Neuer Vorwärts Sozialdemokratisches Wochenblatt Verlag: Karlsbad, Haus„ Graphia" Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Nr.188 SONNTAG, 17. Januar 1937 Aus dem Inhalt: Der Entscheidung entgegen Spanische Eindrücke Die Streicherkultur Rückzug und Provokation Offener Brief an das deutsche Volk Von Herbert Morrison, Mitglied des Parlaments und Stadtpräsident von London Einer der tatkräftigsten und ange- 1ständiger Mensch in irgend einem| laubt euch nichts zu lesen, was ihm mende junge Generation Deutschlands, sehensten Führer der englischen Ar- Lande hat Lust, andere Menschen zu nicht gefällt.( Gleichwohl, wenn je- daß sie wenigstens etwas von Frieden beiterpartei, Herbert Morrison, wünscht töten. mand diesen offenen Brief übersetzen und Sozialismus weiß. Das Licht darf sich mit den folgenden Ausführungen Dennoch, das verhängnisvolle Trei- und zur Verbreitung in Deutschland nie ganz ausgehen. Denn der Tag des direkt an das deutsche Volk zu wen- ben geht weiter. drucken wollte, so würde mir das eine Volkes wird kommen! große Ehre und eine tiefe Genugtuung sein.) den. Wir werden alles in unseren sozialistiwünscht Kräften Stehende tun, damit seinem Eure Verhältnisse- ähnlich wie Hitler und seine Regierung des KaWunsche Erfüllung wird. die in Italien und Oesterreich sind, Was also könnt ihr, die ihr eure pitalismus und der Volksverelendung Der Krieg ist nicht unvermeidlich, ich weiß es, von den unseren, sehr politische und geistige Freiheit ver- sind eine große Gefahr für die Welt. aber die kapitalistischen Regierungen verschieden. Wir können immer noch loren habt, in eurem Lande für Frie- Euch erzählen sie, daß euer Land von treiben eine Politik, die, wenn sie fort- unserer Regierung sagen, was wir von den und Freiheit tun? Nicht allzuviel Feinden umgeben sei, die seine Vergesetzt wird, ihn unvermeidlich macht. ihr denken. Wir sind immer noch frei, vielleicht im aktiven Sinne und den- nichtung wollen. Sie lügen, sie wissen, Alle tragen ihr Teil der Verantwor- die öffentliche Meinung in unserem noch vielleicht! Aber ihr könnt nach- daß sie lügen. tung, unsere sowohl wie die eure, keine Sinne zu bilden. Unsere Regierung denken, könnt auf Gelegenheiten war- Frankreich mit seinem hat einen planvollen und energischen muß mit uns rechnen. Darum möchte ten, könnt versuchen eure Gesinnung schen Ministerpräsidenten Versuch gemacht, den Frieden zu or- unser Volk nicht unsere Regierung rein zu halten und könnt hoffen...! einen Dauerfrieden mit Deutschland ganisieren. Alle rüsten zum Krieg. gegen eure und nicht unser Regie- Und wenn der Krieg der Welt auf- und würde seinen Eintritt in einen allAber die arbeitenden Völker wollen rungssystem gegen das eure eintau- gezwungen werden sollte, dann können europäischen Friedensbund unterstütkeinen Krieg. Sie wissen, was er be- schen. wir alle weiterdenken im Geiste des zen. Die englische Regierung würde deutet: Tod und Verstümmelung, Ar- Ihr seid Unterworfene einer per- Friedens, der Menschenverbrüderung, eine solche Entwicklung nicht aufhalmut und Elend, schließlich Enttäu- sönlichen Diktatur, gestützt auf eine der Freiheit und können auf unsere ten können, selbst wenn sie es wollte. schung und schließlich schwere Wirt- politische Partei, die wieder nur dem Gelegenheit warten. Und Sowjetrußland, das Land der verschaftsnot für Sieger und Besiegte. Diktator und nicht dem Volke ver- Wir ehren und verehren jene zahl- ruchten Bolschewiken, über das eure Du, deutsches Volk, willst den antwortlich ist. reichen Deutschen, die sich allen Nazi so viel Unsinn erzählen? Hat Krieg nicht. Wir wollen ihn auch nicht, Ich richte diesen offenen Brief an Schwierigkeiten zum Trotz ihre Ueber- nicht gerade die Sowjetregierung und ebenso wenig wollen ihn die an- euch. Doch ich weiß, daß ihr ihn nicht zeugung bewahrt haben. Es ist von Deutschland eingeladen, an einem deren. Trotzdem, wie die Dinge lie- lesen werdet. Denn euer Diktator er- unermeßlicher Wichtigkeit für die kom- Friedenspakt teilzunehmen, durch den gen, treiben wir immer näher zum Krieg. Wer sind die Schurken in diesem Trauerspiel? Vor allem die Leute, die selber nicht kämpfen werden, die am allersichersten sitzen, Eure aufgeblasenen Größen und die unseren Arbeiter und kleine Leute werden wieder die Opfer sein. Rückzug und Provokation Das braune System hat abermals eines sten. Tatbestand ist, daß der Rebell Franco Schuhmacher jammern, daß sie fast nirgends jener gewissenlosen politischen Manöver Hitler die Ausbeute der Bergwerke von Spa- Leder auftreiben können und wenn sie ja durchgeführt, die mit dem Kriege spielen. Es nien und Spanisch- Marokko überliefert, und eines zu kaufen bekommen, so ist es von hat als Antwort auf die Note der West- daß die deutsche Durchdringung Spanisch- minderwertiger Qualität. mächte über die deutschen Truppen in Spa- Marokkos fortschreitet. den demokratischen Ländern mit der Für Filzschuhe ist kein Filz mehr da, die * Was können wir tun, wir Volk überall in der Welt? Wir Männer der nien, die als» Freiwillige bezeichnet werden, Während dies geschieht, soll Schacht in Filzhüte steigen enorm im Preise. Dabei ist Arbeiterbewegung in den demokratieine unverschämte Antwort veröffentlicht, die Paris über eine deutsch- französische Wirt- eine Qualitätsverschlechterung ärgster Art schen Staaten sind uns der Gefahren nur dem Zweck der Verschleppung dient. Es schaftsverständigung verhandeln. Was Hitler bei Filz festzustellen. wohl bewußt. hat eine Intervention zugunsten Francos be- von In England kritisieren tont fortgesetzt, und es hat einen Pressefeld- Taktik der Erpressung, der Kriegsdrohung, Aus dem westlichen Industriegebiet erwir unausgesetzt die schädliche und der Provokation und zug unserer Regieschwankende Politik der Lüge gegen mit der Geste des Amokläufers gegen den fahren wir: Frankreich entfesselt, als die französische Frieden erreichen will, ist ganz einfach: die Die Schmalzknappheit ist seit rung und fordern, daß unser Land bei Regierung gegen die Verletzung der interna- demokratischen Länder sollen nicht nur die zirka zwei bis drei Monaten derartig, daß der Organisierung des Friedens die tionalen Verträge über Spanisch- Marokko Kosten seiner Expedition in Spanien bezah- die Händler den Kunden, ohne diese zu fraFührung übernimmt. Wir stehen zur Front machte. len, sie sollen darüber hinaus noch das lie- gen, zu der geforderten Ware 4 Pfund klaren Idee des Völkerbundes, zur kolIn der Frage Marokko hat Hitler eine fern, was zur Vollendung der deutschen Schmalz wöchentlich einmal beilegen. Dann lektiven Sicherheit. Wir wollen, daß seiner» beruhigenden« Erklärungen abgege- Kriegsrüstung an Rohstoffen, an Stärkung erübrigen sich Rückfragen im Beisein anzug dar in einer Frage, die unmittelbaren fehlt. England, Frankreich und Sowjetruß- ben. Sie stellt einen diplomatischen Rück- der finanziellen und wirtschaftlichen Basis derer Käufer. land alle europäischen Mächte einladen zu gegenseitigem Beistand, Nichtan- Zündstoff in sich birgt. In der Frage der griffspakt und einem Friedensbund der Nichtinterventionspolitik jedoch denkt er wirtschaftlichen Zusammenarbeit im nicht an Rückzug. Mangel überall Aus Bayern wird uns geschrieben: An den sogenannten Fleischtagen stehen, besonders in den Arbeitervierteln, lange Schlangen vor den Schläch terläden und zwar schon in aller HerrWie uns Rahmen des Völkerbundes, als einer Dieser diplomatische Rückzug wird nach Der Rohstoff- und Warenmangel macht gottsfrühe. Diese Tage sind in der Regel wirksamen Organisation des Friedens innen hin verdeckt durch eine Offensive der sich von Tag zu Tag fühlbarer bemerkbar. Dienstag und Freitag. Es handelt sich vor und der Wirtschaftsbesserung für alle. gleichgeschalteten Presse gegen Frankreich. Es gibt keinen Industriezweig mehr, in dem allem um den seltenen Verkauf von SchweineWir wünschen, daß euer großes Land Diese Pressehetze war eine Generalprobe der man das nicht merkt, ebenso wie in der gan- fleisch. Die Kunden haben dann auch nicht mit dabei sei und am Gewinn wie an Kriegslüge. Sie hat enthüllt, mit welchen zen Lebensmittelversorgung. Es ist im An- die Gelegenheit, irgendwelche Wünsche zu der Verantwortung teilhabe. Mitteln die deutsche Propaganda im Kriegs- gesicht der Fettkarte schon nichts Sonder- äußern, sondern müssen mit dem durch den Wir werden alles tun, was in unse- falle vorzugehen gedenkt. Es muß für alle liches mehr, wenn man in Nürnberg z. B. kein Schlächter zugeteilten Fleisch zufrieden sein. ren Kräften steht, damit unsere Regie- demokratischen Länder lehrreich sein, daß Rindfleisch bekommen kann, man unterhält Bis zum Mittag ist ausverkauft. Die rung eine solche Politik verfolge. Der auf Befehl von oben die deutsche Presse dem sich bereits mit dem Gefühl der Angst dar- Qualität des Schweinefleisches Erfolg mag uns dabei versagt bleiben, deutschen Valke vorgelogen hat:» Gründung über, wie es in wenigen Wochen mit der ist teilweise stark verschlechtert. doch werden wir auf alle Fälle ver- einer Sowjetrepublik in Südfrankreich unmit- Brot- und Mehlversorgung sein wird. Man durch einen Züchter mitgeteilt wird, haben suchen, unsere Regierung bei den telbar bevorstehend.<< Die schlimmsten Kriegs- sieht an dem immer schwärzer werdenden die reichsseitig zugeteilten Futtermittel daran nächsten Wahlen zu schlagen und die lügen des Weltkrieges werden Waisenkinder Mehl, daß zu wenig Mehl da ist und erwar- Schuld. Der Züchter klagte heftig seine Not Rückkehr einer Arbeiterregierung zu sein gegenüber den Lügen, die das deutsche tet die Mehl- und Brotkarte. darüber, daß die Schweine das zugewiesene sichern, der allein zuzutrauen ist, daß Propagandaministerium auf Lager hat. Bei den Bauern geht man brutal vor Mischfutter nur aufnehmen, bis der größte sie die Welt zu Frieden und Wohlstand Dieser Lügenfeldzug ist auf energischen wegen der Butterablieferung. Wenn der Bauer Hunger gestillt ist. Dann legen die Tiere sich führen wird. Wir wollen nicht gegen französischen Widerstand und kräftige Zu- erklärt, daß er nicht mehr liefern könne, hin und lassen das Futter unangerührt. Zum euch kämpfen. Wir glauben auch nicht, rückweisung gestoßen. Die Verantwortung weil er von seinen Kühen nicht mehr Milch Mästen ist es also nicht geeignet. daß ihr gegen uns kämpfen wollt. Mit Hitlers für diesen Pressefeldzug ist von fran- erhalte, da er sie zur Arbeit einspannen Ebenso steht es mit den FuttermitTrauer erinnert sich das englische Volk zösischer Seite eindeutig festgestellt worden. müsse, wird den Bauern gedroht, daß ihm teln für das Geflügel. daran, daß im letzten Krieg Deutsche Aber dieser diplomatische Rückzug darf diese Kühe abgeschlachtet werden, wenn er stieg von 9 auf 14 Pfennig. Zu dem Futter und Engländer gegeneinander gestan- die Tatbestände nicht verdunkeln. Tatbestand nicht selbst sich richtige Milchkühe anschaffe. wird nur ganz minderwertiges Getreide geden haben. Wir anerkennen eure gu- ist, daß Deutschland und Italien in Spanien Die Holzschuhindustrie, hat Aufträge wie nommen, dadurch aber blüht der heimliche ten Eigenschaften. Die Franzosen gegen die rechtmäßige spanische Regierung nie zuvor. Sie können nicht ausgeführt wer- Roggenhandel. Die Geflügelzüchter sind denken ebenso. die Russen hegen keine Krieg führen. Tatbestand ist, daß deutsche den, da die Holzschuhfabrikanten nicht ein- sonst nicht in der Lage, die von ihnen verFeindschaft gegen euch und ebenso Kriegsschiffe, deutsches Material und deut- mal das minderwertige Spaltleder mehr be- langten Eiermengen an die Amtsstellen ab wenig die Arbeiter Italiens. Kein an- sche Truppen dem Rebellen Franco Hilfe lei- kommen. An Leder fehlt es überall und alle zuliefern. es sich verpflichten wollte, Deutsch-| Sprengstoffattentat land zu verteidigen, falls es angegriffen würde? Eure Regierung hat das abgelehnt. einem ter dem Ansturm Hitlers und seiner bewaff- Bonzen, die sich in der und an der völlig konin München neten Horden etwas geringschätzig zu behan- trollosen Besteuerung der Volksmasse durch deln. Es möge uns daher erlaubt sein, die den» deutschen Sozialismus«, der mit hochschwarzrotgoldene Note dieses zweiten Deut- trabenden Worten wie» Volkswohlfahrt<< und schen Tages als ein Zeichen für begin-> Winterhilfswerk< nur so um sich schmeißt, In der Silvesternacht wurde auf eine Polizeiwache in der HohenzollernBeide, Frankreich und Rußland, straße ein Bombenattentat durchgeführt. nende Objektivität in der Beur- bereits gesund gemacht haben, dürften nicht würden Deutschland als Teilnehmer an Gegen 2 Uhr nachts wurden die Bewohner teilung der deutschen Republik zu zählen sein! Wenn wirklich ein Betrüger erweiterten Frankreich- Sowjet- der umliegenden Häuser durch zwei heftige und der für sie verantwortlich gewesenen schon einmal hier und dort durch ein aufpakt begrüßen. Deutschland ist nicht eingekreist. dachte man an einen Silvesterunfug. Bald Detonationen aus dem Schlaf geweckt. Zuerst Parteien anzusehen. recht gebliebenes Gericht verurteilt wird, läßt Eure Regierung selber hat sich einge- sammelten Tollers Rede wurde von der Versamm- das höchstens bescheidene und sehr unvollkreist. lung mit ungeheurem Beifall aufgenom- ständige Einblicke in das richtige Ausmaß der Korruption zu, die am Ganzen klebt. Aus der Begründung des merkwürdigen Gesetzes, sich viele Menschen auf der Straße und man konnte erkennen, daß etwas Bald war überall bekannt, daß in die vollen sozialistischen Wirtschaft in Polizeiwachstube Frieden fortzusetzen. Ihr tut jeder worfen worden waren. Die Inneneinrichmen. und wie des deutschen Bettel- Sozialismus Kein Volk will euch angreifen. Ich Ernstes geschehen war. Die Feuerwehr, das glaube auch nicht, daß irgendeine Re- Ueberfallkommando und der Rettungsdienst Von der Gestapo ermordet! die Herr Göbbels anscheinend selbst verfaßt gierung euch angreifen will. Sicher erschien auf dem Platz. Sofort wurde die will es die Sowjetregierung nicht. War- Straße abgeriegelt und die Menschen aufge- Sekretär des Deutschen Metallarbeiterver- wie die Herren> Amtswalter< mit irgendwelDer sozialdemokratische Funktionär und hat, geht nunmehr wohl zur Genüge hervor, um sollte sie auch? Sie hat alles Inter- fordert, sich zu zerstreuen. esse daran, den Aufbau einer planbandes Otto Hampel aus Staßfurt chen Parteivollmachten und anderen Kreditbei Magdeburg ist von der Gestapo ermordet und Druckmitteln gewüstet haben Bomben geworden. Genosse Hampel war führendes Mit- sie ihre Lieferanten ebenso wie ihre Betreuten Pfennig leid, den sie unter dem Druck tung der Wache war vollständig zertrümmert glied der SPD, Leiter der Eisernen Front übers Ohr gehaut haben müssen. Wer auch Hitlers und Japans für Rüstungen aus- und das Kellergewölbe war eingestürzt. Wie- seine energische gewerkschaftliche und politi- Rummel und Stadtverordneter in Staßfurt. Durch nur halbwegs Gelegenheit gehabt hat, dem geben muß. Kapitalistische Regierungen können ob Todesfälle zu verzeichnen sind, konnte von viele Beamte dabei zu Schaden kamen und sche Arbeit war der Ermordete in der gan- aus der Nähe zuzusehen, hat sich über die unter Umständen kriegslustig sein. uns nicht festgestellt werden. Beobachtet zen Arbeiterschaft des Gebietes sehr beliebt. Hohlheit und Fäulnis des» Zaubers<< nie eine Eine sozialistische Regierung muß wurde, daß das Sanitätsauto zweimal fah- fun durch die Nazis wurden die IndustrieIn den ersten Monaten der Machtergrei- Illusion gemacht. Aufgabe entsprechend, den Frieden Krankenhaus Schwabing verbracht. In der burg, die beide eine sichere sozialdemokratiselben Nacht wurde noch mit den Aufräu- schen Mehrheit hatten, von brutalstem Ter- strafrecht und allgemeines mungsarbeiten begonnen. In der Presse war ror ortsfremder Nazistürme heimgesucht. An- Strafrechte( Herausgeber Staatssekretär kein Wort über diese die Bevölkerung der fang Februar 1933 wurde von einem Nazi- Dr. Freisler) schreibt der Chef des Wehrganzen Stadt bewegende Tatsache zu lesen. im Reichskriegsministerium, gymnasiasten de Staßfurter Bürger- machtamtes Toller über die Republik meister und Abgeordnete Her- Generalleutnant Keitel: kommende deutsche Strafrecht wird sozialistisch und sittlich ausgerichtet sein. Es wird auch ein kämpferisches ihrer Natur und ihrer sozialistischen ren mußte. Die Verletzten wurden in das städte Staßfurt und Schönebeck bei Magde- Aggressives Strafrecht wollen. Die ganze Welt weiß, daß ein friedliches Deutschland nichts zu fürchten hat. Nur das deutsche Volk selbst weiß es wahrscheinlich nicht, weil die Naziregierung keine Mühe scheut, die Wahrheit von ihm fernzuhalten. Leider aber macht die Politik eurer Naziregierung alle friedlichen Länder gegen Deutschland aufs äußerste mißtrauisch. Das ist für euch die größte Gefahr. Das ist für euch die wirkliche Gefahr. Eine Versammlung in New York. In einer großen Versammlung in New York sprach der Dichter Ernst Toller. Er sagte: mann Kasten durch RevolverIn der neu erschienenen Schrift» Wehr» Das schüsse ermordet. Otto Hampel gehörte zur Leitung der Recht sein, das sich dem militärischen riesigen Massendemonstrationen, die gegen diesen Mord an seinem persönlichen Freund Wenn Hitler heute erklärt, daß die Repu- im ganzen Gebiet durchgeführt wurden. Bald blik das deutsche Volk politisch, wirtschaft- darauf wurde von den SA- Mördern der Kollich und moralisch zerstört hat, so wollen wir lege Hampels in Schönebeck, Sekretär des ihm antworten, daß er nicht einen Bruchteil Deutschen Metallarbeiterverbandes und Stadtdessen geschaffen hat, was die Republik als schöpferische Leistung aufweisen kann. Die Republik hat Werke aufgebaut, die in der Welt vorbildlich wirkten. Grundsatz>> Angriff ist die beste Parade< zu eigen macht. So wird das kommende, sozialistische, sittliche und kämpferische allgemeine Strafrecht mit den Grundzügen eines wahrhaften soldatischen Strafrechts übereinstimmen.<< > Angriff ist die beste Parade< Die Nazi preisen die Gewalt. Sie rat, Genosse Otto Kresse, ermordet. das kann im Strafrecht doch nur heißen, entwickeln kriegerische» Tugenden« Die Nazistürme hausten in Schönebeck und die Richter sollen zur Attacke vorgehen, sie schon bei den Schulkindern. Haben sie Staßfurt wie die Vandalen. Alle Familien sollen den deutschen Volksgenossen verletzen, nicht ihre politischen Gegner in führender Sozialdemokraten wurden heimge- ehe dieser ein geschriebenes oder ungeschrieDeutschland mit Mord, Raub und Fol- Ihre Sozialpolitik, ihre Krankenversicherun- sucht, die Wohnungen wurden verwüstet und benes Recht verletzt. Damit erfährt die Prater unterdrückt? Und gibt nicht daher gen, ihre Invalidenversicherungen, ihre Alters- die zertrümmerten Möbel auf die Straße ge- xis, wie sie heute schon in der politischen auch ihre Tyrannei dem deutschen und Arbeitslosen- Versicherungen, ihre Hospi- worfen. Zu Dutzenden mußten die Genossen Gerichtsbarkeit geübt wird, ihre theoretische Volke das volle moralische Recht zur täler und Erholungsanstalten, ihre Tarif- und sich an allen möglichen Orten bei guten Begründung. Rebellion, wann immer die Rebellion Arbeitsrechte, ihre Siedlungen und Sport- Freunden einen Unterschlupf suchen. Otto mit Aussicht auf Erfolg unternommen werden kann? plätze, ihre kulturellen Leistungen, die Freihelt des Glaubens, der Wissenschaft und der Kunst, die in ihr herrschte, haben In der nationalsozialistischen Zeitschrift Die Bewegunge lesen wir: Hampel hat sich so bei Bekannten und Ver-» Zugriff der Volksgemeinschafte wandten bis zum Sommer 1935 dem Zugriff der Nazis entzogen. Dann wurde er von der Gestapo aus der Wohnung seiner Tochter in Harburg verhaftet und nach 14 Tagen war er ermordet! Seine Tochter durfte nur noch Ohne eure freie Zustimmung verdie Bewunderung der Welt erregt. schleudert die Naziregierung für RüDas Beste der Republik hat Hitler zerstungen Milliarden Mark, die Früchte eurer Arbeit und drückt mit solchen stört, und was er nicht zerstört hat, bucht Ausgaben eure Lebenshaltung nieder. er als seine Leistung. Die Welt hat ein so die Leiche bei der Polizei sehen. In der ArHaben nicht Heẞ, Göring und Göb- kurzes Gedächtnis, daß sie ihm glaubt und beiterschaft seines langjährigen Wirkungsbels geschrien:» Kanonen statt But- vergessen hat, daß die mißhandelten Männer, kreises lebt er als Mahnung weiter. die heute in Konzentrationslagern verkomter!<< Sie nehmen euren Kindern die men, die vorbildlichen Schulen, Hospitäler, Eine Bruchstelle im Sportplätze, Heimstätten und Erholungshäuser gebaut haben. Einem Vorwurf allerdings, den Hitler geButter vom Brot, um die Generale mit Kanonen zu füttern. Dadurch geben sie unserer Regierung eine Entschuldigung, wenn sie desgleichen tut, obwohl dabei gesagt werden muß, daß gen die Republik erhebt, stimmen wir zu: unsere Lebenshaltung in der Demokratie, selbst die unserer Arbeitslosen, höher ist als die eure unter der Herrschaft des Faschismus. die Republik war zu schwach. Zu schwach gegen ihre Feinde. Hätte die Republik weniger Duldsamkeit gegen ihre Widersacher gezeigt, hätte sie mit hartem Willen und harter Tat sie niedergehalten, nie wäre ihr Fundament zerstört worden. schreibt zu dieser Versammlung: Die Neue Volkszeitunge in New York Jetzt tut eure Regierung alles, was sie kann, um die Freiheit der Arbeiter in Spanien zu vernichten. Und die unsere weiß nicht, ob sie darüber traurig oder froh sein soll. Eure Regierung konspiriert in der ganzen Welt gegen das Volk und gibt dafür euer Geld aus. Fahne Während im vorigen Jahre nur die amerikanische Flagge gezeigt wurde, erschien diesmal die schwarzrotgoldene der Deutschen Republik Jeder Freund des Friedens und der auf der Bühne, und wir begrüßen es ganz ,, Schnorrer- Sozialismus" Die Winterhilfswerks- Bonzen und ihre trüben Geschäfte. Folgende, von> oben« diktierte Notiz findet sich jetzt hier und da in der Hitler- Presse: >> Durch ein am 2. 12. 36 beschlossenes Gesetz ist dem Winterhilfswerk des Deutschen Volkes die Stellung einer rechtsfähigen Stiftung des bürgerlichen Rechtes verliehen worden. Diese Maßnahme war nötig, da bei den vom Winterhilfswerk abgeschlossenen Geschäften die Frage der Haftung unklar war. Insbesondere bei Erteilung größerer Aufträge hat das oft zu Unzuträglichkeiten geführt. Durch die neuen gesetzlichen Bestimmungen wird das WHW zu einer dauernden Einrichtung gemacht.<< Die Begründung der auffälligen Maßnahme, > Wenn die nationalsozialistische Bewegung seinerzeit klar zum Ausdruck brachte, daß die Korporationen trotz gelegentlicher Verdienste zu verschwinden hätten, so ist es keineswegs ihre Absicht, Organisationen verschwinden zu lassen, nur um an deren Stelle die Organisationslosigkeit und Freizügigkeit liberalistischer Auffassungen bestehen zu lassen. Die Kreise, die sich zu diesem Freistudententum bekennen, einen Beitritt zum NS- Studentenbund also ablehnen, kennt man: winzige Reaktion und absterbende Konfessionalisten! Diese möchten sich dem Zugriff der Volksgemeinschaft, die ein Recht auf jeden einzelnen hat, dadurch entziehen. Wir können es nicht anders auffassen, und wir stehen nicht an, zu erklären, daß in unseren Augen jeder, der keinen Wert darauf legt, dieser Gemeinschaft anzugehören, die Konsequenzen tragen sollte. Diese Konsequenz bestünde aber darin, daß er darauf verzichtet, infolge seiner Vorbildung in der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft eine erhöhte Stelle einzunehmen und im nationalsozialistischen Deutschland zu verdienen.< Die Korporationen wurden abgeschafft, Freiheit, jeder denkende Sozialist, Ge- besonders, daß auch während der Reden der die dadurch nicht bagatellisiert werden kann, werkschafter, oder Genossenschafter Leistungen der Deutschen Republik gedacht daß die gleichgeschalteten deutschen Tages- aber ihre übelsten Auswüchse: die Beförverabscheut die Naziregierung und wurde. Leider besteht in manchen Kreisen und Fachschriften sie so ganz beiläufig halb derungscliquen leben in anderer Gebetrachtet sie als Gefahr für den Frie- der Deutschamerikaner die Neigung, die deut-> unter dem Strich< bringen, ist aufschluß- stalt und in vertausendfachtem Maßstab den und die Freiheit der Welt. Bitte sche Republik wegen ihres Unterliegens un- reich für den Wissenden genug. Die braunen weiter. tadelt darum nicht die Welt: die Naziregierung selbst hat das zustande gekreiste. lacht mit. stehen. bracht. Sie war es, die euer Land ein- lands. Sie hat die militärische Stärke Dabei liegen die Dinge so, daß An Rußlands Seite steht jedoch Deutschlands riesenhaft gesteigert. Deutschland, wenn es sich in einen Frankreich. Mag sein, auch England, Mehr noch, eure Regierung macht Das ist wahr! Aber sie hat trotzdem Krieg stürzt, so gut wie sicher ge- mag sein, auch andere. Mag sein, soDeutschland zum Gegenstand des Ge- mehr getan, um Deutschland zu schwä- schlagen werden wird. Teils darum, gar auch Italien. Denn Mussolini bringt lächters. Nehmt zum Beispiel die hol- chen, als irgend eine deutsche Regie- weil die Nazi selbst den Grund zu einer es fertig, sich sowohl auf die eine Seite, ländische Hochzeit. Entschuldigt, rung jemals zuvor. Denn sie hat euch umfassenden Koalition gegen euer wie auf die andere zu schlagen. Und wenn wir lachen oder vielmehr, wirtschaftlich unendlich viel schwächer Land gelegt haben, teils weil der deut- in jedem Lande werden die Sozialisten gemacht als ihr sein müßtet. sche Mann in Reih und Glied nicht und Demokraten, wie immer auch sie Andern Regierungen hat sie mehr mit dem Herzen bei der Sache über ihre eigene Regierung denken Verzeiht meine Aufrichtigkeit! Ein Rechtfertigungs- oder Entschuldi- sein wird, so bald auch nur ein Teil der mögen, gegen eure Naziregierung Freund muß aufrichtig sein. Glaubt gungsgründe für ihre Rüstungen ge- Wahrheit zu ihm durchdringt. nicht, ich sei gegen das deutsche Volk liefert, wobei ich keineswegs die EntDarum rettet euch, sobald ihr voreingenommen. Vor der Nazirevo- schuldigungsgründe vergessen will, die Es ist zweifelhaft, ob Nazideutsch- könnt, nicht vor einer verruchten Welt, lution habe ich euer Land wiederholt jene der euren geliefert haben. Wir land es auch nur mit einem isolierten sondern vor den verruchten Nazi. Brüdern in mit Vergnügen besucht. Das deutsche englischen Sozialisten haben nie aufge- Rußland aufnehmen kann. Denkt an Reicht anderen Volk hat mich freundlich aufgenom- hört, unsere Regierung wegen ihres die ungeheuere Weite der Grenzen und Ländern die Hand für Frieden, Soziamen, und ich habe mich in seiner Mitte Anteils an dem Verrat an dem Verrat an der Ab- der Entfernungen und an eure weit lismus und Demokratie. Noch steht wohlgefühlt. rüstungskonferenz anzugreifen. größere Verletzlichkeit bei Luftan- das Wort:» Proletarier aller Länder Jedes Volk hat seine Unvollkom- Aber damit wird die Naziregierung griffen! Denkt auch daran, daß die vereinigt euch!« Jagt eure Verrückten menheiten, weder wir sind eine Aus- mit ihrer hartnäckigen diplomatischen Russen für ein sozialistisches Vater- davon sowie ihr könnt, und wir wernahme von dieser Regel, noch seid ihr Unfähigkeit und und Plumpheit, ihrer land kämpfen würden, ihr baber für den das unsere tun, auch die unseren es. Aber es besteht kein Grund zu massiven und aggressiven Aufrüstung eine kapitalistische Despotie, die euch davonzujagen! euren irgend einer allgemeinen Voreingenom- und ihrer Verschwörung, gegen die das Recht zu denken genommen hat! Ich grüße euch, freundschaftlich menheit gegen das deutsche Volk. Freiheit und den Fortschritt in der Und laßt euch nicht einreden, daß die und respektvoll, im Namen aller VölEuer größter Feind ist eure Regie- ganzen Welt in keiner Weise gerecht- Rote Armee eine Nachkriegsausgabe ker und Länder rung, der wahre Einkreiser Deutsch- fertigt. der morschen Zarenarmee ist! Euer Herbert Morrison. Des* Entsdheidung entgegen S Paris, 12. Januar. Die internationale Span nung nähert sich rasch der Krise. Vor Madrid ist die neue Offensive im Gange, die von den meuternden Generalen mit verstärkten Kräften geführt wird, mit Material, das von Deutschland und Italien geliefert ist. Der Anteil Deutschlands an der Materiallieferung hat sich dabei in letzter Zeit außerordentlich vermehrt. Den Kern der angreifenden Truppen bilden nicht mehr die Fremdenlegionäre, die marokkanischen Mauren und die spanischen Phanlangisten, sondern die, die man in Frankreich und England die »blonden Mohren« genannt hat, SS- und R e ic h s we h r f o r m a t io n e n aus Deutschland. Es sind die von Hitler zu Militärdienst gezwungenen deutschen Arbeiter und Bauern unter Führung junkerlicher Offiziere, die die spanische Demokratie zu meucheln befohlen sind. Es sind deutsche Arbeiter und Bauern, die der bankrotten nationalsozialistischen Wirtschaftsführung die spanischen und marokkanischen Erzlager erobern, deutsche Arbeiter und Bauern, die dem italienischen und deutschen Faschismus das Sprungbrett zu einem neuen Weltkrieg sichern sollen. Die nationalsozialistische Schande geht am Tage bloß. Der Kampf um Spanien kann nicht länger als ein Kampf um Weltanschauung getarnt werden. Es springt jetzt in die Augen, daß es sich um die Eroberung Spaniens durch Deutschland und Italien handelt. Es geht nicht allein um die reichen Rohstofflager— Eisenerze, Quecksilber, Kupfer, Phosphate und Kali— es geht um viel mehr, es geht um eine entscheidende Machtumwälzung. Wie die Besetzung der Rheinlande für die nationalsozialistische Politik ein Mittel war, Frankreich in seine Grenzen einzuschließen, es von der Entscheidung in Osteuropa auszuschließen, seine Bündnisse zu entwerten und es damit zu einer Macht zweiten Grades herabzudrücken, so bedeutet die Verwandlung Spaniens(und Portugals) in eine deutsch-italienische Einflußsphäre, die Besetzung der' Pyrenäengrenze mit feindlicher Uebermacht, und die Abschneidung Frankreichs von seinen nordafrikanischen Kolonien, die zugleich ein wichtiges militärisches Reservoir darstellen. Es ist die Bedrohung Frankreichs in seinem Lebensnerv. Es ist zugleich die Bedrohung Englands. Denn es beraubt England durch die Immobilisierung Frankreichs eines unentbehrlichen Bundesgenossen. Es sperrt England den Zugang zum Mittelmeer und nimmt ihm so den wicht gsten Verbindungsweg zu seinen überseeischen Gebieten. Aus der ideologischen Fragestellung ist jetzt unerbittlich die Machtfrage geworden. Daß dies endlich zum Bewußtsein der englischen und der französischen Diplomatie gekommen ist, darüber kann kein Zweifel bestehen. Die englische Diplomatie hat zunächst versucht, die deutsch-italienische Kooperation zu schwächen. Am 3. Januar wurde das englisch-italienische Gentlemen- agreement unterzeichnet. Es sollte, nachdem die de-facto-Anerkennung der abessi- nischen Eroberung bereits vorausgegangen war, die Beziehungen zwischen den beiden Staaten normalisieren. In einigen allgemeinen Sätzen versicherten die Vertrag- j schließenden, daß die Freiheit des Mittel- .meeres ein Lebensinteresse beider Mächte sei, daß der Status quo aufrechterhalten werden soll und sie gegenseitig ihre Interessen und Rechte respektieren würden. Sie wollen ihre Anstrengungen vereinigen, um alles zu verhindern, was die guten Beziehungen stören könnte, die die gegenwärtige Erklärung konsolidieren solL Noch war die Unterschrift unter dem Papier nicht trocken, noch war die internationale Diskussion über die Bedeutung des neuen Friedensabkommens erst im Beginn, da erfuhr die englische Regierung, daß am 28. Dezember ungefähr 4000 und am 2. Januar etwa 6000 italienische Freiwillige in Cadix ans Land gegangen sind. Die Landungen setzen sich nach den offiziösen englischen Meldungen ununterbrochen fort. Es handelt sich dabei nicht nur um Italiener, sondern auch um deutsche Soldaten, in Uniform und mit allem notwendigen Material ausgerüstet. Herr Eden muß melancholisch konstatieren, was außer ihm wohl jeder gewußt hat, daß dem Gentlemen-agreement nur eines gefehlt hat: der Gentleman. Der ersten Enttäuschung über die Möglichkeit, die deutsch-italienische Kooperation mit freundlichen diplomatischen Mitteln einzuschränken, folgte die zweite auf dem Fuße. Der wachsenden Gefahr mußte die englische und französische Regierung entgegentreten. In einer Note an Deutschland und Italien verlangten sie die Einstellung der unaufhörlich vor sich gehenden Truppenentsendungen, die in dem diplomatischen Jargon noch immer als»Freiwillige« bezeichnet werden, und forderten in energischen Vorstellungen die Beschleunigung der Antworten. Als diese eintrafen, stellte es sich nicht nur heraus, daß sie dem Sinne nach gleichlautend waren, daß also das Gentlemen- agreement nicht das geringste an der italienisch- deutschen Zusammenarbeit gegen Spanien und damit gegen die Westmächte geändert hat, sondern daß diese Antworten durchaus nicht der französischenglischen Erwartung entsprachen. Sie laufen dararf hinaus, das Verlangen der Einstellung weiterer Truppensendungen zwar prinzipiell anzunehmen, aber es praktisch an unerfüllbare Bedingungen zu knüpfen. Die anderen Staaten müßten vorher jede andere Art von Intervention verhindern und nicht nur Freiwilligenentsendungen, sondern auch Geldsammlungen, moralische»Intervention« durch Aeuße- rungen in der Presse und in Versammlungen zu unterlassen und überdies die in Spanien befindlichen Freiwilligen zurückberufen. Wenn alle diese Bedingungen erfüllt wären, dann wären die faschistischen Staaten bereit, ihrerseits die Truppensendungen einzustellen. Es ist klar, daß die Antworten nur das eine Ziel verfolgen, Zeit zu gewinnen, kostbare Zeit für die bevorstehende Entscheidung, für die Schaffung eines neuen fait accompli, der vollzogenen, unwiderruflichen Tatsache. Unterdessen verschärft sich die Lage von Tag zu Tag. In Spanien kämpft der Faschismus gegen den Bolschewismus. Hitler und Mussolini können da nicht anders, als ihre weltanschauliche Pflicht erfüllen. Daß ihnen so nebenbei ein ungeheurer Machtzuwachs gegen Frankreich England zufiele, ist eben der Lohn der guten Tat. Wie ist es aber in Spanisch- Gestapo über Gese> Deutschen Allgemeinen Zeitung<< vom 20. Dezember wird festgestellt, daß vielDie» Frankfurter Zeitung« bezeichnet| fuhr Großbritanniens( um 109 Millionen RM)| ständen dürfte es schwer halten, dem fach» versucht wird, durch die Anwendung in einem Artikel» Die Idee des Vierjah- und Belgiens( um 90 Mill. RM) nicht weit Ausland einzureden, daß Deutschland aller möglichen Mittel und Kniffe den resplanes( 13. XII. 36) als dessen Zweck hinter diesem günstigen Ergebnis zurück.<< nicht einem Zustand ähnelt, den der Füh- zweifellos vorhandenen, aber ebenso notdie Ueberwindung der» besonderen Hem- Die deutsche Rohstoffnot ist also wohl rer in Nürnberg als» eine sich dem Kom- wendigen Härten der Preisverordnung ausmungen, die sich dem weiteren Auf- weniger durch die wirtschaftliche Unver- munismus nähernde Wirtschaft<< für un- zuweichen, um sich auf diese Weise die schwung der deutschen Wirtschaft in den nunft des Auslandes verursacht als durch erwünscht erklärt hat und den die Welt, wirtschaftliche Bürde, die allen beteiligten Weg stellen. Man sollte meinen, daß es der die Vergeudung von Rohstoffen und Roh- auf deren Wohlwollen es der deutschen Kreisen nun einmal durch die Verordnung > Tatkraft<< des nationalsozialistischen Re- stoffdevisen zugunsten der Aufrüstung. Außenpolitik ankommt, im Sinne hat, auferlegt wird, zu erleichtern<. Dieser gimes im Laufe von vier Jahren gelungen Bolschewismus mit umgewenn vom Bolschewismus die Rede ist. oder jener Kaufmann oder Fabrikant verkehrtem Vorzeichen ' sein müsse, alle Hemmungen zu überwinden, anstatt neue heraufzubeschwören. Aber Göring hat in seiner vor den Führern der Wirtschaft gehaltenen Rede die Ursache dieser Hemmungen mit herzerfrischender Einfachheit gekennzeichnet. Er sagte, daß die mächtigen Fabriken, die auf Grund des Planes entstehen sollen, ebenso wie sie Mahnmale des deutschen Lebenswillens seien, für andere Nationen ein Mahnmal ihrer wirtschaftlichen Unvernunft darstellten. Der Vierjahresplan soll darnach nicht nur Deutschland von der ausländischen Zufuhr, sondern gleichzeitig auch die außerdeutsche Welt von ihrer wirtschaftlichen Unvernunft befreien. Wediger bemerkt dazu die Frankfurter Ze tunge > Diese weltzugewandte, austauschwillige, wettbewerbsfreudige Grundhaltung, die das Die Frankfurter Zeitung schrieb am 24. Dezember: Diese Frage, wirft den Die»> Staatskonjunktura hat schaffe sich Vorteile auf Kosten der Konversagt » Die um • von G. A. F. >> Die deutsche Stapelfaser ist teurer als die ausländische, sie ist doppelt so teuer wie Baumwolle und in ihren besten Qualitäten annähernd ebenso teuer wie Wolle. Synthetischer Benzin ist um mehrere hundert Prozent teurer als das importierte Mineralprodukt, synthetischer Gummi ko stet vier- bis fünfmal so viel wie natürlicher. Deutsche Schafwolle hat garantierte Preise, die ein Vierfaches des Weltmarktpreises ausmachen, Flachs hat den doppelten Weltmarktpreis. Nahrungsstoffe sind außerordentlich teuer. Weizen und Roggen haben das Dreifache des Weltmarktpreises, Butter das Doppelte. Einige Fleischsorten sind um 60 Prozent teurer, der Zucker kostet viermal so viel wie auf dem Weltmarkt. Vegetabilien dagegen sind zu vernünftigen Preisen zu haben und manche Saisonprodukte sind besonders billig. sumenten, insbesondere durch eine Veränderung der Qualität der Ware. In einIn einer Betrachtung über das Wirt- zelnen Fällen sei plötzlich die bisher >> Führt uns der Vierjahresplan nicht ker- schaftsjahr 1936 will die> Frankfurter übliche Qualität oder das bisher geführte zengerade in die Planwirtschaft hinein? Zeitung« ze'gen, in welchem Maße die Sortiment nicht mehr greifbar, aber etwas die vielen Menschen auf den Staatskonjunktur bereits die private Ini- besseres, das freilich eine Kleinigkeit mehr kostet<<. Ein anderes Mittel ist, Lippen schwebt, scheint auf den ersten Blick tiative mitgerissen habe. Sie schreibt: die Jahre hindurch nicht grundlos zu sein. Ueberwachung und Bruttoinvestitionen der Industrie Sonderleistungen, Verteilung von Rohstoffen, Beschränkungen schätzt das Statistische Reichsamt auf etwa ohne Berechnung geblieben sind, zu bedes Produzenten und Verbrauchers, Geneh- 2 Mdn. gegen 1,5 Mdn. 1935 und 0,95 1934. rechnen oder sie einzustellen. Das sind migungszwang, Anzeigenpflicht und Listen- Mit dieser Zunahme hätte die industrielle relativ harmlose Fälle; sie betreffen meist wo» Ausweichen<< unsystem sind sie nicht untrügliche Vor- Investition den 1929 aufgewendeten Betrag den Einzelhandel, boten, wenn nicht schon deutliche Symptome erreicht und bliebe nur um etwa 600 Mill. schwer feststellbar ist. Es gibt aber in einer Entwicklung, vor der alle Freunde von unter dem letzten Höchststande von 1928.<< der Industrie Ausweichmittel kräftigeren Freiheit und Persönlichkeit, alle Gegner des Nach dem Institut für Konjunktur- Kalibers, z. B. Heeres- Lieferungen durch Hetzarbeit verniger deutlich, aber dafür um so tiefgrun- Bolschewismus, alle Anhänger der abendlän- forschung, also der gleichen Amtsstelle, schlechter und dischen Kultur mit gutem Grunde zurück- Wochenbericht 1932, Nr. 23, betrugen die schlechterter Qualität bei erprobten Meschaudern?< Investitionen der Industrie 1928 2820 Mil- thoden, den amtlichen Kontrollorganen oder sie sogar persönlich lionen Mark. Das Jahr 1936 war dahinter auszuweichen In der Tat wäre es ein peinlicher zu er weichen. Solche Dinge darf die Gegenteil einer resignierenden und im Grunde Widerspruch, die Aufrüstung mit dem also nicht um 600 Mill., sondern " genommen unsportlichen Verzichtpolitik be- selbst übernommenen Amt des Schützers mehr als 800 Mill. zurückgeblieben,» Deutsche Allgemeine Zeitung« nicht mitDas wäre noch heldenhafter, als das ist fast ein Drittel. Es ist aber im teilen. deutet, indem sie ideologisch den Weg in der Kultur vor dem Bolschewismus vor zweiten und dritten Jahr des Dritten sich» Der deutsche Volkswirt< die deuteine bessere Welt offenhält, kann praktisch der Welt zu rechtfertigen und gleichzeitig noch einmal ebenso bedeutungsvoll werden, selbst einen Bolschewismus Reiches nicht mehr Kapital in die Industrie schen Unternehmer vorstellt! mit umgewie sie schon rein als ideengeschichtliches kehrten Vorzeichen ins Werk zu setzen. gesteckt worden, als allein im Jahre 1925, das noch unter der Einwirkung der unFaktum auf alle Fälle in der ganzen Welt Die» Frankfurter Zeitung<< mittelbaren Inflationsfolgen gestanden Das Land der Ueberpreise bemerkt zu werden verdient.< >> Sowjets< vor,>> die Wirtschaft statt Daß der Vierjahresplan ideologisch den durch lebendige Menschen und ihre Ideen hatte. 1934 und 1935 wurden von der Industrie investiert 2450 Mill., 1925 2415. Vierjahresplan in englischer Beleuchtung. Weg in eine bessere Welt offenhält, mag und Initiativen durch einen Stapel von Der Manchester Guardian< veröffentlicht sein, aber die Frage ist eben, ob er auch Verordnungen, Formularen und anderen Aber im dritten Hitlerjahr ist nur wenig mehr investiert worden als selbst im Kri- einige Aufsätze seines Berliner Korrespondenpraktisch dahin führt und nicht etwa ins Sorten gedrucktem Papier in Gang zu Verderben. Daß oder der Plan des Führers halten gar fortzubewegen<. Der senjahr 1924, wo für 1400 Mill. Neu- und ten über den Vierjahresplan. Darin wird u. a. in der ganzen Welt bemerkt zu werden zweite Vierjahresplan sei» ebenso wie der Ersatzanlagen errichtet worden sind. Das berichtet: verdient, ist dagegen ganz sicher. Er erste ganz etwas anderes als der Fünf- ist zum Teil die Folge davon, daß die verdient es nicht nur, von der ganzen jahresplan der Sowjets, die Pjatiletka«. Industrie mit einem Uebermaß stilliegenWelt bemerkt zu werden, sondern wird Er sei keine Planwirtschaft, sondern» die der Anlagen ins Dritte Reich gelangt ist. auch von der ganzen Welt bemerkt. Um Ueberwindung der Planwirt. Aber allein die Ersatzinvestitionen betruso mehr, als Görings Kennzeichnung des schaft, von der Adolf Hitler erklärt gen im halben Krisenjahr 1930 1700 Mill., Vierjahresplanes als Mahnmal eine offene hat, daß ihr nur zu leicht die Verbüro- also fast soviel wie 1934 und 1935. insgeBedrohung darstellt und die Bekundung krat sierung und damit die Erstickung der samt investiert wurde. Es waren also des Willens, die Lieferung von Rohstoffen, ewig schöpferischen Einzelinitiative folgt<<. Sogar notwendige Reparaturen vernachlässigt worden. Dabei ist zu berücksichtidie die Welt nicht ohne Bezahlung hergeben In Wirklichkeit scheint es doch nicht daß die industriellen Investitionen im gen, will, von ihr durch Boykott zu erzwin- ganz gelungen zu sein, die Verbürokrati- Dritten Reich eigentlich staatliche Invegen. Um diese Bedrohung vor der Welt sierung zu vermeiden. Es scheint vielstitionen sind, weil sie überwiegend auf mit dem Schein des Rechts zu umkleiden mehr, daß jedes der vielen Aemter, die Staatsaufträgen oder auf staatlicher Vordeutschen Volke bei es im Dritten Reich gibt, sich als eigener schrift beruhen und direkt oder indirekt und zugleich dem steigenden physischen Entbehrungen das Staat im absoluten Staat auftut und das vom Staat bezahlt werden. Es bleibt seelische Durchhalten zu er- Bestreben hat, seine Daseinsberechtigung also ein nur winziger Rest leichtern, wird wird eine Dolchstoẞ- durch allseitiges Dazwischenfunken zu » privater Initiatives. Es legende fabriziert und der deutsche erweisen. Schachts» Deutscher Volkswirt<< aber nicht das ursprüngliche Ziel der Boykott ausländischer Waren als die Fol-( 24. XII. 36) schildert einen fast unglaub- Staatskonjunktur, die privaten Aufträge gen des Boykotts deutscher Waren im lichen Fall bürokratischen M'Bbrauchs. zu ersetzen, sondern sie anzuregen. Die Auslande hingestellt. So hat der Staats- Handelte es sich um einen Einzelfall und Unternehmer hatten also dem Führer die sekretär Baacke erklärt, daß der Vierjah- nicht um einen Zustand, dann würde auch Gefolgschaft versagt. Die Ueberleiresplan nicht einer autarkischen Ideologie Schachts Organ die Flucht in die Veröftung der Staats konjunktur in entspringe, sondern nur als die Folge der fentlichung nicht riskieren. Eine Schwarz- eine echte Konjunktur ist miß- gebnis, daß sich deutliche Zeichen einer herAutarkie anderer Länder zu verstehen sei. wälder Uhrenfabrik wurde» im Laufe kur- lungen. Das ist der Grund, warum jetzt aufziehenden Inflation Autarkische Tendenzen gibt es auch außer- zer Zeit von nicht weniger als sechs Stel- mit dem Vierjahresplan fast völlig der Schacht hat versagt- darum jetzt der Schrei halb Deutschlands. Aber war nicht das len einer Nachprüfung unterzogen«<,> nämprivate Auftrag durch den staatlichen Be- nach Kolonien. allerdings nicht erreichte Ziel des ersten lich von der Arbeitsfront, von der zustän- fehl und die private Kapitalanlage durch Vierjahresplanes nächst der Beseitigung digen Parteidienststelle, vom Finanzamt, die mittelbare und unmittelbare Finanzieder Arbeitslosigkeit die» Ernährung des vom. Wirtschaftsministerium, von der rung mit öffentlichen Mitteln ersetzt werdeutschen Volkes Die» NS- Gemeinde< Heft 1, 1937, aus eigener Scholle> findet sich in dem tungsabteilung Fürsorge übernommen werunbesehen und grundsätzlich die erste nem Schuldendienst usw. nicht nachkom- Schachts Organ, Stelle belassen<< werden. Es ist also die men könne. Dieser Kern legt die Vermu- Willen zur Niedrighaltung aller Kosten- den. Gegen eine Betreuung der Jugend durch deutsche Regierung selbst, die die Aus- tung nahe, daß es privatinteressierte faktoren, soweit der Staat darauf Einfluß die Jugend wäre prinzipiell natürlich nichts fuhr hemmt, wenn durch sie die Rohstoff- Kreise waren, die das Vorgehen veran- n'mmt; also der Löhne, aber auch der einzuwenden. Aber wer die Zustände in der beschaffung für die Aufrüstung gefährdet laßten. Die Nachprüfungen haben die Steuern«. Jedenfalls stehen die Löhne un- HJ kennt, der weiß, daß von einer Betreuwird. Die Ausfuhr wie alle anderen wirt- Grundlosigkeit aller Anklagen festge- ter den Kostenfaktoren an erster Stelle. ung, von einem Schutz etwa vor Ausbeuschaftlichen Zwecke müssen hinter dem stellt.< Es gab also außer den sechs Die Löhne sind bekanntlich> stabil« gehal- tung oder moralischer Gefährdung der Kriegsvorbereitung zurücktreten. Wie Dienststellen eine siebente, den Denun- ten worden, es gibt aber auch Kostenfak- in diesem Falle keine Rede sein kann. Die verträgt es sich auch, mit der Legende zianten, der die Denunziation als Mittel toren, die nicht stabil bleiben werden, z. von uns zitierte Zeitschrift spricht ja auch von der Autarkie des Auslandes, daß nach im Konkurrenzkampf verwendet. Es sei, B. die infolge des Ersatzes der ausländi- wohlweislich nicht von Betreuung, sondern der Feststellung der amtlichen Statistik sagt der» Volkswirt<<, damit nichts gegen schen durch heimische und künstliche ver- von> Kontrolle. Kontrolle gerade zur Zeit der Verkündung des Vier- die Ueberwachung als solche, sondern nur teuerten Rohstoffe. Aber davon ist nicht det politische Kontrolle. Kinder, die den jahresplanes Europa für deutsche Waren gegen ihren Mißbrauch gesagt. Diese Art die Rede, weil eben die Kosten des Vier- Arm nicht oft genug hochreißen, Kinder und relativ aufnahmewilliger war als für die des Mißbrauches ist aber nur möglich, wo jahresplanes durch Verelendung der Mas- Halbwüchsige, die verdächtig sind, außerhalb Waren eines anderen Landes! In einer an Stelle des Rechtsverfahrens die Willkür sen aufgebracht werden sollen. Nur an die der Hitlerjugend eigene Gruppen zu bilden Untersuchung» Der Welthandel im 3. Vier- der Amtswalter getreten ist und an die Arbeiter und Angestellten werden wirt- oder mit katholischen Verbänden Fühlung zu die schaftliche Ansprüche, an die Unter- halten, Söhne und Töchter von Neinsagern teljahr 1936«,» Wirtschaft und Statistik«<, Stelle die moralischen gestellt. die werden kontrolliert und denunziert wer1. Dezember- Heft, heißt es bei einem Ver- Denunziation. Nun wird mit dem Vier- nehmer den. Sogar> hauptamtliches, d. h. be gleich des Außenhandels vom 3. Viertel- jahresplan die Gesamtwirtschaft in den Wörtlich sieht das so aus: kommandierten vom Staat jahr 1936 mit dem des Jahres vorher: > Die moralische Unterstützung findet sie zahlte Herumstreifer wurden zu diesem des wirtschaftlichen Zwecke ernannt, denn jeder Scherge, jeder > In der Ausfuhr verzeichnet Deutschland außerwirtschaftlichen Zieles gestellt, das in der Anerkennung die größte Wertsteigerung( um 116 Millionen notfalls mit drakonischen Mitteln durch- Menschen, des Unternehmers als einer Natur, Denunziant, sei er noch so jung, ist im DritRM); doch bleibt auch die Belebung der Aus- gesetzt werden soll. Unter diesen Um- die in einer auf das Heldische gerichteten ten Reiche seines Lohnes wert. der Dienst eines öffentlichen Diskussion den soll. Das» Heldische« in der Praxis Im» Deutschen Volkswirt« wird war Der Druck der hohen Preise auf die niedrigen Löhne und Gehälter, wie sie in Deutschland gezahlt werden, ist entsprechend stark, und da die Tendenz immer noch nach oben geht, ist die Aufgabe des Preiskommissars keineswegs beneidenswert.< Der Berichterstatter kommt zu dem Er-bemerkbar machen. So erzieht man Spitzel um HJ Angehörige Zum Streifendienst die von der Verwaldas bedeu Nr. 188 BEILAGE Neuer Vorwärts Spanische Eindrücke stentasche zu kennen. Wem es nicht auf ankommt, gesteht lieber seine Ohnmacht, von einfache >> bolschewistische Chaos«. Dieser PropaZwischen heute und morgen gandaschlager umschließt eine doppelte nie etwas weggekommen. 17. Januar 1937 ( Von einem besonderen Berichterstatter.) Madrid, Anfang Januar 1937.| Zeit lang allerdings wurden die Tunnel der| Mischung von Gewohnheit und Provisorien, Ein Kampf von einer Dauer und HeftigWer sechs Wochen in einem fremden Untergrundbahn von den obdachlos Ge- die das Wirtschaftsleben in Gang hält. keit wie der jetzige kann unmöglich daLande weilt, ohne seine Sprache zu be- wordenen und von solchen, deren Behau- Der Kapitalismus ist nicht formell abge- mit enden, daß man sich mit dem besieg herrschen, ohne die Verhältnisse aus eige- sungen besonders exponiert lagen, als Not- schafft, aber in seinen wichtigsten Funk-| ten Gegner, in welcher Form auch, je wieAuch das hat aufge- tionen abgestorben oder im Absterben be- der an einen Tisch setzt. Er kann ebenso ner Anschauung zu kennen, die der jet- quartier benutzt. hört, man hat die Menschen in anderen griffen. Eine neue sozialistische Wirt- wenig damit enden, daß man den Juan zigen Umwälzung vorangingen, der wird ähnlichen Industrierittern je Städten des Landes untergebracht. Wenn schaftsordnung ist kaum in den Anfängen March und nur mit aller Bescheidenheit von seinen Eindrücken sprechen. Eine gewisse Sorte man aus nächster Nähe erlebt, wie das vorhanden. Was da ist, ähnelt viel mehr wieder die Möglichkeit gibt, ihr Geld als Leben der Millionenstadt im Feuerbereich dem auch aus der Weltkriegszeit bekann- Waffe gegen die Freiheit des Volkes zu Allerweltsreporter mag ihren Lesern vorflunkern, das Land, in das sie eben die seinen Gang geht, so staunt man über den ten» Kriegssozialismus«< als dem echten. verwenden. Man kann auch nicht die sofortsetzen, wo sie die Nase gesteckt haben, wie die eigene We- stoischen Heroismus dieser Bevölkerung. Man darf eben nicht vergessen, daß hier ziale Reform da Auch von Mord und Totschlag ist keine Krieg ist; und solange er ist, gehen seine bürgerliche Regierung bei Ausbruch der allen andern vor. Aber Generalsrevolte liegen gelassen hatte: Sensationen, sondern auf Zusammenhänge Rede. Dabei liegen die Straßen Madrids Anforderungen Sonnenuntergang ab in völligem jedenfalls ist für die Gegenwart gesorgt, diese Reform war gehemmt und sabotiert die schließlich und es gehört zu den Vorzügen wie zu den worden von den Leuten, in so knappem Ze'traum ein abschließen- Dunkel. Der einzige Mord und Totschlag, Schwächen des Südländers, solange es im die Waffen zur Rettung ihrer veralteten des Urteil zu gewinnen, als daß er sich den ich selbst mit erlebt habe und zwar Die soziale den Anschein der Sachkunde über Dinge gründlich war der Mord an der wehr- Augenblick geht, sich über das Morgen Privilegien ergriffen haben. gibt, die ein viel eingehenderes Studium losen Zivilbevölkerung der Arbeitervor- nicht allzu heftig den Kopf zu zerbrechen. Umwälzung hat begonnen, herbeigeführt erfordern, als es mir aus mancherlei Ur- stadt Tetuan, verübt von Francos deutsch- Natürlich erweist sich in diesem Zusam- von denen, die einen sehr gemäßigten sosachen möglich war. italienischen Fliegergeschwadern. Wie Kar- menhang die wirtschaftliche Zurückgeblie- zialen Fortschritt für unerträglich hielAber es gibt doch gewisse tenhäuser sind die leichtgebauten Arbei- benheit des Landes, die relativ einfache ten. Gewichtige Etappen vollziehen sich, Dinge, in denen man als geübter Beob- terwohnstätten eingestürzt und haben viel- Struktur seines Wirtschaftsorganismus als sind bereits vollzogen. Die Enteignungsein Vorteil: die Bevölkerung ist nur in frage, theoretisch ungeklärt, hat prakfach ihre gesamte Bewohnerschaft unter achter Zeugnis ablegen kann. Man kann sich z. B. mit Bestimmtheit äußern über sich begraben. Sonst geht es hier sehr sehr wenigen Gegenden dicht, dazu über- tisch in einer wirtschaftlich entscheidendas, was die deutsche Propaganda aus ruhig und gesittet zu. Ich habe während wiegend mit Landwirtschaft beschäftigt; den Zahl von Fällen ihre Erledigung gedas Ernährungsproblem wird überdies funden: durch die Enteignung der Rebeldem neuen Spanien macht: das angebliche hier, in Valencia, in Alicante usw. der ganzen Zeit meines Aufenthaltes erleichtert durch die russischen Lebens- len und ihrer Helfershelfer, die im wenie mittelzufuhren. sentlichen mit der Wirtschaftsschicht der me'n Zimmer abgeschlossen; es ist mir Durch die Volksbewaffnung ist der Ein- Großkapitalisten zusammenfallen. DageUnwahrheit: es herrscht in Spanien( wofluß der Arbeiterklasse natürlich gewal- gen hat das in Spanien sehr zahlreiche mit hier immer der in den Händen der Gewiß, ein Gegner, der in jeder von tig gestiegen, sie stellt in den Großstäd- Kleinbürgertum noch ziemliche Chance, Regierung befindliche, weit volksreichere ihm eingenommenen Stadt alles an die ten den Kern der Milizen. sich zu erhalten. Was da entstehen wird, Teil des Landes gemeint ist), weder Bol- Wand stellt, was nur irgendwie sozialiDennoch kann man von einer» Dikta- kann eine Mischform aus Kapitalismus schewismus noch Chaos. Ich will mich stischer Gesinnung verdächtig ist, kann tur des Proletariats« m. E. nicht reden; und Sozialismus, es kann ein reiner Sofreilich nicht dafür verbürgen, daß nicht nicht mit Samthandschuhen angefaßt wer- von der Diktatur einer Partei im Sinne der zialismus, es kann ein Staatssozialismus das eine oder andere einmal künftig ein- den. Aber ich habe nicht einmal nach leninistischen Doktrin schon gar nicht. werden; bei der Entscheidung dieser treten könnte; dann aber werden zweifel- dem schweren Fliegerbombardement vom Das Bürgertum, soweit es sich zur Repu- Fragen darf der starke anarchistische los die stärksten Schrittmacher dafür die 16. Dezember den Versuch einer sponta- blik und zu freiheitlichen Ideen bekennt, Einschlag im Proletariat nicht übersehen faschistischen und nazistischen Interven- nen Rachehandlung erlebt. Verrat, Deser- ist nicht ausgeschaltet oder unterdrückt; werden. Jedenfalls ist eins bei einem tionisten gewesen sein. Denn sie sind es, tation u. dgl. werden von Gerichten abge- es hat seine Parteien wie seine Presse. Im Siege der Republik über den Faschismus die den Krieg verlängern und verschärfen; urteilt. Ihre Verhandlungen sind keine Proletariat stehen sich die marxistische unmöglich: eine Rückkehr zum reinen oder das heißt, sie liefern die Voraussetzungen bloße Formalität: heute z. B. lese ich in und die anarchistische Auffassung gegen- auch nur überwiegenden Kapitalismus. für Folgen, die sie zu bekämpfen vorge- einem Bericht, daß von drei Angeklagten über; der Gegensatz zwischen beiden ist Je länger und härter der Krieg, um in der gleichen Sache einer freigespro- ausgeprägter als innerhalb des Marxis- so mehr muß die Neigung zu extremen Von einem Chaos kann in Spanien nach chen, einer zu Freiheitsstrafe und einer mus, der zwischen Sozialisten und Kom- Lösungen und meinen Beobachtungen keine Rede sein. zum Tode verurteilt worden ist. Anklage munisten. Die Annäherung zwischen die- diktatorialen Staatsform und Todesurteil sind also keineswegs mit- sen beiden scheint mir aus der Situation diesen Ausgang vermeiden will, der hätte Natürlich bleibt ein lang dauernder einander identisch. durchaus erklärlich: die jetzige Gestalt des allen Anlaß, den faschistischen IntervenKrieg nicht ohne wirtschaftliche Folgen für das Land, das ihn führt und hier So wenig von einem Chaos die Rede Kampfes gegen den drohenden faschisti- tionisten das Handwerk zu legen. Mögen die dazu imentspringen gar beide kriegführende Par- ist, so schwer läßt sich sagen, worauf der schen Unterdrücker schreibt viele Folge- die Mächte es bedenken, Dr. X. teien dem gleichen Land. Aber im allge- Fortgang der Dinge basiert. Es ist eine rungen und Maßnahmen zwangsläufig vor. stande sind. meinen mußte ich doch in Spanien mit Ueberraschung konstatieren ich hatte nämlich bei meiner Ankunft das Deutschland der Weltkriegszeit im Kopfe- wie viel Waren hier noch in den Geschäften und zu wie relativ billigen Preisen sie existieren. ben. seband ebenso die Chance einer wachsen. Wer Dichter und Parteiparole Vor zwei Jahren wurde in Emigranten- wirkliche Dichter den Abstand zu seiner agitation, unter die kommandierte blättern die Aeußerung eines holländischen Zeit finden kann, es kommt nur auf die Parole. Typisch für die Verwüstung, die Sie stehen auch nicht nur zur Schau, Schriftstellers diskutiert, der geschrieben Weite seines Horizontes an, auf die Größe der Parteifeldwebel auf dem Gebiet der sondern werden eifrig gekauft; wobei al- hatte, es liege im Interesse der antifaschi- des Zeitgefühls, auf die Stärke der origi- Kunst anrichten kann, bleibt das Dritte lerdings die Käuferschicht gewechselt hat: stischen Literatur, wenn sie auch an die nellen Persönlichkeit. Das Manko ist auch Reich. Dort werden die Richtlinien sozuauch die eleganten Geschäfte in den Stadt- eigene Produktion dieselben kritischen nicht zu erklären durch die merkwürdige sagen von den Parteisekretariaten abgezentren haben sich z. T. auf Arbeiterkund- Maßstäbe anlege, wie an die gegnerische. Mischung von Reportage und Dichtung, die steckt: Blut und Boden, aufbauend, norschaft umgestellt; die teuren Waren ha- Das Für und Wider von damals bleibe den meisten dieser antifaschistischen Zeit- disch ausgerichtet. Neuerdings fordert die ben Mittelwaren und Massenwaren Platz heute unerörtert, aber selbst wenn man romane eigen ist. Diese neue Form schafft Reichskulturkammer, daß möglichst vier gemacht. Doch kann man sich hier z. B. der Meinung ist, die antifaschistische Lite- in jedem Fall raschen Kontakt mit dem Kinder zu sehen sein sollen, wo immer ein immer noch ganz ohne Wollstra und Vistra ratur wachse auf so schwierigem Boden, Leser von heute, und Ignacio Silone hat Maler Mutter und Kind zeigt. Feste Geund ähnliche deutsche Ersatzstoffe und, daß sie Verständnis für diese Schwierig- bewiesen, welche Kunstwerke auf dieser bote werden amtlich diktiert; die Bezirke wenn man will, recht elegant kleiden zu keiten fordern dürfe, so bleibt die Pflicht, Ebene wachsen können. Nein, die Schwäche der Demokratie, der Menschenrechte, der Preisen, die teilweise unwahrscheinlich die Spreu immer wieder vom Weizen zu besagter Versager beruht in ihrer zu Gedankenfreiheit sind durch Fußangeln niedrig anmuten( wobei allerdings eine sondern. Was die Dichtung anbelangt, so engen parteipolitischen Ge unbetretbar gemacht. Historische Vorbilder, die unseren Teutonen nahestehen, wie exakte Preisumrechnung bei den durch- darf konstatiert werden, daß der Kampf bundenheit. einandergeratenen weltvalutarischen Ver- gegen den Faschismus nicht nur eine sehr Wir sagen damit nichts gegen die der Nationalist Kleist, würden im Dritten hältnissen nicht gegeben werden kann.) starke Lyrik hervorgebracht hat, sondern schöpferische Kraft der heftigen und fana- Reich von der Schriftstellerliste gestrichen, In Madrid ist das Leben ernster und auch Romane von beträchtlichem Gewicht; tischen politischen Ueberzeugung. Revolu- wenn sie heute lebten. Denn weder ein 19. Jahrhunderts härter als an der selbst im Winter son- sie wurden von der gesamten freiheitlichen tionäre, kämpferische Gesinnung hat im Michael Kohlhaas des nenwarmen Mittelmeerküste. Aber das ist Presse einheitlich und freudig gewertet.| Gegenteil zu allen Zeiten starke Dichtung noch ein Prinz von Homburg, der dem eine Folge der strategischen Situation der Daneben gibt es gesinnungstüchtige Nie- hervorgebracht. Das braucht heute mit Führebefehl trotzt, dürften das Licht Stadt, dicht hinter der Front; den Flie- ten, an der namentlich die links radi- Namen wie Schiller oder Büchner nicht der Welt erblicken. Dieser Mangel an geigerbomben preisgegeben, zum Teil vom kale Belletristik stark beteiligt ist. Man mehr belegt zu werden. Wir sagen auch stiger Freiheit muß sich an der natürlichen Wirtschaftshinterland abge- brauchte nicht viel Worte darüber zu ver- nichts gegen das große Dogma. Man kann am Volke wie schnitten. Daß solche Verhältnisse sich lieren, wenn diese Bücher nicht eine trau- einem religiösen Glaubenssatz anhängen, bitter rächen: er knebelt wirtschaftlich auswirken, kann nur Nar- rige Fortsetzung eines sozialistischen Bru- die Welt aus diesem Gesichtswinkel sehen zerspaltet die Persönlichkeit, bedroht ihre ren verwundern; hat das aber gar derkriegs bedeuteten. Diese politische Seite und doch Gestalten auf die Beine stellen, Wurzeln, verkümmert ihren Eigenwuchs. nichts mit einem Versagen der Regierung soll unser literarisches Urteil nicht wie sie in den Romanen Handel- Manzetti Denn der schöpferischen Prozeß vollzieht oder des Systems in wirtschaftlicher Be- beirren, sondern auf die Wahrhaftigkeit oder der Sigrid Undset leben. Man kann sich im Unterbewußtsein stärker als im ziehung zu tun. Oder soll man vielleicht des Gesamtbildes kommt es an, auf die auf dem Boden sozialistisch- kommunisti- Bewußtsein, nämlich im Unbewußten, Abder rechtmäßigen spanischen Regierung Größe der Gestaltung. Aber die ist in scher Dogmen stehen und eine Stine Men- seitigen der freien Phantasie. Innere Bedie Schuld aufbürden dafür, daß Zehn- etlichen Fällen leider mehr als flüchtig schenkind mit ihrer Umwelt so hinstellen, engungen, die im Bewußtsein durch polivon tische Ueberzeugung, Zweckmäßigkeitstausende von Bewohnern Madrids evaku- und dürftig. Aus dieser polemischen Ro- daß in dieser Stine das Schicksal iert werden müssen, nachdem Francos manreihe ragt nicht eine Gestalt, die sym- Millionen einfacher Frauen ewige Gestalt erwägungen usw. übertönt werden könbolhaft in Erinnerung bliebe. Und dieses gewinnt. Das sittliche Pathos des großen nen( können!), werden ins Unterbewußte deutsche und italienische Flugzeuggedie Phantasie, den schwader die Wohnungen der Bedauerns- Manko wird besonders auffällig, wenn es Dogmas fördert die Symbolik und weist verdrängt, belasten werten häuserblockweise zerstört haben?! sich um Federn handelt, die Stärkeres er- über die Zufälligkeiten und Vergänglich- künstlerischen Geburtsvorgang. Als Georg warten ließen, weil sie schon Besseres keiten des Alltags hinaus ins Ewige, Büchner seinen Danton schuf, umschritten Tatsächlich liegen in Madrid ganze schufen. die Schildwachen des Tyrannen sein Haus, Bleibende. Straßenzüge in Asche, die einen infolge Man kann dieses Versagen namhafter Weder das Dogma noch der aus dem aber er beugte sich nicht. Seine Phantablieben ungebrochen, von Flieger-, die andern von Artilleriebe- Federn nicht allein mit>> Mangel an politischen Alltag entspringende Impuls sie, sein Denken schießung. Trotzdem herrschen selbst Distanz« erklären. Es gibt hinreichend sind dem Dichterischen gefährlich. Wohl seine Persönlichkeit unzerstört, weil er im hier keine chaotischen Zustände. Eine Beispiele, die beweisen, wie sicher der aber die Unterwerfung unter die Tages- Kampfe gegen dèn Zwang seine innere auf die Dauer gesamten Kunst die Phantasie, Freiheit behauptete. Der alte Satz, daß große Kunst nur in freier Luft oder im Kampfe für die Freiheit wächst, bedarf ebenfalls keiner Belege mehr. Weshalb im Dritten Reiche nie eine starke Dichtung entstehen kann und würde es fünfzig Jahre alt. von Die Amazonenkrankheit im Deitten Reich Eine weitere sozialhygienische Errungenschaft unter Hitler nach endemischen Ausbruch der Schipperkrankheit freilich Was künstlerisch der braunen Wie soll man es anders bezeichnen, als Verknechtung gilt, das gilt von jeder, das eben mit dem Namen Amazonenkrankgilt auch vom offiziösen kommunistischen heit, wenn jetzt die populär- wissenschaftKonformismus. Der heilige Zorn gegen liche reichsdeutsche Umschau< die faschistische Despotie kann gewaltige unter Berufung auf Lehmanns> Münchener Dichtung von bleibender Symbolik her- Medizinische Wochenschrift, also sicherlich vorbringen und würde sie mitten in der nicht auf eine» Greuel<-Quelle über folgenSchlacht geschrieben; er kann es nicht, de Sorgen im Bereich der hitlerdeutscher wenn er die Zwirnsfäden politischer Ta- Sozialhygiene berichtet: gesparolen zu beachten hat. Daran krankt die antifaschistische Belletristik kommunistischer Federn. Trotzdem die Mitschuld der Kommunisten am Untergange der deutschen Freiheit durch objektive Feststellungen längst ebenso erhärtet wurde, wie durch die Wandlungen der kommunistischen Taktik, ist ihren Literaten zudiktiert, die Sozialdemokratie nach dem Klischee für den täglichen Agitationsgebrauch als Sündenbock für möglichst alle Uebel hinzustellen. Dialoge, Episoden, persönliche Schicksale müssen in diese Richtung gedreht werden. Das geht so weit, daß der jüngste Roman von Oskar Maria Graf dieselbe Sozialpolitik des demokratischen Deutschland verhöhnt, die er im» roten Wien< lobenswert findet. Das Schema für den linientreuen Roman triumphiert. An ihm ist auch Anna Seghers gescheitert. Sie, die mehrfach bewies, daß sie eine beachtliche Dichterin ist, lieferte in ihrem Roman von der österreichischen Februarrevolution ein trauriges Zerrbild, ein ebenso ungestaltetes, unge- Bonzen vor der Wahrheit, der Zukunft ,, Alkoholgenusses, konntes Fragment, wie O. M. Graf. Man der Wirklichkeit und dem wirklichen Lohntagen, hat. auch in der letzten Zeit braucht sich nur vorzustellen, daß diesel- Menschen gibts in dieser Totalität nur ein- nicht nachgelassen. Immer wieder sieht man der Einlagenzuwachs bei den deutschen Sparben Federn, die gestern noch den oder mal. Und das mit Recht. Die braune die Auswirkungen des Alkoholgenusses an kassen und Banken, einschließlich der Zinsjenen kommunistischen Führer preisen Lüge ist so umfassend, so alle wirklichen Lohntagen zum großen Teil auf öffentlichen und sonstigen Gutschriften, 690.1 Million RM durften, ihn schon morgen nicht mehr nen- Werte verleugnend, so geistfeindlich, daß Straßen in wenig schöner Form. Manche nen dürfen, wenn es die Parteiparole for- dieses System selbst vor dem zwischen den Straftat, wenn auch meist weniger folgen hatte der Einlagenzuwachs 916.2 Millionen dert, um die ganze Enge zu erkennen, in Zeilen einer Kunstbetrachtung schwingen- schwer, wird begangen. Auch die Zahl oder 7.4 Prozent betragen. der hier Talente erstickt werden. Das den Geist bangen muß. Vorrecht des Dichters zur UngerechtigIn dieser Hinsicht steht Sowjetrußland Verkehrsunfälle unter dem Einfluß keit wird zum Fluch, wenn es auf Kom- fester, weil seine sozialen Leistungen mit des Alkohols ist groß. Dem unwürmando geübt und zur trivialsten Selbst- seiner Ideologie erheblich weniger in Wi- digen Zustand muß im öffentlichen In- lich zurückgegangen. In den Großstädten entgerechtigkeit wird. Die Persönlichkeit des derspruch geraten, als die braune Dem- teresse, aber auch in dem der einzelnen fielen auf 10.000 Einwohner in den ersten eif Schöpferischen zerbricht an der auswechagogie mit ihren Versprechungen von ehe- Volksgenossen unbedingt ein Ende bereitet Monaten 1934 12.5, in der gleichen Zeit 1936 selbaren Tagesparole. Die Flügel der dem. Die kommunistischen Literaten dürf- werden. " Phantasie werden beschnitten, der Flug ten sich heute gestatten, der historischen aber nur 9.9 Eheschließungen. Durch den übermäßigen Alkoholgenuẞ erhebt sich kaum über die Sumpfperspek- Wahrheit ohne Scheuklappen zu dienen, werden oft kinderreiche Familien und nur in die Größe der sozialistischen Weltanschau- in bitterste Not gebracht. Nicht diesem gilt Freiligraths viel umstritung verlangt es geradezu. Aber solange selten leiden die Familien Hunger und die tenes Wort:» Der Dichter steht auf einer sie ihre Persönlichkeit von der Tages- Behörden oder die NSV müssen helfen.<< höheren Warte als auf den Zinnen der parole verbiegen, von der momentanen Deutsche Zeitungsmeldung vom 8. I. 37. Partei.< » Linie< bestimmen lassen, werden sie Nieten oder bestenfalls Mittelmäßiges produLande, blieben also in den gewohnten Ver-| des Arbeitsdienstlagers und des Landjahres hältnissen, Grund zur Beunruhi- etwas weniger harmlos erklären: Im> Lager< gung besteht nicht.(!) Sehen doch herrscht immer noch ein gewisses normiertes die Mädchen dabei blühend aus, fühlen sich wohl und entwickeln sich ausgezeichnet. Ernährungs minimum vor; das geht Außerdem konnte durch eine Reihe von selbst unter einer Hitlerei nichts anders. Im Nachuntersuchungen bewiesen werden, daß> Landjahre aber sind die Delinquentinnen des nach Rückkehr in die alten Verhältnisse in Menschenverschleißes der totalen Kriegswirtallen Fällen die Periode wieder völlig normal war.< schaft kontrollos der Habsucht und dem Es hieße der unsäglich dummen Beschöni- Egoismus, der durch den> deutschen Sozialis> In den Lagern des weiblichen Landdienmus« privilegierten Großbauern überlassen. stes konnte man die auffallende Beobach- gung des Phänomens durch die sogenannten Daß es sich um eine typische Untertung machen, daß bei dem größten Teil der Fachleute zu viel Ehre antun, wollte man ernährungs- und Entkräftungsjungen Mädchen die Periode ausbleibt, und gegen ihren amtlich vorgeschriebenen Flüsterhandelt, würzwar für die meisten während der ganzen optimismus ausführlich polemisieren. Rund erscheinung hier Dauer des Landjahres. Kurt Nordmayer und Klara Howe haben nun vergleichende um den Genfer See gibt es eine Menge deut- de unter anderen Gegebenheiten zensurhafter Untersuchungen über das Verhalten der scher Pensionate, allerdings nur für» höhere Art, als sie Hitlerdeutschland bietet, der Facharzt ganz sicher feststellen. Menstruation in den Lagern des Arbeits- Töchter<. Die» klimatischen Veränderungen<< dienstes und in dem Landdienst durchge- die hier die gut gepflegten und gut genährten Die Amazonenkrankheit kann man jetzt führt, die sie in der» Münchener Medizini Insassinnen im Verhältnis zu den Gegeben- in eine stolze Reihe neben die>> Schipperschen Wochenschrift<( Nr. 42) berichten. Sie konnten feststellen, daß beim Ar- heiten etwa in Hamburg oder Hoyerswerda krankheit« stellen, die ja auch nur im Dritten beitsdienst bei 39.5 Prozent, in Kauf zu nehmen haben, sind sicherlich viel Reich als Epidemie auftritt. Sie befällt den beim Landjahr dagegen bei 64.9 größer, als wenn durch die nationalsozialisti- männlichen Teil des Menschenmaterials in Prozent der Mädchen die Periosche Partei erwerbslose junge Arbeiterinnen der Kriegsvorbereitungsschlacht, die aus allen de ausblieb. Die Hauptursache für diese Erscheinung sehen die Untersucher der Großstadt in der umliegenden» Provinz Erwerbsschichten zusammengekratzten Kulis nicht in der eigentlichen Arbeit, sondern als kostenlose Arbeitskraft bei Gutsherren, der Reichsautostraßenbauten, die zwar nicht in der Versetzung in eine andere Umgebung, die auf Grund ihrer Hitlergesinnung darauf der deutsche Verkehr und die deutsche Wirtvor allem in ganz andere klimatische Ver- Anspruch haben, verdingt werden. Von sol- schaft, wohl aber das Aufmarschinteresse der hältnisse. Dadurch soll auch der große Unterschied bei den Landjahr- und Arbeits- cher Amazonenkrankheit> höherer« Pensions- Generalstabspläne verlangt. Die Amazonendienstmädeln zu erklären sein; denn wäh- töchter in endemisch- neunundsechzig prozen- krankheit an der>> weiblichen< Heimatfront rend die Landjahrsmädeln alle aus der tigem Grad aber hat man nie etwas gehört! ist nur ihr entsprechendes Pendant. Das in Großstadt stammten, also alle in eine un- Es ist auch jedem Unbefangenen klar, woher einem Lande, dessen Sozialhygiene einmal gewohnte Umgebung kamen, stammten die des Arbeitsdienstes zum großen Teil vom sich die Unterschiede im Verhältnis der Opfer als Muster für die Welt galt! tive. In diesem Sinne zieren wie bisher. Und Schnaps K. R. insbesondere an der strafbaren Handlungen und Hunger... Deutsche Kurzberichte In den ersten zehn Monaten 1936 betrug oder 5.1 Prozent. In der gleichen Zeit 1934 Die Zahl der Eheschließungen ist im vergangenen Jahre in Deutschland sehr erhebDer Wechselbestand bei der Reichsbank betrug Ende 1936 10 Milliarden RM gegen nur 8 Milliarden Ende 1935. Die Jahresförderung der Ruhrkohlenzechen betrug 1913 114.2 Millionen Tonnen. Im Jahre 1929 erreichte sie die Höhe von 123.6 Millio>> In letzter Zeit mehren sich die nen Tonnen. 1936 haben die Kohlenzechen des Vorfälle, bei denen Personen von Stra- Ruhrgebiets nur 107.2 Millionen Tonnen Kohle Wir wollen damit die Enge der braunen Geistestätigkeit nicht mit der kommunistischen gleichsetzen. Das sozialistisch- kommunistische Dogma umfaßt neue Welten, kommende Welten, ist mit>> Der Polizeipräsident in Elbing( Ost- Benpassanten in verschiedenen gefördert und bleiben damit noch erheblich den leeren Phrasen des Dritten Reiches preußen) veröffentlicht eine Mitteilung über Stadtteilen hilflos aufgefunden hinter der Jahresleistung des Jahres 1929 nicht zu vergleichen. Darum bestehen auch die zunächst auf ein Jahr vorgesehene Ein- werden. Heute in den frühen Morgen- zurück. Die Kokserzeugung blieb mit 27.3 in Rußland mehr Möglichkeiten literari- schränkung des Alkoholausschankes am Frei- stunden wurde aus dem gleichen Anlaß ein Millionen Tonnen im Jahre 1936 um rund 7 scher Entwicklung und Kritik als in Hit- tag, in der es u. a. heißt: Unfallwagen nach dem Polizeirevier 5 erbe- Millionen Tonnen hinter der des Jahres 1929 Preuß. Ztg. Nr. 6. zurück. ler- Deutschland. Die Angst der braunen Das Ansteigen übermäßigen ten...< Wenn ihr am Leben bleibt.. > Ich blicke zu Heine in tiefster, bescheidenster Verehrung auf.< Börries von Münchhausen 1924. » Ich nenne Heinrich Heine einen Schweinehund.<< Börries von Münchhausen 1936. Und wenn ihr nun am Leben bleibt was dann? Wie wollt ihr eure Seelen gerade biegen, die jetzt zerbeult im Abfallkübel liegen und drauf ein jeder Lausbub trommeln kann? es das Dritte Reich hat ihn zum Märtyrer| view in die dänische Presse, nach welchem terabende zu wünschen übrig lassen.> Mehr gemacht, zum Symbol aller, die für Frieden Ossietzky seine Gesinnung preisgegeben habe. Andacht!< fordert die> Preußische Zeiund Menschlichkeit gemartert werden. Zwei Erst als die große Friedensprämie auf ihn tunge.» Dabei ist Andacht schon ein erhobeseiner früheren Mitarbeiter, Kurt Singer entfällt und weitere Verfälschungen unmög- ner Zustand, eine Aufgeschlossenheit der und Felix Burger, haben ein Buch heraus- lich werden, stellt sich durch Ossietzkys Er- Seele, ein Bereitsein. Meist finden wir nur gegeben, in dem sein Leben und Wirken ge- klärungen vor aller Welt die Fälschung her- spröde Aufmerksamkeit...< schildert wird( Carl von Ossietzky, aus. Die Deutsche Wochenschau sucht dieses Europa- Verlag, Zürich). Einer derer, die ihn Man hat den preisgekrönten Märtyrer des Erlahmen zu erklären: Zuviel Feiern, zugut kannten, nämlich Arnold Zweig, hat ihn Friedens nicht nach Oslo reisen lassen und viel» Hofdichtereis. Kein Gesetz mache sich einen Gentleman unter den Schriftstellern ge- die Welt hat wieder zu fragen: Wo ist Ossietz- auch im Geistigen so rasch bemerkbar, wie nannt, denn es machte das Besondere an ihm ky? Hinter welchen Türen hält man den mit das Gesetz der Abnutzung und aus, daß er allezeit mit sauberer Klinge focht der höchsten internationalen Ehrung ausge- wirkt sich in dem beklagten Mangel an und für sein Tun bis zur letzten Konsequenz zeichneten Deutschen gefangen, Ihr spuckt auf alles, was ihr einst verehrt weil er das Erlebnisfähigkeit aus...< Das und rühmt, was einst euch Ekel hat bereitet, einstand. So ging er für seine Sache ins Ge- Menschheitsideal nicht verleugnen will?! heißt, das Publikum schläft bei den meisten Wenn nun das Zeitrad andre Wege gleitet fängnis, kam heraus und verschwand wieder Wir schließen mit einem Wort, das ihm der braunen Darbietungen ein. fahrt ihr die Tour dann wieder umgekehrt? in den Folterkellern des Dritten Reiches. Die- bekannte englische Publizist Wickham sen Gentleman blühten alle Gemeinheiten und Steed gewidmet hat; es gilt für all die Ihr bringt es fertig, freßt aus jeder Hand Martyrien des braunen Konzentrationslagers: Vielen, die drüben für den gleichen Glauund schluckt für einen Groschen jeden Bissen, Spandau, Sonneburg, Papenburg- Esterwege. ben leiden und dulden: doch gibt es gar zuviele, die das wissen Rotznäsige Sadisten jagten diesen Kriegsteil-> Wir, die wir in glücklicheren Ländern, tind die euch so und so und so gekannt. nehmer und Friedensfreund mit Gummiknüp- vor dem Gifthauch der Tyrannei geschützt, peln, bis er zusammenbrach, schlugen ihn, leben, mögen uns wohl fragen, wie er, ohne Wenn Ihr am Leben bleibt... wünscht euch schimpften ihn:> Polnisches Schwein!< sich zu beugen, ihm getrotzt haben. Aber wir das nicht, Er entstammt einer Hamburger Kaufmanns- können ihm und seinem Vorbild wenigstens und sucht die Kugeln, die euch vorher töten. familie, ist Dissident, war nie Kommunist, die Ehre unserer uneingeschränkten Bewundesondern immer radikaler Demokrat rung zollen, und im Namen jenes andeGUSPS Lernt ihr erst wieder schamvoll zu erröten ihr schlagt euch selber mitten ins Gesicht. Wo ist Ossietzky?! Hugin schwarze katholische Sau!< scher Mensch!< >> Jedes echte Gefühl, auf dem dauernd herumgetrampelt wird, jede Begeisterung, die immer wieder entfacht wird, auch wenn kein innerer Anlaß dazu vorliegt. sie verblassen, sie verflüchtigen sich und werden zur hohlen Aeußerlichkeit zum Theater! Jedes feinere Empfinden weiß darin sehr wohl zu entscheiden und was wie> Mangel an Erlebnisfähigkeite aussieht, kann das Gegenteil, nämlich: Uebersättigung mit Erlebnissen, sein!< Daß es ja auch Erwachen aus einem Raubraune Sadisten höhnen ihn unentwegt: ren Deutschlands, welches aufstehen sche, aus Illusionen sein könnte, darf die > Polnisches Schwein, Kommunistenhund, wird, wenn die düsteren Tage vorüber ge- Deutsche Wochenschau nicht aussprechen. So gangen sein werden, können wir mit Stolz begrüßt sie denn lediglich, daß die Feiern der Nach einem halben Jahr solcher Schulung, von ihm sagen:» Hier ist ein deut- Hitlerjugend künftig reduziert werden sollen Das Streben nach Freiheit und die wie dieser Sadismus dem Ausland gegenüber und schließt recht ironisch: Verkündung der Wahrheit sind das erste Gebot für den zivilisierten Men- so schön genannt wird, war er ein gebroche> Nun, was der Jugend, die noch viel Wickham Steed. Zeit und Kraft übrig hat, recht ist, sollte zugebilligt werden.< Zugebilligt? Sarkastischer kann wohl drüner Mann mit Nervenzittern und Verfolgungs- Ermattung und Ernüchterung auch den anderen Altersklassen Der Massenausschank brauner Kulturschen. In der Weimarer Demokratie war Carl wahn. Nur seine Gesinnung war nicht zu brevon Ossietzky ein pazifistischer Schriftsteller chen. Da ihm der Nobelpreis winkte, wird er phrasen hängt dem deutschen Volke längst von seltenen Qualitäten des Geschmacks und im Juni 1936 in Krankenbehandlung entlas- zum Halse heraus. Selbst im Nazilager er- ben nicht gesagt werden: Auch wir Aelteren des Stils, ein Charakter, der seinen Weg sen. Um das Preisgericht von Oslo irre zu folgt gelegentlich Erbrechen, Naziblätter kla- haben die Nase voll, auch ging, auch wenn der Weg Opfer erheischte führen, schmuggelt man ein falsches Inter- gen, daß Erfolg und Besuch mancher Dich- braune Kulturschwindel bis zur Halsbinde. uns steht der Rechenschaftsbericht der Arbeitsfeant der > der Walter und Warte der DAF, sowie der Vertrauensräte< überwiegend dem Drill Parteifunktionäre zu el dienen hat. Ueber» Kraft durch Freude< werden keine Zahlen bekannt gegeben. Dafür wird in daß die VerwaltungsIn 4 Jahren 240 Mill. RM Unterstützung. Freie Gewerkschaften in 2 Jahren 252 Mill. RM Prozenten bemerkt, • kosten der DAF auf 22 Prozent gesunken selen. Das ergibt für 30.000 DAF- Waltern die ansehnliche lionen Mitgliedern erhöhen sich demnach die Mark, d. h. sie erreichen die Summe von über gesamten Verwaltungskosten um 29 Millionen 100 Millionen. Die Summe der von der DAF summarisch an Das Interesse der Arbeiterschaft an der Inanspruchnahme der Gewerkschaftsvermö-| sie dürften sich jährlich auf 200.000 bis sog. Arbeitsfront ist rein negativ. Sie möch- gen vor allem zur solidarischen Unterstützung| 300.000 RM, also in zwei Jahren auf etwa und 25.000» Lehrkräften<< ten erfahren, was mit ihren Beiträgen wird, der Mitgliedschaften in einer Zeit der höch- eine halbe Million RM belaufen haben. Die Bonzenversorgung von rund 80 Millionen nachdem diese Organisation der Gefolg- sten Krisenspannung neben ihren sozial- freien Gewerkschaften haben in der Zeit Reichsmark. In einem Nebensatz werden schaften< aller sozialpolitischen Aufgaben ent- politischen Leistungen diese gewaltige Hilfs- schärfster finanzieller Anspannung in zwei äußert worden ist. Soweit in den Versamm- aktion für außerdem die Verwaltungskosten für» Kraft die deutsche Arbeiterschaft zu Jahren die Unterstützungssumme überschritlungen Fragen möglich sind, will deshalb das verzeichnen, während die Arbeitsfront auf ten, die von den Nazis als Vierjahresleistung 1.44 RM jährlich beziffert. Bei rund 20 Mildurch Freude« auf 12 Pfennig monatlich, d. h. geflügelte Wort> Wo bleiben die Gelder der Kosten ihrer Beitragszahler Gewinne für bekannt gegeben wird. Arbeitsfront?< nicht mehr von der Tages- die Kriegsvorbereitung machen Unter» Soziale Betreuung wird von der ordnung verschwinden. Der Schatzmeister mußte. Das Bild wäre indes unvollständig, DAF ein Ausgabeposten von 39 Mill. RM für Brinkmann sieht sich endlich gezwungen, in wollten wir nicht die Verteilung der Aus- Dreivierteljahr 1936, d. h. von 52 Mill. RM der» Deutschen Arbeits- Korrespondenz einen gaben untersuchen. für das Jahr 1936 ausgewiesen. Darunter » Rechenschaftsbericht< zu veröffentlichen. Die DAF gibt jetzt für vier Jahre ihre sind enthalten: Heimstättenpflege, ArbeitsStatt die Beitragseinnahme für 1935 und 1936 Unterstützungsleistungen be- frieden, Vertrauensräte in den Betrieben, Ar- angegebenen Ausgaben und der prozentual bekanntzugeben, wird mit Durchschnitts- kannt.» Die Barleistungen verteilen sich<, beitsausschüsse, Arbeitskammern und Rechts- angedeuteten Verwaltungskosten reicht zahlen operiert, die überdies von den wenigen nach der DAK,» auf die einzelnen Jahre, wie beratung usw. 267 Millionen heran, so daß bei mindestens Offenbar werden die staatAngaben, die Ley auf dem Parteitag gemacht folgt<: 360 Millionen Einnahme tatsächlich der von lichen Körperschaften, wie Arbeitsausschüsse, hat, noch abweichen. Die Mitgliederzahl wird 18,000.000 RM Wirtschaftskammern usw., auch von den Bei- uns errechnete Ueberschuß von 90 Millionen diesmal mit rund 25 Millionen angegeben. Das durchschnittliche Monatsaufkommen für 1936 wird mit 28 Millionen RM beziffert. In Nürnberg( August 1936) hatte der Ley bereits 30 Millionen bekanntgegeben. Die Nürnberger Summe dürfte der Wirklichkeit schaften für Unterstützungen haben bewesentlich näher kommen, als die jetzt be- tragen: kanntgegebene. Selbst wenn es richtig wäre, daß bei einer Beitragsstaffelung von 1.20 bis 12 RM im Monat der Durchschnittsbeitrag 1936 nur 1.73 RM betragen haben sollte, käme bei 17 Millionen Einzelmitgliedern( DAK 18. Dez. 1936) bereits monatlich ein Beitragseingang von 29.5 Millionen RM und nicht 28 Millionen heraus. Es kommt hinzu, daß neben diesen 17 Millionen noch 8 Millionen korporativer Mitgliedschaften angegeben werden, die eine entsprechende Pauschal- Beitragsleistung aufbringen. Unsere Berechnung im>> N. V.<< v. etat: Jahreseinnahme Ueberschuß Jahresausgabe 1933 1934 1935 1936( Jan. bis Nov. 72 Mill.) in vier Jahren • • 64,000.000 RM trägen der Arbeitsfront bestritten, denn die RM im Jahr verbleibt. 80,000.000 RM Rechtsberatung, für die von freien Gewerk- In den letzten Monaten sind die Unter78,600.000 RM schaften über zwei Millionen RM im Jahr stützungen in ihrer Höhe und hinsichtlich des 240,600.000 RM verausgabt worden waren, hat sich für die Empfängerkreises noch weiter eingeDie Gesamtausgaben der freien Gewerk- Arbeitsfront auf ein Minimum verbilligt. schränkt worden. So verrät der RechenFür Presse und Bildung ergibt sich: Freie GewerkUnterstützungen 1930 123 Mill. 1931 109 Mill. in zwei Jahren Arbeitskämpfe 10 Mill. 10,5 Mill. Insge samt 133 Mill. RM 119,5 Mill. RM schaften 1930 1931 schaftsberichte, daß seit Oktober 1936 im Arbeits- ganzen Reich überhaupt nur noch 32.000 Mitglieder Erwerbslosenunterstützung von den Gliederungen der Arbeitsfront bezogen haben. front 1936 15 Mill. RM 12 Mill. RM 27 Mill. RM Angesichts der Mitgliederzahl wäre auch dieser Posten der DAF im Vergleich zu den Die Betriebsarbeiter werden zur Vier252,5 Mill. RM früheren Gewerkschaften keineswegs über- jahresbilanz des Hitler- Regims ihre Fragen sind wältigend. Vor allem aber diente die Bil- wiederholen: Wo bleiben die Gelder der Ardie von den örtlichen Arbeitersekretaria- dungsarbeit der Gewerkschaften der Bebeitsfront? Welche Gesamteinnahme hat die ten ausgezahlten Summen nicht enthalten, rufsausbildung, während die Schulung DAF im Jahre 1936 gehabt? In diesen Unterstützungsleistungen Vom kommenden Krieg strahlen und andere neue Kriegs- griffskraft zugleich die Abwehrkräfte wach4. Okt. 1936 mit 30 Millionen RM Monats- Todesstrahlen und andere neue Kriegswaffen. tasiekrieg zurückführt auf den wirklichen handeln den Stoff, waffen. Malik- Verlag), daß es vom Phan- sen. Die technischen Teile dieses Buches beder manchmal schwierig einnahme ist demnach keinesfalls zu hoch ge- Der herannahende Krieg wirft seine Schat- Krieg. Denn dieses Buch, schätzt gewesen. Ley hatte ferner in Nürn- ten voraus. Alles, was mit militärischen Fra- mit das sich nicht und kompliziert ist, in exakter und dennoch berg den monatlichen Ueberschuß mit 7.5 gen im Zusammenhang steht, begegnet einem gnügt, sondern auch kritisch die kriegswirt- teressantes, ja spannendes technisch- politieiner rein technischen Schilderung be- leicht verständlicher Sprache. Es ist ein inMillionen RM angegeben. Wir wiederholen geradezu unheimlichen Interesse. Man ver- schaftlichen Zusammenhänge erörtert, hinter- sches Buch. Diese Kapitel geben gleichzeitig den sich aus diesen Zahlen ergebenden Jahres- sucht sich Bilder von einem kommenden läßt wie alle kritischen Bücher über den Zu- eine Art von Einführung in die moderne WafKriege zu machen, man vermutet die Ent- kunftskrieg das Urteil, daß auch im Zukunfts- fentechnik wie in das Getriebe der Rüstungs12 × 30= 360 Mill. RM hüllung wunderbarer Kräfte und Zerstörungs- krieg es letzten Endes auf ein erbarmungs- industrie. Dem Laien wird an 12x 7.5= 90 Mill. R.M Hand dieses 270 Mill. RM mittel in einem künftigen Kriege, einen höl- loses gegenseitiges Abschlachten von Massen- Buches leicht klar werden, daß die Kriegslischen Triumph der Technik von solchen heeren hinauslaufen wird. Zugleich enthüllt technik ebenso wie die Friedenstechnik GrenDer jetzt vorliegende» RechenschaftsbeAusmaß, richte gibt über einzelne Ausgabenposten schwindet, daß im Kriege nicht Apparate wut darauf verwandt wird, daß dahinter der Sinn dafür ver- es, wie viel geradezu diabolische Forschungs- zen hat, die nicht nur vom Stande der Forum selbst die schung, sondern auch von wirtschaftlichen Auskunft, die wir in Vergleich zu den enttotgeschlagen, sondern Menschen umgebracht heute noch problematischsten und noch am und finanziellen Faktoren bestimmt werden. sprechenden Ausgaben der ADGB- Verbände werden sollen. wenigsten erschlossenen Wissensgebiete nach Der Wahnwitz einer Diktatur, die ohne Rohaus den Jahren 1930 und 1932 setzen. Dabei Die nationalistische Propaganda in Deutsch- Verwendungsfähigkeit im Kriege zu durch- stoffe, mit einer in der Kriegsvorbereitungsist zu beachten, daß die freien Gewerkschaften in jenen Krisenjahren 1930 einen Mit- land hat seit langem dies unheimliche Inter- stöbern. zeit bereits geschwächten Wirtschaft auf einen Das Hauptinteresse des Laien wendet sich neuen Weltkrieg lossteuert, wird durch eine gliederstand von 4.7 und 1931 von 4.1 Millio- esse am Zukunftskrieg ausgenutzt. Sie hat nen hatten, d. h. ein Fünftel bis ein das jugendliche Kanonenfutter eines künfti- vor allem zwei Gebieten zu: der Wellentechnik illusionsfreie Prüfung dieser Zusammenhänge Sechstel der heutigen Zwangs- gen Krieges mit der Phantastik des Maschi- und dem Luftkrieg. Für das erste dieser Ge- beleuchtet. Es ist eine Schande für nenkrieges und dem Wunderglauben an ge- biete zeigt das Buch, welche Körnchen Wahr- Zeit, daß dieses Buch, das heutige und künfheimnisvolle und überlegene Kriegswaffen heit hinter den Phantasiemeldungen der Ta- tige Kriegswaffen behandelt, zugleich eine von der Erkenntnis fernzuhalten gesucht, daß gespresse und der Propaganda stecken. Auf Einführung in die neuesten Ergebnisse physivon menschlichen Leibern immer dem Gebiet des Luftkrieges folgt es nicht den kalischer Forschung ist. Wer noch in dem noch eine viel wirkungsvollere Kriegswaffe schon leider gebräuchlich gewordenen Bahnen Glauben leben sollte, daß wir in einem humasind als der schönste Apparat, und daß also jener Bücher, die den Luftkrieg als das Ende nen und trotz allem erträglichen Zeitalter Millionen sich zerfetzen lassen sollen. Es ist der Welt schildern und darum nur den auf lebten, der möge dieses Buch mit Verstand ein Verdienst des Buches von Max Seyde- Panik spekulierenden Kriegshasardeuren witz und Ing. Kurt Doberer( Todes- die Hand spielen. Es zeigt, wie mit der Anorganisation. Freie Gewerkschaften Gesamteinnahme: 1930: 231 Mill. RM 1931: 184 Mill. RM Gesamtausgabe: 1930: 240 Mill. RM 1931: 215 Mill. RM Deutsche Arbeitsfront 1936: 360 Mill. RM 1936: 270 Mill. RM Die freien Gewerkschaften hatten unter » Feldwebel Solveiga Zurück hinter Ibsen. Millionen lich etwas ans Perverse streift im Sexuellen)>> noch lebte, würde ihn das.mit grimsen.< Die farbige Gefahr in lesen! miger Genugtuung erfüllen. Denn, würde Welch tobende Entrüstung wurde während er sagen, so war der Alte auch schon, die- des Weltkrieges in der deutsch- völkischen ses eine von den zwei großen alten Wei- Presse verspritzt gegen die Verwendung farbern< Skandinaviens. Das andere war IbDamit schließt der Bericht, biger Truppen auf europäischem Boden! zwei große Dichter mit einem Fußtritt verab->» Eine Schande für die weiße Rasse, schiedend, weil sie anders über die Frauen Sünde gegen die europäische Kultur!< dachten als der witzige Herr Referent.< knall deutsche Presse überschlug sich vor EmAlso bis hinter Ibsen zurück reicht die pörung und die schwarze Schmach< war nur eines der Schlagworte, die damals in man sich aber doch Befreiung der deutschn Frau. In Norwegen wurde den Frauen nunmehr der Weg zu allen Berufen geöffnet, in voller Gleichberechtigung mit dem Manne können sie ihr Leben gestalten. Diese> marxistische Gleichmacherei< hat in den meisten deutschen Redaktionen solche Bestürzung hervorgerufen, daß die Meldung unter den Tisch rutschte. Wo gen darüber: Die> Nordieine Die unsere Die technischen Abschnitte des Buches | Verbündeten, denn von ihm werden seit einem halben Jahre die halbwilden Krieger Marokkos gegen das spanische Volk losgelassen. In Nordafrika und Asien wiegeln Göbbels Sendlinge farbige Stämme gegen die Herrschaft Englands und Frankreichs auf. Führer des Hakenkreuzes träumen mit den gelben Faschisten von der großen Revolte Afrikas und Asiens gegen den demokratischen Westen. Der vernünftige Teil Deutschlands sieht die Gefahren, die daraus für Europa erwachsen, aber dieser vernünftigere Das Blatt der Kriegervereine» Der Kyff- Teil Deutschlands ist entmachtet, geknebelt. häuser< nimmt das Thema in andere Form Sonst hätte der» Kyffhäuser« den Hasardeuwieder auf. Das Blatt verweist auf Nieder- ren und Brandstiftern mit ihren eigenen ländisch- Indien, wo die Farbigen aus dem Tiraden von ehedem aufwarten können. Marinedienst gezogen und durch Weiße ersetzt werden, weil es 1933 in der holländischen Kolonialflotte eine Farbigen- Meuterei gab. Der» Kyffhäuser« erklärt die allgemein drohende Gefahr: damit befaßte, da verfiel man häufig in den schen Stimmen« allerdings wagen einzuwen- Umlauf gesetzt wurden. Stil der Meggendorfer Blätter aus der Suf- den, Norwegens Entschluß sei> echt nordifragettenzeit. Die nordischen Stimmen kla- schem Empfinden< entsprungen. Aber das ist eine grobe Meckerei, nicht nur weil dieses > Der Spießerdeutsche, der bei dieser Norwegen marxistisch verseucht<< ist Gelegenheit von dem Kanonier Hed- mehr noch, weil das rassestolze Deutschland da Gablere, dem Feldwebel Sol- mit den Frauen ganz anders, secht unnorveig und dem Pfarrer Nora faselt dische verfährt. So jammert die>> Deutsche und teilweise auch einen Ibsen und Björn- Kämpferin<: sen dabei mit erledigt als minder» männlich im Vergleich zur eigenen Spießermännlichkeit, die natürlich es wäre doch gelacht bei solchem Bier und solchen dikken Zigarren Frauen nicht dreinreden läßt in die Männersache« des Lebens, ist noch völlig von gestern. Man lese diese Auslassungen: >> Seit dem 1. Oktober 1936 werden deutsche Gerichtsassessorinnen nicht mehr im Es ist zu beRichterdienst beschäftigt. dauern, daß damit auch der unbedingt notwendige Einfluß der Frauen auf familienrechtlichem Gebiet verschwindet....< Und der>> Westdeutsche Beobachter<< gibt >> Die Zahl der stellungslosen Studienassessoren ist erheblich zurückgegangen. Viele von ihnen finden heute in sogenannten> halben Stellen außerplanmäßig Beschäftigung. Die Lage der Studien as se ssorinnen muß als hoffnungslos bezeichnet werden. Es können deshalb alle Abiturientinnen nicht dringend genug davor gewarnt werden, sich dem Studium des höheren Lehramtes zuzuwenden.< > Pfarrer Nora muß Bischof werden können, und wenn die zu: Makronentüte platzt. Die Herren Marxisten, alte Römer in Unterröcken, beharrten dabei.<> Wenn erst der Kanonier Hedda Gabler mitspielt, wird der norwemit grundsätzlich gische Kriegsmann Weinlaub im Haar und in Schönheit sterben; sie wird sprechen:» Sehen Sie mal wie mir die Todeswunde nach, Björn, steht!<> Apropos, Björn!«» Ausschlaggebend und in vorderster parlamentarischer Linie für diese endliche Gleichberechtigung Solveigs, Noras und Heddas soll der Sohn Björnstjerne Björnsons gekämpft haben. norwegische Beschluß in Deutschland keinen Wenn der bissige Strindberg( der bekannt- Zorn erwecken? Wie sollte unter solchen Umständen der Der totale Tanz > Heute ist ja der Tanz nicht mehr ein Gegenstand eines liberalistischen Auswuchses längst vergangener > Aber als sie Maschinengewehre, Ge- Zeit, sondern verkörpert Kultur der einzelschütze, Schiffsturbinen, Torpedorohre bedienen lernten und damit allmählich hin- nen Völker, wobei zu bemerken ist, daß die ter die technischen Zusammenhänge ka- am Königsberger Turnier teilnehmenden ausmen, schwand der Zauber um den Weißen ländischen Paare alle einen wesenseigenen und mit diesem die Ehrfurcht, der Glaube, Stil beherrschen im Gegensatz zu den ihm in Treue und unwandelbarem Gehorromanischen Völkern.<< sam dienen zu müssen. Sie begannen, sich ihm gewachsen zu fühlen, der zweite Gedankenschritt war die Forderung: Gleichberechtigung! und der dritte führte zur Der deutsche Gruß: Bansai! Parole: Nieder mit der Herrschaft der Weißen! Wer bürgt dafür, daß die farbigen Soldaten und Matro- die Reihe seiner Nationalabende mit einem sen ihr nicht eines Tages folgen? Gewiß. japanischen Abend im Cherubin- Saal des Hoes gibt den Fahneneid, und es gibt noch tels» Vier Jahreszeiten« fort... andere Bindungen an den Weißen. Aber werden sie halten, wenn die Rassegefühle einmal Wucht durchbrechen?< Preuß. Ztg. Nr. 5. >> Der Internationale Studentenklub setzte Dr. Freudenberg schloß seine Ansprache mit voller mit einem dreifachen> Bansai auf die japanischen Gastgeber.< Das zielt direkt gegen Franco und seine Münchner Neueste Nachrichten Nr. 10. werden ergänzt durch politische Abschnitte. Sie zeigen die von Hitlerdeutschland auagehende Kriegsgefahr und den der Diktatur ©ingeborenen Willen zum Kriege. Sie mahnen die Leichtgläubigen, die immer noch auf Hitlers Friedensliebe schwören, ebenso eindringlich, wie die technischen Teile jene warnen, die noch an den humanen Krieg glauben sollten. Leider ist, wie wir glauben, in dem Abschnitt»Die Sphinx: das deutsche Volk« das gesunde Prinzip des nüchternen realistischen Abwägens und des Fernhaltens von Illusionen nicht innegehalten worden. M. K. Die Streidierkultufi* Volksgemelnsdiaft vor dem Sonderjreridii Privatrache— nur für Pgs. erlaubt. Früher landete der Haustratsch beim Friedensrichter und wenn es hoch kam beim Amtsrichter. Jetzt— Im Zeichen der neuen Volksgemeinschaft— geben sich die erzürnten Parteien nicht so leicht zufrieden. Sie ruhen nicht, bis auch das Sondergericht gesprochen hat Denn wenn man sich mit Nachbarsleuten richtig und genußvoll verkrachen will, dann muß man vorher mit ihnen befreundet gewesen sein. Und wenn man mit Ihnen befreundet war, so hat man sie unweigerlich mehr als einmal und aufs heftigste über den Nationalsozialismus fluchen hören. Sobald der erste Pumpversuch mißlungen, der erste Streit um den Waschhausschlüssel unentschieden abgebrochen, der erste Teppich während des nachbarlichen Mittagsschläfchens geklopft worden ist, heißt es:»Wartet nur, Ich bringe eure ganze Bucht Ins Zuchtbaus!« Sonderrichter stürzen die Volksgenossen, die ihnen ohne Berufsmöglichkeit ausgeliefert sind, sehr gern ins Unglück, denn dafür beziehen sie ihr Gehalt. Aber selbst Sonder- rlohter legen auf Ueberarbeit keinen Wert— Insoweit sind sie auch nur Menschen. Und so kommt es immer häufiger vor, daß sie einen der Meckerei bezichtigten Angeklagten mit der Begründung freisprechen,»es rieche hier nach Privat räche«. In Königsberg ereigneten sich an einem Tag gleich zwei solcher Fälle. Im Gerichtsbericht heißt es Uber den Fall I: »Der Angeklagte verkehrte in einer Familie, die in zwei feindliche Lager gespalten war, wobei Im Laufe der Zeit der Angeklagte die Partei des Mannes nahm. Nun richtete sich der Zorn der anderen gegen ihn. Man trug alle möglichen Aeußerungen, die der Angeklagte gelegentlich gemacht hatte, zusammen und erstattete dann Anzeige. Das Sondergericht kam zu der Ueberzeugung, der Angeklagte werde vermutlich»gemeckert« haben; aber es sei doch zu berücksichtigen, daß die Denunzianten aus Rachsucht und bitterer Feindschaft gehandelt hätten, als sie Anzeige erstatteten. Das Sondergericht sei aber nicht die Stelle, um persönlichem Haß zum Siege zu verhelfen und Klatsch und Tratsch breitzutreten. Der Angeklagte wurde freigesprochen.« Und Uber den Fall 2: »Die Angeklagte bestritt leidenschaftlich, die ihr in den Mund gelegten Aeußerungen getan zu haben; wohl aber habe der Ehemann Keller die»Neuigkeit« aus Königsberg mitgebracht und sie brühwarm ihr und seiner Frau erzählt. Kellers waren bereit, das gerade Gegenteil zu beschwören. Ein unglaublicher Unrat an gegenseitigen Vorwürfen und Beschuldigungen kam im Laufe der Verhandlung zutage. Es ergab sich ferner, daß die Angeklagte die Aeußerung Im Februar getan haben sollte.»Sie spielen Ihre Rolle schlecht«, meinte der Vorsitzende zu dem Ehepaar Keller.»Wenn Sie solange mit der Anzeige gewartet haben, so müssen Sie doch Ihre stille Freude an der Aeußerung gehabt haben und ganz einverstanden damit gewesen sein. Die Rettung des Staates war Ihnen gleichgültig, wichtiger die Befriedigung Ihrer persönlichen Rachsucht.« Kellers waren so naiv, das glatt zugegeben. Auch der Staatsanwalt war der Ansicht, daß auf die Zeugenaussagen des Ehepaares Keller kein Wert zu legen sei. Und da die Aussagen der anderen Zeugen nichts Belastendes für die Angeklagte ergaben, so beantragte er Freispruch mangels Beweisen. Das Sondergericht erkannte auch so.« Es drängen sich einige Fragen auf: Wie hätte der Sonderrichter bei genau der gleichen Sachlage geurteilt, wenn der Angeber ein Parteifunktionär gewesen wäre? Wie hätte er geur teilt, wenn es sich um einen jüdischen oder politisch verdächtigen Angeklagten gehandelt hätte? Wie hätte er geurtellt, wenn von oben her just der Befehl ergangen wäre, wieder einmal»ein paar Exempel zu statuieren«? Sinkende deutsche Ausfuhr Im Jahre 1929 hatte Deutschland an dem Welthandel in Spielwaren einen Anteil von 59 Prozent. 1931 war er auf 61 Prozent gestiegen. Unter der Hitlerregierung ist er von Jahr zu Jahr gesunken und hat 1935 nur noch 43 Prozent betragen. Der»Stürmer« des Streicher, Symbol der deutschen Kultur, wie Hitler sie auffaßt, hat In Nr. 34 das nebenstehende Bild ver- öff entlieh t- So bespeien sie die wahre deutsche Kultur und schänden damit sich selbst! fflcrromcgoi- Stomoe SRotm 8t fet Sbomoi tonn e!n OTonn. «nn et incnec ton» nichtö fann? Wie sage ich es— auf Ceylon? Der Sozialethlker und Erziehungswissen- sohafter Eduard Spranger befindet sich auf einer Fahrt nach dem Fernen Osten. Obwohl mit Massen gleichgeschaltet und als arischer Mann von Schrot und Korn damit der Ausbürgerung entronnen, hat auch Herr Spranger den Drang nach plötzlicher Luftveränderung In sich verspürt, den heute so viele deutsche Gelehrte äußern, wenn sie auch nur das bescheidenste ausländische Angebot erhalten: Immer noch besser in Buenos Aires dritter Bibliothekar, als im Dritten Reich Rektor und Magnifizenz zu sein! Herr Spranger fährt nach Japan, zu einem dort bestehenden deutsch-japanischen Kulturinstitut. Einstweilen hat er die größere Hälfte der weiten Reise absolviert. Den Beitrag, den er als letzten seiner Leipziger wissenschaftlichen Zeitschrift, der»Erziehung« zukommen ließ, datiert er ausdrücklich:»zur Zeit Colombo(Ceylon)«. Maximale Entfernung Ist maximale Sicherheit— denkt sicher der weise Mann. Aber ein Philosoph, der einer sein will, kann bekanntlich in der Vorsicht nicht philosophisch genug sein, zumal bei obwaltenden Umständen. Wie viel gründlicher, aber sicher auch ungefährlicher kann man einem Tyrannen die Meinung geigen, wenn man nicht etwa selbst Geistesblitze vom eignen Olymp zu verschießen braucht, sondern es beispielsweise so macht, eines anderen Buch zu besprechen und daraus grade das zitiert, was man dem gewaltigen Herren so gern einmal unter die Weste gedrückt hätte. Und wenn nun gar noch der Verfasser kritisierten und lobend zitierten Buches ein leibhaftiger und ausgewachsener Hauptmann der Reichswehr ist, ganz anders sogar gegen Herrn Himmler und die Gestapo wehrhaft, als so ein bißchen— wenn auch weltberühmter— Zivilist und Honorarprofessor— je nun, dann ist In diesem Falle die Sicherheit sogar dreifach genäht. Herr Eduard Spranger widmet also dem Buch eines Herrn Kurt Pischovlus»Die seelische Widerstandskraft im modernen Kriege« eine mehr als ausführliche Besprechung. Für einen deutschen Hauptmann ebenso wie einen deutschen Professor ist die Wahl des Themas recht ac- tuallter, sicherlich, erfolgt. Folgende Sätze zitiert nun Herr Spranger wörtlich: »Propaganda, die die Seele mit bloßen Gewohnheitsvorstellungen erfüllen will, bleibt Immer ein untergeordnetes Mittel« Oder: »Auf die Kreise, bei denen man hiermit (mit der Propaganda) nicht durchkommt, wirkt am besten das entgegengesetzte Verfahren, das gerade umgekehrt darin besteht, die Urteilsfähigkeit zu heben.« Oder: »Soll es, sich um die echte Wehrhaftlg- keit des Geistes handeln, so muß man tiefer hineinstoßen, und zwar In das Wert- und Freiheitsleben des Nachwuchses.« Oder: »Nur derjenige kann die Ehre des Staates voll und ganz als Oberbegriff der eignen Ehre empfinden, der selber die Flamme der Freiheit, des Kampfes, des Rechtsempfindens und des unabhängigen Urteils in sich trägt.« Oder: »Der Feldherr muß wissen, daß die sogenannten moralischen Kräfte selbst heute Kampfgegenstand geworden sind.« Aber was bedarf es der Fortsetzung, obwohl sie noch beliebig lang nach Pischovius- Spranger-Zi taten erfolgen könnte. Heine würde in diesem Falle sagen: Jeder Satz ist ein..., und kein leerer, gegen das nämliob, was die allgemein geistige, aber auch die spezifisch wehrpolitische Verfassung des Hltlerregimes darstellt. Sie treben es«uf Die deutschen Zeitungen melden: »Damit künftig bei allen Dienststellen einheitlich verfahren und aus der Ablehnung von Sammlungen keine falschen Schlüsse gezogen werden, weist der Reichsfinanzmlnister im Einvernehmen mit dem Reichsinnenminister darauf hin, daß auch die Sammlungen für das Winterhilfswerk in den Dienstgebäuden der unbedingt notwend'gen Aufrechterhaltung eines geordneten Dienstbetriebes unvereinbar sind. Er bezeichnet es als selbstverständliche Pflicht eines jeden Behördenangehörigen, daß er sich an den Straßensammlungen beteilige. Infolge! essen erübrlgees8ichauch,in den Dienstgebäuden Sammelbüchsen des Winterhilfswerks aufstellen zu lasseh.« Die Sammelbüchsen standen nämlich umher, gähnten vor Leere und forderten zu»falschen Schlüssen« geradezu heraus. Gang durch den � russischen Irrgarten An einem einzigen Tage... Wer später einmal den Schimpf der deutschen Wissenschaft im Dritten Reiche zu registrieren hat, wird kein dankbares Kapitel finden als dieses: die Beflissenheit deutscher Gelehrter, jeder Verrücktheit der herrschenden Clique die dazugehörige»wissenschaftliche« Begründung ohne erhebliche Unkosten zu liefern. Hier die Früchte eines einzigen Tages, aufgelesen aus der deutschen Presse: L In einer kulturpolitischen Uebung des NSO-Studentenbundes des Studentenrings und der Staatlichen Hochschule für Musikerziehung in Berlin wurde das Thema»Rasse und Musik« behandelt. Ein Professor Paul T r e u b 1 e r wies mit höchster Exaktheit nach, daß nur die nordische Rasse die»ideale Typik« für die Musik besitze, denn:»die Musik der dinari sehen Rasse keimt beispielsweise wohl die Ober-, aber nicht die Unter- dominante; auch am System der Kirchentonarten läßt sich der»Typus nichtpolarer Ausrichtung beweisen«. Ein anderer»Gelehrter«, namens Friedrich M e t z 1 e r, erläuterte das Ergebnis seiner intensiven Studien dahin, daß die melodischen Bildungen der nordischen Musik gradlinig-zielstrebig, die der os tischen»kreisförmig, rund angelegt« sei. Das sähe man am deutlichsten bei den Juden! Sie hätten, so erklärte der dritte Vortragende, namens Richard Eichen- a u e r, die Polyphonie nur nachahmend oder zersetzend angewandt, im Gegensatz zum »nordlachen Lcls t u n gs m e a« sehe n.«... EL Ea existiert auch ein spezifisch germanischer Sternenhimmel. Sein Erforscher Otto Sigfried Reuter wurde auf der Tagung der Gesellschaft für deutsche Vorgeschichte mit einem Preis ausgezeichnet, weil er In seinem Buch»Germanische Himmelskunde« nachgewiesen habe, daß die Himmelserkenntnis der Germanen unabhängig von anderen Kulturen»völlig eigenwüchsig« entstanden sei, mit einem altnordischen astronomischen Ortsbestimmungsverfahren. Damit habe er, so heißt es in den RuhmesarUkeln der deutschen Presse für Reuter,»de m v ö 1- kischen Kampf einen wertvollen Beitrag geliefert« Man erwarte von dem nunmehr sechzigjährigen Gelehrten noch weitere au/schlußreiche Arbelten in gleicher Ausrichtung.— Das gesamte Planetensystem mit Einschluß der Milchstraße nimmt herzlichsten Anteil. m. Durch die Zensur der Reichsschrifttums- kammer ist ein Werk geschlüpft, das von den approbierten Rasseforschern des Dritten Reiches heftig angefochten wird. Es heißt:»Germanisches Leben im Spiegel der altnordischen Dichtung, und sein Autor ist Dr. Peter SUßkand. Er wagt darin nachzuwedsen, daß eine unmittelbare Beeinflussung der germanischen Kultur und der germanischen Religion vom Osten her erfolgt sei. ehe noch das Christentum mit seiner Messlanisierung begonnen habe. Ja, SUßkand möchte sogar den ganzen Baldur-Mythos und die Lehre von der Weltesche Ygdrasil auf gemeinsame Ursprünge im alten Orient zurückführen.— Man sieht, daß der Mann eine schwere Rüge verdient. Schon wird die zarte Frage gestellt, ob der Name»SUßkand« nicht so gut wie alles über diese Verunglimpfung der germanischen Autonomie besagt. IV. Sätze ohne Kommentar aus einem Aufsatze von Professor Dr. H. A. Grunsky:»Geist ohne Blut ist nicht Geist, sondern eine fürchterliche Entartung, eine Krankheit und ein fressender Schaden.— Wenn wir nun von Blut und Geist reden, so hat dies freilich nicht das mindeste zu tun mit der Entgegensetzung, die man zwischen Körper und Geist zu machen pflegt.«—»Wir müssen neben den Wirklichkeitsfaktor der Umwelt den Wirkllchkcits- faktor der Blutwelt stellen.«—»Im Nationalsozialismus sind Umwelt und Blutwelt wieder in Uebereinstimmung gebracht worden, denn wo die Umwelt der Blutwelt entgegengesetzt ist, da ist Fremde, Angst und Verzweiflung.«—»Fällt die mitte 1- punktschaffende Form weg, so splittert die Blutwelt auseinander und hebt sie selbst auf.« Für spätere QueUenforscher: dieser»mlttel- punktbildende« Aufsatz beißt:»Die Einheit von Geist und Blut« und ist in nahezu sämtlichen kulturpolitischen Beilagen der nationalsozialistischen Presse erschienen... Harald. BmwUönmirfe (SoikütomoFrafifd)» IDodjtnblaH Herausgeber; Ernst Sattler; verantwortlicher Kedakleur: Wenzel Horn; Druck:»G r a p b i a«; alle in K a r I s b a d, Zeltungstarif bew. m. P. D. ZI. IÖ9.334;VI1-1933. Prlnted in Czechoslovakia Der»Neue Vorwärts« Kostet im Einzelverkauf innerhalb der CSR KC 1.40(für ein Quartal bei freier Zustellung Kö 18.—) Preis der Einzelnummer im Ausland Kö 2.—(K6 24.— für das Quartal) oder deren Gegenwert in der Landeswährung(die Bezugspreise für das Ousrtal«'eben In Klammern i Arventmien Pes. 0 30(3.60). Belgien: Belg Frs 2.45( 29.50) Bulgarien Lew 8.-(96-( Dan zig GuJd 0.45 (5.40). Deutschland Mk 0.25(3.—). Estland E. Kr 0.22( 2.64). Finnland Fmk 4—(48.—), Frankreich Frs. 1.50(18.—) Großbritannien d 4.-(Sh 4.—). Holland GId 0 15(1.80) Italien Lir. 1.10(13.20). Jugoslawien Din 4.50 (54.—) Lettland Lat 0.30(3.60) Litauen Lit, 0.55(6.60) Luxemburg B Frs 2 46( 29 50), Norwegen Kr 0.35( 4.20) Oesterreich Sch. 0.40(4.80). 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