Neuer Vorwärts -Jo Sozialdemokratisches Wochenblatt Verlag: Karlsbad, Haus„ Graphia" Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite bain Nr. 172 SONNTAG, 27. Sept. 1936 Aus dem Inhalt: Der Selbstschutz der Freiheit Die Schande der Rassenschandeprozesse eb Völkerbund ohne Ansehen Der Fortschritt des Hungers ,, Gebt uns Brot und nicht Paraden!" Zugespitzte Stimmung in Deutsch- Oberschlesien Von der Beuthener Grenze wird| bei diesem Hunger könne man unmöglich die gung bemühen solle. Darauf erhielt sie die Skandinavien uns geschrieben: schiedener Weise Leistungen vollbringen, die die Betriebslei- Antwort, man habe schon alles getan, aber bleibt rot Neue sozialdemokratische Siege in Dänemark und Schweden. Besucher aus dem oberschlesischen Indu- tungen von der Belegschaft fordert. Es keine bestimmte Antwort erhalten. Man sei striebezirk, die nach den polnischen Nachbar- kommt oft vor, daß die Bergleute am Vor- schon so oft von oben enttäuscht worden, daß ortschaften kommen, um sich im Rahmen der ort den befahrenden Beamten die trockenen man hinsichtlich einer besseren Versorgung Zollvorschriften mit Nahrungsmittel zu ver- Brotschnitten zeigen und fragen, ob man keine Versprechungen an die Belegschaft maetwa das» Horst- Wurschtkessel- chen könne. Bezeichnend ist aber, daß zusorgen, berichten übereinstimmend, daß sich statt Fett die Stimmung der Bevölkerung in sehr ent- lied« zubeißen soll. Man berichtet uns aus gleich die Delegation gebeten wurde, von sol- In Dänemark und Schweden haben in gegen die Nazis wendet. Beamtenkreisen, daß diese Stimmungen der chen Sachen nichts zu erzählen, denn dann der letzten Woche Wahlen stattgefunden, Ob in Gesprächen in vertrauten Kreisen oder Belegschaften von den Beamten auch an maß- hören die Untersuchungen und Ausfragungen die den weiteren ununterbrochenen Voröffentlichen Unterhaltungen, es wird betont, gebende Kreise weitergeleitet werden und gar nicht auf, auch die Belegschaften und marsch der Sozialdemokratie daß der Nürnberger Parteitag einer Kriegs- auch der Kreisleitung der Arbeitersfront in die Verwaltung werden verdächtigt, daß sie bestätigen. erklärung gleich komme und daß man wohl Gleiwitz mitgeteilt wurden, um auf die zu- noch In Dänemark handelte es sich um die in allernächster Zeit wird daran glauben gespitzte Stimmung innerhalb der Arbeiter- sind. Erneuerung eines Teils der Mandate in der müssen, eines Morgens sich im Kriegszustand schaft aufmerksam zu machen. Auf einer anderen Schachtanlage erklärte Ersten Kammer im Landesthing. Das Wir haben auf die Gegensätze, die zwi- der Betriebsleiter, man habe beim Arbeit- Ziel der dänischen Sozialdemokratie war, zu befinden, denn alle Vorbereitungen lassen diese Möglichkeit allein zu. v schen den Industrieführern und der Arbeits- geberverband bereits wegen der besseren Nah- durch diese Ergänzungswahlen die reakSchritte unternom- tionäre Mehrheit des Landesthing zu breIn den letzten Tagen ist in den Indu- front seit langem bestehen, bereits anläßlich rungsmittelversorgung istrieorten ein so großer Nahrungs- des Ley- Besuches in Oberschlesien berichtet. men, ob dieser aber an maßgebender Stelle chen und damit nicht nur die Widerstände mittelmangel zu verzeichnen, daß es Die Industrie hat tatsächlich erreicht, daß etwas erreichen wird, dafür könne man sich im Landesthing gegen die fortschrittliche innerhalb der Arbeitsfront nicht verbürgen. Einem auf den Wochenmärkten in Gleiwitz einige Radikale früheren Freige- Politik der Reichstagsmehrheit zu beseitinicht genügend nationalsozialistisch und Hindenburg zu Zusammenrottun- und der SA aus dem Dienst zurückgezogen werkschafter wurde im Verlauf der Unter- gen, sondern auch die Abschaffung des was innerhalb der Arbeiterschaft redung gesagt,» ja, als sie noch Betriebsrat Landesthing selbst in den Weg zu leiten. gen von Frauen kam, die sehr heftig die wurden, wird und den waren, da hatten wir es alle besser«, nun, Die Wahlen brachten eine eindeutige Beheutigen Zustände kritisierten und offen mit Genugtuung begrüßt >> erklärte der Betriebsleiter weiter, auch diese stätigung des sozialdemokratischen Wahlgegenüber der Polizei erklärten, man soll Kampfgeist stärkt. Das mußte auch die Gleiwitzer Arbeits- Zeit wird wieder kommen Roten und Bornholm muß das Los entscheiden," ob hier seid ja nur Sch... kerle, die man an- Schwarzen wenigstens für das> Fressen ge- Bornholm in Zukunft im Landesthing durch ständig verbeulen müßte. nügend« gesorgt haben. Wiederholt kann einen Abgeordneten der Opposition oder Eine Delegation von Arbeitern ist bei der man bei kritischen Auseinandersetzungen durch einen Sozialdemokraten vertreten Direktion der Beuthener Grube vorstellig ge- zwischen Beamten, Polizei und Arbeiter- sein wird. Diese Auslosung wird gleichworden, um den Direktor zu bitten, daß er frauen die Schlußbemerkung hören: sich um eine bessere Nahrungsmittelversor- uns Brot und nicht Paraden<«! an Bei der polizeilichen Intervention in Hindenburg waren die Frauen nicht zu bewegen, die Stände der Fleischer zu verlassen und richteten die Marktbeamten die Frage, > ob denn das noch zu fressen sei, was man für so teures Geld erhalte«. Die Polizei versuchte es mit Einschüchterungen und schließlich verlegte man sich aufs Bitten, denn man könne doch selbst nichts dafür, man leide doch auch darunter, daß es nichts gibt. In Gleiwitz nahm man am Markt einige Frauen fest, als bei den Fleischerständen gegen 9 keine Ware mehr zu haben war, führte Frauen aber nicht zur Polizei ab, sondern ließ sie auf der Straße laufen. Völkerbund ohne Ansehen Die moralische Krise > Gebt zeitig die Entscheidung darüber bringen, ob der Landesthing eine Regierungsmehrheit oder eine Mehrheit der Oppositionsparteien von einer Stimme haben wird. Wichtiger als diese Zufallsentscheidung ist aber die Tatsache, daß das Ergebnis der Wahlen eine neue VertrauensDie letzte Tagung des Völkerbundes| Kapitulation. Das unwürdige Spiel, das kundgebung des dänischen Volhat mit einer Enthüllung seiner politischen der Völkerbund unter Auflösung seiner kes für die Regierung StauBezeichnend sind Unterhaltungen mit Ar- und moralischen Schwäche geendet. Die Prinzipien und seines Prestiges mit Abes- ning und für die dänische SozialdemoVielleicht rettet das Los beiterfrauen, die offen zum Ausdruck brin- diesmalige Tagung beginnt sofort mit der sinien treibt, läßt düstere Vorahnungen kratie darstellt. An der Frage der Zu- zu. Wann werden Eden und Delbos fin- dem Landesthing noch für eine gewisse gen, daß jetzt>> die Männer ganz feige Hunde« moralischen Krise. sind, die sich von ein paar Gaunern<< alles lassung der abessinischen Delegation hat den, daß der spanische Sitz im Völkerbund Frist die Existenz; aber das Kabinett StauBemerkenswert ist, daß der sich eine Krise entzündet, die die Direk- nicht der Regierung, sondern den Rebellen ning wird auch in diesem Fall den Obstruknicht auf Butter, tionslosigkeit und die Schwäche der eng- zusteht, wann werden sie sich zu Vollzie- tionsversuchen der Ersten Kammer mit geFette, Speck, Margarine und alle Fleischsor- lischen und der französischen Politik ent- hern der Befehle und Wünsche der faschi- stärkter Autorität entgegentreten können. Ueber alle Erwartungen groß ist der sondern auch zuweilen hüllt. Mr. Eden und M. Delbos haben stischen Angreifer im Falle Spanien maschon Kartoffel und Mehl ausbleiben, die Absicht, Abessinien aus dem Völker- chen? Es wird auch dann nicht an real- Sieg unserer schwedischen Genossen bund hinauszuwerfen. M. Delbos, der politischen Begründungen fehlen ganz bei der Reichstagswahl am 20. September. Außenminister der französischen Volks- im Stile der Lavalpolitik. Ist nicht schon Die schwedische Sozialdemokratie kehrt mit gefallen lassen. Nahrungsmittelmangel ten beschränkt ist, verschiedensten was hier natürlich zu den Gerüchten Anlaß gibt. In Beuthen haben einige Fleischereien ihre Läden geschlossen, front, ist sogar bereit, offener als Mr. die Fiktion der Neutralitäts- einem Gewinn von acht neuen Mandaten in worauf sie polizeilich aufgefordert wurden, die Eden die Verantwortung dafür zu über- konvention gegenüber dem spanischen den Reichstag zurück. Ihre Fraktion zählt nunmehr 112 AbLäden wieder zu öffnen und das Publikum nehmen. Mr. Eden ist seinerzeit ins Amt Bürgerkrieg, die von Portugal mit Zynisgekommen, weil der Entrüstungssturm mus nicht durchgeführt wird, ein Stück, geordnete. Sie kommt damit bei einer Gezu belehren, daß der Fleischmangel nur vorübergehend ist und man wahrscheinlich schon nachmittags Waren zum Verkauf haben werde. Aber auch hier setzt die Kritik ein, >> denn auch ihr schwindelt schon, so wie die da oben«! Das sind nicht Einzelstimmen, die hier im Grenzstreifen BeuthenKönigshütte erzählt werden, sondern die » Einkäufer« aus Deutsch- Oberschlesien machen auch ihrem Herzen Luft und geben der Hoffnung Ausdruck, daß die Geschichte doch nicht mehr so lange dauern kann. die Grenze der absoluten Majorität. Die Kommunisten haben drei Sitze gewonnen; der englischen Demokratie über den La- das der Lavalpolitik würdig gewesen wäre? samtzahl von 230 Abgeordneten dicht an val- Hoare- Plan seinen Vorgänger Sir Samuel Hoare gestürzt hat, und M. Delbos ist französischer Außenminister, weil die französische Linke in langem Kampfe Laval gestürzt und den Wahlsieg vorbereitet hatte. Aber die Politik Mr. Edens ist nicht unterschieden von der Politik Sir nur daß ihr der enerSamuel Hoares Was wird aus Danzig? Hier ist längst die Opportunitätspolitik der demokratischen Mächte über das Recht hinweg geschritten. Es wird diesmal keine Greiihre Fraktion zählt nunmehr fünf Abgeordnete. Dazu kommen sechs Abgeordnete der sogenannten. Kilbomgruppe, eine Absplitterung von den moskautreuen Komserschen Gesten geben, dafür aber eine Haltung des Völkerbundes, die diese Gemunisten. Die alleinigen Verlierer sind sten nachträglich rechtfertigen wird. die Konservativen, sie mußten 14 ManMit einem Worte: wenn die Schwäche date an die Sieger in diesem Wahlkampf gische Zug fehlt, den Sir Samuel Hoare zeigte und M. Delbos setzt die Tradi- und die Direktionslosigkeit der demokra- abgeben. tion Lavals fort. Warum hat die franzö- tischen Regierungen anhält, wird der Völ- Das schwedische Volk will Aus einigen Grubenanlagen im Beuthener sische Volksfront Laval gestürzt, wenn kerbund zu einem Clearinghaus der die sozialdemokratische Reuns die ihre Außenpolitik nichts anderes ist als die Schande werden. Der Völkerbund kann gierung Per Albin Hansson wieund Hindenburger Bezirk erreicht Nachricht, daß die Belegschaften in der Ar- Verlängerung der schlechten Seiten der nur das sein, was die demokratischen Re- der. Im Juni dieses Jahres trat das Kagierungen sind. Wenn die demokratischen binett Per Albin Hansson zurück, weil die beit bereits sich sehr offen über den Man- Lavalpolitik? Der Völkerbund wird an der Frage Regierungen weiter eine Politik verfolgen, Mehrheit des alten Reichstages die geforgel an Nahrungsmittel unterhalten und ihre Wünsche dahin zum Ausdruck bringen, daß Spanien ebenso wenig vorbeikommen die Schritt für Schritt der europäischen derte Mehrbelastung des Besitzes zur Dekman endlich den Vertrauensräten sagen muß, wie an der Frage Abessinien. Hinter Gegenrevolution Raum gibt, die kleinere kung der neuen Milliardenausgaben verwei> daß sie nicht nur mit der Betriebsleitung diesen beiden Fragen stehen aber die gro- Verbrechen der europäischen Gegenrevolu- gerte. Jetzt wird Per Albin Hansson die verhandeln<, sondern handeln sollen. Man hat Ben Fragen des Prinzips und der Macht. tion duldet, weil sie sich vor dem großen Führung der neuen Regierung übernehauch aus der Belegschaft Delegationen, teils Die großen Fragen lassen sich nicht durch Verbrechen fürchtet, so werden sie eines men im Bewußtsein, daß die Politik der durch Tages erkennen, daß die vielen kleinen schwedischen Sozialdemokratie sich stützen an die Direktionen der Gruben, teils auch an diplomatische Fingerfertigkeiten, zusammen schon das große kann auf das Vertrauen der großen Mehrdie Vertrauensräte geschickt und ersucht, Verhüllungs- und Verschleppungsmanöver Verbrechen Sie lassen immer Verbrechen ausmachen und dann wird heit des schwedischen Volkes. aus der Welt schaffen. daß sich die Verwaltungen um Zusatzkarten In der Wirrnis unserer Zeit angesichts für Fette und Fleisch bemühen sollen, denn nur die Entscheidung zwischen Kampf und es zu spät sein. Mr. Lloyd George hat Hitlerdeutschland besucht. Es hat ihm geschmeichelt, von HitPfötchen gemacht und sich in der Stellung des Hitlergrußes photographieren lassen. Nun erzählt er seinen Landsleuten, wie herrlich ler empfangen zu werden. Er hat brav Deutsche Streiflichter Das Elendsheer vom Bruttolohn zu rechnen hat= Darben androht. etwa gegen trotz der staatlichen Rüstungszur der Wirklichkeit.<< Es ist nichts und wird nie etwas werden Die Radauantidie Streichers sich des beispiellosen Verleumdungsfeldzuges des Faschismus aller Schattierungen gegen den Marxismus und die Demokratie sind diese glänzenden Erfolge der Sozialdemokratie in Dänemark und Schweden ein Lohnerhöhung von Nürnberg zurück, sondern|> Stürmer will dafür sorgen, daß das Wissen hoffnungsvoller Lichtblick. Die Volksfrontnur einen Vierjahresplan, der zur Bewaffnung um die Protokolle der Weisen von Zion GeDr. Robert Ley hat in seiner Nürnberger der hitlerdeutschen Gewaltpolitik noch mehr meingut des deutschen Volkes wird. Er legt regierung Blum in Frankreich, der heldender Durchhafte Freiheitskampf des spanischen Vol- Parteitagsrede behauptet, den Inhalt der Protokolle der nichtjüdischen schnittslohn des deutschen Arbeiters kes gegen die faschistischen Rebellen und Oeffentlichkeit vor, und er beweist Abschnitt Diese rein phantastische Außer der Leyschen Rede liegt noch ein nun die sozialdemokratischen Siege in den betrage 27,80 RM. für Abschnitt, Kapitel für Kapitel die EchtLändern mit alten demokratischen Tradi- Behauptung wurde an demselben Tage durch anderer Beweis für das Elendsdasein der Arheit dieser Protokolle. Er beweist sie an tionen, sie sind starke hoffnungsvolle den Pg. Reinhardt, Staatssekretär im Reichs- beiter vor Hand der biblischen Verheißunetwas berichtigt, konjunktur. Seit einiger Zeit häufen sich Symptome einer günstigen Wendung in dem finanzministerium, schon denn er sagte, etwa die Hälfte der fristlose Entlassungen wegen>> Urlaubsmiß- gen, an Hand der talmudischen Gegeschichtlichen Ringen zwischen Faschismus und Reaktion auf der einen und Frei- Arbeiter verdienten bis zu 24 R M. brauch«. Das ist der arbeitsgerichtliche Aus- setze, an Hand der jüdischen Gebete, heit und Sozialismus auf der anderen Seite. Genau ist es so, daß laut den Beiträgen zur druck für die Tatsache, daß viele Arbei- an Hand gefundener Dokumente und an Hand Invaliden- Versicherung im Jahre 1935 nicht ter ihre paar Tage jährlichen weniger als 55 v. H. aller Arbeiter Urlaub nicht Erholung beMr. Lloyd George einen Lohn bis zu 24 RM hatten. nutzen, sondern zu irgendwelcher mit einer Zivilisierung von Leuten, denen jede Ley errechnete nun, daß der einzelne Arbei- Arbeit, um sich einen Zwanzig- Voraussetzung dafür fehlt. ter für seine Ernährung 11,10 RM die markschein für dringend not- semiten bleiben, was sie immer waren, sind Woche braucht und mithin ihm RM 16,70 zur wendige Anschaffungen dazu zu und sein werden. Es ist ein schöner, aber freien Verfügung bleiben. Bemerkenswert ist verdienen. Der Reichsarbeitsminister hat ein irriger Glaube, daß dabei, daß Ley Butter schon nicht mehr in sich in einem amtlichen Rundschreiben nicht ändern könnten. Und Herr Adolf Hitler selbst, den Speisezettel des Arbeiters einsetzt, sonauf den sich sein Duzfreund Streicher mehr diesen» Urlaubsmißbrauch« geSchon lange wartet die dern ihn auf Margarine und Schmalz ver- wandt, der bei den Hungerlöhnen unvermeid- denn je bezieht? alles in Deutschland sei und kündigt an, daß weist. Berücksichtigt man, daß der unver- lich ist, sondern dagegen, daß aus dieser Ur- Welt, daß er endlich sich von dem zweifelt, daß e er einen ganzen journalistischen Propaganda- heiratete Arbeiter mit rund 20 v. H. Abzug laubsarbeit ein Grund zur Entlassung herge- haften Lobe befreit, das ihm Streicher spenfeldzug für das Dritte Reich eröffnen werde. 5,55 RM leitet wird. Die Lebenslage der deutschen Ar- det: der» Stürmer« sei Hitlers Leibblatt. Wir Mr. Lloyd George ist der Vater des Ver- und mit etwa 5 RM Miete die Woche, so redu- beiter nähert sich rapid der in den Weltkriegs- fürchten, die Welt wird auf dieses Abrücken sailler Vertrages. Von ihm stammen die phan- ziert sich der Betrag zur freien Verfügung zeiten. Wenn damals die Urlauber, die für noch lange warten. tastischen Reparationsziffern, von ihm schon auf 5,15 RM die Woche, wovon Klei- 10 oder 14 Tage der Fronthölle entronnen stammt alles, was in diesem Vertrag der der, Schuhe, Wäsche, Erholung und Bildung waren, die Not in ihrer Familie daheim sahen, jungen deutschen Demokratie das Leben zu bestreiten sind. Nicht einmal die Ferien- gingen sie die paar Urlaubstage in die schwer machte, von ihm stammen die Khaki- reise nach Madeira, zum Nordkap oder in die Rüstungsbetriebe arbeiten, statt sich ihrer Nürnberg ungeheuer, und so werden sie denn wahlen in England, die Vergiftung der Atmo- Bayrischen Alpen hat Dr. Ley einkalkuliert. Familie zu freuen und sich etwas auszuruhen. auf die vielen, die die Kraft und den Bestand sphäre der ersten Nachkriegszeit. Der Mann, Immerhin: gestehen wir zu, daß ein Jung- Jetzt ist man wieder so weit; und da schwin- eines Regimes nur nach dem äußeren Glanz der durch sein unheilvolles Demagogentum geselle mit dem Leyschen>> Durchschnitts- delt dieser Ley die Welt an, das Leben des beurteilen, vielleicht einschüchternd gewirkt haben. Geistige und moralische Erdie demokratische Verständigung in Europa lohn« leidlich leben kann, vorausgesetzt, daß deutschen Arbeiters sei reicher und schön unmöglich gemacht hat, auf dem ein gerüt- er zu den Glücklichen in dieser überdurch- geworden, und parlamentarische Mumien wie o berungen sind aber von Nürnteltes Maß der Schuld an der europäischen schnittlichen Lohnlage gehört. Lloyd George scheinen es ihm zu glauben. Die berg nicht ausgegangen. Man hat Krise von heute ruht, spielt heute den Stie- Wie wird es aber bei einer Arbeiter- Wahrheit ist, daß das Dritte Reich schon vor sich übersteigert und überschrien. Das ist familie, sagen wir mit nur zwei Kindern? dem Ausbruch des Krieges, für den es fieber- der weitverbreitete Eindruck. Es ist nicht zu Die Fußtritte seiner braunen Gönner hat Von den 16,70, die nach dem Leyschen Min- haft rüstet, den Hunger im Lande hat. er in dankbarer Ergebenheit eingesteckt. destmaß für Ernährung des deutschen ArHitlers Streicher Alfred Rosenberg hat ihn in seinem Buche beiters für Frau und Kinder übrig bleiben, > Die Protokolle der Weisen von Zion und die sind( bei einem Verheirateten) etwa 15 v. H. Die Zurückhaltung, die sich der Duzbruder sehen, da er sie wenigstens vor Zuständen wie in Spanien bewahre. Dieses Beruhigungsgefühl jüdische Weltpolitik<< als den» berüchtigten Abzüge zu subtrahieren= 4,15 RM und für des deutschen Staatsoberhauptes und Allerist durch die Nürnberger Schimpferei eher Spekulanten mit den Marconi- Aktien be- die Wohnung etwa 7,50 RM die Woche. Es höchsten Kriegsherrn während der Olympiaabgeschwächt als gesteigert worden. zeichnet und hat ihm nachgesagt,» nachdem bleiben also 5,05 RM Rest, die nicht nur für wochen auferlegt hat, ist vorüber. Eine große er seine Weste beschmutzt hatte, war er an die Ernährung von Frau und Kindern reichen» Stürmer«-Kampagne hat eingesetzt. Das Demagogie gegen Rußland die Hebräer gebunden.< Zum Danke dafür sollen, sondern auch für Kleider, Schuhe, Reich wird mit rotgedruckten Flugblättern deutsche Verhältnisse etwas zu massiv, ja es gibt viele Leute, die nun zu der Annahme hat der ehrenwerte Mr. Lloyd George Pföt- Wäsche, Heizung, Licht für die gesamte Fa- überschwemmt, die eine Sondernummer neigen, es müsse doch eine große und gefährchen vor Hitler gemacht. milie, da ja auch für den Mann nur die Nah-» Weltverschwörer< Es ankündigt. liche marxistische Opposition im Lande sein, rung in dem Rezept des Herrn Ley errechnet scheint fast, als sei die Redaktion dieser Ausist. Und das alles unter der Voraussetzung gabe nicht von Streicher, sondern von Herrn wenn das Regime es für notwendig halte, den ganzen Parteitag mit dem Alarmgeschrei eines Durchschnittslohnes, den es nicht gibt, Adolf Hitler persönlich besorgt. Nicht denn nach der amtlichen Statistik blieben weil der einstweilige Führer der Deutschen als gegen den» Bolschewismus« zu erfüllen, der rund 65 v. H. der deutschen Arbei- Kronzeuge für die Echtheit der Protokolle der doch nicht nur in Deutschland, sondern auch in all den Ländern, um deren Freundschaft schen Sorgen geplagt ist, hat keine Gelegen- ter unter dem Lohne von 27,80 R M Weisen von Zion angerufen wird, die ein heit gehabt, den stillen Krieg zu verfolgen, die Woche! An diese Familien, insbeson- Schweizer Gericht als. elende Schundliteratur Hitlerdeutschland wirbt, angeblich seit Jahren dere die kinderreichen, kann man nur mit gekennzeichnet hat, sondern auch weil diese erledigt ist. Viele im Reiche glauben weniger felputzer Hitlers in England. Ein Sieg Aegyptens Als» arisch« anerkannt. Die Welt, die von größeren außenpolitider während des letzten Sommers zwischen Aegypten und dem Dritten Reich geführt worden ist und der nun mit einem vollen Sieg Aegyptens geendet hat. Im Juni d. J. erhielt die ägyptische Regierung Kenntnis von einem vertraulichen Rundschreiben des Reichsministeriums des Innern, durch welches die untergeordneten Behörden angewiesen wurden, die Türken als> Arier<, dagegen die Aegypter als Nichtarier zu behandeln. Sie beauftragte ihren Gesandten in Berlin, wegen dieser Angelegenheit beim Auswärtigen Amt zu intervenieren. Sie forderte eine schriftliche Erklärung, durch die das geheime Rundschreiben des Reichsinnenministeriums widerrufen wurde. nur Verpufft! Als Machtentfaltung waren die Tage von leugnen, daß die Spießbürger aller Grade, auch jüdische, vor Nürnberg begannen, in Hitler so etwas wie das kleinere Uebel zu Die war selbst für en Ziele dieser antibolschewistischen Offensive, an die außenpolitischen Absichten gegen Grauen denken. Gerade wenn man die be-» Stürmer«-Nummer ganz und gar in der Sowjetruẞland( womit sie wahrscheinlich scheidenen Ernährungskosten zugrunde legt, Sprache Hitlers und seiner Paladine von die Ley für den einzelnen Arbeiter berechnet, Nürnberg gehalten ist. Die Juden, geführt Unrecht haben) als an die innerpolitischen kommt man zu dem Ergebnis, daß zwei Drit- durch die Weisen von Zion, sind Schuld an tel der deutschen Arbeiterfamilien weit unter Bürgerkriegen und Massenmorden, an bren- und diese innerpolitische Wirkung ist sicher nicht eingetreten. Auch die gerissensten dem von Ley als notwendig bezeichneten nenden Kirchen und geschändeten Nonnen, an Lebensstandard sich bewegen und zum großen verwüsteten Städten und zerstörten Dörfern; Propagandisten, können irren. Nürnberg hat Teile hungern! Der Präsident der Deutschen sie sind die Anstifter blutiger Kriege, die Ur- bewiesen, daß die Hitler und Göbbels die Arbeitsfront selbst macht diese furchtbare heber der Wirtschaftskatastrophen, die Schul- Maßstäbe für ihr Tun zu verlieren beginnen. Rechnung auf, und er bringt keinen Pfennig digen an der Arbeitslosigkeit. Wörtlich:>> Der Landsklaven Die braune Presse meldet: Hannes Wink. ders der Arbeit. Er habe seine Arbeitsstelle| zugute kommen, also mit den Löhnen wirkgrundlos verlassen und sei trotz Aufforde- lich nichts zu tun haben. Wir führen die folrung des Treuhänders nicht zurückgekehrt.<< genden Zechen an: Verschärfte Ausbeutung Steigende Profite im Bergbau. • • Rohertrag je Fördertonne Löhne u. Sozialabgaben je Fördertonne 1933 1935 1933 1935 RM R.M RM RM • . 10,14 10,34 6,80 6,71 » Um Kontraktbrüchen, die in letzter Zeit Das Auswärtige Amt krümmte sich wie Dreimal brachte der besonders in der Landwirtschaft ein getretener Wurm. Gesandte seinen Protest ein, und dreimal stark zugenommen haben, wirksam wurde ihm mündlich beteuert, daß die Aegyp- begegnen zu können, ist auf Grund des§ 11 Für die günstige Entwicklung des privatter in keiner Beziehung eine schlechtere Be- des Gesetzes über die Einführung des Arbeits. handlung als andere Ausländer zu befürchten buches für Goslar angeordnet worden, daß kapitalistischen Profits unter der Herrschaft Concordia Dahlbusch 9,64 10,90 8.74 8,15 brauchten. Der Gesandte aber ließ nicht lok- die Betriebsführer in den Fällen, in denen der Nationalsozialisten sprechen ein paar 10,22 11,04 6,96 7,11 ker, sondern bestand auf schriftlichen Be- ein Gefolgschaftsmitglied kontraktbrüchig Ziffern, die über die Lage im Ruhrberg- Harpen Bekanntlich ist Langenbrahm 12,13 13,40 6,97 7,27 scheid. Er gab zu verstehen, daß das Aus- wird, also widerrechtlich ohne Einhaltung der bau veröffentlicht werden. Lothringen 9,87 11,16 7,13 7,81 bleiben einer ausreichenden Ehrenerklärung gesetzlichen oder vereinbarten Kündigungs- im Ruhrbergbau während der RationalisieRheinstahl 11,13 11,70 7,62 7,26 in Aegypten den allerschlechtesten Eindruck frist vorzeitig eine Arbeitsstelle rungsjahre die Ausbeutung der Bergarbeiter Diese Ziffern beweisen, daß bei allen anmachen würde. So ließ sich das Auswärtige verläßt, das Arbeitsbuch des Kontrakt- in einem besonders hohem Ausmaß gesteigert Der Förderanteil eines Hauers hat geführten Zechen der Rohertrag je Amt nach langem Hängen und Würgen dazu brüchigen sofort unter Mitteilung des Sach- worden. herbei, dem Gesandten eine Note zu über- verhaltes an das Arbeitsamt Goslar einzusen- sich von 1903 kg je Schicht im Jahre 1924 Fördertonne im Jahre 1935 höher senden, die( in Uebersetzung aus dem Eng- den haben.<< lischen) folgendes besagt: 22. Juni 1936, Nr. 92, 4/4, beehrt sich das Reichsministerium für Auswärtige Ange>> Auch der Treuhänder für Schlesien und seiner Aufforde• . auf 3434 kg im Jahre 1933 erhöht. Das lag als zwei Jahre vorher. Diese Tempo dieser verschärften Ausbeutung hat Steigerung, die im einzelnen Fall bis zu 13 seither nicht nachgelassen, wenn auch durch Prozent beträgt, ist um so bemerkenswerter, > In Beantwortung der Verbalnote vom weist in seinen> Amtlichen Mitteilungen< gewisse Verschiebungen in der Beschäftigung als der Rohertrag sich auch in den vorhernochmals darauf hin, daß Vertrags- 1935 ein leichter Rückgang des Förderanteils gehenden Jahren bereits erhöht hat. Im legenheiten die Aegyptische Gesandtschaft bruch in der Landwirtschaft strafbar zu verzeichnen ist. dahin zu verständigen, daß gegen eine evt. sei. Er habe in den ihm bekannten Fällen Gegensatz zur Steigerung des Rohgewinnes Heirat Eindeutig illustriert wird die günstigere sind die Löhne und Sozialabgaben zwischen einem nichtjüdischen die verAegypter und einer nichtjüdischen deut- gegen die Gefolgschaftsmitglieder, Lage für die kapitalistische Profitgestaltung je Fördertonne bei einigen Gruschen Staatsangehörigen Bedenken irgend- tragsbrüchig wurden welcher Art nicht bestehen. Die rechtlichen rung, zu ihrem Arbeitsplatz zurückzukehren, durch die Gegenüberstellung der Entwicklung ben weiter rückgängig, während bei Wirkungen einer solchen Mischehe sind im nicht gefolgt seien, ein Ehrengerichtsverfah- des Rohertrags je Fördertonne und der Löhne anderen nur eine geringfügige Erhöhung zu Gesetz festgelegt. Eine nichtjüdische ägyptische Frau wird ebenso bewertet und be- ren eingeleitet. Nach den jetzt vorliegenden und sozialen Abgaben. Dabei ist zu bemer- verzeichnen ist. Sie steht in keinem Verhälthandelt wie eine Frau irgend einer anderen ersten Ehrengerichtsurteilen sei eine An- ken, daß der Vergleich noch viel drastischer nis zu der Steigerung des Rohertrags. Nach zahl Gefolgschaftsmitglieder ausfallen würde, wenn die wirklichen Löhne diesem Ausweis ist es wahrscheinlich, daß Der deutsch- ägyptische Konflikt ist also auf Grund der Bestimmungen des Gesetzes von den sozialen Abgaben getrennt aufge- der reine Lohnanteil je Fördertonne in den mit einem vollen Sieg Aegyptens beendet. Der zur Ordnung der nationalen Arbeit bestellt wären. Denn unter>> soziale Abgaben« letzten zwei Jahren durchwegs eine rück. Konflikt zwischen dem schmutzigen Rassen- straft worden. So erhielt u. a. ein Acker- werden heute in Deutschland nicht nur die gängige Entwicklung genommen hat. Nur die blödsinn der NSDAP und den außenpoliti- kutscher eine Geldstrafe von 20 RM wegen Beiträge für die Sozialversicherung verstan- Einbeziehung der angeblichen Sozialabgaben schen Interessen des deutschen Volkes besteht hartnäckigen Zuwiderhandelns gegen allge- den, sondern allerlei Abgaben, die der Arbei- vermag Entwicklung zugunsten des weiter. mein schriftliche Anordnungen des Treuhän-| terschaft bestenfalls nur zum geringen Teil Systems etwas zu korrigieren. Nationalität.<< W rob nI Die Schande der Rassenschandeprozesse bat 2 Der braune Justizterror gegen die Juden >> Das Delikt der Rassenschande ist auch zwischen rein Deutschblütigen Mdenkbar... wenn nämlich ein deutschblütiger Mann mit einer deutschblütigen Frau in Beziehung steht, sich jedoch dabei im Glauben befindet, es handle sich hier um eine Jüdin.<< Reichsgerichtsrat Dr. Schwarz in der Deutschen Juristenzeitung<<. Das im vergangenen Jahre in Nürnberg verkündete> Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre« hat den Terror gegen die Juden außerordentlich verschärft. Das gilt besonders für den Teil des Gesetzes, der Verstöße gegen den Rassengedanken bestraft. Rassenschande gilt als Verbrechen. Also ist auch der strafbar. Verurteilungen wegen versuchter Rassenschande sind bereits erfolgt. Die Begründungen sind bemerkenswert: Versuch In München wurde ein Arier verurteilt, weil er mit einer Halbjüdin in Beziehungen gestanden hatte, die sich als Nichtarierin ausgab. Versuchte Rassenschande wurde deshalb angenommen, weil die Halbjüdin nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besaß. In Hildesheim erfolgte die Verurteilung eines Juden wegen versuchter Rassenschande, weil es nicht zur vollendeten Tat gekommen war. In Hamburg wurde einem jüdischen Arzt zur Last gelegt, er habe eine 18jährige Patientin während der Behandlung zu küssen versucht. Der Arzt bestritt, das Gericht glaubte der minderjährigen Zeugin und verurteilte ihn wegen versuchter Rassenschande zu 2½ Jahren Zuchthaus! Der Begriff der>> versuchten Rassenschande ist im Wege der Auslegung noch wesentlich erweitert worden. Dafür einige Beispiele: Die ehelichen Beziehungen in Mischehen sind natürlich erlaubt, es liegt aber Rassenschande vor, wenn das gleiche Paar etwa nach der Scheidung noch Beziehungen unterhält. Die Beziehungen zwischen einem ausländischen Juden einen arischen Angeklagten wegen Rassenschande zu sieben Monaten Gefängnis. München, 6. II. 1936: Die I. Strafkammer des Landgerichts München I verurteilte den Juden Siegfried Einstein, München, wegen Rassenschande zu sechs Monaten Gefängnis. Berlin, 7. II. 1936: Die 12. Große Strafkammer des Landgerichts verurteilte einen jüdischen Angeklagten aus Spandau wegen Rassenschande zu einem Jahr Gefängnis. Berlin, 12. II. 1936: Die 17. Große Strafkammer des Landgerichts verurteilte den Juden Leopold Philippsborn, Berlin, wegen Rassenschande zu einem Jahr, drei Monaten Gefängnis. bie: lloe allo? zu einem in dem schon erwähnten Aufruf in der sächsichen NS- Presse heißt es: >>... Man müßte eigentlich annehmen, daß diese Aufklärungsarbeit auch dem letzten Volksgenossen die Augen über die Gefahren geöffnet hat, die dem deutschen Volk von den klagten wegen Rassenschande Juden drohen. Man sollte meinen, daß der Jahr, sechs Monaten Gefängnis. wirtschaftliche oder gesellschaftliche Umgang Aachen, 7. VII. 1936: Die Strafkammer verurteilte einen jüdischen Angeklagten mit Juden ein für allemal aufhören muß. Leiwegen Rassenschande zu fünf Monaten Ge- der beweist die Erfahrung, daß es noch immer fängnis. Unbelehrbare gibt, die sich vor ihren VolksWürzburg, 10. VII. 1936: Der Jude Max Meyer, Estenfeld, wurde wegen Rassen- genossen nicht schämen, teils heimlich, teils schande zu zwei Jahren, acht Monaten in aller Oeffentlichkeit weiteren Verkehr mit Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust ver- Juden zu pflegen und sogar für sie einzuurteilt. treten... Wenn aber deutsche Mädchen sich Frankfurt, 10. VII. 1936: Die Strafkam- soweit vergessen, daß sie Liebesverhältnisse mer verurteilte einen jüdischen Angeklagmit Juden eingehen, ja sogar zum ten wegen Rassenschande zu einem Jahr, drei Monaten Gefängnis. schlechtsverkehr mit ihnen sich herablassen, Gemit zugleich abschreckend auch auf diejenigen einzuwirken, die das Gebot der Stunde noch Chemnitz, Februar 1936: Der Jude Dr. Nürnberg- Fürth, 20. VII. 1936: Die so muß solches ehrloses und pflichtvergessenes W. Oppenheim, Chemnitz, wurde wegen 3. Große Strafkammer des Landgerichts Verhalten mitleidlos bestraft werden, um daRassenschande verhaftet. Seine( arische!) verurteilte den Juden Adolf Hallenstein Partnerin, Frl. Israel, befindet sich in Rassenschande zu einem Jahr wegen Schutzhaft. Zuchthaus. Stuttgart, Juli 1936: Im Oberlandesge- immer nicht verstanden zu haben scheinen.<< richtsbezirk Stuttgart wurden im Juli drei Juden wegen Rassenschande in Untersuchungshaft genommen. Osnabrück, 27. II. 1936: In das Gerichtsgefängnis Osnabrück wurde ein Jude wegen Rassenschändung eingeliefert. Frankfurt a. M., 28. II. 1936: Die Große Strafkammer verurteilte einen Juden wegen Rassenschande zu zehn Monaten Gefängnis. Bernburg, 1. III. 1936: In das Gerichtsgefängnis wurde ein jüdischer Kaufhausbesitzer aus Güsten wegen versuchter Rassenschande eingeliefert. Hamburg, 2. III. 1936: Die Strafkammer verurteilte den Juden Bernhard Schavira wegen Rassenschande zu vier Monaten Gefängnis. Halle, 2. III. 1936: Die I. Große Strafkammer verurteilte einen jüdischen Angeklagten wegen Rassenschande zu einem Jahr Gefängnis. Leipzig: 13. III. 1936: Die Große Strafkammer verurteilte den Juden Ludwig Neumann wegen Rassenschande zu einem Jahr Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte Zuchthaus beantragt. Es blieb bei Gefängnis, weil Neumann Frontsoldat war, vier Auszeichnungen erhielt und drei seiner Brüder gefallen sind. Herschberg( Pfalz), Juli 1936: Der Jude H. Weiler in Oberhausen wurde wegen Rassenschande verhaftet. Der Zuchthof >> Höhere und mittlere Beamte sind am Breslau, Juli 1936: Die Große Strafkam- wenigstens kinderfreudig... mer verurteilte den Juden Friedrich Roll Es muß daher den Volkskreisen, denen Rassenschande zu einem wegen Jahr der Staat und damit die Gesamtheit des VolZuchthaus. kes ein gutes und sicheres Leben ermöglicht, Die Strafkammer Chemnitz, Juli 1936: immer wieder und mit Nachdruck nahegeverurteilte des Landgerichts den Juden daß gerade sie die Pflicht Hans Karl Löwenstein, einen tschechoslo- bracht werden, wakischen Staatsangehörigen, wegen Ras- haben, ihrer volkspolitischen senschande zu einem Jahr, zwei Monaten Pflicht zu genügen und sich nicht darauf verlassen dürfen, daß andere Würzburg, Juli 1936: Die Große Strafkammer verurteilte den Angeklagten Brot- weniger begünstigte Volksgenoszer aus Karlstadt wegen Rassenschande zu sen den von ihnen verschuldeten Gefängnis. sich Magdeburg, 13. III. 1936: Die Große Strafkammer verurteilte zwei Deutschblütige wegen Rassenschande zu einem Jahr, fünf Monaten und einem Jahr Gefängnis. Nürnberg- Fürth, 16. III. 1936: Die Bei fast allen diesen bestraften>> rasseStrafkammer des Landgerichts verurteilte schändenden<« Beziehungen handelt es den Juden Ernst Justin Friedenhain, Würzvieljähriger burg, wegen Rassenschande zu acht Mona- um Bindungen von ten Gefängnis. Dauer. Nach den Feststellungen des ReichsSchweinfurt, 3. IV. 1936: Die Strafkam- justizministeriums haben bei 7, aller Fälle mer verurteilte den Juden Ludwig Norddie Beziehungen schon vor Erlaß der Nürnschild, Schweinfurt, wegen Rassenschande unterDie Verurteilten zu zwei Jahren Zuchthaus. berger Gesetze bestanden. Nürnberg, 7. IV. 1936: Die 3. Große standen vielfach seit einem Jahrzehnt Strafkammer beim Landgericht verurteilte und länger in eheähnlichen Bezieden Juden Wolfgang Wilhelm Steinberg hungen zu ihren Partnern; gemeinsame wegen Rassenschande zu einem Jahr Gefängnis. und einer sind Rassendeutschblütigen Inländerin schande; zwischen einem inländischen Juden und einer deutschblütigen Ausländerin dagegen nicht. Rassenschande liegt vor, wenn ein Deutschblütiger jüdischer Religion Beziehungen zu einer Jüdin hält. Rassenschande ist es dagegen nicht, wenn ein Vierteljude jüdischer Religion Beziehungen zu einer arischen Frau unterhält. Rassenschande gibt es auch: beim Verkehr mit Prostituierten, im Ausland, bei regelwidrigem Verkehr( homosexueller oder perverser Veranlagung). Als Rassenschande strafbar sind die Beziehungen zwischen Juden und Ariern; zwischen Ariern und Angehörigen anderer Rassen dagegen nicht. Beziehungen zwischen Deutschblütigen und Mischlingen mit deutschem Ahnenteil bleiben straflos; Beziehungen Deutschblütigen und Mischlingen mit» artfremdem< Ahnenteil sind Rassenschande. Nicht nur der Vorsatz, sondern auch der zur Rassenschande ist bedingte Vorsatz strafbar, er wird angenommen, wenn jüdisches Aussehen, jüdischer Vor- oder Nachname( oder umgekehrt: rein arisches Aussehen usw.) vorliegt. zwischen Ausfall decken!< >> Nationalsozialistische Parteikorrespondenz<<. * einem Jahr, sechs Monaten Gefängnis. bevölkerungspolitischen Mainz, 24. VIII. 1936: Ein arischer Angeklagter wurde von der Großen Strafkammer in Mainz wegen Rassenschande zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Die Große Straf->... In dem jetzt entschiedenen Fall hanEssen, 28. VIII. 1936: kammer Essen verurteilte einen jüdischen delt es sich um einen Ehemann, der seiAngeklagten wegen Rassenschande zu acht ner Frau das Kind verweigerte, trotz Monaten Gefängnis. ihres ernstlich und wiederholt geäußerten Wunsches. Das Kammergericht stellt dazu fest, daß diese Tatsache allein schon die Anwendung des Paragraphen 1568 BGB rechtfertigt, wonach bei schweren Zerrüttungen Ehen geschieden werden können. Der Grundsatz des Kammergerichts lautet: » Verweigert ein Ehegatte dem andern ohne berechtigten Grund ein Kind, indem er Maßnahmen zur Verhütung der Empfängnis trifft, so stellt dies einen Scheidungsgrund nach Paragraph 1568 BGB dar.« Dabei bemerkt das Gericht noch, daß die Absicht des Mannes, sich eine eigene Existenz zu gründen, wobei er in dieser Zeit> keine schwangere Ehefrau< haben wollte, kein berechtigter Grund sei, Haushaltungen waren gegründet, Kinder geMeißen, April 1936: Der jüdische Kauf- boren. Manche beabsichtigten, sich zu trenmann Max de Levie wurde wegen Rassen- nen, zum Teil war die Trennung bereits vollzogen, in anderen Fällen bestand die Absicht, schande verhaftet. Chemnitz, April 1936: Der Jude Josef Ramsfelder, Chemnitz, wurde wegen Ras- auszuwandern oder die Eheerlaubnis zu langen. senschande verhaftet. ernach Aachen, 7. V. 1936: Die I. Große Straf- Da die am Delikt beteiligte Frau kammer verurteilte einen jüdischen Ange- den Nürnberger Gesetzen nicht zur Verant- der Frau, sei es auch nur vorläufig, entgegen klagten polnischer Staatsangehörigkeit werei Monaten Ge- wortung gezogen werden kann, ist der Er- ihrem Wund, ein Kind zu verweigern.< pressung Tür und Tor geöffnet. Naturdamit rechnen, daß er wegen Rassenschande verurteilt wird. Einige Beispiele: > Juristische Wochenschrift<<. * gen Rassenschande fängnis. Hamburg, 13. V. 1936: Die Große Straf- gemäß dringen Fälle dieser Art nur selten kammer des Landgerichts verurteilte einen an die Oeffentlichkeit. Denn der erpreẞte» Zum erstenmal nach Inkrafttreten des jüdischen Arzt wegen versuchter RassenJude muß bei einer Anzeige der Erpresserin Erbgesundheitsgesetzes vom Oktober 1935 beschande zu zwei Jahren, sechs Monaten Zuchthaus und zwei Jahren Ehrverlust. faßte sich das Schöffengericht in Duisburg mit der Erschleichung einer verbotenen EheDer Mannheimer Einzelrich- schließung. Bei der Ausfüllung des Formuter verurteilte am 19. III. 1936 Madelaine lars zur Begutachtung der Erbgesundheit, das X. zu sechs Monaten Gefängnis, weil sie von ihrem früheren jüdischen Freund 500 zur Schließung der Ehe erforderlich ist, hatte Mk. unter der Drohung einer Anzeige bei ein jetzt vor Gericht stehendes Ehepaar es der NSDAP erpreẞt hatte. unterlassen, frühere Erkrankungen, kammer beim Landgericht verurteilte Johann Georg Rauh, Nürnberg, wegen Rassenschande zu einem Jahr, acht Monaten Zuchthaus. Auf diese Weise häufen sich die Ver- Nürnberg, 16. Mai 1936: Die Große Strafwegen Verstoß geurteilungen gen das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre. Sie treffen natürlich in erster Linie die Juden. Von den wegen des bisher rechtsDeliktes der Rassenschande kräftig Verurteilten sind nach amtlichen Angaben 17,8 Prozent deutschblütig und 82,2 Prozent Juden. Die Zahl der bisher VerurIn einem Aufruf teilten ist nicht bekannt. in sächsischen Nazi- Zeitungen, der sich gegen die> artvergessenen Frauen« wendet, werden 31 Personen namentlich aufgeführt, die seit Ende 1934 auf Anordnung des Ministers des Innern für das Land Sachsen wegen rassenschänderischer Beziehungen verhaftet ins Konzentrationslager Sachsenburg gebracht oder verurteilt worden sind. Wir haben bereits im Heft I/ 1936, S. 34 ff., eine Liste von Rassenschande- Urteilen veröffentlicht. Seitdem sind uns folgende Fälle bekanntgeworden: und verHildesheim:( Datum unbekannt.) Die Große Strafkammer Hildesheim verurteilte einen jüdischen Angeklagten wegen suchter Rassenschande zu einem Jahr, drei Monaten Gefängnis. Die I. München:( Datum unbekannt.) Große Strafkammer verurteilte den Juden wegen RassenEmanuel Elias, München, schande zu einem Jahr, vier Monaten Gefängnis. Weißenfels, 31. V. 1936: Das Schöffeneinen jüdischen Arzt gericht verurteilte wegen Rassenschande zu einem Jahr, sechs Monaten Zuchthaus. Dresden, 9. VI. 1936: Die 29. Große Strafkammer des Landgerichts verurteilte den Juden Ludwig Baruch wegen Rassenschande zu acht Monaten Gefängnis. München, 12. VI. 1936: Die 1. Strafkammer des Landgerichts München I verurteilte den Juden Max Schwarz, München, wegen Rassenschande zu neun Monaten Gefängnis. Hamburg, 13. VI. 1936: Der Jude Ruef, als Sohn französischer Eltern in Basel geboren, wurde wegen Rassenschande einem Jahr, drei Monaten Gefängnis verurteilt. Hamburg, 13. VI. 1936: Der Jude Martin Levy wurde wegen Rassenschande zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Ein jüdischer GeHanau, 14. VI. 1936: werbetreibender wurde Rassenwegen schande zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. zu Osnabrück, Juni 1936: Die Große Strafkammer des Landgerichts verurteilte den Juden Weinberg aus Buer wegen Rassenschande zu einem Jahr Gefängnis. Frankenthal, Juni 1936: Die 1. Strafkammer verurteilte den Juden Sally Ullmann wegen Rassenschande zu vier Monaten Gefängnis. In der ersten Verhandlung am 21. IV. in Ludwigshafen war Ullmann freigesprochen worden. Der Staatsanwalt legte Berufung ein. Die Aachener Strafkammer die vielleicht zur Verneinung der Ehe geführt verurteilte am 7. VII. 1936 eine Frau und zwei Männer wegen Erpressung zu 18, 12 hätten, anzugeben. Durch Nachforschungen und 10 Monaten Gefängnis. Die Frau hatte stellte sich heraus, daß Momente vorhanden einen Juden in ihre Wohnung eingeladen waren, nach denen eine Eheschließung nicht und ihre beiden Helfershelfer beauftragt, erfolgen durfte. Die Ehefähigkeit wurde dem im gegebenen Augenblick einzudringen. Ehepaar später, allerdings mit gewisser Man drohte dem Juden mit Anzeige und erpreẞte von ihm 500 Mk. Der Jude Einschränkung bei der Ehefrau, gegeben. verurteilte die Ehefrau zu wurde wegen Rassenschande zu fünf Mona- Das Gericht ten verurteilt. einem Monat Gefängnis, während Der Stürmer«-Mitarbeiter SA- Mann der Ehemann freigesprochen wurde.<< Wilhelm H. aus Odenkirchen, mehrfach vorbestraft, versuchte seine Frau mit einem Juden zu verkuppeln. Er lud den >> Kölnische Zeitung« Nr. 478. Juden als> Hausfreund« in seine Wohnung Kostspieliges Experimentieren ein und versuchte, ihn dann unter der Drohung, ihn wegen rassenschänderischen Verkehrs anzuzeigen, zu erpressen. Bei der Die Fernseh- A.- G., eine Gesellschaft, an Gerichtsverhandlung stellte sich die Bezichtigung wegen Rassenschändung die Robert Bosch- A.- G. und die als der Zeiß, haltlos heraus. Der Erpresser wurde zu Radio- A.- G. Loewe beteiligt sind, hat inner18 Monaten Gefängnis und fünf Jahren halb fünf Jahren zum zweiten Mal ihr geEhrverlust verurteilt. Der rehabilitierte Jude( Kriegsteilnehmer und Inhaber mehrerer Tapferkeitsorden) wurde von der SA bedroht ,, in» Schutzhaft< genommen und nach M.- Gladbach überführt. Dort hat er>> Selbstmord« verübt. durch Versuchs- und samtes Aktienkapital Das Aktienkapital Patentkosten eingebüßt. mußte im Vorjahre erst wegen der Verluste von 500.000 auf 50.000 Mark zusammengestrichen und dann auf 440.000 Mark wieder Diese Rassenschutzmethoden erhöht werden. Jetzt erfolgt eine erneute entsprechen trotz der Streicherpropaganda Herabsetzung auf 82.000 Mark. Der dadurch nicht dem Volksempfinden. So sah entstehende Gewinn reicht jedoch nicht aus, Strafkammer Peter Sturm aus Ebenhausen Landau, Juni 1936: Die Große Strafkam- sich die Justizpressestelle Stuttgart am 22. um den neuen Verlust von 378.000 Mark zu mer verurteilte den Juden Ed. Rößner we- VIII. gezwungen, eine öffentliche Warnung zu decken. Es wird eine Wiedererhöhung auf erlassen. Sie wendet sich in dieser Bekannt- 400.000 RM vorgeschlagen, von denen wahrMünchen:( Datum unbekannt.) Die Große des Landgerichts II verurwegen versuchter Rassenschande zu sechs Monaten Gefängnis. München:( Datum unbekannt.) Das Schöffengericht München- Au verurteilte den Juden Sigmar Bloch, München, wegen Rassenschande zu sechs Monaten Gefängnis. München, 23. I. 1936: Die II. Strafkammer des Landgerichts München I verurteilte gen Rassenschande zu einem Jahr Zuchthaus. Hamburg, Juni 1936; Per jüdische Schnej machung dagegen, daß sich immer wieder scheinlich im laufenden Jahre wieder ein erdermeister Sally Mayer wurde wegen Ras- deutsche Frauen fänden, die das ihrige dazu heblicher Teil verloren gegangen ist. senschande verhaftet. Kostspielige Forschungsarbeit im Dienste der Kriegsrüstung! Frankfurt a. M., 6. VII. 1936: Die Straf- beitrügen, daß Juden sich auch heute noch der kammer verurteilte einen jüdischen Ange. Rassenschande schuldig machen könnten. Und Per Fortsdiritt des Hungers Das deutsdie Volk soll sidi abfinden Der neue Vierjahresplan verschärfter Wirtschaftszerstörung ist keineswegs ein freiwilliger Entschluß. Er ist erzwungen durch das völlige Versagen der nationalsozialistischen Agrarpolitik. Weil trotz der Zwangswirtschaft, der Verteuerung aller landwirtschaftlichen Produkte und der Zerstörung der Handelspolitik die deutsche Kriegswirtschaft von der Erreichung der»Nahrungsfreiheit« weiter entfernt ist als je, sollen durch Ausbau der industriellen Ersatzproduktionen Devisen frei gemacht werden für die jetzt plötzlich als unentbehrlich erkannte Einfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Dieser In- dustrieplan ist ebenso zum Scheitern verurteilt wie der Darresche Agrarplan. Die Ersatzprodukte sind um das Mehrfache teuerer und schwächen die deutsche Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt noch mehr; kauft Deutschland künftig noch weniger Rohstoffe von anderen Ländern, so setzen diese ihre Bezüge von deutschen Industrieerzeugnissen noch mehr herab; der Außenhandel verringert sich weiter. Auf keinen Fall werden die so heiß ersehnten Devisen für die agraiische Einfuhr gewonnen. Weit entfernt, ein Mittel für die Erleichterung der Nahrungsmittelschwierigkeiten zu sein, muß der neue Plan die bisherigen Rohstoff- und Devisenhemmungen noch steigern, fortschreitende Wirtschaftszerrüt- lung bewirken. Dabei handelt es sich auch gar nicht mehr um Zukunftsprobleme, deren Lösung vier Jahre Zeit hätten, sondern um sehr akute Schwierigkeiten, die das wahnsinnige Rüstungstempo im Verein mit der Autarkiepolitik herbeigeführt hat. Unmittelbar nach der Hitler-Proklamation hat der»Reichsnährstand«, wie das Pseudonym für Darre und seine unfähige Clique lautet, eine Darstellung zum Emäh- rungsproblem veröffentlicht. Die Knappheit an Fleisch, Schmalz, Eiern und der bevorstehende Buttermangel wird gar nicht mehr geleugnet. Der Darre will nur über noch schlimmere Befürchtungen hinwegtrösten. Deshalb versichert er, daß die deutsche Brotversorgung aus eigener Kraft gesichert sei, ebenso wie die mit Kartoffeln und Zucker. Der Fleischverkauf könne zu 95 Prozent, der Eierbedarf zu 83 Prozent und der Fettbedarf zu 50 bis 60 Prozent gedeckt werden. Diese Mitteilung ist wirklich sehr interessant. Denn es sind zum Teil genau die gleichen Ziffern, die schon 1931 erreicht und amtlich bekanntgegeben waren. Nur daß damals eine Versorgungsknappheit nicht existierte und Einfuhrschwie- rigkeiten unbekannt waren. Jetzt muß der Darre eingestehen, daß trotz des ungeheuren und kostspieligen bürokratischen Aufwands seit Hitler kein Fortschritt in der Erzeugung erreicht, wohl aber dauernde Ernährungsschwierigkeiten produziert worden sind. Aber das Eingeständnis geht noch weiter. Während bisher stets versichert worden war, daß es sich nur um vorübergehende Schwierigkeiten handle, wird jetzt kalt und zynisch verkündet, daß sich das deutsche Volk damit eben abzufinden habe. Denn die»W e r k- t a g s k o s t« sei doch, wie die Angaben zeigten, dem deutschen Volke gesichert, und damit basta! In der Versorgung mit »Sonntagskost« klafften, sagt der Reichsnährstand, allerdings noch bedeutende Lücken. Die Regierung erwarte aber, daß die Bevölkerung der gegenwärtigen Situation Verständnis entgegenbringe und sich diejenigen Beschränkungen freiwillig (!) auferlege, die im Interesse des Staates(lies; der Vorbereitung des Hitlerkrieges!) gefordert werden müßten. Die deutsche Regierung sei davon überzeugt, daß der wirtschaftliche Vier jahresplan, den Hitler verkündet hat, erfolgreich durchgeführt und hernach auch für die Ernährung ein übriges getan werden kann. Die Bezeichnung einer einigermaßen ausreichenden Ernährung des deutschen Volkes, die in den letzten Jahren ständig zurückgegangen ist, als Sonntags- k o s t, ist also das vorläufig letzte Wort nationalsozialistischer Wirtschaf tspolitik, zugleich die schneidenste Kritik an der Selbstbeweihräucherung des»Führers«. So schlimm aber das Eingeständnis der Diktatur ist, daß den Massen künftig eine ausreichende Ernährung mit Fett und Fleisch und Eiern höchstens am Sonntag gesichert sei, so wenig sücher ist die Einhaltung der Voraussage, daß die unzureichende Werktagskost wirklich vorhanden sein wird. Wir haben bereits früher ausgeführt, daß selbst nach den bisherigen amtlichen Ernteschätzungen ein bedenklicher Ausfall zu erwarten sei und zugleich prophezeit, daß diese Schätzungen sich als viel zu optimistisch erweisen werden. Dies wird durch die jetzt vorhegende amtliche Septemberschätzung in vollem Umfang bestätigt. Wurde im Juli eine Weizenernte von 4,9 Millionen Tonnen angegeben, so werden jetzt nur mehr 4,61 Mill. Tonnen erwartet, noch weniger als die 4,79 Mill. der mittelmäßigen vorjährigen Ernte. Die Roggenernte wird jetzt auf 7,66 Mill. Tonnen beziffert gegenüber 8,42 der Julischätzung und einem Ernteergebnis von 7,48 Mill. Tonnen 1935. Ebenso mußten die Gerste- und im geringeren Maße die Haferschätzungen reduziert werden. Die Verringerung der Quantitäten wird in ihrer Wirkung noch verschärft durch die Verschlechterung der Qualität. Die Mühlen berichten allgemein, daß die Posten mit niedrigem Hektoliter-Gewicht überwiegen, wodurch sich die Mehlausbeute verschlechtert. Dazu kommen Schäden, die die ohnedies durch die Feuchtigkeit verminderte Haltbarkeit noch mehr herabsetzen und die Lagerverluste vermehren. Auch die örtlichen Unterschiede im Emteausfall sind sehr groß. In Südbayern bleibt der Roggenertrag um 27 Prozent hinter dem Mittel der lezten Jahre zurück. Sehr ungünstig ist das Ergebnis auch im ganzen Nordwesten(Oldenburg, Hannover, Schleswig-Holstein). Der Ausgleich dieser Verschiedenheiten wird für die Darresche Zwangsorganisation neue Schwierigkeiten bedeuten, die Desorganisation der Märkte in diesem Jahre noch steigern, dem Schwarzhandel neuen Auftrieb geben. Wie stellt sich mm nach der neuesten Schätzung die Gesamtsituation dar? Die Weizenernte von 4,61 MUlionen Tonnen bleibt hinter dem tatsächlichen Verbrauch des Vorjahres von 5,45 Mill. Tonnen um 0,84 Mill. Tonnen zurück. Bei Roggen betrug der Verbrauch 8,3 Mill. Tonnen, das Defizit ist also 0,64 Millionen Tonnen. Bei Hafer und Gerste dürfte die Ernte dem vorjährigen, aber bereits stark gedrosselten Verbrauch gleichkommen. Wir können also mit einem Defizit gegenüber dem Vorjahresverbrauch um rund 1,5 Millionen Tonnen rechnen. Dazu kommt aber, daß die Vorräte an Roggen und Weizen, die zu Beginn des vorjährigen Erntejahres 2,5 Mill. Tonnen ausmachten, fast restlos verbraucht sind, so daß das wirkliche Defizit 4 Mill. Tonnen beträgt! Bei Weizen entspricht die diesjährige Ernte dem vorjährigen Mehlgutbedarf, während im Vorjahre darüber hinaus noch 600.000 Tonnen verfüttert werden konnten. Zur Verfütterung, rechnet die»Frankfurter Zeitung«, stehen nur 1,75 Mill. Tonnen Roggen und Weizen zur Verfügung, während im letzten Jahre nicht weniger als 3,4 Millionen, also die doppelte Menge in den Futtertrog wanderten. An Gerste und Hafer stehen etwa dieselben Mengen wie im Vorjahr zur Verfügung. Zusammen sind das rund 8,7 Millionen Tonnen, während die Getreidever- fütterung im letzten und ähnüch auch in den beiden vorausgegangenen Jahren 10,35 Mill. Tonnen erforderte. Dabei stellt der augenblicklich etwas erhöhte Schweinebestand, soll er durchgehalten werden, erhöhte Ansprüche. Nun ist das Ergebnis an Kartoffeln und Futterrüben noch nicht zu übersehen. Dagegen hat aber der in den letzten Jahren stark geförderte Zwischenfruchtbau einen Rückschlag erfahren, da die späte Ernte die Bestellung mit Stoppelfrüchten verzögert hat. Fest steht auf alle Fälle, daß sich unter Hitler und Darre die E r n ä h r u n g s bil a n z in beunruhigender Weise immer weiter verschlechtert. Immer mehr Ernährungsschlachten wurden verloren. Nun sind schon im Vorjahre, in dem die zur Verfügung stehende Getreidemenge dank der noch vorhandenen Vorräte um 3 bis 4 Millionen Tonnen größer waren, die Ernährungsschwierigkeiten immer neu entstanden, ist die deutsche Ernährung auf die »Werktagskost« reduziert worden. In diesem Jahre wird sie eine neue Einschränkung erfahren. Denn die absolut notwendige Steigerung der Einfuhr von Futtermitteln und Fett verweigert die Diktatur, die die Devisen für ihre Kriegsrüstung mit Beschlag belegt. Eh-. Richard Kern- Hitlers Selbstlob entlarvt Preissdiladit gewonnen— Erzeugungssdiladit verloren »Wie hätten«, rief»der Führer« in Nürnberg aus,»unsere Gegner gespottet, wenn ich ihnen am 30. Januar 1933 erklärt haben würde..., daß die Einnahmen der deutschen Landwirtschaft höhere sein werden als jemals in einem Jahre unserer Friedenszeit vorher«. Einige Wochen vorher, am 12. August, erschien ein Wochenbericht des Instituts für Konjunkturforschung mit einer Untersuchung über die»Erfolge der Erzeugungsschlacht«. Darnach betrugen die landwirtschaftlichen Verkaufserlöse im letzten Wirtschaftsjahr 1935/36 8,8 Milliarden. Im Jahre 1926/27, das ein Krisenjahr gewesen war, hatten sie 8,3 Milliarden betragen, also nicht viel weniger als im dritten Jahr des Hitleraufschwungs. 1927/28 waren sie auf 9,3, 1928/29 sogar auf 10,2 Milliarden gestiegen. In diesem Jahre günstiger Konjunktur hatten die Bauern, die Hitler bekanntlich aus den Klauen der jüdischen Blutsauger gerettet hat, erheblich höhere Einnahmen als im bisher besten Jahre des Dritten Reichs. Erst als die Konjunktur sich im Abstieg befand, 1930/31, waren die Einnahmen der Landwirte mit 8,6 Milliarden ungefähr auf den Stand des ertragreichsten Hitlerjahres herabgesunken. 1932/33 allerdings, im Jahre des Konjunkturtiefstandes, waren die Geldeinnahmen, nach dieser amtlichen Schätzung, nicht höher als 6,4 Milliarden. Aber»der Führer«, der behauptet, seine Leistungen seien höber als jemals vorher, will ja selbst, daß sie mit den besten und nicht mit den schlechtesten Jahren der »Schmachzeit« verglichen werden. Der Spott »unserer Gegner« würde also 1933 gar nicht so unberechtigt gewesen sein, wie»der Führer«, ohne sich vorher beim Statistischen Reichsamt informiert zu haben, in Nürnberg behauptet hat. W. Rauber vom Stabsamt des Reichs bauern- führers hat im»Jahrbuch für Nationalsozialistische Wirtschaft« als das Ziel des Reichsnährstandes verkündet, »die Volksernährung nach Möglichkeit aus eigener Scholle sicherzustellen«. Wird»der Führer« in den nächsten vier Jahren mit der Erfüllung seines Rohstoffprogramms ebenso erfolgreich sein, wie Darrä bisher in der Erfüllung seines Ernährungsprogramms gewesen ist? Insoweit als die Einfuhr von Nahrungsmitteln gedrosselt worden ist wie niemals zuvor, ist von Darrä das Ziel der Nährfreiheit fast so restlos verwirklicht worden wie von seinem Führer das Ziel der Wehrfreiheit. 1932 wurden an Nahrungsund Genußmitteln eingeführt im ersten Halbjahr für 1045, im ersten Halbjahr 1936 nur für 745 Millionen Mark, also um fast ein Drittel weniger als im schlechtesten Konjunk- turjahr vor Hitler. Gleichzeitig waren die Verkaufserlöse der Landwirte von 6,4 auf 8,8 Milliarden gestiegen, das Volk hatte also für seine Ernährung um ein Drittel mehr aufwenden müssen als 1932. Hat sich mit der Einschränkung der Nahrungsmitteleinfuhr und der Verteuerung der Ernährung wenigstens diese verbessert? Im Gegenteil, auch nach der Inflationszeit gab es in Deutschland viel Not, aber erst im Dritten Reich gibt es Not an Nahrungsmitteln, wird die Butternot von der Fieischnot und diese von der Eiernot abgelöst. Es ist also nicht gelungen, mit der Nährfreiheit auch die Ernährung zu sichern, was an Einfuhr erspart wird, durch heimische Erzeugung zu ersetzen.»Der Führer« hat das in Nürnberg damit erklärt, daß die fünf Milhonen, die er in Arbeit gebracht haben will, sich»auf den Lebensmittelmarkt gestürzt« und ihn»mit einer größeren Kaufkraft zusätzlich belastet« haben. In der unseligen Zeit des Liberalismus konnte der Warenmarkt durch größere Kaufkraft e n t- iastei, aber nicht b e lastet werden, weil es damals zumeist mehr zu kaufen gab, als bezahlt werden konnte. Damals war es noch kein Unglück, Arbeit zu bekommen, weil nicht die Gefahr bestand, daß die Leute, je mehr sie verdienen, um so weniger zu essen bekommen. Das Institut für Konjunkturforschung hätte den Führer darüber aufklären können, daß die Nahrungsmittelnot nicht daher kommt, daß die Menschen zuviel essen, sondern daß der Erfolg von Dar- rös E rz e u g u n g s s c hl a c h t weit hinter den Ergebnissen seiner Preisschlacht zurückbleibt. Das ergeben die vom Institut veröffentlichten Schätzungen der Verkaufserlöse für landwirtschaftliche Erzeugnisse im Vergleich mit den zum Verkauf an die Verbraucher verfügbaren Mengen. Darnach betrug z. B. die verkaufte Menge von Speisekartoffeln 1932/33 8,8, 1935/36 9,1 Millionen Tonnen, beim Verkauf erlöst wurden dafür 1932/33 255, 1935/36 455 Millionen Mark. Die verkaufte Menge hatte also um 4 Prozent zugenommen, die Verkaufseinnahrae um 80 Prozent! Hülsen frücbte wurden zum Verkauf gestellt 1932/33 44.000, 1935/366 nur 28.000 Tonnen, erlöst wurden 1932/33 10, 1935/36 18 Millionen Mark. Für eine um ein Drittel verringerte Menge mußte ein um vier Fünftel höherer Preis bezahlt werden! Von Gemüse kamen auf den Markt 1932/33 1,6, 1935/36 1,7 Milhonen Tonnen, also um 8 Prozent mehr. Bezahlt wurden dafür 1932/33 131, 1935/36 181 Millionen Mark, also um 40 Prozent mehr. Schlachtvieh kam auf den Markt im Gewichte von 1932/33 3.5, 1935/36 3,8 MUlionen Tannen. Die den Verbrauchern zur Verfügung gestellte Menge heimischen Fleisches hatte sich also um ein Zwölftel vermehrt, die Verkauferlöse zur gleichen Zeit von 2000 auf 3300 Millionen, also um mehr als zwei Drittel; Kuhmilch gab es zu kaufen 1932/33 15,4, 1935/36 15,3 Millionen Tonnen, bezahlt wurden dafür 1932/33 1300, 1935/36 1600 Millionen! Die Erzeugungsschlacht Darrts hat versagt. sie hat die Einfuhr gedrosselt, aber die heimische Produktion längst nicht entsprechend erhöht, teilweise sogar vermindert, die Ernährungsgrundlage demnach geschmälert. Dieses Versagen haben die Verbraucher hoch bezahlen müssen. Mehr als 1932 wurden für die Ernährung bezahlt im ersten Hitlerjahr 1000, im zweiten 2000, im dritten Hitlerjahr 2400 Millionen Mark, also im ganzen etwa 5% Milliarden. Das entspricht fast genau der Zunahme des Arbeitseinkommens zur gleichen Zeit. Es war nach der amtlichen Schätzung von 26 Milliarden 1932 auf 31,8 Milliarden 1935, also um 5,8 Milliarden gestiegen. Darres Nährfreiheit hat also die Abhängigkeit Deutschlands von der Nahrungsmittelzufuhr nicht aufgehoben, sondern erst recht erwiesen. Gewiß ist der Minderertrag der letzten beiden Jahre eine Folge schlechter Ernte, aber Mißernten hatten früher nicht Ernährungsschwierigkeiten zur Folge, sondern erhöhte Einfuhr von Nahrungsmitteln. Was aber von der Hitlerregierung unter allen Umständen unterbunden wird, ist die Einfuhr ölhaltiger Futtermittel. Nach der Angabe des Instituts ging der Verbrauch an ausländischen Oelkuchen allein im letzten Jahr um rund 1 Millionen Tonnen zurück. Dadurch wird zwar dem viehzüchtenden Bauern die Viehhaltung verteuert, aber dem getreidebauenden Großgrundbesitzer die sonst gefährdete Grundrente gesichert. Das Interesse der Junker fällt aber mit dem obersten Zweck des nationalsozialistischen Staates, mit der Kriegsvorbereitung zusammen. Göring hat es ausgesprochen: Erz ist wichtiger als Butter. So erweist sich das Streben nach agrarischer Selbstversorgung als ein Mittel, die Ernährung zugunsten der Bewaffnung einzuschränken, weniger Eher verzehren zu lassen, damit mehr Eierhandgranaten erzeugt werden können. So ist auch die von Hitler als Vierjahresziel verkündete Rohstoffautarkie weniger ein Mittel,»die nach Abschluß der Aufrüstung freiwerdenden Menschenmassen nationalökonomisch nützlich zu beschäftigen«, als ein Teil der Aufrüstung selbst. G. A. F. Nr. 172 BEILAGE a b Neuer Vorwärtsil -Ad A asb rhie obiezu sho 27. September 1936 Der Selbstschutz der Freiheit Kämpfendes Spanien- Kämpfendes Europa den offen aus, Französisch- spanische Grenze, Volkes immer wieder in Gefahr sein. Es ver- spanischen Kämpfer mit ihren französi-| Man fürchtet und spricht es Mitte September. steht sich von selbst, daß diejenigen, die wir schen Gesinnungsfreunden sich in den daß mit einem Erfolge des klerikal- militäMan blickt von hohen Bergrücken her- politisch und sozial beseitigen wollen, von temperamentvoll- übersprudelnden Unter- rischen Militarismus Spaniens gleichüber nach Spanien. Dörfer, Wälder und allen freiheitlichen Rechten des spanischen haltungen keineswegs so» politisch« ausge- gerichtete Strömungen im eigenen Lande Wiesen des Pyrenäentales liegen sonnen- Volkes für immer ausgeschlossen bleiben. drückt haben. Wenn auch jeder von ihnen einen neuen und gefährlichen überblitzt in tiefem Frieden, denn hier ist Was mit schwankenden bürgerlichen unter Freiheit und unter ihrer künftigen Auftrieb erhalten würden. In nirgendwo Kampfgebiet. Ueber den Paß Schichten und den Intellektuellen geschieht, politischen Realität in Spanien etwas an- einem Teil der Rechtspresse treten diese geht die Straße durch katalonisches Land werden wir später entscheiden. Wir werden deres verstand, so waren sie bei allen spekulativen Hoffnungen deutlich zutage. nach Barcelona. Aber sobald man mit den auch hier sieben und rücksichtslos aus Ge- Gegensätzen in dem einen Gedanken ge- Abenteurer wie Doriot, Zyniker wie Daudet Menschen redet, hüben wie drüben in den sellschaft und Staat entfernen, was sich nicht eint, den gemeinsamen Feind zu schlagen, und Maurras übersteigern ihre antidemoGrenzorten, dann wird man Zeuge eines zu uns bekennt. wo sie ihn treffen. Anarchistische kratisch- antisozialistischen Perspektiven, Erregungszustandes, der Denken und Ge- 2. Das spanische Proletariat, die Arbeiter Syndikalisten, Kommunisten wozu unzufriedene Kleinbürger, sublime fühl des kleinsten Bauern, des ärmsten und die Bauern, ist die einzige Kraft, die im- und Sozialdemokraten bekannten Intellektuelle und aufgeputschte Jugend Arbeiters hinreißend beherrscht. Man de- stande ist, die Geschicke Spaniens in die sich innerhalb der Volksfront zu ihren ver- offen und geheim Beifall spenden. battiert vor den Häusern, in den Wirt- Hand zu nehmen. Mit der Demokratie schiedenen ideologischen Standorten. schaften, jeder Fremde wird angesprochen ist es zu Ende, so oder so. Geben wir und ausgefragt im Fieber nach Nachrich- den Klassenfeinden des Proletariats noch einten, wie es steht«. Keiner spricht von sich selbst, vom eigenen Schicksal. Es ist > Politik«, die Entscheidung einer Gesinnung, die Männer und Frauen, auch diejenigen, die bisher nur wenig über die Mauern ihres Hauses und über die Wegsteine ihres Dorfes hinausdachten, auf beiden Seiten der Grenze in ein Meer von Unruhe gestürzt hat. >> Mythos ist heute großes Modewort. Entstellt und mißbraucht zum Schutzschilde ordinärer Gewalt, pflegt man miẞtrauisch zu werden, sobald versucht wird, klare geschichtliche Situationen und aktuelle politische Erkenntnisse durch Pseudo- Irrationalität zu vernebeln. Aber ebenso falsch wäre es, die Bedeutung und die Wirkung des Wunschglaubens als Maszenfaszination gering zu schätzen jene Entzündungen der Volksphantasie, die von der Idee und vom Glauben her die menschlichen Instinkte zu gewaltigen Kraftentladungen angespornt haben. Die breiten Massen des spanischen Volkes sind in diesem Schicksalskampf von einem solchen Mythos ergriffen, der uralt ist, um an jeder Zeitwende unter dem Druck politischer und sozialer Ereignisse erneut Berge zu versetzen: den Mythos der Freiheit. Vielhundertfach vernahm man das Wort auf dieser Reise. Mit blitzenden Augen, hochgerissenen Fäusten, ein übersprudelnd leidenschaftliches Massenbekenntnis bis zur Todesentschlossenheit gegen die Unterdrücker der Freiheit, die nicht greifbar ist und menschliche Bedürfnisse stillt wie Brot und Bett und doch im Bewußtsein der Kämpfenden zur beherrund Leschenden Glaubensbensmacht geworden ist. * Mit Gesang zogen die Milizen über die Grenze, in fiebernder Erwartung ihres Einsatzes. Urteilte man nur nach der Gefühlsentscheidung, so ist die Situation höchst unproblematisch: dort die Unterdrücker, die Kirche, der Feudalismus, die Generale mit ihren zum Waffendienst gegen das Volk gedungenen Kolonialsoldaten, hier das spanische Volk, die bedrohte Freiheit zu schützen. Bei der politischen Friedliche Geste * Jeder deutsche Emigrant, der seit Ausbruch des Dritten Reiches in Frankreich Aber machten sich hier nur spanische lebt, weiß freilich, wie schwer es trotz solcher Warnungssignale im allgemeinen ist, dem durchschnittlichen Franzosen aller sozialen Schichten aus jenem Zustande der Selbstgewißheit zu reißen, die an dem unveräußerlichen Bestand der demokratischen Freiheiten seines Vaterlandes nicht zweifelt. Die große Mehrheit des französischen Volkes, so weit es bewußt politisch denkt, sieht in der französischen Geschichtsüberlieferung, im>> Individualismus«<, der den französischen Bourgeois wie den französischen Sozialisten als geistige Grundstimmung beherrscht, einen uneinnehmbaren Schutzwall.» Wir sind keine Deutschen, nicht an autoritäre Befehle gewöhnt. Ein» Führer« im deutschen Stile wäre bei uns unmöglich. Außerdem ist in Frankreich weithin eine populäre, Massen der hinreißende Führergestalt außerhalb Demokratie nirgendwo sichtbar.<<» C'est une autre mentalité«: wie oft hat man das in solchen Diskussionen gehört! Aber seit den spanischen Vorgängen ist eine spürbare Unruhe da. Ein bekannter französischer Sozialist sagte kürzlich: » Wir müssen die Zugbrücke hochziehen, ehe es zu spät ist.<<... Der deutsche Sozialist, der mit dem Schicksal seines Landes verbunden blieb, hört aus dem Getöse des spanischen Bürgerkriegs noch viel mehr. Man geht mit den Kämpfern im Geiste mit, aber man bleibt von der Frage bedrückt: in welcher Gestalt wird einmal die Freiheit für Deutschland wiederkehren? Es gibt für uns keine Freiheit, die die Grundsätze der Demokratie verleugnet, wie es jetzt im unklaren Gefühlsüberschwang in den Reihen der spanischen Republikaner geschieht, denn Freiheitsidee und politische Demokratie sind für uns untrennbare Teile der gleichen Sache. Wir haben aber auch gelernt, daß es, besonders nach den Leidenserfahrungen der deutschen Diktatur, keine platte Wiederholung politischer und kultureller Lebensformen geben wird und geben kann. Die deutsche Freiheit durch Selbstschutz zu garantieren: das bedeutet, daß im kommenden freiheitlichen Deutschund ideenmäßigen Zerrissenheit Europas mal die Möglichkeit, sich politisch zu betäti-| Töne vernehmlich? Sind Freiheitsbegriff land manches nicht mehr SO hat man um so mehr das Bedürfnis, den gen, so bleibt die Gefahr bestehen, daß das und Demokratie nicht in ganz Europa» frei« sein wird wie etwa im spanischen Heldenkampf auf einen solchen sozialistische Spanien mit Unterstützung mitten in der Krise? Lange vor den Ereig- Deutschland von Weimar, weder einfachen und klaren Nenner zu bringen. kapitalistischer Mächte angegriffen wird. Die nissen jenseits der Pyrenäen hat in Frank- in der allgemeinen Politik, noch in der Aber bald entdeckt man, daß das Pro- gegebene und notwendige politische Form zur reich die Diskussion darüber begonnen, ob Staats- und Rechtsordnung und vielleicht blem> Spanien genau so ver- Sicherung der Freiheit in Spanien ist die die Institutionen der Demokratie nicht viel auch nicht einmal in der Wissenschaft, wickelt ist, wie alle übrigen Diktatur des Proletariats. stärker gesichert werden müßten als bis- wenn sie sich weigert, der Freiheit als der 3. Nach dem Siege der Frente popular her. Innerhalb der französischen Volks- höchsten menschlichen Lehre und Gesinnungs- und Machtkämpfe in der Welt. Wir haben es hier an der muß Spanien eine völlige gesellschaftliche front, bei den Sozialisten noch entschiede- natürlichen Lebensform der menschlichen Grenze immer wieder erlebt. Die Kämpfen- Neuordnung im Geiste des Sozialis- ner als bei den Kommunisten, verlangt Gesellschaft geistigen Beistand zu leisten. den waren einig darin, die Freiheit von mus durchführen, in politischer Hinsicht aber man nach dem Selbstschutz der Die Wirkungsmittel der Freiheit werden etwas zu erringen und für immer zu be- zugleich den Anschluß an die westeuropäische politischen Freiheit, der jedes sich verändern müssen, damit niemals allem an Frankreich und Einschleichen und Unter- mehr ein Despot die Möglichkeit hat, sich haupten: von der jahrhundertelangen Ver- Demokratie, vor dann der sklavung durch die spanische Reaktion und seine Volksfront versuchen. Ob das noch auf minieren unmöglich macht. Das nach der taktischen Anweisung des Fühihren sozialen, finanziellen und militaristi- der Grundlage des bisherigen Parlamentaris- politische und sozialistische Frankreich rers des Dritten Reiches zu richten:» Beschen Bundesgenossen. Sobald aber, selbst mus nach diesem Kampfe gegen die faschi- sieht, von der beständigen Kriegsbedro- diene dich der vorhandenen Machtmittel, in kleinem Kreise, die Frage darauf kam, stische Rebellion möglich sein wird, erscheint hung abgesehen, die innenpolitische Ge- benütze die bestehenden Einrichtungen, wie nach hartem und blutigem Kampf sehr fraglich. Wir wissen heute noch nicht, fahr, wenn zu Italien und Deutschland als ziehe aus alten Kraftquellen möglichst zu ob die große Mehrheit des spanischen Volkes drittes faschistisches Land noch Spanien großen Nutzen<<. die Freiheit für das spanische Volk verwirklichen und durch Organisationen noch für eine Demokratie alten Stiles votieren kommen sollte. Frankreich wäre dann, mit Gedanken an der französisch- spaniund Institutionen des Staates und der Ge- wird. Wird die spanische Demokratie über- Ausnahme der belgischen und der schwei- schen Grenze die deutsche liegt 1600 km sellschaft zu gestalten sei, da zeigte sich haupt wieder gesichert, wird sie zerischen Lücke, ringsher von Diktaturen weit entfernt! Wenn die Kämpfer für Unklarheit, Unsicherheit, Uneinigkeit. andere autoritäre Kräfte umgeben, einig in dem Willen, die franzö- Spaniens Freiheit die Straßen passieren, als bisher. sische Demokratie unter stärkstem Druck wenn ihnen das Wort, dieses eine zündende In zahlreichen Gesprächen ergaben sich entwickeln müssen Niemals mehr darf sie die Idee der Freiheit zu setzen. Wenn jetzt von vielen gewerk- Wort immer wieder zufliegt und hochgedie folgenden Meinungsäußerungen: mißbrauchen schaftlichen und sozialistischen Stellen rissene Fäuste das Medium der Verständiaktive Frankreichs gefordert wird, den spanischen gung sind, dann spürt man, daß man im übrig bleiben. Wir werden sie schonungs- solidarische Unterstützung der sozialistischen Republikanern zu Hilfe zu eilen und gegen Anblick der Not der anderen ein Gepäck die Großgrundbesitzer, Arbeiterschaft Europas, soweit sie noch ihre die Parole der Regierung Blum mit Waffen immer bei sich trägt, bis zum Ueberdie Kirche und ihre Klöster. Wenn das nicht politische Bewegungsfreiheit besitzt. zu versehen, so liegt darin nicht nur das schwang des Gefühls: den Gedanken an geschicht, wird die Freiheit des spanischen Es bedarf keiner Erwähnung, daß die Bekenntnis zur freiheitlichen Solidarität. Deutschland. Andreas Howald. ganz 1. Nach diesen Opfern, nach diesen Kämp- als Sturmleiter ihrer Feinde fen darf von dem alten Spanien nichts mehr lassen. Dabei rechnen wir los austilgen: auf Verfinsterte Aussicht IMe{«benshaltung: des Arbeiter« trägt die Kosten des hitlerdeutschen Meo-MlUtartonnis. In der»Sozialen Praxis« ehemals kathedersozialistischer Grundeinstellung(Nr. 36) werden die Auswirkungen der neuen zweijährigen Dienstzeit in Deutschland auf die Wirtschaft und auf den Lebensstandard des deutschen Volkes, soweit es nicht gerade Bankdepots unterhält und Coupons schneiden darf, besprochen. Die Warnung der »Frankfurter Zeitung«, die mammutartige Rüstungserstellung doch nun wirklich nicht als sachlich produktiv anzusehen und von ihr keine nicht-vorge täuschte Belebung des wirtschaftlichen Blutkreislaufes zu erwarten, ist anscheinend noch nicht bis zur Redaktion der »Sozialen Praxis« gelangt, obschon sie doch geradezu wie eine explodierte Flattermine im sonst gangbaren und befohlenen Konjunktur- Optimismus des Regimes wirkte. So schwätzt denn die»Soziale Praxis« nicht anders, wie irgend ein beliebiges Nazi-Blättchen, auch daher, daß nunmehr selbstverständlich »neue große Aufträge der Wirtschaft einen weiteren kräftigen Auftrieb geben« würden und daß sich dadurch, daß»das Gefühl der Sicherheit erhöht« wäre(siel), die Konjunktur »gestützt« sähe. Bei der Niederschrift dieses zukunftsträchtigen Elaborats scheint dann den armen Redakteur doch das große Gruseln bei näherer Betrachtung des Problems gefaßt zu haben. Denn folgendermaßen endet der so hoffnungafreudig begonnene Ausflug in die wirtschaftliche Astrologie: »Man wird kaum einen jungen Deutschen finden, der das verlangte Opfer nicht freudig auf sich nimmt. Die übrigen Volksgenossen werden hauptsächlich die finanziellen Auswirkungen zu fühlen bekommen. Daß die Regierung bei der Vertei- lung der Lasten vorsichtig und unter möglichster Schonung der unteren Einkommensstufen vorzugehen gedenkt, zeigt die eben vorgenommene Erhöhung der Körperschaftssteuer. Sie trifft In erster Linie Kapitalsgesellschaften, die vielfach in letz- Rassenkunde und Stterndeuterel 99 »Deutschland hat sich, wie man erfuhr, in den letzten zehn Jahren die maßgebende Stellung auf dem Feld der astrologisch Interessierten und Bemühten erworben«, schreibt die»Frankfurter Zeitung« in einer Betrachtung über den Astrologenkongreß, der soeben in Düsseldorf tagte. Und so ist es denn kein Zufall, daß der neugegründete»internationale Verband wissenschaftlicher Astrologen« seinen Hauptsitz in Düsseldorf aufgeschlagen und damit den deutschen Astrologen»maßgebenden Einfluß« eingeräumt hat. Auf diese Welse bekommt das Dritte Reich endlich Gelegenheit, eine alte Dankesschuld abzutragen. Die Hellseher und Sterndeuter waren es ja, die dem Nationalsozialismus lange vor der Machtergreifung in den Kreisen der geistig Armen eine gewisse Popularität verschafften. An keinem braun getönten Zeitimgskiosk der Vorhitlerjahre fehlten die Blätter mit den Tierkreisen und Planetenbildem, sie wurden weit eifriger gelesen als die Hitlerpresse selbst, und sie verkündeten dem Nationalsozialismus eine große Zukunft. Allerdings gab es auch einige Außenseiter, die hartnäckig behaupteten, von demselben Himmel seien die gegenteiligen Prophezeiungen abzulesen und der blutige Untergang des Hakenkreuzes werde nicht lange auf sich warten lassen. Die Chancen dieser Propheten waren indes viel geringer, denn im antifaschistischen Lager fanden sich nur ganz vereinzelte Liebhaber für derartige Schwarz- Dle Wlssensdhaft hat sich der Astrologie genähert" künste. Die Ungeistigen und Leicht- terei von der Sterndeuterei nicht gpar gläubigen, die Wundersüchtigen weit entfernt sei, fuhr er fort: und Verwirrten hielten zur anderen Seite, und die nationalsozialistisch orientierten Kollegen machten Bombengeschäfte, während ihre Gegendeuter eine Pleite nach der anderen erlebten. Zwar wurde der anerkannte nationalsozialistische Hof- und LieblingsheUseher H a- n u s s e n von seiner undankbaren Kundschaft ermordet— es soll sich dabei weniger um Horoskope als um eine Mischung von Korruption und Homosexualität gehandelt haben, an der Herr Heines nicht unbeteiligt war— aber die anderen Sterngucker fühlen sich noch heute in dem von ihnen erhofften und begönnerten Reiche recht wohl. Das kam auf dem Düsseldorfer Kongreß besonders In einer Rede des»wissenschaftlichen Astrologen« Dr. R e i ß- mann zum Ausdruck, der befriedigt feststellte, daß sich ja jetzt bei den Wissenschaften in Deutschland eine innere Umkehr vollzogen habe,»eine Abkehr vom überspitzten Intellektualismus und von einem allzu krassen Ueberschätzen des Messens und W ä g e n s.«— Die nationalsozialistische »Preußische Zeitung« druckt dieses Lob zufrieden nach und enthält sich auch in ihrem übrigen, ausführlichen Bericht jeder Kritik. Der Stemdoktor Reißmann meinte weiter, man könne jetzt der Astrologie ihre Berechtigung als vollzunehmende Wissenschaft nicht länger absprechen. Und um klarzumachen, daß die Rassedeu- »In der Medizin hat der neue Begriff der Konstitution tiefgreifende Umwandlungen aller Anschauungen bewirkt; in der Biologie hat man darauf verzichtet, Geheimnisse des Lebens mit dem Mikroskop entdecken zu wollen, die nicht auf materiellem Wege entdeckt werden können. Das aber beißt, daß eine ganze Reihe von Wissensgebieten, und zwar gerade diejenigen, die sich mit dem Leben und mit den Menschen selber beschäftigen, sich den G r u n d a n s c h a u u n g e n der Astrologie und dem astrologischen Weltbild sehr genähert haben.« Vielleicht hat ein oder der andere deutsche Professor, der das Erröten noch nicht verlernt hat, beim Lesen dieser Anbiederungsrede einen Schreck bekommen. Vielleicht war ein oder der andere ehrlich genug, sich zu sagen: der Kerl sagt ja die Wahrheit! Unsere sogenannte neudeutsche Wissenschaft aus Blut und Boden und Erberinnern unterscheidet sich ja kaum noch von seinem Metier. Er dient dem Aberglauben— wir tun das gleiche. Er baut sein Lehrgebäude auf Widersinnigkeiten und unbeweisbaren Behauptungen auf— wir tun das gleiche. Nur eines unterscheidet uns: er glaubt an seinen Blödsinn, wir handeln und lehren wider besseren Glauben auf Befehl unserer Brotgeber. Die Sterndeuter verlangen, so ernst genommen zu werden wir wir, die braunen Professoren.— Die Sterndeuter haben recht! tem der breiten Masse der Werktätigen zugedacht ist. Was hätte sonst der vorangegangene Kniff, die heuchlerische Geste für einen Sinn?! Das alles sieht auch die»Soziale Praxis« insgeheim über die Arbeiter-, Ange- ter Zeit bedeutende Gewinne gemacht haben! stellten- und Beamtenschaft des Dritten Rei- und denen ein weiterer Wirtschaftsauf- 1 djeg Uber Kleinbürger und Kleinbauer schon _— 1_____— T____ at« wrt»"H I � hereinbrechen. Sie verbrämt es nur mit ein paar sehr dünnen, dürftigen und fadenscheinigen patriotischen Redensarten... Aber das ist ja wohl im Dritten Reich der totalen publizistischen Mondfinsternis nicht anders möglich! schwung besonders zugute kommen wird. Weitere Belastungen werden hinzukommen und die günstige Auswirkung der wirtschaftlichen Lage auf die aligemeine Lebenshaltung hinausschieben oder zum Teil verhindern. Das deutsche Volk wird auch dieses auf sich nehmen in dem festen Willen, sein Lebensrecht zu sichern und in dem Bewußtsein seiner' friedlichen Gesinnung.« Wie weit oder besser wie lächerlich wenig die Erhöhung der Körperschaftssteuer zum Ausgleich der Kosten für die neue über-mlll- taristische Manipulation des Regimes beitragen kann, hat Richard Kern in diesen Spalten bereits überzeugend klargestellt. Gerade weil sich aber Hitler im Zusammenhang mit der neuen riesigen Last, die er dem deutschen Volkskörper durch die zweijährige Dienstzeit zuschob, jenes ganz und gar und aucsc'i'.ießlich demagogisch gemeinte Steuerkunststück leistete, ist die Annahme allzu bor cht' gt, daß die wirkliche Lastenaufbrin- gung so gut wie völlig den geduldigen Schul- Bildungsarbelt »Reichen Gehalt und rege Beteiligung wiesen die 86 In Ostpreußen durchgeführten wissenschaftlichen, kulturellen und politischen Vorträge der NS-KuIturgeraeinde auf. Um nur einige Namen der Vortragenden zu nennen: Der Vorkämpfer der nationalsozialistischen Kulturpolitik, Direktor der staatlichen Kunsthochschulen Weimar, Mitglied der Akademie der bildenden Künste und des Bauwesens, Professor Dr. Schultze-Naum- hurg, sprach über das Thema:»Kunst und Rasse«. Auch im kommenden Winter werden wir wieder Wolfgang Dieterwege, den zum Guten angewendet werden, sondern der Mißbrauch des Kapitals, der eben Kapitalismus genannt wird. Treten Sie der NSV bei, die in die nun einmal vorhandenen Unebenheiten des menschlichen Einkommens und der menschlichen Güterverteilung wenigstens einen gewissen Ausgleich bringen will.« Der Leser denkt an die steigenden Preise, die sinkenden Löhne, die Milliarden der Krupp, Thyssen, der Erzherzöge, der großen Hyänen des Schwerkapitals, die in Hitlerblättern immer wieder als Förderer des Vaterlandes angepriesen werden— und schüttelt über diese Unebenheiten den Kopf. Da hat sich der»Völkische Beobachter« jüngst mit ' einem kesseren Dreh aus der Schlinge gezo- Es bleibt immer amüsant, zu sehen, wie gen. Er antwortete; Kapitalismus sei die sich die Nazipressc dreht und windet, wenn Uebcrschätzung von Kapitalsmassen, also eine sie obige Anfrage zu beantworten hat. Im materialistische Verirrung; da die Marxisten Abteilungsleiter im Reichsamt für Volksaufklärung und Sonderberichterstatter des »Völkischen Beobachters«, der über»Die Juden als Träger der internationalen Greuelpropaganda« sprach, begrüßen können. In 84 Veranstaltungen unterrichtete der Leiter des Instituts zum Studium der Freimaurerei, H. Friedrich- Hasselbacber, seine Hörer in ganz Ostpreußen über»Die Geheimnisse des Weltfreimaurertums«. (»Preußische Zeltung« Nr. 238.) llnebenhelten Was ist Kapitalismus? Briefkasten des Königsberger Naziblattes geschieht das so; »Solche Verhältnisse, die den Reichen immer reicher machen und den Armen immer ärmer, die die unglaublichsten Unterschiede in der Einkommensverteilung fördern und Raubbau mit der Arbeitskraft treiben, den Arbeitswert stetig senken, nennen wir Kapitalismus. Nicht das Kapital an sich ist schädlich, es kann ja auch Anbeter des Materialismus seien, so seien sie mithin die eigentlichen Vertreter des Kapitalismus. So spaßig geht das da drüben zu, und man versteht, warum sich etliche Leser das Vergnügen machen, die braunen Blätter immer wieder mit der gleichen peinlichen Frage zum Stottern zu bringen. Ali Ben Konfuslus 400 Zauberer sind in München zum »ersten Weltkongreß der Magier und Zauberer« eingetroffen, der vom 18. bis 21. September tagte. Als Veranstalter zeichnet der»Deutsche magische Zirkel«, eine Gruppe der»Reichsfachschaft Artistik«. Die deutsche Presse berichtet über den Kongreß in großer Aufmachung.— Wir beginnen unseren Bericht mit der Eröffnung durch den greisen Nestor der Zauberer. Nestor der Zauberer: Meine Herrschaften, es ist mir eine Freude, daß ich unseren ersten Kongreß im klassischen Lande der Zauberei begrüßen darf. Hier kann sich der Mensch vor Magie nicht retten, hier ging in den letzten Jähren nichts mehr mit rechten Dingen zu. Hier wurden sechs MU- lionen Arbeitslose mit einigen Federstrichen weggehext, hier wurde mitten im rasenden Wechsel der Zeiten ein tausendjähriges Reich erzaubert, hier wurden arme Leute in reiche, Germanenführer in Schrumpfarier, Christus in Wotans Sohn, Kinder in Kriegsknechte verwandelt Aber wir wollen nichts von Politik hören, sondern von 2�.uberei und schwarzer Kirnst. Darum wird einer unserer Obermagier aus den fernen Ländern des Euphrat uns hier durch einige echt orientalische Experimente verblüffen. All Ben Konfusius, treten Sie bitte hervor!(Das Orchester schmettert einen Militärmarsch.) Ali Ben Konfuslus(dunkle Toga, dunkle Kappe, dunkles Haar, ostische Mischrasse, ununterbrochen redend); Meine verehrten Freunde, ich führe Ihnen hier einige meiner unerreichten phänomenalen grands Originalgroßtricks vor. Sie sehen, ich habe nichts in den Taschen.(Dreht sie nach außen.) Passen Sie auf...(Geht murmelnd umher:»Ich rette Euch vor der Anarchie, ich bin Euer Erlöser, ich lasse Milch aus Steinen fließen, ich mache Gummi aus Eichelkraut und la Kunstwolle aus Gras...«(Greift dabei mehrmals in die Luft.) Sehen Sie meine Taschen, Herrschaften, sie platzen bereits! (Kehrt die Taschen abermals um, Geld, Notenbündel, Schecks fallen heraus.) Welter Freunde, vierzehntausend Jahre Verbrechen lasten auf uns. Hier sehen Sie eins der Etablissements, in denen sie begangen wurden.(Auf dem Tisch im Hintergrund erscheint ein großes Pappegebäude.) Hier war der Hort zügelloser Freiheit. Passen Sie auf, ich verhülle mein Haupt, ich sehe nichts, ich weiß nichts, Ich habe nie was gewußt, ich kann für nichts, passen Sie auf (Dunkel, Blitz, Donner, dann wieder hell, das Gebäude in lodernden Flammen, ein Mann springt aus dem Feuer, hält ein Büchelchen in den Händen), Sehen Sie, das Etablissement der Zügelloslgkelt brennt, ein Mann sprang heraus und was hat er unversehrt und unverbrannt in den Händen? Ein anarchistisches Mitgliedsbuch____ Eilen wir, Herrschaften, vierzehntausend Jahre Verbrechen wollen weggezaubert sein. Sehen Sie, hier kommen zwei streitende Männer auf die Bühne, gut angezogen der eine, schlecht hingegen der andere. Hören Sie. wie kulturlos sie streiten? Achtung!(Dunkel, dann hell, beide Männer stumm, jeder ein Vorhängeschloß vorm Munde und die Hände gefesselt.) Sehen Sie, Herrschaften, die beiden streiten nicht mehr, sie sind friedlich, sie würden sich die Hände reichen, wenn sie nicht geknebelt wären, würden sich friedlich gegen tausendjährigste Reiche verständigen, hinderte sie das Schloß nicht. Das, Freunde, nennt man Klassenversöhnung und Volksgemeinschaft... Die Welt strotzt von Kampf, die Welt strotzt von Streit. Das Vogelmännchen sitzt am Nestrande und wehrt mit dem Schnabel die Feinde ab.(Im Hintergrunde taucht der Friedensengel auf.) Sehen Sie hier dieses blasse, blutarme Geschöpf? Diese Unterernährung bezog es direkt aus jenem Hort anarchischer Freizügigkeit, welcher vorhin ohne mein Wissen abbrannte. Ich berühre das arme Geschöpf—— was sehen Sie in meinen Händen? Schon habe ich die Goldplomben aus den Zähnen des armen Dingelchens in meine Finger gezaubert, jetzt berühre ich es abermals(Konfusius tritt zur Seite), was sehen Sie?(An Stelle des Friedensengels steht da eine martialisch-barbarische Gestalt mit Gasmaske, bis an die Zähne bewaffnet und kreischend:»Ich bin der neue Frieden— sofern Ihr mir Untertan seid! Ich bin das friedlichste Geschöpf— sofern ich nicht gereizt werde! Ich will den Frieden der ganzen Welt— ausgenommen einige Länder, die jedem Friedlichen längst ein Dorn im Auge sind!«—(Dunkel. Hell. Die Erscheinung ist verschwunden.) Und nun, erscheine Du, mein Paladin Fridolin.(Im Hintergrund der Bühne steht ein Uniformierter, salutiert, knallt die Haken zusammen:»Heil Konfusius, Deine Fridoline hören.«) Sehen Sie meine Herrschaften das kleine Auto hier in meiner Hand? Es gehört einem namenlosen Besitzer. Jetzt streiche ich mit der Hand durch die Lüfte, das Auto ist verschwunden. Wo ist es, mein Freund Fridolin?(Fridolin zieht das Auto aus seiner Tasche. Konfusius führt Ihn in den Vordergrund, bringt unglaubliche Schätze aus Fridolins Taschen: Aktienpakete, Geld in Mengen, kleine Rittergüter, Banknotenbündel.) O Wunder, Freunde! Arm und mit leeren Taschen, wie ich, kam er auf die Bühne,— in einen Millionär verwandelte ihn meine Kunst. Und nun, mein Paladin, pilgere durch die Reihen des Publikums und zeig, was wir können.(Fridolin streicht durch die Zuschauer- reihen, macht gelegentlich Halt, klopft da und dort einem auf die Schulter, schlendert wieder zur Bühne.) Jetzt, Herrschaften, betasten Sie sich. Fehlt ihnen nichts?(Rufe: Meine Uhr!— Meine Brillantnadel!— Meine Börse! — Mein Portefeuille!— Mein ganzes Vermögen!— Meine letzten Spargroschen!) Achtung, Herrschaften, keine Bange, alles ist in Fridolins Taschen.(Bringt wiederum einen Berg von Schätzen aus Fridolins Uniform.) Kommen wir zum Schluß, Freunde. Wollen Sie mir und meinem Paladln diese Schätze schenken? Ich mache eine Handbewegung — und schon flattern Stimmzettelchen vom Plafond. Nehmen Sie einen Bleistift und notieren Sie auf je einen Zettel die Antwort auf meine Frage, schreiben Sie j a oder nein. Wiederum verhülle ich mein Haupt(schlägt den Mantel über den Kopf), Fridolin aber wird die Zettel sammeln.(Der Uniformierte geht mit einem Zylinder durch die Zuschauerreihen, die ihre Taschen krampfhaft Deutsdher Stoßseufzer Lieber Gott, laß mich wieder endlich human werden! In Berlin ist aus der Feder von Elisabeth Meyn von Westerholz dieser Tag ein Buch erschienen mit dem Titel»Der Allgemeine Deutsche Lehrerinnenver- ein in der Geschichte der Deutschen Mädchenschulbildung«. Der Verein, der sich gleich zu Anfang der Hitlerei radikal und devotest gleichgeschaltet hat, obwohl er einmal eine Helene Lange zu seiner Führerin und eine Gertrud Bäumer zur prominentesten Mitarbeiterin zählte, feiert nämlich sein dreißigjähriges Bestandesjubiläum. Elisabeth Meyn von Westerholz, die Ver- einshistoriographin, bekennt sich in diesem ihren Buch zu der unerhört ketzerischen Ansicht— wir zitieren wörtlich—: »daß die Humanität immer eine Zeit lang der spartanischen Kraftbildung werde weichen müssen, wie der Reichtum und die' Freiheit individueller Gestaltung der Wucht j und Macht eines geschlossenen Volkes, j Uns will es scheinen, als ob nach, Jahren herben Kampfes diei Menschlichkeit nach dem Ur-i bild der Mütterlichkeit von neuem Achtung und Geltung unter uns gewinnen sollte.« Also hat man die Menschlichkeit und das Vorbild der Mütterlichkeit einmal preisgegeben— das Eingeständnis allein ist schon interessant genug! Fragt sich nur, was der Göbbels dazu zu sagen hat.., Zum tausendjährigen Bestandsanspruch des Nationalsozialismus scheint uns allerdings dieses pater peccavi der deutschen Erzieherinnen nicht ganz zu passen, wenn man jetzt schon, nach gerade dreieinhalb Jahren, die Nase so voll von ihm hat. Professors Sdiwanengesang E. Brandenburg der le�te NatfonallSberale Kühne, gefaßte Wörder... Der»Fortschritt« seit dem Mittelalter. Im»Westdeutschen Beobachter« liest man in einer Schilderung mittelalterlicher Gottesgerichte folgenden Passus; »Schon aus der Nibelungensage ist uns das Bahrrecht bekannt, eine erschütternde Art von Gottesgericht, das über den des Mordes Verdächtigen abgehalten wurde. Er mußte an die Leiche herantreten, sie berühren und dabei in einer Formel seine Unschuld beteuern. Kam er dabei ins Stottern oder wechselte er die Farbe, oder veränderte sich gar das Aussehen des Leichnams, dann war er dem Henker verfallen, wenn noch so vieles für seine Unschuld sprach. Kühne( gefaßte Verbrecher schnitten bei diesem Schauspiel natürlich am besten ab. Eine Welt trennt uns heute von diesen menschenmordenden Ausgeburten einer epidemischen Geistestrübung, von der auch politisch keine Volkserneuerung zu erhoffen war.« Wirklich: eine»Welt«? Die Volkserneuerung des Dritten Reiches hat bewiesen, daß der Phantasierccchtum zur Vernichtung menschlicher Existenzen über die mittelalterlichen Maßstäbe hinaus nicht unerheblich erweiterungsfähig ist. Kühne, gefaßte Verbrecher schneiden heute vor den Leichen Ihrer Opfer zweifellos noch viel besser ab als ihre Vorläufer. Sic haben die Möglichkeit, Morde unter dem hellen Jubel In der»Historischen Vierteljahresschrift«(letzte Ausgabe) befindet sich die folgende»Erklärung« des Herausgebers: »Ein in Luzem erscheinendes Emigran- tenorgan, genannt die»Deutschen Briefe«, hat die Behauptung verbreitet, daß em früherer Versuch Walter Franks, sich in Leipzig zu habilitieren, gescheitert sei, und läßt durchblicken, daß die bevorstehende Auflösung der»Historischen Vierteljahresschrift« die Rache Walter Franks an mir darstelle. Diese Behauptung ist völlig unwahr. Walter Frank hat niemals den Versuch gemacht, sich in Leipzig zu habilitieren, und ich habe niemals versucht, ihn an einer Habilitation zu hindern. Professor Frank ist mir bis zum heutigen Tage unbekannt. Was die»Historische Vierteljahresschrift« angeht, so ist ihre Vereinigung mit der»Historischen Zeitschrift« von selten des Reichswissenschaftsministeriums angeregt worden, und zwar aus dem sachlichen Grund, weil man dort e i n großes Zentralorgan der deutschen Geschichtswissenschaft für praktisch zweckmäßig hielt. Die Verhandlungen darüber haben aber bis jetzt zu keinem Ergebnis geführt. Der Vorschlag des Reichswissenschaftsministeriums war verbunden mit der Einladung an mich, mich an der von Karl A. von Müller übernommenen»Historischen Zeitschrift« als Mitarbeiter zu beteiligen. Die Versuche reichsfeindlicher Zeitungen, die Verhandlungen Uber diese Frage durch Ausstreuung von Lügen und Verleumdungen zu vergiften, werden an dem Geist| gegenseitiger Achtung und gemeinsamer deutscher Gesinnung, welche beide Verhandlungsteile beseelt, scheitern. Erich Brandenburg.« Man müßte schon sehr stumpfe Sinne haben, um nicht herauszufühlen, daß da wieder ein echtes deutsches Professoren-Trauerspielchen hltler-epochaler Fasson sich abhaspelt. Der Delinquent ist Herr Erich Brandenburg, den jetzt der Herr»Reichswissenschaftsminister« unter Kuratel stellen will — ein Plan, gegen den zwischen den Zeilen zu remonstrieren und eventuelle Hilfe von auswärts(etwa gar von Herrn Seeckt oder Fritsch?) zu reklamieren wohl auch der Zweck, wahrscheinlich sogar der Hauptzweck dieser»Erklärung« sein dürfte... In Leipzig war Herr Brandenburg das letzte akademische Petrefakt des Nationalliberalismus gloriosen Angedenkens! So lange Karl Lamprecht noch am gleichen Ort wirkte und lehrte, der immerhin noch die starke Begabung für sich sprechen lassen durfte, blieb Brandenburg im Hintergrund. Aber dann kam der Krieg! Für Leute ä la Brandenburg war nun große Konjunktur, wie nie zuvor! Als Manager und Einpeitscher der berüchtigten»Vaterlandspartei«, der Deutschland zwei volle Drittel der Schuld an seiner Niederlage und drei Drittel der Schuld am Versailler»Schmachfrieden« verdankt, sprang der Herr Professor zur Zeit der Debatte über den»Verschärften U-Bootkrieg« mit beiden Gelehrtenbeinen auf einmal in die hohe Politik... Aber er wäre eben kein Nationalliberaler von ganzem Schrot und Korn gewesen, wenn er nicht nachher, in der Republik nämlich, dennoch wieder den berühmten»Boden der Tatsachen« unter dem Sitzfleisch erwischt hätte. Sie bestand noch keine drei Jahre, diese geduldige Republik, und Herr Brandenburg trug seine Bestallung zum historischen Offiziosus von Weimars Gnaden in der Tasche: man vertraute ihm die diplomatischen Vorkriegsakten, das Archiv des Auswärtigen Amtes an. Herr Brandenburg, der neuen Aufgabe unverzagt ins Auge sehend, wußte es jetzt zu fügen, daß seinem früheren»einerseits« der natürlich völligen Unschuld Deutschlands am Kriegsausbruch jetzt ein— zwar nicht ganz so lautes— andererseits« schnöder kaiserlicher Randbemerkungen, Bülowscher Hasardimprovisationen. Tirpitzscher Explosiv-Intrigen folgte. Nur so konnte es dann freilich, nur durch ein widriges Geschick, passieren, daß ein Mann wie Brandenburg den rechtzeitigen Anschluß ans Dritte Reich eigentlich verpaßte. Was Franz Seldte in der vaterländischen Praxis wurde, wurde Herr Erich Brandenburg in der vaterländischen Theorie: erschlagen von den Geistern, die er selbst gerufen hat! H. E. ihrer Anhänger für»rechtens« zu erklären, freilich nicht in einer»epidemischen Gedstestrilbung«, sondern ausgerüstet mit allen Machtmitteln moderner rationalisierter Technik. Der Bcnzin-B'ubo HUhnleins Erzählungen. Korpsführer Hühnlein ist zum Ehrenführer der Motor-Hitlerjugend— auch das gibt es im Hinblick auf die Schulung für den Emstfall!— unter vielen Beglückwünschungen und Danksagungen ernannt worden. Der also Ausgezeichnete hielt /eine Ansprache und sagte: »Ich stehe zur Jugend«, so fuhr er fort, »ihr gehört mein Herz. Auch bei dieser Gelegenheit will ich betonen, daß ich in der motorsportlichen Schulung nicht etwa nur ein technisches Problem erblicke, sondernvorallem die Möglichkeit, der Jugend gesteigerte geistige undsittliche Kräfte zu geben. So wird es immer mein Bestreben sein, die inneren Herzensund Gemütswerte der deutschen Jugend zu wecken und zu lösen.« Wenn der Motor knattert, wenn das Gas pufft, wenn das Gel stinkt, dann werden die geistig-sittlichen Kräfte der motorisierten Hitlerjugend endlich aus den Niederungen des einfachen Fußmarschlebens befreit. Jede Dreckwolke ins Gesicht ordinärer Straßenpassanten entzündet frische Herzens- und Gemütswerte und steigert das Bewußtsein der Volksgemeinschaft. Der überraggefide Gesiditspunkt In der»sozialpolitischen« Zeitschrift der Hitlerjugend—»Das Junge Deutschland«— veröffentlicht der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, Dr. Syrup, einen Aufsatz, in dem er bekennt: »Es unterliege keinem Zweifel, daß die Einführung der allgemeinen Wahrpflicht den Mangel an Facharbeitern verstärkt habe, und es sei mit Sicherheit zu erwarten, daß die Verlängerung der Dienstzeit auf zwei Jahre in gleicher Richtung wirken werde. Andererseits sei die Wehrhaftmachung ein überragender Gesichtspunkt, der alle Wünsche des Arbeitseinsatzes zum Schweigen bringen müsse.« Gerade im Kriegsfall könnten die»Wünsche des Arbeitseinsatzes« allerdings peinlich laut werden. Aber wenn Blomberg das nicht kapiert— was geht's den Syrup an? -(-++— »Verwirrend« Ein leises Gemecker »Wir dürfen nicht die Augen davor verschließen, daß jeder, der nach einer geglückten Revolution einen neu geschaffenen Zustand mit allen Mitteln festhalten möchte, well er ihn gefördert, ihm A n n e h m- lichkelten gebracht hat, auch wenn er sich noch so oft»revolutionär« nennt, auf die Dauer zum verkalkten Konservativen werden kann und obendrein in die Gefahr gerät, andere, die im Gegensatz zu ihm die logische gesunde und organische Entwicklung im Staate weiter fördern wollen, womöglich als»reaktionär« zu verdächtigen. Eine solche Begriff svei-wirrung könnte nur schaden, denn sie käme dem Zyniker, dem geschickten Jongleur mit Massenschlagwor- ten am meisten zugute. Dann fehlte nur noch, daß eine verwirrende Auslegung des Begriffes»Führer« der öffentlichen Meinung eingespritzt würde, die die kraftvolle Persönlichkeit mit dem»Inhaber der äußeren Machtmittel verwechselte!«(»Deutsche Wochenschau«.) Ein Orden mehr Der Reichsnährstand hat eine Kartoffelkäfer-Ehrennadel herstellen lassen, die jedem verliehen wird, der auf einem Kartoffelfelde den ersten Käfer, die erste Larve oder das erste Eigelege findet. Deutsche Pressemeldung. chen. Steigt mit gefülltem Zylinder wieder zur Bühne. Konfusius taucht aus dem Mantel empor.) Merken Sie auf, Herrschaften. Ich fasse den Zylinder, ich blase hinein, ich stülpe die Zettel in einen zweiten Zylinder, Ich schütte sie wieder in den ersten zurück —— und nun, Herrschaften, wieviele von Ihnen schrieben nein?(Alle Hände fliegen hoch. Konfusius sieht erstaunt in die Runde.) Sie leiden an Gedächtnisschwund, meine Freunde. Nahezu alle Zettel lauten auf j a, (Wirft die Zettel ins Publikum.) Ja, Uberall ja. Selten nur ein Nein. Keine 3 Prozent nein!(Donner, Blitz, Konfusius und Fridolin sind verschwunden. Dafür steht der Nestor wieder oben.) Nestor der. Zauberer: Nach den vorzüglichen Produktionen unseres teuren Ali Ben Konfusius kommen die diabolischen Bluffs unseres Kollegen Josefas Abrakadabra, der uns zeigen wird, wie ein Füllfederhalter auf Kommando alles schreibt, das Josefas ihm zuraunt, und wie--- Verzweifelte Stimmen aus dem Publikum: Und unsere Börsen?— Mein Portefeuille?— Meine letzten Spargroschen 7— Die Schätze, die Fridolin aus unseren Taschen auf die Bühne schleppte? Wo sind sie? Nestor der Zauberer: Das, meine Herrschaften, dürfte dem großen Experiment geweiht sein. Denn All Ben Konfusius Ist auch insofern ein ungewöhnlicher Zauberer, als das Weggezauberte in die Taschen seiner Besitzer nie zurückkehrt.(Gemecker des Publikums verschlingt die weiteren' Worte.) Bruno Brandy. Der vergcblidie Kampf Kommt dem Meckerer zart entgegen.... Das SS-Organ fordert eine humanere Verfolgung der Miesmacherei. Nörgelei und Ge- rüchtmacherei habe es immer gegeben und man solle dagegen mehr Humor aufbringen. statt Staatsaktionen einzuleiten: »Man sollte einmal eine genaue Statistik darüber machen, wieviel Anklagen auf Grund von Denunziation und persönlicher Rachsucht zustande kommen. Irgend jemand erzählt am Skattisch — nur um mit seiner Kenntnis zu prunken— einen nicht ganz sauberen politischen Witz. Alle nehmen es ohne Widerspruch zur Kenntnis. Nachher entsteht darüber, wer die Runde zu bezahlen hat oder aus sonst einem persönlichen Anlaß ein Streit: und nun wird dem anderen»eins ausgewischt«. Schon ist der»Staatsfeind« fertig. Die Nachfrage bei der Polizei vor Erhebung der Anklage will der betreffende Beamte natürlich so beantworten, daß nicht der Eindruck entsteht, als habe er nichts gemerkt. Also steht in dem Bericht— es handelt sich etwa um einen Bauarbeiter—: »war bis zum Jahre 1933 in marxistischer Gewerkschaft organisiert und gilt als nicht ganz zuverlässig.«(Welcher Bauarbeiter war denn bis zum Jahre 1933 nicht freigewerkschaftlich organisiert?) Der Witz war nun wirklich nicht ganz einwandfrei. Und schon nimmt das Geschick seinen Gang.« In solchen Fällen müßten alle Beteiligten darauf hinwirken, daß nicht die ganze Schärfe des Gesetzes zur Anwendung gelange. Denn: »Es wird durch zu scharfe Verfolgung mehr geschadet als genützt, denn bei harter Strafe wird der Sünder nur verstockt, der ganze Verwandten- und Bekanntenkreis mit beeinflußt und schließlich wirklich ein Staatsfeind daraus, während es sich bisher nur um eine dumme Aeußerung gehandelt hat. Ein kleiner Denkzettel in Form einer Geldstrafe wirkt viel erzieherischer.« Wo es sich aber um»einen allgemein verbreiteten Unsinn« handele, da sei das beste Mittel nicht die Strafe, sondern die Aufklärung: »Und hier sitzt der Kern des Problems. Wir wollen nie vergessen, daß der Nationalsozialismus im letzten Volksgenossen verankert werden muß.« Schenken wir ihnen auch diese»Verankerung«, sie gehört nun einmal zum Hltlerschen Kauderwelsch, fragen wir lediglich, warum es ausgerechnet das»Schwarze Korps« plötzlich mit der Milde zu tun kriegt! Noch vor einem Jahre konnte man in denselben Spalten ganz andere Töne gegen die»Miesmacher« lesen. Aber inzwischen ist die Mek- kerei beträchtlich gewachsen und man muß die meisten Meckereien laufen lassen, weil sie sich in Form und Inhalt dem Terrain zu seur angepaßt haben. Man weiß mit den Massendenunziationen nicht mehr viel anzufangen, sie nehmen vor Gericht zu breiten Raum ein. Indes die Meckerei weiter blüht und gedeiht. Darum macht die SS-Zeitung aus der braunen Not eine Tugend, kokettiert plötzlich mit der Humanität und fordert andere Methoden. Die»Miesmacherei« hat einen Sieg erfochten. Heinzes Pläsiermuse Ein neudeutscher Kulturspiegel. Heinz Steguweit, einer der Allerobersten In der braunen Schreibergarnitur, ist Feuilletonleiter des»Westdeutschen Beobachters«. Hier hat er eine Rubrik eingerichtet: Kulturelle Miniaturen. Lesen wir, was der wiederholt Preisgekrönte unter»Kultur« versteht: Rheinischer Wandteller »Wer das Küssen im Dunkeln versteht, Der pfeift auf Gas und Elektrizität—!< Vom Moselwein »Und wenn ein junges Ehepaar Sehnsüchtig harrt des Erben, Die Hoffnung stets vergeblich war, Vor Kummer möchte sterben; Trink Moselwein, das nützt und frommt! Probatum est— Der Erbe kommt.« Höfliche Bitte Man wolle die Bezeichnung»Maltre de plaisir« für einen unterhaltsamen Gesellschaftslöwen doch abschaffen. Für seine Ehefrau ist es nämlich kein Vergnügen, logischerweise dadurch zur »M aitresse de plaisir« zu werden.• Durch diese Auswahl, die, wie es stets am Ende heißt,»im übrigen fortgesetzt« wird, wird bestätigt, was wir längst wußten: daß für Heinz Steguweit die deutsche Literatur eine Maitresse de plaisir ist. Sie gibt sich diesem Löwen des Geistes willig hin und er verdient dabei nicht schlecht. So lange ewig» als... Auf der Sondertagung des N S- Studentenbundes in Nürnberg sagte Göbbels: »Es hängt von der Lösung dieser Nachwuchsfrage die Erhaltung der Idee ab, denn Ideen währen nur ewig durch die Menschen, die sie vertreten, und darum wird die nationalsozialistische Idee so lange ewig sein, als es Nationalsozialisten gibt.« Die Ewigkeit des Herrn Propagandaministers hat also immerhin Ihre Grenzen. Alltag im Buchdruckgewerbe Rätselhafte Staatskonjunktur Der Hauptschlager des Nürnberger Parteitags war wiederum ein Vierjahresplan, der sich im Wesen von seinem Vorgänger kaum unterscheidet. Erst hieß es Arbeitsbeschaffungsplan und diesmal soll durch die Schaffung der Ersatzrohstoff- Industrien ebenfalls für die bald freiwerdenden Arbeitskräfte aus der Rüstungsproduktion Beschäftigung geDrohender Zusammenbruch Kurzberichte über Deutschland Die Hauptvereinigung der deutschen Viehwirtschaft hat angeordnet, daß vom 31. August bis zum 21. September 1936 die gewerbliche Herstellung von Rohwurst, ausgenommen Streichmettwurst nach Braunund nicht weniger, als einen Einkommensverlust für die einzelnen von 100 bis 400 schweiger Art und das Pökeln und Spritzen RM. Wir können durchaus verstehen, wenn von Schweineschinken unterbleibt. die Gefolgschaft über diesen» neuen Anfang« alles andere als erfreut ist.<< führer, der zum Beispiel zwei Handtücher, ebensoviel Wäschegelegenheiten und für 150 Frauen 4 Toiletten für durchaus in Ordnung findet. Das ist wohlgemerkt für die Gefolgschaft, während auf der anderen Seite, der des Betriebsführers 1 HandIn Nürnberg wurde versichert: Die letztuch, 1 Waschbecken und 1 Toilette eben- ten Reste liberalistischen Denkens sind ausfalls durchaus in Ordnung gehen.<< gerottet worden.<< Für die Bewunderer von Das ist die viel gerühmte> soziale Ehren- Nürnberg, die sich etwa vom zweiten Vierschaffen werden. Zur Begründung der Roh- pflicht<< der Nazi- Betriebsführer. In Nürnberg jahresplan mehr versprechen sollten, als vom stoffschlacht« schreibt die Arbeitsfront: » Dazu zwingt uns die Tatsache, daß eine wesentliche Steigerung des Bodenertrags nicht möglich und eine wesentliche Steigerung des Exports in absehbarer Zeit kaum möglich ist.<< wurde erklärt: So was hats in Deutschland nur in jenen >> herrlichen Zeiten« gegeben, in die einst Wilhelm II. das Volk hineingeführt hat! Die Nazis sind gezwungen ihre Kriegswirtschaft schon vorher zur Einführung zu bringen. * ersten, seien noch einige Bilanzzahlen bei- Die Zahl der Betriebsunfälle im >> In unserem Reich gibt es keine Ar- gefügt, die wir gleichfalls dem» Korrespon- deutschen Einzelhandel hat in den beitgeber und keine Arbeitnehmer mehr, dent<< entnehmen. wir kennen nur noch Arbeitsbeauftragte.<< daß durch die 1934 1935 1936 • • 1. Vierteljahr 2.Vierteljahr 6503 5890 9 6760 6707 7669 7407 8415 7957 . . letzten Jahren eine beträchtliche Vermehrung Die Stuttgarter Vereinsdruckerei verzeich- erfahren. Sie betrug im: Die Berichte aus den Einzelgewerben geben net einen Verlust von 17.778 RM, der Verlag Der Glaube, durch eigene Ersatz- Rohstoff- ferner Auskunft, wie sich sozialpolitisch der> Germania« in Berlin hat nach Abschreibung 1933 erzeugung genügend neue Arbeitsmöglich- Besitzwechsel der Betriebe im Dritten Reich der alten Schulden in Höhe von 110.000 RM keiten zu schaffen, wird bereits unmittelbar vollzieht, der gewaltsame einen Neuverlust von 42.900 RM erlitten. nach dem Parteitag von dem Reichswirt- Entfernung jüdischer Inhaber Der Gesamtverlust wird in der neuen Bilanz schaftsminister Schacht selbst erheblich er- besonders häufig geworden ist. Man müßte mit 103.626 RM angegeben. Die Deutsche schüttert. Der ihm nahe stehende» Deutsche annehmen, reinrassige nordische Be- Zentraldruckerei in Berlin hatte einen VerVolkswirt<< stellt fest, daß große» technische triebsführer ganzen Ehrgeiz darein lust von 55.000 RM. Schwierigkeiten« für die Durchführung des setzen, vorbildliche freiwillige soziale Lei- Die außerhalb der Rüstungsproduktion Programms bestehen, weil es an den dazu stungen und den echten» Leistungslohn« ein- stehenden Gewerbe geben heute bereits ein nötigen Rohstoffen und Kapitalien mangelt. dürfen von den Bild von der Wirklichkeit der Wirtschaft im Der alte und der neue Vierjahresplan zei- Nürnberger Festtagen keine Folgerungen auf Dritten Reich, die Rüstungsbetriebe haben das und älteren Kinder von Familien, die gen dasselbe Experiment. Ohne an den kapi- den grauen Alltag gezogen werden. Natür- gleiche Schicksal zu erwarten, wenn der Be- Erwerbslosen- oder andere Unterstützung betalistischen Grundlagen der deutschen Wirt- lich bringt der arische Neuling sofort eine darf der Wehrmacht befriedigt sein wird und ziehen, zwangsweise an die Bauern Betriebsordnung, aber schaft rütteln zu dürfen, soll der kapitalisti- neue die das Gespenst der Arbeitslosigkeit sein Unheil zur Verrichtung von Landarbeit ihren zuführen. Aber auch hier Im Jahre 1932 hatte die Zahl der Betriebswar sie auf unfälle 26.095 betragen. 1935 32.434 gestiegen. Im Kreis Jerichow II werden die Frauen sche Konjunkturrhythmus durch einen Vier- Freude darüber, wird, wie der» Korrespon- verbreitet. Der Vierjahresrhythmus, in dem die verschoben.> Frauen, die zu schwereren jahresrhythmus der künstlichen Staatskon- dent« schreibt, gründlich versalzen, wenn die Pläne zu Papier gebracht werden, ist zwar Arbeiten nicht herangezogen werden können, junktur abgelöst werden. Die Nazipresse kom- Gefolgschaft erfahren muß, ein williges Objekt für den Nazi- Rundfunk, finden im Haushalt oder für Arbeiten auf den mentiert,» eine Konjunktur lebt >> daß mit der Einführung der neuen Be- aber nur vom er beschleunigt den wirtschaftlichen Höfen Verwendung.<< Die Aktion soll noch triebsordnung auch» neuer Anfang« Niedergang. Beim ersten Vierjahresplan konn- ausgebaut werden. So sollen bei der KartoffelWillen des Staates, also immer.<< Merkwürdig für die Entlohnung gemacht werden bleibt nur, daß die Männer vom» deutschen soll. Der>> neue Anfang« bedeutet, daß die ten seine Erfinder noch hoffen, die von der ernte, die armen unterernährten Kinder zum Sozialismus« den Staatswillen sofort wieder Löhne auf den Tarifmindestlohn Republik übernommene Wirtschaft notdürftig Kartoffelroden herangezogen werden. an das Profitsystem des Kapitalismus anpasherabgesetzt werden. Gefolgschafts- zu erhalten, beim neuen Vierjahresplan geht Frondienste und Ferienraub an mitglieder, die 10, 15 Jahre lang im Besen, wenn es sich um den Lohn handelt. Die es, wie die Nürnberger Proklamation besagt, Kindern, das ist die Sozialfürtriebe, am gleichen Arbeitsplatz, den sie sog. Lohnstabilisierung wurde bereits im er- auch beim neuen Betriebsführer beibehal- um» Sein oder Nichtsein«. Das Dritte Reich sorge der Nationalsozialisten! sten Vierjahresplan peinlichst durchgehalten. ten, tätig sind und die sich durch Treue soll vor dem drohenden wirtschaftlichen Zuund Leistung den Leistungslohn erworben sammenbruch gerettet werden, Seit Nürnberg 1936 ist jede Steigerung der das ist das Behutsam haben, sollen bei gleichbleibenden AnfordeReallöhne in unabsehbare Ferne gerückt. Rätsel des Parteitags von Nürnberg und nicht rungen diesen Leistungszuschlag zum MinDem Unternehmertum wird durch> politi- destlohn verlieren. Das bedeutet nicht mehr das einzige. schen Befehl« eine Binnenkonjunktur verabreicht, für den Lohnarbeiter dagegen gelten weiter die privatkapitalistischen Wirtschaftsgesetze von den Gestehungskosten. Die sog. Wirtschaftsbelebung reicht auch nicht weiter, als der Arm dieser Staatskonjunktur. Gewerbe, die nicht mit Rüstungswechseln beglückt werden können, stehen außerhalb der Vierjahrespläne. So zeigen die sehr spärlichen Berichte der Reichsbetriebsgemeinschaft für das Buchdruckgewerbe bei aller Vorsicht der Formulierung einen ständigen Niedergang. Der Korrespondent« schreibt im August vorsichtig: > Im allgemeinen lassen die Berichte für das graphische Gewerbe nach den ersten Monaten des Jahres eine gewisse Stockung erkennen.<< > Im Berliner Buchdruckgewerbe war der Auftragseingang mäßig, teilweise sogar abnehmen d. Auch die Lage der sächsischen Druckereien war nicht günstig. Die Betriebe waren, nach wie vor, nur zu etwa 45 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit beschäftigt.<< Die September- Ausgabe teilt mit, daß für Berlin die Arbeitsgelegenheit infolge der Olympiade vorübergehend günstiger gewesen ist. Dagegen waren nach dem Bericht der Reichsarbeitlosenanstalt am 31. Juli 1936 noch 17.349 Arbeitslose vorhanden. > In Pommern blieb die Lage ungünstig.. in der Nordmark war es in den Sommermonaten ruhig... Auch in Niedersachsen kam es nur vereinzelt zu Neueinstellungen. Im Rheinland trat keine wesentliche Veränderung ein. Ebenso war der Geschäftsgang in Hessen still. In Mitteldeutschland ergaben sich bei sonst ruhiger Lage vereinzelt Vermittlungen.<< Auch die weiteren Berichte reden von >> schwankend«,» wenig verändert«,» geringe Entlastung usw. Allgemein wird schließlich über> gewisse Schattenseiten« im Gewerbe geschrieben: » Die Erfahrungen der letzten Jahre beweisen, daß die Betriebsführer unter Beibehaltung eines bestimmten Stammes von Gefolgschaftsmitgliedern nur zur Bewältigung von Stoßaufträgen Arbeitskräfte einstellen. Nach Beendigung der Stoßaufträge werden diese Kräfte arbeitslos. Das bedeutet lie Verlängerung der Arbeitsosigkeit ins unendliche und gleichzeitig die Degradierung einer hochstehenden Arbeiterschaft zu Gelegenheitsarbeitern.< So sieht der Alltag in einem Gewerbe aus, daß außerhalb der staatlichen Rüstungskonjunktur liegt. Die Buchdrucker untersuchen in ihrem Fachblatt auch die» Schönheit der Arbeit. Da Papier eine besonders saubere Angelegenheit ist, müßten die Papierfabriken Musterbetriebe sein. » Leider aber fanden wir die wünschenswerten Verhältnisse nicht an der Saale ( der Betrieb liegt in Halle), sondern nur einen verbindlichst lächelnden BetriebsVerlagsanstalt» GRAPHIA« Karlsbad FRIEDRICH STAMPFER DIE 14 JAHRE Drei neue Bücher: DER ERSTEN DEUTSCHEN REPUBLIK 640 Seiten. Großformat. Für die ČSR kartoniert: Kč 80.-, Leinen: Kč 105., England:-16.6( Leinen-.19.3), Dänemark: Kr. 16.50, ( 21.60), Holland: hfl. 5.50( 7.-), Polen: Zl. 20.-( 25.50), Schweiz: Fr. 11.25( 14.80), USA$ 3.65( 4.80) und für andere Länder in entsprechender Umrechnung. Friedrich Stampfer war als Chefredakteur des Berliner» Vorwärts<< ( 1916 bis 1933), als Reichstagsabgeordneter und Mitglied des Sozialdemokratischen Parteivorstandes an allen Kämpfen beteiligt, die die erste Deutsche Republik, von ihrer Entstehung bis zu ihrem Sturz nach innen und nach außen zu führen hatte. Sein inhaltsreiches Buch ist erlebte Geschichte. Keines der zur Rechtfertigung geschriebenen Memoirenwerke, sondern ein gewissenhafter Tatsachenbericht, der ausführlichste und tiefgehendste, über die in jeder Hitlerrede geschmähten und doch so bedeutungsvollen> VIERZEHN JAHRE«. In einem kurzen Vorwort bekennt sich Stampfer zur vollen Mitverantwortung gegenüber allen Vorwürfen, die von Freund und Feind gegen die sogenannten» Schuldigen< am Fall der Deutschen Republik erhoben werden. Im übrigen drängt er dem Leser seine Meinung nicht auf. Er liefert ihm die Grundlagen zur Bildung eines eigenen Urteils. Ein ausführliches Personen- und Sachregister machen das Buch zum unentbehrlichen Hand- und Nachschlagewerk der Deutschen Geschichte bis 1933. ALEXANDER STEIN: ADOLF HITLER. SCHÜLER DER WEISEN VON ZION< 120 Seiten. Broschiert für die ČSR: Kč 18.-, England:£-.3.3, Holland: hfl. 1.20, Polen: Zl. 4.40, Schweiz: Fr. 2.50, USA:$-.80. Das Thema dieser Schrift ist nicht etwa künstlich konstruiert. Durch Gegenüberstellung der wichtigsten programmatischen Erklärungen Hitlers und Rosenbergs mit den politischen Rezepten in den legendären» Protokollen der Weisen von Zion« wird tatsächlich der Beweis erbracht, daß diese mit Theorie und Praxis des Nationalsozialismus übereinstimmen und: durchgeführt werden. Die erste quellenkritische Untersuchung, die das Weltbild Hitlers, die Methoden seiner Politik und die Ursachen seines Erfolges aufdeckt und erkennen läßt, was von ihm und dem Nationalsozialismus an Ueberraschungen noch zu erwarten ist. GREGOR BIENSTOCK:: EUROPA UND DIE WELTPOLITIK DIE ZONEN DER KRIEGSGEFAHR 84 Seiten, mit vier Kartenskizzen. Für die ČSR brosch.: Kč 15.-, England: £ 2.9, Holland: hfl. 1.-, Polen: Zl. 3.65, Schweiz: Fr. 2.10, USA:$.70. Gregor Bienstock entwickelt hier sehr klar und übersichtlich die Kernprobleme der heutigen Weltpolitik. Jedermann, der Anteil nimmt an dem Weltgeschehen, das heute oder morgen sein eigenes Schicksal werden kann, braucht einen Führer durch das Labyrinth der Außenpolitik: Hier findet er ihn. BESTELLUNGEN DURCH JEDE BUCHHANDLUNG angewandte Phrase > Es läßt sich nicht leugnen, die Verwendung der Worte liberal, liberalistisch, Liberalismus wird in steigendem Maß als phrasenhaft empfunden. Sie stehen in Gefahr, die Symbolkraft zu verlieren.... Soll der Ausdruck den Zweck erfüllen, in dem Angeredeten eine Vorstellung zu erwecken, die ihn befähigt, das Gemeinte überall dort auch wirklich zu erkennen, wo es ihm im Leben entgegentritt, so wird man ihn behutsamer anwenden müssen, als es bislang geschieht. Es wird gut sein, ihn so oft als möglich durch deutsche Worte zu umschreiben. Anstatt z. B. von einer liberalen Pädagogik zu sprechen, sollte man sich jedesmal die Mühe machen, das gerade Gemeinte deutsch zu bezeichnen, also etwa einer wertfreien, ordnungsfeindlichen, zucht- und haltungslosen, zerfahrenen, unorganischen oder abstrakt geistigen Erziehung reden.<< (> Wille und Macht<) Neuer Vorwärts Sozialdemokratisches Wochenblatt Herausgeber: Ernst Sattler; verantwortlicher Redakteur: Wenzel Horn; Druck:> Graphia<; alle in Karlsbad. Zeitungstarif bew. m. P. D. Zl. 159.334/ VII- 1933. Printed in Czechoslovakia. Der» Neue Vorwärts« kostet im Einzelverkauf innerhalb der CSR Kč 1.40( für ein Quartal bei freier Zustellung Kč 18.-). Preis der Einzelnummer im Ausland Kč 2.-( Kč 24. für das Quartal) oder deren Gegenwert in der Landeswährung( die Bezugspreise für das Quartal stehen in Klammern): Argentinien Pes. 0.30( 3.60), Belgien: Belg. Frs. 2.45( 29.50) Bulgarien Lew 8.-( 96.-). Danzig Guld. 0.45 ( 5.40), Deutschland Mk. 0.25( 3.-), Estland E. Kr. 0.22( 2.64), Finnland Fmk. 4.-( 48.-), Frankreich Frs. 1.50( 18.-), Großbritannien d 4.( Sh. 4.-), Holland Gld. 0.15( 1.80), Italien Lir. 1.10( 13.20), Jugoslawien Din. 4.50 ( 54.-), Lettland Lat. 0.30( 3.60), Litauen Lit. 0.55( 6.60), Luxemburg B. Frs. 2.45( 29.50), Norwegen Kr. 0.35( 4.20), Oesterreich Sch. 0.40( 4.80), Palästina P. Pf. 0.020( 0.216), Polen Zloty 0.50( 6.-), Portugal Esc. 2.( 24.-), Rumänien Lei 10.-( 120.-). Schweden Kr. 0.35( 4.20), Schweiz Frs. 0.30( 3.60), Spanien Pes. 0.70( 8.40), Ungarn Pengö 0.35 ( 4.20), USA. 0.08( 1.-). Einzahlungen können auf folgende PostScheckkonten erfolgen: Tschechoslowakei: Zeitschrift> Neuer Vorwärtse Karlsbad. Prag 46.149. Oesterreich: Neuer Vorwärtse Karlsbad. Wien B- 198.304. Polen:» Neuer Vorwärts< Karlsbad. Warschau 194.797. Schweiz:> Neuer Vorwärts Karlsbad. Zürich Nr. VIII 14.697. Ungarn: Anglo- Čechoslovakische und Prager Creditbank Filiale Karlsbad. Konto> Neuer Vorwärts< Budapest Nr. 2029. 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