Hr. 176 SOHHT4G.25. Oktober 1936 60S!aldgmfllraKfd)gg Verlag; Karlsbad, Haus„Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt; Schacht— lustlos Belgien— kein Meisterstück Das Hakenkreuz in Madrid Lohn- und Preisalann Wird Danzifi preisseseben? Freie Hand für Hitler Im Osten— Neue Katastrophe des Völkerbundes? Die Auflösung der Danziger Sozialdemokratischen Partei durch die Polizeiorgane des nationalsozialistischen Senats bedeutet den entscheidenden Schlag des Hitler-Faschismus gegen die vom Völkerbund garantierte Verfassung der Freien Stadt Danzig, sie ist zugleich der entscheidende Schlag, den der Nationalsozialismus gegen die letzten Kräfte führt, die trotz allen Schwierigkeiten in der Lage waren, auf einem ehemals reichsdeutschen Gebiet den Kampf gegen die Entrechtung des deutschen Volkes legal zu führen. Das Verbot der Danziger Sozialdemokratie ist als Faktum der internationalen Politik, ebenso wie im Rahmen des Schicksals der deutschen Nation von gleich großer Bedeutung. Sollte der Nationalsozialismus mit den Mitteln des Rechtsbruches auch in Danzig endgültig den Sieg davontragen, — und das muß nach Lage der Dinge befürchtet werden— so heißt das nicht nur, daß der Völkerbund die den 400.000 Dan- zigern feierlich verbürgten Rechte preisgibt und die Mehrheit der Bevölkerung der Freien Stadt dem braunen Terror Uberantwortet, sondern auch, daß die Welt abermals der Zerreißung internationaler Verträge durch das Dritte Reich tatenlos zusieht, und vor einer einseitig herbeigeführten Aenderung der Machtverhältnisse in Osteuropa widerstandslos zurückweicht. Das Verbot der Sozialdemokratie Das Verbot der Danziger Sozialdemokratie geht in seiner Wirkung für Danzig weit über die Lahmlegung einer einzigen Oppositionspartei hinaus, es dürfte in seinem Ergebnis auch das Ende der übrigen nichtnationalsozialistischen Gruppen und Organisationen in sich schließen. Obwohl der Wortlaut der Polizeiverfügung nur von einer Auflösung der Sozialdemokratie und ihrer Nebenorganisationen spricht, hat die Polizei auch alle anderen, von der Partei Unabhängig und selbständig verwalteten Arbeiterorganisationen aufgelöst: die Arbeitersportler, die Arbeitersänger und alle übrigen Arbeiter- Kulturorganisationen, ja selbst die Freie Volksbühne. Die freien Gewerkschaften, der Allgemeine Arbeiterverband, sind schon im November vorigen Jahres mit der Begründung polizeilich aufgelöst worden, daß sie sich nicht nur gewerkschaftlich, sondern auch politisch betätigt hätten! Bemerkenswert ist dabei, daß man auch nicht vor dem Verbot des Danziger Arbeiter-Tum- und Sportverbandes halt gemacht hat, obwohl es sich bei ihm um eine Bezirksorganisation des Polnischen Arbeiter- Turn- und Sportverbandes handelt Darüber hinaus aber muß die Unterdrückung des ganzen sozialistischen Sektors der verfassungstreuen Opposition auf die mit ihm Schulter an Schulter kämpfenden Organisationen des Zentrums und der Deutschnationa- 1 e n eine lähmende Wirkung haben. Durch sie wird die Opposition nicht nur ihrer stärksten, aktivsten und leistungsfähigsten Gruppe, sondern auch ihrer weltanschaulich gefestigten Stütze und ihrer politischen Führung beraubt. Diese Tatsache ist im Bewußtsein der Danziger Bevölkerung tief verwurzelt, die Vernichtung der sozialistischen Organisationen wird deshalb von ihr symptomatisch für das Schicksal des Kampfes aller Nichtnatio- nalsozialisten gewertet, ganz abgesehen davon, daß selbstverständlich in Kürze auch die polizeiliche Auflösung der beiden anderen Parteien zu erwarten ist. Die Bedrohung der bürgerlidien Parteien Man darf nicht glauben, daß die Nazi- Polizei keinen Vorwand für eine solche Maßnahme gegen die beiden bürgerlichen Gruppen finden wird: Vielleicht wird man beim Zentrum Sowjet-Rubel»finden« und bei den Deutschnationalen irgend einen von ihnen zugunsten Polens begangenen Landesverrat»aufdecken«. Die Vorwände können gar nicht abenteuerlich genug gewählt werden. Ausgerechnet im Sekretariat der Sozialdemokratischen Partei, in den Geschäftsräumen der»Danziger Volksstimme« und in den Wohnungen von Mitgliedern des Landes Vorstandes der Partei, darunter bei dem Parteivorsitzenden (!), fand man Revolver, Sprengstoff, Eierhandgranaten, Maschinenpistolen: also an Stellen, an denen— hätten die Sozialdemokraten überhaupt Waffen besessen— nur ausgemachte Dummköpfe sie aufbewahrt hätten; dazu in Räumlichkeiten, in denen noch in den allerletzten Tagen vor den angeblichen Waffenfunden eingehende polizeiliche Durchsuchungen ergebnislos vorgenommen worden waren. Nicht weniger unglaubwürdig sind die Waffenfunde, die man bei einer Reihe von Arbeitersportlern gemacht hat, um zu begründen, daß eine ihrer Unterorganisationen, die sogenannte SSS(Sozialistische Sport-Staffel), die ihre Tätigkeit seit 2% Jahren unter den Augen der Polizei durchgeführt hat, und deren Schwesterorganisationen in ganz Polen in der gleichen Weise arbeiten, eine Fortsetzung des 1931 polizeilich aufgelösten Arbeiterschutzbundes darstelle. Die Entstehung der Hazi-Diktatur Die Jahreszahl 1931, die auch in der polizeilichen Auflösungsverfügung gegen die Partei genannt wird, weist übrigens auf die lange Leidensgeschichte der Danziger Sozialdemokratie, aber auch auf ihren unbeugsamen Kampfeswillen und ihre zähe Widerstandskraft hin, ohne die der schwere opfervolle Kampf, den sie sechs Jahre lang gegen eine sich ständig steigernde Unterdrückung geführt hat, undenkbar gewesen wäre. Nicht erst seit 1933 sind die Nationalsozialisten an der Macht, schon seit dem Ausgang des Jahres 1930 haben sie die Danziger Regierungspolitik maßgebend beeinflußt. Die behördüchen Zwangsmaßnahmen und der braune Terror steigerten sich natürlich um das Vielfache seit der nationalsozialistischen Machtergreifung im Jahre 1933. Unter dem Eindruck der entsetzlichen Ereignisse im Reich gingen im Mai die Neuwahlen vor sich, die den Nationalsozialisten allerdings nur eine schwache Mehrheit von 3 Prozent brachten. Damals kapitulierten in Danzig jedoch die bürgerlichen Parteien zum zweiten Male vor ihnen, das Zentrum versuchte für kurze Zeit, mit den Nazis Koalitionspolitik zu treiben, die Deutschnationalen stimmten ihrem Regierungsprogramm zu, die Gleichschaltungsaktionen erfaßten mit denselben Mitteln und in fast gleichem Umfange wie im Reich alle Bezirke des staatsbürgerlichen und privaten Lebens. Die freien Gewerkschaften wurden durch Gerichtsurteil den Nazis überantwortet, die Beamten, Angestellten und Arbeiter in Zwangsorganisationen gepreßt, der Hitlergruß in allen Aemtem offiziell eingeführt. Die Verfassung wurde völlig durchlöchert, das Parlament außer Funktion gesetzt, die Pressefreiheit so gut wie aufgehoben. Nur die sozialistische Arbeiterschaft wagte es, dem Ansturm des Nationalsozialismus Widerstand entgegenzusetzen. Sie hielt die Sozialdemokratische Partei kampffähig, sie gründete neue freie Gewerkschaften, sie organisierte den Kampf für die Verteidigung der demokratischen Verfassung, jenen Kampf, der zu einer einzigartigen und mächtigen Volksbewegung in Danzig werden sollte: Die Volkslagswahl vom 7. April 1935 Als auf Betreiben der Nationalsozialisten am 7. April 1935 eine neue Volkstagswahl durchgeführt wurde, von deren Ergebnis sich die Herren Forster und Greiser, der Gauleiter und der Senatspräsident, eine verfassungsändernde Zweidrittelmehrheit versprachen, gelang es ihnen trotz Anwendung unerträglichsten morali- Gestapo-T cppop In Hannover MassenTerhaftungen von Sozialdemokralen— Zwei Todesopfer Seit Ende Juni dieses Jahres stehen die Provinz und die Stadt Hannover unter stärkstem Gestapoterror. Bis jetzt wurden mehrere hundert Sozialdemokraten, Gewerkschaftsfunktionäre und Reichsbannerführer verhaftet, die bis zu Hitlers Machtantritt leitende Stellen in der sozialistischen Arbeiterbewegung bekleideten. Unter den Verhafteten befinden sich der frühere Bezirkssekretär der SPD, Genosse Johannes Lau, der frühere sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete, Genosse Josef Schaffner, der frühere Vorsteher der Bürgerschaft Hannover, Genosse Wilhelm Weber, der frühere Oberbürgermeister von Hannover, Genosse Robert L e i n e r t, der Bezirkssekretär des ADGB, Genosse Otto Brennecke, die früheren Sekretäre des Reichsbanners, Genossen Jahn und Sander. Verhaftet wurden ferner alle früheren Kameradschafts- und Schnfoführer des Reichsbanners, zahlreiche Funktionäre der Gewerkschaften und viele Abteilungsleiter der SPD Hannover. Die ganze Verhaftungsaktion wird von Berliner Gestapobeamten geleitet, die schon seit einem halben Jahr in Hannover stationiert sind und den Auftrag hatten, eine Geheimorganisation der Sozialdemokratie und des Reichsbanners aufzudecken. Nachdem diese Aufgabe trotz des Einsetzens zahlreicher Spitzel nicht gelöst werden konnte, schritt die Gestapo zu den oben geschilderten Massenverhaftungen früherer leitender Funktionäre der Arbeiterorganisationen. Die meisten der Verhafteten waren nach ihrer Einlieferung bei der Gestapo den grausamsten Mißhandlungen ausgesetzt. Es wurden alle erprobten»Vernehmungsmethoden« angewandt, um die von der Gestapo gewünschten Geständnisse zu erpressen. Bis jetzt war dieses unmenschliche Verfahren zwecklos; die Gestapo hat ihr Ziel, die Aufdeckung der angeblichen illegalen sozialdemokratischen Opposition in Hannover nicht erreicht. Dagegen haben zwei der verhafteten Genossen die Gewaltmethoden der Gestapo mit ihrem Leben büßen müssen. Die Frau des Genossen Otto Brennecke erhielt dieser Tage die amtliche Mitteilung, ihr Mann sei im Gefängnis einem Herzschlag erlegen. In Wahrheit ist Otto Brennecke ermordet worden. Im Alter von 53 Jahren hat der Genosse Brennecke ein Leben selbstloser gewerkschaftlicher und politischer Arbeit in den Folterkammern der Gestapo beenden müssen. Das gleiche grausame Schicksal ereUte den Genossen Hahn, einen aktiven und tapferen Funktionär der Partei und des Reichsbanners. Schon seit Wochen wußten seine Angehörigen von den fürchterlichen Mißhandlungen, denen der Genosse Hahn ausgesetzt war, und jetzt folgte diesen qualvollen Wochen die Hiobsbotschaft, der Genosse Hahn habe im Gefängnis seinem Leben durch Erhängen ein Ende gesetzt. Wieder ist die endlose liste des Freiheitskampfes des deutschen Volkes um zwei Namen vermehrt worden; Namen von Männern, die kein anderes Ziel hatten, als dem Wohl ihrer arbeitenden Volksgenossen, der Freiheit ihres Volkes zu dienen. Mögen ihre Mörder heute noch Genugtuung darüber empfinden, daß sie wieder zwei»marxistische Untermenschen« gewaltsam aus der liste der Lebenden gestrichen haben; für uns leben die Toten weiter, und ihr grausames Ende wird ihren braunen Kerkermeistern nicht vergessen werden. Das Heer befiehlt dem Staat Göring als Wirtschaftsdiktator. Hitler hat Göring zum Inhaber der absoluten Macht über das gesamte deutsche Wirtschaftsleben erklärt. In dieser Ernennung liegt keine neue Machtverschiebung, sondern nur eine formale Regelung, die die tatsächliche Machtlage unterstreicht. Sie ist der Ausdruck des Entschlusses, den Primat der Wehrwirtschaft aufrechtzuerhalten, und die RUstung zum Angriffskrieg weiterzutreiben. Seine Ernennung ist ein Zeichen für die rasche und gefährliche Zuspitzung der politischen Spannung in Europa. In Deutschland befiehlt das Heer dem Staat— und der Wirtschaft. Von dem Worte Hitlers: die Partei befiehlt dem Staat, wird höchstens noch in der inneren Parteipropaganda der Nationalsozialisten gesprochen. Das Heer— das heißt die Generale und Politiker, die die Verkörperung des Willens zum Kriege, zur Machtpolitik, zur Vorherrschaft Deutschlands über ganz Europa darstellen. Die Vorbereitung zum Angriff wird fortgesetzt. Während die europäischen Staaten ihre Währung ordnen und ihre handelspolitischen Beziehungen wieder von den Fesseln des Nationalismus zu befreien suchen, setzt Deutschland alles auf die Karte der Gewalt. sehen, physischen rmd behördlichen Terrors— in ganzen Teilen des Freistaates wurde offen gewählt— kaum, die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen zu erhalten. Die Sozialdemokratie und das Zentrum waren ungeschwächt aus der Wahl hervorgegangen, nur die Deutschnationalen und die ohnehin in Danzig seit langem bedeutungslose Gruppe der Kommunisten hatten geringe Verluste zu verzeichnen gehabt Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß schon jener 7. April 1933 eine starke antlnationalsozialistische Mehrheit erbracht hätte, wenn es möglich gewesen wäre, der wahren Meinung der Bevölkerung durch die Wahl Geltung zu verschaffen. Seit jenem Tage, nicht zuletzt auch auf Grund der bitteren Erfahrungen, die man mit der nationalsozialistischen Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik gemacht hatte, wuchs in Danzig die Opposition gegen den Nationalsozialismus unaufhaltsam. Die Bevölkerung forderte die Ungültigkeitserklärung der unter zahllosen Rechtsbrüchen des Senats erfolgten Volkstagswahl vom 7. April 1935 und die Wiederholung der Wahl. In einem Wahlprüfungsverfahren vor dem Danziger Obergericht konnte der Gerichtshof nicht umhin, die gröbsten erwiesenen Rechtsbrüche der Behörden und den amtlichen Terror zuzugeben, er hatte aber nicht den Mut, die Konsequenzen aus seinen eigenen Feststellungen zu ziehen und eine Wiederholung der Wahl anzuordnen. Er erklärte lediglich eine willkürlich herausgegriffene Zahl von etwa 10.000 nationalsozialistischen Stimmen für»unrechtmäßig amtlich beeinflußt« und deshalb ungültig, so daß die Nationalsozialisten nicht mehr als ein Volkstagsmandat verloren. Der Gauleiter der NSDAP in Danzig, Forster, hat jetzt in einer Versammlung Danziger Richter, die am 3. Oktober 1936 stattfand, verbürgtermaßen sich gerühmt, dieses Urteil in einer Konferenz mit dem Präsidenten des Danziger Obergerä cht s, Dr. von Hagens, vor seiner Verkündung vereinbart zu haben. Der Völkerbund und Danzig Gleichschaltung, Terror, Rechtsbrüche und Wahlfälschungen, alle Formen nationalsozialistischer Unterdrückungs- und Gewaltpolitik sind in der Freien Stadt Danzig möglich gewesen, obwohl dem Völkerbund die Garantie der Danziger Verfassung obliegt Es darf nicht verkannt werden, daß der Völkerbund im Laufe der vergangenen drei Jahre tatsächlich Versuche zur Herstellung verfassungsmäßiger Zustände in Danzig unternommen hat Im ganzen gesehen, hat seine Tätigkeit in Danzig jedoch das gleiche Versagen zutage gefördert wie im Falle Abessiniens, ja, sein Fiasko in Danzig dürfte nur eine Fortsetzung seiner Niederlage im abessinischen Konflikt darstellen, wenn er sich nicht in letzter Minute— die Auflösung der Danziger Sozialdemokratie zeigt, daß die letzte Minute fast schon verstrichen ist— zu entscheidenden Schritten aufrafft. Der Völkerbund ist seit Januar 1934 wiederholt mit dem Danziger Verfassungskonflikt befaßt gewesen. Er hat zu den verschiedensten Einzelfragen, Zeitungsverboten, verfassungswidrigen Verordnungen und Verwaltungsmaßnahmen des nationalsozialistischen Senats Stellung genommen, er hat diesen Senat mehrfach der Mißachtung der Verfassung schuldig gesprochen und Abhilfe gefordert. In keinem einzigen Falle aber hat er sich dem Senat gegenüber durchgesetzt, und keine einzige Verurteilung der Maßnahmen des Senats durch den Rat des Völkerbundes hat den Senat veranlaßt, seine Politik zu ändern. Wohl hat der Senat ständig seine Verfassungstreue beteuert, aber nur, um unter dieser Maske um so brutaler die Rechte der Danziger Bevölkerung zu vergewaltigen. Auch in der Frage der Ungültigkeitserklärung der Volkstagswahl vom 7. April hat der Völkerbund versagt. Ein ganzer Katalog von Rechtsbrüchen, die Feststellungen des höchsten Danziger Gerichts über das Verhalten des Senats, das auf unwiderlegbare juristische Hinweise gestützte Verlangen der drei verfassungstreuen Parteien nach Wiederholung der Wahl und selbst die besorgniserregende, von der öffentlichen Memung der ganzen Welt als ein Fanal vermerkte Schilderung der gefahrvollen Zustände in der Freien Stadt durch den Hohen Kommissar des Völkerbundes in Danzig, den Iren Scan Lester, vom Januar 1936 konnten den Völkerbunäsrat und seinen Berichterstatter für Danzig, den britischen Belgien- kein Meistepstüdc! Neutralität mit Militärabkommen Am 27. Oktober wird die belgische Kammer die Beratung der neuen Rüstungsvorlage beginnen, die die Dienstzeit der Infanterie auf anderthalb Jahre verlängert, Am 14. Oktober hat König Leopold HI. in einer Ministerratssitzung für die Notwendigkeit dieser militärischen Vorkehrungen zwei Gründe ins Feld geführt: die deutsche Wiederaufrüstung und die vertragswidrige Besetzung der Rheinzone, wodurch die Basis für einen deutschen Angriff unmittelbar bis an die belgische Grenze herangetragen werde. Der König versicherte sodann, daß die belgische Armee keine andere Aufgabe haben solle als die, den Krieg von Belgien fernzuhalten. Diesem Ziele müsse auch die Außenpolitik entsprechen, die darum keine Bündnispolitik sein dürfe, sondern eine ähnliche sein müsse wie die Hollands und der Schweiz jetzt— oder die Belgiens vor dem Kriege. Diese Königsrede, die auf Beschluß des Ministerrats veröffentlicht wurde, hat großes Aufsehen hervorgerufen. Belgien figuriert im Friedensvertrag von Versailles als einer der Alliierten. Es hat sein Bündnis mit Frankreich im Jahre 1920 durch ein geheimes Militärabkommen bestätigt. Es hat den Locamovertrag mit unterzeichnet, der es verpflichtet, bei einer kriegerischen Aktion an der deutsch-französischen Grenze dem angegriffenen Teil beizustehen. Nachdem Hitler den Locamovertrag gebrochen und die Rheinzone besetzt hatte, wurde ein neues Generalstabsabkommen abgeschlossen, an dem Belgien beteiligt ist. Schließlich ist Belgien auch Mitglied des Völkerbundes; es kann im Fall militärischer Sanktionen den zu ihrer Ausführung bestimmten Truppen den Eintritt in sein Gebiet nicht verwehren. Belgien kann also nicht neutral sein, ohne alle seine internationalen Verpflichtungen zu verletzen, aber es versichert, daß es alle seine Verpflichtungen anerkenne— was hat dann die königliche Neutralitätsrede für einen Sinn? Man könnte an eine rednerische Entgleisung glauben, hätte die Rede nicht schon ihre Vorgeschichte. Bei der Umbildung der gegenwärtigen Regierung hat ihr Präsident, Herr van Zeeland, sowohl Vandervelde wie Wauters als Außenminister abgelehnt, weil sie ihm zu Völkerbund- und franzosenfreundlich waren. Spaack, der das Amt übernahm, hat kurz nach seiner Ernennung eine Rede gehalten, in der er sich über das Prinzip der kollektiven Sicherheit höchst mißfällig aussprach. Von der Partei deshalb zur Rede gestellt, erklärte er alles für ein Mißverständnis. Die königliche Rede vom 14. Oktober, die den Weg zu neuen Mißverständnissen öffnet, entspricht also den Auffassungen des Ministerpräsidenten, eines Teils des Kabinetts und eines Teils der soziahstischen Minister. Daß alle sozialistischen Minister mit der neuen Politik einverstanden sind, ist höchst unwahrscheinlich: die sozialistische Parteipresse Belgiens lehnt sie mit großer Entschiedenheit ab. Einem redaktionellen Artikel des»Peuple«, der diese Ablehnung eindeutig zum Ausdruck brachte, folgte ein Aufsatz de Brouckeres, der bei aller Zurückhaltung in der Form an sachlicher Schärfe nicht zu überbieten ist. De Brouk- kere weist nach, daß Belgien ohne Bruch seiner Vertragspflichten die neue Politik gar nicht durchführen kann, und daß diese neue Politik die Sicherheit des Landes nicht stärkt, sondern schwächt. Gibt sie doch Frankreich das Recht, Belgien im Kriegsfall preiszugeben und erst hinter der belgisch-französischen Grenze den deutschen Angriff abzuwehren! In Frankreich wirkt sich die Königsrede als ein schwerer Schlag gegen die Volksfront aus. Man fürchtet, daß andere Staaten dem Beispiel Belgiens folgen werden und macht die Regierung Blum für das drohende Mißgeschick verantwortlich. Kommt es einmal zum Krieg, so wird sich kein Mensch mehr um den Fetzen Papier kümmern, auf den die Königsrede gedruckt ist. Niemand kann im Zweifel darüber sein, wo Belgien dann stehen wird. In der Kammer wird die neue Militärvorlage leichter passieren, wenn der rexist ischen und flämischen Opposition das Argument aus der Hand gewunden ist, man mute dem belgischen Volke zu, sich für Frankreich und Sowjetrußland zu opfern. Aber die Verwirrung, die zugleich in die europäische Gesamtlage sowie in die belgischen und französischen Regierungsverhältnisse gebracht worden ist, wiegt diesen kleinen Gewinn vielfach auf. Man denke, die belgische Regierung beschließt eine Militärvorlage, die sich offenkundig und ausdrücklich gegen das Dritte Reich wendet, begründet sie aber so, daß Berlin darüber in Jubel ausbricht! Wahrlich, die Welt wird mit jedem Tage verrückter! Außenminister Eden, nicht veranlassen, einen entscheidenden Schritt zur Wiederherstellung verfassungsmäßiger Zustände in Danzig zu tun. Die Beratung der Frage der Neuwahl wurde aufgeschoben, dem Senat wurden— zum wievielten Male erfolglos?— allgemeine Empfehlungen zur Aen- derung seiner Politik aufgetragen und die Danziger Bevölkerung ihrem Schicksal, das heißt, den Drangsalierungen der Nazis, überlassen. Die Wirkung der abessinischen Katastrophe Der gewaltige Prestigeverlust, den der Völkerbund in der Danziger und in der Abessinien-Frage erlitten hat, haben das Hitler-Regime denn auch zu seinem letz- tm großen Vorstoß in Danzig direkt veranlaßt. Seit der Völkerbundstagung im Mai 1936 folgte Schlag auf Schlag. Der ungeheuren Terrorwelle, die im Juni d. J. einsetzte, den systematischen blutigen Ueberfällen auf nichtnationalsozialistische Versammlungen, bei denen viele Verletzte und sogar Tote registriert wurden, der Niederknüttelung Andersdenkender auf offener Straße, dem Sturm auf die Landarbeiterwohnungen in vielen Orten des Freistaates— Polizei und Justiz ließ das alles unberührt— all diesen Verfolgen folgte ein allgemeines Versammlungsverbot, selbst für Mitglieder- und Vertrauensmänner-Versammlungen, das freilich sehr bald nur gegen nichtnationalsozialistische Versammlungen angewandt wurde. Im Juli wurden dann sämtliche nichtnationalsozialistischen Zeitungen, die sozialdemokratische»Danziger Volksstimme«, die katholische»Danziger Volkszeitung«, die deutschnationale»Nationale Zeitung« und das jüdische»Echo« auf die Dauer von 5 bis 10 Monaten verboten. Und seit jenen Tagen ist jedes Flugblatt, jedes Mitteilungsblatt nichtnationalsozialistischen Inhalts beschlagnahmt worden. Die Gründe, die für diese Maßnahmen angeführt wurden, verursachten den Behörden keine Skrupel. Der unerhörte Ton, in dem der Danziger Senatspräsident Greiser dann in der außerordentlichen Ratstagung im Juli seine voller Beleidigungen strotzende, gegen den Hohen Kommissar Lester, den Völkerbund und gegen die übergroße Mehrheit der Danziger Bevölkerung gerichtete Rede hielt, und die offene Ankündigung des Bruchs des Statuts der Freien Stadt Danzig führten den Mächten schließlich den ganzen Ernst der Danziger Frage vor Augen. Herr Greiser, der dem Völkerbundsrat die lange Nase zeigte, war nicht nur irgendein Rüpel, jene charakteristische Geste war die Fratze des Hitler-Faschismus, der eine neue Brandfackel in Europa zur Entzündung brachte. Die unter Bruch der Verträge durchgeführte Aufrüstung des Dritten Reichs, die Militarisierung des Rheinlandes, der Anschlag auf Danzig, das sind nur Etappen auf dem Wege des systematischen Rechtsbruchs und eine Folge des ständigen Zurücbweichens der großen Demokratien, vor allem Englands, vor dem Rechtsbrecher. In seiner letzten Sitzung im September d. J. stand die Danziger Frage wieder auf der Tagesordnung des Rats. Ein neuer alarmierender Bericht des Hohen Kommissars lag vor. Man hat ihn öffentlich jedoch nicht behandelt; auch die Frage der Neuwahl kam nicht zur Sprache. Der Hohe Kommissar Lesterwurde abberufen und zum zweiten Generalsekretär des Völkerbundes ernannt, ein Amt, das gewiß seinen großen politischen Fähigkeiten entspricht, und in dem er weiter mit der Danziger Frage beschäftigt bleibt. Aber die Nazis jubelten: der objektive Richter weüt nur noch auf Abruf in Danzig; und die Danziger Bevölkerung, die den Verlust Lesters in seiner ganzen Bedeutimg wohl einzuschätzen weiß, fühlt sich den Nationalsozialisten nur um so sicherer ausgeliefert. Sie glaubt, den Beweis für die Richtigkeit ihrer Empfindungen bereits erhalten zu haben... Die Kampfansage an den Völkerbund Unbekümmert um das erneute Bekenntnis des Völkerbundsrats zu seiner Pflicht, für die Unversehrtheit der Danziger Verfassung einzustehen, unbekümmert um die erneute einmütige Vertrauenskundgebung für den Hohen Kommissar, unbekümmert selbst der Tatsache, daß man Polen mit der Prüfung der Danziger Frage besonders betraute, einen Dreierausschuß, bestehend aus Vertretern Englands, Frankreichs und Schwedens einsetze, der dauernd npt der Danziger Frage befaßt bleiben soll, unbekümmert auch des Ratsbeschlusses, wonach im Falle von Gefahr eine außerordentliche Ratssitzung wegen Danzig einberufen werden soll, hat der Danziger Senat sich angeschickt, durch erhöhten verfassungswidrigen Druck auf die Bevölkerung, durch Ankurbelung aller möglichen terroristischen Unternehmungen, durch Massenverhaftungen und schließlich durch das Verbot der Sozialdemokratischen Partei vollendete Tatsachen zu schaffen. Er will, wenn auch nicht formal,— dazu würde es einer Zweidrittelmehrheit im Danziger Volkstag bedürfen— so doch tatsächlich die Danziger Verfassung außer Kraft setzen. Zur Zeit befinden sich 120 Sozialdemokraten in Schutzhaft, zahlreiche andere in Strafhaft, das Vermögen der Partei und aller anderen Arbeiterorganisationen wurde beschlagnahmt, und schon beginnen die Aktionen gegen das Zentrum und die Deutschnationalen. Der Nachfolger des von der Führung der Deutschnationalen Volkspartei zurückgetretenen Rechtsanwalts Weise, der frühere Senator Dr. Blavier, ist von der Polizei in Schutzhaft genommen worden, und die Versammlungen des Zentrums sind dem ungehinderten Terror der SA ausgesetzt. Der polnischen Regierung, die wegen ihres besonderen Auftrags nun zunächst das entscheidende Wort in der Danziger Frage zu sprechen haben wird, ist der Ernst der Situation seit Jahren genau bekannt. Sie weiß, daß der innerpolitische Kampf in Danzig eine für Polen sehr wichtige außenpolitische Erscheinung darstellt, sie weiß, daß die Verfassung einen Teil des Statuts der Freien Stadt Danzig bedeutet, dessen Unversehrtheit für die Stellung Polens in Danzig— auf dessen Hafen sie bisher trotz Gdingen nicht verzichten wollte, und dessen strategische Bedeutung für Polen außer allem Zweifel stehen dürfte— lebenswichtig ist. Schon jetzt aber hat der Senatspräsident Greiser in einer Versammlnngsrede erklärt, daß der Senat auf polnische Interventionen in Danziger innerpoiitf- schen Fragen genau so wenig reagieren werde wie auf die Interventionen des Völkerbundes. Es ist nicht anzunehmen, daß Greiser diese Erklärung ohne Weisungen aus Berlin abgegeben hat. Wenn dem aber so ist, so kann Danzig zu einem Stein des Anstoßes im deutsch-polnischen Verhältnis werden, und die Lösung der Danziger Frage, nach welcher Richtung sie auch erfolgt, einen deutsch-polnischen Machtkampf in seinem vorläufigen Ausgang präjudizieren. Die Taktik der Nationalsozialisten ist klar. Sie werden bereit sein, der polnischen Regierung in gewissen Fragen, die direkte polnische Interessen in Danzig berühren— vorläufig—. entgegenzukommen, wenn Polen seinerseits in die Niederlage des Völkerbundes in der Danziger Verfas- sungsfrage— Polen ist ein treues Mitglied des Völkerbundes— einwilligt. Minister Beck hat in seinen jüngstes Besprechungen mit Eden und L6on Blum die Danziger Frage gewiß berührt. Ob schon die Linie der polnischen Politik, die heute mit der Völkerbundspolitik in Danzig identisch sein dürfte, bestimmt ist, ist bis heute nicht zu übersehen. Sollte sie aber ein Zurückweichen bedeuten, so liegt der erneute Prestigeverlust des Völkerbundes klar zutage. Damit wären nicht nur die Rechte der Danziger Bevölkerung verloren, sondern auch eine Niederlage des Rechtsgedankens in der Welt und ein weiterer Triumph des Hitler-Faschismus auf dem Wege des Rechtsbruchs dokumentiert, »Hier sprldii Moskau« Unter dieser marktschreierischen Ueber- schrift bringt die»Dentscbe Revolution«, das Organ des Herrn Dr. Otto Strasser, eine Notiz Uber die letzte Nummer der »Zeitschrift für Sozialismus«, die den Artikel von Paul Sering enthält:»Was ist der Volkssozialismus?« Genosse Hertz, der in dieser Notiz persönlich angegriffen wird, hat den verantwortlichen Redakteur der»Deutschen Revolution« aufgefordert, folgende Berichtigung zu veröifentlichen: 1. Es ist unwahr, daß die»Zeltschrift für Sozialismus« inoffiziell in den Privatbesitz des Herrn Hertz übergegangen ist. Wahr ist, daß alle Nuramern der»Zeitschrift für Sozialismus« bei der Verlags- ansJalt Grapbia in Karlsbad erschienen sind. 2. Unwahr ist, daß ich die»Zeitschrift für Sozialismus« mit Geldern von »dritter Seite« neu belebt habe. Wahr Ist, daß für die»Zeitschrift für Sozialismus« keinerlei Gelder von dritter Seite zur Verfügung stehen. 8. Unwahr ist, daß diese»dritte Seite« identisch ist mit der HI. Internationale. Wahr ist, daß ich niemals von der IH. Internationale, noch von einer mit ihr In Verbindung stehenden Stelle Gelder für die»Zeitschrift für Soziallsmus«, noch für irgend einen anderen politischen Zweck angeboten erhalten oder in Empfang genommen habe. Deutsche Streiflichter Die Hilfsaktion für Spanien und die SAI Die Sozialistische Arbeiter-In- ternationale und der Internationale Gewerkschaftsbund haben unmittelbar nach dem Ausbruch des Aufstandes der rebellierenden Generäle zu der Lage in Spanien in gemeinsamer Konferenz Stellung genommen und die Hilfsaktion für Spanien aus den Kräften der Arbeiterbewegung organisiert. Dem ersten Aufrufe vom 28. Juli folgten wiederholte Beratungen der Präsidien der beiden Internationalen und schließlich eine große Konferenz, die in Paris am 28. September abgehalten wurde und die zu der durch die Vertragsverletzungen Portugals, Italiens und Deutschlands geschaffenen Lage in einer Resolution Stellung nahm. In dieser Konferenz, die auf Wunsch des spanischen Gewerkschaftsbundes einberufen wurde, haben der Sekretär des spanischen Gewerkschaftsbundes, Pascual Tomas, und der Vizepräsident der spanischen Sozialistischen Partei, Luis Jimenez de A s u a, eingehende Referate erstattet. Der Internationale Solidaritätsfonds, der von den beiden Internationalen beauftragt wurde, die praktische Hilfe für die spanische Arbeiterschaft durchzuführen, hat in seinen Sammlungen in den verschiedenen Ländern über alle Erwartungen große Resultate erzielt. Die Hilfsaktion wurde im Einvernehmen mit dem spanischen Gewerkschaftsbund und der spanischen Sozialistischen Partei durch wiederholte Delegationen nach Spanien organisiert. Gegenwärtig ist wiederum eine Sendung von 100 Tonnen(100.000 kg) an jenen Lebensmitteln. Kleidungsstücken und pharmazeutischen Produkten unterwegs, die von den Vertretern der spanischen Arbeiterschaft als besonders wichtig bezeichnet wurden. Parallel mit den Aktionen der Sozialistischen Arbeiter-Internationale und des Internationalen Gewerkschaftsbundes wurden selbstverständlich auch von den kommunistischen Organisationen, insbesondere von der Roten Hilfe, Hilfsaktionen in Angriff genommen. Daneben wurden von Körperschaften, die unter vorwiegend kommunistischem Einfluß stehen, auch politische Aktionen in die Wege geleitet. Die Sozialistische Arbeiter-Internationale und der Internationale Gewerkschaftsbund haben ihr Augenmerk darauf gerichtet, daß die von kommunistischer Seite ausgehenden Aktionen sich im Sinne einer Ergänzung und nicht »in«r Durchkreuzung der von ihnen unternommenen Hilfsaktionen auswirke, und das •>s.>irr.i.Tri an Hilfe für Spanien erzielt werde. Die Kommunistische Internationale hat nun durch Ihre Vertreter C a- c h l n und T h o r e z den Präsidenten und Sekretär der Sozialistischen Arbeiter-Internationale, de Broucköre und Adler, zu einer Besprechung Uber die gemeinsame Aktion für Spanien eingeladen. Diese Besprechung fand am 14. Oktober In Paris statt. Die Vertreter der Kommunistischen Internationale formulierten in 5 Punkten, auf welchen Gebieten eine gemeinsame Aktion der Kommunistischen Internationale, der Sozialistischen Arbeiter-Internationale und des In- Dep Mangel: Aus dem Briefe eines deutschen Geschäftsmannes:»Letzte Woche brachte ich meine Verwandten von...(deutsche Mittelstadt) nach...(deutsche Großstadt). Der Umzug war notwendig, weil das rein arische Geschäft ruiniert ist. Ein Anhänger zum Möbelwagen konnte wegen fehlender Reifen nicht geliefert werden. Ich ging selber ans Telefon, um verschiedene Firmen anzurufen und bot hohe Ueberpreise, aber es war vergebens. Im Lande des neuen Vierjahresplanes waren die Lastwagenreifen nicht aufzutreiben, wenigstens nicht In der Zeit, die uns zur Verfügung stand: also expedierten wir den Rest per Bahn. Am Bestimmungsort angekommen, wollten wir uns stärken, aber es gab in dieser Woche weder Rind- noch Schweinefleisch, höchstens hintenherum. Für Kalbsschnitzel bezahlten wir beim Metzger 3 Reichsmark für das Pfund. Um wieviel hundert Prozent das über dem Höchstpreis liegt, weiß ich nicht, aber jedenfalls gaben wir den Betrag, um wenigstens eine anständige Mahlzeit zu erhalten. Vorher hatten wir schon unsere Beziehungen für Eher spielen lassen, konnten aber auch nur 3 Stück zu dem hübschen Preise von 16 Pfennigen pro Exemplar auftreiben und der »Größe« nach scheinen die Hühner nicht felddienstfähig gewesen zu sein. Neulich passierte mir auch wieder, daß ich im Hotel in Saarbrücken keine Butter bekommen konnte; für die Rückreise brachte ich sie mir von dem wenige Kilometer entfernten französischen Forbach mit Im Textilhandel dringt jetzt die Ersatzware immer weiter vor. Die Kundschaft ist sehr mißtrauisch und verlangt von dem Verkäufer Zusicherungen, die aber niemand geben kann, weil jede Erfahrung fehlt. Auch In Nebenbranchen ist das Fehlen guter Ware abscheulich. Freund ..., der in Kapok, Seegras und Bettfedern reist, zeigte mir in seinem Büro, daß seit längerer Zeit nur knapp ein Drittel der Aufträge ausgeführt werden können. Bei all dem können Sie sich die Stimmung der Leute denken, und so glaube ich denn wirklich, daß Ihre Beurteilung der Lage allzu vorsichtig ist und man mit einer schnelleren Bewegung gegen' das jetzige System rechnen muß, wenn Ich auch zugebe, daß von einer politischen Sammlung der allgemeinen Unzufriedenheit noch wenig zu spüren ist, aber daß der jetzige Schwindel nicht mehr lange so weiter gehen kann, wird doch mehr und mehr erkannt und übrigens wächst allmählich auch die Furcht, daß Hitler eines Tages mit seinen Drohungen gegen Rußland Ernst machen könnte. Ich wäre wirklich froh, wenn Ich, wie so viele Juden einigermaßen heil ins Ausland gehen könnte, und gerade als Arier sage ich Ihnen, daß ich die Juden in Deutschland alle für In Gefahr befindlich erachte, denn eines Tages wird sicher die Volkswut über die Zustände wieder auf die Juden abgelenkt werden...« Passive Resistenz Neun Zehntel des deutschen Volkes glauben den nationalsozialistischen Zeitungen nichts mehr, am wenigstens die Auflageziffern, die sie auf Grund des Preßgesetzes in jeder Nummer angeben müssen, und die in eiserner Stabilität erscheinen. Immerhin wagt man steigende Auflagen nicht mehr vorzutäuschen. Echt sind nur die Veröffentlichungen der Auflageziffern von Zeltungen, die im nationalsozialistischen Sprachgebrauch »bürgerlich« heißen, denn sie müssen sich vor den Nazispionen fürchten. Auch diese Blätter jedoch, obwohl sie die Sympathie welter antlnationalsozialistischer Kreise genießen, können bei dem allgemeinen Zwang zur Sparsamkeit ihre Auflagen nicht mehr steigern. Die nun im Gang befindliche Zeitungswerbung, für die sogar die Post mit jedem Stempel Propaganda gemacht hat, stößt heuer, wie Beobachter aus verschiedenen Teilen des Reichs bekunden, auf klaren passiven Widerstand der Bevölkerung, der auch dadurch erleichtert wird, daß neben der Tagesprease zahlreiche Fachzeitungen und Partei-Wochenschriften sich auf die Leser stürzen. Diese suchen sich das billigste Papier aus und weisen vielfach die Nazi-Tageszeitung ab. Kennzeichnend ist, daß es auch dem Kampfblatt der Obersten SA-Führung»Der SA- Mann« nach dem Auftreten seiner Werber sehr schlecht gehen muß. Manche Werber machen aus ihren Schwierigkeiten, ihr Blatt an den Mann zu bringen, kein Hehl. Sehr fest gegen die nationalsozialistische Presse zeigt sich der allerdings zusammengeschmolzene Teil des katholischen Volks, der den früher katholischen Provinz- und Lokalzeitungen die Treue hält. Es scheinen von der Geistlichkeit Anweisungen gegeben zu sein, ■wie die auf Nazizeitungen angesprochenen Katholiken unter Berufung auf Führerworte sich der lästigen Werber erwehren können, z. B. durch den Hinweis auf den ortsansäßigen Zeitungsbetrieb und die Gefahr einer Vermehrung der Arbeitslosigkeit bei dem Zugrundegehen des Lokalblattes. Selbst die Nazipresse gibt das Versagen der diesjährigen Werbeaktion 2m. Die Bevölkerung muß sich wirklich schon allerband gegen die nationalsozialistischen Zeltungsschnorrer herausnehmen, denn Im»Westdeutschen Beobachter«(Nr. 505) berichtet einer, daß ihn eine Pensionsinhaberin in einem Kurort, der nach wie vor sehr schwarzen Eifel mit den Worten heimgeschickt habe:»Die nationaisozialistisahe Zeitung haben wir zwar kurze Zelt bekommen, aber nie gelesen. Sie flog stets gleich nach ihrem Eintreffen in den Ofen. Solche Hetze kann man doch nicht mitmachen. Wir haben diese und auch eine andere Zeitung, die wir einmal hatten, abbestellt, und wir halten nun überhaupt keine Zeitung mehr.« Und der Einsender und mit ihm das größte Nazi- Provinzblatt fordern nicht einmal Konzentrationslager für die Uebeltäterin, sondern nur die doch etwas schwache Drohung, daß die Verweigerer nationalsozialistischer Zeitungskost»eines Tages« öffentlich gekennzeichnet werden müßten. Bis dabin wird aber der passive Widerstand so gewachsen sein, daß die Nazipresse ganze Adreßbücher abdrucken mußte, und das würde wirklich nicht sehr werbend sein, wenigstens nicht für das Zeitungsgeschäft des Herrn Adolf Hitler. Was sdion möglich ist In der rheinischen Ortschaft Külz im Hunarück hat der Vorstand der Molkereigenossenschaft einem Sturmbannführer gekündigt, und zwar mit der klaren Begründung, daß sie eine Bürokraft brauche, die nicht nur nebenamtlich zur Verfügung stehe und die Hauptkraft der SA widme. Das gab die Molkereigenossenschaft dem»Alten Kämpfer« schriftlich und schloß, um den Hohn zu vollenden den Kündigungsbrief mit dem Gruße»Heil Hitler!« Der Gekündigte versuchte zunächst nazistisch schillernde Genossenschaftsmitglieder für sich zu gewinnen, aber erfolglos. Auch die Macht der Partei reichte nicht aus, um den Vorstand zur Zurücknahme der Kündigung zu bewegen. Jetzt hat die»Außenstelle für die Rheinischen Höhengebiete« dem Vorstand der Molkereigenossenschaft ihren allerhöchsten Unwillen zum Ausdruck gebracht. Die Kündigung lasse jedes nationalsozialistische Empfinden vermissen, ein Gefühl, das im Huns- rück nur noch sehr wenige Menschen für sich in Anspruch nehmen. Der Molkereivorstand wird aufgefordert, seine Aemter niederzulegen. Ob er das tun wird, steht im Augenblick noch dahin. Jedenfalls kann in diesem Teile Westdeutschlands die herrschende Staatspartei nicht mehr wagen, die Gewalt- und Prangermaßnahmen gegen den bäuerlichen Widerstand anzuwenden, die sie gar zu gerne praktizieren möchte. Der BeDelsoz!alismu$ Die dröhnende Rede des persönlich größten Verdieners an der deutschen Staatsumwälzung gegen den»gemeinen Egoismus« der anderen wird nichts an dem nun sehr allgemeinen Mißtrauen gegen die Verteilungswirtschaft des Winterhilfswerks ändern. In jedem deutschen Ort ist der nazistische Korruptionsgestank so stark, daß niemand mehr den Leuten einreden kann, ausgerechnet das Winterhilfswerk sei außerhalb der Pestilenz. Die allgemeine Schiebung und Veruntreuung wird dadurch erleichtert, daß auch nicht die Spur von Richtlinien dafür vorhanden ist, wer als hilfsbedürftig zu gelten hat. Ein nationalsozialistischer Schriftsteller hat dieser Tage in einem Aufsatze dargelegt, hilfsbedürftig im Sinne des Winterhilfswerks seien alle, deren Einkommen die Unterstützungssätze der Wohlfahrtsämter um nicht mehr als 50 Prozent übersteigen, also wirklich Leute in elenden Verhältnissen. Prompt wird nun in der deutschen Presse»von zuständiger Seite« darauf erwidert, daß es eine allgemeine Festsetzung des Kreises der Hilfsbedürftigen nicht gebe. Ueber die Hilfsbedürftigkeit im Sinne des Winterhilfswerks werde vielmehr in jedem einzelnen Falle nach den besonderen Verhältnissen durch die Ortsbeauftragten des WHW entschieden. Eis entscheidet also zuletzt der lokale Parteityrann. Die Winterhilfsgelder werden von einem System erpreßt, das Sozialdemokraten und Kommunisten für mehrere Jahre ins Zuchthaus steckt, nur well sie ein paar Mark für die hungernden Familien von eingesperrten Gesinnungsfreunden gesammelt haben, und die Winterfhllf sg el d er werden verteilt von Leuten, die durchwegs von fanatischem Haß gegen alle Andersdenkenden erfüllt und außerdem gewöhnt sind, privatem Nutzem aus öffentlichen Mitteln zu ziehen. Hannes Wink. ternationalen Gewerkschaftsbundes erzielt werden sollte: Mobilisierung der öffentlichen Meinung zugunsten Spaniens, Aufhebung des Nioht-Interventionsvertrages, Verhinderung der Waffenlieferung an die Rebellen, Versorgung mit Lebensmitteln, Kleidern und Medikamenten, Hilfe für Frauen und Kinder. Diese gemeinsamen Aktionen sollten durch eine gemeinsame Konferenz in die Wege geleitet werden. In seiner Beantwortung dieser Vorschläge legte der Präsident der SAI. de Brouckäre, dar, daß in der Sache selbst keinerlei Differenzen zwischen den Kommunisten und Sozialisten bestehen, daß alle diese vorgeschlagenen Aktionen bereits im Gange seien und die vom Internationalen Gewerkschaftsbunde und der Sozialistischen Arbeiter-Internationale unternommenen Aktionen sowohl in der politischen Richtung als auch in praktischer Hilfstätigkeit die Anerkennung der spanischen Arbeiterbewegung und auch der Kommunisten gefunden haben. Es wäre also nötig, diese Aktionen wie bisher parallel weiterzuführen und sich eventuell in gewissen konkreten Binzelfragen über die Durchführung zu verständigen. Es könnte aber nichts durch die Veranstaltung einer Konferenz gewonnen werden, die mit allen bekannten, durch die politischen Schwierigkelten von Jahrzehnten entstandenen Differenzen belastet wäre. Diese Differenzen haben mit der Hilfe für Spanien, über die Einigkeit bestehe, nichts zu tun. Die Vertreter der Sozialistischen Arbeiter-Internationale halten die Lage für die Einberufung einer derartigen Konferenz nicht für geeignet, sondern sie sind der Ueberzeugung, daß das Maximum der Hilfe für Spanien geleistet werden kann, wenn man die nun durch mehr als zwei Monate geführten Aktionen in der bisherigen Form aber mit noch verstärkter Kraft weiterführe, also an dem System der parallelen Aktionen festhalte. Auswirkung der Rassengese�e In der»Deutschen Justiz« teilt Land- gerichtsrat Dr. Kuhn vom Reichsjustizministerium über die Auswirkung der Nürnberger Rassengesetze folgende Ziffern mit; Von den wegen des Deliktes der»Rassenschande« bisher rechtskräftig Verurteilten waren 17,8% deutschblütlg und 82,2% Juden. Von den jetzt strafbaren Beziehungen hatten bei den deutschen Angeklagten sieben Achtel, bei den jüdischen Angeklagten vier Fünftel schon vor Erlaß der Nürn- berger Gesetze bestanden. Damit kennzeichnet sich der barbarische Wahnsinn dieser Gesetzgebung selber. Man hat— von wenigen Ausnahmen abgesehen— längst miteinander verbundene Menschen auseinandergerissen, harmlose und unbescholtene Liebende für ihr Leben unglücklich gemacht. Die Fälle der»neuen« Rassenschande fallen demgegenüber um so weniger in« Gewicht, als es sich hier vielfach um Verkehr mit Prostituierten handelt. Ausdrücklich wird bemerkt, daß dieser Umstand für die Strafbarkelt keine Rolle spiele. »Ohne klare Zielse�ung« In Berlin tagten die»Lektoren für das wirtschaftspolitische S ch r l f 1 1 u m« Der Gauwirtschaftsberater des Gaues Groß-Berlin der NSDAP, Professor Dr. H u n k e. begrüßte sie und sagte in seiner Rede: »Die wirtschaftspolitischen Schriften, die heute wirklich empfohlen werden können, sind an der Hand abzuzählen. Das liegt daran, daß die meisten dieser Schriften ohne klare wirt- scbaf tspolitische Zielsetzung sind.« Liegt das im Dritten Reiche wirklich nur an den Schriften? Sdiadit lustlos Die weltwirlsdiahlidie Selbstfblockade des Systems In älteren Marktberichten konnte man manchmal lesen:»Schweine lustlose. Heute kann man aus Deutschland melden:»Nationalsozialistische Wirtschaftsführer lustlos.« Es ist ja auch schlimm. Da hat sich zwischen England, Frankreich und den Vereinigten Staaten eine immerhin nicht unwichtige Verständigung über die Währungsfrage zugetragen, der sich die Schweiz und Holland angeschlossen haben. Da ist die Möglichkeit gegeben, daß in den für den Welthandel entscheidenden Teil der Welt auch die Handelshemmnisse abgebaut werden können und der gegenseitige Güterverkehr gesteigert werden wird. Deutschland aber bleibt weltwirtschaftlich völlig isoliert, wird nicht gefragt, muß beiseite stehen und kann nichts tun als schimpfen. Diese Isolierung wird noch dazu in einem Augenblick offenbar, in dem die wirtschaftlichen Spannungen außerordentlich zunehmen. In der Innenwirtschaft droht das Verhältnis zwischen Löhnen und Preisen unhaltbar zu werden. Nachdem drei Jahre lang gelogen worden ist, daß das Preisniveau im großen und ganzen stabil geblieben sei, veröffentlicht jetzt die»Deutsche Arbeitskorrespondenz« einen Artikel mit dem sensationellen Geständnis: »Alles teuerer geworden.« Nach der Feststellung, daß die Löhne in der Tat gleich geblieben seien— eine Schönfärberei, denn in Wirklichkeit sind die Löhne bis auf die wenigen Facharbeiterkategorien seit Hitler ununterbrochen gedrückt worden, heißt es in dem Artikel weiter: »Anders steht es mit den Preisen. Hier ist das bis vor kurzem noch nahezu unveränderte Niveau In den letzten Monaten 1 n eine für jeden spürbare Bewegung geraten, die um so ansteckender wlrtct, als keiner bei der allgemeinen Auflockerung der Preise der Letzte sein will, den hinterher die Hunde beißen. Von der Gemüsefrau bis zur Penaionslnhaberin, vom Schlächter bis zur Putzmacherin behaupten alle samt und sonders, sie müßten höhere Preise haben,»denn alles sei teurer gewor- denc Auf die Frage, was oder wer denn dieses»alles« sei, bleiben sie einem freilich die Antwort meist schuldig(?). Immerbin: ein Kell treibt den anderen. Und die mit der PreLsüberwaohung beauftragten Stellen sollten nachgerade etwas energischer zugreifen. Auch würde das Statistische Reiohsamt seinen sonstigen Verdiensten dn weiteres hinzufügen, wenn es sobald wie möglich eine einmalige Repräsentativstatistik eines Arbeiterhaushalts durohfuhren würde. Wahrscheinlich würden sich hierbei recht unerwartete Feststellungen ergeben. Mögen aiuoh dank der Marktordnung de« Reichsnährstandes und der Festpreise der Kartelle che Preise der wichtigsten Lebenagüter stabil geworden sein(in Wirklichkeit hat der Reichsnährstand gerade die notwendigen Lebensmittel exorbitant verteuert. R. K.), so trifft dies doch für alle übrigen Güter des täglichen Bedarfs mir noch in sehr beschränktem Umfang- zu. Die Erhaltung der Kaufkraft der breiten Massen aber ist die wichtigste Aufgabe, die es neben der Rohstoffversorgung zur Zeit zu lösen gilt.« Dabei handelt es sich aber gar nicht mehr allein darum, daß die Preise infolge der nationalsozialistischen Kriegswirtschaftspolitik immer weiter steigern, daß der Reallohn fällt und die Verelendung fortschreitet, sondern um das viel akutere Problem, daß auch zu den erhöhten Preisen die wichtigsten Nahrungsmittel für kürzere oder längere Zeit, aber in immer wiederkehrenden und sich ausdehnenden Perioden, überhaupt nicht zu haben sind. Den Grund haben Hitler und Heß genannt: sen auch in der Zeit geringster Arbeitslosigkeit nie Fett- und Fleisch-, und Butter- und Eiermangel gegeben hat, nicht darauf, daß z. B. in Schweden, wo die Arbeitslosigkeit noch geringer ist als sie für Deutschland die schönfärbende Statistik ausweist, die Reallöhne unvergleichlich höher als in Deutschland sind und irgendwelche Versorgungsschwierigkeiten natürlich nicht existieren, obwohl das Land auch keine Kolonien besitzt, es genügt schon irgend ein Blick auf die Verbrauchsstatistik, um die Haltlosigkeit der Hit- lerschen Entdeckung nachzuweisen, daß die deutsche Armut von dem Reichtum der deutschen Arbeiter und Konsumenten herrührt. Nach den Mitteilungen des Statistischen Reichsamts stellte sich der Fleischanfall im August insgesamt auf 1,93 Mill. dz.; das entspricht einer Menge von 2,88 kg je Kopf der Bevölkerung. Im Juli betrug der Verbrauch je Kopf 3,39 kg. Das ist ein Rückgang um 15 Prozent Im August 1935 betrug der Verbrauch 3,9 kg, obwohl auch damals Fleischknappheit bestand. Verglichen mit dem August 1934 beträgt aber der Rückgang nicht weniger als 25 Prozent! Diese Einschränkimg des Fleischkonsums trifft im wesentlichen die Minderbemittelten, die auf Schweine- und in geringerem Maße auf Rindfleisch angewiesen sind; die Begüterten konnten sich mit Hammel- und Kalbfleisch helfen, für das bis vor kurzem keine Festpreise und Schlachtbeschränkungen bestanden. Da die Kälberpreise infolgedessen etwa das Doppelte des Vorkriegsstandes erreicht haben, wurden die Kälber übermäßig abgeschlachtet und auf den Markt gebracht. Schließlich hats sogar der Darre gemerkt, daß dadurch die Rinderaufzucht gefährdet wird; er hat jetzt eine Kontingentierung der Schlachtungen auf 80 Prozent verfügt und Festpreise eingeführt, mit dem Erfolg freilich, daß jetzt auch eine Knappheit an Kalbfleisch zu erwarten ist, während das Rindfleischangebot infolge der Wirkung der Bestandsdezimierung durch den Kälbermord noch auf lange Zeit ungenügend bleiben wird. Nun bleibt aber die Versorgung mit Futtergetreide im neuen Erntejahr um 2 Mill. Tonnen oder um ein Fünftel des Bedarfs hinter den Verbrauchsziffern des letzten Jahres zurück. Dadurch wird die Aufrechterhaltung des augenblicklich noch großen Schweinebestandes unmöglich, da selbst eine gute Kartoffelernte nur einen Teil des Defizits ausgleichen könnte, so daß schon jetzt eine neue und schärfere Knappheit an Schweinefleisch nach einer Uebergangszeit, während der die Schweine wegen der Futterknappheit im verstärkten Maße abgestoßen werden, vorausgesagt werden kann. Die Schwierigkeiten der inneren Wirtschaftspolitik ließen sich nur meistern, wenn die Außenhandelsbeziehungen die Aussicht eröffneten, den von Hitler und Darre produzierten Nahrungsmangel durch vermehrte Einfuhr der fehlenden Emährungs-Rohstoffe decken zu können. Aber der Bericht über den Außenhandel im September zeigt einen neuen Rückgang der Einfuhr gegenüber dem Vormonat um 10 Mill. RM auf 336 Mill. Die Rohstoffeinfuhr ist um 7,2 Mill., die Fertigwareneinfuhr um 2,2 Mill. gesunken. Ist schon die Unmöglichkeit, die Einfuhr zu heben, bedenklich genug, so wird die Situation noch dadurch bedenklicher, daß sich auch die Ausfuhr entgegen der Saisontendenz nur ganz unerheblich um 3 Millionen auf 412 Millionen gegenüber August vermehrt hat. Das bezeichnet der amtliche Bericht selbst als nicht befriedigend, da die Vermehrung ausschließlich auf eine Erhöhung des Ausfuhr-Durchschnittswertes zurückzuführen sei, während die im Kanonen sind ihnen wichtiger Herbst übliche Saisonbelebung daran kei- als Butter. Die Kriegsvorbereitung! nen Anteil gehabt habe. Während die Auskann nur weiter forciert werden, wenn ein 1 fuhrsteigerung vom August zum Septem- überproportionaler, die deutsche Wirtschaftskraft übersteigender Anteil für die Kriegsproduktion verwendet wird, die Konsummittelproduktion aber und ebenso die Herstellung von Exportgütem, die zum Austausch von Lebensmitteln verwendet werden können, eingeschränkt wird. Es ist jedoch eine glatte Lüge, wenn von ihnen immer wieder behauptet wird, durch den Rückgang der Arbeitslosigkeit sei der Konsum so gestiegen, daß der»vorübergehende Mangel« erklärlich sei. Man braucht gar nicht darauf zu verweisen, daß es seit Aufhebung der Kriegsblockade in Deutschland bei viel besserer Lebenshaltung der Mas- ber in den Jahren 1933 und 1934 noch 5 Prozent, 1935 noch 1,5 Prozent betrug, hat sich der Export diesmal noch nicht um 1 Prozent gehoben. Wenig erfreulich sei es auch, daß die geringfügige Zunahme der Ausfuhr ausschließlich auf Rohstoffe und Halbwaren entfällt, während die Fertigwarenausfuhr sogar um 2,4 Mill. abgenommen hat. Natürlich zeigt dieser»unerfreuliche« Ausweis noch keinen Einfluß der A b- wertungsereignisse. Diese bedeuten aber zweifellos eine weitere Erschwerung des deutschen Exports, während dessen Steigerung jetzt nicht nur für die Fortsetzung der Kriegsrüstung, sondern für die Aufrechterhaltung der Ernährung auch nur mit der reduzierten Hitlerschen»Werktagskost« unerläßlich ist. Kein Wunder, daß Schacht und seine Presse schimpfen und toben— über die Wirtschaftspolitik der anderen natürlich. Daß die anderen Mächte der Währungsverwirrung nach der Erstarrung der internationalen Handelsbeziehungen endlich Einhalt zu tun versuchen, wird als eine Art Attentat auf Deutschland hingestellt, und drohend verlangt Schacht internationale Besprechungen. Deutschland sei eines der stärksten Industrieländer, die Aufnahmefähigkeit seines Marktes sei von entscheidender Wichtigkeit, seine internationalen Handelsund Gläubigerbeziehungen müßten geordnet, seine Rohstoffsorgen behoben werden, wenn die Welt gesunden soll. Aber sein Hilferuf findet kein Echo, ebensowenig wie die Drohung Hitlers mit dem neuen Autarkieplan zum großen Erstaunen der Nationalsozialisten besondere Beachtung gefunden oder die erwartete Beunruhigung ausgelöst hat. Der Grund ist klar genug. Hitler und Schacht ist das Wunder geglückt, die Bedeutung Deutschlands als weltwirtschaftlichen Faktor auf ein Minimum herunterzudrük- k e n. 1929 betrug die deutsche Einfuhr fast 13,5 Milliarden Goldmark, heute ist sie auf kaum etwas mehr als 4 Milliarden zusammengeschrumpft. Das ist ein Betrag, der kaum mehr um ein paar Dutzend vermindert werden könnte, und im Vergleich zu der Welthandelssumme nur noch wenig interessant ist, um so weniger, als die große und echte Erholung in der Welt außerhalb Deutschlands die Absatzschwierigkeiten der meisten Länder erheblich vermindert hat. Dazu kommt aber, daß die wirtschaftszerrüttende deutsche Politik die Aufnahmefähigkeit des deutschen Marktes gar nicht steigern kann, ohne vorher die Produktion von der Rüstungsproduktion auf Konsummittel- und Exportgütererzeugung umzustellen, was die Diktatur nicht will Erleichterung der Handelsbeziehungen mit Deutschland, die nur eine Erleichterung der Kriegsvorbereitung wäre, übt also trotz Schacht keine besondere Anziehungskraft mehr aus. Dasselbe gilt in bezug auf die Schulden. Schacht weist auf die Notwendigkeit der Schuldenregelung hin, auf die Notwendigkeit, den deutschen Export zu erleichtern, wenn sein heißer Wunsch, Zinsen zu zahlen, erfüllt werden soll. Aber auch dieses Problem hat für das Ausland seine Schrecken verloren. Schacht zahlt h e u t e e t w a n o c h 2 5 0 M i 1- Honen RM Zinsen an die deutschen Gläubiger. Auch das ist kein Betrag mehr, der weltwirtschaftlich ins Gewicht fällt, um so mehr, als die Gläubiger große Beträge abgeschrieben haben und der Nominalbetrag von rund etwa 12 Milliarden nur noch mit einigen wenigen Milliarden zu Buch stehen dürfte. Zudem kann Schacht, seine Drohung, diese Zinszahlungen ganz einzustellen, gar nicht verwirklichen. Denn die Gläubigerländer würden in annähernd gleicher Höhe die Einfuhr aus Deutschland drosseln; sie haben ja nur so lange Interesse an einem Ueber- schuß der deutschen Ausfuhr, solange diese dazu dient, die Forderungen der Gläubiger ihres Landes zu begleichen. Was Schacht an Devisen auf der einen Seite gewänne, verlöre er auf der anderen. Schacht kann also in diesen internationalen Verhandlungen nichts bieten, er kann nur fordern. Die Forderungen sind bekannt: Rohstofflager, Kolonien, Anleihen— all das, um die Kriegsvorbereitung stärken zu können. Das hat aber nachgerade selbst diese Nachkriegswelt endlich begriffen. Sie drängt sich keineswegs zu dem so heiß ersehnten Gespräch und deshalb ist Schacht so lustlos. Dr. Richard Kern. Gefährlldi leben! Besonders gefährlich: die Fleischer »Der Regierungspräsident gibt bekannt: Ein Fleischermeister in Königsberg hat in größeren Mengen Rind- und Schweinefleisch unter Umgehung des Schlachtviehmarktes und des Schlachthofes in Königsberg eingeführt, offenbar in der Absicht, dadurch andere Fleischermeister zu schädigen. Ich habe mich daher veranlaßt gesehen, den in Frage kommenden Fleischereibetrieb auf die Dauer von drei Tagen zu schlle- ß e n.< (»Preußische Zeitung«, Nr. 258) »Im Zusammenhaag mit den Verknappungen auf dem Fleiscbmarkt ist es vorgekommen, da.Q böswillige Elemente die festgesetzten Preise nicht innegehalten haben. Der kommissarische Landesbauem- führer von Oldenburg, Hobbie, wendet sich In einem Aufruf gegen solche Versuche, die Marktordnung durch Nichtbeachtung der erlassenen Anordnungen zu durchkreuzen. Da durch das unverantwortliche Verhalten einzelner Störungen in der Versorgung des deutschen Volkes mit Fleisch- und Wurstwaren entstehen können, hat er die zuständigen Stellen angewiesen, gegen alle Saboteure der Marktordnung rücksichtslos vorzugehen.« (Zeitungsdienst des Reichsnährstandes) »Der Regierungspräsident in Königsberg gibt bekannt: Bei der vor kurzem erfolgten schlagartigen Kontrolle einer größeren Anzahl Königsberger Gewerbebetriebe— insbesondere auch Fleischerelen— auf Innehaltung der amtlich festgesetzten Höchstpreise mußte leider wiederum eine Anzahl Höchstpreisübe rech reitungen festgestellt werden. Die Schuldigen sind mit Ordnungsstrafen von 50— 200 RM bestraft worden.« (Bekanntmachung In allen Ostpreußischen Blättern) »Die vorübergehende Fleiachverknappung hat einerseits für viele Familien den teü- weisen Verzicht auf Fleischgenuß nach sich gezogen, andere zu dem Bezug wesentlich teureren Fleisches gezwungen, als es das übliche Haushaltungsgeld eigentlich erlaubte. Die Preissteigerungen bei einzelnen Fleischsorten haben nicht dazu beigetragen das alte Vertrauensverhältnis zwischen Publikum und Einzelhändlern zu stärken, und mancher Einzelhändler geriet in den Verdacht, die vorübergehende Verknappung zu einer ungerechtfertigten Bereicherung auszunutzen, da ja das Publikum nicht zu beurteilen vermag, inwieweit der Einzelhändler zu der Preiserhöhung durch höhere Einkaufspreise veranlaßt Ist«(»Der Westen«, Berlin. Nr. 277) »Auf dem Weidendamm wurde ein Fleischermeister von zwei Personen angefallen und geschlagen. Die Polizei brachte die beiden Täter nach dem Polizeirevier.«(Polizeimeldung aus Königsberg) Ein voller Bankrott Aus einem Brief:»Ich besuchte sowohl die Leipziger Messe wie die Kölner. Daß Leipzig ein Versager war, konnte weder die Ta- gesprease noch die Fachpresse verschweigen, wobei ich Dich überhaupt darauf hinweisen will, daß die Fachzeitungen dauernd schriftliche und mündliche Beschwerden erhalten. weil ihre Wirtschaftsberichte irreführend optimistisch sind und niemanden informieren können. Die diesjährige Kölner Herbstmesse war noch viel schwächer als die Frühjahrsmesse. obwohl diese schon schwach genug war. Aualänder waren so gut wie gar nicht da, obwohl doch Köln nahe an drei Landesgrenzen liegt und eine enorme Propaganda für die Messe gemacht worden war. Kennzeichnend ist, daß auch die Detailhändler fast fehlten und soweit sie kamen, mit den Aufträgen zurückhielten. Was man Uberhaupt Geschäft nennen kann, waren kleinere Einkäufe von meisten ländlichen oder halbländlichen Geschäftsleuten aus dem Hinterlande Kölns, die auch sonst in Köln eingekauft hätten und die Messe als eine Gelegenheit benutzten, fern von der teuren Gattin eine»kölsche Nacht« zu verleben, aber das ändert natürlich nichts an der ganz allgemeinen Unzufriedenheit der Aussteller, deren meistens kleine bis winzige, schon mehr in einen Detailkram gehörenden Verkäufe so gut wie in keinem Falle ihre Spesen decken. Das war das allgemeine Gespräch an den Ständen, aber was wollen die Geschäftsleute machen? Wenn sie früher} wo die Kölner Messe auch schon ziemlich schwach war, einmal ausgestellt haben, wird ihnen klar gemacht, daß sie sich im Dritten Reich nicht zurückziehen dürfen, oder sie machen sich der Sabotage verdächtig. So schickt ro»® sich eben in das Unvermeidliche und mim' Geschäft, wo de facto nur noch Bruch vorhanden ist und im Gespräch kaum noch einer der Aussteller ein Hehl daraus macht, daß er die ganze Messe für Bluff und Schwindel hält, und so urteilen übrigens die meisten Geschäftsleute, wenigstens die hiesigen, Uber das ganze System...« Nr. 176 BEILAGE Neuer Vorwärts 25. Oktober 1936 Das Hakenkreuz in Madrid Hitlers Unterschrift Moralische Sterilisation! oder gleich zu Die Deutsche Botschaft hat ihr Haus| kostbaren Foxterriers, Dackeln...>> Man gen, ob sie nach Berlin Hastig werden die an der Castellana in Madrid geschlossen. rät, keine Hunde mitzunehmen, da die Franco reisen sollen. Kurz bevor ein ausgedehntes Nazi- Spio-» Roten« alle Tiere grausam töten und aus letzten Transporte zusammengestellt. Der nagenetz von der spanischen Polizei auf- den Zugfenstern werfen.<< Obwohl keiner deutsche Geschäftsträger, Herr Völkers, Der deutsche Rundfunk der hier versammelten Nazihelden in die- erklärt, daß die beiden letzten Flugzeuge Ein Blick in ein deutsches Schulungslager für gedeckt wurde. meinte hierzu, daß sich die Botschaft in sen Tagen in Madrid auch nur einen Ver- für ihn und das diplomatische Corps für Beamte Madrid nicht mehr sicher fühle und daher wundeten gesehen hat( denn sie verkro- den nächsten Tag bereit stehen. Es geht nach Alicante gezogen sei. In Alicante lie- chen sich ja rechtzeitig genug in die Bot- um Stunden, um Minuten. Denn>> es ist 5 gen deutsche Panzerkreuzer... um nur ja nicht» in Gefahr zu Minuten vor 12<<. schaft, Was bedeutet dieser Klimawechsel? kommen«), fantasieren sie nun schon von Preventionsmaßnahmen? Interventionsvor- faulenden Kadavern auf den Straßen, von von Dwingerschen Grausamkeiten, bereitungen? Flucht? Es kam schnurstraks aus Deutschland und landete in der Nähe zweier Lufthansaapparate. Ein Wink eines Lufthansapiloten genügte: bevor sich noch die spanische Luftpolizei dem unerwarteten Gast nähern konnte, hatte sich der deutsche Vogel bereits wieder erhoben. Mit voller Motorenkraft verschwand er gen Süden. bringt. Die dressierte Kreatur des Hitlersystems wird später auf deutsche Volksgenossen losgelassen. Alle Beamte des Hitlerstaates werden beGanz Dumme wenden sich verzweifelt kanntlich in besonderen Schulungs- und Gean die Botschaftsangestellten. Ganz entgegen dem Naziprinzip:» Gehorchen ohne meinschaftslagern periodisch gedrillt. krete Auskunft:» Die Reichsregierung will Stützen des Systems schon an Das und Wir haben die letzten Ereignisse in der allem, was die deutsche Presse später zu fragen« erhalten sie sogar recht kon- fängt mit den Referendaren hört bei den Studienassessoren und HochMadrider Botschaft aus nächster Nähe beobachtet. Ereignisse, die die Unterschrift die dabei im Sinne In diesen Tagen glauben noch einige die Möglichkeit freier Entscheidung ha- schuldozenten noch keineswegs auf. Von der Hitlers tragen. Sie begannen interessant Optimisten, daß es sich um einen groß- ben. Daher müssen die Deutschen Spanien Gesinnungskastration, die des nationalsozialistischen Systems der Zweck zu werden, als eines Tages ein deutsches der Uebung ist, vermag sich der Europäer Bombenflugzeug auf dem Madrider Flugaußerhalb des Hakenkreuzbereiches wahrplatz landete... scheinlich nur ganz unzulängliche Vorstellungen zu machen. Die von der Prozedur Betroffenen selbst haben sie über sich ergehen zu lassen und zu schweigen. Wer hätte gerade von diesen Pensionsberechtigen- den Mut, Bekenntnisse über seine eigene Entwenn das sofort den würdigung abzulegen, Verdacht der» Unzuverlässigkeit« und» staatsfeindlichen Gesinnung« und damit den Verlust der Existenz, die man doch Zeit seines Lebens gesichert wähnen darf, nach sich zieht?! In ihren Militär- und Kriegervereinen hatte sich schon die wilhelminische Aera die Legionen subalternster Stiefellecker erzogen; anders ging jà» Thron und Altar« nicht mehr gegen die rote Flut zu verteidigen. Aber der Wilhelminismus ist auch in bezug auf Beamten- Dressur ein idyllisches Kindergärtchen gegen das gewesen, was in den Schulungsund Gemeinschaftslagern die Hitlerei denen jetzt zugemutet wird, die sich im Dritten Reich für die Pensionsberechtigung als würdig zu erweisen haben! Wenige Stunden später wird der spanischen Regierung aus Badajoz die Notlandung jenes Flugzeuges gemeldet. An Bord findet man eine Leichtkanone und mehrere Maschinengewehre. Die kostbare Sendung wird nebst Transportmittel beschlagnahmt. Doch die deutsche Botschaft verlangt in einer für die internationale Diplomatensprache allzu zackigen Note die sofortige Eigentums<. Wiederfreigabe> deutschen Im Madrider Botschaftsgarten wird den zum obligatorischen Tagesappell< angetretenen Volksgenossen beruhigend erklärt, das beschlagnahmte Flugzeug habe nur Verbandszeug für Sevilla gebracht. Also für Sevilla... wo Francos Rebellentruppen liegen. Hatte sich der Pilot geirrt, als er in Madrid landete? Oder hatte er den Nachrichten der Rebellen geglaubt, die die Einnahme Madrids durch die Faschistentruppen behaupteten? Der verhaftete Pilot erklärte, nach Portugal zu wollen. Er habe wegen Benzinmangel bei Badajoz notlanden müssen. Die Untersuchung des Flugzeugs aber ergab, daß das noch vorhandene Benzin dazu gereicht hätte, sorglos und bequem sogar nach Deutschland zurückzufliegen... ??? Die Provokationsversuche gehen weiter. Die spanische Regierung lehnt die Freigabe des Bombenflugzeugs ab.( Man hat das Hakenkreuz längst mit roter Farbe Da schlägt die Botschaft überstrichen.) Alarm. Herr Schulz erklärt dreimal täglich im Auftrage des Botschaftsrates:» Die Reichsregierung rät dringend allen Deutschen, sofort den spanischen Boden zu verlassen. Es ist kein Befehl: denn Beמגי $ 47 RTELL 5 nationalsozialistische von Es ist der Strafanstaltsdirektor Ludwigsburg, ein Pg. Dr. Weißrieder, der jetzt in den» Blättern für Gefängniskunde< einiges übre die Praxis dieser moralischen Beamten- Sterilisation ausplaudert. Da es in einem Fachblatt steht, das von den Männern vom Bau auch außerhalb des Dritten Reiches sicherlich gelesen wird, wirkt die Naivität fast grotesk, mit der hier Betriebsgeheimnisse der Diktatur in ihrer ganzen menschlichen Erbärmlichkeit geschildert werden. Es handelt sich um die heutigen Ausbildungskurse für Strafanstaltswachtmeister! Sie fanden auf das Aufgabengebiet dieser Beamtenkategorie sich beziehend auch gewiß schon, wie Herr Weißrieder selbst es eingesteht, in den» vierzehn Jahren der Schande< statt. Aber galt es damals, einen brauchbaren Beamten eben seines Fachgebietes zu erziehen, so sind jetzt die eigentlichen Dienstprobleme völlig nebensächlich geworden. Herauskommen muß am Ende des Kursus nicht der brauchbare Beamte, sondern die Gesinnungskreatur! Fügen wir noch hinzu, daß es sich bei den Schulungsdelinquenten fehl hieße Abbruch der diplomatischen BeHerrn verlassen.<< Ein anderer Behördianer ist fast ausschließlich um zwölfjährig gediente ziehungen. Daher kann es vorläufig nur zügigen Propagandafeldzug des der>> dringende Wunsch« der Reichsregie- Göbbels handelt, der vielleicht wieder ein- noch offenherziger:>> Solange sich noch ein frühere Soldaten handelt, daß die einzelnen Wachtmeister keineswegs den alleruntersten mal die Allmächtigkeit des Volkskanzlers Deutscher auf spanischem Boden befindet, Aber man hat den können die deutschen Kriegsschiffe nicht Dienstgrad in der Gefängnishierarchie beauch noch Täglich werden Hunderte abtranspor- demonstrieren will. tiert. Freie Fahrt in Flugzeug, Schiff und letzten, scheinbar mißlungenen Provoka- eingreifen. Sie verstehen, was das bedeu- kleiden, also unter Umständen direkte Untergebene neben der Schar ihnen Bahn I. Klasse. Auch Juden fahren gratis. tionsversuch noch nicht vergessen. Si, señor, wir verstehen! anvertrauter Gefangener haben, und daß der Aber auch zu einem SchuAusdrücklich wird erklärt, daß» alle Deut- will auf diesem Wege weitergehen. Berlin die spanischen Arbeiterführer und ihre Schulungskurs eben jetzt schen, ohne Ausnahme, ohne Unterschied drängt. Die letzte kleine Gruppe standhaft ge- Regierung erkannten die Bedeutung dieser lungs-> Lager< erweitert worden ist, dann ist der Tatbestand einigermaßen vollständig der Gesinnung oder des Glaubens, kurz: sich durch einen deutschen bliebener Deutscher versammelt sich zum Geschehnisse, die ihnen noch in der gleiReisepaß auszuweisen vermag, unter Abendappell. Man wittert Hochspannung. chen Nacht bekannt wurden. Hinter den festgelegt. dem persönlichen Schutz Der Botschaftsrat tagt. Neue Anweisung Kulissen begann ein kleines Nachspiel, das aus Berlin. Unterschrift: Hitler. sich unseren Blicken entzog. Am nächsten In wenigen Tagen werden von den 3000 was geschieht? Hat Hitler nicht erklärt, Vormittag wurde der Alarm in der deutin Madrid lebenden Deutschen über 2500 den Nichteinmischungspakt zu unterzeich- schen Botschaft abgeblasen.» Es hat sich beantworten. Die Allerwichtigste und erste Ist damit die Interventionsfrage nicht ereignet, was wir gern erwartet hät- war die: Wie kann ich in und außerhalb des Dienstes zeigen, daß ich auf Kosten der Botschaft abgeschoben. Es nen? Nationalsozialist bin?< Von den kostet der Botschaft ja nur eine halbe Mil- nicht zumindest vorläufig ungefährlich ten.<< Wir verstehen. Zwei Provokationen sind miẞlungen. lion Mark Fahrgeld! Außerdem verspricht geworden? Endlich gibt die Botschaft die schul- Vielleicht ist es nur glücklichen Zufällen Antworten, welche die Opfer absolviert haben, man den Abreisenden einen vierwöchigen Gratis- Erholungsurlaub im Schwarzwald. dige Antwort:» Die Reichsregierung weist zu verdanken. Inzwischen blieb der Nazi- werden dann zwei wort- und fehlergetreu von » Ja, dann auf den Ernst der Lage. Zum letzten Male botschaft nichts anderes übrig, als ihre Pg. Weißrieder triumphierend wiedergegeben. Erholungsurlaub wovon? I werden Sie irgendwo hin geschickt« ant- fordert sie mit aller Dringlichkeit die letz- Distanz von den deutschen Panzerkreuzern worten salomonisch die Botschaftsgötzen. ten Deutschen auf, Spanien auf schnell- auf ein Minimum zu Einer unbeschreiblichen Angstpsychose, stem und kürzestem Wege zu verlassen. Es diese Maßnahme trägt die Unterschrift vergleichsweise hintereinander: die die Nazihelden befällt und sogar jüdi- wird ernst. Es ist 5 Minuten vor 12.< rung sein.< jeder, der Adolf Hitlers steht...< Der Alarm ist echt. Man tet!< Die BotschaftsHitlers. reduzieren. Auch Denn Hitler unterschreibt alles: die Nach Dr. Weißrieder hatten die Wachtmeister des Kursus zum Schluß eine Anzahl wohlgesetzter Prüfungsfragen schriftlich zu Hier sind sie und wir stellen sie um des höheren psychologischen Genusses willen Prüfungsantwort 1: » Außer Dienst muß ich als richtiger Volksgenosse mich zeigen und mein eignes Denn der nationalsozialistische waldmärchen zu glauben und die Koffer zu angestellten erhalten den» Befehl«, sich Gratis- Heimfahrt der deutschen Juden und Interesse hinter dem des Volksganzen zurückpacken, wird vom Botschaftsrat stündlich zur sofortigen Abreise vorzubereiten. Im die Verfügung, daß sie nach ihrer Ankunft stellen. neuer Stoff geboten. Im Botschaftsgar- Keller des Botschaftsgebäudes werden be- innerhalb von drei Tagen Deutschland wie- Grundsatz Gemeinnutz geht vor Eigennutz ten wimmelts. Koffer, Pässe, Ordnungs- reits die Akten verbrannt. Ein Geheim- der zu verlassen haben; er unterschreibt ist auch für mich eine sittliche Pflicht. Als rufe, bleiche, überhastete, ängstliche Ge- transport bringt 1500 Liter Flugzeugben- Friedensreden und Provokationen, Nicht- sorgen, damit sie nicht in soziale Not kommt sichter. Dramatische Abschiedsszenen von zin. Berichterstatter der Nazipresse fra- einmischungspakt und Intervention. Familienvater muß ich für meine Familie und dem Volke zur Last fällt. Die Er ziehung der Kinder im nationalsozialistischen Geist ist ein großes Augenmerk zu schenken. Sie müssen der Hitler- Jugend zugeführt werden, um aus dieser der SA und dem Arbeitsdienst zuzukommen und können vielleicht auch dem höchsten Dienst, den es für Deutsche gibt, dem Wehrdienst zukommen. Durch meine Teilnahme, es sei dies durch Abgabe oder Mithilfe, kann ich mich bei Sammlungen aller Art, wie Eintopf, Straßensammlungen beteiligen. Durch meinen Beitritt zur Weil er kein Schlachtenpotpourri hinterlassen hat! -Der Streit um das Denkmal Mendelssohn- Bartholdys war ein echter Aus Sachsen wird uns geschrieben: steinernen Mendelssohn- Bartholdy vorbeige- eine Unmöglichkeit in Deutschland!<< Auf hen, ohne in die Versuchung zu kommen, ihn jeden Fall wird sich schon eine der nächsten Vor dem Leipziger Gewandhaus, ehrdurch einen geschickt geworfenen Pflaster- Stadtratssitzungen, soweit es die noch gibt, NS- würdig- altertümlicher Weihestatt der Musen, stein oder einen entsprechend gehandhabten mit dem Drama beschäftigen; das Ergebnis Volkswohlfahrt kann ich viel für bevor der Badenweiler Marsch als Lieblings- Zuschlagshammer darauf hinzuweisen, daß es kann nicht zweifelhaft sein. meine ärmsten Volksgenossen helfen. Auch radau des> Führers< und das Horst- Wesselweiterhin kann ich vielfach zeigen, daß ich mit seiner Großmutter nicht gestimmt hat. Wenn Lächerlichkeit töten könnte, würde Bumbum als neudeutsche Nationalhymne zu Nationalsozialist bin, sei es durch die TätigIn den gleichgeschalteten Tageszeitungen sie es in diesem Falle unweigerlich tun! Hier keit als Luftschutzwart, Mitwir- den unentbehrlichsten Requisiten des Dritten wird einheitlich die Abtragung des Denkmals aber kommt zur Lächerlichkeit noch die kung bei Verdunkelungen und ähn- Reiches erklärt waren steht immer noch und seine> Ueberweisung an die jüdische liche Pflichten... Mein ganzes Verhalten in ganze sittliche Misere der ach so beliebdas Denkmal, das die dankbaren Pleißeund außer Dienst muẞ zeigen, daß ich das Kultgemeinde« mit Mut und Kraft gefordert. ten deutschen Nationalphilister- Seele! Athener einmal ihrem Felix Mendelssohnnationalsozialistische Gedankengut mit dem Zu folgendem Zwischenfall ist es bereits Denn die> Leipziger Tageszeitung gehört Grundsatz Gemeinnutz geht vor Eigennutz Bartholdy gesetzt haben. Der Komponist nach der Herfurthschen» Leipziger Tages- dem Verleger des noch größeren Spießervoll und ganz erfaßt habe. Usw.< wer kann es leugnen zeitung< gekommen: In einem beliebten blattes, dem Herrn Herfurth von den unsterb> Judenstämmling<--Enkel des großen Moses Café hatte die Musik die Ouvertüre zu Men- lichen» Laibzjer Naisdn> Blut- und Boden<-Glauben. spielt. Darauf erregte Szene anwesender Na- patriotische Dummheit, für die sie sich nicht Kann auch nicht jeder Wenige Tonkünstler nur waren der deutschen zis mit dem Kapellmeister!> Mit Recht«<, so mit echt sächsischer Leidenschaft engagiert Parteigenosse sein, so kann er doch im täg- Seelenschwingung in der Musik so innigst schreibt das genannte>> nationale« Spießer- hätten. Nur lichen Leben zeigen, daß er mit dem nationalhingegeben, wie dieser» nichtarische« Romansozialistischen Gedankengut vertraut ist. blatt,» lehnte ein Teil(!) der Gäste, die kurz Angefangen in der eignen Familie. Es wird tiker. Fast verhält es sich damit ebenso, wie sein höchstes Bestreben sein, seine Kin- mit der anderen Tatsache, daß immer noch der dem Jung- Volk und später seit hundert Jahren der» Semit< Heinrich der Hitlerjugend zuzuführen. Heine die patriotischen Geistpächter durch Denn unser teuerstes Volksgut ist die Jugend, wenn wir sie so erziehen, wie uns der Führer seine Meisterschaft, die seiner Muttersprache die Richtlinien dazu gibt, so haben wir schon gilt, tief beschämt... ein Teil zum Wiederaufbau unseres deutschen Volkes getan. Weiter wird es sich Prüfungsantwort 2: >> Daß der heutige Beamte ein überzeugter Nationalsozialist sein muß, ist so gut wie lutherischen selbstverständlich. vorher die Rede des> Führers<< in Nürnberg ( aha!) gehört und durchdacht(!!!) hatten, diese jüdische Musik ab. Der Kapellmeister aber verwies auf die Existenz des antisemitisch waren sie bis zur Gleichschaltung nicht! Das verboten nämlich die Abonnenten und Inserentenrücksichten auf den Leipziger» Brühl«<, bevor ihn die Nazis pleite gemacht hatten. Da nun die braucht Denkmals<. Und so macht denn die» Leip- Juden nicht mehr zahlen können, ziger Tageszeitung« hinter diesen Vorfall man seinen Gefühlen keinen Zwang mehr Jetzt ist schon seit geraumem diese Leip- von geschichtlicher Erhabenheit den folgen- anzulegen. So ungefähr haben wir uns gerzeigen im Verkehr mit unseren nächsten ziger Denkmalsfrage krisen- akut geworden! den moralischen Schlußpunkt:» Die Existenz manische Reckenart und Wikingerstolz imVolksgenossen, den Mitbewohnern. Menschen, Die regierenden Nazis können nicht an dem des Denkmals eines Juden ist auf die Dauer mer vorgestellt! die unter dem gleichen Dache wohnen, müssen in gutem Einvernehmen miteinander leben und da zeigt sich der Nationalsozialist dadurch, daß er vorbildlich ist in der Zu- cher Demagogie rücksichtslos macht. Das Europa und selbst die übrigen Erdteile in Auf-, sei<. Schuld an dieser Ehepanik sind nach sammenarbeit, er kann zeigen, daß er es ist, sind nun alles alte Soldaten, die so sich be- regung versetzte. Bei dieser Gelegenheit kam Dr. Linden fast immer die kommunalen Eheindem er die Forderungen des Staates nach handeln lassen müssen, wie man kaum einem es heraus, daß wir vorher weder die spani- beratungsstellen, in die sich nach der Gleichbesten Kräften unterstützt, den zivilen Luftschutz, durch Belehrungen der Schwachsinnigen in der Psychopathen- Klasse schen Minister kannten, noch je die Namen schaltung vor allem die Prominenten aus der Volksgenossen, die noch nicht eingesehen ha- es zumutet! Das sind Männer mindestens in der Generäle gehört hatten, deren Kolonnen NS- Frauenschaft gestürzt haben und in denen ben, daß es ihr eigner Nutzen ist, wenn sie den Dreißig, Beamte mit großer dienstlicher jetzt auf der Hochebene von Madrid erschie- jetzt gerade die absurde Keimdrüsenphantadie Weisungen des Luftschutzes Verantwortung in einem an menschlichen nen sind. Aber von dem besten Tormann sei- stik sich austobt, der Adolf Hitler, selbst bebefolgen. Ferner wird er zeigen, daß er Nationalsozialist ist im Kampfe gegen die und sittlichen Problemen geradezu gesättigten ner Zeit, von dem göttlichen Zamora, wußten lehrt durch emsige Broschürchen- und TrakJuden, er wird erst einmal selber nichts bei Beruf! Das sind die Leute, die daheim über aber Tausende von deutschen Sportanhängern tätchen- Lektüre zum problematischen Thema, diesem kaufen, sondern auch dazu beitragen, Hunderte von anderen Menschen, der Frei- zu erzählen und erkannten das Maß des Un- zu solchem Mode- Aufschwung im Dritten daß die anderen es auch einsehen und durch heit beraubt, schuldige und unschuldige, wie glücks daran, daß ein Mann, der wegen sei- Reich verholfen hat.>> Bei der Verbreitung sein Beispiel beschämt werden. Einen weiteGötter des Schicksals thronen dürfen! Es nes sportlichen Könnens zum Nationalhelden krankhafter Erbanlagen< so sagt Pg. Linren Beweis, daß ich Nationalsozialist bin, kann ich bringen, indem ich das Winter- handelt sich um die Erziehung zum des Landes geworden war, wegen seiner poli- den können wir es uns schon aus bevölkehilfswerk auf das tatkräftigste unter- guten Deutschen< so bezeichnet als tischen Gesinnung verfolgt wurde, so daß rungspolitischen Gründen nicht leisten, durch stütze; auch hier ist das Vorbild das beste Einleitung das braune Subjekt Weißrieder man an seinen Tod glauben mußte... Der schematisches Vorgehen Ehen zu verhinMittel. Als Vorgesetzter werde ich meine Untergebenen nicht von oben herab behan- wörtlich die hier vorgenommene Exekution. große Torwart Zamora weilt in Mexiko. Wir dern...< deln, sondern als Kamerad, wenn er vielleicht Wie viele» guten Deutschen<< mit gleicher- atmen auf!<< auch nicht auf demselben Platz steht wie denn das ich. Hierin gibt unser Führer doch den besten einer von vielen anBeweis, er ist trotz seines Aufstieges der mögen wohl gleiche einfache Mann, der er immer war. Usw.< maßen amputiertem Rückgrat Vorliegende ist ja nur Was wir übrigens auch taten, als wir diebraunen Gegenwartskultur sen Beitrag zur deren gleichzeitiger Fälle im» Der Kicker<(> Deutsche Fußball- Illutäglich die Dressuranstalten dieses Sklaven- strierte<<, Nürnberg) gelesen hatten. Genügen diese Proben von ebenso dum- landes ausspeien?! F. E. Roth. Pietät und Weltgeschichte Der spanische Bürgerkrieg im Aspekt der >> Reichssportführung<< Vom guten Ton > Unzählige deutsche Familien müssen wochenlang ohne Fleisch auskommen. Fisch, Gemüse und Obst mer wie frivoler Speichelerzeugung? Man können die eingesparten Fleischmengen erPanik im Eugenischen! setzen. Es muß mehr als bisher zum beachte, wie die Antworten bis auf HitlerJugend, Luftschutz, NS- Volkswohlfahrt fast Hitlers Vererbungsmedizin bringt die Armee guten Ton gehören, den nationalwirtum Rekruten. schaftlichen Erfordernissen zu dienen und wörtlich, mindestens in der faden Sache übereinstimmen! Der braune Gesinnungsdompteur Der Ministerialrat Dr. Linden vom Reichs- nicht das Seltene und Verbotene hat also den armen Opfern der peinlichen> In den spanischen Wirren sind bis zur innenministerium warnt jetzt in auffälliger mit einem un angebrachten Prozedur das entsprechende Sprüchlein schon Stunde schon erschreckend viele Menschen Form in der letzten Nummer der Zeitschrift Selbstgefühl auf den Eẞtisch zu mit hinreichender Energie verabreicht. Aber umgekommen; und über das Schicksal von des> Reichsausschusses für Volksgesund- bringen. Wenn uns auf dem Wege des man bedenke auch, wie frech und dreist sich Tausenden mag man im Ungewissen gewesen heitsdienst< davor, daß in Hitlerdeutschland politischen und wirtschaftlichen Aufbaus dieses System in die ureigensten Angelegen- sein. Es wird aber wohl nach keinem so viel vielfach Ehen> aus übertriebener nichts Schlimmeres begegnet als heiten des privaten Menschen, in die Verant- gefragt, wie nach dem berühmten spanischen A engstlichkeit nicht mehr ge- eine vorübergehende Einschränkung wortung des Vaters vor seinen eigenen Kin- Torhüter Zamora. Allerdings war es vorher schlossen werden, weil» etwa bei dem Fleisch-, Butter- und Eiergenusses, können dern drängt und quetscht und selbst den auch das Verbleiben des bekannten spani- einen Ehepartner in der näheren Verwandt- wir der Vorsehung danken.<< pater familias zum Hampelmann irgendwel- schen Boxers Ugedun Paolino gewesen, das schaft ein Fall von Erbkrankheit aufgetreten ( Deutsche Zukunft<) Die Marseillaise des mit poleon III. im Kriege gegen die Prussiens hat es vollendet zusammengebissenen| Baustellen aber begann emsiges Treiben, um es immer wieder zu verraten. Zähnen. Als er den Schlußpunkt setzte und neue Villen erstanden, in denen braune und In diesen Tagen ist Hermann Wen- Nach der Niederlage von 1870/71 geht der die Feder aus der Hand legte, warf ihn die schwarze Uniformen aus- und eingingen. dels letztes Werk erschienen: Die Mar- Kampf um die Nationalhymne weiter. Der tückische Krankheit auf das Lager, von dem Dieselben Leute, die früher einmal klein und seillaise( Europa- Verlag, Zürich). Die Ludergeruch des Revolutionären haftet ihr er sich nicht wieder erhob. miekrig über das Pflaster der Lindenstraße zum Die Straße R. G. nen, aber mehrfacher Namenwechsel bekommt ihr nicht, weil die Briefträger ihrer zu oft fluchen müssen. Es war kaum ein halbes Jahr vergangen, als das Namensschild abermals herabgeholt wurde. Das neue Geschichte einer Freiheitshymne, geschrieben an, die Bürger suchen sie abzuwürgen, aber Der Gedichtband> Rosen und Schwert<, hinter Fahnen einherstapften, saßen jetzt in hundertsten Todestag ihres Schöpfers das trotzige Lied setzt sich durch, muß von lebenstrunkene Lyrik eines achtzehnjährigen den neuen Villen, prasselten in Autos zwiRouget de Lisle, der ein kleiner Poet war und der Kammer der Republik zur Nationalhymne Stürmers, war sein erstes Buch, dieses Denk- schen den Baumreihen dahin. blieb und das Gefäß einer großen Stunde erklärt werden, ist längst zum» Hoffnungs- mal eines Freiheitsliedes der europäischen Eine Straße kann sich an vieles gewöhward, als das Lied des revolutionären Frank- lied der zivilisierten Menschheit< geworden, Menschheit wurde sein letztes. Zwischen beireich seiner Seele entstieg. So hat sie Doré in alle Sprachen übersetzt und umgedichtet. den liegt sein Leben. gemalt:» Eine erhabene Frauengestalt in In Rußland, in Deutschland, in Polen und Weiß, die phrygische Mütze auf den Locken, Ungarn wird es in den revolutionären Gärunein Schwert in der Rechten und die Trikolore gen des vorigen Jahrhunderts gesungen, es in der Linken, und hinter ihr, sie umdrän- lebt auf allen Schlachtfeldern der Freiheit. Dichter behaupten, daß auch Straßen hieß Ernst- Röhm- Straße. Die Briefträger gend, das Volk der Vorstädte und der Dör- Am Ende des Jahrhunderts gesellt sich ein träumen. Wenn ja, dann träumte die Linden- und ihre Klienten hatten sich noch nicht fer, das französische Volk aller Jahrhunderte, anderer revolutionärer Sang dazu, neuen Zei- straße vielleicht von einer ruhigen Zukunft, richtig an die neue Firma gewöhnt, da wurde barfuß, zerfetzt, aber in Waffen, den Frei- ten, neuen Forderungen entsprungen: die von kleinen Villen, die auf den noch kahlen das Schild abermals herabgeholt, ein neues heitstrotz im Herzen und den Freiheitssang Internationale. Die Geschichte zweier Jahr- Baustellen hätten erstehen können und von kam hinauf und lautete: Hans- Kube- Straße. auf den Lippen...< hunderte heftet sich an die Schwingen beider den ungeheuren breitästigen Schöpfen, die Einige Briefschreiber, die sich die RöhmSo tritt die Hymne ihren Siegeslauf an, sich die Linden längs des Trottoirs im Laufe Straße nicht abgewöhnen konnten, gerieten reißt die Sansculotten zum Sturme gegen die Den Weg der Marseillaise zu schreiben, der Jahrzehnte zulegen würden. Auf keinen in Verdacht und wurden verwarnt. Tyrannen mit sich fort und über die Schlacht- waren nur wenige so berufen wie der Loth- Fall aber konnte die Lindenstraße von Welt- Ja, über die Gedanken der ehemaligen felder Europas hinweg. Das napoleonische ringer Hermann Wendel, aufgewachsen an geschichte träumen und sei es auch nur Lindenstraße ist da nicht mehr viel zu beKaiserreich möchte gern von dem jakobini- der Grenzscheide zweier Völker. Mit der Ge- kleine und lächerliche. Der Name der Straße richten, weil man von ihnen zu wenig weiß schen Kampfliede los, das Ringen des Volkes wissenhaftigkeit des echten Historikers weiß verriet lediglich idyllische Bestimmung, wie und sich auf die Aussagen der Dichterei um sein Lied beginnt, im Auf und Nieder von er die Linie zwischen Geschichte und Legende der Vorort, den ihre Linden im Sommer mit auch in diesem Punkte nicht recht verlassen Revolution und Konterrevolution wird sie zu finden, mit der Sprache des Dichters ge- schwerem süßem Duft versorgten. Manch- kann. Aber es war der Straße bestimmt bald offiziell geehrt, bald verfemt. Bald muß staltet er jenes bunte, bewegte Leben, das um mal trappten Trupps mit schweren Stiefeln kein Trost, daß dort, wo sie begann, eine zeichnet er die Tragi- und Fahnen über sie heimlich gesungen werden, lebt in den dieses Lied kreist, ihr Pflaster, aber das braune Villa stand, die erst Gregor- StrasserVorstädten, in den Studentencafés, bald er- komödie Rouget de Lisles, der mit dem Liede waren rasch vorübergehende Episoden. Haus, dann SA- Heim, dann wiederum Grehebt sie ihre Schwingen und fliegt dem Volke bald oben, bald unten war, sich in allem beDann kam jener Frühlingstag, da ihr gor- Strasser- Haus hieß und nun ebenfalls wurde. den Namen Kubes trug. Mit solchen HäuLieder. voran: in der Julirevolution, 1848 gegen Louis trächtlich kleiner erwies als seine Schöpfung altes Schild heruntergenommen Philipp, einige Jahre später gegen den Staats- und an Barbusses Wort denken läßt: Das Dreißig Jahre hing es dort, dreißig stille sern ist das einfacher als mit Straßen, die streich des dritten Napoleon, 1871 als Kampf- Werk ist immer größer als der Schöpfer. Jahre. Es war der langen Straße, als würde von den Briefschreibern dauernd verboten lied der Kommune. Immer wieder genehmi- Hermann Wendel hat dieses feurige Buch, ihr eine alte ehrliche Kokarde vom Leibe ge- tituliert werden. Und schließlich fragen sich gen die Machthaber den Sang, wenn sie in mitreißend und stürmisch wie die Hymne, in rissen. An den Ecken prangten neue Schil- die Leute auch, was das für eine Straße Napoleon I. vor Waterloo, Na- den Vorwehen seiner Krankheit begonnen, der: Hermann- Esser- Straße. Auf einigen ist, die sich fortgesetzt ihres Namens schäNot sind Das komfortable Ghetto Hinkel, der arische Torhüter In den Tagen des> Umbruchse wurde zur präsentiert sich Hinkel als wahrer Wohltäter das die deutschen Juden ihrem Wahrung der nationalsozialistischen Kultur- der deutschen Juden: belange ein gewisser Hans Hinkel bestimmt. Bis dahin kannte ihn keiner, nun aber entriẞ er das deutsche Theater den jüdisch- liberalistischen Krallen so vehement, daß die deutschen Schriftsteller und Schauspieler bei jedem Krähen dieses Hinkel bis ins innerste erzitterten. Auf einmal Hinkel wieder in tiefer Versenkung verschwunden: ein Opfer der Rivalität zwischen Göring und Göbbels, die Günstlinge erheben und wieder fallen lassen, je nachdem sie > richtig liegen oder zur schwächeren Partei gehören. war Hinkel gelang es schließlich, auf einem Nebengeleis unterzukommen Posten freilich, auf den auf kulturellen Schirmherrn bezahlen müssen nicht ohne Vorbilder > Selbstverständlich ist auch das gesamte technische Personal, vom Be- in der Ghettogeschichte. leuchtungsmeister über den Inspizienten Neu ist nur, daß die arischen Kulturhüter und Fundusverwalter bis zu den Logen- des Dritten Reiches die deutschen Juden schließern und Garderobieren, rein jüdisch. heute noch jüdischer, noch rassenJuden arbeiten für Juden! Unter dieser Parole habe ich im Sommer 1933 bewußter, noch abgeschlossener diese jüdische Kulturorganisation zugelas- haben wollen, als sie es unter hartem sen und sorge seit dieser Zeit dafür, daß Zwange ohnehin schon sind. Die Zionisten, Das geworden wäre. Die Angeklagte war der Meinung gewesen, sie könne kein arisches Kind mehr gebären und müsse aus diesem Grund Abtreibungshandlungen bei sich vornehmen lassen. Reichsgericht stellte dazu fest( 1 D 406/36), daß das Gesetz die Abtreibung unabhängig davon bestrafe, welcher Abstammung das zu erwartende Kind sei. Daraus ergebe sich, daß das Gesetz das Bestreben, keinen Mischling entstehen zu lassen, nicht als Rechtfertigungsgrund für die Abtreibung anerkenne. Für den vorliegenden Einzelfall stellt das Reichsgericht aber fest, daß die Angeschuldigte ihrem Standpunkt aus der Meinung kommen konnte, daß unter den vorliegenden Umständen die Abtreibung, wenn bestraft überhaupt, so doch nicht schwer würde. Da hier die Möglichkeit eines Denkfehlers bestehe, müsse die Sache zu neuer Straffestsetzung zurückverwiesen werden.<< zu von Das Reichsgericht läßt also» Denkfehler< immerhin als mildernden Umstand gelten. Mit Recht, denn verantwortlich sind für diese Denkfehler nicht die Fehldenkenden selbst, sondern jene, die das ganze deutsche Volk bewußt und berechnend zur Empfänglichkeit für allerlei Aberglauben erziehen. Uns beschäftigt aber noch eine andere Frage, an der das Reichsgericht sich vorbeigedrückt hat. In dem Urteil heißt es, diese inzwischen über das ganze Reichsgedie Herausbildung einer die ganz extrem biet ausgedehnte jüdische Kulturbewegung entsprechend unsern gegebe- spezifisch jüdischen Geisteshaltung verlannen Richtlinien ihre Zwecke erfüllt.« gen, genießen die besondere braune ProtekgeEr hat also>> zugelassen<. Es gibt Juden, tion. Sie werden amtlich gestützt und schützt gegen jene Juden, die noch mit deutauch das gehört zu diesem Bilde, die ihm und seinem Auftraggeber Göbbels schem Kulturgepäck belastet sind und sich dafür nicht ohne weiteres aus einem offiziell Dankbarkeit beteuern, daß sie wenigdem Tempel des großen Erlebsich ein kerndeut- stens noch in ihrem Ghetto atmen, denken deutschen Geistes mit den scher Mann nur durch straffe Haltung vor und vegetieren dürfen. Dr. Kurt Singer, nissen, die sie ihm aus besseren Tagen verdem Ludergeruch des Kulturbolschewismus der verantwortliche Leiter der jüdischen Kul- danken, vertreiben lassen wollen. die Freilich, die Zahl derjenigen, sich beschützen kann. Er wurde Sonderbeauf- turorganisationen, schreibt darüber im neueund Ghetto innerlich noch tragter von Göbbels zur Ueberwachung sten Almanach des Jüdischen Kulturbundes gegen Gitter Es gibt der jüdischen Kulturorganisa- ein das wehren, wird kleiner und kleiner. > ehrliches Manneswort«, >> daß das Gesetz die Abtreibung unabHinkel freudig zitiert. Singer erklärt, daß die vielleicht einen Trost für sie. Ein Blick in hängig davon bestrafe, welcher Ein Aufsatz des Herrn Hinkel in der entscheidende ministerielle Instanz diese Ar- die Nürnberger Kulturreden, auf die KunstAbstammung das zu erwartende Kind sei«. braunen Presse über den von ihm betreuten beit zwar» autoritativ«, aber mit>> vollendeter beschützer Göbbels, Göring, Rosenberg Hinkel, auf das um sie scharwenzelnde Rene- Hier hält man sich also zur Abwechslung >> Jüdischen Kulturbund« gibt darüber Loyalität verfolgt, stützt und schützt und Parasitengeschmeiß der gatendamit wieder einmal an das schöpfende Auskunft. Was wollen die natürlich unter strengster Beachtung geschriebene offensichtlich nicht an Juden in Deutschland eigentlich vorschriften. Hinkel bedankt sich seiner- werden diese Juden solidarische Schicksals- Recht und Die Nationalsozialiausländische seits für diesen Dank und stellt ohne Scham, gefährten unzähliger untadelhafter Arier, die» Willen des Führers<<. Hetze? Allein in Berlin seien, so schreibt er, fest, daß also die» betroffenen< Juden seine genau wie sie im geistigen, wenn auch rein- sten haben ja den Unterschied zwischen» e rmit Maßregeln keineswegs als>> barbarisch< be- rassigen Ghetto zu leben genötigt sind. Das ist das Handgeld, Hunderten von jüdischen Künstlern zusam- zeichneten. sich um mit der mengebracht worden, Pflege des eigenen Geistesgutes und der jüdischen Kunstproduktion zu>> begnügen<<. tionen. noch mehr? Warum die Zehntausende von Juden als Publikum erHinkel zählt folgende jüdische Schriftsteller und Künstler auf, die durch sein duldsames Entgegenkommen auf und Harald. Aberglauben und Heuchelei wünschtem< und den >> unerwünschtem< Nachwuchs erfunden. Vor Hitler dachte kein Mensch daran, irgendeinem Kind in der Wiege brutal den Stempel> unerwünscht< einzubrennen. Unerwünscht sind jüdische Kinder, unerwünscht sind Mischlinge. Beide was die Nationalsozialisten Nichtjüdin, die einmal mit einem Ju-» Volksgemeinschaft« nennen, ausgeschlossen, den Geschlechtsverkehr hatte, auch von beide sind Menschen minderen Rechts einem nichtjüdischen Vater nur noch Kin- und bleiben es, solange Hitler bleibt. Dender mit jüdischem Einschlag zur diese Weise Ein Kapitel aus dem Rasse- und Rechtssumpf des Dritten Reiches sind von dem, in welchem beWir hören im Geiste den Herrn Reichs» Der Paragerichtsrat weihevoll dozieren: Brot und Beschäftigung gefunden hätten: Die Rasse- Koryphäen des Dritten Reiches Grünbaum, Rosa Valetti, Paul Grätz, haben dauernd damit zu tun, die unerRosenstock, Taube, Zander, Kuthan, Feher, Julius Bab, Max wünschten Bestandteile des RassenaberJockl, Urias, Fritzi Welt bringen könne... Der exakten wissen- noch will man die Frauen mit Hilfe des AbOsborn, Seinberg, Eloesser, Anneliese Lan- glaubens zu bekämpfen. Bald kommt eine gedau, Lion, Klein- Weißmann, Lenart, An- sunde Frau daher und will durchaus sterili- schaftlichen Nachprüfung halten aber diese treibungsparagraphen zwingen,» UnerwünschBehauptungen nicht stand. Die Frage der tem« das Leben zu geben ein Leben mit selm, Petruschka, Delia Lipinskaja, Josef siert werden, weil sie sich» ostisch überTelegonie sei vielmehr rein wissenschaftMit sehr geringer Glückschance. Schmidt, Ben Spanier, Kurt Pinthus, Dr. lich genügend geklärt und ihre AblehFritz Jeẞner jun., Siegfried Brodnitz, Lis- lagert fühle«, bald will sich ein Unglücklicher das Leben nehmen, weil er durch nung vom wissenschaftlichen Recht? beth Cassirer, Heinz Condell usw. hinreichend Standpunkt der eine Jahre zurückliegende Bluttransfusion Man wird zugeben müssen, daß gründet.<< dieser Männer und mit jüdischem Blute verseucht Aussonderung vieler >> vom wissenschaftlichen graph 218 gründet sich auf die HeiligFrauen ein tiefer Sinn steckt. Sie haben ein- sei«, ein andermal wieder weigert sich eine Begründungen verheiratete Frau Standpunkt aus« werden im Dritten Reiche keit des Lebens, ganz gleich, wie es mal, mit dem deutschen Kulturkreis verbun- geschiedene und wieder genau wie etwa die geschriebenen Gesetze geartet sei!<< Wir antworten darauf:» Legen den, der deutschen Kunst gedient, als sie die- standhaft, Kinder zu haben, weil sie ja doch nur soweit anerkannt, als dies» im Willen Sie Ihr Amt nieder, Herr Reichsgerichtsrat! sen Namen noch verdiente. Sie hatten bereits die» Rassenmerkmale< - jüdischen Mannes tragen des Führers liegt«. Ginge man weiter, so Wenn Ihnen Leben wirklich heilig ist, ihre Existenzgrundlage verloren, als die brau- sten wenn Ihnen jedes Leben heilig ist, dann nen Eroberer die Kunst zu ihrem Werkzeug würden. Und so geht das weiter in mun- müßte der ganze Traum Hinkel terer Konfusion. Unlängst machte sich die Deutschtum sehr bald dahinschmelzen. Aber dürfen Sie im Dritten Reich nicht länger machten und in den Staub traten. Auslands- das Volk unterscheidet nicht so fein zwischen Richter sein. Entweder>> heilig< dann gibt diesen Tatbestand indirekt zu, indem er» Rassenpolitische und unerlaubtem Aberglauben, treten Sie bitte ab oder teilweise mit der Beschränkung der Korrespondenz< zum Sprachrohr des erlaubtem schreibt, daß dann sorgen Sie dajüdischen Künstler auf den spezifisch jüdi- Professors Dr. Loeffler, Direktor des und der> Telegonie<-Unsinn erhält sich hart-» unerwünscht<< > Voraus- Rassenbiologischen Institutes in Königsberg. näckig weiter. Die» Deutsche Allge- für, daß der§ 218 auf jüdische meine Zeitung berichtet z. B. in ihrer Mütter und Mischlingsmütter setzungen< zu einer deutschen Kultur- In dem Aufsatz hieß es: Nummer 474 folgendes: jener nicht angewendet werde! Nur in politik geschaffen worden seien Kulturpolitik, in der die geistige Freiheit, das schöpferische Element der Kunst, mißachteten Kontrolldirne erniedrigt wurde. Ohne die geringste Spur von Selbstironie schen Kulturkreis erst die zur ihres er> Besonders wendet sich Prof. Loeffler gegen den in jüngster Zeit wieder aufgetauchten Aberglauben von der Telegonie( Fernzeugung) oder Imprägnation( Durchtränkung). Dieser Aberglaube behaupte u. a., daß eine der UnbeDer war doch vom nordischen >> Das Reichsgericht hatte einen diesem einen Punkte, nur im AbtreibungsAbtreibungsfall nachzuprüfen, bei falle die Gleichheit vor dem Gesetz bestehen dem die schuldige Frau übergesetzlichen Notstand für sich beansprucht hatte, weil zu lassen, ist schändliche, bösartige, feige das zu erwartende Kind ein Mischling Heuchelei.<< getreu ist, wenn etwa diese Volkshallen sich hoch und hell über die Erde erheben, anstatt wie früher ohne Ventilation den damaligen Bauweisen entsprechend, mit tränendem Kaminrauch und Kienspan errichtet zu sein.<< men muß. Darum sei gar nicht geschildert,| mensverbrauch war angesichts Lindenstraße empfand, ständigkeit alles Irdischen zu groß. Wie also was die ehemalige als eines Tages der Name Kube nur noch wär's nochmal mit Essern? geflüstert werden durfte. Gehen wir lieber seit Monaten wieder mal frei! Man sollte die kurz zu dem SA- Gruppenführer über, der in alten Schilder immer und für alle Fälle aufDer Führer spricht vom Sinn der natioder nobelsten Villa der Linden- Esser- Röhm- bewahren. den Und so lasen denn die Arbeitsbeschaffung Briefträger ein nalsozialistischen den neuen, Kube- Straße wohnte und Namen: Her- und schon kommen» raffinierte Menschen<<, Leicht paar Tage später den neuen fünften Namen vorschlagen sollte. Die Anwohner jedoch stützen sich auf gesagt unter einem Regime, das alles für die mann- Esser- Straße. Ewigkeit ordnete. dem Volke herauszugreifen und ihn mit einer schwärmerischen Romantik zu umgeben. Weder dem Volke noch seiner ehrwürdigen Ueberlieferung leistet man dadurch Vorschub, daß man als hypermoderner Konservator versucht, eine hinter uns liegende Welt, auf die wir stolz sind, herauszugraben, um sie neufrisiert wieder vorzuführen.< Die betörte Anhängerschaft jedoch ist die fluchwürdige liberali- gerade durch die Führerreden zu dem Glauben verführt worden, daß das» gute Alte< Tausend Jahre sollte der getrauen sich bis auf weiteres nicht mehr, stische Lehre von Angebot und Nachfrage wiederkommen solle. Sie möchte gern wisName halten, und nun waren in kaum drei ihre Briefköpfe mit der Adresse bedrucken und behaupten, zu lassen. Jahren schon drei konsumiert. Er ging alle Bonzennamen durch, aber wer kann wissen, was im wer zur Tohuwabohu B. Br. Aller Betrug rächt sich, wenn manchmal auch etwas langsam. In der braunen Zeitschrift» Wille und Macht<< muß zugegeben werden, daß» raffinierte Gegner« und andere der nebulosen Worte des > Ideologen« sich Führers nach Belieben bedienen. Zum Beispiel: Der Führer spricht» vom Adel der Arbaut einer» seine marxibeit<, und schon stische Einstellung darauf auf...< Der Führer spricht von der Privatinitiative der Wirt>> und schon kommen die Ideologen daß durch Arbeitsbeschaffung die Arbeitskraft knapp würde und hö- sen, wie nun eigentlich das Neue aussehen here Löhne ausgeschüttet werden müßten. soll, wartet vergeblich auf Klarheit und steht vor einem Ragout brauner Führerphrasen, Kurz, Marxismus und Walhall spuken durchdie nicht gelten und nicht zitiert werden einander. sollen. » Der Führer sagt: Das Dritte Reich wird ein Bauernreich sein, oder es wird verAuf dem Grunde dieses jämmerlichen Togehen wie die Reiche der Hohenstaufen und huwabohus aber spiegeln sich jene alten soHohenzollern, und schon kommen die Inter- zialen Gegensätze, die die Ober- und Unterpreten und sagen, das deutsche Volk wird führer und ihre Presse vergeblich hinwegzuein Bauernvolk sein, oder es wird vergehen, und dann erscheinen die Phantasten und schwatzen versuchen. Jeder Betrug hat seine drehen diesen Satz nochmals um und sa- Grenzen. gen:» Das deutsche Volk wird ein Volk von Bauern sein, oder es wird vergehen.< Jetzt Tausendjährigen Reiche morgen noch gilt? Kube hatte gestohlen wer stahl nicht? Röhm war von worden, der anderen Clique erledigt von der Gegenclique wurde morgen Strecke gebracht? Wie wär's mit einem Manne der Literatur? Aber auch da stand, außer den Honoraren der Leibbarden, nichts beinahe fest. Einst hätte man die Straße und wie schnell auf Ernst Jünger getauft mußte der plötzlich verduften! Johst? Dem schaft etwas passieren konnte einmal schnell defaitistischen Vergangenheit. wegen seiner Blunk? Auch gegen den stänkerten die Jun- und beweisen ihre liberale Ansicht über Kagen. Ewers? Längst passé. Dwinger? Ein- pital und Kapitalbesitzer und deren Notwen- gene Leiter mal war man schon nahe an der Dwingerstraße gewesen, da stellte sich heraus, daß der Mann früher die Juden gelobt hatte. Wie wär's mit dem kleinen Lokaldichter B.? Aber der Mann hatte fünf Kinder, lebte halb und halb aus der Parteikasse und wusch sich die Hände gelegentlich in der Winterhilfe. denen nichts passieren Die ganz Großen, den Straßen kann, klebten schon an Plätzen. Man mußte haushalten, der und Naist die Ideologie fertig. Wer also nicht» Verlogener Kitsch«< Bauer ist, ist eigentlich ein halber Mensch...< Band und Die gauamtliche> Bayerische Ostals elektrisch Ja, es kommt soweit, daß der» vergan- mark« klagt darüber, daß es in Bayreuth eines studentischen Verbandes» noch immer verlogenen Kitsch zu kaufen Mütze mit handwerklichem gebe«, z. B.» den Nothung als Briefdigkeit mit der Privatinitiative...< Wie komden Parsifal- Speer um seine Erhal- öffner, men sie auch dazu, in der braunen Phraseo-» Brauchtum<< gleichstellt, Oder Schlipsnadel, Gralskelche, Alles wird miß- tung und Verewigung durchzusetzen. logie Logik zu suchen? erscheinen nachmittags in beleuchtet, als Brosche,» echte« Gralsritbraucht, links wie rechts, selbst im eigenen aber Damen Brauchtumstracht, um abends in großer Robe tergewänder, Lohengrins AbLager: >> Der Führer spricht von Walhall, der Mode auf den neuesten Gebieten ihren schied handgestickt und ähnliches.<< Warum eigentlich nicht? Es gibt ja auch und die Original- Urgermanen beweisen, daß Tribut zu zollen.<< in Deutschland wieder überall altgerma- Dies Durcheinander muß aufhören, wenn in ganz Deutschland Zeitungen wie nische Thinghäuser usw. gebaut werden Beobachter<, den das» Völkischen wann schwer ist, zu sagen, müssen, in denen das Volk den Geist von >> Stürmer« und die» Bayerische OstWalhall in Form von schlechten Ausdün- Brauchtum gilt und wann die Mode. stungen genießen soll, weil es nicht natur-|>> Hüten wir uns, irgendeinen Stand aus mark< zu kaufen. es auch den bei lichen. Lohn- und Preisalarm Eine Nazidiskussion der Hilfslosigkeit daß Die len und die staatliche Pumpwirtschaft in de Katastrophe einer Ueberinflation mündet. Aber möglichst nur die Arbeiter sollen Opfer dafür bringen, die Unternehmer möglichst davon verschont werden! Denn das Unglück will es, daß nicht in der gesamten Wirtschaft Arbeitermangel herrscht<, sondern Facharbeiter ganz bestimmter Art im Baugewerbe und in der Metallindustrie fehlen, also gerade in den beiden Wirtschaftszweigen, denen> die in Arbeiter nicht die Freizügigkeit in der Wahl > als es nicht im Interesse des Staates, des Arbeitsplatzes nehmen dürfe. der selbst der größte Auftraggeber ist, So krümmt und wurmt sich die Deutsche liegen könne, die Preise über das gerecht- Arbeitsfront und die Lohnfrage durch. fertigte Maß hinaussteigen zu lassen... einen lehnen den» gerechten Lohn< mit den öffentliche Hand der weitaus größte AufAußerdem werde die Anzie- rein kapitalistischen Profitargumenten ab, traggeber<< ist. Die Folge ist, daß die Unhungskraft solcher Löhne mag- die anderen treiben die Sozialdemagogie auf ternehmer in die Gefahr kommen,> die Fachnetisch sein.<< die Spitze und lassen zur höheren» Achtung arbeiter gegenseitig wegengagieren« zu müsDie Stabilisierung der Löhne wird im ganzen und Wertung der Arbeit« ihre Gefolgschaften sen und» daß starke und gewollte Erhöhunmit konjunkturpolitischen Gründen begrün- hungern. gen der Facharbeiterlöhne det, wie sie auch im guten alten liberalisti- Alle aber beschwindeln die Arbeiter über industrie und im Baugewerbe weithin über die Volks- niveaus<. >> Das deutsche Preisniveau ist im ganzen zur Zeit als stabil zu bezeichnen, wenn auch nach dem Lebenshaltungsindex gegenüber dem Vorjahr eine kleine Steigerung festzustellen ist.<< sie die Wirtschaft ausstrahlen<. in der Metall>> Die Anziehungskraft von Löhnen, die annormal über das durchschnittliche Lohnniveau schnellen, wird magnetisch sein. Und wenn die Handwerksbetriebe oder Fabriken solchen Facharbeitern, um sie bei sich festzuhalten und nicht an Metallindustrie und Baugewerbe zu verlieren, gleichartige Löhne zubilligen, können sich innerhalb des einzelnen Betriebes Lohnunterschiede zwischen den Gruppen der Werksangehörigen ergeben, die nicht zum Arbeitsfrieden beitragen.<< SO der den-. bei Die Nürnberger Hurrastimmung ist dies- höheren Facharbeiterlöhnen eine Gefahr in- würde unbedingt festgehalten, da man dem mal rasch verflogen, was geblieben ist, ist sofern, eine intensive Diskussion der Lohnfrage. Hitlers Erklärung» Lohnerhöhung ohne Produktionssteigerung ist ein Selbstbetrug läßt die Belegschaften nicht zur Ruhe kommen. Die deutschen Arbeiter wissen, daß eine gewaltige Produktionssteigerung nachgewiesen werden kann, sie wissen aber auch, daß alle Leistung nur der weder Bomber Kriegswirtschaft dient und den noch Maschinengewehre geeignet sind, des breiten Massen das Preisfehlende Fleisch und schen Kapitalismus geläufig waren. angebliche>> Festhaltung So erdreistet sich Fett zu ersetzen. den> Deutschen die» Soziale Das Verbot von LohnGegen erhöhungen erzeugt wachsenden Unwillen, wirte ging dann der Wirtschafts- Praxis«, deren Schriftleiter neuerdings der denn der» gerechte Lohn<, der im Mai 1935 politische Dienst der NS- Partei- gleichgeschaltete Herr Dr. Sitzler geworden angekündigt worden war, müßte mindestens Korresponden z< ins Zeug. Mit aller ist: daß gesteigerter Leistung jedes Arbeiters Schärfe bekämpft er die Auffassung, auch eine Erhöhung des Stundenlohnes brin- gegen Lohnerhöhungen konjunkturpolitische gen. In den Diskussionen der Betriebsarbei- Gründe anzuführen seien. Das Recht auf ter vermissen die» Gefolgschaftsleute<<, Arbeit, das niemals von einer wirtschaftbeim» gerechten Lohn« mit keiner Silbe an lichen Lage abhängig sei, schließe das Recht Die Deutsche Arbeits- Korrespondenz v. 10. sich. Oktober nennt es> Preisalarm<, wenn eine gerechtere Verteilung des Wirtschaftser- auf Erhöhung der Lebenshaltung in trags gedacht wird. Es wäre nach Meinung Wenn dieses sittliche Recht zur Zeit noch berichten muß: Es wäre also das einfachste, wenn dieser debattierenden Arbeiter durchaus kein nicht verwirklicht werden könne, dann nicht,>> Man braucht nur auf die Störungen hin- um die Ehre der Arbeit besorgte national> Selbstbetrug<<, die Dividende einer weil dem irgendeine» Konjunktur<< entgegenzuweisen, die in der letzten Zeit von der sozialistische Staat zu dem» Ausweg<< sich Munitionsfabrik von 10 auf 5% stünde, sondern nur deshalb, weil es noch Preisseite her sehr fühlbar sind. Bisher entschlösse,» gleichartige oder ähnliche Löhne herabzusetzen und damit heute schon vor einem höheren Recht der Selbsterhaltung konnte allerdings das Gesamtpreisniveau im Interesse des Arbeitsfriedens auch die notwendige Lohnerhöhung zu ermög- des Volkes der politischen Freiheit und der im großen und ganzen gehalten werden, jenigen Arbeitergruppen zu bewilligen, Sicherung der Rohstoffreiheit zurückstehen aber in jüngster Zeit sind eine ganze An- denen das Verhältnis von Angebot und NachAlle Ablenkungsmanöver konnten diesmal müßte. zahl Preiserhöhungen festzustellen, die ein- frage nicht dazu zwingen würde<<. Das geht nicht verhindern, daß die Nürnberger Pro- Die richtigen Parteinazis möchten den mal ganz deutlich ausgedrückt, nichts an- aber deshalb nicht, weil das deutsche Preisdie vokation die Frage der Löhne und der Le- Arbeitern vortäuschen, daß der Lohndruck deres sind, als ein Angriff auf das stabile niveau mit Rücksicht auf die Ausfuhr, benshaltung aufgerollt hat. Die sozialistisch nicht den Kapitalisten zugute kommt, son- Verhältnis von Lohn und Preis.<< uns die zur Erfüllung lebensnotwendiger geschulten Facharbeiter sind als Kern- dern ein nationales Opfer darstellt. Selbst- Die bekannte weiße Salbe vom Preis- Aufgaben benötigten Rohstoffe hereinzubrintruppe der deutschen Arbeiterklasse in die verständlich lehnt auch der Wirtschaftspoli- überwachungskommissar wird er- gen hat, nicht in der freien Luft hängt, sonErscheinung getreten. Die Methode der Ge- tische Dienst die höheren Facharbeiterlöhne neut empfohlen und die DAK meint, daß neben dern mit den Weltmarktpreisen irgendwie in walt versagt, denn im Dritten Reich haben ab. Noch größer ist die sozialdemagogische der Preisstabilität auch Preissenkungen in Relation stehen muß.<< Die Arbeiter haben die gelernten Facharbeiter infolge der be- Leistung des Herrn Nonnenbruch im der Lebenshaltung nicht ausgeschlossen sein also auch für die Folgen der Verschleuderung ruflichen Vernachlässigung der arbeitenden Völk. Beobachter<. lehnt die dürften. Mit Bernhard Köhler schließt die von Devisen für Rüstungszwecke aufzukomJugend einen Seltenheitswert bekommen. höheren Facharbeiterlöhne ab, weil sie nicht» Soziale Praxis< ihre tiefgründigen Betrach- men. Das Selbstbewußtsein der qualifizierten einer Mehrleistung entsprächen und daher tungen in stabile Löhne, der Zielsetzung: Welche Mittel schlägt Schachts Organ vor, Arbeiterschaft ist wieder erwacht. Die nicht als Leistungslöhne, sondern als Kon- Senkung der Preise und vermehrte Erzeu- um dem>> wiederholt vom Führer ausgesproPresse der Arbeitsfront die junkturlöhne anzusehen wären. Die Unter- gung Das von Verbrauchsgütern. hieße: chenen Willen, im Interesse des gesamten Wirtschaftsorgane können nicht länger nehmer können an der Rüstungskonjunktur» Beseitigung der Armut des deutschen Vol- deutschen Volkes das Lohnniveau stabil zu schweigen, sondern müssen sich mit den unbegrenzte Profite machen, für die Arbeiter kes<. halten<<, dem Mangel an Facharbeitern zum Lohnforderungen der Facharbe i- gilt dagegen der nationale Leistungslohn. Diese Ankündigung einer Verbrauchs- Trotz Geltung zu verschaffen? Kann man ter auseinandersetzen. Die Deut- Bernhard Köhler wiederum er- wirtschaft ist angesichts der Kriegsrohstoff- die Zahl der Facharbeiter nicht vermehren, sche Arbeits- Korrespondenz berichtet vom klärte in Nürnberg, daß es völlig falsch sei, autarkie im neuen Vierjahresplan ein aufge- weil hier selbst im Dritten Reich die ErsatzMangel an Facharbeitern in der Metall- und in der Lockerung der Tarife und in der Be- legter Schwindel, dem die deutschen Fach- produktion auf natürliche Grenzen stößt, so Maschinenindustrie und im Baugewerbe. zahlung höherer Facharbeiterlöhne eine arbeiter mit dem Mittel der Selbsthilfe be- muß die Arbeitsgelegenheit vermindert wervolkswirtschaftliche Gefahr zu erblicken. gegnen. Daran möchte sie die Deutsche Ar- den.» Das kann dadurch geschehen, daß verNicht in den gestiegenen Löhnen sei eine beitsfront hindern, indem ihnen die Frei- nünftige Fristen für die Aufträge gesetzt Gefahr, sondern in der Abwälzung der Lohn- zügigkeit genommen werden soll. So schreibt werden und eine zeitliche Rangfolge der kontos auf die Preise. Der Leiter des Sozial- die DAK vom 11. Oktober: öffentlichen Bauvorhaben zentral festgelegt amtes der DAF, Franz Mende, stellte » Der Facharbeiter hat kein Recht, für wird. Es wird also vorgeschlagen, die um die gleiche Zeit in Crössinsee fest, daß es sich, eine Bewegungsfreiheit zu fordern, Staatsaufträge zu strecken, damit die Sorge die im nationalsozialistischen Ordnungsge- der Unternehmer um die Beschaffung nicht am Facharbeitermangel liege, wenn die füge ein liberales Willkürrecht darstellen Löhne teilweise> untragbar« in die Höhe gegangen seien. Diese Löhne wären die praktische Folge des Begriffes der Achtung und Wertung der Arbeit. An dem Grundsatz, daß die Tarife lediglich Mindestsätze seien, und er> Angesichts des Facharbeitermangels scheint es nicht mehr als billig, daß der Staat den leistungsfähigen Betrieben ein Mindestmaß an Verpflichtungen zur Lehrlingshaltung auferlegt.<< Die DAK schreibt, daß eine dauernde Hilfe nur durch eine planmäßige Ausbildung von Lehrlingen geschaffen werden könne. Aber die Kriegspolitik drängt, das Dritte Reich kann nicht mehr warten, bis neue Lehrlinge ausgebildet sind. So muß heute schon wohl oder übel zur Lohnfrage der erwachsenen Facharbeiter Stellung genommen werden. Das Arbeitertum< vom 15. Oktober erinnert: von » Als im Jahre 1933 die Stützen des damaligen Tarifvertragssystems zerschlagen wurden, hörte man besonders Betriebsführerseite das Wort von der sog. Auflockerung der Tarife.<< Damals hätten die Nazis prophezeit: » Es wird einmal die Zeit kommen, wo die Unternehmer nach Tarifen schreien werden. Die Entwicklung hat Dr. Ley recht gegeben. Von verschiedenen Seiten wird heute eine Lohngrenze nach oben gefordert... der zweite Vorschlag bedeutet praktisch die Aufhebung der Freizügigkeit.< So bestätigt das Hauptorgan der Arbeitsfront selbst den Verrat, den sie an den Lohnarbeitern begangen hat. Dann stellt das » Arbeitertum< Betrachtungen darüber an, warum heute die Facharbeiter den Arbeitsplatz häufig wechseln. Er von wird. Es gibt keine Lenkung des Arbeits- Facharbeitern umschlage in die Sorge der einsatzes, ohne eine gewisse Freiheitsbe- Facharbeiter um die Erhaltung ihres Arschränkung.< beitsplatzes, damit nicht das System daran Adolf Hitler lenkt, aber der deutsche Ar- gehindert werde, die Kosten der Aufrüstung beiter denkt. den Arbeitern bezahlen zu lassen. G. A. F. Dee Sinn des Nationalsozialismus Zum Angriff auf die Facharbeiter mit denen die Kaufkraft nicht Schritt zu halten vermochte, und durch den damit ausgelösten Pessimismus«. Lohnerhöhungen< also die Kosten der von Neuer Vormärts Sozialdemokratisches Wochenblatt Herausgeber: Ernst Sattler; verantwortlicher Redakteur: Wenzel Horn; Druck:> Graphia<; alle in Karlsbad Zeitungstarif bew. m. P. D. ZI. 159.334/ VII- 1933. Printed in Czechoslovakia. der Einzelnummer im Ausland Kč 2.-( Kč In Nürnberg hat der Führer sein Gelübde, höhungen« die Erfüllung versagt, weil> durch Lohnerhöhungen nicht zuzulassen, feierlich erneuert. Zu diesem Befehl macht Schachts > nur eine Steigerung der Unkosten einOrgan» Der deutsche Volkswirt< die theore- treten würde, die auf die Preise schlägt und den Lohnempfängern mit der rechten tische Begleitmusik. Er entdeckt im WechHand wegnimmt, was mit der linken sel der Konjunkturen» der liberalistischen nominell gegeben wird.<< Der Neue Vorwärts« kostet im EinzelWirtschaft< einen fehlerhaften Kreislauf, den Der nationalsozialistische Staat ist bei verkauf innerhalb der CSR Kč 1.40( für ein >> zurechtzurücken< der Nationalsozialismus weitem der größte Auftraggeber, mittelbar Quartal bei freier Zustellung Kč 18.-). Preis sich das Ziel gesteckt hat. Die Konjunkturen also auch> Arbeitgeber«. Er hätte es in der 24.- für das Quartal) oder deren Gegenwert > wuchsen durch den Glauben und das Ge- Hand, zu verhindern, daß die Unternehmer in der Landeswährung( die Bezugspreise für winnhoffen der Unternehmungen, mit dem sich eine Verstärkung der Kaufkraft bis sich für Lohnerhöhungen durch Preiserhöhun- das Quartal stehen in Klammern): Argentinien Pes. 0.30( 3.60), Belgien: Belg. Frs. 2.45( 29.50) dahin ganz oder teilweise arbeitsloser gen schadlos halten, Bulgarien Lew 8.-( 96.-). Danzig Guld. 0.45 Massen verband; sie starben durch Un- Lohnerhöhung zugleich auf den Arbeiter und( 5.40), Deutschland Mk. 0.25( 3.-), Estland kostenbelastungen und Preiserhöhungen, den Staat abwälzen. Diese liberalistische E. Kr. 0.22( 2.64), Finnland Fmk. 4.-( 48.-), Schlamperei läßt man aber bei den Unter- Frankreich Frs. 1.50( 18.-), Großbritannien d 4.( Sh. 4.-), Holland Gld. 0.15( 1.80). Itanehmern ihr Unwesen treiben, destomehr die lien Lir. 1.10( 13.20), Jugoslawien Din. 4.50 Nach dieser Theorie würde das Gewinn- Arbeiter die starke Faust der> wirtschafts-( 54.-), Lettland Lat. 0.30( 3.60), Litauen Lit. > Generell anzunehmen, es seien nur mateDie Gewinne 0.55( 6.60), Luxemburg B. Frs. 2.45( 29.50), rielle Vorteile, die in einem anderen Be- hoffen der Unternehmungen nicht von Pes- politischen Lenkung< fühlen. Norwegen Kr. 0.35( 4.20), Oesterreich Sch. triebe geboten werden, ist falsch. Vielmehr simismus abgelöst worden sein, wenn nicht der Unternehmer werden bei steigender Pro- 0.40( 4.80). Palästina P. Pf. 0.020( 0.216), spielt hier stark die Frage eine Rolle, ob in der aufsteigenden Konjunktur die» bis duktion ohnehin durch bessere Ausnutzung Polen Zloty 0.50( 6.-), Portugal Esc. 2. es dem Betriebsführer gelungen ist, herzustel- dahin ganz oder teilweise arbeitslosen Mas- der Betriebsmittel und durch Zunahme des( 24.-), Rumänien Lei 10.-( 120.-). SchweBetriebsgemeinschaft Es steigen also die Ein- den Kr. 0.35( 4.20), Schweiz Ffs. 0.30( 3.60), sen« mehr verdient hätten als vorher in der Umsatzes erhöht. ( 4.20). USA 0.08( 1.-). Als wenn es in Deutschland auch nur einen Zeit des Konjunkturabstiegs, wenn sie also nahmen bei gleichzeitiger Senkung der Ko- Spanien Pes. 0.70( 8.40), Ungarn Pengö 0.35 denkenden Arbeiter gäbe, der sich überhaupt auf Teilnahme an dem Ertrage der von ihnen sten des Produktionsapparates. Die Erspar- Einzahlungen können auf folgende Posterfolgen: Tschechoslowakei: mit der Lüge von der Betriebsgemeinschaft<< selbst Produktionssteigerung nisse auf dem Maschinenkonto machen Er- scheckkonten befaßt. Die Facharbeiter haben diesem verzichtet hätten. Da nicht anzunehmen ist, sparnisse auf dem Lohnkonto überflüssig und Zeitschrift> Neuer Vorwärtse Karlsbad. Prag 46.149. Oesterreich: Neuer Vorwärtse KarlsSpuk ein Ende gemacht und die Lohn- daß sie freiwillig auf die Ausnutzung einer damit auch die Entschädigung für Lohner- bad. Wien B- 198.304. Polen:» Neuer Vorwärts< Der vom Karlsbad. Warschau 194.797. Schweiz:» Neuer frage auf die Tagesordnung ge- zu ihren Gunsten verbesserten Lage des Ar- höhungen durch Preisaufschläge. setzt. beitsmarktes verzichten würden, mußten sie Führer anbefohlene Lohndruck soll aber eben Vorwärtse Karlsbad. Zürich Nr. VIII 14.697. Ungarn: Anglo- Čechoslovakische und Prager Es ist interessant zu hören, wie sich die dazu gezwungen werden. Das ist die Funk- ein Mittel sein, nicht nur zur Steigerung der Creditbank Filiale Karlsbad. Konto» Neuer sondern gleichzeitig zur Vorwärts< Budapest Nr. 2029. Jugoslawien: Wirtschaftsorgane Schachts und tion des Nationalsozialismus, und es ist das Rüstungsgewinne, Prager Creditdie der>> alten Kämpfer« mit der Lohnbewe- Geheimnis des» gewaltigen Erfolges< seiner Senkung der Rüstungskosten. Es soll ver- Anglo- Čechoslovakische und > wirtschaftspolitischen Lenkung<<, daß gung der Facharbeiter auseinandersetzen. er hindert werden, daß die Kosten der Auf- bank, Filiale Belgrad. Konto> Neuer Vorwärts<, Beograd Nr. 51.005. Genaue BezeichDer» Deutsche Volkswirt< sieht in den» dem natürlichen Bestreben nach Lohner- rüstung in allzu raschem Tempo anschwelnung der Konten ist erforderlich. len...< die erarbeiteten