3VP.177 SONNTAG, i Not. 4936 iDDd>cilblall Verlag: Karlsbad, Haus„Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt: Die Mobilmachung der Wirtschaft Warum putschen Spaniens Generale? Der Betrieb in Wahrheit und Dichtung Terror in Danzig Die Spuren Ludendorffs Angriffsvorbereitungen des deutschen Militarismus Hitler folgt den Spuren Ludendorffs. Er zieht die Maschine des deutschen Militarismus neu auf. In der Anlage ist alles gigantischer und totaler als bei Ludendorff. Der Wahnwitz ist gleich gigantisch und total. Es ist ein Hasardspiel, das alles auf eine Karte setzt. Und wenn diese Karte nicht sticht— was dann? Der neue Vierjahresplan, in den sich das System jetzt mit der manischen Wut des neuen Militarismus stürzt, läßt nur noch den Ausweg in die Gewalt. Von diesem Vierjahresplan geht kein Weg zur Wiedereingliederung Deutschlands in die Weltwirtschaft, der nicht den völligen Zusammenbruch des Systems zur Voraussetzung hätte. Alle Tendenzen der deutschen Kriegswirtschaft, die wie eine Selbstblok- kadfc Deutschlands wirken, werden jetzt auf die Spitze getrieben. Die Anfänge sind sichtbar, sie sind heute schon katastrophen- haft— das Ende mit Schrecken kann man nur ahnen. Die Durchführung des Vierjahresplans bedeutet neue Kapitalvergeudung, Neuanlage von Produktionsstätten, die im Frieden gänzlich sinnlos und wertlos sind, bedeutet weitere Zerstörung der Grundlagen einer vernünftigen Friedenswirtschaft, neue Senkung der Lebenshaltung des deutschen Volkes. Eine solche Gewaltkur geht auch in einer Militärdiktatur nicht ohne Widerstände und Reibungen ab. Um diese Widerstände zu brechen, hat Hitler Göring zum Wirtschaftsdiktator gemacht. Mit der Person Gö- rings übernimmt der deutsche Militarismus selbst die Leitung der Kriegswirtschaft. Chef des Amtes für deutsche Roh- und Werkstoffe ist der Oberstleutnant im Generalstab Löb. Wenn bisher das System sich noch bemüht hat, den Schein der Trennung von Gesetzgebung und Verwaltung aufrecht zu erhalten, so wird jetzt darauf nicht der mindeste Wert gelegt. Das sogenannte Reichskabinett existiert nicht mehr, Gesetze werden über diese wichtigsten Dinge nicht mehr erlassen, es wird lediglich angeordnet. Die Ernennung Görings, so wenig sensationell sie an sich ist, bezeichnet den Uebergang zur reinen kriegsmäßigen Militärdiktatur in der Wirtschaft. Nichts wäre falscher als das so beliebte Urteil, daß Hitlers Vierjahresplan und Görings Ernennung Symptome dafür seien, daß der deutsche Militarismus sich erst in dem Vorbereitungsstadium befände und noch nicht»fertig« sei. Dies Urteil ist nur ein Strohhalm, an dem sich die Hoffnung der Friedliebenden klammert. Dieser Uebergang zu reiner Kriegswirtschaft, die Leitung der Wirtschaft so, als ob Deutschland schon effektiver kriegsmäßiger Blok- kade miterliege, ist vielmehr ein Zeichen dafür, wie fertig der deutsche Militarismus schon ist. Die Ernennung Görings dient nicht nur der Ueberwindung einer zeitweilig auftauchenden Teilschwierigkeit, wie es beispielsweise die Aufbringung und Verteilung der neuen Exportabgabe ist, sie ist von viel allgemeinerer Bedeutung. Aus der Zusammenfassung seines Amtes, aus seinen ersten organisatorischen Anordnungen läßt sich erkennen, daß sie ein Symptom der Kriegsbereitschaft ist. Es handelt sich um die reinste Mobilmachung für den Emstfall. Man muß sich hüten, diese Dinge mit der schon üblich gewordenen Stumpfheit hinzunehmen, die sich über nichts mehr wundert und erregt, was in Deutschland an unmittelbarer Kriegsvorbereitimg geschieht. Diese gigantischen Kapitalaufwendungen, die Unterstellung aller Wirtschaft unter den Kriegszweck geschieht wirklich nicht nur aus Spielerei oder weil die Diktatoren ein wenig verrückt seien. Sie hat mit einer auf den Frieden abzielenden Politik, die dem Volke normale Lebensbedingungen schaffen will, aber auch gar nichts zu tun. Sie ist längst nicht mehr zu begründen mit den Notwendigkeiten der Landesverteidigung. Sie ist ein Ausfluß des Willens zum Kriege, und dieser Wille zum Kriege ist dem neuen deutschen Militarismus immanent. Die Totalität der Erfassung der deutschen Wirtschaft für die Zwecke des Krieges ist der sichtbarste Beweis für die Angriffspläne der deutschen Militärs. Unter dem Drucke einer totalen Kriegswirtschaft muß das deutsche Volk heute schon leben wie im Kriege. Wichtigste Lebensmittel sind knapp geworden— von der Teuerung gar nicht zu reden. Gegenüber dem Stande von 1932— dem schwersten Krisenjahr, in dem eine rücksichtslose Deflationspolitik die Lebenshaltung der deutschen Volksmassen schon erheblich gesenkt hatte— ist eine weitere Senkung der Lebenshaltung um 20 Prozent eingetreten. Der neue Vierjahresplan soll sie noch weiter senken. Die nüchternen, menschenverachtendlen Machtpolitiker des Systems wollen sie gegenüber 1932 um 50 Prozent senken! Sie machen aus Teuerung und Lebensmittelknappheit gar kein Hehl. Die Parole»Kanonen statt Butter« zeigt, wie sie auch geistig das Volk auf den Krieg einzustellen trachten. Zum Kriege aber gehört Haß, sinnloser Haß, der die Empörung über den Druck, das Elend, den Hunger auf den äußeren Feind ablenkt. Darum plant das System einen neuen großen Propagandafeldzug zur Ergänzung des Vierjahresplanes. Am 30. Oktober beginnt in Deutschland eine neue Versammlungswelle unter der Parole»Wir greifen an!« In hunderttausend Versammlungen soll die antibolschewistisch-antisemitische Hetze, die den Grundton der Reden auf dem Nürnberger Parteitag bildete, ins Volk getragen werden. Die Kriegshetze gegen Sowjetrußland soll mit einer Intensität betrieben werden, als ob der Krieg schon ausgebrochen sei. Auf der einen Seite das Zugeständnis, daß die Volksemährung immer knapper wird— auf der anderen Seite die Hetze gegen Sowjetrußland. Der Sinn des Propagandakrieges des Systems gegen die Vernunft, die die Schuld an der deutschen Volksnot der Diktatur zuschreibt, ist es, die Stimmung zu erzeugen: Sowjetrußland ist schuld, daß wir hungern müssen, Sowjetrußland ist der Feind! So wie das System in ganz Europa mit seiner Antisowjethetze die Friedensfront zu zerstören sucht, so will es im Lande selbst die Kriegsstimmung gegen.Sowjetrußland hochpeitschen. So handelt kein System, das sich noch in den Anfängen seiner Vorbereitungen fühlt, so handelt nur ein System, das mit praktischen Aus- kungen seiner Maßnahmen in unmittelbarer Gegenwart rechnet! Der Terror in Danzig Am 14. Oktober, abends um etwa S'/J Ubr, wurde eine Mitgliederversammlung des Bezirkes Altstadt der Katholischen Zentrumspartei der Freien Stadt Danzig, die im Vereinsbaus Breitgasse stattfand, von einem Trupp bewaffneter Nationalsozialisten Uberfallen. Die Versammlung war von etwa 200 Personen besucht. Redner in der Versammlung war der Abgeordnete Wawer. Kurz nach Beginn seines Vortrages drangen die Nationalsozialisten in geschlossenen Trupps in den Saal und schlugen blindlings auf die wehrlosen Versammlungsteilnehmer mit Stahlruten, Gummiknüppeln und anderen Waffen ein. Vier Versammlungsteilnehmer wurden so schwer verletzt, daß sie ins Krankenhaus überführt werden mußten, sechs Versammlungsteilnehmer wurden leichter verletzt. Die Polizei griff nicht ein. Der Ueberfall war von den Nationalsozialisten in ähnlicher Weise organisiert worden wie jener bekannte Ueberfall auf die deutschnationale Versammlung im St.- Josephs-Haus im Juni d. J. ♦ Nationalsozialisten haben einen Ueberfall auf das Hans des ehemaligen sozialdemokratischen Senators Karl Rehberg verübt. Die Nationalsozialisten zertrümmerten sämtliche Fensterscheiben, warfen die Eingangstür des Hauses in die Weichsel und drangen in die Wohnung ein. Aus dem Hans wurden landwirtschaftliche Geräte gestohlen. Rehberg befindet sich in Schutzhaft. * In der Redaktion und in den Geschäftsräumen der sozialdemokratischen»Danziger Volksstimme« nahm die politische Polizei erneut eine Haussuchung vor. Die Polizei beschlagnahmte eine Reihe von Büro- und anderem 3Iaterial, das sich angeblich im Besitz der Partei befunden haben soll. Der Hof der»Danziger Volksstimme« wird polizeilich bewacht. » Die politische Polizei nahm erneut Haussuchungen bei dem Vorsitzenden des Danziger Arbeiter-Tur n- und Sportverbandes, Thomat, und bei dem Kassierer des gleichen Verbandes, Werner, vor. Der Danziger Arbeiter-Turn- und Sportverband ist bekanntlich eine Bezirksgruppe des Polnischen Arbeiter-Turn- und Sportverbandes mit dem Sitz in Warschau. » In polizeilicher Schutzhaft befinden sich zur Zeit in Danzig im ganzen 120 Sozialdemokraten. Der Gauleiter der NSDAP in Danzig, der deutsche Reichstagsabgeordnete Albert Forster, hat erklärt, daß die Verhafteten nicht eher freigelassen würden, als bis alle Organisationen der Danziger Oppositionsparteien zerschlagen wären. » Der Danziger Polizeipräsident Froböß und der Leiter der Politischen Polizei, Grötzner, wurden vor Erlaß des Verbotes der Sozialdemokratie zu Besprechungen nach Berlin berufen.— Bei der Danziger Polltischen Polizei wurden in den letzten Tagen zwanzig Gestapo-Leute ans dem Reich neu eingestellt. * In der am 3. Oktober veranstalteten Versammlung der Danziger Richter hatte der Gauleiter der NSDAP, Forster, unter anderem auch erklärt: es sei ein Skandal, daß die jüdische Aerztin Lily Beck, die in erster Instanz zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt und aus der Haft entlassen worden war, nicht lebenslänglich Zuchthaus erhalten hätte. Frau Beck wurde daraufhin in Schutzhaft genommen. Das Urteil gegen sie ist noch nicht rechtskräftig, da sie Revision beim Obergericht angemeldet hat. Das Gespenst des Fasdilstenblocks Deutschland und Italien. Es gehört zum Stil der Diktaturen, daß sie alles, was sie tun, bombastisch tun. So wurde auch der Besuch des italienischen Außenministers, Grafen Ciano, des Schwiegersohns Mussolinis, in Berlin und im Führerschloß bei Berchtesgaden von der deutschen Presse— und im gewissen Abstand auch von der italienischen— als ein welthistorisches Ereignis gefeiert. Er wäre das gewesen, wenn durch ihn die Grundlagen zu einem deutsch-italienischen Bündnis gelegt worden wären, doch spricht nichts dafür, daß dies wirklich geschehen ist. Von der Möglichkeit einer Kooperation der beiden faschistischen Hauptländer im Kriegsfall— und dieser»cauchemar des coalitions« liegt Frankreich schwer auf der Brust— spricht man ja schon lange— aber etwas Neues, das solche Bourgeoisie verstärken könnte, Ist nicht eingetreten. Niemand kann heute sagen, wie sich die Konstellation der Mächte in einem künftigen Kriege gestalten wird, und noch immer spricht alles für die Annahme, daß Deutschland dann noch isolierter sein wird als 1914. Ist es schon fraglich, ob die Rolle des Siegers in Zukunft noch eine beneidenswerte sein wird, so gilt das noch viel mehr für die eines M i t siegers an der Seite Deutschlands. Es ist nicht anzunehmen, daß sich Mussolini nach dieser Rolle sehnt. Verdankt er doch seinen inneren Sieg vor allem der Tatsache, daß sich Italien im Jahre 1919 als ein zu kurz gekommener M i t sieger fühlte. Schwerlich hat er den Ehrgeiz, für Hitler Europa zu erobern, um dann als Vasall an der untersten Stufe seines Thrones stehen zu dürfen. Darüber hinaus sprechen aber auch ernste militärische Erwägungen gegen die Möglichkeit eines deutsch-italienischen Kriegsbündnisses. Beide Länder nehmen zusammen dank ihrer geographischen Lage in Friedenszeiten in Europa eine gewaltige Machtstellung ein; im Kriegsfall würden sie sich zwischen eine englisch-französische Westfront eingeklemmt finden, die ihnen hier den Weg in die Weite des Kontinents, auch den zum freien Meer, versperrt. Ohne endgültige Zertrümmerung wenigstens einer der beiden Fronten gäbe es keinen wirklichen Sieg. So hat denn die Behauptung, daß die deutsch-italienische Freundschaft ein»Friedensinstrument« darstellt, so hohnvoll sie auch klingen mag, ihren guten Sinn, wenn sie nur richtig verstanden wird. Diese Freundschaft ist stark genug, um in Friedenszeiten als Mittel in diplomatischen Erpressungen hervorragend zu wirken. Eine ganz andere Frage ist, was von ihr übrig bleiben wird, wenn es einmal hart auf hart geht. Italien kann als Erfolg von Berchtesgaden zunächst die Anerkennung des Kaiserreiches Aethiopien durch Deutschland buchen. Keine geringe Leistung, wenn man bedenkt, daß Berlin damit den vielen Brüakierungen Londons, die es sich schon geleistet hat, eine schwerwiegende neue hinzufügt! Deutschland gewinnt damit verbesserte Aussichten auf italiensche Unterstützung bei dem Versuch, Sowjetrußland aus den Verhandlungen über den Westpakt hinauszudrängen. Aber kann durch solche Manöver die Ausschaltung Sowjetrußlands aus der europäischen Politik erreicht werden? Man will Frankreich schwächen, indem man es von Sowjetrußland trennt— aber je schwächer Frankreich wird, desto mehr ist die Tschechoslowakei, wenn sie sich nicht auf Gnade oder Ungnade in Deutschlands Hände geben will, auf das Bündnis mit der Sowjetunion angewiesen. Kein Wunder also, daß sowohl der tschechische Außenminister Krofta wie der Ministerpräsident Hodäa gerade jetzt ihre Treue zu den bestehenden Bündnissen besonders entschieden betonen. Rumänien und Jugoslawien können sich aber auch niemals endgültig auf die Seite von Mächten stellen, deren Sieg in einem Kriege automatisch auch den Sieg der ungarischen Revisionswünsche nach sich ziehen müßte. Das alles sieht nicht danach aus, als ob durch die Reise Cianos nach Berlin das Antlitz Europas entscheidend verändert worden wäre. Nichts ist gewiß als die Ungewißheit, nichts bleibender als der Wechsel. Deutsdie Streifliditer »Los von Rom!« nacfa braunem Muster Der Himmler- und der Papen-Kreis. Vor einiger Zelt wurde es ausdrücklich vermerkt, daß Hitlers widerlichste Kreatur, der»Reichsführer der SS« Himmler— Kameradenmörder und oberster Tscheka-Sadist — aus der katholischen Kirche ausgetreten sei. Der Himmler ist sicherlich eine der mächtigsten, sicherlich die unheimlichste Figur des Dritten Reiches. Er ist der unumschränkte Gebieter der Polizei und damit allgewaltiger Chef der kopfreichsten Behörde, über die die Diktatur verfügt. Was Wunder, wenn jetzt der streng-katholische Pariser»Kulturkampf« zu melden weiß: »Der Kirchenaustritt Himmlers hat zahlreiche Nachahmer gefunden, sowohl in der Polizei und der Geheimen Staatspolizei, als auch in der SS und vor allem in der Leibstandarte Adolf Hitlers. Kann es verwundern, daß im nationalsozialistischen Führerstaat die angeblich private Geste des gewaltigen Oberen der Gestapo und SS für ein Signal gehalten wird?« Politisch und geistig ein wenig komplizierter, aber nicht minder charakteristisch für die Höhe der neuen>Loe-von-Rom<-Welle, die das Dritte Reich, auf Schönerers Fußstapfen dahertappsend, entfesselt hat, ist die altkatholische»Bekehrung« eines gewissen Herrn Brombacher, der mit dem früheren Chefredakteur der»Germania«, Herrn Ritter, als ehemaliger badischer Zentrumspublizist, sich schon sehr früh im Dritten Reich für die borussische Form des Papen-Katholizismufl öffentlich eingesetzt hatte. Der Alt-Katholizismus, den Döllinger im Widerspruch zum Unfehlbarkeitsdogma, wie es durch den Kampf-Papst Pius den Neunten nach endgültigem Verlust der weltlichen Herrschaft verkündet wurde, in der Zeit der Verwicklimgen m der Gefolgschaft des siebziger Krieges ins Tjeben rief und der sich im Bismarckschen Kulturkampf der stärksten Förderung durch den»eisernen Kanzler« erfreute, war bis zu Hitlers Machtantritt längst wieder auf eine sehr spärlich bewachsenen Intellektuellen- Reservation im Süden und am Rhein hinuntergesunken. In Köln z. B., wo er einmal nicht wenige früher katholische Aerzte, Anwälte, Ingenieure, Professoren usw. gemustert hatte, war er kaum imstande, noch das Gebalt für einen einzigen Pfarrer aufzubringen. Jetzt hat Hitler— schon deshalb, weil sich die nationalsozialistischen Behörden mit auffallendem Wohlwollen der Sekte annehmen— ihn wieder quasi in Mode gebracht. Der Konvertit Brorabacher galt zusammen mit Herrn Ritter als der authentischste Interpret der im»Herren«-Kreis des Herrn von Papen gepflegten Ideen. Herrn Franz von Papen mag also die Sache nicht ganz angenehm sein; sein apostolischer Kredit an der Donau, mit dem er so gern dort Geschäfte machen möchte, ist so wie so nicht von weit her... Der UnwiderstehHdic »Da habe ich doch gestern eine große Freude gehabt: Zum erstenmal geschah es, daß mein Chef in Geldsachen zu mir kam. Es handelte sich nämlich um die Winterhilfe. Er kam mit der Büchse und sammelte. Und ich freute mich nicht nur, daß er kam, es machte mir besonderes Vergnügen, daß ich großzügig sein und ihm nichts abschlagen konnte.« »Der Westen«, Berlin, Nr. 287. Gezähmte Bisdiöfc Die vorjährige Denkschrift der deutschen Bischofskonferenz an den Reichskanzler und Führer ist nicht beantwortet worden. Auch die diesjährige wird keine Antwort erhalten. Eis sei denn, daß die Bischöfe neue schwere Konkordatsverletzungen als Antwort ansehen wollen. Eline der gröbsten von den zahlreichen bisherigen ist der Hinauswurf der Ordenslehrkräfte aus den bayrischen Schulen. Nachdem gerade auch in Bayern die Konfessionsschule von Jahr zu Jahr zurückgedrängt worden ist, werden nun die klösterlichen Lehrkräfte, insgesamt 1676 Schwestern, aus dem öffentlichen Unterricht ausgeschaltet. Es ist in diesem Zusammenhange gleichgültig, wie man grundsätzlich zu der Frage Kirche und Schule steht. Politisch wichtig ist, daß die katholische Kirche diese schwere und rechtswidrige neue Herausforderung mit christlicher Demut und himmlischer Geduld hinnimmt. Selbst bei Kardinal Faulhaber acheint es zu einer Protestbewegung nicht mehr zu reichen. Aber erst seine bischöflichen Amtsbrüder! Gerade in diesen Tagen der größten Niederlage, die sich im katholischen Bayern für die katholische Kirche denken läßt, hat der neuemannte Bischof von Passau Dr. Simon Landsberger den staatlichen Treueid geleistet. Er hat sich nicht damit begnügt, den Führer zu umschmeicheln, der das Christentum als das unerschütterliche Fundament des sittlichen und moralischen Lebens bezeichnet habe, und selbstverständlich darauf verzichtet, zu untersuchen, wie es mit diesem Fundament im Staate der Folterhöllen und des 30. Juni steht, sondern hat vor allem das bischöfliche Thema variiert;»Heute sei der Bolschewismus der Feind eines geordneten auf der Grundlage der im Christentum wurzelnden abendländischen Kultur ruhenden Staatswesen, zugleich auch der grimmigste Feind des Christentums. Diese Gefahr, die beider Existenz in gleicher Weise bedrohe, müßte genügen, sie zur Abwehr des gemeinsamen Feindes zusammenzuschließen.« Jeder Fußtritt Hitlers bewirkt nur ein weiteres Bündnisangebot der Kirche, und es scheint uns vollkommen illusionär, zu glauben, daß der deutsche Katholizismus unter der jetzigen Führung zu seinen alten Kampftraditionen zurückfinden könnte. Auch die gelegentlich scharfen Reden des Bischofs Graf von Galen in Münster ändern daran nichts. Er hält sie übrigens unter dem ausdrücklich zugesagten Schutze des streng katholischen Korpskommandeurs der Wehrmacht in Münster, und die dortigen Nazigrößen wissen sehr genau, daß ihnen dieser Bischof unantastbar sein muß. IShe die Kirchenf Uhrer In Deutschland nicht die Gewißheit haben, daß hinter dem jetzigen Nazistaat nicht irgend ein bolschewistisches Gebilde kommt, das auch die letzten katholischen Positionen zerstört, werden sie sich vom Nationalsozialismus noch mehr gefallen lassen als bisher. Der Katholizismus hat sich in der ganzen Welt für den Faschismus in seinen verschiedenen nationalen Spielarten entschieden. H „Eine Fülle von Gesuchen Der Präsident der Reichsanstalt hat in einem Erlaß an die Arbeitsämter die Statistik der Arbeltsvermittlung auf eine neue Grundlage gestellt. Zweck des Erlasses Ist, bis zum 30. Januar die letzte Million Arbeitslose statistisch verschwinden zu lassen, wie vorher schon mindestens anderthalb Millionen Erwerbslose statistisch hinweggezaubert worden sind. Zum Jahrestage der Machtergreifung* hat Hitler vor vier Jahren das Ende der Arbeitslosigkeit versprochen, und den gleichgeschalteten Statistiker möchten wir sehen, der den Befehl des Führers nicht auszuführen versteht. Sonderbar bleiben natürlich die immer wieder in den Nazlblättem zu findenden Klagen, daß alte Kämpfer, ältere Angestellte und junge Lehrlinge keine Beschäftigung finden können, aber die Statistik wdrd dadurch nicht gestört. Ganz auffallend ist nun eine amtliche Kundgebung gegen den Andrang von Stellungsuchenden. Kaum ist Göring zur Durchführung des neuen Vierjahresplanes berufen, so laufen in seinem Stabsamt»eine Fülle von Gesuchen um Verwendung ein, die den Geschäftsbetrieb außerordentlich hemmt«. Wo kommen nun eigentlich diese zahllosen Bewerbungsbriefe her, die den Posteingang einer Behörde verstopfen? Es ist nicht anzunehmen, daß jemand, der sich in Arbeit befindet, diese verläßt, um in die Ungewißheit einer ihm bis dahin fremden Verwaltung zu gehen. Mithin kann es sich nur um die beklagenswerten Scharen der unsichtbaren Arbeits- und Stellenlosen bandeln, die verzweifelt Briefe schreiben, wenn sich nur die geringste Wlahrscheinlichkeit einer Beschäftigung bietet. Görings erste Tat als Vierjahresdiktator ist, diesen Enttäuschten mitzuteilen, daß ihre Gesuche um Einstellung zwecklos sind. Kalte Erledigung der Juden Während die nur noch auf blutige Sensationen reagierende Welt neue Pogrome in Deutschland erwartet, geht geräuschlos die wirtschaftliche Vernichtung der Juden ihren Weg. Längst sind die Nürnberger Gesetze Uberholt und erweitert. Wo sie scheinbar den Juden noch einen Betätigungsraum gelassen haben, tritt das»gesunde Volksempfinden« ein, um sie zu verdrängen. Der stille Boykott der jüdischen Aerzte, Rechtsanwälte etc. durch Drohungen an diejenigen, die sich ihrer bedienen, hat nun höchsten reichsamtlichen Segen erhalten. Ein Runderlaß des Reichsministers des Innern verfügt, daß Notstandsbeihilfen oder Unterstützungen an Behördenangehörige nicht mehr gezahlt werden, wenn sie jüdische Aerzte, Zahnärzte, Apotheken, Heilpersonen. Kranken- und Heilanstalten, Entbindungsheime, Beerdigungsinstitute(!) Rechtsanwälte usw. in Anspruch nehmen. Das Landesarbeitsgericht Breslau hat entschieden, daß jüdische Angestellte keinen Anspruch mehr auf Weiterbeschäfti- gung in öffentlichen Betrieben haben. Das Amtsgericht Leipzig kassierte ein Testament als unsittlich, well ein Arier einen Juden als Erben eingesetzt hat. Auf einer Tagung der Reichsbetriebsgemeinschaft»Banken und Versicherungen« hat der Leiter, Lencer, erklärt, auch in diesen Betrieben dürfe es keine Gemeinschaft mehr mit den Juden geben. Das parteiamtliche»Hamburger Tageblatt« veröffentlicht eine liste von Staatsangestellten und Beamten, die bis in die letzte Zeit regelmäßig einen jüdischen Arzt konsultiert hätten, der als Frontkämpfer zur Kassenpraxis zugelassen ist. Man müsse sich fragen, woher Leute, die ihr Geld vom Staate erhielten, den Mut nehmen, es zu einem Juden zu tragen; so fragt das Blatt, um so unverschämter, als dieser Staat die jüdischen Frontkämpfer- Aerzte ausdrücklich zugelassen hat. Bisher gab es nur Städte, die Juden vom städtischen Grunderwerb ausschlössen. Die Stadt EMwangen hat dieses Verbot auch auf diejenigen ausgedehnt, die mit Juden Geschäfte tätigen. Und nun entfaltet sich der Kampf gegen die»Wucherer« als Folge der Fleisch-, Fett- und Eierknappheit und der nach allen Erfahrungen Infolge der stürmischen Nachfrage sich entwickelnden Ueber- schreitung der Höchstpreise von den Erzeugern bis zu den Verbrauchern. Das ist wieder einmal der richtige Zustand für die Losung »Der Jud' ist schuld!« Aus allen Teilen des Reiches kommen Meldungen, daß von den Verhaftungen und Geschäftsschlleßungen größtenteils Juden betroffen worden sind. Es gehört nicht viel Prophetengabe dazu, um vorauszusagen, daß das»gesunde Volksempfinden« binnen weniger Monate tausende jüdische Geschäftsleute zur Strecke gebracht haben wird. Unter»gesundem Volksempfinden« sind allerdings nur die direkt oder indirekt für den Nahrungsmangel verantwortlichen Nazis zu verstehen, mit denen die große Volksmehrheit längst nichts mehr zu tun hat. Hannes Wink. �Mtdeuwul du UntamUem�m Als der Nationalsozialismus zur Macht gelangte, wurden seine Wortführer auf juristischem Gebiet nicht müde zu verkünden: mit der waschlappigen Humanität des vergangenen Systems sei es nun vorbei. Man werde nicht mehr dem Verbrecher durch die winkende Begnadigung seine Strafe»versüßen«, das neue Recht sei»ein Herrenrecht, kein Recht für Knechte«(Dr. Frank).»Die gefühlsduselige Rücksichtnahme darauf, den Rechtsbrecher ja nicht scharf anzufassen, bedeutet eine Versündigung an der Pflicht der Strafrechtspflege, das Volk als Ganzes gesund und rein zu erhalten.«(Dr. Freisler.) »Es mag Ausnahmefälle geben, in denen statt des Rechtes Gnade walten kann, aber das sollen und müssen Ausnahmefälle bleiben. Eis wirkt niederdrückend auf Richter und Staatsanwalt, ermunternd auf den Rechtsbrecher, wenn man weiß, daß die Wahrscheinlichkeit besteht, in mehreren Gnadeninstanzen einen Teil der Strafe nach dem andern abbandeln zu können.« So der gleiche Dr. Freisler zur Begründung des Abbaus der Gnadenstellen im»Na- tionalsoz. Zeitungsdienst« vom 13. Juli 33. Mittlerwelle aber hält das Dritte Reich bei seiner.... dritten Amnestie in 3V4 Jahren, und aus der deutschen Presse ist zu ersehen, daß allein die Zahl der durch das jüngste Amnestiegesetz(vom 23. April 36) von ihrer Strafe Befreiten bis zum 1. August d. J. reichlich eine halbe Million, genau 501.323 Personen betrug. Das sind offenbar die»Ausnahmefälle« des edeln Dr. Freisler! Auch hier stehen die Handlungen des Dritten Reiches in seltsamem Gegensatz zu seinen Ankündigungen. Man darf allerdings nicht glauben, diese Massenamnestierung sei aus Weichherzigkeit geschehen. Sie ist erfolgt, weil man sich angesichts der überfüllten Strafanstalten anders nicht mehr zu helfen wußte. Seine eigenen Anhänger, hat das Dritte Reich in 3532 Fällen amnestiert. Hierbei handelt es sich fast durchgehend um grauenhafte Mordtaten, Folterungen, bestialische Mißhandlungen, Erpressungen usw., die zusammengefaßt wurden unter den schönen Begriff»Uebereifer im Kampf für den nationalsozialistischen Gedanken«.— Seine Gegner hat das Reich begnadigt in 2777 Fällen,— hier handelt es sich durchgebend nur tun die leichtesten politischen Vergehen wie Straftaten gegen das Heimtückegesetz, also Beleidigungen des Etlhrers, anderer leitender Persönlichkeiten, Beschimpfung der NSDAP, des Reichs, der Wehrmacht usw., ein großer Teil der amnestierten jcälle ist im Rauschzustand begangen. Begnadigt wurden lediglich sog. »Meckerer«. Die wegen Hochverrats usw. verurteilten politischen Kämpfer blieben dagegen durchgehend von der Begnadigung ausgeschlossen. Die große Masse der Begnadigungsfälle (405.014) aber betrifft gewöhnliche— und zwar alle geringfügigen— Straftaten. Diese Zahl gibt einen zutreffenden Begriff von der in Deutschland zur Zelt bestehenden Strafmanie. Denn die entspricht der Gesamtzahl der normalerweise in Deutschland früher in einem Jahr Verurteilten. So wurden — bei riemlich gleicher Einwohnerzahl— z, B. im Jahre 1911 unter dem gewiß nicht sonderlich weichherzigen kaiserlichen Regiment 552.556 Menschen in Deutschland verurteilt An einem ganz bestimmten Tage, am 23. April 1936, war im Dritten Reich allein die Zahl der laufenden leichten Strafverfahren(inkl. derer, deren Strafe noch nicht verbüßt war), fast ebenso groß. Da die durchschnittliche Laufzeit gerade kleinerer Strafsachen bei weitem nicht ein volles Jahr beträgt so läßt sich allein aus dieser Ziffer eine Verdoppelung und Verdreifachung der Strafsachen im glücklichen Dritten Reich schlußfolgern. Die barbarisch-primitiven Vorstellungen, mit denen die Justizschergen Hitlers an das Strafrecht herangegangen sind, haben also in einer gänzlich prinzipienlosen Opportuni- tätspolitik geendet: In ihrem Drange, durch mitleidlose Strenge das Verbrechen»auszurotten«, haben sie nichts erreicht, als eine schwindelnde Verurteiltenzahl, die der Strafvollzug nicht mehr zu bewältigen vermag. Um sich der Masse der Verurteilten auf gute Art zu entledigen, mußte man zu der verpönten Begnadigung seine Zuflucht nehmen, und zwar — da man ja die von der Weimarer Republik geschaffenen sachkundigen Gnadenstellen abgeschafft hatte— zu der rohesten und schematiscbesten Begnadigung, die es gibt. zu einer Massenamnestie nach rein äußeren Gesichtspunkten: Man begnadigt halb- millionenweise etwa so viele Menschen, wie unter einer normalen Justiz im ganzen verurteilt werden würden und— es bleibt noch immer ein Uebermaß von Verurteilten übrig! Die große Freude »Eis ist wiederum der Fall, daß, wie das häufig immer bei solchen Gelegenheiten eintritt, bei wechselnder Jahreszeit auf bestimmten Gebieten bestimmte Verknappungs- erscheinungen sich bemerkbar machen. Aber wir können in diesem Jahre zu unserer großen Freude feststellen, daß das deutsche Volk diese Verknappungserscheinungen mit einer viel größeren Ruhe und Sicherheit zur Kenntnis nimmt, als das vor einem oder zwei Jahren der Fall war.« (Göbbels vor der Bauernabordnung in Hannover am Vortage des Aufmarsches auf dem Bückeberf.) Oberschlesische Streiflichter schlesien Ziegen für Berlin Lumpensammler mit Hakenkreuz » Kommunisten« im Saal Lehrer als Gestapospitzel * Lauter dulden nicht, daß die für jeden anderen Deutschen in Gültigkeit gesetzte Rechtsmaschine und Staatspflicht uns ins Handwerk pfuscht. Otto Strassers Selbstenthüllung Aus Deutsch- Oberschlesien wird len. In diesem Erlaß heißt es, daß Deutsch-| immer wieder Anlaß, nach den Urhebern veruns geschrieben: In den letzten Tagen haben land seine Rohstoffversorgung sichern müsse| schiedener Gerüchte zu forschen. Es sind Wir haben vor einiger Zeit den politidie Großschlächter und Einkäufer in Ober- und darum alles zu sammeln sei, was greif- zahlreiche Verhaftungen früherer Oppositio- schen Standort von Otto Strasser aufgeden amtlichen Auftrag erhalten, bar ist. neller bekannt, die aber wenig Erfolg hatten, zeigt. Wir haben dargelegt, daß er der alles einzukaufen, was greifbar ist, insbesonman mußte sie wieder freilassen. Nunmehr Vertreter einer Fraktion der politischen dere ist darauf verwiesen worden, daß Zie- Beim Erntedankfest im Casino der Don- hat die Lehrerschaft von Hinden- und geistigen Gegenrevolution ist, daß genfleisch sehr nahrhaft ist. Als nersmarckhütte in Hindenburg mußte die burg von der Polizei den Auftrag erhalten, seine politische Stellung am besten als die Aktion von einem gewissen Erfolg beglei- Kreisleitung der NSDAP eine nicht ge- bei Kindern nachzufragen, mit wem die oppositioneller Nationalsozialismus gekenntet war, mußten die Großschlächer die Wahr- ahnte Ueberraschung erleben. Nur wider Eltern verkehren, was für Besuche zeichnet wird. Aehnliches ist in eingehennehmung machen, daß das Ziegenfleisch willig folgte die Belegschaft dieser die Eltern erhalten, ob man zu Hause den der Untersuchung der Strasserschen Vernicht im Industriegebiet verwendet wurde, Aufforderung zum Erntedankfest. Als Moskauer Sender hört, was der Vater für öffentlichungen und Schriften in objektivsondern nach Berlin abtranspordie Hitlerjugend und die Mädels eines Zeitungen liest und worüber sich die Eltern ster Form im letzten Heft der Zeitschrift tiert worden ist. Außerdem haben die ihrer Lieder anstimmten und die Teil- und Besucher unterhalten. Da den Lehrern für Sozialismus geschehen. Großschlächter die Verpflichtung übernom- nehmer zum Mitsingen aufgefordert wurden, bestimmte Kinder benannt werden, deren Die Antwort Strassers auf diese polimen, wöchentlich 120 Ziegen für Berlin zur erklang aus hunderten Stimmen> das Wandern Eltern früher irgendwie in der Oeffentlich- tischen Feststellungen bewegt sich auf Verfügung zu stellen. Wie es heißt, ist die ist des Müllers Lust« und wurde auch durch- keit tätig waren, so geht daraus hervor, daß denkbar niedrigem Niveau und gipfelt in Aktion nicht auf Beuthen allein, sondern auf gesungen, zum Entsetzen des Kreisleiters es sich um eine systematische Aktion han- einer charakteristischen Selbstenthüllung. das ganze Industriegebiet ausgedehnt. Die Jonas, der dann die Bühne betrat, um in den delt. Gestapoleute besuchen fast allwöchent- Das erstere liegt darin, daß er dem Gezunehmende Fleisch- und Fettnot findet Saal hinunterzudonnern:» Sinn denn hier nur lich die Lehrerschaft und fordern Berichte, nossen Paul Hertz vorwirft, daß er die innerhalb der Bevölkerung in Spottversen lauter Kommunisten im Saal?< Die Feier was sie bei den Ausfragungen besagter Kin- Zeitschrift für Sozialismus in deren ihren Ausdruck, von denen in den letzten wurde vorzeitig abgeschlossen und die Führe- der in Erfahrung gebracht haben. Da die letztem Heft der Aufsatz von Sering über Tagen folgender im Umlauf ist: rin der Frauenschaft Fiol ausgeschlossen, weil Nachrichten nicht befriedigen, werden die den Volkssozialismus erschienen ist als sie angeblich bei der Auswahl der Gäste nicht Lehrer vor die Fachschaft gerufen, wo ihnen eine private Zeitschrift mit kommunistivorsichtig war. Da es sich bei den Gästen Instruktionen erteilt werden, wie sie bei den schen Geldern fortgeführt habe; daß Strasum die Siedler der Arbeitsfront handelt, war Ausfragungen vorzugehen haben. Einem ser das Pseudonym des in der Emigration die Erregung besonders groß, aber innerhalb Lehrer aus Mathesdorf wurde der Auftrag lebenden Paul Sering lüftet und in denunder Arbeiterschaft weiß man, daß man sie zuteil, die Familie einiger Kinder aufzu- ziatorischer Form daran schmutzige antiDer Kreisleiter Jonas aus Hindenburg hat nicht sobald wieder zu einer Feier einladen suchen, um sich dort zu erkundigen, wie die semitische Bemerkungen knüpft. Diese Art an die SS und SA einen Tagesbefehl erlassen, oder zwingen wird. Eltern gegenüber dem Führer und dem neuen der Polemik verletzt die einfachsten Pflichdaß sich die Mannschaften zu einer SamDeutschland eingestellt sind. Unter den Leh- ten der Solidarität innerhalb des Antimelaktion für Abfälle, besonders Die ständig zunehmende Kritik an den rern selbst ist man überzeugt, daß man sich faschismus und nutzt nur der Gestapo. aber Metalle, zur Verfügung halten sol- bestehenden Verhältnissen gibt den Behörden als Gestapospitzel herabwürdigen muß. Trotz der Zurückweisung durch den Genossen Paul Hertz hält Strasser an seinen Behauptungen fest. Diese Behauptungen sind darum nicht wahr. Wie unwahr sie sind, geht daraus hervor, daß vor einiger Zeit das Eingehen der Zeitschrift für SoDer Führer ohne Frau, Der Bauer ohne Sau, Der Fleischer ohne Fleisch, Das ist das Hitlerreich! * Das Hakenkreuz in Brasilien mn. Rio de Janeiro, Mitte September. Wir haben an dieser Stelle mehr als einmal erwähnt, daß die nationalsozialistischen Ortsgruppen in Brasilien die Geduld der brasilianischen Regierung stark überschätzen. Sie haben immer wieder angenommen, die brasilianische Regierung sei gegenüber den ständigen Verletzungen der brasilianischen Souveränität durch die NSDAP- Ortsgruppen blind. Sie haben immer wieder damit gerechnet, die brasilianische Regierung interessiere sich nicht dafür, in welchem Umfange die NSDAP die in Brasilien lebenden Deutschen terrorisiert, es sei ihr im Grunde genommen auch herzlich gleichgültig, welche Formen die nationalsozialische Agitation unter den Deutsch- Brasilianern( also den brasilianischen Staatsbürgern deutscher Abstammung) Das Außenpolitische Amt der NSDAP und Brasilien Unannehmlichkeiten bereiten wer- zialismus beschlossen worden ist, und daß die nationalsozialistischen Auslandsorganisa- den. Sie traut gewissen nationalsozialisti- die Nummer mit dem Aufsatz von Paul tionen versprechen sich nämlich außerordent- schen Aktivisten genügend innere Bereit- Sering als letzte Nummer erschienen ist. lich viel von einer Förderung der hiesigen schaft zum Mißbrauch der brasilianischen Die Selbstenthüllung liefert Strasser in faschistischen Bewegung, der Integralisti- Gastfreundschaft zu, um zum Beispiel durch einem sechs Spalten langen Artikel, in dem schen Aktion. Sie sehen darin eine Chance, Sabotage akte brasilianische Lieferun- er das bekannte Repertoire der Hetze gegen in Brasilien das liberalistische System« zu gen an Staaten, die Deutschlands Gegner Marxismus, Bolschewismus und Liberabeseitigen, wobei sie sich in der Hoffnung sind, verhindern zu wollen. lismus«<, vermehrt durch antisemitische wiegen, ein faschistisches Brasilien könnte Aus all diesen Gründen wird von einem Rüpelei, herunterbetet. Dabei bemüht er ein wertvoller Bundesgenosse Deutschlands bestimmten Kreise sehr einflußreicher be- sich, aus den ernsten sachlichen Gegenin einem kommenden Kriege sein und als tont katholischer Politiker der Staa- sätzen des freiheitlichen Sozialismus gegen Rohstofflieferant von Bedeutung sein. Auch ten Rio Grande do Sul und Minas Geraes, Theorie und Praxis der kommunistischen manche Pläne auf kolonialem Gebiet stehen die in dem hohen Klerus eine Stütze haben Diktatur einen Antibolschewismus gegenim Zusammenhang damit. Die brasilianische und zu der Bundesregierung in ausgezeich- revolutionärer Prägung zu machen. Er Regierung hat jedenfalls sehr viel über die neten Beziehung stehen, die Möglichkeit eines nimmt die Parteien des demokratischen finanzielle Unterstützung erfahren, die gleich- Verbotes der hiesigen nationalsozialistischen Sozialismus so die englischen, skandigeschaltete Firmen der Integralistischen Organisationen ernstlich studiert. navischen, belgischen, schweizerischen SoAktion angedeihen lassen, und macht sich Diese Ueberlegungen, die durch zahl- zialisten in Anspruch für eine sagenamtlichen Stellen der brasilianischen Süd- ist als eine Ausgeburt nationalsozialistiVon entscheidender Bedeutung für sie ist staaten( Rio Grande do Sul, Santa Catharina schen gegenrevolutionären Geistes. Er unaber die Frage, welche Konsequenzen und Parana) stammen, haben sich in der terstellt diesen Parteien, daß sie sich indie Organisationsarbeit der letzten Zeit bis zu einem Gesetzentwurf nerlich von den Grundgedanken des SoziaDie Ursachen sind verschiedener Art. NSDAP im Falle eines kommen- verdichtet, für den man sich die Erfahrungen lismus abgewandt hätten und im Grunde Erstens drückt in der letzten Zeit die den Krieges haben werden. Sie be- zugänglich macht, die manche europäische genommen Parteigänger eines reformierkatholische Kirche sehr auf energi- fürchtet mit guten Gründen, daß die deut- Staaten mit den auslandsdeutschen Organi- ten Nationalsozialismus seien. Er hat nicht sche Maßnahmen gegen die nationalsoziali- schen Nationalsozialisten einem neutralen sationen gemacht haben. stischen Organisationen, die in Brasilien bestehen. Einer ihrer bekanntesten Wortführer annimmt. In der letzten Zeit mehren sich auch sonst über die Aktivität der amtlichen reiches Material unterstützt werden, das von hafte» Dritte Front«, die nichts anderes aber die Anzeichen, daß der Geduldsfaden der brasilianischen Staatsmänner hart am RelBen ist. deutschen Vertretungen ihre Gedanken. im Kampf gegen den Nationalsozialismus Der braune Militäreinmal begriffen, daß das Grundelement dieser Parteien das Bekenntnis zur Freiheit ist, das Strasser und seine Freunde > gepanzerten systematisch als Liberalismus verächtlich Faust nicht mehr verlangen, als sie geben zu machen suchen. der Man soll gewiß von des letzten Welt- staat- ganz komplett! kann; daß es pazifistische Richtungen gab, ist der in Rio de Janeiro lebende Pater Sinzig, der während Gerichtsbarkeit. Es liegt in der Linie dieser Taktik, daß krieges in Brasilien zahlreichen Unannehmdie glaubten, durch Zureden und Paragra- er Sowjetrußland als Teilhaber an den lichkeiten ausgesetzt war wegen seiner be- Das letzte Restchen Weimarer Republik phenarbeit Kasernen in Mädchenpensionate europäischen Friedensbemühungen, als tont deutschfreundlichen Haltung. Sinzig hat Der Waffenträger jenseits der bürgerlichen umwandeln zu können, braucht nicht ver- einen hinterhältigen Partner hinstellt, der in der der katholischen Kirche reservierten schwiegen zu werden. Aber gerade hier han- ganz andere Ziele verfolge als seine offiSonderrubrik der brasilianischen Presse eine Die Nationalversammlung von Weimar delt es sich nicht um eine, wenn auch recht zielle Außenpolitik verkündet. Darin folgt Artikelreihe publiziert, in der in der klar hatte seinerzeit mit erdrückender Mehrheit problematische,» militärische Notwendigkeit< Strasser durchaus der Linie, die die Hitsten und eindeutigsten Weise die national- die Militärgerichtsbarkeit des ver- schlechthin, der sich auch andere Militärstaa- lersche Propaganda in der letzten Zeit zielsozialistischen Staatsmänner all der Verbre gangenen und in Konkurs gegangenen Kai- ten beugen in diesem Falle würde der bewußt eingeschlagen hat. Er steht geistig chen geziehen wurden, deren sie sich tatsäch- serstaates abgeschafft. Die Schand- Vorgang im Dritten Reich nicht mehr Inter- durchaus auf dem Boden jener nationallich schuldig gemacht haben. Diese Artikel, urteile gewisser Armee- und Marinetribunale, esse verdienen, als alle anderen mehr tech- sozialistischen Politik, deren fortgesetzte die sich nicht auf die Wahrung der beson- die Namen besonders berüchtigter Kriegsge- nischen Fragen der> Wiedererlangung der Versuche, Sowjetrußland aus der Friedensderen katholischen Belange beschränkten, richtsräte aus der großen Zeit<< waren noch deutschen Wehrhoheit< auch sondern um front herauszubrechen und dadurch die Beschwerden nun sondern die Probleme viel umfassender dar- zu sehr in aller Deutschen Gedächtnis, als die spezifisch preußische Inkarnation des Grundlage für die deutsche Vorherrschaft stellten, wurden unter anderem von dem daß man damals nicht hätte mit einem Spuk Militärischen: nämlich um das Supe- in Europa zu schaffen, heute das ZentralOrgan des brasilianischen Außenministers aufräumen müssen, den nur die Besonderhei- rioritätsprinzip gegenüber dem problem der europäischen Politik sind. Die und des brasilianischen Justiz- und Innen- ten des Werdens Preußen- Deutschlands» Zivil, um die systematisierte gesamte Politik der Sozialistischen Arbeiministers abgedruckt und machten einen mit dem Korporalstock des ersten Friedrich Minderbewertung der bürgerli- ter- Internationale und ihrer Parteien ist außerordentlich tiefen Eindruck. Sie fanden Wilhelm als Symbol verständlich machten. chen Staatsgewalt durch die Re- ein einziger Beweis dagegen, daß die Pareinen um so günstigeren Boden, als sich die Vom 1. Oktober 1936 ab ist die präsentanten der Armee! Ganz teien des demokratischen Sozialismus, so der im Lande geborenen eigene Justizhoheit des deut- kaltschnäuzig stellt das ein Sachverständiger wie Strasser es zu verstehen gibt, gemeinDeutsch- Brasilianer gegen den schen Militärs in vollständiger und Mitbeteiligter selbst, der Geheime Kriegs- sam mit der sagenhaften Dritten Front nationalsozialistischen Terror mehren und Form wiederhergestellt und sind rat im Reichskriegsministerium Dr. Wagner, mit dieser Herausdrängungstendenz einsich unmittelbar an die brasilianischen Be- die letzten Einschaltungen des bürgerlichen in einem dem Gesetz gewidmeten Beitrag in verstanden wären. hörden wenden, während man bis vor einiger Rechtsgedankens in ihren Betrieb wieder be- der» Deutschen Juristenzeitung< fest, wenn Echt nationalsozialistisch im Stile der Zeit aus einer mißverstandenen» völkischen seitigt worden. Für die erste und zweite In- er schreibt: antibolschewistischen Liga ist nun aber Solidarität<< die Angelegenheiten» innerhalb stanz von Strafsachen gegen Soldaten hatte>> daẞ... der Gerichtsherr, zweiter Instanz, die Methode, daß jeder, der sich gegen des Deutschtums« zu erledigen suchten. Zwar schon ein früheres Hitlergesetz, in, d. h. praktisch gesprochen der kommandie- diese Tendenz wendet, von Strasser als Die katholische Aktion gegen die national- Kraft gesetzt mit dem 1. Januar 1934, das rende General oder ein ihm gleichgestellter geistig und finanziell von Moskau korrumsozialistische Propaganda in Brasilien Kriegsgerichtsratswesen Träger hoher Kommandogewalt das weitere piert und von Münzenberg gekauft beben und alte die Beschwerden der Deutschbrasilianer ha- erneuert; aber in der dritten und höchsten Schicksal des von ihm ergriffenen Rechtsmit- zeichnet wird. die Aufmerksamkeit der politischen Gerichtsinstanz blieb damals das Reichsge- tels an ein nicht- militärisches Gericht abgeben Diese politische Tendenz und diese MeKreise Brasiliens unter anderem auf die richt nach wie vor noch der Spruchkörper. mußte, war militärisch, wie politisch thode der Beschimpfung nach nationalsoes wieder einen eigenen gesehen(!) kein auf die Dauer erträg- zialistischem Muster charakterisieren Otto Frage gelenkt, in welcher Weise die hiesigen Nunmehr gibt Nationalsozialisten und die in Brasilien be- Obersten Gerichtshof der Wehr- licher Zustand.<< Strasser wie seine politische Richtung. Er das Reichskriegsge- Mit anderen Worten: wir mit den roten arbeitet für die Gegenrevolution mit den stehenden deutschen Firmen Einfluß auf die macht< Hosenstreifen sind der Staat im Staate und Mitteln der Gegenrevolution. brasilianische Innenpolitik zu nehmen suchen. richt. Der Die Mobilmachung der Wirtschaft Die Organisation der deutschen Wehrwirtschaft soll. möchte, haut auf die eigene Vergangenheit! Sollte dies widerliche Schauspiel wirklich reüssieren -? sei Unlängst war in einer antifaschistischen Zeitung bei Gelegenheit des Falles Kube der zu lesen: die Langwierigkeit, die moderne Krieg ist ein totaler| Ueber den Stand der Produktion von syn- dieser Kriegsfinanzpolitik bei einer Verdem System bereite, Krieg. Die Wirtschaft ist ein Teil der Ar- thetischem Kautschuk sind keine auch nur langsamung des Rüstungstempos zu einer Korruptionsfall mee, für den Erfolg des Krieges eher wich- einigermaßen ausreichende Daten zu er- friedensmäßigen wehrwirtschaftlichen Fi- eigentlich der Beweis dafür, wie schwer sich tiger als das kämpfende Heer. Da der halten. nanzpolitik ohne Umstellungskrise finden der Führer« von alten Freunden zu trennen vermöge... Fast wurde da Hitler so eine nur die Versorgung Kriegsbedarf nicht - Treubegriffs Art- angeblich germanischer Die Handelspolitik im mit Kriegsmaterial umfaßt, sondern die Die Arbeiterfrage angedichtet. Nun hätte zwar schon der Fall Gesamtproduktion des Landes, die Ernäh Dienste der Wehrwirtschaft Weder ist Deutschland in der Lage, die Die Hauptschwierigkeit des wehrwirt- Röhm oder Gregor Strasser auf diese dumme erteilen rung und Bekleidung nicht allein der Arrichtige Antwort mee, sondern des gesamten Volkes, ist» volle Nahrungsmittelfreiheit<< zu errei- schaftlichen Arbeitseinsatzes liegt in der Paraphrase die selbst der Göbbels wagt solche Wehrwirtschaft notwendig staatlich ge- chen, noch kann es alle im Inlande nicht Bereitstellung einer ausreichenden Reserve können; lenkte und regulierte Wirtschaft. Der vorhandenen industriellen Rohstoffe durch an Facharbeitern für den Fall des Krie- Theorie nicht mehr zu schaukeln. Die AngeZwang zur staatlichen Regulierung er- künstliche Erzeugnisse ersetzen. Es bleibt des. Die Arbeiterfrage ist neben dem Fi- legenheit Dinter aber ist ein neuer drastiwächst unmittelbar aus den Anforderun- auf Auslandslieferungen angewiesen. Das nanzierungsproblem die schwächste Stelle scher und handgreiflicher Beweis dafür, wie der Handels- der deutschen Wehrwirtschaft, weil die Herr Hitler dem sehr persönlichen Machiagen des modernen Krieges. Die» zivilen« bedingt die Unterordnung und die militärischen Gesichtspunkte in politik unter die strategischen Pläne des Arbeiterfrage nicht nur eine technische, vellianertum huldigt. der Wirtschaftsdirigierung und Wirt- Generalstabes. Das leitende Prinzip wird organisatorische und finanzielle Frage ist, aber von seinen eigenen Schaufenstern muß schaftspolitik durchdringen einander der- auch im Außenhandel immer mehr die sondern vor allen Dingen eine soziale und wohl noch der Führer und Reichskanzler< art, daß nur noch in der Theorie, aber wehrwirtschaftliche Orientierung. Sie er- politische. Diese sozialen und politischen in Trümmer legen, ehe er Europa davon übernicht mehr in der Praxis ein Unterschied fordert einen möglichst intensiven und Schranken, die in der Arbeiterfrage be- zeugt hat, er sei wirklich der Nachfolger und gemacht werden kann. Das gilt insbeson- vielseitigen Außenhandel, nur gerät eben stehen, können sich am ehesten als undere für das Dritte Reich. Unter dem Ti- dieses Interesse am Export in Widerspruch überwindbar erweisen. tel • > Die deutsche Wehrwirtschaft wird zu der wachsenden Konkurrenzunfähigkeit in dem Deutschland- Bericht des Sozial- der Wirtschaft, die sich aus der steigenden demokratischen Parteivorstandes vom Sep- Belastung durch die Rüstungsaufgaben, tember 1936 darüber instruktiv berichtet. die Ersatzstoff- und Vorratswirtschaft und Der wirtschaftliche General- die strategisch orientierte Handelspolitik stab u. seine Exekutivorgane ergibt. Widersprüche einer kapitalistische Wehrwirtschaft Notwendigerweise ist schon die FrageVollender Bismarcks-? Wie viele andere H. E. Stammrolle für Maschinen Das Reichswirtschaftsministerium hat an die Reichsgruppe Industrie ein Schreiben gerichtet, in dem die Einführung von Maschistellung, mit der das Militär an die Pro- nenkarten angeordnet wird. Für jede in der schaft zu und die der SO soll die Maschinenkarte bei der der Lösung dieser Aufgabe für die Maschine eine deutschen duktion herantritt, dem Kapitalismus Industrie verwendete Maschine soll zur ErProduktionsanlagen fremd. Das Kapital fragt und muß fragen: möglichung der vollständigen Ueberwachung Der wirtschaftliche Generalstab bedarf auf Vorrat rentiert sich die Produktion, verzinst sich eine derartige Karte angelegt werden. Aus einer Organisation, die das gesamte Wirtschaftsleben erfaßt. Diese Gesamtorgani- Neben den Nahrungsmitteln und Roh- das investierte Kapital? Rüstung ist an der Karte sollen die einmaligen Anschaffungssation wäre in Deutschland durch die Zu- stoffen muß eine Kapazitätreserve in allen sich unproduktiv, stellt eine Belastung kosten, der laufende Betriebsaufwand, die Reparaturausgaben, die Einsatzfähigkeit zusammenfassung der drei großen Organi- kriegswichtigen Industrien über das für den dar, die um so größer ist, wenn sich daran hauptsächlichen sationen, der Arbeitsfront, der Organisa- normalen Friedensbedarf ausreichende Maß auch noch große kapitalistische Schichten Leistungsbereichern. Die deutschen Militärs stoßen Maschine hervorgehen. tion der gewerblichen Wirtschaft und des hinaus geschaffen werden. Die eigentliche Es handelt sich bei dieser Anordnung des Reichsnährstandes in einer einheitlichen deutsche Rüstungsindustrie, die Schwer- aber auf Schritt und Tritt auf die Widersprüche zwischen kapitalistischen und Reichswirtschaftsministeriums um eine MaßSpitze gegeben. Vorläufig sind aber nur industrie, war schon vor Hitlers Machtvolle Bedeutung geArbeitsfront und Organisation der gewerb- antritt für den normalen Friedensbedarf wehrwirtschaftlichen Ansprüchen an die nahme, die erst ihre lichen Wirtschaft zusammengekoppelt. Die viel zu groß. Ganz anders war es bei der Wirtschaft. Objektiv zwingt die Wehrwirt- winnt, wenn man sie im Zusammenhang mit dauernder kritischer Ausein- der Kriegsaufrüstung betrachtet. So wie das Funktionen der Organisation der gewerb- Produktion von Flugzeugen, Giftgas und lichen Wirtschaft sind heute noch sehr be- Aluminium. Sie sind erst in den letzten andersetzung mit dem Kapitalismus. An Arbeitsbuch, das für die Arbeiterschaft neu sich müßte die Notwendigkeit einer straf- zur Einführung gekommen ist, die Registrieschränkt. Ihre eigentliche Aufgabe liegt drei Jahren auf den Stand gebracht worfen Lenkung der Rüstungsindustrie wehr- rung jedes einzelnen Arbeiters vervollstänin der Zukunft, in der Vorbereitung und den, daß sie den wahrscheinlichen KriegsDurchführung der wirtschaftlichen Mobil- ansprüchen wenigstens für die ersten Mo- wirtschaftlich dem Gedanken ihrer Ver- digt und dadurch seinen Einsatz durch die Bemachung und der Organisation der Kriegs- nate genügen können. Aehnlich liegt es staatlichung nahe legen. Objektiv, d. h. hörden zu dem gegebenen Zeitpunkt ermögwirtschaft. Die deutsche Arbeitsfront beim Automobilbau. Die jetzigen Produk- wenn die deutschen Offiziere nicht selber licht, könnte theoretisch als Exekutivorgan des tionsanlagen für Automobile können nur zu einem großen Teil persönlich an wirtschaftlichen Generalstabes in Frage voll ausgenutzt werden, solange die Staats- Aufrechterhaltung der bestehenden Eigen- wesentliche Hilfe sein. tumsverhältnisse interessiert wären, müßte Die völlige Ausrichtung der kommen, bis jetzt werden aber die wehr- aufträge anhalten. wehrwirtschaftlich unter diesem Gesichts- Wirtschaft auf die sogenannte Wehrwirtwirtschaftlichen Aufgaben auf dem Ge- Das Finanzierungsproblem punkt die Verstaatlichung der Rüstungs- schaft bedingt, daß der oberste Generalbiete der Arbeitspolitik nicht von der Arim weitesten Sinne gefordert stab< mit der Zeit eine genaue Uebersicht Wenn schon im Frieden der größte Teil industrie beitsfront, sondern von der Reichsarbeitsdes nationalen Reichtums durch freiwillige werden. Setzt die Wehrmacht den An- über die Leistungsfähigkeit und die Verwenverwaltung erfüllt. Als einzige wehrwirtschaftliche wichtige Funktion bliebe ihr oder Zwangsanleihen mobilisiert worden spruch durch, das ganze gesellschaftliche dungsmöglichkeit des gesamten deutschen der Wehrwirtschaft zu Maschinenparks bekommt. Erst dadurch noch die der psychologischen Beeinflus- ist, ist die finanzielle Bewegungsfreiheit im Leben im Sinne Kriege entsprechend geringer. Um so frü- durchdringen, so muß das ihre Stellung wird es möglich, den in Nürnberg verkündesung der Arbeiterschaft. her muß der Staat dann zum Mittel der im Regime weiter verstärken. Das darf ten zweiten Vierjahresplan mit weniger ReiStraff und übersichtlich ist der ReichsInflation in irgendeiner Form greifen. Zur aber nicht zu primitiven Vorstellungen bungen, die sich aus der notwendigen wirtnährstand durchorganisiert. Er ist ein des Regimes durch schaftlichen Umstellung ergeben müssen, Zeit werden in Deutschland Finanzierungs- über eine Ablösung gewaltiges Zwangskartell, zumethoden angewandt, die durchaus eine Militärdiktatur verleiten. Das Regime durchzuführen. sammen mit den der gleichen Leitung unAber trotz Arbeitsbuch und Maschinenden Methoden einer Kriegs- braucht die Armee, aber die Armee braucht terstellten landwirtschaftlichen Marktfinanzierung entsprechen: we- einstweilen auch das Regime. Ein Militär- karte dürfte sich die Rechnung der deutorganisationen reguliert er den Absatz nicht ohne schen Diktatoren am Ende doch als falsch sentliche Erhöhung der Steuerbelastung, regime kann auf die Dauer jedes einzelnen landwirtschaftlichen Betriebes, jedes einzelnen Unternehmens, das Auflegung von freiwilligen und Zwangs- Massengrundlage regieren, die NationalLandwirtschaftserzeugnisse vertreibt oder anleihen und fortschreitende Anwendung sozialisten haben aber bisher immer wieinflationistischer Maßnahmen in einer der mit Erfolg diese Massengrundlage herverarbeitet, verordnet Pflichtablieferungen, schreibt die Preise vor, greift in Besitz- neuen, für das Volk noch undurchsichti- zustellen vermocht. Deshalb glauben die und Kreditverhältnisse, in die Produktions- gen Form. Diese Finanzpolitik entspricht Militärs von ihrem Standpunkt aus auch nicht den Bedingungen einer Wehrwirt- nicht, daß eine andere politische Kraft methoden, Arbeitsbedingungen usw. schaft im Friedenszustand, sondern bereits und eine andere staatliche OrganisationsDieser ganze Apparat kann ohne jede den einer Kriegswirtschaft. Es ist das Pro- form sich zur Zeit als nützlich für ihre Schwierigkeit in den Dienst einer kriegswirtschaftlichen Organisierung der Pro- blem, wie Deutschland den Uebergang von Zwecke erweisen könnte. duktion, Verarbeitung und Verteilung von Agrarerzeugnissen gestellt werden. ein. Die Sicherung der Rohstoff- Dee Keafthieb ins eigene Schaufenstee und Ernährungsbasis Es müssen nicht nur die Organisationen geschaffen, sondern auch die Produktionsdes der erweisen. Göring, der Spieß Namenforschung im Dritten Reich. In Stuttgart erscheint das Nachrichtenblatt des Kameradschaftsbundes ehemaliger Angehöriger des 8. Württembergischen Infanterieregiments Nr. 126. Darin war kürzlich ein Leitartikel von Linder Mühlacker lesen, der sich um die Namen der Führer des Dritten Reiches sprachforschend bemüht. In dem Artikel heißt es: zu » Gehen wir an die Größten unserer Zeit! Ich möchte Hitler verdeutschen mit sein » Kampfesheld< und Adolf mit>> der Stimmt Geschlecht zum Sieg Führende«. das nicht? Heß( gleich dem Regiment- Heeẞ) bedeutet der Schöne«. Göring ergibt der Spieß«, also just der richtige Soldatenvater! Dazu gehört ebenso sinnig Blomberg,» der die sprossende Jugendkraft Erhaltende«. Göbbels ist der durch Gott Kühne«.» Der Schützende« gilt für Frick und der Gerüstete« für Rust. Ley und Ludin könnten von Lindo= Volk stammen und » Volksführer« heißen. Kerrl ist natürlich ein» Kerl< und Huno=> der Riese< führt zu Hühnlein. Lutze ist der Berühmte<, im Seldte» der Glückliche«, Papen» der Kampf Glänzende« und Schacht der Erschütternde<. Hitler legt seinem lieben Dinter das Handwerk Wie soeben aus dem Dritten Reich bekannt| Wichtig allein ist die folgende Feststellung mittel bereitgestellt werden, die zwar im wird, hat die Geheime Staatspolizei nunmehr zum Fall Dinter: Dinser Mann war ein Intimus des> FühFrieden auch bei günstigster Konjunktur dem Verein» Deutsche Volkskirche<( Dinter- besonderer nicht voll ausgenutzt werden, aber im Bewegung) den Garaus gemacht. Die Auf- rers<, dem er in Charakter, Gehabe und GeFalle einer Blockade die Zufuhr vom Aus- lösung vollzog sich in den gegen ordinäre tue, im Demagogischen ebenso wie im Paland ersetzen können. Der» Kampf um die Staatsfeinde< üblichen Formen nach eigener thologischen bis aufs Haar glich. Dieser Mann deutsche Nahrungsfreiheit«< ist bisher ohne amtlicher Mitteilung der Behörde: Vermögens- Dinter gehörte jenem allerengsten Kreis des der Herausgabe halben Dutzend>> treu< gebliebener Spießnennenswerten Erfolg geblieben. Aber die- beschlagnahme, Verbot ser Mißerfolg kann wehrwirtschaftlich irgendwelcher Druckschriften, Unterbindung gesellen an, die nach dem 23er Putsch ausgenutzt werden, gibt er doch Gelegen- jeder Versammlungstätigkeit, Androhung der Parteichefs<, als dieser resignierend in heit, das kriegswirtschaftliche Verteilungs- Schutzhaft bei Zuwiderhandlung, gründliche bayrischen Festung es sich mordswohl sein Als Begründung hat ge- ließ, vom nationalsozialistischen Metier doch system auszubauen und auszuprobieren. Haussuchung. Die Fleisch-, Fett-, Butter- und Eierknapp- dient, daß der Dinter nicht etwa religiösen nicht lassen konnten und die Partei neu grünheit hat für den wirtschaftlichen General- Schwefel von sich gegeben hat, sondern daß deten. In Hitlers Putschpläne war der Dinter stab den Wert eines Manövers oder einer seine Bewegung in politisches Sek- vom» Führer< höchstpersönlich eingeweiht klärung des Namens des Verfassers tierertum ausgeartet sei! Probemobilmachung. Gewiß wird dem pathologischen Schreihals Schrecken Thüringens in den ganzen Jahren, wie mit Till Eulenspiegel zusammenhängen? Glücklicher als in dem Streben nach Nahrungsmittelautarkie war das Regime in Dinter, der schon längst vor Hitler entdeckt in denen es Adolf von Bayern und München den bisherigen Versuchen, sich in der Ein- hatte, wie man aus Antisemitismus sich Ver- war. Dieser Dinter war der sichern kann, tagsabgeordneter der Nazis in Mitteldeutschfuhr industrieller Rohstoffe eine gewisse mögen und Großeinnahmen > Jedes deutsche Weib sollte nur RosenUnabhängigkeit zu sichern. Die Ersatz- kein Deutscher, der diesen Namen verdient, land; er war vom Führer ernannter Gauleiter einmal Minister der stunden des tiefsten Seelenverstehens in das produktion beschränkt sich in der Haupt- eine Träne nachweinen; in die Leidensfront in Weimar; er war sache auf drei Gebiete: Textilfasern, Treib- derer, die vom ehemaligen>> Stahlhelm und NSDAP im Thüringischen Staatsministerium. Leben ihres Mannes tragen, auf daß er jederstoffe und Kautschuk. Der volle Ersatz dem Hindenburg- Kreis bis zu Thälmann und Wieder also der schon allmählich so lächer- zeit mit dem glitzernden Tautropfen aus dieHamburger Kai- Proleten reicht, wird lich gewordene Versuch Hitlers: nun, da er sem Rosenhag auf den Lippen für sein Vaterder natürlichen Fasern durch die syntheti- den schen ist nach den bisherigen Erfahrun- niemand diesen völkischen Radau- Messias auf- selbst arriviert ist, mit elegan- land schaffen, und wenn es sein muß, sterben gen ausgeschlossen. Eine deutsche Treib- zunehmen bereit sein. Herrn Dinters persön- tem Salto mortale über den eige- kann!< stoffautarkie läßt sich zwar erreichen, liches Schicksal stößt ganz gewiß auf allge- nen Schatten zu kommen! Er, der jetzt Europa erzittern machen aber nur unter sehr bedeutenden Kosten. meine und totale Gleichgültigkeit. worden. Dieser Dinter war der antisemitische erste ReichsWas fehlt, ist eine sprachforschende Erselbst. sollte das nicht irgendLinder Mühlacker Das deutsche Weib ( Aus einem Buch von Alf Krüger, Berlin, Verlag für Kulturpolitik.), Nr. 17" BEILAGE 1. November 1936 Warum putschen Spaniens Generale? Am 14. April 1931 ging die spanische Monarchie unter. Neunzig Prozent der spanischen Bevölkerung sprachen sich gegen die alte Staatsform aus. Mit Tanz und Dorfmusik feierte Spanien den Anbruch sedner zweiten Republik. Der Jubel über die Neugeburt des Landes war um so größer, als viele Spanier, darunter bedeutende Politiker, dem tief im Mittelalter steckenden Lande keine gute Zukunft prophezeiten. Pessimistisch klagten sie:»Dieses Volk hat keinen Pulsschlag mehr«.' Man ahnte nicht, daß schon die allernächsten Wochen und Monate diesen Pessimismus als unberechtigt erweisen würden. Glücklich über diese Täuschung und den Sieg der Republik gleichermaßen, schlug der unbegründete Pessimismus schnell in einen ebenso imbegründeten Optimismus um, während der Realismus fast in allen Lagern zu kurz kam. Im Rausch des überwältigenden Sieges und überzeugt von der Gerechtigkeit ihrer Sache, übersahen weite Kreise der republikanischen Bevölkerung die Gefahr reaktionärer Rückschläge. Der brutale Macht- und Gewaltstaat schien überwunden. Wie sollte er wieder auferstehen, wenn 90 Prozent der Bevölkerung ihm den Weg versperren? Die Niederlage des Machtprinzips, das Ende der Diktatur Primo de Riveras und schließlich der Monarchie selbst, war eine wichtige Ursache dafür, daß die Sieger vom April 1931 keine Gewaltanbeter wurden. Das Volk siegte ohne Gewaltakte und ohne Barrikaden über ein System, das immerhin als ein faschistisches galt. Aber darüber hinaus sind die modernen Gesellschaftsklassen, das liberale Bürgertum und das sozialistische Proletariat, ganz allgemein keine solchen Mystiker der Gewalt wie jene Gesellschaftsschichten, die sich im geschichtlichen Prozeß auf der absteigenden Linie befinden. Die Prinzipien des Feudalismus, des Adels, des Klerus usw. setzen sich nicht mehr im Zuge der geschichtlichen Entwicklung durch, sondern stehen dieser Entwicklung hemmend im Wege. Darum können sich die versinkenden Mächte nur durch die nackte Gewalt zu behaupten suchen, darum verstehen sie sich überall psychologisch und handwerksmäßig besser auf die Handhabung der Gewalt als die modernen Klassen, und darum glauben sie auch, ihr Untergang sei durch die Macht der Waffen zu verhindern. Ganz anders ist die Mentalität oder gar das Bewußtsein der geschichtlich aufsteigenden Gesellschaftsklassen. Diese Verschiedenheit ist nicht nur ganz allgemein eine Erklärung für das»Versagen« mancher Demokratie, sondern macht auch verständlich, wie die Bevölkerung, die zu friedlicher Aufbauarbeit überging und darum jede kriegerische Vorarbeit unterließ, von den putschenden Generalen derart überrascht werden konnte. Offenbar wurde die Vergangenheit um so leichter vergessen, als sie nicht gerade schön war und die Vorstellungskraft A?r Repifblikaner vollständig durch kühne Flüge der Phantasie in die Zukunft hinein erschöpft wurde, obwohl ein Blick in die Vergangenheit mindestens ebenso nützlich hätte sein können. Denn Spanien war schon einmal eine Republik. 1873 verjagte das spanische Volk die verhaßte Königin Isabella— aber General Pavia Heß die Volksversammlung mit seinen Soldaten auseinandertreiben und so währte der Traum der Republikaner nicht lange. Die Armee stand gegen die Nation; es war damals so, wie es heute ist. Aber heute ist der Kampf heftiger, denn die versinkenden Klassen sind tiefer gesunken und die aufsteigenden sind höher gestiegen. Unversöhnlich stehen sich zwei Epochen gegenüber. Der Geist des bürgerlichen Fortschritts, der Geist des Sozialismus, der Gedanke internationaler Wirtschaft in dieser oder jener Form, der Gedanke der Demokratie, des Parlamentarismus und der freiheitlichen Beziehung von Mensch zu Mensch haben sich inzwischen neues Terrain erobert. An die Stelle feudaler und mittelalterlicher Verhältnisse wollen die Prinzipien moderner Oekonomie und individueller Freiheit treten, das feudalistische Herrschaftsprinzip wird vom Der Aufstand der Rebellen Prinzip der selbstverantwortlichen Lebensgestaltung und des Vertrages nach innen und nach außen verdrängt. Der internationale Faschismus, der die Weltwirtschaft in Hunderte von Kriegswirtschaften auflösen und den Menschen u. a. dadurch in jenes Mittelalter zurückstoßen wül, aus dem das rückständige Spanien gerade gegenwärtig herausstrebt, dieser internationale Faschismus, der die Beziehungen auf diesem Erdball allein durch das Schwert zu»regeln« gedenkt, er sucht der Welt einzureden, daß der Sinn des spanischen Ringens in der Alternative: für oder wider den»Bolschewismus« begründet liege. Allerdings träfe das zu, wenn man sich Hitlers und Rosenbergs Privatvorstellung vom Bolschewismus zu eigen machen würde. Bekanntlich sind diese beiden Ideologen nebst ihren Mit- und Nachläufern der Meinung, daß der Bolschewismus bereits 1789 geboren wurde, woraus man ersehen kann, daß der deutsche Faschismus alle Errungenschaften der bürgerlichen Epoche als»Bolschewismus« denunziert. In diesem Sinne geht es in Spanien wirklich darum, ob der»Bolschewismus« oder der Faschismus siegen soll, denn Spanien macht heute durch, was England und Frankreich längst hinter sich haben: den Prozeß der bürgerlichen Umwälzung. Spaniens Generale kämpfen darum nicht gegen den»Bolschewismus«, sondern gegen die bürger- Uche Erneuerung. Daran ändert ihre nationale Phraseologie gar nichts. Man sollte sich doch daran erinnern, daß der Graf J. de Maistre im Verlauf der französischen Revolution die Frage: was ist eine Nation? so beantwortete:»Der Souverän und die Aristokratie«, A. Thierry aber so:»Wir glauben eine Nation zu sein, und wir sind zwei Nationen im selben Land, zwei Nationen, zwei Feinde in ihren Erinnerungen, unversöhnbar in ihren Plänen«. Franco wird den Begriff der Nation so formulieren: eine Nation ist die Generahtät plus Kolonialtruppen. Und der Liberale Madariaga, der uns nicht nur durch sein ausgezeichnetes Buch über Spanien, gegen die Nation sondern mehr vielleicht noch durch seine Tätigkeit am Völkerbund bekannt ist, hat lange vor Ausbruch der Revolution schon klar ausgesprochen, für was diese»nationale« Generalität im Bunde mit den ge- schichtslosen Söldnerbanden in Wirklichkeit kämpft. Madariaga klagte: »Eine Gesellschaft von Offizieren kontrolliert das gesamte öffentliche Leben. Ohne sonderliches Interesse für die Außenpolitik.. hat diese Gesellschaft nur ein Ziel... ihre Macht zu behalten, zu erweitem und einen verhältnismäßig großen Teil der Einnahmen des Staates mit Beschlag zu legen.« Das ist ihr Kampf gegen den»Bolschewismus«! Das ist ihr»Befreiungswerk«! O ja, es ist ein Befreiungswerk: die Generale sind nämlich bestrebt, sich von den Einengungen ihres Interessenkampfes durch die Demokratie zu»befreien«. Auch das hat uns Madariaga in seinem Buch über Spanien(Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1930) schon mitgeteilt. Wörtlich sagt dieser führende Spanier: »Instinktiv wußte die Armee, daß die neuen Kräfte, wenn ihr Wachstum nicht behindert würde, nach und nach die politische Betätigung der Militärs unterbinden und den Heeresapparat auf den bescheidenen Umfang, der für eine vom Ausland nicht bedrohten Nation wie Spanien ausreicht, zurückführen werden.« Um dies zu verhindern, sind— außer deutschen und italienischen Waffen!— die Kolonialtruppen gerade gut genug! Und für derartige Interessen müssen Städte vernichtet und Zehntausende von Menschen hingemordet, vor allem aber muß dazu eine Nation, die Zeit und Kraft zu ihrem Aufbau braucht, bei friedlicher und schöpferischer Arbeit überfallen werden— überfallen von»ihren« Generalen, die den Krieg brauchen, um ihre Existenz aufrecht zu erhalten, und wenn es nicht der Krieg gegen außen ist, dann muß eben einer gegen innen inszeniert werden! Es ist überaus bezeichnend, daß die Republik von den etwa 25.000 Offizieren rund 10.000 abbaute, Primo de Rivera jedoch darauf verzichtet hatte und die Generale nun wieder das alte Verhältnis herstellen wollen. Dabei ächzt das spanische Volk unter der Last seiner Militär- und sonstigen Ausgaben für den furchtbar über- bürokratisierten Staat. Der katalanische Schriftsteller Almirall sagte einmal: in zwei Dingen marschiert das sonst weit zurückgebliebene Spanien an der Spitze Europas,»in der Höhe seiner Staatsschulden und in der Zahl der Generale«. 1927 zählte das Heer nach Madariaga 207.000 Soldaten und 219 Generale! Seit den Freiheitskämpfen gegen die Napoleonische Fremdherrschaft dominieren die Generale, deren Bedeutung durch Bürgerund Kolonialkriege noch gesteigert wurde. Wie in Preußen-Deutschland griff die Armee immer kühner ins zivile Leben ein. »Das Heer und seine Verwaltung wurden ein Staat im Staate«.(Madariaga.) Im Jahre 1905 brachte ein katalanisches Witzblatt eine Karikatur auf gewisse Militärzustände. Daraufhin drangen die beleidigten Offiziere beinahe wie SA-Leute in die Redaktion ein, in deren Räumen sie wie die Wilden hausten. Sie wurden aber nicht— und das genau wie bei der SA — bestraft. Im Gegenteil: sie setzten sogar nach einigen Ministerkrisen ein besonderes Militärgericht durch. Dieses sogenannte»Kompetenzgesetz« empfand der Liberalismus als eine schwere Niederlage. Der König stützte sich immer stärker auf die Armee, die Minister wurden ignoriert, eine Kontrolle der militärischen Ausgaben usw. gab es nicht. Es gab zwar immer kleine Kreise in der Armee, die moderner, bürgerlicher, liberalistischer dachten, aber sie blieben wie in Preußens Armee eine schikanierte Minderheit, die heute im wesenthehen zur Volksfront steht. Die politisierenden Generale gehörten»im besten Falle in die Klasse der aufgeklärten Despoten«(Madariaga). Und weil sie die Despotie aufrechterhalten und ihre Waffen weiterhin zur Ausbeutung der Nation benutzen wollen, darum putschen Spaniens Generale. Fred War. Das braune Hilfsdienstgese� Plnkcrton Im kommenden deutsdien Siral'redit »(Der Krieg ist zu einer Arbeiterfrage geworden«— dies Wort prägte ein prominenter Sachverständiger der deutschen Weltkriega- fütorung, der damalige General Gröner, zuerst bekannt geworden durch seine Leistungen als Chef des Fei deise nbahnwesena, denen Deutschland in der Tat achtzig Prozent seiner strategischen und taktischen Erfolge in den vier Jahren überhaupt verdankte, schon um die Mitte des großen Ringens. Hitlerdeutschland, den Weltkrieg von morgen mit aller Sorgfalt und Kaltblütigkeit vorbereitend, würde seinen wahren Charakter aufgeben, wenn es nicht auch das Arbeiterproblem als eine der wichtigsten Kriegsfragen, mindestens so wichtig als die der materiellen Aufrüstung, behandelte. Das alles ist getarnt durch Ley-Gewäsch und Kraft-durch-Freude- Humbug, gewiß! Wer aber durohbUcken will durch die grandiose Vernebeiimg, muß sich insbesondere mit den schon vorliegenden Vorarbeiten für das kommende hitlerdeutsche Strafgesetzbuch und dessen»arbeitsrechtlichen« Komplex beschäftigen! Auf jeden Fall stehen die gesetzgeberischen Arbeiten zur Gestaltung dieses neuen Strafgesetzbuches jetzt, wie aus dem Reich mitgeteilt wird, unmittelbar vor dem Abschluß. Im Sinne der fast ausschließlichen Kriegs- bedeutung der Arbeit, wie das System sie nun schon einmal sieht, liegt sein terroristisches Haßgefühl gegen alles, was es unter»Klassenkampf« versteht. Ein Streik der Arbeiter, ja auch nur ihr Mangel an Arbeitswillen können den kommenden Krieg verloren machen. Kriegsfabriken, in denen alles nur so schnurrt, sind wichtiger als ganze Tankregimenter. Es ist eine soziale Ungeheuerlichkeit, mehr aber noch ein hochpolitisches Symptom und Monstrum, wie in dem neuen Strafrecht dieser entscheidende Fragenkomplex»gelöst« werden soll! Herr Hitler, der»Führer und Reichskanzler« hat, wie man männiglich weiß, den Streik als Waffe des»ein für allemal abgeschafften« Klassenkampfes des Industriearbeiters redender Weise schon oft»verboten«; mindestens auf jedem der Nürnberger Parteitage geschah das aus seinem Munde. Praktisch liegt der Fall freilich ein wenig komplizierter. In rechtlicher Beziehung gibt es da bisher eigentlich nur die Notverordnung vom 4. Februar*1933(»zum Schutze des deutschen Volkes...«), die nämlich das Verbot solcher Druckschriften periodischer Art vorsieht, in denen zum Generalstreik oder zu einem Streik in einem lebenswichtigen Betrieb aufgefordert wird. Gewiß hat das Regime noch die Menge anderer Pressionsmittel als die Strafjustiz, dem Streik beikommen zu können. Kazette und Partedboykott, Unmöglichmachung des Arbeitsplatzes durch die»Arbeitsfront« und andere typische Errungenschaften der braunen Diktatur. Aber mehr und mehr trat doch die Frage gerade an die Regisseure der Diktatur hinter den Kulissen heran, wie lange und wie kräftig solche»reinen« Parteimittel noch taugen mögen; sind sie doch mit dem Prestige und der öffentlichen Geltung der NSDAP unlösbar verknüpft, deren äußere Machtfülle zwar immer noch gesteigert werden kann, die aber innerlich bereits einen nicht zu verkennenden Verschleiß über sich ergehen lassen muß. Es kommt hinzu, daß in der Rechtspraxis bisher nur von»lebenswichtigen« Betrieben die Rede war, die nicht bestreikt werden durften. Den unsichtbaren Kräften der Diktatur kommt es aber da gerade auf die genauere Umschreibung in ihrer besonderen Kriegsmentalität, eben auf die sogenannten »kriegswichtigen« Betriebe an. Auch das zwingt dazu, den klassenkampf gegnerischen Gmndzug des Dritten Reiches über Hitler- Reden und Notverordnung hinaus gewissermaßen strafrechtlich zu präzisieren und»von Rechts wegen« zu untermauern. Im Notfall konnte die Strafjustiz gegen den Klassenkampf mit den folgenden Begriffen und Normen operieren: mit Hausfriedensbruch, Landfriedensbruch, Nötigung, Erpressung und Wucher. Auch der Laie erkennt unschwer, daß das in der Praxis freilich selbst für den strafwütigsten Staatsanwalt und Richter nicht ganz leicht war; es mußte schon ein ganz besonderer Umstand bei einem Streik vorliegen, um mit diesen Strafrechtsbegriffen zur Justifizieruog des Streikenden kommen zu können. Bs ist nun das neue braune Strafgesetzbuch, das hier in dieser und in jener Weise durchgreifenden Wandel schaffen soll. Seine Einführung zwingt den deutschen Arbeiter in ein geschlossenes Sklaverei-System eines neuen und permanenten»Kriegshilfsdienstgesetzes«! Die Einzeiheiten darüber bat jetzt ■der Ministerialrat Grau vom Reichsjustizministerium in verschiedenen Vorträgen vor industriellen Fachleuton und in Zeitschriftenartikel etwas voreilig ausgeplaudert. Bei der Art, wie Hitler- Gesetze par ordre de mufti des»Führers und Reichskanzlers« allein noch Zustandekommen, ist aber auch nicht daran zu zweifeln, daß diese hier mitgeteilten Einzelheiten der Reihe nach legalisiert werden. Wichtig ist da zunächst die Feststellung, daß die Väter jenes neuen»Hilfsdienstgesetzes« im braunen Strafrecht sich als ein wenig klüger und vorsichtiger erwiesen haben, als der»Führer« selbst. Sie haben erkannt, daß, wenn es wirklich einmal in Deutschland wieder zu Streiks in herkömmllcham Sinne kommt, das»Verbot« Hitlers gar nichts bedeutet und daß der Strafrichter einfach ohnmächtig ist, obsohon doch, wie Grau sagt, »die Strafwürdigkeit des betätigten Streik willens außer Zweifel steht«.»Gegen Massenerscheinun- genversagenregelmäßigdie Waffen des Strafrechtes«— klagt Grau ein wenig melancholisch! Das kommende Strafrecht besohränkt sich also da.iuuf, nur die»Rädelsführer« und die»Stredkhetzer« zu fassen. Man glaubt so wenigstens Exempel statuieren zu können. Mit»Recht« hat freilich dies willkürliche Herausgreifen des einen oder des anderen der Streikenden, weil die Walter Frank »Gesdiidiissdirelber des neuen DeuisdiSands« Die Generation der Wissenschafter, die »strafwürdige« Masse schon nicht zu fassen traditionsgemäß noch eine gewisse Sauberkeit in der Forschung und in der Lehre nicht völlig preisgegeben hat, stirbt langsam aus. In der entscheidenden Einflußsphäre brauner Kulturerneuerung dirigiert bereits ein jüngerer Professorentyp, der die Schule der SA- Universität mit Erfolg absolvierte. Einer aus dieser Reihe und ein besonders prominenter ist Walter Frank, der»Geschichtsschreiber des neuen Deutschlands«, wie ihn die braune Presse bezeichnet Vom Führer mit der Leitung eines entsprechenden»Reichsinstituts« beauftragt, neue Geschichtswerden nach der»Erkennt- nistat« Hitlers und auf Grund»völkisch- i rassischen Erlebnisses« quellenmäßig sammeln und darstellen soll, ist Frank heute der jDiktator der neudeutschen Geschichtswissenschaft Es lohnt sich, den Aufstieg dieses Arrivierten näher zu verfolgen. Frank kommt aus dem nationalsozialisti- Ist, nicht sehr viel zu tun; entscheidend und ohne Scham herausgestellt ist die Staatsräson in ihrem ganzen Relativismus und Opportunismus. Bei dieser vom System seihet festgestellten . Fragwürdigkeit der Tauglichkeit strafrechtlicher Waffenanwendung gegen die kollektive und solidarische Kraft einer kämpfenden Arbeiterschaft können sich mm die Väter des neuen braunen Strafrechts, wenn säe sich nicht selbst aufgeben wollen, unmöglich mit solcher Resignation bescheiden. Sie suchen also dem Klassenkampf von der anderen Seite, aus der »Individuellen Zone« beizukommen. Sie versuchen sich an»den« Arbeiter zu halten, wenn schon»die« Arbeiter sich ihnen entziehen. Der einzelne Arbedter wird also an die Kandare gelegt, die man der Arbeiterschaft als Ganzem— trotz Ley und seiner Zwangsorganisation— nicht anlegen kann. In diesem Sinne darf der schon zitierte»Pg.« Grau denn auch die folgende Mitteilung machen: ter wissenschaftlicher Methodik und Wahrhaftigkeit an die Judenfrage heranging.« Dieses Buch brachte ihn»begreiflicherweise« in engere Verbindung zu Hitler. 1934 veröffentlichte er eine Schrift über den»deutschen Soldaten Freiherrn von Epp«. Die Karriere stand ihm offen. Im Herbst des gleichen Jahres ernannte ihn sein Führer zum Referenten für Geschichte im Stabe Rosenbergs und verlieh ihm den Professorentitel. Nach welchen Prinzipien er Kilos Griffel an wegweisender Spitze deutscher Ge- das alles' schichtswissenschaft zu führen gedenkt, dafür zeugen ein paar Stellen aus seinen Schriften und Bekenntnissen: »Wenn wir die Kraft besitzen, die Geschichte wieder so zu schreiben, daß die Geschichtemachenden sie im Tornister mit sich führen, dann haben auch wir Geschichte gemacht.«(Rede:»Zunft und Nation.«) blieb Walter Frank selbstverständlich auch an der Spitze beim Durchbruch neuer Geschichtsschreibung. Man begreift, weshalb er die objektive Geschichtswissenschaft von einst von den deutschen Hochschulen vertreiben will. Die Suche nach Geschichtswirklichkeit und Geschichtswahrhaftigkeit, denen die großen deutschen Historiker Ranke und Mommsen, Lamprecht und Oncken dienten, um nur einige aus einer glänzenden Reihe zu nennen, sind senile Ueberbleibsel aus einer Zeit, wo man im Banne des verweichlichten Liberalismus noch nicht erkannte, daß es»für deutsche Menschen nur eine Geschichtsschreibung vom deutschen Wesen her und in deutscher Bewertung geben kann.« Das Wertmaß für dieses deutsche Wesen festzustellen, dafür ist Franks»Reichsinstitut« da, wo die Kreatur des Führers mit dem Marschallstab hantiert. Schon um zu wissen, was für Leute neben Frank»Bildner am Antlitz des Deutsch- »Die innere Bindung, die jetzt zwischen schen Studentenbund. An der Seite Bai du r den einzelnen Arbeitern und den Übrigen Gliedern der Gefolgschaft wie auch dem Betriebsführer besteht, bat Anlaß zu einen weiteren neuen Tatbestand gegeben, der die Verweigerung unentbehrlicher Arbeiten in 1 e- bens- und kriegswichtigen Betrieben mit Strafe bedroht. Anders wie beim Streik besteht hier ein Bedürfnis, jegliche von Schirachs war er einer der braunen Sturmgesellen, die an den deutschen Universitäten wohlorganisierte Skandalosa verübten.»Damais schien der Elan der nationalsozialistischen Studentenbataillone im raschen Anlauf die deutschen Hochschulen zu gewinnen«— so sagt er selbst in einem Interview. Aber die Holzereien zur Nieder- Nichtverrichtung von Arbei- zwingung der Gegner genügten nach seinem t e n, ohne die der Betrieb nicht aufrecht Geständnis doch nicht ganz, um dem schöp- erhalten werden kann, zu bestrafen, wenn ferischen Kulturwillen des Nationalsozialis- dle Arbeitsverweigerung pflichtwidrig ist. Pflichtwidrig aber wird ein Arbeiter nicht nur dann handeln, wenn er vertraglich zu der Arbeit verpflichtet war, sondern auch dann, wenn die Arbeit unter Berücksichtigung aller Umstände von ihm erwartet werden kann. Ein auf tägliche Kündigung angestellter Arbeiter, der mit einer so wichtigen Arbeit betraut ist, darf also nicht durch ein unerwartetes Ausscheiden die Fortsetzung eines lebenswichtige« Betriebes gefährden. Er muß so lange auf seinem Arbeitsplatz ausharren, bis normalerweise für anssrcdchenden Ersatz gesorgt ist und so die Stillegung des Betriebes verhindert werden kann... Sowohl bei Streiks wie bei der Verweigerung unentbehrlicher Arbeiten wird dem Streiken oder der Nichtverrich- tung der Arbeit die sogenannte passive Resistenz gleichzustellen sein. Denn es macht für die Lage des Betriebes regelmäßig nur einen geringen Unterschied, ob die Arbeit überhaupt nicht getan wird oder böswillig so verrichtet wird, daß der ordnungsmäßige Gang des Betriebes gestört ist«. Bs ist wichtig, festzustefllon, wie der sicherlich ganz autorisierte Augur des neuen brau- mus zum Endsiege zu verhelfen. Es mußte, so sagt er, die»Ueberiegenheit des Nationalsozialismus auch in der geistigen Begründung einer Wissenschaftsidee mit eingehalten werden.« 1928 veröffentlichte Frank eine Schrift über»Stöcker und die christlich- soziale Bewegung«, worin er»mit unbeding- »Dle Wehrmacht steht mitten in der geistigen Auseinandersetzung der Nation. So wie der Soldat auch die geistigen Güter der Nation lands von morgen sind, nennen wir aus der mit seiner Waffe schützt, so wird der Reihe der neuen Gelehrtengeneration einige, Geistige dem kämpferischen Lebenswillen die nach Franks Zeugnis im besonderen seines Volkes, den der Soldat verkörpert,._ Maße von der Gnadensonne bestrahlt werden. seine geistige Rechtfertigung mitschaffen helfen.« »Der Mann, der das neue Reich schuf, ein Süddeutscher österreichischer Herkunft, stellt in seiner Person und seinem Schicksal die lebendige Verbindung p r e u ß i s c h- s o 1 d a t i s c h e r Zucht und süddeutschen Künst- lertums dar.« »Wie die Welt während der Olympia auf DeutsclS and blickte, so wollen wir stolz und zuversichtlich aussprechen, daß Deutschland auch in einem Olympia der kulturellen Schöpfung und der wissenschaftlichen Leistung begriffen ist. Es wird nicht weniger wichtig für Deutschland und die Welt sein als jenes Olympia der Körperkraft.«(Interview In der DAZ.) In dieser»Olympia« in vorderster Reihe, Es sind neben Günther, Krieck und B ä u m 1 e r, den Ehrenmitgliedern des »Reichsinstituts«, noch Alfred Grunsky, der über»Seele und Staat« schrieb, Karl Richard Ganzer mit einem Buche über »Richard Wagner«, Wilhelm Grau mit Publikationen über»Antisemitismus im Mittelalter« und»Wilhelm von Humboldt und das Problem der Juden«. Diese Lehrer werdender deutscher Führertypen hat man im Auge zu behalten, als Zeugen wissenschaftlicher Entartung, für den Augenblick, wo das deutsche Geschichtsbild von seinen braunen Schmutzflecken wieder gesäubert wird. H. nen Straf rechts neben den Begriff des lebenswichtigen Betriebes(als solche wurden bisher lediglich die großen Versorgungsbetriebe der öffentlichen Hand, vor allem die Wasserwerke, angesehen, deren Stillegung katastrophale Folgen für die Gesamtbovölkerung nach«ich ziehen muß) nun auch extra und ausdrücklich den Begriff des»kriegswichtigen« Betriebes einschmuggelt, und zwar nicht etwa für die Zeit eines wirklich ausgebrochenen Krieges, sondern zeltlos und absolut, also auch bereits für die Gegenwart des Dritten Reiches. Und welcher Betrieb wäre da nicht»kriegswichtig«? Die Interpretationsfähigkeit der neuen strafrechtlichen Begriffe ist überhaupt das Entscheidende! Was kann dem einzelnen Arbeiter nicht alles»unter Berücksichtigung aller Umstände« an Arbeit, in bezug auf Intensität und vor allem auch Entlohnung, zugemutet werden?! Und der Herr Ministerialrat Grau zuckt noch nicht einmal mit der Wimper, wenn er seihst das Beispiel gerade von dem Arbeiter gebraucht, der, o b- schon er selbst auf tägliche Kündigung eingestellt ist, dennoch eine so wichtige Funktion ausübt, daß davon das Leben des Betriebes geradezu abhängig sein soll, Ihm geht nieüt in geringsten ein, welchen Beitrag er mit der Feststellung dieses grotesken Mißverhältnisses zu den im Dritten Reich geltenden sozialen Anschauungen liefert! Das neue braune Strafrecht macht mit der sozialen Freizügigkeit des einzelnen Arbeiters Schluß! Es ist, für die sogenannte»Friedenszeit« übernommen, die einfache Kopie des »Hilfsdienstgesetzes« in der Spätzeit de« Weltkriege«! Heute soll durch das neue»Hilfsddenstgesetz« ein System gestützt werden, dem es um die Vergewaltigung der»äußeren« Feinde genau so zu tun ist, wie um die Domptur des»inneren Feindes« oder, anders ausgedrückt: um die Erhaltung des Spätkapitalismus in seiner bankrottesten und deshalb brutalsten Form! Bei weldiem Go4i? Die deutschen Zeitungen melden: »Der Fahneneid, so erklärt der Reichskriegsminister, ist ein religiöser Eid, setzt aber nicht ein christliches Bekenntnis voraus. Die Worte»bei Gott« ermöglichten es, auch Anhängern nicht- christlicher Glaubensrichtungen, den Fahneneid bei dem höchsten Wesen ihres Bekenntnisses zu schwören.« Daß verhältnismäßig wenige Juden in die Verlegenheit kommen werden, den deutschen Fahneneid zu leisten, muß es sich hier wohl In der Hauptsache um die Neuheiden handeln. An welchen ihrer vielen Götter aber sollen die in der Eile denken? Kunstkritik Der Text der aufgeführten Operette stammt von dem Dichter Baidur Raaselmami, der seine lückenlose Ahnenkette— sie hängt in Veraform Uber seinem Bette— bis Totila zurückverfolgen kann. Und die Musik— ihr kennt den Komponisten, er kämpfte schon in Hamburg seinerzeit und glänzt auf allen goldnen Ehrenlisten. ward er doch aus den Händen der Marxisten wie durch ein Gotteswunder heil befreit. Man hat die Mörder dafür hingerichtet— Und die Musik ist fast von Johann Strauß. Ein Werk, das so getonsetzt und gedichtet, ein solches Werk urdeutscher Art verpflichtet und heischt gebieterisch ein volles Haus. Die erste Sängerin ist hochbegnadet und bei Herrn Streicher wöchentlich zu Gast, der nur die besten Künstler zu sich ladet. Wer sich in ihrer Silberstimme badet, vergißt, daß sie den Einsatz gern verpaßt. Nur der Tenor läßt jeden Glanz vermissen. er ist noch nicht einmal in der Partei, er zittert schrecklich, und wie alle wissen, che sich bisher um diesen Künstler rissen, wird außerdem sein Rollenfach bald frei. Im allgemeinen läßt rieh aber sagen:; wem Kraft durch Freude einen Platz beschert, der wird sich wohl darüber nicht beklagen «ad wird das Hochgefühl nach Hause tragen: der Abend war des Abends vollauf wert. K. Inspektor Braesl� an Hitler Herr Führer! In der Pomuchelshagener Volksversammlung von 1848 war es, wo ich mein unsterbliches Wort prägte:»Die Armut kommt von der Poverteh her.« Unsterbliches Wort, sage ich. Denn es hat fast ein Jahrhundert lang gegolten: nach einem später aufgekommenen Dichter namens Ibsen hält aber eine solide Wahrheit nur zehn Jahre und wenn es hoch kommt, zwanzig. An irdischen Maßstäben gewertet ist mein Wort also unsterblich, zumal gar, wenn man seine Lebensfähigkeit mit dem Bestand sogenannter»tausendjähriger« Reiche vergleicht, Nachdem mein Wort also durch lange Jahre unangefochten rieh behauptet hat, war es Ihnen endlich vorbehalten, nachdem Sie bereits die freiheitlichen Ideale meines Dichters, des scbwarz-rot-goldenen Burschenschafters Fritz Reuter grausam in Deutschland unterdrückt haben, auch gegen mein bescheidenes Weisheitsprodukt Front zu machen. Nach Ihrer Erleuchtung kommt die Armut im heutigen Deutschland nicht von der »Poverteh« her, sondern von der»R i- s c h ä ß«, vom Reichtum! Das deutsche Volk, so verkünden Sie, haben nur deshalb nichts zu kauen, weil es ihm viel besser ginge als früher, wo es zu essen hatte. Das Fehlen von Rindfleisch, Butter, Eiern deuten Sie als Merkmale eines allgemeinen Wohlstandes und Aufschwungs. Weil die Arbeiter jetzt so viel verdienten, darum äßen sie auch viel, und folglich sei nichts zu essen mehr da!... Da muß ich doch ein Wörtchen Plattdeutsch reden, obwohl das einer, der einst als Schlawiner an der Donau hauste, nicht verstehen dürfte, ich muß mit meinem Dichter Fritz Reuter ausrufen;»Jonge, dat Du die Näs...!< Wie im Fritzmg«»Lauschen un Rl- mels« können unter Ihnen die deutschen Arbeiter wieder sagen:»Rindfleisch und Pflaumen ist ein gutes Gericht Nur, meine Herren, wir kriegen es nicht!« Aber wenn das Rindfleisch fehlt und das Schöpsenfleisch dazu, dann kommt das allemal von der Poverteh her, und nicht wie Sie dem Volk einreden wollen, von der Rischäß. Höchstens könnte man in der Sprache meines Freundes Moses Löwenthal— ich verleugne den braven Moses trotz Ihrer Plakate»Meidet den Umgang mit Juden« ebensowenig, wie unser gemeinschaftlicher Schöpfer Fritz Reuter sich geschämt hat die Gestalt eines anständigen Juden neben die anständiger Christen zu stellen— dann könnte man also in Mosesens Sprache mit etwas anderer Betonung sagen: Die Armut in Deutschland kommt von»Rischaß« her. Das wäre zwar nicht die ganze, aber immerhin ein Zipfel der Wahrheit. Nun sagt man uns Meklenburgern freilich zum Spott nach, wir stammen aus dem Lande des Ochsenkopps. Aber halten Sie uns darum nicht für Ochsen. Als Gutrinspektor hab ich jeden Tag die Natur vor Augen und sehe, woher es wächst Nicht von Ihren Verordnungen und Reden, sondern von der Arbeit. Wenn der Arbeiter kräftig schafft, dann mag er ruhig nachher einen Happen mehr essen oder auch viele Happen. Natürlich futtert ein Arbeiter, der draußen werkt, mehr, als einer, der in seinen vier Wänden döst. Aber wenn er nur vernünftig seine Arbeit einteilt— nicht wie der neue Gutsvolontär lauter Unsinn macht— dann wird er von seiner Arbeit noch allemal satt werden, ja reichlich übrig behalten. Wenn er aber trotz aller Arbeit hungrig bleibt, dann liegt das nicht am Ochsenkopp, sondern an dem andern Kopp, am P o m u- chelskopp. Sie erinnern sich: Das ist der Gutsbesitzer, der schlechten Lohn zahlt und mit Madame und Mademoiselle Pomuchels- kopp In die Stadt fährt, um in seinen Lokalen durchzubringen, was seine Gutsarbeiter mit saurem Schweiß erzeugt haben. Wenn so ein Pomuchelskopp über ihnen ritzt, dann können die armen Kerle freilich schuften, so viel sie wollen, sie bleiben mager. Dann kommt Ihre Armut freilich von der Rischäß her, aber nicht von Ihrer Rischäß, sondern von Pomu chelskopp seinem Reichtum! Und nun hören Sie genau zu, Herr Führer: Mir scheint, über Deutschland sitzt so ein großer, ein riesengroßer Pomuchelskopp, der verpraßt, was die Arbeiter verdienen! Eigentlich sogar zwei Porauchelsköppe: der eine hat eine feldgraue, der andere eine braune Uniform an. Und darunter rafft und brandschatzt und schmatzt und kaut ein ganzes Herr von kleinen Pomui- chelsköppen. Die erzeugen müßig einen Haufen Papier, Proklamationen, Redeschwall, Verordnungen und sie selber haben davon satt und übersatt zu essen, während das Volk darbt. Nun wollen diese vollgefressenen Pomuchelsköppe dem hungrigen Volke, das schafft und nichts zu essen hat, einreden, Kleiner deutscher Alltag In verborgenen Ecken der deutschen Presse. I. Ein Film wird ertüchtigt Als der Mexiko- Film» Viva Villa< un- Das ist in groben Umrissen der Inhalt des längst in Deutschland angekündigt wurde, Films, der darstellerisch gut ist und dessen ein älterer wunderten sich die Eingeweihten baẞ. Denn Massenszenen eine mitreißende Kraft haben. eine vergnügte dieses Werk ist revolutionär im de- Schon diese mangelhafte Skizze In Aachen hatte sich Straßenbahnschaffner auf ( Nr. 534): mag dem warum es kein weiche Präsidentschaftsnachfolger von Diaz, dann spanische Richter und Gutsherren damit bricht schon die Personenreihe ab. Es kommen die ge sichterlosen, namenlosen vielen Bauern, mit denen Villa die Attacke reitet das Volk, der Aufstand als Person. Wenn wir ( durch die fehlenden Stellen hindurch) richtig schließen, haben wir einen Film, der Masse handelnd und als Masse zeigt.<< » Dieses neue Stück hollywoodscher Das ist also alles, was selbst ein gewitzter Weltgeschichte, das nach reichlich Filmberichterstatter der» Frankfurter Zeizwei Jahren an unsere Ufa gelangt ist, tung«> durch die fehlenden Stellen Bierreise begeben. Er war sonst» harm- mokratisch- sozialistischen Sinne revolutionär, Leser deutlich machen, los< und>> ungefährlich<<. Gar kein Heim- obgleich es in Hollywood gedreht wurde. Es Film für Deutschland ist. Wie er tücker mit roten Komplexen. In den Schmach- will zweierlei beweisen: einmal, daß die ge- dennoch aufgeführt werden konnte dieses jahren von Weimar hatte er sogar vielseitig waltsame Unterdrückung, Auspowerung und Rätsel löst uns die> Frankfurter Zeitung<< gedichtet und einen Hymnus auf seine Brutalisierung eines Volkes im Endeffekt Aachener Straßenbahnkollegen geschrieben, unweigerlich zum vulkanischen aber wörtlich aus dem» Westdeutschen Ausbruch führen muß- und zum anderen, daß dieser Ausbruch das Chaos her>> Die Dichteritis ergriff ihn auch an aufbeschwört, wenn die entfesselten Kräfte dem besagten Urlaubstage, als er in der sich nicht unter einen geistigen Leitalten Kneipe» Zum Walfisch<< auf dem stern sammeln. Im Viva Villa- Film heißt Pont unter dem an Kupferkettchen händer Revolution Madero. der geistige Führer genden Hasenknochen drauflos phantasierte. Er hatte nun das Pech. Echos, Und dieser Madero begeht nach dem Sieg der wohl bis an sein Ohr gedrungenen einen Fehler, der nicht ohne Vorbilder ist: Greuelfabriken hart an der Grenze er schickt die Revolutionstruppen und in seiner Straßenbahneruniform vor der Beobachter<: ihr Theke herauszuposaunen. Wenn er auch Haupt Pancho Villa nach Hause und verden Mond in seinem Mordsrausch an- traut den Treueschwüren der bellte, er beleidigte Männer, Generale. Die treuen Generale ermorden denen andere Volksgenossen ihn denn auch, um endlich jenes Chaos herauf den Knien danken, daß sie ihnen Brot, Ehre und Frieden gaben.<< Urteil: neun Monate Gefängnis! II. aufzubeschwören, gegen das sie als» Retter des Vaterlandes« mit Kanonen marschierea können. Aber noch der Geist des Ermordeten ist stärker als die Fäuste seiner Mörder. Pancho Villa kehrt zurück, das Volk steht und fegt den ganzen aufs neue auf In Köln hatte sich ein Mann namens Luzuweit im Dritten Reich der gegenseitigen Denunziationen besonders heimisch Diktatoren- und Generalzauber zum Teufel. gefühlt. Er haßte einen Postbeamten und erfuhr, daß dieser sich zum gemeinsamen Genuß man denke! einer Maibowle mit einer Jüdin getroffen haben sollte. Weil er selber im Dunkeln bleiben wollte, suchte er sich, nach dem> Westdeutschen Beobachter«, einen Mittelsmann: >> Der seit acht Jahren erwerbslose Volksgenosse E. verkaufte zum Tag der nationalen Arbeit Birkenreiser zur Ausschmückung der Häuser im Auftrag des Luzuweit. Dafür sollte er 10 Mark einkassieren. Er erhielt nur fünf Mark, und statt sie abzuliefern, verwandte E. die fünf Mark für sich und seine hungernden Kinder. So bekam Luzuweit den E. in seine Hand.> Großzügig sah er über die Unterschlagung der fünf Mark hinweg.<< Gift und Neid Man sieht drüben nur frohe Gesichter, versichert Göbbels, man sieht das glückliche neue Deutschland. Gleichzeitig klagen die Blätter über die» Krise des Humors«. Manchmal lüften sie die Verschleierung noch deutlicher. Die» Deutsche Wochenschau« muß eine Lanze für den» besser Gekleideten< brechen und klagt: ist auf die Hälfte seiner eigentlichen Länge zusammengeschrumpft. hindurch« ahnen kann. Und noch das Der Film ist ein Fragment. Uebrig ge- dürfte den Zensoren eigentlich zuviel geblieben ist das Mexiko der Jahrhundert- wesen sein. Man hat den Film offenbar in die wende. Ein Land der Galgen und verprügel- Reihe der kontraktmäßig zu importierenden ten Peons, der Lehmhütten und der ebenso kubisch geschichteten Herrenhäuser, die aus Hollywood- Erzeugnisse aufgenommen, ohne den Kakteen der mexikanischen Hochebene sich näher zu orientieren, und hat ihn gleichherausragen. Uebriggeblieben sind darin die sam erst im Erziehungslager zurechtReiterattacken des Pancho Villa, der um diese Zeit vom Banditen zum Generalissi- geprügelt, ehe man ihn an Krücken, mus der Aufständischen emporstieg; ist verstümmelt und mundtot dem deuteine skizzenhafte Serie von Bil- schen Volk vorführte. Dies zeigt, daß die dern und Höhepunkten, voll blendenden, deutschen Diktatoren sich in ihrem Gegenaber kalten Feuers, die bald ermüdet... stück Porfirio Diaz erkannt haben, daß Es läßt sich dennoch folgendes erkennen: sie sein Ende nicht gern im Kino sehen möchein Banditengeneral, herkulisch, er stirbt auf schreckliche Art und groß, verwegen, gut eingepaẞt in den Um- ten riß der Legende, die ihn zum Befreier des daß sie Angst haben, Angst vor jedem Pamexikanischen Landvolks und zum Gegen- pierfetzen und vor jedem Bildstreifen, der spieler des Diktators Porfirio Diaz werden dem deutschen Volke davon erzählt, daß Dikließ... Sodann Madero, der professorenhaft tatoren gestürzt werden können. heitswahnes und Klassenhasses. Auch der schieläugigen Klassenneid, der sich hämisch >> besser Gekleidete< gehört zur Volksge- äußert, weil alle Ventile verstopft sind. Das meinschaft!<< ist die Erneuerung des deutschen Menschen. Alle diese Neider seien Egoisten,> ihr geistiger Nährvater ist ihnen, denn: der Neid<<, wehe Gnadenhalber degradiert beson>> Zur Abwendung von Härten für > Neid ist die Wurzel alles Uebels. Aus die Gerichtsassessorinnen, dieser giftigen Wurzel wächst der Klassenhaẞ. Der Klassenhaẞ aber schädigt und ders für solche,» die bereits in den letzten beleidigt das Wertvollste, was ein Volk be- drei Jahren ohne wesentliche Unterbrechung sitzt: die schöpferische Persönlichkeit!<< entgeltlich beschäftigt waren«, soll eine be> Immer wieder kann man es beobachEs hat in Deutschland noch keine Bewe- schränkte Zahl ten, wenn» besser gekleidete« Menschen in in den oberen einen Versammlungsraum oder derart gemeingefährlich Dienst bei den Gerichten und den Strafin die gung gegeben, die Elektrische treten, daß ihnen aus so und und demagogisch an den Neid appelliert hat, vollzugsbehörden übernommen werden. Da wie die Hitlersche. Sie sammelte die Ge- dieser scheiterten, sie lebte in ihrer Agitation von misches Dienst jedoch kein akadeStudium zur Voraussetzung einer widerlichen Hetze gegen die> satten hat, liegen hier für die Zukunft kaum BeBonzen«, sie schürte den Neid gegen alles, rufsmöglichkeiten für junge Juristinnen.<< was etwas leistete und einen Platz ausfüllte. ( Frauenbeilage der» Frankf. Ztg.<< Nr. 21). so viel Augen Neid, ja förmlich Haß entgegenblickt von denen, die sich durch das bloße Dasein der anderen bedrückt und beeinträchtigt fühlen.<< Obwohl es im Dritten Reich kaum noch Erwerbslose und noch weniger hungernde Das Blatt führt Beispiele an: An einer Kinder geben soll, dieser Mann also schon Bahnstrecke muß ein Straßenbahnwagen durch seine Existenz den Kundmachungen halten, weil dort repariert wird. Fahrgäste Jetzt gehört die ungeheure Armee der brauseines Führers widersprach, wurde er besagtem Luzuweit veranlaßt, an den auf der Strecke höhnische und schadenfrohe der Haß schlägt ihnen entgegen, wo sie sich dem Volke zeigen. suspekten Postbeamten eine Karte zu schrei-| Bemerkungen über die gezwungenen Wartenben: entweder tausend Mark oder Anzeige den, obschon auf der Plattform auch so und wegen Rassenschande! so viel Arbeiter standen, die pünktlich zu ihrer Arbeitsstätte wollten!<< von werden ungeduldig.» Da machten Arbeiter nen Bonzen zu den besser Gekleideten und Die reglementierte Anklage gegen beide wegen Erpressung. Bei einer Gesellschafts- Dampferfahrt wolUrteil: Luzuweit drei Jahre Gefängnis und drei Jahre Ehrverlust, für len einige Reisende, die nicht dazu gehören, sie mußten daher bei den Erwerbslosen sechs Monate Ge- noch weiter fahren; der Landung zuerst aussteigen und umgefängnis. bootet werden. Als sie mit ihren Koffern an Damit scheint der Fall aber noch nicht abgeschlossen zu sein. Das Gericht stellte fest, es sei nur> mit ziemlicher Sicherheit« anzunehmen, daß der Postbeamte sich nicht rassenschänderisch verstrickt habe. den!< -w Das Volkslied Aber diese meist duckmäuserische Giftdeutsche Gans >> Der Reichsnährstand veröffentlicht durch michelei, gegen die man sich jetzt wehren die Hauptvereinigung der deutschen Eiermuß, hat noch eine andere Wurzel. In der wirtschaft im Verkündungsblatt des ReichsDemokratie konnte sich der arme Teufel aus- nährstandes Nr. 95 vom 5. Oktober 1936 ihre sprechen, frei von der Leber; seine Wort- Anordnung Nr. 11/36, welche am 5. Oktober führer durften sagen, was er litt. Seinen Lohn in Kraft trat. Danach bedarf es nunmehr brauchte er nicht in Demut hinzunehmen. der Zustimmung der Hauptvereinigung Heute muß er heimlich meckern. Und der der deutschen Eierwirtschaft, wenn lebende den anderen vorbeiziehen, hört man allge- angestaute Groll vergiftet seine Seele, wie deutsche Gänse aus den Gebieten der meines Räsonieren:» Na ja, wer Geld hat, die Despotie seit jeher alle menschlichen Be- Eierwirtschaftsverbände Bayern, Kurmark darf zuerst aussteigen!<«< Die anderen Mek- ziehungen vergiftet hat. Man wehrt den Ar- Ostpreußen, Schlesien und Württemberg in beitern das aufrechte Klassenbewußtsein, Gebiete anderer Wirtschafts>> Das sind immer noch ganz üble und das die Sozialdemokratie lehrte, und erntet verbände verbracht werden solgefährliche Reste des marxistischen Gleich- bei Millionen jenen dumpfen Klassenhaß und le n.< Deutsche Zeitungsmeldung. kereien kann man sich denken. wir für insoweit interessieren, als daraus lernen und Nutzanwendungen unsere Volks- und Rassenpolitik daraus ziehen können...< Aus diesem Satze, der sich in einer von Hellerau ausgegangenen Schrift findet, zieht der Schreiber unter anderen auch die überraschende Konsequenz, daß Schillers Dramen, die fast alle in fremden Ländern spielten statt im eigenen, schon darum keinen rechten Wert mehr für uns hätten. Wir wollen uns nicht bei der sonderbaren Rolle aufhalten, die hier der Geographie zugemutet wird. Aber wer mag denn, selbst wenn er den damit aufgestellten Grundsatz annähme, so hybrisch sein, von seinem eigenen immer eingeschränkten Standpunkt in Zeit und Raum aus zu entscheiden, was in Geschichte, Kunst und Wissenschaft auf die Länge für den Bestand des Volks von Nutzen sein?< seine Armut käme vom Reichtum her. Ja,| geschunden werden. Die» Köln. Volkszeitung| der in ihre Heimat zurück mußte. Sie hat von ihrem Reichtum, vom Reichtum der überschreibt ihren ach so menschlichen Be- sich nie um Politik gekümmert, hat bald Pomuchelsköppe! Herr Führer, wenn ich richt:» Ein Volkslied begibt sich< wobei diese Partei, bald jene, bald gar nicht geheute noch einmal in Pomuchelshagen zum das Blatt wohl nicht gerade an jene Volks- wählt und war auch einmal der Meinung geVolke reden dürfte, ich liebe die Armut lieder denkt, die in den Konzentrationslagern wesen, man sollte doch auch Hitler mal renicht mehr von der Poverteh herkommen. von den Opfern zu entmenschten Demütigun- gieren lassen, wie vorher andere. Ich würde den Leuten die Wahrheit sagen, so gen gesungen werden mußten, sondern Zwei Monate blieb sie daheim, dann lieh wie sie heute ist: Jagt eure Pomuchelsköppe Schmock möchte nur die magische Kraft des sie sich Geld, fuhr ein Stück, lief einige Tage, fort, dann wird auch die Armut verschwin- Heimwehs in seiner gemütstiefen Weise langte todmüde wieder in Brüssel an und bat Entspekter Braesig. feiern. das Emigrantenpaar um Aufnahme, ohne Lohn, Wenn jedoch die Bauerntochter Maria im für Kost und Unterkunft, denn die Heimat Krankenhaus wieder auf die Beine kommt sei ihr so unerträglich fremd geworden, daß und die Berichte vor die Augen kriegen sollte, sie es vor Fernweh nach der Emigration nicht Es war im Juli, als die neunzehnjährige wird sie darin wahrscheinlich einiges ver- mehr aushielt.. Ein Volkslied begibt sich... Bauerntochter Maria Ficht aus Kirchdorf am missen und wird finden, daß die Umgebung, Oder jene ebenfalls unpolitische Steffi, die Inn sich bereit erklärte, bei dem technischen der sie auf Leben und Tod entfloh, in den aus einer mitteldeutschen Stadt ihren emiObersekretär Zehelein in Würzburg in Dienst Berichten nur ungenau dargestellt wurde. In grierten Dienstgebern schreibt, sie streiche zu gehen. Sie wartete noch die Ernte ab. der Bauernstube am Inn war man» unter abends um das Haus, in dem sie ein JahrLange jedoch hielt es Maria in Würzburg sich«, kannte die anderen, kannte das ganze zehnt hindurch bei ihnen war und könne nicht in Deutschland stimmen dem letzten Satz zu, nicht aus, obwohl die Familie Zehelein nicht Dorf, konnte reden, wie der Schnabel ge- froh werden in ihrer Umgebung und warte aber sie zweifeln damit alle geistigen übel zu ihr war. Eines Sonntags- der Herbst wachsen war. Aber in der fremden Stadt auf die Stunde, da sie ihnen nachreisen könne Grundlagen des Dritten Reiches an. Was bezauberte einen goldenen Tag über Würzburgs wirkte sie mitten unter anderen Menschen, die ins Fremde, Ungewisse, denn heimatlos sei sie kanntlich polizeilich verboten ist, denn gesetzverschwand das Mädchen, wan- mit jedem Wort umgingen, als könnte plötz- auch in der Heimat. Ein Volkslied begibt sich, lich hat dort der oben zitierte Idiot recht. derte drauflos, immer nach Süden, dem Inn lich der Teufel rausgucken. Geriet unter jawohl, jawohl, ein leises, das in unserer klirentgegen, durch Tage und Nächte, wie eine Menschen, die immer zur Vorsicht mahnten, renden Zeit klein und nebensächlich erscheint, Ertüchtigte Jugend Lanstörzerin, ohne Ruh und Rast, immer in gern nach rückwärts schauten, manchmal ein gewiß doch. Aber es gehört zu dieser ver> Schwetz: Zwischen zwei Fortbildungsalte Türme Das ist zwar richtig und alle Denkenden Angst vor Obrigkeit und Gendarmen. Wenige gehässiges, unklares Wort auf die Lippen be- gifteten Luft, die aus der Mitte Europas auf schülern, einem Fleischer- und einem TischStunden von ihrem Heimatsort entfernt, bei kamen und bleich werden konnten, wenn eine steigt, und wenn dieses sentimentale Volks- lerlehrling, kam es zu einer blutigen Schlähohen Felslied von Heimweh und Heimatsehnsucht ausFlintsbach am Inn, fand man sie bewußtlos Gardine wackelte. am Fuße einer sechzig Meter Und Maria Ficht schien es wohl manch- gerechnet in der Hitlerpresse gesungen wird, wand, halb verhungert und mit Knochen- mal, daß dies ein fremdes, unbekanntes, geso kommt es dem normal Empfindenden speibrüchen. Vielleicht wird sie im Krankenhaus fährliches Land sei, wie es auch vielen ande- übel hoch. Nur das wollten wir dazu sagen. sagen können, wie alles das geschah ren erschien, und ich muß da gerade an eine Einige deutsche Blätter knüpfen an die andere Maria denken, die ebenfalls Dienstkleine Tragödie gefühlvolle Kommentare. Wer mädchen war und mit dem Ehepaar, bei dem sie liest, könnte für eine Weile vergessen, daß sie diente, in die Emigration ging. Das Ehein diesem Deutschland täglich tausende ge- paar konnte sich ein Dienstmädchen sehr bald fangener Menschen ihrer Gesinnung wegen nicht mehr leisten, weshalb diese Maria wieBr. Brandy. Der Staats- Idiot Die> Frankfurter Zeitung« stöhnt über ein hochbraunes Buch: >> Alles, was in der Welt vor sich geht und geschehen ist, kann uns nur nochl gerei. Während eines Streites schlug der Tischlerlehrling seinen Gegner mit einer Eisenstange über den Rücken. Hierüber erboẞt, ging der andere nach Hause und holte ein Messer, lauerte seinem Gegner auf und stieß ihm das Messer in die Brust. Im schwer verletzten Zustande schleppte sich der Ueberfallene weiter, brach jedoch zusammen und verstarb.< Deutsche Zeitungsmeldung. Der Betrieb in Wahrheit und Dichtung Gemeinschaftsbuch Geschäftsbericht Betriebsordnung des Reichsstatistischen Amtes ergibt. Diese fortschreitende Teuerung in den unentbehrlichen Lebensmitteln läßt, weil die Löhne des gleichgeblieben sind, das Fortschreiten Sinkens des Lebensstandards erkennen. Nebensache Worauf es bei einem Musterbetrieb ankommt. Die innerdeutsche Lage spiegelt sich in Wie müssen erst die weniger guten Be- unumschränkte Befehlsgewalt über die Ge- Soziale Leistung den neuerdings stark gehäuften Kundgebun- triebsordnungen aussehen. Aber die materielle folgschaft sichert. Der Werktarif, der vom gen der Arbeitsfront wieder. Die Verfügung Lage der Belegschaft hat ja mit der> Ab- Betriebsführer auch jederzeit geändert werbedeutet praktisch eine unumdes Führers vom November 1934 über den schaffung des Klassenkampfes< ihre Bedeu- den kann, organisatorischen Totalitätsanspruch der tung für das Dritte Reich verloren. So sagt schränkte Lohndiktatur der Kapitalisten. So muß der Kreiswalter der DAF in Kleve kleinlaut eingestehen: > Man kann sogar die paradoxe Behauptung aufstellen, daß es Betriebe mit schlechter Betriebsordnung gibt, in denen dennoch ein guter Betriebsgeist zu Hause ist.<< Deutschen Arbeitsfront, die in Vergessenheit der Bericht: geraten wollte, wird nach allen Richtungen erläutert. Es wird betont, daß nur die bedingungslose Einigkeit dem schaffenden Deutschen nützen kann. Voraussetzung aber dafür sei die autoritäre Führung von einer Die DAF hat auch BO's kennengelernt, Stelle>> das ist die Arbeitsfront<<. Es wird >> die reich an wohlgesetzten Paragraphen, auch nichts versäumt, um nach wie vor die aber dürftig an gutem Inhalt sind.<< Wesentlich deutlicher als die DAF- Zengeringste Organisiertheit der Arbeiter und Angestellten außerhalb der DAF mit Gewalt trale werden einzelne Treuhänder in ihren zu verhindern. Das Regime ist sich aber Uebersichten. So hat der Treuhänder für den durchaus bewußt, daß die systematisch ange- Industriebezirk Westfalen bei 1.000 BO imstrebte Atomisierung der Arbeiterklasse ihre mer noch keinen Ueberblick über die dortigen natürliche Grenze im Betriebe finden muß Werktarife gewinnen können. Er schreibt im und auch findet. Es fürchtet die Solidarität» Ruhrarbeiter«: der Belegschaften, wie das Feuer und sinnt täglich auf neue Propagandamittel, die Betriebsarbeiter zu täuschen und zu beruhigen. zu rechnen In den Monatsheften für nationalsoziali stische Sozialpolitik< gibt der Leiter des Sozialamtes der DAF, Mende, darüber Auskunft, >> Wiederholt konnten Fälle festgestellt werden, in denen ein Betriebsführer Maß- welche Betriebe mit dem Ehrentitel> Munahmen ergriff, die im Widerspruch mit sterbetriebe und gleichzeitig wohl mit erhöhten Staatsaufträgen seiner eigenen Betriebsordnung stehen.< Der Kreiswalter von Dinslaken berichtet: haben. Es heißt in dem Aufsatz: > In den ganzen zwei Jahren habe ich es noch nicht erlebt, daß in irgend einem Beoder trieb bei irgendwelcher Differenz Schwierigkeit sich der Gefolgschaftsführer oder Gefolgschaften auf die Bestimmungen der Betriebsordnungen berufen hätten. Allein diese Tatsache beweist, daß die Betriebsordnungen nutzlos waren.<< Diese Rechtlosmachung der Arbeiter und Damit ist den Unternehmern die Angst geAngestellten durch die sog. Betriebsordnung nommen, daß sie etwa für ihre Arbeiter etwas » Das Gesamtbild ist nicht erfreulich, ist der Arbeitsfront aus tausend Einzelfällen Besonderes leisten müßten, um ihren Betrieb schöne Phrasen, aber wenig echter NS.- und aus den Berichten ihrer Treuhänder und unter die Musterbetriebe einzureihen. Die geiGeist der Betriebsgemeinschaft... aus Kreiswalter bekannt. Sie weiß ferner, in stige Grundhaltung auf die es allein ankommt, triebes, aus dem Arbeiter der Gefolgsmann, welch maßloser Weise sich die Industriege- kostet nichts, sondern bringt etwas ein. dem Arbeitgeber wird der Führer des Bedie Geldstrafe nennt man Buße und im sellschaften mit staatlicher Subvention und übrigen... man liest viel von Pflichten unter schlimmster Ausbeutung ihrer Belegder Gefolgschaft, aber von Pflichten des schaften bereichern dürfen. Sie kennt die Betriebsführers liest man nichts. Das gilt amtliche Untersuchung des Stastistischen leider für die Mehrzahl der Betriebe.<< > Es kommt dabei( bei der Verleihung des Titels d. R.) nicht auf Produktionsziffern und Ertragslage an, auch nicht auf die soziale Leistung, die in der Schaffung sanitärer Einrichtungen und Gemeinschaftsräumen liegt, sondern allein auf die geistige Grundhaltung.<< Die Fettlücke > Es sei nur darauf hingewiesen, daß man in der menschlichen Ernährung Fett in geAls letzte Neuheit gibt das Organisationsamt der DAF die Einführung eines>> Gemeinschaftsbuches des Betriebes< bekannt. Jeder Betrieb wird mit einer Art von goldenem Buch beglückt. Dort wird Die anderen Gebiete des Reiches be- Reichsamtes, wonach 1500 Aktiengesellschaf- wissem Umfange durch Zuführung von schwarz auf weiß die Einheit des Betriebes historisch festgelegt. Der gedruckte einleiten- schreibt die Tageszeitung der DAF wie folgt: ten 1935 einen Reingewinn von 514 Mill. RM., >> Zu Anfang ein paar Phrasen, zum d. h. 33 Mill. mehr als im Vorjahr aufzuweiSchluß ein paar Phrasen, in der Mitte die sen hatten. Im Verhältnis zum Eigenkapital trockenen Muẞ- Paragraphen aneinanderge- hat sich der Jahresgewinn auf 5.1 Prozent reiht und schon ist sie fertig die Durch erhöht. Es genügt dieser Deutschen Arbeiterschnittsbetriebsordnung, die die Visitenkarte der Betriebsgemein- Falle, von den Unternehmern die Visitkarte schaft sein soll.<< eine Betriebsgemeinschaft entgegenzunehmen. Von einer Kontrolle der Werktarife, die Das Gemeinschaftsbuch des Betriebes soll de Text>> spiegelt den Neuaufbau von Arbeit wider. und Wirtschaft« im Dritten Reich Dann sollen Protokolle aus dem Betriebe niedergelegt werden, die den Arbeitsfrieden zwischen Betriebsführer und Gefolgschaft dokumentarisch belegen. In der gedruckten Einleitung steht: werden. Aber weder die Kohlenhydraten ersetzen kann. Der menschliche Körper ist in der Lage, diese Kohlehydrate in Fett zu verwandeln. Der deutsche Verbraucher kann daher, ohne gesundheitlichen Schaden zu nehmen, zur Schließung der Fettlücke an die Stelle des vermehrten Fettverzehrs einen erKartoffeln setzen. Durch eine vernünfvon den Unternehmern einfach diktiert wer- ein weiterer Freibrief zur Ausbeutung der höhten Verbrauch von Zucker, Brot und > es gibt keinen guten Betrieb, wenn Be- den, ist keine Rede. Der westfälische Treu- Arbeitsmenschen triebsführer und Besitzer Verdienst und händer entschuldigt sich, daß es ihm ih seiner goldbefranzte Fahne des Nazi- Musterbetrie- tige Aenderung seiner Ernährungsgewohnheiten vermag so auch er dazu beizutragen, Dividenden über das Wohlergehen der GeDienststelle unmöglich sei, die große Menge bes, noch die Visitkarte» Betriebsordnung<<, folgschaft stellen, wenn ihnen an Maschinen und Gebäuden mehr liegt, als an den der einzelnen BO zu überprüfen. Die Betriebs- noch das> Gemeinschaftsbuch des Betriebes<, eines der wichtigsten Probleme unserer Zeit zu lösen. Mas man ernstlich will, das geht Menschen, die mit ihnen am gemeinsamen ordnungen, die im neuen Deutschland der noch andere künftige Mittelchen der Lügen( Preuß. Ztg. Nr. 277.) Ziele schaffen.< lebendige Ausdruck der sog. Betriebsgemein- propaganda werden die Betriebsgemeinschaft auch!<< Die geschriebenen Protokolle werden ge- schaft sein sollten, werden von den Unter- der Arbeitenden zerstören oder zersetzen könwiß den gedruckten Phrasen angepaßt sein. nehmern überhaupt nicht ernst genommen. nen. Das> Gemeinschaftsbuch des Betriebes< Was aber wirklich an sozialer Erneuerung Es genügt ihnen, daß diese diktatorische Be- steht auf dem Papier, die Betriebssoliin den Betrieben zu finden ist, verraten heute triebsverfassung für den Betriebsführer die darität lebt. schon die Geschäftsberichte der großen Gesellschaften. Die autoritäre Führung der Arbeitsfront könnte den Herausgebern der Ge- Nur die Schulden bisher sind gestiegen der deutschen »... wird kommen« >> Alle Probleme lassen sich nicht von heute auf morgen lösen. Der Erschaffung einer starken Wehr aber wird die Beseitigung der Wohnungsnot folgen. Noch fehlen uns zwar viele gesunde Wohnungen, aber die Beseitigung der Wohnungsnot wird kommen.<< ( Verbandsleiter Erasmus auf dem Verbandstag der ostdeutschen Mietervereine in Allenstein.) Dennoch · damals nur mit 30 bis 40 Prozent des wirklichen Bedarfs versorgt worden. Dieser Zumeinschaftsbücher darüber einige Richtlinien stand habe bis zum Februar 1936 angehalten. geben, die im gedruckten Vorwort Zu diesem Zeitpunkt sei die erste ernstere nicht zu finden sind. Im Zentralarchiv der Der Rechnungsabschluß Welle der Rinderknappheit zu verspüren geDAF befinden sich nämlich die Ergebnisse einer Bearbeitung aus 367 Geschäftsberich- Reichspost spiegelt die wirtschaftliche Bewesen. Im März 1936 seien die Schlachtunten deutscher Aktiengesellschaften. Von be- lebung bei weitem nicht in dem Umfang gen auf 60 Prozent reduziert worden, im trieblicher Sozialpolitik ist dabei so gut wie wider, in dem sie nach den Behauptungen der August und September blieben die Auftriebe > Wichtigste Propaganda- Instrumente sind nicht die Rede. Der Berichterstatter des Zen- Nationalsozialisten zu verzeichnen sein sollte. zu den Großmärkten immer noch um 40 bis des Rechnungsjahres 50 Prozent hinter den Ziffern des Vorjahres Presse und Rundfunk, und dennoch enttralarchivs konnte es sich nicht versagen, seine Die Wirtschaftslage Arbeit mit folgender Bemerkung zu versehen: 1935/36 entspricht nach den offiziellen Zif- und sogar hinter den Ziffern des Krisentief- behren beide Einrichtungen trotz dieser Auffern etwa dem Stand des Rechnungsjahres standes im Jahre 1933 zurück. Seit dem Juli gabe > Das Ergebnis dieser Untersuchung ist, soweit es das Bekenntnis zu einer soziali- 1931/32. Stellen wir nun die Ziffern aus dem 1936 ist ein erneuter starker Rückgang des Eigenschaft stischen Verpflichtung betrifft, für den mit Jahresbericht der Reichspost für das Jahr Angebots an den Schweinemärkten zu ver- tigster Kulturfaktoren.<< arbeitenden Teil der 1935/36 denen des Jahres 1931/32 gegenüber, zeichnen. anonymem Kapital Wirtschaft beschämend. Allein, daß in mehr als der Hälfte der Berichte die Ge- so ergibt sich folgendes Bild: folgschaft nicht einmal er. wähnt wird, ist bezeichnend genug. Noch dünner werden die Angaben, die sich auf 630.000 So wurden im Juli 1934 Stück, im gleichen Monat 1936 500.000 Stück, im August 1932 540.000 Stück und im August 1936 nur 280.000 Stück Schweine angeliefert. 323 Für den Monat September ergibt sich kein 115 günstigeres Bild. 1931/32 35/36 Verin Millionen ändeReichsmark rung das Wohl und Wehe der Gefolgschaft be- Vermögen am Jahresbeginn 2590 2267 ziehen. Vöilig verschwindend sind die An- Schulden Betriebsausgaben Zinsen gaben über Wohnungs- und Siedlungswesen, Betriebseinnahmen Schönheit der Arbeit, Urlaub, K. d. F. sowie liber die Beteiligung der Firma am Winterhilfswerk. Kaum einer der Geschäfts- Abschreibungen berichte gibt ein wirklich abgerundetes Gewinn • • 34 625 740 1877 1734 143 1465 1371 32 94 2 203 195 8 197 43 226 104 Bild der sozialen Betreuung der Gefolg- Zuweisung an das Reich schaft durch den Betriebsführer.< Die Frankfurter Zeitung« bemerkt:» Die kaufkräftigen Schichten sind auch in dieser Periode der Rind- und Schweinefleischknappoder besser dieser sogar wegen nicht des Charakters wich( Der Intendant des Königsberger Senders. Dr. Lau, in einer Versammlung der NSKulturgemeinde.) Neuer Vorwärts Sozialdemokratisches Wochenblatt Herausgeber: Ernst Sattler; verantwortlicher Redakteur: Wenzel Horn; Druck:> Graphia; alle in Karlsbad. Zeitungstarif bew. m. P. D. Zl. 159.334/ VII- 1933. Printed in Czechoslovakia. Der» Neue Vorwärts« kostet im Einzel154 heit z. T. ausgewichen auf Kalb- und Ham122 melfleisch, die in Zufuhr und Preisbildung Die einzige Zunahme ist demnach bei dem bisher keinen Beschränkungen unterlagen.< Was wird das geduldige Papier der Ge- Posten Schulden zu verzeichnen. Sonst blei- Für die große Mehrheit des Volkes bestand meinschaftsbücher ertragen müssen, bis dort ben alle anderen Einnahmen weit hinter dem diese Ausweichmöglichkeit infolge der niedridieses amtlich festgestellte beschämende so- Jahr 1931/32 zurück. Am Schluß des Rech- gen Einkommensverhältnisse nicht. Sie ist verkauf innerhalb der CSR Kč 1.40( für ein zialpolitische Ergebnis genügend entstellt nungsjahres 1935/36 wird eine Erhöhung des das Opfer der auf die nationalsozialistischen Quartal bei freier Zustellung Kč 18.-). Preis der Einzelnummer im Ausland Kč 2.-( Kč werden kann. Die Herausgeber des» Gemein- Vermögens Jahresende Agrarpolitik zurückgehenden Fleischknapp- 24.- für das Quartal) oder deren Gegenwert schaftsbuches< haben auffallenderweise dar- 1934/35 um rund 43 Millionen ausgewiesen, heit. auf verzichtet, den Inhalt der Betriebsord- die aber nur dadurch zustande kommt, daß nung eintragen zu lassen. Auch hier könnte die Zuwendung an das Reich um 46 Millionen Diese Kürzung das Zentralarchiv einige Auskünfte geben. Mark gekürzt worden ist. dem gegenüber Die Teuerung in der Landeswährung( die Bezugspreise für das Quartal stehen in Klammern): Argentinien Pes. 0.30( 3.60), Belgien: Belg. Frs. 2.45( 29.50) Bulgarien Lew 8.-( 96.-). Danzig Guld. 0.45 In welchem Tempo die Lebensmittelteue-( 5.40), Deutschland Mk. 0.25( 3.-), Estland E. Kr. 0.22( 2.64), Finnland Fmk. 4.-( 48.-), Man hat dort festgestellt, daß in den zwei wurde dadurch mehr als ausgeglichen, daß die rung in Deutschland fortschreitet, das verFrankreich Frs. 1.50( 18.-), Großbritannien von den Postscheckgeldern in Jahren des Bestehens der Verordnung über Reichspost anschaulicht der Index für die Lebenshal- d 4.-( Sh. 4.-), Holland Gld. 0.15( 1.80), ItaBetriebsordnung etwa 75.000 bis 80.000 Be- Höhe von 595 Millionen Mark nicht weniger tungskosten im Monat August 1936. Es er- lien Lir. 1.10( 13.20), Jugoslawien Din, 4.50 in Wechseln und triebe ihrer formalen Verpflichtung nachge- als 188 Millionen Mark des Reiches angelegt kommen sind. Da jeder Betrieb mit minde- Schatzanweisungen eine BO erlassen hat. Dieser Betrag ist um 100 Millionen RM stens 20 Arbeitnehmern soll, so müßten der DAF etwa die doppelte höher als im Jahre vorher. solcher Betriebsordnungen vorliegen. Zahl In vier Jahren haben demnach die NatioDie Betriebsordnung soll, wie der Gesamt- nalsozialisten die Reichspost ganz bedeutend von 1931/1932 herunterbericht sagt, ein Kernstück der So- unter den Stand zialpolitik sein. Die vorliegenden Be- gewirtschaftet. triebsordnungen aber seien >> sehr verschieden< und>> mannigfaltig«. Der Bericht verzichtet wohlweislich auf irgend welche Angaben über Kündigungsschutz, Urlaub, Urlaubsgeld, Gehaltsbezahlung im Löhne und Gehälter, Krankheitsfall usw. Man begnügt sich mit der vorsichtigen Bemerkung: > Wir haben Betriebsordnungen kennengelernt, die gut sind, obgleich sie sich an materieller Leistung verhältnismäßig bescheiden ausnehmen.< Die Fleischnot diese Vergibt sich da im Vergleich zum August 1935 in den folgenden Lebensmitteln teuerung: Graupen Haferflocken 4,3% 0,8% Reis Nudeln 4,9% 1,8% Speisebohnen 5,1% Rind( Kochfleisch mit Knochen) 5,5% Schweinefleisch Kalbfleisch 3,3% 21,3% 15,0% Butter Eier . Oberkleidung Schuhe • 2,3% 4,0% 2,2% 2,4% Hammelfleisch Der ganze Umfang und die ernste Bedeutung der Fleischknappheit wird in einem vom 18. Artikel der Frankfurter Zeitung< Oktober über die Fleischversorgung beleuchtet. Es wird darin zugegeben, daß die erste Periode der Schweinefleischknappheit ihren Höhepunkt im Oktober- November 1935 er- Wir bemerken dazu, daß sich reichte. Die großstädtischen Märkte seien erhöhung nach den amtlichen ( 54.-), Lettland Lat. 0.30( 3.60), Litauen Lit. 0.55( 6.60), Luxemburg B. Frs. 2.45( 29.50), Norwegen Kr. 0.35( 4.20), Oesterreich Sch. 0.40( 4.80), Palästina P. Pf. 0.020( 0.216), Polen Zloty 0.50( 6.-). Portugal Esc. 2.( 24.-), Rumänien Lei 10.-( 120.-). Schweden Kr. 0.35( 4.20), Schweiz Frs. 0.30( 3.60), Spanien Pes. 0.70( 8.40), Ungarn Pengö 0.35 ( 4.20). USA. 0.08( 1.-). Einzahlungen können auf folgende Postscheckkonten Tschechoslowakei: erfolgen: Zeitschrift» Neuer Vorwärts< Karlsbad. Prag 46.149. Oesterreich:» Neuer Vorwärts< Karlsbad. Wien B- 198.304. Polen:» Neuer Vorwärtse Karlsbad. Warschau 194.797. Schweiz:» Neuer Vorwärts Karlsbad. Zürich Nr. VIII 14.697. Ungarn: Anglo- Čechoslovakische und Prager Creditbank Filiale Karlsbad. Konto> Neuer Vorwärtse Budapest Nr. 2029. Jugoslawien: Anglo- Čechoslovakische und Prager Creditbank, Filiale Belgrad. Konto Neuer Vorwärtse, Beograd Nr. 51.005. Genaue Bezeich Berechnungen nung der Konten ist erforderlich. diese Preis