Nr. 187 SONNTAG, 10. Januar 1937 Verlag: Karlsbad, Haus �Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblati letzte Seite Aus dem Inhalt; Lippe-Detmold Wegbereiter Hitlers Grandioseste Fehlanlage Lauter Freiwillige Weltwirtschaft 1936 Konjunkturaufschwung— Wiederbelebung des Welthandels— Agrarkrise überwunden Das Jahr 1936 war ein Jahr zunehmender internationaler Spannung. Verlauf und Ausgang des abessinischen Krieges zerstörte die �kollektive Sicherheit«, die die Grundlage der auswärtigen Politik der Friedensmächte gewesen war. und schuf den akuten englisch-italienischen Gegensatz; der Bruch des Locarno-Vertrages und die Besetzung der Rheinlande war ein Umsturz der militärisch-strategischen, Machtverhältnisse zugunsten der aggressiven deutschen Diktatur; der spanische Bürgerkrieg drohte, infolge der Schlüsselstellung Spaniens am Westzugang des Mittelmeeres, zu einer allgemeinen europäischen Konflagra- tion zu werden, und im Fernen Osten bleibt die von Japan ausgehende Bedrohung permanent. All diese widrigen politischen Einflüsse haben den Aufstieg der Wirtschaft nicht zu hemmen vermochL Die Erholung der kapitalistischen Welt— wir sehen von der Wirtschaft der Diktaturländer zunächst ab— hat zum Teil erstaunliche Fortschritte gemacht, die Konjunktur hat sich intensiviert und verbreitert. Aber hat nicht gerade die politische Unsicherheit, indem sie die Rüstungskonjunktur auslöste, die Wirtscbafts- erholung bewirkt, handelt es sich also nicht um eine bloße Scheinblüte, die wieder welken muß, sobald in der Aufrüstung ein Stillstand eintritt? Eine solche Meinung überträgt nur allzu leicht eine Auffassung, die für Deutschland, Italien und in gewissem Grade für Japan zutrifft, auf die Weltwirtschaft. Für die führenden Träger des Wirtschaftsaufschwungs hat die spezifische Rüstungskonjunktur keine entscheidende Rolle gespielt: in England setzt die Erholung schon bald nach 1932 ein; sie geht aus von der Belebung des Wohnungsbaus, der nur in geringem Maß von öffentlichen Mitteln unterstützt wird, sie wird gefördert durch die verbesserte Exportfähigkeit infolge der fortschreitenden Entwertung des Pfundes, durch den Uebergang zum Schutzzoll im imperialen Maßstab und durch den Zusammenschluß einer Reihe von wichtigen Rohstoff- und Industrieländern zur Währungsgemeinschaft des Sterlingblocks. Die britische Prosperität hatte bereits ein hohes Ausmaß erreicht, bevor in diesem Jahre, besonders in seiner zweiten Hälfte, die Auf- tüstung einsetzt und die Prosperität eines großen Teils der Industrie zu einer ausgesprochenen Hochkonjunktur steigert. Quantitativ gering war und ist der von der Rüstung ausgehende Impuls auch für die Wirtschaft der Vereinigten Staaten, auf deren Wiederbelebung viel eher die Wirtschaftspolitik Roosevelts, die Einführung der Arbeitslosenunterstützung, die reichen Subventionen an die Farmer, die Beseitigung der akutesten Krisenherde durch die staatliche unterstützte Sanierung der Banken und Eisenbahnen, von Einfluß gewesen ist. Man darf eben nicht übersehen, daß, so gewaltig die Rüstungsausgaben für einzelne Länder ins Gewicht fallen können, namentlich wenn sie auf eine kurze Zeitspanne zusammengedrängt werden, sie für weltwirtschaftliche Größenordnungen weit weniger entscheidend sind. '* Das entscheidende Ereignis des Jahres ist die Ueberwindung der Agrarkrise! Das Zusammenfallen von Agrar- und Industriekrse war im kapitalistischen Wirtschaftsablauf bisher nur zweimal eingetreten; nach den Napoleonischen Kriegen und nach der Erschließung der amerikanischen Weizenflächen zu Beginn der 70er Jahre. In beiden Fällen wurde dadurch eine langwährende Depressionsperiode eingeleitet, die nur durch kurzdauernde Aufschwungszeiten unterbrochen wurde. Die Befürchtung war deshalb berechtigt, daß auch diesmal die Ueberwindung der Krise erst in längerer Zeit und unter den stärksten Hemmungen erfolgen werde. Dies um so mehr, als die Agrar- schutzpolitik der europäischen Staaten zur Verschärfung der Situation noch wesentlich beitragen mußte, indem sie trotz der vorhandenen Ueberproduktion die Ausdehnung des Getreidebaus noch forcierte. Aber bereits im Vorjahr begann eine Wendung, die in diesem Jahre zu einer vollständigen Aenderung der Situation geführt hat. Der Weizenpreis, der in Winnipeg im Januar 87.25 Cents pro Bushel notierte, erreichte am 18. Dezember den Stand von 128 Cents und liegt damit um fast 50 Prozent über dem Vorjahr; Mais stieg in Chicago von 58 auf 108 Cents. Diese Preise stellen Höchstpreise dar, die seit sechs Jahren nicht mehr verzeichnet worden sind. Es sind Preise, welche die Agrarwirtschaft der Getreideüberschuß-Länder wieder rentabel gemacht haben. Das Entscheidende dabei ist, daß nicht nur die neu zur Verfügung stehenden Exportüberschüsse, sondern auch die Getreidevorräte, die in den Vorjahren angesammelt worden waren und auf die Preisgestaltung drückten, bis zur neuen Ernte fast vollständig aufgebraucht sein werden, und schon wird die Meinung laut, daß für das kommende Erntejahr mit einer Knappheit der Getreideversorgung gerechnet werden muß. Eine ähnliche Besserung, wenn auch nicht immer in gleich hohem Ausmaß, weisen auch die übrigen Agrarprodukte, namentlich die Baumwolle auf. Die Ueberwindung der Krise ist zum Teil auf die einschränkenden Maßnahmen der staatlichen Agrarpolitik in den Vereinigten Staaten, Argentinien und Kanada zurückzuführen, zum größeren Teil aber auf natürliche Ursachen, der raschen Aufeinanderfolge ungünstiger Ernten in Uebersee, und im letzten Jahr auch auf den schlechten Ernteausfall in Europa, der Frankreich, Italien und Deutschland wieder zu Einfuhrländern gemacht hat. Jedoch wird es immer wahrscheinlicher, daß Teile der Anbauflächen in den Vereinigten Staaten und in Kanada, die seit 1914 in Bebauung gewesen waren, auf die Dauer dem Getreideanbau entzogen werden müssen. Denn die Dürre und die Sandstürme, die in den letzten Jahren so große Schäden verursacht haben, sind Symptome einer dauernden Bodenerschöpfung. Die Erweiterung der Anbauflächen dürfte eine erhebliche Verlangsamung erfahren; wahrscheinlich kann sogar mit einer Verminderung gerechnet werden. Nicht nur um Ueberwindung der Krise, sondern um rasch fortschreitende gute Konjunktur handelt es sich bei fast allen industriellen Rohstoffen. Die Preise der meisten Nichteisenmetalle nähern sich unter Führung von Kupfer und Zinn dem Niveau von 1929 bei stets noch zunehmender Nachfrage. Der Absatz von Petroleum und Kautschuk ist infolge der schnell voranschreitenden Motorisierung und der glänzenden Automobilkonjunktur höher als je. Ausgesprochene Hochkonjunktur herrscht in der Eisenindustrie, und in letzter Zeit wurden fast jede Woche die Ausfuhrpreise des europäischen kontinentalen Eisenkartells, die Inlandspreise in Frankreich, Belgien, England und den Vereinigten Staaten heraufgesetzt. Zur Ueberwindung der Agrarkrise, zur guten Konjunktur der Rohstoffe, kommt als drittes allgemeines Moment die Verringerung der Währungsunsicherheit. Der Ende September erfolgten Devalvation der bisherigen Goldblockländer folgte der Abschluß eines internationalen Währungsabkommens zwischen Frankreich, England und den Vereinigten Staaten, dem dann auch Belgien, Holland und die Schweiz beitraten. Sein Ziel ist, eine tatsächliche Stabilität der wichtigsten Währungen zu sichern, bis eine weitere Besserung und Klärung der internationalen Kredit- und Handelsbe- Hasardspiel mit dem Frieden Das DrÜte Reich und die Kriegsgelahr Die deutsche Regierung kann den traurigen Ruhm buchen, das erste Ultimatum in dieser gefahrvollen Zeit erlassen zu haben. Ihr»Admiral in den spanischen Gewässern« hat der spanischen Regierung eine unverschämte Drohung zugehen lassen, die ganz den Charakter eines Ultima- liuns hat. Dieser Schritt entspringt dem Prestigebedürfnis der Diktatur. Es ist die Wiederaufnahme der Politik der»gepanzerten Faust«— nur daß diese Politik heute noch verantwortungsloser und brutaler betrieben wird als vor dem Weltkriege. Die Taten der deutschen Panzerschiffe und Kreuzer und die Notenbegleit- musik des deutschen Admirals demonstrieren, daß das Dritte Reich die selbstherrliche Gewalt über alles internationale Recht stellen will. Mit diesen brutalen Gewalttaten und diesem Kraftmeiertum will die deutsche Propaganda die deutsche Jugend kriegsbesoffen machen, und das Volk von der ständig wachsenden Not ablenken. Das Treiben der Hitlerschiffe ist eine internationale Gefahr. Es hat bisher die Antwort auf die englisch-französischen Noten über die Nichteinmischung in Spanien ersetzt. Bis zur Stunde, in der wir dies schreiben, ist die deutsche Antwort nicht erfolgt, und man hat sich in London sten Nachrichten über die Landung italienischer Truppen in Spanien sind von der englischen Regierung selbst verbreitet worden. Während sich die demokratischen Westmächte um die Baunnng der Kriegsgefahr bemühen, erhält die deutsche Politik das Feuer der Kriegsgefahr am Brennen. Sie ist es, die die PoUtik der Nichtinterven Jon zu einer unwürdigen Farce macht, indem sie die Rebellen mit Mannschaften und Material unterstützt. Sie hat der Niclil- interventionspolitik das Prinzip der Intervention entgegengestellt. Die deutsche Erklärung, daß eine kommunistische Regierung in Spanien nicht geduldet werden wird, macht jedes deutsche Bekenntnis zur Nichtinterv entionspolitik sinnlos. Man weiß längst, daß der Begriff»kommunistisch« für das deutsche System alles deckt, was kommunistisch, sozialistisch, demokratisch, lieberal, freiheitlich im weitesten Sinne des Wortes ist. Hinter dieser Formel verbirgt sich der Vorbehalt, gegen jedes System in Spanien zu intervenieren, das dem Hitlersystem nicht paßt. Die Politik der Zerstörung des internationalen Rechts wird systematisch fortgesetzt. Die Hasardeurpolitik eines Ladendorff ist nichts gegen die Hasardeurpolitik, die bereits an das Schicksal des berühmten das Hitlersystem betreibt. Der Einsatz da- Fragebogens erinnert gefühlt. Wann immer! bei ist der europäische Friede— ist vor diese Antwort erfolgt, und wie immer ihre allem aber auch Zukunft und Existenz des Formeln lauten werden— ihr Wert und deutschen\ olkes. die Aufrichtigkeit ihrer Zusicherungen ist uberschattet von der fortgesetzten Unterstützung der spanischen Rebellen durch deutsche Mannschaften und deutsches Material, wie von dem Treiben der deutschen Kriegsschiffe in spanischen Gewässern. Dasselbe gilt übrigens auch für die italienische Antwort und das neue Gentlemen- agreement über das Mittelmeer. Die neue- Lauier Freiwillige! In den Zeitungen war dieser Tage zu lesen, daß einige deutsche Prinzessinnen beinahe an der holländischen Hochzeit nicht hatten teilnehmen können, weil ihnen die Behörden die Pässe verweigerten. In denselben Zeitungen war zur selben Zeit von den 20.000 oder 25.000»deutschen Freiwiligen« die Rede, die sich in der Armee des Generals Franco befinden. Man spricht von französischen, deutschen tschechoslowakischen. Freiwilligen, die in der Internationalen Brigade für die legitime Regierung kämpfen und von deutschen Freiwilligen. die gegen sie stehen, als ob zwischen Freiwilligen und»Freiwilligen« gar kein Unterschied bestünde. So werden durch Gedankenloeigkeit oder Furcht vor der Wahrheit die Tatbestände verdunkelt. Alle Welt weiß, daß niemand gegen den Willen der Berliner Machthaber ohne Lebensgefahr die Grenze passieren kann, und man tut so, als ob zehntausende junger Männer Deutschland anders hätten verlassen können als auf ausdrücklichen Befehl. Die sogenannten»deutschen Freiwilligen« •— das ist so selbstverständlich, daß man sich fast schämt, es auszusprechen— sind Truppen, die zur Unterstützung, des Rebellengenerals Franco nach Spanien kommandiert worden sind. Hitler führt zu Lande und zu Wasser gegen Spanien Krieg. Mobilmachung der Opfer Freiwillige antreten zum Erschießen! Mite Dezember haben, wie ans München. Augsburg und Kempten glcichiaatend berichtet wird, alle ehe ma Ilgen Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau eine Zuschrift erhalten, in der sie angewiesen werden, am ersten Tage nach der erfolgten Mobilmachung durch den deutschen Rundfunk um 8 Uhr vormittags sich Im Polizeipräsidium in den Räumen der b a y- rischen politischen Polizei zu melden. Diese Zustellung haben auch Personen erhalten, die längere Zeit in einem Polizeigefängnis in Schutzhaft gewesen sind. Was hat das System mit diesen Menschen im Kriegsfalle vor? Ziehungen die gesetzliche Stabilisierung ermöglichen würde, die zugleich die Rückkehr zur Goldwährung bedeutete. Die Devalvation hat namentlich in Holland und in der Schweiz, in geringerem Maße in Frankreich, zu einer raschen Rückkehr der Fluchtkapitalien, zu einer Senkung des Zinsfußes, zu einer Anregung der Exporttätigkeit und zu einer allmählichen Belebung der Wirtschaft geführt, die den Anschluß an die Prosperität der Länder des Sterlingsblocks und der Vereinigten Staaten erleichtert. Besonders bevorzugt wird dadurch die Wirtschaft Hollands, dessen Kolonialprodukte— Kupfer, Zinn, Kautschuk, Petroleum, Tabak— ohnehin durch die Rohstoffkonjunktur schon begünstigt —- aus der Gulden entwertung große Extragewinne erzielen. ♦ Die industrielle Konjunktur hat unter der Führung Englands und der Vereinigten Staaten ihren Aufstieg im Jahre 1936 rasch fortgesetzt. In England sind die meisten Industriezweige bereits in das Stadium der Hochkonjunktur eingetreten. Das gilt namentlich für die Eisen- und Stahlindustrie, deren Produktion bereits die Höchstzahlen der Vor- krisenperiode bedeutend übertrifft und trotz fortgesetzter Erweiterung der Anlagen die Nachfrage des Innenmarktes kaum zu befriedigen vermag, obwohl die Einfuhr vergrößert und die Ausfuhr vermindert wurde. Aehnliches gilt für den Maschinenbau. Aber auch die Konsum- iudustrien, die Einzelhandelsumsätze, der Absatz elektrischen Stroms weisen Rekord- zablen auf und die Automobüindustrie hat ihre Erzeugung im Laufe der letzten fünf Jahre verdoppelt. In letzter Zeit zeigen sich auch deutliche Erholungssymptome in den Zweigen, die von der Krise am schwersten betroffen waren, in der Textilindustrie und im Kohlenbergbau. Dieser Ueber- gang zur Hochkonjunktur ist in letzter Zeit durch die Ansprüche der Aufrüstung stark beschleunigt worden und Befürchtungen über einen etwaigen Rückschlag werden vernehmlich. . In den Vereinigten Staaten nähert sich die industrielle Produktion ihrem Höchststand von 1929. Zum Teil infolge der staatlichen Subventionspolitik war die amerikanische Wirtsc baftserholung zunächst am ausgesprochensten im Bereich der Konsumgüterindustrien; im Jahre 1936 dehnt sie sich aber immer deutlicher auf die Produktionsmittelindustrien aus. Die Lage der Eisenbahnen und der Versorgungsbetriebe bessert sich und ihre Auftragserteilung an die Eisen- und Stahlindustrie nimmt rasch zu. Während der Krise hat die amerikanische Schwerindustrie Ersatzanschaffungen und Erneuerungen auf das äußerste beschränkt, die. jetzt nachgeholt werden müssen. So beginnt— im Gegensatz zu England— in den Vereinigten Staaten erst jetzt die Investitionskonjunktur, während ein großer Teil der Konsummittelindustrien bereits im Stadium der Hochkonjunktur sich befinden, vor allem die Texilindustrien und die Automobilerzeugung, die wohl 1937 die Produktion von 1929 von 5.6 Millionen Wagen, die 1933 auf unter 2 Millionen gesunken war, übertreffen wird, und der Irjnge darniederliegende Baumarkt deutliche Zeichen der Belebung aufweist. Ausgesprochene Prosperität herrscht in den skandinavischen Staaten, be- sondem in Schweden, und deutliche Erholung kann Belgien verzeichnen. In schärfstem Gegensatz zu Deutschland und Italien erstreckt sich der Aufstieg in der übrigen Welt über alle Wirtschaftszweige und insbesondere auf die Konsummittelindustrien. Mit anderen Worten: die Produktionserweiterung geht Hand in Hand nicht nur mit einer Steigerung der Rentabilität, sondern auch mit einer erheblichen Besserung der Lebenshaltung der breiten M a s s e n. An der Spitze steht heute vielleicht Schweden, das Land ohne Kolonien, ohne eigene Rohstoffe außer Eisenerz und Holz, aber nicht nur ohne Fett- und Buttemot,' ohne Rohstoff. sorgen, sondern auch das Land fast ohne Arbeitslosigkeit und Vielleicht dem höchsten Lebensstandard unter der europäischen Arbeiterschaft. Aber auch in England sind die Lohnkürzungen aus der Krisenzeit längst beseitigt und in den letzten Monaten hat die Arbeiterschaft fast in allen Zweigen bedeutende Lohnerhöhungen meist ohne Kampf durchsetzen können. Da sich gleichzeitig die Lebenshaltungskosten noch unter dem Stand von 1929 befinden, ist der Reallohn der beschäftigten Arbeiter wohl der höchste je verzeichnete. Zugleich Die Verbesserung der Wirtschaftslage, die im letzten Jahr in der ganzen Welt, bloß nicht in Deutschland, fühlbar wurde, hat auch allenthalben zu Lohnbewegungen geführt, die sich in den verschiedensten Formen abspielten, aber in allen Fällen wesentliche Lohnerhöhungen zur Folge hatten. So gelang es z. B. den englischen Baumwollspinnern durch Androhung des Streiks, ohne daß es zur Ausführung gekommen wäre, Lohnerhöhungen von 5!4 bis 9E Prozent durchzusetzen. Die englischen Bergarbeiter haben erst vor kürzerer Zeit eine Erhöhung des Schichtlohnes von einen Schilüng— sie hatten zwei gefordert— durchgesetzt. Jetzt haben sie eine Bewegung eingeleitet, durch die auch der zweite Schilling geholt werden soll. Durch dieses Beispiel angeregt, haben auch die Bergarbeiter Belgiens beschlossen, in eine Bewegung einzutreten, der, wie zuversichtlich zu hoffen ist, der Erfolg nicht versagt bleiben wird. Große Dinge spielen sich zur Zeit auf dem Lohngebiet in Amerika ab. Zahlreiche Industrien haben ihren Arbeitern, um einer Bewegung zuvorzukommen, von sich aus erhebliche Lohnerhöhungen zugebilligt. Wo solche Zugeständnisse ausgeblieben und unzureichend sind, halfen kräftige Bewegungen nach. In der Automobilindustrie droht ein Riesenstreik, der 500.000 Bergleute, 450.000 Stahlarbeiter und 100.000 Gummiarbeiter betreffen würde, man erwartet ein Eingreifen des Präsidenten Roosevelt. Daß der Lohnstreik, mag er friedlich oder unfriedlich ausgetragen werden, den Arbeitern Erfolge bringen wird, ist unschwer vorauszusehen. Das einzige Land der Welt, in dem die Löhne in dieser Zeit noch sinken, ist Deutschland. Hier sind die Arbeiter ihrer Menschenrechte, ihrer gewerkschaftlichen Freiheiten beraubt und ist die Arbeitslosigkeit wesentlich gesunken, wenngleich noch immer groß in der Baumwollindustrie und im Kohlenbergbau. In den Vereinigten Staaten haben sich insbesondere seit der Wiederwahl Roosevelts die erfolgreichen Lohnbewegungen gehäuft; zugleich setzt sich die Vierzigstundenwoche immer mehr durch; als allgemeines Resultat ergibt sich, daß der Reallohn etwa den Stand von 1929 zu erreichen im Begriff ist, bei einer um 4 bis 8 Stunden wöchentlich verkürzten Arbeitszeit. * Die Erholung der Rohstoffländer, die Prosperität der wichtigsten Industriestaaten, die beginnende Einbeziehung der früheren Goldblockländer in den weltwirtschaftlichen Aufschwung, erleichtern auch die Ausräumung der alten Krisenreste und können zu einer allmählichen Belebung des Welthandels führen. Der steigende Umfang der Getreide- und Rohstoffverschiffung hat zu einer bedeutenden Steigerung der Schiffsfrachten geführt und die Sanierung der Schiffahrt beschleunigt. Aehnliches gilt für die Eisenbahnen. Die Besserung der Wirtschaft und der Finanzen in Uebersee macht die eingefrorenen Kredite der Gläubigerstaaten wieder flüssig. Die Wiederaufnahme internationaler Kreditbeziehungen erscheint allmählich wieder möglich, und Länder wie Argentinien planen die Beseitigung der Devisenwirtschaft. Eine allmähliche Abschwächung der staatlichen Zwangseingriffe, die die Weltwirtschaft zu zerstören drohten, rückt ins Bereich der Möglichkeit. Zugleich aber hat sich auch im Verlauf des Jahres 1936 die große Verschiedenheit in der Kriegswirtschaft der Diktaturländer und der Wirtschaft der übrigen Welt verschärft. Mit dieser Verschärfung wächst zugleich die politische Spannung, die mit ihrer kriegerischen Entladung den Wirtschaftsaufstieg immer aufs Neue bedroht. Dr. Richard Kern. Lippe Die Presse des Dritten Reiches hat auf Befehl eine Hetze gegen Holland entfesselt, weil die Hochzeit des Prinzen von läppe hnit der holländischen Thronfolgerin nicht zu einer Propagandaaktion für das Dritte Reich ausgenutzt worden ist. Diese Pressehetze enthüllt eine gewisse Enttäuschung, und diese Enttäuschung ist lehrreich. Was hatten die Systemleutc erwartet, daß sie so enttäuscht sind? Hatten sie geglaubt, daß nach der alten Habsburger Methode_ Teglingen dem stärksten Lohndruck ausgesetzt. Wohl fehlt es nicht an gelegentlichen Regungen des Widerstandes, aber sie bleiben in schüchternen Anfängen stecken, sie sind noch weit davon entfernt, sich zu solchen freien und mächtigen Bewegungen zu entwickeln, wie wir sie in Frankreich, England, Amerika und anderen Ländern in den verschiedensten Formen beobachten können. Die Frage bleibt offen, wie lange sich ein Industrieland von der Bedeutung Deutschlands einer allgemeinen Bewegung entziehen kann, die alle freien Industrieländer der Welt ergriffen hat. Hat Goerdeler genug? Aus gut infonaierten Berliner Kreisen geht uns die Mitteilung zu, daß dem Reichsinnenminister Dr. Frick seit einiger Zeit ein Antrag auf Einleitung eines Disziplinarverfahrens vorliegt, und daß es von der Entscheidung des Ministers abhängt, ob Dr. Goerdeler weiterhin Oberbürgermeister von Leipzig bleibt. Das Disziplinarverfahren richtet sich nicht gegen Dr. Goerdeler. Er ist vielmehr der Antragsteller und verlangt ein diszi- plinarisches Vorgehen gegen seinen Stellvertreter. den Bürgermeister Haake, der nach der Aufrichtung der Diktatur in dieses Amt geschoben wurde, obwohl er dafür keinerlei Eignung und Fähigkc.ten mitbrachte. Aber er war ein»alter Kämpfer« der Nationalsozialisten, und das genügt, um ihm einen gut bezahlten Posten zü übertragen. Der äußere Anlaß zu dem Vorgehen Dr. Goerdelers gegen de® Bürgermeister Haake ist ein Denkmalsstrelt. In Leipzig steht ein Denkmal des Komponisten Mendels- sohn-Bartholdy, dessen Beseitigung die Nationalsozialisten seit längerer Zelt betrieben haben, weil Mendelssohn-Bartholdy ein Jude war. Dr. Goerdeler hatte bis vor kurzem den Abbruch des Denkmals verhindern können. Eh- bemühte sich, nachdem die Jüdische Ge- Du glückliches Oesterreich, heirate— durch die Hochzeit eines deutschen Ex-Duodezprinzen mit einer fremden Fürstin ein staatsrechtliches oder politisches Band mit dem betreffenden fremden Lande geknüpft werde? Sieht das Hitlersystem die deutschen Exfürsten als offizielle Repräsentanten des deutschen Reiches an? Werden diese Exfürsten als Aktiven der Bilanz des Hitlerreiches angesehen, oder wenigstens als Aktiven in der Bilanz der Propaganda? Haben die Systemleute den Plan gehabt, durch Heiraten den Faschismus in Europa auszubreiten? So lächerlich dieser Propagandakrieg um Lippe-Detmold ist, so enthüllend ist er auch. Koch nicht geknebelt genug Der Chefredakteur des»Berliner Tageblatts«, Paul Scheffer, hat seinen Posten an den früheren Redakteur des»Tag«, Schwarzer, abtreten müssen. Eine Zusammenlegung des»Berliner Tageblatts« und der »Deutschen Allgemeinen Zeitung« wird erwogen. Als nächstes Objekt zur»Reinigungc steht die»Frankfurter Zeitung« auf der Liste. Die gleichgeschaltete Presse ist dem System immer noch nicht gleichgeschaltet genug. Alte Kämpfer ohne Flinfe Brigadeführer Reimann, Adjutant des Stabschefs Lutze und Führer der>SA-Wacht- standarte Feldherrnhalle« gab deutschen Presseleuten gnädigst über diose aus alten Kämpfern neu gebildete»Elitetruppe« Auskunft. Er sagte bei dieser Gelegenheit(laut »Preußische Zeitung« Nr. 349): »Die Männer der SA-Wachtstandarte sind verkörperter SA-Geist. Daher sind sie unbewaffnet.»Wir lehnen es ab, eine bewaffnete Truppe zu schaffen.« Der verkörperte SA-Geist darf nicht mehr schießen. Es wird nur noch gelegentlich auf ihn geschossen. Gute I-eute »Gewinsensfrage für Sitte, Moral, Kultur und Herz...« Der Reichstierschutzbund veröffentlicht in der Presse des Dritten Reiches einen Aufruf, worin es in weihnachtlicher Andachtstim- mung wörtlich heißt; »Die nationalsozialistische deutsche Reichsregierung hat als erste dem Tierschutz die Beachtung zuteil werden lassen. die ihm als Träger einer wichtigen Kulturaufgabe zusteht. Zur Durchführung dieser Aufgabe hat die Reichsregierung Gesetze erlassen, die in ihrer Auswirkung dem Tier ein Recht auf Schutz vor Quälerei und Mißhandlung zuerkennen. Die weitgreifenden Tierschutzgesetze aber, die geschaffen wurden, und die Ver- überall meinde in Leipzig es abgelehnt hatte, das Denkmal auf ihrem Friedhof aufzustellen, für ihn anderswo— im Ausland— einen würdigen Platz zu finden. Vor kurzem mußte sich der Oberbürgermeister auf eine Dienstreise begeben. Er tat es, nicht ohne vorher angeordnet zu haben, daß in der Angelegenheit des Denkmals während seiner Abwesenheit keinerlei Schritte zu unternehmen seien. Trotz dieser klaren Anordnung nützte der Bürgermeister Haake die Tage der Abwesenheit Dr. Goerdelers aus und ließ das Mendelssohn-Bartholdy-Denkmal abbrechen. Diese disziplinwidrige Eigenmächtigkeit seines Stellvertreters veranlaßt« den Dr. Goerdeler sofort, bei der vorgesetzten Behörde den Antrag auf Einleitung eines Disziplinarverfahrens zu stellen. Diese vorgesetzte Behörde ist aber ein Pg. und alter Freund des Bürgermeisters aus der Raufzeit der Nationalsozialisten. Er lehnte selbstverständlich ein Vorgehen ab, denn eine Krähe hackt der anderen die Augen nicht aus. Darauf leitete Dr. Goerdeler seinen Antrag an den Reichsminister Dr. Frick. Bei ihm liegt er nun. Es scheint, daß Dr. Goerdeler genug von der nationalsozialistischen Regiererei hat. Erst vor einiger Zeit wandte er sich in einem längeren Artikel sehr heftig gegen cfie Ueber- fcürokratisierung in der Verwaltung und meinte darin, daß es»Gott erbarmem müsse«, zu sehen, wie umständlich jetzt von den Behörden gearbeitet werden müsse. Kurze Zeit darauf hat er, der auch einmal Reichspreiskommissar der nationalsozialistischen Regierung war, gegen die Preispolitik in schärfster Weise Stellung genommen. Aus diesen und anderen Aeußerungen darf man schließen, daß er, der zur deutsch- nationalen Verwaltungshierarchie gehört, sich nicht ungern von dem System trennen möchte. Unter den großen Xndustriekonzemen ist sicher einer, der gern beredt ist, ihn in führende Stellung aufzunehmen. besserungen, cfie nach neuen und weiteren Erkenntnissen noch kommen werden, sind allein nicht imstande, alle Vebel zu beseitigen. Jedes geschriebene Gesetz besteht aus toten Buchstaben. Es wird und wirkt erst rebendig, wenn'sein Sinn nach den ungeschriebenen Gesetzen der Sitte, der Moral, der Kultur, vor allem aber des Herzens, von Mensch zu Mensch getragen wird. Deshalb soll jeder diesen Grundsatz sich zu eigen machen und ein Helfer werden für die Ausbreitung des Tierschutzgedankens. Tierschutz ist keine spielerische Betätigimg, keine oberflächliche Liebhaberei, sondern eine Gewissensfrage für jeden denkenden Menschen.« Man freut sich aufrichtig, daß hier wieder einmal ein Appell an den»Menschen« riskiert wird, den es sonst in der Staats- und Sittenlehre des Dritten Reiches nicht mehr gibt. Freilich, nur das Tier darf davon profitieren. frisierter Sthnaps »Oeffentliches Interesse« für die deutsche Wirtschaft, Aus Köln berichtet der»Westdeutsche Beobachter« über eine Entscheidung des Stadtverwaltungsgerichts: »Eine Branntweinbrennerei, die von einer Jüdin unter dem Namen ihres verstorbenen Mannes betrieben wurde. brachte der Inhaberin nicht mehr viel ein, da die Nachfrage nach dem mosaischen Kognak mit dem klangvollen Titel stark nachgelassen hatte. Sie verkaufte deshalb ihr Unternehmen an Ihre beiden ältesten Angestellten, die nunmehr die Erlaubnis zum Kleinhandel mit Branntwein in verschlossenen Flaschen nachsuchten. Da die beiden an Eidesstatt erklärten, daß sie die Brennerei auf eigene Rechnung führen würden und nicht etwa nur von der Jüdin als Strohmänner vorgeschoben seien, wurde die Erlaubnis erteilt, wobei das Stadtverwaltungsgericht betonte. daß es Im öffentlichen Interesse liege, wenn Betriebe, die bisher in jüdischen Händen waren, von Ariern übernommen würden.« Ein neues Plus für den Vier jahresplan 1 Konkurrenzneid Im Neujahrsartikel des»SA-Mannes« heißt es: »Wir haben es nicht nötig, uns an die Sexualnerven unserer Leser zu wenden. Wer den»SA-Mann« liest, soll nicht mit traumhafter Sicherheit den Leitartikel übergehen und auf Seite 13 eisen nackten Mädchenkörper suchen. Wir sind nicht prüde! Aber wir wollen auch nicht über Hintertreppen in die m oral Ingehemmte Fantasie reizbarer Spießbürger eindringen: etwa zum Wohle der Auf lagezif fer.« Wird die Redaktion des»Stürmer« da« Kampfblatt der obersten SA-Führung nunmehr wegen Ehrenbeleidigung belangen? Hans von Seeckt Deutsche Streiflichter Stimmungsumschwung nicht nur, sondern die Deutschenspiegel ,, Sozialismus der Tat" In der>> Frankfurter Zeitung( Weihnachts- Sprache des sogenannten Mannes auf der Daß Hitlerdeutschland auf allen Gebieten ausgabe) findet man diese Charakteristik Straße, der aber auch hinter dem Ladentisch der Sozialpolitik noch von dem großen Werk oder in der Bauernscheune stehen kann. Na- der Sozialdemokratie und ihrer NebenorganiEin General der Republik, wenn auch freilich kein republikanischer General, war Hans von Seeckt, der in den Weihnachtstagen in Berlin plötzlich gestorben ist, man möchte fast sagen: ein deutscher General, aber ein Charakter. Mit seinen berühmteren Standesgenossen Hindenburg und Ludendorff darf nationalistischen Eigenlobs: man ihn nicht auf eine Stufe stellen. Er stand geistig und moralisch hoch über ihnen. Politiker war er ebenso wenig wie sie. Wenn er auch einige Jahre auf den Bänken der Stresemannpartei im Reichstag saß. Er war der Sohn eines Offiziers und selber Offizier, militärischer Fachmann, mit konservativen Traditionen und einer guten Portion Standesdünkel, aber doch mit einem starken Gefühl für echte persönliche Würde. Darum konnte er niemals zur Rolle eines eidbrechenden Putschgenerals oder eines charakterschwachen Ueberläufers herabsinken. Als Seeckt nach einer glänzenden Laufbahn im Weltkrieg in das Reichswehrministerium eintrat, hatte er zweifellos die ehrliche Absicht, auf seine Weise der Republik zu dienen. Er tat das als Sachverständiger in Versailles und in Spa, ganz besonders aber beim Kapp- Putsch, als er seinen meuternden Vorgesetzten, General von Lüttwitz, den Gehorsam verweigerte. Nach der Liquidierung des Putsches wurde er an Stelle von Lüttwitz Chef der Heeresleitung und begann damit die große Arbeit, die das Hauptwerk seines Lebens geworden ist: deutschen Heeres. den Aufbau des neuen Je verworrener die äußeren und inneren Verhältnisse wurden, desto größer wurde für das Reich die Bedeutung des glänzend ausgebildeten Hunderttausend- Mann- Heeres, dessen Schöpfer der General von Seeckt war. Es kam die Ruhrbesetzung, der passive Widerstand, die Inflation, und Deutschland war voller Putschgerüchte. Da tat Seeckt seinen berühmten Ausspruch:» Putschen kann nur einer, und der wird es nicht tun, denn der bin ich!< Der Völkische Beobachter< in München, Herausgeber Adolf Hitler, fiel mit wüsten Schmähungen über ihn her. Geßler, bereits Wehrminister, verbot das Blatt. Aber die Regierung Kahr- Knilling, die damals noch mit Hitler unter einer Decke spielte, weigerte sich, das Verbot auszuführen, worüber es zwischen Bayern und dem Reich zu einem schweren Konflikt kam. In der Nacht vom 8. zum 9. November 1923 putschte Hitler im der Presse auch den Nachdenk>> Sonst gibt man hier nicht viel auf das, türlich ist er so vorsichtig wie immer unter sationen zehrt, ahnen allmählich auch diejeniwas die Ausländer denken. Doch wenn es der Diktatur, aber ganz offen spricht er 1. gen, die nur Kritik für das gewaltige soziale um die Stärkung des eigenen Selbstbewußtseins geht, dann wird von denen, die glau- zu Juden, weil er von denen kein Verklat- Werk der deutschen Arbeiterbewegung übrig ben, die öffentliche Meinung formen zu kön- schen zu befürchten hat und 2. zu früheren hatten. Ein unvergängliches Denkmal bietet nen, nur zu gern der Blick auch auf fremde Marxisten, soweit sie ihm noch echt erschei- die Wohnungspolitik der Sozialdemokratie, Zeitungen geworfen. Bei anderen könnte| das auf innere Unsicherheit schließen las- nen. Ich weiß nicht, wie es in den übrigen der Genossenschaften und der Gewerkschaften. Wie es jetzt mit der Entwicklung des sen. Jedenfalls ist maßloses deutschen Landesteilen steht, hier in den Selbstlob niemals sehr zuträg- Grenzgebieten jedenfalls ist der Mittelstand Wohnungswesens für Arbeiter bestellt ist, belich, und so geht das Verhalten und das Bauerntum mit dem Hitlersystem zeugt ein Fachmann der Ministerialrat Dr. Knoll vom Reichsarbeitsministerium in einem licheren des Landes auf die Ner- fertig, aber vollständig! Die Leute haben die Notruf in der Nazipresse. Er kommt zu dem ven, die versuchen, sich in allen wichtigen Möglichkeit des Vergleichens zwischen hier Fragen ihr eigenes Urteil zu bewahren... Ergebnis» Wohnungen von 1, 1½ oder 2 RäuWir mögen ein wundervolles Volk sein. men mit Mieten bis 70, ja 100 Aber wäre es nicht besser, wenn schäftsmann weiß, daß es drüben die Waren- Reichsmark, wie sie in den letzten Jahwir aufhörten, uns zu sagen, daß beschaffungssorgen und die Preisschikanen ren leider in viel zu großem Umfange gebaut wir ein wundervolles Volk nicht gibt und jeder Bauer erfährt, daß die worden sind, sind keine Arbeiterwohnstätten.< seien? Ich gestehe, daß mir diese Orgien der Selbstbilligung mehr Kujonierungen durch eine Menge von Verord- Da nicht ein einziger Arbeiter im Reiche und mehr zuwider sind. über Zwangswirtschaft sich auf Bruttodurchschnittslohn 27 RM die Woche Uebermaß des Selbstlobs ist Deutschland beschränken. Es ist sicher, daß solche Monatsmieten aufbringen kann, ist also immer gefährlich, da es den Blick daß man in den letzten Jahren für eigene Fehler verschließt und über eine Absprache zur Zurückhaltung von Ge- erwiesen, heblich stimmt. Auf die breiten Volks- treide und zum Schwarzschlachten bei den vorwiegend nicht Arbeiterwohnungen sondern massen macht es allerdings wenig Einund dem benachbarten Auslande. Jeder GeEin nungen Der Herr Ministerialrat sehnt druck, wenn ihnen immer gesagt wird, sie Bauern nicht erfolgt ist, aber überall wird Kleinstwohnungen für Luxuspärchen eingehätten das beste Gerichtswesen, die beste diese Sabotage geübt, weil kein Bauer daran richtet hat. Verfassung, die besten sozialen Einrichtun- glaubt, daß die Zwangswirtschaft dem Allge- sich nach den früheren Kleinsiedlungen, die gen und die beste Hygiene der Welt. Natiomeinwohl dient, soweit der durchschnittliche naler Stolz ist an und für sich begrüßenswert. Aber er kann, wenn er sich zur Un- Bauer sich überhaupt um das sogenannte Allverständlichkeit steigert, die Fortentwick- gemeinwohl Gedanken macht. Du mußt belung des eigenen Landes behindern und die denken, daß immerhin die allermeisten der über Blut und Boden zu machen. Man könnte innere Einstellung zu anderen Nationen so den Weltfrieden 1 mit den Kindern und dem Kinderzuwachs der im allgemeinen nicht kinderlosen deutschen Arbeiterfamilie rechneten und sie wieder mit Garten und Feld verband, ohne viel Gerede sehr stören, daß dadurch das inter- heute selbständig wirtschaftenden Bauern und den Notruf überschreiben:» Zurück zur sonationale Zusammenleben ge- ihre Frauen noch die Kriegsverord- zialdemokratischen Wohnungspolitik!<< Aber fährdet wird. Die mangelnde Bereitwil- nungen mit ihren tollen Schikanen im Ge- freilich würde das, auch wenn die unsozialen ligkeit der Presse, die Sorgen und Handlungen anderer Länder in einfühlender Weise dächtnis haben, und ich behaupte sogar, daß Diktatoren die Notwendigkeit einsähen, nicht und mit dem Bewußtsein der moralischen unsere Bauern in Wirtschaftsfragen ein bes- so leicht werden, denn inzwischen ist, wie der Verantwortung zu ergründen, hat gele- seres Gedächtnis und aus Eigennutz Ministerialrat zugibt, viel verwüstet:» Die gentlich zu einer Vergiftung der Atmosphäre geführt, die für selbständigere Kritik besitzen als leider viele wirtschaftliche Not, das Mißverhältnis zwibedrohlich städtische Arbeiter. Der Widerstand der Bau- schen den bescheidenen Arbeitseinkommen war. Die Besinnlichen machen in erster ern wird sich im Laufe dieses Winters noch einerseits und den Zinsen anderseits zwingt Linie die Presse verantwortlich, die Ueberheblichkeit predigt, die selber gegenüber sehr verstärken, und es gibt manchmal auch allerdings dazu, so bescheiden nach Art und ausländischer Kritik außerordentlich emp- schon ganz gehörige Prügeleien zwischen Umfang zu bauen, wie nur irgend möglich.< findlich ist, die sich aber in ihrer eigenen Bauern und Nazis, die sich bei der Kontrolle So bucht denn der Sozialismus der Phrase Darstellung ausländischer Dinge auch in zuviel herausnehmen. soziale Rückschritte überall, und gerechtferihren besten Organen oft über Gebote des tigt sind längst jene nüchternen, fleißigen Anstandes hinwegsetzt. Der Beginn vor übergängern allem ist, der Falschheit den alles andere als Begeisterung hören, wenn Reformpolitiker des» Sozialismus der Tate, Rücken zu kehren. Solange die der freilich nichts davon wußte, daß es in Heuchelei nicht aufhört, kann Frauen und Kinder, aber auch junge Burdieser propagandatollen Zeit notwendig ist, nichts anderes beginnen.<< schen nach. gegangen sind, um etwas nicht nur die Tat, sondern auch die lauteste Herr von Dewall, Londoner Korrespondent, einzukaufen und die Zöllner den Zurückkeh- Reklame wirken zu lassen. gibt vor, diese Kritik an der englischen Presse renden Schwierigkeiten machen. Der Bauer zu üben, aber die Photographie der hitler- macht auch keinen Unterschied zwischen Hitdeutschen Selbstbeweihräucherung und ihrer ler und den kleinen Hitlers; er bezeichnet das verlogenen Presse ist so naturecht, daß hier alles als und Dreck. Ich behaupte, . Auch bei den Grenzund in... kannst Du nicht viel Bürgerbräukeller; noch in derselben Nacht Deutsche Friedensbotschaft ernannte Ebert den General von Seeckt zum > Bei uns ist die WeihnachtsbotInhaber der vollziehenden Gewalt, das heißt schaft wirklich wahr geworden; darum zum militärischen Diktator. Seeckt hätte nur ohne Zweifel in der Form eines Londoner daß es da überhaupt keine Ausnahmen mehr sind auch wir Deutschen heute so froh und den ihm erteilten Auftrag nicht zurückgeben Weihnachtsbriefes der deutschen Diktatur gibt, und im Mittelstand ist es glücklich und dienen voll treuer und freudiger brauchen, wozu ihn keine Macht der Erde schonungslos der Spiegel vorgehalten worzwingen konnte, und Hingabe dem großen Werk der Wiebesser. Ich komme als Jude wirklich manch- deraufrüstung unseres Landes. er wäre militärischer den ist. Diktator geblieben, vielleicht für Lebensmal in die übelsten Situationen, wenn ich das Gerade Kinderseelen sind für große zeit. Aber Seeckt war loyal und gab den ihm, So kann es nicht alles mit anhören muß. Jedenfalls ist der Ideale besonders empfänglich.<< erteilten Auftrag nach seiner Ausführung weitergehen" Mann auf der Straße wieder da angelangt, wo wieder zurück. Als Ergebnis seiner Wirksamwestdeutscher Geschäftsreisender er erklärt:> So kann die Schweinerei nicht keit blieb ein Verbot der Nationalsozialisti- schreibt:> Was am meisten auffällt, ist der weitergehen schen Deutschen Arbeiterpartei für das ganze Reich. zu Ein Göbbels in seiner Weihnachtsbotschaft an die deutschen Kinder. Hannes Wink. Dre: Jahre später mußte Seeckt seinen häufen, die geschichtliche Wahrheit werden einer verbotenen Zeitung gefunden worden. Angst vor gutem Beispiel Abschied nehmen, weil er den ältesten Sohn sie doch nicht begraben können. Seeckt war Eine Katholikin hatte acht Monate zu verdes Exkronprinzen einer militärischen nicht» unser«, aber ihrer war er erst recht büßen, weil sie gesagt hatte, die HitlerdiktaUebung mit herangezogen hatte. Geßler stand nicht. schon lange mit ihm in Konflikt und benutzte die Gelegenheit, seine gut republikanische Gesinnung zu beweisen. Als pensionierter General ließ sich Seeckt in den Reichstag Frauen im Gefängnis Erlebnisse einer Elsässerin. den zu einer Steuer» Die Zeit für Steuersenkung ist noch nicht gekommen. Dem etwa vorhandenen tur widerspreche dem Geist des Christentums. örtlichen Druck auf die Senkung oder Viele Frauen wurden nach Verbüßung ihrer Abbau einzelner Steuern müssen die GemeinStrafe in die Konzentrationslager geschafft; entgegentreten und keinesfalls eine von ihnen, der dieses Schicksal angedroht von sich aus Steuern, falls sie nicht wirklich Im>> Manchester Guardian< erzählt An- worden war, beging kurz vor der Beendigung überhöht sind, senken, um billige örtwählen und verfaßte verschiedene militäri- toinette Billard, eine Elsässerin, ihre deut- ihrer Strafhaft Selbstmord. Einige Gefangene, liche Erfolge zu zeigen. Das gebietet sche Schriften, von denen die> Gedanken eines schen Erlebnisse. Im Herbst 1934 fuhr sie die in Einzelhaft lagen, schrien dort so lange, schon die Rücksicht auf die NachSoldaten< die weiteste Verbreitung fanden. nach Deutschland hinüber, um einem Freund bis sie krank wurden. Die meisten aber zeig- bargemeinden, die Als Hitler zur Regierung kam, war Seeckt eine Einladung zum Brüsseler studentischen ten ein stilles Heldentum, von dem ihre elsäs- senkung nicht in der Lage sind und denen längst ein Entmachteter. Er gehörte nicht Weltkongreß zu überbringen. Dieser Freund sische Schicksalsgefährtin mit höchster Be- dann das Beispiel der anderen Gemeinde mehr zu den> führenden Schuften<, die im gehörte einer deutsch- französischen Jugend- wunderung spricht:» Sie trugen alle Erniedriin einer berühmten Prokla- organisation an, die sich des besonderen Wohl- gungen in der Ueberzeugung, daß sich in mation für>> vogelfrei< erklärt worden waren. wollens des Herrn von Ribbentrop erfreute, ihnen nicht der wahre Geist ihres Vaterlandes So blieb ihm das Schicksal Schleichers und Fräulein Billard glaubte also sicher zu sein, ausdrücke, und daß dieses Regime der BruKahrs erspart. Ja, das Dritte Reich bemühte nichts zu tun, was das Mißfallen der deut- talität nicht ewig dauern könne.<< sich heftig um ihn und erwies dem alten schen Machthaber erregen könnte. Nichts- Antoinette Billard war unpolitisch als sie Gegner, dessen großen Einfluß auf das Offi- destoweniger wurde sie verhaftet und den Boden des Dritten Reiches betrat. zierskorps es kannte, alle möglichen Ehren. nach drei Monaten Untersuchungshaft begeisterte Freundin des Deutschland, Seeckt jedoch blieb undurchdringlich, Sphinx einem Jahr und acht Monaten Ge- um seine Befreiung ringt, hat sie ihn ver- stens den deutschen Haushaltungen mit Monokel. Er war kein Blomberg. fängnis verurteilt. Sie verbüßte diese lassen. November 1923 zu Hitlers Weltreich Als das Die Wenn man ihm nachsagt, er sei als An- Strafe in den Gefängnissen von Bruchsal und hänger eines kleinen spezialistisch hochaus- Gotteszell. gebildeten Heeres ein Gegner der allgemeinen Von der Belegschaft dieser Frauengefäng- In der NSDAP geht die Sonne nicht unter. Wehrpflicht gewesen, so trifft das nicht zu. nisse waren nicht weniger als 40 Prozent Die» Dezember- Schulung des Amtes für Für einen allmählichen Uebergang zur allge- politische<; diese wurden viel schlechter Erzieher in München schloß mit einem Bemeinen Wehrpflicht trat er schon als Reichs- behandelt als die anderen Gefangenen. Der richt über das Auslandsdeutschtum. tagsabgeordneter ein. Freilich wird der er Zustand des Essens, das nicht selten voller Kölnische Zeitung( Nr. 349) schreibt dazu: probte Organisator über den überstürzenden Würmer war, spottete jeder Beschreibung. Neuaufbau, der alte Fuchs über das lärmende Die unpolitischen Gefangenen waren zum groAufrüstungstheater sich seine eigenen Gedan- Ben Teil Mädchen von 14 bis 16 Jahren, die ken gemacht haben. Unüberwindlich war beim Arbeitsdienst geschwängert worden wasein Gegensatz zum gegenwärtigen Rußland- ren und sich sodann der Abtreibung oder des kurs, denn auf der Zusammenarbeit mit der Kindermordes schuldig gemacht hatten. Roten Armee, dem berüchtigten>> Bolschewis- Unter den politischen Insassen der Frauenwar ja sein ganzes Lebenswerk auf- gefängnisse befand sich eine 69 Jahre alte gebaut. Die Herren des Dritten Reiches haben Frau, die bei einer Sammlung der» Roten dieses Werk zerstört. Wenn sie jetzt über Hilfe« 20 Pfennige beigesteuert hatte. Eine seiner Leiche Kränze und Lügen bergehoch andere Frau gleichen Alters war im Besitz mus«, vorgehalten wird.<< ( Aus der Neujahrsnummer der Deutschen Gemeindekorrespondenz.) Attentat auf Schweine Scherls Bilderdienst verbreitet die Photographie eines Pappschweins, das nächzugestellt werden soll,» um die Hausfrauen an ihre Sammelpflicht von Küchenabfällen zu erinnerne. Das Schwein trägt auf dem linken Ohr die Inschrift» Vierjahresplane und auf seinem Bauch ist zu lesen: » Ich fresse: Abfälle von Kartoffeln, Gemüse, Salat und Obst( roh und gekocht), Fleisch- und Fischabfälle, Knochen, Einge-. weide, Eierschalen, Kaffeesatz, Speisereste, Brot und Backwarenreste aller Art. aber nicht: Chemikalien, Putzmittel, Gewürze, Zitronen, Apfelsinen- und Bananenscha len, Asche, Tabak, Federn, Scherben, Lumpen, Metallteile, Papier > Gauamtsleiter Parteigenosse Dr. Karl Klingenfuß, Leiter des Kulturamtes der Auslandorganisation der NSDAP Berlin, umriẞ den bedeutungsvollen Aufgabenkreis der Auslandsorganisation der NSDAP, die einen Gau darstelle, in dem die Sonne nicht untergehe. Den Grundstein der Auslandbe- Die deutschen Abfallsammler scheinen treuung stelle die Ueberzeugung dar, daß dem Futter seltsame Gegenstände beigefügt das deutsche Volk auch im Auslande nach usw.< den in der Heimat geltenden Lebensgesetzen zu haben. Es liegt ihnen wohl nicht soviel an aufgebaut werden müsse.<< dem Vierjahresschwein, das sie doch nicht zu Weltherrschaftsträume im Gaustall! essen bekommen! Die{randloseste FeManlage der Geschichte Im vorigen Jahre hatte eine englische Bankengruppe, offenbar mißtrauisch gegen die amtlichen Informationen des Dritten Reiches, einen in Deutschland lebenden Fachmann mit einer Untersuchung über Deutschlands wirtschaftliche Lage beauftragt. Es ist Dr. Hans E. Priester, ehemals Handelsredakteur des»Berliner Tageblattes«. Er hat das Ergebnis seiner Untersuchungen zu einem vor kurzem erschienenen Buche ausgestaltet,»Das deutsche Wirtschaftswunder«(Querido- Verlag, Amsterdam). Der Verfasser war nach seinen Angaben im Vorwort bis Anfang 1936 in Deutschland tätig und hatte die Möglichkeit, genaue amtliche und zum Teil nicht für die Veröffentlichung bestimmte Unterlagen zu benutzen.»Auch wurde ich«, schreibt er,»von verschiedenen Seiten bei der Quellensammlung unterstützt Aus naheliegenden Gründen kann ich sie an dieser Stelle natürlich nicht namhaft machen.« Priester hofft mit Recht, nicht nur eine lückenlose Beschreibung der gesteuerten Wirtschaft des Dritten Reiches mit all ihren bisher unbekannten Einzelheiten gegeben zu haben, sondern auch sie in eine kritische Beleuchtung gerückt zu haben, die den Eindruck der Objektivität und Zuverlässigkeit macht. Zum ersten Mal erfahren wir, daß Schacht von der Verkündung des Vierjahresplanes ebenso überrascht worden ist wie jeder beüebige Rundfunkhörer oder Zeitungsleser. Priester schreibt: »Der amtierende Wlrtscbaftfiminister cr- tuhr von der Existenz dieses Vierjahresplanes zu seiner größten Ucberraschung— erst in Nürnberg ans der offiziellen Proklamation des»Führers«. Erwartet hatte er auf Grand der von ihm nach dem Obersalzberg einge- i-eichten Gutachten zur Wirtschafts- nnd Roh- slofflage alles andere, nur nicht das. Denn in diesem Gutachten war ausdrücklich vor Ex- l»erimenten dieser Art gewarnt worden.« Warum diese Warnung? Weil Schacht weiß, daß die deutsche Konjunktur nur gehalten werden kann, wenn es gelingt, was bisher mißlungen ist, die Rüstungskonjunktur in eine echte Konjunktur überzuleiten, den Anschluß an den Weltmarkt wiederzufinden. Die in Nürnberg dekre- tterte Rohstoffautarkie belastet aber die Selbstkostenberechnung der Industrie noch stärker als der bestehende Rohstoffmangel.»Soll der Grundsatz der Preis- und Lohnstabilität nicht verlassen werden, so müssen die Ueberpreise irgendwie vom Staate getragen werden. Diese Subven- tionierung der deutschen Rohstoffwirtschaft stellt an die Finanzierungskraft des Dritten Reiches zusätzliche Ansprüche... Die Einschaltung dieser Konjunkturreserve hat also sehr- erhebliche volkswirtschaftliche Nachteile im Gefolge— Nachteile, die ais eine schwere Hypothek auf der Zu- l:uhTt der deutschen Wirtschaft lasten werden. Gelingt nicht die Herabschleusung (it.: Kunststoff preise auf das Kostenniveau dei natürlichen Rohstoffe, so wird das neue Vierjahresprogramm , eine der grandiosesten Fehlanlagen darstellen, die die moderne Wirtschaftsgeschichte kennt.« Die Kosten der Rohstoff au tarkie sind weit größer als die damit erzielbare Ersparnis von Devisen. Es handelt sich nicht nur darum, ob nach dem Befehl des Führers Deutschland in vier Jahren gänzlich unabhängig vom Bezug ausländischer Rohstoffe werden kann, sondern auch um welchen Preis dieses Ziel auch nur annäherungsweise erreichbar ist. Darüber erfahren wir aus Priesters Buch zumeist bisher unbekannte Angaben. In diesem Rahmen können nur die Ergebnisse, nicht die sehr aufschlußreichen Einzelheiten mitgeteilt werden. Textilrohsioffe -iBis Ende 1937 dürfte die inländische Erzeugung in Faserstoffen 60 Millionen Kilo Kunstseide und 70 Millionen Kilo Zellwolle betragen. Dadurch ergibt sich zuzüglich der Eigenerzeugung in Wolle, Flachs, Hanf usw. eine gesamte Inland s p r o d u k ti o n von etwa 25 bis 30 Prozent des bisherigen Verbrauchs an Textilrohstof- fen in Deutschland. Durch diese Eigenerzeugung spart Deutschland jährlich etwa 150 Millionen RM an Devisen. Allerdings mußte es zu diesem Zwecke einmalige Investitionen von 200 bis 250 Millionen aufwenden,— ganz abgesehen von den laufenden Betriebskosten.« Die meisten Hoffnungen setzt man in Deutschland auf die Zellwolle. Den Vergleich mit den natürlichen Spinnfasern hält aber die deutsche Zellwolle noch keineswegs aus. Deswegen wird vom Rohstoffkommissariat im Reichswirtschaftsministerium neuestens eine Kostenverbilligung durch Begrenzung der Musterzahl der einzelnen Firmen und einen Erfahrungsaustausch der Fabrikanten untereinander gefordert. Ob auf diese Weise große Erfolge zu erzielen sind, bleibt abzuwarten.« Metallrohstoffe Das Ziel des Dritten Reiches ist, den Metallbezug aus dem Ausland nicht so weit steigen zu lassen, wie es an sich der erhöhten Nachfrage entsprochen hätte und trotzdem die ausreichende Belieferung der Industrie sicherzustellen. Dieses Ziel wurde auf zwei Wegen erreicht: der zivile Verbrauch wurde von»Devisenmetallen« auf »Marktmetalle« umgelenkt und die heimische Erzproduktion ausgebaut, auch wenn die Lagerstätten bisher nicht für abbauwürdig galten. Das Resultat?»Die direkten Aufwendungen des Dritten Reiches für die erhöhte Selbstversorgung mit Metallen belaufen sich auf mindestens 100 Millionen RM, nicht eingerechnet die Investitionen der Industrie aus eigenen Mitteln. Trotz diesen Rieseneinsatzes ist es nicht gelungen, eine rentable, d. h. weltwirtschaftkonkurrenzfähige deutsche Metallproduktion aufzuziehen,— weil die natürlichen Voraussetzungen fehlen. Rein ökonomisch gesehen handelt es sich also um Fehlinvestitionen.« Die Verhüttung von Inlandserzen mit rund 30 Prozent Eisengehalt erfordert das Vierfache an Kosten gegenüber der Verarbeitung von Auslandserzen mit 60 Prozent Eisengehalt.»Daraus resultiert selbstverständlich eine Steigerung der Gestehungskosten für Roheisen und damit auch für Stahlerzeugnisse. Aber dieser Nachteil wird bewußt in Kauf genommen.« Künslllche Treibstoffe Im Jahre 1935 deckte Deutschland bereits zu 43.3 Prozent den Bedarf an Leichtkraftstoffen im Inlande. Unter dem Eindruck der Sanktionsdebatten ist das Dritte Reich planmäßig darangegangen, die Vorratshaltung an ausländischen Treibstoffen erheblich zu steigern. Die gegenwärtige Inlandserzeugung deckt bereits mehr als 50 Prozent des Bedarfs.»Im Ernstfalle wäre Deutschland imstande, den ganzen Bedarf an sämtlichen Treibstoffen innerhalb der eigenen Grenzen zu produzieren, wenn erst einmal die im Ausbau begriffenen Anlagen vollendet und voll beschäftigt sind. Die deutsche Treibstoffautarkie ist im Dritten Reich in greifbare Nähe gerückt.« Dieses wehrpolitische Aktivum konnte aber nur unter Aufwendung ungeheurer Mehrkosten erreicht werden.»Nach einem Bericht der DD-Bank hätten zu einer vollständigen Versorgung Deutschlands mit Auslandsöl im Jahre 1934 200 Millionen RM ausgereicht. Tatsächlich ausgegeben wurden 700 Millionen RM. Von den Mehrkosten von 500 Millionen RM entfielen fast 300 Millionen RM auf die Hochschutzzölle zur Sicherung der Inlandsproduktion, 200 Millionen RM auf die höheren inländischen Herstellungskosten. Das war 1934— vor dem verstärkten Aufbau der heimischen Treibstofferzeugung. In 1936 werden die Mehrkosten der Selbstversorgung— ohne die Investitionsaufwendungen— auf mindestens 800 Millionen RM angeschwollen sein.« Gummi In Kriegszeiten kann eine moderne Armee Gummi um keinen Preis missen, wenn sie nicht die Motorisierung der Truppen vernachlässigen will. Der synthetische Kautschuk nach dem Verfahren der I. G. hat den Namen-Buna« erhalten. Die L G. Farbenindustrie hat unter Einsatz ganz erheblicher Mittel die Herstellung des »Buna« in Angriff genommen. Der synthetische Kautschuk ist aber»erheblich teurer als das natürliche Produkt. Selbst nach der beabsichtigten Halbierung des gegenwärtigen Preises von ca. 5 RM je Kilo kann »Buna« den Vergleich mit Naturkautschuk nicht aufnehmen. Dieser kostet nämlich gegenwärtig nur 65 Pf. je Kilo!« Trotzdem wird die deutsche Bunaproduktion großzügig ausgebaut Im Frühjahr 1937 wird eine zweite Fabrik der L G. fertiggestellt sein. Ihre Produktion ist mit 1000 Tonnen per Monat veranschlagt, während das alte Bunawerk nur 300 Tonnen im Monat erzeugen kann. Zur Deckung des Bedarfs reichen diese beiden Werke nicht im entferntesten aus. Ab Frühjahr 1937 wird das Dritte Reich 15.600 Tonnen jährlich erzeugen, also immer noch nur einen Bruch- teil des Verbrauchs von ca. 74.000 Tonnen! * Den Einwand, daß eine riesenhafte Vergeudung von Menschen- und Kapitalkraft im Gange ist, läßt das Dritte Reich nicht gelten. Denn es bandelt sich für Hitler nicht darum, Devisen zu ersparen, sondern der Zwang zur Devisenersparnis als Vorwand zur Herstellung einer vollkommenen Kriegsbereitschaft auszunutzen. Die Kreise der deutschen Führung, als deren Wortführer nach Priesters Darstellung Schacht anzusehen ist, befürchten aber, daß Deutschland so in eine ausweglose Schuldenwirtschaft getrieben und aus dem weltwirtschaftlichen Zusammenhang völlig ausgeschaltet wird. Sie sind für einen allmählichen Abbau der Aufrüstungskonjunktur und»plädieren für politische Konzessionen an das Ausland«. Ob diese Beurteilung Schachts richtig ist, der bisher sich stets als getreuer. Schildhalter seines Herrn bewährt hat, sei dahingestellt. Jedenfalls ist im Kamarillakrieg um die Beeinflussung Hitlers nicht er der Sieger, sondern Göbbels und Heß, nicht die zu- Konzessionen bereite Richtung, sondern die zu Drohungen entschlossene. Allerdings handelt es sich in Spanien nicht nur um Erze und sogar nicht nur um die militärische Vorherrschaft in Europa, es handelt vor allem darum, die Erbringung des Beweises zu verhindern, daß es nicht immer den Diktatoren gelingt, ihr Volk zu besiegen, sondern daß es zuweilen auch umgekehrt gehen kann. G. A. E. Her Terror in Hanzig Das Drille Reich niste! sich ein Der polizeiliche nationalsozialistische Terror in Danzig hat bisher keinerlei Minderung erfahren. Die Polizeiaktion gegen die Danzi- ger Zentrumspartei, die in der Vorwoche durch mehrere Verhaftungen von katholischen richterlichen Beamten eingeleitet wurde, nimmt ihren Fortgang. Am Freitag dem 18. Dezember unternahm die politische Polizei in Danzig Haussuchungen bei dem ersten Vorsitzenden der Danziger Zentrumspartei, dem Volkstagsabgeordneten Dr. Richard Stachnick, bei dem zweiten Vorsitzenden der Partei und Vorsitzenden der Stadtbürgerschaftsfraktion des Zentrums, Bergmann, und bei dem Zentrumsabgeordneten P o s a c k, der nebenamtlich das Amt des Sekretärs der Zentrumspartei bekleidet. Stadtbürgerschaftsmitglied Bergmann wurde anschließend von der politischen Polizei verhaftet und befindet sich bis jetzt in Haft im Danziger Polizeipräsidium. Zur gleichen Zeit fand auch eine Durchsuchung des Sekretariats der Zentrumspartei durch die politische Polizei statt. Am Dienstag dem 22. Dezember wurde der bisherige Abgeordnete des Volkstages und Parteisekretär der Deutschnationalen Volkspartei, Gamm, von der politischen Polizei wieder verhaftet. Gamm befindet sich im Polizeipräsidium in Danzig, wo der Führer der Deutschnationalen, der Abgeordnete Dr. B 1 a- v i e r, seit mehr als zwei Monaten in Schutzhaft sitzt. Außerordentlich bemerkenswert ist, daß kurz vor Weihnachten auch mehrere bekannte Nationalsozialisten von der Danziger politischen Polizei in Haft genommen worden sind. Unter ihnen befindet sich der Studienassessor Dr. Minzen und der Referendar Reich, die beide Funktionärstellen in der NSDAP bekleideten. Feiner wurden etwa 20 SA-Leute, mehrere Amtswalter und eine Reihe von Funktionären der NSKK verhaftet. Die verhafteten Nationalsozialisten, die sich im Danziger Polizeigefängnis befinden, bezichtigt man der geheimen Zusammenarbeit mit den Oppositionsparteien. Einigen von ihnen soll man auch Beziehungen zu polnischen Kreisen vorwerfen. Die sozialdemokratische Fraktion des Danziger Volkstages hat gegen die seinerzeitige Verhaftung der sozialdemokratischen Volkstagsabgeordneten Mau, Schmidt und W e- b e r Protest beim Senat der Freien Stadt Danzig erhoben. In dem Protest wird darauf hingewiesen, daß die Verhaftungen entgegen dem klaren Wortlaut des Artikels 21 der Danziger Verfassung erfolgt waren, der die Verhaftung eines Volkstagsabgeordneten nur dann zuläßt, wenn der Volkstag die parlamentarische Immunität des Abgeordneten aufgehoben hat, oder wenn die Verhaftimg spätestens im Laufe des auf eine erwiesene Straftat folgenden Tages erfolgt. Beide Voraussetzungen trafen bei den Verhaftungen nicht zu. Weder hatte der Volkstag die Immunität der Abgeordneten aufgehoben, noch ist den Verhafteten irgendeine Straftat nachgewiesen worden. Mißhandlungen nach dem Muster des Drillen Reichs Ans Danzig kommt ferner eine Meldung, die die bereits zahlreich umlaufenden Nachrichten von brutalsten Mißhandlungen politischer Häftlinge durch die Danziger politische Polizei in grauenhaftester Weise bestätigt. Die besonderen Verhältnisse in Danzig briugeu es mit sich, daß der unten angeführte Fall erst jetzt in seinem ganzen Umfang bekannt wird. Im Laufe einer Ver- haftungsaktion Mitte November wurde auch der Arbeiter Karl Malinowski, wohnhaft Danzig-Heubude, nach einer in seiner Wohnung durchgeführten Haussuchung am 20. November durch die politische Polizei verhaftet. M. verblieb in Haft. Seiner Frau wurden von den Behörden keinerlei Erklärungen über den Grund der Verhaftung abgegeben. Am 6. Dezember erhielt sie dann die Nachricht, daß ihr Ehemann sich in der Zelle des Polizeigefängnisses In Danzig erhängt habe, und sie den Leichnam zur Beerdigung abholen solle. Einwandfreie Zeugen bekunden nun, daß die Leiche des M. an der rechten Schläfe eine tiefe Schlagwnndc aufwies. Ferner stellte mau an vielen Stellen des Körpers große blutunterlaufene Stellen fest, und zwar an den Genitalien, an den Knien und auf einer Gesäßhälfte. Ueber den Tod des M. ist allen Vermutungen Raum gegeben. M. ist 41 Jahre alt und hinterläßt eine Frau und fünf Kinder. Er hatte nach jahrelanger Arbeitslosigkeit genau 2yt Tage vor seiner Verhaftung Arbelt im Danziger Hafen gefunden. Er ist als ein nüchterner und solider Mensch bekannt 1933 hat er anläßlich der Volkstagswahlen in einem städtischen Wahlbezirk als Wahlbeisitzer für die kommunistische Partei fungiert. Er hat sich seitdem politisch nicht mehr betätigt. Eine Leichenöffnung durch den Amtsarzt ist nicht erfolgt. Die Abhängigkeit der Richter Der Danziger Gerichtspräsident Dr. von Hagens ist am 3L Dezember v. J. zurückgetreten. Der Rücktritt ist von dem Gauleiter der NSDAP in Danzig erzwungen worden, weil Hagens sich einmal in einer Privatzusammenkunft mit Forster auf seine politische Unabhängigkeit als Richter berufen hat. Es handelte sich damals um eine Vorbesprechung zu dem von den Oppositionsparteien angestrengten Wahlanfechtungsverfahren bezüglich der Gültigkeit der Wahlen vom 7. April 1935 vor dem Danziger Obergericht. Forster verlangte in dieser Besprechung von Dr. Hagens ein für die Nationalsozialisten günstiges Urteil. Hagens, der sich zwar zunächst auf seine Unabhängigkeit als Richter berief, hat bekanntlich später der Anweisung Forsters Rechnung getragen. Jedoch hat Forster ihm die Aeußerung über | seine richterliche Unabhängigkeit nicht verziehen. In einer Hede vor den Danziger Richtern nannte er diese Aeußerung»lächerlich«. Der Nachfolger Dr. von Hagens soll Landgerichtsdirektor Dr. W o h 1 e r werden. Wohler ist zur Zeit der wichtigste Mitarbeiter dos Senatspräsidenten Greiser. Er leitet die innenpolitische Abteilung des Senats und ist der eigentliche Verfasser sämtlicher vom Senat seit dem Rücktritt des früheren Senatspräsidenten Dr. Rayschning erlassenen Verordnungen. Wohler war bereits vor 1933 Mitglied der NSDAP. Der neue„Mayer" anlisemilisch In dem soeben im Bibliographischen Institut Leipzig erschienenen Band der 8. Auflage von Meyers Konversations-Lexikon liest man:»Eduard Bernstein: Deutschfeindlicher jüdischer Marxist.« Im Artikel»Bauer« wird gesagt:»Den Begriff.dummer Bauer' schufen in bewußter Verhöhnung des Bauerntums jüdische Literaten Hand in Hand mit der judenhörigen Presse.« Nr. 187 BEILAGE Neuer Vorwärts blom 10. Januar 1937 Das Dritte Reich der Scharfmacher mit Hitler Aus der Geheimgeschichte der faschistischen Verschwörung ich In der>> Preußischen Zeitung vom 3. seiner Bewegung zur Verfü-| durfte. Ich war wohl zuerst im Zweifel, unterhalten und mich dann, als ich meine Januar 1937 wird ein Interview mit Emil über den neuen Kurs Kirdorf veröffentlicht, in dem dieser gung gestellt. Kurz nach der Mün- ob die Bewegung allein das große Ziel er- Bedenken chener Unterredung fanden dann als Aus- reichen würde. Aber bald mußte ich er- äußerte, mit den tröstlichen Worten entseine Begegnungen schildert. Dies Interview enthüllt einen wirkung der vom Führer verfaßten und kennen, daß der Führer mit seinem lassen:» Der alte Kaiser hat lernen müsTeil der Vorgeschichte des Bündnisses zwi- von mir verbreiteten Broschüre meh- Totalitätsanspruch den richtigen sen, der junge muß auch noch lernen.<< schen den Scharfmachern und der NSDAP, rere Zusammenkünfte des Füh- Weg einschlug, wie ja überhaupt die ganze Die Entwicklung des Reiches nach der das bis zum Jahre 1923 zurückgeht. Auch die Finanzierung Hitlers durch die Scharf- rers mit leitenden Persönlich- Entwicklung dem Führer Recht gegeben Entlassung Bismarcks hat mir aber viel Sorge bereitet, und ich habe mit almacher wird dadurch klar. Emil Kirdorf keiten des Industriereviers hat. ist der Senior der deutschen Scharfmacher, statt, in denen dann Adolf Hitler in knap- Für mich war es eine Selbstverständ- ler Macht gegen den verhäng. der Feind aller sozialpolitischen Bestrebunneuen Kurs angegen in Deutschland, der jetzt, als Neunzig- pen und klaren Worten seine Ansichten lichkeit, für die Ziele Adolf Hitlers ein- nisvollen jähriger, durch Hitler seinen haẞerfüllten darlegte. Zum letzten Male vor der Macht- zutreten, nachdem ich durch sein klares kämpft. Im Laufe der Zeit habe Vernichtungswillen gegen die deutsche Ar- übernahme trafen sich dann noch ein- Programm voll und ganz überzeugt war. dann viel Elend, viele Kümmernisse beiterbewegung erfüllt sieht. Dies Inter- mal in meinem Hause die Führer Ich bin während meines ganzen sehen und eine ziellose Politik erlebt, so view dieses Mannes sagt mehr über das der Wirtschaft mit Adolf Hit- Lebens für eine nationale Politik eingetre- daß ich nicht mehr an eine innere EiniWesen des Dritten Reiches als alle Reden ler, Rudolf Heß, Hermann Gö- ten und habe mich mit aller Energie gegen gung Deutschlands glauben wollte. Hitlers zusammengenommen. ring und anderen führenden Männern eine falsche Politik zur Wehr gesetzt. Als hat uns der Führer, der als einfacher In einer Unterredung, die kürzlich in der Partei, und es war für mich eine Ge- Bewunderer Bismarcks habe ich Krieger im Felde stand, ein ganz neues seinem Hause>> Streithof« stattfand, be- nugtuung, daß ich als Verbindungsmann den Alt- Reichskanzler zum letzten Male im Vaterland geschaffen.<< richtet der jetzt im 90. Lebensjahre zwischen dem Führer und den Männern Jahre 1890 in Friedrichsruh besucht. Bisstehende Wirtschaftsführer über Be- der Wirtschaft die Voraussetzung für eine marck hat sich damals mit mir über die gegnungen mit dem Führer selbst. gedeihliche schaffen besondere Lage im Ruhrgebiet Zusammenarbeit Wegbereiter Hitlers Deutschland einen direkten Güteraustausch Das Vaterland der Scharfmacher! Eine aktuelle Erinnerung an den 7. Januar 1933 lichkeit traten. geNun vierzehn Jahre nach seinem Hause zusammen. >> Es war zur Zeit der Ruhrbesetzung durch die Franzosen<<, so berichtet Geheimrat Kirdorf,» in jenen Tagen des furchtbaren Jahres 1923, wo die Not des deutschen Volkes unüberwindlich schien, als ich zum ersten Male in München nach der Flucht aus dem Ruhrgebiet mit der nationalsozialistischen Bewegen in Fühlung kam. Ich nahm dort In London hat sich soeben eine Compen-| eine militärische Macht notwendig sei und| ternimmt es, eine Aussprache zwischen den an einer Versammlung der Partei in den sation Brokers, Limited, d. i. eine Kompensa- daß diese nur im Einverständnis mit der beiden Gegnern Hitler und v. Papen über die großen Sälen des Bräuhauses teil, in der tions- Makler- G. m. b. H., gebildet, die sich Entente aufgestellt werden könne.<< Bildung einer Regierung der» nationalen Hoffnung, den Führer sprechen zu hören zum Ziele gesetzt hat, für das devisenarme Solcher Kurs landesverräterischen Sepa- Konzentration<< herbeizuführen. Wieder genau und sehen zu können. Leider erfüllte sich mit den Ländern des britischen Weltreiches ratismus gegen sein deutsches Vaterland be- an einem 7. Januar diese Hoffnung nicht, da ein anderer Red- zu organisieren. Diese Gesellschaft, von der reiteie dem Herrn v. Stein wenig Skrupel. jener anderen ruft er eine» vertrauliche ner für den Führer eintrat. Aber auch der der englische Journalist Glasgow soeben in Redner daß man in Das hatte seinen realen Grund: er war zum Besprechung<< in des Abends, der> Prager Presse< schreibt, Parteigenosse London ihr Wirken» voll Angst« beobachte, Leiter der kommenden rheinischen Staats- Geheimnisvoll, wie bei der Tagung eines VerEsser, machte mit seinen Ausführungen weil man dadurch eine Verstärkung der deut- bank ausersehen. Am 10. März 1919 präsi- brechergangs treffen sich die Verschwörer. einen so starken Eindruck auf mich, daß schen Kriegsbereitschaft befürchte, steht un- dierte er die historische» Kasinoversamm- Der heutige Reichspressechef Dr. Dietrich beseit dieser Zeit mein Interesse für die Be- ter maßgebender Leitung des Londoner Bankhauses wegung ständig wuchs. Nach dem J. Henry Schröder lung zu Köln, in der die Verkünder einer richtet darüber in seinem Buch» Mit Hitler & Co. Die Beziehungen dieses Hauses zu rheinischen Republik von Gnaden der frem- an die Macht<<: Versuch der Machtergreifung Deutschland liegen noch völlig im Dunklen. den Generale zum ersten Mal an die Oeffentder Partei in München, den ich als Eine recht interessante Verbindung deckt der einen Anstoß zur Gesundung der folgende Aufsatz auf. unerträglichen Verhältnisse Das Kölner Bankhaus I. H. Stein gehört betrachtete, und nach Wieder- nicht zu den vielgenannten und machtumwitaufrichtung der Partei hörte ich dann terten. In der Metropole am Rhein führt és zum ersten Male in den Essener Aus- ein ziemlich exklusives Dasein. Nur in den ist die Gefahr eines Umsturzes endgültig gestellungshallen den Führer. Seine klaren Kreisen der großen Industrie horcht man auf, Ausführungen überzeugten mich vollkom- wenn sein Name genannt wird, denn der men und überwältigten mich so, daß ich Schatten der City liegt über dem Hause: es am Schlusse der Rede auf den Führer zu- steht in engen verwandtschaftlichen Beziehun- gebrochen, England wünsche keine Verewiging und ihm die Hand gab, obwohl französischen Machtposition er gen zu Henry Schröder& Co., der altehrwür- gung der mich noch nicht kannte. Ich fühlte mich digen Bank Londons. Das ist ein Finanzhaus Rhein. Auch die Internationale Bank in Lunun innerlich mit ihm verbunden und war der allergrößten Geschäfte, das z. B. einst xemburg gibt die Sache des Separatismus mir bewußt, daß nur dieser Mann allein den Kunstseidenkönig Löwenstein finanzierte verloren. Da wird es höchste Zeit, den Kurs es schaffen würde, das deutsche Volk aus und dann fallen ließ. Was wörtlich zu nehmen zu wechseln. Herr v. Stein trennt sich eiligst dem Sumpfe zu führen. von Dorten, ist: nach dem Frühstück mit einem der Chefs der jetzt in der Presse aufs als» Franzosender Schröderbank stürzte sich der ruinierte schärfste angegriffen und Großspekulant vom Flugzeug in den Aermel- knecht,» Verräter<< brecher abgeschüttelt wird. Diese Londoner Verbindung machte Die Liquidation das Kölner Haus in der Nachkriegszeit zu des Unternehmens volleinem wichtigen Vermittler englischer und zieht sich für die daran Beteiligten recht veramerikanischer Anleihemillionen und ver- schiedenartig: Dorten muß nach Nizza flüchschaffte ihm bedeutende Positionen in der ten; die armen Teufel der Separatistenarmee werden ohne Pardon abgeschlachtet. Aber Führung der größten deutschen Konzerne. tracht käme. Ich fuhr von Gastein, zum kanal beginnt Herr v. Erst Ende April 1919 Stein sich vorsichtig zurückzuziehen. In Berso erzählen geheime Informationen lin bannt. Aus London kommen von Henry Schröder Warnungen: zwischen Lloyd George und Clemenceau seien ernste Differenzen ausam und» bestochener VerDie politische Oeffentlichkeit hat den dem angesehenen Konsul und Bankier Doktor Namen I. H. Stein indes kaum beachtet. Und rer. pol. honoris causa v. Stein nimmt niedoch entschied sich in den diskreten Räumen mand übel, daß er ein Hauptinitiator des dieses Hauses zweimal deutsche Geschichte ganzen Separatistenspuks war. Der Klöckner1919 und 1932. konzern, die Charlottenhütte, Mittelstahl, die Vereinigten Stahlwerke und andere große Unternehmungen berufen ihn in ihren Aufsichtsrat. *. Linke- Hofmann, * >> Am frühen Morgen steigen wir alle in Bonn aus. Dort steht Schreck mit des Führers Wagen am Bahnhof, um uns im ersten Morgengrauen nach Godesberg zu fahren. Kurze Frühstückspause. Ein geschlossener Wagen fährt vor. Der Führer steigt stein. Fährt ab. Das Ziel dieser Fahrt ist uns unbekannt. Uns aber hatte zuvor der Führer die Weisung gegeben, in seinem Wagen ohne ihn die Fahrt fortzusetzen in Richtung Köln. Drei Kilometer hinter Köln, auf der Straße nach Düsseldorf, sollten wir anhalten und warten. Wir erreichen gegen Mittag den vereinbarten Treffpunkt. Das Wetter war kalt und feucht. Wir warten. Auf der nassen Landstraße gehen wir auf und ab. Gespräche mit Vermutungen aller Art, wo wohl der Führer sein könne, verkürzen uns die Zeit. Niemand weiß einen Anhaltspunkt, niemand hat eine Ahnung von der Bedeutung dieser Trennung. Nach zwei Stunden fährt der geschlossene Wagen von Bonn bei uns auf. Hält an. Der Führer steigt aus, steigt um zu uns in seinen Wagen. Der geschlossene Wagen macht kehrt, verschwindet in Richtung Köln. Bei der Weiterfahrt macht der Führer Andeutungen, denen wir entnahmen, daß er eine Unterredung mit einer politischen Persönlichkeit hatte. Auch spürte ich irgendwie, daß er mit dem Erfolg seines geheimnisvollen Abstechers außerordentlich zufrieden war. Wir alle hatten im Wagen das Gefühl, einer großen Entscheidung entgegenzufahren.<< Drei Wochen später ist Hitler Reichskanzler und v. Papen, die» politische Persönlichkeit«, mit der er sich in Köln aussprach und Im Jahre 1927 bin ich ersten Male mit dem Führer zusammengekommen. Ich betrachte es noch heute als eine Fügung des Schicksals, als mir Frau Hugo Bruckmann, die Gemahlin des jetzigen Direktors des Deutschen Museums in München, in einem Briefe mitteilte, sie habe als begeisterte Anhängerin des Führers es sich zur Lebensaufgabe gestellt, diesen mit den leitenden Männern der Schwerindustrie in Verbindung zu bringen, um auch in diesen Kreisen den Boden für den Nationalsozialismus zu bereiten. Frau Bruckmann war durch den Januar 1919.. Das Rheinland ist von Prinzen Karl von Loewenstein französischen, englischen und belgischen unterrichtet worden, daß ich der ein- Truppen besetzt. Jenseits des Rheins regieren zige Mann sei, der auf Grund seiner die Arbeiter- und Soldatenräte; in Berlin Januar 1933... Wieder beobachtet die einigte, ist sein Vizekanzler. Diesmal war das ganzen politischen Einstellung für eine kämpfen die Volksbeauftragten gegen Sparta- westdeutsche Industrie mit Miẞbilligung die Komplott im Bankhaus I. H. Stein erfolgFühlungsnahme mit dem Führer in Be- kus. Die westdeutschen Großindustriellen, die Entwicklung in Berür Lort hat das Kabinett reich. wo katholischen Feudalherren und auch die Ge- v. Schleicher die Regierung Franz v. Papens ich mich zur Erholung aufhielt, nach nerale der Entente erschaudern bei dem Ge- abgelöst. Die nationalsozialistische Bewegung In den USA pflegen die Trusts bei WahlMünchen und traf dort im danken ar ein bolschewistisches Deutschland. windet sich in einer tödlichen Krise: der kämpfen beide Parteien zu honorieren, die Hause Bruckmann zum ersten Darin sind sie sich einig: das Rheinland darf Wahlverlust vom Herbst des Vorjahres und Demokraten und die Republikaner. Das BankMale in persönlicher Unter- nicht in seinen Strudel gerissen werden. Gregor Strassers Palastrevolution drohen die haus I. H. Stein hält den gleichen Rekord haltung den Führer. In viereinhalb Der Seniorchef des Bankhauses I. H. Stein, braune Lawine auseinander zu reißen. politischer Vielseitigkeit: im Januar 1919 orStunden entwickelte mir Adolf Hitler im der Konsul Johann Heinrich v. Stein, ist ein Die Herren Thyssen, Kirdorf, Pönsgen und ganisierte es die Rheinlandrepublik unter dem einzelnen sein Programm. Die unerbitt- Mann praktischer Schritte. Er beruft nach v. Löwenstein sind mit solch ruhmlosem Zu- Schutze fremder Bajonette, im Januar 1933 liche Folgerichtigkeit und klare Zusam- Köln eine» vertrauliche Besprechung über die sammenbruch, der durch riesige Finanzmitte das Dritte Reich. menfassung seiner Gedankengänge be- Zukunft der Rheinlande« zusammen. Am hochgepeitschten Bewegung nicht einverstan- Die kollegiale Harmonie zwischen dem Segeisterten mich derart, daß ich mich völ- 7. Jaruar 1919 treffen sich in seinem Hause den. Was denkt sich dieser General v. Schlei- niorchef v. Stein und dem Juniorchef v. lig einverstanden erklärte mit dem, was die Vertreter westdeutscher Wirtschaftskreise cher eigentlich? Glaubt er, die deutsche Groß- Schröder ist durch solche politische Rollener mir vorgetragen hatte. Ich bat den und rheinische Kirchenmänner, um die Los- industrie werde eine Restaurierung der sozia- verteilung nicht im mindesten getrübt worFührer, den mir gehaltenen Vortrag in ösung der Rheinlande vom Reich listischen» Tarifdiktatur zulassen? In dieses den. Und wie der Aufstieg beider Herren zu einer Broschüre zusammenzufassen. zu beraten. Man geht völlig konform mit dem Unbehagen platzt plötzlich die Meldung, daß hohen Wirtschaftsämtern des Dritten ReiDiese Broschüre habe ich dann Doktor Adam Dorten, dem Staatsanwalt aus Schleicher mit Leipart, den Führer der sozia- ches zeigt, hat auch Hitler daran keinen Anin meinem Namen in Kreisen Wiesbaden, der eine selbständige Rheinland- listischen Gewerkschaften, Verhandlungen stoß genommen. der Industrie und der Wirtrepublik propagiert. Im Protokoll der Aus- aufgenommen habe. Da wird es Zeit, dem Das Regime, das auszog, die» Bank- und schaft verbreitet. sprache heißt es: >> sozialen General< eine Gegenmine zu legen. Börsenfürsten« zu entthronen, weiß sich ihrer, In der Erkenntnis, daß nur die Politik>> Es herrschte Einstimmigkeit darüber, daß Der Juniorchef des Bankhauses I. H. Stein, zumal wenn sie»> international versippt<< sind, Adolf Hitlers zum Ziele führen werde, die rheinisch- westfälische Republik kommen der Baron Kurt v. Schröder( Ver- recht gut zu bedienen. habe ich mich in der Folgezeit ganzj müßte; daß aber, um sie ins Leben zu rufen, wandter Henry Schröders aus London!), unBernhard Menne. Lippe Detmold Das Verschwinden der Konsumvereine Lippe Detmold eine wunderschöne Stadt, darinnen ein Soldat bum bum, Lippe Detmold eine wunderschöne Stadt, darinnen ein Soldat. Und der muß marschieren in den Krieg und der muß marschieren in den Krieg, wo die Kanonen stehn, wo die Kanonen stehn. Waren- und Kaufhäuser gerettet aufist Die Mittelstandspolitik der Nazis ist nach| diese Zahl zwar sehr gering, wesentlich| senschaften 72 Millionen RM GeschäftsgutWähanders stellt sich das Bild jedoch dar, wenn haben vier Jahren Hitlerregierung entlarvt. der Mitglieder, 70 Millionen RM an man die aufgelösten Genossenschaften nach Reserven und einen Gesamtverkaufserlös von rend die kapitalistisch geführten Waren- und nach ihrem wirtschaftlichen Gewicht bezu verzeichnen. Kaufhäuser entgegen allen Versprechungen wertet. Nach der Höhe ihrer Bilanzsum- einer Milliarde Reichsmark zwar rassenmäßig gereinigt sind, aber im men und der Dieses aus Arbeitergroschen mühsam ihrer Spareinlagen, nach Größe ihrer Anlagen und ihres Umsatzes, gebaute Riesenwirtschafts- Unternehmen übrigen blühen und gedeihen, ist das große nach der Zahl ihrer Mitglieder usw. neh- nach dem Bericht der>> Blätter für Genossenwirtschaftliche Aufbauwerk der deutschen die diese Genossenschaften fast Arbeiterschaft völlig zugrunde gerichtet Hälfte des konsumgenossenschaftlichen schaftswesen<< bereits zu 45 Prozent privatiworden. Sektors der Wirtschaft ein.<< siert worden, der Rest von 55 Prozent wird nationalsozialistischen Richtlinien» geIm neuen Statistischen Jahrbuch werden Es wird also bestätigt, daß alle großen, nach Lippe Detmold ist ja nur ein Teil des Reichs, nach dem Stand von 1933 1414 Warenhäuser leistungsfähigen Konsumvereine, der eigent- sellschaftlich privatisiert<<. Lippe Detmold ist ja nur ein Teil des Reichs, drin mehr als ein Soldat bum heil, wo die Kanonen stehn. Und wer mitgeht, geht freiwillig mit, denn ein deutscher Recke forcht sich nit, wér nicht mit will, geht auch, wer nicht mit will, geht auch. Und als der Mann in die Kaserne kam, wo man ihn furchtbar schnickt, bum heil, und als der Mann in die Kaserne kam, von wo man ihn verschickt. men und Kaufhäuser verzeichnet. Eine neuere Zahl liche Kern des Zentralverbandes, bereits ver- Damit wäre in knapp vier Jahren der des Arbeitereigender Betriebe darf nicht veröffentlicht werden. nichtet ist. Der Schlag vom Mai 1935 wirkt hundertprozentige Raub Man hätte sonst bestätigt gefunden, daß sich wie folgt aus: tums vollendet. Seine Ueberführung an die keine Verminderung dieser Betriebe eingetre1935 deutschen Kapitalisten nennt man im Dritten ten ist. Der Scheinkampf gegen die Warenund Kaufhäuser wird enthüllt, wenn man die Indexzahlen der Umsätze dieser Großbetriebe im Einzelhandel zu lesen bekommt. 100) ( 1931 Warenhäuser Kaufhäuser 100 100 Der Herr General stand vor der Tür 1931 1932 82.3 1933 67.0 80.7 69.8 und er flüstert: ich kann nichts dafür, 1934 68.8 75.9 ich hab es nicht gewollt, 1935 65.1 72.1 du hast es nicht gewollt. 1936 Jan. 56.5 59.6 April Mai 79.7 71.6 80.9 90.4 Und als dann der Soldat nach Spanien kam, da schossen sie auf ihn Gesamterlös Warengeschäft davon Bäckerei Bilanzsumme Mitglieder- Guthaben Spareinlagen 1932 4 ( in 1000 RM) 1,102.000 659.000 154.000 82.000 700.000 298.000 44.000 87.000 82.000 322.000 Die Nazis haben vom Mai bis Dezember 1935 gründliche Arbeit geleistet, den Konsumvereinen ist das Rückgrat gebrochen. Der Rest wird in kurzer Zeit> privatisiert<< sein. Die Lage der GEG, die mit der GEPAG ( christliche Zentrale) zur Deutschen Groß( Deugro) fusioniert einkaufs- Gesellschaft Die Waren- und Kaufhäuser sind weder ver- worden war, hätte sich mit dem Ausfall der staatlicht worden, noch werden sie etwa boy- großen Konsumvereine katastrophal gestalund als dann der Soldat nach Spanien kam, kottiert. Einzelne Abteilungen wie Hausrat tet. Um den plötzlichen Zusammenbruch zu bum heil, da hat er laut geschrien: Ach Herr Hauptmann, wozu schießen wir, und wenn's keiner will, was soll ich hier, es ist doch gar kein Krieg, es ist noch gar kein Krieg. Und als er mit dem Satze fertig war, dacht er an seinen Schatz, bum heil, und als er mit dem Satze fertig war, da hinkte er vom Platz. Ach, was soll ich hier am fremden Strand, bin mit Herz und Hand im Vaterland, wo die Kanonen stehn, wo die Kanonen stehn. Und als das der Herre General erfuhr, da rauft er sich das Haar, bum heil, und als das der Herre General erfuhr, da ward ihm manches klar. Womit führ ich meinen nächsten Krieg, womit führe ich das Reich zum Sieg, wenn mein Soldat schon hinkt wo die Kanonen stehn. Gedankenverbindung von haben sogar den Umsatz 1931 schon vermeiden, war es nach Dr. Zee erforderlich, >> daß die Verteilungsstellen der aufgelösten überschritten. Das Reich hat überdies einVerbrauchergenossenschaften als freie zelne dieser Betriebe, wie Tietz- Berlin, noch Verkaufsstätten von neuen Trägern reichlich subventioniert, um über die erste zeitfortgeführt werden und diese eine Zeit der faschistischen Anti- Warenhauspro- lich begrenzte Bezugsverpflichtung der Deugro gegenüber übernehmen.<< paganda hinwegzukommen. nämlich die WeiterfühReich» Vergesellschaftung<. Gemeinnutz geht vor Eigennutz! 1936 -Jahr der Siege Aufruf des französischen Gewerkschaftsbundes. Ein Neujahrsaufruf des französischen Gewerkschaftsbundes zählt folgende Erfolge auf, die im Jahre 1936 unter der Regierung Blum errungen worden sind: Lohnerhöhungen, bezahlte Ferien, Betriebsräte, Anerkennung der Kollektivverträge, Vierzigstundenwoche und demnächst bevorstehend Alterspensionen für Arbeiter. » Diese Reformen« fährt der Aufruf mit be>> stellen unser Land rechtigtem Stolze fort, an die Spitze des sozialen Fortschritts<. Zum Schluß wird erklärt: 1 >> Die Arbeiterklasse ist der Sache der Freiheit tief ergeben und wird fortfahren, ihr zu dienen. Das kann sie nicht besser tun, als dadurch, daß sie mit ihrer Arbeit das Wohl der nationalen Gesamtheit fördert, durch den Plan großer öffentlicher Arbeiten der noch immer zu weit verbreiteten Erwerbslosigkeit steuert und durch die Verwirklichung der sozialen Gerechtigkeit die mächtige Einheit der Nation wiederherstellt, die besonders notwendig ist in einer Zeit, in der der Weltfrieden von so vielen Gefahren bedroht ist.<< Der französische Gewerkschaftsbund hat » durch eine Kapitalgesellschaft( Auffang- im Siegesjahr 1936 seine Mitgliederzahl von gesellschaft), die gesellschaftliche Privati- 1,092.500 auf 4,900.000 gesteigert. sierung<. Um so gründlicher aber ist die Zer- Die Nazis haben die Konsumvereine an ihre verschleudert, die der Futterkrippen- Anwärter störung der Konsumvereine Der im sie als Privatgeschäfte weiterführen dürfen. Arbeiter durchgeführt worden. Jahre 1933 versuchte Gleichschaltungsprozeß Neben dieser sog.» Einzelprivatisierung<< auf war am Käuferstreik gescheitert. Dann folgte selbständige Existenzen ist noch eine kapitamit Gesetz vom 24. Mai 1935 der große listische Verwertung durch En- bloc- UeberSchlag gegen die etwa 80 größten Konsum- nahme zugelassen, vereine. Ihre Auflösung wurde damals unter rung Mißachtung aller Mitgliederrechte und Statuten erleichtert. Für die beschleunigte Liquidierung sind noch 60 Millionen RM an Reichsgeldern zur Verfügung gestellt worden. Jenes Auflösungsgesetz richtete sich natürlich nur gegen die dem» Zentralverband deutscher Konsumvereine< angeschlossenen Vereine, alle übrigen dürfen weiter bestehen. Ueber die gelungene Vernichtung berichtet jetzt Ministerialrat Dr. Zee- Heraues in einem Aufsatz der» Blätter für Genossenschaftswesen. Der Bericht wird ergänzt durch die Zahlen im» Stat. Jahrbuch 1936< über > Reichsbund der deutschen Verbraucher> Vergessen wir also nicht, unsere Gläser genossenschaften<( früher GEG). auch für das Wohl des Vaterlandes und seiner den ( 1934-1078.) Herr Von den rund 1200 VerbrauchergenossenFührung zu erheben, wenn wir uns in der schaften im Jahre 1932 sind Ende 1935 noch Neujahrsnacht zuprosten. Und überhören wir 1006 übrig geblieben. schließlich nicht die uralte Mahnung Zee schreibt: » Mensch, bedenke das Ende!< man Diese Auslieferung des kollektiven ArbeiterEigentums an Kapitalskonzerne nennt im Dritten Reich:» gesellschaftliche Verwertungs. Es geht nichts über die antikapitalistische Sehnsucht der Nazis. Schließlich gibt Dr. Zee einen Ueberblick über den Stand der Entwicklung: >> Die Verwertung der Anlagen der liquidierten Verbrauchergenossenschaften hat sich bisher in folgender Weise enwickelt: Etwa 10 Prozent der Verteilungsstellen ( insgesamt rund 3000) der aufgelösten Verbrauchergenossenschaften und der zentralen Anlagen sind geschlossen, 35 Prozent sind auf Einzelkaufleute überführt, 55 Prozent sind oder werden voraussichtlich zunächst gesellschaftlich privatisiert.<< Ihr Humor Das Opfer als Faschingspuppe. Die Kölnische Volkszeitung< druckt eine Vorausschau auf den amtlich organisierten Kölner Rosenmontagszug. heißt es: Darin » Der Wagen Prinzessin auf der Erbse ist eine Anspielung auf die wiedergewonnene Garnison und zeigt ein Mädchen, das einem Rekruten eine Wurst reicht. Es folgt der Wagen: Gestiefelter Kater. Ein weiterer politischer Wagen trägt die Ueberschrift: Kein Märchen: Der Nobelpreis. Er glossiert die bekannten Vorgänge um die Verleihung des Nobelpreises in Stockholm.<< Die Welt fragt: wo ist Ossietzki und fürch» Von der Auflösungsmöglichkeit haben Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine tet für sein Leben. Deutschland antwortet Gemessen am Gesamtbestand erscheint hatte 1932 an eigenem Vermögen der Genos- mit einem hämischen Faschingsgrinsen. 《 72 (» Der Westen< Nr. 354) Jahr I. Jahr I des Vierjahrsplans zog auf bim bum mit Raketen und Glocken, die Deutschen sperrten die Fenster auf und waren nicht wenig erschrocken. Genossenschaften Gebrauch gemacht. Polizeisache. Das Thema Judentum ist auch verstehst du? Freiheit! Je mehr du die Frei-| den Kopf in Resolutionen, gründet Nichteinabgeleiert. Alte Platte für Minderbemittelte. heit verfolgst, um so lauter mußt du danach mischungsvereine.<< >> Und wir, Meister, sind wir gegen NichtKomplizierter dünkt mir die Kunst, steigende schreien! Unzufriedenheit des Volkes nach außen abeinmischung?< zulenken. Du kennst das schöne Schlagwort > Volk ohne Raum«, nicht wahr?<< > Sehr wohl, Meister«, antwortete der Denn wie es daher kam, den Stahlhelm im Novize und schaute zu dem Hinkenden auf. >> Wir brauchen mehr Raum, sonst verhungern wir.<< Haar, bewaffnet vom Kopf zu den Zehen, da dünkte es sie, sie hätten dies Jahr, dies neue, schon früher gesehen. Viel Sauerkraut und wenig Spaß, und schon Die Menschen dürfen nicht mehr wissen, was oben und was unten, was gerade >> Dummkopf, muß ich dir das erst sagen? und was krumm ist. Die große Verwirrung, präg dirs ein.<< Immer grundsätzlich für Verständigung, für >> Kann auch zum Wahnsinn führen, zum Frieden, für Nichteinmischung. Den anderen ihre Illusionen lassen, sie müssen immer was Chaos!< Der Hinkende hüstelte trocken.> Merkst zu tun haben, immer in guter Hoffnung sein. auch alles, Novize. Das Chaos ist unser Ele- Laß doch dem Kind die Buletten! Du machst was du willst, immer Schritt für >> Gut<<, sagte der Hinkende,» so fängts an. ment. Siehe oben: Chaos schaffen, dann Ret- heimlich, das Schritt, Erfölgchen um Erfölgchen. Bis sich ter spielen, der Bolschewismus droht, Wir brauchen mehr Raum, damit Ordnung wird in der Welt. Immer mit der Ordnung, Christentum ist in Gefahr, die Kultur vorm die anderen dran gewöhnt haben verstehst Du? Darauf fliegen die Völker in Abgrund... Wenn dir wo ein Minister nicht auf deinen nächsten Coup warten. Weißt du, demokratische Volksfront ent- wie jener Mann im Hotelzimmer: wann fliegt der Krise wie die Bienen auf Zucker. Ord- paßt, eine nung. Darum müssen draußen immer ein steht, wenn wo was Ernsthaftes geschaffen endlich der zweite Stiefel an die Wand... wird immer ist es Bolschewismus, hahaha...< Der Hinkende schüttelte sich vor paar Feuerchen brennen. Immer schüren heles fen. Immer mußt du deine Pfote unsichtbar immer bist du das Bollwerk, verstanden? Da- Lachen. >> Und wenn es einmal schief geht? Wenn im Spiele haben. Unsichtbar, verstehst du. für zahlen die Kapitalisten der Welt die höchDann kannst du deine Presse los lassen!>> Seht sten Preise. Kredite winken. Abwarten! Frü- der Funke ins Pulverfaß fällt?<< >> Dann berät der Völkerbund erst und alarden Wirrwarr draußen, nur bei uns herrscht her mal hieß die Kurve: schlechte Wirtschaft, Ordnung.<< Draußen muß es immer ein biß- Not, Revolution. Heute: Bankrott, Not, Kre- miert die Feuerwehr und außerdem haben schon soviel strategichen paniken. Unsicherheit, Devisenflucht, dite, weil sonst Bolschewismus droht. Früher meine Rezepte dann Währungsangst etc. Das schwächt die Ner- rappelte man sich mit langweiliger produk- sche und taktische Erfolge gebracht, daß die Wir tauschen ven. Immer springt für uns was dabei raus.<< tiver Arbeit, Solidarität, Friedlichkeit, Loya- Schlacht schon halb für uns entschieden ist.<< lität wieder hoch. Aber das geht zu lang>> Und wenn daraus eine Weltpanik entsam, wenn du zuviel versprochen und zuviel steht, Zusammenbrüche, Revolutionen?< zerstört hast.<< fragte der Novize. ein Jährchen aus Haut nur und Knochen, und wo es vorbei kam, da hat es nach Aas, nach Blut und nach Pulver gerochen. Da schrien die Deutschen: pfui Teufel, stinkt, um Tote vom Schlaf zu erwecken. So stank es im Endjahr des Krieges. winkt aufs neue ein Ende mit Schrecken. -Uns Wir wollen dies Jahr nicht! es um, ach, wer doch ein besseres hätte Und schlossen die Fenster mit leisem Gebrumm und gingen voll Mißmut zu Bette. -000Hugin. Der Novize starrte in die Luft. Etliches mahlte sichtlich in ihm.» Noch eins, bitte, Meister. Wenn man nun soviel vom Sozialismus >> Und wenn die Kredite zu lange auf sich geredet hat, daß die Völker davon trunken werden und ihn wirklich machen wollen?< warten lassen?« fragte der Novize. > Habe ich schon behandelt. Siehe Bolschewismus.<< >> Fein. Dann spielen wir die Retter. Unsere Banden stehen bereit. Vom Bolschewismus habe ich schon gesprochen. Ein unbe-> Dann spielst du den wilden Mann.» ZuFaust, III. Teil zahlbarer Popanz. Ganze Völker kann man hilfe, oder ich muß Amok laufen!<< Du kannst >... Und immer vom Sozialismus reden, damit zersprengen. Immer davon reden, immer dich heute bei jedem Coup auf die Angst der verstehst Du? Alles was wir machen ist So- als Retter der Kultur auftreten. Immer mit anderen verlassen, auf die Angst vorm Krieg. zialismus. Selbst wenn wir Kerker bauen den liberalistischen Idealen. Und wenn du die Auch das danken wir der Technik. Gift, Gas, -» Und wenn es wenn es eines Tages keinen Bolschewismus mehr gäbe?< Der Hinkende zog die Brauen hoch:> Wie es ist Sozialismus. Soviel, mein Sohn, über Demokratie in Grund und Boden hast stamp- Luftbomben. Und das in den Händen einiger meinst du das, Nörgler? Wie kommst du ganz darauf?<< die Rezepte der inneren Politik des gut ein- fen helfen: immer mußt du die beste Demo- Leute, die wilde Männer spielen » Ich meine, wenn er sich eines Tages zur geteufelten Totalstaates. Alles weitere ist kratie wollen. Alle Begriffe zu Brei machen, Europa bekommt die Gänsehaut, berät, steckt Vom Kulturkampf in Deutschland S Hochherrschaftliche Hitlerschleudert wird, der die Welt in eine angemeine Katastrophe des Todes und der Vernichtung hineinreißen wird.< Worauf bezieht sich das konkret: auf Bolivien oder Venezuela, auf Sowjetrußland oder des land? Es sind in diesem mutigen Verdikt ganze Sätze, die nur die eine Bedeutung haben können nämlich die, den unmittel>> In letzter Zeit wurden sogar insgeheim baren Gegenwartsbefund ausschließlich >> Bubenrudeln< gebildet, welche den Reli- deutschen Nationalsozialismus zu treffen und gionsunterricht und die Bibelstunden unmerklich zu überwachen und die jeweilige tägliche Tendenz festzustellen haben. Es ist auch ein» Erzählerkreis« zu bilden, der zu brandmarken! sozialismus ablehnen muß.< In durch die Friedens< legende reichlich ausge- Horthy- Ungarn? Oder gar auf Hitlerdeutscheinem folgenden Beitrag des Generalsekretärs schmückten Renkontre Hitler- Faulhaber Freigeisterei! des Internationalen Bundes der Christlichen entnehmen wir die folgende, wörtlich, In der Halbmonatsschrift der» Bekenntnis- Gewerkschaften, J. P. Serrarens, der zugleich übernommene Stelle: kirche<, der>> Jungen Kirche«, gibt ein Pfarrer einen Rückblick auf das traurige Schicksal der Reichshauptstadt jetzt einige Daten über der christlichen Gewerkschaften in die neue Form der Kirchenaustrittsbewegung deutschland tut, wird dieses grundsätzliche in Deutschland, soweit er sie aus seiner Pfar- Leitmotiv noch viel unzweideutiger unterrei übersehen kann, bekannt. Der Geistliche strichen; in ihm heißt es wörtlich:>> Deutschschreibt: land leidet schwer unter der nationalsoziali>> Während früher die Ausgetretenen mehr stischen Krankheit, die seinen Körper heimden sogenannten einfachen Volksschichten sucht. Aber deutsche Arbeiter, die noch freie und dem Arbeiterstand angehörten, Luft atmen, die noch Verantwortung haben) es jetzt umgekehrt! Von den 230 ( von Januar bis Oktober 1936 aus der Kir- für ihre eignen Taten, sie wollen sich nicht che ausgetretenen) Personen waren nur 14 freiwillig gleichschalten. Sie wollen nach wie aus dieser Volksschicht. Dagegen setzt sich vor ihre eignen Rechte verteidigen in der Ordie große Zahl der anderen zusammen aus Ingenieuren, Studenten, Beamten, Behör- ganisation, die sie selbst zu diesem Zwecke denangestellten, Lehrern und Büroangestell- schaffen und leiten.<< ten. Darunter: ein Magistratsoberbaurat, ein Standesamtsleiter, ein Oberstudiendirektor, ein Stabsführer im Rasse- una Siedlungsamt, ein Referent im Luftfahrtsministerium...< so ist Säule des Papen- Katholizismus geborsten staatsgefährlich! durch Erzählen von Anekdoten, Sagen und Ein» Marienbild«< Kurzgeschichten dem Bibelunterricht entgegenwirken soll. Den Eltern gegenüber sollen die>> Rudelbuben« als Autoritätspersonen Aus Hindenburg wird uns geschrieauftreten, um den Einfluß des Gegners auszugleichen... Alle Beobachtungen, auch die ben: Trotz aller Bemühungen der Naziorganikleinsten, sind an den Jungbannführer un- sationen, im Grenzland die sogenannte Volkster Umgehung des Dienstweges zu melden. gemeinschaft zu festigen, stoßen sie immer Heißt das nicht jede Autorität von Grund auf vernichten? Heißt das nicht die tiefsten Spaltungen in die Familie hineintragen? Usw.< sten Herren Gewiß nur möchte man die hochwürdig. vom bayrischen Episkopat fragen, was sie mit den Verbündeten aus dieser Sorte von Mensch eigentlich gegen den Bolschewismus« ausrichten wollen? Katholisches Anathema gegen Hitler moralisch wieder auf aktiven Widerstand, der einen Tei! auch der Bevölkerung, der die polnische Sprache beherrscht, veranlaßt, sich in die noch unter dem Schutz der Genfer Konvention stehenden polnischen Minderheitsorganisationen zu flüchten, um sich hier größere Bewegungs- und Meinungsfreiheit zu sichern. Nun ist bekannt, daß die Siedlung bei Mathesdorf in der Nähe von Gleiwitz, stark mit polnischen Minderheitsangehörigen durchsetzt ist. Dies veranlaßte den Sturmbannführer des Breslauer Siedlerbundes, dem auch Mathesdorf untersteht, hier eine Kontrolle durchzu dieser Der diffamierenden Abhalfterung des urMan sieht deutlich: Freigeisterei ist in sprünglich dem» politischen Katholizismus« Hitlerdeutschland die Angelegenheit so ganz verschriebenen, dann bis auf alle der Karriere beflissenen gewor- Nüancen des Streicher- Antisemitismus gleichden. Ganz unmittelbar sind die Zusammen- geschalteten. Ober- Rechtswahrer Karl hänge in Baden sichtbar geworden: Hier hat Schmitt, ist die noch schimpflichere Erledider Reichsstatthalter gleich mit einer gung eines anderen» berühmten< PapenSammelliste, an deren Spitze er selbst Katholiken in Deutschland, die des Konsi- tötlichste Urteil, das bisher je über die mo- führen. Mitte Dezember erschien prangt, seinen Kirchenaustritt erklärt; auf storialrates Dr. Scherer, auf dem Fuße der Liste stehen die Namen von nicht we- gefolgt. Scherer war der Gleichschaltungsniger als 53 hochstehenden Be- beauftragte für das katholische Auslandsamten und Beamtensfrauen der deutschtum. In dieser Eigenschaft hatte er badischen Regierung... seiner Zeit den um seine katholisch- deutsche Sache hochverdienten Dr. Pant in Polen, wie die Das vielleicht schärfste und dere Form der politischen Despotie im allge- Sturmbannführer in der Siedlung und ging meinen und der Hitlerei im besonderen ge- nun von Haus zu Haus und von Wohfällt worden ist, stellt eine Kundgebung dar, nung zu Wohnung. Die Ausfragung galt nach der Pariser Korrespondenz» Kul- besonders, ob man noch zum polnischen Gotturkampf<< die Erzbischöfe und Bischöfe tesdienst gehe und warum man soviele HeiSelbstder römisch- katholischen Kirche in USA, im ligenbilder in den Wohnungen habe. schen Wohlfahrtskonferenz, jetzt an die Oef- dem Bilde des Führers gehalten und wo man fentlichkeit herangebracht haben. Darin heißt ein solches nicht vorfand, fehlte es nicht an es nämlich u. a.: Drohungen, daß man bald Ordnung schaffen werde. Gründung des» Christlichen es ihm Göbbels befahl, zur Strecke gebracht. Verwaltungsausschuß der dortigen katholi- verständlich wurde besondere Nachfrage nach Gewerkschaftlers« im ober- Ganz deprimierend für die katholische Sache schlesischen Industriegebiet dann in Hitlerdeutschland war es aber, als sich grade die katholische Autorität Dr. In Kattowitz und Bielitz, also in dem von Scherer öffentlich in einer Anwandlung von Deutschland abgetretenen Teil des ober- politischem Masochismus sogar für die>> Deschlesischen Industriegebietes, ist mit dem 1. visenverbrecher«-Justiz des Dritten Reiches Januar des neuen Jahres die erste Nummer einsetzte, also unmittelbar von katholischer des Blattes> Der Christliche Ge- Seite selbst Priester, Mönche und Nonnen, unwerkschaftler, Organ der Christ- schuldig dem Propagandabedürfnis des Regilichen Gewerkschafte erschienen. Als mes ans Messer geliefert wurden. Dieser ein getarnter Nebenladen der Ley'schen» Ar- Scherer wurde jetzt selbst verbeitsfront<( die Tarnung erfolgte wegen der haftet und zwar angeblich wegen Devipolnischen Staatsgesetze) ist von den Nazis senverbrechens! Es ist ihm allerdings, vieldes genannten Gebietes im Jahre 1935 die leicht durch einflußreiche Gönner bei der >> Gewerkschaft Deutscher Arbeiter aufgezo- Gestapo gelungen, aus der Haft zu fliehen. Sie war von vorneherein ganz Er lebt seit einigen Tagen, wie katholische dem Nazismus verschrieben; die bisher christ- Anti- Hitler- Quellen sich vernehmen lassen, lich organisierten Arbeitnehmer unterlagen als Emigrant in Lugano. Mit Scherer ist ohne jeglichem Druck, um sie in dieser Organisa- Zweifel die Persönlichkeit aus dem Papention der> Gleichschaltung entgegenzuführen. kreis unmittelbar von der Bühne mehr als Das Erscheinen der neuen christlichen Ge- fragwürdiger Tätig- und Geschäftigkeit verwerkschaftszeitung ist nunmehr der Beweis schwunden, die direkt hinter dem>> Herrendafür, daß auch in den breiten Schichten der reiter« die unmittelbarste Verantwortung für nicht- sozialistischen Arbeitnehmerschaft Pol- die prekäre Lage trägt, in die sich die» Kathonisch- Oberschlesiens der Wille zur Abwehr lische Front« in Hitlerien hineinmanövrieren des, Nationalsozialismus wach und auf- ließ. gen worden. recht geblieben ist. Ausdrücklich stellt der Einführungsartikel des neuen Blattes an sei- Was ist ein ,, Bubenrudel"? ner Spitze fest, daß die Christliche Dem letzten Hirtenbrief des bayrischen Gewerkschaft ihrer geistigen Episkopates wohlgemerkt: von allen KanGrundhaltung nach den National- zeln Bayerns verlesen vier Wochen nach dem Wahlrecht, Parlament...< >> Die Diktaturen in der Alten und in der Neuen Welt, die die Menschen der GottesIn einigen Arbeiterfamilien machte man gabe des Glaubens, der geistigen und intelförmliche Jagd auf die» Schwarze Maria«, im lektuellen Freiheit beraubt haben, unterwarfen sie einem Regime der Furcht und oberschlesischen Volk ist das Bild der Mutter des Schreckens. In einem Falle ver- Gottes von Tschenstochau sehr oft vertreten. sprach man eine größere Beteiligung an Der Sturmbannführer scheute sich nicht, das der Regierungsgewalt, im anderen die Wiederherstellung der nationalen Souverä- Bild sehr oft von der Wand herunterzunehmen nität und des nationalen Ansehens, im drit- und zu fragen, was man denn mit diesem ten eine gerechtere Verteilung von Eigen-» Marienbild« bezwecke, es hätte doch im tum und Reichtum. Der Klassengegensatz neuen Deutschland keinen Platz mehr. Auf wurde angefacht, Recht und Gesetz beiseite gestellt; die Menschen wurden aufge- die Antwort einer Frau, daß sie doch das von fordert, sich der Massenleidenschaft für den Eltern geerbt habe und als ein GedenkMord und Zerstörung und dem Herdentrieb stück aufbewahre, forderte der Sturmbannfür blinde Unterwerfung unter einen Füh- führer die sofortige Entfernung des Bildes, rer zu überantworten. Bittere Erfahrung hat die Versprechungen und Behauptungen da es staatsgefährlich sei. Als die Frau beim aller Gründer der modernen Despotie Lügen Befragen betonte, daß es ihr ja gleichgültig gestraft. Diejenigen, die unter der Tyrannei sei, ob sie zum deutschen oder polnischen leben, haben kein Recht zu denken, zu lesen Gottesdienst gehe, wurde sie vom Sturmbannund zu beten, ausgenommen die Gnade ihrer despotischen Herren gewähre ihnen dies. führer belehrt, das sie im neuen Deutschland Das Volk fürchtet und wird gefürchtet. Die sich eben an das Deutsche zu halten habe, Späheraugen und die gewalttätige Hand der sonst müsse sie einer nationalen Erziehung Regierung folgen den Menschen in alle Be- unterworfen werden und sie wisse wohl, was reiche ihres privaten Lebens. Alle Naturtriebe, die Freundschaft, die Familienver- das bedeutet. Die> allmächtigen Herren< bundenheit, die Achtung für das Wahre und Deutschlands sehen schon in einem polnischen Edle müsesn den überragenden Forderungen Marienbild eine Staatsgefahr, wie muß ihnen des Staates unterworfen werden. Der Militarismus blüht wie nie zuvor und niemand da erst bei der polnischen Freundschaft zuwann der Funke ge- mute sein? kann voraussagen, dient auch Demokratie entwickelt... Meinungsfreiheit,| werkschaftspolitik gerecht wird, muß ent-| Demokratie eine wahre und große Kunst erschieden bezweifelt werden. So ironisiert er möglichen, so können nur Freiheit und Demo>> Das wird er nicht, das darf er nicht!<< die Versuche Australiens, die allgemeine kratie zur Vermählung von Volk und DichDer Hinkende stampfte mit dem Pferdefuße. Wehrpflicht einzuführen und während er noch tung führen. Jeder Gesinnungszwang stellt Bei Satans nichtarischer Großmutter, ver- naiv fragt, wer eigentlich dem kleinsten sich hindernd zwischen Kunst und Leben. Und dirb mir die Hand nicht! Ein Meckerer bist Kontinent etwas tun will, macht die sowjet- so dieses gut sudetendeutsche du, ein Mieẞmacher, ein Vernünftler! Mag die russische Preses schon auf die Gefahren auf- Jahrbuch der großen Aufgabe, den KulturHölle selbst dich einteufeln! Intellektbestie! merksam, die Australien durch das deutsch- lügen der Diktatoren entgegenzutreten. Br. Und Rußland meine Rezepte so zu beschreien!< Er japanische Bündnis drohen. spie dreimal gegen den Wind, scharrte ein gäbe einiges darum, wenn England sich heute Drudenkreuz in den Sand und feuerte sieben- auch auf eine fertige australische Armee mal mit dem Pferdefuß hintenaus, ehe er in stützen könnte. Nein, Kisch in der Politik, An einem taufrischen Sommermorgen das ist der allzu rasende Reporter, den Blick verengert durch kommunistische Scheuklappen. Wo immer er jedoch Gesehenes wiedergibt, ist er amüsant, mit starkem Sinn für die Komik auch der tragischen Dinge. Mir der Gaswolke seines Autos entschwand. Bruno Brandy. Neue Bücher Das * der dem Deutsche Tierfabel frühstückte eine Ziege nach Ziegenart am Bahndamm bei Grünau. Sie naschte hier und naschte dort das leckere Gras. Da wünschte ihr eine Weinbergschnecke einen>> Guten Morgen«. Die Ziege rannte wie der Blitz davon. Die Schnecke beschleimte die Rennstrecke und kroch im eiligsten Schneckentempo nach. Nach drei Monaten war sie am Ziel. Von der Ziege war nichts zu sehen. Das verwunderte die Schnecke sehr. Endlich am nächsten Morgen kam die Ziege an. Die sah nicht gut aus! Struppig, mit zerschundenem Fell, mit verbundenem Kopf, auch fehlten ihr die vorderen Zähne. >> Du bist Sieger!« rief sie der Schnecke zu, die vor Staunen ihre Stielaugen hin und her bewegte. >> Beste Ziege, wie siehst Du aus! Wo warst Du so lange?< » Im KZ«, klagte die Ziege.» Schuld ist meine schwatzhafte Neugier. Ich meckerte > Was rennst Du so?<, rief ihr die stets links und meckerte rechts, das hörte an der zu losen Streichen aufgelegte Ziege zu. jungen Schonung ein Sturmbannführer, der >> Ich will zu meiner Tante nach Schmöck- mich verhaftete und mich nach Oranienburg witz«, sagte die Schnecke. zur Behandlung brachte. Gestern Mittag kam > Ei<, rief die Ziege,» da bin ich zu Haus. ich heraus, und nun habe ich die Wette verIch schlag Dir einen Wettlauf vor. Wer zu- loren.<< erst am Bahnhof ist hat gewonnen und darf den schönsten Salat essen.<< Die Schnecke sah die Ziege von der Seite » Ja, ja«, sagte die Schnecke, warum mußtest Du auch im Dritten Reich meckern. Sieh mich an: Ich schleime und krieche und komme damit am besten fort.< Als Delegierter eines Komitees gegen Krieg und Faschismus wurde Egon Erwin Arbeiter- Jahrbuch 1937, Kisch im Oktober 1935 zum Antikriegskongreß nach Melbourne entsandt, aber die herausgegeben im Verlage der Deutschen australischen Behörden wollten seine Einreise sozialdemokratischen Arbeiterpartei in verhindern. Mit einem Sprung vom Schiff Tschechoslowakischen Republik, dient und gebrochenem Bein landete er, und infolge Thema Volk und Dichtung. Das mag dieser Tatsache war sein Gastspiel in Austra- manchem in diesen kampfklirrenden Zeiten zu lien nicht mehr zu unterbinden. Von dieser beschaulich klingen, aber gerade der turbuReise und diesem Gastspiel erzählt er in sei- lenteste Kampflärm macht Pausen der Benem neuen Buche» Landung in Austra- sinnung nötig, die dem Ziel gelten. In einer an und sagte:» Du scherzest wohl nur?<< wird das Ziel lien<( Allert de Lange). In der an ihm ge- Reihe interessanter Aufsätze » Nein, nein«, sprach die Ziege,» es ist mein wohnten knappen, humorvollen Art berichtet sichtbar gemacht, wird die Verbundenheit von heiliger Ernst.<< Dabei zuckte ihr Bart recht er über die Geschichte der alten Sträflings- Volk und Kunst, von Dichtung und Mutter- verräterisch, denn sie war ein durchtriebener kolonie, über Buschneger, Wollhändler, Far- erde behandelt. Proben aus der Literatur alter Schelm. mer, Rennpferde und Haifische. Er kritisiert und neuer Zeiten füllen das von Ernst Die Schnecke glaubte zwar nicht recht an der Bewegung und damit an unserem Volke auch Gewerkschaften und Arbeiterpartei, vor- Paul und Emil Franzel besorgte Buch, ihren Sieg, aber das Angebot der Ziege war sei uns in der Schutzstaffel Gottessichtig und wohlwollend, denn ohne ihr ent- ausgezeichnete Illustrationen und Reproduk- eine große Ehre für das ganze Schneckenschiedenes Eingreifen wäre er mit dem näch- tionen wertvollen alten Kulturgutes beleben geschlecht und für die Sippe der Weinbergsten Dampfer abgeschoben worden. Aber daß das Ganze. Ueber allem schwingt ein kämp- schnecken eine ganz besondere.> Na, dann er den Zusammenhängen der Labour- und Ge- ferisches Leitmotiv: wie nur Freiheit und los«, rief die Schnecke. Keine Götter neben Ihm » Der Dienst für den Führer, an dienst.< Aus dem Neujahrsgruß des Führers des SS- Oberabschnitts Nordost Redieß> an alle Mitkämpfer<. äuiem Scheiuwetfet du Dildatut Die nationalsozialistische Partei hat i wachen. Das untenstehende Dokument 1 Weiter kann die Durchleuchtung: durch ihre untersten Organe, die Blockwarte, zeigt, wie das geschieht. Es ist eine die Organe der Diktatur nicht getrieben angewiesen, alle Haushaltungen aufs Kartothekkarte, die in Westdeutschland werden. Genaueste zu bespitzeln und zu über- 1 über jede Haushaltung geführt wird.' Wohnung; Straße...... Stockwerk Vorderhaus Hinterhaus Haushaltungsvorstand i Name;............................................... Vorname:.................................................... geb. am................................ ledig, verh., gesch;_________________ Beruf-.................. pensioniert:............................... _______ zu. erwerbslos seit:.............................................................................. EHefrc Name:.__... Vorname geb. am__... Beruf;_______ verwitwet: geschieden: IU3 .......... geborene: Militärverhältnisse; a) Soldat gewesen; von,..................... bei welchem Truppenteil: Us abgegangen als:................. b) Kriegsbeschädigt? ja/ nein c) Orden und Ehrenreichen;____ Bezieher folgender Zeitungen Besitzt der Angefragte «ine Hakenkreuzfahne? Welches Rundfunkgerät? Sonstige Vereins- angehörigkeit? Welches Amt hat er in dem Verein inne? WB' VB )B I r Sonstige T Anschließend sind ausführlich die Verhältnisse der Familie sowie die politische Zuverlässigkeit, jetzige und frühere Einstellung der Angefragten genau zu schildern. UnUrtchrift das Zollanlaitars: Datum: Weswegen man sterilisiert wird »Kr glaubte, von Christus beauftragt zu sein.« Unter dieser Ueberschrift berichtet der Westdeutsche Beobachter« über einen interessanten Kriminalfall auf der Linie der Psychopathologie. In Köln war vor©inigen Jahren ein Mord an einer Witwe verübt worden. Der Tat verdächtig war der mit der Witwe in Wohngemeinschaft lebende Landwirt Ludwig, der später auch zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Vorher aber war ein Mann, der sich der Polizei gegenüber gerühmt hatte, den Mordfall klären zu können, in die Wohnung dieses Ludwig eingedrungen und hatte sich einen Anzug angeeignet. Das Gericht sprach den Dieb jedoch frei, auf Grund des 5 51, weil ihn bei Ver- übung der Tat die Willensfreiheit gefehlt habe. Nun aber berichtet der»Westdeutsche Beobachter« weiter; Nun sollte am Donnerstag auf Antrag der Staatsanwaltschaft die 5. Große Strafkammer darüber beschließen, ob der Untergebrachte nicht für dauernd in der Heilanstalt Düren zu verwahren sei. Der jetzt ' recht ruhig und harmlos Erscheinende versicherte ohne viele Worte, daß er sich wieder ganz wohl fühle und zu seiner Frau zurückkehren möchte. Die medizinischen Sachverständigen erläutern, übereinstimmend, wie der Unglückliche zu seiner Straftat gekommen ist. Schon vor einem Jahrzehnt hat dieser Mann an gleichem Irreseln gelitten und damals nach seiner Bekundung im Walde, nahe seiner Heimat an der Saar, sich von Christus am Wege beauftragt geglaubt,»Detektiv werden zu müssen«, um das viele Unrecht in der Welt wiedergutzumachen. Zur Zeit besteht für ihn jedoch nicht die Gefahr einer erneuten Erkrankung. Man könne ihn vermutlich ohne Gefahr für die O ef f e n t 1 i ch k ei t wieder in Freiheit entlassen und ihn seiner Ehegemeinschaft zurückgeben. Dieser Auffassung schloß sich auch der Staatsanwalt an, und seinem Antrag entsprechend erkannte die Strafkammer auf Zurückweisung des gestellten Antrags auf Dauerunterbringung. Man sollte annehmen, daß der Vierzigjährige nach diesem Gerichtsurteil und nach ärztlicher Bescheinigung als Geheilter ein friedlich stilles Dasein führen könnte. Allerdings, überall— nur nicht im Dritten Reich! Denn jetzt kommt die Pointe: »Anschließend belehrte man den Mann. daß er sich künftig vor strafbaren Handlungen hüten möge. Er wird noch so lange in amtlichem Verwahr bleiben, bis die mit, seiner Einwilligung angeordnete Sterilisation durchgeführt ist.« Man hat also den Manne— ob er dabei ganz bei Sinnen war, oder nicht, tut nichts zur Sache— die Einwilligung zur Sterilisation abgepreßt! Nach dem Schnitt wurde er der»Ehegemeinschaft« zurückgegeben! Immerhin hat das nationalsozialistische Operationsmesser einen beachtlichen Milderungsgrund auf seiner Seite, der sich staatspolitisch und weltanschaulich begründen läßt. Bin Mensch, der noch mitten iip Dritten Reiche das»viele Unrecht in der Welt gut machen will«, muß, wenn man ihn nicht dauernd einsperren kann, sterilisiert werden, damit ein solch gefährlicher Zustand des Irreseins nicht auf Nachkommenschaft übertragen wird. Hie»»Besj'»nstia:e**ln« Neueste Auslegung der Rassengesetze. Eän arischer Kaufmann aus Barmen namens R e p k o w, stand seit Jahren in engen Beziehungen zu der Jüdin Alice Simon. Angeblich soll das Verhältnis noch bis zum Mai 1936 fortgesetzt worden sein, so daß ein Strafverfahren auf Grund der Nürnberger Gesetze eingeleitet wurde. Dieses Verfahren richtete sich jedoch nicht gegen den»Rasseschänder«, sondern zugleich auch gegen seine jüdische Freundin— in völligem Gegensatz zum Wortlaut der Gesetze, die allein den Mann mit Zuchthaus oder mit Gefängnis bedrohen. Gegen Alice Simon wurde, wie der»Westdeutsche Beobachter« berichtet, gleichzeitig Anklage wegen Begünstigung erhoben. Nachdem es der Staatsanwaltschaft dreimal mißglückt war, den Angeklagten die Fortdauer des Verkehrs im Sinne der Rassegesetze zu beweisen, wurden sie beim 4. Termin in Köln angeblich »überführt«. Repkow erhielt zweieinhalb Jahre Zuchthaus und die mit- angeklagte Alice Simon wegen Begünstigung sechs Monate Gefängnis. Die frledlidie Insel Wir greifen an! Wer wartet noch untätig, unschlüss-g. Hört ihr nicht die Signale, die zum Angriff rufen, hört ihr nicht den Schrei, der zum Kampf, zum Sieg erschallt? Wer will jetzt noch abseits stehen, wer bleibt zurück, wenn es gilt, anzutreten, einzutreten für Deutschlands Freiheit? Es wird mit angetreten! Wieder dröhnt die unvergeßliche Melodie des Marschtritts unserer braunen Kolonnen in den Straßen. Aufwachen! Es ist wieder Kampfzeit! Versteck Dich nicht vor dem Kampfruf: Deutschland erwache! Oder willst Du wieder abseits stehen wie damals? Noch stärker geworden ist in den vergangenen drei gewaltigen Jahren der Siegeswillen und der Kampfgeist in unseren Reihen. Viele deutsche Männer haben sich in unsere Front eingereiht. Sie greifen mit an gegen den Spießer hinter dem Ofen, gegen den Spießer, der in seinem Winterschlaf nichts wissen will vom immer neuen Kampf um ein großes starkes Deutschland. Hervor vom warmen Ofen! Es wird mit angetreten! So kündigte die Königsberger nationalsozialistische Presse einige winterliche »Kampfversammlungen« der NSDAP an. Zweckmäßig hungern! »Die meisten Menschen essen zu rasch, kauen nicht gründlich genug und bringen daher die Speisen ungenügend vorbereitet in Magen und Darm. Daher wird ein Teil des Nährwertes nicht ausgenutzt. Verdauungsstörungen sind, die Folge. Nach Feststellungen des Reichsgesund- heitsamte� könnte durch zweckmäßiges Essen die Nährwirkung leicht im Gesamtdurchschnitt um 10 Prozent verbessert werden. Die Kartoffel überragt alle anderen Lebensmittel an Bedeutung. Sie ist das billigste Nahrungsmittel, das bei Zusatz von Fett alle für den Körper notwendigen Stoffe bietet. Kartoffeln enthalten auch das im Winter spärliche C-Vitamin... Wenn von im Spülwasser wegschwimmenden Fett der vierte Teü Butter war. so macht das jährlich 100 Millionen Kilogramm. Zu ihrer Herstellung bedurfte es der Milch von 5 0 0.0 0 0 K ü h e n. Deutscher, denke täglich daran!« (»Preußische Zeitung« Nr. 3) Ikiuc'üorniMs 6oiiaWfmoPraHfd)cs IDodjcnMoH Herausgeber: Ernst Sattler; verantwortlicher Redakteur: Wenzel Horn; Druck:»G r a p h l a«; alle in Karlsbad. Zeitungstarif bew. m. P. D. ZI. 159.334/VII-1933. Printed in Czechoslovakia. Der»Nene Vorwärts« kostet im Einzelverkauf innerhalb der CSR KC 1.40(für ein Quartal bei freier Zustellung KC 18.—). Preis der Einzelnummer im Ausland Kö 2.—(KC 24.— für das Quartal) oder deren Gegenwert in der Landeswährung(die Bezugspreise für das Quartal stehen in Klammem) Areentmien Pes. 0 30(3.60). Belgien: Belg. Frs. 2.45(29.50) Bulgarien Lew 8.-(96.—). Danzig Guld 0.45 (5.40). Deutschland Mk. 0.25(3.—), Estland E. Kr. 0.22(2.64), Finnland Fmk. 4.—(48.—), Frankreich Frs. 1.50(18.—). Großbritannien d 4.—(Sh. 4.—). Holland Gld 0.15(1.80) Italien Lir. 1.10(13.20), Jugoslawien Din 4.50 (54.—). Lettland Lat 0 30(3.60). Litauen Lit. 0.55(6.60), Luxemburg B Frs. 2.45(29 50). Norwegen Kr. 0.35(4 20). Oesterreich Sch. 0.40(4.80). Palästina P � 0.020(0.216), Polen Zloty 0.50(6.—)• Portugal Esc 2.— (24.—), Rumänien Lei 10.—(120.—) Schweden Kr 0.35( 4.20). Schweiz Frs. 0.30(3.60). Spanien Pes. 0.70(8.40). Ungarn Pengö 0.35 (4.20). USA 0.08(1.—). Einzahlungen Können auf folgende Postscheckkonten erfolgen: Tschechoslowakei: Zeitschrift»Neuer Vorwärts« Karlsbad Prag 46.149. Oesterreich:»Neuer Vorwärts« Kafls- bad Wien B-198.304 Polen:»Neuer Vorwärts« Karlsbad. Warschau 194.797. Schweiz:»Neuer Vorwärts« Karlsbad Zürich Nr. VTIl 14.697. Ungarn: Ansrlo-cechoslovakische und Prager Creditbank Filiale Karlsbad Konto»Neuer Vorwärts-: Budapest Nr. 2029--lucroslawien: Angio-Cechoslovakische und Praeer Creditbank. Filiale Belgrad Konto»Neuer Vorwärts«. Beograd Nr. 51 005. Genaue Bezeichnung der Konten ist erforderlich.