Neuer Vormärts Sozialdemokratisches Wochenblatt Verlag: Karlsbad, Haus„ Graphia", Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Nr. 174 SONNTAG, 11. Oktober 1986 Aus dem Inhalt: Schacht in Verlegenheit Hermann Wendel tot Braune Kolonialpläne Neue Zuchthausurteile. Der Volksgerichtshof spricht frei... Die Geschichte eines Freispruchs- Ein Höllenweg Ein Höllenweg des Leidens In Untersuchungshaft. Am 25. September 1934 wurde in Zit-| aufgesetzte Protokoll, das seinen eigenen mußte ins Krankenhaus gebracht werden. sich um die Wohnung Neumanns kümmertau der Inhaber eines Vermittlungsbüros, Angaben in allen wesentlichen Punkten Die beiden Töchter Neumanns, Mädel im te. Die Miete blieb unbezahlt. Der HausGerhard Neumann, verhaftet. widersprach. Die erlittenen Verletzungen Alter von 15 und 10 Jahren, waren nun wirt ebenfalls ein Nazi hatte angeDie Gestapo begründete die Verhaftung waren so schwer, daß der Gefängniswärter völlig auf sich selbst angewiesen. Man gab sichts des schweren Schicksals der Famisofort zum mit der Behauptung, Neumann habe in Neumann Gefängnisarzt daraufhin beide Kinder in die Obhut eines lie keine andere Sorge, als zu seiner Miete Verbindung mit der Emigration Hoch- und brachte und ihn verbinden ließ. Der Kopf SA- Scharführers. Im Hause dieses SA- zu kommen. Er beantragte daher die Landesverrat betrieben. Am 28. Juli 1936, blieb wochenlang in Binden. Scharführers verkehrte ein zweiter SA- Pfändung des Hausrats. Auf den Scharführer namens Hebetanz. Vorschlag Neumanns, das Mobilar als Dieser Freund des» Vormunds< der beiden Sicherheit für die rückständige Miete zu Kinder verführte die noch nicht sech- betrachten, die Möbel aber der Familie zur zehnjährige Tochter Neumanns. Als dieser Benutzung zu überlassen, fand keine Gnafamose alte Kämpfer Adolf Hitlers so das de vor den Augen dieses NationalsoziaMädchen in seine Gewalt bekommen hatte, listen. Er setzte die Versteigerung erzwang er von ihr ein Geständnis der Möbel Neumanns durch, und die Eltern. Sie gestand«, daß ihr Vater in und Gut. einer Emigrantenversammlung gesprochen also nach mehr als 22 Monaten Untersuchungshaft, sprach der Am 8. Oktober 1934 endete die» Schutzzweite Senat des Volksgerichtshofes Berhafte und Neumann kam ins Liegnitzer lin den Angeklagten Neumann aus Mangel Untersuchungsgefängnis. Dort wurden zuan Beweisen frei. Am 3. August 1936 Columbiahaus nächst Neumanns Kleidungsstücke gründwurde Neumann aus dem Berlin entlassen. Nach fast zweijähriger lichst untersucht. Sein Anzug wurde völHaft war Neumann wieder ein> freier lig aufgetrennt, die Sohlen und Absätze über die hochverräterische Tätigkeit seiner Familie Neumann verlor ihr letztes Hab Mann<, und wenn ausländische Besucher wurden von den Stiefeln gerissen, um Beden Machthabern des Dritten Reiches die weise für Neumanns Schuld zu finden. Da Gefängnis stark überfüllt war, wurden Hitlerdiktatur stellen, dann kann es passieren, daß man den Fall Gerhard Neu- Anzug und Schuhe in den Gefängniswerkmann als einen Beweis für das starke Ge- stätten wieder zusammengeflickt. Frage nach den Rechtsverhältnissen in der es keine Gefängniskleidung gab, weil das habe, daß er illegale Flugblätter über die Grenze gebracht habe und daß ihm seine Frau bei diesem Transport verbotener Die Schriften behilflich gewesen sei. Zuletzt rechtigkeitsempfinden des Dritten Reiches Kosten für diese Reparatur wurden Neu- habe er seine Tochter sogar mit Schlägen Der Dieses Geständnis hatte zunächst zur Folge, daß die schwerkranke Frau Neumann aus dem Krankenhaus in Schutzhaft überführt wurde. Dort wurde sie unter Zuhilfenahme von Gummiknüppeln präsentieren wird: Hier hat das höchste mann von den spärlichen Geldsendungen deutsche Gericht, der Volksgerichtshof, seiner Angehörigen in Beträgen von 25 gezwungen, ebenfalls illegales Material über die Grenze zu bringen. unter Wahrung aller Rechtsgarantien und 50 Rpf. abgezogen. Die Vernehmung vor dem Untereinen Mann freigesprochen, der in dem schweren Verdacht des Hoch- und Landes- suchungsrichter verlief ergebnislos. Untersuchungsrichter warf Neumann verrates stand. In Wahrheit birgt die Geschichte die- Hoch- und Landesverrat vor. Er stützte ses Freispruches eine der entsetzlich- seine Anklage im wesentlichen auf briefsten Tragödien, die sich in den drei liche Mitteilungen eines Spitzels, der Jahren der Hitlerdiktatur in dem großen behauptete, Neumanns Vermittlungsbüro Zuchthaus, Drittes Reich genannt, abge- sei in Wirklichkeit eine Zentrale für illeLehre für alle diejenigen der Oeffentlich- ten gewesen. Hinzu kamen> Geständnisse<< keit übergeben, die allzu leicht geneigt einiger anderer verhafteter Sozialdemokrasind, an eine> Normalisierung des politi- ten über Zusammenkünfte und politische schen und rechtlichen Lebens in Hitler- Besprechungen im Ausland, an denen Neumann aktiv teilgenommen haben sollte. deutschland zu glauben. Der Untersuchungsrichter kündigte Neumann schließlich an, daß seine AburteiVor dem Volksgerichtshof. Endlich nach fast zweijähriger Haft kam es zur Verhandlung vordem Volksgerichtshof. In den sechstägigen Verhandlungen bot die Gestapo von der Schuld des Angeklagten Neumann alle Mittel auf, um den Volksgerichtshof zu überzeugen. Die älteste Tochter Neumanns wurde veranlaßt, vor Gericht gegen ihren Vater auszusagen. Sie mußte dann auf eingehendes Befragen hin die besonderen Umstände des Zustandekommens ihres Geständnisses zugeben. Frau Neumann war auf Grund eines ärztlichen Gutachtens vom Volksgerichtshof vom persönlichen Erscheinen vor Gericht entspielt hat. Wir wollen sie hier zur guten gale politische und militärische Nachrich. kraft des zweiten Auges stark geschwächt bunden worden. Die Gestapo konnte und Die Verhaftung. wollte aber auf die Anwesenheit dieser schwerkranken Frau angesichts ihres Mannes nicht verzichten. Sie ließ Frau » vernommen. Die Miẞhandlungen waren so schwer, daß Frau Neumann auf einem Auge erblindete, während die Sehwurde. In ihrer Not führte die Frau einen vierzehntägigen Hungerstreik durch, so daß sie nach einigen Monaten Schutzhaft so entkräftet war, daß sie fünfzig Neumann kurzerhand noch einmal durch Kilo ihres Gewichts verlor und statt 105 einen der Gestapo genehmen Arzt unternur noch 54 Kilo wog. In diesem Zustand erfolgte die erneute Ueberführung Frau Neumanns ins Krankenhaus. Auch hier Gerhard Neumann lebte bis zum Tage lung durch den Volksgerichtshof erfolgen fand die Frau keine Ruhe und keine Geseiner Verhaftung in der kleinen sächsi- werde, da er nicht nur der Vorbereitung schen Stadt Zittau als Inhaber eines Ver- zum Hochverrat, sondern auch des Lan- sundung. Da die Kosten für die KrankenNeumann stammt aus desverrates angeklagt sei. mittlungsbüros. einer alten sozialdemokratischen Familie, er selbst war seit seiner Jugend bis zum Hitlerumsturz Mitglied der Sozialdemokraschaften. Nach dem Hitlerumsturz -HausVernichtung der Familie. Aber auch mit diesem furchtbaren Volks"-Gericht gegen Sozialdemokraten Neue Zuchthausurteile mann Neumann einer neuen seelischen Tortur auszusetzen, war erreicht. Als Frau Neuden Verhandlungssaal verlassen wollte, trat ein Gestapobeamter auf sie zu und nahm sie erneut in Schutzhaft. Sie wurde in Moabit eingeliefert. Freispruch. suchen, und es wurde selbstverständlich die Vernehmungsfähigkeit der Frau festbeamten und zwei Schwestern begleitet, gestellt. Im Auto, von einem Gestapowurde Frau Neumann nach Berlin genicht bezahlt wurden, hausbehandlung schafft. Als Frau Neumann vor dem Volksbrachte man sie ins Marienstift, wo sie gerichtshof erschien, war sie nicht mehr unter ständiger Aufsicht der Gestapo stand. in der Lage, ihren Ehemann zu erkennen In der Zeit dieser Vernehmungen traf und ihre Personalien richtig anzugeben. Schlag: seine Schicksalsschlag riß die Leidenskette Neu- Sie verzichtete auf die Aussage, aber die tie und betätigte sich auch organisatorisch Neumann ein neuer und agitatorisch für Partei und Gewerk- Frau, vor ihrer Verheiratung tschecho- manns nicht ab. Nachdem Frau Neumann Absicht der Gestapo, den Angeklagten ver- slowakische Staatsbürgerin, erlitt infolge im Krankenhaus und die Kinder in der die Einrichtung eines der großen Aufregungen mehrere schwere Pflege des SA- Scharführers untergeund bracht waren, gab es niemand mehr, der Vermittlungsbüros für sich und seine Nervenzusammenbrüche eine Familie Frau und zwei Töchter neue Existenz zu schaffen. Als Hitler zur Macht kam, hatte er die für sozialdemokratische Funktionäre üblichen suchungen und andere Aufmerksamkeiten Obwohl die Behauptungen der Anklage durch die SA über sich ergehen lassen gegen Gerhard Neumann in keinem Fall müssen, aber er blieb zunächst von der Verhaftung verschont. Aufgeschoben ist Am 25. September ist nach tagelangen| körperlichen Widerstandskraft gebracht durch die Beweisaufnahme bestätigt wernicht aufgehoben. Am 25. September 1934 Verhandlungen vor dem Berliner Volks- worden Gen. Löffler hat im den konnten, und obwohl der Sachverstänwurde Gerhard Neumann unter dem Ver- gerichtshof ein Prozeß gegen Berliner Laufe der Voruntersuchung eine» Behand- dige des Kriegsministeriums die Frage, ob dacht, Verbindungen mit sozialdemokrati- Sozialdemokraten gegangen. lung« erfahren, die eine Ueberführung in Landesverrat vorliege, verneinte, beantragschen Emigranten unterhalten zu haben, Brutale Zuchthausstrafen einer Willkür- das Staatskrankenhaus notwendig machte. te der Oberreichsanwalt gegen Neumann verhaftet. Man hatte außerdem bei einem justiz bilden den Abschluß eines entsetz- Gen. Riedel ist Schwerkriegsbeschädig- eine Zuchthausstrafe von zwölf anderen, ebenfalls verhafteten Sozialdemo- lichen Martyriums der Angeklagten. ter, der im Verlauf des Prozesses monate- Jahren. kraten Neumanns Adresse gefunden. Unter der Anklage des Hochverrats lang wegen Haftunfähigkeit auf freien und Stellung unter Polizeiaufsicht. Der standen eine Reihe von Sozialdemokraten, Fuß gesetzt werden mußte. Trotzdem auch Volksgerichtshof folgte dem Antrag des dem Hitler- Umsturz gegen diese Sozialdemokraten jahrelange Oberreichsanwalts nicht und sprach NeuMit dem Tage der Verhaftung begann die teilweise mann mangels Beweisen frei. In ehrenamtliche Funktionen bekleidet hat- Zuchthausstrafen! der Leidensweg Neumanns. Die Rache der Gestapo. T Hirschberg nahm ihn die Kriminal- ten. Ihnen wurde zum Vorwurf gemacht, Doch kaum war der Freispruch verkinpolizei in Behandlung. Sie verlangte, Neu- noch nach dem Sommer 1933 an der Fortdet, begann ein neues Kapital der Tragömann solle die Behauptungen der Gestapo führung der verbotenen Parteiarbeit bedie Neumann. Als Neumann nach Schluß über seine angebliche hochverräterische teiligt gewesen zu sein. der Verhandlung sich eine Zigarette anTätigkeit durch ein Geständnis bestätigen. zünden wollte, machte ihn ein hinter ihm stehender Beamter höflich darauf aufmerksam, daß er nur mit seiner Erlaubnis rauchen dürfe. Er gestatte ihm das Rauchen, aber er müsse ihm gleichzeitig mitDie Polizei prügelt. vor zu Ende Es wurden verurteilt: Löffler 7 Jahre Zuchthaus Markwitz 6 Jahre Zuchthaus Oltersdorf 6 Jahre Zuchthaus Riedel 4 Jahre Zuchthaus Spieritz 42 Jahre Zuchthaus Hirschfeld 3 Jahre Zuchthaus Rackow 22 Jahre Zuchthaus Siebold 2 Jahre Zuchthaus. Man hat die Angeklagten zum Teil also seit fast zwei Als Neumann sich weigerte, wurde er mit seit Dezember 1934 Ohrfeigen und Schlägen mit Gummiknüp- Jahren!- in Untersuchungshaft gehalten, peln bearbeitet. Neumann unterschrieb Fast alle wurden fürchterlich miẞhandelt, nicht. Daraufhin wurde die Prozedur am geschlagen, getreten und niedergeboxt, nächsten Tag mit verstärkten Prügeln mit um» Geständnisse« aus ihnen zu entdem Gummiknüppel ins Gesicht wieder- locken. Unter den jetzt Verurteilten be- Elscher und Pipow wurden zu je ein holt. Aus vielen Wunden blutend, unter- finden sich zwei Totkranke, die von den Jahr Zuchthaus verurteilt, der Angeklagte schrieb Neumann das von der Gestapo Gestapoleuten um den letzten Rest ihrer Gobschack freigesprochen. Die Angeklagten Zischock i, Dazu zwölf Jahre Ehrverlust teilen, daß er erneut in Schutzhaft genommen sei. So kam der freigesprochene Neumann als Schutzhäftling in seine Moa biter Zelle zurück. Dort erhielt er einen Tag später die Mitteilung, daß seine Frau bewußtlos in einem Berliner Krankenhaus liege. Am 30. Juli wurde Neumann in das Columbiahaus der Berliner Gestapo überführt. Hier nahmen ihn kaum zwanzigjährige SS-Leute in altpreußische Zucht Besonders gepflegt wurde von den jungen Aufsehern der alte militärische Sport: Betten bauen. Am 3. August 1936 wurde Neumann zum Kommandanten des Columbiahauses befohlen, und dort erhielt er den Bescheid, daß er frei sei. Also hat die Qual doch einmal ein Ende. Nein. Der Kelch muß bis zur Neige geleert werden. Denn der Kommandant fügte seiner Mitteilung über die Entlassung gleich hinzu:»Herr Neumann, Ihre Frau ist sehr schwer krank. Der Arzt möchte Sie noch einmal sprechen.«>Also bezahle ich meine Freiheit mit dem Leben meiner Frau.«»Sie lebt ja noch.« Die Gestapo kann auch menschlich sein. Mit einem Auto wird Neumann ins Krankenhaus gebracht Seine Frau erkennt ihn nicht mehr. Alle seine Versuche, sie noch einmal ins Bewußtsein zurückzurufen, sind vergebens. Die Frau zu Tode geprügelt Die Krankenschwester weigert sich, über die Ursache dieser neuen tödlichen Erkrankung Frau Neumanns etwas zu Der Weg zum Frieden Der Völkerbund und die Fünfmächtekonferenz »Es ist schon vier Jahre her«— so führte der sowjetrussische Außenminister Litwinow vor der Völkerbundsversammlung aus—»seitdem sich zwei Ideenkreise mehr oder weniger klar heraus kri stallisiert haben und einander gegenüberstehen: einerseits die Idee des Friedens, der Unverletzlichkeit der Verträge und der internationalen Ordnimg, und anderer seits die Idee des Krieges, der Verachtung gegenüber den internationalen Verpflichtungen und einer gewaltsamen Neuaufteilung der Welt Während aber die Ideen des Krieges sich formiert haben, während sie zu Fleisch und Blut, besser gesagt, zu Eisen und Blei geworden sind, bleiben die Kräfte des Friedens leider ungefonnt, gespalten und passiv.« Die 17. Völkerbundsversammlung hat die Uneinigkeit und Zersplitterung der Kräfte des Friedens gezeigt Die Schuld liegt sowohl bei der konservativen englischen Regierung als auch bei der französischen Volksfrontregierung, die sich aus Schwäche unter dem Druck der englischen der Körper seiner Frau mit dicken roten Striemen bedeckt war. Nun wußte er, woran seine Frau starb. Am nächsten Tag, am 4. August 1936, starb Frau Neumann, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Von Berlin fuhr Gerhard Neumann »nach Hause«. Sein»Zuhause« war zerstört Seine Frau tot Seine älteste Tochter inzwischen in Fürsorgeerziehung. Seine Wohnung vermietet. Seine Möbel verschleudert. Nichts, nichts war ihm geblieben. Neumann ging zu seinen Eltern, die von einer kärglichen Rente leben. Er versuchte zunächst die Ueberführung der Leiche seiner Frau in seine Heimat durchzusetzen. Sein Ansinnen wurde glatt abgelehnt Schließlich bekam er einen Freifahrtschein nach Berlin, um das Begräbnis seiner Frau zu ordnen. Seine Eltern gaben ihm 2 RM Zehrgeld mit, das war alles, was sie geben konnten. In Berlin erforderten die verschiedenen Gänge zu Behörden und zum Begräbnisinstitut einen ganzen Tag. Die Beerdigung am gleichen Tage war nicht mehr möglich. Für einen längeren Aufenthalt in Berlin fehlte Neumann das Geld. So blieb ihm nichts anderes übrig, als zurückzufahren. Am 10. August wurde Frau Neumann begraben. Keine Menschenseele begleitete sie auf ihrem letzten Weg. Drohung mit Konzentrationslager. Die Gestapo ist gründlich. In seinem neuen Wohnort mußte sich Gerhard Neumann dreimal wöchentlich auf seinem Polizeirevier melden. Mit militärischer Pünktlichkeit Auch das Wohlfahrtsamt nahm ihn in seine Obhut. Etwa vier Wochen zahlte es ihm Wohlfahrtsunterstützung. Dann bekam er vom Arbeitsamt die Mitteilung, er sei bevorzugt vermittelt worden und müsse nach T o r g a u zu Schachtarbeiten fahren. Der Hinweis Neumanns, daß er niemals Erd- oder Bauarbeiter gewesen sei und daß jetzt nach der langen Haft auch sein Gesundheitszustand die Annahme einer so schweren Arbeit unmöglich mache, wurde nicht beachtet.»Sie haben sich lange genug erholt, jetzt können Sie wieder arbeiten. Wir haben für Sie genug zahlen müssen. Die Kosten für Ihre Schutzhaft, für die Schutzhaft Ihrer Frau, für die Krankenhausbehandlung Ihrer Frau, für das Begräbnis Ihrer Frau und für die Fürsorgeerziehung Ihrer Tochter müssen Sie abzahlen, Wir vermitteln Ihnen daher diese Arbeit, und Sie zahlen jede Woche einen bestimmten Betrag Ihrer Schulden an uns ab.« Neumann weigerte sich entschieden, das ihm vorgelegte Schriftstück mit der Anerkennung seiner Verpflichtung zu unterschreiben. Darauf kam die offene Drohung:»Wenn Sie nicht wollen, dann werden wir Sie zwingen. Dann gehen Sie noch einmal ins Konzentrationslager.« Gerhard Neumann unterschrieb nicht Er ging nicht ins Konzentrationslager, sondern er rettete seine Freiheit durch die Flucht über die Grenzen des Dritten Reiches. Nach zweijährigem Martyrium, freigesprochen vom höchsten Gerichtahof des Dritten Reiches. Freigesprochen, nachdem man ihm alles nahm: Weib und Kind, Hab und Gut, Freiheit und Menschenwürde. Das ist das Ende dieser Geschichte eines sagen. Voll Entsetzen sah Neumann, daß konservativen Politik auf eine gefährliche Bahn hat drängen lassen. An zwei praktischen Beispielen ist dies hervorgetreten: an der abessinischen Frage und an der spanischen Frage. In der abessinischen Frage hat der französische Außenminister D e 1 b o s sich auf eine Ueber-Laval-Poli- tik versteift, die erst an ein Ende gelangte, als der englische Außenminister die Partei Litwinows und der kleineren Mächte nahm. In der spanischen Frage hat vor allem der unbedingte Wille Englands, die Fünfmächtekonferenz zustandezubringen, die französische Politik gefesselt. Diesem Willen hat die englische Politik auch ihre Stellungnahme zur Völkerbunds- revjsion untergeordnet Der englische Außenminister Eden hat in seiner Rede vor der Versammlung dem Revisionismus der faschistischen Mächte, der Idee der Zweiteilung Europas in Westen und Osten gefährliche ideologische Zugeständnisse gemacht, gegen die sich sowohl die Kleine Entente als auch Sowjetrußland gewandt haben. Gegenüber diesen taktischen Versuchen, die die verwirrte europäische Lage nur noch mehr zu verwirren geeignet sind, hat Litwinow in einer großen Rede die einfachen und klaren Linien des europäischen Problems gezeigt. Es war eine für die englische wie für die französische Politik sehr unbequeme Rede. Es hieß darin: »Aber der Angreifer, der seine ganze Politik auf die Ueberlegehhelt der groben materiellen Kraft aufbaut, und Im Arsenal seiner Diplomatie nichts besitzt als schreckenerregende Forderungen, Bluffs oder Drohungen und die Taktik vollzogener Tatsachen, kann nur der Stimme einer ebenso festen Politik der Berechnung des Kräfteverhältnisses zugänglich sein. Alle an ihn gerichteten Beschwörungen und Bitten und erst recht Zugeständnisse an seine ungesetzlichen und sinnlosen Forderungen. wirtschaftliches Entgegenkommen machen auf ihn nur den Eindruck der Schwäche, stärken sein Kraftbewußtsein und spornen ihn zu weiterer Unversöhnllchkeit und ungesetzlichen Handlungen an. Sogar außerhalb entsteht die Legende von der Unbesiegbarkeit des Angreifers, wodurch sich in einigen Ländern fatalistische und kapitulantenhafte Stimmungen bilden. Diese Länder beginnen allmählich, manchmal sogar für sie selbst unmerklich, ihre Selbständigkeit zu verlieren und sich in Vasallen des Angreifers zu verwandeln. So beginnt der Prozeß der Herausbildung der Hegemonie, die durch die militärische Zerschmetterung aller unbotmäßigen Länder vollendet werden soll. Ja, meine Herren, wir dürfen nicht die Augen verschließen vor den bestehenden Tendenzen zur Hegemonie, zur Hegemonie des »auserwählten Volkes«, das angeblich durch die Geschichte berufen ist, Uber alle anderen als nicht vollwertig erklärten Länder zu herrschen. Ich spreche schon nicht von ideologischen Folgen einer solchen Hegemonie, sondern von der gewaltsamen Verdrängung aller geistigen und kulturellen Werte, auf die die Menschheit in den letzten Jahrhunderten stolz war und von der künstlichen Wiedergeburt der Ideen der schlechtesten Zeiten des Mittelalters. Indessen übertrifft die gemeinsame Kraft der friedliebenden Länder in wirtschaftlicher wie In militärischer Hinsicht, ihre gemeinsamen Hilfskräfte an Menschenmaterial und in der Rüstungsindustrie wesentlich die Kräfte jeder beliebigen möglichen Kombination von Ländern, die der Angreifer um sich gruppieren könnte. Ich bin zutiefst überzeugt, daß es sich für diese Kräfte lohnen würde, sich in irgendeinem Grade zusammenzuschließen, schon allein die Möglichkeit gemeinsamer Aktionen zu zeigen, um nicht nur der Gefahr des Krieges vorzubeugen, sondern' auch den Angreifer zu zwingen, früher oder später zu bitten, ihn selbst in das allgemeine kollektive Sicherheitssystem einzugliedern. Ich halte es für notwendig, mich sofort gegen die eventuelle Anschuldigung zu rechtfertigen, daß ich zu einem Block aufrufe, denn ich weiß, daß das Wort»Block« für einige Ueberpazifisten zum Schreckgespenst geworden ist. Nein, ich verlange keine neuen Blocks. Ich bin bereit, mich mit dem bereits bestehenden Blpck des Völkerbundes, dem Block der friedliebenden Länder zufrieden zu geben, die sich zu gegenseitigem Schutz und gegenseitiger Hilfe zusammengeschlossen haben. Wir fordern nur, daß dieser Block tatsächlich die gegenseitige Hilfe organisiere, um rechtzeitig einen Aktionsplan zusammenzustellen und sich nicht plötzlich überrumpeln zu lassen, damit die Aktionen zur Organisierung der Abwehr der außerhalb dieses Blocks vor sich gehenden Organisierung des Krieges entsprechen. Und wenn dies nicht alle Länder tun wollen, die gegenwärtig den Block des Völkerbundes bilden, wenn es unter ihnen solche gibt, für die die Sicherheit im Worte»Neutralität« Platz findet oder die hoffen, im letzten Moment auf die Seite des Angreifers überzulaufen, so beraubt dies Jene Länder, die sich schützen können und wollen und die nicht eines nach dem anderen Opfer eines Angriffs werden wollen, nicht des Rechts zu gemeinsamen Aktionen.« Diese Rede hat aber auch enthüllt, daß Sowjetrußland nicht tatenlos zuzusehen gedenkt, wenn die englische Poütlk die Tendenzen stärkt, die auf eine Aushöhlung des französisch-sowjetrussischen Sicherheitspaktes abzielen, und die Sowjetrußland aus einer europäischen Verständigung herausdrängen wollen. Das Hitlersystem hat auf diese Tendenzen spekuliert, es hofft sie in den Vorverhandlungen um die Fünfmächtekonferenz noch weiterzutreiben. Die Hitlerpropaganda hat deswegen gegen die Rede Litwinows aufgeheult Sie hat ein um das andere mal versichert, Sowjetrußland stehe im Völkerbund völlig isoliert. Die braune Propaganda hat antizipiert, was das Ziel der braunen PoUtik ist Tatsache ist, daß die französische Volksfrontregierung mit ihrer Nachgiebigkeit gegenüber der englischen PoUtik bereits soweit gegangen ist, daß die Verstimmung Sowjetrußlands sichtbar wurde. Ministerpräsident Leon Blum ist daraufhin nach dem Abschluß der großen Reden nach Genf gefahren. Er hat entschieden versichert, daß Frankreich über einen zweiten Locarnopakt nur unter der Bedingung verhandeln werde, daß seine übrigen Pakte nicht berührt würden. Die französische Regierung würde eher das Projekt der Fünfmächtekonferenz aufgeben, als die Beziehungen zur Kleinen Entente und zu Sowjetrußland zu lockern. Mit dieser Erklärung ist aber auch die englische PoUtik des Entgegenkommens an die Absichten des braunen Diktators an ihre Grenze gelangt. Von dieser Völkerbundsversammlung ist demnach weder ein Durchbruch nach der einen, noch nach der anderen Richtung ausgegangen. Der Völkerbund bleibt nach wie vor, nach dem Worte Litwinows, ein Wartesaal. Freispruchs im Dritten Reich. Das vorläufige Ende. Das letzte Kapitel dieser Geschichte wird geschrieben, wenn der deutsche Freiheitskampf das ganze System der braunen Barbarei und der Schändung des Menschentums hinweggefegt und die Verantwortlichen dieses Systems für alle ihre Verbrechen zur Verantwortung gezogen haben wird. DanzSg Am 3. Oktober hat Hitlers Gauleiter für Danzig, Forster, auf einer Kundgebung der Danziger Nationalsozialisten erklärt, die nahe Abreise des Hoben Kommissars L e s t e r aus Danzig und seine Ersetzung durch einen anderen Kommissar sei »ein großer Sieg der Danziger Regierung Uber den Völkerbund; die Nationalsozialisten haben ihre Freiheit wiedergewonnen und können nun alle Oppoeitlonsparteicn auflösen.« Forster gab die Parole aus»Zurück zum Reich!« und drohte allen, die sich der nationalsozialistischen Partei nicht anschließen würden, mit dem Terror. Massenverhaftungen von Sozialdemokraten haben stattgefunden. Der Völkerbundsrat hat am 5. Oktober eine Resolution angenommen, in der die Obstruktion und der Verfassungsbruch der Danziger Regierung festgestellt wird. Er hat Polen beauftragt, über die Innehaltung der Danziger Verfassung zu wachen. Polen bat sich bereit erklärt, diesen Auftrag anzunehmen. Das Strafmaß Ein lehrreich es Beispiel, wie sich die Durchdringung der Strafjustiz mit nationalsoziah- sfcischem»Geist« auf che Höhe der erkannten Strafen auswirkt, zeigt ein Strafverfahren gegen einein Nazi, der 800 Reichsmark Organisationsgelder unterschlagen hat. Dieser Betrtebazellenohmann. dessen persönliches Schicksal uns kalt lassen kann, stand bisher dreimal wegen derselben Tat vor der Strafkammer des Landgerichts Erfurt. Das erste Urteil wurde auf die erfolgreiche Revision des Staatsanwalts und des Angeklagten vom Reichsgericht aufgehoben. Die Strafkammer hatte also auch nach altem Recht die Möglichkeit, die Strafe zu erhöhen. Gegen das zweite Urteil legte der Angeklagte allein Revision ein. Er hatte mit dieser Revision »Erfolg«, auch das zweite Urteil wurde aufgehoben. Nun hatte aber die Strafkammer nach der Novelle vom 28. Juni 1935 das Recht trotz dieses Erfolges des Angeklagten die Strafe zu erhöhen, um ihn die Neigung, die Autorität eines, Landgerichtsurteils dureb Einlegung von Rechtsmitteln zu schmälern, abzugewöhnen. Wegen der gleichen Tat erhielt dieser Angeklagte: im Jahre 1933 8 Monate Gefängnis im Jahre 1934 12 Monate Gefängnis im Jahre 1936 21 Monate Zuchthaus, 200 RM Geldstrafe und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre. Ein schöner Erfolg nationalsozialistischer »Recht«-Sprechung! Wenn zwei das gleidie hin... Die»Frankfurter Zeitung« meldet in ihrer Nummer 495/96: »Das Lörracher Amtsgericht verurteilte einen Angeklagten, der einen Erbkranke n in häßlicher Weise beleidigt hatte, zu zwei Monaten Gefängnis. Der Verurteilte hatte den Erbkranken, der sich In einer Gastwirtschaft an seinen Tisch setzen wollt«, mit einem brutalen Hinwels auf die erfolgte Sterilisierung fortgewiesen.« Die gleiche Zeitung veröffentlichte am 12. März 1936 eine Rede, die Julius Streicher auf einer Gautagung der NSDAP in Nürnberg gehalten hatte. In dieser Rede hieß es: »Die Verleumder, die Schweinehunde, die Erbkranken, der Abschaum, das sind die wenigsten im deutschen Volke.« Hier werden also die Erbkranken mit »Schweinehunden und Abscbau m« ganz offensichtlich gleichgesetzt. Der Mann in Lörrach, der den Erbkranken beschimpfte, hat sich nur die Auffassung des Führers Streicher zu eigen gemacht Dafür wird er bestraft Und was geschieht dem geistigen Urheber des Vergehens? Er wird in gewissen Zeitabständen von Adolf Hitler empfangen, belobt und befördert Torsidil! Der Oberbürgermeister von Nürnberg und die Referenten der Stadtverwaltung gaben in einer Beratung mit den Ratsherren einen Bericht Uber ihre Tätigkeit bei der Durchführung und Vorbereitung des Reichsparteitages. Oberbürgermeister Liebel führte dabei nach dem Bericht des»Fränkischen Kurier« unter anderem aus; »Ueber die wirtschaftlichen Auswirkungen des Reicbsparteitages könne zunächst nur mit Vorsicht geurteilt werden.« Mit größter Vorsicht sogar— und am besten nur dann, wenn kein Staatsanwalt in der Nähe ist. Das Deutschtum flüchtet sich nis zu marxistischen » Landesverrätern« Der sozialistische Sieg in der Lodzscher Stadtratswahl. Man schreibt uns aus Lodz in Polen: Ein glückliches Volke Die wunderbare Reise des David Lloyd George DisAlle Verfasser von Seefahrerromanen| kaum bewirtschaftet waren, den Bau von Volk unter dem Druck des gegenwärtigen und wunderbaren Reisebeschreibungen Millionen Arbeiterhäusern und Arbeiter- Systems glücklich sein könne, antworGroße Beachtung fand vor kurzem in der müssen vor dem ehrenwerten Herrn David siedlungen mit Gärten bei jedem Haus. tet er: gesamten internationalen Presse das Ergeb- Lloyd George vor Neid erblassen. Haben Durch diese(!) und ähnliche(!)» Ich kann das nicht erklären, ich kann es der Lodzer Gemeindewahlen, sie nach ihrem eigenen Zeugnis monate- Maßnahmen haben sie die Arbeitslosigkeit nur feststellen. Sie müssen denken, daß die schon allein deshalb, weil Polen zu dem zwar lange Strapazen ertragen und gefährliche von 6 Millionen auf eine Million herab- Deutschen immer schon ein sehr diszipliniernur hypothetischen Block der Diktaturstaaten Abenteuer bestehen müssen, um in die gedrückt.<< tes Volk waren. Sie sind mehr an in Europa gehört und Abstimmungen, wenn Welt ihrer Wunder zu gelangen, so hat für Lloyd George vergißt hinzuzufügen, ziplin gewöhnt als wir, und ich denke, nur halb- oder pseudodemokratischen jenen eine Luxusdampferfahrt von weni- daß die Nazis, die Vollbringer dieser daß eine Herabsetzung des LebensGepräges, doch beachtenswerte Schlüsse auf gen Stunden genügt, um ihn das wunder- Wunder, aus Bescheidenheit sogar die standards, wie sie jetzt in Deutschland die Haltbarkeit der inneren Zustände zulassen. barste aller Wunder entdecken zu lassen: amtliche Statistik gefälscht haben. Diese stattfindet( Also doch! Red. d.> N. V.<<) auf Der Sieg der sozialistischen Liste war überein Volk in dieser Zeit, das wahrhaft besagt nämlich, daß der Umfang der das englische Volk eine ganz andere wältigend: die P. P. S. und die ihr ange- glücklich ist.» I have never seen a happier landwirtschaftlich bebauten Wirkung haben würde als auf das deutschlossenen Verbände erhielten bei einer people than the Germans< das heißt, Fläche in den letzten drei Jahren zu sche. Wir haben drei Jahrhunderte außerordentlich starken Wahlbeteiligungs- wie jedermann weiß, der ein wenig Eng- rückgegangen ist und daß viel des Fortschritts und des Wachsauch 34, also fast die Hälfte und sie können mit sehen als die Deutschen< Arbeitersiedlungen tums. unserer Freiheit hinter ziffer, die weit über 90 Prozent betrug, allein lisch kann, wörtlich:» Ich habe nie- weniger von den 72 Gesamtsitzen des Gemeinderates mals ein glücklicheres Volk ge- gebaut wurden als vorher. Auch uns, sie ist uns ein wahres Lebenselement und hätte er aus amtlichen Publikationen des geworden. Das gilt aber nicht für so steht es in den Berichten der englischen Dritten Reiches entnehmen können, daß Deutschland, gilt auch nicht für Zeitungen über Lloyd Georges Deutsch- die deutsche Innenkonjunktur eine reine Italien, Polen, Rußland oder die landreise gedruckt. Rüstungskonjunktur, er hat sich aber da- länder.< den> Jüdischen Sozialisten<<, die für sich gesondert vorgingen, die große Mehrheit für die Zusammensetzung des Gemeinderates stellen. Die Bedeutung der Wahl wird dadurch nicht gemindert, daß Lodz eine riesige Industriestadt innerhalb einer agrarischen Umwelt ist, die im allgemeinen Polen das Gepräge gibt. Was allerdings in den vielen Kommentaren, die diesem polnischen Stimmungssymptom gewidmet waren, bisher fehlte, war es Balkan>> Wir haben«<, so heißt es dann weiter, durch nicht irreführen lassen, sondern hat Mit diesen Worten schleudert Lloyd viel gehört von den Anstrengungen, die scharfblickend entdeckt, daß die Abnahme George, der die gegenwärtigen MachtDeutschland macht, um wieder aufzu- der Arbeitslosigkeit auf eine riesenhafte haber Deutschlands mit Komplimenten rüsten, aber sehr wenig über die gewalti- Ausdehnung des Wohnungsbaues zurück- überschüttet, dem deutschen Volk seine gen Pläne zur Entwicklung der inneren zuführen ist. ganze Verachtung ins Gesicht. Dieses Kräfte des Landes und zur Verbesse- Man könnte alles dies sowie die Bück- Volk, das ist der kurze Sinn der langen rung der Lebensverhältnisse linge, die dieser ehemalige liberale Pre- Rede, ist glücklich, wenn es geprügelt der arbeitenden Bevölkerung. mier Englands vor dem großen Adolf wird, also werde es geprügelt. der Hinweis darauf, daß an dem Sieg der Von den letzteren habe ich ein gut Teil| macht, von der komischen Seite nehmen, Und darum war es ja auch, daß der gesehen, und ich war ungeheuer beein- wären diese faustdicken Erfindungen nicht Bericht des ehrenwerten Herrn David druckt von der Kühnheit und Weitherzig- obendrein mit einer besonderen Infamie Lloyd George in der deutschen Presse keit dieser Pläne. Sie umfassen 4 Millio- gegen das deutsche Volk verbunden. nicht wörtlich wiedergegeben werden nen Acres Land, die bisher wüst oder Auf die Frage, wieso denn das deutsche durfte, sondern nur im Auszug. Leider hat Frank aber eine Lücke in seinem Lehrgebäude nicht beachtet. Wenn wir recht unterrichtet sind, hat in letzter Zeit eine nationalsozialistische Revolution< stattgefunden. Eine Revolution bedeutet nun aber ist, zur Untersuchung gezogen, bestraft| Die Straftat muß vor dem 20. April 1936 geoder an einen dritten Staat weitergeliefert schehen sein. werden noch aus einem sonstigen vor der Auslieferung eingetretenen Rechtszustand Wenn man diese Zahlen mit früheren Stain seiner persönlichen Freiheit beschränkt tistiken vergleicht, so kann ein ganz genaues werden, es sei denn, daß der Ausgelieferte Ergebnis nicht gefunden werden, weil die das Gebiet des ersuchenden Teiles innerStatistik Gefängnisstrafen bis zu einem Monat halb eines Monats nach dem endgültigen Abschluß des gegen ihn durchgeführten nicht gesondert aufführt. Sie rubiziert Strafverfahrens oder, im Falle der Ver- Gefängnisstrafen bis zu drei Monaten. Für urteilung zu einer Freiheitsstrafe, inner- das Jahr 1932 finden wir halb eines Monates nach der Freilassung nur Sozialisten auch die nicht unbedeutende deutsche Minderheit der Stadt stark beteiligt war! Die deutsche Minderheit hat auf der sozialistischen Liste drei deutsche Kandidaten durchgebracht, darunter den früheren Sejmabgeordneten Emil Zerbe. Die deutsch- bürger- ger, als wir, sie werden durch einen weisen lichen Wahlverbände haben mehrere tausend Strafvollzug vor uns geschützt. Es gibt kein Stimmen bei der Wahl eingebüßt und haben minderwertigeres, verabscheuungswürdigeres sogar genau in dem Grade schlechter abge- Pack als die Anhänger der Opposition, lehrt schnitten, als sie im Gleichschaltungsver- Frank und steht mit dieser Lehre nicht allein hältnisse zur auch in Polen nicht schlecht in der Welt. tobenden Hitlerei stehen. Am wenigsten bekommt die Jungdeutsche Parteis ein Mandat, die gradezu vom» SA- Geist< zehrt. Aber auch der Deutsche Volksverbande, in dem nicht verläßt, obwohl die Ausreise möglich Gefängnisstrafen bis zu drei Monaten 147.059 mehr die zwangs- und wahlgleichgeschalteten ist, oder daß er, nachdem er es verlassen Geldstrafen 318.897 früheren Zentrumspolitiker noch eine Rolle Sieg der Hochverräter. Wie steht es mit den hat, zurückgekehrt ist oder von einem spielen, hat bei zwar geringerer Einbuße diversen> Führern«, die Träger dieser» Revodritten Staat von neuem ausgeliefert wird.<< Im ganzen Jahr 1932 finden wir also keinen Sitz durchbringen können. Es be- lution< waren, Herr Reichsführer Frank? Eine nicht ganz einfache stilistische, aber 465.956 Fälle, die unter die Amnestie hätten steht also die Tatsache, daß die Weiter: Am 9. November 1923 haben sich in auch juristische Konstruktion! Der Hinweis fallen können, wobei die Zahl der GefängnisDeutschen allein München Ereignisse abgespielt, die wohl als auf die hitlerdeutsche Konzentrationslager- strafen von 1-3 Monaten diese Zahl Landesverrǎ-> Unternehmen, mit Gewalt die Verfassung des praxis(> in seiner persönlichen Freiheit be- mindestens 30.000 herabsetzen dürfte. Für tern< gegenüber dem polnischen Reichs zu ändern<(§ 80 Abs. 2 Strafgesetz- schränkt werden...<) ist ganz deutlich. Wie ein Drittel des Jahres 1936 kamen aber nach Habitus der großen Industrie- buch) angesehen werden müssen. Sind die oft aber, so muß man sich fragen, mag schon dem amtlichen Zugeständnis des Reichsjustizstadt vertreten werden und daß Hochverräter vom 9. November 1923 auch die gute Schweiz, in deren bürgerliche Ehr- ministers nicht weniger als 495.014 Fälle in die Lodzer deutsche Bevölkerung Urtypen des Verbrechers, Herr Reichsmini- barkeit die Gangsterei der deutschen System- Betracht. Schätzungsweise haben sich demdurch die Wahl demonstrativ be- ster? Dann wären Sie wohl um Ihren Posten gewaltigen nur schwer eingehen mag, schon nach die kleinen Straftaten auf das Dreifache kundet hat, daß ihr das als der übers Ohr gehaut worden sein, wie viel Ge- erhöht. meines und Brutales hat biedermännische und allein wünschenswerte Zustand Die Diskriminierung des politischen Geghausbackene Gutgläubigkeit außerhalb erscheint! Lodz ist grade wegen seiner ners dürfte auf diesem» wissenschaftlichen< starken deutschen Minderheitsbevölkerung Wege nicht geglückt sein. Die>> Rechtswahrer Deutschlands aber auch schon unschuldigen erscheinen wird. der deutschen Menschen zugebekanntlich das Zentrum ungewollt sicherlich! müssen sich weiter bemühen, um den richVolkstumsbewegung in Polen. fügt, wenn man nunmehr durch advokatentigen Dreh zu finden. Daß die deutschen Sozialdemokraten > sich gegenüber nationalkulturellen Fragen Lodzer > marxistischen von nicht zu beneiden. niemals als gleichgültig erwiesene, muß ihnen Papierene Garantien auch die andersdenkende deutsche Presse in wie der Kattowitzer> Deutsche in Polen, bestätigen. Polen die urn Dieses Ergebnis wird man sich merken müssen, wenn die Statistik für das Jahr 1936 hafte Knifflichkeit auf papierenen Garantien,» Die alte Temming daß es künftig korrekt zugehen soll, bestehen zu müssen glaubt?! Sie glaubten bisher eben immer noch, sie hätten es drüben nur Wie ein deutsch- schweizerischer Auslieferungsvertrag noch vor fünfzig Jahren lauten mit einer anderen Ausgabe Stresemanns, durfte und wie er jetzt lauten muß! Rathenaus oder schließlich Bismarcks zu stand steif da Ein Bericht aus dem Gerichtssaal. Aus der> Westfälischen Landeszeitung<: > Im September vorigen Jahres hatte die Zu der naiv- dreisten Behauptung des Am 24. Januar 1874 wurde zwischen tun... > Führers und Reichskanzlers<, fhm sei ge- Deutschland und der Schweiz ein Staatspolizei die 63jährige Charlotte Temming aus Dortmund ernstlich verwarnt, ihre lungen, was Bismarck nicht gelang: Auslieferungsvertrag geschlossen, Kleiner Kommentar Tätigkeit für die Sekte der internationalen deutsche Sozialdemokratie auch in der Idee der drei deutsche Kaiser und eine komplette zu vernichten, liefert grade der heiße Wahl- deutsche Republik überdauert hat und in Gülzur Kriminalstatistik ernsten Bibelforscher einzustellen, da sie tag in Lodz den authentischen Kommentar! tigkeit blieb, als Hitler schon auf dem Ar- Bekanntlich ist im Dritten Reich die Kri- sonst mit den Starfgesetzen in Konflikt kombeitsplatz dessen saß, der ihn für das Reich minalität erheblich zurückgegangen. Das Die alte Frau ließ sich nicht belehren, menschen Bismarck. In dem Vertrag ist ein- gung der wirtschaftlichen Not durch den sondern zog weiter von Haus zu Haus mit fach und schlicht die Strafverfolgung oder» Sozialismus« und die Wirkungen männlicher ihren Bibeln, die sie zum Kauf anbot, und Bestrafung einer ausgelieferten Person» ver- Richtersprüche in Verbindung mit dem ab- gab noch dickleibige Bücher und Traktätwegen eines Verbrechens oder Ver- schreckenden Strafvollzug haben im Kampf chen der Ernsten Bibelforscher- Vereinigung< Der Urtyp des Verbrechers getätigt hatte: des fast liberalistischen Unter- leuchtende Beispiel edler Führer, die BeseitiDie wissenschaftliche Erforschung des Rechtsbrechers, die bisher allgemein anerkannte Ergebnisse kaum zu erzielen vermochte, ist durch eine grandiose Entdeckung wesentlich gefördert worden. Der Urtyp des Verbrechers ist gefunden, Ursprung und Keimzelle aller Verbrechen sind kein Geheimnis mehr. Diese entscheidende wissenschaftliche boten -men werde. und sogar gegen den gehens, welches in dem gegenwärtigen Ver- gegen das Verbrechertum entscheidende Siege hinzu, damit man sich auf das Reich des trag nicht vorgesehen ist.<< Man sollte mei- erbracht. Die objektive Kriminalstatistik Hebräergottes Jehova vorbereite. In diesen nen, daß sei ganz klar unter der Voraus- liefert die notwendigen Beweise. > heiligen Heftchen< aber las man allerlei setzung nämlich, daß Ehrenmänner hüben Leider arbeiten aber noch nicht alle Pro- Dinge, die sich ganz offen gegen den nationalund Ehrenmänner drüben nicht nur den Abdes nationalsozialisti- sozialistischen Staat pagandaunternehmen Tat ist ein Ergebnis nationalsozialistischer schluß eines Staatsvertrages, sondern auch schen Deutschlands genügend zusammen. So Führer selbst richteten, also hochverräteriForschung, der bekannte> Gelehrte Frank, seine Befolgung praktizieren. Daß eben hielt es der Justizminister für richtig, über schen Charakter trugen. Reichsminister und Reichsjuristenführer, ihr andere Kavaliersverhältnisse in die Auswirkung der letzten Amnestie Zahlen Das Gericht trat an. Die alte CharVerkünder. Auf der Jahresversammlung des der Weltpolitik einreißen könn- zu veröffentlichen, die die Großzügigkeit die- lotte Temming stand steif da und Reichsverbandes für Gerichtshilfe, Gefange- ten, ses Geschenks des Führers darlegen, aber mit verweigerte den Deutschen Gruß, nen- und Entlassenenfürsorge hat er erklärt: Warum dem Rückgang der Kriminalität nicht recht wofür sie in eine Strafe von drei Der politische Gefangene kann für sich mag also wohl kürzlich ein deutsch- zusammenstimmen. Der Reichsjustizminister Tagen Haft wegen Ungebührs vor keine Sonderbehandlung erwarten, denn er schweizerischer Notenwecasel erklärt, daß durch die Amnestie vom 23. Gericht genommen werden mußte. weiß, daß er schwerstes Unrecht tut, wenn ( der Wortlaut davon April 1936 in Sie blieb dabei, nur die Jüngerin Jehovas zu er gegen die Gemeinschaft des deutschen stattgefunden haben Volkes handelt. Der Hoch- und Lan- wird jetzt in der einschlägigen völkerrecht240.340 Fällen die Strafe erlassen und in sein und nur ihm Heil zu wünschen. Der desverräter ist sogar wegen der in beiden Seiten belichen Fachliteratur auf 254.674 Fällen ein schwebendes Strafver- Tatbestand war klar. Der Staatsanwalt beseiner Handlung liegenden Treulosigkeit war zu Großmamas Zeiten nicht recht vorstellbar! durch Verrat gewissermaßen als Urtyp kanntgegeben), in dem die Schweiz dar- fahren eingestellt worden ist. Betroffen sind tonte, daß man die Gefährlichkeit dieser inVerbrechers anzusprechen. Der auf bestand, daß jener klare und einfache hiervon nur Straftaten, die mit Geldstrafe ternationalen Sekte voll erkannt und sie desStrafvollzug hat dafür Sorge zu tragen, dan Tatbestand des Vertragsinhaltes an der ent- oder mit Freiheitsstrafe bis zu einem Monat halb verboten habe, denn in ihr und hinter der politische Verbrecher auf die anderen Gefangenen nicht zersetzend wirken kann. Nun wissen wir, die Kämpfer für Freiheit und Recht, endlich, was für gemeine Verbrecher wir sind! Mörder, Kinderschänder, Taschendiebe und Betrüger sind höherwertischeidenden Stelle folgendermaßen kompliziert und umständlich umschrieben wird: bestraft worden sind oder bei denen keine ihr versteckten sich die kommunistischhöhere Strafe zu erwarten war. Bei der jüdischen Drahtzieher im In- und Auslande. >> Der Ausgelieferte darf ohne Zustim Schnelligkeit der deutschen Justiz muß un- Das Sondergericht folgte den Ausführungen weder mung des ersuchten Teiles wegen terstellt werden, daß diese Strafverfahren des Anklagevertreters und erkannte auf einer vor der Auslieferung begangenen Tat, für welche die Auslieferung nicht bewilligt statistisch in das Jahr 1936 zu rechnen sind. ein Jahr Gefängnis.< Schacht in Verlegenheit Der Wahnwitz der Autarkie wird offenbar anderen großen Demokratien, Englands der jahr 1936 9,6, also auf das Jahr umgerechnet nahezu 20 Millionen Tonnen. Die> Wehrfreiheit hat uns also nicht die Rohstofffreiheit gebracht, sondern, im Gegenteil, die Abhängigkeit Deutschlands vom Bezug ausländischer Erze gesteigert. Von der gesam Gewerbe: Aber nicht nur notdürftig zu erhalten. hatte der Enqueteausschuß es volkswirtDer VorMinisterialrat im für Handel und > Wenn wir einmal nach den Grundsätzen der allernüchternsten Rationalität. diese Dinge prüfen, so liegt im Augenblick die Situation so, daß wir ohne Schädigung unserer Eisenerzeugung den Siegerländer Erzbergbau stillegen könnten?< Der Dr. Schacht ist, wie seine Erklä-| keine Wirkung haben und müßte eine Wert- Handelsbilanz von 50 Millionen in dem ten Versorgung mit Eisenerz, also Einfuhr rung über die Abwertung der ausländi- berichtigung aller übrigen Marksorten nach gleichen Zeitraum. Nun bedeutet Abwer- und heimische Förderung zusammen entfieschen Währungen vor dem Zentralaus- sich ziehen. Eine wirkliche Währungsreform tung für einen nicht genau zu berechnen- len auf die Eigenerzeugung 1929 27 Prozent, schuß der Reichsbank beweist, sehr böse. müßte das Ziel haben, eine einzige den Zeitraum eine Erschwerung 1936 nur 24 Prozent. Das der Einfuhr in die abwerten- Dieses Zahlenbild ist aber irreführend, Der Zorn erklärt sich aus persönlichen Mark wieder herzustellen. Gründen und aus sachlichen Befürchtun- wäre unvereinbar mit der verschiedenartigen den Länder und eine Steigerung weil es für den praktischen Wert der Erze gen. Eben war der deutsche Wirtschafts- Behandlung ausländischen Schulden. ihrer Exportfähigkeit. Die weniger auf ihre Menge als auf ihren Metallminister und Reichsbankpräsident in Pa- Eine solche Mark würde nur dann wirkliche deutsche Einfuhr in die Goldblockländer gehalt ankommt. Die vom Ausland eingeris gewesen, war sehr höflich behandelt Bedeutung haben, wenn freie Transferie- wird also sinken. Will Schacht das ver- führten Erze haben einen Eisengehalt von worden und hatte sogar mit dem franzö- rung und ein freier Devisenmarkt bestünde. meiden, so muß er die deutschen 55 bis 60, die in Deutschland selbst gefördersischen Ministerpräsidenten, der bisher ten von nur 30 bis 35 Prozent. in Die Existenz der auswärtigen Verschuldung Exportprämien für die Deutschland als Jude und Marxist mit und die Nichtexistenz einer Währungsreserve schon zu teuren Ausfuhrwaren noch wei- nur wegen des geringen Gehalts der Erze, wegen ihrer geologisch ungünstigen Zustimmung desselben Schacht entweder macht aber einen solch freien Markt unmög- ter erhöhen, während schon die Aufbrin- auch längst ermordet oder den Folterungen lich.<< gung der einen Milliarde, die ihm bisher Verhältnisse war die deutsche Erzbaufördein einem Konzentrationslager erlegen Den deutschen Nöten ist aber durch für das Dumping zur Verfügung stand, rung immer nur mit staatlichen Zuschüssen die Welt irgendwelche wäre, diniert und verhandelt; Währungsmanipulierungen auf große Schwierigkeiten gestoßen ist. und auch dann zerbrach sich 24 oder vielleicht auch 48 überhaupt nicht abzuhelfen, sondern nur Schacht muß also mit einer Verringerung Im Jahre 1928 Stunden lang den Kopf über die wirt- durch Rückkehr zu einer ehrlichen und des Ausfuhrüberschusses rechnen, um so des Reichstags durch Befragung von Sachschaftliche und politische Bedeutung die- vernünftigen Wirtschaftsführung, durch mehr, da auch der Export nach den übri- verständigen untersucht, ob ser Unterhandlungen; die deutsche Presse Einstellung der verrückten Agrar- und gen Märkten jetzt auf die durch die Ab- schaftlich gerechtfertigt sei, den Erzbau aus pries das wachsende Verständnis der von der verbrecherischen Kriegspolitik, was wertung begünstigten französischen, hol- allgemeinen Mitteln zu erhalten. Sozialisten geführten und von Kommu- allerdings den Sturz der Diktatur ländischen und Schweizer Fabrikate sto- sitzende des Ausschusses, Reichsminister a. D. nisten gestützten französischen Regie- zur unumgänglichen Voraussetzung hat. Ben wird. Die Verringerung des Ausfuhr- Dernburg, fragte den als Sachverständigen und da erfährt Schacht aus der überschusses bedeutet aber weitere Ver- vorgeladenen Dr. Arlt, rung Aber Schachts Zornesausbruch entZeitung wie jeder gewöhnliche Sterbliche ringerung der Devisenbeträge zum Ankauf Preußischen Ministerium springt nicht nur verletzter Eitelkeit, er von der Währungsänderung von Rohstoffen und Nahrungsmitteln. hat auch schwerwiegende sachliche Frankreichs, erfährt, daß FrankDiese trübe Aussicht trifft das Rereich sich um die Mitwirkung der beiden Gründe. Denn die Abwertung der gime in dem kritischen Zeitpunkt, in dem bisherigen Goldblock länder der ungünstige Ernteausfall und der Vereinigten Staaten, mit Erfolg schafft für Deutschland neue trotz aller Ableugnungen vermehrte bemüht hat, daß aber Deutschland, und recht bedenkliche Schwie Einfuhren zur zwingenden Notwendas mächtige, ehrsüchtige, waffenstar- rigkeiten. Zwar könnte es zunächst Diese Frage beantwortete der Sachver die neuen rende Deutschland Hitlers, von jeder scheinen, daß Deutschland als Schuldner digkeit macht. Denn daran können auch Einschränkungsmaßnahmen ständige Arlt mit einem schlichten und glatnichts Wesentliches ändern. Wenn der ten:» Ja...< Seitdem hat die Ertragfähigkeit Mitwirkung ausgeschlossen aus der Abwertung auch Vorteile ziehen nichts Wesentliches ändern. müßte. Die Schulden an die drei Gold- Verkauf von Schlagsahne an wurde und den Verdes Erzbergbaues sicherlich weiter abgenomausgeschlossen blockländer dürften heute bei einer ge- braucher verboten wird, wenn der Land- men. Aber im Dritten Reich spielen Kosten bleibt, geschweige, daß es den englisamten Auslandsverschuldung von rund wirt und Milchhändler Schlagsahne nicht noch weniger eine Rolle als zur Zeit, da die schen, amerikanischen und französischen 13 Milliarden Reichsmark etwas unter 4 mehr herstellen darf, wenn die Molkereien staatliche Subventionsfreudigkeit noch durch Regierungen in den Sinn gekommen wäre, Milliarden RM betragen; die 30prozentige an Konditoreien oder Kaffeehäuser noch liberalistische Vorurteile gehemmt war. Man den Schacht um Erlaubnis oder auch nur Abwertung würde also eine Verringerung höchstens 25 Prozent der im September schickte eine staatliche Ingenieurkommission um seine Meinung zu fragen. etwa 1,2 Milliarden RM vorigen Jahres gelieferten Menge auslie- über Land, Kein Wunder, daß er jetzt loswettert der Schuld um etwa 1,2 Milliarden RM bedeuten. Deutschland hat aber schon fern dürfen, über die neue» Unstabilität«<, daß er sich nur noch als fundstätten ausfindig zu machen. Es gibt Halbfettkäse mit 20 Prozent Fettgehalt jetzt kaum eine Fundstelle mehr, die mit zu der tollen Behauptung versteigt, daß jetzt nur ein Minimum an Zinsen bezahlt, das die verschiedenen Gläubigerländer erzeugt werden kann, so kann vielleicht noch so geringem Eisengehalt, nicht der oder vier anderen Ländern keine Währung von Schacht unter der Drohung erlangen dadurch die Butterknappheit etwas ver- Eisenerzeugung dienstbar gemacht würde. konnten, daß sie sonst ihre Bezüge an in der Welt mehr gäbe, die prinzipiell eine das Dritte Reich, aber deutschen Waren noch weiter herunterset- ringert werden, aber die Fettversorgung Die Kosten bezahlt des Volkes ist damit in keiner Weise ge- all dieser ungeheure Aufwand hat nur verDa aber feststehende Grundlage hätte.<< zen würden. Es ist also nicht sicher, ob währleistet, um so weniger, da es in der mocht, das Erz zu verteuern, aber weder die nach> prinzipiell in Hitlerdeutschland Schacht eine wesentliche Verminderung gerade das heißt, worum man sich prakan Rohstoffen man- Erzeinfuhr einschränken, noch die heimische Margarineindustrie tisch nicht kümmert, so wird wohl die der Zinsenlast, auf die er jedenfalls seine gelt. Selbst die Werktagskost, auf die Erzeugung auf den einstigen Stand bringen übrige Welt über diese Schachtsche Kühn- nächste Anstrengung konzentrieren wird, Hitler das deutsche Volk gesetzt hat, ist können. Der Menge nach deckt die heimische heit mit der Konstatierung hinweggehen, wird erreichen können. daß die deutsche prinzizielle stabile Wäh- Viel entscheidender ist dagegen die Man begreift deshalb die Wut des wert nach nur knapp ein Fünftel des Eisenrungsgrundlage auf rund 65 Millionen RM Verschlechterung han- Schacht, der sehr gut versteht, daß das erzverbrauchs. Die Verhüttung dieses einen durch Fünftels erfordert aber nach dem>> Deutschen Gold zusammengeschrumpft ist, während delspolitischen Situation. Devisenbewirtschaftungssystem der Goldschatz der Vereinigten Staaten Trotz aller Versuche Schachts, den keine bloße Abwertung überflüssig ge- Volkswirt<> das Vierfache an Kosten gegen10% Milliarden Dollar, der Englands 600 Außenhandel nach dem europäischen Süd- macht werden kann, wie er sagt, son- über der von Auslandserzen mit 60 Prozent bis 700 Millionen Pfund und der Frank- osten und nach Uebersee zu verlegen, dern nur durch eine Einschrän- Eisengehalt.<< Je mehr neue Fundstätten erreichs immerhin noch rund 50 Milliarden bleiben die europäischen Industrieländer kung der wahnsinnigen, über schlossen werden, um so geringer ihr EisenFrs. alter Parität beträgt. Die Wieder- Deutschlands wichtigste Kunden und vor die Wirtschafts- gehalt, um so höher ihre Kosten. Das geht erlangung und Aufrechterhaltung der allem die Gläubigerländer diejenigen, die kraft hinausgetriebenen Auf- bis zu einer Grenze, nach deren UeberschreiStabilität, die für den Dollar und in etwas bereit sind, auch Exportüberschüsse von rüstung, was er nicht sagen darf. Da- tung die angeblich erstrebte Devisenersparnis die Schul- in nehmen. her seine Forderung, daß geringerem Maße für das Pfund in Wirk- Deutschland in Empfang zu Devisenverschwendung umschlägt. lichkeit seit bald zwei Jahren erreicht ist, Zwar hat die verrückte deutsche Autar- denlast noch weiter verrin- scheint, als sei diese Grenze schon erreicht. ist also für die Welt außerhalb der Dik- kiepolitik auch im Handel mit den Gold- gert und die Kolonien zurückgege- Warnend schreibt der Deutsche Volkswirt<, taturen wirtschaftlich jederzeit zu haben blockländern schreckliche Verwüstungen ben werden, also die Forderung, daß das es sei die Rücksicht auf unsere Devisenund hängt nur von ihrem politischen angerichtet. Die deutsche Einfuhr aus Ausland die deutsche Kriegsvorbereitung bilanz, die jetzt noch zu einer gewissen BeWillen ab in schärfstem Gegensatz zur Frankreich z. B., die 1927 noch 806 Mil- selbst noch weiter fördere durch Verzicht schränkung im Verbrauch unserer eigenen deutschen Situation; denn die deutsche lionen Reichsmark betrug, ist 1935 auf auf seine Forderungen und durch Abtre- Erze zwingt.< Denn durch die Verteuerung Mark hat ihre internationale Geltung 154 Millionen zurückgegangen; die deut- tung der für die deutsche Kriegsrüstung des Rohstoffs drohe die Ausfuhr von EisenAber darauf und Stahlfabrikaten und damit mehr Devilängst verloren, ist eine reine Bin- sche Ausfuhr von 935 Millionen in 1929 erforderlichen Rohstoffe. es außer in Deutschland noch in drei der wenn Käse also keineswegs gesichert. deutsche um noch unerschlossene ErzErzeugung noch nicht ein Viertel, dem EisenEs nenwährung, die durch die fort- auf 253 Millionen im Jahre 1935. Trotz- hat die Antwort der Parteitag der engli- sen verloren zu gehen, als durch die heimischreitende Inflation innerlich unterhöhlt dem konnte Deutschland im Verkehr mit schen Konservativen in Margate gegeben, sche Erzförderung gespart werden. Die geist. Das weiß man draußen und deshalb Frankreich, Holland und der Schweiz jene der auch nur die Diskussion Hitlerscher samte Goldblock noch zum deutsche Eisenwirtschaft nämlich hat man Deutschland gar nicht erst ge- Ausfuhrüberschüsse erzielen, aus denen Kolonialforderungen verweigert hat und hatte 1935 einen Ausfuhrüberschuß von rund fragt. Ganz richtig sagt der> Economist: es allein die Schuldenzahlungen und die alle Kräfte des englischen Weltreiches 1,1 Milliarden erbracht, während die ErzeinSeit 1931 gehört die Mark weder zum Rohstoffeinfuhren decken kann. Im zwei- zur Rüstung gegen die diktatorischen An- fuhr nicht vielmehr als ein Zehntel davon, Sterling- Dollar- Block. ten Vierteljahr 1936 betrug der Ausfuhr- greifer einsetzen will. Aus den» zweck- nur 123 Millionen erforderte. Mit anderen Wenn überhaupt, 80 gehört sie zu einem überschuß gegenüber den Goldblocklän- dienlichen« internationalen Verhandlun- Worten: auf dem Gebiete des Eisenerzes Sowjet- Deutschland- Block; denn das deut- dern noch 123 Millionen Reichsmark und gen, zu denen sich Schacht so zudring- können die Aufgaben, die im Interesse der sche System, wenn auch weitaus komplizier- war damit mehr als doppelt so hoch als lich bereit erklärt, wird wohl nichts wer- deutschen Gesamtwirtschaft im Rahmen des ter, ist wesentlich das russische... Bei der der gesamte Ueberschuß der deutschen den. Dr. Richard Kern. Reichsmark handelt es sich überhaupt nicht um Devalvation. So weit sie einen freien Markt hat, also soweit sie Reise- und Regi- Wehrfreiheit hemmt die Erzfreiheit stermark hat, ist sie bereits abgewertet und neuen Vierjahresplanes gelöst werden müssen, nicht gelöst werden. Ausgenommen, wenn es gelingt, Eisenerze auf die unerreicht billigste Weise zu fördern, nämlich aus der Luft. G. A. F. Statistik des Irrsinns schwankend. Im Unterschied von allen an- Nach der Feststellung des Instituts für vom rassenreinen verdrängen zu lassen. deren Währungen, die nur in der Zeit un- Konjunkturforschung( Wochenbericht 23. 9. Schon vor Ausbruch des Dritten Reiches stabil sind, schwankt sie nach Zeit und 56) hatte im 2. Quartal dieses Jahres die hat man in Deutschland z. B. Eisenerz geRaum. Eine Mark, die an einem Eisenbahn- industrielle Produktion den Stand vom zwei- fördert, vornehmlich im Siegbezirk. Nach einem Erlaß des Reichs- und Preuschalter von dem einen zu ihren vollen Nenn- ten Vierteljahr 1929 mit der Indexziffer 104 Man müßte nun annehmen, daß die Förderung Bischen Innenministers ist, soweit ein Beteiwert genommen wird, von anderen mit einem( 1928 100),> den höchsten Wert der Nach- von Eisenerz im Hitlerreich alles übertrifft, ligter einer öffentlich- rechtlichen ReligionsAbschlag von 60 Prozent, wird im Büro kriegsjahre überhaupt erreicht.<<>> Damit sind was selbst in der besten Zeit vor Hitler ge- gemeinschaft nicht angehört, die Eintragung eines Kaufmannes überhaupt nicht in Zah- die schweren Schäden der letzten Krise, die leistet worden ist. Ganz so ist es aber nicht. ohne Religion< in das statistische lung angenommen; und eine Mark, die die Deutschland vorübergehend um Jahrzehnte Im Jahre 1936 war zwar die industrielle Pro- Zählmaterial nur auf Verlangen vorzunehdeutsche Grenze überschritten hat, ist über- zurückgeworfen hatte, am Produktions- duktion nach amtlicher Schätzung bereits men. Statt der Angabe> Di< ist auf Wunsch haupt wertlos. Wenn es sich um den Wert volumen gemessen, überwunden; die Er- auf der Höhe von 1929 angelangt, aber nach die besondere Weltanschauungsgemeinschaft der Mark handelt, so besteht der erste not- zeugung stößt nunmehr in Neuland vor.< In der Angabe des» Deutschen Volkswirt< zu nennen, z. B.>> Deutsche Glaubensbewewendige Schritt darin, nicht ihn abzuwerten, dieses Neuland hat der Führer in Nürnberg( 18. 9. 36) nicht die Förderung heimischer gung,> Deutschgläubige Gemeinschafte, sogenannte die Welt einen Blick tun lassen. Es ist die Eisenerze. Die Eisenerzförderung Deutsch-> Nordische Glaubensgemeinschaft<,> Christist eine kalkulatorische und unbeschränkte deutsche Rohstoffreiheit. Sie lands betrug nämlich 1929 6,3, 1935 5,3 und lich- deutschnordische Religion< usw., dagegen Eine bloße Erklärung, ist ja beileibe kein neues Ziel des national- im ersten Halbjahr 1936 rund 3 Millionen sind die Sammelbezeichnungen» deutschdaß diese Kalkulationsmark in Zukunft um sozialistischen Staates, sondern allenfalls ein Tonnen. Nicht die Förderung heimischer, son- gläubige oder deutschgottgläu30 Prozent in Gold weniger wert sei, als sie weitergestecktes altes. Solange es einen dern die Einfuhr ausländischer Eisenerze bige nicht zu verwenden. es heute nach der offiziellen, aber ganz irre- nationalsozialistischen Staat gibt, ist man hatte den Stand von 1929 überschritten. Es führenden Behauptung ist, kann überhaupt nach Kräften bemüht, den fremden Rohstoff wurden eingeführt 1929 16.9, im ersten Halbsondern ihn aufzuwerten. stabile Mark statistische Einheit. Die ( Aus einer Bekanntgabe in den deutschen Zeitungen.), Nr. 174 BEILAGE UcunrHatnnflcfs 11. Oktober 1936 Hermann W emlel ZUI uGedädhtnis »Es lebe Deutschland!— Vive la France!» Deicht hat es Hermann Wendel dem Tod nicht gemacht, ihn zu holen. Monatelang setzte sich seine trotzige Lebenskraft gegen ihn zur Wehr, bis endlich auch sie dem Allbezwinger erlag. Nun, da das längst Befürchtete geschehen ist, wird uns erst die ganze Größe des Verlustes klar, den das geistige Deutschland durch den Hingang dieses Mannes erlitten hat. Hennann Wendel war Künstler, Kämpfer und Forscher in einer Person. Es ist schwer zu sagen, welcher von diesen drei Charakteren in ihm überwog. Manchmal, wenn er sich wie ein Maulwurf in eine historische oder literarhistorische Aufgabe vergrub, konnte man glauben, der Gelehrten trieb sei vorherrschend. Hatte er das Problem erfaßt und ging er daran, dem Ergebnis Form zu geben, so schien er, von der Lust des <3:staltens ergriffen, ganz Künstler zu sein. Stieß er aber auf Widerstand, kam er an einen Feind, dann begann es in seiner Sprache zu funkeln und zu blitzen, und niemand konnte mehr daran zweifeln, daß der Kämpfer in ihm der stärkste war. Wendel hatte mehr als eine Liebe, aber er hatte nur einen Haß. Er liebte seine Partei, in deren Dienst er seine ersten Ritte in die Politik gemacht hatte. Er liebte die großen Könner der Weltliteratur, er liebte Süddeutschland, die Franzosen und die Serben. Aber das einzige, was er aus tiefster Seele haßte, das war die wattierte Heldenbrust, wie sie im deutschen Norden zu Hause war, das blecherne Schnedderengdeng, den falschen Prunk und Pofel des anbefohlenen Patriotismus. Eben weil er eine echte Kraftnatur war und alles liebte, was kräftig und gerade gewachsen war, gab es für ihn kein Kompromiß mit der geschwollenen Kraftmeierei und jener Sorte von Heldentum, die der Furcht vor dem Vorgesetzten entspringt. In französischen Zeitungen ist zum Lobe des Verstorbenen gesagt worden, er, der in Metz geboren, habe französisches Blut in den Adern gehabt. Aber Wendeis Vorfahren stammten aus Innerdeutschland, und der Haß, mit dem er Dingen begegnete, die bei Ausländer nur Ekel und Gelächter erregen, ist deutsch. Mit 21 Jahren, im Jahre 1905, ist Wendel, der in Metz das Gymnasium besucht, in München Philosophie und Geschichte getrieben hatte, Redakteur der Sächsischen Arbeiterzeitung« in Dresden. Er durchläuft rasch die Redaktionen von Chemnitz und Leipzig, um sich dann 1908 nach Frankfurt a. M. zu begeben, das bis 1933 seine Heimat wird. Er ist in dieser Zeit ein junger Radikaler aus Mehrings Schule, als solchen sendet ihn im Jahre 1912 ein sächsischer Kreis in den Reichstag. Hier gerät der 28jährige bald in die geistige Nähe des zehn Jahre älteren Ludwig Frank. Es war die Zeit, in der Frank an der Vorbereitung jener deutschfranzösischen Parlamentarierkonferenzen arbeitete, die den Frieden zwischen den beiden Völkern sichern sollten- Für den jungen Wendel, der an der Grenze der beiden Kulturen aufgewachsen und von beiden durchdrungen war, konnte es keine schönere Aufgabe geben. Mit draufgängerischem Eifer wirft er sich auf die auswärtige Politik, und eines Tages ste er auf der Rednertribüne des Reichstags. um seine Jungfernrede zu halten. Sofort erweist er sich als ein Meister � gesprochenen Wortes wie des gesehnebe- nen. Scharf fallen seine geschWfenen Sätze in den Saal, bis der Schloß wie eine Bombe hineindonnert; moe Deutschland!- Vive la France!« Die patriotischen Heldenväter auf der Rechten hatten von dem ganzen wenig bemerkt- Der Schluß weckte me. Hatte da nicht einer nicht und was hatte er ges gt. cchien Frankreich hochleben lassen? er aa eto» Kreuzw* stand. Der eine Weg führte in das Parlament, der andere in die Literatur. Wendel haßte den parlamentarischen Alltag mit seiner ungeistigen Betriebsamkeit; Sitzungen, in denen über hundert Nebensächlichkeiten geredet wurde und in denen kleine Leute ihre Eitelkeit spazieren führten, ödeten ihn an. Und vor allem, er verabscheute Berlin. Die Redaktion des >Vorwärts« hätte Wendel, ihren glänzenden Mitarbeiter, mit Stolz als ihr Mitglied begrüßt, aber keine Macht der Welt konnte ihn dazu überreden, nördlich der Mainlinie einen Arbeitsplatz zu übernehmen. Nur in Frankfurt, so versicherte er immer wieder, könne er arbeiten. Oder in Paris. Inzwischen war der Krieg ausgebrochen, und Wendel hatte sich in der Partei eindeutig auf die Seite derer gestellt, die die Landesverteidigung bejahten. Aber ein Chauvinist war er darum noch lange nicht geworden. Es ist vielmehr kennzeichnend für die Eigenwilligkedt seines Wesens, daß er sich gerade während des Krieges unter den> Landesfeinden« die zweite große Liebe seines Lebens holte. Das tapfere, ursprüngliche, bäuerlich- demokratische Serbenvolk gefiel ihm. Für die Kriegspropaganda waren die Serben Leute, die auch im Frieden Läuse hatten und die die meiste Zeit ihres Lebens damit verbrachten, einander die Hammel wegzustehlen. Wendel wurde der große Verteidiger dieser viel verleumdeten und zu Unrecht mißachteten Nation. Er erlernte ihre Sprache, versenkte sich in ihre Geschichte und Kultur und ließ kaum ein Jahr vergehen, ohne eine Reise zu ihr zu machen. Das Ergebnis legte er in einer Reihe von Schriften nieder, die Wichtiges dazu beitrugen, die zerrissenen Verbindungen nach dem Südosten wieder herzustellen. Als Adolf Köster, der ausgezeichnete Schriftsteller und Diplomat, den deutschen Gesandtenposten in Belgrad übernahm, fand er die Hälfte seiner Arbeit schon getan. Die Leute, die heute von Berlin in Geschäften nach Jugoslawien reisen, werden dort überall auf die Spur zweier Sozialdemokraten stoßen, die ehrlich für die Verständigung der beiden Völker gewirkt haben: Adolf Köster und Hermann Wendel. Die französische und die jugoslawische Presse hat dem deutschen Schriftsteller Hermann Wendel bei seinem Tode hohe Ehren erwiesen, die deutsche, soweit sie sich in der Reichweite Hitlers befindet, hat geschwiegen. Nirgends in reichsdeut- deutschen Zeitungen konnte man lesen, daß ein glänzender Schriftsteller, ein Meister der deutschen Sprache gestorben war. Man hat in Deutschland selbst in guten Zeiten weniger als in anderen Ländern verstanden, was ein Mann für ein Volk bedeutet, der seine Sprache gut zu schreiben versteht. Es ist darum vom heutigen Deutschland erst recht kein Verständnis dafür zu erwarten, daß eine Seite aus einem Buch Wendeis oder ein Artikel von ihm in höherem Sinne nationales Besitztum sind als sämtliche gebundene Jahrgänge des»Völkischen Beobachters«. Wendel war ein fruchtbarer Schriftsteller. Neben seinen Schriften über Jugoslawien verzeichnen wir seine Geschichte der Stadt Frankfurt, seine Bebel- Biographic, die»Französischen Menschen«, den»Danton«, das Buch über Heinrich Heine, die wundervollen Jugenderinnerungen. Dazwischen her laufen ungezählte Aufsätze des fleißigen Journalisten in den verschiedensten Zeitungen der Welt. Liest man eine Schrift Wendeis, so scheint alles mit spielerischer Leichtigkeit hingeworfen. Wer Wendel näher kannte, weiß aber, daß er schwer gearbeitet hat. Vor journalistischer Oberflächlichkeit bewahrte ihm das Gewissen de« Forschers. Erst wenn er den Stoff gründlich durchgearbeitet und sich mit Wissen über seinen Gegenstand bis zum Bersten vollgeladen hatte, fiel ihm das Gestalten leicht. Das Tempo der Arbeit wurde auch nicht durch den Umstand beschleunigt, daß es— zumal in der Zeit des Exils—• um das tägliche Brot ging. Von der Tagespolitik hatte er schon lange vor dem nationalsozialistischen Umsturz Abschied genommen, und die Gnade der Sieger hätte ihm darum vielleicht auch ein weiteres Verweilen in seinem Vaterlande gestattet, wenn er nur selber gewollt hätte. Aber er ging. Er fühlte, daß in diesem Deutschland für ihn kein Platz war. Dennoch, es wird einmal ein anderes Deutschland kommen, das ein Denkmal errichten wird, auf dem die Worte zu lesen sein werden: Hermann Wendel, geboren 2. 3. 1884 zu Metz, gestorben 2. 10. 1936 zu Paris. »Es lebe Deutschland!— Vive la France!« F. St, Budierfolg im Dritten Heidt Duff Cooper, des englischen Kriegsministers»Talleyrand« hat in Deutschland einen Riesenerfolg. Ein Kriegsminister, der statt mit dem Säbel zu rasseln und»Siegheil« zu schreien, geistvolle Bücher schreibt, ist ja an sich schon eine Sensation. Erst recht muß der Stoff, den er sich gewühlt hat, auf reichsdeutsche Leser eine magnetische Anziehungskraft ausüben— denn welche historische Erscheinung wäre der beutigen Zeit näher als jener Charles Maurice von Talleyrand, der der absoluten Monarchie, dem konstitutionellen Königtum, der Republik, dem Direktorium, Kaiser Napoleon. dann wieder den Bourbonen und schließlich den Orleans Treueide am laufenden Band leistete, unter sieben verschiedenen Systemen Karriere machte, Geld nahm, wo er es'bekam und schließlich hoch betagt als berühmter Staatsmann starb. Dieses Buch liest sich nicht nur»wie ein Roman«, sondern wie ein Roman unserer Zeit, ja manchmal sogar wie ein Zukunftsroman mit tröstlichen Aspekten. Wäre es von einem Deutschen geschrieben, so würde man in jedem Satz eine Anspielung vermuten, mancher trifft die heutigen Machthaber wie ein Peitschenhieb ins Gesicht. Kein Wunder, daß das Buch mit Heißhunger verschlungen wird! Wenn man da zum Beispiel das Wort eines Spötters liest, Talleyrand habe wohlgetan, seine Seele zu verkaufen, denn er habe für Dreck Gold bekommen— wer würde da nicht an den Staatssekretär Dr. Otto Meißner denken? Oder, wenn ein Wort Talleyrands selbst zitiert wird, daß das Verbrechen das Hilfsmittel politischer Tröpfe sei— wer sähe da nicht G 6- r i n g und den brennenden Reichstag hinter ihm? Oder gar, wenn einmal geschildert wird, wie Napoleon in einem Wutanfall mit den Fäusten auf Talleyrand losgebt, ihn ein Stück Mist in Seidenstrümpfen und einen Krüppel schimpft— welcher Deutsche könnte das lesen, ohne daß sich ihm flugs der Korse in einen Braunauer, der lahme Abbd in einen hinkenden Journalisten wrwandelte, wobei er freilich alsbald bedenken wird, daß Hitler von einem Napoleon i nichts hat als die schlechten Manieren, Duff Cooper: Talleyrand Göbhels von einem Talleyrand nichts als den Klumpfuß! Die Pariser Gestapo glaubt, daß der Herzog von Enghien mit den Roya- listen komplottiert; ein Rollkommando hebt Ihn in Baden aus, schleppt ihn über die Grenze, und er wird kriegsgerichtlich umgelegt.»Damals«, schreibt Duff Cooper,»übernahm Napoleon allein die volle Verantwortung für die Tat, Es wäre ihm übrigens auch nichts anderes übrig geblieben. Ein Diktator kann nicht andere tadeln für das, was In seinem Namen geschieht, es sei denn, er bestraft sie auch dafür. Auch kann er niemals zugeben, daß er sich geirrt hat.« Ueberhaupt: die Autokratie:»Es ist einer der schwersten Fehler der Autokratie, daß sie keinen Raum für eine gesetzmäßige Opposition läßt... Offene Opposition ist Empörung, heimliche wird zum Hochverrat, und doch kann es Voraussetzungen geben, durch die ein solcher Landesverrat zur Pflicht eines vaterlandliebenden Mannes wird.« Das darf in Deutschland gedruckt werden, wenn es in einem dicken Buch steht und einen englischen Kriegsminister zum Verfasser hat. Selbst der heUigen Dolchstoßlegende darf es mit ein paar entscheidenden Stößen zuleibe gehen;»Für das Wort Niederlage ist in der Weltanschauung des Chauvinismus kein Platz. Wenn auch das Wort Chauvinismus in den Tagen des ersten Napoleon noch nicht geprägt war, so war es doch dem Geiste nach schon damals lebendig, und den von diesem Geiste Besessenen war es nur recht und billig, daß ganz Europa der französischen Nation als Füßschemel zu dienen habe. Nun, da die Welle des Sieges Frankreich nicht mehr trug, gab es für Patrioten dieses Schlages dafür nur eine Erklärung: Verrat— und da ein Politiker von so fragwürdiger Vergangenheit wie Talleyrand den Frieden unterzeichnet hatte, war es keineswegs unnatürlich, daß man ihn verdächtigte, sein Vaterland verkauft zu haben. Der kriegshetzerische Nationalist ist immer der erste, der seine Landsleute als Verräter schmäht.« Napoleon ist geschlagen: eine neue Kammer wird gewählt Talleyrand hofft auf einen Erfolg der Gemäßigten.»Statt dessen gelang es den Royallsten, das ganze Land zu überrennen. Bonapartist en, Republikaner und Jakobiner waren ganz einfach ausgetilgt.« Dieses hundertprozentig gleichgeschaltete Parlament verwandelt sich nachher in die »chambre introuvable«, die»unauffindbare«, weil niemals tagende Kammer— eine würdige Vorgängerin des unauffindbaren Reichstags. Mit Waterloo schließt das Abenteuer der hundert Tage, die siegenden Fürsten halten Ihren Einzug in die Pariser Oper, vom französischen Publikum— so stark war das Gefühl der Befreiung— mit Händeklatschen begrüßt. Kurz zuvor freilich hatte es noch ausgesehen, als ob die nun endgültig siegreiche Restauration ebenso ausgetilgt wäre, wie bald darauf bei den Wahlen der Bonapartismus. Hat Duff Cooper den Deutschen eine Lektion In Geschichte erteüen wollen? Vielleicht — sicher aber gilt sein pädagogischer Eifer mehr den Franzosen und noch mehr den Engländern. Als Anhänger eines engen englisch-französischen Bündnisses sieht er In Talleyrand seinen Vorläufer. Trat doch auch Talleyrand mit großer Konsequenz für ein solches Bündnis ein und mit der sehr modern klingenden Begründung, England und Frankreich gehörten als Länder, in denen die öffentliche Meinung entscheidend sei, gegenüber der Autokratien Preußen, Oesterreich und Rußland zusammen. Aehnliche Ansichten vertritt heute auch der englische Kriegsminister, wie jeder weiß, der sich seiner auf-, sehenerregenden Pariser Rede erinnert. Gleichviel, für den Deutschen bleibt sein Werk ein Buch der Anklage, aber auch der trösthehen Verheißung. Wer könnte unbe-. wegt bleiben, wenn er die hinreißend große Szene liest, in der Talleyrand die Pressefreiheit verteidigt. Man hört ihn sprechen: die Freiheit der Presse sei eine Forderung der Zeit und jede Regierung gefährde Ihren Bestand, wenn sie sich eigensinnig weigere, das zu gewähren, was die Zeit von ihr fordere.»Ich kenne jemanden, der klüger Ist als Voltaire, klüger als irgend ein Mini»ti»r der Gegenwart und der Zukunft; dieser Jemand ist Jedermann. Sich in Kampf einzulassen, in dem dieser Jedermann| von dem es gewußt, das es gehalten und erworbenec Ueberempfindlichkeit der Haut, mit seinen Gefühlen und Interessen auf der künstlich genährt hat. die Eine solche unver- durch der Ausschlag hervorgerufen Gegenseite steht, ist ein Fehler, und heutzu- antwortliche Gefolgschaft, die sich selbst würde, durch ein Verfahren, das als> Letage sind politische Fehler gefährlich.<< verachtet, sich selbst mißbraucht, bendgerbung der Hau te bezeichnet Der französische Jedermann hat im Laufe ist keine Gemeinschaft, sondern eine her- wird, vorgegangen werden soll. Das sei notvon achtzig Iahren den Bourbonen, den r en lose, verantwortungslose wendig, da der in Nürnberg verkündete VierOrleans und den Bonaparte, drei Königen Masse, die aus Furcht vor der Macht jahresplan» unter Umständen in seiner Auserschwert werden könne, und zwei kaiserlichen Diktatoren den schlich- des anderen und vor der Materie lieber den führung dadurch ten Abschied gegeben. Wer lesen kann, liest eigenen Untergang in Kauf nimmt als rigo- daß manche chemischen Stoffe bei technivon der Haut dieser aus dem Buch Duff Coopers auch schon die ros seine Führung als falsch und unecht scher Verwendung Zukunftsgeschichte des deutschen Jeder abzulehnen. Leute so schlecht vertragen werde, daß ihre mann, der eines Tages zwar vielleicht nicht Ein Führertum, das sich täglich hun- Verwendung eingeschränkt werde. Die vorklüger sein wird als Voltaire, aber bestimmt dertmal beweihräuchern lassen muß, beugende Hautbehandlung mit stärker als Hitler. F. St. kann niemals ein Führertum sein. Nicht auf Gerbstoffen solle in den Betriedie Leistung, nicht auf die Erfolge, nicht auf ben vor sich gehen.< Bald wieder 30. Juni? Pflicht und Verantwortung baut ein solches An die Aerzte, Krankenkassen, BerufsFührertum auf, sondern auf falschen Ehr- genossenschaften, Landeskrankenkassen, an >> Wir kennen sie nur zu gut, die> Patrio- geiz und einer nicht miẞzuverstehenden Be- die Betriebsführer und an die Deutsche Arten< von 1871 bis 1914, die Phrasen droschen urteilung seiner Gefolgschaft. Sand kann beitsfront geht der Appell, das Verfahren und Hurra schrien, weil der deutsche Staat man jemand in die Augen streuen, aber ihn möglichst rasch zu prüfen, auszubauen und von damals eben ihren Interessen günstig niemals auf die Dauer täuschen. Einmal fällt allgemein einzuführen. Angeblich sollen erschien die aber 1918 schnell auf dem das ganze Gebäude zusammen, und was echt durch die Lebendgerbung der Haut gewalbesagten» Boden der Tatsachen ihr Herz und wahr, schält sich heraus, vielfach zu tige gesundheitliche Schädigungen beseitigt für die Weimarer Republik entdecktem, in spät für die Gefolgschaft, die es selbst ver- und verhütet werden. der es sich ja auch ganz gut leben ließ... schuldet.<< Seit 1933 aber tun dieselben Spötter und Verächter so, als seien sie die eigentlichen > Kämpfer gewesen; heute drängen sie sich (> NS- Tageszeitung, Zwickau.) * ben. eine > Es scheint sich eine Art Eiserne Front« gegen den Humor gebildet zu haZwar keine Organisation, sondern Gemeinschaft der Geister«. Sie hat sogar> drei Pfeile<<. Allerdings keine > eisernen«, das ist natürlich nur bildlich gemeint. Der erste Pfeil:» Würde, der zweite: Sittlichkeit<, der dritte:> Ehre. Ich fürchte nur, diese» Pfeile< werden niemals treffen. Es ist wahrscheinlich, daß sie wie ein Bumerang zurückflitzen und den treffen, der sie abgeschossen hat. Es ist unglaublich, wieviel Leute z. B. heute noch gegen den Komiker eingestellt sind. Manche haben vielleicht noch nie einen gehört. Andere haben vielleicht noch unliebsame Erinnerungen aus der Systemzeit im Gedächtnis, ohne zu wissen, daß sich inzwischen mancherlei geändert hat. Die dritte Kategorie sind die Vollblutspießer, von denen die Antihumorseuche ausgeht. Von einer Seuche muß man hier schon reden. Denn auch jene ist wie ein schleichendes Gift und unterhöhlt die Volkskraft. Die Abkehr vom Humor ist aber verhängnisvoll für ein Volk. Miesepeterei unterhöhlt die gesunde Lebenskraft und bedeutet Selbstaufgabe, sowohl des einzelnen wie des ganzen Volkes.< Eben drum! Gemecker aus Indien In ihrer Rubrik» Der Leser hat das Worte Daß diese Lebendgerbung der Haut selbst eine gesundheitliche Schädigung darstellt, das verschweigt dieser Regierungs- und Ge> Es stehen uns noch große weltanschau- werbe- Medizinalrat. Ebenso wenig werden unter Berufung auf irgendwelche zweifel- liche Entscheidungen bevor, denen kein Deut- durch sie die aus den Versuchen und Expe- veröffentlicht die> Deutsche Allgehaften> Verdienste überall dahin, wo scher wird ausweichen können. Jeder möge rimenten sich ergebenden Krankheiten abge- m eine Zeitung<( Nr. 450-51) Einfluß und Macht sind, wo aber bei diesen Entscheidungen erkennen, daß wehrt werden können. Es ist ein regelrech- Brief aus Niederländisch- Indien, in dem es gerade sie durch ihre Vergangenheit und ihre allein die Partei ewig die Stelle sein wird, ter Raubbau, der jetzt an der Gesundheit der heißt: Charakterlosigkeit am allerwenigsten hindie entscheidet, was Nationalsozialismus ist deutschen Arbeiterschaft vollzogen wird. und was nicht.< passen. ( Hauptamtleiter Neef in Königsberg It. > Preuß. Ztg.< Nr. 270.) Lebend gegerbt! Wehrhafter Karneval Der Festausschuß des Kölner Karnevals hat seine erste Sitzung abgehalten, um wie offiziell verkündet wurde Marschziele des nächsten schings festzulegen<<. Wo Der Raubbau mit der Volksgesundheit. > die FaMarschziele festgelegt werden, darf die Armee natürlich nicht fehlen, und so nahmen neben AbgeEs liegt eine gewisse. Gefahr in diesem Fälschertum, und die wollen wir einmal aufzeigen. So mancher ehrliche Kerl, der treu zu unserer Sache stand, hat sich schon durch die Vernebelungstaktik jener Kreise überrumpeln lassen, so mancher, der einst die Schmarotzer bekämpfte, fiel ihren VerEs lockungen selbst zum Opfer. Der Auftrieb, den zur Zeit in Deutschsieht oft so bestechend aus, was sie vor- land die Produktion von künstlichen Rohbringen, die geschickten Händler und Ma- stoffen erfährt, ist mit den schwersten Gecher; gerade auf einfache Menschen wirken fahren für die Gesundheit der in diesen Bebeschäftigten Arbeiter verbunden. sie durch> gute Manieren«, durch gewandtes trieben Auftreten und gescheite Reden fast hypnoti- Vor allem in der chemischen Industrie, aber sierend und plötzlich ist dann das Unglück auch in anderen Industriezweigen, wird geein brauchbarer genwärtig außerordentlich stark experimen- Presse nur andeutungsweise. Aber ein Satz geschehen, ist Volksgenosse kaltgestellt oder, tiert und massenhafte Versuche angestellt. im Bericht der> Kölnischen Volkszeitung< was schlimmer ist, selbst korrumpiert, Dabei werden die Arbeiter häufig von ganz Nr. 273 gibt immerhin einen Begriff vom innerlich angefressen durch den prinzi- neuartigen Krankheiten befallen, von AusCharakter der witzigen und geistreichen Faund schlägen Geschwürbildunpiellen Egoismus.<< schingsgespräche. Es heißt da: gen, vom Zerfressen der Haut und anderen gefährlichen Folgen. (> Die Bewegung.) 串 > Das Gefährliche ist das eingebil- Da die künstliche Rohstoffproduktion dete Führertum, das sich gründet auf eine zum Kernpunkt des nächsten VierjahresproDespotmacht und die Kräfte nicht schöpft gramms erhoben worden ist, spielt die Rückaus der Treue und dem Mitgehen der Ge- sicht auf die Gesundheit der deutschen ArDie Arbeiter folgschaft, sondern aus Intrige und fal- beiter überhaupt keine Rolle. schem Ehrgeiz. Ein solches Führertum, werden gezwungen, die gesundheitsschädlidas keines ist, muß eines Tages jäm- chen Arbeiten in den Betrieben zu verrichmerlich zusammenbrechen und ten. Der für die Arbeitsämter zuständige nicht nur sich selbst, sondern leider auch die Arzt bescheinigt jederzeit die dazu erforderGemeinschaft mit sich hinabreißen, die an liche Verwendungsfähigkeit. sandten aller erdenklichen Behörden und Parteistellen zum ersten Male Vertreter der Wehrmacht an jener denkwürdigen Sitzung teil. Was hinter den verschlossenen Türen eigentlich Hochwichtiges verhandelt wurde, erfährt man aus der deutschen einen > Wer beruflich darauf angewiesen ist, viele deutsche Zeitungen, Zeitschriften und weitere Druckereierzeugnisse zu lesen, dabei aber nur wenig in der Lage ist, sich selbst in dieser Sprache mündlich zu äußern nur noch im und das gesprochene Wort Kurzwellensender hört, dem fällt es auf, daß der Stil und die Art und Weise, worin sich unser Volk in seiner Muttersprache ausdrückt, mehr und mehr zu wünschen übrig läßt. Die Klarheit und Einfachheit im deutschen Satzbau, worauf zu meiner Zeit selbst in den humanistischen Gymnasien ganz besonderer Wert gelegt wurde, verschwindet von Tag zu Tag und macht einer oftmals geschraubten und hohlen Sprech- und Schreibweise Platz. Man sagt nichts mehr, sondern bringt zum Ausdruck<, ein Verbrecher wird nicht mehr bestraft, sondern wird der Strafe zugeführte, ein Unternehmen wird nicht eröffnet, sondern findet seine Eröffnung< usw. Im deutschen Kurzwellensender kann man fast jeden Tag hören, daß irgendetwas > zum Ausdruck gebracht, unter Beweis gestellt, zur Lösung gebracht ist oder werden soll... Es wird Zeit, daß man wieder zu einem einfachen und eindeutigen Satzbau zurückkehrt.< » Landesstellenleiter Dr. Toni Winkelnkemper sprach als Vertreter des Gauleiters. Je zentralistischer die NSDAP in politischer Hinsicht denke, um so weitgeHier wird ganz deutlich und schamlos der hender könne sie die Gebräuche der Landschaften und Stämme sich auswirken las-| Stil des Führers kritisiert, denn keiner liebt sen. Der Karneval 1937 solle ein die getadelten Satzschrauben mehr als er. starkes und mutiges Volk begünstigen, das im Ernstfalle auch mit seinem Leben für sein Das nicht ganz Wesentliche Land einzutreten wisse.< Das Narrenreich ist somit zum totalen Staat ernannt worden und umgekehrt. » Antihumorseuche« » Das Wesentliche, worauf es im politischen Leben ankommt, sind weniger die gedanklichen Prägungen, Programme und Thesen, sondern das Unaussprechliche: Gesinnung, innerste Einstellung, leidenStelle ehrlicher Treue die Schmeichelei und Um wenigstens den Schein zu erwecken, den krummen Rücken gezeigt hat. Die als ob etwas zum Schutz der Arbeiter geVérantwortung trifft hier nicht allein den schähe, teilt in der Zeitschrift> Forschung Den Deutschen ist das Lachen vergangen schaftliches Wollen, Preisgabe alles anderen Die» Deutsche Artistik<, das Fachblatt Verantwortlichen, sondern auch die Gefolg- tut not« ein Regierungs- und Gewerbe- Medischaft, die bewußt jenes falsche Führertum, zinalrat Dr. Gerbis mit, daß gegen die des Artistenverbandes, klagt: Der Prinz Mit meinem Reich von Autarkadien Da geht es nach und nach zu End. für die Erhaltung deutscher Art.< » Der deutsche Student<, Septemberheft. einer neben Dir mindestens einer ausreicht. Manch einer bringt schon wieder der Dich von früh bis abends bespitzelt, be- wie mitten im Krieg trocken Brot oder mit ins Amt. von Autarkadien Kein Mensch schaut mehr nach den Paradien, lauert und alles schwarz auf weiß notiert. Marmeladenstullen ( Frei nach Offenbach.) Als ich noch Prinz war von Autarkadien, Da hatt' ich einen schönen Traum: Ich macht' aus Kuhmist Schokoladien Und Perlenschmuck aus Seifenschaum. Rings reiften Feigen, Apfelsinien, Zigarren Lebertran, Muskat. Australien, Java, Argentinien Enthielt mein Reich in Kleinformat. O wär ich Prinz noch von Autarkadien, Von Autarka- a- a- a- a- a- dien! Als ich noch Prinz war von Autarkadien, Da war das Dasein ein Genuß: Man aẞ statt Butter Marmeladien Und trocken Brot in Ueberfluß. Die Hemden waren und Textilien, Die Gummireifen aus Ersatz. Der Nörgler, der derlei Quisquilien Beklagte, nahm im Zuchthaus Platz. O wär ich Prinz noch von Autarkadien Von Autarka- a- a- a a a- dien! Jedoch das Glück von Autarkadien Erwies sich, ach, als Illusion: Statt Wohnungen Kasernen, Stadien! Statt Fett Kanonen, Munition! Der Masse ging es stets elendiger Von Königsberg bis Zwieselstein. Sie schrie von Tag zu Tag unbändiger: > Gebt Brot statt Autarkieselstein! Macht endlich Schluß mit Autarkadien, Mit Autarka- a- a- a- a- a- dien!<< Man wünscht ein ander Regiment. Mein Ruhm beginnt sich zu verflüchtigen, Es sinkt mein Tag, mein Stern strahlt matt. Das Volk, es will sich nicht ertüchtigen, Es wird nicht, doch es hat mich satt. Wie bleib ich Prinz nur von Autarkadien Von Autarka- a- a a- a- a- dien?! Mucki. Denn irgendetwas muß in die Zeugnisse ja Aber die Meckerergruppen werden nicht nur auch hineingeschrieben werden, wenn nichts zahlreicher, sie werden auch immer kleiner. vorliegt. Ich habe es noch verhältnismäßig Drei Meckerer an einem Tisch sind schon gut. Mein persönlicher Vorgesetzter will mir selten, zwei ist die übliche Zahl, und die meiwohl und ist selbst kein» Hundertprozentiger<. sten folgen dem Grundsatz: Meckere zu Aber R., der jetzt mit mir im gleichen Amte Hause! Du gibst Dich ja jedem in die arbeitet, ist desto schlechter daran. Sein Hand, dem Du die Wahrheit über Deine GeNächsthöherer ist Scharführer und sinnung sagst, und Du weißt nie, ob Dein möchte außerdem gern einen Schwager auf Freund morgen noch Dein Freund ist. Wenn irgendeinem vakanten Posten unterbringen. sich Möglichkeiten zu einer Karriere boten, R.'s Das Führungszeugnis Stelle wäre dafür gerade recht. Nun zit- hat man schon häßliche Ueberraschungen erschen Provinzstadt. tert der arme Kerl und möchte um sein Leben lebt. Brief eines kleinen Beamten aus einer deut- gern wissen, was in den Führungszeugnissen Der Ton auch innerhalb der Beamtendrin stehen mag, die der Scharführer zurecht- schaft ist viel, viel rüder geworden ... Heute habe ich zum ersten Male wie- schreibt. Man kann ja nichts kontrol- als früher. Es wird immer seltener>> bitte< der eine sichere Gelegenheit, Dir einen Brief lieren und hat auch keinerlei Möglichkeit, und danke< gesagt, es wird einfach komzukommen zu lassen. Sonst hättest Du wohl sich etwa gegen falsche Anschuldigungen zu mandiert und strammgestanden. Beim Pubnoch länger auf ein Lebenszeichen von mir verteidigen. Wer in der Schule einen likumsverkehr geht es dann entsprewarten müssen, denn die Post erscheint uns Tadel ins Klassenbuch bekam, wußte wenig- chend zu. Aber die Meutereien, die früher wie eine Art Fuchsfalle: jeder, der den ent- stens warum. Hier bei uns weißt Du gar in den Schalterräumen etwa der Fürsorgefernt wohnenden Freunden etwas mitzuteilen nichts. Man macht alle Aufmärsche getreu- behörden an der Tagesordnung waren, haben hat, überlegt sich dreimal, ob der oder jener lich mit, ob man sich dabei auch noch so sehr ganz aufgehört. Die Leute ducken sich, harmlos gemeinte Satz nicht falsch gedeutet, vor sich selber ekelt, man grüßt mit einem wenn sie statt der erbetenen Unterdie oder jene rein private Anspielung nicht Frosch im Hals am Tage hundertmal> Heil stützung einen Rüffel bekommen aber mit der Zeit bekommt man und schleichen sich davon. Das schmeipolitisch verstanden werden könnte. Man hat Hitler!< den Fuß im Eisen, ehe man sichs versieht. das Gefühl, daß die Denunzianten ringsum chelt vielen Kollegen und gibt jedem kleiThr macht Euch überhaupt keinen Begriff, selbst die allergeheimsten Gedan- enn Unterbeamten ein stolzes Herrscherunter welchem seelischen Druck ken erraten können, und wenn man gefühl. Das macht sie auch vergessen, wie wir hier leben. Vor allem wir kleinen z. B. angerufen wird, während man gerade laut- sehr sie selbst dafür nach oben katzbuckeln Beamten, die wir keine» alten Kämpfer« sind, los in sich hineinflucht, schrickt man empor müssen, manche empfinden wirkliche, zittern täglich um unsere armselige Existenz und wird rot wie ein ertappter Schuljunge. echte Genugtuung, wenn die ausgehungerten Du mußt bedenken, daß in jeder Woche All so über die Maßen unwürdig. Fürsorgeempfänger vor ihnen zittern.> Die über jeden von uns ein politisches Aber uns ist ja die Ehre zurückgegeben, da Ehre wiedergegeben, die Beamtenehre. So Führungszeugnise verfaßt und an die muß man eben das Maul halten. sieht das dann aus. Ob denn diese Lust an Kreisleitung abgesandt wird. In jeder Woche! Gemeckert wird natürlich mehr denn je, der Einschüchterung und Unterdrückung des nt Ihr da draußen Euch überhaupt vor- zumal die Lebensmittel schon wieder recht noch ärmeren Nebenmenschen im Deutschen stellen, was das heißt? Da sitzt also immer knapp sind und das Gehalt bei weitem nicht niemals auszurotten ist? Wehe, wenn etwa das ist und Beckmesser empfiehlt sich Die reichsamtliche Gratisreklame für Göbbels, Rosenberg und Hanns Johst. Frankreich soll Westafrika hergeben Der Schrei der braunen Propaganda -man Mit schätzenswerter Offenheit hat jüngst Herr Ribbentrop, von Hitlers Gnaden Bot-, stellen<, Indolenz und unersättliche schätze unfruchtbar in seinen Reichsbankder Referent bei der sogenannten> Reichs- schafter in London, begnügte sich nicht mit Geldgier der Verwaltungsstellen<,> demo- kellern liegen hat, aber dafür hoffnungsvolle ( natürlich aus- SA- Leute genug, die doch schon an den Marschrifttumsstelle<, ein Ministe- der Wohnung seiner Vorgänger, sondern er ralisierende Tätigkeit der rialrat Dr. Heinz Wiesmann, einige ließ auf Reichskosten umfangreiche Umbauten schließlich katholischen!) Missionen«,» voll- xisten und Juden gezeigt haben, wie Geschäftsgeheimnisse dieser seltsamsten Be- durchführen. Was einst für den Fürsten Lich- kommene Verlotterung des Schul- mit Erfolg kolonisiert? Das Land ist das, in der Verfasser unter so merkwürdigen hörde, welche die Welt je gesehen hat, preis- nowsky gut gewesen war, braucht noch lange wesense, übrigens durchweg durch Lehrer, dem gegeben. Es geschah das in einem Vortrag, nicht den Repräsentationsbedürfnissen und die die Schüler zur Befriedigung ho- Umständen einen ihm so wohlgesinnten Vereiner Sekt- mosexueller Gelüste mißbrau- lag gefunden hat, nicht wahr? Humanität in den mit Erlaubnis des Sprechers jetzt die dem Geschmack des Teilhabers wenn das Dritte Reich diesen Canwir zählen hier nur einiges aus Ehren Stuttgarter Zeitschrift» Die Literature brin- firma zu entsprechen. In Berlin hat Rib- chen< gen darf. Man darf ihm entnehmen: bentrop eine eigene große Behörde dieser Inkriminierung, gegen die die früheren tus anstimmt, klingt er allerdings wie Katzenhinterlassen, das sogenannte» Büro des Bot- Kongogreuelenthüllungen der Vorkriegszeit musik! Die Sozialisten hat schon > Von dem subjektiven Charakter aller literarisch- wertenden Gutachten war bereits schafters in besonderer Mission<. Diese Be- wie ein frommes Weihnachtsmärchen sich aus- einmal Herr Hitler bestohlen, iner Wie schön und edel dem sie dreist verleumdete. hörde soll jetzt zu einem» Kolonial- nehmen, wörtlich auf. die Rede. Mit der Feststellung dieses Chanur dieses zu Warum soll dasselbe Rezept in der rakters hängen nun zwei weitere fundamen- ministerium< umgewandelt werden. Die wäre es, wenn Herr Gizycki tale Grundsätze für die Arbeit der Reichs- Kolonien sind noch nicht da, aber sie können beklagen hätte! Leider ist da aber der Auf- Weltpolitik versagen? Nichts hat die die Propaganda trag vom Göbbels und die sicherlich nicht zu Welt bisher getan, um Herrn Hitler, seinem schrifttumsstelle zusammen. Eben weil aus- ja noch kommen, und Schrei nach knappe Bezahlung aus dem Reichspropaganda- Göbbels und seinem Göring zu verstehen zu gearbeitete Gutachten notwendig subjektives des Göbbels erblickt im Gepräge haben müssen, sind alle im Zustän- Kolonien ihre zur Zeit wichtigste Aufgabe. Ministerium! Und so springt denn der braune geben, daß in diesem Falle die Mixtur fehl Warum sollte die Weltangst vor Hitler nicht Pferdefuß folgendermaßen lapidar und hand- am Platz sein könnte. digkeitsbereich der Reichsschriftumsstelle greiflich- dick dem schon fast vor lauter Huhergestellten Gutachten nur für den in- auch noch Kolonien einbringen? Zum Zwecke dieser Propaganda ist in der manität gerührtem Leser mitten ins Gesicht: neren Dienstgebrauch bestimmt. Aus dem gleichen Grunde lehnt die Reichs-> Essener Verlagsanstalt< von einem gewissen Gizycki faßt sich nämlich zusammen: schrifttumsstelle jede Beteiligung an der Gizycki ein Buch über die französiöffentlichen literar- kritischen Arbeit ab. Sie schen Kolonien erschienen, das sich >> Die Weißen und die Schwarzen, Erlebnisse unterhält weder eine Zeitschrift, noch verFranzösisch- Westafrika< betitelt. sucht sie die Presse zur Aufnahme formulierter literarischer Gutachten zu veranlas- behauptet der Verfasser? sen. Unsere Aufgabe sehen wir allein darin, die die Bücher, gefördert werden sollen, stärker als alle übrigen in das Scheinwerferlicht der öffentlichen Aufmerksamkeit zu rücken. Wir teilen daher ein Beispiel aus der Praxis heranzuziehen in regelmäßigen Abständen den Redaktionen der Zeitungen und teilhaftig zu werden<, die> Furcht der Adum nur Zeitschriften sowie dem Rundfunk lediglich die Titel der von mit ausgewählten Bücher und sprechen dabei die Bitte aus, Bücher auf diese uns Raum zu würdigen.< Nun breiterem sage aus Was Frankreich ist total unfähig, Kolonien behalten zu dürfen! Es ist eine förmliche Greuelfranzösischer Kolonialdisqualifikation, liste die der Verfasser vorlegt.> Fatalismus der sämtlichen französischen Kolonialbeamten und-Soldaten, nur um dann der Pension ihre Zeit abzudienen, ministratoren vor der Kritik der kommunistischen Blätter<, der MIBWir sagten es schon: auf Kommando nützt das Buch des angebnun die braune Presse lichen Polen in vorgeschriebener Form aus: » Zu solchen Feststellungen kommt ein Pole, > Hier erhebt sich die Zweifelsfrage: darf Frankreich unter diesen dem man ja wahrscheinlich keine politische Umständen das sittliche Anrecht auf diese gewaltigen Voreingenommenheit dem französischen Volk überseeischen Besitzungen behalten, die es gegenüber vorwerfen wird<< so tönt's im erobert hat? Erfordert es nicht die einfache Chor in der braunen Bücherecke. Gerechtigkeit, diesen Besitz vielmehr mit anderen Völkern ZU teilen? Freilich würden sich diese Nationen nicht so großer Goldsummen rühmen können, wie sie untätig in den Kellern der Bank von Frankreich liegen. Aber dafür besitzen sie vielleicht wertvollere Dinge, Menschen, die geistig jung genug und körperlich gesund sind, um die Arbeit in den exotischen Ländern, die männlicher Tatkraft und Unternehmungslust ein so dankbares Betätigungsfeld bietet, nicht als eine Verbannung ansehen, die ihr Leben zerstört.< Auch hier zitieren wir wörtlich aus einer Besprechung in der Zeitschrift» Hochschule und Ausland<( Heft 9) die ganz spezifisch der deutschen Auslandspropaganda gewidmet ist. Die anderen haben Kolonien mit Pulver Hitler schickt sich an, und Blei gewonnen; welche mit Dreck zu erobern. Es wäre nach allen bisherigen komödienhaft- chaotisogar diese schen Dingen in der Weltpolitik Groteske nicht grotesk genug, um nicht die Hoffnung in sich zu tragen, daß sie ohne Baldwin und Lloyd George brauch der Neger im Weltkrieg<, Ja, wer könnte das schon sein, das Land, oder » mangelnde Organisation der Verwaltung, >> uferloser Papierkrieg der Verwaltungs- daß dank Schacht wirklich zwar keine Gold- schließlich dennoch gelänge! seiner GeSo eine>> Bitte<< mit Kazett- Beigeschmack allereinfachste Logik scheint doch wohl einiist leicht vorstellbar... man, germaßen im Mißverhältnis zu Deutschland sei kein freies Land, was?! Der haltsstufe zu stehen. Herr Ministerialrat ist ein Beckmesser von geradezu Flugzeuge ihr Feuer friedliche Dorf richten.< auf das Wenn man dem Namen des zerschossenen Dorfes glauben darf eine Generalprobe liberalistisch- ausschweiferischen Humorvolle» Generalprobe« auf den Bürgerkrieg. Grundsätzen. Denn folgendermaßen hat er dann, weiterredenderweise, geendet: > Ein Voll besitzt immer nur das, was es sich in der freien Auseinandersetzung geistig Lähmt man die Spontanität erobert hat. dieses geistigen Ringens um die wesentlichen Werte, versucht man in diesem Bereich das Urteil in vorgefaßte Bahnen zu lenken, so trägt man zu Entmündigung des Volkes bei, während es doch gerade das Ziel der unablässigen Aufklärungs- und Erziehungsarbeit der nationalsozialistischen Bewegung ist, das Volk mündig zu machen.< Und darum der Name: Reichsschrifttumsstelle! Darum Terror teils mit dem Zuckerbrot und teils mit der Peitsche! Der Sinn des Herrn Ministerialrates auch nur für die Zivilisten! Im Hintergrund lauert das politische Führungszeugnise. Es ist wie ein Alpdruck. Das Führungszeugnis! Jede Woche eins. Du mußt verzeihen, daß ich immer wieder davon anfange, aber es geht eben nicht aus den Gedanken. Du kannst Dir denken, was Beamtenstab allein für die Kontrolle Im offiziellen deutschen Vorbericht zum Erntedankfest hieß es: Entjudete Judaica >> Mit der Eisenbahn, im Kraftwagen. Auf der Tagung der deutschen Geschichtsauf Fahrrädern und zu Fuß eilten am Sonnabendvormittag große Menschenmas- und Altertumsvereine in Karlsruhe sprach sen nach dem Bückeberg, um der General- Dr. Grau( München) über die Judenfrage in probe der Wehrmacht beizuwohnen... der deutschen Geschichte. Er sagte laut BeDas große Dorf, das am Fuße des richt der» Kölnischen Volkszeitung< Nr. 266: Bückeberges aufgebaut worden ist, nennt sich> Meckerndorf«. So lautet wenigstens ein großes Schild, das am Eingang zu dem Dorf angebracht worden ist. Der Erbauer hat sich auch sonst allerlei kleine Scherze geleistet. Ein großer Dorfhund aus Pappe stellt sich dem Eindringling entgegen, eine Kuh aus dem gleichen Material schaut aus dem Fenster heraus und auch sonst fehlt es nicht an Humor. Das alles wird morgen in Flammen aufgehen, wenn Tanks und mit E. der Forschung dienstbar gemacht werden, indem man sie nach deutschen Gesichtspunkten sachlich und auswertetik durcharbeitet Mit der Sachlichkeit eines Streicher, nach den Gesichtspunkten des> Stürmers<. Der kategorische Superlativ Auf dem Treffen der NSDAP in Königsberg sagte Ley laut Bericht vor 100.000 Zuhörern: > In unserer nationalsozialistischen Gemeinschaft sind wir keine Freiwilligen mehr, die heute hinein- und morgen hinauslaufen können, sondern wir stehen unter dem Gesetz des kategorischen Imperativs: Du mußt dienen, weil Du glaubst!< » Von dem Leitgedanken aus, daß Wissenschaft bewußte Mitgestaltung der Geschichte ist, muß das Rüstzeug dieser Arbeiten zubereitet, vor allem eine entsprechende geschaffen Bibliotheksgrundlage werden. Die in verschiedenen öffentlichen Bibliotheken, namentlich in Frankfurt, Berlin und München, vorhandenen Judaica- Ein gewisser ortsansäßig gewesener Imallzu Bestände, die nach ausge- manuel Kant soll daraufhin nicht gewagt sprochen jüdischen Gesichtspunkten aufgebaut seien, müssen haben, sich im Grabe umzudrehen. aus Kunst und die sozialen Berufe würden zwar im Dritten Reich keine Arbeitsschlacht< ein Maß an stiller auf der Stempelstelle für geistige Arnicht Angesteckter wagt, auf| chen hatten, sind überhaupt nichts geworden.| auf militärischem Gebiet, ein noch immer die Erbostesten, und» Branchekenntnis< voraus, das in jedem Fall beiter, hoch oben im Olymp( auch eine Olymirgendeine Ungerechtigkeit hinzu- Die sind dann weisen, wenn er sich etwa dagegen wendet, die machen mit ihrer Kritik auch nicht mehr die Vorbildung und Sachkenntnis eines zwan- piade-) der» WISSOKU<( zu deutsch:> Abzigjährigen Schauspielers übersteigt. Die man- teilung für wissenschaftliche, soziale und daß Uniformierte an den Schaltern ganz an- vor dem Führer halt. am Alexanderplatz. Aber im allgemeinen überwiegt die Angst gelnde Eignung Kionkas zum Spion ergibt künstlerische Berufe<<) ders behandelt werden, als unterernährte seinem Charakter und Man erfuhr flüsternd, die Wissenschaft, die noch bei weitem den Angriffsgeist. Jeder sich weiterhin schwere Schritt nachts im Treppenhaus, läßt seinem Auftreten. alle Bewohner bis ins Dachgeschoß hinauf Er war in einem rührenden und beängstialler Fähigkeiten har, sich schlagen; aber es ging die Sage, Herr Göring erzittern. Als unlängst ein Polizeiwagen eine genden Grade etwa irgendwo einschleichen oder auch nur unauf- beabsichtige, das Nützliche mit dem Unangenehmen zu verbinden, das heißt für Geganze Weile auf unserm Platz hielt um Mitternacht da tauchten immer wie- fällig machen zu können. Er schimpfte mit der hinter den Gardinen bleiche Gesichter verblüffender Aufrichtigkeit schon in der NS- mütlichkeit im Arbeitslager zu sorgen: jeder geistige Arbeiter mit Stempelkarte und ohne Ahnennachweis und ausgezeichnete Verda für Papier verschrieben und welch ein auf, und manche gestanden einander am an- Flitterwochen des Jahres 1933 derart gegen deren Tag, daß sie auch späterhin kein Auge alle, die mit ihm zusammenkamen, auf das doch nie, System, daß er wiederholt gewarnt wurde. bindungen sollte als Lustigmacher je einer Uebrigens Kionka war schon damals, etwa ein halbes Schipperabteilung beigegeben werden. Natür> wer wieder abgeholt werde<. geschlossen hätten. Man wisse stellte es sich dann heraus, daß der Führer Jahr vor jenen gehäuften Schauspielerselbst- lich hatte er diese Tätigkeit nicht etwa hauptdes Wagens nur einen Freund in der Nach- morden in Berlin, die niemals über den Kol- beruflich, sondern zuschlägig, neben dem obligaten Schippen zu verrichten. In dieser Weise barschaft besucht hatte. Und so ein Besuch legenkreis hinaus in die Oeffentlichkeit gewurden Barden, Skalden, Clowns und Prügelversetzt ein ganzes Vorstadtviertel in Angst langten, durch das Arbeitsbeschaffungs<< und Schrecken! Wohl jedem, der nicht in System derart betroffen, daß er Kurzarbeit jungen am laufenden Band erzeugt. Auf den dieser Hölle leben muß als männliche Probiermamsell in der Konfek- Stempelstellen vegetierten nur noch vereintion leisten mußte, und wegen seiner frischen zelte scheue Greise, alle knapp vor oder nach jungenhaften Gestalt wiederholt für Reklame- dem ersten Schlaganfall. Die geistige Arbeitsphotos solcher Firmen in verschiedenen Zeit- losigkeit war behoben. Die Denker und Dichschriften herangezogen wurde. Seine künstle- er hörten auf, volksfremd zu sein; aber sie hörten leider überhaupt auf zu sein, was sie rische Tätigkeit beschränkt sich damals darsein sollten. auf, in einem jener unzähligen Birch- PfeifferStücke von Paula Busch, Inhaberin des Zirgebraucht wird. Man flüstert, daß in einigen Kreisleitungen ganze Berge von Pereinfach verbrannt sonalakten wurden, weil in der Registratur alles drunter und drüber ging und kein Mensch sich mehr zurechtfand. Es sind ja alles keine geschulten Leute, die da für unser gutes Geld am Was die Parteibeamten Schreibtisch sitzen. überhaupt in ihrer Bürozeit treiben, wenn sie nicht gerade die Sündenregister der Verdächtigen prüfen, ist uns allen ein Rätsel. In der Kassenführung geht es jedenfalls derart zu, daß man von einer planmäßigen ArImmer wieder beit überhaupt nichts merkt. kommen Unterschlagungen vor, immer wieder hört man unter der Hand von großen Veruntreuungen, Schauspieler und Spion? In Berlin wurde der junge Schauspieler Kionka wegen angeblichem Landesverrat hingerichtet. Wir erhalten dazu von einem seiner früheren Kollegen folgende Zeilen: Wir sahen Kionka nicht mehr. Was machte Wer Kionka persönlich kannte, weiß, daß kus Busch beim Bahnhof Börse, die Titelrolle er? Bänkel für Schipper? Wir werden es nie damals von den bekannten Felddie jahrelang unentdeckt seine Hinrichtung ein Justizmord und in sei- zu spielen. Das Stück hieß» Der Wilddieb«, erfahren. Wir wissen nur aus gehäuften Fäldes blieben. Da bezahlt der Staat nun zwei über- nen Ursachen einer jener nicht seltenen Er- und endete, wie alle Buschpoesien, mit einem len, daß » Vertrauensrates< langjährige Leichtathletikakt von der Kuppel des Zirkus webeln zum Bassin herab. > Gefolgschaftsmitglieder« mit der Drohung, lebensgroße>> Beamtenkörper< nebeneinander, pressungs- und Racheakte gekränkter oder Staats- und Parteibeamtentum. Wozu eigent- mit schlechtem Gewissen belasteter AmtsEs kam jener Winter 1933/34, der alle Vor- sonst eine Anzeige wegen staatsfeindlicher für alte Kämpfer walter sein muß, wie ich sie als Versuch, aus dem Arbeitslich? Nur damit Posten geschaffen und damit die öffentlich gesam- wenn auch nicht als vollendete Tat, in Berlin zeichen des 30. Juni bereits so weit zeigte, Gesinnung zu lancieren, aus nächster Nähe beobachten daß in einem bekannten Berliner Kabarett platz> freiwillig« genötigt wurden. Konnte melten Gelder unbeaufsichtigt vertan werden wiederholt Die Ueber- zwischen Februar und März 1934 ein Song- Kionka, seiner ganzen Art nach, solchen oder können. Trotzdem ist gerade unter den alten konnte. Was ist Landesverrat? denn mittlung wirklich brauchbaren Verratsmate- Sprecher nahezu auf offener Bühne verhaftet ähnlichen Drohungen nachgeben? Nein. Und auf industriellem wie wurde. Im Sommer schon wurde es immer das war wohl sein> Landesverrat<. Kämpfern die Unzufriedenheit groß, viele, die sich eine große Zukunft verspro- rials setzt nämlich Abgleitende Löhne es man das behauptet, oder in die Feldherrnhalle? Der muntere Meckerer in der> Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschafte verweist auf eine große Rede Görings > Ist ein Die Verkündung des sozialen Friedens im| gelernte Arbeiter). In der papierverar-| wenn nicht die neu eingeführte Lohn- vor der Akademie für Deutsches Recht( jetzt Dritten Reich, wie sie als einziges Verspre- beitenden Industrie sind die Wochen- statistik wieder verändert, den Rückgang der im Wortlaut amtlich in deren Schriftenreihe ehen für die Arbeiter in der Nürnberger Pro- verdienste insgesamt von 29,74 auf 26,45 RM Löhne nicht länger verbergen. Dabei handelt erschienen), in der er gefordert hat, daß die klamation enthalten ist, hat bisher nicht gefallen, die Stundenlöhne von 59,6 Pf. auf es sich in den Angaben nur um Bruttolöhne, Gesetze richtig erfüllt und sachgemäß gehandso hat Göring verhindern können, daß die Unruhe um die 57,6 Pf. Auch im Buch- und Stein- während die wachsenden Lohnabzüge völlig habt werden sollen.<< Schön Löhne weiter anhält. Auch die erneute An- druckgewerbe werden für 1936 ge- unberücksichtigt bleiben. Die Erhebung ver-( und auch der Dr. Frank!) gebrüllt, aber kündung von verschärften Strafbestimmungen ringere Wochenverdienste vermerkt. zeichnet bei den einzelnen Gewerben gesetz- es ist noch keine drei Monate her, daß die gegen die» Rädelsführer« von Streiks macht In der Textilindustrie blieben die liche Lohnabzüge von 13 bis 14 Prozent. Die beiden Berliner Doktoranden Krauß und von auf die unzufriedenen Gefolgschaften keinen Löhne trotz erhöhter Produktion und ver-» ungesetzlichen Abzüge für die Partei und Schweinichen eine akademische Disputation Eindruck. Die Diskussionen in den längerter Arbeitszeit fast unverändert. Der ihre Nebeneinrichtungen belaufen sich aber über das Thema zu halten hatten: Bekenntnis zum Rechtsstaat in seiner LegaliBetrieben befassen sich fast ausschließ- Stundenlohn der Facharbeiter hat sich von auch auf 8 bis 10 Prozent des Lohnes. zu dem lich mit der Hitler- Erklärung, daß auch im Ende 1935 bis März 1936 von 69 auf 69,2 Pf. Es wird auf die Dauer aller statistischen tät noch sinnhaft<. Beide kamen neuen Vierjahresplan jegliche Lohnerhöhung erhöht. In der Zeit der> Systemparteien< hat- Kunst nicht gelingen, das Bild des deutschen allenthalben akzeptierten Schluß:> Wenn man vermieden werden muß. Ueber die tatsäch- ten Spinner und Weber Stundenlöhne von Arbeiterelends zu verwischen. Die Lohnent- die Einhaltung des gesetzlichen Rechtes, Lelichen Löhne ist weder auf dem Parteitag, durchschnittlich 92,1 bis 93,9 Pf. wicklung entspricht der allgemeinen Wirt- galität der Sachgestaltung fordert, relativiert Was nun? noch auf der Nürnberger Jahrestagung der Die übrigen Gewerbe zeigen dieselbe Ent- schaftslage des Dritten Reiches. Es geht man den Führerstaat. Bums! Nämlich auch diese Disputation ist im staatDAF kein einziges Wort gefallen. Der sog. wicklungstendenz. Das Dritte Reich kann, abwärts. lich approbierten Druck erschienen... Tätigkeitsbericht des Ley, der jetzt im Wortlaut vorliegt, befaßte sich mit Rechtsberatung, Heimstättenamt, Schulung, Presse, Kraft durch Freude und Ehrengerichtshof, nur nicht mit der sozialen Lage der Arbeiter. Aus einer Veröffentlichung des ReichsDer soziale Absturz 3. Und schließlich hat ein Herr namens Gottfried Neese jetzt. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei( Versuch einer Rechtsdeutung)< gewürdigt. Darin heißt Daß die Rüstungskonjunktur keine Bes- zeichnet eine Zunahme von 7,8 Millionen auf serung in den Lebensverhältnissen des deut- 9,2 Millionen oder um 18 Prozent. Das Ein- es, daß die NSDAP> nicht, wie die faschistiarbeitsblattes vom 25. August 1936, geht aber schen Volkes gebracht hat, das wird doku- kommen dieser Gruppe ist von 17,3 Milliar. sche Partei dem Staate dient, oder, wie die hervor, daß die>> Hauptergebnisse der amtlichen Lohnerhebungen für März 1936« bereits vorgelegen haben. Nach einer amtlichen sehr bescheidenen Besprechung ergibt diese letzte Lohnstatistik das Bild eines Lohnstillstandes. im Eine nähere Betrachtung zeigt, daß Jahr 1936 eine absteigende Lohnkurve eingesetzt hat. Wir haben im» Neuen Vorwärts<< die neue Methode der Nazilohnstatistik bereits näher erläutert und nachgewiesen, daß sie nur eine Auslese von Gewerben und Betrieben summenmäßig erfaßt. Diese Propaganda statistik weder gestattet einen Einblick in die tatsächlichen Einzellöhne, noch läßt sie einen genauen Vergleich mit den Löhnen von früher zu. Die Veröffentkommunistische Partei in Rußland, den Staat beherrscht, vielmehr neben ihm dem Volke dient und den Staat nicht unmittelbar beherrscht. Aber Herr Hitler selbst? Hat er nicht einmal hinausgeschmettert und die > Zeitschrift für die gesamte Strafrechtsberücksichtigt worden sind, so sind erheb- 2,797.000 Steuerbelastete, das sind mehr wissenschafte erinnert daran ein wenig moliche Veränderungen in dem Kreis der Er- als 30 Prozent dieser Gruppe, haben ein Ein- kant:» Die Partei befiehlt dem Staat! neben< und was ist über Graphia<; alle in Karlsbad. Diese Verminderung der Arbeitslosen um genwart. Zwar sehr vorsichtig, sehr gleich- Zeitungstarif bew. m. P. D. ZI. 159.334/ VII- 1933. knapp 2,9 Millionen müßte in einer ent- geschaltet< in der Form; nichtsdestoweniger Printed in Czechoslovakia. in der braunen Schale diese Der» Neue Vorwärts« kostet im Einzelsprechenden Vermehrung der Lohnsteuer bleibt auch Frucht des Nachdenkens über das Dritte verkauf innerhalb der CSR Kč 1.40( für ein pflichtigen zum Ausdruck kommen, wenn Quartal bei freier Zustellung Kč 18.-). Preis diese 2,9 Millionen Arbeitslose im Wirt- Reich aromatisch und erfrischend... der Einzelnummer im Ausland Kč 2.-( Kč 1. Was vor allem hat es mit dem Begriff 24.- für das Quartal) oder deren Gegenwert schaftsleben Arbeit und Erwerb gefunden Aber im Vergleich zu den des deutschen> Volkes<, mit dem es Hitler in der Landeswährung( die Bezugspreise für haben sollen. In der Chemischen Industrie hat berichtigten Ziffern von 1933 haben alle ja andauernd zu tun hat, auf sich? Da hat das Quartal stehen in Klammern): Argentinien nach dem das Brutto- Wocheneinkommen drei Gruppen der Lohnsteuerpflichtigen ein ganz gewissenhafter Nazi( Ernst Huber Pes. 0.30( 3.60), Belgien: Belg. Frs. 2.45( 29.50) Reichsarbeitsblatt vom Dezember 1935 bis zusammen nur um 1 Million zugenommen. in Wesen und Inhalt der Verfassung) sich Bulgarien Lew 8.-( 96.-). Danzig Guld. 0.45 ( 5.40), Deutschland Mk. 0.25( 3.-), Estland folgendermaßen ausgelassen: Es ist wohl und E. Kr. 0.22( 2.64), Finnland Fmk. 4.-( 48.-), März 1936 keine merkliche Aenderung< Es fehlen also 1,9 Millionen Menschen. aufzuweisen. Aber auch in dieser höchst- Sie werden nicht mehr als Arbeitslose ge- scharf zu unterscheiden zwischen dem> poli- Frankreich Frs. 1.50( 18.-), Großbritannien beschäftigten Kriegsindustrie sind die Brutto- zählt, haben aber auch keine Erwerb gefun- tischen Volk, das in der Führung seinen höch- d 4.-( Sh. 4.-), Holland Gld. 0.15( 1.80), Italien Lir. 1.10( 13.20). Jugoslawien Din. 4,50 stundenverdienste insgesamt von 82,5 auf 81,7 den, denn sonst würden sie von der Stati- sten Ausdruck findet, sich in der Bewegung( 54), Lettland Lat. 0.30( 3.60). Litauen Lit. Pf. gefallen. Bei den gelernten Arbeitern be- stik des Abzugs für Lohnsteuer erfaßt wor- formiert und in der Herrschaftsordnung han- 0.55( 6.60), Luxemburg B. Frs. 2.45( 29.50), delt<<, und dem ganz gewöhnlichen> Volk, das Norwegen Kr. 0.35( 4.20). trug der Stundenverdienst im März 1936 den sein. 103,6 Pf. gegenüber 104,3 im Jahr 1935. Da seit 1932 keine Ermäßigung der Lohn- in der Familie, Gemeinde, in Standes- und 0.40( 4.80), Palästina P. Pf. 0.020( 0.216), Polen Zloty 0.50( 6.-), Portugal Esc. 2.( 24.-), Rumänien Lei 10.-( 120.-), SchweVor 1933 bewegten sich die Stundenlöhne der steuer eingetreten ist, sondern vielmehr ihre Volksgemeinschaft den Nationalsozialisten viel schaftliches, kulturelles und rechtliches Leben den Kr. 0.35( 4.20), Schweiz Frs. 0.30( 3.60). gelernten Arbeiter zwischen 107 und 129 Pf. Erfassung von Nach dem Hitlerschen Leitsatz» keine schärfer betrieben und die Grundsätze der führt.< Ja gewiß, meint dazu die genannte Spanien Pes. 0.70( 8.40), Ungarn Pengö 0.35 leider( 4.20), USA. 0.08( 1.-). Lohnerhöhung ohne Produktionssteigerung Familienermäßigung im Vergleich zu früher Zeitschrift, das ist nunmal schon so > die Konstatierung faktischer Verfassungs- Einzahlungen können auf folgende Posthätten die Bauarbeiter Anspruch auf Lohn- eine viel unsozialere Anwendung finden, erfolgen: Tschechoslowakei: > Volksgemein- scheckkonten auch die erhöhung gehabt. Die amtliche Statistik aber müßte einbehaltene Lohnsteuer verhältnisse. Aber 46.149. Oesterreich: Neuer Vorwärtse Karlsergibt im 1. Vierteljahr 1936 ein Absinken mindestens im gleichen Verhältnis zugenom- schafte ist dann doch wohl ein grober Unfug Zeitschrift> Neuer Vorwärts: Karlsbad. Prag der Maurer- Stundenbruttolöhne von 84,7 auf men haben wie die Lohnsteuerpflichtigen, nicht wahr und vor allem:> Grade der Begriff bad. Wien B- 198.304. Polen: Neuer Vorwärtse 83,6 Pf., im August 1932 113,6 Pf. wenn sich im Durchschnitt keine Verschlech- des Berufspolitikers, des Politikers als Stand Karlsbad. Warschau 194.797. Schweiz:> Neuer Aber hat doch das Dritte Reich mit seiner Gesamt- Vorwärtse Karlsbad. Zürich Nr. VIII 14.697. In der papiererzeugenden Indu- terung des Lohnniveaus ergeben soll. Creditbank Filiale Karlsbad. Konto> Neuer strie müssen die Nazis den Rückgang der der Ertrag der Lohnsteuer 1934 ist nur um erweckung des Volkes zu politischem Denken Ungarn: Anglo- čechoslovakische und Prager Stundenlöhne von 71,2 auf 70,7 Pf. in der 12,6 Millionen Mark oder um 2 Prozent ge- überwunden<... Schaust du mun durch, ge- Vorwärtse Budapest Nr. 2029. Jugoslawien: Anglo- Čechoslovakische und Prager Creditdreimonatlichen Berichtszeit zugeben( für stiegen, während die Erhöhung der Zahl der liebter Reichsbürger? 2. Ist das Dritte Reich ein Rechts- bank. Filiale Belgrad. Konto» Neuer Vorwärts<, Beograd Nr. 51.005. Genaue Bezeichver- staat? Kommt man ins Kazett, wenn nung der Konten ist erforderlich. Zu beziehen durch jede Buchhandlung oder Eine köstlich- komische Zusammenstellung direkt durch die Verlagsanstalt Graphia", ST 63,3 spruch zwischen der Entwicklung der Zahl der rein theoretischen System- und Verfas- Karlsbad. Preis des Heftes 4 Kč. Mit dieser Gruppe der Rüstungsindustrie der Lohnsteuerpflichtigen und den Arbeits- sungs- Absurditäten des deutschen> Führerstaates< von den praktischen ganz zu 1932 war das ist, soweit überhaupt von Lohnentwicklung losenziffern in Erscheinung. schweigen leistet sich meckernder Weise der schärfsten Krisenwirkungen. gesprochen werden kann, alles erschöpft. Die Jahr drüben jetzt eine sehr angesehene juristische übrigen Zweige erweisen den Lohnabstieg. Die Jahresdurchschnittliche Arbeitslosigkeit Die eisenerzeugende Industrie be- wurde mit 5,602.711 Personen festgestellt. Fachschrift, die von Aschaffenburg mit herrichtet vom Dezember 1935 bis März 1936 Im Jahre 1934, so behaupten die National- ausgegebene Zeitschrift für die geeiner Verminderung des Brutto- Wochenver- sozialisten in ihren Statistiken, sei die Arsamte Strafrechtswissenschafte. Jahresdurchschnitt auf dienstes von 44,20 RM auf 43,06 RM. Im ein- beitslosigkeit im zelnen hatten die» 1. Leutes in dem einen 2,718.309 gesunken. Vierteljahr eine Kürzung des Stundenlohnes von 92 auf 91,3 Pf. Vor Hitlers glorreicher Regierung hatten z. B. die 1. Schmelzer in Hochofenwerken einen durchschnittlichen Stundenverdienst von 103,6 Pf., in den Stahlwerken von 127,6 Pf., die 1. Walzer in den Preßwerken von 127,9 Pf. *) Zeitlohn,**) Stücklohn Steuerpflichtigen 5 Prozent beträgt. Die Gruppe der Steuerbelasteten sein natürliches wirtdie Oesterreich Sch.