewaltige wissenschaftliche Leistungen und technische Erfolge aufzuweisen, denen unsere Gegenwart so gut wie alles verdanke. Dann aber holte der Redner zum Angriff aus. Die gegenwärtige»Vertrauenskrise« des wls- Jugend ohne Redht Vor dem Dritten Reich war das Jugend- strafrecht In Deutschland nach einheit liehen und humanen Grundsätzen geregelt. Das Jugendgerichtsgesetz bestimmte, daß jeder jugendliche Rechtsverletzer vor den Jugendrichter gehöre und daß leichtere Straftaten grundsätzlich mit Erziehungsmaßnahmen zu beantworten seien. Zu den»leichteren Straftaten« zähl ten damals auch politische Vergehen »harmloser« Art— Beschimpfung der Reichsfarben, Teilnahme an verbotenen Aufmärschen usw.—, und die weitaus meisten Jugendrichter ließen Angeklagte dieser Art mit einer V erwarnung davonkommen. Schwäche der Republik? Vielleicht. Aber gerade die Jugendrichter waren häufig nicht die schlechtesten Republikaner, und nicht staatsfeindliche, sondern rein menschliche Erwägungen gaben für ihre Milde auch gegen nationalsozialistische Jugendliche den Ausschlag. Wer je an Jugend- gerlchtsverhandlungen etwa der Jahre 1931— 1932 teilgenommen hat— sei es als Schöffe, als Protokollant oder als Wohlfahrtspfleger — der weiß, wie wirr und hilflos gerade die Hitlerburschen sich vor Gericht zu benehmen und wie Die braune Parteibudi|ustSz am Werke Auslegung der geltenden Richtlinien bestehen sollte, so wird er durch die folgenden, im gleichen Aufsatz des Professors stehenden Sätze behoben: senschaftlichen Denkens drohe in kleinlaut sie ihre Verwarnung gefährlicher Weise zu entarten, jeinzustecken pflegten. Daß sie »denn die Abkehr von ihm führe—; draußen auf dem Gang häufig die geifernde nicht nur in der Medizin!— zu Chaos und Mystik.« Aber damit nicht genug. Sauerbruch verleugnete die beanspruchten Prioritätsrechte der braunen Ideen und der braunen Wissenschaft. Schon seit langer Zeit habe gerade die Chirurgie eine»Synthese« von anatomischem und biologischem Denken gefunden und praktiziert, kurz, der Ganzheitsgedanken der Wissenschaft habe sich in den vergangenen Jahrzehnten längst durchgesetzt. Sauer- Sprache der nationalsozialistischen Blätter wiederfanden, hörten vielleicht die Zeugen— der Jugendrichter hörte es nicht. Seit 1933 hat sich zweierlei gründlich gewandelt: die Einschätzung der Delikte und die Einschätzung der Person. Diebstahl und Diebstahl waren früher für den Jugendrichter nicht das Gleiche. Man forschte nach den Motiven und strafte etwa einen Burschen, der aus Not zum Diebe wurde, leichter als einen, den vielleicht Genußsucht zum Stehlen bruch Uberließ es seinen Hörern, die natür- 1 trieb— auch wenn die entwendete Summe im liehe Schlußfolgerung zu ziehen; daß die deut- ersten Falle größer war. Ehe Person des Tä- sche ärztliche Wissenschaft im Dritten Reich ters spielte dabei insofern eine Rolle, als unschöpferische Leistungen nur noch auf dem günstige häusliche Verhältnisse, schlechtes Felde internationaler Blamagen zu gewinnen habe. Dafür war die Rede des Reichsärzteführers Dr. Wagner vor diesen»führenden Persön- Uchkelten der Berliner Aerzteschaft« ein anregendes Beispiel. Nicht nur, daß er den Hörem das totale Arsenal an braunen Plattl- Vorbild und verderbliche Kindheitseindrücke strafmildernd wirkten. Diebstahl und Diebstahl— das ist auch im Dritten Reich nicht dasselbe. Aber nicht die Motive geben bei der Strafzumessung den Ausschlag. Was kümmert es den Richter, wenn der ange- tüden über Rassepolitik vorlegte. Mit unauf- klagte Bursche hungert? Amtllcherseits gilt fälliger Ironie teilt die gleichgeschaltete Presse die Not in Deutschland als»restlos« beseitigt mit, daß durch diesen Redner die»Haupt-: und kommt schon deshalb als mildernder Straßen des Marschplanes der Umstand in Wegfall. Nein— ausschlagge- deutschen Aerzteschaft« vorgezeich- j bend ist einzig die Person des Täters, net worden seien. Wer diesen Wagner kennt und diese Person wird nicht nach den priva- und ihn je sprechen hörte, der weiß, daß es ten Lebensumständen beurteilt, sondern kein vollendeteres Exemplar der Gefahren nach dem eigenen und nach dem einer»unzuträglichen Mischung« gibt als ihn' elterlichen Parteibuch. Hat die selber. Auf diese bevölkerungspolitische Spe-; Partei kein Interesse daran, den Burschen zlalleistung braucht das von Sauerbruch so oder das Mädchen zu halten, dann wird das lebhaft verteidigte neunzehnte Jahrhundert| jugendliche Alter— sofern der Richter be nicht besonders stolz zu sein. Ifehisgemäß handelt und was bleibt ihm anderes übrig— überhaupt nicht in Betracht gezogen. Einheitliche Regeln gibt es dafür natürlich nicht, aber der »W ille des Führers« wird bekanntlich als rechtsbüdend anerkannt, und dieser Wüle beeinflußt nicht nur die Strafzumessung, er regelt auch den Strafvollzug. Die Jugendgefängnisse der Republik waren als Erziehungsanstalten gedacht. Ihr Ziel; nicht Sühne, sondern Rückgewinnung des jungen Rechtsbrechers für die menschliche Gesellschaft. Jetzt sieht das anders aus. Im Führerorgan der nationalsozialistischen Jugend,»W ille und Macht«, heißt es: »Wir haben uns die Frage vorzulegen, »Echte Strafe, die empfindlich sein soll und die Ehre des Jugendlichen mindert, scheint dabei in zwei Fällen notwendig zu sein: einmal, wenn es sich nach Vorleben und Anlage um einen hoffnungslos rückfälligen Kriminellen bandelt, sodann, wenn die Tat selbst so schwer war (z. B. Mord, Hoch- und Landesverrat, schwere Brandstiftung), daß die Notwendigkeit einer Sühne alle Erziehungsrücksichten überwiegt.« »Hoch- und Landesverrat« stehen hier in gleicher Linie mit Mord und Brandais der Strafvollzug gegen Erwachsene. Diese Frage ist grundsätzlich zu verneinen, weil heute jeder einzelne für sein Tun die alleinige Verantwortung trägt und sie nicht auf seine Umwelt abwälzen kann. Bei dem Strafvollzug an jungen Gefangenen ist daher von der Erwägung auszugehen, daß der junge Rechtsbrecher, dem das Gericht eine Freiheitsstrafe zuerkannt hat, die vollzogen werden soll, büßen und das begangene Unrecht sühnen muß, ebenso wie der erwachsene Verbrecher.« Und wie der erwachsene Rechtsbrecher im Dritten Reiche büßt, weiß man. Er unterliegt der Rache des herrschenden Systems, er soll nicht gebessert oder geheilt, er soll gequält und gedemütigt werden. Im Widerspruch zu den Ausführungen in »Wille und Macht« scheint es zu stehen, wenn das Mitglied der amtlichen Strafrechtskommission, Professor Friedrich Schaffstein, im »Jungen Deutschland« den Grundsatz aufstellt,»daß man im Interesse der Selbsterhaltung des deutschen Volkes auf keinen Jugendlichen verzichten könne, der nach seiner Anlage noch ein brauchbares Glied der Volksgemeinschaft werden könne« und daß»im Interesse der Volksgemeinschaft auf die Wiedereingliederung straffällig gewordener Jungmänner durch geeignete Erziehungsmaßnahmen Bedacht zu nehmen sei.« Das scheint ein Widerspruch— es ist keiner. Was wir oben Uber die Einschätzung der Person sagten, das gewinnt hier Gestalt. Denn ein Jugendlicher,»der noch ein brauchbares Glied der Volksgemeinschaft werden kann«— das ist ein Jugendlicher, der sich in der braunen Jugendorganisation bewährt hat, niemals ein Jugendlicher, der ihr fernsteht oder der sie gar ablehnt. Dem einen, ob er stiehlt oder unterschlägst, ist Milde zu gewähren, dem anderen, ob er gleich aus Not zum Rechtsverletzer wird, trifft die ganze Schwere des gesellschaftlichen Bannstrahls. Wenn noch irgendein Zweifel an dieser ob und inwieweit der Vollzug der Freihelts- Stiftung. Was heute bereits als Hoch- oder strafe gegen Jugendliche seinem Wesen und! Landesverrat gilt, weiß man; Weitergabe seinem Inhalt nach anders zu gestalten ist,.,,,_,..,._., einer illegalen Flugschrift, Teilnahme an einer U n t e r s t U t z u n g s- aktion für die Angehörigen politischer Häftlinge, Abhören des Moskauer Senders. Die Milde, die dem jugendlichen— und den erwachsenen— politischen Angeklagten in der Republik gewährt wurde, rächt sich jetzt an den freiheitlich gesinnten Ueberzeugungstätem im Dritten Reiche. Bedarf es noch eines Beweises, daß politisch vorbestrafte oder nur verdächtige junge Menschen— fünfzehn-, sechzehn-, siebzehnjährige—, sofern sie mit den Strafgesetzen in Konflikt kommen, vor einem deutschen Richter keine Milde zu erwarten haben, wie gering ihr Vergehen auch sein mag? Gleichheit vor dem Gesetz— das galt einmal. Jetzt ist die Ungleichheit, die Ungerechtigkeit, die politisch gefärbte Willkür in allen Bezirken des deutschen öffentlichen Lebens zum Prinzip erhoben worden. Die Urheber und Verfechter dieser Willkür mögen sich nicht wundern, wenn ihre Saat aufgeht und wenn das von ihnen geschaffene Recht des Stärkeren sich eines Tages gegen sie selbst kehrt. Das Geschäft blüht Eine deutsche Pressemeldung besagt: »Die beim Reichs bahn betriebswerk Osterode beschäftigten Arbeitskameraden... konnten das 25jährige Arbeitsjubiläum begehen. Durch den Gefolgschaftsführer wurden den Jubilaren Geldprämien und das Buch >M ein Kampf« zuteil.« Bei der Schulentlassung:»M ein Kampf«, nach abgedientem Landjahr:»M e i n Kampf«, für hervorragende Leistungen, gleich welcher Art:»Mein Kampf«, als Eheprämie:»Mein Kampf«, den Täuflingen, den Musterkindern, den Blinden, den Tauben, den Kriegsopfern und nun auch den Arbeitsjubilaren:»Mein Kampf«. Es ist der einträglichste Kampf, der je gekämpft wurde. Kriegsjahre wurde oft Hssauers— mit Recht vergessener— Haßgesang an England rezitiert, ein Gedicht des Oeeterreichers Zuk- k e r m a n n.»Drüben am Waldesrand/ Kokken zwei Dohlen« erlangte— auch nur für die erste Kriegszeit— eine gewisse volks- Uedhafte Verbreitung, Charakteristisch genug: die Dichter der beiden einzigen populären Kriegslieder waren— Juden! Was die Träger bekanntester Namen sich abquälten— Hauptmann, Dehmel usw.—• blieb Kunstdichtung(und zwar schlechte); kaum eine Zeile davon gelangte über das literarische Publikum hinaus zu den Massen. Die Soldaten sangen ihre uralten Welsen von der Regimentsmarie, den Vöglein im Walde und dem Hamburger Mädchen;— nicht ein Moderner lieferte ihnen etwas Brauchbares dazu. Klabunds Versuche, dem traditionellen Soldatenlied eine Fortsetzung zu geben (so unmilitaristisch, wie die echten Soldatenlieder fast alle sind, die den Krieg nicht preisen, sondern des Kriegers Loa sentimental beklagen),— dieser Versuch eines echten Lyrikers blieb ohne spürbare Wirkung. Halt— es gab doch wenigstens ein populäres Soldatenlied aus neuerer Zeit, allerdings war es einige Jahre vor dem Weltkrieg entstanden. zur Zeit der Hottentottenkämpfe in Südwest-Afrika, und— man erschrecke nicht — sogar als Einlage einer Revue; die»Annemarie«(»Im Feldquartier auf hartem Stein Ruh ich die müden Büße/ Und sende in die Nacht hinein/ Dem Liebchen tausend Grüße...«), Text von Julius Freund, Mmriif von Holländer... Die Namen sagen es schon: beides Juden! So bleibt denn das Faktum bestehen: das Atom wertvolle Krlegslyrik, das es gab, stammte von einem Sozialdemokraten, das bißchen populäre Kriegslyrik von ein paar Juden. Und was trieben die echten, die nationaldeutschen Barden in der Zelt?— Einer von ihnen bedichtete die Annexion von Longwy- Briey mit den Argumenten der Schwerindustrie(»Das Elisen müssen wir behalten«), er verwechselte wirtschaftliche mit künstlerischen Werten! Ein anderer fühlte den Drang, Hoffmann von Fallerslebens Nationalhymne »Deutschland über alles« zu verbessern. Es schmerzte den Braven tief, daß in Hoffmanns Dichtung die Anfangszeilen sich nicht sämtlich aufeinander reimten(der Herr war offenbar ein Nachkomme des Schneiderleins aus Heinrich Heines Harzreise, das es mit der doppelt gereimten Poesie hat!) Deshalb schlug der deutsche Barde allen Ernstes vor: Statt der Anfangszeilen»Deutschland, Deutschland über alles/ Ueber alles In der Welt/ Wenn es stets zu Schutz und Trutze Brüderlich zusammenhält«,— statt ihrer sollte künftig gesungen werden: Deutschland, Deutschland über alles Ueber alles In der Welt, Wenns Im Drang des Wogenpralle» Brüderlich zusammenhält! Der»Wogenpralles«— er ist mir als einzige feste Erinnerung aus dem Phrasenschaum der alldeutschen Kriegslyrik haften geblieben. Und merkwürdig: wenn mir ein literarisches Erzeugnis des Dritten Reiches zu Gesicht kommt, dann taucht er plötzlich hoch: ich schüttle wie ein nasaer Pudel die Bardenbegeisterung von mir, und mein Mund tut fröhlich:»Wogenpralles!« M. Der politische Mord Als In Davos der braune Propagandaleiter Gustloff ein Opfer des von ihm gepredigten Terrors wurde, heulte das Dritte Reich empört auf und Hitler sprach das erschütternde Wort: die nationalsozialistische Umwälzung" habe sich mit keinerlei Mordtaten befleckt. Dem Schweizer Juristen Hans Kilian ist ein solch ungeheuerliches Maß von Wahrheitsliebe zu dumm geworden, er ging hin und schrieb eine gewissenhafte Abfertigung: »Der politische Mord«(Europaverlag). Der Verfasser verzichtete darauf, die braunen Bluttaten aufzuzählen, sondern er hebt die stupende Heuchelei des ganzen Systems ins helle Licht, indem er die Strafrechtstheorie und Praxis des Dritten Reiches anprangert. Er bringt einleitend eine kurze Geschichte des politischen Mordes. Seit einem Jahrhundert gab es in der Kulturwelt keine polltische Richtung mehr, die ein Recht zum Mord anerkannt hätte. Dem Hakenkreuz blieb es vorbehalten, den»Schädlingsmord« zu erfinden und den Fememord zu romantisieren. Die nationalsozialistischen Rechtsanwälte Grimm und Luetgebrune leisteten Erstaunliches in der Verteidigung von»Schädlings«- und Fememördern und entsprachen damit der Blutmoral ihrer NSDAP. Hitler war es, der die viehischen Mörder von Potempa telegraphisch seiner Sympathien versicherte— aber seine Bewegung ist»von keiner Bluttat befleckt...« Das Dritte Reich erhob die politische Mordtat zur Staatseinrichtung. Die Morde in den Konzentrationslagern wurden von den Justizorganen geduldet und zur Rechtfertigung wurde eine entsprechende Lagerordnung erfunden, in der für 72 Disziplinarvergehen ausschließlich Todesstrafe angedroht wird, dl« auch in »Zweifelsfällen« vollzogen werden soll. Und -wie stehts mit der polltischen Schlächterei vom 30. Juni 1934? Die Hltl ersehe Justiz fabrizierte nachträglich eine Theorie und ein Gesetz, die diese Füsslladen als Staatsnotwehr für rechtens erklärt, womit künftig jede Massenschlächterei der Despoten zu rechtfertigen ist. Hans Kilian wendet sich mit der Schärfe juristischer Klarheit gegen die abgrundtiefe braune Verlogenheit und bezeichnet die Rechtsauffassun- gen des Dritten Reiches als verbrecherisch und anarchistisch verkommen. »Es bleibt ein Ruhmestitel für die Grundsatzfestigkeit der gesamten Gegnerschaft des natlonalsozi allst isohen Regimes, daß sie sich durch die Summe des von den Machthabe rn und ihrem Anhang verübten anarchistischen Terrors ihrerseits nicht auf die Bahn des individuellen Terrors hat abdrängen lassen, daß sie, aller ihr angetanen Unbill zum Trotz, den Kampf gegen die Henker und Henkersknechte auf den Gebrauch geistiger und organisatorischer Waffen beschränkt hat...« Der Verfasser will mit der Schrift das Attentat Frankfurters weder beschönigen noch rechtfertigen, er fordert Gerechtigkeit; er will auch keiner einzelnen Partei dienen, sondern will der gesamten Weltöffentlichkeit die Gemeingefährlichkeit dieser braunen Rechtsverwilderung und Verkommenheit zum Bewußtsein bringen. Br. Reichsbeamte und Gemeindepersonal im Dritten Reich Parteibuchbeamte Feldwebel Gemeine weiterhin aus Ersparungsgründen auf die Löhne drücken wird und darüber hinaus die Reprivatisierung der gemeindeeigenen Unternehmungen munter fortgesetzt werden dürfte. Die Arbeiter sind in beiden Fällen die Leidtragenden. >> Im allgemeinen wird der Inhalt der gendermaßen ausgesprochen: Arbeitspflicht dahin zu bestimmen sein, daß der Beschäftigte sie unter Aufwendung aller ihm gegebenen geistigen und körperlichen Fähigkeiten zu erfüllen hat hier steht der Umfang der Arbeit nicht im Ermessen der Beschäftigten.<< In den>> Sondernachrichten der Deutschen ist nicht die Rede. Er darf weder die wirt- und alles der Willkür überlassen. Ueber die Adolf Hitler hat den Gemeindearbeitern Arbeits- Korrespondenz< vom 3. September schaftlichen oder sozialen Interessen gegen- rechtliche Auswirkung der sogenannten und-Angestellten Recht und Freiheit genomwerden soeben weitere Ausführungsanweisun- über den Behörden vertreten, noch darf er» Treupflicht zur Arbeitspflicht gibt men. Aber Dr. Robert Ley stellt in seiner gen zur Hitler- Verordnung vom Oktober 1934 ihnen Rechtsschutz gewähren. Die Besol- der führende Arbeitsrechtler Nipperdey in neuesten Anweisung fest, daß ihnen der Beüber Ziel, Wesen und Aufgaben der Deut- dungs- und Arbeitsverhältnisse der Beamten der» Deutschen Juristenzeitung<<, wie folgt, triebsführer und der Betriebsobmann geschen Arbeitsfront erlassen, die fast in jedem werden nach dem allein maßgebenden Willen Auskunft: blieben ist. Dieser Trost wird von Ley folParagraphen den Totalitätsanspruch des Führers bestimmt. Die deutschen Beamder DAF betonen und so den Zwangscharak- ten sind noch minderen Rechts, als die in die ter dieser Scheingewerkschaft noch deut- Arbeitsfront gezwungenen Arbeiter und Anlicher, als bisher feststellen. Gegenüber der gestellten, sie sind jeder noch so bescheidenen in der Arbeiterschaft bestehenden Unzufrie- Berufsvertretung beraubt. Die Beamten sind denheit mit der Arbeitsfront wird auch end- der Partei nicht nur in Ausübung ihrer gültig erklärt, daß sie keine Arbeiter- dienstlichen Pflichten verantwortlich, sondern Deutlicher läßt sich die» Treupflicht<< als vertretung sein will. auch für ihr Privatleben, das sie den natio- Zwangsarbeit von Unfreien nicht mehr chaParteianschauungen ent- rakterisieren. Arbeitszwang bis >> Hierbei sei noch besonders darauf hin- nalsozialistischen zur Ergewiesen, daß die DAF sich nicht mit sprechend einzurichten haben. So der Bericht schöpfungsgrenze, das ist der Sinn der Treuangeder Leistungsgemeinschaft einzelner Grup- des Internationalen Arbeitsamtes die pflicht. Die Arbeiter in öffentlichen Betrieben sehen haben. Betriebsführer ist der die Kompanieführer des Betriebes. Betriebsobpen von Deutschen, wie der Indu-> Beamtenorganisation in Deutschland«<, jenes dürfen gegenüber ihren Betriebsführern nicht dem das Parteibuch- sogenannten Ehrengerichte anrufen, striearbeiter, zu befassen hat, viel- Deutschland, in mann ist der» Etatsmäßige« des Betriebes.< mehr ist ausdrücklich die Rede von der beamtentum endgültig abgeschafft sein sofern der Führer Beamter oder Soldat ist, Gut gebrüllt, Herr Ley, aber wo bleibt der Leistungsgemeinschaft aller Deut soll. auch sonst steht ihnen das Recht ehrenge- Rest der Mannschaft? Nach dem Wörterbuch Gerichtlicher Verfolgung nur zu, wenn die Auf- der Heeresverwaltung, dem die Definierung Grund des sichtsbehörde zustimmt. Die Ehrengerichte des» Etatsmäßigen« entnommen ist, gehören schen...(§ 2)<. vorbehalten, Für das über im Oktober 1933 errichteten» Reichsbund der verhältnisses ist nicht die Rede. Die> Veran, der gegen>> Friedrich Wilhelm schuf zum ersten Male den Begriff des etatsmäßigen Feldwebels. Dieser etatsmäßige Feldwebel war als der Fürsprecher der Mannschaft beim Kompanieführer gedacht und so bildeten sich die Begriffe des» Vaters der Kompanie« für den Kompanieführer und der» Mutter« für den Feldwebel... So möchte ich das Verhältnis des Betriebsobmannes zum der Arbeit<. Betriebsführer nicht Das wahnwitzige Messer Eine 35jährige Berlinerin wurde vor dem Anbruch des Dritten Reiches wegen krampfden Personal in Nicht ganz so laut und offen wird über meindebetrieben ist auf das Schicksal der Beamten und Arbeitnehmer Gesetzes> zur Wiederherstellung des Berufs- stehen also in der Praxis nur den Betriebs- zu den Personen des Soldatenstandes in den öffentlichen Betrieben gesprochen. Es beamtentums< vom 7. April 1933 der Begriff führern bei Maßregelung ihrer Gefolgschafts- nur Offiziere, Feldwebel, Unteroffiziere, Geblieb dem Internationalen Arbeitsamt in Genf der» politischen Unzuverlässig- mitglieder zur Verfügung. Die Arbeiter und freite und Obergefreite( Seite 170), sondern sind als» unterste Klasse« auch die Gemeinen. kürzlich in einer Veröffent- keit« eingeführt worden. Nach dem» Son- Angestellten in den Gemeindebetrieben lichung über die Beamtenberufsver- dergesetz zur Ordnung der Arbeit in öffent- unter Hitler zu Untertanen ihrer Vor- Die Arbeiter und Angestellten der öffentbände im Dritten Reich etwas Licht in das lichen Betrieben« entscheidet der Führer gesetzten geworden. lichen Betriebe im Dritten Reich sind die bisherige Dunkel dieser völligen Entrechtung des öffentlichen Betriebs autoritativ. Diese organisatorische Entmachtung des Gemeinen. Adolf Hitler ringt um die> Ehre der Reichsbeamten zu bringen. Aus dem Be- Der Führer» sorgt für das Wohl der BeGemeindepersonals gewinnt in richt geht hervor, daß nach der Zerschlagung schäftigten. Diese haben ihm» die Treue zu wärtigen Periode der Aufrüstung, der Sparder früheren Beamtenorganisationen mit dem halten<. Von einer Gegenseitigkeit des Treue- programme und des Lohndrucks erhöhte Bedeutung. So deutete Oberbürgermeister Deutschen Beamten<( RDB) alle Grund- trauensräte< sind gleich ihren Kollegen im Wagenführ- Düsseldorf kürzlich in einer Rede rechte, wie sie die Weimarer Ver- Privatbetrieb Puppen des Führers. Der Sonfassung den Beamten gewährt dertreuhänder für öffentliche Betriebe kann sachlicher hatte, restlos aufgehoben sind. Vertrauensratsmitglieder>> wegen Nach der republikanischen Verfassung hatte oder persönlicher Ungeeignetheit« jederzeit das Reich nicht nur auf das Recht, die abberufen. Die Herausgabe einer DienstordGrundsätze die der Kannvorschrift, BeBeamtengesetzgebung nung ist aufzustellen, sondern es waren bereits in der triebsführer kann also auch davon absehen zu rechnen, daß die Verfassung wichtige Grundrechte festgelegt. Nach Art. 128 war allen Staatsbürgern ohne Unterschied entsprechend ihrer Befähigung die Zulassung zu öffentlichen Aemtern gesichert. Im Art. 129 waren die Beamtenrechte garantiert, im Art. 130 war den Beamten im Zusammenhang mit Art. 124 die Freiheit ihrer politischen Gesinnung und die Koalitionsfreiheit gewährleistet. Es hieß ausdrücklich: für > Die Beamten sind Diener der Gesamtheit und nicht einer Partei.<< Unter Aufhebung jeder Selbstbestimmung der Beamten sind unter Adolf Hitler die Satzungen des RDB vom Reichsinnenminister festgelegt worden. Der Leiter des Bundes wurde, wie der Bericht besagt, als Führer« eingesetzt. » In Deutschland erstreckt sich das Führerprinzip nicht nur auf die politische Leitung..., sondern auch auf alle irgendwie durch Organisation erfaßbaren Lebensgebiete, selbstverständlich auch auf die Berufsorganisationen der Beamten und öffentlichen Angestellten.<< Die Reichsbeamten wurden zu Knechten der Partei gemacht. So ist 1934 das Statut des Reichsbundes geändert worden. Es erhielt folgende Präambel: >> Der RDB ist eine parteibetreute Organisation. Er wird von einem einzigen Leiter geführt.<< werden Die Funktionärposten des RDB durch das Hauptamt für Beamte«, also durch eine Stelle der NSDAP besetzt. Alle Beamte des Reiches, der Reichsbahn, der Reichspost, der Reichsbank, der Länder, der Gemeinden und der öffentlichen Körperschaften müssen Mitglieder des Bundes sein. Das gleiche gilt für Beamtenanwärter und Dauerangestellte. Lehrer, Pfarrer und Juristen können Mitglieder des RDB werden, wenn sie vorher dem Nazi- Lehrer- oder Juristenbund angehörten. > Die Mitgliedschaft zum RDB oder zu einer der beiden genannten Organisationen und außerdem zum RDB ist Zwang.< Der RDB wird nach dem Führergrundsatz geleitet. Der Hauptamtsleiter, der Führer des Bundes, wird vom Führer der Partei ernannt. Sinngemäß erfolgt die Bestellung der übrigen Amtswalter. Der Leiter beruft zwar einen Führerrat, doch liegen alle Entscheidungen allein beim Führer. Der Mitgliedsbeitrag von 2.30 RM ist für die Parteimitglieder auf 1.30 RM ermäßigt. Unter den Aufgaben des Reichsbundes steht an der Spitze: mit >> Erziehung der Mitglieder zu vorbildlichen Nationalsozialisten und Durchdringung der gesamten Beamtenschaft nationalsozialistischem Gedankengut.< Von irgend welchen sozialpolitischen oder gar gewerkschaftlichen Aufgaben des RDB >> daß das Reich allmählich mit den Auf Wirtschaft wendungen zur Belebung der nachlassen wird und den Gemeinden diese Aufgabe überläßt.<< Die Gemeindearbeiter haben also damit kommunale Diktatur Verlagsanstalt» GRAPHIA« Karlsbad FRIEDRICH STAMPFER DIE 14 JAHRE Drei neue Bücher: DER ERSTEN DEUTSCHEN REPUBLIK 640 Seiten. Großformat. Für die ČSR kartoniert: Kč 80.-, Leinen: Kč 105., England:-.16.6( Leinen&-.19.3), Dänemark: Kr. 16.50, ( 21.60), Holland: hfl. 5.50( 7.-), Polen: Zl. 20.-( 25.50), Schweiz: Fr. 11.25( 14.80), USA$ 3.65( 4.80) und für andere Länder in entsprechender Umrechnung. Friedrich Stampfer war als Chefredakteur des Berliner» Vorwärts< ( 1916 bis 1933), als Reichstagsabgeordneter und Mitglied des Sozialdemokratischen Parteivorstandes an allen Kämpfen beteiligt, die die erste Deutsche Republik, von ihrer Entstehung bis zu ihrem Sturz nach innen und nach außen zu führen hatte. Sein inhaltsreiches Buch ist erlebte Geschichte. Keines der Keines der zur Rechtfertigung geschriebenen Memoirenwerke, sondern ein gewissenhafter Tatsachenbericht, der ausführlichste und tiefgehendste, über die in jeder Hitlerrede geschmähten und doch so bedeutungsvollen VIERZEHN JAHRE. In einem kurzen Vorwort bekennt sich Stampfer zur vollen Mitverantwortung gegenüber allen Vorwürfen, die von Freund und Feind gegen die sogenannten» Schuldigen< am Fall der Deutschen Republik erhoben werden. Im übrigen drängt er dem Leser seine Meinung nicht auf. Er liefert ihm die Grundlagen zur Bildung eines eigenen Urteils. Ein ausführliches Personen- und Sachregister machen das Buch zum unentbehrlichen Hand- und Nachschlagewerk der Deutschen Geschichte bis 1933. ALEXANDER STEIN: ADOLF HITLER. SCHÜLER DER» WEISEN VON ZION< 120 Seiten. Broschiert für die ČSR: Kč 18.-, England:£-.3.3, Holland: hfl. 1.20, Polen: Zl. 4.40, Schweiz: Fr. 2.50, USA:$-.80. Das Thema dieser Schrift ist nicht etwa künstlich konstruiert. Durch Gegenüberstellung der wichtigsten programmatischen Erklärungen Hitlers und Rosenbergs mit den politischen Rezepten in den legendären> Protokollen der Weisen von Zion< wird tatsächlich der Beweis erbracht, daß diese mit Theorie und Praxis des Nationalsozialismus übereinstimmen und: durchgeführt werden. Die erste quellenkritische Untersuchung, die das Weltbild Hitlers, die Methoden seiner Politik und die Ursachen seines Erfolges aufdeckt und erkennen läßt, was von ihm und dem Nationalsozialismus an Ueberraschungen noch zu erwarten ist. GREGOR BIENSTOCK:: EUROPA UND DIE WELTPOLITIK DIE ZONEN DER KRIEGSGEFAHR 84 Seiten, mit vier Kartenskizzen. Für die ČSR brosch.: Kč 15.-, England: £ 2.9, Holland: hfl. 1.-, Polen: Zl. 3.65, Schweiz: Fr. 2.10, USA:$ 70. Gregor Bienstock entwickelt hier sehr klar und übersichtlich die Kernprobleme der heutigen Weltpolitik. Jedermann, der Anteil nimmt an dem Weltgeschehen, das heute oder morgen sein eigenes Schicksal werden kann, braucht einen Führer durch das Labyrinth der Außenpolitik: Hier findet er ihn. BESTELLUNGEN DURCH JEDE BUCHHANDLUNG artiger Anfälle erwerbsunfähig geschrieben. Sie erhielt eine Rente von 30 M monatlich. Seit ihrem 20. Jahre ist sie infolge eines Frauenleidens unfruchtbar. Trotzdem erhielt sie im Jahre 1936 die Aufforderung, sich dem Vertrauensarzt der Versicherung vorzustellen, um sich sterilisieren zu lassen. Sie protestierte mit dem Hinweis darauf, daß ihre Unfruchtbarkeit laut ärztlichem Attest feststehe. Sie erhielt zur Antwort:> Sterilisiert werden Sie auf alle Fälle. Thr ursprüngliches Leiden( also die Unfruchtbarkeit) werden wir vorher operativ beseitigen.< Zeitschrift für Sozialismus Das Juli August- Heft der wissenschaftlichen Monatsschrift der reichsdeutschen Sozialdemokratie enthält folgende Aufsätze: Will Müller: Der spanische Freiheitskampf Fritz Alsen: Volksfrontpolitik in Frankreich Kurt Stein( Haifa): Sturm über Palästina Paul Hagen: Integraler Sozialismus Bücherschau Zu beziehen durch jede Buchhandlung oder direkt durch die Verlagsanstalt„ Graphia", Karlsbad. Preis des Heftes 4 Kč. Neuer Vorwärts Gozialdemokratisches Wochenblatt Herausgeber: Ernst Sattler; verantwortlicher Redakteur: Wenzel Horn; Druck:» Graphia<; alle in Karlsbad. Zeitungstarif bew. m. P. D. Zl. 159.334/ VII- 1933, Printed in Czechoslovakia. Der» Neue Vorwärts« kostet im Einzelverkauf innerhalb der CSR Kč 1.40( für ein Quartal bei freier Zustellung Kč 18.-). Preis der Einzelnummer im Ausland Kč 2.-( Kč 24. für das Quartal) oder deren Gegenwert in der Landeswährung( die Bezugspreise für das Quartal stehen in Klammern): Argentinien Pes. 0.30( 3.60), Belgien: Belg. Frs. 2.45( 29.50) Bulgarien Lew 8.-( 96.-). Danzig Guld. 0.45 ( 5.40), Deutschland Mk. 0.25( 3.-), Estland E. Kr. 0.22( 2.64), Finnland Fmk. 4.-( 48.-), Frankreich Frs. 1.50( 18.-), Großbritannien d 4.( Sh. 4.-), Holland Gld. 0.15( 1.80). Italien Lir. 1.10( 13.20), Jugoslawien Din. 4.50 ( 54.), Lettland Lat. 0.30( 3.60), Litauen Lit. 0.55( 6.60), Luxemburg B. Frs. 2.45( 29.50), Norwegen Kr. 0.35( 4.20). Oesterreich Sch. 0.40( 4.80), Palästina P. Pf. 0.020( 0.216), Polen Zloty 0.50( 6.-), Portugal Esc. 2.( 24.-), Rumänien Lei 10.-( 120.-), Schweden Kr. 0.35( 4.20), Schweiz Frs. 0.30( 3.60), Spanien Pes. 0.70( 8.40), Ungarn Pengö 0.35 ( 4.20), USA. 0.08( 1.-). Einzahlungen können auf folgende Postscheckkonten erfolgen: Tschechoslowakei: Zeitschrift> Neuer Vorwärtse Karlsbad. Prag 46.149. Oesterreich: Neuer Vorwärtse Karlsbad. Wien B- 198.304. Polen:> Neuer Vorwärtse Karlsbad. Warschau 190.163. Schweiz:> Neuer Vorwärts Karlsbad. Zürich Nr. VIII 14.697. Ungarn: Anglo- Čechoslovakische und Prager Creditbank Filiale Karlsbad. Konto> Neuer Vorwärts< Budapest Nr. 2029. Jugoslawien: Anglo- Čechoslovakische und Prager Creditbank, Filiale Belgrad. Konto> Neuer Vorwärts<, Beograd Nr. 51.005. Genaue Bezeichnung der Konten ist erforderlich.