Nach der Konfiskation zweite Auflage» Nr. 200 SONNTAG, il. April 1937 6i>sialtemolra*ifcf)as tttecfonfrloff Verlag; Karlsbad, Haus„Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt; Der Kampf um die Wilhelmstraße Hakenkreuz und Uniou-Jack Görin gs Galeere Ein böses Omen Ruf zur Befreiung Die»Frankfurter Zeitung« vom 4. April ist mit einem Leitartikel erschienen, auf den wir die allgemeine Aufmerksamkeit außerhalb von Deutschland lenken möchten. Er behandelt die Tatsache, daß im Deutschen Theater in Berlin stürmischer Beifall erklingt, wenn Marquis Posa in Schillers»Don Carlos« in die Worte ausbricht:»Sire, geben Sie Gedankenfreiheit!« In demokratischen, selbst in scheindemokratischen Ländern Europas wird man mit Verwunderung lesen, daß Schülers »Don Carlos« 150 Jahre nach seiner Vollendung in Deutschland wieder unmittelbares politisches Leben gewinnt. Anders urteüt und fühlt über jene Stelle von der Gedankenfreiheit der Europäer, der im vollen und sicheren Besitz nicht nur der Gedankenfreiheit, sondern der politischen Freiheit lebt, anders der Deutsche, der die eine mit der anderen verloren hat! Was jenem abgeschlossene Erinnerung an einen vollendeten Kampf um eine große Idee ist, klingt diesem wie das Rauschen der Sturmflügel der Freiheit. Wenn diese Stelle Schillers in Deutschland im Theater wie in der Presse einen Aufschrei aus tiefster Gewissensnot hervorruft— wer fühlt dann nicht erschüttert, wie tief Deutschland gesunken ist? Wir wünschten, daß dieser Aufsatz der»Frankfurter Zeitung« in ganz Europa denkend und prüfend gelesen würde. Unsere Verachtung für die gleichgeschaltete Presse ist bekannt. Wie sich hier der Geist unterwirft und demütigt vor der brutalen Gewalt des großen Verbrechertums— und dennoch Zeugnis abzulegen sucht für den Glanz der großen Idee, wie sich Unter- werfung und Trotz mischen, so daß in dieser Mischung das ganze Unglück Deutschlands sichtbar wird— das stellt notwendig neben diese Verachtung das tiefste Mitgefühl mit einem Volke, dem eine Stimme aus einem vorvergangenen Jahrhundert von der Schaubühne herab verkündet, was es verloren hat. Wem liegen nicht bitterste Entgegnungen auf der Zunge, wenn er in dieser Zeitung, gerade in dieser Zeitung, das folgende liest: »Jeder mag sich vorstellen, wie wenig rühmlich die Figur eines Mitbürgers wäre, der die Gelegenheit einer solchen Aufführung benutzt, um im Dunkel des Parketts und der Ränge seinen möglichen Bitterkelten gegenüber den Zeitläuften durch heftiges Klatschen Luft zu machen. Bs ist das eine vermeintliche Art. Politik zu machen und läuft im Grunde auf eine Mischung von Ressentiment und Feigheit hinaus, mit der man wenig zu tun haben möchte. Uebrigens— dies sei nur angemerkt—, es fehlt auch nicht an Leuten, die glauben, sie verhielten sich politisch, wenn sie In vertrauter Zuhörerschaft politische Witze verbreiten, ihr Gelächter klingt so schlecht in unseren Ohren, wie der Beifall jener Dunkelmänner im Parkett... Aber die Zeit müßte gründlich vorüber sein, wo einer a n st a 1 1 Politik zu machen ins Theater geht.« Politik machen in Deutschland, anstatt seiner Bitternis im Theater Luft zu machen? Sprechen w i r doch von DLi gen, die brutaler und körperlicher sind als die Worte einer Dichtung und die moralischen Betrachtungen einer Zeitung, unmenschlicher als der Schuß, der die Stimme des Marquis Posa verstummen läßt! Sprechen wir von den Todesonfem. die im Lande Adolf Hitlers für die Gedankenfreiheit gefallen Demokratie unil AMerschofl Die Lage der arbeitenden Klassen in der Hodikonjunktur Die Hochkonjunktur in der Welt nimmt ununterbrochen und in vielen Ländern in noch beschleunigterem Tempo ihren Fortgang. Nach der Statistik des Völkerbundes haben alle Länder, für die man über die geeigneten Indices verfügt, ihre industrielle Tätigkeit 1936 gegenüber dem Vorjahr gesteigert. Diese Vermehrung beträgt zum Beispiel in Rußland 30 und in den Vereinigten Staaten 16 Prozent, aber auch in Frankreich, das bis zum Oktober am alten Goldstandard festgehalten hatte, 5 Prozent. In einem großen Teil der Länder hat die industrielle Beschäftigung bereits 1936 den früheren Höchststand von 1929 übertroffen; läßt man Rußland mit seinen besonderen Verhältnissen beiseite— die russische Industrieproduktion soll sich seit 1928 verdreifacht haben, so verzeichnen Japan eine Vermehrung um 65 Prozent, Dänemark und Schweden von 31 bis 35 Prozent, England und Norwegen von 23 bis 30 Prozent und Deutschland um 10 Prozent. Die Vereinigten Staaten erreichten oder überflügelten im Dezember 1936 ebenfalls den Stand und seitdem hat sich ihr Aufstieg sehr rasch fortgesetzt. Die amerikanische Eisen- und Stahlindustrie hat im ersten Quartal 1937 einen noch nie dagewesenen Rekord erreicht, und Hundertdollarmillionenbeträge werden in die Erweiterung und Neuerrichtung der Werke investiert. Noch vor wenigen Monaten ging die Lehre von der»letzten Krise des Kapitalismus« um oder wenigstens die Anschauung von der»Langen Welle der Depression«, und die wenigen Gegner der Zusammenbruchstheorie hatten einen schweren Stand. Beschäftigten sich die Regierungen noch vor kurzem mit allen möglichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Krise, so werden heute in England, in Schweden und in den Vereinigten Staaten mit steigendem Eifer die Mittel beraten, die den Ueberschlag der Hochkonjunktur in den»Boom« und damit, wie man vermeint, in die dann folgende Krise verhindern sollen. Bin völliger Umschlag der Psychologie ist eingetreten. Bis vor wenigen Monaten konnte noch die Ansicht vertreten werden, daß gewisse Industrien ilnheilbar überexpandiert und auf Staatssubvention angewiesen seien, zum Beispiel die Eisen- und die Kohlenindustrie. Heute sind die in der Kriegs- und Nachkriegszeit entstandenen Ueberkapazitäten nicht nur restlos resorbiert, sondern die Eisenknappheit wird immer stärker und droht in manchen Ländern zu einer Hemmung des weiteren Industrieanstiegs zu werden. Gewaltig, wie nie zuvor, war der Rückgang der Industriebeschäftigung in der letzten Wirtschaftskrise, aber auch besonders groß der Aufstieg. Die Rohstofferzeugung der beiden größten europäischen Produzenten ist nach einer Angabe der»Frankfurter Zeitung« von dem Tiefpunkt im Jahre 1932 bis 1936 um nicht weniger als 147 Prozent angestiegen. Das ist eine Steigerung, die das Mehrfache der Schwankungen ausmacht, die in früheren Konjunkturzyklen aufgetreten sind. Blieb die Weltgewinnung an Roheisen mit 91.2 Millionen Tonnen 1936 nur noch wenig hinter der von 1929 mit 98.8 Millionen Tonnen zurück, und übertraf die Rohstahlproduktion mit 124 Millionen Tonnen schon die 122 Millionen des Jahres 1929 um ein Geringes, so wird in diesem Jahre der je erreichte Höchststand noch übergipfelt werden. Aber auch die Kohle, die infolge der Fortschritte der Wärmetechnik, des Uebergangs zur Oclfeuerung, der stärkeren Ausnutzung der Wasserkräfte sehr lange zurückgeblieben war, ist im Begriff das Versäumte nachzuholen und den Stand von 1929 zu erreichen. Diese wenigen Angaben, auf die wir uns beschränken müssen, verdeutlichen bereits, wie groß die Ausschläge zwischen Depression und.Hochkonjunktur in der gegenwärtigen Phase geworden ,ind. Wie sich die Tiefe der letzten Krise nur erklären läßt, wenn man sie als Liquidationskrise des Krieges und seiner außerökonomischen Gewalt begreift, so ist auch der Aufstieg in seiner diesmaligen Eigenart vielfach durch die außerökonomischen Eingriffe der Staatsgewalt und gegenwärtig durch die Aufrüstung beeinflußt. Wie ist es nun in so wechselvoller Zeit dem Arbeiter ergangen? In der Krise litt die Arbeiterschaft furchtbar unter der Arbeitslosigkeit, ein schreckliches Geschick für die Betroffenen und eine deprimierende Drohung für die noch Beschäftigten. Auch daß die Arbeiterschaft nach dem Kriege in den fortgeschrittenen Staaten zum erstenmal den Rechtsanspruch auf Unterstützung erstritten hatte, ein Anspruch, der sich auch seit dem Amtsantritt Roosevelts in den Vereinigten Staaten durchsetzte, konnte an der niederdrückenden psychologischen Wirkung der anscheinend unhemmbaren Arbeitslosigkeit nichts Wesentliches ändern. Wie gestaltete sich jedoch das Los der Beschäftigten während der Krise? Wir wissen, daß frühere. Depressionen verbunden waren mit starken Senkungen der Nominallöhne, die so weit gingen, daß sie auch Senkungen der Reallöhne trotz der gleichzeitig eingetretenen Preisrückgänge mit sich brachten. So unvollständig auch die Statistiken über Lebenshaltungskosten und namentlich über die Löhne sind, so besteht kaum ein Zweifel, daß in den wichtigen Industrieländern, in Schweden, England und den Vereinigten Staaten, die Reallöhne trotz der schweren Krise nicht gefallen, in England und Schweden sogar gestiegen sind. Das war zum Teil eine Folge des starken Preisrückgangs für die wichtigsten Gebrauchsartikel namentlich in England, zum anderen und entscheidendem Teil aber die Folge der Stärke der Organisationen und des politischen Einflusses der Arbeiterschaft in den demokratischen Ländern. Denn im sind, von ihren mißhandelten, zerschlagenen, geschändeten Körpern, von den Striemen, den Blutschwären, den Wunden, von den aufgefleischten und den gebeugten Rücken, von den Knuten und den Knüppeln und den Messern der Mörder, von den Schreien der Gefolterten. O. eine grauenhafte Wirklichkeit, schlimmer als ein höllischer Traum, von der sich Europa abwendet wie vor dem Haupt der Medusa! Das ist es, was ein ganzes Volk in die Feigheit drängt. »Doch der Weg vom reinen Gefühl zur sauberen Tat«,— so lesen wir weiter,—»der Weg vom Ideal zur Wirklichkeit bleibt immer vom neuen zu gehen und ist immer von neuem voll Steine und Dornen.« Der Weg von der Forderung der Gedankenfreiheit zur Verwirklichung der Freiheit, so übersetzen wir, geht durch die Kerker des Systems. Und hier fragen wir: wem ziemt es, von der Feigheit der Dunkelmänner, von der Seichtigkeit und Würdelosigkeit des Politikersatzes in Deutschland zu reden? Ziemt es den Freunden der Mächtigen, ziemt es jenen, die Politik auch außerhalb des Theaters machen können, weü sie die befohlene Politik betreiben? Der Vorwurf der Feigheit erfordert eigenes mannhaftes Bekenntnis— und dies Bekenntnis kann in Deutschland nur eines sein— Aus diesem Aufsatz der gleichgeschalteten Zeitung, aus dem vorsichtigen Tasten, Zurückhalten und wieder Verschleiern ringt sich ein Bekenntnissatz hervor wie eine Besinnung auf eine edlere und reinere Geisterwelt in der Erinnerung an den Geist Schillers, den Geist der Aufklärung, an die Menschheitsideale des 18. Jahrhunderts: »Aber daß dieser Geist am Himmel Deutschlands eine einzige ununterbrochene Linie stemengleich gezogen hat, und daß in diesem Zeichen für immer die Würde des Menschen steht, auf Gewissen und Freiheit gleichermaßen sich gründend, auch daran kann niemand rütteln.« Das ist, wie die Dinge heute in Deutschland liegen, ein Satz, der eine revolutionäre Verpflichtung in sich birgt. Die Würde des Menschen, auf Gewissen und Freiheit sich gründend, muß in Deutschland wieder erobert werden im Kampfe gegen ein System. das sie mit Füßen getreten hat." Denn in Deutschland echte Politik treiben, in Freiheit der Stimme des eigenen Gewissens und nicht dem Befehle der Mächtigen folgend, heißt gegen das Gesetz des Systems handeln. Die freie politische Meinungsäußerung, sei sie nun positives Bekenntnis oder Kritik an der Politik der Mächtigen, ist in Deutschland ein strafwürdiges, durch Gesetz und Polizei verfolgtes Verbrechen. Hier das Gesetz eines unsittlichen Systems— dort Würde und Freiheit und Gewisser, des Menschen: v. Wer die Idee der Freiheit anruft, die ewigen Rechte, die droben hangen unveräußerlich und unzerbrechlich wie die Sterne selbst, wer sie anruft, ohne zugleich den Kampf, den unbedingten, kompromißlosen Kampf um sie zu beschließen, der lästert sie nur! Wie aus den Werken ihrer Klassiker weht den Deutschen das Flügelrauschen der Freiheit entgegen, ihr besseres Selbst erhebt sich daran m der Ahnung kommender Befreiung, und eine Zeitung in Deutschland, eine gleichgeschaltete Zeitung, eine Zeitung, auf die die Aufrechten mit Verachtung schauen, sollte ihnen Mangel an Unbedingtheit, Mangel an kämpferischem Mut vorwerfen dürfen? Wer Freiheit in Deutschland sagt, sagt Kampf— unbedingten, unversöhnlichen Kampf, Kampf, wie wir ihn führen! spelluA silows molls: seinen Chef und Wohltäter sache« aus seinem Leben. Als nämlich im schieden weigerte, den Vater ihres am 24. September 1935 geborenen Töchterchens zu nennen, zu 14 Tagen Gefängnis. Im Interesse der Reinhaltung der Rasse und des Blutes ist es, wie das Gericht in seiner Urteilsbegründung ausführte, entgegen den früheren Gepflogenheiten unbedingt erforderlich, daß der Vater des unehelichen Kindes von der Mutter angegeben wird...< Wert der Arbeitskraft ist, wie Marx ge- kaum aber war er erlassen, so hatte er sich| der auch ein schöpferischer Dichter war, zu Er mobilisierte die sagen. Aber was uns die Feder in die Hand genüber dem» ehernen Lohngesetz« gel- schon anders besonnen. tend gemacht hatte, stets ein» moralisches Generalität und Hindenburg gegen das Ver- drückt, ist doch nur eine ganz kleine>> NebenElement« enthalten; das heißt der Lohn bot und gegen wird nicht nur bestimmt durch die zur Er- Groener. Sechs Wochen später war die Re- Jahre 1933 der Strom deutscher Flüchtlinge haltung der Arbeitskraft unbedingt not- gierung Brüning gestürzt, und das Abenteuer sich über die Grenzen des Dritten Reiches ergoẞ, da stellte er, F. X. šalda, Professor wendigen Lebensmittel, sondern auch Papen begann. durch die Ansprüche, die die Arbeiter an Von den Hauptakteuren des Aprildramas der Karls- Universität, repräsentativster Vertot: Hindenburg, treter der Geistigkeit seines Landes, sich an einen gewissen Stand ihrer Lebenshaltung von 1932 sind vier stellen; die Durchsetzung aber hängt in dessen moralischer Absturz damals mit dem die Spitze einer Gruppe von Menschen, die erster Linie von ihrem politischen Zurückweichen vom Verbot begann, Schlei- die schwere Aufgabe auf sich nahmen, ein Einfluß ab und nie ist das sichtbarer cher, der von der SA und SS am 30. Juni Hilfskomitee zur Unterstützung dieser deut- füllen sich mit hochachtbaren Menschen, und als heute: Beständiger Druck auf die I.e- 1934 blutigen Dank erhielt, sowie Gregor schen Emigranten zu bilden. So ergibt sich aus der Rassegesetzgebung der Dritten Reiches ein Irrsinnsurteil nach dem anderen, die deutschen Gefängnisse die Achtung, die der deutsche Richterstand ehemals genoẞ, bekommt noch im Grabe täglich einen Fußtritt. In der ersten Zeit der Machtübernahme benshaltung und Sinken der Reallöhne in Strasser, der brutale Gegner Groeners Es trägt seinen Namen» Salda- Komitee Deutschland und Italien, rascher Aufstieg in der Reichstagsdebatte vom 9. Mai, und und kündet nun über seinen Tod hinaus, was in den demokratischen Ländern. Hauptmann Röhm, der Stabschef der doch das größte an dem Mann war, um den Denn mit der fortschreitenden Prosperi- SA. Brüning ist Emigrant, Groener lebt in sich nun die Fahnen auf Halbmast senken: daß er ein guter, ein edler Mensch war.-e. tät hat überall, mit Ausnahme von stiller Zurückgezogenheit in Deutschland. Deutschland und Italien, eine bedeu- Damals, als Hitler schwer geschlagen und tende Verbesserung der Ar- sein Machtinstrument zertrümmert war, mö- Staatsgefährliche beitsbedingungen eingesetzt. Thr gen wenige die spätere Entwicklung auch enger Zusammenhang mit der politischen nur geahnt haben. Fünf ereignisreiche Jahre Stärke der Arbeiterschaft offenbarte sich liegen seitdem hinter uns, es ist wahrscheinam stärksten in Frankreich, das lich, daß die kommenden nicht weniger stürdie Regierung Blum zur selben Zeit an misch sein werden. Die Dinge entwickeln Familien: einen ersten Platz des sozialpolitischen sich mit rasender Geschwindigkeit, Hitlers Fortschritts gebracht hat, in der Hitler Niederlage vor fünf Jahren wird nicht seine Frank, Grzesinsky, Halfter, Herzfeld, Klotz, gebiet erst zum Obersturmbannfühund Mussolini alle Errungenschaften der letzte gewesen sein. Arbeiter unter ihren Tüßen zertrampeit Alter Kämpfer durch Bescheidenheit gestürzt" Frauen und Kinder durch Hitler war der SA- Mann More. Das System hat abermals 36 Familien- zinek in Schomberg bei Beuthen ein eifriangehörige von deutschen Oppositionellen Bescheidenheit, die ger Prediger deutscher ausgebürgert. Es handelt sich um folgende allein wieder das Dritte Reich hoch bringen könne. Er brachte es als einer der besten Apfel, Brecht, Budzislawski, Einstein, Agitatoren im oberschlesischen Industriehaben. Daß die Lebenshaltung der Ein edler Mensch tot Schwarzschild, Strasser, Vogel, Wels. Unglück an. Die so oft vertretene> Bescheischwedischen Arbeiterschaft heute höher als zuvor und wohl die beste in Europa ist, haben wir hier schon früher Im Memoriam F. X. Šalda. Er war einer der Großen aus den Reihen gezeigt. Heute möchten wir einige An- des tschechischen Volkes, das einmal stolz gaben über die amerikanische darauf sein kann, im ersten Menschenalter Entwicklung hinzufügen. Der seiner wiedererrungenen Freiheit die wirkpolitische Einfluß der Arbeiterschaftlich Weisen, die großen Denker und guten unter Roosevelt ist namentlich seit Menschen, an seine Spitze gestellt und auf der letzten Wahl gewachsen und, eben- ihre Stimme gehört zu haben. so die Macht ihrer gewerkschaftlichen Er war einer von dem hohen Rang der Organisation seit dem Erstarken der Indu- Masaryk- Beneš, wenn er auch kein Politiker striegewerkschaften unter Führung von war, sondern nur ein Aesthet, ein Ethiker Lewis. Die Aenderung der Arbeitsbedin- und schlimmer als das ein kämpferigungen vollzieht sich meist in doppelter scher Journalist. Weise: einmal Erhöhung der Stundenlöhne der Langhoff, von Löwenstein- Scharffeneck, rer und später zum Bürgermeister Menne, Niculas, Remmele, Seger, Schiff, von Schomberg. Und da fing auch das Der jüngste Ausgebürgerte, Stefan denheit« endete in einer Vierzimmerwohnung Brecht, ist 2½ Jahre( zweieinhalb) Jahre alt. mit sehr kostspieligem Komfort, der natürlich aus der Gemeindekasse gedeckt wurde. Wieder vier Dazu kam der Trieb nach Frauen und Mäd> Preußische Zeitung, Königsberg, chen, die wegen Mangels an flüssigen Gelberichtet in ihrer Nummer 85 über eine dern durch den» Herrn Oberbürgermeister< in der Wohlfahrtsfürsorge unterTrauerfeier für vier ve r'u ngebracht wurden und neben den Gehältern glückte Parteigenossen<: als Angestellte auch noch auf Kosten der > Gauobmann Duschön tritt als erster eine Nebeneinnahme bezogen. vor, um die letzten Worte an seine Mitar- Wohlfahrt beiter zu richten.» Ihr habt einen Tod ge- Doch das Unglück wollte es, daß anderen funden<<, sagte der Gauobmann, wie ein Nazis die Sache nicht gefiel, und eine Kasechter Nationalsozialist ihn Die sich wünscht, den Tod mitten im senrevision förderte ein einstweiliges Defizit Kampf. Vorkämpfer im Ermland seid ihr von nahezu 15.000 Mark an den Tag. gewesen, a m Todestage noch habt ihr gegen die gekämpft, die den >> Stürmer<< in Amerika. Um dem deutschNationalsozialismus immer noch nicht begreifen wollen. Das amerikanischen Lesepublikum zu zeigen, auf welches moralische Niveau das Hitlerreich letzte aber habt ihr für die Bewegung und den Führer gegeben, das Leben. Ihr seid herabgekommen ist, druckte die> New Yorker Blutzeugen der Bewegung geworden Volkszeitung<< neulich eine Stürmerkarikatur ab. Darauf erhielt der Verlag der Zeitung und wir richten uns an eurem Opfer auf...< von der Postverwaltung die Mitteilung, daß Ueber die Art des> Unfalls< wurde wäh- die betreffende Nummer wegen ihres pornodes letzten Jahr- rend der ganzen Veranstaltung nichts ausge- graphischen Inhalts vom Postversand hunderts immer wieder erlebt haben) kein sagt. Aber die zitierte Rede ist eindeutig geschlossen sei. bloßer Genießer im Elfenbeinturm der eige- genug. nen Ideen, kein verspielter, weltfremder Er war ein Mann, der sich zeitlebens beund zweitens Verkürzung der Arbeitszeit, mühte, allem geistigen Autarkiewahn zum meist Einführung der 40- Stundenwoche. Trotz, die Brücken zwischen dem tschechiDie Erhöhung der Stundenlöhne betrifft schen Denken und den großen Ideenwelten zu einem großen Teil die ungelernten, von des Westens zu schlagen, ein Mittler den bisherigen Rumpfgewerkschaften ver- weltbewegenden Strömungen in Dichtung, nachlässigten Arbeiter. So wurde bei der Philosophie und Ethik. großen Automobilfabrik, General Motors Und doch war er( anders als wir es im Corporation, ein Minimal- Stundenlohn von deutschen Geistesbereich 75 Cents durchgesetzt und für die Stahlindustrie ein Minimaltaglohn für 8 Stunden von 5 Dollar.( Man muß den Dollar mindestens mit 3 multiplizieren, wenn man Aesthet, sondern ein tatkräftiger Erzieher Wofür es Gefängnisse gibt seine Kaufkraft in heutiger Reichsmark seines Volkes: im šaldův zápisník, im> Tageungefähr erhalten will.) In der New buch šaldas<, nahm er mit ätzender Kritik Das> Stuttgarter Neue Tagblatt Nr. 21 Yorker Bauindustrie ist die 30- Stunden- gegen jede Form von Krähwinkelei im tschewoche fünf 6- Stundentage durch- chischen Geistesleben Stellung. gesetzt worden; Ueberstunden müssen mit dem Eineinhalbfachen bezahlt werden. Die deutung dieses geistig überreichen Mannes, Bewegung ist noch im Fluß und der Erhöhung der Löhne für die Ungelernten folgt bald auch eine Erhöhung für die qualifizierten Arbeiter und Angestellten. Der New Yorker Korrespondent des> Economist schätzt die Zunahme der Löhne So unvollständig das Bild ist Lohnstatistiken sind lückenhaft und Vor fünf Jahren Das und noch vieles mehr wäre zur BeausKleine Aufmerksamkeit. Wie das amtliche ungarische Telegrafen- und Korrespondenzbüro mitteilt, hat der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler dem Reichsverweser v. Horthy ein Prachtstück der deutberichtete: schen Automobilindustrie, ein für > Ein Urteil von großer grundsätzlicher die Berliner Internationale Automobil- AusBedeutung ist von der Großen Strafkammer stellung angefertigtes achtzylindriges, 200 Hannover gefällt worden. Die Kammer ver- PS starkes dunkelgrünes Mercedes- Benz- Caurteilte eine ledige Mutter, die sich ent- briolet zum Geschenk gemacht. Ein böses Omen ben. Hand in Hand ist in der Sache ein Schlag gegen den Völkerbund. Er enthält die Anerkennung der Souveränität Italiens in Abessinien. Daß es ausgerechnet ein Staat der Kleinen Entente slowakei erhalten habe. Diese Behauptungen schon lassen erkennen, wie stark die Atmosphäre der allgemeinen Unsicherheit in diesem Teile Europas um sich greift. in den letzten vier Monaten auf annähernd Die deutsche und die italienische Politik gabe der Idee der kollektiven Sicherheit ihren ist, der mit der Anerkennung eines groben 20 Prozent. Die unterdessen eingetretene rennt weiter haẞerfüllt gegen den Gedanken Existenzgrund verlieren würde. Seit Monaten Rechtsbruchs, mit der Kapitulation vor der Steigerung der Lebenshaltungskosten der kollektiven Sicherheit und den Völker- ist hier ein Aufweichungsprozeß im Gange, These» Gewalt geht vor Rechte den Völkerbleibt dahinter stark zurück. Etwas lang- bund an. Während die Diplomaten an der der von Deutschland und Italien künstlich bundstaaten vorangeht, begründet eine trasamer, aber nicht minder stetig geht die Zerstörung des internationalen Rechts arbei- gefördert wird, teils mit Drohungen, teils mit gische Schuld, die sich eines Tages furchtbar Lohnerhöhung in England vor sich. ten, begleitet die gleichgeschaltete Presse wirtschaftlichen Lockungen. Jugoslawien hat rächen kann. die beider Länder ihre Arbeit mit einem Geheul, im vergangenen Jahre sich handelspolitisch Die Dinge um das italienisch- jugoslaSie außerordentlich stark an Deutschland gebun- wische Produkt der Geheimdiplomatie innerzu- in dem sich Lüge und Haß mischen. sammenfassende Darstellungen hinken benutzt dazu Die Enttäuschung ist nicht ausgeblie- halb des Völkerbundes sind noch keineswegs die spanische Angelegenheit den. sehr lange hinter den Ereignissen her und den Fall Jugoslawien. Jetzt wird diese Bindung durch eine durchsichtig. Es liegen sehr bestimmte Ausso zeigt es doch mit krasser Eindringlich- Die spanische Regierung hat an neue, nahezu gleichstarke handelspolitische sagen darüber vor, daß Deutschland und keit den Unterschied zwischen den Fort- den Nichtinterventionsausschuß eine Note ge- Bindung an Italien ersetzt. Italien Mitteleuropa in Interessensphären schritten einer stark organisierten Arbei- richtet, in der sie ganz einfach feststellt, mit diesen handelspolitischen Manövern geht aufgeteilt hätten, und daß Jugoslawien dabei terschaft mit politischer Macht in der De- was ist. Sie hat die diplomatischen Fiktionen eine Zerstörung des bisherigen Vertrags- der italienischen Interessensphäre zugeteilt mokratie und den Niedergang der entrech- zerrissen und Beweise dafür vorgelegt, daß rechts. Jugoslawien hat rasch hintereinander worden sei, während Deutschland freie Hand teten Massen in den Ländern der Diktatur. Italien in Spanien offen als kriegführende zwei bilaterale Verträge abgeschlossen. Wenn zu stärkerer Einwirkung auf die TschechoDr. Richard Kern. Macht aufgetreten ist. diese Die gleichgeschaltete auch der Rest der Kleinen Entente deutsche Presse nennt diese Note eine Pro- Verträge zur Kenntnis genommen und in der vokation, eine Demonstration mit der Ab- Sache gebilligt hat, so läßt sich dennoch die sicht, die europäische Einigung zu zerspren- Tatsache nicht aus der Welt schaffen, daß und der Abschluß dieser Hindenburgwahl und SA- Verbot. gen. Die europäische Einigung, so wie die die Verhandlung Ob Verträge wie der italienisch- jugoslaDer April vor fünf Jahren war ein ereig- gleichgeschaltete Presse sie auf Befehl ver- Verträge mit dem Sinn und dem Wortlaut des wische die Machtlage verändern, und zu wesnisreicher Monat. Am 10. April unterlag steht, besteht in der Verneinung und Zer- Organisationspaktes der Kleinen Entente unsen Gunsten, ist eine offene Frage. Fest Ganz abgesehen davon, daß Hitler bei der Volkswahl des Reichstagsprä- reißung des Rechts, sie läuft auf eine Eini- vereinbar ist. steht jedenfalls, daß sie unvereinbar sind mit Abschluß des Vertrages der Idee Diese sidenten mit 13,4 gegen 23,3 Millionen Stim- gung unter Banditen hinaus. Indessen ver- der überstürzte der kollektiven Sicherheit. die überstürzte Ratifizierung Idee zielt men, von denen 19,6 auf Hindenburg, 3,7 auf raten diese Ausbrüche, daß die Diktaturen mit Italien, auf Kriegsverhinderung Thälmann entfielen. Vor die Frage gestellt, nichts so sehr fürchten wie eine Reaktivie- unter Ausschaltung des jugoslawischen Parab, während der italienisch- jugoslawische ob es von Hitler regiert werden wolle, hatte rung des Völkerbunds, von der eine Renais- laments gegen eine starke innere Opposition das deutsche Volk mit nahezu Zweidrittel- sance des internationalen Rechtsempfindens schwer verdächtig ist. So entsteht neben dem Vertrag unzweifelhaft zu jener Gattung von mehrheit Nein gesagt. Drei Tage später ausgehen könnte. Solange nicht der letzte System der Kleinen Entente, diesem Regio- Verträgen gehört, mit denen einzelne Länder glauben, sich günstigere Bedingungen verbot General Groener, Reichswehr- und Funke von Rechtsgefühl in Europa ausge- nalpakt im Geiste der kollektiven Sicherheit, Innenminister im Kabinett Brüning, die SA löscht ist, solange wird auch der Völkerbund ein Gemenge von bilateralen Verträgen, das und Manövrierfähigkeit schaffen zu können Darüber ist keinerlei für einen Kriegsfall. den politischen Konzeptionen der Diktaturund die SS. Letzte Ursache war eine Rede nicht endgültig tot sein. Diskussion mehr nötig; denn die DiktaturDennoch ist der Völkerbund krank, sehr länder, der> revisionistischen« Mächte entHitlers in Lauenburg, in der er erklärt hatte, länder haben dafür gesorgt, daß der CharakDiese Vertragsinflation bedeutet daß es nicht die Aufgabe seiner Gefolgschaft krank. Die Krankheit besteht darin, daß die spricht. ter der von ihnen gewünschten bilateralen sondern wachkleiner Länder in nicht zusätzliche Sicherheit, sei, den gegenwärtigen Staat nach außen zu Regierungen großer und verteidigen und ein aufgefundener Befehl an Europa sich in der Idee und in ihren Hand- sende Unsicherheit, weil sie auf einem Nach- Verträge im Gegensatz zu Regionalverträdie SA, beim Einmarsch polnischer Truppen lungen immer weiter von der Idee der kol- geben gegenüber jenen Mächten beruht, die gen genügend klargestellt worden ist. lektiven Sicherheit entfernen. Nach dem durch Zerstörung der kollektiven Sicherheit Dieser italienisch- jugoslawische Vertrag den Rückzug anzutreten. der Fall Jugosla- Bewegungsfreiheit für machtpolitische Expe- ist deshalb ein böses Omen und gerade Der 13. April hätte der Rettungstag der Falle Belgien ist ohne den Umfall wien ein trauriger Beweis dafür. Jugosla- rimente gewinnen wollen. Welcher von den deshalb ist die gleichgeschaltete Presse in Republik werden können Deutschland und Italien mit ihm so außerSchleicher hatte zuerst wien ist ein Glied der Kleinen Entente, einer Pakten wird am Ende gelten? Schleichers. zum Verbot der SA und der SS getrieben politischen Organisation, die mit der Preis- Dieser italienisch- jugoslawische Vertrag ordentlich zufrieden. Hakenkreuz und Uneinigkeit über Brasilien England Indien Südafrika onaiwagu Die Pfuscherei der NSDAP im Ausland Der Landesleiter der Mit ungläubigem Staunen vernahmen m. n. Rio de Janeiro, Mitte März. schen Nationalsozialisten ein starkes Brasi- ter stören, wenn es nicht folgende Sorge die Bewohner des Dritten Reiches, daß lien einem» liberalistischen< selbst dann vor-| hätte: eine Vorlage der englischen Regierung, die nationalsozialisti- zögen, wenn das faschistische Brasilien die die Gehälter der Minister neu regelt, auch schen Organisation in Brasilien, der SS- Füh- deutschen Siedlungen und die deutsche Verden> leader of opposition<<, den Führer rer Hans Henning von Cossel, hat einstätigkeit wenig glimpflich behandeln der Opposition, mit einem Jahres- sich fast sechs Monate im Dritten Reich würde. In einem von der NSDAP inspiriergehalt von 2000 Pfund ausstatten will. Ein aufgehalten. Seine Mission Glied des britischen Reiches. Sie verleiht war, gen sind und zum Großteil den nationalsozialistischen Plänen mit dem größten Mißtrauen gegenüberstehen. Bis vor einiger Zeit zu greifen. ren Situation beigetragen! Deutschland > Wird Brasilien in absehbarer Zeit integralistisch, so läuft das Deutschbrasilianertum, infolge seiner Uneinigkeit und Spaltung, Gefahr, mit gelindem Druck in den rassischen Schmelztiegel Brasiliens zu gemit der ten programmatischen Artikel in der integra- langen; gelingt es aber der derzeitigen ReMann, der nach hitlerdeutschen Begriffen Auslandsabteilung der NSDAP in Hamburg, listischen> Offensiva<, dem offiziellen Organ gierungsform, die nicht unähnlich derjenigen der Vereinigten Staaten ist, den Intelebenslänglich im Konzentrationslager ge- aber auch mit Rudolf Heß und, in einem von Plinio Salgado, wurde versichert, die gralisten durch Verbote, bei denen man halten werden muß wenn er nicht gleich Falle, mit dem Führer< höchstpersönlich Deutschbrasilianer würden selbst dann gleichzeitig der Bewegung seine Sympaerschossen wird gilt jenseits der Nord- zu einer Einigung über die künftige Politik den Integralismus unterstützen, thien ausdrückt, nicht zum Zuge kommen see als eine offizielle mit staatlichen Mit- der NSDAP in Brasilien und der Taktik in> wenn im integralistischen Staat zu lassen, so werden bestimmte liberale Kreise einen Teil der Deutschbrasilianer teln auszustattende Persönlichkeit! So ver- Sachen der Deutschbrasilianer zu gelangen. deutsche Kreise, Schulen usw. als Staatsverräter brandmarken.< schieden voneinander sind die politischen Zu einer solchen Einigung ist es jedoch nicht verboten würden<. Hier wird also eine klare und unzweideuSysteme zweier Länder, die nur ein paar gekommen, weil die MeinungsverschiedenDiese Haltung der nationalsozialistischen tige Distanzierung gegenüber der integraliFlugstunden voneinander entfernt und heiten innerhalb der verschiedenen Aemter Auslandsorganisation hat selbst innerhalb stischen Bewegung gefordert, weil man sich -trotz» Autarkie< auf engen Verkehr der NSDAP über diese Fragen unüberbrückjener deutschbrasilianischer Gruppen Empö- sowohl von ihrem Siege wie von ihrer Niemiteinander angewiesen sind. Ist ein sol- bar zu sein scheinen. Die Schwierigkeiten ches Nebeneinander möglich, ohne daß es werden für die NSDAP aber auch deswegen rung erregt, die sonst mit der NSDAP sym- derlage für das Deutschbrasilianertum, aber pathisieren. Dieser Unwillen kam seinerzeit auch für die politischen Ziele der NSDAP in zum Gegeneinander wird? immer größer, weil die Deutschbrasilianer zum Ausdruck in einer in der Ludendorff- Südamerika nichts Gutes verspricht. Der selbst keinesfalls unter einen Hut zu brinIndien hat eine Verfassung erhalten, schen Monatsschrift veröffentlichten Zuschrift Landesleiter der NSDAP für Brasilien, Cosdie von der indischen Kongreẞpartei, der eines Nazi- Funktionärs aus Südbrasilien. In sel, der seinerzeit von der mildtätigen Unlegitimen Vertretung der indischen Völker der letzten Zeit hat die Ansicht, man müsse terstützung großer jüdischer Firmen lebte, verworfen wird. Diese Verfassung verfolgt von den Integralisten abrücken, innerhalb der die ihm gnadenhalber Aufträge gaben, ist aber das Ziel der Umgestaltung Indiens aus aus setzte die NSDAP Auslandsorganisation der NSDAP ohne klare Entscheidung einer Kolonie zu einem gleichberechtigten alles auf den Sieg der( faschistischen) inte- an Boden gewonnen, während das Außen- zurückgekehrt. Er hat sowohl von dem Gauder Hitler- Partei nach leiter Bohle als den Leuten des Außenpogralistischen Bewegung und veranlaßte so- politische Amt den einzelnen Provinzen des ungeheuren wohl das Außenpolitische Amt der NSDAP, wie vor auf den Sieg der Integralisten hofft litischen Amtes widersprechende Ansichten Landes eine auf demokratischen Prinzipien wie das Reichspropagandaministerium, der und darum meint, die großen Gesichtspunkte zu hören bekommen, und die von ihm heiß beruhende Selbstverwaltung und weitIntegralistischen Aktion mit Geldmitteln der deutschen Außenpolitik seien wichtiger ersehnte Aussprache mit dem Führer<< hat gehende bürgerliche Freiheitsrechte. Aller- kräftig unter die Arme was Sie als das, die>> Spießbürger in Porto nicht zu einer Klärung, sondern sogar zu dings sieht sie auch in lebenswichtigen setzte auch durch, daß die hiesigen deutschen Alegre und Blumenau unter Volkstumspolitik einer weiteren Verwirrung der ohnehin unklaFragen ein Vetorecht des englischen Gou- Banken und Handelsfirmen den Integralisten verstehen<. verneurs vor und dieses Vetorecht ist es, reichliche Unterstützung angedeihen ließen In dem Organ des Deutschen Auslands- Die Folge ist, daß innerhalb der NSDAP daß von der Kongreßpartei auf das hefund vermittelte selbst zahlreiche( sehr Instituts Stuttgart,» Der Auslandsdeutsche<, die Kämpfe weitergehen und die Gegensätze tigste bekämpft wird. Ob die Kongreß- dunkle!) Waffengeschäfte zwischen dem Drit- ist nun kürzlich ein Artikel erschienen, der und Streitigkeiten zwischen den einzelnen partei damit recht hat oder ob es nicht ten Reich und den brasilianischen Faschisten. den Standpunkt der Auslandsorganisation der Parteistellen und den gleichgeschalteten Konklüger wäre, die vom Gegner freiwillig ge- Die NSDAP förderte die Integralisten, obwohl NSDAP klarlegt und sich dabei in vollem sulaten nicht aufhören. Vom Standpunkt der ihr bekannt war, daß ein Sieg des Integra- Widerspruch zu dem des Außenpolitischen NSDAP aus ist jedoch noch schlimmer, daß lismus unfehlbar eine Unterdrückung des Amtes der NSDAP befindet. In dem Artikel sie durch ihre eigene Unsicherheit und Direkdeutschen Schulwesens in den brasilianischen wird den deutschstämmigen Integralisten tionslosigkeit immer mehr an Autorität geSüdstaaten mit sich bringen würde. Sie tat nämlich vorgeworfen, sie marschierten» ohne rade bei denjenigen Deutschbrasilianern verdas, obwohl ihr klar war, daß die Macht- jede vorher eingeholte Garantie in den Rei- liert, die bisher zu ihren getreuesten Anhänergreifung des Führers der brasilianischen hen der Grünhemden neben rassisch gänz- gern gehört haben. Unabhängig von all dieIntegralisten, des Herrn Plinio Salgado, lich anders gearteten Staatsbürgerne. Die sen inneren Streitigkeiten bleibt vor allem zu einer zwangsweisen» Nationalisierung« der rassisch gänzlich anders gearteten Staats- die bedrohliche Tatsache bestehen, daß der deutschbrasilianischen Siedlungen in Rio bürger«, in deren Reihen die deutschstäm- unheilvolle Einfluß der NSDAP auf die amtDie Regierung der Südafrikani- Grande do Sul und Santa Catharina führen migen Integralisten auf ausdrückliche Wei- lichen Vertretungen des Deutschen Reiches schen Union hat eine Proklamation erlassen, nach der in Zukunft sich auf ihrem Gebiet nur britische Untertanen politisch betätigen dürfen und ein anderes Treuegelöbnis als das auf den König von England unzulässig ist. Die Proklamation richtet sich gegen das Treiben der Nazi im südwestafrikanischen Mandatsgebiet, gegen Geheimbündelei mit Treuegelöbnissen für den Führer, gegen die Flüsterpropaganda, die eine baldige Losreißung des Landes von der Union voraussagt. Soweit die Proklamation den deutschen Bewohnern des Unionsgebiets Ungelegenheiten bringt, ist sie durchaus auf die AufWir erfahren aus dem Rheinland: | Handwerksmeister und Kleingehetzung, die von Berlin her betrieben wird, Noch immer grassiert die Furcht werbetreibenden zur Schließung selzurückzuführen. Die Hitlerregierung ist einem Kriege. Ja, sie ist größer geworden. nes Betriebes. Die, die nicht schließen brauab schon deshalb zu allerletzt berechtigt, Wohin man auch hört, mit wem man auch chen, freuen sich auf neue Kunden, die allerso wie sie es getan hat, in Pretoria Pro- spricht, es ist einem, als wäre der Krieg be- dings meist ausbleiben, da die Kaufkraft test zu erheben, weil auch nach Durch- reits da. Nur daß noch nicht geschossen die eigentliche Ursache der Schließung vieler führung der Regierungsproklamation der wird. Ein Gerücht jagt das andere. Deutsche in Südwest viel freier sein wird, weiß mehr als der andere. Mal ist es Hitler Brot haben wir zwar noch, aber uns fehlt als er es heute in Deutschland ist. Das der bremst, mal sind es die Generale. Das das nötige zum Bestreichen des Brotes. Im betont auch mit aller Schärfe das Organ Volk ist unwissend, aber es fühlt, daß etwas Februar gab es bei uns nur die Hälfte der der Labour Party, der» Daily Herald<, der zwar von der Proklamation nicht restlos begeistert ist, andererseits aber mit aller Schärfe erklärt: räumten Positionen zu besetzen, um von da aus weiter vorzustoßen, das zu entscheiden, ist nicht unsere Aufgabe. Wir sehen nur, daß die von der konservativen englischen Regierung ausgearbeitete Verfassung den zu 90 Prozent noch des Lesens und Schreibens unkundigen Indern Rechte einräumt, von denen ein Deutscher heute kaum zu träumen wagt. > Die Nazi können vernünftigerweise keine Beschwerde erheben über autoritäre Maßnahmen oder über eine Beschränkung der Freiheit jener Volksteile, die der Regierung als Opposition gegenüberstehen. Sie haben kein Recht, Gericht zu halten, es sei denn, sie wären bereit, während sie den General Hertzog anklagen, auch Hitler zu ver. urteilen.< müßte. Mit der Feststellung, daß schließ- sung der NSDAP marschieren, sind Vollblut- und die Organisationen des hiesigen Deutschlich auch der Führer< auf die Südtiroler neger, Negermischlinge, die Mischlinge von tums die Stellung der in Brasilien lebenden aus höheren außenpolitischen Rücksichten Weißen und Indianern und die Mischlinge Deutschen und von deutschen Eltern oder Verzicht geleistet habe, wurde diese Taktik von Indianern und Negern. Großeltern abstammenden Menschen außerverteidigt. Immer wieder wurde gegenüber Dem Deutschen Auslands- Institut würde ordentlich gefährdet: er führt zu einem Ankritischen Einwürfen erklärt, daß die deut- diese Form der> Rassenschande< nicht wei- wachsen der deutschfeindlichen Stimmung! Not und Medkerei Der Stimmungsverfall im Dritten Reich nicht stimmt. vor Einer Kleinbetriebe ist. Prozent Wirtschaften seien zuviel. Inzwischen haben viele Wirte ihren Betrieb tatsächlich zugemacht. Wer kann noch ins Wirtshaus gehen? Die Löhne sind nicht nur klein, sondern kleiner als früher, Die Lebensmittelpreise steigen trotz aller Verordnungen. Da bleibt dem Arbeiter kein Groschen für ein Glas Bier übrig. Den Schuhmachern wurde im vorigen Jahre ebenfalls strengste Sparsamkeit wurde auf die zu erwaranempfohlen. Es tende Lederknappheit hingewiesen. Nun ist Sohlleder ist enorm sie praktisch da. Das schlechter geworden. Den Schuhmachern ist bei Strafe verboten, ihre Kunden über die Ursache der Lederknappheit aufzuklären. Konsummargarine. Die übrige Margarine, die ist sogenannte> Bessere<, ebenfalls sehr Dieser Tage sah ich wunderschönen Salat. Die Nazis sind im allgemeinen großsprecherisch. Ihnen kann keiner. Die Fran- knapp, sie wird nur in etwa 7 Prozent der Aber was macht man mit dem Salat, wenn zosen mögen nur kommen, wir werden sie Konsummargarine hergestellt. Bekommt man das Salatöl fehlt? Eier gibt es jetzt öfters. schon packen. Deutschland ist wieder groß überhaupt welche von der» besseren Marga- Neben deutschen, kann man irische, bulgahöchstens 250 g. Gute rische, holländische, italienische, dänische, ja und mächtig. Die Welt hat wieder Furcht rines, so sind es Butter ist ebenfalls sehr knapp und Fett ist sogar chinesische Eier haben. noch knapper. Die Metzger haben ihre liebe mehr Starkbier darf nicht hergestellt Not, wenigstens etwas an ihre Kunden ab- werden, Kornfrüchte dürfen auch nicht mehr Es ist immer dasselbe. Die allgemeine zugeben. Wer Glück hat, bekommt in der zum Brennen verwandt werden. Neuerdings Not steigt, täglich gibt es mehr Einschrän- Woche 50 g, natürlich nur, wenn er in der besteht sogar ein gewisser Mangel an Gerkungen. Das Volk findet sich trotzdem mit Kundenliste eingetragen ist. Ich sprach mit stenkaffee. Das Mehl hat noch immer allem ab, weil es wie irrsinnig auf die eine Bekannten aus W. Dort hat ein Metzger graue, undefinierbare Farbe. Stärke ist nicht Möglichkeit starrt, den Krieg, der Hitler in der Woche für ca. 900 Personen 21 Pfd. zu haben. stürzen wird. vor Deutschland. Deshalb werden sie sich hüten, anzugreifen. eine Der» Daily Herald< übt dann Kritik an Fett bekommen. Das beträgt pro Kopf 11 g. Du wunderst Dich über die Tatsache, daß den Maßnahmen der Unionsregierung, weil Ein Genosse schreibt uns: Das übliche Puffelnbacken fiel in diesem ich nur vom Essen schreibe? Ja, das kommt sie ihm zu>> nazistisch« sind. Der deutsche Ich hätte längst was von mir hören Jahre weg, Backfett war nicht zu haben. daher, daß hier niemand mehr an was andeRundfunk hat die Schamlosigkeit gehabt, den>> Daily Herald< als Schwurzeugen für lassen. Aber es herrscht dicke Luft wie noch Die Fettknappheit ist so weit gediehen, daß res denkt. Es ist jeden Tag eine Jagd nach die Hitlerregierung anzuführen, natürlich nie. Da heißt es Vorsicht. Nur nicht unnötig den Bäckermeistern durch die Innung all den schönen Lebensmitteln. Damit füllt ohne mit einem einzigen Wort zu verraten, Märtyrer werden. Vielleicht ist es bald so mitgeteilt werden mußte, es würden 20 Pro- die Hausfrau jetzt ihre Tage aus, darüber weit, daß jede, acuh meine bescheidene Kraft, zent der Bäcker ihren Laden zumachen müs- wird erzählt: auf dem Arbeitsplatz, vor den was er wirklich schreibt. gebraucht wird. Ich kann mir jedenfalls nicht sen. Wer sein Geschäft freiwillig schließe, Arbeitsämtern( die es noch immer gibt), in denken, daß es noch lange so weiter geht. der habe Aussicht, umgeschult und in einem der Familie und bei Besuchen. Da haben wir Zwischen England und dem Dritten Reich gibt es keine Möglichkeit des Verstehens. Es ist ein Gegensatz wie zwischen Feuer und Wasser, man könnte auch sagen, wie zwischen Sauberkeit und Dreck. kommt die Gewißheit, daß das Volk bei dieser Politik in den Krieg getrie- mannbetriebe seien durch Regierungsdekret bange Frage, die uns allen auf den Lippen ben werden muß. Kaum ein Mensch ist noch für Hitler. Dazu Großbetrieb eingestellt zu werden. In Italien soviel zu tun, daß wir oft nicht wissen, wo deutsche sei das auch so gemacht worden; alle Ein- uns der Kopf steht. Und immer ist es die geschlossen worden. Und Italien sei des- schwebt:> Wohin soll das noch führen!< Der Vierjahresplan bringt uns allerhand wegen auch nicht zugrunde gegangen. Im Keiner kann die Frage beantworten. Kaum SS an den Grenzen. Staatssekretär ReinEinschränkungen und Schwierigkeiten. Die übrigen wurde den Bäckern die größte Spar- einer glaubt nicht an Krieg. Hitler verliert hardt hat mitgeteilt, daß eine erhebliche Verstärkung des Grenzaufsichtspersonals beab- allgemeine Knappheit zwingt nicht nur die samkeit in allen Dingen anempfohlen. Nichts tagtäglich mehr von seinen Anhängern. Und sichtigt sei. Ein Generalinspekteur einzelnen Haushalte Einsparung aller dürfe unnötig verbraucht werden. Das Reich doch sehen wir keinen Ausweg zur des Zollgrenzschutzes< soll an seine möglichen Dinge, zur schlechteren Ernäh- brauche seine Devisen für andere Zwecke. System der Gewalt, das uns alle die Spitze treten. Jeder Zollbeamte müßte einer rung, manche bis zum Hunger. Die Roh- Dasselbe wurde seinerzeit schon den behrungen auferlegt. Die Angst unterdrückt Gliederung der NSDAP, möglichst der stoffknappheit veranlaßt manchen Wirtshausbesitzern mitgeteilt. 20 alle Widerstandsregungen. 31000 SS, angehören. auch aus dem Entve r Die KonlunkturMine Im Maschinenbau Beträditlidie Gewinnsteigerungen— Phantastisdhe Kursgewinne Die nationalsozialistischen Kriegsvorbe reitungen haben der Produktion der deutschen Maschinenbau-Industrie einen mächtigen Antrieb gegeben. Die Mehrzahl der Branchen dieses Industriezweiges Ist mit rein militärischen Rüstungsaufträgen voll beschäftigt, während einige andere Branchen an der Deckung des durch die Einordnung der gesamten Wirtschaft in die Kriegsvorbereitungen entstandenen Maschinenbedarfes arbeiten. Ende des Jahres 1936 sind in der deutschen Maschinenbau-Industrie mehr als 600.000 Arbeiter beschäftigt gewesen, und zu Anfang 1937 wurde die theoretisch gegebene Produktionskapazität zu rund 82 Prozent ausgenutzt. Dm Absatzvolumen war 1936 bereits höher als 1928; wertmäßig blieb der Absatz allerdings infolge der niedrigeren Preise noch um 14 Prozent hinter diesem Hochkonjunkturjahre zurück. Daß dieser Aufstieg beinahe ausschließ lieh eine Auswirkung der Aufrüstung ist. wird auch durch die Entwicklung des Absatzes in Maschinen bestätigt. Im Jahre 1928 nahm von einem Gesamtabsatz von 3.7 Mit liarden Reichsmark das Inland für 2.6 Mil liarden und das Ausland für 1.1 Milliarde RM auf. Im Jahre 1932 war der gesamte Absatz an Maschinen auf knapp 1.4 Milliarden RM zurückgegangen. Je die Hälfte des Wertes entfiel davon auf das In- und Ausland. Im Jahre 1936 wird der Gesamtabsatz mit 3.1 Milliarden RM angegeben. Davon entfallen 2.47 Milliarden RM auf das Inland und nur 0.63 Milliarden RM auf das Ausland. Der deutsche Maschinenabsatz ins Ausland liegt demnach noch tiefer als im Jahre 1932. Diese Verschiebung im Maschinenabsatz ist für die Entwicklung des Konjunkturgewinnes der Maschinenbau-Kapitalisten nicht von ungünstigem Einfluß gewesen. Wohl war auch 1935 noch ein leichtes Nachgeben der Preise auf einem Teilgebiete festzustellen— so daß ein um etwa 14 Prozent tieferes Preisniveau als 1928 zu verzeichnen ist — aber dafür waren die Eisenpreise um mehr als 20 Prozent niedriger und die Produktionskosten durch die hohe Kapazitätsauanutzung und durch die im Vergleich zu � 1928 bis zu 50 Prozent niedrigeren Löhne stark vermindert. Kurz: die Rüstungskonjunktur und die ausgesprochen einseitige Wirtschafts- und Sozialpolitik der nationalsozialistischen Diktatur zugunsten der privatkapitalistischen Interessen haben den kapitallstischez. Profit im Maschinenbau in den letzten Jahren erheblich steigen lassen. Dagegen sind die Löhne der Arbeiter und die Gehälter der Angestellten nach den beträchtlichen Kürzungen am Beginn des Hit- lerregimes auf dem erzwungenen tiefen Niveau stehen geblieben. Nicht die geringste Erhöhung der Stundenlöhne ist in den letzten Jahren eingetreten. Die Kapitalisten und die Nationalsozialisten tun alles, um den wahren Umfang der gewaltigen Profitsteigerung den Volkschichten nicht bekannt werden zu lassen. Die Wirtschafts-Berichterstattung wird gerade auf diesem wichtigen Gebiet immer dürftiger. Aber dennoch ist selbst aus den frisierten und die Gewinne verschleiernden Bilanzen von 68 Aktiengesellschaften der Maschinenbau-Industrie, die rund ein Drittel des Gesamtabsatzes stellen, der große Sprung, den die Gewinne in den letzten Jahren gemacht haben, zu erkennen. So hat sich der B e- triebsertrag dieser Aktiengesellschaften, also der Umsatz nach Abzug der Ausgaben für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, seit dem Geschäftsjahr 1933/34 bis zum Geschäftsjahr 1935/36 fast verdoppelt. Die Gesamt-Abschreibungen, die 1933/34 im Durchschnitt 9.1 Prozent des Eägenkapitals betrugen, sind auf 15.8 Prozent erhöht worden. Also auch hier eine Stelgerung um 70 Prozent. Der Gesamt-Reingewinn wurde von diesen Aktiengesellschaften 1933/34 mit 0.3 Prozent des Eigenkapitals angegeben, während eine Berechnung für 1935 5.4 Prozent ergibt. Das ist eine Vermehrung des Gesamtreingewinnes um das Achtzehnfache. Für einzelne Branchen ist sogar eine noch günstigere Entwicklung festzustellen. Die im stärksten Maße an der Aufrüstung profitierende Werkzeugmaschinen- Industrie weist z. B. eine Erhöhung ihrer Gesamtabschreibungen in den angeführten Geschäftsjahren von 9.2 auf 24.0 Prozent des Eigenkapitals aus, während der Gesamt-Reingewinn sich von 1.0 auf 8.9 Ppoeent des Eigenkapitals erhöht hat Nur an einigen Beispielen wollen wir die für die Privatkapitalisten außerordentlich vorteilhafte Entwicklung aufzeigen. Aus den Bilanzen der nachstehenden Maschinenbau- Aktiengesellschaften geben wir den Betriebsertrag, den errechneten Ge samt-Reinertrag in Prozenten des Eigenkapitals und die Dividenden derGeschäftsjahre 1933/34 und 1935/36 wieder. Im Betriebsertrag soll der Gesamtumsatz abzüglich der Aufwendungen für sein. Aber schon bei der Errechnung des Betriebsertrages werden von den Aktiengesellschaften— wie ach bei genauer Prüfung feststellen läßt— viel höhere Abstriche vorgenommen, als die Aufwendungen für die Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe tatsächlich erfordern. Das geschieht, um den Betriebsertrag aus steuerlichen und anderen Gründen niedriger erscheinen zu lassen und um bei der Herabdrückung des auszuweisenden Reingewinnes nicht allzu große Schwierigkeiten zu haben. Das muß bei den folgenden Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe ausgedrückt Ziffern berücksichtiget werden. Betriebsertrag Reinertrag in% Dividende in Millionen RM des Eigenkapitals in% 1933/34 1935/36 1933/34 1935/36 1933/34 1935/36 Hille-Werke A. G., Dresden 1.2 Pitller-A.-G., Leipzig....... 2.8 J. E. Reinecker- A. G., Chemnitz... 2.6 Schieß-Defries A. G., Düsseldorf. i. 3.8 R. Stock& Co. A G., Beriin..... 5.9 Wanderer-Werke, Chemnitz..... 9.5 Wotan- u. Zimmermannwerke, Düsseldorf 0.4 Seidel& Naumann, Dresden..... 6.8 Miag Braunschweig........ 10.0 F. M. A. Frankfurt a. M....... 1.0 Lindes Eismaschinen A. G., Wiesbaden. 10.4 Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg. 35.9 Aus dieser Aufstellung geht die durchwegs starke Gewinnsteigerung der Maschinenbau-Unternehmungen hervor. Dort, wo Im Geschäftsjahr 1933/34 noch Verluste tatsächlich zu verzeichnen oder errechnet worden waren, hat sich inzwischen überall ein erheblicher Reingewinn eingestellt. Die beträchtlichen Konjunkturgewinne fließen den Kapitalisten nicht nur aus dem höheren Beschäftigungsgrad in diesem Industriezweig, sondern auch aus der erhöhten Ausnutzung der Arbeitskraft und der tiefen Löhne. Der einzelne Arbeiter muß im Dritten Reich dem Kapitalisten einen viel größeren Mehrwert erschuften als früher. Die volle Höhe dieses aus den Arbeitern 3.7 7.3 10.4 8.2 10.0 23.6 2.2 11.1 20.9 2.7 21.1 66.5 — 51.5 5.7 0.3 8.1 7.0 8.1 1.3 6.0 — 8.4 — 25.4 + 4.6 + 0.7 8.4 7.5 6.2 7.9 + + + + + 11.6 + 16.2 + 21.4 6.8 4.8 7.4 7.3 6.4 rasch t es auch nicht, wenn die Kurse der Maschinenbau-Aktiengesellschaften an den Börsen in mächtigen Sprüngen nach oben geschnellt sind. Der Mittelkurs für zahlreiche Maschinenaktien hat sich im Verlauf von zwei Jahren um 50 bis 100 Prozent und selbst mehr erhöht. In einzelnen Fallen erreicht die Kurssteigerung sogar 400 Prozent und mehr. Nun bliebe noch übrig, diese außerordentlich günstige Profitentwicklung in der Maschinenbau-Industrie der Entwicklung der Löhne und Gehälter gegenüberzustellen. Da läßt sich nur sagen, daß die Arbeiter nicht den geringsten Anteil an den Gewinnen haben. Im Gegenteil: es werden an ihnen In der Konjunktur die härtesten Ausbeutungsmethoden erprobt und unter dem Vorwand der Behebung des Facharbeitermangel werden mit den schärfsten Maßnahmen die letzten Reste Ihrer Freizügigkeit beseitigt. Das ist die Vdkagemeinschaft im Dritten Reich! herausgepreßten Mehrwertes kommt in der auagewiesenen Zunahme des Reingewinnes und der Dividendenausschüttungen nicht zum Ausdruck. Ein oft größerer Teil wird durch die verschiedensten Manipulationen, vor allem durch recht hohe Abschreibungen, unsichtbar gemacht. Die Plttler-A.G. In Leipzig z. B. hat bei einem gesamten Anlagevermögen von 2.5 Millionen BM im Gesohäftojahr 1935 fast 2 Millionen RM abgeschrieben. Die B. Stock-A. G. in Berlin hat bei einem Anlagevermögen von insgesamt 2.5 Milionen RM 2.8 Millionen RM im Geschäftsjahr 1935/86 abgeschrieben, demnach mehr, als überhaupt Kapital in den Anlagen investiert ist. Angesichts derartig hoher Gewinne über- Tödlidi— aber nidit im strengen Sinn Der Reichsstudentenführer Dr. G. A- Scbeel äußert sich in dem Zentralorgan des NS-Rechtswahrerbundes»Deutsches Recht« über die Neuordnung des deutschen Studententums. In dem Artikel finden sich die Sätze: »Daß der gesamte Studentenbund sowie alle Kameradschaften und ihre Mitglieder verpflichtet werden, für ihre Ehre mit der Waffe einzustehen, Ist— entsprechend den geltenden Ehrenordnungen von SA, SS, NSKK und Wehrmacht— eine Selbstverständlichkeit. Dabei wird durch entsprechende Schutzmaßnahmen dafür Sorge getragen werden, daß die neue studentische Waffe, der leichte Säbel, nicht als»tödliche Waffe« im strengen Sinne anzusehen ist.« Wer dennoch damit getötet worden ist, gilt im strengen Sinne des deutschen Gesetzes nicht als tot, sondern nur als zufällig nicht mehr am Leben. Eltern, denen das kein Trost ist, verdienen es nicht, Deutsche zu sein. HotlonalsozlnllMe Lohnpolitik- für wen? Größter Aufwand mit kleinsten Beiträgen Der Wirtschaftspolitiker des»Völkischen Beobachter«, Fritz Nonnenbruch, hat sich zu seiner Spezialaufgabe ausersehen, den Arbeitern beweisen zu wollen, daß das vom Führer befohlene Stillhalten der Löhne für sie nicht eine Plage, sondern eine Wohltat sei.»Die nationalsozialistische Lohnpolitik«, heißt es im Leitartikel»Die Lohnpolitik des Wirtschaftsaufbau es«(»Völkischer Beobachter« vom 21. März)»wird nicht im Interesse von Kapitalisten betrieben«.»Sie wird betrieben, um die deutsche Volkswirtschaft aufzubauen. Für wen? Nun, für das deutsche Volk, und das ist im ganz großen Umfange der deutsche Arbeiter.« Viele Unternehmer wären sogar bereit, höhere Löhne zu zahlen, um überhaupt Facharbeiter zu bekommen. Der Staat sei dem aber»sogar entgegengetreten. Eis ist nicht erlaubt, durch höhere Lohnangebote Arbeiter weg- zuengagieren«. Würden die Löhne erhöht, so würde ein Teil davon entweder auf die Sparkasse getragen oder»für mehr Nahrungsmittel in besserer Qualität, für Kleidung und Schuhe und endlich für höhere Miete einer besseren Wohnung verausgabt«.»Aber gerade diese Nahrungsmittel, die Kleider und Schuhe und die Wohnungen haben wir nicht.« Wenn der Arbeiter»jetzt auf die Lohnerhöhimg verzichtet, investiert er buchstäblich seine Arbeit im Wirtschaftsaufbau. Er hilft dazu, daß der volkswirtschaftliche Produktionsapparat ergiebiger wird«. Aber ist denn nicht im nationalsozialistischen Staat die Ergiebigkeit des Produktionsappara- tes ungeheuer gestiegen? Warum wird trotzdem der Anteil der Arbeiter am Ertrag der gesteigerten Produktion immer kleiner statt größer? Nicht weil zu wenig, sondern weil nicht das Richtige erzeugt wird. Die Eisenträger, die zum Bau von Wohnhäusern benutzt werden könnten, sind zu Kanonen ümgeschmolzen. Was für ausländische Nahrungsmittel aufgewendet werden könnte, wird in Spanien in die Luft geschossen. Die Wehrfreiheit ist in Konflikt mit der Nährfreihedt geraten, das heißt mit der Freiheit des Arbeiters, sich menschenwürdig zu ernähren, zu bekleiden und zu behausen. Nonnenbruchs Begründung der»nationalsozialistischen Lohnpolitik ist auch nur für die»Volksgemeinschaft« bestimmt. Wo die Nazis unter sich sind, kann man ganz andere Töne hören. Der»Nationalsozialistische Wirtschaftsdienst« ist eine Stelle, wo höhere Nazis ihre Art von Opposition austoben dürfen. Das Blatt wird von annähernd dem gleichen Kreise wirtschaftstheoretisch interessierter Nationalsozialisten gelesen, von dem es geschrieben wird. Die Kreise, die sich die Wirtschaft nennen, beachten es nicht, weil sie wissen, daß sich die nationalsozialistische Regierung mehr nach ihren Wünschen richtet als nach den unmaßgeblichen Meinungen der Pgs. vom»Nationalsozialistischen Wirtschaftsdienst«. Und die große Masse des Volkes weiß kaum etwas von seiner Existenz. Das Blatt nimmt sehr häufig zu Lohnfragen Stellung, aber dort teilt man keineswegs Nonnenbruchs Meinung, daß Lohnerhöhungen unbedingt zu Preiserhöhungen führen müssen. Im 3. März- Heft heißt es; »Die Gewinnlage vieler Werke ist so, daß auch der Wirtschaffe aus allen möglichen Gründen eine gewisse Erhöhung des Realeinkommens erwünscht und willkommen wäre, denn damit wäre nicht notwendigerweise eine Preiserhöhung verbunden. Wenn aber schon in der Verbrauchsgüterinduatrie. im Wohnungsbau und in der Landwirtschaft Arbeitskräfte fehlen, so hätte eine Lohnsteigerung keinen Spielraum in einem stärkeren Verbrauchsgüterangebot« Warum aber ist das Verbrauchsgüterangebot nicht stärker? Weil von den nationalsozialistischen Machthabern zu viel Geld und Arbeitskraft für repräsentative Luxusbauten verschwendet wird.»Das ist«, meint der»Nationalsozialistische Wirtschaftsdienst«,»der Grund, warum allen unnötigen öffentlichen Bauten mit allergrößter Entschlossenheit von der Zentrale entgegengetreten werden müsse und, wie wir versichern können, entgegengetreten werden wird, denn sie entziehen der Verbrauchsgütererzeugung Arbeitskräfte und Material. Daß eine Steigerung des Realeinkommens der unteren breiten Einkommensklassen erwünscht ist, erhellt aus der Tatsache der nur ein- bis zweiprozentigen Realeinkommenssteigerung dieser Klassen seit 1933.« Damit ist zugegeben, daß der Prunk des nationalsozialistischen Regimes und die»immer noch anschwellende Organisationswelle«,»der Papierkrieg völlig unproduktiver besserwisserischer Stellen und Aemter mit zebntausenden Bürokräften«, der»schon zur Seuche geworden ist« von den Arbeitern bezahlt wird. Zu welchen Zwecken im Dritten Reich Arbeitsgelder vergeudet werden, darüber kann man im»Nationalsozialistischen Wirtschaftsdienst« noch mehr Erbauliches lesen. Da gibt es eine Verordnung, wonach beim Kauf sogenannter beamteneigener Dienstwagen ein Behördenrabatt von 10 Prozent vom Bruttopreis gewährt wird, während der Höchstnachlaß für normale Großverbraucher nur 6 Prozent beträgt Wie man mit diesem Privileg für höhere Staatsbeamte zu privaten Zwecken Mißbrauch treibt, wird im 3. März-Heft 1937 wie folgt geschildert: »Es hat sieb gezeigt daß sich trotz der rechtlich genauen Fassung der betreffenden Bestimmungen Methoden herausgebildet haben,«he es ermöglichen, Wagen zu reinen Privatzwecken für eigenen Bedarf und den von Verwandten und Freunden mit Hilfe dieser Bestimmungen zu beschaffen— Methoden, die teilweise die Grenze des Betruges zu Uberschreiten drohen.« Oder»teilweise« vielleicht schon überschritten haben. Eine niedliche Korruption! Die Herren begnügen sich aber nicht damit, ihre Autos billiger zu kaufen als andere, sie müssen kostbarer sein: »An dieser Stelle darf außerdem nicht unerwähnt bleiben, daß es Stellen gibt, die trotz der Rohstoffknappheit immer noch einen Aufwand mit teuren Wagen treiben, der im Volke jedenfalls nicht als natlonalsozla- listisch angesehen wird, vor allen Dingen dann nicht, wenn dieser Aufwand aus den Beiträgen kleinster Größenordnung• bestritten wird.« Das zielt offenbar auf den Dr. Ley und seinen riesenhaften Apparat von Nazi- pfründnern, die mit der Hetze gegen die marxistischen Bonzen und ihre Verschwendung von Arbeitergeldem hochgekommen sind und die den Arbeitern täglich erzählen, daß Lohnerhöhungen ihnen nichts nützen und daß Gemeinnutz vor Eigennutz gehe. G. A. F. Nr. 200 BEILAGE lleutflocnM 11. April 193? Der Kampf um(De»(iHHielnM Einflußlose Speziallsten— Geht Außenminister Neurath? Zwischen dem nun verwaisten Palais Hindenburgs und dem neuen, endlich auch mit einem Balkon versehenen Prunkbau der hitlerschen Reichskanzlei liegt in der Berliner Wilhelmstraße ein graues, einer Kaserne ähnliches Gebäude; das Auswärtige Amt. Einst, in den Tagen Bismarcks, die exklusivste und ungestörteste Reichsbehörde, ist diese Zentrale der deutschen Außenpolitik seit dem Beginn des Dritten Reiches ein heißer, heftig umstrittener Boden geworden. Immer wieder— zuletzt beim großen Diplomatenschub vor Ostern— kommen Nachrichten, die wissen wollen, daß der Nationalsozialismus dieses alte»Widerstandsnest« der feudalen Konservativen endlich ausgeräuchert habe. Dann wieder heißt es, daß ganz im Gegenteil der Angriff des nationalsozialistischen Parteipapstes Rosenberg abgeschlagen sei und alles beim alten bleibe. Was ist da richtig? Der Chef v. IVeuralh Neben der Reichswehr war das Auswärtige Amt nach dem Machtantritt Hitlers die einzige Behörde, in der zunächst keine wesentlichen personellen Aenderun- gen vorgenommen wurden. Der alte Diplomatenbestand, der schon unter Stresemann vorhanden war und damals den»Locarnokürs« mitmachte, blieb erhalten, ja, er avancierte fleißig, als ob sich seit den Tagen von Curtius nichts geändert hätte. Ein beachtlicher Wechsel war allerdings kurz vorher vonstatten gegangen: die Regierung v. Papen hatte 1932 zum Chef des Auswärtigen Amtes jenen Diplomaten ernannt, der der schärfste Eron- deur gegen die Verständigungspolitik der Demokratie gewesen war, nämlich den Freiherrn Konstantin v. Neurath. Dieser Mann aus der Schule des Kaiserreiches war ein Sproß der Familie des Großadmirals Tirpitz, des unheilvollsten Beraters Wilhelms II. Als solcher hätte der junge Diplomat glänzend Karriere machen können, wenn er nicht versucht hätte, Anno 1916, als Botschaftsrat in Konstantinopel gegen seinen Chef, den klugen Grafen Wolff-Mettemich, zu intrigieren. Ein braver Spitzelbericht an das Berliner Amt wußte die ersch eckliche Tatsache zu berichten, der Botschafter gehe, unscheinbar angezogen und sogar zu Fuß durch die Straßen Stambuls, was ihm die Mißachtung der türkischen Gesellschaft eingetragen habe. Die überraschende Antwort war eine Depesche aus der Wilhelmstraße:»Will der Herr Botschaftsrat auf Urlaub gehen?« und trotz verdutzten Schweigens vier Stunden später ein zweites;»Urlaub bewilligt.« Den so brüsk Hinausgeworfenen holte die Republik großmütig wieder. Sie stellte ihn an wichtige Posten, was er ihr dadurch vergalt, daß er offen gegen die Demokratie auftrat und Berlin dauernd Schwierigkeiten machte, indem er z. B. als Botschafter in Rom den Schriftsteller Emil Ludwig demonstrativ nicht empfing. Das Dritte Reich übernahm den Außenminister v. Neurath als eine Art»Vermächtnis Hindenburgs«. Er war eine jener konservativen Sicherungen, durch die das deutsche Rechtsbürgertum in seiner Verblendung glaubte, sich gegen allzu großen Appetit der Nationalsozialisten schützen zu können. Dieser Wahn sollte nur zu bald zerreißen. Die»Weinpeisenden« Die gleich nach dem März 1933 mit Vehemenz einsetzenden Versuche des »Außenpolitischen Amts« der NSDAP, einige ihrer Vertrauensleute, meist stellungslose Deutschbalten, in die fette diplomatische Karriere zu bringen, scheiterten allerdings zunächst genau wie bei der Reichswehr. Zwar tauchten bald ein paar neue Namen im Diplomatenregister auf, aber es waren bezeichnenderweise sämtlich Männer mit— besten Verbindungen zur deutschen Großindustrie. Doktor Hans Luther etwa, der frühere Reichskanzler, der seinen Posten als Reichsbankpräsident 1933 wieder an Schacht zurückgeben mußte und dafür Botschafter in Washington wurde, war ein Mann aus dem Einflußbereich der Kanonenfirma Krupp. Die hatte ihn zu einer Zeit, da sie durch das Dreiklassenwahlrecht die Stadt Essen beherrschte, als Oberbürgermeister an deren Spitze gestellt Wofür Luther sich später als Reichskanzler erkenntlich zeigte, indem er bei Gelegenheit der verfassungs- und etatwidrigen 700-Millionen-Subvention dem Kruppwerk 70 Millionen zuschanzte. Seit 1926 saß er im Aufsichtsrat der Firma und nahm dann in Washington einen Posten ein, der seit Otto Wiedfeldt für ehemalige Kruppdirektoren schon traditionell genannt werden kann. Daß Herr v. Papen, der nach der Ermordung von Dollfuß als deutscher Botschafter und Sonderbeauftragter nach Wien ging, in allerengsten familiären Beziehungen zur rheinischen Industrie steht, dürfte bekannt sein. Ebensowenig zufällig ist es auch, daß erst kürzlich ein neuerrichtetes Sonderkommissariat im Auswärtigen Amt— und zwar das wichtige für»europäische Fragen«— einem Herrn W oermann unterstellt wurde, dem Angehörigen der bekannten deutschen Reederfamilie. In diesen Zusammenhang gehört auch Herr v. R i b b e n t r o p, in dem man bisher fälschlicherweise einen bloßen Exponenten nationalsozialistischer Parteieinflüsse gesehen hat, obwohl seine Berufung ebenso sehr eine Absage an Rosenberg wie an Neurath bedeutete. Auch Ribbentrops übliche Titulierung als»Weinreisender« führt durchaus irre. In Wirklichkeit ist j dieser ehemalige Reiteroffizier als Schwiegersohn des millionenschweren Sektfabn- kanten Söhnlein ein waschechter Vertreter bestimmter großindustrieller Interessen in der deutschen Außenpolitik. Um welche konkreten Interessen es sich dabei handelt und wie sie sich durchsetzen, das bedürfte einer besonderen Untersuchung. Für unseren Zusammenhang genügt die Feststellung, daß mit Beendigung der Wirtschaftskrise in der deutschen Außenpolitik jene alten»imperialistischen Tendenzen« der Vorkriegszeit wieder lebendig geworden sind, die das Dritte Reich aus seiner bloßen» Ostorientierung« abzudrängen versuchen und es bereits in die alte Gegnerschaft zu Westeuropa, speziell zu England, zurückgeführt haben. Hitlers Eingriffe Während so der äußere diplomatische Apparat zunächst den Attacken nationalsozialistischer Stellungsjäger trotzte, gingen in der Wilhelmstraße bedeutsame Veränderungen vor. Die Verhandlungs- und Repräsentationsaufgaben draußen scheint Hitler allerdings nach wie vor den geschulten Fachleuten überlassen zu wollen. Darin hat er, ganz dem Wesen des Faschismus gemäß, sich für die alten Beamtenkader und gegen die einst mit ihm kämpfenden kleinbürgerlichen Abenteurer entschieden. In der Zentrale selber aber wurde schon bald fleißig»umgeschaltet«. Die erste viel zu wenig beachtete Maßnahme war die Herauslösung der früher recht umfangreichen eigenen Presse- abteilung aus dem Verbände des Auswärtigen Amtes und ihre Eingliederung ins Propagandaministerium. Das bedeutet, daß nunmehr die propagandistische Vorbereitung außenpolitischer Aktionen sowie ihre Interpretierung und Auswertung nicht mehr in den Händen des Amtes liegt. Sie wird jetzt von Göbbels vorgenommen, der dadurch eine Art Mitregent eines wichtigen Sektors außenpolitischer Aufgaben geworden ist. Auch der zweite Schutt war ein organisatorischer Akt mit hochpolitischer Nebenbedeutung. Er betraf die Auflösung der bisherigen traditionellen Einteilung des Auswärtigen Amtes in Sonderreferate für Länder und Erdteile. Früher behandelte jeder Leiter einer solchen Abteilung »sein« Gebiet ziemlich selbstherrlich. Auf Grund seiner intimeren Kenntnis dieses Gebiets geschah kein Schritt, der es betraf, ohne ihn vorher zu fragen, wobei in den meisten Fällen sein Rat entschied. Heute sind diese Abteilungsleiter entthront. Sie sind reine»Fachreferenten« geworden, die der»politischen Abteilung« unterstellt sind, die Hitler durch zwei Sonderkommissare überwachen läßt. Schließlich darf auch nicht übersehen werden, daß das Auswärtige Amt immer stärker von der»Kanzlei Hitler« verdrängt wird. Bei der großen Rolle, die die samstägigen Ueberraschungsaktionen des Führers in der deutschen Außenpolitik spielen, wird diese Kanzlei— deren größter Teil sich monatelang auf dem Obersalzberg in Bayern befindet— immer häufiger zum eigentlichen Außenministerium des Dritten Reiches. »Abteilung Bohle« Ihren bedeutendsten Triumph aber errangen die nationalsozialistischen Rivalen der Berufsdiplomatie vor wenigen Wochen bei der Vierjahresfeier des Dritten Reiches. Unter den Maßnahmen, die Hitler bei dieser Gelegenheit verkündete, war auch die Errichtung einer neuen Abteilung im Auswärtigen Amt— der»Abteilung für Auslandsdeutsch- t u m«. Ihr gleichzeitig ernannter Direktor, Gauleiter Ernst Wilhelm Bohle, kommt aus dem unmittelbaren Machtbereich Alfred Rosenbergs. Er war bisher im»Außenpolitischen Amt« der NSDAP tätig, wo er die bekannten Verbindungen der Parteizentrale zu den teilweise illegalen Positionen in den deutschen Min- derheiteu des Auslands bearbeitete. Jetzt ist Bohle, mitsamt seiner Aufgabe, aus dem Parteiapparat in den amtlichen Rahmen des Ministeriums hinübergewechselt. Mit dieser offenen Kapitulation der deutschen Außenpolitik vor der nationalsozialistischen Mystik ist eine Forderung erfüllt, die die aggressiven Elemente um Rosenberg seit langem erhoben haben, während die Wilhelmstraße sie bisher entschieden ablehnte. Charakteristisch für die beginnende Entmachtung Neuraths sind die Bestimmungen über die Stellung Bohles: er gilt zwar ausdrücklich dem Minister»persönlich und unmittelbar unterstellt«, nimmt aber(was bisher bei keinem Abteüungs- leiter der Fall war)»an den Sitzungen des Reichskabinetts teil, soweit sein Geschäftsbereich berührt wird...« Eine irreführende Firma Das Auswärtige Amt hat sich gegen 1933 also grundlegend verändert. Aus einer politischen Behörde mit streng gehüteter Tradition, einem Amt mit Eigenleben, mit Aufgaben und auch mit Verantwortimg, ist ein Büro zur Praktizierung der wo anders bestimmten Außenpolitik, ein bloßer technischer Spezialistenbetrieb, geworden. Denn die Politik macht Hitler selber, ihre propagandistische Behandlung erledigt Göbbels, wenn besondere Aufgaben zu bewältigen sind, wird Göring oder auch Ribbentrop entsandt. Und den inneren Betrieb überwachen zu allem Ueberfluß zwei Sonderkommissare und der neue, allein noch mächtige Abteilungsleiter Bohle. Was diese Eingriffe bedeuten, dürfte nicht schwer zu erkennen sein: wenn man heute»Wilhelmstraße« sagt, ist das etwas grundlegend anderes geworden, als was man etwa mit»Quai d'Orsay« oder»Foreign Office« bezeichnet. Das ist ein Unterschied, den gerade jene beiden letzten Stellen immer beachten sollten, wenn sie mit ersterem in Verhandlung treten. Neuraths Gegenzug Erst bei Kenntnis aller oben erwähnten Tatsachen wird die Bedeutung des letzten deutschen Diplomatenschubs klar. Sein wichtigster Akt war die Neubesetzung des Postens des Staatssekretärs im Auswärtigen Amt durch Dr. v. Mackensen. Als vor einiger Zeit der Staatssekretär v. Bülow(ein Angehöriger der alten preußischen Diplomatenfamilie) starb, wurde mit seiner kommissarischen Nachfolge der Ministerialdirektor Dr. Dieckhoff beauftragt. Dieckhoff, der nach dem Kriege auch einmal Gesandtschaftsrat in Prag war, und der sich übrigens lange Zeit als betonter Republikaner gab, galt deshalb auch als aussichtsreichster Bewerber für die endgültige Besetzung. Wenn trotzdem nun v. Mackensen, bisher Gesandter in Budapest, ernannt wurde, so hatte das besondere Gründe. Denn Mackensen ist nicht nur der Sohn des bekannten Weltkriegsgenerals, sondern auch— der Schwiegersohn v. Neuraths, mit dessen Tochter Winnefred er seit 1926 verheiratet ist. Was verspricht sich v. Neurath von dieser Besetzung des zweitwichtigsten Postens im Amt durch einen Mann seines absoluten Vertrauens? Will er wenigstens den Rest des ihm langsam entgleitenden Ministeriums fester in die Hand bekommen? Oder haben die Stimmen recht, die darauf verweisen, daß er in v. Mackensen einen wirkungsvollen Rivalen Bohles für den Fall sieht, daß einmal die Frage seiner Nachfolge akut wird? (Auf der anderen Seite bedeutet auch die Ersetzung Luthers in Washington durch Dieckhoff einen Erfolg der engen Clique um Neurath, die den aus der kommunalen Laufbahn stammenden ehemaligen Reichskanzler stets doch ein wenig als Outsider betrachteten. Nicht unerwähnt bleibe bei dieser Gelegenheit, daß Luthers Haltung in Washington von den Kennern des Mannes seit langem mit Erstaunen beobachtet wurde. Man fragte sich mit Recht, wie er seine antisemitischen Proteste im Weißen Hause mit seiner lebenslangen Freundschaft zu dem bekannten jüdischen Architekten Körner und seiner Frau, der Erzieherin von Luthers einziger Tochter, in Einklang bringen konnte. Anscheinend hat er daraus nun die längst fälligen Konsequenzen gezogen.) Keine Täusdiun siegen< können, Jahrhundert Der Trip in die Welt, die Möglichkeit des Abenteuers muß dem Volke erhalten bleiben, meint die DAZ; es sei von> weittragender Wichtigkeit, daß das Herrenvorrecht am Abenteuer von der Odyssee über Parsival bis Hans Grimm, oder, wenn man will, sogar bis Karl May, etwas anderes bedeutet als Träumereien an deutschen Kaminen, deohne ren ganze Generationen entsagen, weil sonst vielleicht ein Examen gefährdet oder Der soziale Hintergrund der Man mag einwenden, daß jedes Land um die diese Beamte und diese ihre>> Tradition< als Aufnahme in den zuständigen Berufsverband Erweckung der( klassischen) Literatur. Eine Diskrepanz zwischen Geist und Wirklichkeit Systemkreaturen?! allzusehr gefährdet werden könnte... Ge- offizielle Angelegenheit der britischen Gelehr- in seinem eigenen Wesen genau so fühlt und meint sind die braunen Organisationsexamen samkeit, was schon allein daraus hervorgeht, daß ja auch nicht alle Briten und alle Fran- land, aber er wertet sie nicht? Oder doch? und das Ganze ist nur eine romantische Ein- daß das Werk von der Cambridge University zosen identisch mit allen ihren Landsleuten Verdächtig ist auf jeden Fall die Aufregung daß in Deutschland, und der gar nicht verhehlte Aerger, mit der leitung zu einem Vorstoß gegen den Orga- Press herausgebracht wurde. Obschon ein rein sind. Nur, jeder weiß, nisationsrummel, der den jungen Menschen die Autoren- das zu keiner politischen Gestalt als dem all- das Dritte Reich auf ganz schlichte, wenn im Uebermaẞ nicht bekomme, von den mili- arbeit im Inselreich einen> Bucherfolg gehabt, gemein anerkannten nationalen Heros auf- auch peinigende und aufpeitschende Tatsatärischen Organisationen natürlich abgesehen. Im übrigen jedoch sei nur zu wünschen, wissenschaftliches Werk hat lands fest. Bruford erklärt die beiden Deutschder in England bei wissenschaftlichen Wer- blicken kann, das Auseinanderfließende im chen, um die jeder Deutsche nicht, wie der ken durchaus nicht üblich ist<< so stellt deutschen Wesen selbst das mehr als anders- englische Gelehrte aus dem Archiv, sondern auch die Kritik der von Brufords Untersu- wo Entscheidende war. Nur, wo das aus einem Leben weiß, mit der auf den engchungen nicht gerade begeisterten gleichge- war, ist und wahrscheinlich noch auf lange lischen Bucherfolg reagiert. Was da durch > daß die von den führenden Männern des schalteten Literaturpublizistik Hitlerdeutsch- sein wird, kann überhaupt eine so entsetzliche die Sprache einer ernsten sachlichen Historik Staates immer wieder ausgesprochene Warnung vor der Ueberschätzung Tragikomödie, wie es Hitlers Gleichschaltung der Cambridger seinen Landsleuten zeigen der Organisation um ihrer selbst ist, halbwegs ernst genommen werden, ja wollte alle die absolut reaktionären, widerwillen von der Jugend und ihren Erziehern Warum Brufords Erfolg in seinem Vatersogar das einstweilige Ruhekissen einer Na- natürlichen, im Innersten verderbten Wurrichtig verstanden wird. Es handelt sich land? Gerade der Durchschnitts- Engländer tion, die sich selbst nur durch die äußerliche zeln, auf denen das Dritte Reich steht das dabei nicht um die oben erwähnten Forma- aller Schichten und aller Parteien versucht Roẞkur zu helfen weiß, bilden, wie es die Hit- haben sie erkannt. tionen, die, wie wir ausführten, gerade hier So ist es die gleichgedas heutige Deutschland, zum Zentralpunkt iersche Gegenwart zeigt. eine gesunde Wirkung ausüben können, es schaltete» Literatur<<( Märzheft 1937), die handelt sich eher um das Gildenwesen seiner eigenen politischen Selbstbehauptung darauf hin den folgenden Lufthieb gegen den der Berufsverbände. Sie haben geworden, vor allem richtig zu verstehen, um Das andere Deutschland? So sieht es englischen Gelehrten führen muß, allerdings zum großen Teil ihre gesunde und not- ihm gegenüber eine Politik vertreten zu kön- u. a. mit ganz kritischem Auge der englische wendige Funktion im Leben des Staates. damit nur zeigend, wie sehr man sich selbst nen, die auf dem Boden der Wirklichkeit Gelehrte: Da ist der Fürst, der Fürst jenes Es wäre jedoch gut, wenn nicht jeder geprügelt fühlt: junge Mensch, sei es im praktischen Beruf, und nicht bloß mehr oder weniger unange- Kleinstaates, der als solcher schon allen Aussei es als Akademiker, nur auf den Be- nehmer Reizgefühle aufgebaut ist. Dazu ländern als typisch deutsch erscheinen muß, rechtigungsschein blickt, der ihm die Auf- verpflichtet den Engländer die Verantwortung der seine patriarchalische, mehr oder minder nahme in den Berufsverband erlaubt, wenn für ein> Empire<<, die sich ihm immer stellt, wohlwollende, immer aber äußerst selbstbenicht jeder die natürliche Romantik ersticken würde, um rasch zu einer Ver- wie er sich auch politisch bewegt. Und zum zogene Herrschaft ausübt«. Da ist der> Adel sorgung zu kommen.< Verständnis aller Realitäten des neudeutschen mit Vorrechten, die zum Beispiel Goethes viel Das beinhaltet erstens einen Protest der Monstrums Nationalsozialismus trägt nun angefochtene Adelserhebung schon allein aus Unternehmer dagegen, daẞ Leys passive Brufords Buch wesentlich für den Engländer dem Lebenskreise, in dem er sich bewegte, Zwangsorganisationen trotz Streikverbot bei mehr, als Unterhausreden es ihm ver- nahe legten, wenn nicht notwendig machten<. obwohl der Verfasser das Da sind die Bauern, die ihren Bauernkrieg noch immer den Schein zu wahren suchen, mitteln können, als vertreten sie so etwas wie die Interessen historische Thema mit keinem Satz verlassen für fünf Jahrhunderte im eigenen Blut verund und gerade auch loren hatten >> für deren Hebung aus ihrer Mitglieder. Und zweitens drückt sich hat. Schildert er doch hier das Leiden aller Kreatur aus, die drüben für unser ehrliches, peinigendes und aufrüt- armer Lage nur einzelne weitausschauende durch Führergespreize und Ueberorganisation telndes Wissen um dieses unser Land völlig Männer sich ohne großen Erfolg einsetzen<. willenlosen wahrheitsgetreu wie es eigentlich immer Da sind die Beamten oh, vor allem diese zerrädert, entmenscht und zum mehrere>> Deutschländer<<, mindestens Beamten! Herdenvieh degradiert wird. Nur gerade in Deutschland gibts zwei, gegeben hat, die Antagonismen aus das; und vergeblich versucht es der Auslänletzter und tiefster Verwurzelung immer wa- der halbwegs zu verstehen.. Dauernd erren ein tragischer Zwiespalt in unserem folgten Eingriffe in das Privatleben der Benationalen Sein, der allerdings zu Zeiten, wie amten durch die Fürsten. Sie mußten ihre in jenem Deutschland, in dem Goethe noch Häuser in bestimmten Stadtvierteln bauen, lebte, aus seiner Tragik heraus mindestens wie in der Friedrichstadt in Berlin, mit ihm man doch sogar in einer Diktatur sein kann! geistig fruchtbar werden konnte. Jawohl, auf die Jagd gehen, Hoffestlichkeiten, die mit Freilich nur, wenn man sich dermaßen auch vielleicht wäre Schiller nie ein Dichter ge- erheblichen Kosten verbunden waren, beiwoh- ärgern muß... Genrebilddhen ... A » Zur Erklärung muß man bis in die Kriegsjahre zurückgehen( um Brufords Bucherfolg nämlich zu verstehen. D. R.) Damals wie heute nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialistische Partei sahen sich viele Freunde Deutschlands in Großbritannien vor ein sehr viel tätigeres und wirkungsvolleres Deutschland gestellt, als es ihrem Bilde vom Lande der Denker und Dichter entsprach. Und damals wie heute fanden viele, denen es unbequem war, ihr Weltbild nach den Tatsachen auszurichten, daß es viele Deutschländer gäbe, gewiß aber zwei, das der Philosophen und Musiker und das der Barbaren und Junker oder Hunnen, wie wir damals hießen, Und jetzt sei ebenso eine Unterdrückung der Philosophie festzustellen. den Dieses Bild von >> deutschen Ländern« erfreute sich und schlagwortartiger Beliebtheit auch heute noch oder heute gerade wieder spukt es in vielen Köpfen, die es am einfachsten fänden, auf eine solche Auffassung ihr politisches Urteil zu gründen<. Wie ehrlich und voller Selbsterkenntnis Der Mühlenbesitzer L. aus Odernheim hatte in der letzten Zeit viel auszustehen. Im April 1936 nämlich, vor genau einem Jahr, als die Futtermittel im Bezirk Odernheim schon genau so knapp waren wie jetzt, wollte es das Unheil, daß ein Wagen dieses Müllers auf irgendeinem Hof neben dem schrot verkauft hatte den Ortsbauernfüh-, samt seinem Boykottschaden auf Konto Hitlerjugend stark und zur größten JugendWagen irgendeines Juden zu stehen kam. rer und die zwei Hauptspitzel wegen Be- Volkserneuerung buchen. bewegung der Welt geworden.<< Sofort begann ein Geraune und Getuschel in leidigung verklagte. Das Deutsche ( Preußische Ztg. Nr. 81) den braunen Kreisen. Der mangelhaft gleich- Nachrichtenbüro meldet nunmehr: wurde geschaltete Müller, so hieß es, verkaufe fettes, gutes Sojaschrot an den Juden. Aus dem dem Getuschel wurde ein kleiner Boykott, und schließlich landete die ganze Sache beim Ortsbauernführer, der sie zungenschnalzend an den Reichsbauernführer weiterleitete. Man untersuchte, schrieb Akten voll, spionierte und klatschte, bis der geplagte Müller der den Juden kein SojaLudendorff und die alte Zeit das sind wir. schon einmal die Schlacht, und nun es zum andern Mal abwärts geht und Deutschland wieder am Abgrund steht. sind sie sporenklirrend erwacht. Zwangsläufige » Durch das Staatsjugendgesetz > Das Schöffengericht Bad Kreuznach Freiwilligkeit zwangsläufig zur Tatsache, daß stellte fest, daß die Beklagten nur ihre Pflicht erfüllten und in Wah-> Der Reichsjugendführer hat nach dem jährlich ein bestimmter Jahrgang genau wie rung berechtigter Interessen Erlaß des Reichgesetzes der Jugend und den später beim Arbeitsdienst und Heer erfaßt handelten. Die Ehre des einzelnen müsse deutschen Eltern verkündet, daß bei der Er- werden muß, um in das Deutsche Jungvolk in einem solchen Falle vor dem Interesse der Allgemeinheit zurücktreten. Die Be- fassung der heranwachsenden Jugend auch in eingegliedert zu werden. Gerade in diesen Taklagten wurden freigesprochen.<< Zukunft das Prinzip der Freiwillig- gen ist man dabei, den Jahrgang 1927 der geund der nicht ganz gleichgeschaltete Müller keit beibehalten wird, denn gerade durch samten deutschen Jugend zu erfassen<< (> Der Westen«, Berlin, Nr. 80) kann die Anwalts- und Gerichtskosten mit- diese freiwillige Dienstleistung ist die Die toten Generale stehen auf, und sie nik- lächelnd und unbeschwert ken zufrieden Applaus, die Hände der Führer sind wiederum rot, Viel Feind, viel Ehr' und auf's trockene Brot das Liedchen vom Donnergebraus. ihn herum unserem Fleisch, aber Landes ist aus dem uns durch Man Was Also bleibt nur Und die Drei kämpften. Die Freunde erschraken. Wie war früheren Welt unseres Mannes so wenig ge- Nun brüteten drei Zensoren darüber und er dahin gekommen, er, der Leicht- mein, wie der Mond mit der Venus. Er sahen sich mit großen Augen an: Wir haben Die toten Generale stehen auf und beziehen beschwingte, Unbeschwerte, Unproblemati- schrieb es herunter in Wochen der Qual und Pech. Ein großer Träumer ihr Vorkriegsquartier. Die der Erfüllung. bedroht Der lange gehemmte Strom Schlafe erwacht und sche? Er wußte es selbst nicht recht. Sie fühlen: nun ist es bald wieder so weit, frühere leichte Heiterkeit hatte ihn verlas- seines Blutes brandete durch hunderte Sei- Geniewerke! Mit der gefährlichen Utopie bedenn die neue Zeit ist die alte Zeit, und wie gehts weiter? sen, sie war davongegangen, wie ein Sommer ten, die von einer anderen Welt erzählten, ginnts ihm das Schreiben verbieten. sich der Zukunft, muß davonstehlen kann, wenn plötzlich Land Irgendwo, Menschheit widrige Stürme über die Stoppeln fegen. Die Fleisch von vom heißt verbieten? Wenn er ins Ausland geht, Die toten Generale stehen auf, sie verspielten Welt ringsum hatte sich verfärbt, war grau Kainsmal erlöst durch Geist und Wahrheit. steht dort ein neues Armeekorps gegen uns! geworden, Menschen um ver- Kapitalismus, Unterdrückung, Krieg ver- Ich höre die Meute schon! schwanden hinter Mauern und Gittern, Men- sunkene Zeiten. Eine Technik, die in ein eins: eine Kugel ans Bein. schen, die er nie wiedersah ,, Menschen ohne paar Stunden jeden Planeten zerstörte, wenn nickten. Schuld. Seine Feder, die SO lange eine sie losgelassen. Diese Menschheit von IrgendHier könnte die Geschichte abbrechen, leichte, heitere Welt beschrieben hatte, wo stößt aus anderen Dimensionen auf die zumal der Höhepunkt überschritten ist. seine Feder von heute, steht vor dieser staunend, wie Oder scheint das nur so? Unser Mann erwurde rissig, bissig und verstummte, als er wir vor den Leuten der frühesten Steinzeit hielt eine Einladung und saß über ein Kleieines Tages drakonisch verwarnt wurde. stehen würden, wenn... Die überraschten nes beim Zensor. Der strich seine Fliege Fremd, fern, eine Lüge schien ihm diese Steinzeitler denken in hergebrachter Weise unter der Nase und sagte:> Ihr Werk ist leichte Welt geworden, die er ehedem be- an Ueberfall, Raub, Eroberung des nicht unbegabt, aber es dient dem neuen lächelte, fremd die Menschen, er ge- Irgendwo und sind geschlagen, ehe noch Staate mitnichten. Wo bleibt das Rassische? Die toten Generale stehen auf, ein modriger, schaffen und die im Flusse des Lebens nicht ihre Flugzeuge den Hangar verlassen haben. Wo der nordische Gedanke? Wo unser taugiftiger Spuk, tiefer gingen, als ein leichter Kahn mit Die Steinzeitler werden von den Siegern wie Wenn die Leute von Sie fühlen: nun ist es bald wieder so weit, flachem Boden. Irre behandelt, gepflegt, betreut, mit den sendjähriges Reich? die neue Zeit ist die alte Zeit, meiden, X- Strahlen der Antibestialität bestrahlt, und Irgendwo wenigstens Germanen wären! Wie haben Sie sich das blutmäßige Ahnenerbe man begrub uns nicht gründlich genug. ging ihnen aus dem Wege. Gehörten sie ihr Planet wird zum Naturschutzpark der Irgendwer gedacht?< nicht auch zu dieser farblosen, indifferenten Irgendwo erklärt. Welt, die er einst gezeichnet und die ihm Als er die Feder weglegte, war ihm, als Unser Mann verstand nicht recht, wußte nun zu grauen Mauern geworden war?! Er sei die Erde unter seinen Füßen davon- nicht zu antworten, schwebte in den Wolken wie eine Getriebe Fertig lag das Werk vor ihm. Er hatte es schloß sich ein, verkapselte sich gerollt. Seine Freunde lasen, erschraken und seines Leides, sah tief unten das in Wochen der Qual heruntergeschrieben, wie lebensmüde Raupe, verfiel in einen langen erkannten ihn nicht wieder. Wer die Blätter von Irrsinn und Grauen und hörte wieder den Traum. Starr und stumm, als hätte sie nie in die Hand bekam, las sie in einem Zuge mit der Fliege:>> Sie schrieben doch früher im Halbtraum. Kaum gegessen, kaum gedarüber gelebt, lag seine Feder, Monate, Sommer und herunter und starrte ringsum in die Gegen- so nette bekömmliche Reiselektüre, warum schlafen. Wie im Fieber hatte erwachte und Nacht Winter, ein Jahr. Dann draußen Tag sie aus wart wie in eine fremde, unerträgliche sind Sie nicht dabei geblieben? Ihr Denken gesessen, indes Schlaf und Starre, ihr Blut hatte sich so- Vision. Wer es las, schaute aus verzauber- erscheint uns humanistisch- individualistisch wechselten, Tag und Nacht. Der rote Strom lange gestaut, daß es die Hülle sprengte und ten Augen. Der Verleger schrieb ihm:» Groß- erkrankt, sie sind ein Opfer der verblichenen seines Blutes brandete durch alle Seiten. Seine Freunde saßen davor, wie vor einer wie aus einer Wunde rann. artig, gigantisch, aber ich weiß nicht, ich Demokratie, aber Sie können gerettet weranderen lockenden Welt, in der die Gedan- Es war ein schwerer, schmerzlicher und trau mir nicht.<< Und legte das Manuskript den. Wir wollen Milde walten lassen, wir werden Sie in unserem Dichterlager Numken in nackter Unschuld tollten, spielten, tiefer Traum gewesen, und er hatte mit der der Zensur vor. Zelle 18-86 er Hugin. die Er begann, seine Freunde zu von Deutsdbe Sdiuldämmefm»� Zwölfjährige Lehrlinge— Abiturienten. Der Niedergang de« dentscben Scbulweaens vollzieht sich in ao rasendem Tempo, daß die deutschen Zeltungen mit der Aufzählung aller neuen Abbaumaßnahmen kaum mehr nachkommen. Deshalb— und aus Gründen der Bescheidenheit— wurden in der vergangenen Woche einige weitere Einschränkungen, die eine Balkenüberschrift verdient hätten, mit kurzen, klein gedruckten Notizen abgetan. Die erste dieser Notizen lautet: »Reichserziehungsmlmster Rust hat in einem Erlaß vom 22. Februar 1937 Maßnahmen angeordnet, die mit dazu dienen sollen, unserer Jugend die volkspolitisch' wünschenswerte verkürzte Schulausbildung zu ermöglichen, So können nunmehr körperlich und geistig gut entwickelte Schüler und Schülerinnen bei guten Leistungen bereits vor Vollendung dernormalen Grund- Schulzeit von vier Jahren nach Besuch der drei ersten Klassen der Volksschule auf die grundständige höhere Schule übergehen...« Da in seltenen Ausnahmefällen ein Ueber- springen der letzten Volksschulklasse schon immer möglich war, hätte der Reichs- erziehungsminister sich den ganzen Erlaß mitsamt dem Wörtchen»nunmehr« schenken können, wenn— ja wenn die Zahl der vorzeitig in die höhere Schule hinüberwechselnden Kindier in Zukunft nicht ungleich höher sein sollte. Während bisher bei den meisten Schulen oft Jahre zu vergehen pflegten, ohne daß eine solche Ausnahme gemacht wurde, sind jetzt bereits Prüfungsausschüsse bestimmt worden, die alljährlich eine ganze Schar von vor der Zelt Versetzten zu examinieren h'aben. Da gleichzeitig die Zeit in der höheren Schule um ein Jahr verkürzt wurde, werden in Bälde zahlreiche siebzehnjährige Abiturienten freiwillig ins Heer eintreten können. Wenn man hinzunimmt, daß die verbleibende kurze Unterrichtszeit durch den HitlerjugendcHenst noch einmal kräftig verkürzt wird, so kann man verstehen, daß unter der Elternschaft zugegebenermaßen»eine gewisse Besorg. nis herrscht«. Aber dies ist noch nicht alles. Eine weitere Notiz belehrt uns darüber, in welcher Welse die Volksschüler der Segnungen des Schulabbaues teilhaftig werden sollen: »Nach dem Berufserziehungsplan von Dr. Ley soll das erste Jahr der Berufserziehung schon mit dem siebenten V d 1k ss chul j ahr zusammenfallen. Wie Günther Kaufmann im»Jungen Deutschland«, der sozialpolitischen Zeitschrift der deutschen Jugend, mitteilt, wird die praktische handwerkliche Erziehung in diesem siebenten Volksschul- und ersten Lehrjahr(he Einrichtung von Lehrwerkstätten der DAF In den Volksschulen notwendig machen und zugleich die Mitwirkung der örtlichen Handwerksmeister bedingen. Während heute der junge Mensch nach acht Volksschuljahrcn unzureichend Marsch auf Madrid »Madrid ist die größte Stadt Europas. Seit fünf Monaten marschiert Franc© in Madrid ein und ist noch nicht einmal über einige Vororte hinaus gekommen.« (Spanischer Volkswitz.) Der Hauptschriftleiter der DAZ ist anfangs dieses Jahres bei Franc© zu Gaste gewesen. Daraus entstand ein Buch und die DAZ druckt ein paar Spalten aus den Aushängebogen nach. Herr Sil ex erzählt darin, daß im»nationalen Spanien« das Heer, an erster Stelle stehe, militärisch wie politisch: »Im Rundfunk und in den Zeitungen wird Tag für Tag das Heer als der Retter des Landes herausgestellt. Jeder einzelne soll wissen, daß er alles dem Heere verdankt, sein Leben, seine Arbeitsstätte, seine Zukunft. Die nationalen Verbände sollen wissen, daß erst die Tat des Heeres ihnen überhaupt die Möglichkeit gegeben hat, in einem neuen Spanien au wirken. Die Verehrung des Heeres gehört zu den festen Bestandteilen des täglichen Lebens wie das Anhören der Messe.« Schon daran ist der typische Offiziersputsch zu erkennen. Der verbrecherische Putsch rollte los, weil das republikanische Spanien drauf und dran war, das unheimlich angeschwollene Offizierskorps zahlenmäßig zu reduzieren und auf das der Armee entsprechende Maß zu bringen. Solche Kleinigkeiten dürfen in Deutschland nicht publiziert werden, Herr Silex gesteht sie aber schämig mit der Umschreibung: das»rote Spanien« habe nicht genug Verständnis für die Anforderungen der Militärs bewiesen. Eine»Erneuerung« war notwendig und damit der deutsche Untertan über die Heranziehung der Söldner und Halbwilden Marokkos nicht stolpert, ist eine Legende für den Hausgebrauch vonnöten: da die Kultur in Gefahr war, mußte die Erneuerung von Marokko aus erfolgen. »Die»Erneuerung von Marokko aus« mußte zum Programm werden, weil die besten Soldaten,"Offiziere wie Unteroffiziere, eben den Dienst in Marokko suchten. Nur dort konnten militärische Erfahrungen gesammelt und kriegerische Lorbeeren geerntet werden. Das Wesentliche ist also keineswegs die Tatsache, daß in Marokko eingeborene Soldaten kommandiert wurden, sondern daß hier ein Geist des Heeres entstand, wie er sich in den Heimatgarnisonen nicht entwickeln konnte.« Weil in den Heimatgarnisonen die Menschen ja über das reaktionäre Gesindel und ihre Motive zu gut Bescheid wußten! Aber die mohammedanischen Moros wußten nichts, sie waren gegen Francos christliche Volksgenossen am besten zu mißbrauchen, sie mordeten aus religiösem Haß. Das ist peinlich, darum muß die marokkanische Rettungslegende gut vernietet werden. Man riecht den Schweiß des Edlen förmlich; »... diese Soldaten sind nicht als Marokkaner nach Spanien gekommen, sondern eben als Angehörige des»Heeres in Marokko«. Das ist ein Unterschied, der nicht übersehen werden darf. Die»Tercios« der Fremdenlegion und und die»Moros« der regulären marokkanischen Divisionen sind von dem besten spanischen Offizier in den Dienst jener Idee der»Erneuerung von Marokko aus« gestellt worden.« Dieser beste Ofizier ist Franco, von dem das Buch gesteht, daß er die Revolte seit langem vorbereitete. Womit es eine andere Legende erschlägt, nämlich die von dem angeblich geplanten Kommunistenputsch, mit dem die Francos ihr Verbrechen zu bemänteln suchen. Das Buch hat auch Pech mit dem Titel, es heißt»Der Marsch auf Madrid«. Schon vor vier Monaten wurde die Eroberung der spanischen Hauptstadt täglich im deutschen Rundfunk angekündigt. Das hat man sich vorläufig abgewöhnt, dafür hat der Chef der DAZ heraus gefunden, es sei sogar ein Glück, »daß der Marsch auf Madrid kein Parademarsch war. Ein leicht geglückter»Militärputsch«, ein leichter Erfolg hätte Gefahren in sich tragen können. Die wirkliche Aufgabe, nämlich von Grund aus ein neues Spanien zu schaffen, hätte übersehen werden können und dann wäre nach einigen Jahren alles wieder wie zuvor.« Eines Tages wird auch der verunglückte italienische Parademarsch zu einem Glück umgedichtet werden. Weil den marokkanischen Putschisten der Pilsudski-Staat vorschwebte, bringt es der tüchtige Verfasser sogar fertig, Franco sozusagen als spanischen P i 1 s u d s k i hinzustellen, und das läuft schon auf Totenschändung hinaus. Denn der polnische Generalissimus hat Polen nie an auswärtige Mächte verhöckert, hat es nie einer Fremdherrschaft ausgeliefert, hat nie fremde Truppen und fremde Mächte gegen das eigene Volke zu Hilfe gerufen. Im Gegenteil, er hat Polen zunächst einmal von einer Fremdherrschaft befreien helfen. Wir haben gegen Pilsudski manches einzuwenden, aber zu solch elendem Vergleich ist er nicht zu brauchen und solchen Schimpf müssen selbst seine Gegner zurückweisen. beraten ins Berufsleben trete, sei er nach dem neuen Plan im gleichen Zeitpunkt nicht nur gründlich beraten, sondern e r habe bereits zwei Jahre seiner Berufserziehung hinter sich. Eine Verkürzung der Ausbildungszeit und eine zweckmäßige Berufslenkung wären mit einem größeren Gewinn des Jugendlichen für seine Berufslaufbahn verbunden und auch erreicht. Und— das ist wiederum aus purer Bescheidenheit vergessen worden— die Lehrmeister und Unternehmer sparen die Stunden, die sie ihren Lehrlingen für die Berufsschule freigeben mußten. M i t zwölf Jahren an die Werkbank— Abschluß der eigentlichen Schulzeit i m elften Lebensjahr, damit sind die kühnsten Träume aller reaktionären Volksfeinde erfüllt: der deutsche Arbeiter wird zur Not rechnen, lesen, schreiben können. Wer mehr lernen will, muß sich in durchwachten Nächten selbst weiterbilden. Aber daß ihm solche Scherze vergehen, dafür werden die braunen und grauen Feldwebel sorgen, die ihn Jahre — und jahrelang— im HJ-Dienst, im SA- Dienst, im Landdienst, im Arbeitsdienst, im Militärdienst— schleifen dürfen. So versuchen die Bedrücker, das ganze Volk auf ihre eigene Bildungsstufe herabzuziehen. Der Ter|udetc Hofstaat Die Homosexualität und die Radfahrer. Einst haben die Nazis in ihren Reihen die Homosexualität durch Ueberbe tonung des Maskulinen und Degradierung des Weibes groß gezogen, nun werden sie das Malheur nicht los. Wie also bekämpft man es am besten? Sehr einfach, man bezeichnet es als jüdische Entartung. Das»Schwarze Korps«, das sich immer mehr zum dümmsten Wochenblatt Deutschlands entwickelt, hetzt an die neue Erfindung eine ganze Seite in verquollenstem Deutsch. Kernstück und Resümee: »Wir können in der historischen Betrachtung der Kunstentwicklung des 19. und 20. Jahrhunderts das Vordringen der Homosexuellen auf dem Gebiet der Kunst und des Kunstschaffens getrost zu dem Kapitel Judenfrage rechnen. Denn mit der jüdischen Machtergreifung auf dem Gebiete der deutschen Kultur geht auch die Propaganda für den Homosexuellen. Er ist im Rahmen dieser Aktion ein sehr erwünschtes Instrument, denn er stellt, soweit er zu den wirklich Veranlagten gehört, das Asoziale an sich dar. Genau wie der Jude im deutschen Kulturraum auch.« Das hat aber Hitlers ehemalige Busenfreunde R ö h m und Heines, oberste Führer der SA und Hitlerjugend, nicht gehindert, Judenfresser zu sein. Und Gustav Gründgens und Baldur von Schirach— um nur einige der prominentesten Homosexuellenführer des braunen Lagers zu nennen— sind trotz dieser schwulen»Verju- dung« noch immer Hitlers Lieblinge und hoch in Amt und Würden. Mit Bayreuther Gruß! »Sehr erstaunt sind wir darüber, daß auch die Verwaltung der Bayreuther Bühnenfestspiele glaubt, in ihren Prospekten mit einem Sondergruß aufwarten zu müssen, obwohl doch der Nationalsozialismus das Bayreuther Werk weitgehend ideell gefördert hat. Der Prospekt 1937 ist mit»Bayreuther Gruß« unterschrieben. Wir wünschen aber weder einen Posemuckler noch einen Buxtehuder noch einen Bayreuther Gruß! Mit dem Gruß-Separatismus wollen wir kräftig aufräumen! Sonst legt sich schließlich noch jedes Dorf und jede Familie einen besonderen Gruß bei!« (»Der SA-Mann«.) mer 2 reinigen und läutern. Fluchtversuche sind zwecklo«.« In der Dichterschule herrschte reger Betrieb. Turnen, exerzieren, Handgranaten werfen, Unterricht Uber den neuen Manschen, den neuen Staat, die neue Kunst, turnen, exerzieren... Unser Mann störte nur im Unterricht, saß verwundert umher, gab auf alle Fragen merkwürdig wirklichkeitsfremde, meckerlsche Antworten, und was er schrieb, durfte nie verlesen werden. Nach längerem Zusehen wurde er entlassen, weil er die anderen anzustecken drohte. In seinem FührungsBchcln stand: Ungetoellt, ungebessert, dem Uebungslager 5 zu überweisen. Dort exerzierten Dramaturgen und Regisseure, die dort lernten, wie man den Gedanken großer Denker ein gleichgeschaltetes G�and überstreift, wendige Burschen, mit denen unser Mann nichts zu tun hatte, denn er war ledigMcä dem Hof- und Stubendienst zugeteilt. Schreiben verboten. Fluchtversuche zwecklos, geheime Ueberwachung. Er versuchte Denken und Träumen abzuwürgen. Das gelang nur, wenn er Holz hackte oder das Haus säuberte. Aber in den Freistunden oder des Nachts Im Schlafsaale überwältigten ihn Gesiebte, Ideen, Gestalten. Feder und Papier wurden ihm entrissen. Ab und zu mußte er wegen unverbesserlichem Hang zum Dichten mit Karzer und Kostentziehung bestraft werden.»Noch einmal, und wir machen dir den Prozeß wegen geistigen Hochverrats«, drohte der Kommandant»Dichte aufbauend und du kannst ein zweiter Jobst werden, der ja einst auch so krank war wie du!« Bis es eines Tages zum Ausbruch kam: im Angesicht der Vorgesetzten warf unser Mann sein Werkzeug von sich, riß sich den Drillich vom Leibe und sang wilde Spottlieder gegen Vorgesetzte, Volk und Vaterland, indem er Recht und Freiheit feierte. Zwei Dramaturgen gestanden einander heimlich, es sei die genialste aller Improvisationen gewesen, denen sie je beigewohnt. Eine Irrenanstalt nahm ihn auf.»Ein unzeitgemäßes Genie«, flüsterten die Aerzte einander zu,»wieder ein unzeitgemäßes Genie. Dasselbe, wie in den Zimmern achtzehn bis sechsundachtzig. Wir werden anbauen müssen...« Bruna Brandy. Kunst und Meckereien Die große Kunst starker Eigenwilligkeit ist für den totalen Staat nicht brauchbar. Wenn der Gedankenflug hoch geht, ist er für Göbbels nicht mehr zu kontrollieren und wird liberalistisch gefährlich. Darum die Parole: Kunst ist, was vom Völke verstanden wird. Aber immer wieder revoltiert der Geist in schwer greifbarer Art Die»Ailg. Musikzeitung« veröffentlicht einen Artikel Wilhelm Furtwänglers über den großen Musiker Johannes Brahms. Zitieren wir einige Stellen: »Gerade bei den großen Künstlern sehen wir häufig, daß sich von der Mxtte des Lebens ab ihre Stellung zu Umwelt und eigener Kunst langsam zu ändern beginnt. Mit dem Sichbehaupten und dem Sichdurchsetzen, mit der Bezwingung der Welt setzt sich zugleich die innere Loslösung von ihr ein und damit die Besinnung auf die wahrhaftigsten und tiefsten Bedürfnisse der eigenen Natur. Und so wird die Bahn frei für das Persönlichste und Allgemeingültigste, was solche Männer zu sagen haben. Es ist dasselbe, ob wir Goethe oder Rem- brandt, ob wir Bach oder Beethoven daraufhin ins Auge fassen. Verbunden damit ist eine wachsende Entfremdung der Umwelt gegenüber, ein Einsamwerden, ein Hinauswachsen über die eigene Zeit.« Aber das sollen sie nicht, sie sollen h i n- ein wachsen in die»Volksgemeinschaft« des despotischen Staates. Und was soll folgendes heißen: »Nicht der Grad der»Kühnheit« der Neuheit des Gesagten vom entwicklungs- geschichtlichen Standpunkt, sondern der Grad der inneren Notwendigkeit, der Menschlichkeit, der Aus- drucksgewalt ist Maßstab für Bedeutung eines Kunstwerks.« Hier schüttelt der braune Bonze die Perücke. denn das übersteigt sein Begriffsvermögen und er fühlt dunkel: dies ist individualistische Meckerei. Gleichschaltrige rächen sich für die verbotene Kunstkritik, indem sie solche Artikel nachdrucken, ein Blatt sogar mit der Ueberschrift: Eine zeitgemäße Betrachtung. Die»Frankfurter Zeitung« gar benützt eine Berliner Aufführung, die einen umgedichteten Faust brachte, zu folgendem Mißbrauch Goethe«: »Goethe selbst dachte, wie man weiß über seine Aussichten, volkstümlich zu wirken, recht gering.»M eine Sachen können nicht populär werden,« so lautet sein berühmter Ausspruch zu Eckermann,»wer daran denkt und dafür strebt, ist in einem Irrtum. Sie sind nicht für die Masse geschrieben, sondern nur für einzelne Menschen, die etwas Aehnliches wollen und suchen und die in ähnlichen Richtungen begriffen sind.« »So können solche Veranstaltungen als praktischer Aufruf zur Erwerbung Goethes wirken, im Sinne seines eignen Spruchs: »Natürlich mit Verstand/ Sei du beflissen. Was der Gescheite weiß,/ Ist schwer zu wissen.« Es steht schlimm um einen Staat, wenn die Größten immer wieder gegen ihn, seine Thesen und seine Knebelung des Geistes aufstehen, indes der Bonze dem Treiben zähneknirschend zuschauen muß. Retter der Kultur Diesseits und jenseits der Alpen werden jetzt gern italieoisoh-deutsdhe Freundschafts- vorträge veranstaltet. In Berlin sprach Prof. Manacorda(von der Universität Florenz) Uber das Thema Boteoh ewismus. Der Schluß offenbart das ganze entsetzliche Niveau(Hesel Sorte Wissenschaft. Wir zitieren das Deutsche Nachrichtenbüro: »Kunst und Literatur im Sowjetstaat folgten naturgemäß der Revolution der Wirtschaft. Sie atmen in den Pausen der Revolution und sie ersticken in den Zeiten erbarmungsloser Gewalt. Diesem Bußland mit seiner atemberaubende grauen Einförmigkeit, der jede Freude, jedes Licht fremd ist, steht die Front Deutschland und Italiens gegenüber als ein Bollwerk aller Werke, die seit Menschengedenken unbestreitbar das Mark der westliche n Kultur sind und ihr Weltgeltung verleihen.« Man muß ihnen zugeben: Mit Maulkorb und Knute als Hüter der Freiheit und der demokratischen Kultur des Westens aufzutreten— diese Verlogenheit hat ihnen noch niemand vorgemacht und macht ihnen niemand nach. Vom deutschen Sozialismus zum gelben Werkverein Betriebsordnung Werkszeitung Blumen als Arbeitereigentum 7. Bei Krankheitsfällen sollen die Gefolg schaften fleißig Kamillentee trinken. 8. Falls Notfälle in der Familie eines Gefolgschaftsmannes eintreten, soll er den nächsten Feuermelder einschlagen. 9. Kameradschaftsabende gelten als Eingriff in die Wirtschaft und sind deshalb strengstens verboten. 10. Leistungszulagen sind in der Arbeitsgenehmigung nicht enthalten. 11. Die Titulierung» Schweinehund«< ist nicht wörtlich zu nehmen, denn sie bedeutet eigentlich» Mein liebes Kind«, Anzeigen wegen Verletzung der sozialen Ehre sind also zwecklos.< Je mehr durch Lohnabbau und Senkung| den> sozialen Frieden< des Dritten Reiches des Lebensstandards der breiten Massen die kümmern, dafür solche nur einige Beispiele aus Spannungen zwischen dem Nazi- Regime und letzter Zeit, die den Berichten der> Deutder Arbeiterschaft zunehmen, desto inten- schen Arbeits- Korrespondenz« entstammen. siver wird die Agitation wieder einmal in die Betriebe verlegt. Die neuen Mittel der Arbeitererziehung sind indes alles andere als imponierend geworden. Was ist in vier Jahren Hitler- Deutschland aus der» antikapitalistischen Front« und aus dem herrlichen » Deutschen Sozialismus« geworden? Die » Brechung der Zinsknechtschaft< stand einst im Mittelpunkt des Nazi- Programms, und in einer Erläuterung hieß es u. a.: > und zwar mit der Vereinbarung, daß Gefolgschaftsmitglieder, die von einem Unternehmer des Geheimabkommens entlassen sind, von den anderen Mitgliedern nicht mehr beschäftigt werden dürfen.< Die Göringsche Aufforderung, die arbeitslosen älteren Angestellten wieder einzustelAber schließlich gibt es ja noch Betriebslen, hat mit einem Fiasko geendet. Die DAK ordnungen, in denen sich die Betriebsgemein- Da der> Grundstein< seine> Volksgenosschreibt: schaft in echter Weise auswirken kann. Dazu sen- Betriebsführer« im Baugewerbe kennen muß, so haben wir dieser Selbstverhöhnung nichts hinzuzufügen. » In Zinsknechtschaft befindet sich der Arbeiter, der in den Fabriken und Werkstätten Werte erzeugt für kargen Lohn, wähohne Mühe und Zinsen, Tantiemen und Dividenrend der Arbeit Aktionär den bezieht.< An diesem Zustand hat sich bis heute nichts geändert, höchstens das die Dividenden gestiegen und die Löhne gefallen sind. Aber über diesen Teil des Programms darf nicht mehr geredet werden. Vor dem 30. Januar 1933 erklärten die Nazis Lohnfrage wörtlich: zur >> Soweit jetzt schon zu übersehen ist, schreibt der>> Grundstein<<, er habe folgende hat die Wirtschaft von der letzten Mög- Betriebsordnung entdeckt: lichkeit, von sich aus freiwillig mitzuhel- 1. Arbeitszeit von 7 bis 16 Uhr fen, leider nur wenig Gebrauch gemacht.. Aber es gibt im Dritten Reich auch noch 2. Ueberstunden dürfen nicht geleistet wer- Betriebsführer, Man darf nicht vergessen, daß wir noch die ein offenes Herz und den, da solche nach dem Reichsgesetz eine offene Hand< haben. 70.000 bis 80.000 ältere Angestellte ohne Die DAK kennt verboten sind. Arbeit haben.<< daß Blumen am An anderer Stelle wird mitgeteilt, daß noch immer offene und geheime Konkurrenzklauseln bestehen: » Wie aus den bekannt gewordenen Fällen zu ersehen ist, handelt es sich zumeist um einen groben Verstoß gegen die guten Sitten... Denn die Praxis hat ergeben, daß die betreffenden Unternehmer nur mit Erwerbslosen( gibt es denn noch welche? D. R.) solche Vereinbarungen getroffen haben, die natürlich aus Angst vor weiterer Erwerbslosigkeit bedingungslos unterschrieben.<< In gleicher Weise wird von geheimen Unternehmerabkommen berichtet, 3. Das Rauchen im Betriebe ist polizeilich einen solchen, der wußte, verboten. Bei Zuwiderhandlungen droht meisten Freude machen. Dieser Betriebsfühsofortige Entlassung. rer kaufte Blumen und es geschah folgendes: 4. Im Aufenthaltsraum dürfen Fahrräder oder Gerümpel nicht eingestellt werden. In guter Kenntnis der Verhältnisse lelstet sich der» Grundstein<< die folgende scherzhafte« Fortsetzung dieser Betriebsordnung im Baugewerbe. 5. Lohnzahlungen gehören im Betriebe nicht zu den Verpflichtungen des Betriebsführers, sondern sind seinem freien Ermessen anheimgestellt. 6. Hinsichtlich des Urlaubs wird bestimmt, > Also stellte er die freundlichen Gewächse nicht wahllos in die Fenster, sondern rief seine Gefolgschaft zusammen und gab bekannt, daß jeder einige Blumen für sein Arbeitsfenster zu billigem Preis als Eigentum erwerben könne... Die Fabrik sah fortan aus wie ein Schmuckkästchen und die Arbeit macht um so mehr Spaß.< Spaß muß sein. so denken auch die Ar, beiter, wenn sie Werkszeitungen in die Hand daß der Betriebsführer höchstens acht gedrückt bekommen und darin von der VolksWochen nach Nordernney fahren darf. gemeinschaft lesen. Von Görings Plan- Galeere die Za Ueber drei Millionen Versklavter Stunde kommt, sorgen... H. E. » Daß die Meinung, durch Lohnabbau einen Preisabbau erreichen und die Wirtschaft beleben zu wollen, völlig widersinnig sei und daß es ganz andere und wirklich wirksame Mittel gäbe, um Preisabbau und Belebung der Wirtschaft zu erreichen, nämlich die Brechung der Herrschaft der internationalen Banken.<< Heute wird die Niedrighaltung der Löhne als nationale Pflicht erklärt. Von den anderen Programmspunkten, wie» Verstaatlichung des Im letzten> Reichsarbeitsblatt< beziffert| aufmerksam zu lesen. Was heißt:> Staats- Die> Soziale Praxis aber möchte Trustkapitals« und» Unentgeltliche Enteig- jetzt der Präsident des Reichsarbeitsamtes, und wirtschaftspolitische Aufgaben«? Wann den uniformierten Herren und Gebietern im nung des Bodens für gemeinnützige Zwecke« Syrup, die Zahl derjenigen deutschen Arbei- ist eine> unnötige« Belastung der Gemeinde neudeutschen Kriegsolymp gut zureden, daß ist schon gar nicht mehr die Rede. Die ge- ter und Angestellten, die durch die neue durch einen Arbeiter, der von einem Recht es sich doch hoffentlich bei dieser aufregengenwärtige Unzufriedenheit der Belegschaf- Göringverfügung auf Aufhebung des letzten Gebrauch machen will, das sein Urgroßvater den Angelegenheit nur um einen> vorten soll nach gänzlich anderen Methoden ge- Restes von Freizügigkeit für alle in der schon zu Zeiten des preußischen Vormärz übergehenden Notstandk handle... mildert werden. Es sind freilich die ältesten deutschen Metallindustrie zur Zeit Beschäf- besaß, gegeben? Ein kleiner Machiavelli» Vorübergehend< das ist artig gesagt, wo Walzen der gelben Werkvereine, die im tigten auf über drei Millionen«.... des deutschen Sozialismus« in Hitlers und doch das Eigentliche, worum es bei der Jahre 1937 wieder abrollen.» Zur Förderung An dieser Ziffer, die selbst für deutsche Görings kriegswirtschaftlichem Generalstab Affäre geht, noch gar nicht begondes Dienstes an der engeren Betriebsgemein- statistisch- arithmetische Verhältnisse enorm hat hier mit schnöd- unverkennbarer Absicht nen hat! Den deutschen Militaristen schaft« hat die Reichspressekammer eine ist, erkennt man die außerordentlich ein- so dehnbaren Begriffskautschuk aufgetra- möchten wir sehen, der jemals das, wofür er Anordnung über Werkzeitschriften schneidende Wirkung dieser durchaus folge- gen, daß alles völlig der Willkür des Büttels die Kraft und den Lebensstandard der Naerlassen, mit der die Aufklärung« der Ar- richtigen und unausbleiblichen Lebensäuße- anheimgegeben ist. Mit diesen» Vorschrif- tion verschleißen möchte der insbesondere beiter den» alten Kämpfern«, die einmal an rung der> totalen< deutschen Kriegswirt- ten< ist es möglich, eine ganze Nation( die seinen eigenen Geisteszustand als vorüberdas Nazi- Programm geglaubt hatten, völlig schaft auf die Daseinsbedingungen derjeni-> oberen Hunderttausend ausgenommen) zu gehend< betrachtete! Und vor allem- sieht aus der Hand genommen und restlos den gen, die in ihr leben und sich ihren Brot- Fellachen zu machen! nicht das auch der Sozialen Praxis< nun Unternehmern anvertraut worden ist. Der erwerb sichern müssen. Aber auch das wird Das ist so abenteuerlich verwegen und so übermachte> nationalsozialistische GedanBetriebsführer trägt ausschließlich die Ver- hier sichtbar und zwar in geradezu mon- ausschweifend zynisch, daß es selbst den kengut<< den Krieg als den normalen, den antwortung für Herausgabe und Inhalt der ströser Form wie das Kriegführen, auch Reptilien in der braunen Presse graut, die einzig wünschenswerten, den mit allen MitWerkszeitung. Der Betriebsführer bestimmt wenn vorerst nur in der> Theorie< und im das Dritte Reich durch Einschüchterung und teln zu erzeugenden und zu erstrebenden selbstverständlich auch den Redakteur. Um Vorstadium, die Umwertung jeden bisher Tritte in die Magengegend in Kaltblütler be- Status des menschlichen Nebeneinanders eine Ahnung davon zu bekommen, was die selbstverständlichen Rechtszustandes bis in sonderer Art verwandelt hat. Dämmert ihnen an!? Es könnten allerdings die drei Milliodeutschen Arbeiter heute an solcher Werks- den entlegensten Landeswinkel hinein be- vielleicht doch in der intellektuellen Sonnen- nen deutscher Arbeiter, zu denen dann literatur über sich ergehen lassen müssen, deutet. Fest steht auf jeden Fall, daß heute finsternis des Hitlerschen Aufbruches der sicherlich noch manche weitere Millionen genügt es, einen Blick in die Siemens- ungefähr jeder zehnte erwachsene Nation< die dumpfe Erinnerung daran herauf, hinzustoßen könnte, einmal für das VorBlätter zu werfen. Es gibt dort> Nach- Deutsche im wichtigsten Daseinskreis, im wie es Anno 1917 und 1918 war und wie es übergehende< der Angelegenheit zu ihror richten der Kameradschaft« und» Siemens- Erwerbsleben, Bedingungen unterstellt ist, damals auch so und nicht anders kommen eigenen Rettung und der der europäischen Mitteilungen<. Die Januar- Ausgabe 1937 der denen gegenüber feudale Hörigkeitsverhält- mußte? War es nicht so, daß die ersten Menschheit( sicherlich freilich gegen den Mitteilungen bringt auf der Titelseite einige nisse und Gesindeordnungen, antike Sklave- revolutionären Zuckungen durch Willen dieser» Sozialen Praxis<), wenn die altdeutsche Weihnachtsbilder, einen schwe- rei- Normen mit mannigfachen geschriebenen den kriegsausgebluteten Körper benden Engel und folgende Umschrift: und ungeschriebenen Aequivalenten für die des wilhelminischen Deutsch>> Mit Freude schaffen, das ist deutscher Betroffenen, immer noch als humanitäre In- 1 and gingen, als man die Metallstitutionen und Gegebenheiten gelten können. arbeiter Deutschlands öffentSo war's im alten Jahr, so sei's im neuen auch!< Der ganze Zynismus, der in der Kriegs- lich als» Hundsfotter ansprach, Der Inhalt sieht so aus: Einige Unfallver- psychose der soberen Regierenden nunmehr weil sie sich gegen ein Kriegshütungsmahnungen, Siemens auf der Messe nicht nur mehr allein den Soldaten der hilfsdienstgesetz< sträubten in Rio de Janeiro, Verleihung des Leistungs- Front, sondern auch jeden halbwegs Brauch- und stemmten, das eigentlich Herausgeber: Ernst Sattler; verantabzeichens an die Firma, die Hauptteile einer baren im Hinterland als> Material<, und nur ein sehr viel harmloserer wortlicher Redakteur: Wenzel Horn; Dynamomaschine, Glückwunsch zum Ge- nichts anderes, wertet, kommt in den jetzt Vorläufer Einzelheiten Druck:» Graphiae; alle in Karlsbad. burtstag des Geheimrats Reichel, Jubiläums- amtlich eingestandenen Bedingungen und freilich das genaue Muster. des Zeitungstarif bew. m. P. D. Zl. 159.334/ VII- 1933. und Todesnachrichten, Benennung eines Orts-» Vorschriften< zutage, nach denen, jetzigen Göringschen Industrie- Printed in Czechoslovakia. teils von Ratibor in>> Ratibor- Siemens«, wie Göring es dekretiert hat, vom 1. März Sultanates war? Der» Neue Vorwärts« kostet im Einzelverkauf innerhalb der ČSR Kč 1.40( für ein Rückblick auf das Weihnachtsfest, Schwar- d. J. ab» die Arbeitsämter die Ge- Die Frankfurter Zeitung ris- Quartal bei freier Zustellung Kč 18.-). Preis zes Brett für Wohnungen und leere Zim- nehmigung zum Arbeitsplatz- kiert einen ganzen Leitartikel an die bange der Einzelnummer im Ausland Kč 2.( Kč mer, Siemens Feuermeldetechnik in der wechsel zu versagen< haben. Unter Frage, ob das, was jetzt für die deutschen 24. für das Quartal) oder deren Gegenwert Schweiz, Ortsgruppe» Siemens< der Techni- diesen» Vorschriften< wird aufgezählt: Metallproleten eingeführt ist, nicht Gefahr in der Landeswährung( die Bezugspreise für das Quartal stehen in Klammern): Argentinien schen Nothilfe, Jubiläum im Nürnberger> Beeinträchtigung der staats- und liefe, anlockend und zur Nachahmung an- Pes. 0.30( 3.60), Belgien: Belg. Frs. 2.45( 29.50), wirtschaftspolitischen Auf- reizend auch für alle anderen, bisher noch Bulgarien Lew 8.-( 96.-). Danzig Guld. 0.45 nicht betroffenen Erwerbszweige zu wirken.( 5.40), Deutschland Mk. 0.25( 3.-), Estland > Facharbeitermangel<< nun ja, aber wel- E. Kr. 0.22( 2.64), Finnland Fmk. 4.-( 48.-), Frankreich Frs. 1.50( 18.), Großbritannien cher geschickte Unternehmersyndikus, der d 4.( Sh. 4.-), Holland Gld. 0.15( 1.80), Itaunnötige Belastung der beteiligten Ge- gute Verbindungen zu alten Kämpfern« in lien Lir. 1.10( 13.20), Jugoslawien Din. 4.50 meinden aus dem Abgang des Arbeit- den Behörden hat, kann ihn nicht flugs auf( 54.-), Lettland Lat. 0.30( 3.60), Litauen Lit. dem Papier auch konstruieren, wenn es ge- 0.55( 6.60), Luxemburg B. Frs. 2.45( 29.50), Die Mitteilungen vom Dezember 1936 bedieses Deutschland des Ka- wünscht wird?! Verschoben und windschief Norwegen Kr. 0.35( 4.20), Oesterreich Sch. 0.40( 4.80), Palästina P. Pf. 0.020( 0.216), richten über einen Generalappell der DAF- davergehorsams und des terroristischen sind ja sowieso alle Zahlen und Ziffern die- Polen Zloty 0.50( 6.-), Portugal Esc. 2.Siemensstadt, auf dem der hohe Chef C. F. Zwanges kann nur einen Krieg halbwegs ses Wolkenkratzers deutscher Rüstungskon-( 24.-), Rumänien Lei 10.-( 120.-), Schwevon Siemens als guter alter Liberaler einige führen, wenn es seine> Großen<, vor allem junktur. Man tut dann dort noch ein übri- den Kr. 0.35( 4.20), Schweiz Frs. 0.30( 3.60), freundliche Worte auf den» Führer sprach. die Schlotbarone, bei bester Laune erhält! ges und ringt verstohlen die Hände darüber, Spanien Pes. 0.70( 8.40), Ungarn Pengö 0.35 Der Abend erreichte seinen>> Höhepunkte in Krieg schön! Aber verdienen noch wie jetzt den Tüchtigen in der Metallindu-( 4.20), USA 0.08( 1.-). einer Rede des Stabsobmannes Hupfauer. Er schöner! Also garantiert ihnen die staatliche strie doch der sogenannte>> Aufstieg der BeEinzahlungen können auf folgende Postscheckkonten erfolgen: Tschechoslowakei: feierte die>> Gemeinschaft< der Arbeiter mit Macht die» Wirtschaftlichkeit ihrer Betriebe gabten< eigentlich versperrt werde durch die Zeitschrift» Neuer Vorwärts< Karlsbad. Prag Herrn von Siemens» als wertvollste Kapi- in jedem Falle, indem sie einfach die dazu Göring- Verfügung. Als wirklich nur 46.149. Oesterreich:» Neuer Vorwärtse Karlstal, das wir in der Hand haben<. gehörigen Menschen zu fixen Preisen an die Ober- und Diplomingenieure verhindert wür- bad. Wien B- 198.304. Polen:> Neuer Vorwärts< Diese gelben Werksblättchen müssen die Kriegsgewinnler einer nicht allzu fernen Zu- den, Stargehälter zu verdienen?! Von den Karlsbad. Warschau 194.797. Schweiz:» Neuer Arbeiter allmonatlich in die Hand nehmen, kunft jetzt schon verkauft! Verkauft gar drei Millionen>> unbekannter< Ingenieure im Vorwärts Karlsbad, Zürich Nr. VIII 14.697. Ungarn: Anglo- Čechoslovakische und Prager um den Segen der braunen Betriebsgemein- nicht anders etwa, wie vielleicht Bandeisen blauen Arbeitskittel, die auch betroffen Creditbank Filiale Karlsbad. Konto» Neuer schaft zu begreifen. Damit ist die Deutsche oder Schwellen auch>> abgegeben< werden sind und nicht nur in bezug auf ihren Vorwärts< Budapest Nr. 2029. Jugoslawien: Arbeitsfront auf das tiefste Niveau der ein- können! Man braucht nur die einzelnen, Urlaub an der Riviera, sondern in bezug Anglo- čechoslovakische und Prager Creditstigen gelben Werkvereinsbewegung gesun- sicherlich sorgfältig gewählten Begriffs- auf den Belag auf ihrer harten Brotschnitte wärts«, Beograd Nr. 51.005. Genaue Bezeichbank, Filiale Belgrad, Konto» Neuer VorWie wenig die Unternehmer sich um definitionen > Vorschriften<< genügend kein einziges Wort! Brauch Werk, Deutsches Volksbildungswerk oder Freizeitdrill» Kraft durch Freude«. Die zahlreichen Reklamebilder von Siemens und die Bilder der Bonzen ändern nichts daran, daß dieses Blatt noch stumpfsinniger ist, als es einst die Werkvereinszeitungen in der Vorkriegszeit waren. ken. an gaben, Störung der Wirtschaftlichkeit des Betriebes und der Zusammensetzung der Betriebsgefolgschaft, nehmers...< Natürlich der in wenn Neuer Vormärts Sozialdemokratisches Wochenblatt nung der Konten ist erforderlich.