Nr. 195 SONNTAG, 7. März 1937 iSoslaldgmograftfcfrgg tttecfrgnfrta# Verlag; Karlsbad, Haus„Graphia"«— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt: Moskauer Prozefigeheimnisse Das Blutbad von Malaga Enteignung des Auslandbesitzes Der Führer als Wirtschafts- fachmann Amerika seht voran Die Arbeiter sind gliicklidi Well sie nicht mehr streiken dürfen. Für die heutige Lage in Deutschland ist das kennzeichnend: es genügt den Machthabern nicht mehr, den Arbeitern das Streiken zu verbieten, sie versuchen obendrein auch, es ihnen auszureden. Haben sie wirklich nicht mehr Vertrauen genug zu ihrer Gewalt, daß sie es jetzt mit gütlichem Zuspruch versuchen? Dann steht es wahrlich schlecht mit ihnen! Denn ihre Gewalt wird respektiert, solange sie gefürchtet wird, ihre »Beweisführung« aber wird nur einem Hohnlachen begegnen. Mehr als sonstige Streiks, die in den freien Ländern da und dort aufflammen, hat der große Kampf bei General Motor s in USA aufrüttelnd und ermutigend gewirkt. Denn die Arbeiter haben nicht nur eine Lohnerhöhung von 5 Prozent errungen, sondern sie haben auch durchgesetzt, daß die hartgesottenste Scharfmachergilde, die es in Amerika gibt, die Gewerkschaft hinfort als gleichberechtigten Verhandlungspartner anerkennen. Das bedeutet, wie jeder sozialpolitisch Erfahrene weiß, die Möglichkeit, in Zukunft auch ohne Streik auf dem Wege von Verhandlungen die Lebenshaltung der Arbeiter der verbesserten Wirtschaftslage anzupassen. Es war ein großer Erfolg, den die Arbeiter erreichen konnten, weil die Staatsgewalt, vertreten durch den Präsidenten Roosevelt sich weigerte, den Unternehmern in der gewohnten Weise beizuspringen und den Streik gewaltsam zu brechen. Die Machthaber Deutschlands können ihren Sklaven ein so großes Ereignis nicht ganz verschweigen. Sie können ihnen auch nicht verbieten, darüber nachzudenken. Auf die Gewalt allein wollen oder können sie sich nicht mehr verlassen. Was bleibt ihnen also anderes übrig als zu lügen und zu fälschen? Sie tun es im Vertrauen darauf, daß hinter jedem Versuch, sie zu widerlegen, das Konzentrationslager steht In dicken Lettern schrie also ihre Presse, in geschwollenen Worten brüllte ihr Rundfunk, dnR das Ergebnis des Riesenkampfes bei General Motors für die Arbeiter»kläglich« gewesen sei. Man denke, nur fünf Prozent mehr Lohn nach sechs Wochen Kampf! 84 Wochen lang müßten die unglücklichen Arbeiter arbeiten, um den Lohnausfall wieder einzuholen: »Sechs Wochen Unruhe, Sorge, Hunger, Kummer, Hetze, Krawall und schließlich ein Verdienstausfall, der erst in anderthalb Jahren ausgeglichen sein wird!« Wie gut hat es dagegen der deutsche Arbeiter. Er weiß bekanntlich nichts von Sorge, Hunger und Kummer und Unruhe und Hetze kennt er nur insoweit, als sie behördlich angeordnet sind. Wie gut es ihm geht, erfährt er folgendermaßen wörtlich; >Im nationalsozialistischen Deutschland gibt es glücklicherweise keine Streiks mehr, aber auch keine Aussperrungen. Partei und Staat sorgen für sozialen Ausgleich und soziale Gerechtigkeit.« In Wirklichkeit haben die streikenden Arbeiter von General Motors während des Streiks sicherlich viel besser gelebt als die meisten deutschen Arbeiter, die vollbeschäftigt sind und Ueberstunden machen. War doch der Streik nur der letzte Ausläufer einer Lohnbewegung, in der sie insgesamt 25 Prozent Lohnsteigerung erzielten ungefähr in dem gleichen Zeitraum, in dem die deutschen Arbeiterlöhne um 25 Prozent heruntergingen. Die Behauptung, die Aufbesserung werde durch den vorangegangenen Lohnausfall für anderthalb Jahre aufgezehrt, ist purer Schwindel. Außerdem war, wie schon gesagt, gar nicht der Lohnzuschlag, sondern die Anerkennung der Gewerkschaft der Haupterfolg des Streikes. Die Göbbelspropaganda setzte natürlich bei dieser Gelegenheit auch auseinander, wie schlimm es in Deutschland m den »Jahren der Schmach« gewesen, und wie über alle Maßen herrlich es heute ist. Von 1919 bis 1931 hätte es 33.800 Streiks gegeben, von denen nur elf Prozent erfolgreich gewesen seien. Heute jedoch wären Streiks nicht mehr nötig, weil das Dritte Reich— wieder wörtlich—»alle verfügbare Kraft und alle Mittel einsetzt, um jedem schaffenden Volksgenossen Wege zum sozialen Aufstieg zu öffnen«. Ehe Göbbelspropaganda fälscht nicht nur die Statistik, sie verschiebt auch völlig den Gegenstand des Streiks. Kein Sozialdemokrat und kein Gewerkschafter hält den Streik für das beste, jederzeit anwendbare Kampfmittel Es ist aber ein anderes, zur Vorsicht in der Anwendung dieses Kampfmittels zu raten, ein anderes, es dem Arbeiter aus der Hand zu schlagen und ihn wehrlos dem Lohndiktat des Unternehmertums auszuliefern. Das ist aber in Deutschland unter dem schwindlerischen Vorwand, man werde schon auf andere Weise für»soziale Gerechtigkeit« sorgen, geschehen. Und die Wirkung? Während der deutsche Arbeiter in den »Jahren der Schmach« zu den best bezahltesten Europas gehörte, gehört er jetzt zu den schlechtest bezahlten. Während die Gewerkschaften noch in der Zeit der großen Weltwirtschaftskrise die Löhne mit Erfolg verteidigten, sind sie jetzt in einer Zeit inflationistischer Staatskonjunktur, in der die Unternehmer und die Spekulanten Gewinne scheffeln, allen Gesetzen der kapitalistischen Wirtschaft zuwider durch den Eingriff der Staatsgewalt gesenkt worden. Ehe Arbeiter von General Motors sind Sieger. Sie sind im Vergleich zu den geschundenen Untertanen des Dritten Reichs wahre Herren. Sie leben besser als sich ein armer Kuli des Hitlerstaates auch nur träumen läßt, und sie sind dabei freie Staatsbürger, die reden dürfen, wie sie wollen. Wenn die braune Kapitalsdiktatur ihren Knechten einreden will, sie hätten es besser, sie lebten in einem Lande der»sozialen Gerechtigkeit« und brauchten keine Gewerkschaften und kein Koalitionsrecht, so wird sie tauben Ohren predigen. Alles Schreien hilft ihr nichts, sie verrät damit nur die Angst, die sie heimlich quält, ihre Knechte könnten ihr eines Tages amerikanisch kommen. Das Feld der Ehre Verlustlisten dürfen nidit veröffentlicht werden Das Schwarze Korps, das Organ der Hit- Icrgarde, erscheint seit einigen Nummern ohne Todesanzeigen. Schon vor dem spanischen Abenteuer gab die Häufung von Todesanzeigen von SS-Offizieren im Schwarzen Korps Zeugnis von den Todesopfern, die die dentsche Kriegsvorbereitung erfordert. Seit dem Beginn der deutschen Intervention in Spanien wuchs die Zahl dieser Todesanzeigen riesig— eine Widerspiegelung der Verluste der deutschen Flieger und Soldaten in Spanien. Es war nicht allein im Schwarzen Korps so, sondern in der ganzen deutschen Presse. Diese inoffiziellen Verlustlisten zerrissen täglich die Lüge von der Nichtinterventlon in Spanien, sie erzählten der Bevölkerung, was das System mit allen Mitteln verbergen wollte: daß systematisch deutsche Soldaten zur Unterstützung der Rebellen nach Spanien geschickt werden. Das System hat plötzlich diese Todesanzeigen verboten. Man sagt, den letzten Anlaß dazu habe eine Anzeige in Gleiwitz gegeben, in der angezeigt wurde, daß ein Fliegerleutnant»auf dem Felde der Ehre« gefallen sei. Dies Verbot fällt zusammen mit der neuesten Phase der Nichtinterventions- politik, dem Verbot der Entsendung von »Freiwilligen« nach Spanien. Es enthüllt, in welchem Geiste der Verlogenheit das System dieses Verbot durchzuführen gedenkt. Wenn es ernst machen wollte mit der Nichtinterventlon, so würden die Verlustlisten über jene, die»auf dem Felde der Ehre« fallen, allmählich ein natürliches Ende nehmen. Das Verbot aber setzt den Schein an die Stelle der Wirklichkeit. Es ist das Bekenntnis, daß die Intervention weitergehen, aber nicht mehr sichtbar werden soll Nur die Kontrolimög- Uchkeit soll eingeschränkt werden. Es wird künftig»auf dem Felde der Ehre« nur noch anonym gestorben. Aber nun ein Wort über dieses»Feld der Ehre«. Die deutschen Soldaten, die auf die spanischen Schlachtfelder geschickt werden, werden für die schändlichste Sache der Welt geopfert. Sie dienen Verbrechern wie jenem Queipo de Llano, dem Kebellengeneral, der die Bevölkerung von Malaga viehisch abschlachten ließ, sie dienen der schamlosesten faschistischen Reaktion. Die Taten des internationalen Faschismus von beute werden einst von der Geschichte den größten Verbrechen der Weltgeschichte zugerechnet werden. Was in Spanien geschieht, liegt auf einer Ebene mit dem, was die Italiener in Abesslnien verüben. Die Unterwerfung der abessinischen Stämme, die Massenabschiachtnng von Eingeborenen in Addis Abeba dnreh die italienische Soldateska nach dem Attentat auf Graziani, die »Strafexpeditionen«, die in Abesslnien unternommen werden, fordern zum Vergleich mit den abscheulichen Taten der Cortez und Pi- zarro in Mexiko und Peru, mit den Verbrechen des Warren Hastings in Indien heraus. Diese Heroenzeit der Bestlalitä wieder zu erneuem, ist der Sinn des Faschismus. In Abesslnien gegen die Eingeborenen, in Spanien gegen das arme, die Freiheit liebende Volk— hier wie da mit dem Mittel des Massenmords an Wehrlosen, der brutalen Ausrottung nach der Parole: schlagt das Volk tot, denn es könnte gefährlich werden. Das ist ihr»Feld der Ehre«! Ihre sogenannte Ehre ist eine Schande für die Völker der faschistischen Länder, sie wird die Geschichte dieser Länder auf ewig beflecken. TerteSlung der Beute Mussolini und General Franco haben durch ihre diplomatischen Vertreter Freundschaft»- beteuerungen ausgetauscht. Mussolini hat Franco mitteilen lassen, daß Franco sich streng an die Italienischen Direktiven zu halten habe. Sein Botschafter hat von den»polltischen, kulturollen und wirtschaftlichen Bindungen« gesprochen, die»zur Grundlage einer engen Zusammenarbeit zwischen den beiden faschistischen Staaten, die Uber die Aufrechterhaltung der Ordnung der Welt wachen würden«, zu machen wären. Franco hat sich bedankt für»die hilfreiche Freundeshand«. Da haben jene konservativen Engländer ihre Quittung, die nicht an eine Abhängigkeit des spanischen Faschismus von dem ttalienischen glauben wollten und die ihren Landsleuten erzählten, ein Sieg Francos würde den Status quo im Mittelmeer nicht ändern. Diese»Bindungen«, diese»enge Zusammenarbeit« gilt unter»Gentlemen« wohl auch als Aufrechterhaltung des Status quo im Mittelmeer? Das ist die offene Handauflegung Mussolinis auf Spanien. Diese Deklaration trifft zeitlich zusammen mit der anderen, daß Italien den nationaldeutschen Charakter Oesterreichs anerkenne. Die großen Westmächte haben seinerzeit Mussolini die selbstständige Regelung der österreichischen Frage Ubertragen, damit er dort für die»Aufrechterhaltung der Ordnung der Welt« gegen Hitler sorge. Heute sorgen Hitler und Mussolini gemeinsam für die»Ordnung der Welt«, indem sie die Beute aufteilen. Mussolini anerkennt die Vormachtstellung Deutschlands in Oesterreich, und Hitler überläßt Mussolini die Vorhand in Spanien. Es wird immer sichtbarer, daß ein derartiger Akkord vorliegt. Dieser Akkord, diese Handauflegung Mussolinis auf Spanien aber nennt sich in der Sprache der europäischen Politik von heute—— Nichtinterventlon! Christlidies Heldentum In einem Aufsatz über christliche« Heldentum schreibt die»Kölnische Volkazeitung«: »Auch ins Gefängnis folgten die Christen dem Heiland nach, und auch heute wieder schmachten in Spanien viele Gläubige in den Gefängnissen ob ihre« Glaubens.« In den braunen Konzentration»- lagern leiden Tauaende katholische Mensehen für ihren Glauben entsetzliche Martern— die klerikale»Kölnische Volkszeitung« wagt nur von Spanien zu reden. Die Fastenhlrtenbriefc der deutschen Bischöfe klagen Uber Christenverfolgung in Deutschland, die Bischöfe von Köln, Berlin, Erm- land, Passau, Regensburg, Trier haben in diesen Briefen das Martyrium der Christen in Deutschland eine Kulturschande genannt, in den Kerkern sitzen hunderte Priester-- das katholische Organ von Köln behilft sich mit einem zweideutigen Satz über Spanien. Christliches Heldentum— für die anderen. Ein entsetzliches Zeichen des moralischen Verfalls, den die Despotie braucht, um oben zu bleiben. Ein Dokument zum Kirchenstreit Uns ist das folgende interessante Dokument in die Hand gefallen: Der Oberste SA- Führer, R/ R. Adjutantur des Stabschefs. Briefb. Nr. 9370/36 1/1. Betrifft: Kindstaufe. Bezug: dort v. 16. 9. 1936. An Berlin W8, den 30. Sept. 1936. Voß- Str. 1. Abschrift. Königin- Luisestraße 33. Sehr geehrter Herr Pfarrer! Ihr Schreiben vom 16. ds. Mts. lag dem Stabschef vor, und der Stabschef läßt dem katholischen Pfarramt St. Bernhard darauf folgendes erwidern: Das Blutbad von Malaga Ein Wort an die Mitschuldigen Man hat einen lärmenden durchaus an. Wir erhalten den nachfolgenden Aufsatz| Oh, ich erkenne das Prinzip der Nicht- hier nicht um eine Mord- Kontrolle. Wo wür einmischung aus Valencia: Ich weiß auch den wir hinkommen, wenn man so klare Ziele Seit ich weiß, daß die Aufständischen alles, was man über Vorsicht auf interna- ins Auge faßte; wozu wären dann die Diplo unaufhaltsam auf Malaga marschieren, ver- tionalem Gebiet sagen könnte. Aber ich bin maten da, und wozu würde es dienen, Rhetofolgt mich ein Traum: entzückt zu erfahren, daß eine mensch- rik- Unterricht genommen zu haben? Was den Papst anbetrifft, so hat er Ein französischer und ein englischer Kreu- liche Geste gleichbedeutend mit militärischer zer dringen in den Hafen von Malaga. Schnell Hilfe ist. sicherlich andere Dinge zu tun als gelegentIch denke bringt man die geflüchteten Bauern an Bord, mein ganzes Leben lang wer- lich» la Croix« zu durchfliegen, sonst hätte die über zweitausend waren es- in der de ich es denken,-, daß zwei Schiffe ge- er nämlich folgendes, unterzeichnet von Vicdas kathol. Pfarramt St. Bernhard, Kathedrale gehaust haben, die Frauen und nügt hätten.... Auf diese Weise hätte man tor Monserrat, gelesen: Berlin- Dahlem Kinder, die ganz alten Fischer, deren Glieder die Menschen gerettet, die man gestern den> Und die Verwundeten, fragte ich naivervom Meersalz angefressen sind, und die Ver- ganzen Tag über mit Maschinengewehren weise einen Phalangisten, wo sind die Verwundeten. Und mit dieser unschuldigen Last niedergeknallt hat, die man heute, die man wundeten aus dem feindlichen Lager?< erschießen wird, bis endlich die>> Wir haben keinen einzigen feindlichen suchen dann die Kreuzer das Weite und las- so lange sen in der Stadt die Schlacht ihren Lauf Straßen das saubere und anständige Aus- Verwundeten, antwortete dieser erstaunt, die nehmen. sehen einer wohlgereinigten Stadt angenom- Medikamente sind rar und kostbar, denken Man hätte es tun können. England und men haben werden. Und möge der Terror alle Sie, daß wir sie vergeuden werden? Es trifft zu, daß dem Stabschef ein Kind Frankreich sind zwei außerordentlich zivili- Münder schließen, alle Hände sich zum Gruße Sonst hätte der Papst sicherlich seinen sehr lieben Sohn, den General Franco, gegeboren ist, das die Namen» Adolf Hermanne sierte Großmächte. Man ist sehr menschlich, strecken machen! Wohin sind die Einwohner dieser Stadt beten, die Zivilbevölkerung und die Verwunträgt. Das Kind ist nicht getauft und der sehr gefühlvoll. Stabschef beabsichtigt auch nicht, das Kind Kreuzzug gegen die Stierkämpfe veranstaltet; geflüchtet, alle, die sich bedroht fühlten, das deten unversehrt aus der Stadt herauszulasdurch eine der beiden in Deutschland vor- man kann kein Blut fließen sehen; man kann heißt alle armen Leute, die> Barfüßer<, die sen. Niemals hätte er sonst zulassen können, herrschenden Religionsrichtungen taufen zu es nicht sehn. Frauen, deren Männer in den Milizen kämpf- daß man im Namen Christi an Frauen und lassen. Maßgebend für den Stabschef sind Aber man hat die Bevölkerung Malagas ten, und alle die, die an einer nationalen Kindern ganze Reihen von Massakern vorruhig niedermetzeln lassen. Armee in den Händen fremder Mächte, und nähme. folgende Erwägungen: Mit großer innerer Besorgnis verfolgt der Denn alle Welt weiß, was in Badajoz an einem Kreuzzug, der mit Hilfe von Moh- Und es genügt, die Taufe empfangen zu Daß die Sieger Stabschef seit langem die Linie, auf der sich vorgegangen ist. auf gut ren geführt wird, keinen Geschmack finden? haben, um Katholik und ein Sohn Roms zu ich denke, daß ich das dem Papst die beiden in Deutschland vorherrschenden Glück die Leute in der Arena zusammentrie- Auf welchem Wege aber konnten sie fliehen? sein Konfessionen seit längerer Zeit bewegen. Die ben und dann mit Maschinengewehren so Es gibt nur eine einzige offene Straße, am nicht beizubringen brauche und diese wurde von drei Die Dame aus Genf, so jung und schon so Wahrheit ist mit das höchste Gut der Mensch- lange in den Haufen schossen, bis sich nichts Meer entlang unter Kanonenfeuer ge- altersschwach, die so bequem auf ihren Berheit, wie dieses ja auch die christliche Reli- mehr rührte; daß man die Unglücklichen, die Rebellenkreuzern gen am blauen See sitzt, was für ein byzangion in ihren Schriften und in ihrer Lehre sich in die Kathedrale geflüchtet hatten, halten. viele Frauen und Queipo hielt in einer seiner> Rundfunk- tinisches Problem hat sie zu lösen? Und damehrfach zum Ausdruck bringt. Mit tiefer auch umgebracht hat Betrübnis hat der Stabschef als wahrhafter Kinder waren darunter daß das Blut in plaudereien< an die Mütter Malagas folgende bei ist sie eine Dame mit den besten Absichten und einer Moralität.... Mensch die vielen zusammengelogenen und kleinen Bächen durch die Straßen floẞ, Jour- Ansprache: > Ihr braucht Eure Kinder gar nicht erst gehässigen Angriffe beider Konfessionen ge- nalisten aus allen Ländern haben es gesehen lehrt sie lieber gleich gen den heutigen Staat zur Kenntnis genom- oder von den Henkern selbst erzählen hören. gehen zu lehren men. Es widerspricht sich doch, wenn eine In den Sprachen der ganzen Welt hat man schwimmen!< christliche Konfession von ihrer Anhänger- davon berichtet. Die optimistischen Reporter Wie viele von den verstörten Flüchtlingen sofern der Unterdrücker nicht zu stark und die werden im Meer Zuflucht gesucht haben? Der zu rauflustig ist- und sie zählt sogar unter schaft verlangt, sie solle nicht falsch reden schätzen die Zahl der Opfer auf 4000 wider den Nächsten<, und wenn dann ande- anderen auf 10.000, man kann sich jedoch General hatte auch versprochen, die Stadt ihren Beamten einen Herren, der den Titel rerseits die beamteten Sachwalter dieser mit der ersten Ziffer begnügen. dem Erdboden gleich zu machen, und da, wo eines Haremsinspektors führt! Sie sehen, daß Religion von der Kanzel herab> falsch Zeug- In Toledo wurden 700 Verwundete in ihren sie gestanden, Kartoffelfelder anzulegen. Aber sie wirklich an alles denkt. Sie denkt sogar zu nis reden wider den Staate. Dies muß jedem Betten niedergemacht, mitsamt den Aerzten, was das betrifft, bin ich ganz beruhigt: sie viel, und da war es ihr eben nicht möglich, wahrhaften und rechtlich denkenden Men- Krankenpflegern und Pflegerinnen, die in brauchen den Hafen zu nötig. Und außerdem an Malaga zu denken. Eine kleine Unterlassungssünde, übrigens. schen unverständlich sein. Die vom heutigen Ausübung ihrer Pflicht bei ihnen geblieben würden die guten europäischen Nachbarn soStaat bezahlten Warte der Religion haben es waren. Diese unglaublich scheinende Tat- fort eingreifen, wenn man diesen irrsinnigen Die Dame Völkerbund hält gerne ihre Regizu ver- sache hat der Marqui Merry del Val die Plan verwirklichen wollte. ja lediglich dem heutigen Staat Denn das Ver- ster hübsch in Ordnung. Bald, in einigen Modanken, daß ihre Versammlungsorte in rechte Hand von José Antonio Primo de Ri- schwinden des Hafens von Malaga würde in naten, wird sie einen Untersuchungsausschuẞ denen sie predigen noch nicht als grau- vera, einem englischen Journalisten bestätigt. gewissen Kreisen finanzielle und kommer mit reichlichen Gehältern hinschicken, um die sige Fackeln und Illumination des nächt- Wer erinnert sich noch daran? Wer scheint zielle Schwierigkeiten entstehen lassen und Zahl der Toten festzustellen. lichen Deutschland in Flammen aufgegangen in dem Augenblick dringender Gefahr dies mit Schwierigkeiten dieser Art spaßt man sind, und daß sie selbst von einem roten Mob alles gesehen zu haben? nie. Das ist ganz anders wichtig als Mennicht in tierischer Weise hingeschlachtet Was taten meine französischen Lands- schenleben. > die Erben der ältesten und ver- Deshalb hat sich niemand gerührt, hat Vorbereitung eines Mordes Kenntnis erhalten, worden sind, wie dies ja in Spanien, wo der leute antichristliche Bolschewismus herrscht, in feinertsten Kultur Europas< ich habe das sich keine Stimme erhoben. Frankreich und oder wer bei der Vorbereitung mitgeholfen, Hunderten von Fällen vorgekommen ist und zu oft gelesen, um es vergessen zu haben, England haben über den Nichteinmischungs- oder wer nichts getan hat, um ihn zu verhinals Komplice angesehen wird. was tat der Völkerbund, was tat seine Heilig- ausschuß Noten betreffend die Freiwilligenkeit, der Vater aller Christen? noch heute vorkommt. Wenn man lehrt:> Du sollst Deine Feinde lieben, dann ist es unlogisch, daß die Religionsverkünder selbst wenn man von ihnen annehmen würde, daß sie Staatsfeinde wären den heutigen Staat bekämpfen. kontrolle ausgetauscht Sie kümmert sich um den Opiumschmuggel, um den Menschenhandel, um die Prostitution, um die unterdrückten Minderheiten, Es ist ein Axiom der religiösen Moral und der Moral schlechthin, daß, wer von der dern oh, es handelt sich Marg. Jouve. unwahren Lehren bewahren! Sie wer- von gegnerischer Seite. Dazu kann ich Ihnen» Kriegführen bringt Gelda den zu gottgläubigen, reinen Menschen mittellen, daß die deutsche Regierung jetzt ohne Bindung an eine Konfession erzogen bereits versucht, sich gegen dies Er wachen der eigenen Parteiwerden. Daß das katholische Pfarramt St. Bernder Beim Briefkasten parteiamtlichen Denn selbst als Feinde< des heutigen Staa> Preußischen Zeitung hat ein mißtrauischer tes müßten sie ihn doch lieben und man kann nicht schmähen, was man liebt! hard seinen Brief nicht mit> Heil Hitlers ge- vergangenheit zu wehren. In den Pg. angefragt, ob der Krieg, zu dem Deutschland mit Hochdruck rüstet, nicht sehr Zeitungen, aber auch mündlich in GrupMan predigt:> Du sollst keusch und züch- schlossen hat, wird diesseits lediglich als eine tig leben in Worten und Werken< und von Vergeßlichkeit angesehen. pen und sogenannten» Kampfversammlungen« viel Geld kosten werde. Der Parteiwurden die Mitglieder aufgefordert, alles redakteur beruhigt ihn in der Nummer 52: den berufenen Verkündern der christlichen derartige Material umgehend bei beLenre wandern Dutzende wegen tierischer stimmten Parteistellen abzulieSchweinereien auf längere Zeit hinter Gitter: fern. Als Vorwand diente eine angebliche Verlangt man, denn, das> keusch und züchtig » Archiv- Vervollständigung, die soeben in leben nur von den Anhängern, und finHeil Hitler! Der erste Adjutant des Stabschefs gez. Reimann, Brigadeführer. det man die verbrecherischen Ausschweifun- Spaniens Dank für die intergen der Prediger für durchaus am Platze? nationale Solidaritätsaktion Man hat doch nachweislich diese SchweineEin Telegramm Caballeros. Angriff genommen worden sei. Die Bitte wurde aber in so drohender Befehlsform vorgebracht. Es ist unbedingte zirkulieren reger als zuvor. Nur nicht genieren! reien höheren Ortes gewußt und geduldet, bis In Anerkennung der Leistungen, die der Pflicht jedes Einzelnen...<< usw. endlich der Staat das schützende Tuch weg- von der SAL und dem IGB. gemeinsam daß der Trick unschwer zu durchschauen gerissen und die übergroße perverse Trieb- verwaltete Internationale Solidaritätsfonds war und allgemein belächelt wurde. Seither haftigkeit der> Diener Jesus brandmarkte. für die Hilfsaktion zugunsten der spanischen haben die Blätter an Interesse gewonnen und Es steht nirgendwo in der Heiligen Schrift Freiheitskämpfer vollbracht hat, hat der spadaß die Diener der christlichen Weltanschau- nische Ministerpräsident Largo Caballero Telegramm an Louis de ung sexuelle Ausschweifungen begehen dür- nachstehendes Sekt entspricht der Weltanschauung. fen, und nach der Heiligen Schrift regelt sich Brouckerè, den Vorsitzenden der SAI. gerichtet: doch auch das Leben der Priester. Die Sektfirma Mathäus Müller hat Die christliche Religion hat es in 2000 >> Unendlich dankbar für neuen Beweis der Kärtchen drucken lassen, die in deutschen Jahren nicht nur nicht erreicht, die Mensch- Solidarität der Zweiten Internationale durch Lokalen ausliegen und auf denen man liest: heit so gut zu machen, wie sie eigentlich auf das Anbot, in Spanien ein großes Spital zu Grund der Gebote und der Bibelsprüche sein errichten, das die tapferen Verteidiger der soll, sondern es ist ihr darüber hinaus in Freiheit aufnehmen und die Bande unserer 2000 Jahren nicht einmal gelungen, die Ver- herzlichen Freundschaft noch enger knüpfen künder zu guten Menschen zu machen! Diese wären von den Hunderten von Widersprüchen nur einige, die hier angeführt worwird. Largo Caballero, Ministerpräsident und Kriegsminister.<< >> Kriegführen kostet nicht nur Geld, es bringt auch Geld: Zum Kriegführen wie Marschall Trigehört bekanntlich vulzio( 1448 bis 1518) zu Ludwig XII. sagte:> Geld, Geld und nochmals Geld!<< Napoleon dachte darüber anders. Er führte gerade dann Krieg, wenn er keins hatte. Seine Kriege haben Frankreich daher nicht arm, sondern reich gemacht. Die Drauf«-Zahlenden allemal die besetzten Länder.< waren Und wenn es allein darauf ankommt, kein Geld zu haben, sind Deutschlands Chancen gegenwärtig die allerbesten! Kann man klarer sagen, daß man einen Raubkrieg plant, bei dem der Unterlegene das>> Bleigewicht der Milliarden< tragen soll? Salomon In zeitgemäß! >> Es entspricht nicht der Weltden katholischen Hohenzollern- Lananschauung des neuen Deutschland, wenn jemand glaubt, auf irgendeine den, bei Gmünd, waren kürzlich einige FeldFreude aus Angst vor dem Näch- kreuze mutwillig zerstört worden. Jetzt hat sten verzichten zu müssen. den sind. Man bringt aber junge Menschen, Ist umgehend abzuliefern..nieren? die man all diesem Widerspruch aussetzt, in einen erheblichen seelischen Zwiespalt, der sich nachteilig auf das ganze Leben auswirken muß. Die NSDAP möchte ihre Vergangenheit auslöschen. Jeder Kauf zu des >> Es wurde festgestellt, daß der Verurteilte der katholischen Kirche angehört und daß er weder Mitglied der NSDAP noch einer ihrer Gliederungen ist.<(> Frankf. Ztg.< vom 21. Januar 1937.) trägt dazu bei, die Wirtschaft zu fördern das Schöffengericht zu Gmünd einen Mann und der Arbeitsbeschaffung dienen. deswegen zu neun Monate Gefängnis verurAlso: Warum sollten Sie sich ge- teilt und seinem Spruch ausdrücklich hinzunieren<...( MM) zu trinken!<< gefügt: Warum sollten sie sich wirklich geDer Schwiegersohn einer gleich großen Sektfirma, der Vertrauensmann Herr Ribbentrop braunen Regimes geniert sich ja auch nicht, in dem GläubigerIn Ihrer vorigen Nummer wiesen Sie lande England durch einen noch nie dageweDer Stabschef kann in seiner Gottgläudaß neuerdings in Deutschland senen Luxus unliebsam aufzufallen; während bigkeit diese Verantwortung nicht auf sich darauf hin, Wie weit muß die vox populi schon die nehmen und muß als treusorgender Fami- nationalsozialistische Flugblät- die deutschen Volksmassen von ihren Füheingeschriebenen» alten Kämpfer<< generell lienvater alle Möglichkeiten ausschalten, ter und Zeitungen aus der Vor- rern tagtäglich in klingenden Reden zu die seine Kinder in Gefahr bringen könn- hitlerzeit von Hand zu Hand gehen, und spartanischer Lebensführung und den Kriminellen zurechnen, wenn der weise ten, daß sie durch sexuelle Lüstlinge im daß diese Dokumente viel aufreizender heroischer Enthaltsamkeit ange- Richter diese Feststellung Priesterkleide unrein werden. Darüber hinwendig hält?! als irgendwelches illegale Material halten werden. aus muß er sie vor jeder Berührung mit wirken Man schreibt uns: für extra not Eine Freundschaft auf Abbruch? Polen verkriecht sich vor seinem» Verbündeten in seine Wälder. Der Führer als Wirtschaftsfachmann Wer hat ihm den Bären aufgebunden? > die Kautschukbedarfes zustellen.< Als eine Art Tafelaufsatz Ihrer weltpoliBei der Eröffnung der Automobilausstel-> Beginn des Jahres 1938 die Produktion| Schwerter nur aus heimischem Erz und in in Gang kommen wird, die uns in die Lage der heimischen Esse geschmiedet worden tischen> Leistungen<, den sie immer wieder lung hat der Führer in einer Ansprache an versetzt, einen Teil des deutschen sein, aber in der modernen, der eisernen Zeit, prahlerisch vorweisen, muß für die Größen sein daselbst versammeltes Volk seinen>> unim Inland sicherdes Dritten Reiches stets der deutsch- abänderlichen Entschluß« kundgetan, hat es kein Jahr ohne Eiseneinfuhr gegeben. polnische Freundschaftsver- deutsche Kraftverkehrswirtschaft von der Un- Aber a¨ch die verarbeitenden Werke müssen Zunächst in den vierziger, später in den siebtrage herhalten. Er besteht in der Tat, ob- sicherheit der internationalen Importe unab- auf die Verwendung des neuen Rohstoffes ziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurwohl sich die gouvernementalen Praktiken bei- hängig zu machen und auf eine solide, sichere erst umgestellt werden. Darüber schreibt der Länder, wie beispielsweise in der Minori- eigene Basis zu stellen. Es sei daher unsere Görings Organ: tätenfrage, wie Katze und Hund gegenüber- allerhöchste Aufgabe, Deutschland von der stehen. Danzig ist auch noch da als ganz Einfuhr jener Stoffe unabhängig zu machen, ungelöstes lebenswichtiges Problem gerade die für die Erhaltung und den weiteren Ausunter dem Aspekt national- polnischer Inter- bau gerade dieser Produktion den hohe Eisenzölle zur Abwehr der englischen und belgischen Konkurrenz eingeführt. Trotzdem hat seither die Einfuhr aus> Neben dem Aufbau der Anlagen zur trifft Buna- Herstellung die kautschuk- ländischen Eisens niemals aufgehört. Z. B. verarbeitende Industrie bereits ihre Vor- waren 1913 rund 1 Million Tonnen Eisen und bereitungen, um den neuen Werkstoff auferforderlich Eisenerzeugnisse nach Deutschland importiert Es wird ein Jahr intensivster Arbeit sowohl in der chemischen worden. Aber weiß der Führer nicht, daß Großindustrie als in der Gummiindustrie auch aus dem Dritten Reich das ausländische sein, um die erforderlichen Vorbereitungen Eisen nicht verbannt ist? 1933 betrug die und Maßnahmen wirtschaftlich und tech- Eiseneinfuhr 1.3, 1934 1.9 Millionen Tonnen, nisch richtig durchzuführen.<< 1935 922.000 und 1936 830.000 Tonnen. essen. Der Rüstungskredit Frankreichs für sind«. Dem Einwand,> Es gehe nicht<<, schleuseinen polnischen Verbündeten beginnt gerade dert er die Versicherung seiner> Entschlosjetzt, sich in die wehrtechnische Wirklichkeit senheit entgegen,» einmal vorgefaßte Pläne im Weichselland umzusetzen. Solche so oder so auch zu verwirklichen<. er Aber wie? Gerade dieses>> wie< enthüllt kapitalistischen Erwägungen<< erledigt schnöde die ganze Eigenart des deutsch- pol- kurzerhand mit drei Argumenten, die nicht nischen Verhältnisses, die kein Jagdbesuch zu bestreiten< seien. zunehmen . > 3. Die deutschen Eisenlager Der Einwand der zu hohen Preisbildung sind unbegrenzte. Außerdem: Ueber tausend Jahre hat Deutschland der Eigenerzeugung solcher Produkte< wird Görings bei Mosciecki und kein Wolfsschießen> 1. Die Frage der Verwandlung kein Eisen eingeführt und trotz- mit folgendem Argument abgetan: im Bialystoker Urwald weniger eigenartig von Kohle in Benzin ist gelöst. dem haben wir unseren Bedürfmacht. Polen gedenkt nämlich, wie aus man- Nach einem Bericht der Deutschen Bank hät- nissen genügen können.< cherlei Andeutungen und Erörterungen in der ten zu einer vollständigen Versorgung polnischen Presse der letzten Wochen her- Deutschlands mit Auslandsöl im Jahre 1934 Ueber die Unbegrenztheit der deutschen vorkommen) sind die Sachverständigen anachten über die deutsche Eisenerzversormann, Geh. Prof. Dr. Mathesius, Dr. Petersen im September 1926 der Enquetekommission des Reichstags eingereicht hatten, heißt es: vorgeht, in einem förmlichen» Zehnjahres- 200 Millionen Mark ausgereicht. 1936 werden/ Eisenlager( gemeint sind wohl die Eisenerz-| plan unter Initiative von Finanzminister die Mehrkosten der Treibstoffautarkie ohne Kwiatowski, der darüber jüngst auch im die Aufwendungen für Investitionen auf min- derer Meinung als der Führer. In einem GutSejm Auskunft gab, seine ganze Kriegs- destens 800 Millionen angeschwollen sein. industrie aus der gefährdeten Oberschle- Mehr als eine Milliarde Mark sind also zu- gung, das die Sachverständigen Dr. Buchsischen Ecke in das Innere Polens und gunsten der Treibstoffautarkie verschleudert zwar gerade dort, wo es im Bezirk Sando- worden, die allenfalls als Kriegsvorbereitung mierz inmitten riesiger Wälder am unwirt- sinnvoll ist. Bedenken wegen der Kosten lichsten und am wenigsten aufgeschlossen ist zählt der Führer allerdings nicht zu den zu verlegen. Offen steht es in den polni- ernsthaften, sondern zu den» vermeintlichen schen nationalen Zeitungen zu lesen:» Man sachlichen Gegengründen<<. glaubt in den militärischen und > 2. Die Erzeugung des künstpolitischen Kreisen, derlichen Gummis ist ebenfalls geKriegsfalle die knapp an deutschen Grenze gelegenen pol- lungen und wird fabrikatorisch in einem großen Betrieb durchnischen Kohlengruben und Metallhütten der Vernichtung durchgeführt. Nach Angabe seiner Sachverden Feind preisgegeben wären«. ständigen wird aber die Erzeugung des künstlichen Gummis noch nicht durchgeführt, Als> Feind< ist also hier Hitler- Deutschland sondern erst vorbereitet. Die Zeitschrift schon ohne weiteres vorweggenommen; wenn das polnische Militär von» Krieg überhaupt spricht, so denkt es nicht an die Möglichkeit eines Konfliktes mit den Leuten um Stalin, daß im sondern mit denen, die auf seinen DauerJagdgast Göring vereidigt sind. Daß es den polnischen maßgebenden Kreisen mit dem gewaltigen Projekt, das sich auf den noch nicht ausgebeuteten reichen Bodenvorrat der Sandomierzer Gegend stützen soll, vor allem auf dessen Naphta- und Erdgasschätze, ganz ernst ist, zeigt allein die Tatsache an, daß an manchen Orten bei Sandomierz bereits auf Grund der Spekulation, die nunmehr eingesetzt hat, die Grundstückpreise auf das Fünfzig- und Hundertfache gestiegen sind... hinaus> Wollte man diesen Meinungen folgen, dann hätten wir überhaupt keine Nationalwirtschaft mehr. Jahrzehntelang hat vor dem Krieg der Marxismus unentwegt gefordert, daß man zum Beispiel ausländisches Fleisch, das damals ohne Zweifel billiger war, einführen nach Deutschland sollte. Das Ergebnis wäre die Vernichtung des deutschen Bauernstandes gewesen. Ebenso forderte man die Einfuhr ausländischen Getreides. Dies hätte ebenso zum Ruin des deutschen Bauern geführt.<< Im Jahre 1913, gar nicht zu reden von den unheilvollen 14 Jahren, wurden zwei Millionen » Der gewinnbare Eisenerzvorrat Deutsch- Tonnen Weizen eingeführt und vier Millionen Ein Drittel der lands hat sich im Jahre 1917 nach der Tonnen Weizen geerntet. stammte also aus dem Schätzung der führenden Geologen Bey- Weizenversorgung schlag und Krusch nur auf rund 530 Millio- Ausland, und außerdem 60 Prozent. der nen Tonnen belaufen... Berücksichtigt Die Einfuhr lebender Gerstenversorgung. man, daß die Eisenerzvorräte Frankreichs auf rund 9763 Millionen, die der Vereinig- Tiere betrug damals 290 Millionen Mark, und ten Staaten auf 4258 Millionen, die Eng- allein Futtermittel und technische Rohstoffe lands auf 2929 Millionen, die Schwedens landwirtschaftlicher Herkunft wurden damals auf 1325 Millionen Tonnen geschätzt wurden, so ersieht man, wie arm Deutschland für vier Milliarden Mark importiert. Diese Einfuhr allein war also damals so groß wie im Dritten Reich die Gesamteinfuhr. Weiß der an Eisenerzen ist.<< Der deutsche Eisenerzvorrat beträgt also >> Der Vierjahresplan, Zeitschrift für national- noch nicht die Hälfte des schwedischen und sozialistische Wirtschaftspolitik, mit den noch nicht ein Sechzehntel des französischen. Amtlichen Mitteilungen des Beauftragten für Ueberdies ist sein Eisengehalt erheblich geden Vierjahresplan Ministerpräsident General- ringer. Schacht sagte auf der Jubiläumsoberst Göring<<, 1. Jahrgang, Nr. 2, enthält tagung der Eisenhüttenleute am 1. Dezemeinen Aufsatz» Buna, der deutsche syntheti- ber 1935: sche Kautschuk«, von Dr. Johannes Eckell. Darin heißt es: » Deutschland ist arm an hochprozentigen Eisenerzen, wie sie noch in der jüngwerden sten Vergangenheit verschmolzen konnten.< Führer nicht, daß im ersten Halbjahr 1936 fast dreimal so viel lebende Tiere und mehr als dreimal so viel Fleisch und Speck eingeführt worden sind als ein Jahr vorher, weil sonst die Bauern wegen Mangels Futtermitteln gezwungen gewesen wären, ihren gesamten Viehbestand abzuschlachten und daß trotzdem Fettkarten eingeführt werden mußten? an > Der Aufbau der neuen deutschen Wenn die Autofabrikanten auf die VerKautschukindustrie hat begonnen. Zwischen Halle und Merseburg, bei dem Dorf Welche( natürliche arische) Großmutter sicherungen ihres Führers über die Möglichallzufest bauen, Schkopau, entsteht das erste große deut- hat aber dem Führer das Märchen vom keiten der Autoautarkie sche Buna- Werk Bis Ende dieses Jah- eiseneinfuhrfreien tausendjährigem Reich er- dürfte es um ihre Verwirklichung schlecht dieses res wird der vorgesehene Aufbau Werkes so weit vorgetrieben sein, daß mit zählt? Zur Zeit Ottos des Großen mögen die bestellt sein! die Einkindehen<. . ist 1936: »> Systemopfer«< » Durch Selbstmord schieden 2.2 Prozent in G. A. F. schon Fett beliefert werden. Die Unruhe spiegelt Städten, wo die Särge bereits sich der Grundsätzlich und nationalsozialistischen Presse aus einer Gedankenzahlreicher sind als die Wiereihe heraus, die über den nationalistisch- gen, obwohl die Eheschließungen zuge- Wiederum meldet die amtliche Statistik wieder. Das» Schwarze Korps<( Folge 4 vom der Gegenwart nommen haben. Da hilft keine Beschöni- über die Bevölkerungsbewegung in den deutmilitanten Rausch 28. I.) wendet sich gegen die» unzähligen gung, die Wahrheit ist die, daß der schen Großstädten< im Dritten Vierteljahr Volksgenossen, die zur Zeit Gerüchte über die strebt, läßt sich freilich auch zu diesem polWille zum Kind abnimmt, in Stadt nischen Zehnjahresplan genau wie zu an- und Land. Die wirtschaftliche Lage, SO Verschlechterung der Lebenshaltung« weiterderen Plänen und Unternehmen gleicher und stellt man in Rom fest, hat damit nichts zu tun, denn es sind in erster Linie die Personen mehr als im Vorjahr freiwillig geben.» Da gibt es keine Lebensmittel und noch größerer Art in der Welt sagen: Wird Paläste, die wohlhabenden Kreise, wo sich aus dem Leben. Die Zahl der tödlichen Un- keinen Gebrauchsgegenstand, seien es auch diese Welt einmal Deutschland verzeihen, daß der Geburtenschwund in verheerender fälle stieg von 1626 im Vorjahr auf 1649 nur Puddingpulver und Stecknadeln, deren sie von ihm gezwungen worden ist, sich vor Form zeigt, zahllos sind unter dem fa- in der Berichtszeit. Dieser letztere Anstieg drohende Knappheit, deren nahes Verschwinschistischen Regime die kinderlosen und um 1.4 Prozent ist bedeutend niedriger als dieser vermögenfressenden, volkseinkommenden, ja deren striktes Verbot nicht der im Vorjahrsviertel im Vergleich zum Man hört haarzerstörenden, der wirtschaftlichen Vernunft dritten Vierteljahr 1934, wo er 8.3 Prozent prophezeit worden wäre. Das Sinken der europäischen GeburtenHohn ansagenden Rüstungsphantastik zu beubetrug.<< genaue Angaben darüber, wieviel Gramm Butgen? Wir fürchten: sie wird es nicht! Da aber zahlen hat verschiedene Ursachen, festzuhalDie Tendenz, die über den brutalen Ver- ter» demnächst« je Kopf der Bevölkerung wird die ganze gespenstische Verantwortlich- ten gilt in diesem Falle nur: Auch dieses schleiß menschlichen Lebens und menschlicher ausgegeben würden und hält die Butterfrau sie den seltenen keit jenes Mannes sichtbar, an dessen Namen Stück groß angekündigter Erneuerung und Wirken nun einmal dieser Fluch für im- dem Faschismus völlig mißlungen. Eine Gesundheit Aufschlüsse gibt, geht weiter grad- für ein Wundertier, well mer geknüpft ist. Hoffnung bleibt, sagt Eberlein, nämlich der linig nach oben. Der Prolet, der an der Ma- Stoff noch nicht mit der Apothekerwaage ausschine und auf dem Gerüst durch seine An- teilt. Da erfahren wir die genauesten VorLebenswille eines> rassebewußten Volkes«. schriften über den Kaffee- Ersatz- BeimiAber in diesem Punkte hapert es auch, siehe treiber in den Tod gehetzt wird, gehört nun über eine Verschlechterung unsere Neugermanen. Gleich unter Eberleins einmal zum Inhalt des> deutschen Sozialis- schungszwang, aller Zigarren und Zigaretten, weil nur noch Jeremiade ist in einem Bericht zu lesen, der mus Systemopfer«. Hit- liche Organisation dafür verantwortlich, sondern schreibt:> Staatsbeamte und StaatsEinschlag ist. Der nordische Mensch ler selbst» verwertete< solche Selbstmordzif**** Die verlorene Schlacht Auch das Ehebett opponiert. Der römische Korrespondent der Nazi- hygiene, habe erklärt: presse, Gustav Eberlein, macht in einem langen Artikel eine betrübende Feststellung: Mussolini hat die Zeugungsschlacht verloren. Sein Blatt,> Popolo d'Italia<, gibt das offen zu: > Die Bevölkerungsschlacht, wie sie vor zehn Jahren mit dem Aufruf des Duce eingeleitet und mit mächtigem Aufwand an sachlichen und sittlichen Vorkehrungen durchgeführt wurde, ist gescheitert. Nicht nur, daß es nicht gelang, den Abstieg zu bremsen, er hat sogar in katastrophalem Ausmaß an Geschwindigkeit und mit solcher Heftigkeit zugenommen, daß wir binnen kurzer Frist das französische Niveau haben werden.<< Dann folgen einige Zahlen neueren italienischen Statistik: aus sei unternehmungs- und abenteuerlustiger fern in seinen öffentlichen Auseinandersetzun- angestellte, Parteigenossen und Angehörige und wagemutiger. Er beteilige und gefährde sich mehr im Sport, Seefahrt, For- gen mit Brüning. Es wäre zu viel von diesen der Parteigliederungen, Schriftleiter, Angeschungsreisen und Krieg. Seine schöpferi- Gesellen verlangt, sie zu ersuchen, angesichts stellte berufsständischer Organisationen und sche geistige Aktivität gehe häufig auf ihrer Selbstmordziffern nunmehr für die Ge- wirtschaftlicher Vereinigungen sollten nicht Kosten der Familienbildung. Hierin liege meinheit der>> Kampfzeit<< Abbitte zu leisten. mit zu den gedankenlosen Verbreitern Gerüchten gehören, denn aus ihrem gewisserDaß der europäische Mensch sich fragen maßen prominenten Munde hört sich die > authentischer< an größte Dummheit noch eine Gefahr. von erreicht könnte, wozu er den stark bevölkerten Erd- Das Schwarze Korps teil noch mehr übervölkern solle, darauf darf treibt Greuelpropaganda und wirkt entsprechend verheerend.< Die Verder ein brauner Professor wohl ebenso wenig kommen, wie ein römischer Korrespondent. Die Einführung der Fettkundenliste im breiter dieser unerwünschten Gerüchte wer> Im Jahre 1881 verzeichnete man 38 Jedenfalls lehnt es heute auch der skriege- Dritten Reich hat in der Bevölkerung große den dringend gewarnt. Man werde sie zu finGeburten aufs Tausend, 1924 immer noch rische Germane< ab, faschistischen Despoten Nervosität hervorgerufen. Es stellt sich her- den und zu treffen wissen. Interessant ist, daß 29, im vorigen Jahre aber nur noch 22.2. sinnlos Kanonenfutter zu liefern. Daran wird aus, daß die Eintragung in die Kundenliste das Organ des Herrn Himmler zugeben muß, Mit anderen Worten: 169.000 Kinder we- selbst das der deutschen Malerei befohlene noch nicht den regelmäßigen Fettbezug ga- daß auch die> alten Kämpfer< von der Nerniger oder, wie es die Militärkreise sehen, 15 Divisionen. Vierkinder- System nichts ändern. rantiert, weil die Geschäfte unregelmäßig mit vosität allmählich erfaßt sind! Es gibt eine Reihe von Die Enteignung des Auslandsbesitzes Das Geheimnis der deutschen Devisenbilanz rückgegangen sind, behauptete Schacht bei den eben beendeten Stillhalteverhandlungen, daß die Devisenlage sich nicht gebessert habe und drang mit diesem Standpunkt wieder einmal durch, lo In Wirklichkeit handelt es sich um übergegangen. Was hat ein undurchdringliches Geheimnis. Was Mit jener Zähigkeit, die die Not er- me der Beschlagnahme zu greifen, die Reichsbank zwingt, führt Schacht den Kampf um den seine Kreditwürdigkeit vielleicht selbst in Schacht damit angefangen? Daß er Schacht mit den in seinen Besitz gebrachBesitz der deutschen Untertanen gehöri- den Augen Montague Normans, des Gou- einen Teil davon im Ausland ten Effekten und mit dem aus dem Ausgen Auslandswerte. Es handelt sich dar- verneurs der Bank von England, schädi- verkauft hat, ist sicher. Dafür land zurückgeführten Vermögen anfängt, um, diese Werte, die im Ausland gegen gen könnte, wird sich Schacht zu sehr her- geben bestimmte Marktvorgänge einen An- entzieht sich jeder Kontrolle. Es ist durchdie inter- aus möglich, daß er diese Réserve, soweit Devisen verkauft werden können, in den abgesetzten Preisen bald des privaten halt. So waren Chade- Aktien zeitweiligen Ausgleich Besitz der Reichsbank zu bringen. Sie bil- deutschen Besitzes an Auslandswerten be- national gehandelten Aktien der großen er sie nicht zum den nach dem Schwinden des Goldschatzes mächtigt haben. spanisch- argentinischen Elektrizitäts- Hol- von Spannungen in der Einfuhr benutzen die letzte ansehnliche Devisenreserve, über Zudem hat Schacht auch dafür gesorgt, dinggesellschaft an einzelnen Tagen an muß, sonst unangetastet läßt, es ist aber die die deutsche Diktatur verfügen kann. daß der seinem Zugriff zugängliche Be- den ausländischen Börsenplätzen gedrückt ebenso gut möglich, daß er einen Teil im Dem Zweck dieser Expropriation sitz in der Zwischenzeit noch vermehrt und die ausländischen Beobachter führten Ausland realisiert und sich so einen Gold-, denn für die Besitzer bedeutet der Zwang, worden ist. Zugleich mit der Verhängung das auf deutsches Angebot zurück. Sicher d. h. einen Kriegsschatz anlegt, Pfund-, Dollar- oder sonstige Valutawerte der Todesstrafe für den deutschen Unter- ist, daß Schacht sich auf diese Weise zeit- der in keinem Ausweis erscheint. Es ist nach dem Auslande weise Devisen für die Bezahlung deutscher eine Illusion, zu glauben, durch eine noch gegen Schachtmark zu verkaufen, natür- tan, der Vermögen Schon Dr. Richard Kern. Sind solche Die Ernährungsreine Zweckstatistik, von als kurzfristige Anleihe und hätte entsprechenden Devisen beschwierigkeiten Die Eiernot hat in den letzten Tagen in Deutschland groteske Ausmaße angenommen. Der Eieranfall geht selbst nach dem Bezu richt des Reichsnährstandes von Woche Woche zurück, und auch die Auslandszufuhdie Bevölkerung seit Wochen pro Kopf nur zwei Eier in der Woche zugeteilt, für die 14 und 15 Pfennige pro Stück bezahlt werden müssen. Aus Frankfurt a. M. wird gleichfalls von einer direkten Eiernot berichtet, da dort auch sämtliche Kühlhausbestände aufgezehrt sind. * aber Bürgerkriegsschauspiele Durch die deutsche Presse geht folgende Meldung: lich, auf längere Sicht gesehen, eine verschiebt oder im Ausland stehen Lebensmittel- und Rohstoffeinfuhren be- so genaue Analyse der oft schon stark Enteignung dienten eine Reihe zusam- 1ä ẞt, wurde eine Amnestie für diejenigen schafft. Aber in welchem Umfang das ge- manipulierten deutschen Statistiken aller menhängender und sich in ihrer Wirkung erlassen, die ihr bisher im Ausland be- schieht, und ob die Erfordernisse der Ein- Geheimnisse der Diktatur auf die Spur steigernder Maßnahmen. Diese sind zweier- findliches, nicht angemeldetes Vermögen fuhr den einzigen Zweck der Veräußerung kommen zu können. Sicher ist nur, daß lei Art; die einen dienen dazu, die bereits anmelden, respektive es nach Deutschland bilden und ihr Ausmaß bestimmen, bleibt Schacht gezwungen ist, auch die letzte Redas Depot einer ausländischen völlig ungewiß. Am wenigsten darf man serve bereits anzugreifen. in Deutschland befindlichen Wertpapiere oder in in ihrem Preis herabzudrük- Filiale einer deutschen Devisenbank brin- darüber Aufklärung von der deutschen ken und die so verbilligten Effekten in gen. Diese Bestimmung hat sich als recht Statistik, z. B. von den Angaben über die den Besitz der Reichsbank» zu wirksam erwiesen. Natürlich werden über Zahlungsbilanz erwarten. überführen«, die anderen sind be- den Erfolg nie Aufschlüsse, sei es in der schon der Natur der Sache nach nur mit stimmt, die in ausländischen Banken hin- Bilanz der Reichsbank oder in den Stati- großer Vorsicht und unter Vorbehalt zu terlegten Werte nach Deutschland zu brin- stiken über die deutsche Zahlungsbilanz verwenden, da ein Teil der Angaben nur gen und sie dem Zugriff der Reichsbank erscheinen. Private Schätzungen beziffern auf mehr oder minder großen Schätzungen unmittelbar auszuliefern. den Rückfluß auf 200 bis 280 Mil- beruhen können, so handelt es sich in dem Zunächst wurden die deutschen Ban- lionen RM. Sicher ist, daß diese Ka- deutschen Fall um ken angewiesen, ausländische Werte nur pitalrückströme, die hauptsächlich aus der die den ausländischen Gläubigern beweivon der deutschen Wirtschaftsspionage sen soll, daß infolge der Devisennot keine ren sind geringer geworden. In Berlin erhält noch zu einem eingeschränkten Satz zu am meisten durchsetzten Schweiz erfolg- Zinsen bezahlt werden können. Ein nettes lombardieren. Die Maßnahme hatte gerinten, sogar zeitweise nicht ohne Rückwir- Beispiel dafür gibt eben der» Economist<<. einschneidender war Viel gen Erfolg. kungen auf den Devisenbestand der Nach der offiziellen Zahlungsbilanz schon das Verbot der Arbitrage, wodurch der Austausch der im deutschen Besitz Schweizer Nationalbank geblieben sind. Es 1935 ergab sich in der laufenden Rechfür Außenhandel, Schiffahrt und befindlichen Papiere mit denen im Aus- unterliegt keinem Zweifel, daß Schacht so nung in den zusätzlichen Besitz von etwa einer Schuldendienst ein Defizit von 102 Mill. land unterbunden wurde. Entscheidend Viertelmilliarde erstklassiger, auf den RM. Das schien zunächst unerklärlich, da war aber im November 1936 die Einfühausländischen Börsen jederzeit realisier- bei fast ausgeglichener Außenhandelsbilanz Obwohl in den letzten Monaten die Berung des Depotzwangs. Alle inlänSchiffahrt und sonstige Dienstleistungen dischen natürlichen und juristischen Per- barer Effekten gekommen ist. sonen müssen nach dieser Verordnung ihre Um welche Beträge kann es sich nun einen Ueberschuß von 451 Mill. RM. auf- völkerung ausgiebig bearbeitet worden ist, ausländischen Wertpapiere bei einer deut- bei diesem deutschen Auslandsbesitz ins- wiesen. Nähere Prüfung ergab, daß die künftig mehr Seefisch zu verzehren, sind für unter Brüning Gesamtsumme der geschuldeten Zinsen die starken Zufuhren, die jetzt am Seefischmarkt zu verzeichnen sind, keine Absatzmögschen Devisenbank hinterlegen. Liegen die gesamt handeln? Wertpapiere im Ausland, so sind sie mußten 1931 alle deutschen Staatsangehö- von 650 Mill. RM. auf der Passivseite verlichkeiten gegeben. Der Seefischverbrauch hält sich trotz der Göbbels- Propaganda in in einer Filiale der deutschen Devisen- rigen genaue Angaben über ihren auslän- bucht wurden, obwohl nur rund 250 Mill. so daß ein Teil der bank im Ausland zu deponieren. Der Han- dischen Effektenbesitz machen. Seitdem RM wirklich transferiert wurden. Der Rest Fische wegen mangelndem Absatz in die del in ausländischen Papieren selbst ist sind diese Erhebungen nicht nur jährlich von 400 Mill. wurde unter» Kapitalbewe- recht mäßigen Grenzen, in Wirklichkeit hat sich gar Fischmehlfabriken wandern muß. zwar nicht verboten, aber die Käufer be- wiederholt worden, sondern jede Besitz- gung< kommen die Stücke nicht ausgeliefert; die veränderung war an die Genehmigung der nichts bewegt Diese Erscheinung spricht dafür, daß sich bleiben im Depot der Bank. Der Erfolg deutschen Devisenstellen geknüpft. Zur von ausländischen Gläubigern verzeichnet. war ein rapider Rückgang des Kurses der Zeit der ersten Erhebung wurde der deut- So wurde der falsche Eindruck erweckt, die Bevölkerung doch nicht auf allen Gebieten aus Schiffahrt so willenlos leithammeln läßt, wie das die auf 1½ daß die Reineinnahmen Auslandswerte; hatte früher die Infla- sche Besitz an Auslandswerten tionsfurcht dazu geführt, daß diese Pa- Milliarden Mark geschätzt, wobei aller- und Dienstleistungen für die Deckung des Machthaber gerne möchten. piere an den deutschen Börsen viel höher dings nie eine offizielle Angabe erhältlich Zinstransfers unzureichend seien. Denn die in Wirklichkeit nicht existierende Angst statt Butter standen als an den auswärtigen, so war war. 800 Millionen Mark sollen davon die Kein Brot notierten kurzfristige Anleihe hätte ja demnächst es jetzt klar, daß diese Werte nicht mehr auf den ausländischen Börsen dem deutschen Besitzer, der zunächst for- Effekten ausgemacht haben. Der Betrag zurückgezahlt werden müssen mell Eigentümer bleibt, sondern in Wirk- ist seitdem durch die Devalvationen einer- dafür die entsprechenden > Kraftradschützen und Panlichkeit der Reichsbank zur Verfügung seits vermindert, durch die Kurssteigerun- ansprucht. zerwagen der Leibstandarte in Noch rätselhafter bleibt die im Destehen, die, so bald sie will, auch zur offi- gen andererseits vermehrt worden. der Revue» 70 Millionen und ein ziellen Schlage. In der Revue» 70 Millionen und Beschlagnahme Mark- dürfte auch heute noch, berücksichtigt tail noch nicht bekanntgegebene Zahlungsgegen namentlich den oben erwähnten bilanz für 1936. Trotzdem die Handels- ein Schlag in der Deutschlandhalle werentschädigung schreiten kann. Diese Ent- man den von Freitagabend an Kraftradschützen auch in Papier- neuen Zufluß, recht beträchtlich sein und bilanz für 1936 ein Aktivum und schädigung ist dabei Panzerwagen der Leibstandarte mark- natürlich viel geringer als sie vor näher bei einer Milliarde als 550 Mill. RM gegenüber dem Passivum >> Adolf Hitler« die hohe Schule der Ausbildung friedensmäßigen von 3 Mill. RM i. V. ausweist und die dem durch die Reichsbankmaßnahmen viel darunter liegen. mit den modernen Sonderwaffen der herbeigeführten Kursverfall gewesen wäre. Ein Teil dieser Effekten ist, wie wir Schuldenzahlungen schon infolge der DeSo wird Kraftwagentruppen vorführen. Hat aber die Reichsbank die allgemeine gesehen haben, bereits in den Besitz der valvation im Goldblock noch weiter zuBeschlagnahme, wahrscheinlich aus Furcht vor dem Eindruck solchen Vorgehens im Ausland zunächst unterlassen, so hat sie direkt und durch die Devisenbanken einen starken Druck auf die Besitzer ausgeübt, ihr die hinterlegten Papiere zu verkaufen. Obgleich die Nationalsozialisten das AusUns sind eine ganze Anzahl solcher Fälle land gern mit ihrer Kriegsbereitschaft blufbekannt und bei dem politischen und wirt- fen, wird doch immer deutlicher erkennbar, schaftlichen Terror ist natürlich der daß diese Bereitschaft noch erhebliche Lücken Wunsch der Reichsbank stets ein ängst- aufweist. Eine davon ist das nicht gelöste lich befolgter Befehl gewesen. Es ist kein Problem der Rohstoffversorgung. Ganz offen Zweifel, daß ein nennenswerter äußert sich darüber einer der WehrwirtTeil des Besitzes an ausländi- schafts- Sachverständigen des Dritten Reiches, schen Papieren bereits auf die Major Dr. Hesse, im> Deutschen VolksEr behandelt die Reichsbank übergegangen ist. wirte vom 12. Februar. Diese fortschreitende» kalte« Beschlag- Rohstoffwirtschaft und ihre Bedeutung für nahme wird nun durch eine neue Ver- die Kriegsführung und sagt dabei u. a.: ordnung der Reichsdevisen stelle vom 27. Februar sehr gefördert. Nicht nur wird angeordnet, daß ausländische Wertpapiere auch im Inland nur noch mit Genehmigung erworben oder veräußert werden dürfen, sondern es wird zugleich die Kursnotierung für ausländische Wertpapiere an den deutschen Börsen eingestellt. Genehmigungsfrei bleibt allein noch der Verkauf an eine deutsche Devisenbank Die Einstellung der Kursnotierung und die Genehmigungspflicht für jeden anderen Verkauf bedeutet, daß der Besitzer auf Gnade und Ungnade der deutschen Bank ausgeliefert ist, die nach den Befehlen Schachts den Kurs festsetzen wird. Sonst ist dem Besitzer jede Vergenommen, es fügungsmöglichkeit sei denn, er wollte seine Papiere ins Ausland schmuggeln, worauf Todesstrafe steht. Ohne zu der» bolschewistischen MaßnahEr von rund Rohstoffsorgen hemmen den Kriegswillen u. a. eine regelrechte Gefechtsübung gezeigt werden.< Eine mit verBürgerkriegsrevue Kanonengirls, Volltreffern und Lachschlagern. Man wird die verhöhnten Deutschen mittels Kraft durch Freude« scharenweise Nur muß gerade der Wehrwirtschaftler von zu dieser Lustbarkeit treiben, damit sie das dem bestehenden wirtschaftlichen Zustand ausgehen, dennoch ist auf die schnelle Ab- Fürchten noch besser lernen und sich angesichts der> friedensmäßigen Ausbildung« dienahme einiger Rohstoff- Vorkommen und auch die leiseste Meckerei die sich daraus für die Kriegsführung er- ser Prätorianer gebenden Folgen für eine Reihe euro- aus dem Kopfe schlagen. päischer Länder aufmerksam zu machen. Es wäre etwa an die deutsche Braunkohle, unsere hochwertigen Eisenerze oder die Mansfelder Kupfervorkommen zu denken... Bei der Ersatzstoffwirtschaft haben wir es Das süße Kriegsgespenst Mit folgendem laufenden, weil sicherlich Inseratenauftrag fast immer mit einer Verlagerung im Roh- ganz zeitentsprechendem stoffproblem zu tun. Der Verzicht auf den sind jetzt auch teure reichsdeutsche AnzeigenBezug von Treibstoffen aus dem Ausland, teile, wie beispielsweise der der> Leipziger eine SO der gerade wehrwirtschaftlich Illustrierten Zeitung«, bedacht: schließt außerordentliche Bedeutung hat, >> Am Beispiel der Rohstoffwirtschaft, das auch zugleich ein solches der Ersatzund Neustoffwirtschaft ist, lassen sich für die Kriegsführung wichtige Tatsachen aufzeigen, die meistens auch die Zusammenhänge mit anderen Wirtschaftszweigen aufhellen und die es deutlich machen, daß der Kriegsführung seitens der Wirtschaft weit stärker, als wir >> Brotaufstrich! Spart Butter und Fett! als Nachteil den sehr viel stärkeren Abbau deutscher Stein- und Braunkohlenvorkom- Nur 39 Pfennig kommt das ganze Pfund men in sich. Er ist angesichts der Reich- goldiger Kunsthonig, appetitlich und sauber haltigkeit unserer Steinkohlenlager ohne von Ihnen im eignen Topf gekocht mit dem Bedenken hinzunehmen. Anders liegen die Dinge schon beim Holz als einem besonders viermillionenfach bewährtem Reichelts Kunsthonigpulver. Nahrhaft, gesund, wichtigen Ersatzstoff weiter gesagt, schmeckend. Auch vorzüglich zum PfefferEs wird in dem Artikel auch Deutschlands Rohstoffvorkommen kuchenbacken. Alle Hausfrauen loben. 2 Stück .A köstlich dies gelten lassen möchten, daß Grenzen gezogen sind.... So richtig sicherlich immer wieder gesagt wird, teilweise an der Grenze,> also in dem Bereich( für 8 Pfund reichend) gegen Voreinsendung daß die Rohstoffwirtschaft des Krieges sich erster Kampfhandlungen<<, liegen, so daß aller 95 Pfennig. Wiederverkäufer gesucht!<< aus einigen Hauptsäulen zusammensetze, Voraussicht nach im Kriegsfall nicht der Kohle, den hauptsächlichen Erzen, dem ihrer Ausnützung zu rechnen ist. Stickstoff, den wichtigsten agrarischen mit Und wie alle Hausfrauen dies Gespenst aus glorreicher Zeit loben werden! Stoffen usw., so darf doch nicht übersehen Diese Betrachtungen eines Militärs, werden, daß oft geringe Mengen bestimmter sich allerdings eingehend mit den wirtschaftDas totale Monopol Qualitäten wie etwas der Stahlhärtungs- lichen Problemen der Aufrüstung und >> An und für sich ist die Karikatur, und mittel, des Gummis oder verschiedener Chemikalien, kriegsentscheidende Bedeu- Krieges beschäftigt, klingen weit nüchterner zwar im Sinne humorvoller oder grotesker tung haben. Fehlen sie, so erweisen sich als die Bluffreden, mit denen die Hitler, Gö- Komik, der des eine durchaus germanische oft die starken Säulen als nicht oder un- ring und Göbbels von Zeit zu Zeit das Aus- Kunstform, die eigentlich nur dem Deutschen genügend tragend. Hinsichtlich der ver- land von der Kriegsstärke des Dritten Rei- und Angelsachsen eigen ist.<< fügbaren Mengen neigen wir dazu, die gegenwärtigen Bestände zugrundezulegen. ches überzeugen möchten. > Deutsche Monatshefte<. Nr. 195 BEILAGE Ücuucttaörfs 7. März 1937 Moskauer ProzeßgehemmSsse Enthüllungen eines führenden Bolsdiewtsten über die politlsdien und psycfaologisdien Hintergründe der Moskauer Prozesse und die Ausrottung der alten Bolsdbewisten IL Die Hintergründe des Attentats auf Kirow Ueber den Fall Kirow könnte man vieles erzählen, er verdient zweifellos, ausführlich in der Presse beleuchtet zu werden, denn sedt dieser unglückseligen Mordtat beginnt eine neue Periode in der Geschichte der Sowjetunion. Aber ein solcher Bericht würde mich zu weit führen, und mein Brief ist schon ohnedies sehr lang geraten. Deshalb will ich nur auf jene Momente hinweisen, die für die Erkenntnis der Entwicklung der innerparteilichen Beziehungen von Bedeutung sind. Schon die ersten Telefonogramme, die die Meldung von der Ermordung nach Moskau brachten, ließen keinen Zweifel darüber bestehen, daß der Mord einen politischen Charakter trug; bei Niko- lajew(dem Attentäter) wurde eine vorbereitete Deklaration gefunden, in der die Motive dargelegt wurden, die ihn zur Mordtat veranlaßten. Aber bei den Stimmungen der innerparteilichen Versöhnung, die in den vorhergegangenen Monaten entstanden waren, erschien es vielen psychologisch unmöglich, den Schuß vom 1. Dezember als einen Terrorakt zu werten, der auf dem Boden des inneren Parteikampfes verübt worden war. Man wollte nicht daran glauben, daß der Mann, der der Hauptvertreter der Versöhnungspolitik war, von der Kugel eines Oppositionellen getötet worden war, und zwar in einem Augenblick, wo sein Sieg fast gesichert schien. Diese Stimmungen wurden auch durch die Furcht vor den Folgen dieses Terroraktes für die Entwicklung der inneren Partedverhältnisse beeinflußt. Daher jene Stimmung der ersten Dezembertage 1934, wo viele bestrebt waren, die Mordtat durch die»Intrigen einer ausländischen Macht«(deren Namen nicht genannt zu werden brauchte) zu erklären, deren blindes Werkzeug Nikolajew war. Es wurde daraus die Schlußfolgerung gezogen, daß diese Mordtat für die inneren politischen Beziehungen in der Sowjetunion keine Bedeutung habe und daß jene Linie, die nach de® Referaten Kirows in der Plenarsitzung des Zentralkomitees soeben festgelegt worden war, voll und ganz als Leitlinie der Parteipolitik beibehalten werden müsse. Diese Version wurde besonders von jenen aufgegriffen, die irgendwann irgendeine Beziehung zur Opposition gehabt hatten und die jetzt nicht ohne Grund für ihr persönliches Schicksal fürchteten. Das Hauptsprachrohr der Stimmungen in der Presse wurde Radek— wenn er doch nur geahnt hätte, daß diese Version über die»Hand der Gestapo« sich gegen alle früheren Oppositionellen, darunter auch gegen ihn selbst, wenden würde! Zu dieser Einschätzung des Attentats Nikolajews neigten nicht allein die Oppositionellen, Sie war im allgemeinen ziemlich weit verbreitet, auch die Leiter des Innenkommissariats schienen bereit, sie zu akzeptieren. Denkt an die Listen der ersten Gruppen der Erschossenen nach dem Attentat Nikolajews: in diese Listen gerieten hauptsächlich Personen, die der Beziehungen mit ausländischen Spionageab- teUungen verdächtigt wurden(inwieweit dieser Verdacht begründet war, ist natürlich eine andere Frage)— auch die separatistische Propaganda in der Ukraine wurde schon damals von uns als eine Zersetzungsarbeit der Deutschen betrachtet. Denkt auch daran, daß der Befehl zu diesen Erschießungen unter dem ersten Eindruck der Telefonogramme aus Leningrad von Moskau aus gegeben wurde. Diese Version wurde jedoch nicht zur offiziellen erklärt. Stalin gab in den ersten Tagen keinerlei leitende Direktiven. Indem er es den anderen überließ, eine Erklärung für den Vorfall zu finden, konzentrierte er seine eigene Aufmerksamkeit auf die Organisation einer energischen Untersuchung. Im Verein mit Woroschi- low und Orshonikidse, deren Un- | tersuchung ihn im Politbüro besonders 1 wichtig war, begab er sich sofort nach Le- i ningrad und bestimmte hier Ton, Rich- ' tung und Umfang der Untersuchung: er nahm persönüch an einigen besonders wichtigen Verhören teil— im besonderen verhörte er persönlich Nikolajew— und leitete auch gleichzeitig die Maßnahmen zur Auflösung der Leningrader Abteilung des Innenkommissariats. Mit der unmittelbaren Führung der Untersuchung wurde A g r a n o w betraut, der in den letzten Jahren das besondere Vertrauen Stalins genießt: der letztere ist überzeugt, Idaß»Jascha«(so nennt Stalin nicht selten Agranow selbst in offiziellen Sitzungen) niemals die Rolle eines eifrigen und gehor- samen Vollstreckers seiner Befehle auf- ! geben, niemals Einflüssen von anderer Seite unterliegen würde— hinsichtlich 1 anderer führender Persönlichkeiten des ! Innenkommissariats hatte Stalin diese | Ueber zeugung nicht. Die Motive des Mörders Die Untersuchung deckte sofort eine Reihe interessanter Tatsachen auf. Zur j Erkenntnis der treibenden Motive N i k o- 1 1 a j e w s lieferte besonders dessen Tagebuch wichtiges Material. Auszüge aus j diesem Tagebuch allerdings nur sehr we- inige— waren in dem Memorandum zum j Fall Nikolajew enthalten, über das ich weiter unten noch werde sprechen müssen. Ueber dieses Tagebuch sind im allgemeinen viele Gerüchte verbreitet, die sich mitun- |ter widersprechen. Aber hinsichtlich der allgemeinen Charakteristik Nikolajews widersprechen sich diese Gerüchte nicht. Sein Attentat hat eine so verhängnisvolle Rolle für das Schicksal des Landes und der Partei gespielt, daß es sehr schwer ist, ihm gegenüber vollkommene Ojektivität einzuhalten. Aber bei einem gewissen Maß von Unvoreingenommenheit muß man dennoch anerkennen, daß man es in ihm mit. einem typischen Vertreter jener Generation unter der Jugend zu tun hat, die durch den Bürgerkrieg in die Partei hineingezogen, in den letzten Jahren durch alle Prüfungen und Entbehrungen aller möglichen Mobilisierungen hindurchgegangen und nun auf die Sandbank des friedlichen Aufbaus geworfen worden war — mit zerstörten Nerven, unterhöhlter Gesundheit und verwüsteter Seele. Der persönliche Lebenslauf Nikolajews ist folgender: Während der Offensive General Judenitsch's ging er als Sechzehnjähriger freiwillig an die Front und blieb dort bis zum Ende des Bürgerkrieges. An der Front wurde er Mitglied des Komsomol. Sehr dunkel ist der Punkt über seine Beziehungen zur Tscheka und GPU. Irgendeine beachtliche Rolle hat er in diesen Institutionen nicht gespielt Aber die Tatsache seiner Beziehungen zu ihnen unterliegt keinem Zweifel, obwohl man aus begreiflichen Gründen diese Tatsache jetzt selbst in Dokumenten, die für den internen Parteigebrauch bestimmt sind, sorgfältig verschweigt Am Leben der Parteiorganisation nahm Nikolajew wenig Anteil, obwohl er seit 1920 der Partei angehörte, zuerst als Mitglied des Komsomol(im Wyborger Rayon in Leningrad) und dann als Mitglied der allgemeinen Parteiorganisation. An der Opposition vom Jahre 1925 war er nicht beteiligt, wenn man nicht irgendwelche Abstimmungen in den Versammlungen jener Periode berücksichtiget, wo bekanntlich 90 Prozent der Leningrader Organisation die Haltung Sinowjews unterstützte. Jedenfallls ist Nikolajew nach der General reinigung dieser Organisation nach dem 14. Parteikongreß keinerlei Strafe unterworfen worden, er war nicht einmal in einer andere Stadt versetzt worden(das war die geringste Strafe, die allen Leningrader Parteimitgliedern auferlegt wurde, die auch nur im geringsten Maße mit der Opposition zu tun gehabt hatten). Die Jahre 1920/30 jbis Anfang 1933 waren mit yeradüedenen Abkommandierungen ausgefüllt, hauptsächlich nach dem Murmangebiet, wo Nikolajew im Zuge der Parte imobüisierung tätig war und einen untergeordneten Posten bei der Verwaltung der Zwangsarbeitslager ausfüllte. Nach seiner Rückkehr arbeitete er wieder in der GPU, diesmal anscheinend(diese Seite seiner Tätigkeit wird besonders streng geheimgehalten) in der Schutzwache des Smolny-In- stituts(des Sitzes der Zentral Verwaltung Leningrads). Das sind die wichtigsten Daten der formellen Biographie Nikolajews. Die Aufzeichnungen aus seinem Tagebuch, die die letzten zwei Jahre umfassen, die gesamte Periode nach seiner Rückkehr aus dem Murmangebiet, zeigen, welchen ideellen Inhalt sein damaliges Leben hatte. Nach allem, was bekannt geworden ist, zu urteilen, bildeten seine persönlichen Konflikte mit dem sich mehr und mehr bürokrati- sierenden Parteiapparat den Ausgangspunkt seiner Stimmungen. Das Tagebuch ist angefüllt mit Klagen über das Verschwinden jener alten kameradschaftlichen Beziehungen, die das Parteileben in den ersten Jahren der Revolution so angenehm gemacht hatten. Nikolajew kehrt in seinen Erinnerungen oft zu dieser Vergangenheit zurück, die ihm in sehr rosigen aber sehr vereinfachten Farben erscheint; als eine Art»Blutbrüderschaft«. Jetzt ist er durch den herrschenden Formalismus erbittert und deprimiert. Auf diesem Boden hat er eine Reihe von Konflikten, die Anfang 1934 zu seinem Ausschluß aus der Partei führen. Der Ausschluß wurde sehr bald aufgehoben, denn es wurde festgestellt, daß er infolge der angespannten Tätigkeit im Murmangebiet nervös überreizt sei und daß man deshalb keine strengen Anforderungen an ihn stellen dürfe. Diese Klage über den Bürokratismus in der Partei war der Ausgangspunkt der Kritik Nikolajews, sie waren aber auch im Grunde ihr Abschluß. Man staunt über die Inkongruenz zwischen der Ernsthaftigkeit seiner Handlungsweise und der Oberflächlichkeit seiner kritischen Haltung gegenüber der Wirklichkeit. Ich spreche schon gar nicht davon, daß für ihn außerhalb der Partei die Welt zu enge ist. Selbst das Leben in der Partei interessiert ihn nicht unter einem allgemeinen poütischen Gesichtspunkt, sondern fast ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der menschlichen Beziehungen in der Partei. Auf diese Beziehungen reagiert er mit zunehmender Schärfe und beginnt sie als direkten Verrat der herrlichen Traditionen der Partei, als Verrat der Revolution einzuschätzen. In Verbindung damit wächst in ihm die Stimmimg einer gewissen Opferbereitschaft: immer häufiger spricht er den Gedanken aus, daß irgend jemand sein Leben opfern müsse, um die Aufmerksamkeit der Partei auf die verhängnisvollen Momente ihrer Entwicklung zu lenken und daß man dies nur mittels eines terroristischen Aktes gegenüber einem besonders hohen Vertreter jener Gruppe von Usurpatoren tun könne, die die Macht in der Partei und im Lande an sich gerissen hätte. Einen großen Einfluß in der Frage des Terrors übte die Lektüre der Memoirenliteratur der russischen Revolutionäre der früheren Perioden auf Nikolajew aus. Auf diesem Gebiet hat er, wie aus seinem Tagebuch ersichtlich ist, viel gelesen: aus der Memoirenliteratur der Terroristen(der Narodo- wolzy und Sozialrevolutionäre) las er alles, was er erlangen konnte. Und sein Attentat betrachtete er als direkte Fortsetzung der russischen Revolutionäre der früheren Periode. Es verlautet, daß Nikolajew während seiner Unterhaltung mit Stalin auf die Frage des letzteren, während er das Attentat verübt habe, er sei doch jetzt ein verlorener Mensch, er- ! widert habe:»Na, wenn schon, jetzt| gehen doch viele zugrunde. Dafür wird mein Name in Zukunft neben den Namen von Sheljabow und Balmaschow(die die Attentate auf Alexander II. und auf den Minister Bogolepow verübt haben) genannt werden'« Von diesem Bestreben, eine direkte Linie zwischen seinem Attentat und den terroristischen Akten der russischen Revolutionäre der früheren Perioden herzustellen, zeugen noch einige weitere Einzelheiten des Falles Nikolajew. Die Sudie nadi den Mitversdiworenen Soweit die persönüchen Motive Nikolajews aufgedeckt wurden, konzentrierte sich die Aufmerksamkeit der Untersuchung auf zwei grundlegende Fragen; auf die Suche nach»Mitverschworenen und Anstiftern« einerseits und andererseits auf die Klärung des Schuldanteils der leitenden Personen der Leningrader Abteilung des Innenkommissariats, die dem Attentat nicht vorgebeugt hatte. Die Antwort auf die erste Frage war im Grunde genommen sehr einfach: in seiner Deklaration hob Nikolajew hervor, daß sein Attentat einen ausschließlich individuellen Charakter trage und daß er keinerlei Mitverschworene habe. Die Aufzeichnungen in seinem Tagebuch bestätigen voll und ganz diese Behauptung. Es fand sich unter ihnen keine einzige, die auch nur indirekt die Annahme bestätigen konnte, daß irgendeine Geheimorganisation bestand, deren Mitglied Nikolajew war, oder in deren Auftrag er gehandelt hatte. Jedenfalls findet sich in dem obenerwähnten Memorandum kein einziges Zitat aus dem Tagebuch, das einen solchen Charakter trug, und es unterliegt keinem Zweifel, daß die Untersuchungsbeamten diese Zitate in ihrem Memorandum angeführt hätten, wenn sie in dem Tagebuch enthalten gewesen wären. Der allgemeine Charakter des Tagebuchs schließt andererseits die Annahme aus, daß Nikolajew systematisch alles verschwiegen habe, was irgendeine Beziehung zur vermuteten Geheimorganisation hatte, denn er schrieb ausführlich und sehr unvorsichtig alle Gespräche auf, die ihn auch nur indirekt in seinen Auffassungen bekräftigten. Aber wir haben uns schon längst von jenen Zeiten entfernt, wo als»Teilnehmer« und»Anstifter« nur derjenige betrachtet wurde, der direkt oder indirekt an einer konkreten Handlung teilgenommen oder zu ihr aufgefordert hatte. Als Teilnehmer und Anstifter erscheint nach unseren Auslegungen jeder, der jene Stimmungen unterstützt und bekräftigt, auf deren Boden bestimmte Handlungen entstehen. Solche Teilnehmer oder Anstifter zu finden war nicht schwer. Aus dem Tagebuch Nikolajews ist ersichtlich, daß es in Leningrad in der Organisation selbst wie auch in ihrem Umkreis nicht wenige unzufriedene Elemente gab, die aus ihrer kritischen Haltung zu den Verhältnissen in der Partei und im Lande kein Hehl machten. Das waren hauptsächlich frühere Oppositionelle, die in den vorhergehenden Jahren allen möglichen Repressalien unterworfen wurden, in Gefängnissen und Verbannungsortem geweüt hatten und nur in allerletzter Zeit nach Leningrad zurückgekehrt waren. Nachdem sie früher mehr oder weniger hohe Posten in Partei- und Sowjetapparat bekleidet hatten und gewohnt waren, eine führende Rolle im politischen Leben zu spielen, söhnten sie sich jetzt nur mit Mühe mit ihrer bescheidenen Stellung aus und waren stets bereit, über die neuen Ordnungen zu murren und sie mit der»guten alten Zeit« in Parallele zu setzen. Sie hatten keine Geheimorganisation, aber viele von ihnen standen in freundschaftlichen Beziehungen zueinander, deren Anfang in die ferne Vergangenheit zurückführte, Wenn man sich traf, tauschte man Infor- mationen über den Stand der Dinge in der Partei und über das Schicksal der Genossen in den Gefängnissen und Verbannungsorten aus; zuweilen1 veranstaltete man Geldsammlungen zu ihren Gunsten; hin und wieder kritisierte man die besonders verhaßten Gegner. Damit war aber auch ihre politische Aktivität erschöpft. Irgendeine Tätigkeit in der gesellschaftlichen Umwelt versuchte man fast gar nicht auszuüben. Eis sei denn, daß hin und wieder jemand von ihnen in einer wissenschaftlichen Gesellschaft ein Referat hielt oder bei einer Veranstaltung über die Parteigeschichte seine geschichtlichen Erinnerungen zum besten gab. Die Tatsache der Existenz solcher Herde»ideell nicht entwaffneter Opposition« bildeten kein großes Geheimnis. Auch die örtliche Abteilung des Innenkommissariats duldete sie, wie in früheren Zeiten die zaristische Polizei die Kolonien ehemaliger Verbannter duldete, die in der Stadt ihr Sonderdasein führten, ohne sich mit der Bevölkerung zu verschmelzen. Auf dieses Milieu stürzte sich nun A g r a n o w mit allen seinen Talenten, nachdem er den Auftrag erhalten hatte, es möglichst eingehend zu»untersuchen«. Weit schwieriger war die zweite Aufgabe, die Agranow zugewiesen war. Die Revision der Leningrader AbteUung des Innenkommissariats stellte fest, daß seine leitenden Persönlichkeiten genügend über die Stimmungen Nikolajews und sogar über seine Sympathien für den Terror unterrichtet waren. Zügellos und nervös sprach er nicht selten ganz offenherzig selbst in Anwesenheit wenig bekannter Personen über die gefährlichsten Dinge, und bei uns ist die Bespitzelung so gut organisiert, daß auch oppositionelle Bemerkungen, die selbst im Kreise von drei bis fünf nahen Freunden gemacht werden, alle Aussichten haben, denen zu Ohren zu kommen, die über diese Dinge zu wachen haben, Uebcr Nikolajew kam ihnen sehr vieles zu Ohren. Unter diesen Umständen erscheint es vollkommen unbegreiflich, wie man ihn in der unmittelbaren Nähe Kirows dulden konnte, wo der persönliche Schutz der»Führer« bei uns doch so gut organisiert ist! Eis war deshalb unbedingt notwendig, daß die Angelegenheit von einer anderen Seite beleuchtet wurde. Von welchen Motiven Nikolajew selbst geleitet war, ging aus den Dokumenten klar hervor; weit wichtiger jedoch war es, festzustellen, ob in diesem Falle nicht eine direkte Förderung seitens derjenigen Personen vorlag, zu deren Obliegenheiten es gehörte, ein Attentat zu verhindern. Wer war an der Beseitigimg Kirows unmittelbar vor seiner Uebersiedlung nach Moskau interessiert? Gab es keine Fäden, die von diesen Personen zu dem oder jenem Leiter der Leningrader Abteilung des Innenkommissariats führte? Es ist anzunehmen, daß eine in dieser Richtung geführte Untersuchung recht viel interessantes Material zutage gefördert hätte. Gespräche über dieses Thema habe ich nicht gehört. Denn bei uns hat man Uberhaupt aufgehört, Gespräche zu führen, insbesondere über so gefährliche Themen. Aber Andeutungen, daß derartige Vermutungen bei vielen aufgetaucht seien, hört man noch jetzt; in den Dezembertagen 1934 ist plötzlich das Interesse für den Prozeß über die Ermordung des Ministerpräsidenten Stolypin sehr rege geworden, der mit dem Fall Kirow viel Aehnlichkeit aufweist») Alle diese Fragen wurden von der Untersuchung nicht aufgerollt Jedenfalls ging die besondere Aufmerksamkeit der Untersuchungsbehörden in einer ganz anderen Richtung: wenn die Untersuchung Uber die»Mitverschworenen« sich von Anfang an in eine Untersuchung über die Zirkel der Leningrader Oppositionellen verwandelte, so verwandelte sich die Untersuchung über die Leiter der Leningrader AbteUung des Innenkommissariats sehr bald in eine Untersuchimg der Frage, weshalb sie die Oppositionellen»geduldet« und ihnen gestattet hatten, in Leningrad zu leben, in der Presse mitzuarbeiten, in Versammlungen aufzutreten, etc. Zu ihrer Rechtfertigung beriefen sich die Angeschuldigten auf die mündlichen und schriftlichen Verfügungen Kirows, der, geleitet von seinen allgemeinen politischen Erwägungen, für alle möglichen EMoich- tenmgen gegenüber den früheren Oppositionellen eintrat und im Innenkommissariat vorschlug, sie nicht durch überflüssige Beschränkungen zu erbittern. Diese Hinweise entsprachen vollkommen den Tatsachen. Es muß gesagt wer- •) stolypin wurde seinerzeit von einem Spitzel der Ochrana, der zaristischen Geheimpolizei, ermordet. Red. d.>N. V.« den, daß KSrow!n«Jen letzten Jahren überhaupt die Neigung zeigte, ähnlich wie seinerzeit Sinowjew, Leningrad in ein selbständiges literarisch-wissenschaftliches Zentrum zu verwandeln, das auf dem Gebiet der literarischen und wissenschaftlichen Produktion mit Moskau konkurrieren konnte. Deshalb förderte er mit allen Mitteln die Verlagstätigkeit in Leningrad, schuf sowohl in materieller wie in zensu- reller Hinsicht günstige Bedingungen für die Existenz von Zeitschriften, protegierte die Tätigkeit wissenschaftlicher Gesellschaften etc. Daß ehemalige Oppositionelle zu diesen Arbeiten herangezogen wurden, wurde von Kirow ebenso gefördert, wie in früheren Zeiten die Heranziehimg von Verbannten zur wissenschaftlichen Untersuchung der sibirischen Randgebiete durch liberale Provinzgouverneure. Die Parallele mit jener Zeit war auch in dieser Hinsicht richtig. In seinem»Liberalismus« ging Kirow sogar so weit, daß er einem so verstockten»Sünder« wie Rjasanow im März 1934 gestattete, nach Leningrad überzusiedeln. Was konnten unter diesen Umständen die Leiter der Leningrader Abteilung des Innenkommissariats tun, wenn sie von ihrem unmittelbaren politischen Führer, einem der einflußreichsten Mitglieder des Politbüros, der Tür Leningrad mit der ganzen Fülle der Sowjetgewalt ausgerüstet war, direkte Anweisungen erhielten? Anfang Dezember war die Untersuchung so weit gediehen, daß dem Politbüro ein zusammenfassender Bericht erstattet wurde. Dieser Bericht wurde zusammen mit der Frage erörtert, welche politischen Schlußfolgerungen aus dem Attentat Nikolajews gezogen werden müßten. Der Kampf um Stfalin Sie werden verstehen, daß mich immer wieder die Frage interessierte, welche Stellung Stalin selbst bei allen diesen Auseinandersetzungen einnahm. Der Kampf, der seit dem Herbst 1933 in den Spitzen der Partei geführt wurde, unterschied sich wesentlich von allen früheren Konflikten innerhalb unserer leitenden Spitze, Wenn früher alle Oppositionen gegen Stalin gerichtet waren und dafür eintraten, daß er vom Poston des Hauptführers der Partei beseitigt werde, war jetzt von einer solchen Beseitigung auch nicht einmal andeutungsweise die Rede. Die Gruppierung vollzog sich nicht unter dem Gesichtspunkt für oder gegen Stalin, denn alle ohne Ausnahme wurden nicht müde, ihre volle Ergebenheit ihm gegenüber zu unterstreichen. Eis wurde vielmehr ein Kampf um den Einfluß auf Stalin, sozusagen ein Kampf um seine Seele geführt. Die Frage, nach welcher Richtung er sich im letzten Augenblick entscheiden würde, blieb immer offen, und da von dieser Entscheidung Stalins die Politik der Partei in der nächsten Periode abhing, strebten alle danach, ihn auf ihre Seite zu ziehen. Bis zur Ermordung Kirows hielt er sich sehr reserviert: einmal unterstützte er die Vertreter des neueren Kurses, dann wieder hielt er sie zurück. Ohne sich mit ihnen direkt zu liieren, trat er gleichzeitig auch nicht als ihr Gegner auf. Er beschränkte die Zahl der ihm täglich erstatteten Berichte auf ein Minimum, schloß sich häufig in sein Arbeitszimmer ein und ging stundenlang mit der Pfeife im Munde im Zimmer umher: Stalin dachte nach, erwog eine neue Linie, und wenn er dachte, mußte überall absolute Stille eingehalten werden. Einen großen Einfluß übte G o r k i auf ihn aus. Das war jene Zeit, wo der Einfluß des letzteren seinen Höhepunkt erreichte. Ein glühender Anhänger der Idee von der Notwendigkeit der Versöhnung der Sowjetgewalt und der parteilosen Intelligenz, übernahm er voll und ganz den Gedanken Kirows von der Notwendigkeit der Ver- söhnungspolitik innerhalb der Partei, denn eine solche Versöhnung, die die Reihen der Partei befestigte und stärkte, erleichterte der Partei die Möglichkeit des moralischen Einflusses auf breite Kreise der Sowjetunion. Da Gorki die grundlegenden Charaktereigenschaften Stalins gut kannte, sein oft orientalisch anmutendes Mißtrauen gegenüber seiner ganzen Umgebung, war er vor allem bestrebt, ihm die Ueberzcu- gung beizubringen, daß das Verhältnis ihm gegenüber jetzt ein ganz anderes geworden sei wie in der Zeit der heftigen Aua- einandereetzungen mit den verschiedenen Oppositionen. Gorki bemühte sich, Stalin den Gedanken beizubringen, daß«He Genialität seiner grundlegenden politischen Linie von allen anerkannt werde und daß deshalb niemand die Absicht habe, seine leitende Stellung anzutasten. Unter diesen Bedingungen würde ein großmütiges Verhalten gegenüber den gestrigen Gegnern, ohne seine Stellung zu unterhöhlen, nur seine moralische Autorität heben. Ich kenne Stalin nicht genügend und wage deshalb nicht zu beurteilen, ob seine damalige Haltung nur ein Spiel war, oder ob er wirklich in Erwägung zog, ob man den Versicherungen Gorlds Glauben schenken könne. Der letztere hatte jedenfalls ein Argument zur Verfügung, dem gegenüber Stalin stets nachgiebig war: wie würde dieser oder jener Schritt Stalins von seinen künftigen Biographen beurteilt werden? Schon längst macht Stalin nicht nur seine Biographie, sondern er sorgt auch dafür, daß man auch in Zukunft günstig über ihn schreiben soll. Er will, daß man ihn nicht nur hart und unbarmherzig darstellt, wo es sich um den Kampf gegen unversöhnliche Feinde handelt, sondern auch einfach, großmütig, menschlich, wo er im Milieu unserer harten Zeit sich den Luxus erlauben darf, si<üi so zu geben, wie er in Wirklichkeit ist. Von Natur aus ein sehr primitiver Mensch, ist er hin und wieder geneigt, diese Stimmungen auch primitiv zum Ausdruck zu bringen. Daher sein Bestreben, die Rolle eines Harun AI Raschid zu spielen, sintemalen dieser letztere auch aus dem Orient stammte und auch eine recht primitive Natur war. Jedenfalls verstand es Gorki sehr gut, auf dieser Saite zu spielen und sie für irgendwelche guten Zwecke auszunutzen: er milderte das Mißtrauen Stalins, beschwichtigte seine Rachsucht, etc. Eis ist natürlich möglich, daß Stalin auch von anderen Motiven geleitet wurde: ringsum waren alle von der Anspannung des vorhergehenden Jahrzehntes so erschöpft, daß ein Widerstand gegenüber dieser Stimmung nur Konflikte heraufbeschwören konnte. Es sei dem wie es sei, es unterliegt aber dennoch keinem Zweifel, daß Stalin im Jahre 1934 weicher und menschlicher wurde, in seinem Verkehr die bisherige Schroffheit milderte, mit Schriftstellern, Künstlern, Schauspielern zusammenkam, ihre Unterhaltungen anhörte und sie zu offenherzigen Aussprachen veranlaß te... Diese Wandlungen wirkten auch auf die Beziehungen Stalins zu den früheren Oppositionellen zurück. Besonders charakteristisch war in dieser Beziehung die Rück- berufung Bucharins, der nach einigen Jahren der Ungnade den Posten eines Redakteure der»Iswestija« erhielt. Noch symptomatischer war seine Wandlung gegenüber K a m e n e w. Dieser letztere wurde, glaube ich, dreimal aus der Partei ausgeschlossen und kam dreimal als reumütiger Sünder zurück. Das letzt emal hatte er sich im Winter 1932/1933 das Verbrechen zuschulden kommen lassen, die Plattform Rjutins, das heißt ein Dokument, das Stalin besonders verhaßt war, gelesen zu haben, ohne der Obrigkeit darüber Meldung zu erstatten. Es schien, daß Kame- new diesmal emstlich und für lange Zeit in Ungnade gefallen war. Aber es gelang Gorki, der Kamenew sehr schätzte, Stalin auch diesmal milder zu stimmen. Er arrangierte eine Zusammenkunft Stalins mit Kamenew, bei der, wie damals erzählt wurde, Kamenew eine Art Liebeserklärung an Stalin vorbrachte. Einzelhelten über die Aussprache, die unter vier Augen stattfand, kennt natürlich niemand, aber in den Kreisen der Partei wurde damals mit Genugtuung ihr Resultat verzeichnet: wie Stalin selbst erklärte, hat er»Kamenew Glauben geschenkt«. Der letztere habe angeblich offenherzig über seine ganze oppositionelle Tätigkeit berichtet und dargelegt, weshalb er früher gegen Stalin war und jetzt endgültig aufgehört habe, sein Gegner zu sein. Eis verlautete damals auch, daß Kamenew Stalin sein Ehrenwort gegeben habe, sich in Zukunft nie mehr mit oppositionellen Dingen zu befassen und«laß er dafür die weitestgehenden Vollmachten für«iie Leitung des Verlags»Akademia« erhielt, sondern auch das Versprechen, in allernächster Zukunft zu leitender politischer Arbeit zugelassen zu werden. Als eine Art Vorschuß erhielt er die EMaubnis, auf dem 17. Parteikongreß aufzutreten. Dieses Auftreten hatte einen sensationellen Erfolg. Kamenew Ueferte hierbei die»theoretische Begründung« der Notwendigkeit der Diktatur— nicht der Diktatur der Partei oder der Klasse, sondern der persönlichen Diktatur. Die Demokratie, selbst innerhalb einer Klasse oder einer Partei— wies er nach— taugt nur für Perioden des friedlichen Aufbaues, wo Zeit für Unterhaltungen und gegenseitige Beeinflussung vorhanden ist. Anders sind Krisenzeiten, wo die Partei und das Land einen Führer haben muß, einen Menschen, der allem d5e Kühnheit hat, einen Entschluß zu fassen. Eis ist ein Glück für die Partei und das Land— so führte er aus— wenn sie in solchen Momenten einen Führer haben, der die Gabe der Intiution hat: sie haben dann Aussichten, aus den schwersten Situationen als Sieger hervorzugehen. Wehe jedoch, wenn an leitender Stelle ein Mensch stehen sollte, der für diese Rolle nicht geeignet ist: dann droht das Unheü über sie hereinzubrechen... Diese ganze Rede war so aufgebaut und vorgetragen. daß die Hörer nicht daran zweifelten, Stalin werde von dem Redner als Führer des ersten Typs angesehen. Der Kongreß bereitete dem Redner eine Ovation, die dann in eine Ovation an die Adresse Stalins überging. Erst viel später erkannte man, daß die Rede ziemlich machiavellis tisch aufgebaut war und daß sie bei aufmerksamer Lektüre auch einen direkt entgegengesetzten Elin druck ausüben könne. Eben das hatte der Staatsanwalt Wyschinski im Auge, als er Kamenew beschuldigte, ein heuchlerischer Jünger Machiavellis zu sein. Die Gegner des neuen Kurses Wenn man hinsichtlich Stalins annehmen kann, daß er eine Zeit lang mit den Plänen eines völligen Wechsels des Parteikurses und einer Versöhnungspolitik innerhalb der Partei sympathisierte, so war seine nächste Umgebung, sein Arbeitsstab, voll und ganz gegen diese Pläne. Nicht etwa deshalb, weil die Vertreter dieses Arbeitsstabes prinzipielle Gegner von Wandlungen in der allgemeinen Politik der Partei gewesen wären, zu denen auch die Pläne Kirows und seiner FYeunde gehörten. Die FYagen der großen Politik waren diesem Kreis in hohem Maße gleichgültig; wie die späteren Ereignisse zeigten, waren diese Leute auch für stärkere WamUungen als die zu haben, die Kirow im Auge gehabt hatte. Wogegen sie sich d<5ch in aller Entschiedenheit auflehnten, waren Aendenm- gen des innerparteilichen Kurses. Sie wußten: wenn viele bereit waren, Stalin die negativen Seiten seines Charaktere wegen der großen Leistungen, die er für sich buchen konnte, zu verzeihen, so gab es für seine Untergebenen, die gerade auf diese negativen Charaktereigenschaften Stalins spekulierten, bei einer Aendenmg des inneren Parteiregimes keine Gnade. Denn der Kampf ging nicht für oder gegen Stalin, sondern um den Einfluß auf Stalin. Das heißt in der Sprache des Organisationsbüros, um die Besetzung des Arbeits- ap parates des Zentralkomitees mit neuen Leuten, die bereit waren, neue Methoden, eine neue Einstellung zu den Menschen in ihrer Arbeit hineinzutragen. Und es ist deshalb verständlich, daß der alte Stab sich mit allen Kräften diesen Aenderungen widersetzte. An der Spitze dieses Widerstandes standen Kaganowitsch und J e s h o w, Der erste re ist zweifellos ein ungewöhnlicher Mensch. Ohne große BUdung, aber fähig, die Gedanken der Gesprächspartner im Fluge zu erfassen und sich anzueignen, zeichnet er sich durch Arbeitsfähigkeit, gutes Gedächtnis und organisatorische Talente aus. Niemand versteht so gut wie er, alle möglichen Konferenzen und Kommissionssitzungen zu leiten, in denen der Vorsitzende die Fähigkeit besitzen muß, die Debatte in eine bestimmte Richtung zu lenken, die Redner zur Sache zu zwingen und die ganze Aussprache im wesentlichen zu beherrschen. Nur schade, daß dieser talentvolle Kopf einem Mann gehört, über dessen moralische Qualitäten kaum zwei Meinungen bestehen. In Parteikreisen ist er durch seine Unzuverlässigkeit bekannt. Auf sein Wort kann man nicht bauen: er gibt ebenso leicht Versprechungen, wie er sie nachher zurückzieht. Möglich, daß daran äußere Gründe mitschuldig sind: er begann seine große Parteikarriere in der Zeit, wo große Nachfrage nach Treulosigkeit herrechte. Aber war er andererseits nicht einer von denen, die mehr als alle anderen das Anwachsen dieser Nachfrage gefördert haben? Sein treuer Bundesgenosse war J e- show. Wenn man hinsichtlich Kagano- witschs noch hin und wieder staunend fragt, warum er diesen Weg gegangen ist, wo er seine Karriere auch mit ehrlichen Mitteln hätte machen können, so kommt gegenüber Jeshow dieses Staunen nicht zum Ausdruck: dieser Mann konnte seine Karriere nur mit ähnlichen Mitteln machen. Während meines ganzen, leider schon ziemlich langen Lebens, habe ich selten Menschen getroffen, die ihrer ganzen Natur nach so unsympathisch wären wie Jeshow. Wenn ich ihn sah, kamen mir oft jene Straßenjungen in den Sinn, deren liebster Sport darin bestand, einer Katze, die Mein»> Erlebnis aus der Kampfzeit«< Ich bewerbe mich um einen deutschen Literaturpreis mit Petroleum begossen war, einen Papierstreifen an den Schwanz zu binden, ihn anzuzünden und zu beobachten, wie das arme Tier in wahnsinnigem Schreck durch die Straßen fegte, ohne die Möglichkeit zu haben, sich vor dem herannahenden Feuer Sehr geehrte Herren! Beauftragt wie es stündlich geleitet, erzogen was sage ich! nun ja, in seinem Bettchen lag mein damals zu retten. Ich zweifle nicht, daß er in der mir scheint, nur zur Zeit- mit der Leitung trainiert und exerziert zu werden. Ich und gerade zweijähriges Kind in dem ihm und Kindheit tatsächlich einen solchen Sport des Westdeutschen Rundfunks, Köln, Dago- mein» Erlebnis aus der Kampfzeit« kommen seiner Wärterin dienenden Schlafzimmer. Es getrieben hat: in anderer Form und auf bertstraße haben Sie Preise im Betrage von diesem Ihrem Drang nach deutscher Wahr- hatte friedlich geschlafen, bevor es durch die anderem Boden setzt er ihn auch heute insgesamt 4200 Reichsmark für literarische haftigkeit wohl mehr entgegen, als es alle Explosionen zerschellender Möbelstücke, berfort. Man muß es sehen, wie er diesen oder Mitarbeit an Ihrem Unternehmen ausgesetzt. meine voraussichtlichen Kölner Mitbewerber stender Kleiderschränke, die hysterischen jenen Oppositionellen, der früher eine hohe So wenigstens teilten Sie dieser Tage durch und deren Schilderungen wahrscheinlich zu Wutausbrüche der Uniformierten, die AngstParteistelle bekleidete, bis aufs Blut quält, den Aether und in den Zeitungen mit. Vor tun vermögen. Denn nur die Zeit, die ge- schreie meiner Frau, vor der der SS- Führer wenn ihm gestattet wird, sein Mütchen an allem wollen Sie, wie Sie darlegten, die braucht wird, um etwa ein Schinkenbrötchen mit von zu aufder das als sie angelegter Kanone Wache hielt, ihm zu kühlen. Er hat offenbar eine schwe- Schilderung eines» Erlebnisses ohne Pression zu verzehren, und nicht mehr wachte... Aber zwei oder auch drei re Jugend gehabt. Auch seine Parteikar- aus der Kampfzeit« im angegebenen wird von Ihnen benötigt, um die ganze und» erwachten Deutschen< schämten sich nicht riere war anscheinend nicht leicht gewesen. Rahmen prämiieren. Eine Schilderung, die volle Wahrheit meines>> Erlebnisses<< durch einen Augenblick vor den blauen, unwissenMan hat ihn sicherlich getreten und nicht weiterhin eine Sendezeit von fünfzehn Minuten Lokalbesichtigung sicherstellen können. den, ratlosen Augen des Jungen, um auch geliebt. Und bei ihm hat sich eine gren- auszufüllen imstande wäre... Ich nehme mir Noch dürften die Spuren einmal eingeschla- dort Fenster und Schrank durch Beilhiebe zu zenlose Wut gegen alle angesammelt, die die Freiheit, mich in den Kreis der Bewerber gen gewesener Fensterkreuze in meiner Woh- zersplittern, die Deckenlampe durch einen früher hohe Posten in der Partei beklei- innerhalb dieses Meistersingens zu stellen. nung, Alvenslebenstraße 15, parterre, die der Hieb mit dem Seitengewehr in tausend Stücke deten, gegen die Intellektuellen, die gut Und es geschehe denn gleich durch diesen herabgerissenen und mit Beilen zerhackten zu fegen, den Stühlen einzeln die Beine absprechen können( er selbst ist kein Red- Brief selbst! Rolladen, der durch Axthiebe entstandenen zuhacken.» Wat mach der Onkel?<< ner), gegen die Schriftsteller, deren Bücher Zwei, ich glaube, auch Ihnen recht ein- großen und klaffenden Löcher in den Wän- war, was das Kind herausbrachte, von allen gelesen werden( er selbst hat nie leuchtende Gründe darf ich vorweisen, die den jener vier oder auch fünf Räume ein- mich an ihm vorbeischleppten, in die Freuden, etwas außer Denunziationen geschrieben), meine Hoffnungen in diesem Betracht viel- schließlich des Korridors, des aufgerissenen die sie mir noch im offiziellen und prunkvolder Nationalsozialistischen gegen die alten Revolutionäre, die auf ihre leicht als nicht ganz abwegig und nichtig er- Parketts, des umgekippten und zerlöcherten len Parteipalast Leistungen stolz sind( er selbst hat nie in scheinen lassen: Ich bin was weiß ich mehr?! ein> leider< muß Badeofens dort Deutschen Arbeiterpartei in Köln am Rhein der illegalen Bewegung gearbeitet). In man leider hier einschalten immer noch zu sehen sein. Es sind freilich vier Jahre seit zugedacht hatten... einer Zeit, wo die Verfolgungen der alten nicht ausgebürgert. Es ist Aergernis und dem» Erlebnis aus der Kampfzeit« her. Sollte Aber wirklich, sehr geehrte Herren, nun Bolschewisten zur offiziellen Parole der Kummer für meinen deutschen Ordnungssinn, wirklich die milde, alles verschluckende und sehe ich, daß schon über zehn Minuten von > verjüngten bolschewistischen Partei er- darum zu wissen, daß in einer> veredelten verzeihende Weisheit so langen Zeitraumes den fünfzehn mir zugebilligten Ihrer Sendehoben wurde, konnte man sich kaum einen Demokratie« die Kartothek ausgerechnet ihrer diese wenn nicht lebenden, so doch handgreif- zeit verstrichen sind. Vielleicht füllen Sie sich geeigneteren Vollstrecker dieser Parole wichtigsten und lebensnotwendigsten, lichen Zeugen meines Erlebnisses<< verwischt also selbst liebenswürdiger Weise die noch wünschen. Das einzige Talent, mit dem er allen Gutgesinnten am meisten geachteten, haben, nun, gleich um die Ecke wohnt offenen fünf Minuten durch das aus, was zweifellos begabt ist, ist das Talent der ge- den wahren Bedürfnissen des Volkes am zu- noch immer die Hausbesitzerin, deren Mieter dann noch zwei oder drei Stunden lang an heimen Intrigen. Und er versäumt keine verlässigsten und gewissenhaftesten dienen- ich war und die sicherlich alle Rechnungen feigen Mißhandlungen eines Wehrlosen, geGelegenheit, dieses Talent anzuwenden. Das den Behörde die der Geheimen Staatspoli- und Belege über die Wiederinstandsetzung meinen Beschimpfungen, deren kein» BolscheJahrzehnt, das er im Apparat des Organi- zei nämlich hier offenbar eine Lücke auf- einer fast bis auf die letzte Kleinigkeit syste- wist<< fähig sein dürfte, an ganz gewöhnsationsbüros und des Zentralkomitees zu weist. Mindestens könnte also meine Bewer- matisch und kunstvoll kriegsverwüsteten Woh- lichem Taschendiebstahl, der weder Uhr noch gebracht hat, gab ihm eine seltene Kennt- bung doch den Anstoß dazu geben, daß bei nung, wenn nicht als Andenken an die große Nickelgeld in der Westentasche verschmähte, nis der persönlichen Eigenschaften der diesem Punkt endlich der allgemeinen und Zeit, so doch aus simpleren Gründen geord- an sadistischer Quälerei vor allem an einem aktiven Funktionäre des Parteiapparates. menschlichen Gerechtigkeit ebenso, wie der neter Buchführung noch aufbewahrt und sie noch blutiger, als ich, geschlagenen Kollegen, Menschen, die auch nur einigermaßen un- besonderen und administrativen Ordnung end- Ihnen auf Verlangen sicherlich auch vorlegen den sie auch festgenommen hatten, geabhängig und in ihren Ueberzeugungen und lich Genüge geleistet wird. Das aber hindert wird. Sympathien fest sind, haßt er aus voller ja nicht, daß ich mich immer noch auf diese Seele und drängt sie systematisch von lei- durch mich in keiner Weise verschuldete schon etwa über die mir zugebilligten fünf- Sollte ich aber da im Irrtum sein, so werden tenden Posten zurück, die er mit Personen Nicht- Ausbürgerung berufen darf. sicherlich die jetzt noch amtierenden hohen besetzt, die bereit sind, jeden beliebigen Des weiteren: Ihr Rundfunkgebäude, Sitz so mag nur dieses eine> Erlebnis aus der Beigeordneten der» Hansastadt Köln, die Befehl widerspruchslos auszuführen. Diese Linie kann er natürlich nur deshalb ein- aiso jener Herren, die über meine Bewerbung Kampfzeite im Gesamtkomplex meines> Fal- Herren Schaller und Ebel( nicht wahr, Sie kennen sicher diese Namen Ihrer höchsten zu befinden haben werden, ist nicht weiter les als besonders» erlebnis< reich noch von halten, weil sie von oben gewünscht wird, Parteivorgesetzten!<) als bei dem» Erlebnis aber in die Art ihrer Durchführung hat denn knappe sechs Minuten, kaum tausend mir erwähnt werden: aus der Kampfzeit« in vollem und unmittelJeshow nicht wenige individuelle Züge hin- Schritt vom realen Schauplatz meines» ErAls Ihre SS und SA, teils mit Beilen und barem Umfang» tätlich< Beteiligten die geeingetragen. Während dieser zehn Jahre lebnisses aus der Kampfzeite entfernt. Sie, blanken Seitengewehren in den Händen, teils nügende Auskunft erteilen können. auch mit den entsicherten Revolvern nach Der wohlwollenden Berücksichtigung meimeine Herren, wissen sicherlich um den kurmehr Spreche Verzeihung! schreibe ich zehn Minuten Sendezeit hinaus? Wenn nicht, schah?! So viel Phantasie ist Ihnen sicherlich trotz Göbbels! noch geblieben! Frei- Deutschland! gez. Hugo Efferoth, zur Zeit Prag. Lieblichkeit der Tafel » Sauberkeit und Lieblichkeit der Tafel hat er ein ganzes Netz aus zuverlässigen Freunden gesponnen. Er hat sie überall zen Weg von der Dagobert- zur Alvensleben- entschiedenem, zu jedem Heroismus befähig- ner Bewerbung durch Sie gewiß, verbleibe ich sitzen, in allen Zweigen des Parteiappara- straße, in der ich das zu beurteilende tem Gebrauch des Stemmeisens an meiner mit der Ihnen gebührenden Hochachtung und noch das über alle deutschen Sender zu ver- Korridortür, am hellichten Tage des 9. März einem kräftigen tes, in allen Organen der Sowjetverwaltung, breitende>> Erlebnis«< hatte( ich sage das letz- 1933, mittags um halb zwei Uhr in meine auch das Innenkommissariat nicht ausgenommen, und schließlich auch in der Ar- tere im Interesse der großen Sache und nicht Wohnung einbrachen, als sie sich zu sechst oder auch zu acht über mich stürzten, mich mee. Diese Leute sind ihm besonders jetzt meiner unbedeutenden Person). Nun wohl ich stelle mir vor, wie stark am Boden bald zu erwürgen, bald zu ernützlich, wo er an die Spitze des Innenals kommissariates gestellt ist und das leitende und unlösbar gerade Sie sich an jene Liebe schlagen, bald zu erschießen drohten, Personal desselben radikal» verjüngte. Es zur Wahrhaftigkeit gebunden erachten, die ja weitere sechs oder auch acht, mit dem brau- sind das Ausschlaggebende, nicht die Ueppigmuß übrigens vermerkt werden: von allen immer bestes Erbgut unseres gemeinsamen nen oder schwarzen» Ehrenkleid der Bewe- keit des Mahles. Vielmehr ist ein allzureichleitenden Funktionären der ehemaligen deutschen Blutes, als es noch nicht verjudet gung< behaftet, taktmäßig und auf Kommando liches Frühstück eher eine Behinderung GPU hat Jeshow nur einzig und allein war, darstellte. Sie selbst haben freilich noch eines» Vorgesetzten< jenes oben nur ange. als eine Erfrischung für den Arbeits>> Jascha<< Agranow auf seinen Posten dazu das große Glück, in dieser so ganz deut- deutete Zerstörungswerk in meiner Wohnung tag... Also: Brechen wir eine Lanze für das gelassen. Es sind aite und treue Freunde! schen Tugend durch das Reichspropaganda- am allerunschuldigsten Kleiderhaken ( Wird fortgesetzt.) ministerium und den, der es leitet, täglich, ja harmlosesten Rasierspiegel begannen Die faustischen Menschen ( Spielt auf dürrer Heide. Personen: neudeutscher Professor, Freiwilligenwerber, sein Gefolge, Chor der Geister, eine Stimme.) Neudeutscher Professor: Habe nun, ach, die Parteigeschichte, Rassenkunde und Mythologie, Den Stürmer und die Parteitagsberichte Durchaus studiert mit ergebener Müh'. Da steh ich rassenreiner Tor! Und bin nicht reicher als zuvor. Blutorden ja! Doch weder Ehr' noch Geld. Kaum Rottenführer. Das ist eine Welt! Wer tät mir einen Titel schenken? Beim Eintopfsammeln werd' ich noch verhöhnt. Der Kasus brächte mich bestimmt zum Denken, Hätt' ich mir nicht das Denken abgewöhnt. Es möchte kein Hund so länger leben, Drum hab' ich mich der Wissenschaft begeben. Ein jeder lernt nur, was er lernen kann, Doch wer nicht denkt, Dem wird es geschenkt, Das ist der rechte Mann. Chor der Geister: Wer schaut hinab von diesem hohen Raum Ins weite Reich, ihm scheints ein schwerer Traum, Wo Mißgestalt in Mißgestalten schaltet, Das Ungesetz gesetzlich überwaltet Und eine Welt des Irrtums sich entfaltet. Freiwilligenwerber ( tritt auf mit Gefolge): Hier bin ich in der braunen Hose, Das Mäntelchen aus Zellulose. Komm mit, daß Du in Spanien frei Erfahrest, was das Töten sei. und Marmeladenfrühstück!<< Professor( leuchtenden Auges): Hör ich nicht schon der Schlacht Getümmel? Die Hölle schwillt von Schwefelstank und Dort ist des Menschen wahrer Himmel, Säure, Kanonen, Flinten, groß und klein Das gibt ein Gas! Das geht ins Ungeheure. Ich bin ein Bluthund Chor der Geister: darf es sein! Werber: Man läßt ihr Toben wütend hausen, Schon ist die halbe Welt vertan; Es sind noch Könige da draußen, Doch keiner denkt, es ging ihn irgend an. Das Gefolge des Werbers( in Ketten): Ach wie gern in jeder Richtung Flöhen wir das blut'ge Fest, Doch in drohender Vernichtung Bannt uns, ach! die Kette fest.( Schütteln Solch ein Gewimmel möcht ich sehn, ihre gebundenen Hände.) Im Kampfe gegen freies Volk zu stehn. Das Volk ist frei; seht an, wie wohl's ihm Im Vorgefühl von solchem hohen Glück geht! Wer das Gesicht uns zeigt, der kehrt's nicht ab Als mit zerschlag'nen Unter- und Oberbacken? Wer uns den Rücken kehrt, gleich liegt ihm schlapp Freiwilligenwerber: Maul halten! Heil! Und Helm ab zum Gebet! Wenn einer mir ins Auge sieht, Hals, Kopf und Schopf hinschlotternd graß im Nacken. Professor: (> Preußische Ztg.< Nr. 40.) verfilmt sozialistischen Bewegung oder dichterisch gestaltet werden, so sehr bin ich bestrebt, aus jedem künstlerischen Schaffen die nationalsozialistische Grundhaltung sprechen zu lassen.<< Das ist endlich einmal die richtige Formulierung: Ich spreche aus jedem Federstrich, die Kunst hört auf mein Kommando, ich kenne nur noch Kulis. Logisch ist darum auch der pessimistische Schluß der Rede: > Das, wonach wir alle streben, werden vielleicht viele von uns noch selbst erleben: den großen Anbruch einer neuen Blütezeit im deutschen Kulturleben.< Vorläufig also erlebt es noch keiner, im Gegenteil. Was wir immer gesagt haben. In den Festreden der Vierjahresfeiern klang es ganz anders, da war alles schon angebrochen, Genieß ich jetzt den höchsten Augenblick. nur die Meckerer behaupteten das Gegenteil. ( Beide ab, das Gefolge wankt ihnen ketten- Jetzt meckert auch Isidor. klirrend nach.) Chor der Geister: Werd ich ihm mit der Faust gleich in die Und auf vorgeschriebenen Bahnen Fresse fahren, Und eine Memme, wenn sie flieht, Faß ich bei ihren letzten Haaren. Chor der Geister: Ein garstig Lied! Morgen, Zieht die Menge durch die Flur; Den entrollten Lügenfahnen Folgen alle. Philosophie » Der Kampf der SA war, wie Obergruppenführer Hertzog sagte, eine kulturelle, vielleicht die größte Tat dieser Zeit. Kein Geringerer als Alfred Rosenberg ( Signale, Explosionen, Trompeten, kriegeri- hat das zum Ausdruck gebracht, als er im Schafsnatur! Dankt Gott mit jedem sche Musik, Durchmarsch gewaltiger HeeresDaß Ihr nicht braucht fürs Deutsche Reich zu sorgen. Eine Stimme: Ich halt es wenigstens für reichlichen Gewinn, Daß ich nicht Kaiser oder Freiwilligenwerber Kanzler bin. ( zum neudeutschen Professor.) Komm mit! Wir haun die Welt in Trümmern, Was dann kommt, braucht uns nichts zu kümmern. kraft.) Vorhang. Göbbels' Wartesaal ..R >> Ich spreche aus jedem Kunstwerk. In einer Ansprache vor Bonzen des>> Kulturkreises der SA< sagte Göbbels laut Nazipresse: > Etwas anderes ist es, einer nationalsozialistischen Charakterkunst den Weg zu bahnen. So wenig ich es heute wünsche, daß Stoffe aus der Geschichte der nationalvorigen Jahr erklärte: der Kampf der SA ist die Philosophie des 20. Jahrhunderts.<< ( Völkischer Beobachter<.) In der Seufzerallee > Gestern gehörte es zum Snobismus, die Parolen des Systems mitzumachen. Und zwar blindlings. Heute gehört es zum Snobismus, miẞstimmt und nichts anderes als miẞstimmt zu sein. Und zwar blindlings!<< > Westdeutscher Beobachter<<. Staatsbeteiligungen im Ausverkauf ding Reprivatisierung der Banken marschiert im attentate auf dem Gewissen. Hier verschwi stern sich Anarchismus wirrster Art und Hakenkreuz, und sie sollen nicht über Bolschewismus« oder» rote Anarchies schreien, sobald sich das sla doot gegen Br. Brandy. oder Standrecht? Die ostpreußische Presse meldet: In der DAF- Gauschule StrobjehnenSamland wurde ein Kameradschaftslehrgang beendet, der Betriebsführer und Betriebsobmänner umfaßte. Zum Abschluß des Lehrganges sprach der Gauobmann der Deutschen Arbeitsfront Parteigenosse Duschön, der den Betriebsführer als den Sozialoffizier herausstellte und betonte, daß die Volksgemeinschaft in Millionen Betriebsgemeinschaften vorbereitet werden müsse. Beim großen Bankkrach von 1931 wand-| nicht mehr in Kenntnis gesetzt, und wir unterzubringen, wenn er eine höhere Ver- sie kehrt, wie das schon geschehen ist, ohne ten sich die deutschen Großbanken, weil sie wüßten nichts darüber, wenn nicht nach- zinsung verspricht, als die Anlagen in Staats- daß ein Polizeibericht darüber meldete. Wer in höchster Gefahr waren, von dem Sturm träglich im» Deutschen Volkswirt< vom renten oder Industriepapieren. Aber auch die- Blutrache und Feme heilig spricht, soll sich auf ihre Kassen geknickt zu werden, hilfe- 22. Januar 1937 von Hans Baumgarten unter ser Besitz ist schon nicht mehr ganz vor- nicht wundern, wenn er Attentate aus den suchend an die Reichsregierung. Sie versagte dem Titel» Großbanken auf dem handen,» davon sind vielleicht kleinere Po- eigenen Reihen erntet. Entartete BdM- Megären aber, die dieses ihre Hilfe nicht, weil die Einlagen, und zwar Wege zur Reprivatisierung dar- sten infolge der Börsenbewegung in privates nicht der Großbanken allein, mit Verlust und über berichtet wurde. So erfahren wir, daß Eigentum zurückgeflossen. Wenn aber auch» sla doot« als herkömmliche deutsche Sitte das Wirtschaftsleben von der schwersten Er- die Reichsmehrheit bei Compri nicht mehr die Reprivatisierung hier bedeutend schwie- predigen, schänden damit vor aller Welt ein schütterung bedroht waren. Das Reich über- besteht, weil im Jahre 1936 wann wissen riger sein muß als bei den beiden anderen unterdrücktes Volk, das sich weder gegen nahm für die Einlagen die Garantie und zur wir nicht von einem Konsortium der Instituten, so besteht doch unseres Wissens den braunen Kitsch, noch gegen die braune Sicherung seines Einflusses maßgebende Be- ganze Besitz des Reichsfinanzministeriums grundsätzlich Einverständnis der in Betracht Kulturschande wehren kann. teiligungen an einer Reihe von Großbanken. in Höhe von 22 Millionen übernommen wor- kommenden Stellen darüber, daß auch Es verzichtete aber darauf, seinen Einfluß den war, davon 11 Millionen fest und 11 Mil- Fall Dresdner Bank allmählich die Reprivatipraktisch auszuüben. Obwohl die privaten lionen auf Option.» Inzwischen dürfte der 22- sierung erreicht werden sollte und daß an Arbeitsrecht Banken praktisch zu Staatsbanken gewor- Millionenbetrag nicht nur eine erste, sondern diesem Ziel gearbeitet werden muß<. Aus welchem Grund ist dieses Ziel so sehr den waren, wurde an dem privaten Charak- eine überwiegend dauernde Placierung in priter der Bankleitung kaum gerüttelt, nicht vaten Händen gefunden haben.<< Wer die erstrebenswert? Auf der Seite der Banken einmal die für die lebensgefährliche Erschüt- Käufer sind und wie hoch der Kaufpreis ist, liegt die Sache klar. Sie machen das Geterung des deutschen Kreditwesens verantwort- erfahren wir nicht. Aber auch von dem Be- schäft, weil es einträglicher ist als andere lichen Bankherren wurden durch andere ersetzt. sitz der Golddiskontbank ist nicht mehr alles Geschäfte, und die Erfahrung lehrt, daß das Das Dritte Reich geht in Verzicht auf Aus- vorhanden, denn es scheinen sogar auch von Dritte Reich gern Subventionen in der Form übung seiner Rechte noch weiter als die Re- den Compriaktien der Golddiskontbank zum von Geschäften verteilt.<< Ausgleich der nach publik. Nicht nur bleibt die Leitung der Ban- Ausgleich der nach zart hat ziehenden Kurs- oben ziehenden Kursbewegung< ken in Privathandel, nicht nur bleibt die bewegung einige Millionen in private Hände es bereits Baumgarten angedeutet. Am 31. Zinsknechtschaft so ungebrochen wie je zu- überführt worden zu sein, so daß die noch Dezember 1935 stand der Kurs der Aktien vor, auch die Staatsbeteiligung bei der Golddiskontbank ruhenden Compri- aller drei Großbanken an der Berliner Börse selbst wird reprivatisiert, oder, um aktien auf etwa 30 Millionen RM geschätzt 84 Prozent. Bis zum 31. Dezember 1936 war es deutlicher und deutscher auszudrücken, werden.<< Bei diesem Geschäft ist der Aus- gestiegen der Kurs der Compri auf 109½, zugunsten privater Kapitals- gleich der nach oben ziehenden Kursbewe- der DD- Bank auf 111, der Dresdner Bank auf gruppen verschleudert. Das begann gung« das wichtigste, weil der Bank Gelegen- 107%. Das ist eine durchschnittliche Kursbereits vor etwa 1½ Jahren, inzwischen ist heit gegeben wurde, an den nach oben ziehen- steigerung um 30 bis 40 Prozent. Die Ban- ber nur dem Hungertode preisgegeben. das Dritte Reich auf dem Wege zur Repriva- den Kursen zu verdienen, so daß der Kauf ken waren also in der glücklichen Lage, das tisierung der Großbanken rüstig fortgeschrit- zur verschleierten Subvention wird. So ist Geld, das sie für den Erwerb der Aktien auften. von der Staatsbeteiligung der Compri gewendet hatten, durch Börsengewinne wiekaum der hereinzuholen. Sie dürften also etwas mehr als die Hälfte dahin. >> Das Ehrengericht des Jagdgaues Kurmark >> Von einer Transaktion der DD- Bank hin- finanzielle Anstrengungen gemacht haben, hat in seiner Sitzung vom 4. Februar 1937 sichtlich ihrer im Eigentum der Golddiskont- um die Staatsbeteiligung loszuwerden. in Frankfurt a. O. folgendes Urteil gefällt: bank befindlichen Aktien hat man nichts ge- Wo aber liegt bei diesem Geschäft das Der Hegeringleiter Erbt aus Karge wird freihört<; denn> damit muß nicht gesagt sein, daß Interesse des Reiches? Gewiß ist es richtig, gesprochen. Seine Jägerehre diese in der alten Höhe vorhanden sinde. Das daß der Kapitalbedarf der öffentlichen Hand Einwandfrei steht fest, daß er einen Rotdas Winterhilfswerk Schicksal des Staatsbesitzes vollzieht sich im ihn, wie die Vorgänge auf dem Gebiete der spießer an Dritten Reich unter Ausschluß der Oeffent- Industrie im letzten Jahr mehrfach bewiesen abgeliefert hat und nicht, wie böswillig belichkeit. Darüber wird nichts verlaubart, son- haben, die Veräußerung von Aktien privater hauptet wird, ein Stück Kahlwild. Das nicht unerwünscht Urteil ist in den amtlichen Verkündungsblätdern nur an der Börse geflüstert. Es war Erwerbsunternehmungen Die Republik hatte von dem 130 Mill. Mark betragenden Aktienkapital der Deutschen Bank und Diskonto- Gesellschaft ( DD- Bank) 50 Millionen Mark übernommen, die Stratsbeteiligung hatte also 40 Prozent betragen. Das Reich war bei dieser größten aller Privatbanken mit seinem Anteil in der Minderheit. Bei der Commerz- und Privatbank( Compri) besaß das Reich von 80 Millionen 57, also eine ZweidrittelMehrheit. Davon waren 22 Millionen im Besitz des Reichsfinanzministeriums und 35 Millionen bei der Golddiskontbank, die eine Filiale der Reichsbank ist. Die Dresdner Bank war formell so gut wie vollständig Staatsbank geworden und ist es noch heute. Von den 150 Millionen Mark Aktien hatte das Reich 97 Prozent übernommen. oben an von Und dieser Duschön übertreibt nicht. Die » Sozialoffiziere« haben über ihre Arbeitskulis volle Befehlsgewalt meutert, wird geschlagen Wer oder gnadenhalHappy end... ist unverletzt. Freiherr von Dungern, Gaujägermeister.< Geisteswissenschaft also gelegentlich zu hören, daß der Besitz macht. Aber im Vergleich mit dem Chimbo- tern der Deutschen Jägerschaft bekannt zu der Golddiskontbank an DD- Bank- Aktien rasso der öffentlichen Wechselverschuldung machen. Es ist von mir bestätigt worden. heute bereits unter nom. 20 Millionen RM sind die bisher im besten Fall beim Verkauf erlösten 40 Millionen liegt man spricht von 15 bis 18 Millionen.< der Bankbeteiligung Diese Bezifferung hält Baumgarten, ehemals noch nicht einmal ein sanfter Hügel. Selbst Börsenredakteur des> Berliner Börsen- angenommen, daß das Reich dafür nur ArCourier<,> für absolut wahrscheinliche. Da- beitsbeschaffungswechsel in Zahlung genommit wäre die Staatsbeteiligung an der DD- men hat, hat sich deren Summe auch nicht Im Einvernehmen mit dem Reichserzie Bank von 40 Prozent auf etwa 12 Prozent um einen Bruchteil vermindert. Entscheiden- hungsminister Rust hat die ReichspresseDie Reprivatisierung begann bereits 1935. zusammengeschrumpft.» Und sicherlich ist der ist, daß entsprechend den Grundsätzen kammer den deutschen Lehrern eine Sie setzte ein bei der DD- Bank. Das dieser Prozeß der stillschweigenden Repriva- des Nationalsozialismus« die Großfinanz nach schüre» Zeitung und Schule< überDritte Reich überließ ihr für ein Haus Unter tisierung von Großbankaktien, die bei der Möglichkeit von dem Risiko der Verstrickung mittelt. Darin wird vorgeschlagen, in den den Linden 15 Millionen Mark ihrer eigenen Golddiskontbank liegen, damit noch nicht in die öffentliche Schuldenwirtschaft befreit Schulklassen allwöchentlich eine ZeitungsAktien. Das war ein als Kauf getarntes Ge- abgeschlossen.<< werden soll, und daß auch die als Schön- stunde abzuhalten,> entweder im Rahmen die schenk. Die Beteiligung des Reichs war da- Nicht so einfach ist die Liquidierung der heitsfehler empfundene< Erinnerung an des Deutsch- oder des Geschichtsunterrichts<<. bei worden. Staatsbeteiligung der mit von 40 auf 30 herabgedrückt Dresdner Zeit ausgelöscht werden soll, da die Herren Die Kinder werden zwar auf diese Weise lerSeitdem geht die Verschleuderung der staat- Bank, weil sich ein Aktienbesitz im Nenn- Bankmagnaten die Republik um Errettung nen, wie man die deutsche Sprache am wirlichen Bankbeteiligung ganz still und leise wert von etwa 140 Millionen nur sehr all- aus höchster Seenot anflehen mußten. vor sich. Die Oeffentlichkeit wird davon mählich versilbern läßt, denn er ist nur dann BroG. A. F. kungsvollsten mißhandelt aber es wird wenigstens noch eine Schulstunde totgeschlagen, und das sehen die Hüter der deutschen Wissenschaft jederzeit gern. Sla doot... Sippenroman und Fememord Neuer Vorwärts Sozialdemokratisches Wochenblatt hier nicht gebrauchen. Die kommen ins Moor. Wir haben unser eigenes Gericht, Mühlenkönig. Wir warten nicht erst ab, was die Richter in der Stadt be- Herausgeber: Ernst Sattler; verantschließen. Wir treiben aus, was unrein ist. wortlicher Redakteur: Wenzel Horn; Wozu sind die Moore da? Die Druck:> Graphi a<; alle in Karlsbad. haben schon manchen Verbre- Zeitungstarif bew. m. P. D. Zl. 159.334/ VII- 1933, cher schlucken müssen. Sie kön- Printed in Czechoslovakia. nen das. Die Moore sind allein dazu imstande, solche Jammerkerle zu verdauen, wie du einer bist. Hoppla, Mühlenkönig. Nun, hat es sich ausgekönigt. Nun sind wir am Ziel.<< So die Zu den Schriftstellerinnen, die im braunen| Denken lernen und Verstand sind nichts Lager etwas zu melden haben, gehört Marie Gefühl, Urgesetz und entsprechende> innere Köppen, ab und zu gefeiert als be- Stimmen« sind alles. Schwarzweiß auf der kannte ostpreußische Dichterin«. Gegenwärtig ganzen Linie, die Guten ganz weiß, die Mißläuft in der Nazipresse ein Roman von ihr, ratenen ganz schwarz. Eine Blubo- Marlitt, der alles konzentriert enthält, was Sippen- nur war die selige Marlitt ungleich weibblubo heißt. Er spielt auf einem norddeutlicher und menschlicher.>> Not kennt kein Der>> Neue Vorwärts« kostet im Einzelschen Bauernhofe und das» Ahnenerbe« gilt Gebot als das: sla doot!< schreit die verkauf innerhalb der CSR Kč 1.40( für ein als alleiniges, von der Verfasserin heilig ge- Köppen ab und zu auf. Selbstverständlich sprochenes Gesetz. Der artvergessene Hof- hängen ihre Helden und trutzigen, herben Quartal bei freier Zustellung Kč 18.-). Preis der Einzelnummer im Ausland Kč 2.-( Kč erbe, der dieses Gesetz mehrfach verletzt und Jungfrauen dem 24. für das Quartal) oder deren Gegenwert Hauerschen Germodernen>> liberalistischen< Auffassungen zu- manenglauben an. Es gibt keine Verlustig gehts in der Nazipresse zu, in der Landeswährung( die Bezugspreise für neigt, nimmt ein schmähliches Ende, indem dammnis, es gibt keinen strafenden, richten- wenn ein Mann mit Rössern und Wagen im das Quartal stehen in Klammern) Argentinien er sich eigenhändig aufknüpft, während sein den Gott, es gibt keine Strafe im Jenseits, Moor versenkt wird. Wir warten nicht erst, Pes. 0.30( 3.60), Belgien: Belg. Frs. 2.45( 29.50) jüngerer Bruder für seinen Sippenpatriotis- es gibt keine göttlichen Prüfungen. Wäre was die Richter in der Stadt beschließen, wir Bulgarien Lew 8.-( 96.-) Danzig Guld. 0.45 ( 5.40), Deutschland Mk. 0.25( 3.-), Estland mus mit dem Hofe belohnt wird. Da fehlt die Leserschaft der Nazipresse religiös nicht bestimmen, was Recht und Unrecht ist, jeder E. Kr. 0.22( 2.64), Finnland Fmk. 4.( 48.-), nichts, was die Herzen verkorkster BdM- so gemischt, könnte die Köppen ihren Lieb- auf eigene Faust. Und was die Köppen ist, Frankreich Frs. 1.50( 18.-), Großbritannien Mädel höher schlagen lassen soll. Die Jun- lingsschäfer noch deutlicher werden lassen,> unsere bekannte und beliebte ostpreußische d 4.-( Sh. 4.-). Holland Gld. 0.15( 1.80). Italien Lir. 1.10( 13.20), Jugoslawien Din. 4.50 gens heißen Uwe und Malte, die Mädchen aber so muß man es einstweilen bei diesen Dichterin und Mitarbeiterin<<, ( 54.-), Lettland Lat. 0.30( 3.60). Litauen Lit. Walmuth und Haseltrud. Da ist alles da,» deutschgläubigen< Lehrsätzen bewenden las- ihren Geschöpfen begeistert Beifall, 0.55( 6.60). Luxemburg B. Frs. 2.45( 29.50), was zum zünftigen Blubokitsch gehört: der sen. Auch Mord ist nicht einfach Mord und sie als heilige Sippengesetze ausgibt, was in Norwegen Kr. 0.35( 4.20). weise Schäfer und Brauchtumswart, der alles eine Sünde, sondern heilig ist die Wirklichkeit selbst in der raunenden Heide weiß; die uralte geheimnisvolle Wolfsangel als Fem ex. Ein handfester Fememord wird den längst als gemeines Verbrechen gilt. Das bleibt ja heiliges Familienzeichen; die Ahnentafel; der Lesern zur Nacheiferung an braunen Geschichten Kesselhaken, über dem Schwüre geleistet liefert. Uwe, der Sippentreue, jagt den schie- das Verlogenste werden; der und dieser Art: Es gibt in ganz Deutschland keiraunende Brunnen; der Ein- berischen» Mühlenkönig« mit Kutsche der jü- zwei Pferden ins Moor: nen Hof wohlhäbiger Bauern, wo dieses mitgebungen flüsternde Namensbaum; Einzahlungen können auf folgende Posttelalterliche Sippengerede und Geraune um- scheckkonten erfolgen: Tschechoslowakei: > Nun, wie gefällt dir die Fahrt, Mühlen- ginge, wo Hauerscher Schwertglaube in den Zeitschrift» Neuer Vorwärtse Karlsbad. Prag könig?<< ruft er.> Es wird eine lustige bad. Wien B- 198.304. Polen: Neuer Vorwärts< Fahrt, wie mir scheint. Eine Fahrt, wie du Großvätern gelebt hätte( die beteten im Ge- 46.149. Oesterreich: Neuer Vorwärts Karlsoder wo Feme- Karlsbad. Warschau 194.797. Schweiz: Neuer sie wohl noch nie mitgemacht hast, he? genteil zum Kruzifix) Sie wird dir die Mühe sparen, über den gelübde dieser Art im Schwange wären. Vorwärts Karlsbad. Zürich Nr. VIII 14.697. großen Teich zu reisen. Hoppla! Siehst du, Ungarn: Anglo- Čechoslovakische und Prager das ging wieder einmal gnädig ab. Dagegen hat die Nazibewegung einst ver- Creditbank Filiale Karlsbad Konto> Neuer du hättest besser daran getan, nicht in die sucht, primitive Blutrache- Vorstellungen Vorwärts Budapest Nr. 2029. Jugoslawien: Prager CreditHeide zu kommen. Wir haben hier un- gegen die Demokratie wieder zu erwecken Anglo- Cechoslovakische und sere Gesetze, verstehst du, und wer in bank. Filiale Belgrad. Konto> Neuer Vorund hat damit in norddeutschen Bauernwärtss, Beograd Nr. 51.005. Genaue Bezeich diese Gesetze einbricht, der wird als ein völkischer Bombenwir gefilden ganze Serien nung der Konten ist erforderlich. Wolf angesehen. Und Wölfe können dische Händler, der das Unglück bedeutet; die die sippenfeste erdgebundene Jungfrau, mit dem Haselzweig in der Hand, einen freiherrlichen Büßer noch rechtzeitig dem Kloster entreißt; die germanische Mythologie, >> die Boten Mitgards mitten zwischen Schatten Utgards...< den Und alle die Tüchtigen, Klugen beziehen ihr Wissen lediglich durch Baum, Strauch und Brunnen, durch Eingebungen. Denken, so nebenbei Ja, überwunden, klatscht wobei längst als geOesterreich Sch 0.40( 4.80), Palästina P. Pf. 0.020( 0.216), Polen Zloty 0.50( 6.-), Portugal Esc. 2.( 24.-). Rumänien Lei 10.-( 120.-). Schwe den Kr. 0.35( 4.20), Schweiz Frs. 0.30( 3.60), Spanien Pes. 0.70( 8.40), Ungarn Pengö 0.35 ( 4.20), USA. 0.08( 1.-).