Nr, i?3 SONNTAG, 4. Oktober 1936 60$ialdgmslraKfd)g0 flfocfonfttoft Verlag; Karlsbad, Haus„Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt; Der Währungsfrieden Ein glückliches Volk Schnorrer-Sozial ismus Der Spaziergang nach Paris Anirlff der Gesentevolutioii Zynischer Bruch des Nichtinterventionsabkommens— Spanien klagt an In der am 28. September in Paris'portugiesische Angriffs- abgehaltenen gemeinsamen Konferenz � r j e„ gegen das demokrati- des IGB und der SAI wurde nach- jo-i-p Snanien wird immer£&• stehende Entschließung einstimmig an- 3 c f1 e � p a n i e u w 1 1 u i m ui c x g e- fährlicher. Farbige Truppen aus genommen. »Der Aasschuß des Internationalen Gewerkschaftsbundes und die Exekutive der Sozialistischen Arbeiter-Internationale, in Paris am 28. September versammelt, bekräftigen ihre Erklärung vom 28. Juli 1936, daß entsprechend den geltenden Bestimmungen des Völkerrechts die rechtmäßige Regierung Spaniens inderLageseinmuß, sich die zu ihrer Verteidigung notwendigen Mittel zu beschaffen. Diese Regierang vertritt die überwältigende Mehrheit des spanischen Volkes ohne Rücksicht auf politische und religiöse Unterscheidungen. Nachdem sie die Berichte der Genossen Pascual Tomas(Delegierten des spanischen Gewerkschaftsbundes) und JimenezdeAsua(Delegierter der spanischen Sozialistischen Parte!) gehört haben, verweisen die beiden Ausschüsse mit Nachdruck auf die Wichtig- 1—* r?-------------------- kelt der Erklärung, die der spanische W*****&& hßt Uch spaolschen Außeu- Außenminlster vor dem Völkerbund abgegeben hat: daß die Generale, die sich gegen die am 14. Feber von den Wählern berufene rechtmäßige Regierung erhoben haben, von selten Deutschlands und Italiens (direkt oder durch Vermittlung Portugals) mit Waffen, Flugzengen und Tanks beliefert worden sind, und zwar auch noch, nachdem diese Staaten das Nicht- eimnischongsabkommen unterzeichnet hatten. Es ist Pflicht aller Regierungen, insbesondere der französischen Regierung and der englischenRe- g i e r a n g, diese schwerwiegenden Beschuldigungen sofort zu prüfen. Das internationale Abkommen unter den Mächten, keine Waffen nach Spanien zu liefern, ist abgeschlossen worden, um die Gefahr eines allgemeinen Krieges abzuwenden und ist nur so lange verpflichtend, als es von allen loyal eingehalten wird. Die Verletzung dieses neuen internationalen Abkommens durch Deutschland und Italien muß unweigerlich zu einer Ueberprüfung der Sachlage durch die andern Mächte führen. Die SAI und der IGB versichern die spanische Arbeiterklasse ihrer vollsten Solidarität in ihrer heldenhaften Verteidigung der demokratischen Freiheitsrechte des spanischen Volkes. Die internationale Arbeiterbewegung ist in diesem Kampfe nicht neutral und kann niemals neutral sein!« * Hinter dem Schleier der diplomati sehen Reden in Genf sollte die schreck lichste Niederlage des Rechts und des Friedens verborgen werden. Die spanische Tragödie nähert sich dem Höhepunkt. Deutsche, italienische Tanks, geführt von deutschen und italienischen Mannschaften, rollen zum Angriff auf Madrid, deutsche und italienische Flugzeuge, geführt von deutschen und italienischen Piloten, werfen Bomben auf spanische Städte, auf die Verteidiger der Freiheit. Der deutsch-italienisch- Marokko, deutsches und italienisches Kriegsmaterial, Offiziere und Instrukteure bilden den Kern der Truppen der rebellischen Generale. Deutschland und Italien sorgen für den Nachschub von leichten und schweren Waffen und Munition, Portugal hat auf seinem Gebiet die Organisation der Angriffstruppen gestattet, auf portugiesischem Gebiete sind die Verpfle- gungs- und Nachschubszentren der Rebellen, ihre Flugbasen, ihre Etappe. Portugal ist die Basis des Angriffs auf Madrid. Die französische wie die englische Regierung wissen es. Die Noten, die der spanische Außenminister del Vayo ihnen in Genf überreicht hat, beweisen es mit erdrük- kendem Material. Diese Noten sind von den Regierungen streng geheim gehalten worden. Der englische Außenminister minister lange bearbeitet, um ihn von der Nennung der schuldigen Länder vor dem Plenum des Völkerbundes abzuhalten. Der spanische Außenminister hat sich das Recht, über das Thema Spanien vor der Völkerbundsversammlung zu reden, erst gegen die Schiebungen und diplomatischen Winkelzüge der konservativ-reaktionären Kräfte im Völkerbund erkämpfen müssen. Zu dem offenen Bruch des Rechtes und der Verträge durch die Angreifermächte gesellte sich das Streben aller konservativen Elemente, sich durch Schweigen und Vertuschen der Wahrheit zu Komplizen der Gegenrevolution zu machen. Die Rede delVayos vor der Völkerbundsversammlung hat den Schleier zerrissen. Sie läßt erkennen, daß in Spanien die Gegenrevolution einen Eroberungskrieg für ihre Sache führt. Sie enthüllt, daß die Gegenrevolution den Ideenkampf führt, vor dem die auf der Idee der der Demokratie ruhende französische Volkafroutregierung aus ideeller Schwäche zurückgeschreckt ist. Sie zeigt, daß Deutschland und Italien, die beide das Nichtinterventionsabkommen über Spanien unterzeichnet haben, dies Abkommen mit größtem Zynismus tagtäglich gebrochen haben. Die französische Politik, die die Initiative zu diesem Abkommen getroffen hat, hat damit der spanischen Freiheit einen furchtbaren Stoß versetzt. Auf die Anklagerede del Vayos hat der unglückselige französische Außenminister D e 1 b o s nur mit zwei kurzen nichtssagenden kläglichen Sätzen geantwortet, die den völligen Zusammenbruch seiner Pohtik mehr aufzeigen als verbergen. Was aber ist das gesamte diplomatische Spiel der demokratischen Mächte wert, das auf die Einbeziehung von Deutschland und Italien in Sicherheitsund Friedenspakte abzielt? Was sind Verträge wert, die mit Mächten geschlossen werden, die feierlich eingegangene Verträge vom Tage der Unterschrift an wie Fetzen Papier behandeln? Die Anklage Spaniens Rede des spanlsdien Außenministers del Vayo Angesichts der Verschwörung des. haben wir volle Autorität im Namen des spa- Schweigens aller konservativen Kräfte gegen die Entlarvung des faschistischen Angriffs auf Spanien veröffentlichen wir die Rede, die der spanische Außenminister del Vayo auf der Völkerbundsversammlung in Genf gehalten hat. >Die spanische Regierung vertritt und symbolisiert die Sache des Friedens. Das mag als ein grausames Paradox erscheinen, aber für diese Sache schlagen sich von einem Ende Spaniens bis zum anderen alle diejenigen, die entschlossen sind, lieber zu sterben, als sich durch die Gewalt ihren Glauben an die Demokratie, an die Freiheit im Innern und ihre feste Anhänglichkeit an den Frieden als höchster Regel ihrer Außenpolitik entreißen zu lassen. Ich habe mit meinen eigenen Augen den Preis gesehen, den man für die Freiheit und den Frieden zahlt. Niemand wird mit Recht dem spanischen Volk vorwerfen können, das heute dieses Ideal mit Waffen in der Hand verteidigt, so wie es dies gestern mit dem Stimmzettel getan bat, daß es anderen sein eigenes Ideal aufzwingen wolle, mit Gewalt, mit dem Mittel der Verschwörung und der Intrige oder gar, indem es auf fremden Gebiet am Bürgerkrieg teilnimmt. Kein Land, so verschieden auch sein inneres System von dem unseren sein möge, hat zu fürchten, daß Spanien, das wir vertreten, in seine inneren Angelegenheiten eingreifen werde. So viel Grund die spanische Regierung auch hätte— und der Gründe sind viele, und die Beweise häufen sich turmhoch— um eine Haltung zurückzuweisen, die sowohl mit den Regeln des internationalen Lebens wie mit den Pflichten, die die Teilnahme am Völkerbund uns allen auferlegt, unvereinbar sind, so ist doch für uns die Souveränität jeden Landes ebenso geheiligt wie unsere eigene Unabhängigkeit. Dies gilt besonders vom unseren un mittelbaren Nachbarn. Wir respektieren alle Doktrinen der anderen, aber wir verlangen den gleichen Respekt gegenüber der unseren. Nach allen demokratischen Regeln nischen Volkes zu sprechen. Der Bürgerkrieg ist uns auferlegt worden. Nicht wir sind es, die den Kampf begonnen haben, sondern jene, die nicht den WUlen des spanischen Volkes annehmen wollten, und die schon vor den Wahlen, so wie es die Ueberfülle der polltischen Dokumente beweist, die in die Hände der Regierung gefallen sind, nur daran gedacht haben, sich gegen die Nation zu erheben und ihre Vorbereitung zum militärischen Staatsstreich zu vervollständigen. Die historische Verantwortlichkeit für das in Spanien vergossene Blut fällt also ausschließlich auf jene, die sich in Waffen gegen die konstitutionelle republikanische Legitimität erhoben haben. Die schmerzliche Erfahrung, die wir gemacht haben, führt uns zu der Frage, ob in Zukunft die Kriege klassischer Form— der Angriff eines Staates durch einen anderen— noch auftreten werden. Die gegenwärtige Realität, die harte Realität meines Landes, zeigt, daß dies schon nicht mehr der Fall ist und auch in Zukunft nicht sein wird. Der zukünftige Krieg, der seiner Erscheinungsform nach der Zusammenstoß zweier Staaten sein kann, wird der Zusammenstoß, der Konflikt, der in der Geschichte immer dramatische Widerspruch von zwei Ideologien, zwei Geisteshaltungen, zwei bestimmten Weltanschauungen sein. Der Zyklus der nationalen Kriege verschwindet allmählich. So wie im 16. Jahrhundert Europa sich um zwii religiöse Ideale gruppierte, den Katholizismus und den Protestantismus, so kann man sagen, daß jetzt die Menschen sich um zwei politische Ideale sammeln: die Demokratie und das Regime der Unterdrückung. Da die Dinge so liegen, muß man sich fragen, ob es richtig ist, immer noch vom Kriege als von einer zukünftigen Eventualität zu sprechen, und ob es nicht ehrlicher wäre, den Krieg als eine schon unter unseren eigenen Augen existierende Real'tät anzusehen. Die blutigen Schlachtfelder von Spanien sind schon in der Tat die Schlachtfelder des Weltkrieges. Man wird sagen, das ist nur ein Bürgerkrieg. Ist dies tatsächlich der Fall? Ist es wahr, daß das, was die Spanier trennt, etwas ist, das sie allein angeht? Warum denn hat sich der Kampf in Spanien so rasch in eine der schwersten, um nicht zu sagen in die schwerste der aktuellen internationalen Fragen verwandelt? Die Wahrheit ist, daß die mühselige und schwierige Entwicklung der demokratischen Organisation, für die das spanische Volk sich frei entschieden hat, seine Gegner dazu verführt hat, einen wahrhaft verbrecherischen Angriff im Namen des gegnerischen Prinzips zu vollführen. Das Mittel dieses Angriffs ist die Armee gewesen. Das Volk das seinen Einrichtungen treu ist, hat ihm unter Bedingungen Widerstand geleistet, die wahrscheinlich einzigartig in der Geschichte sind. Dieser Kampf hat sich, nachdem er begonnen hatte, sofort in eine internationale Frage verwandelt. Der Angreifer— in diesem Falle die rebellierende Armee— hat, und das ist eine unstreitbare Tatsache, moralische und materielle Hilfe von Staaten erhalten, deren politisches Regime jenem gleicht, das die Rebellen anstreben. Ein solches Verhalten schließt die Verneinung der wesentlichsten Grundlagen und Regeln jeder internationalen Zusammenarbeit in sich, es ist folglich unvereinbar mit der Aufrechterhalfung internationaler Beziehungen, die auf die Gerechtigkeit und die Ehre gegründet sind. Aber ich würde meine Pflicht zur Offenheit verletzen, wenn ich nicht die Aufmerksamkeit der Versammlung auf die Konsequenzen lenken würde, die eine internationale Situation, so wie sie im Falle Spanien getroffen worden ist, für die zukünftige Organisation jedes Systcns der kollektiven Sicherheit nach sich äehen muß. Es ist grundlegend, daß ein System der kollektiven Sicherheit, das den Völkern das Vertrauen wiedergeben soll, vor allem die Staaten gegen die Gefahren von Bewegungen schützen muß, die im Innern von außen her aufgereizt und unterstützt werden. Der Frieden verlangt gedie moralische und materielle UnterstütRebellen übereinstimmt. Ein System der kollelativen Sicherheit, das einer solchen wirklicht ist, müßte zu einem Weltbetrug führen. Ich spreche hier zu einer Versammlung von Staatsmännern, vor Regierungsvertretern, auf deren Schultern die Verantwortung für dern ruht. Wer von ihnen wird nicht versteniens und des spanischen Volkes verantwortlich sind, das, was man die Nichtintervention genannt hat, als eine Politik der Intervention zum Schaden der verantwortlichen und konstitutionellen Regierung bezeichnen? Wer von ihnen wird nicht erkennen, daß es Der Währungsfrieden block ist gewesen. Der Weg zur Wiederherstellung der Goldwährung In der Nacht vom 26. auf den 27. Sep-| Unter diesen Umständen bedeutet das Ver-| deutet erhöhte Kosten und steigende bieterisch das Ende eines Zustands der Dinge, tember, fast auf den Tag fünf Jahre nach sprechen der englischen Regierung, die Preise auch für andere Produkte. Die in dem zivile oder militärische Elemente, die der Freigabe der englischen Goldwährung, Stabilität des Pfundkurses gegenüber dem weitere Entwicklung wird von der Wirtzum bewaffneten Umsturz der rechtmäßigen hat die französische Regierung die Abwer- Dollar aufrechtzuerhalten, nichts anderes, schaftspolitik abhängen, die die einzelnen Regierung ihres Landes getrieben werden, tung des Francs beschlossen. Der Goldge- als daß auch die Bewegungen des Pfundes Staaten einschlagen werden. Im Bereich bei völliger Indifferenz der ganzen Welt halt des Francs, der bisher 65.5 Milligramm an das Gold gebunden werden, die eng- des Sterlingsblocks konnten die Löhne und betrug, wird um etwa ein Drittel herabge- lische und damit alle Währungen des um- Gehälter in der Zeit unmittelbar nach der zung fremder Regierungen empfangen kön- setzt. Der neue Goldwert soll zwischen 43 fangreichen Sterlingblocks praktisch zu Abwertung sogar noch etwas reduziert nen, deren politische Ideologie mit der der und 49 Milligramm betragen, die endgültige Goldwährungen werden. Das Ende des werden, ohne den Reallohn zu senken, da Festlegung wird erst in einem späteren Goldblocks bedeutet demnach nichts weni- die Lebensmittelpreise zurückgingen. Jetzt Eventualität nicht Rechnung tragen würde, Zeitpunkt erfolgen. Nach kurzem Zögern ger als die Entthronung des Goldes. Um- muß mit der entgegengesetzten Entwickist die Regierung der Schweiz dem fran- gekehrt: die Wiederherstellung lung gerechnet werden. Die französische, wie sie im Fall meines Landes schon ver- zösischen Beispiel gefolgt, auch der Schwei- der Goldwährung de facto wird von Sozialisten geführte Regierung will zer Franken wird um ungefähr 50 Prozent ihre Wiederherstellung de jure und kann nicht daran denken, die Arbeiterschaft zu Opfern der Devalvation werDie Politik der Nichtintervention! abgewertet. Die holländische Regie- erleichtern. rung hat zunächst ein Goldausfuhrverbot Welche Einwirkung auf die den zu lassen. Werden aber, wie es angeerlassen, es unterliegt also kaum einem Preise wird von den neuen Geldentwer- kündigt wird, gleitende Lohnskalen einZweifel, daß der holländische Gulden das tungen ausgehen? Als England am 21. geführt, werden auch die Sozial- und SO wird die Wohlfahrt und die Ordnung in ihren Län- gleiche Schicksal erfahren wird. Der Gold- September 1931 vom Golde abging und Kriegsteilnehmerrenten erhöht, das Pfund sich allmählich um etwa der Preisauftrieb sich trotz aller Bei der Beurteilung muß man die inter- 40 Prozent entwertete, erwartete man ein Gegenmaßnahmen rasch verallgehen, daß wir, die wir für die Zukunft Spa- nationalen Wirkungen von den innenwirt- starkes Anziehen der Preise, das ja auch meinern und die Vorteile der Devalschaftlichen und politischen scheiden. In- bei den Inflationen der Kriegs- und Nach- vation, die in der Begünstigung des Externational ist es bedeutsam, daß die kriegszeit eingetreten war. Nach der eng- ports bestehen, aufheben. die französische Währungsänderung im Ein- lischen Devalvation blieb aber der Preis- Noch schwieriger stellt sich für vernehmen mit den Regierun- anstieg zunächst aus und setzte sich auch französische Regierung ein anderes Progen Englands und der Vereinig- später nur sehr allmählich durch. Bis blem. Sie hat bei ihrem Antritt schlechte gen Englands und der Vereinig- später nur sehr allmählich ten Staaten vorgenommen worden ist. jetzt ist die Preisangleichung noch lange Finanzen vorgefunden. Das Defizit des In einer Erklärung, die das Resultat langer nicht abgeschlossen. Die Erscheinung er- Staates, einschließlich das der EisenVerhandlungen ist, die, wie man jetzt er- klärt sich erstens daraus, daß die Abwer- bahnen, betrug etwa 15 bis 18 Milliarden fährt, schon im Juni eingeleitet waren, ge- tung auf dem Höhepunkt der Weltwirt- Francs. Die Steuerlast ließ eine weitere ben die beiden Regierungen der französi- schaftskrise erfolgte und die Preise, ins- Vermehrung nicht zu und der Anleiheschen die Zusage, daß sie ihrerseits das besondere die der Rohstoffe, infolge der markt versagte. Die neue Regierung begrößtmöglichste Gleichgewicht auf dem in- Ueberproduktion und der riesigen Vorräte durfte aber für die Wiederbelebung der ternationalen Währungsmarkt erhalten und an sich noch stark sinkende Tendenz hat- Wirtschaft bedeutender Mittel, und auch alles vermeiden werden, was dieses Gleich- ten; zweitens erfolgte die Abwertung in die ihr von Deutschland aufgezwungene gewicht auf Grund einer englischen oder einem weltwirtschaftlich ausschlaggeben- Vermehrung der Rüstungsausgaben erfor amerikanischen Währungshandlung stören den Raum, denn dem englischen Weltreich dern ins Gewicht fallende Summen. Durch könnte. Die englische und die amerika- folgten neben den Randstaaten und Skan- die Abwertung entsteht nun bei der Bank nische Regierung werden also eine Poli- dinavien auch wichtige mittel- und süd- von Frankreich ein Agiogewinn auf den tik der tatsächlichen Wä h- amerikanische Länder, so daß der Ster- Goldschatz in der Höhe von 30 Prozent. Ich verbeuge mich vor dem edlen und all- rungsstabilität befolgen und ihrer- lingblock bedeutende Industrie- und Roh- Der Goldbestand beträgt rund 52 Milliargemeinen Ziel, das die Initiative der Nicht- seits jeden neuen Währungskrieg vermei- stoffländer umfaßte; schließlich erfolgte den Francs bisheriger Währung. Die Reintervention hervorgerufen hat, aber ich den. Damit sind in dem großen Teil der auch, noch immer während der Krise, die gierung wird diesen Agiogewinn für sich muß mit tiefer Bitterkeit die ver- kapitalistischen Weltwirtschaft, die außer- Abwertung des Dollars in ähnlichem Aus- beanspruchen und erhält so eine Summe. halb der Devisenzwangsbewirtschaftung maße. Die Nachfrage vollzog sich also von etwas über 15% Milliarden Francs. hängnisvollen Ergebnisse$ 0wohl für mein Land wie für die und des mehr oder weniger vollständigen auf dem größten Teil des Weltmarktes in Aber dieser Betrag, von dem zudem ein Außenhandelsmonopols geblieben ist, die den entwerteten Währungen. Die Preise Teil für Uebergangsoperationen verwendet Zukunft der internationalen ZuWährungsbefürchtungen und-krisen, die waren Pfund- und Dollarpreise. Erst seit werden muß, reicht knapp aus, um das sammenarbeit feststellen. Die sie so oft erschüttert haben, wohl definitiv der de facto- Stabilisierung des Dollars und bisher entstandene Defizit zu decken. Das juristische Ungeheuerlichkeit der Formel der beseitigt, vorausgesetzt allerdings, daß es des Pfundes sind sie wieder Goldpreise Problem, das Budget ins Gleichgewicht zu Nichtintervention springt in die Augen. Sie beseitigt, vorausgesetzt allerdings, daß es des Pfundes sind sie wieder stellt die verfassungsmäßige Regierung melder französischen Innenpolitik gelingt, die geworden. Jetzt erfolgt aber einmal die bringen, mag durch die Belebung der Abwertung in einer Zeit anziehen- Wirtschaft, die als nächste Folge der Ab nes Landes gleich mit Rebellen, zu deren Nie- neue Parität auch sicher zu erhalten. derkämpfung jede Regierung, die dieses Namens nur würdig ist, nicht nur das Recht, für uns absolut unzulässig ist, daß man uns auf eine gleiche Ebene stellen will mit jenen, die, indem sie ihren Eid auf die Republik verletzt haben, sich mit den Waffen in der Hand erhoben haben, um unsere Freiheit zu zerstören? Wer unter den Staatsmännern hier im Saale würde es hinnehmen, daß Generale, nachdem sie ihren Eid auf die Verfassung geleistet haben, diese Verfassung umzustürzen versuchen, indem sie in das Land zu vielen Tausenden Truppen führen, die der Nation fremd sind, und die sie von einem anderen Kontinent hergeholt haben? sondern die Pflicht hat. Juristisch genommen bedeutet die Nichtintervention so wie sie im vor Dr. Richard Kern, Die Währung, nach der sich die ande- der Preise und in einem weltwirt- wertung erwartet wird, etwas erleichtert ren Währungen und damit die Wechsel- schaftlich keineswegs ausschlaggebenden werden, es besteht aber unabhängig von kurse orientiert hatten, war die französi- Raum. Deshalb ist kaum anzunehmen, der Währungsänderung fort. Wie in Eng sche Goldwährung. Von jetzt an wird es daß von der neuen Geldentwertung erheb- land und zuletzt in Belgien, fordert es die Dollarwährung sein. Nun be- liche Einflüsse auf das internationale seine selbständige Lösung. Denn wenn die Falle Spaniens angewandt worden ist, eine Neuerung für das in Kraft befindliche Völ- sagt die amerikanische Erklärung, daß von Preisniveau ausgehen werden. Der An- Defizitwirtschaft sich fortsetzte, würden kerrecht, insoweit sie den Entschluß bedeu der noch bestehenden Ermächtigung des stieg der nach oben gerichteten Preis- dieselben Schwierigkeiten, die jetzt die Präsidenten, den Goldgehalt des Dollar um kurve wird kaum eine Unterbrechung er- Abwertung erzwungen haben, aufs neue tet, einer verfassungsmäßigen Regierung 10 Prozent herabsetzen zu dürfen, kein Ge- fahren. entstehen. Der Kampf um die finanzielle Aktionsmittel zu verweigern. Das ist aber für die Beurteilung Sanierung wird also aufs neue entbrennen Aber kann man, wenn man der prakti- brauch gemacht werden wird. Damit wird aber die Dollarwährung tatsächlich wieder der innerwirtschaftlichen und die Regierung der Volksfront schen Anwendung dieser Formel auf den Grund geht, und angesichts ihrer Ergebnisse, zu einer reinen Goldwährung, und Folgen bedeutsam. Anders als damals ernste Schwierigkeiten stellen. Diese werdie amerikanischen Währungsbehörden im Sterlingblock werden sich die Preise den um so größer sein, da die Geldabwer, sie immer noch als ein Abkommen haben auch bereits seit mehr als einem der einzuführenden Waren in den jetzt tung in dem klassischen Lande der Rent der Nichtintervention bezeichin vollem ner und Sparer an sich sehr unpopulär ist. nen? Die Nichtintervention müßte darin Jahre die Dollarwährung streng nach den entwertenden Ländern rasch bestehen, die innere Situation eines Landes Gesetzen der Goldwährung gehandhabt. Ausmaß der Abwertung erhöhen. Das bevollkommen zu ignorieren und den zuvor geschlossenen Handelsabkommen ihren juristi- behrlichsten Elemente beraubt, um die öffent- interventionsabkommen keineswegs angewandt| Beweis des Verbrechens, das am schen und ihren normalen Wert zu belassen. liche Ordnung im Innern des Landes sichern, wird, soweit es sich auf die Rebellen bezieht. spanischen Volke begangen wird. Wir wissen, daß wir unsere inneren Pro- Die internationale Meinung muß erken Wir würden eine strenge Politik der Nicht- ohne zu sprechen von dem Angriff auf die intervention annehmen. Wir haben von nie- normalen Handelsbeziehungen, die das Ver- bleme selbst lösen müssen. Die Regierung, nen, auf welcher Seite in Spanien die Kräfte manden Intervention oder Hilfe verlangt. bot des Kaufs von Kriegsmaterial durch eine die von der ungeheueren Majorität des spa- des Krieges und auf welcher die des Frieist ihres dens stehen, welches die Kräfte sind, die den Aber, wenn das normale Regime der Handels- legale Regierung bedeuten. Es war bisher nischen Volkes unterstützt wird, beziehungen mit Spanien plötzlich unterbro- einstimmig anerkannt, daß eine solche Han- Sieges gewiß. Dieser Sieg ist die einzige in Frieden von Europa stören, und welches die chen wird, wenn die Ausfuhr von Kriegs- delsoperation sich im Rahmen der normalen Spanien existierende Möglichkeit, daß sich Kräfte, auf die man zählen kann für eine des Völkerbundes material für die spanische Regierung plötz- Handelsbeziehungen zwischen den Ländern ein Kampf nicht bis ins Unendliche verlän- Politik, die den Idealen lich aufhört, wenn die Kontrakte, die von der hält. gore, dessen Abschluß, wenn er für die Re- entspricht. Es erscheint an der Zeit, die Be spanischen Regierung schon vor dem Abkommen geschlossen worden sind, plötzlich annulliert werden, dann muß uns gestattet sein, cin für allemal zu erklären, In der Praxis ist das, was man bellen günstig sein sollte, die Auslöschung ziehung zwischen dem Angriff, der gegen die die Nichtintervention nennt, zu einer von Millionen Spaniern voraussetzen müßte, Demokratie im Innern unseres Landes geeffektiven, direkten und positiven In- die entschlossen sind, lieber zu sterben als richtet ist und zwischen der weitergehenden tervention zugunsten der Rebellen sich einem Regime menschlicher Unwürdig- Absicht, den Frieden der Welt zu stören, aufgeworden. keit zu unterwerfen, einem Regime, das im zuzeigen. Man darf nicht vergessen, daß die übrigen nicht in der Lage wäre, sich zu be- militärische Erhebung auf einem Territorium dem Schutze Spaniens haupten, solange noch freie Spanier auf dem begonnen hat, das spanischen Boden leben. kraft internationaler Verträge anvertraut Der Kampf würde in seinen großen Li- war, und von wo schwere Drohungen gegen nien bereits entschieden sein, wenn das eine internationale Zone gerichtet worden spanische Volk sich nicht gezwungen ge- sind, die heute, wie in der Vergangenheit, ein sehen hätte, sich gegen einen viel welteren verführerisches Objekt für gewisse Ambitiound ausgedehnteren Angriff zu verteidigen. nen darstellt. Außer den Beweisen, auf die wir uns be- Die Kräfte der internationalen Verwirrung daß diese Politik der Nichtintervention einzig zum Schaden der RegieIn den Noten, die ich im Namen meiner Ing und folglich zum Nutzen der Regierung den Mächten habe zugehen lassen, die das Nichtinterventionsabkommen Rebellen gemacht worden ist. zur VerDaß man eigens die Verpflichtung unter- unterzeichnet haben und die ich nimmt, die Lieferung von Kriegsmaterial für fügung des Völkerbundssekretariats stelle, Rebellen, die sich gegen eine anerkannte und damit es sie den Mitgliedern des Völkerbunbefreundete verfassungsmäßige Regierung des zur Kenntnis bringe, ist diese Politik der ausdrücklich als eine erhoben haben, nicht zu autorisieren, das Nichtintervention heißt, daß man sich verpflichtet, eine ver- tatsächliche Blockade gegen die fassungsmäßige Regierung in verhüllter Form spanische Regierung bezeichnet wor- ziehen für die Fortsetzung dieses Angriffs, schrecken vor keiner Schamlosigkeit zurück. nicht anzugreifen, das zeigt nur, bis auf wel- den. Diese Noten, sowie die damit verbunde- gibt es jeden Tag noch, mit unserem Blute Indem wir unseren Glauben an die Sache des ches Niveau man in der Erfüllung inter- nen Noten liefern Beweise für die Art besiegelt, aufs neue die Tatsache, daß ein Friedens und unsere Treue zu den Prinzipien nationaler Verpflichtungen herabgestiegen ist. und Weise, wie das Nichtinterventionsabkom- immenses Kriegsmaterial, das die Rebellen des Völkerbundes erneuern, indem wir gegen Eine solche Verpflichtung nimmt den Rebel- men in die Praxis umgesetzt wird. Ich wün- am Tage ihrer Rebellion nicht besaßen, neu die militärische Rebellion kämpfen und die len nichts von dem, was sie sich sonst ver- sche hinzuzufügen, daß, seitdem diese Noten in die Aktion eintritt. Jeder spanische Ver- Gesetzlichkeit auf allen Gebieten wieder herschaffen könnten, sie kommt einzig der Ver- den Signatarmächten überreicht worden sind, teidiger der Republik und der Freiheit, der stellen wollen, kämpft das spanische Volk pflichtung gleich, eine der elementarsten Ver- ich von meiner Regierung neue genau an der Front unter dem Feuer dieser Waffen und die spanische Regierung, die es vertritt, pflichtungen nicht zu verletzen. Wenn man umschriebene Beweise erhalten habe, fällt, die auf die zynischste Art und Weise und nicht allein für die Sicherheit und den innegleichzeitig die Ausfuhr von Kriegsmaterial die sich auf ganz neue Tatsachen be- in ständig wachsender Menge unter Verhöh- ren Frieden Spaniens, sondern ebenso für die für eine verfassungsmäßige Regierung unterziehen und die zeigen, daß heute noch nung des Nichtinterventionsabkommens ein- Sicherheit anderer Völker und für den Friebefindliche Nicht- geführt wird, ist ein unwiderlegbarer den der Welt.<< bindet, so heißt das, daß man sie der unent- das angeblich in Kraft in Arbeiterknochen für Der Traum des Führers Rüstungszwecke Die hitlerdeutsche Betriebsunfallstatistik redet eine deutliche Sprache. Schacht läßt ihn aufwecken Nach den jetzt vorliegenden Berichten der Der in Nürnberg proklamierte Neuaufbau| ges eingeschränkt. Ungefähr zur Zeit ist es aber nicht, sondern es wird auch nach deutschen Gewerbeaufsichtsbeamten über das einer deutschen Rohstoffindustrie soll nach des Nürnberger Parteitages ist eine Verord- dem Ausbau der geplanten Werke wohl kaum Jahr 1935, in dem zuerst die kriegsindustriel- dem Wort des Führers Deutschland nicht nur nung erlassen worden, wonach nicht nur die ein Raum für derartige, weitgehendst spekulen Anstrengungen des Dritten Reiches nicht von der Rohstoffeinfuhr befreien, sondern vor Verwendung natürlicher Rohstoffe aus dem lative und stoßweise auftretende Sonderanformehr getarnt, sondern nunmehr offenkundig allem auch von der Sorge, wie die» nach Ab- Ausland, sondern auch die der heimischen derungen vorhanden sein«. Und warum nicht? für alle Welt getätigt wurden, hat sich die schluß der Aufrüstung freiwerdenden Men- Ersatzstoffe strenger behördlicher Ueber- Weil eine Kapazitätserweiterung Zahl der Betriebsunfälle in ganz schenmassen nationalökonomisch nützlich zu wachung unterliegt. Nicht nur der Einkauf verantworten wäre«. Und warum nicht, da sie Deutschland um rund zwanzig beschäftigen< seien. Gerade der Ausbau dieser zellwollener Spinnstoffe darf nur mit Zu- der Führer doch fordert? Weil> sich eines Prozent, nämlich um rund 92.000 Fälle Ersatzstoffindustrie erfordert zwar über- stimmung der zuständigen Ueberwachungs- Tages die internationalen Handelsbeziehungen auf 624.027 insgesamt, gegenüber dem mäßig viel Kapital, aber um so stelle vorgenommen werden, auch die Abnah- wieder wandeln können.< Die AusdehVorjahr erhöht! der Arbeits- me bereits gekaufter, aber noch nicht gelie- nung weniger menschliche Das > nicht zu Das ist nicht etwa vor der Rede des Führer geschrieben, sondern steht in der gleichen Nummer, in der sie gebührend, nämlich mit Vorbehalten gewürdigt wird. Gewürdigt wird Ersatzstoffindustrie also amtlich Das neu hinzugekommene Saargebiet ist kraft. Es müßte also schon ein Aufbau ferter Zellstoffe bedarf ihrer Genehmigung. wird nicht geförSchachts an dieser Schreckensstatistik mit rund 5000 gewaltigsten Ausmaßes sein, wenn er nicht Bisher wurde amtlich streng darauf gehal- dert, sondern gedrosselt. Unfällen im Produktionsbetrieb beteiligt. Wie nur die Befreiung von ausländischem Roh- ten, daß nicht zu wenig, jetzt, daß nicht zu Ueberwachungsstellen machen sich selbst zu Instrumenten des die Gewerbeinspektoren gleichlautend berich- stoff, sondern auch die Aufsaugung von Mil- viel Zellwolle verbraucht wird. groẞindustriellen Willens, ten, verteilt sich die enorm gesteigerte Zahl lionen Arbeitskräften leisten soll. Diesen Widerspruch versucht Schachts Or- dem Risiko auszuweichen, das darin liegt, daß der Fabrikunglücke ganz gleichmäßig Wie die Aussichten hier liegen, zeigen die gan» Der deutsche Volkswirt<( 11. 9. 1936) bei Wiedereinschaltung in das Getriebe der auf alle Gewerbe mit Ausnahme einiger jüngsten Vorgänge auf dem Gebiete der aufzuklären. Einmal, so heißt es, befinde sich Weltwirtschaft die eigenständige Rohstoffweniger, wie der Gärtnerei und Tierzucht, der Spinnstoffversorgung. Bis zum Jah- die deutsche Zellwollherstellung erst im Aus- industrie altes Eisen würde. Hochseefischerei und des Versicherungsgewer- re 1935 betrug die Erzeugungsfähigkeit der bau und habe die vorgesehene Kapazität von bes. Besonders springt zwar die Erhöhung heimischen Spinnstoffabriken aus heimischem 70.000 Tonnen noch nicht erreicht. Mit der der Unfallziffer bei der»> reinen« Rüstungs- Rohstoff 20 Millionen Kilo jährlich. Im Jahre vollen Produktionsaufnahme der neuen Werke, industrie, also etwa bei der Eisen- und 1933 hatte der Spinnstoffverbrauch die in den Monaten Oktober bis Februar zu Metallgewinnung( sie beträgt hier so- der deutschen Baumwollspinnereien und-zwir- erwarten sei, würde» der eine Grund für die weniger der Plan selbst, als daß zu seiner gar ein reichliches Drittel gegenüber dem nereien insgesamt rund 400 Millionen Kilo jetzige Einkaufsregelung wegfallen<. Verwirklichung so viel Zeit gelassen wird. Vorjahr!) in die Augen; über fünfundzwanzig betragen. Davon waren entfallen auf Roh- würde so sein, wenn nicht gleichzeitig auch» Das ist um so erfreulicher, heißt es, als Prozent ist sie auch bei der Metallwaren- baumwolle und Baumwollabfälle rund 370 mit einem Wachstum der Nachfrage zu rech- der Neuaufbau einer großen deutschen Roherzeugung oder im Fahrzeugbau sowie im Millionen, der Rest auf Kunstbaumwolle und nen wäre, und zwar nicht nur infolge wach- stoffindustrie nicht bloß große Mengen von Baugewerbe. Aber auch die Gewerbezweige, andere Spinnstoffe. 1935 wurden Ersatz- sender Verwendung, sondern auch von» Zu- Arbeitern, die ja je nach dem Abschluß der die als typische Verbrauchsindustrien gegen- stoffbetriebe mit einer Leistungsfähig- voreindeckungen und Lagerbildungen an ein- Aufrüstung zur Verfügung stehen werden, tiber dem Vorjahr 1935 zugunsten der eigent- keit von etwa 40 Millionen Zellwolle errichtet, zelnen Stellen bei gleichzeitiger Stockung an sondern vor allem auch Facharbeiter, große Hichen Kriegsindustrie sich einen allgemeinen zusammen mit den bereits bestehenden Wer- anderen Stellen«. Es droht also der gleiche Kapitalien und zunächst wieder einmal beand starken Produktionsabbau gefallen lassen ken betrug die Gesamtkapazität für Zellwolle Zustand der Knappheit bei den Ersatzstoffen stimmte Mengen von solchen Rohstoffen bemußten, beispielsweise Textilindustrie oder 60 Millionen Kilo. In diesem Jahre soll sie einzutreten, der bisher nur bei natürlichen nötigen wird, an denen wir zur Zeit keinen Nahrungsmittelerzeugung, sind mit ungefähr auf 70 Millionen gebracht werden. Rohstoffen bestanden hat. Die Industrie er- Ueberfluß haben.< Das ist die Form, in der gleichen Steigerungen der Unfallziffer be- Damit würde also nicht mehr als etwa wartet offenbar, daß Baumwolle noch rarer man im Dritten Reich sogar den Führer ad ein Sechstel des Spinnstoffver- wird, als sie schon ist. Man müßte nun an- absurdum führen darf mit der Feststellung, telligt. Es ist wichtig, gerade diesen letzten Um- brauchs von 1933 gedeckt. Um diese nehmen, daß damit die Aufhebung der be- daß zur Verwirklichung seines Planes nur stand festzuhalten, wie er von der deutschen im Verhältnis zum Gesamtbedarf nicht erheb- hördlichen Zuteilung von Zellstoffen nur auf- drei Kleinigkeiten fehlen: Arbeiter, RohGewerbeaufsicht selbst berichtet wird, weil liche Menge unterzubringen, mußte der Indu- geschoben, aber nicht aufgehoben würde. stoffe, Kapital und sonst gar nichts. gerade aus ihm einwandfrei hervorgeht, daß strie ein Beimischungszwang aufgenötigt wer- Denn wenn die Nachfrage nach Zellstoffen Jedenfalls zeigt die Behandlung der Zellwolle, nicht etwa ein» natürlicher<< Zugang an Be- den, der die Stoffe verteuert und ihre Qualität dermaßen wächst, daß nach der Verwendung daß Schacht das Gegenteil von dem tut, was triebsunglücken, hervorgerufen allein durch verschlechtert. Die Zahl der Fälle, für die nunmehr auch ihre Nichtverwendung amtlich der Führer predigt. Es hat den Anschein, als das Produktionsplus der künstlichen Militär- der Beimischungszwang amtlich anbefohlen erzwungen werden muß, dann läge nichts habe dieser in Nürnberg bereits gewußt, daß Konjunktur, vorliegt, sondern daß die auf- wird, sind bis in die jüngste Zeit ständig ver- näher als, ganz im Sinne des Führers, die Schachts Versuch, sich bei Angleichung der reizende Erscheinung nur durch mehrt worden. Die Verwendung von Zellwolle Erzeugungsfähigkeit der Werke über die vorWährungen in das anglo- amerikanisch- franzödie Besonderheiten der Arbeiter- hat aber weder den Mangel an ausländischen gesehenen 70.000 Tonnen hinaus, von einem sische Abkommen um den Preis einer großen ausbeutung, wie sie jetzt im Drit- Rohstoffen noch die Aufzehrung ihrer Vor- Sechstel wenn möglich auf sechs Sechstal ten Reich betrieben wird, erklärt räte verhindert. Nun scheinen sie bereits so des Verbrauchs zu erweitern. Je mehr Zellwerden kann. Denn auch das besagt in knapp geworden zu sein, daß die Industrie wolle, um so weniger Baumwolle, je weniger dieser Hinsicht alles: die Zahl der unfall- die Zellwolle auch für solche Zwecke verwen- Devisen für Baumwolle aufgewendet werden Drohung und eine ans Inland gerichtete Vertechnischen Beanständungen ist det, die nicht amtlich vorgeschrieben sind. müssen, um so mehr können nach des Führers in derselben Zeit, in der sich die Unfälle Nachdem man die Verwendung der Zellwolle Gebot für die Ergänzung der nach seinem selbst so gewaltig steigerten, gesunken, unter Zwang durchgesetzt hat, wird sie jetzt Geständnis unzureichenden heimischen Nahund zwar um rund 6200 auf 187.602. Auch mit Anwendung amtlichen Zwan- rungsmittelerzeugung verwendet werden. die Zahl allgemeiner Zuwiderhandlungen gegen bestehende Gesetze und Vorschriften im Betriebsleben, so weit sie von der Gewerbeaufsicht festgestellt wurden, ist im genannten Berichtsjahr stark gesunken. Das erklärt man sich drüben gerade durch die Tatsache, daß die Verbrauchsindustrien ja im Jahre 1935 ihre Erzeugung überhaupt stark eingeschränkt hätten. Zum Beispiel spricht die letzte Nummer der Sozialen Praxis< in diesem Sinne von einer> Parallelität zwischen Konjunktur und gewerbepolizeilichen Verstößen<. besteht die Parallelität zwischen Konjunktur und Betriebsunfällen etwa nicht? So bleibt für den, der wirklich sehen und nichts beschönigen will, nur der Schluß: Die Unternehmer haben in Hitlerdeutschland die Hände frei für einen bisher nicht gekannten Grad So vorRohstoffanleihe einschalten zu lassen, läufig gescheitert ist. Hitlers Vierjahrsplan ist also zugleich eine an das Ausland gerichtete tröstung auf das achte Hitlerjahr, in dem es dann mehr zu essen geben soll als im vierten. aus einem deutschen Führer G. A. F. gegen WettSiebert. War eine Kassenrevision in Aus- politischer Richtungen alarmieren die dro-| Die Tausende aus aller Welt, die ihn vorgesicht, so wurden die Bücher> stimmend hende Gefahr, die nach der raffinierten Pro- schlagen haben, sollen verwirrt werden, wenn gemachte. Angefangen hat nach dem Geständnis des Siebert die Sache im März Paganda- Erklärung über Ossietzkys Leben zu verbreitet wird, daß Ossietzky sich plötzlich 1934. Durch einen reinen Zufall kam hängen scheint. der Stein ins Rollen... Der Staatsanwalt Der nationalsozialistische Propagandaappa- rüsten und Völkerverhetzung zu einem Anhänerinnerte daran, daß nach der Machtrat dementiert nunmehr die in der Auslands- ger des Militarismus verwandelt habe. Ossietzübernahme ein großes Aufräumen in der Allgemeinen Ortskrankenkasse presse verbreiteten Nachrichten. Wie der Kor- ky ist nicht Nazi geworden, aber er bleibt der zu Königsberg stattgefunden habe; gera- respondent der Basler> Nationalzeitung« sei- aussichtsreiche Nobelpreiskandidat des Friede um jene Zeit aber fingen die Un- nem Blatt aus Berlin berichtet, sind die eng- dens, und ein Märtyrer des Friedens.<< terschleife bei der Ortskrankenkasse in Tapiau( die mit der Königsberger zusammenhängt, d. Red.) an. Um so schwerer müßten deshalb die Angeklagten bestraft werden, weil sie wissen mußten, daß das Dritte Reich in solchen Dingen nicht mit sich spaßen läßt.< Nun, das Dritte Reich hat in diesem Falle Eheliche Rassenschande lischen Zeitungen mit den Alarmrufen für Ossietzky im Reich beschlagnahmt worden. In Wirklichkeit, so lautet die amtliche Auskunft, sei Ossietzky als Rekonvaleszent zu be- Da nach deutschem Recht eine nur kirchtrachten. Das Dementi kann allerdings die lich vollzogene Trauung ungültig ist und dementierte Göbbels- Erklärung, deren Zynis- standesamtliche Trauung verlangt wird, haben mus die um Ossietzkys Schicksal besorgte nach 1920 manche fromme Juden aus relider Ausbeutung ohne Rücksicht auf Leben immerhin 2½ Jahre lang mit sich spaßen Welt alarmiert hatte, nicht mehr ungeschehen giösen Gründen nicht in Deutschland, sonund viele hundert weniger unge- machen. Hatten doch die Berliner Korrespon- dern in der Tschechoslowakei oder in OesterErneuerer in allen Verwaltungs- denten der Auslandspresse bereits zwei Tage reich geheiratet. Um die Gültigkeit derspaßen noch heute aufs munterste zuvor am 17. September jene dementierte Er- artiger Eheschließungen hat sich bisher in klärung des Propaganda- Ministeriums an ihre Deutschland niemand gekümmert. Nun ist Justizministerium Blätter weitergegeben; denn Weltblätter wie ein Amtsgerichtsrat im der Pariser» Temps<, der Brüsseler> Soire namens Maßfeller auf den Einfall gesen ausgezeichnete Beziehungen zu Berliner quälen und zuschanden jagen. Er hat herStellen bekannt sind, haben sie neben den ver- ausgefunden, daß unter diesen im Ausland und Gesundheit der Proleten; die Gewerbe- lassen aufsichtsbeamten wagen nicht mehr, wie frü- schickte her, offenkundige Mißstände in den Betrieben sparten zur Sprache und zur Anzeige zu bringen. weiter. Geradlinig und völlig logisch hat das dazu geführt, daß um so mehr Arbeiter schweren Um das Schicksal Körperschaden oder den Tod an der Maschine finden, je weniger der» Betriebsführer durch gewerbepolizeiliche Beanständungen moleCarl von Ossietzky und sogar der Amsterdamer Telegraaf, des- kommen, man könne wieder ein paar Juden Vor kurzem wurde eine Erklärung des stiert wird. Oder welcher andere Sinn sollte Propaganda- Ministeriums in der Auslandsschiedensten englischen Pressekorrespondenten geschlossenen Ehen möglicherweise ein paar diesen denkwürdigen Ziffern sonst noch an- presse verbreitet, Carl von Ossietzky werde in gleichem Wortlaut und gleichförmig als Ehen zwischen Juden und» Arierinnen< sein Das große Aufräumen«< hängen? und die Folgen. Vor der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts Königsberg, Ostpreußen, wurde wieder einmal ein reizendes Genrebild aus einer sozusagen gereinigten Allgemeinen Ortskrankenkasse des gleichfalls gereinigten Deutschen Reiches entrollt. Im Gerichtsbericht der > Preußischen Zeitung heißt es: demnächst auf freien Fuß gesetzt, da die > nationalsozialistischen Behörden nicht durch seinen Tod im Gefängnis belastet werden wollten«. Diese Erklärung hat namentlich in der englischen Presse große Erregung hervorgerufen. In Leitartikeln protestieren die angesehensten englischen Blätter gegen diese Alternative der Machthaber in Deutschland. Der Communique des Propaganda- Ministeriums könnten, Fälle also, in denen sich die Frau verbreitet. zum Glauben ihres Mannes bekannte, ohne Das angebliche Interview, in dem, unter von Haus aus Jüdin zu sein. Maßfeller den Augen mehrerer Gestapo- Beamten, Os- schreibt in der Juristischen Wochenschrift<<: sietzky einen dänischen Reporter mit» freiwilligem und begeisterten Heil Hitler< begrüßt haben soll, hat in der ganzen Welt Abscheu über die seelischen Vergewaltigungsvielverbreitete>> Star fordert die deutsche Remethoden des Nationalsozialismus erregt. Mit gierung auf,» eine letzte Chance« auszunutzen Recht schrieb die Basler> National- Zeitung< und Ossietzky sofort freizulassen, damit er als Antwort auf jenes Interview: noch in der Freiheit gesund werden könne. >> Wer die fanatische, verbissene, Auch der» Manchester Guardian< fragt:» Ist » Bruno Czeska war Leiter der TapiWilly Ortskrankenkasse, auer vatim einen Wechsel einzulösen >... daß heute ein erhebliches rassisches Interesse an einer Klarstellung der Rechtsverhältnisse solcher Ehen bestehe. Wenn solche Ehen absolut nichtig seien, dann seien auch die Beziehungen in derartigen Ehen nach dem Blutschutzgesetz auf seiten des Mannes sogar strafbar.< starre Das würde bedeuten, daß Juden, die vor Slebert sein Gehilfe. Czeska hatte von frü- das Propaganda- Ministerium der Ansicht, daß Prinzipientreue Ossietzkys kennt, wird an vielen Jahren und lange vor Hitler nach her her Schulden, und Siebert neigte Ossietzky nur freigelassen werden soll, um zu der unbedingten Richtigkeit der Wiedergabe jüdischem Ritus eine inzwischen zur Arierin auflottem Leben. Wenn Czeska pri sterben?« Und verlangt energisch die sofor- seines Interviews zweifeln. Allerdings: Os- ernannte Frau heirateten, heute wegen> Rashatte, dann sagte er zu Siebert:> Ichtige Freilassung Ossietzkys und die sofortige sietzky kann es weder dementieren noch kor- senschande belangt und von ihren bisbrauche Geld, gehen Sie kassieren!« Hilfe für seine Genesung,» durch die mehr rigieren. Man ist versucht anzunehmen, das her als ehelich anerkannten Kindern fort ins Daechte Siebert dann so: wenn er z. B. für das neue Deutschland getan würde, als Interview sei inszeniert worden, um die ge- Gefängnis geschleppt werden 1713 RM kassierte, wurden 1000 RM ven: durch einen Berg von Propaganda«. Zahl- plante Zuteilung des Nobel- Friedenspreises an Der deutsche Rassenhaẞ nimmt immer wahnzu verhindern. witzigere Formen an. bucht und 713 RM wurden unterschlagen: einen Teil nahm Czeska, einen Teil nahm reiche weitere englische Blätter verschiedener Ossietzky in letzter Minute könnten. �dmorrer-Sozialismus Im Dritten Reidi Modernste Massenbesteuerungstedinlk: das Hitlersystem der„freiwilligen Spenden4*— Das Kontributions« monopol der Diktat nrpartei— Milliarden, die in der absoluten Kontrollosigkeit Tersdi winden Es gibt hinreichend Bewunderer und begeisterte Zaungäste des Dritten Reiches in der Welt— von Knut Hamsun bis zu Lloyd George—, die sich zwar selbst sehr für die Ehre bedanken würden, auch nur eine halbe Stunde lang in Herrn Hitler ihr Staatsoberhaupt verehren zu müssen, dagegen von ihren sehr vagen Impressionen über das ganze, i beim oberflächlichen Blick über die Garten- j mauer schnell gewonnen, in ihren verschiedenen Heimatländern einen sehr regen Ge-. brauch machen. Vor allem scheint fast allen' Claqueuren der braunen Jahrhundertschande ziemlich gleichmäßig die Tatsache zu imponieren, wie das deutsche Volk doch angeblich für den»Führer«, seine Ideen, seine Bewegung und seinen Staat das Bargeld so freiwillig lockert! Eine Massensteuer ohne die geringste Kontrolle Bei näherer Betrachtung des allerdings mehr als ungewöhnlichen Phänomens der immer noch ununterbrochen und phantastisch fließenden»Spenden« im Hitlerreich spielt das Psychologische die entscheidende Rolle: wie weit nämlich der Zeitgenosse, der von draußen her sich dem Sachverhalt nähert, überhaupt begreifen kann, was die völlige Unterdrük- kung jeder echten Gesinnung, was insbesondere die durch tausend sichtbare und Tinsichtbare Kanäle gespeiste Angstpsychose eines Millionenvolkes alles bewirken kann. Niemand, der aus einer Demokratie zum Dritten Reich hinüberschaut, kann verstehen, warum denn diese Menschenmillionen immer noch ihre Geldbeutel zücken, wenn schon, statt sozialisiert, geschnorrt werden soll. Die vermeintliche»Freiwilligkeit« der Spenden ist die schlechterdings gräßlichste Lüge des Systems, freilich auch seine einträglichste! Die Stadt mag noch so bescheiden, das Dorf noch so klein sein— es gibt von zehn Erwachsenen immer mindestens neun, die sich schon einmal durch persönliche Verweigerung bei irgendeiner der sicherlich tausend Abgabe-Aktionen, die sie in der Hitler-Zeit erlebten, direkt persönlich an ihrem Leben oder an ihrer Freiheit bedroht gefühlt haben. Herr Göbbels wird freilich sagen, dafür könne er nichts. Es ist das ähnlich, wie wenn der»Führer« mit markiger Stimme erklärt, am Wege der nationalsozialistischen Revolution läge auch nicht ein einziger erschlagener oder erschossener Gegner... ren, mindestens ebenso wichtigen Grund, trotzdem an der»freiwilligen Spende« festzuhalten: Die normalen Steuereingänge gehen ja zu Händen des Staates; sie unterliegen der Bewirtschaftung durch die Bürokratie. Es ist der Nationalsozialistischen Partei nicht gelungen, die alte Beamtenschaft ganz abzulösen oder doch zu entmachten; das gilt insbesondere für die Sach-Verwaltungen. Aber die Eingänge aus dem»Spenden«- System sind im Gegensatz zu dem Steueraufkommen ausschließlich kon- trollose K a s s e n a n g e 1 e g e nh ei t der D i k t a t u r p a r t e 1 und ihrer Gliederungen! Die Apparatur der Partei, quantitativ mindestens der bürokratischen des Staates ebenbürtig, verschlingt ungeheure Summen. Sie müßte einen Milliardenetat im Reichshaushaltsplan, auch wenn er,-wie der hitlerdeutsche, keinem Parlament vorgelegt zu werden braucht, vorweisen, wenn sie aufrechterhalten bleiben soll. An sich schon dürften direkte Subventionen aus den öffentlichen Kassen in die der Partei, deren es sicher genug gibt, zu Friktionen unter den Beteülgten, Bürokratie und Bonzokratie, genügend führen. Den offenen und großen Kampf um den Knochen verhindert eben die Tatsache, daß durch die»Spenden« die Partei im großen»sich selbst finanziert«. Das ist der andere Zweck des ausgeklügelten Systems. Das Blulegel-Monopol Ausgeklügelt— in der Tat! Gewiß, das Ein doppelter Zweck ist dem hitlerdeutschen �-Spenden«- Wesen eigen, und diese Doppelbestimmung schafft erst das hinreichende Verständnis für die ganze Angelegenheit, wenn man bedenkt, daß»an sich« ja die Diktatur die Macht hätte, eine ähnlich oder gleicherweise brutale und einträgliche Auspowerung der breiten Masse ohne Umweg über die schwerfällige, meist auch noch mit unerhörten Regie- und Werbungs- kosten verknüpfte»Sammlung«, Plakettenaktion oder wie der gerade fällige Coup schon einzureihen ist, zu tätigen. Jede Diktatur, insbesondere die Adolf Hitlers mit ihrem erheblich lumpenproletarischen Einschlag, lebt von der permanenten Illusion. Gegen jede Art von Steuer, die früher die Republik erhob, hatte die nationalsozialistische Propaganda lärmend protestiert; Hitlers verläßlichste Sturmgarde waren die Steuer- scheuen aller Klassen und aller Grade. Das ist nun der eine Zweck des»Spenden«- Systems: aus der Bevölkerung können bedeutende Summen herausgepreßt werden, ohne daß die Steuern erhöht werden. Diese Illusion— und um eine solche handelt es sich— hält das System wenigstens noch für die Gegenwart für agitatorisch unentbehrlich. Wie es freilich sein wird, wenn Hitler aus Gründen seines Verankert-Seins in der eigentlichen Staatsmacht— infolge der Dauer der Diktatur— glaubt, auf die Stimmung der eigenen Anhänger pfeifen zu können, ist vielleicht berechenbar, wenn man daran denkt, wie viele unfruchtbare Spesen und Generalunkosten— im Vergleich zur normalen Steuer— das System kostet. Sicherlich nicht ohne Grund verlautete schon kurz nach der Einführung der zweijährigen Dienstzeit glaubhaft, daß in diesem Winter 1936/37 an Stelle der bisher üblichen Winterhilfswerk-»Spende« die Zwangsabgabe aller Bürger des Dritten Reiches zur Mitbestreitung der riesigen neuen Militärlasten treten werde. Jedoch hat das System auch dann immer noch einen ande- war es zunächst in der nationalsozialistischen »Revolution« nicht! Die Sturmtruppen Hitlers, SA und SS, als Hilfspolizei von Göring ausstaffiert, Abgeglittene aller Schichten um-| fassend, sahen vielfach den»Aufbruch der Nation« als die beste Gelegenheit zur persönlichen Bereicherung an. Diebstähle bei »Haussuchungen«, Taschenraub bei»Festnahmen«, Verkauf»beschlagnahmter« Möbel, waren Normalien des Revolutionsverlaufs. Eine spätere Zeit wird darüber Berge von Aussagen und Akten zu häufen haben. Bei dieser kleptomanischen Hauptbeschäftigung der Revolutionsaktiven spielte aber auch die »Sammlung« für die braven Befreier-Jünglinge in brauner oder schwarzer Uniform, von ihnen selbst meist recht improvisiert in die Wege geleitet, schon eine wesentliche Rolle. Erst später kam man darauf, daraus ein verwickeltes und kompliziertes System zu machen— als die Machthaber sahen, was mit der Angstpsychose zu erreichen war und wie sehr das Publikum sich an die Schnorrerei geradezu schon gewöhnt hatte. Nichts ist beweiskräftiger für den reinen Parteibeute-Charakter der»freiwüligen Spenden« als der Umstand, daß die Nationalsozialistische Partei schon nach ungefähr zwei Jahren nach der Machtergreifung sich das Monopol für jedwede Art von Spende, Sammlung, Verkauf zu gemeinnützigen Zwecken, ja sogar von bloßer Beitragsentrichtung zu Vereinszwecken z u sichern wußte. Alle diese schönen Dinge fallen nämlich nach der Sammlungsordnung der NSDAP vom 4. Juli 1935(und diese hat reichsgesetzliche Verbindlichkeit, weshalb sie auch ausdrücklich im Reichsgesetzblatt verkündet wurde) von nun ab unter die Genehmigungspflicht der Behörden. Sie kann in die Geschäftsbücher aller Veranstalter einsehen; sie kann frei nach Belieben verbieten: sie kann nach freiem Ermessen bestrafen, sogar mit Gefängnis, wo sie einem Veranstalter übel will. Nur die NSDAP und ihre vom»Reichsschatzmel- ster«(nämlich dem Partei-Hauptkassierer) anerkannten Sonder- organisatlonen unterliegen diesem rigorosen Aufsichtsrecht der Behörde nicht, auch keinem Genebmigungszwang! Während des >W interhilfswerkes«— und es ist ausschließlich Angelegenheit der Partei— darf überhaupt und unter gar keinen Umständen eine andere Aktion ähnlicher Art stattfinden. Der Ukas ist erlassen, als insgeheim das deutsche Volk unter dem Treiben seiner braunbehemdeten Blutegel seufzte und stöhnte. Nun konnte es, nach jener Verordnung, so ausseben, als wenn die Gewalthaber ernsthaft daran dächten, dem»Spen- den«-Unfug, den sie selbst schon als solchen wiederholt hatten anprangern müssen, steuern wollten. In Wirklichkeit merkte das brave Volk schon bald, daß nun erst richtiges »System« in die Angelegenheit gebracht und der»Reichsbürger« nur aus dem Regen in die Traufe geraten war. Sdiropf köpfe auf Sdirltt und Tritt Selbst ein dickleibiges Buch könnte unmöglich eine Vollständigkeit der Schilderung ergeben, wie, unter welchen Vorwänden, mit welchen Mitteln und zu welchen Zwecken in Hitlerdeutschland permanent»gesammelt«, beziehungsweise»gespendet« werden muß. Hier muß man sich mit einer knappen und nur sehr auswählerischen Linearbezeichnung begnügen. Unter diesem einzig möglichen Gesichtspunkt stellt man da zunächst— als wichtigstes— fest, daß die sogenannte»W i n t e r- h i 1 f e« der»NS-Volkswohlfahrt« (eines unmittelbaren Parteiunternehmens) bei dem ganzen den Rahm abzuschöpfen hat. Ueber eine Drittelmilliarde Goldmark kommt jährlich— nach Abzug aller reichlichen Spesen— für sie zusammen. Eine Viertelmilliarde wird sogar in bar aufgebracht. Es gibt bei ihr die direkten Abzüge vom Lohn — beim Arbeiter— in Höhe von mindestens 10 Prozent der zur selben Zeit fälligen Lohnsteuer, oder Einkommens- oder Umsatzbesteuerungen beim Unternehmer, oder Abschätzungen des Bauern nach der Größe seines Grundbesitzes. Hier tritt die»Freiwilligkeit« sicherlich am allerunproblematisch- sten zutage. Wer sich da weigert, hat mindestens öffentliche Anprangerung, höchstwahrscheinlich aber auch Kazett als»Saboteur der Volksgemeinschaft« zu erwarten. Der »Winterhilfe« genügt aber dieses fixe Budget natürlich nicht. Sie macht extra ihre Haus- und Straßensammlungen: sie organisiert monatliche»Pfundspenden«; sie meldet sich für»Opfertage« in den Schulen, für öffentliches Eintopfessen, für Kinderwäschesammlungen des»Bundes deutscher Mädchen«; sie erhebt Zuschläge zu jedem Eisenbahn- und Trambillett, sie nagelt Erinnerungstafeln... Aber auch außerhalb des so gut ausgefüllten Winters schläft die NS- Volkswohlfahrt mit nichten. Kleider-, Radiogerät-, Obst- oder Gemüsesammlungen unterbrechen angenehm den übrigen Jahresverlauf eines Hitler-Untertans. Hier sammelt man für eine »Freiplatzspende für alte Kämpfer«, dort für »Verwandtenverschickung« oder»Kinder zur Kur«. Wer nicht in die Partei mehr aufgenommen wird(die Parteisperre ist ja da)!, muß mindestens seine»gute Gesinnung« durch Erwerb der Mitgliedschaft bei diesem konsequentesten aller Bettelorden der NS- Volkswohlfahrt bezeugen. Mit einem Monatsbeitrag von Mark L— fängt das bei den ganz kleinen Einkommen an und hat bei Mark 20.— monatlich noch durchaus kein Ende nach oben erreicht. Den Staatsbeamten möchte man sehen, der nicht Mitglied (zahlendes freilich, nie und nimmer allerdings mitbestimmendes!) der NS-Volkswohlfahrt wäre! Drei verschiedene Plaketten in einer Woche, die alle käuflich für irgendeinen Zweck— Luftschutz oder Emtedank, Mutterschaftstag oder»Brüder in Not«— ausgegeben wurden, waren zu Zeiten im Hitler- reich gang und gäbe! Es wurde sogar eine förmliche Konjunktur der erzeugenden Industrie aus der Vergebung von Riesenaufträgen für irgendwelche Knopfloch-Embleme gemacht, dergestalt, daß die jeweiligen Staat- balter damit bald die Hersteller künstlicher Blumen, bald die Plauener Spitzenfabrikanten, bald die Thüringer Porzellanmanufakturen beglückten. Und das alles spielte sich und spielt sich heute noch immer im Reichsmaßstab ab. Lokale»Aktionen« sind gesondert und für sich! Bald wird jeder Lehrer verpflichtet, einen Beitrag für das Bayreuther»Haus der Erziehung« zu stiften, bald hat man in bar an einer Niedersachsenhalle und ihrer so notwendigen Errichtung mitzuwirken, bald benötigt Zwickau Geld für seine Achthundertjahrfeier und schnorrt es einfach durch eine Sammlung zu Händen der Partei, bald fleddert man bei allen Beamten eines Bezirkes zur Errichtung einer SA-Wohnsiedlung. Wenn der Dresdener Oberbürgermeister heiratet, sammeln die städtischen Arbeiter und Angestellten für ein Auto als Hochzeitsgeschenk; wenn der Gauleiter Rover in Bremen Geburtstag hat, geht es auch nicht ohne Massenpump bei der breiten Volksschicht für ein standesgemäßes Präsent ab. Es gibt nichts unter der Hitlersonne, was nicht durch Schnorren und Spenden irgendwie an den Begriff der Volksgemeinschaft angeschirrt werden kann! Beiträge ohne Ende Eine andere nicht minder beliebte, freilich auch kaum weniger einträgliche Art der getarnten Kontribution ist in Hitlerien neben dem»Spenden«-Wesen die Beitragsmanie. Große neue staatliche Zwangsorganisationen, wie»Reichsnährstand«,»Organisation des gewerblichen Mittelstandes«, die Organisationen der sogenannten»Reichskulturkammer« sind erst vom Hitlersystem erfunden worden; die Beiträge dazu, die nicht von Pappe sind, natürlich auch! Ein durchschnittlicher Bauer zahlt z. B. da an folgende Organisationen: an den Reichsnährstand allgemein, an eine Hauptvereinigung, etwa die der deutschen Viehwirtschaft, an verschiedene wirtschaftliche Vereinigungen, wie etwa die Milchwirtschaftliche Vereinigung, an die diversen Stellen der Reichsstellen, die seine Produkte abnehmen. Ein durchschnittlicher Handwerker hat beitragsmäßig zu zahlen: bei der Innung, bei der Handwerkskammer, bei der Deutschen Arbeitsfront, Amt NS- Hago usw. Dazu kommen aber mit ihren regelmäßigen Ansprüchen an das Portemonnaie die direkten Nazi-Organisationen auch noch. Wenn man nicht gerade bei der Partei selbst ist, ist man doch mindestens beim Reichsluftschutzbund, hat einen Sohn bei der SA oder bei der Hitler-Jugend, hat die Frau in die NS-Frauenschaft glücklich hineinbugsiert; man ist entweder im NS- Beamtenbund, im NS-Aerztebund, bei der NS-Kriegsopfer- versorgung oder doch— wer könnte hier alles nennen— mindestens in Doktor Robert Leys»Deutscher Arbeitsfront«. 25 Miülonen Mitglieder hat die letztere heute als Zwangsorganisation aller Arbeitnehmer und kleinen Gewerbetreibenden. Ihre Beiträge stufen sich von monatlich 20 Pfennig bis zu 12 Mark monatlich. Der Reichsluftschutzbund wieder hat 5 Millionen Mitglieder. Jeder fünfte erwachsene Deutsche gehört ihm also an. Zehn Pfennig kostet's bei ihm mindestens monatüch. Aber das ist Ja noch nicht einmal das wesentliche: alle diese Organisationen, wie sie auch heißen mögen, sind von vorneherein darauf abgesteUt, auch noch möglichst viel an Sonderbeiträgen hereinzubekommen; Broschürenverkauf. Zeitungsvertrieb und ähnliches spielen dabei die Hauptrolle. Im ganzen darf das Einkommen aus dem System der»Spenden« auf rund 570 Millionen Mark im Jahr geschätzt werden. Das Aufkommen durch»Beiträge« ist ungleich höher; selbst bei niedrigster Schätzung kommt man auf 1700 bis 1800 Millionen Mark. Das ist zusammen eine Summe, die fast zwei und eine halbe Milliarde Reichsmark beträgt— weit mehr, als der gesamte Etat kleinerer und mittlerer europäischer Staaten ausmacht! Niemand hat eine genaue Kontrolle über diese gigantische Einnahmequelle; noch nicht einmal die Parteinutznießer selbst. Wer aber ist Hauptleidtragender dieser zu keiner Stunde aussetzenden grandios-schauerlichen Blutentziehungskur? Fast ausschließlich die breiten Massen des arbeitenden Volkes, für die jeder fehlende Groschen ein kleines oder ein größeres Schicksal ist. Was sich als reinste Emanation der sogenannten»Volksgemeinschaft« unter Hitler präsentieren möchte, was sogar von Dummköpfen noch mehr als von den Interessenten als»praktischer Sozialismus« der Welt angepriesen und angedreht wird, ist die schnödeste finanzielle Vergewaltigung eines Volkes unter Einsatz eines einzigen ebenso primitiven wie wirkungsvollen Mittels: der allgemeinen, der niedrigen, der selbst bis zur Gemeintveit fähigen Angst! Wer es fassen kann, der fasse es! Einmal AuspeHsdien 60 Rill Die deutschen Zeitungen melden: »Das Soziale Ehrengericht für Schlesien hat einen Landwirt zu einer Ordnungsstrafe von 60 RM verurteilt, weil er einen Landhelfer geohrfeigt und sogar gepeitscht hatte.« Im Zeichen der»Betriebsgemeinschaft« ist die Mißhandlung deutscher Ai bette r ungo» mein bülig geworden. Nr. 173 BEILAGE Neuer Vorwärts 4. Oktober 1936 Brauner Bolschewismus Selbstentlarvung in Nürnberg Dr. Göbbels hat in seiner durch den nach Zweckmäßigkeitsgesichtspunkten und der deutschen Entwicklung hin. Er Literatur, Erziehungswesen, KultureinrichRundfunk verbreiteten Parteitagsrede vom orientierte Handeln ist verbunden mit dem stellt aber ausdrücklich fest: tungen usw. sind Instrumente in den Hän10. September in Nürnberg folgende Defi- öffentlichen Vortäuschen einer Freiheit des>> Was Lenin und Stalin tatsächlich, aber den der Diktatur. Die Masse der Bevölkenition des Bolschewismus gegeben: Volkes und der Masse. So kann der bol- nicht satzungsgemäß in ihrer Partei waren, rung wird gelenkt und beaufsichtigt durch >> Der Bolschewismus ist die Diktatur der schewistische absolutistische Staat das er- war Hitler offen in der NSDAP. Wie auch einen sorgfältig ausgebauten Zellen- und fertig bringen, bei den marxistisch- russischen Bolschewi- Funktionärapparat. Minderwertigen. Zur Macht kommt er mit staunliche Kunstwerk der Lüge, in der Macht behauptet er sich mit der Gewalt.<< Die Hörer des Dr. Göbbels werden nicht wenig erstaunt gewesen sein, eine so treffende Charakteristik zu vernehmen, die haargenau auf die nationalsozialistische Diktatur paẞt. Es verhält sich mit dieser Sentenz so, wie mit vielen anderen, die in den Parteitagsreden der nationalsozialistischen Führer, der Hitler und Rosenberg, der Heß, Frank, Wagner, Dietrich, Amann usw. zu finden sind. Sie alle sind auf den Ton der Anklage gegen die > jüdisch- bolschewistische Weltverschwörung und die Gewaltherrschaft in Sowjetrußland gestimmt, sie alle appellieren an die kapitalistische Welt, um die Kräfte der internationalen Reaktion zu sammeln und Deutschland an die Spitze des Kreuzzuges gegen die Sowjetunion zu stellen, sie enthalten aber auch gegen den Willen der Redner eine Fülle von Anklagemadas Diktaturregime terial gegen Deutschland selbst, das in weit stärkerem Maße als die Sowjetunion den zum» Weltfeind« erklärten Bolschewismus verkörpert. in Die Ursache dieser eigenartigen Erscheinung liegt auf der Hand: Man kann nicht den russischen Diktaturstaat und den russischen Bolschewismus anklagen, ohne gleichzeitig den nationalsozialistischen Diktaturstaat und den braunen Bolschewismus zu entlarven, die ihre russischen VorAus bilder weit in den Schatten stellen. der Leidenschaft, mit der die nationalsozialistischen Parteiführer gegen den russischen Bolschewismus ankämpfen, spricht nicht nur der Wunsch, sich eine Kulisse für internationale Brandstiftungspläne schaffen, sondern auch das böse Gewissen von Gewaltpolitikern, die nach der Methode>> Haltet den Dieb!< die öffentliche Meinung der Welt von der Kennzeichnung des Wesens und der Methoden des nationalsozialistischen Diktaturstaates abzulenken suchen. zu Es ist das Verdienst des katholischen Schriftstellers Dr. Waldemar Gurian, die erstaunliche Aehnlichkeit zwischen dem Bolschewismus und Nationalsohaben, die zialismus nachgewiesen zu heute mehr denn je zur Selbstentlarvung > Befreiungsder nationalsozialistischen politike beiträgt. In einer vor wenigen Monaten im Vita Nova Verlag, Luzern, erschienenen Schrift» Bolschewismus als Weltgefahr hat er nach einer Darstellung des bolschewistischen Machtstaates den Nachweis geliefert, daß der Nationalsozialismus nicht nur die Methoden der Machtergreifung und Machtbehauptung dem russischen Bolschewismus entlehnt hat, sondern daß er darüber hinaus die eigentliche Weltgefahr repräsentiert. Den bolschewistischen Staat bezeichnet Gurian als ein bewußt primitives Gebilde, als einen Zwangs- und Gewaltapparat, der dazu dient, die in ihre Elemente aufgelöste Gesellschaft vor völligem Zerfall zu bewahren und zu verhindern, daß die stets drohende Anarchie offen ausbricht. Die Möglichkeit zur Aufrechterhaltung des Staates schafft die straffe Parteiorganisation, die militärischen Gehorsam und militäWie lange noch? 485 0000000 Die Rechtsanschauungen gleichen sich auffallend: Recht ist, was dem herrschenden Regime nutzt, und Unrecht, was ihm schadet. Alle Zwangsmaßnahmen sind eigentlich nur Antworten auf» Angriffe«. Terror und Ausnahmezustand sind der Normalzustand beider Regime. Sie sind in ihrem ganzen Wesen Regime gegen Feinde. Das heißt, sie müssen stets gewärtig sein, gestürzt zu werden, wenn sie in der Machtkonzentration auch nur etwas nachlassen. Um sich an der Macht zu halten, werden alle Andersdenkenden eingeschüchtert und mundtot gemacht. Andererseits wird die Widerstandskraft der Gegner dadurch gelähmt, daß eine Oeffentlichkeit erzeugt wird, in der nur Begeisterung und Zustimmung erscheint. Hierbei ist die Staatsmaschinerie des Dritten Reiches von Anfang an viel zuverlässiger als die des russischen Bolschewismus, da sie sich auf eine höhere technische und wirtschaftliche Entwicklung und auf traditionsgemäß gebundene national- konservative Elemente stützen kann. Bei aller Ablehnung des Bolschewismus, wie des Nationalsozialismus, ist Gurian dennoch geneigt, in der Sowjetunion einen historisch fortschrittlichen Prozeß festzustellen, während er im Nationalsozialismus nur einen Rückfall in den nackten Machtstaat erblickt: >> So paradox es ist: Beim marxistischrussischen Bolschewismus zeigen sich bei näherer Untersuchung trotz seiner theoretischen Unrichtigkeit und seiner praktisch sofort erkennbaren Grausamkeit Inhalte, die noch aus einer an das Naturrecht, an die übersoziale Vernunft glau- d benden Welt stammen. Beim Nationalsozia- g lismus dagegen sind diese Inhalte völlig aufgelöst, bei ihm ist der Prozeß viel weiter fortgeschritten, der die weltanschaulichen Inhalte zu Formeln werden läßt, um bestimmte politische und soziale Kräfte zu entfesseln, zu beschwören und zu lenken. Der Idealtypus bols chewistischer Weltanschauung ist also Nationalsozialismus klarsten zu erkennen.«( S. 68.) am a m Der Marxismus, der den russischen Bolschewismus bestimmt, ist, nach Gurian, an ein bestimmtes politischsoziales Programm gebunden. Er bewirkt auch, daß in der Sowjetunion der Glaube an Vernunft und Fortschritt lebendig ist. Dem Nationalsozialismus dagegen fehlt dieser Glaube. Die Vernunft wird überhaupt nicht mehr als solche anerkannt. Ein politisch- soziales Programm mit bestimmten Inhalten ist nicht vorhanden. An die Stelle dieses Programms ist das sogenannte Führerprinzip getreten. Nationalsozialistische Weltanschauung ist der Glaube an den Führer Adolf Hitler. Das Dasein seiner Macht schlechthin erscheint als der Sinn der gesamten Existenz. Die Macht ist Selbstzweck. Der Antimarxismus und Antibolschewismus sind Lockmittel für die besitzenden Schichten. » Der Antimarxismus dient der Entfesselung von Trieben, die dann von der nationalsozialistischen Organisation eingefangen und ständig für ihre Machtbehauptung und Machterweiterung benutzt werden.<< nur Mit eindringlichen Worten schildert Gurische Disziplin auf das gesamte politische gleichzeitig als der wahre Volks- und Mas- sten alles von oben bestimmt wird und das rian die Gefahren, die daraus für die Volk dazu da ist, diesen Bestimmungen ganze Welt entstanden sind:» Im Namen und soziale Leben überträgt. Es gibt nur senstaat zu erscheinen. Zwischen diesem bolschewistischen Beifall zu spenden, so geschah es auch bei des Kampfes gegen den Marxismus, unter die kalte Zweckmäßigkeit der Machterhalnur ganz offen, Berufung auf die in diesem Kampfe wietung und Machterweiterung. Alle Forde- Machtstaat und dem Staate Hitlers besteht den Nationalsozialisten, rungen der Tradition, alle Gefühle der Hu- eine weitgehende Aehnlichkeit, die selbst ohne alle theoretisch- doktrinäre Schwie- dererwachten gesunden Instinkte entsteht das Dritte Reich des Nationalsozialismus. manität, alle Schranken des Rechts müs- von nationalsozialistischen Staatsrechtlern rigkeiten.<<( S. 51.) So bezeichnet Hitlers Gurian schildert im einzelnen, wie trotz Es entspricht in seiner Organisation durchsen zurücktreten. Alles geschieht im Na- anerkannt wird. men der Masse und der Mobilisierung der Kronjurist, Professor Carl Schmitt, der Verschiedenartigkeit der programma- aus dem bolschewistischen Sowjetstaate. Der in seiner grundlegenden Schrift» Staat, Be- tischen Zielsetzungen die Grundlinien Nur ist der Staat Hitlers technisch unMasse für die politischen Zwecke. Herrschaftsmethoden im endlich vollkommener als sein marxistieinzelne wird nicht nur gezwungen, zu wegung, Volk« die Sowjetunion ausdrück- der allem, was das Regime tut, zu schweigen lich als den Staatstyp des 20. Jahrhun- nationalsozialistischen und bolschewisti- scher Bahnbrecher und Vorläufer.<< Zum und dadurch den Anschein zu erwecken, derts, der im Gegensatz daß er sein Freund sei, er wird darüber des 19. Jahrhunderts stehe. zum Staatstyp schen Staate die gleichen seien: Der Staat Unterschiede vom russischen BolschewisEbenso wie ist Instrument der herrschenden Partei, mus, dessen Schwergewicht sich immer hinaus benützt, das Regime zu stärken. in der Sowjetunion wird in Hitlerdeutsch- die diktatorisch regiert und den Anspruch mehr nach innen verschiebt, ist der NaDie Fälschung der Oeffentlichkeit ist nicht land die Einheit von Volk, Staat und Be- auf die allein gültige Weltanschauung er- tionalsozialismus expansiv. Er verbinnur eine Unterdrückung des Volkswillens; wegung durch die totale Macht einer allein- hebt. Was diese Weltanschauung sei, be- det seine Gewaltpolitik mit einem Volkssie wird bewußt zu einer Stütze des Re- herrschenden Partei geschaffen. Gurian stimmt jeweils die herrschende Partei. Eine und Rasseglauben, der die bisherige poligimes verwandt. Das absolutistische, nur weist auf die Unterschiede der russischen freie Oeffentlichkeit gibt es nicht. Presse, tische Ordnung Europas zu sprengen droht. Er strebt bewußt die Vorherrschaft der» besten Rasse und des besten Volkes« an, und zwar mit den Mitteln eines hochgerüsteten totalen Staates und einer Taktik, die die Welt in Sicherheit zu wiegen sucht, um die weitgesteckten Ziele der Expansionspolitik um so leichter erreichen zu können. Das schwarze Coeur > Güte ist Konsequenz! Nur Konsequenz Wird Schicksal!< ( Hanns Johst, 1919.) Es gibt im Dritten Reich eine Zeitschrift > die neue liniek. Wie man sieht, hat sie von früherher noch etwas kulturbolschewistische Allüren, denn die Mode der kleinen Buchstaben für die Hauptwörter stammt verdächtig aus verseuchten liberalistischen Zeiten. Aber der Inhalt verscheucht zum Glück Gurian findet zum Schluß bittere Worte der Kritik gegenüber den Illusionen, die in den demokratischen Ländern hinsichtlich der Ueberwindung des Nationalsozialismus gehegt werden. Gleich dem deutschen Bürgertum vor und nach 1933 hoffe man, ihn durch geschickte taktische jeglichen Verdacht:»> die neue linie<< ist nicht Künste leicht und unauffällig mattzusetMan merke nicht, daß das, was für den Nationalsozialismus wirklich Taktik ist, d. h. Gewinnung von Zeit, um Kraft zu sammeln und die richtige Schlachtordnung herzustellen, für seine Gegner nur zen. nur linientreu, sondern besonders total ausgerichtet. In ihrer jüngsten Nummer findet man einen Aufsatz von Hanns Johst, dem Präsidenten der Reichskulturkammer, betitelt Garde du Coeure. Sollte Johst, so meint man im ersten Augenblick, die Garde der klopfenden Herzen etwa in der Reichsfrauenschaft entdeckt haben, mit ihrer erzgepanzerten Chefin Frau Scholz- Klinck? Sollte sich Schwäche und Unsicherheit bedeutet:» Der Nationalsozialismus enthüllt die moralische Krise einer Welt, für die Friede im Dritten Reiche eine sentimentalische Ecke und Sicherheit, Ordnung und Recht Gege- behauptet haben, wo der stille Seelenforscher benheiten sind, die kein Kampf und kein Johst den Herzenstakt neben dem Rhythmus Wagnis erfordern und die darum sofort der Marschstiefel vernommen hat und bein Frage gestellt sind, wenn eine Macht singt? Der Dichter weiß uns bessere Kunde. auftritt, die es wagt, entschieden aufzu- Die Garde du Coeur das ist Himmlers treten und unter zynischer Anwendung der wilde verwegene Jagd, die schwarfriedlich- rechtlichen Terminologie systema- ze SS: tisch an der Vorbereitung ihrer Vorherr» Diese Garde als revolutionäre Elite schaft zu arbeiten. Der nationalsozialistischen Machtgläubigkeit entspricht als Gegenstück eine moralische Trägheit, die vielleicht darum hilflos ist, weil sie selber spürt, wie wenig sie bereit ist, ihre schöne Terminologie wirklich ernst nehmen.< A. Stein. zu Bananen und Lepra Wer hat ein Interesse an hetzerischen tenkreise oder um Verwechslungen mit andern Krankheiten oder um eine Konkurrenzlüge zum Schaden der SüdJedenfalls scheint es frucht- Importeure? an der Zeit zu sein, den Gerüchtequellen jetzt energisch auf den Grund zu gehen.<< Wir möchten der deutschen Presse bei diesem» energischen Auf- den- Grund- gehen< behilflich sein und weisen sie deshalb auf das Buch» Konzentrationslager< hin ( Verlagsanstalt> Graphia<, Karlsbad 1934). Der Leiter des städtischen Gesundheits- Dort erzählt u. a. ein kleiner Junge, der Sohn amtes in Braunschweig, Obermedizinalrat des Konzentrationslagerhäftlings Tabaschnik, Bartels, übergab der Presse folgende Notiz: folgendes Schulerlebnis: Gerüchten? > Oft sagte auch der Lehrer:» Deutsche Kinder essen kein ausländisches Obst und wenn man Bananen iẞt, bekommt man einen Ausschlag. Da kommt man auf eine Insel, weit weg, und darf nie mehr nach Deutschland zurück.< Ich dachte, ich will gar nicht nach Deutschland zurück, wenn Wenn sie meiich erst auf der Insel bin. nen Vater so behandeln, gefällt es mir nicht mehr. Und ich hätte mir recht viele Bananen zu essen gewünscht.<<( S. 115.) Es sind also keine> hetzerischen Emisolche Lepra- Gerüchte > Hier in Braunschweig soll ein hiesiger Großhändler, der täglich mit Bananen zu tun hat, durch die Berührung oder durch den Genuß dieser Früchte plötzlich an Lepra erkrankt und nach einer ärztlichen Untersuchung sofort im Flugzeug auf eine Lepra- Insel gebracht worden sein. Abgesehen von der durch die Unhaltbarkeit derartiger Gerüchte hervorgerufenen Beunruhigung der Bevölkerung ergeben sich hieraus auch erhebliche wirtschaftliche Schädigungen.< Der Westen<, Berlin, bemerkt dazu, unverantwortliche Gerüchte solcher Art wür- grantenkreise<<, die den jetzt auffallend oft in die Welt gesetzt: ausstreuen. Es sind u. a. jene neudeutschen die > Bleibt also die Frage offen, ob jemand Erzieher, sich auf höheren Befehl an dem Lepra- Gerücht ein besonderes In- verpflichtet fühlen, schon die kleinen Kinder teresse haben könnte. Handelt es sich mit Autarkie- Wahnsinn zu infizieauch hier um eine berufsmäßig ausgestreute ren, damit die allerhöchsten Führer später Geschichte hetzerischer Emigran- leichteres Spiel haben. Nordische Verirrung muß wissen, daß ihre Tradition nicht im rung beanspruchen, wenn er das Gold aus Vorgestern irgendeiner Geschichtsauffas- den Herzensschächten seiner SS zutage försung ruht, sondern im Morgen einer neuen dert. Die SS hat geprügelt und gepeitscht Geschichtsbildung wächst. Diese Garde des im. Dritten Reiches ist die SS.... Es ist aus Frömmigkeit. Sie hat wehrlose Gegner dabei festzustellen, daß es sich nicht um und bisherige Kameraden ermordet ein Garde du Corps der vergangenen Jahr- heiligen Gefühl des schöpferischen Odems. hunderte und ihres höfischen Charakters Ihre Obersten haben sich Villen gebaut und handelt, sondern um eine Garde du umgürtet von jener Coeur des 20. Jahrhunderts... Bankkonten angelegt So wie die Gebetsmühlen des Tibet antimaterialistischen Gesinnung und Gesitihre Frömmigkeit symbolisch einschalten tung, die nach des Dichters Zeugnis ihr geiin den Blutkreislauf der Schöpfung, wenn stiges Erlebnis geworden ist. Während sie.. sie in den Ablauf der Flüsse gestellt wer-> ruck zuck!<< zu Paraden antreten oder ihre den; so wie die Fahne von ihrer Gefolgschaft als pfingstliche Zunge im Odem des braunen Brüder beaufsichtigen, sind ihre See Schöpfers erfühlt wird, ebenso tief und len in Wahrheit tibetanische Gebetsmühlen über jeden Materialismus er- und haben umgürtet die Liebe die- pfingstlichen Zungen. Die Kirche kann ihre ser Mannschaft, dieses verihre Kommandoschreie erfolgen mit schworenen Ordens, das Leben des Schuld, daß sie die Urlaute tief versunkener Führers. Das Leben des Führers bleibt auf Inbrunst nicht vernimmt, in diesem Leben diese Weise nicht nur eine Wirklichkeit, nie wieder gutmachen! Hanns Johst, die konsondern wird zu einer Wahrheit, das heißt sequente Güte selbst, war einmal dem Coeur wird geistiges Erlebnis... Daß diese der» Untermenschen<( als» O Mensch!<- Dichtiefe Frömmigkeit der SS hier und da mit den machtpolitischen Ansprüchen ter) verschworen und keiner Blutfahne, soneiner realpolitischen ecclesia militans hart dern dem Banner der Humanität. Die Humaan hart gerät, ist nicht Schuld dieser guten nität hat inzwischen viel ausgehalten. Es geFrömmigkeit, sondern erweist das Uebel hört zu ihren bescheidenen Errungenschaften einer verweltlichten und verstaatlichten im Dritten Reich, daß sich Hanns Johst und Kirche seine Ordensbrüder von ihr losgesagt haben. Johst ist Oberführer der SS. Er darf Autorität des Urteils und der Meinungsäuße>> Was wird aus unserer Technik?«< Die Sorge um die Zukunft wächst. Die Deutsche Allgemeine Zeitung< veröffentlicht in ihrer Nummer 450-51 den folgenden Warnungsruf eines Lesers: Wenn ein junger Mann die Ingenieurlaufbahn ergreifen will, so kommt zum Studium noch 1 Jahr Praxis hinzu, denn ohne Werkstattpraxis werden Ingenieure groß gezogen, deren Leistungen für Laboratorien und reine theoretische Untersuchungen ausreichen, aber nicht als Führer in der Praxis. Mir ist ein Fall bekannt, wo ein junger Mann, der Ingenieur zu werden beabsichtigte, 11/2 Jahr nach dem Abitur praktisch gearbeitet hat. Als er ein Semester studiert hatte, kam die Verfügung heraus, daß keiner weiter studieren darf, der nicht freiwillig im Arbeitsdienst gewesen sei; damit war das Semester verloren und der junge Mann mußte das Studium abbrechen. Es ergibt sich nun folgende Aufstellung: Bei Abitur 191/2 Jahre, Praxis 12 Jahre 1 Jahr Arbeitsdienst 2 Jahre Militärdienst 4 Jahre 1 Semester Studium, das wiederholt werden muß, wenn H. ist wohl ganz klar, nur möchte ich wünschen, daß dies bald kommen möge. Die Rohstoffrage bildet in Deutschland ein außerordentlich wichtiges Kapitel, ebenso wie der Export. Wir Deutschen können aber nur exportieren, wir den anderen Völkern etwas bieten können, was diese nicht haben. Da heißt es, alle geistigen Fähigkeiten entwickeln und unausgesetzt arbeiten, um an der Spitze zu bleiben. Wer möchte unter diesen Umständen noch Diplom- Ingenieur werden? Was wird dann aber aus unserer jetzt noch hochstehenden Technik? Selbst in Deutschland merken also immer mehr Leute, wohin die Reise geht. Aber ihre Angstrufe werden den Wagen nicht zum Stehen bringen. Laẞt Blumen schweigen! Bisher war es nur verboten, den Wagen des Führers mit Blumensträußen zu be werfen. Jetzt meldet die deutsche Presse: >> Bei Besuchen führender Persönlichkeiten der Partei und des Staates werden von einzelnen Volksgenossen trotz Verbotes immer noch Blumen und Sträuße in die fahrenden Kraftwagen geworfen. Es wird darauf hingewiesen, daß das Werfen von Blumen als Zeichen der Zuneigung in die fahrenden Wagen durchaus unerwünscht ist und daher von der Polizei unterbunden werden muß.< 4½ Jahre Technische Hochschule, ergibt ein Alter von 29 Jahren. Also der junge Mann fängt mit 29½ Jahren an zu lernen, was die Praxis verlangt, Somit ist also der Schutz vor verdächtidenn darüber sind sich doch alle einig, daß die theoretischen, auf der Schule erworbe- gen Ovationen auch auf die Unterführer ausnen Kenntnisse in der Praxis umgewertet gedehnt worden. Selbst Blumen sprechen zu werden müssen, je nach der Beschäftigung, lassen ist in dem schweigsamsten aller Länwelche die jungen Leute haben. Daß eine Aenderung eintreten muß, der verboten. Was mag da bloß los sein? Mich packt so mann ein gesunder nationaler Fundus unzer- 1 sanften Rattenfänger immer wieder zur helein Ahnen, stört geblieben war, gepflegt von seiner guten len Verzweiflung bringt: die Reversseite. und mütterlichen Frau. Als nun Ley auf der Bildfläche erscheint und ihm eine> Kraftdurch- Freude<-Fahrt nach dem Ganz oben inmitten von Gletschern und Fjorden als wären es gar nicht die rechten Germanen, da hausen die nördlichsten sämtlicher Norden die jetzo in Deutschland auf's Ariertum und bilden nach ernsthafter rassischer Wägungdie reinlichste Aufzucht germanischer Prägung. Nahe bei Urd und Verdandi und Skuld, näher denn alle bei Walvaters Huld. In Deutschland verwies man bis dahin noch jeden, den Zweifel befielen, begeistert nach Schweden: seht so, sprach man, sollen die Kinder einst werden auf deutscher, vom Juden gereinigter Erden, Kinder von Göbbels und Kinder von Ley, Kinder, bei Wotan, so schön wie der Mai. Doch traue der Teufel naturblonden Haaren! Die Schweden, anstatt sich um Hitler zu scharen, reisen Der Wartesaal H. und tausende Deutsche des Landes verweisen. Norden anbietet, da wird bereits die erste Weg mit Hauptmann, Strindberg, Ibsen! Entweder sind alle Arier der Welt jüdisch versippt, pazifistisch geprellt, untermenschlich erweicht und verbogen oder in Deutschland wird furchtbar gelogen. Hugin. Brandelmann Bekehrt durch Ley... Der Bresche in diese störrische Festung geschlagen. Freilich, die Eroberung geht nicht so schnell; sonst würde ja Starckes Roman nicht auf die obligaten 250 Seiten kommen. Leser erlebt zugleich den Herzenskonflikt eines wackeren SA- Mannes mit einem lieben braunen Mädel auf der Reise. Damit aber gar nichts fehle in dieser Romankonfektion an der Stange, wird noch eine hochmütige Fabrikantenfrau namens Elvira Boltenstern schlichten neudeutschen Erlebnis bezum Ein Roman, der längst fällig war, ziert die Auslagen der Buchhandlungen in Deutschland. Er heißt Brandelmann auf kehrt. Vor dieser totalen Offenbarung der großer Fahrts. Wer ist Brandelmann? echten Volksgemeinschaft sehen wir am Ende Ein dickköpfiger Marxist, der noch unter auch unsern Brandelmann gänzlich hingerisMit Kraft durch Freude rauschen die Hitler stur an die überlieferten Ideen des So- sen. zialismus glaubte;» von Haus aus ordentliche Akkorde der wahren Volksgemeinschaft. KeiLeute, waren Brandelmann und die Seinen ner bleibt übrig, der nicht sein Herz an den Die Orakelei der Nazipresse über die > neue Kunst<, die einmal kommen soll, ist unermüdlich und hängt den Lesern schon zum Halse heraus. Nur ab und zu liest man in den Naziblättern einmal etwas Konkretes über das, was nicht sein soll, so jüngst in der Preußischen Zeitung: > Wenn z. B. gefragt wird, warum so wenig Werke von Gerhart Hauptmann gebracht werden, so müssen wir darauf antworten es ist nicht nur die naturalistische Form seiner meisten Dramen, die uns nicht mehr zusagt, es ist das falsche, wehleidige, depressive Mitleidsethos. Darum können wir nichts mehr mit den Stücken anfangen, die sich damit begnügen, soziale Mißstände schildern und zu bemitleiden.< Zu Es könnte sonst bei solchen Stücken zu die Dänen auch, untreu den nordischen Bräu- schon lange vor den 14 Jahren der Schmach< Ley verlor und in heiliger Ergriffenheit eine viel Kritik am Dritten Reich herausspringen. unter die roten Räuber gefallen, die sie mit Führerrede durch die Aetherwelle belauscht. die ließen sich schnurstracks marxistisch ver- Leib und mit Seele gefangen hielten. Wie aus Die braune Presse prophezeit dem Buch Kreuz: chen, seuchen. Weh uns, im Norden, in Allvaters Licht da spuckt man dem Rassestolz grad ins Gesicht. In England, in Holland ist's ziemlich das Gleiche, men diesen marxistisch verseuchten Saulussen be- einen großen Erfolg. Wir zweifeln nicht geisterte braune Paulusse wurden, das ist der daran. Inhalt Der Autor hat ein Wunschbild dieses Romans von Gerhard des Dritten Reichs ins GemeinStarcke, der sich damit einen der näch- verständliche projiziert: das Versten Literaturpreise des Propagandaministe- langen, die widerspenstigen, durch nichts zu riums erschrieben hat. bestechenden Widersacher des Regimes, die Dieser Brandelmann wollte als alter treuer mit der Arbeiterbewegung aufgewachsen man richtet sich nicht nach dem drittbesten ihre Hürde zu locken. Gewerkschaftsfunktionär in einem Berliner sind, endlich in Reiche. Kürze wird das Buch in allen Grad da, wo die arischen Blutkörper schwim- Druckereibetrieb mit seinen Kameraden nicht In an den Retter und Führer glauben. Zu va- braunen Bibliotheken stehen und seinen besteht man darauf, demokratisch zu stim- terlandslosen Untermenschen jahrzehntelang Autor durch zahlreiche Auflagen nähren. erzogen, waren sie ohne Sinn für die hohen Aber die wirklichen Brandelmanns werdiesem Starcke und seinen AuftragNordische Menschen im Ost und im West Güter der Nation. Aber Starcke zeigt uns den hassen Tyrannen wie Gifthauch und Pest. nun, daß selbst in diesem suspekten Brandel- gebern das zeigen, was die lauten und die men. Auch mit den großen Norden ist es ein >> Und ebensowenig können wir zu Strindbergs naturalistischen Dramen ja sagen, die mit unerhörter Schärfe, aber mit tiefstem Pessimismus die menschliche Seele psychologisch zergliedern und zerfasern, bis das Leben nur noch als ein Inferno erscheint. Dagegen bejahen wir absolut seine Märchenspiele, in denen ein reiner Wille über eine böse Welt siegt, und vor allem seine großen Geschichtsdramen Fallen muß auch der Ibsen der Gesellschaftsstücke, über deren Probleme wir längst hinaus sind, während der Romantiker und Geschichtsphilosoph Ibsen mit seinem» Peer Gynt< und seinem> Kaiser und Galiläer« uns noch Wesentliches Z sagen hat. Kart Deberer: Spaziergang nach Paris Im Deutschen Reich erscheinen neben den Kriegsbüchern auch noch Bücher, die sich mit gänzlich unpolitischen Themen befassen. Diese Unterhaltungsliteratur unterscheidet mich dadurch von den Kriegsbüchern, daß sie die Dinge, die in den militärischen Büchern nur verschämt, unklar und mit Decknamen ausgesprochen werden, in aller Unverschämtheit mit dem richtigen Namen nennt. Diese deutsche Unterhaltungsliteratur steht in den staatlichen Minderheitsbibliotheken für die Deutschen, in den an Deutschland grenzenden Staaten. Sie muß deshalb ausgezeichnet getarnt sein. Sie muß die Zensoren der anderen Staaten auf den ersten fünfzig Seiten vor Langeweile umbringen und DAST dem emsig schürfenden treudeutschen Mann auf einigen Seiten etwa in der Mitte des Buches die wahren Weisheiten enthüllen. Ein solches Musterexemplar von einem Göbbelsschen Werberoman ist ein neues Buch aus dem Grunow- Verlag in Leipzig. Es nennt sich> Leuchtfeuer im Mond« und > Phantastischer Roman«. Wenn dem Zensor die Titel noch nicht ausgesprochen harmlos erscheinen, kann er ja zu lesen beginnen: > Noch regte sich kaum das Leben der großen Stadt, als Gerta Sanden schon frisch und munter vor dem Spiegel stand und ihre schöne, stolze Erscheinung einer letzten Prüfung unterzog. Wie sie so dastand, im leichten Morgengewand, mit einer lässigen Bewegung einige vorwitzige braune Löckchen aus der Stirn streichend, bot sie ein reizendes Bild. In den dunklen, schelmischen Augen lag noch der Abglanz eines glücklichen Traumes, als sie, an das geöffnete Fenster tretend, in den morgenfrischen Garten hinausblickte, der die kleine Villa Dr. Sandens umgab.<< Allein das reizende< Bild genügt um alle vernünftigen Leser zusammen mit dem Zensor sagen zu lassen: Was kann da schon in einem solchen Schinken noch passieren. Schon nach dem Inhaltsverzeichnis kommen nach den ersten gedankenreicheren Kapiteln Rakete zum Mond. Stadt unter dem Mond. Lichtsignale die ganz platten sogleich danach: Gerda in Not. Ein junger Retter. Junge Liebe. Sonnenschein über der Heide. Gerda Sandens Fahrt ins Glück. Erst Seite einhundertachtundvierzig beginnt Göbbels die goldene Zukunft heißen: zu ver» Der Rundfunk meldete sich. Das Mädchen horchte interessiert auf die durchgegebenen Nachrichten: > Die französische Luftflotte, die in der die Stadt Essen mit vergangenen Nacht Brand-, Spreng- und Gas- Bomben angriff, int in heftigem Kampfe über belgischem Gebiete von den schnell zusammengezoge nen deutschen Luftstreitkräften vernichtet worden. Eine größere feindliche Streitmacht, die einen Angriff auf Köln unternahm und eine andere, gleichstarke, die in Richtung Berlin operierte, sind durch eine neuartige Abwehrwaffe zum Niedergehen und die Besatzungen gezwungen worden gefangen gesetzt. Eigene kleinere Abteilungen erschienen über Paris und den größeren Städten Frankreichs und führten Paris. dort erfolgreiche Angriffe durch. Deutsche| Auf zwei kurzen Seiten ist das wahre GeInfanteriedivisionen, durch Transportflug- sicht des Dritten Reiches enthüllt und Europa zeuge gelandet, operieren bereits im Rücken unter seinen Stiefel gestellt worden. Es ist der Festungskette Belfort- Verdun. Mittelzu Hitlers> Mein deutsche Regimenter, in gleicher Weise ins die Gebrauchsanweisung Feindesland gebracht, marschieren auf Kampf«, eine ganz moderne Gebrauchsanwei Deutsche U- Boote beschießen die sung. Es fehlen nicht die Fliegenden Regifranzösischen Küstenplätze. Feindliche menter, die im Rücken der französischen Transportschiffe, die Kolonialtruppen nach dem Kriegsschauplatz befördern sollten, Maginot- Linie gelandet werden. Es fehlen sind von deutschen U- Schiffen der nach nicht die deutschen Störsender die GeheimOstasien dirigierten Flotte versenkt wor- waffen aus der Immer- feste- druff- Propaganden. dakiste des Ministers Göbbels die die Die unerwartete Kriegsbereitschaft der Deutschen erregt in der ganzen Welt Er- französische Luftarmee vom Himmel holen. staunen, zumal auch schon Luftgefechte Es fehlt nicht der herrliche Traum des zwischen Deutschen und Sowjetrussen für >> Führers<: Ein besiegter französischer uns siegreich verlaufen sind. leiten.<< Eine Melodie, schildert. deren Präludium Im Augenblick der Meldung befindet Kriegsminister ihm zu Füßen in Berlin, um sich der französische Kriegsminister bereits Gnade winselnd. unterwegs zur Reichshauptstadt, um Waf- Der Feind nimmt die milden Bedingungen fenstillstandsverhandlungen mit dem Ziele Klaseines möglichst baldigen Friedens einzu- an, er gibt Elsaß- Lothringen zurück! sisch ist in wenigen Sätzen die deutsche Gerda atmete befreit auf und jeder Deut- Taktik zur Rückgewinnung von Kolonien gesche mit ihr. Die Ereignisse der letzten Stunden waren so unvermittelt eingetreten, daß Hitler auf dem Nürnberger Parteitag eben kein Mensch darauf vorbereitet gewesen war. zu spielen begonnen hat. Eine laute Freude brauste durch das Reich. Dorf und Stadt hüllten sich in reichen Flaggenschmuck, überall flatterte das Hakenkreuzbanner lustig im Winde. Der Deutsche Reichskanzler wandte sich in einem flammenden Manifest an die Bevölkerung. Er rief die Reserven zu den Waffen auf. Vorläufig wußte noch niemand, wohin die Marschrichtung der deutschen Armeen gehen sollte, ob nach Frankreich oder in den fernen Osten. > Endliche Anerkennung der deutschen Oberhoheit über seine ehemaligen Kolonien. Letzterem Punkt kommt zwar nur eine formale Bedeutung zu, weil die Schutzgebiete schon seit Jahrzehnten unter deutscher Verwaltung stehen.< das demokratischen europäischen Staates trägt heißt es: > Wir haben den Einfluß des jüdischen Weltkapitals gebrochen, wir werden auch mit den Farbigen fertig werden!< betonte der Steuermann siegesgewiß.» Denken Sie nur daran, Herr Konsul, wie schwer die ersten Nationalsozialisten um die Seele ihres Voikes ringen mußten. Wie lange hat es gedauert, bis auch der letzte VolяsgeGosse vom Gedankengut Adolf Hit.ers durchdrungen war. Und waren es dann die schlechtesten Männer, die sich erst nach Jahren ergaben und sich nur durca die Macht der Tatsachen überzeugen ließen? Seit jener Zeit brach sich die nationalsozialistische Idee Bahn und ergriff alle Indogermahen. So wird auch die neue Etappe auf dem Wege zur Menschenvervollkommnung von uns erobert werden!< Wenn man in dieser Weise immer wieder den Leser auch ideologisch bearbeitet, kann man ihm mit um so größerer Selbstverständlichkeit das alte deutsche Märchen von der entscheidenden Ueberlegenheit deutscher Technik lehrhaft vortragen. » Glauben Sie, daß Deutschland, daß Europa von größeren feindlichen Kräften aus der Luft angegriffen werden könnte?< » Das ist bei dem heutigen Stande der Luftschiffahrt durchaus möglich. Selbst mit Landunger geschlossener Truppeneinheiten muß gerechnet werden, die, gut ausgerüstet, im Lande selbst sehr lästig werden können. Wenn sich allerdings die Gerüchte um die Morsstrahlen bewahrheiten sollten, so sind größere Luftunternehmungen undurchführbar.< So Neben diesen milden Bedingungen geht die Diese mit geheimen deutschen KriegsFührung Europas nach einen 24- Stunden- waffen prahlenden Instruktionsoffiziere sind Krieg an Deutschland über. Alle europäischen keine Märchenbuchgestalten. Aus Fleisch und Staaten- und besonders betont: Frankreich, Blut sitzen sie in den deutschen Uebungssind zu willfährigen lagern aller militärischen und halbmilitäridie Kleine Entente Apportierhunden unter nationalsozialistischer schen Verbände und machen dort damit für Da überraschte eine frohe Kunde, die an Vormundschaft geworden. Nur einer blieb den Spaziergang nach Paris Propaganda. Für den Lautsprechern Harrenden. auch in den herrlichsten Wunschträumen einen Ausflug, während dem die liebe Heimat » Nach vierundzwanzigstündigem Waf- Deutschlands nicht auf zwei Seiten besiegbar, durch Göbbelssche Geheimwaffen, wie mit fengange ist der Friede zwischen Deutschist Sowjetrußland. Zweihundertfünfzig einem Patentverschluß geschützt bleibt. land und Frankreich heute geschlossen worden. Der Feind nimmt die milden Bedingun- Seiten dauert der Angriffskrieg des unter kann sich dort wiederum, das aus den Trakgen der Deutschen Reichsregierung an; Hitler botmäßig gewordenen Europas gegen tätchen des letzten Weltkriegs her bekannte Rückgabe Elsaß- Lothringens und endliche Asien. Mit Einsatz aller Göbbelsphantasie idyllische Etappenleben abspielen. Anerkennung der Deutschen Oberhoheit muß dieser Krieg auch schon im Wunschüber seine ehemaligen Kolonien. Letzterem Punkt kommt zwar nur eine formale Be- traum geführt werden. deutung zu, weil die Schutzgebiete schon seit Jahrzehnten unter deutscher Verwaltung stehen, er ist nichtsdestoweniger von Wichtigkeit, weil Frankreich damit die angemaßte Vormundschaft über die Völker Europas aufgibt. Seine berechenbaren realen militärischen Kräfte hält man für zu schwach. Stratosphären- Raketen- Bomber das sind normale schwere Bomber, die durch zusätzliche Raketentreibdüsen in Höhen von zwanDa Asien seine Kriegsvorbereitungen in zig Kilometern angreifen können müssen einem unerwarteten Ausmaße trifft, findet eingesetzt werden. Bezeichnenderweise sind morgen unter dem Vorsitz des deutschen Reichskanzlers eine Fernkonferenz statt, diese Bomber vom Sturmvogel- Typ als nordie von Berlin aus geleitet wird. Damit ist male Verkehrsmaschinen aus den Friedensvon allen europäischen Staaten die Füh- jahren geschildert. Es heißt dazu im Buch rung aller Aktionen den Deutschen zuge- auf Seite 217: sprochen worden. > Wie viele Flugzeuge der Deutschen Lufthansa, so war auch der Sturmvogel< eine Maschine, die kriegsverwendungsfähig war.< Vielleicht wäre es nicht zu diesem raschen Friedensschluß gekommen, wenn nicht unter der Drohung eines deutschen Einmarsches in Paris auch in Frankreich die längst fällige nationalsozialistische Re- Zwischen diesen Schilderungen des Kriegierung sich gebildet hätte. Bekanntlich ges, die die Klugheit und technische Ueberist es zu einem Eingreifen der Kleinen En>> Im Garten des Sanatoriums lustwandelten Verwundete und ergötzten sich an den Klängen flotter Marschmusik, die trotz der Gottesdienstzeit ertönte, um die aus den Grauen der Schlachten zurückgekehrten Krieger aufzuheitern. Der Feldgottesdienst fand erst eine Stunde später statt. Der anfeuernde Rhythmus alter Kriegsmärsche ließ das Herz des jungen Offiziers schneller schlagen, und er gab sich dem langentbehrten Genuß aus ganzer Seele hin. Sein Auge ruhte versonnen in dem sprossenden Grün des Gesträuchs. So vertieft war er in seine Gedanken, daß er nicht bemerkte, wie seitwärts der Veranda die in schlichte Schwesterntracht gehüllte, jugendlich- zarte Gestalt eines Mädchens erschien und, den einsamen Menschen erblickend, die Hand an das pochende Herz gelegt, die tiefblauen Augen verwundert, verwirrt, freudig erschrocken auf seinem bleichen Gesicht ruhen ließ.<< Während sich im sprossenden Grün die Offiziere mit den schönen Krankenschwestern tente gar nicht erst gekommen, da in die- legenheit dem braven Leser eintrichtern soll, sen Kleinstaaten schon die drohende Kriegs- werden in ähnlichen Quantitäten die politi- ergehen, nimmt nach dem Buch> der sonst gefahr die Nationalsozialisten an die Macht schen Weisheiten verzapft. geführt hatte. Somit bleibt Rußland der einzige europäische Staat, der eine dem Nationalsozialismus feindliche Stellung einnimmt.< Denn diese Märchenspiele und geschicht- haften Dichter spurlos vorübergegangen, und lichen Dichtungen karambolieren wenigstens wer seine schöpferische Kraft an der Problenicht so sichtbar mit dieser morschen, matik des Krieges geübt hat, ist darum noch kritikbedürftigen Welt, deren traurigster kein» Kriegsdichter«. Die Schaffung dieser Ausläufer Gangsterien ist. Also weg mit dem Bezeichnung ist originale Erfindung des Dritstärksten dessen, das die Großen einer> libe- ten Reiches, bezeichnend für seinen Ungeist Doch wie für die unwürdige Rolle von Systemkreaauch mit gewissen heutigen Wortführern turen, die Dichter auf sich nehmen, wenn sie steht es so. Wir lesen da in einem anderen sich in dies Schema pressen lassen. langatmigen Aufsatz desselben Naziblattes: ralistischen Zeit< hinterlassen haben. -> Aber wir selbst wollen... über dem neuen schöpferischen Werden eifersüchtig wachen. Wir dulden nicht die Wortführung derer, die in vergangenen Jahren fern von unserem Kampf ein losgelöstes Können übten, mit dem uns zu überrennen ihnen da und dort gelungen ist; die damals die im Leben unseres Volkes beschlossenen Bindungen höhnten, unter freiwillig begeben deren Gebot wir uns hatten; die heute diesen Hohn von einst mit sich bemüProgrammen zuzudecken hen; Programmen, die nur laut und grell sind... Darum sei es noch einmal gesagt: Wir mögen die Wortführung derer nicht dulden, die uns in unserem Kampf nicht verstanden haben...< An diesem Kriegsdichter- Treffen werden neben Manfred von Killinger, dessen rohe Landsknechtserinnerungen ihn als Max Bar» Kriegsdichter< qualifizieren, thel und Karl Bröger teilnehmen. Die offizielle Abstempelung als» Kriegsdichter<< neben Killinger ist gerechte Strafe für ihre Gleichschaltung, auf die alle Aufrechten mit Verachtung sehen. Geistige» Sadbefunde« so schweigsame Heidebauer in seiner ruhigen In diesem Buch deutschen Größenwahns Weise das Wort zu einer schaurigen Göbdas nebenbei noch einmal gesagt die belsrede. Stempel einer staatlichen Leihbibliothek eines >> Dieser Rassenkrieg ist das uns hinterkeit ihr eigenes ursprüng-| bei erinnert er sich seiner Soldatenzeit im liches Leben zu beziehen, an Kriege und schreibt: Stelle innerstandpunktlicher Ziselierung die Aufspürung der den Standpunkt einhüllenden politischen Belange und Konsequenzen, an Stelle des philosophischen! Pathos als des zur Leidenschaft gesteigerten Gedankens das politische als die in der Form des Gedankens nur zur Selbstübermittlung auftretende Leidenschaft. Thesen werden nicht gesponnen, sondern gleichsam herausgeschleudert. Die Reflexion tritt innerhalb dieses Stilbereiches nicht Erkenntnis fundierend auf, sondern parenthetisch vermittelnd zwischen die Pfeiler eines Bekenntnisses, die ihren eigenen andersgearteten Grund besitzen.< >> Und das Medium der gedanklichen Bewegung ist nicht das unverbindlicher theoretischer Möglichkeiten, um die die Diskussion kreist, sondern das geschichtlicher Notwendigkeiten, die für den, an den die Rede ergeht, zugleich im periativische Verbindlichkeiten bedeuten.< Das dürfte in der Tat kein Leser über» Und dann haben wir als Soldaten manchmal gelacht! Hahahaha! Wir haben uns in manchen Stunden gefreut, wenn es sein mußte immer über denselben Witz. Und haben gelernt Goethes Götz, jenes unsterbliche Zitat der deutschen Sprache, nicht nur prahlerisch im Mund zu führen. wie man es in friedvollen Zeiten manchmal tut - sondern uns in unsern Lebensmaximen auch danach zu richten. Unsre Handlungen waren knapp und schlagartig, unsre Gedanken und Ueberlegungen durchaus nicht kompliziert, der gesunde Menschenverstand gab den Aus- schlag, und der ist bekanntlich ein noch besseres Ruhekissen als ein gutes Gewissen; unser Lachen aber war laut, dröhnend, einer Kriegsdrommete ähnlich, besonders bei uns neunzehnjährigen Kriegsveteranen, die wir dann aus dem Weltkrieg heil zurück, aber aus dem jünglingshaften Stimmbruch noch nicht ganz heraus waren.< Ein Beispiel neudeutscher Sprachschöpfung. sehen, selbst wenn er es nicht versteht. Eine Ja, das Lachen war kein Ende, als die Sie Eine der geistigen Größen des Dritten solche innerstandpunktliche Ziselierung, um Kugeln pfiffen und die Minen platzten. neben ihrem Faust< ihren der Leiter des rassenpolitischen im Stil unseres Autors zu bleiben, bekundet hatten ja alle Wer sind denn diese Wortführer, die heute Reiches, drüben> laute Programme« machen und ande- Amtes, Dr. Walter Groß, hat soeben zwei allein durch die Kühnheit ihrer sprachlichen Götze im Tornister: Hahaha! Der wackere herausgegeben:» Rasse, Welt- Diktion die kristallklare Einfachheit des Wejot, der es erlebtes, muß es besser wissen re alte Nazis überrannten? An der Spitze der Schriften und Wissenschaft< und» Der neudeutschen Weltbildes. Die Schriftsteller als wir, was es zu bedeuten hat, daß die sonbraunen Programmacher stehen Johst und anschauung Blunk, die allerdings eine Weile brauch- Rassengedanke im Neuen Deutschland. Es und die Wissenschafter der vorhitlerischen nigen deutschen Soldaten das unsterbliche ten, ehe sie festen Anschluß ans Hakenkreuz handelt sich um die Publizierung von Vor- Aera fallen dagegen erschütternd ab, völlig Zitat nicht nur prahlerisch im Munde führfanden... Hier meckert zweifellos ein Jun- trägen, deren Inhalt, wie der Referent der zu Recht, denn sie sind eben mit solcher ger, der Namen noch nicht zu nennen wagt DAZ sagt, bereits zum heiligen und vertrau->> Gnade und mit anderen wartet, bis ihre Zeit gekom- ten Gut der Nation gehört. Warum sie aber segnet worden. men ist. Denn im hitlerschen Deutschland mit besonderer Ausführlichkeit als deutsche wartet immer eine Clique auf die schwache Offenbarungen gewürdigt werden, Stunde einer anderen. ein Kriegsdichter Vom 6. bis 10. Oktober findet in Berlin Kriegsdichter- Treffen statt. Das Ereignis des Krieges ist an keinem wahrverraten der Vorfindlichkeits niemals geDa muß man lachen ten.< Ueber ihn selbst sind wir uns freilich nicht im unklaren. Dieser fröhliche Lächler ist ein typischer Fall: hier produziert einer einen gewissen eingeklemmten Affekt mit der die folgenden Stellen aus der Besprechung: dazugehörigen Abreaktion im Freudschen >> Der politische Appell setzt an die Stelle Im> Westdeutschen Beobachter, der im Sinne. Kurz, es handelt sich unzweifelhaft sachgestützten Beweises die gläubige Schatten des Kölner Domes gedeiht, gibt um einen aus der Garde der braunen HinterUeberzeugung und Gewißheit, die sich Wejot den Lesern einige Rezepte, wie man frontmarschälle und Jugenderzieher, die die durch bestätigende Sachselbst in grauen und sorgenvollen Tagen zu Neunzehnjährigen des nächsten Weltkrieges befunde bereichert findet, ohne von Gnaden derer Vorfindlich- Lachen und Fröhlichsein kommen kann. Da- auf männliche Weise ertüchtigen. Jaajsei» Erbe unserer Vorfahren. Ich meine ciarnit natürlich nicht unsere deutschen Vorfahren, sondern spreche von den Europäern im allgemeinen. Der Weltkrieg, der zum ersten Male farbige Truppen in großer Anzahl auf den europäischen Schlachtfeldern sah, hat das Rassenbewußtsein der Farbigen geweckt. Die nachfolgende bolschewistisch verseuchte Zeit tat ein übriges. Wohin wären wir gekommen, wenn nicht zur rechten Stunde das nationale Selbstbewußtsein der europäischen Völker erwacht wäre. Dieses Erwachen nahm über Italien und Deutschland seinen Weg und ermunterte nach und nach alle Völker. Der Uheralisti- sche Geist hätte uns unweigerlich in das Verderben geführt, denn er drohte uns den Farbigen gegenüber wehrlos zu machen. Heute erkennen wir, wie notwendig die Entwicklung zum nationalen Staat war. Einsichtige Männer mußten die Gefahr, die uns von den Farbigen drohte, schon früh erkennen. Ich lese sehr viel in den alten Schriften und muß bei Betrachtung . der jetzigen Weltlage an das vielverhöhnte Wort des letzten deutschen Kaisers denken: Völker Europas! Wahrt Eure heiligsten Güter!« Wie tief aber muß Hitler und seinen Schreibern der Respekt vor den wilden Sowjetasiaten sitzen, wenn sie— die noch eben Frankreich zum Frühstück verzehrt haben— den Sieg nicht einmal zu träumen wagen. »Niemals wieder seit dieser Zeit durfte der Fuß eines Farbigen die Grenzen eines europäischen Staates überschreiten. Kein Weißer unterrichtete sie femer in den Kün-■ sten der Naturbeherrschung. Einsam und 1 aus eigener Kraft mußten sie sich in Zu- i kunft den Weg zu den Höhen der Zivili-. sation bahnen.« Na, wenn schon, werden die Sowjetrussen und ihre asiatischen Verbündeten zu diesem! Frieden sagen. Uns Europäer muß dieses � Buch eine ganz entscheidende Wahrheit über den deutschen Nationalsozialismus enthüllt haben. Hitler fürchtet nicht die Angriffslust der Sowjetunion, sondern ihre Unbesiegbarkeit. Er fürchtet, daß die festen Bündnisse Frankreichs und der Kleinen Entente mit Rußland ihm seihst in Europa den Weg zur Vorherrschaft verlegen kann und wird. (0o bleibt dos Geld der Arbeitsfront? Der verschleierte Rechenschafdsberidit IVationalsozialistisdier Geschichtsunterricht Die Scbulungsbeilage der Zeitschrift des Reichsverbandes der Ortskrankenkassen in Berlin bemüht sich, den Angestellten der Krankenkassen neben fachlichen auch geschichtliche Kenntnisse beizubringen. Auf diesem Gebiet betätigt sich ein gewisser F. H. Woweris, Md. R. Es ist erstaunlich, was nationalsoziaiistische Geschichtslehrer alles erfinden müssen, um die abgrundtiefe Verworfenheit der liberalistischen und streng wissenschaftlichen Konkurrenz zu kennzeichnen. So behauptet Pg. Woweris, daß die Uberalistische Geschichtsforschung nach den Grundsätzen Geschichte des deutschen Volkes gelehrt habe, die in der vergessenen »Aeltesten Geschichte der Deutschen« von 1806 von J. Chr. Adelung vertreten wurden: Der Germane wurde dort als»ein Tier, welches schläft, wenn man es nicht jagt oder frißt«, bezeichnet. Dem Krankenkassenbeamten, der das lernen muß, wird ganz schaurig zumute, wenn Herr Woweris ihm zuruft:>So schändeten wir uns selbst durch unwürdige Darstellung der Ahnen in Buch und Bühne und trieben Hochverrat an dem geistigen Selbstbewußtsein der Nation.« Nach Herrn Woweris gab es»eine Zeit___, in der das Schrifttum fast den Eindruck vermittelte, als ob auf deutschem Boden einst nur Kelten, Römer, Slawen und namenlose vorgeschichtliche Stämme gesessen hätten.« Leider hat keiner von uns diese Zeit miterlebt. Für Pg. Woweris ist es eine Schande, daß die Germanen eine jüngere Kultur haben als andere Völker, die sich unter günstigeren Bedingungen entwickelten. Die germanische Kultur war nach Woweris so hochstehend und bedurfte so wenig fremder Anregungen,»daß 500 Jahre Nachbarschaft am Rhein fast gar keine engeren Beziehungen zwischen römischem und germanischem Volkstum entstehen ließen«. Die Uebernahme der lateinischen Schrift in abgewandelter Form im Runenalphabet, eine der wichtigsten Kulturerrungenschaften, ist für Woweris und seine Kollegen wohl auch nur eine jüdische Erfindung? Wozu die Verbreitung dieses pseudohistorischen Unsinns dient, erhellt aus folgendem Satz:»Wie wäre die Haltung unseres Volkes 1917 und 1918 gewesen, wenn es statt des verbrecherischen Öethmann-Hollweg- Wortes vom»Unrecht an Belgien« allgemein klar gewußt hätte, daß sein stolzes Heer im Westen an unserer historischen Hoheitsgrenze von 870 und im Osten an der alten deutschen Geltungsgrenze unseres mittelalterlichen Rechts stand?« Nach Ansicht von Pg. Woweris hätte das deutsche Volk dann schon 1917 und 1918 sich nicht um den Hunger und die verbrecherische Ausbeutungs- und Annexionspolitik der späteren Geldgeber der Vor einiger Zeit veröffentlichte eine Studentenzeitschrift»Akademische Blätter«, entgegen dem Verbot der Arbeitsfront, den Wortlaut einer Rede, die ein Industrieller auf der Frühjahrstagung der Reichsarbeitskammer gegen die immer unerträglicher werdenden Lohnabzüge gehalten hatte. Nach den Angaben des Redners würden im Durchschnitt 23.3 Prozent des Lohnes für Steuern, Sozialabgaben und vor allem für die zahllosen Naziorganisationen beansprucht. Der Industrielle bemerkte, daß es die Unternehmer»mit besonderer Sorge erfülle«, den wachsenden Widerstand der Arbeiter gegen diese»Naz i- Bon ze n s t e u e r« beobachten zu müssen. Er verlangte energisch den Abbau der Parteisteuern, da die Arbeiter sich diese»Beiträge am Munde absparen« müßten und deshalb Lohnerhöhung verlangten. Der Reichsorganisationsleiter Ley begnügte sich, als Antwort auf dem Nürnberger Parteitag zu erklären, daß der deutsche Arbeiter»genügend« verdiene, um sich eine »ordentliche Ernährung« leisten zu können. Nim ist die Deutsche Arbeitsfront die stärkste Nutznießerin jener Bonzensteuer, und man durfte gespannt sein, wie sich ihr Schatzmeister auf dem sog. Parteitag über die Finanzgebarung dieses Riesenetats verantworten würde. Aber Nürnberg schwieg sich in dieser Frage, die heute zu einem wesentlichen Bestandteil des deutschen Lohnproblems geworden ist, in allen Tonarten aus. Die dick aufgemachten Parteitagsberichte enthielten auch nicht ein Wort, wohin Hunderte von Millionen der Arbeiterbeiträge zur Arbeitsfront geflossen sind. Auch nach dem Parteitag hatte die Nazipresse für die Rechnungslegung dieses Monstervereines keinen Raum. Erst jetzt bringt die amtliche Korrespondenz der DAF versteckt unter der Abteilung »Deutsche Sozialpolitik« eine kleine Notiz über den Tätigkeitsbericht, den der Ley auf der Sondertagung der Arbeitsfront gegeben haben soli. »Reichsleiter Dr. Ley«, so schwindelt die DAK,»hat auf dem diesjährigen Reichsparteitag wieder einen umfassenden Rechenschaftsbericht über die Arbelt der DAF gegeben, der einen guten Einblick in das soziale Aufbauwerk des neuen Deutschland vermittelt.« Was dann an Einzelheiten folgt, ist eine einzige Bilanzverschleierung und gibt»einen guten Einblick«, welch unerhörter Betrug an den Mitgliedern der Arbeitsfront im»neuen Deutschland« verübt werden darf. Abweichend vom Vorjahr wird noch nicht einmal die Mitgliederzahl angegeben, sondern»berichtet«, daß die DAF heute 95 Prozent aller schaffenden Deutschen umfaßt. Nach der amtlichen Statistik betrug die Gesamtzahl der Erwerbstätigen rund 33 Millionen, so daß sich eine Gesamtmitglie- derzahl von 21 bis 22 Millionen ergibt. Es soll aber unmöglich gemacht werden, daß sich die Gefolgschaften die wirkliche Beitragseinnahme errechnen können. Ley berichtet: »Die monatlichen Beiträge sind von 23.8 Millionen im August 1935 auf mehr als 30 Millionen im August dieses Jahres gestiegen.« Diese Augustziffer gibt aber keinen»guten Einblick« in die wirkliche durchschnittliche monatliche Beitragssumme, denn im August 1936 wurden mit scharfen Maßnahmen Beitragsrückstände eingetrieben. Es ist bekannt, daß der Beitragseingang außerordentlich schleppend vor sich geht. Der Berichterstatter aber sagte: »Der Beitragseingang beträgt nicht weniger als 96 Prozent des Beitragssolls, ein sprechendes Zeichen für die allgemeine Bereitwilligkeit, an der Arbeitsfront mitzuarbeiten.« Wenn es stimmen würde, daß nur 4 Prozent der Mitglieder keine Beiträge bezahlt haben, so ergäbe sich auch dabei, daß 880.000 Gefolgschaftsmitglieder»die allgemeine Bereitwilligkeit« vermissen ließen. In Wirklichkeit muß die Gesamtzahl der NichtZahler ungleich größer sein. Die Beitragssätze bewegen sich zwischen 1.20 Mk(bei 60 bis 80 Mk Monatseinkommen) bis zu 12 Mk Höchstmonatsbeitrag. Auch wenn man den Durchschnittsbeitrag nur mit 2.50 Alk annehmen wollte, müßte eine monatliche Beitragseinnahme von 55 Millionen herauskommen, während für den durch Rückstände aufgefüllten Beitragsmonat August nur 30 Millionen eingegangen sein sollen. Wir fragen den Ley und seinen Schatzmeister: Welche Beitragssumme ist nun 1935 in Wirklichkeit eingegangen? Warum wird die Wahrheit verschwiegen? Noch nichtssagender als die Prozentziffern über den Beitragseingang sind die Bemerkungen über die Ausgaben, d. h. die Verwendung der Arbeitergroschen. Ley»berichtet«: »Die DAF hat an Zuwendungen für kulturelle und soziale Zwecke an andere Einrichtungen rund 20 Millionen RM geleistet.« Im Vorjahr waren noch frisierte Ziffern über die ausgezahlten Unterstützungen. Bildungsausgaben und Verwaltungak osten bekanntgegeben worden. Diesmal sind über die Ausgaben der DAF überhaupt keinerlei Angaben zu finden. Diese unübersehbare Mißwirtschaft nennt man Im Dritten Reich:»Soziale Selbstverwaltung«. Wir wissen nur, daß 3 0.0 0 0 D A F- Walter von den Beiträgen reichlich versorgt werden, und Ley berichtet weiter, daß die DAF 2 5.0 0 0»Lehrkräfte« beschäftigt, das wären 5 5.0 0 0 Bonzen, die sich auf Kosten der deutschen Arbeiter mästen können und in Luxusautos dahin- rollen. In dem sagenhaften Bericht wurde noch mitgeteilt, daß die monatlichen Ueberschüsse »von 2 Millionen im Vorjahr auf 7.5 Millionen RM im letzten Monat steigen konnten«. Das würde nach Leys Angaben folgende Rechnung ergeben; Wenn die Monatseinnahme 30 Millionen, die monatliehen Ueberschüsse 7.5 Millionen betragen hätten, so müßte der Jahresetat wie folgt aussehen; Jahreseinnahme.... 360 Mill. RM Jahresüberschuß... 90„„ Jahresausgabe.... 270„, Die früheren Verbandsunterstützungen für Kranke, Invaliden usw. sind erheblich gekürzt worden, die Reisen von»Kraft durch Freude« werden in der Hauptsache durch Sparkarten von den Teilnehmern finanziert. Preisfrage: |Wofür verausgabt die DAF im Monat 2 2.5 Mi 11. RM, wie hoch waren vor allem die Verwaltungskosten, die nach Leys Bemerkung»prozentual« gesenkt worden sein sollen? Es grenzt geradezu an betrügerischem Bankrott, wenn Ley weiter ausführte: »Das Gesamtvermögen der DAF beträgt etwa 300 Millionen RM, davon 80 Millionen in bar.« Die DAF müßte nach ihren eigenen Angaben in den drei Jahren ihres Bestehens einige hundert Millionen Ueberschuß eingeheimst haben. Die DAF hat aber den früheren Gewerkschaften, ihren Eigenbetrlo- ben und Unterstützungsvereinen nach einer detaillierten Aufstellung der»Auslandsvertretung der deutschen Gewerkschaften« 4 0 0 Millionen RM geraubt. Diese Zahlenangaben sind bei den in Deutschland schwebenden Arbeitsgerichtsprozessen früherer Angestellten der Gewerkschaften gerichtsnotorisch geworden. Wenn es zutrifft, daß die DAF heute nur über 300 Millionen RM Vermögen verfügt, so hätte sie kaum ihre in drei Jahren erzielten Ueberschüsse erhalten können. Das hieße, daß die»Treuhänder des mühsam aufgespeicherten Arbeitervermögens der früheren Gewerkschaftsbewegung im Ausmaß von vierhundert Millionen RM für das Wohlleben ihrer Bonzen verschleudert haben, soweit es nicht in Unterschlagungen verloren gegangen ist. Um den»guten Einblick« zu vervollständigen, den der Ley»in das soziale Aufbauwerk des neuen Deutschland« in Nürnberg vermittelt hat, ergänzen wir seinen»Rechenschaftsbericht« mit einem Satz des»Angriffs« Nr. 211 vom 8. September 1936. Diese Tageszeitung der DAF schreibt, daß in einem Prozeß am Landgericht in Koburg »in aller Oeffentlichkeit klargestellt wurde, daß man bei der angegebenen wirtschaftlichen Lage in der deutschen Heimindustrie Stundenlöhne von 30 Pfennig für Facharbeiter und 20 Pfennig für Hilfskräfte als normal ansehen muß«. Dieser»Rechenschaftsbericht« des Ley, an dem man nach seinen Worten die Leistungen der DAF ermessen könne, hat vor der deutschen Arbeiterschaft eine Mauer faustdicken Betruges errichtet, hinter der sich die ganze Demoralisierung der Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei verbirgt. Es war aber diesmal zuviel, was verschwiegen worden ist. Die Gefolgschaften werden ihre»Walter« fragen und immer wieder fragen: Wo bleibt das Geld der Arbeitsfront? Nationalsozialisten gekümmert, sondern die Prüfungsfrage beantwortet, die Pg. Woweris seinem Artikel anhängt:»Weshalb dient unser neues, werdendes Geschichtsbild auch der menschlichen Entwicklung und dem aligemeinen Gemeinschaftsleben der Völker(Friedenspolitik) In stärkerem Maße als das früher vermittelte Geschichtsbild?« Sdiadit als Vorbild Die Industrie- und Handelskammer in Südhannover klagt öffentlich über die schlechten Zahlungasi tten, die sich im Geschäftsverkehr eingebürgert hätten. Trotz der von allen zuständigen Stellen betriebenen Aufklärung würden vielfach Zahlungsfristen eigenmächtig überschritten und unberechtigte Abzüge von Rechnungen vorgenommen. Der Kammersyndikus sieht sich sogar zu der Feststellung veranlaßt, daß diese Unsitte nicht nur bei privaten Käufern und Auftragsgebern festzustellen sei. Das kann wohl nicht anders aufgefaßt werden als so, daß auch die öffentlichen Auftraggeber und die Gliederungen der NSDAP sich der schlechten Zahlungssitten bedienen. Wir vermögen freilich die Berechtigung dieser Klage nicht einzusehen. Denn die Industrie- und Handelskammer von Südhannover findet es sicher in Ordnung, daß der Reichswirtschaftsminister und Reichsbankdirektor Dr. Schacht die noch schlechteren Zahlungssitten gegenüber den ausländischen Gläubigern des Deutschen Reiches und der deutschen Industrie zur Anwendung bringt. Die Aengsllidien! Seit dreiundeinhalb Jahren üben die Nationalsozialisten ihre barbarische Diktatur über Deutschland aus. Aber noch immer haben sie Angst vor den Männern, die früher als Sozialdemokraten che Rechte und die Freiheiten des Volkes verteidigt haben. Neben den grausamen Folterungsmethoden bekommen sie jetzt noch die kleinlichste Rache zu spüren! So meldet der nationalsozialistische deutsche Zeitungsdienst, daß das Kreisamt In Gießen einen Mann die Erteilung eines Wandelgewerbescheines mit der Begründung verweigert habe, daß der Gesuchsteller vor der Machtübernahme zu den schärfsten Gegnern der NSDAP gehört habe und sich als Volksaufwiegler betätigt habe. Es bestehe bei ihm die begründete Befürchtung, daß er sein Gewerbe zu staatsfeindlichen Zwecken mißbrauchen werde! Eine Klage, die von dem Betroffenen eingebracht wurde hat der Verwaltungsgerichtshof abgelehnt. Wie der Mann, angesichts des Verbots sein Gewerbe auszuüben, mit seiner Familie existieren soll, das hat ihm das Gericht nicht verraten! ItecHorniörfe (So}Kü6emorrattfcl)?0 iDochcnWoH Herausgeber: Ernst Sattler; verantwortlicher Redakteur: Wenzel Horn; Druck:>G r a p h 1 a«; alle in Karlsbad. Zeitungstarif bew. m. P. D. ZI. 159.334/VII-1933. Printed in Czechoslovakia. Der»Neue Vorwärts« kostet Im Einzelverkauf innerhalb der CSR Kö 1.40(für ein Quartal bei freier Zustellung Kö 18.—). Preis der Einzelnummer im Ausland Kö 2.—(Kö 24.— für das Quartal) oder" deren Gegenwert in der Landeswährung(die Bezugspreise für das Quartal stehen in Klammern); Argentinien Pes. 0.30(3.60), Belgien; Belg. Frs. 2.45(29.50) Bulgarien Lew 8.—(96.—). Danzig Guld. 0.45 (5.40), Deutschland Mk. 0.25(3.—), Estland E. Kr. 0.22(2.64), Finnland Fmk. 4.—(48.—), Frankreich Frs. 1.50(18.—), Großbritannien d 4.—(Sh. 4.—). Holland Gld. 0.15(1.80). Italien Lir. 1.10(13.20), Jugoslawien Din. 4.50 (54.—), Lettland Lat. 0.30(3.60). Litauen Lit. ,0.55(6.60), Luxemburg B. Frs. 2.45(29.50), Norwegen Kr. 0.35(4.20). Oesterreich Sch. 0.40(4.80). 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