6o|!a(temolralifd)cg Verlag; Karlsbad, Haus„Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Nr. 303 SONNTAG, 2. Mal«937 Aus dem Inhalt; Weltwirtschaft mit Kriegswirtschaften? Braune Schande Brüchige deutsch-polnische Freundschaft Reichsanwalt Jörns Der Fall Oesterreich Die Realpolitik Hitlers und Mussolinis Im Südosten Europas ist eine gefährliche Sorte von»realistischer« Politik im Gange. Realismus in dem Sinne, in dem die italienische wie die deutsche Propaganda das Wort begreift, betreibt ein jeder, der auf das internationale Recht und auf bestehende Verträge pfeift und aus dem Verrat an seinen Freunden ein Geschäft macht. Realismus hat man in Belgrad gezeigt, realistische Tendenzen sind in Bukarest fühlbar, wo gewisse Leute sich von der Kleinen Entente weg zur»Achse Gdin- gen-Konstanza« hinwenden wollen. Wenn dieser realistische Sinn weiter um sich greift, wird schließlich vor lauter»Achsen� kein Platz mehr für den Frieden in dieser Gegend sein. Das ist ein TeU einer allgemeinen europäischen Erscheinung, die durch den Verrat an der Sanktionspolitik und durch die Ausschaltung des Völkerbundes herbeigeführt worden ist. Seit der systematischen Ausschaltung des Völkerbundes ist die Kontrolle der Kabinettspolitik der Großmächte durch die öffentliche Meinung zurückgedrängt, und in den kleinen Ländern ein Zustand herbeigeführt worden, der unverantwortlichen Kräften, Cliquen und »realistischen« Kabinettspolitikern freies Spiel gibt. Stück für Stück zerfällt die kollektive Organisation des Friedens, die zugleich die Regierungen zu internationaler Verantwortung gezwungen hat. Das Ausscheiden Belgiens aus den Locarnoverpflichtungen ist ein wesentlicher Akt in diesem Drama. Der Rückzug auf die Neutralität ist unvereinbar mit dem Sinn des Völkerbundpaktes. Daß die belgische Regierung vorgibt, nach wie vor ihren Völkerbundsverpflichtungen treu zu bleiben, hat demgegenüber wenig Bedeutung in einer Zeit, in der die Völkerbundsverpflichtungen im Falle Spanien offenkundig mit Füßen getreten werden. Der Rückzug auf die Neutralität kommt den Prinzipien der Hitlerpolitik— keine kollektive oder regionale Sicherheit, Lokalisierung, von Konflikten statt Konfliktsverhinderung durch gemeinsame Wendung gegen den Angreifer— sehr weit entgegen. Deshalb begleitet die Presse des Dritten Reiches die Politik der belgischen Regierung mit lautem Beifall. Was hier an Eriedensorganisation zerbrochen wird, kann keine Machtpolitik, auch keine englische Rüstung ersetzen. Im verstärkten Maße noch zeigt sich der Verfall der Organisation des Friedens im Südosten Europas. Hier herrscht eine fieberhafte Aktivität, aber eine Aktivität der Auflösung, nicht des Zusammensehl us s. Der Südosten Europas droht wieder zum>Balkan« zu werden, und man ist versucht zu sagen, daß die Kurzsichtigkeit der W estmächte diese Zerfallser- scheinungen geradezu organisiert hat. Wie fehlerhaft ihre politischen Spekulationen gewesen sind, erweist sich am Falle Oesterreich. Die deutsche Presse, die ebenso wie die italienische befohlene Ansichten äußert, hat die Begegnung von Mussolim und Schuschnigg in Venedig benutzt, um zu demonstrieren, daß in1 deutschitalienischen Verhältnis Deutschland die Vormacht ist. Sie stellt fest, daß die österreichische wie die italienische Politik fest auf die römischen Protokolle wie auf die Abmachungen vom 11. Juli 1936 gebunden worden ist.»Dies beweist«— so schreibt die»Frankfurter Zeitung«—»daß gewisse Bestrebungen, Oesterreich aus dem Bereich dieser Zusammenarbeit mit Italien und Deutschland herauszuziehen, den in Prag und Paris erwünschten Erfolg nicht gehabt haben. In Anbetracht der ganzen Verhältnisse überrascht uns das nicht, wie überhaupt die ganze Verlautbarung von Venedig für uns Deutsche keinerlei Ueberraschungen enthält— was unsere Lage von der anderer Interessenten nicht unwesentlich unterscheidet.« Man will mit dieser Sprache zu verstehen geben, daß sich Deutschland der italienischen Haltung versichert hat In der Tat hat Mussolini großen Eifer bewiesen, den Wünschen Hitlers zu entsprechen— fast zu viel Eifer. Dem österreichischen Bundeskanzler ist dieser Eifer peinlich geworden — aber die unbestreitbare Tatsache ist es, daß Oesterreich von Mussolini, dem einstigen Beauftragten der Stresafront zur Wahrung der österreichischen Unabhängigkeit, an Deutschland ausgeliefert worden ist. Gegenüber der italienischen Presse, die in der zynischsten Form die Abhängigkeit der österreichischen Innenpolitik vom Willen der mächtigen Herrenstaaten bloßstellte, hat sich der österreichische Bundes- k an zier mit einem Dementi und einer Geste der Unabhängigkeit zur Wehr gesetzt. Aber darauf, wie er sich innenpolitisch einrichtet, kommt es gar nicht an. Tatbestand ist, daß er in der deutlichsten Form an seine Vasallenrolle erinnert worden ist, und daß er sich darnach richten wird. Ist denn die Entstehungsgeschichte der»römischen Protokolle« schon vergessen? Während des abessinischen Krieges, als der Verrat der Westmächte am Völkerbund noch nicht feststand, hatte der österreichische Vasall Unabhängigkeitsgelüste gezeigt. Das war die Zeit, wo wirtschaftliche Projekte zur»Organisierung des Donauraumes« lebhaft verfolgt wurden, die vor allem von der Tschechoslowakei ausgingen. Sie waren nur zu verwirklichen zwischen politisch freien Ländern, nur dann, wenn die österreichischen Nachfolgestaaten ungestört von den Machtbestrebungen der Großmächte natürliche Beziehungen hätten wieder herstellen können. Damals war in den tschechoslowakisch-österreichischen Beziehungen ein Stadium erreicht, das für solche Pläne noch günstiger erschien als die heutigen Beziehungen. Damals war aber auch die Kleine Entente noch ein wirklich geschlossener Block. Kaum aber bekam Mussolini Luft— durch die Preisgabe der Sanktionspolitik wie durch die Rheinlandbesetzimg— so rief er den Vasallen zur Ordnung. Die»römischen Protokolle« vom 17. März 1936 stellten das Herrschaftsverhältnis in vollem Umfange wieder her, sie verpflichteten Oesterreich, mit anderen Staaten keine politischen oder wirtschaftlichen Verhandlungen ohne vorherige Konsultation mit Italien zu führen. Schuschnigg wurde daran erinnert, daß Oesterreich nicht frei ist, sondern Objekt der Kabinettspolitik der Großmächte, die das Land einander hin- und herreichen— so wie ja auch das innere System dieses IS raune Schande Der Vormarsch des Rebellengenerals Mola auf Bilbao ist ein einziges großes Verbrechen. Er gilt nicht nur militärischen Zielen, sondern soll zur Ausrottung der baskischen Zivilbevölkerung dienen. Mola hat gedroht, daß er die ganze Provinz verwüsten werde, wenn sie nicht kapituliere. Auf dem Gebiet, das er bisher erobert hat, macht er diese Drohung wahr. Es ist ein Bachefeldzug. Die Basken sind ein frommer katholischer Volksstamm. Daß sie sich für das Recht, gegen Franco, entschieden haben, zerstört die Absicht der Rebellen, sich als Verteidiger de« katholi- | sehen Glaubens hinzustellen. Das sollen die | baskischen Katholiken mit ihrer Ausrottung bezahlen. Den Gipfel haben diese Greuel mit der ! Zerstörung der altbaskischen Stadt Guernica erreicht. Sie ist von Flugzeugen völlig zerstört worden, die flüchtende Zivilbevölkerung ist auf freiem Felde mit Maschinengewehrfeuer aus Flugzeugen niedergemacht worden. Es ist die Methode der Greuel und des Terrors, die die Italiener in Addis Abeba angewendet haben, die gegen die Zivilbevölkerung von Malaga geübt worden Ist. Die F I n g- z e n g e und die Flieger aber, die im Baskenlande zur Zerstörung offener Städte, zum Mord an der Zivilbevölkerung benutzt werden, sind deutscher Herkunft. Die Flieger Hitlers werden benutzt zum Rachefeldzug gegen die baskischen Katholiken. Es ist ein unanslöschllcher Schandflek für das braune System! Der totale Franco Sein Ziel; faschistische Diktatur und faschistischer Militarismus. Der Rebell Franco, Hitlers und Mussolinis Agent in Spanien, hat in dem von den Rebellen beherrschten TeU Spaniens den totalen Staat eingeführt. Er hat am 19. April alle Parteien für aufgelöst erklärt, und aus Car- Usten und Phaiangisten eine»Einheitspartei« gegründet, die als Bindeglied zwischen dem Staat und der Gesellschaft dienen soll. Der »Staat«, das ist er selbst und das verbrecherische Gesindel der Rebellenclique, die Spanien an Mussolini verkaufen wollte. Die Leistung dieser famosen Partei wird von ihm ernannt. Kurzum, es ist der Faschismus nach deutsch-italienischem Modell. Seine Mitverschworenen aus der Zeit der Putschvorbereitung, die Partei des GU Roble und die katholische Partei sind aufgelöst und unterdrückt. Aus dem Bündnis der Reaktion und der Gegenrevolution aller Schattierungen, wie es in Deutschland die Harzburger Front darstellte, ergibt sich überall am Ende d i e Diktatur der faschistischen Monopolpartei, das heißt die Diktatur verbrecherischer Cliquen. Diese spanische faschistische Monopolpartei hat bereits ihren 30. Juni erlebt. Das Deutsche Nachrichtenbüro hat aus Salamanca mitgeteilt, daß mehrere Phalangistenführer mit der Neuregelung und ihrem von Franco ernannten neuen Parteiführer unzufrieden gewesen wären, daß die Diskussion darüber mit Revolverschüssen geführt worden wäre, und daß es dabei Tote und Verwundete gegeben hätte. Dieser Schritt Francos, bei dem man sofort die Einwirkung der deutschen Hintermänner erkennt, zwingt seine Freunde in den demokratischen Ländern Farbe zu bekennen. Bisher haben sie ihre Sympathien für den verbrecherischen Putschisten mit dem Schwindel bedeckt, daß er der Retter des spanischen Volkes vor dem Bolschewismus, der Retter der Religion vor der Gottlosigkeit, der Kultur vor dem Chaos sei. Englische Konservative und französische Reaktionäre mögen nun laut und deutlich sagen, ob sie die Partei des eindeutigen unverhüllten Faschismus in Spanien nehmen. Sie haben bisher die Kühnheit besessen, trotz der Wahlentscheidung in Spanien, die verfassungsmäßige Legalität der spanischen Regierung anzuzweifeln— mögen sie nun laut sagen, daß die faschistische Diktatur in ihren Augen die einzig wahre Legalität ist! Gleicb seinen deutschen und italienischen VorbUdern hat Franco als den Zweck des totalen Staates den Krieg bezeichnet. Spanien soll unter seiner Diktatur eine Großmacht mit starkem Heer und noch stärkerer Flotte werden— immer vorausgesetzt, daß er mit Hilfe Deutschlands und Italiens über die Regierung siegt. Aber eben seine Erklärungen sind ein Zeichen dafür, daß er nicht sehr fest an seinen Sieg glaubt. Denn mit diesen Erklärungen spielt er mit verzweifelter Offenheit das Spiel eines Bundesgenossen Mussolinis gegen die englische Stellung im Mittelmeer, er gibt damit selbst alle Unklarheiten und falschen Erklärungen auf. mit denen er bisher diese Rolle verschleiern wollte. Daß Franco nach einem Siege mit Unverschämtheit in dieser Rolle auftreten würde, war klar. Daß er es heute tut, wo sein Sieg unwahrscheinlicher ist als jemals zuvor, ist die Geste eines Hasardeurs, die von Verzweiflung zeugt. „Kuriere aus Prag" Neue Lockspitzelmethoden der Gestapo Ein Bewohner des Dritten Reichs, der sich vorübergehend in England aufhält, hat die Gelegenheit wahrgenommen, im».Manchester Guardian« über neue Spitzclmethoden der Gestapo zu berichten. Er erzählt: Im Januar wurde eine große Anzahl von Leuten in einer kleinen Stadt nördlich von Berlin verhaftet. Die meisten waren frühere Funktionäre oder Mitglieder der sozialdemo- f kratischen und der kommunistischen Partei. Die Verhaftungen gingen folgendermaßen vor sich: Zunächst wurde ein Arbeiter verhaftet. Ein paar Stunden, nachdem diese Verhaftung bekannt geworden war, erschienen zwei Gestapoagenten bei einem anderen antifaschistischen Arbeiter. Sie führten sich bei ihm als»Ku riere aus Prag« ein und behaupteten, sie kamen gerade von dem Mann, der verhaftet worden sei und hätten antifaschistisches Material abzugeben. Sie wiesen dieses Material vor und ersuchten den zweiten Mann, es zu übernehmen, wobei sie hinzufügten, sie hätten seine Adresse in Frag erhalten. Wenn das Material übernommen wurde, verließen die Agenten das Haus und inirz darauf erfolgte die Verhaftung. Kam es aber zu einer Erörterung, bei der der Besuchte seine antifaschistische Gesinnong enthüllte, so erfolgte die Verhaftung sofort. Es gingen auch Gestapoagenten mit Sammellisten herum und forderten Personen, die als Gegner der Nazi bekannt sind, auf, fjln, die spanischen Revolutionäre Geld zu gebnlch Gab einer wirklich, oder machte er eine B- im merkung, aus der seine Sympathie mit dei.lf. spanischen Volke hervorging, so wurde er verhaftet. Schwarze Kuchen, keine Butter empfand natürlich Not und Miẞstimmung in der Saarpfalz chende den Zwang, gegeben, die ein Landes nicht aus eigener Kraft steht, sondern nur als Ergebnis äußererer Kräfte. Der Vertrag vom 1. Juli 1936 mit Deutschland versetzte Oesterreich in die Lage eines von zwei Herren abhängigen Vasallen. Seitdem ist im deutsch- italienischen Aus der Saarpfalz wird uns geschrieben:, wird wöchentlich ein Küchenzettel veröffent- zucht. In den Städten können die KaninchenVerhältnis Mussolini der schwächere Teil Zu Ostern gab es ein Pfund Weißmehl licht, der jeweils die der> Versorgungslage züchter keine Kleie mehr bekommen. Kargeworden. Die Last des abessinischen Krie- auf drei Pfund Schwarzmehl. Viele Familien angepaẞten< Vorschläge für die Hausfrau toffelschalen, gemischt mit Kleie, war in der ges und der Rüstung, sein gespanntes Ver- hatten allerdings vorher gehamstert. Die macht. Anschließend werden dann entspre- ungünstigen Zeit gutes Aushilfsmittel. Erläuterungen hältnis zu England und seine Beteiligung Mehrzahl dem Land an am Jetzt mangelt es selbst auf diesem Futtermittel. Die Kontrolleure gehen am spanischen Krieg fesseln ihn viel stär- schwarzen Kuchen zu backen, sehr unange- 17. April wie folgt lauten: ker als Hitler. Er muß für die Hilfe Hit- nehm. Eine Sachverständigenkommission be> Rindsrollen werden ohne Speck so scharf vor, daß es den Bauern nicht leicht lers bezahlen, und er hat mit Oesterreiste die einzelnen Orte und besuchte zubereitet, dafür recht viel Petersilie und ist, Getreide und Kleie vor ihnen zu verZwiebeln eingewickelt. Die Rollen wenden| stecken. Die Nachbarn würden nichts ver reich bezahlt. Seitdem Mussolinis nächst einmal die Bäckereien, um zu sehen, wir in dunklem Weiß mehl. Beim raten, weil ja alle in der gleichen schwieriSchwäche fühlbar geworden ist, hat der wie die Bäckermeister mit den neuen Mehl- Anbraten Fett sparen. österreichische Vasall wieder Unabhängig- sorten fertig werden. Es wurden Probevorgen Lage sind. Milch wird an Bekannte und Verwandte immer noch verkauft. Um auch keitsgelüste gezeigt. Die alten Donauraum- führungen gemacht, um den Bäckern zu pläne sind wieder erwacht, Beziehungen, zeigen, wie man auch aus schlechtem Mehl die seit den römischen Protokollen einge- gut aussehendes Brot backen kann. schlafen waren, sind wieder aufgenommen Das Publikum wurde durch Sondervorworden. Aber wie im Frühjahr 1936 ist träge belehrt, wie man sich in die außerdiese Bewegung auf das Veto der Groß- ordentliche Lage im Interesse des nationalen mächte gestoßen. Das Herrschaftsverhält- Aufbaues schicken müsse. Es wurde darauf nis ist in Venedig wieder hergestellt wor- hingewiesen, daß den nur mit dem Unterschied, daß diesmal Mussolini nicht für sich gearbeitet hat, sondern den Büttel Hitlers gespielt hat. im Grenzgebiet noch geradezu luxuriöse Brotsorten ist er noch bekömmlicher. ganz er Rotrübensalat wird bekanntlich ohne Oel zubereitet; also nur Essig, Salz, Zwiebeln nach Belieben, Lorbeerblatt, Nel- das völlig zu unterbinden, sind in letzter Zeit ken, Kümmel. scharfe Kontrollen, verbunden mit letzten Kartoffelbrei, Diesmal ohne Butter; Verwarnungen und Strafandrohungen mit Vollmilch oder Magermilch angerührt gangen. Nicht einmal für Kranke darf privat ohne besondere GeSpinat. Erst dünn schneiden und annehmigung geliefert werden. dämpfen, dann Flüssigkeit zugeben, damit kein Nährstoff verloren geht. Weißmehl, Es ist heute soweit, daß sogar ein FremType 1050, zum Binden, schmeckt kräftider bereits Schlüsse auf die tatsächliche ger als helles Mehl. Eine roh geriebene Kartoffel tut dieselben Dienste. Stimmung ziehen kann. Das schlechte Brot, der Mehlmangel, die Bedrohung der KleinZu Spiegeleier brauchen wir wenig Fett. Salz niemals auf Eigelb tierzucht infolge Körner- und Kleiemangel und Schulabstimmung, der dann gleich die dem päpstliche Enzyklika folgte, haben geradezu aufwählend gewirkt und die allgemeine Unzufriedenheit und Enttäuschung offen hervortreten lassen. Man erzählt den Witz, Hitvon ler sei beim Friseur gewesen und habe verlangt, daß ihm die Haare aufrecht stehend Die Bauern befinden sich in einer merk- gekämmt werden. Als dies nach großen die Forderung des Führers unterstützt wer- würdigen Situation. Sie werden geradezu Bemühungen dem Friseur miẞlang, sagte er den. Den Teilnehmern wurden dann Rezepte heimgesucht von Hamsterern und von Kon- zu Hitler, geben Sie dem Volk eine freie verabreicht, zur Herstellung von Hausgebäck trolleuren. Die Hamsterer verlangen neben und geheime Wahl und Sie werden eraus dunklem Mehl. Elern und Butter jetzt auch Kleie und Kör- leben, daß Ihnen ganz von selbst die Landesbauernschaft Saarpfalz nerfutter für die Kaninchen- und Hühner- Haare zu Berge stehen werden. von setzung persönlicher Bequemlichkeiten müsse hergestellt würden, gegenüber den sehr Nach dem Besuch Görings in Rom vom dunklen im übrigen Reich. Die Umstellung 13. Januar wurde von sehr ernsthaften der Bäcker und der Hausfrauen auf die Leuten behauptet, daß die faschistischen neuen Mehlsorten sei verständlicherweise Bundesgenossen den Südosten Europas in sehr schwierig, aber man sei noch etwas Interessensphären aufgeteilt hätten, wobei Jugoslawien Italien, die Tschechoslowakei verwöhnt durch den ständigen Genuß Weißbrot und müsse sich jetzt der neuen Deutschland zugewiesen worden sei. Der lernen. Unter Zurückjugoslawisch- italienische Vertrag war die Lage anzupassen erste Bestätigung dafür, das Ergebnis von Venedig ist die zweite. Denn die neue Festnagelung auf die römischen Protokolle verbietet eine selbständige Politik Oesterreichs gegenüber der Tschechoslowakei und der Kleinen Entente, die starke Betonung, die die Leute Mussolinis darauf legen, daß Oesterreich ein deutscher Staat l'Austria è uno stato tedesco besei lehrt Schuschnigg, daß er künftighin in der Führung seiner Politik dem Dritten Reich zu gehorchen habe, das heißt, einem Herrn, dessen Politik gegen die Tschechoslowakei, auf die Sprengung der Kleinen treffen ihres heldenhaften Führers mit dem Entente gerichtet ist. Von der streuen. nur aus Dampfnudeln natürlich dunklen Weiß mehl; etwas mehr Hefe nehmen. Königsberger Klopps. Fett sparen bei Herstellung der Tunke! Dunkles Mehl zu verwenden, versteht sich selbst.<< zu sinnigerweise ein weniger bekanntes Werk der italienischen Opernliteratur ausgewählt hatte Rossinis>> Moses«. Die Oper schildert sehr dramatisch die Unterdrückung der Juden im alten Aegypten, das Zusammenjudenfeindlichen Pharao und den Marsch durch die Wüste und das Rote Meer. Sie erDas alles, und das ist das wesentliche, schließt damit, daß die Kinder Israels glückist wirklich keine Ueberraschung. Eine Ueberraschung wäre es nur gewesen, wenn über Nacht ein österreichisches Wunder eingetreten wäre, wenn aus einem Vasallenstaat, aus einem Lande, in dem das Volk Objekt der Regierungsdiktatur ist, und die Regierung Objekt der Diktatur faschistischer Großmächte, wunderbarer lich das gelobte Land erreichen, während die Antisemitenbrut, so wie die Bibel das zählt, elend ersäuft. Bei dieser Szene gab es einen ungeheueren Beifallssturm, zu dem der italienische Propagandaminister Alfieri selbst das Signal gab. Ley aber in seiner Ehrenloge was sollte er tun? Er war Gast, und in dieser frühen Abendstunde immer noch die dem Zwecke, den Aner Schuldige zu schützen, dete mit unvergleichlicher Kraft und und die vermoderten Knochen der Opfer: Klarheit, daß alle Schwierigkeiten der Indusie stehen auf und klagen an strie und des Handels, alles Elend des Volkläger von damals.<< kes und alle Konflikte zwischen den Völkern, eine gemeinsame tiefe Ursache haben, die Exzesse des Protektionismus, die Behinderung des freien Handels.<< geschützt ein hohes mache. Zeiten er der andere Aber der, der die Schuldigen hatte, war in der Republik in Justizamt aufgerückt, und Paul Levi sagt ihm, er habe in den zehn Jahren vergessen, woher seine Robe die rote Farbe trägt. Während der demokratische Sozialismus Im Dritten Reich war Herr Jorns einer eine Teilung vorzunehmen pflegt, indem der allerhöchsten Justizbeamten geworden, den geistigen Liberalismus ebenso entschieder allerdings alles andere ausübte als ge- den bejaht, wie er den wirtschaftlichen verrade Justiz. Nun ist er» nach Erreichung der neint, bilden für Daladier beide Formen des Altersgrenze<< in den Ruhestand getreten und Liberalismus eine untrennbare Einheit, von darf, nach so verdienstvoller Laufbahn, sich der kein Teil leben kann, wenn auf einen sorglosen und geruhigen Lebens- wegstirbt. In diesem Sinne pries der Kriegsabend freuen. Das Dritte Reich hat den Be- minister der Volksfront auch den französiginn des neuen Abschnitts im Leben des schen Individualismus, der einen Sieg des Herrn Jorns gefeiert. Wie, darüber berichtet Kommunismus für alle unmöglich die Frankfurter Zeitung« am 2. April: > Als Vertreter des Reichsjustizmini- Daladiers Rede ist naturgemäß nicht von sters überreichte Staatssekretär Freisler allen Parteien der Volksfront mit gleichem eine Dankurkunde des Führers und ReichsBeifall aufgenommen worden. Ihre praktischkanzlers, in der die Verdienste des ScheiZusammenDer Staats- politischen Schlußfolgerungen denden gewürdigt werden. zusekretär gab einen Rückblick auf das schluß der demokratisch- westeuropäischen Leben des Reichsanwalts, der bei der Zivilisation gegen die ihr drohenden GefahReichsanwaltschaft beim Reichsgericht in findet allgemeinere Zustimmung Leipzig und in Berlin 17 Jahre lang der ihre theoretischen Voraussetzungen. Im ganSicherung des Vaterlandes gegen seine inneren und äußeren Feinde gedient hatte... zen ist sie ein interessanter, wenn auch einAuch der Präsident des Volksgerichtshofes seitiger Beitrag zu einer höchst zeitgemäßen Staatsminister a. D. Dr. Thierack dankte Diskussion: Wie sind die fortschrittlichen dem Scheidenden für sein Wirken und teilte ihm mit, daß ihm der Reichs- Kräfte des Liberalismus und des Sozialismus kriegsminister sein Bild mit eigen- zueinander einzustellen? Wie erreicht man händiger Unterschrift in Anerken- im staatlichen und überstaatlichen Rahmen nung seiner besonderen Verein Maximum sozialer und wirtschaftlicher dienste für die MilitärverwalHarmonie bei einem Minimum von staattung übersandt habe.< lichem Zwang? Weise plötzlich ein freies Land geworden nüchtern genug, um zu begreifen, was wäre. So zauberhafte Wirkungen vermag Pflicht der Höflichkeit gebot. Kurz und gut: das Interesse, das man jetzt in England während die Wogen über den Häuptern der für südosteuropäische Probleme zeigt, leiägyptischen SA zusammenschlugen und der der nicht hervorzurufen. Alle Hoffnungen Jubel durch das Haus raste, schlug auch er darauf, daß Oesterreich zum Zankapfel sichtlich verlegen zwar, aber doch entwerden müsse, an dem die italienischschlossen seine Patschhändchen deutsche Entente zerspringen werde, haben sammen. getrogen. Der italienisch- jugoslawische VeVertrag war schon ein böses Omen nedig ist ein weiteres. Denn beide weisen auf einen gefährlichen Prozeß hin; während die Kleine Entente und die BalkanKein reichsdeutsches Blatt hat bisher über den Vorfall berichtet. Hoffen wir, daß der > Stürmer das noch nachholen wird. entente, während die stabilen Friedens- Jorns legt seine systeme im Südosten Europas immer, mehr desorganisiert werden, organisieren die hebt. rote Robe ab beim der Es der höchsten Maße staatserhaltende Amt einen der bewährtesten Fachleute für Justizmord ausersehen hatte. Im Jahre Streicher über euch! 1929 fand ein Prozeß vor dem Reichsgericht G. A. F. ren Neue als Familienausbürgerungen Die Deutsche faschistischen Mächte und vor allem das Jüngst ist ein Mann in den Ruhestand Dritte Reich ihre Stellungen in diesem Ge- getreten und amtlich gefeiert worden, biete immer mehr. Das ist es, was sich eine der höchsten Stellen im Dritten Reich aus der mannigfachen Bewegung im Süd- bekleidet hatte, eine von denen, die die traJorns durfte des Dankes des Dritten Reichs osten Europas, aus den Reisen und Be- genden Säulen des totalen Staates sind. dieses hatte keineswegs gegnungen, aus der Auflockerung und der ist ein Mann, der sich auch in der Republik gewiß sein, denn Aufblähung in den Paktsystemen hervor- einen Namen zu machen verstanden hatte, vergessen, woher die rote Farbe der nunmehr wenn auch nicht gerade einen guten. Es ist endlich abgelegten Robe des Herrn Jorns stammt und von welcher Art der besondere Das Dritte Reich hat abermals eine Reihe Es rächt sich die Politik der Preisgabe der Reichsanwalt Paul Jorns, nach Meinung der von Familienangehörigen deutscher Antider kollektiven Sicherheit, der Begünsti- vom Führer mit der Leitung der Staats- Saft ist, mit dem man Beherrscher Deutschlands der faschisten ausgebürgert. Auf der neuesten Volksgericht betraut heutigen italienischen Faschismus, des anwaltschaft gung des war. Er war also einer der Regis- Sicherung des Vaterlandes dient und sich im Liste stehen unter anderem die Familien der Rechtsbruchs in der Frage Spanien, der worden besonderen für die Militärverwaltung ver- Sozialdemokraten Böchel, Breitscheid, Ausschaltung und der Schwächung der seure des legalen Terrors, und man muß zudient macht. Crummenerl, Hilferding, Marck. mächtigen rechtlichen und politischen Bin- geben, daß sich der Führer für dieses im dung, die der Völkerbund bedeutete. Lob des Liberalismus Die Arbeitsfront macht Bitte- bitte Daladier in Manchester. ArbeitskorreAuf einem englisch- französischen Freund- sponden z<< beklagt sich darliber, daß Ribbentrop und Oljenick Ley bei» Moses« statt, vor dessen Schranken Paul Jorns, einer schaftsfest in Manchester hielt der französi-» leider noch sehr viele Betriebsordseiner ersten Beamten, dem Namen nach als Aus einem Amsterdamer Sanatorium radikale sche Kriegsminister und Partei- nungen den nationalsozialistischen Anforwurde kürzlich, wie» Daily Herald<< berich- Zeuge, in Wirklichkeit als Angeklagter stand. führer Daladier eine Rede, die einen be- derungen in keiner Weise entsprechen< und merkenswerten tet, ein gewisses» Fräulein Henkel« entlas- Er war von Paul Levi, dem Namen nach zur Beitrag Problematik macht die Volksgenossen Unternehmer darals Verteidiger, in Wirklichkeit glanzvollster sen. Bei ihr hatte sich als Folge eines Autounserer Zeit darstellt. Während der englische auf aufmerksam, daß unfalles eine seltene Form von Hirnentzün- Ankläger, beschuldigt und überführt worden, Liberalismus parteimäßig fast zur Bedeu> der bevorstehende 1. Mai als nationaler als Untersuchungsrichter den Mördern Rosa dung eingestellt, für deren Behandlung der tungslosigkeit herabgesunken ist und anderFeiertag des deutschen Volkes besonders dortige Arzt Dr. Oljenick als erste Autori- Luxemburgs und Karl Liebknechts Vorschub wärts das Wort» liberal« oder» liberalistisch< geeignet sei, der Welt die Geschlossenheit des tät gilt. In Wirklichkeit war das 14jährige geleistet zu haben. Herrn Jorns war zu dan beinahe schon als Schimpfwort gilt, hat der schaffenden ken, daß der Prozeß gegen sie mit dem FreiDeutschlands vor Augen zu führen. das französische Kriegsminister Lob des Der beste Beitrag der Unternehmer wäre London, v. Ribbentrop. Mit spruch aller Angeklagten, vornehmlich derer Liberalismus in jeder Form gesungen, nicht hierzu die Betriebsordnungen zu mit Offiziersrang, endigte, mit Ausnahme nur des geistigen, sondern auch des wirtdiesem Tage den nationalsozialistischen zweier, die zu einer verhältnismäßig kurzen schaftlichen, mit einem Wort, des Man- Forderungen anzugleichen.<< Gefängnisstrafe verurteilt wurden. Paul Levi chesterliberalismus, Angeregt durch Nun wissen die Unternehmer, wie sie sagte in seiner Anklagerede: den Genius des Ortes feierte er das An- Herrn Ley eine Freude machen können. Wenn » Meine Herren, hier glaube ich, hier denken des großen Vorkämpfers des Frei- sie allerdings nicht wollen, kann man nichts treten diese Mauern und tritt diese Decke handels Richard Cobden: zurück. Hier ist ein Tag des Gerichts ge> In einer machen. Zwang gibt es im Dritten Reich kommen! Die toten Buchstaben, benutzt stürmisch bewegten Zeit Englands verkün- nicht für die Unternehmer. -G > Fräulein Henkel< die Tochter des Botschafters in ihrem echten Namen durfte sie nicht zu dem Wir ühmten Arzt gehen, weil er ein polAls Ke cher Jude ist. Ley war neulich in Italien und wurde Smit faschistischen Pomp empfangen. In der Mailänder Scala wurde zu seinen Ehren eine die Festvorstellung veranstaltet, für man Brüchige deutsch- polnische Die ungarische Hitlerfiliale Freundschaft >> Freundschaftliche Demonstrationen in Deutschland und Polen< Polen auch von erster Stunde an betrachtet, es hat sich weder in der Presse, noch in der SCI macht wiedereroberte. Und da der herrschende Feudaladel seine Riesengüter in von vom der Ungarn hat immer einen eigenen> Glo-| langter faschistischer Diktator werde stär-| Hände des deutschen Agenten. Mecser bus gebildet und die ungarische Politik kere Neigungen nach Berlin, als nach Rom selbst ist dabei ein schwerreicher Mann folgte stets eigenen Gesetzen, die in kei- zeigen. Vielleicht wollte es dem alliierten geworden. Es gehört nicht viel Phantasie Während Adolf Hitler im Abschluß des nem anderen europäischen Land auch nur Diktator in Rom bei den ungarischen Va- dazu, sich auszumalen, welcher Interessendeutsch- polnischen Freundschaftspaktes die verständlich gewesen wären. Das war so sallen den Rang ablaufen. Aber viel mehr tenhaufen sich um ihn bildete und welch er für die deutsche größte Tat der nationalsozialistischen Außen- in den Tagen, da Ungarn Bestandteil der als ein Prestigegewinn konnte dabei nicht starke» Argumente<< politik sieht und nicht versäumt, diesen Akt alten Doppel- Monarchie war und ist bis herausschauen. Daß man diesen Versuch Orientierung der ungarischen Innenpolitik bei jeder Gelegenheit hervorzuheben, hat man auf den heutigen Tag nicht anders gewor- dennoch unternahm, zeigt, wie wenig die ins Feld führen konnte. Ueber allen Gewässern schwebte auf Seiten der polnischen Machthaber immer den. Die ungarische Konterrevolution, die deutsche Außenpolitik gegenwärtig nur betont, daß dieses Abkommen ein Akt erste im Nachkriegseuropa, stand völlig realen Erwägungen, wie sehr sie offizielle Vertrauensmann von Berlin, der der Zwangsläufigkeit sei, um die polnische im Zeichen des alten Feudaladels, der mit Bedürfnis nach äußeren Glanz deutsche Gesandte Mackensen, dessen Neutralität bei eventuellen Kriegsüber den Bajonetten der rumänischen Armee bestimmt wird. Heim die Zentrale der faschistischen Verraschungen zu dokumentieren. Und in dieser und mit der Unterstützung der interDer ungarische Faschismus, der im schwörer wurde. Man weiß zu erzählen, Richtung wurde der Freundschaftspakt in alliierten Militärkommission seine alte Vor- Schatten der regierenden Feudalherren be- daß der Ministerpräsident D aranyi bei steht, umfaßt eine ganze Farbenskala von einem Empfang Herrn Mackensen boshaft Pfeilkreuzler, die nachdem man abgeordnete so eifrig und gerne in seiner gegenüber der deutschen Minderheit etwas abgetrennten südlichen Bezirken durch die ihnen die Führung des Hakenkreuzes un- Wohnung unterhielten. Haltung der nationalistischen Organisationen Transsylvanien, in der Slowakei und in den Gruppen und Organisationen. Da sind die fragte, worüber sich denn gewisse RechtsAuf Mackensens geändert, auch der Ton gegenüber Deutsch- Friedensverträge eingebüẞt hat, stellte er tersagt hatte ein verkümmertes Haken- verlegene Antwort, man diskutiere über die gesamte Politik des Landes in den kreuz zum Symbol gewählt haben. Sie deutsche Fragen, habe Daranyi skeptisch land hat mit Ausnahmen in der Regierungs- Dienst einer einzigen Aufgabe: der Re- sind in zwei Gruppen gespalten, die sich geantwortet: Ueber ungarische nicht? vision des Friedensvertrages von Trianon, vor aller Oeffentlichkeit erbittert be- Jedenfalls dauerte es nicht lange, bis die Ungarn die alten Grenzen und dem kämpfen. Da sind die von faschistischein die ungarische regierende Kaste von den Feudaladel seine einstigen Besitzungen Geist erfüllten sogenannten» gesell- Intrigen, die sich zwischen dem Gesandten wiederbringen soll. Die Chancen des Reschaftlichen Organisationen«, und den Naziagenten in der ungarischen vasionismus waren freilich in jener ganzen in denen sich die» goldene Jugend<< und Innenpolitik spannen, Kenntnis erhielt. So Nachkriegsperiode, in der Frankreich und altungarische» Offiziersfeschaks« begeg- sehr man auch in diesen Kreisen gut Wetsein Allianzsystem auf dem Kontinent die nen. Da sind schließlich als ernsteste un- ter in Berlin haben will, so sehr man auf unbestrittene Vormacht besaßen, mehr als ter den faschistischen Grüppchen die rein deutsche Hilfe im Kampf um die Wiedergering. Zwar stellten die ungarischen nazistisch eingestellten Kreise innerhalb eroberung der verlorenen Besitzungen Magnaten ihr Land frühzeitig in den der Regierungspartei, die sich die zählt, so wenig war man bereit, sich von Dienst des italienischen FaschisAbgeordneten Marton und Mecser den Plebejern im Solde Berlins von mus, von dessen Patronanz sie sich Hilfe sammeln. Macht verdrängen zu lassen. Die ungarigegen die französische Demokratie und die Kleine Entente versprachen. Aber Der ungarische Faschismus hatte seine schen Grafen fanden einen Bundesgenossen mand konnte sich der Illusion hingeben, größte Chance unter der Ministerpräsident- in Tibor von Eckhardt, dem Führer Aber auch der Nationalsozialismus braucht daß die italienische Hilfe allein ausreichen schaft Gömbös. Gömbös hat in den der Partei der kleinen Landwirte, der derin der letzten Zeit eine Ablenkung von dem könne, den starken Block der Staaten nie- stürmischen Tagen der Konterrevolution, zeit antidiktatorische Tendenzen hat. Er Elend und der Nahrungsmittelknappheit und derzuzwingen, die für die Verteidigung der als die ungarische Räterepublik im Blut brachte die ganze Sache ans Licht. Er so nahm man sich in Deutsch- Oberschlesien Landkarte Europas, wie sie 1919 gezeich- erstickt wurde, Anschauungen vertreten, denunzierte vor der Oeffentlichkeit die Indie polnische Minderheit zum Ziel, was auf net worden war, eintraten. die sich wie gespenstische Vorahnungen trigen, die da gesponnen, die abenteuerpolnischer Seite mit Repressalien beantwortet Das änderte sich mit einem Schlag, als des deutschen Hitlerismus ausnahmen: die lichen Putschpläne, die im Dienste Berlins wurde. Als Dr. Schacht auf seiner Ober- in Deutschland Hitler an die Macht Rassenidee, der rabiate Antisemitismus, die vorbereitet wurden. Und damit war auch schlesienreise die Parole der Wiedergewin- kam und der Kampf gegen die Friedens- diktatorischen Machtträume, die verblen- das ganze Kalkül der ungarischen Hitlernung Polnisch- Oberschlesiens für das Reich verträge in ganz Europa mit erneuter dete Kriegspolitik. Als dann aber nicht die filiale durchkreuzt. Unter dem Druck der ausgab, protestierte man in Warschau heftig Leidenschaft entfacht wurde. Neben Rom Plebejer des Faschismus, die die blutige empörten Grafen, der Auflehnung der kleiauf den Spuren der rumänischen nen Landwirte und der Abwehrbereitschaft presse auch keine Besserung erfahren. soll nicht bestritten werden, daß die Reichspresse zur polnischen Freundschaft kommandiert wurde, ohne Gegenliebe im polnischen Lager gefunden zu haben. Selbst amtliche Stellen machten kein Hehl daraus, daß der Freundschaftspakt nur ein Akt der Diplomatie ist und daß die unteren Kreise sich wenig um die Auswirkung kümmern. Zwar hat man den Westmarkenverein, der sich die Ausrottung des Deutschtums zum Ziel setzte, dem Namen nach geändert, aber die Ziele dieser unter Leitung hoher Regierungsstellen stehenden Organisationen sind die gleichen geblieben. nieum der gegen diese Trübung der deutsch- polnischen trat nun Berlin als zweiter politischer Pol, Arbeit Armee verrichtet hatten, sondern der der Arbeiterschaft mußte Daranyi zupakeines Aufständischenführers von können. zu Beziehungen, aber nach einiger Zeit ist auch nach dem sich die ungarische Aristokratie dem schlesischen Woiwoden eine Entgleisung orientierte. Es ist handgreiflich klar, daß alte Feudaladel die Oberhand behielt, hatte ken. Es genügte, ein wenig mit dem Staatsum die Heldengesellpassiert. Weil er anläßlich des Begräbnisses die Achse Rom- Berlin nirgendwo anders sich Gömbös eilends auf die Seite der Sie- anwalt zu drohen, uner in Europa einen stärkeren Verbindungs- ger geschlagen. Auch dieser Faschist hat schaft zum eiligsten Rückzug zu bewegen. lösten Erde sprach, auf der zu ruhen besagter punkt finden kann als in Budapest. Ueber nie verabsäumt, Anschluß an die Macht zu Sobald sich die Staatsgewalt auch nur mit Führer Anspruch hätte, folgten Berliner alle diplomatischen Manöver und Kunst- suchen. Durch Jahre war Gömbös der ge- den leisesten Drohungen gegen sie wandte, Grafen Stefan verzogen sich die faschistischen Heroen, Proteste und man kann sagen, daß sich nun griffe hinweg bleibt der italienische und treue Adjutant des auf beiden Seiten der Grenze die Verhältnisse der deutsche Faschismus die stärkste Hoff- Bethlen, der ihm schließlich als Platz- die eben noch von der Machtergreifung geüber- träumt hatten, in alle Winde. Herr Makzuspitzen, die in den letzten Tagen den Ein- nung der ungarischen Feudalaristokratie. halter die Ministerpräsidentschaft einen Erholungsdruck erwecken, als wenn man zu einem Selbst Rosenbergs Artikel gegen die Re- ließ, als er angesichts der wachsenden kensen hatte es eilig, Bruch des Freundschaftspaktes treibt. vision hat zwar abkühlen, aber nicht alle wirtschaftlichen Schwierigkeiten es für ge- urlaub in Griechenland anzutreten, von dem Noch immer boten hielt, sich zeitweilig in den Hinter- er nicht mehr zurückkehrte. Graf Bethlen, Es ist hier wiederholt auf die Behandlung Hoffnung nehmen können. der Minderheiten zu beiden Seiten der Gren- vertraut man in Budapest darauf, im Ge- grund zu begeben. An der Macht aber der eigentliche Sieger, kann triumphierend ausländischen Journalisten verzen hingewiesen worden. Von einem Schutz folge der siegreichen deutschen Heere die kehrte Gömbös allmählich zu den» Idealen<< einem der deutschen, bezw. polnischen Minderheit fremden Nationalitäten, die Budapest einst seiner Jugend zurück. Er war unzweifel- sichern, es handle sich nur mehr darum, unter dem Nationalismus, wie er in beiden beherrschte, wieder unterwerfen und die haft im Begriffe, die feudale Diktatur in die letzten Reste des Hakenkreuzlertums eine faschistische umzuwandeln, als der in der Regierungspartei auszurotten. Von Staaten herrscht, kann nicht die Rede sein. alten Besitzungen wiedergewinnen Tod ihn in das Walhalla der Rassen- einer wirklichen Gefahr sei nicht mehr Als nun der schlesische Woiwode Dr. Graschützler abberief. die Rede. Berlin aber war nicht damit zufrieden, um dessen zynski, Abberufung sich Reste dieser Gömbös- Aera sind heute Soeben ist der ungarische Honvedreichsdeutsche Stellen in Warschau wieder- in der ungarischen Feudal- Reaktion einen holt bemüht haben, anläßlich der Budgetbe- zuverlässigen Bundesgenossen gefunden noch in der Regierungspartei zu finden. minister Roeder nach Berlin gereist. ratungen erklärte, daß sich nach Ablauf zu haben. Es wollte mehr: es wollte in Und sie konservierten sich um so besser, will sich überzeugen, daß man dort trotz Ungarn an Stelle der feudalen die fa- als man in Berlin eifrig damit beschäftigt des Schlags gegen die eigenen Agenten an der Genfer Konvention, die am Der Abgeordnete der Freundschaft in der Außenpolitik fest15. Juli 1937 ihren Abschluß findet, nichts schistische Reaktion in den Sat- war, sie zu fördern. tel heben. Statt der aristokratischen M e cser des hält. Wird Berlin gute Miene zum bösen ist der Vertrauensmann ändern werde, nur werde Polen seine volle Die ungarischen Grafen sollte die plebejische Konterrevolution re- deutschen Außenhandels mit Ungarn. Und Spiel machen? Souveränität in Ostoberschlesien erlangen, gieren. Reales konnte das Dritte Reich da- da sich dieser Handel im Verlaufe der letz- jedenfalls bleiben siegessicher. Der» böhantwortete ihm der Oberpräsident Dr. Wagner in Breslau, daß Deutschland seiner Min- bei kaum gewinnen. Vielleicht hoffte es, ten Jahre üppig entwickelte, gingen und mische<< Gefreite imponiert ihnen nicht. ein mit deutscher Hilfe zur Macht ge- gehen ungezählte Millionen durch die derbeit die größtmöglichen Freiheiten Sicherung der nationalen Kultur gewähre, aber deshalb von polnischen Stellen erwarten müsse, daß der deutschen Minderheit mindestens werden. die gleichen Rechte zuteil Deutschland könne es nicht dulden, daß seinen eine schlechte zur Volksgenossen im Ausland Behandlung zuteil werde. Die polnische Presse diese Bemerkungen des schlesischen Oberpräsidenten unbeantwortet, man verließ Konrad Treu. Er der Partner samung und der Verlassenheit zu haben, Freundschaftsdemonstrationen stellen erneut| einen Bruch hinzutreiben. Zwar noch nicht sie wissen, daß sie nicht allein stehen im unter Beweis, wie brüchig Verträge der Dik- heut und morgen, aber Stoff wird gesammelt, Kampfe für deutsches Volkstum, daß vielmehr das ganze deutsche Volk ihnen eine taturen sind. Man hat sogar den Eindruck, um nachzuweisen, wie wenig Stütze und Rückendeckung gibt und daß als wenn gewisse Stellen in maßgebenden seine Versprechungen im besagten Pakt inneebenso das ganze deutsche Volk, wenn es Kreisen diese Gelegenheit benutzen, um auf gehalten hat. nötig ist, auch zum letzen Einsatz gerade für Oberschlesien bereit ist.<< Die deutsche Kulturwoche zum Schutz wies nur auf die Rechte Polens, welches im des Volkstums im Grenzland fand aber auch eigenen Lande selbst zu bestimmen habe und ein Echo in einer GegenveranstalFreie Bahn der Teuerung Das Ende des Preisstops. die Rede des Oberpräsidenten Dr. Wagner sei tung des Westmarkenvereins zur eine unerwünschte Einmischung, die man sich Rettung des bedrohten Pommerellens, wobei Seit dem 17. November vorigen Jahres ist recht, die um der deutschen Zukunft willen verbieten müsse. die polnischen Nationalisten Graudenz als die die sogenannte Preisstopverordnung in Kraft, auch vorübergehende Lasten und EntbehrunUm eine Art Schutz des Volkstums zu Hauptstadt der noch von Polen unerlösten die Preiserhöhungen über den Stand vom 30. gen zu tragen bereit ist.<< Man durfte allerorganisieren, hat man in Westoberschlesien nun Gebiete erwählt haben. Es fehlte bei den An- November 1936 hinaus verbietet. Man sollte dings annehmen, daß mit der Preisstopverordeine Kulturwoche veranstaltet, die aller- sprachen anläßlich dieser Veranstaltung nicht meinen, daß ihr Zweck die Verhinderung von nung den Kreisen stop befohlen werden sollte. dings einige Monate dauern soll und als Red- an heftigen Ausfällen gegen Deutschlands Preiserhöhungen oder gar der Zwang zu Das war aber mehr ihr propagandistischer als ner ist neben Göbbels auch Frauen- Drang nach dem Osten und man verwies auf Preissenkungen ist. Aber am 12. März bereits ihr realer Zweck. Es sollte bei den Arbeitern feld vorgesehen. Die Kulturwoche zum die deutschen gleichgeschalteten Organisatio- bereitete Schachts Organ» Der deutsche Volks- der Eindruck erweckt werden, daß man sich Schutz des deutschen Volkstums im Grenz- nen in Posen und Pommerellen als einen wirte darauf vor, daß im Gegenteil eine bemühe, den Druck auf die Löhne durch Druck land steht unter Leitung des» Bundes neuen Zug der Kreuzritter. In Berlin wurden Preissteigerung bevorsteht. Er auf die Preise weniger empfindlich zu machen. deutscher Osten, der die. Wiederge- diese Demonstrationen mit Entrüstung auf- warnte davor, die Forderungen nach Preis- Im übrigen aber war Schacht vorausschauend winnung verlorener deutscher für genommen, man will sogar in Warschau ob senkung» als eine so selbstverständlich erfüll- genug, um zu wissen, daß die Weltteuerung das Reich zum Ziele hat. Anläßlich dieser dieser» Freundschaftsdemonstrationen« Vor- bare« darzustellen. Denn wenn die Preissen- der Rohstoffe und noch mehr der deutsche Veranstaltung ist nun eine Sondernummer stellungen erheben, die einfach über das Ab- kungen ausbleiben oder an ihrer Stelle sogar Rohstoffmangel Preissteigerungen unvermeidder>> Schlesischen Monatshefte< erschienen, in kommen von Januar 1934 zwischen Berlin gelegentliche Preiserhöhungen unvermeidlich lich machen. Es handelte sich für das Regime welcher Oberpräsident Dr. Wagner an die und Warschau hinweggehen und Deutsch- werden sollten<<, würde das vom Volke als nun darum, sich die Preissteigerung nicht land offen bedrohen. Adresse Polens schreibt: ein Versagen in Wollen und Können der Wirt- über den Kopf wachsen zu lassen, sondern ihre >> Die Oberschlesier, die im kulturellen Wie immer der Streit der Nationalisten, schaft oder der Kontrollorganisation empfun- Lenkung in der Hand zu behalten. Mit der Schaffen so rege am Werke sind und ihr die sich auf beiden Seiten der Unterstützung den«.» Das verschleiern zu wollen, würde der Zeit mußten die Ausnahmen Letztes hergeben für Deutschland, brauchen nicht mehr das Gefühl der Verein- amtlicher Kreise erfreuen, ausarten wird, die politischen Haltung der Gegenwart nicht ge- Regel des Festhaltens Gebiete von der am Preisniveau vom SO. November immer zahlreicher wer- tien, nur wollte man sich vorbehalten, die Auanahmen seihst zu bestimmen, also gewissermaßen die Umgehungen der eigenen Preisverordnung in eigene Regie zu nehmen. Deshalb gibt»Der deutsche Volkswirt« zu, daß»der Preiskommissar von dem allgemeinen Preisstopverbot Ausnahmen zuläßt.« Nach welchen Gesichtspunkten?»Zur Sicherung der Betriebe durch Wiedererstattung der Unkosten und des angemessenen Gewinnes« und»zur Einschränkung des in den Produkten enthaltenen Rohstoffverbrauchs nicht durch Rationierung, sondern durch Preiserhöhung«, denn»die Erfahrung hat gelehrt, daß die Erzeugung, wenn sie nicht auf ihre Unkosten zu kommen fürchtet, nachläßt«. Mit anderen Worten: die Ausnahmen, die aber mehr und mehr zur Regel werden, haben den Zweck, die Unternehmer vor den Folgen der Rohstoffteuerung zu sichern und den zivilen Verbrauch zugunsten des militärischen einzuschränken. Programmäßig setzen denn auch die vom Preiskommissar verordnete Lockerung des Preisstops bei den Erzeugnissen ein, die vornehmlich für den zivilen Verbrauch bestimmt sind. Allerdings darf man nicht glauben, daß bis dahin die Preise mit dem Steigen auf die Erlaubnis des Reichskommissars gewartet haben. Seine Tätigkeit und die seiner Organe beschränkte sich bisher im allgemeinen darauf, nicht erwünschte Preiserhöhungen zu verhindern, so daß die anderen durchschlüpfen konnten. Mitte Januar hatte der Reichsarbeitsminister die Träger des vom Reich geförderten Siedlungs- und Volkswohnungsbaues, also die Kommunalverwaltung angewiesen. sich vor der Vergebung von Aufträgen mit den Preisüberwachungsstellen wegen angemessener Baustoffpreise in Verbindung zu setzen.»Es soll damit verhindert werden, daß von den Lieferanten überhöhte Preise gefordert werden, nachdem die Preissteigerungen für Baustoffe teilweise auf den außerordentlich großen Bedarf des Reiches zurückzuführen waren«. Damit ist also festgestellt, daß die Bauaufträge der öffentlichen Hand bereits zu Preissteigerungen ausgenutzt worden sind. Für die Kasernen und Prachtbauten des Hitlerregimes soll das offenbar auch fernerhin möglich sein, nur für den Bau billiger Wohnungen sollen nicht etwa die bisherigen Uebertretungen der Preisstopverordnung rückgängig gemacht, aber doch Preiserhöhungen über die bisherigen hinaus wohl nicht überall, aber hier und da verhindert werden. Die einschneidenste der bisher zugelassenen Lockerungen deä" Preisstops ist der Runderlaß des Preiskommissars vom 12. Marz über die Preisgestaltung im Spinnstoffgewerbe. Nach der Preisstopverordnung dürfen in der Textilwirtschaft Preiserhöhungen über den Stand vom 30. November nur erfolgen, soweit sie durch Verteuerung ausländischer Rohstoffe bedingt sind. Nunmehr dürfen die Textilpreise auch dann erhöht werden, wenn die Kosten steigen nicht nur für ausländische Rohstoffe, sondern auch für Hilfstoffe und den Verarbedtungsverlust durch Abfall. Damit wird der Grundsatz der Preisstopverordnung, daß der Stand vom 30. Nov. die oberste Preisgrenze bilden soll, aufgegeben und durch das»liberalistische« Prinzip der Preisgestaltung auf Grund der Selbstkosten ersetzt. Unterstrichen wird das noch durch die Festsetzung eines höchstzulässigen Preises,»der erforderlich ist, um den den betriebsnotwendigen Aufwand für Erzeugung und Vertrieb einschließlich einer angemessenen Abschreibimg zu decken, sowie einen angemessenen Gewinn zu erzielen«. Der dehnbare Begriff der Angemessenheit macht jede Preiskontrolle illusorisch und setzt die Preisstopverordnung für Textilien praktisch außer Kraft. Den Kammgarnspinnereien gegenüber verzichtet man sogar auf den bloßen Schein, als bestünde noch eine"Preisgrenze nach oben, indem ihnen in dem Runderlaß gestattet wird, »den Blockpreis des laufenden Preisblocks einzusetzen«. Das heißt nichts anderes, als daß für die Preisfestsetzung nicht mehr der Preis vom 30. November, sondern der jeweilige Einkaufspreis maßgebend ist. In der gleichen Weise ist auch für die Lederwirtschaft der Preisstop gelockert worden. Eis wird also dafür gesorgt, daß die Spanne zwischen Lohnhöhe und Preishöhe, zwischen Lohn und Reallohn wächst. Aber dieser Effekt wird planmäßig erstrebt, um Rohstoffe und Devisen für Rüstungszwecke zu ersparen. Das Regime schätzt also offenbar die Entbehrungsreserve 'es deutschen Volkes noch recht hoch ein.. Ein illustratives Beispiel für die Preis- olitik des Dritten Reiches ist die Zustimmung des Preiskommisaars»zu einer Vereinbarung zwischen den beteiligten Wirtschaftskreisen, nach der die Handelsspanne tür Zigaretten erhöht und aas Höchstgewicht der billigen Zigaretten noen vermindert wird«. Das läuft also darauf hinaus, (öellwlrtschDlt- mit autarken Diktaturen? Die Grandlagen einer wirklldien WirtsdiaftsTerstandigung In letzter Zeit ist wieder viel die Rede von einem Versuch, zu einer weltwirtschaftlichen Zusammenarbeit zu gelangen. Der im Vergleich mit der hohen Beschäftigung im Inland langsame Anstieg des Welthandels weist auf die Notwendigkeit hin, etwas zum Abbau der Handelsschranken zu unternehmen. Die Herstellung eines freien Handelsverkehres wäre zudem das einzige Mittel, die Devisenzwangswirtschaft zu beseitigen und den internationalen Kreditverkehr wieder zu ermöglichen. Die Prosperität, die in dem weltwirtschaftlich ausschlaggebenden Teil der Welt herrscht, ist einem solchen Versuch sehr günstig. Die anhaltende Preissteigerung läßt eine Ermäßigung der Zölle und eine Beseitigung der Einfuhrkontingentierung gerade im Interesse der Erhaltung der Konjunktur recht wünschenswert erscheinen und verringert zugleich den Widerstand der Interessenten. Die Steigerung der Ausfuhr ist zudem eine wichtige Konjunkturreserve, die vor allem von Bedeutung sein wird, wenn der künstliche Auftrieb aus der Aufrüstung sich verlangsamt; das gilt namentlich für England, deren wichtigste Ausfuhrindustrien— Kohlenbergbau und Textilindustrie— ihren früheren Absatzraum noch lange nicht erreicht haben, während für die Vereinigten Staaten eine rationelle Verwendung ihres riesigen und noch immer steigenden Goldschatzes um rund 12 Milliarden Dol lar nur möglich wird, wenn sie durch Senkung ihrer Zollschranken die Wareneinfuhr steigern. Eine Neuordnung der Handelspolitik, die Möglichkeit des Abschlusses länger dauernder Handelsverträge setzt aber auch eine Stabilisierung der Währungen voraus. Denn jede Währungsänderung bedeutet ja eine neue Verschiebung in der Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt, die die bestehenden Zollregelungen eines Teils ihrer Wirkungen beraubt. Die Frage der Währungsstabilisierung ist gerade in letzter Zeit wieder besonders aktuell geworden. Das im Anschluß an die Devalvation der früheren Goldwährungsländer im September des Vorjahres abgeschlossene internationale Währungsabkommen zwischen England, Frankreich und den Vereinigten Staaten, in dem sich diese Staaten zusicherten, keine einseitigen W äh nmgsänd e rungen vorzunehmen, schien eine tatsächliche Währungsstabilität zu sichern. Aber vor kurzem tauchten plötzlich Meldungen auf, wonach die Vereinigten Staaten eine Aufwertung des Dollar, eine Erhöhung seines Goldgehalts beabsichtigte. Die nächste Folge war eine Unterbrechung des Goldhandels, ein Kurseinbruch an den Börsen, eine Störung aller internationalen Zah- lungsbe Ziehungen und ein heftiges Schwanken der Wechselkurse. Die Meldung wurde schließlich energisch dementiert, aber die Verwirrung, die sie angerichtet hatte, zeigte immerhin, wie unbefriedigend der augenblickliche Zustand ist. Eine nur tatsächliche Stabilisierung, von der jederzeit abgegangen werden kann, genügt eben nicht. Nach all den vorangegangenen Währungswirren bedarf es der gesetzlichen Regelung der gesetzlichen Bindung der wichtigen Währungen an das Gold, also der Rückkehr zur Goldwährung, der bisher die englische Regierung im Gegensatz zur amerikanischen und französischen widerstrebt hat. Nach dem Scheitern aller vorausgegangenen internationalen Wirtschaftskonferenzen haben die französische und die englische Regierung einen neuen Weg eingeschlagen. Sie haben den belgischen Ministerpräsidenten van Zeeland ersucht, eine Untersuchimg über die Möglichkeit der Abtragung der Handelsschranken vorzunehmen und dieser hat den Auftrag angenommen. Diesem Schritt wurde um so größere Bedeutung beigemessen, als gleichzeitig Norman Davis, ein besonderer Vertrauensmann Roosevelts, in London als Teilnehmer an einer internationalen Zuckerkonferenz anwesend ist, und man mit Recht annehmen darf, daß er im Auftrage Roosevelts, an dessen Bereitschaft zur Mitwirkung kein Zweifel besteht, sich um die Förderung der gleichen Aufgabe bemüht. Kaum war der Auftrag an van Zeeland bekannt geworden, als sich plötzlich Schacht erinnerte, dem belgischen Notenbankpräsidenten einen Gegenbesuch schuldig zu sein. Schulden zu bezahlen, ist aber bekanntlich des ehrbaren Kaufmanns Schacht unwiderstehlicher Zwang, und so erschien er denn in Brüssel Der Mann, der schon alle Gesinnungen gehabt hat, beherrscht infolgedessen die Sprache aller Gesinnungen, und diesmal sprach der Minister des Reichs der Kriegswirtschaft und der Autarkie ganz geläufig die Sprache der weltwirtschaftlichen Kooperation, erklärte seine Bereitwilligkeit, an der Förderung des Welthandels teilzunehmen, beteuerte seine Neigung, die Wirtschaftsbeziehungen zu dem verdammten Sowjetstaat auszudehnen, und sogar schließlich die Reichsmark, bekanntlich die festeste und stabiliste Währung der Welt, den Notwendigkeiten einer Neustabilisierung anzupassen, was unter den gegebenen Umständen nur das eine besagt; Schacht ist entgegen allen bisherigen Beteuerungen auch zu einer A b- wertung der Mark bereit. Das Auftreten Schachts erklärt sich nicht nur aus dem Umstand, daß er die Ausschaltung vermeiden wollte, die ihm bei dem Abschluß des internationalen Währungsabkommens passiert war. Es ist auch ein Symptom für die schwierige Wirtschaftslage Deutschlands und für gewisse Meinungsdifferenzen, die sich daraus ergeben. Während der Kreis um G ö r i n g stur an dem bisherigen Aufrüstungstempo festhalten will, unbekümmert um die fortschreitende Inflation und die wachsende Erschöpfung auch der noch vorhandenen Devisenreserven, weiß Schacht, daß trotz aller Zwangsmaßnahmen der Diktatur die Wechselreiterei ihre Grenzen hat, die jetzt immer näher rücken, weiß und sagt er, daß die landwirtschaftliche Autarkie eine Utopie bleibt und die Darresche Politik Bankrott gemacht hat, daß der Vierjahresplan zwar bestimmt den Devisenaufwand für die vorzunehmenden Investitionen stark vermehrt, jedoch ohne Deutschland zum Selbstversorger auf dem Gebiet der Metalle, der Treibstoffe oder der Textilien machen zu können. Wenn dem aber so ist, dann bringt die immer weiter gehende Ausschaltung Deutschlands auch ihre Gefahren gerade für den Kriegsfall mit sich. Denn die ein« mal unterbrochenen Beziehungen lassen sich so leicht nicht wieder aufnehmen, und die Versorgung Deutschlands aus dem Ausland wird gerade dann am schwierigsten, wenn sie am dringendsten ist. Es sind Sorgen, die nicht nur von Wirtschaftskreisen, sondern auch von TeUen der Heeresführung geteilt werden, ohne daß die Meinungsdifferenzen, die ja nur die beste Methode der Kriegs Vorbereitung betreffen, etwa eine politische Schwächung des Systems bedeuteten. Aber sie machen deutlich, warum es Schacht erlaubt war, die Mitwirkung Deutschlands anzubieten, und zugleich, daß es sich höchstens um eine Aenderung der Methode handelt, um das Ziel noch sicherer zu erreichen. Warum sollte Schacht nicht erlaubt sein, in dem Augenblick, in dem die Schwierigkeiten der deutschen Kriegswirtschaft ein so hohes Maß erreichen, den Versuch zu machen, vom Ausland Erleichterungen zu erlangen; vielleicht gegen das Versprechen, das ohnehin schwierig durchzuhaltende Tempo der Aufrüstung ein wenig zu verlangsamen, wertvolle Konzessionen— neue Schuldenherabsetzung, Exporterleichterungen, Kolonien— zu erreichen. Der Versuch kann kaum schaden, und scheitert er, so ist der feindliche Vernichtungswille des bösen Auslandes aufs neue bewiesen. Aber Schacht hat nichts zu bieten. Die deutschen Schwierigkeiten sind ja nicht die Schuld des Auslandes, sondern das zwingende Ergebnis der deutschen Politik der Kriegsvorbereitung. Deutschlands Aufrüstung übersteigt die deutsche Finanz- und Wirtschaftskraft. Sah er die inflationistische Finanzierung, die wieder die Devisenzwangswirtschaft bedingt; daher die Devisennot, die das Außenhandelsmonopol mit seinen exorbitanten Zöllen, seinen Einfuhrverboten und Kontingentierungen notwendig macht; daher und daher allein die Rohstoffnot, die früher in Deutschland ebenso unbekannt war, wie sie es heute etwa in Schweden oder der Schweiz ist; daher das Autarkiebestreben einerseits. und der Schein nach Kolonien. Eins hält das andere, und Deutschland kann deshalb nicht an einer weltwirtschaftlichen Zusammenarbeit teilnehmen, so lange es seine Kriegsvorbereitung weitertreibt. Daran festzuhalten sind sie aber alle einig, die Schacht und die Göring, und deshalb erscheinen sie nur als fordernde Störenfriede, nie als Helfer am Werk. Das scheint allmählich auch das Ausland zu erkennen. Bessere wirtschaftliche Zusammenarbeit ist nur zu erreichen gegen und ohne die Dikiatur- Staaten, und jeder Versuch,;{ie in die Kooperation einzubeziehen, führt zu seinem Scheitern. Die freie Gestaltung der Wirtschaftsbeziehungen der anderen Staaten ist durchaus möglich, sobald man auf die Illusion verzichtet, man könne die Dik- taturstaaten, deren Wirtschaft von Mars regiert wird, mit einbeziehen. Umgekehrt: erst die Verständigung der anderen wird die Diktaturstaaten, die sich aus der Weltwirtschaft ausgeschlossen haben, in jene ausweglose Situation bringen; in die sie ihre Kriegswirtschaft hineinzwingt, Dr. Richard Kern. daß die Raucher für dasselbe Geld weniger Tabak bekommen, damit die ES-höhung der Gewinnspanne bei den Zigarettenhändlern nicht auf Kosten der Zigarettenfabrikanten gehe. Mit der Lockerung des Preisstops scheint im Widerspruch zu stehen, daß der Kreis derer erweitert wird, che für die Ueber- tretung der Preisverordnung bestraft werden können. Der Preiskommissar hat entschieden, die mit dem Verbot von Preiserhöhungen vom 26. November 1936 angedrohten Strafen nicht nur den treffen, der einen erhöhten Preis fordert oder sich bezahlen läßt, sondern auch den, der ihn zahlt oder zu zahlen verspricht, überhaupt jeden. der dabei mitwirkt, daß eine Preiserhöhung eintritt«. Aber der Widerspruch ist nur scheinbar. Uebertretungen der Preisverordnung werden vor einem Sondergericht verhandelt, aber offenbar will der Preiskommls- sar dieses Sondergericht vor Arbeitsüberlastung bewahren, weil»eine zu häufige Inanspruchnahme der Sondergerichte dazu führen würde, diese scharfe Waffe in ihrer I Unternehmer noch lästiger Wirkung abzuschwächen«. Zur Erhebung 1 die Preisverordnung selbst. der Anklage soll der Staatsanwalt nur von 1 der örtlich zuständigen Preisübe rwachungs- 1 stellen angeregt werden. Er darf außerdem j die Anklage nur erheben, wenn die Preisübe rwachungastetle. bevor sie die Erhebung der Anklage beantragt, die Zustimmung des Preiskommissars eingeholt hat. Damit wird der Denunziationsrummel eingedämmt, aber auch ausgesprochen, daß nicht aller Frevel an der Preisverordnung bestraft werden darf, sondern nur die Fälle, die der Preiskommissar als strafwürdig ansieht. Die Entscheidung über die Erhebung der Anklage ist von dem öffentlichen Ankläger, der verpflichtet ist, in jedem Fall von Gesetzesübertretung einzugreifen, an den Preiskommissar übergegangen, der wahrscheinlich in den meisten Fällen ein Auge zudrücken und nur um der Propaganda willen einzelne Sündenböcke aus der Herde der Sünder herausgreifen wird. Der Nachteil dieser Methode ist, daß das ordentliche Gerichtsverfahren durch persönliche WUlkür ersetzt wird, also völlige Rechtsunsicherheit Platz greift, die für die sein dürfte als G. A.F. Autarke Logik Vor Vertretern der»Gaubetriebsgemeinschaft Eisen und Metall« sprach in München der Reichstreuhänder der Arbeit Kurt Frey. Er sagte u. a.(laut Bericht der»Münchner Neuesten Nachrichten« Nr. 112): »Gegenwärtig ist es noch nicht möglich, aus der passiven Sozialpolitik zur aktiven Überzugrehen, weil die Voraussetzungen bei den mangelnden Vorräten an Lebensnotwendigkeiten noch nicht gegeben sind. Wenn die Frage der Kolonien und der Rohstoffe gelöst sein wird und wenn durch Schaffung neuer Anlagen auf Grund des Vierjahres- planes die Unabhängigkeit vom Ausland gesichert sein wird, bleiben Mittel für die Beschaffung von Lebensnotwendigkeiten aus dem Ausland. was eine Besserung der Lebenshaltung des einzelnen zur Folge haben wird.« Wenn wir vom Ausland unabhängig geworden sind, könen wir Lebensnotwendigkeiten einführen. Nur solange wir das Ausland brauchen, brauchen wir es nicht; wenn wir ee nicht mehr brauchen, brauchen wir es wieder. Nr. 203 BEILAGE Was Neuer Vorwärts 2. Mai 1937 Disziplin und Spanien man sich schen Staates. an nationalen Einheitsfront der Reaktion. Die zu die verOda Olberg. Es unterliegt keinem Zweifel, daß der Wenn ein sachlicher Beobachter, der wahr-, menschlicher Solidarität, an Erbarmen mit großen Ueberraschungen in Spanien waren Widerstand des spanischen Volkes gegen scheinlich selbst Funktionär war, dies für der Kreatur, daß diesem Fehlbetrag auf die Marokkaner, denen jetzt Askari die Meuterer wirksamer gewesen wäre, einen kleinen Kreis feststellen kann, der der Seite des Gefühls auch anderweitige folgen scheinen, und die als Nicht- Interwenn die Massen von Anfang an mehr den in Frage Kommenden durchaus über- Anomalien entsprechen müssen. Es ist vention dekorierte Einheitsfront gegen die Disziplin gezeigt hätten. Es unterliegt sichtlich und verständlich ist, ist, wieviel kaum anzunehmen, daß gerade so beschaf- legitime Regierung, unter der Führung aber sehr starkem Zweifel, ob in einem mehr gilt das Gesagte für den weiten Kreis fene Persönlichkeiten es in demokratischen Großbritanniens. Wie es der Gegner macht, disziplinierten Volke jemals eine Bewe- politischer Fragen! Jene unerläßlich er- Organisationen zu den ausschlaggebenden können wir am Beispiel der Halbinsel gung von so unerhörter Großartigkeit scheinende Arbeitsteilung, die den Füh- Stellungen bringen können. Die Eigen- sehen und daraus viele Folgerungen ziehen; möglich gewesen wäre. Ich will keines- rern die Entscheidung und den Massen die schaften, auf Grund deren die Masse ihre wie man ihm wehrt, wird wohl immer wegs der Disziplinlosigkeit das Wort reden, disziplinierte Ausführung zuschiebt, muß Entscheidungen in seine Hand legt, lassen hauptsächlich vom Volkscharakter und so wenig, wie ich etwa das spanische die Entscheidungsfähigkeit der Massen be- den Parteiführer des Messers Schneide von der jeweiligen Lage abhängen. Klima empfehlen will. Es ist mir nur einträchtigen. Daran ist niemand schuld, schwer handhaben, wo es um fremdes Daß das spanische Volk heute darum zu tun, einige landläufige Begriffe weder die Massen noch die Führer, das Schicksal geht. Es gereicht ihm zur Ehre, Disziplin um so ungeheuer hohen Preis erzu klären und psychologische Zusammen- folgt aus den Tatsachen, wie das Verküm- wenn er zögert, aber der Sache gereicht werben muß, ist sicher zu bedauern. Aber hänge zu beleuchten, wobei ich es als er- mern jeder Funktion, die nicht beansprucht es sehr oft zum Schaden. das, was diese Männer der Disziplin widerfreuliches Nebenprodukt begrüßen würde, wird. Es ist unvermeidlich, daß einem In Spanien ist die erste Entscheidung streben läßt, zu der andere Völker durch wenn dadurch etwas Ueberheblichkeit ab- neuen überraschenden Ereignis gegenüber in der Masse selbst gefallen, ohne Zu- Schule, Familie und vor allem durch die gebaut würde, die gerade uns Deutschen die an Disziplin gewöhnten Massen nicht warten, ohne Anruf irgend einer Instanz. Industrie erzogen wurden. sind Eigenheute nicht gut ansteht. instinktmäßig irgend eine Abwehr unter- Welche Instanz hätte unbewaffnete Men- schaften, ohne die an Stelle des heutigen Zunächst muß nehmen und noch viel weniger eine Ueber- schen gegen Bewaffnete geschickt? Dann darüber Kampfes die Knebelung und Verschacheeinigen, was man unter Disziplin ver- sicht über die Lage zu gewinnen und sich hat das spanische Staatsoberhaupt, wirk- rung des spanischen Volkes getreten wäre. stehen will. Es scheint mir nicht berech- danach zu orientieren suchen, sondern sich lich als Vollzieher des Volkswillens, dem Zu dem Preis, den heute Spanien für seine tigt, etwa das Verhalten Kataloniens als zunächst fragen: was entscheiden die Willen des Widerstandes die Möglichkeit Freiheit zahlt, hätte sich kein Führer verFührer? Das ist die eine Kehrseite der zugesellt, indem er das Volk bewaffnen stehen können und dürfen. Die Disziplin Disziplinlosigkeit zu bezeichnen, das von manchen behauptete Mißverhältnis zwischen Disziplin. ließ, eine geschichtliche Tat, die Manuel gibt der Masse ein Gehirn, eine wägende den Mitteln der katalanischen Republik Die andere halte ich für viel verhäng- Azana in alle Ewigkeit nicht vergessen Vernunft, sie rationalisiert die Massenund ihrem Einsatz im heutigen Kampf. nisvoller, nämlich das Uebermaß an Ver- werden darf. Vergleiche mit anderen Be- bewegung. Keine menschliche Vernunft antwortung für die Führer. Man stelle sich wegungen sind nicht am Platze. Soviel ich hätte die Schleusen des unermeßlichen Wenn dieses Mißverhältnis wirklich beeinen Menschen vor einen Menschen, weiß, verzeichnet die Geschichte keinen Grauens, der erhabenen Selbstvernichtung stünde, so bedeutete es Mangel an Solidarikein reißendes Tier in Menschengestalt tät und an politischen Fernblick. Disziplin Fall, in dem eine auf die Arbeiterschaft um ewiger Werte willen, zu öffnen der darüber zu entscheiden hätte, ob gestützte rechtmäßige Regierung, im Be- mocht. Hier sind Mächte entfesselt, die ist Einordnung und Unterordnung zur Erreichung eines gemeinsamen Zweckes und durch den Widerstand gegen die Meuterer sitz des Staatsapparates, gegen meuterndes höher sind als alle Vernunft, vielleicht der Bürgerkrieg entfesselt werden sollte Offizier- und Polizeikorps, hinter denen auch tiefer, aber auf der anderen Ebene Verzicht auf die Kritik der Mittel. Die oder nicht. Einen Menschen, mit seiner wirtschaftliche und Machtinteressen frem- liegend und das Individuum mehr verWege der Ausführung werden einer höheren Instanz anheimgestellt; der Ausfüh- kurzen Spanne Leben, durch Gefühl und der Mächte standen, in einen Kampf um schlingend als je Disziplin es verschlang. rende ist nur Mittel zum Zweck, jeder Art Nerven den Mitmenschen verwoben, der die Existenz getreten wäre. Spuren der Gewissermaßen Geschichte im Urzustand, von Verantwortung ledig. Das ist die ein- in der einen Hand den Schlüssel hielte zu Analogie ließen sich zum Kapputsch fin- als Lava, als ungebändigtes Element. der Hölle von Blut und Qual des spani- den. Aber um Analogien und praktische zige Form von Disziplin, die man von Disziplin ist eine Form der Bändigung freien Menschen fordern kann. Soweit beim schen Bürgerkrieges und in der anderen zu Lehren handelt es sich hier nicht. Weder könMilitär der Zweck wegfällt, weil ihn die dem trostlosen Zuchthaus eines faschisti- nen die Spanier deutsche Disziplin von den von Naturkräften. Sie vervielfältigt unsere Leute nicht kennen Woher soll er Mut und Deutschen lernen, noch diese individuali- Leistungsfähigkeit, sie durchdringt Masoder nicht teilen, Kraft nehmen, zu entscheiden, wo wird die Unterordnung wägender Vernunft. der stische Initiative von den Spaniern. Was senhandlung mit zum KadaverEinsatz an Leben gehorsam. Der interessiert uns hier nicht. und Glück nicht von man dagegen aus der spanischen Revo- Aber, wie jede Erweiterung des MachtEr hat in Spanien eine geringe Rolle ge- ihm, sondern von Hunderttausenden seiner lution lernen kann, scheint mir die Er- bereits der Vernunft in einer vernunftwie jede Lähmung des spielt. In der Marine hat die große Mehr- Mitmenschen gemacht werden muß? Ein wartung, bei jeder kommenden Volks- losen Umwelt, heit der Mannschaften die Disziplin sofort Individuum, das da die Entscheidung wagt, bewegung in Europa mit farbigen Truppen Animalischen birgt sie Gefahren und darf aufgesagt, sobald sie sich klar wurde, daß ist entweder so lahm in seiner Vorstel- rechnen zu müssen( heute braucht man nie höher geschätzt werden, als dies ihre daß es mit unerschlossenen deshalb Kolonien) und mit einer inter- objektive Zweckmäßigkeit rechtfertigt. man sie gegen die Republik verwendete. lungskraft, der Terror der Meuterer von den Worten operiert, oder es ist so arm Truppen erzwang, war weder Frucht der Disziplin noch des Kadavergehorsams, sondern des Terrors. Die italienischen Heeresabteilungen in Spanien, denen man Kadavergehorsam zumutete, haben völlig versagt. Und außerdem ist es ja nicht das Fehlen dieses Gehorsams, das man bei den Republikanern beklagt, sondern das der Disziplin; man verlangt von ihnen den Der Vorsitzende der Sozialistischen Was das Buch Koestler für den deut- die republikanischen Kreise bemüht, ihre freiwilligen Verzicht darauf, die Wege zum Arbeiter- Internationale, Louis de schen antifaschistischen Leser besonders friedlichen Absichten unter Beweis zu stellen; gewollten und klar erkannten Ziel mit dem Brouckère, macht in der Presse auf wertvoll macht, sind seine Parallelen zwi- die Quittung überreicht ihnen General Franco eigenen Kopf zu suchen. das Schicksal Arthur Koestlers schen dem Ablauf der Ereignisse in Spa- am 18. Juli auf der Spitze seiner Bajonette<. Durch die Disziplin werden Ergebnisse aufmerksam, der sich seit der Einnahme nien und in Deutschland sowie die Auf-( S. 53.) erzielt, die ohne sie unmöglich wären. Dem Malagas in den Händen Queipo de Llano deckung der Zusammenhänge zwischen Welche Kräfte waren es aber, die die Einzelnen werden Nachdenken und Zweifel befindet, und dessen Leben ernstlich ge- dem spanischen und dem deutschen Fa- reaktionären Cliquen veranlaßten, den abgenommen, Verantwortung und Schuld- fährdet ist. Arthur Koestler hat als Son- schismus. Man denkt an Deutsch- Vorstoß gegen die von einer ungeheuren gefühl. Disziplin bedeutet eine ungeheure derberichterstatter des>> News Chronicles, land, wenn man folgende Sätze über die Mehrheit gewählte demokratische RegieKraftersparnis; durch sie werden Men- London, vier Wochen nach Ausbruch der Entwicklung der inneren Verhältnisse in rung zu wagen?: schenmassen auf ein bestimmtes Ziel aus- Revolte Portugal und das südspanische Re- Spanien nach dem Sieg der Republik im gerichtet, was sonst nur durch ergreifende bellengebiet bereist. Er hat in den folgen- Jahre 1931 bis zum Beginn der Reaktion Ereignisse Rausch und auf kurze Zeit möglich ist. gierung beherrschten Teile Spaniens be->> Die Republik hatte die konspirierenden Wenn die Disziplin in normalen Zeiten als sucht, und seine von großer Sachkunde Offiziersbünde nicht angetastet, den Staatswohltätige Umfriedung des eigenen Be- und hoher Objektivität erfüllten Berichte apparat von der alten, sabotierenden Büroreichs vom Individuum empfunden und haben nicht wenig dazu beigetragen, die kratie nicht gereinigt. Armee und Zivilgarde angestrebt werden kann, so bedeutet sie englische Oeffentlichkeit über den wahren blieben, was sie waren: Instrumente der Rein anderen Zeitläuften, besonders im Stand der Verhältnisse in Spanien aufzu- aktion. Die wirtschaftlichen und militärischen Kriege, vielfach die höchste Anforderung klären. an die sittlichen und körperlichen Fähig- Eine zusammenfassende Darstellung der Feindes. So geringfügig die von der Regie- die Bürgerkriegstruppen der Phalange und keiten. Disziplin ist die einer Sache, nicht spanischen Tragödie, die den Zeitraum bis rung eingeleiteten Reformen waren, die Her- der Carlisten, über den größten Teil einer Person gehaltene Treue. Disziplin ist Anfang November umfaßt, ist unter dem renkaste fühlte sich in ihren angestammten Offizierskorps der Armee und über die wichder Verzicht auf Persönliches, zugunsten Titel Menschenopfer uner- Privilegien bedroht; ihr war es nicht um De- tigsten Waffenarsenale verfügten; einer Sache, welcher Verzicht bis zum hört...« im Carrefour- Verlag, Paris, er- tailfragen zu tun, ihr Kampf ging von An- c) weil sie damit rechneten, das Land zu Tode gehen kann. In ihr liegt Ehrfurcht schienen. Ein schmales Bändchen, nur 204 fang an aufs Ganze auf die Ausrottung überrumpeln und durch ein vorher ausgearbeiund Vertrauen auf besseres Wissen der Seiten stark, aber mit einer ungeheuren aller Keime einer neuen liberalen Aera in tetes, wahrhaft mittelalterliches Terrorsystem anderen, Elemente, die sich auch in der Menge von Tatsachenmaterial, Dokumenten Spanien und auf die Wiedererrichtung der den Widerstand der unbewaffneten, religiösen Einstellung zu den Dingen und authentischen Berichten gefüllt, die Diktatur.( S. 35/36.) dem Leser einen ausgezeichneten Abriß der Auch die Darstellung der inneren VerAber dieses Konzentrieren der indivi- spanischen Geschehnisse vermitteln. Keine hältnisse in Spanien nach dem Sieg der duellen Kräfte zu einer handelnden Ein- Reportage eines Schlachtenbummlers, son- Volksfront im Februar 1936 bis zum Aus- Punktes ist ein großer Teil des Buches von heit, die die selbständige Entscheidung als dern das Werk eines politischen Schriftstel- bruch der Offiziersrevolte gestattet wert- Koestler gewidmet. Hier werden zahlreiche überflüssig und schädlich lahm legt, hat lers, der die wirtschaftlichen und sozialen volle Vergleiche: Tatsachen und Dokumente mitgeteilt, die zwei schwerwiegende Folgen: es macht die Wurzeln der Vorgänge aufdeckt, die han->> Die Hoffnung der spanischen Demokra- erst in ihrer knappen Zusammenfassung Massen unselbständig und legt den leiten- delnden Personen und Parteien meisterhaft ten, mit den Mächten der Barbarei zu einem eine genauere Kenntnis der spanischen den Instanzen ein Uebermaß von Verant- schildert und die internationalen Zusam- modus vivendi zu gelangen, die Hoffnung, Vorgänge ermöglichen. Hier tritt auch die wortung auf. menhänge klar herausarbeitet. Der knappe daß es möglich sein sollte, Mittelalter und frappante Aehnlichkeit der Methoden FranIm Deutschland- Bericht der Sopade Stil, das Fehlen allen überflüssigen Bei- Neuzeit auf dem gleichen Boden in idyllischem cos und Queipo de Llanos mit denen Hitvom Dezember 1936 konnte man lesen: werks und die eindrucksvolle Gegenüber- Frieden miteinander zu vereinen, erweist sich lers, Görings und Göbbels zutage. Wenn >> Unsere Leute sind durch die früheren stellung der Tatsachen erhöhen den litera- als verhänignisvolle Illusion. Anstatt dem Franco gleich zu Beginn des Aufstandes Betriebsräte und Gewerkschaftsfunktionäre rischen Wert des Buches, das durch einen Feudalismus in Spanien endlich seine ökono- etwa 50.000 Menschen» zur Abschreckung< zu unselbständig geworden. Sie wissen sich Appell Romain Rollands. an das mischen Fundamente zu entziehen und seine abschlachten läßt, so hält er sich an das heute nicht recht zu helfen«.( S. A. 20.) Weltgewissen ergänzt wird. politischen Sturmtruppen zu liquidieren, sind Rezept Görings vom 3. März 1933: finden. Lehren der Geschichte Zu dem Buche Arthur Koestlers» Menschenopfer unerhört...« in Panik, Begeisterung, den Monaten auch die übrigen von der Re- 1933 liest: Machtpositionen blieben in den Händen des > Sie wagten es, weil ihnen a) die aktive politische und militärische Hilfe der drei faschistischen Staaten in und Portugal Europa: Deutschland, Italien zugesichert war, als deren Exponenten sie sich fühlten und nach deren Instruktionen sie handelten; b) weil sie über die landfremden Truppen der Marokkaner und der Fremdenlegion, über des militärisch ungeschulten Massen zu lähmen und in einigen Tagen völlig zu brechen.<<( S. 60.) Der Darstellung namentlich des dritten » Ich habe keine Gerechtigkeit zu üben, sondern zu vernichten und auszurotten.<< Und wenn bei der ganzen Propaganda der spanischen Faschisten und ihrer Gesinnungsfreunde in anderen Ländern die Schuld an den Vorgängen der anderen Seite zugeschoben wird, so haben wir das klassische Hakenkreuz über Danzig Nach dem Rückzug des Völkerbundes Aus Danzig kommen neue Alarmnachrich-| Fahnenflucht aus dem oppositionellen Lager Dem Sozialdemokratischen Abgeordneten Go Rezept aus den Tagen des Reichstagsbran- ten. Sie melden wieder Verhaftungen zu bewegen. Die neuen systematischen Ver- da u, einem Arbeitslosen, bot man sogar 15.000 des und des Hitlerumsturzes vor uns: von Funktionären der Oppositionsparteien, er- suche der Nationalsozialisten zur Erschütte- Gulden an. Die Polizeibeamten verschmähten » Erstens haben die anderen angefangen, höhten Polizeiterror und eine erneute rung der Position der Danziger oppositionel- es auch nicht, sich um den Uebertritt der beiund zweitens haben wir bloß angefangen, Ausweitung des allgemeinen Terrors, len Parteien im Volkstag datieren aber erst den kommunistischen Abgeordneten zu beum den anderen zuvorzukommen.< den die nationalsozialistischen Organisationen seit den Beschlüssen der Januartagung des mühen. So bot man dem seit Jahren aus dem die zwar theoretisch die Dienst entlassenen kommunistischen Abgeordauf die Bevölkerung ausüben. Bereits seit dem Völkerbundsrats, Sommer des vorigen Jahres ist die gesamte Völkerbundsgarantie in bezug auf die Dan- neten Plenikowski wieder eine Lehrerpolitische Tätigkeit der Danziger oppositio- ziger Verfassung erneut anerkannten, pra k- stelle an, dem kommunistischen Abgeordneten mit einem politinellen Kreise unterdrückt. Die Sozialdemokratisch aber der Außerkraftsetzung Langenau drohten sie tische Partei ist verboten, ihre Zeitung, ebenso der Verfassung keinerlei Schwie- schen Strafverfahren. Dem Zentrumsabgeord wie das Zentrumsblatt, dürfen nicht erschei- rigkeiten mehr bereiten. neten Posack, einem pensionierten PolizeiInternational bedeutsam ist die Schlußfolgerung, zu der Koestler, nach der Schilderung der ersten vier Monate des spanischen Bürgerkrieges, gelangt: >> Der spanische Krieg ist für den Faschismus in vieler Hinsicht die Generalprobe des nen. Der Zentrumspartei und der Deutsch- In der polnischen Presse erschienen dieser beamten, stellte man Entzug der Pension in Weltkrieges, den er vorbereitet; er ist es nationalen Volkspartei verwehrt man mit Po- Tage Schilderungen einer Reihe von Fällen, Aussicht. Das sind nach den Informationen auch im Hinblick auf die Propaganda. Die lizeimitteln auch das letzte innerorganisatori- in denen die Nationalsozialisten versucht der polnischen Presse, nur einige Beispiele. Verantwortung dem Gegner aufzubürden; den sche Leben. Die demokratische Verfassung, haben, oppositionelle Abgeordnete zum Ueber- Aber fast alle diese Erpressungs- und KorAngriffskrieg als Befriedungsmaßnahme, die die der Völkerbund garantieren sollte, ist tritt in die NSDAP zu veranlassen. Für die rumpierungsversuche sind gescheitert. Die Brandstiftung als Löschaktion hinzustellen; längst zum größten Teil außer Kraft gesetzt. Verhältnisse in Danzig ist es bezeichnend, daß Vertreter der Opposition sind, obwohl sie sich die Kriegserklärung als Friedensangebot zu Das alles genügt den Nationalsozialisten aber bei diesen Versuchen als ausführende Organe meist in wirtschaftlicher Notlage befinden tarnen das sind die Methoden der propa- noch nicht. Ihr Ziel ist jetzt auch die for- nicht etwa nationalsozialistische Parteifunk die meisten sozialdemokratischen gandistischen Vorbereitung des neuen euro- male Beseitigung der Verfassung, tionäre, sondern Beamte der politi- einige Zentrumsabgeordnete, sowie die beiden päischen Krieges.<( S. 179.) und auch seines um für alle Zukunft einer Auflockerung des schen Polizei fungieren, die nach der Kommunisten, sind erwerbslos und obwohl Es ist in Spanien nicht so glatt gegan- nationalsozialistischen Herrschaftssystems in vom Völkerbund garantierten Verfassung sie seit Jahren mit Strafverfahren, Schutzhaft gen, wie die faschistischen Brandstifter es Danzig vorzubeugen, Bei der innigen Verflech- selbstverständlich parteipolitisch neutral ihre und durch individuellen Terror verfolgt wer sich vorgestellt haben: die Aufständischen tung der Danziger Frage mit den gesamt- Funktionen erfüllen sollen. Während einer den, trotzen bisher auch in ihrer augenblickund ihre deutschen und italienischen Bun- europäischen Problemen bestände immerhin Untersuchungshaft hatten, wie erinnerlich, lichen verzweifelten politischen Lage den Andesgenossen sind auf den heldenhaften Wi- die Möglichkeit einer Neuaufrollung des Dan- Polizeibeamte bereits Ende vorigen Jahres den strengungen der Nazis. derstand des spanischen Volkes gestoßen, ziger Verfassungskonfliktes vor den inter- deutschnationalen Abgeordneten Gamm und, Im Februar dieses Jahres hatten die Nadem vielfach auch die aktive Hilfe der frei- nationalen Instanzen, und da die Danziger Be- nach einer 4monatigen Schutzhaft, dessen tionalsozialisten bereits erstmalig den Weg heitlichen Kräfte in der ganzen Welt zuteil völkerung in ihrer überwiegenden Mehrheit| Nachfolger, den früheren Senator Dr. Bla- beschritten, einen sozialdemokratischen Abgewurde; von den Schlachtfeldern Spaniens nach wie vor dem Nationalsozialismus gegen- vier, zur Niederlegung ihrer Volkstagsman- ordneten, den Arbeiter Kruppke, und dem erfolgreichen Widerstand der spa- über oppositionell eingestellt ist, könnte die date veranlaßt. Man hatte gehofft, den wei- Abgeordnetenmandats für verlustig zu erklänischen Demokratie geht eine neue Welle Durchsetzung auch nur bescheidener in der teren Nachfolger, Jonas, zum Anschluß an die ren, well er an einer einzigen Sitzung des der Ermutigung für die demokratischen Verfassung verankerter Freiheitsrechte, in nationalsozialistische Fraktion bewegen zu Volkstages nicht teilgenommen hatte. Man und sozialistischen Kräfte in allen Ländern Anbetracht der Möglichkeit von Neuwahlen können. Das ist den Nationalsozialisten jedoch hatte, wie erinnerlich, eigens für diese Aktion aus, die notwendigerweise zu einem star- zum Danziger Parlament, sehr rasch zu einem nicht gelungen. Inzwischen hat die politische eine neue Verordnung geschaffen, die selbstken Rückschlag für den internationalen grundlegenden Wechsel der politischen Ver- Polizei auch nicht einen einzigen oppositio- verständlich zu der Verfassung in krassem Faschismus und insbesondere zu einem hältnisse in Danzig führen. Wie gering die nellen Abgeordneten mit ihren Erpressungs- Widerspruch steht. Man hatte aber dadurch Prestigeverlust für den NationalsozialisMassenbasis ist, über die das nationalsozia- versuchen verschont. die sozialdemokratische Fraktion um ein Manmus führen muß. Und dennoch bleibt die listische Regime in Danzig verfügt, beweist Noch bevor die Polizei den sozialdemokra- dat beraubt, weil der Nachfolger Kruppkes, in der Darstellung Koestlers liegende War- am besten die Tatsache, daß auch unter den tischen Abgeordneten Brill während einer der Landarbeiter Schwerdtfeger, schon nung heute ebenso aktuell wie vor dem heutigen Verhältnissen völliger Unfreiheit die 3½ monatigen Untersuchungshaft veranlaßt vorher zu den Nazis übergetreten war. >> Wunder von Madrid«: Gebt Acht auf die Nationalsozialisten es nicht wagen, Neuwah- hatte, auf sein Volkstagsmandat zu verzich- Nunmehr hat man diese Verordnung ein Propaganda- und Vernebelungsmethoden len auszuschreiben, obwohl sie stets behaupten, hatte sie versucht, seinen Listennachfol- zweites Mal angewendet. In der Vorwoche hat des Faschismus, der besonders dann eifrig ten, daß eine solche Neuwahl für sie die zu ger, den Landarbeiter Großmann, der in seiner Mehrheit aus Nationalsozialisten vom>> Frieden<< redet, wenn er mit allen einer Verfassungsänderung notwendige Zwei- unter Androhung eines erdichteten Landesver- bestehende Wahlausschuß auch dem sozialdeKräften den Krieg vorbereitet! A. S. drittelmehrheit herbeiführen würde. ratsverfahrens zugunsten Polens zum An- mokratischen Abgeordneten und ehemaligen der> Danziger Volksstimme< Bereits seit einigen Monaten sind in der schluß an die NSDAP zu zwingen. Großmann Redakteur Presse dann und wann Nachrichten erschie- wurde mehrfach von der Polizei sistiert, aber Brost, der von Danzig abwesend ist, das Bei dem Mandat aberkannt. Was ist Sozialismus? nen, die von den Versuchen der Nationalso- der Erfolg blieb bisher noch aus. Den Nachfolger Brosts, den Angestellten zialisten berichten, im jetzt bestehenden Lan- Zentrumsabgeordneten Günther, ebenfalls > Bei der Großkundgebung der Reichsbedesparlament, dem Volkstag, eine Zweidrit- einem Arbeiter vom Lande, waren die Dro- Gedeck, der sich trotz aller Drohungen mit triebsgemeinschaft Banken und Versicheruntelmehrheit durch Ausschaltung, Terrorisie- hungen erfolgreicher. Günther erhielt später Strafverfahren und geldlichen Versprechungen in Königsberg sprach Reichsberung oder auch Korrumpierung einzelner oppo- verbürgtermaßen zur Belohnung für seinen gen nicht zum Uebertritt zur NSDAP zu betriebs gemeinschaftsverwalsitioneller Abgeordneter zu erreichen. Von den Uebertritt 6000 Danziger Gulden( 6000 pol- wegen war, hat die Polizei nunmehr in Haft ter Parteigenosse Lencer- Berlin... 72 Abgeordneten des Danziger Parlaments ge- nische Zloty) in bar ausgezahlt. genommen, um von ihm unter diesen UmMit Nachdruck betonte er; daß Sozialismus hörten seit der letzten Volkstagswahl vom Tatsächlich bedienen sich die Polizeibeam- ständen Zugeständnisse zu erpressen. Um den nicht eine Sache der Allgemein- 7. April 1935 im ganzen 42 Abgeordnete den ten bei ihren Unternehmungen gleichzeitig der Erfolg eher sicherzustellen, wurde auch seine heit, sondern jedes einzelnen ist und als Nationalsozialisten, 28 der Opposition und verschiedensten Drohungen und Versprechun- Braut von der Polizei in Schutzhaft genomder Freiheitskampf jedes Volks- 2 den Polen an, die sich, wie die Op- gen. Einem Zentrumsabgeordneten, men. Einen Tag später wurde auch der nächgenossen um sein inneres Wesen position, stets gegen eine Verfassungs- dem Bauern Höhn, drohten sie, falls er wei- ste Listennachfolger, der ehemalige Redakbezeichnet werden kann. Als ihre Hauptauf- änderung ausgesprochen haben. Bereits ter dem Zentrum treu bliebe, mit dem Aus- teur der» Danziger Volksstimme<, Hermann die Reichsbetriebsgemein- im Herbst vorigen Jahres gelang es den Na- schluß aus der Landesbauernkammer. Also Thoma h, in Haft genommen. schaft Banken und Versicherungen die Lei- tionalsozialisten durch Ausübung eines wirt- mit wirtschaftlichem Ruin- für den ande- Gleichzeitig mit Gedeck wurde auch der drei ren Fall versprachen sie ihm die sofortige sozialdemokratische Abgeordnete Weber, (> Preußische Zeitung« Nr. 98.)| deutschnationalen Abgeordneten diesen zur Auszahlung einer Summe von 10.000 Gulden. ebenfalls ein früherer Redakteur der» Danzigabe betrachtet stungssteigerung.< Betriebsappell am Festtag der Arbeit. Wir treffen uns alle im Hof der Fabrik und marschieren geschlossen durchs hintere Tor. Trick schaftlichen Drucks auf einen der Neue Bücher Man hat Theodor Wolff, den ehemaligen Chefredakteur des> Berliner Tageblattes<<, oft einen Dichter genannt. Seine besser sein wird als die alte.>> Der alte Ge-| sondern weiß es so zu schildern, daß sendankenplunder kommt auf den Müllhaufen, siblen Lesern zumute sein mag, als würden aber ein paar von den schönen Worten kann sie an der Hand durch zauberisches Land geman vielleicht noch als Etikette benutzen, führt. So in dem Buche» Das Hebräerdie werden dann auf Flaschen mit ganz an- 1 an d«( Verlag Oprecht). Sie sieht das alte, Leitartikel gaben stets mehr als die Charak- derem Inhalt geklebt... Womit er zweifel- neue Land lyrisch- idyllisch, und wir wünschterisierung einer politischen Situation, fingen los recht hat, wenn er den demagogischen ten, daß alle, die dort schwer mit harter Daß keiner mir durchbrennt! Wir kennen den die Atmosphäre mit ein, die um die politi- Schwindel treffen will, den die neuen Despo- Scholle ringen müssen, in so gehobener Stimschen Dinge schwebt, waren meistens mehr ten mit Begriffen wie Freiheit, Sozialismus, mung atmeten, wie die Autorin der Hebräivom Türchen im Keller. Ich stell mich davor politisch gefärbtes Stimmungsbild als Recht und Gerechtigkeit treiben. Stellenweise schen Gedichte, wenn und faß jeden Ausreißer selbst beim Genick. politische Auseinandersetzung. Es wird dar- klingt eine leicht ironische Auseinander-> die auserwählte Braut Gottes...< Der Drang um niemanden sehr verwundern, wenn er setzung des Autors mit seinem Einst auf, zur Idyllisierung( und Verniedlichung) der Vergeẞt mir nicht, daß ihr begeistert seid jetzt mit einem halbpolitischen Roman auf- aber sie wird nicht durchgeführt, bleibt im Dinge ist in der Dichterin stärker geworden. und alle freiwillig zur Festwiese drängt. wartet, der recht gut ist und durchaus neben schönen bunten Spiel der Worte hängen, läßt Aus ihrer Feder rauscht ein frommes GottesWenn einer nicht laut genug Hei'tler schreit, den stärkeren epischen Leistungen der emi- alles weitere offen. Worum streiten, da alles bewußtsein, das immer wieder jedes realider kann schon sein Bündelchen schnüren, der grierten Literatur bestehen kann. Das Buch im Flusse ist? Das Mädchen hat mit seinem stische Bild durchbricht. Der Palästinafahrer hängt, i heißt» Die Schwimmerin<( Verlag Spott nicht Unrecht und der Autor vernimmt wird vielleicht trotzdem finden, daß diese und kommt erst der Zahltag dann ist es, Oprecht), erzählt die Geschichte einer es mit Lächeln. Doch das tut dem dichte- Reiseaufzeichnungen so weit. Und außerdem kraus, sie Jerusalem sieht, manchen Stimmungen Freundschaft zwischen einem jungen Mäd- rischen Gehalt des Buches keinen Ab- und Farben des Landes besser gerecht wer! chen und einem älteren Manne und erstreckt bruch, rundet im Gegenteil die Gestalt dieses den, als realistischere Berichte. Mag sein. zieht nicht die Stirnen so sich vom Kriege bis in unsere Zeit. Im Hinter- durchaus tapferen liberalen Hamlet zeitge- Trotzdem wird man dem Buche kein Unrecht. grund der Handlung spielen all die Dinge, mäß und wahrheitsgetreu ab. Alle Vorzüge tun, wenn man es zu denen rechnet, die aus am Festtag der Arbeit ist sowas nicht recht. die wir aus eigenem Erleben kennen: poli- und Eigenheiten Wolffscher Darstellung wer- rauher Wirklichkeit gütige Illusionen zauLangt nicht eure trockenen Brote heraus tische Umwälzung, Inflationstaumel, Ratioden offenbar: Kultur der Sprache, Freude an bern. Untertitel: Wie das fromme Herz einer und heult auch nicht wieder, es wäre euch nalisierung, Krise, Ausbruch des Dritten treffsicheren Bildern, Sinn für Nuancen und jüdischen Lyrikerin das Land ihrer Väter schlecht, Reiches. Die Strömungen der Zeit spiegeln Feinheiten der Unterscheidungen, skeptisches erlebt. Acht Zeichnungen der Dichterin ihr hättet das Kotzen und müßtet nach Haus. sich in Menschen, die alle ihre eigene Phy- Lächeln, Wissen um die Gebresten des eige- schmücken das Buch. siognomie tragen, mit feinen Griffel hinselbst nen Lagers. Kein blutyolles Buch<< Genießt euer gepaust, individuell belebt und bewegt. Das das Kampfgetöse wird durch lächelnde SkepDie Bücher, die Mädchen: eine echte Berliner Figur, tatsis gemildert doch nichtsdestoweniger ein Man hat euch befreit und ihr merkt es nicht kräftig und unsentimental. Er: ein Wirtlebendiger Roman, der die bitteren Brennspiegel der Komik und Satire zeigen, mal, schaftsorganisator, kann man an den Fingern einer Hand hermenschlich- sympathisch, Schwächen und Irrungen und Wirrungen unso blöd seid ihr. Wünscht euch den Maitag leicht ironisch von sich und der Welt denzählen. Es hängt damit zusammen, daß die serer Zeit darzutun sucht. Aesthetisch und zurück, kend,> ein echter Liberaler<<, wie das politisch politisch durchaus das, was man braune Wirklichkeit erfolgreich mit allen interessierte Mädchen spöttisch satirischen Uebertreibungen konkurriert. den einst ihr gefeiert. Es ist ein Skandal. Dichter T. W. erwartet hätte. Auch alle achthundert Geist vom Geiste Theodor Wolffs. das Buch> Wodans WiederIch bring euch ins Loch Stück. Sein Held weiß um das Versinken einer kunft von Urs Liechti( Jean- ChristopheLos, freut euch des Lebens! Glück! sagt und * von dem * das Dritte Reich im ( Ich hab selber die Schnauze voll) Abtreten! alten Welt, um das Heraufkommen einer Else Lasker- Schüler kennt Palä- Verlag, Zürich) gleitet über Tatsachen nicht neuen, aber er bezweifelt milde, daß sie stina nicht nur wie ihre deutsche Heimat, sehr hinaus,» Lustiger Reisebericht aus einer Hugin. Die Briefmarken- Schlacht Aus dem Dritten Reich wird bald wieder ger Volksstimme< von der politischen Polizei verhaftet. Auch an ihm will man die Erpressungsversuche, mit größerem Erfolg, wie man hofft, vornehmen. Die Polizeibeamten haben in der letzten Zeit wiederholt weitere Schutzhaftmaßnahmen gegen Abgeordnete angekün- eine gewaltige Siegesmeldung komdigt. Es ist zu bemerken, daß der Vorsitzende men, die Siegesmeldung, daß die Geburtsder Zentrumspartei, der Abgeordnete und tagsbriefmarken mit dem Hitlergeistliche Studienrat Stach nick, sich be- kopf wie warme Semmeln abgegangen, daß zu erheblich erhöhten Preisen 80 reits seit 3 Monaten in Haft befindet. Den sie sind wie keine Nationalsozialisten fehlen im- stürmisch gekauft worden mer noch 3 Mandate an einer Zwei- Klebemarke je zuvor( seit den seligen Thurnund Taxis- Zeiten und soweit die deutsche drittelmehrheit. einmal Woher wir das im voraus so genau wissen? Ja, die Ueberraschungssiege des Dritten Reiches werfen ihre Schatten weit voraus. Seit Wochen gehen Notizen wie diese durch die deutschen Blätter: Dieser nationalsozialistische Zunge reicht), die Siegesmeldung, daß die Terror geht aber vor sich unter überglückliche Reichspost der> unbändigen< den Augen des im Januar vom Völ- Nachfrage kaum gewachsen war. kerbundsrat neu ernannten Hohen Kommissar, des Schweizer Professors Carl Burckhardt. Es ist den Danziger Oppositionskreisen nicht möglich, den Hohen Kommissar zu informieren oder ihn um Schutz anzugehen, weil bekanntlich im Sommer vorigen Jahres der Danziger Senat eine Verordnung erließ, die die Information des Hohen Kommissars unter Strafe stellt, und die immer noch nicht ihre Aufhebung gefunden hat. Die Völkerbundsgarantie der Danziger Verfassung ist unter diesen Umständen zu einer Farce geworden. > Bis auf weiteres werden bei allen öffentlichen Veranstaltungen politischer oder sonstiger Art sowie auf den Bahn steigen wichtiger Bahnhöfe und in größeren Gaststätten > Fliegende Markenverkäufer< für den Verkauf von Viererblocks eingesetzt werden. her. Die Deutsche Reichspost wird am Geburtstag des Führers von 0 bis 24 Uhr bei allen Postanstalten des Reichs Gelegenheit zum Erwerb von Vierermarkenblocks mit dem Bilde des Führers bieten. Bei den gröBeren Postämtern wird für die Ausgabe der Markenblocks dauernd ein Schalter offengehalten.< > In Berlin werden drei fahrbare Postämter und zehn fahrbare Schaltertische zum Verkauf von gestempelten und ungestempelten Führermarkenblocks im Stadtinnern und an der Paradestraße eingesetzt. bühren zu kassieren? Es kommt noch besser: spiel an Opfersinn und Verbundenheit mit dem Führer und dem nationalsozialistischen Staat gegeben. In der Gewißheit, daß alle Firmen diesem Beispiel folgen werden, wird der Druck der Marken seit Tagen beschleunigt. Die Betriebe und Firmen werden gebeten, die für den 20. 4. und 1. 5. benötigten Mengen an Markenblocks sofort bei den zuständigen Postämtern oder unmittelbar bei der Versandstelle für Sammlermarken in Berlin zu bestellen, damit sie auch rechtzeitig geliefert werden können. Außerdem werden unweit der fahrbaren Wer zweifelt noch daran, daß eine große Postämter und Schaltertische sowie an der Siegesmeldung bevorsteht? Die lebhafte Paradestraße fliegende Markenverkäufer Führer- Markenblocks verkaufen.< durch und durch freiwillige NachEine etwas ungewöhnliche Art, Postge- frage wird als eine Art Volksabstimmung, als ein neuer stürmischer Liebesbeweis der nur zum Schein meckernden Deutschen für Führer und Regime gefeiert und weidlich ausgeschlachtet werden. An die Eine Reihe von Firmen hat größere Mengen Markenblocks mit dem Bilde des Stelle der beim Hitlerschen Regierungsantritt Führers gekauft, um sie am Geburts- für 1937 versprochenen freien Wahl ist tag des Führers oder am 1. Mai eine Geburtstagsfeier getreten, ihren Gefolgschaftsmitgliedie Stelle des Zettels zur Stimmabgabe eine dern zu schenken. Diese Firmen haben ein nachahmenswertes Bei- Briefmarke zum Lecken. Ein Beispiel: an > versie soll fast Mehr als 20 Prozent dieser Anträge| Friedens ist diese geringe Zahl der Anträge| halle den ganzen Raum Vermutlich um dem neuen Hohen Kommisdie wachsende einnehmen wird neben Gefallenentafeln, richteten sich außerdem gegen Arbeiter, die ein Dokument, sondern für sar die ganze Nichtachtung der Nationalsodaß diese Führerbüste, Hakenkreuzen und Fahnenhalihre berechtigte Forderung auf Lohnerhöhung Erkenntnis der Arbeiterschaft, zialisten vor völkerrechtlichen Bindungen vor Augen zu führen, hat der Präsident des Dan- durch Arbeitseinstellung unterstrichen hat- Ehrengerichtsbarkeit nur wertloser Plunder tern auch eine Orgel eingebaut. Die Hauptten. Diese Arbeiter sind von den Ehren- ist, mit dem die soziale Ehre der arbeiten- attraktion aber wird die Krypta bilden, in ziger Senats Greiser am 20. April, dem Gebestraft der, wie die Zeitungen versichern, gerichten durchwegs wor- den Menschen nicht zu verteidigen ist. burtstag Hitlers, der Danziger Schutzpolizei diente Parteigenossen eine würeine neue Fahne übergeben, die in der Mitte den. Und zwar viel härter als die Unternehdige Ruhestätte finden<. des Feldes nicht etwa das Wappen der Freien mer, die sich wegen» Ausnutzung der Arbeitskraft<<,> Kränkung der Ehre oder Stadt, sondern das Hakenkreuz trägt. Und >> unsozialen Verhaltens gegen Lehrlinge und der Danziger Gauleiter der NSDAP Forster, erklärte an diesem Tage in seiner Fest- jugendliche Arbeiter zu verantworten hatten. nationalsozialistisch- kapitalistischen Regimes wird bald jedes Kuhdorf seine Fürstengruft Die Arbeiter verzichten auf dieses moralische Pflaster und bereiten sich darauf vor, ihre soziale Ehre durch den Sturz des zu erringen. Parteitempel Wenn das im Reich Schule macht, dann haben, darin die alten Kämpfer mitsamt ihren Vorstrafen begraben liegen. Während die braunen Parteigrößen sich von Sklavenhänden kostspielige Grabstätten bauen lassen, fehlt es rings an Wohnungen, hausen und Größenwahn Kinderreiche Familien in Einraumbaracken, rede ganz öffentlich in einer Versammlung Von den 251 Anträgen waren bis Jahresder Danziger Messehalle, daß am 20. April ende 156 rechtskräftig erledigt. In 103 Fäl1938 auch die Danziger Gebäude, auf denen len wurde auf Geldstrafe bis zu 499 RM erheute keine Hakenkreuzfahne wehe, weil sie kannt, in 14 Fällen betrug die Strafe 500 und sich weder in Privatbesitz noch im Besitz des mehr RM. Vierzehnmal wurde ein Verweis verkommen Landarbeiter in menschenunwürDanziger Staates befinden, die Hakenkreuz- und elfmal eine Warnung erteilt. Sechsmal Der Kult, den selbst die fahne zeigen würden. Er meinte mit diesen wurde die Befähigung, Betriebsführer In Deutschland werden jetzt die national- digen Löchern. zu Gebäuden die Residenz des Hohen Kommis- sein, abgesprochen; ohne daß der Unterneh- sozialistischen> Dorfgemeinschafts- kleinsten Ortsführer mit ihrer eigenen Persars, das Generalkommissariat der Republik mer natürlich seine Unternehmereigenschaft häuser große Mode. Sie unterscheiden son treiben, hilft Deutschland ruinieren. Polen und die Gebäude der polnischen Post- verliert. und Eisenbahnverwaltung. Die ganze Tätigkeit der sozialen Ehrengerichte muß wie ein blutiger Hohn wirken. Die Dekoration des In einem Lande, in dem die Ausbeutung der Ausbeuterparadieses menschlichen Arbeitskraft bis zu unerhörten Graden getrieben wird, werden ein paar Geund Handwerker Um die soziale Knechtung der deutschen werbetreibende wegen der Arbeitskraft« zu lächerArbeiter vollenden und doch verhüllen> Ausnützung zu können, wurde mit dem Gesetz zur Ordnung lichen Geldstrafen verurteilt. den Nationalvon Das Rezept sich von den anderen Parteihäusern der Vorhitlerzeit dadurch, daß die Kosten für Bau und Einrichtung nach Möglichkeit auf die Einwohner abgewälzt werden. Den Grund >> Die persönliche Lebensweise des Führers und Boden stellt gewöhnlich die Gemeinde ist wahrhaft spartanisch; was er zu sich zur Verfügung, das Material wird von» Be- nimmt, ist ein Beispiel dafür, wie wetriebsführern« aus der Umgegend ernig der Mensch eigentlich zu einem preßt, und endlich werden die Handarbeiter gesundes Leben braucht... Wenn der des Ortes gezwungen, den Bau in freiwil- Führer seit vielen Jahren keine Butter iẞt, ligen Arbeitsstunden zu errichten. schon zu einer Zeit also, in der es noch keinen der nationalen Arbeit Die Frankfurter Zeitung« meint freilich Das fertige Haus dient reinen Parteizwek- Vierjahresplan gab und der zarte Hinweis sozialisten eine sogenannte soziale Ehren- in einer Besprechung der Ehrengerichtsbarken. Manch einer, der freiwillig daran bauen Hermann Görings» Viel Fett macht gerichtsbarkeit eingeführt. Daß diese Ehren- keit«:» Nichts könnte die Verwirklichung des mußte, macht später um das eigene Werk dick« noch unausgesprochenes Geheimnis gerichte nicht mehr sind als eine Dekoration, sozialen Friedens in Deutschland deutlicher einen großen Bogen. In einem ostpreußiunserer schönen Frauenwelt war, dann darf deren Wirkung für naive Gemüter bestimmt machen als die Tatsache, daß unter den schen Oertchen aber Romau, Kreis Wehlman annehmen, daß dieses Rezept zum Ausist, daß sie überflüssig und sinnlos sind, das einigen 20 Millionen Menschen, durch au hat der braune Hausrummel eine begleich sitzender Arbeitsweise auch hier erwird durch ihre Tätigkeit im Jahre 1936 be- das Gesetz zur Ordnung der nationalen Ar- sondere Blüte gezeitigt. Dort geht man jetzt probt ist als eine glückliche Verbindung stätigt. beit erfaßt werden, sich nur 251mal die Not- daran, nach dem Plan des Reichsheimstätdes Angenehmen mit dem Nützlichen.<< eine Jahre insgesamt wendigkeit ergab, Es wurden im vorigen ehrengerichtliche tenamtsleiters der DAF( das gibt es) eine 251 Anträge bei den Ehrengerichten ein- Verfolgung einzuleiten...< Sir irrt damit. Art Parteitempel zu errichten, 40 Me( Reichspressechef der NSDAP Dietrich gereicht, das sind 47 mehr als im Jahre vor- Nicht für die Verwirklichung des sozialen ter lang, 12 Meter breit. In der Ehren- 1 in seinem Hitler- Geburtstagsartikel.) die Es gab in der Demokratie eine Jugend traurigen Zeit< nennt sich das Buch im gen Monaten in aller Form und Feierlichkeit; Untertitel und erzählt von den traumhaften erlassen hat. Um diese Theatertagung aller ernsthafteren Parteien, die zu MillioAbenteuern, die ein Schweizer vermittelst wurde in der braunen Presse eine Woche hin- nen in jene kulturellen Veranstaltungen Tarnkappe im Dritten Reich erlebt. Der Autor durch viel Radau gemacht. Viel Lärm um strömte, in denen sich jeder wirkliche Gedannimmt vor allem den Wodans- Rummel aufs Quatsch. Hier einige Pröbchen. Der Reichsdra- ke frei, ungefährdet und kritisch äußern Korn und zeigt sich in der germanischen maturg Schlösser sagte laut> Preuß. Ztg.<: durfte. Und bei keiner größeren VeranstalGötterskandalosa erstaunlich beschlagen. Bei > Wenn die HJ dank ihres allem Großen tung konnte sich so etwas wie obiger Quatsch Freyas sämtlichen Beischläfern, bei Lokis aufgeschlossenen Sinnes gefühlsmäßig er- hervorwagen, ohne in aller Oeffentlichkeit fassen lernt, worum es bei den höchsten dem Fluche der Lächerlichkeit anheim zu unzähligen Schandtaten und Odins gesammelethischen Werten des dramatischen Schafdiese Mythologie wirkt fallen. fens geht, wenn sie sieht, daß sich hier im streckenweise so unzüchtig, ist derart> asia- Symbol verdichtet, was als praktisches tisch verderbte, daß der Germanengläubige Exzerzier reglements des inneeigentlich an jüdische Entstellungen dieser Götterlehre glauben müßte, wenn Rosenberg nicht irre werden will. Buch hält seinen launigen Hohn bis zu Ende durch und darf als kleines Lachkabinett des ten Treuebrüchen: braunen> Mythos< gelten. Leeres Stroh er an Das B. Br. Es gibt wieder eine Kunstkritik in Deutschland. Auf der Bochumer» Theatertagung der Hitler- Jugend<< erklärte der Vertreter des Propaganda- Ministeriums: Zwi> Diese Entwicklung von dem unter der liberalistischen Pressefreiheit oft würdelosen Zustand bis zur heutigen Berufung des Schriftleiters habe mit der Schaffung einer zeitgemäßen, die Kunst fördernden Kunstkritik einen Schlußstein erhalten. schen Künstler und Schriftleiter sei dadurch das Verhältnis einer Kameradschaft hergestellt, der alle Eigenschaften der besserwissenden oder gar bösartigen Kritik fehlen. Damit werde auch der im Ausland sogar erhobene Vorwurf, es werde jede kritische Aeußerung in Deutschland niedergehalten, zurückgewiesen.< Sie stehen auf die Dauer zu nichts, nicht einmal zu dem Verbot, das Göbbels vor einimen.» Und ohne auch nur den Krieg zu erklären!« murmelt ein Minister.» Was haben wir ihnen getan, daß sie unsere Frauen und Kinder morden wollen?« sagt eine abgehärmte Frau. Es sind Bemerkungen, die die etwas älteren Mitglieder des Publikums an die übelste Hetzpropaganda aus dem Weltkrieg erinnern müssen...< Deutschland ist nicht genannt, aber das Dritte Reich hat ein so schlechtes Gewissen, daß seiner Meinung nach nur Deutschland gemeint sein kann. Man hat drüben seit Jahren Hetzfilme gegen Rußland, gegen demoren Anstandesim in ihrer Gliederung. Bomben über London kratische Staatssysteme und für Hitlerdeutschihr im Staat, im Leben überhaupt nahegebracht wird, dann wird sie auch...< usw. usw. In großem offiziellem Rahmen wurde in lands imperialistischen Ziele losgelassen, doch sowie endlich, endlich einmal ein demokratiWer sich dabei etwas denken kann, der Berlin der römische Antibolschewisten- Film sches Land sich zur Gegenwehr rührt, trete vor! Da versagt selbst die> Frkf. Ztg.<,> Mario« aufgeführt, ein von Mussolini angedie meistens versucht, das einigermaßen Sinn- regtes antifaschistisches Machwerk. Begei- sowie die Brandstifter einmal filmisch hoch hafte aus dem offiziösen Geschleime zu pik- sterte Aufnahme in der Nazipresse. Nun das genommen werden, läßt die verfolgte Unschuld ken. Sie berichtet von einer der Reden: Gegenstück: In einem Londoner Kino ein Wutgeheul zum Himmel steigen. Man muß es immer wieder sagen: diese ausgekochte >> Die Schluẞthesen über das Ziel dieser läuft ein Film, der die Gefahr des faschistiTheaterarbeit lauteten etwa:» Der Schau- schen Militarismus zeigt. Getobe in der Hit- Heuchelei macht ihnen niemand nach! spieler darf nicht allein aus dem Spieltrieb lerpresse. Selbst die> DAZ< zürnt unter der sich bilden, sondern er muß darauf bedacht Ueberschrift» Ein giftiger Film<: sein, daß er als deutscher Vollmensch sich zum Sprecher seines Volkes aufschwinge.<... Alle Organisationen könnten nichts nützen, die Theater würden leer stehen, falls es nicht gelänge, die Menschen der Bühne mit den Menschen des Zuschauerraumes in Verbindung zu bringen, nicht allein für die Dauer der Aufführung, sondern in der dauerhaften nationalsozialistischen Substanz selber.<< Wieder ein Gemisch von Trivialität, Gesinungsphrase, bodenloser Schwätzerei oder Verlogenheit, wie dieser: > Das vielleicht ist das Bewegendste an dieser Arbeit, daß es heute eine Jugend gibt, die zu Tausenden und aber Tausenden an großen kulturellen Veranstaltungen teilnimmt.<< Die Zehnjährigen > In dem Film wird in sehr eindrucks-» Rädelsführer und mannhafte Streiter<< voller und künstlerisch glänzen- Und noch eins haltet fest: Auch die HJ der Art dargestellt, wie eine feindliche ist eine Kampforganisation der Bewegung. Macht, die nicht genannt ist, einen Wir sind kein Verein großangelegten Bomben überfall auf für Musterdas friedliche London durchführt... Be- knaben und auch keine Kindergesellschaft, dauerlich an dem Film ist aber besonders, sondern ein Jugendbund. Wir wollen tapfere daß er einen höchst unerwünschten Einfluß Jungen haben und keine Muttersöhnchen. Wir auf die deutsch- englischen Beziehungen können keine Drückeberger gebrauchen, die haben muß. Die feindliche Macht, die den Angriff durchführt, ist nicht genannt, aber im Turnen eine Fünf haben, sondern wir woles kann nicht der geringste Zweifel beste- len Rädelsführer, die boxen, ringen und hen, daß das Publikum an Deutschland den- schwimmen und mannhaft streiten ken muß. können. Damit aber nicht genug, werden im Laufe des Films Bemerkungen gemacht, die durchaus aus dem Vokabularium der deutschfeindlichen Hetzpropaganda stam( Baldur von Schirach zu den zehnjährigen Jungvolkpimpfen in der Marienburg.) Sozialpolitische Blüten im Dritten Reich Berufsstammrolle- Tarif Sabotageklausel- Selbstverantwortung Anläßlich des Geburtstages des> Führers«| daß in immer größerem Ausmaß auch diese| Schwanz der Partei und sie ist wirkbehörde zentralisiert sind. Danach gab es Unfallversicherte im Jahre 1933 im Jahre 1934 im Jahre 1935 22.2 Millionen, B . • 23.5 Millionen, 24.5 Millionen Danach wäre das Arbeitsvolumen gerade 10 Prozent gewachsen( wenn man um von meint die Deutsche Arbeitskorrespondenz, es Tarifordnungen dadurch entwertet werden, lich keine Sozialverwaltung, denn die Mit- nach der Zahl der Beschäftigten, bezw. Verglieder haben weder eine Selbstverwaltung, sicherten rechnen will). Dagegen erweisen die noch ist es Aufgabe der DAF, die mensch- Unfallzahlen selbst eine Steigerung liche Arbeitskraft als soziales Gut der Nation rund 25 Prozent! Was also wäre mit zu betreuen, sie verwaltet lediglich Beiträge Hitlers sogenannter> Arbeitsbeschaffung< zugunsten der Naziwalter. eigentlich entschuldigt? sei> ein wunderbares Bild<, heute diesen daß sie folgende Klausel beinhalten: Mann an der Spitze eines Volkes zu sehen und wenn das Volk zum fünftenmal>> seinen nationalen Feiertag« begeht, >> so erinnert allein schon dieser 1. Mai in seiner äußeren Gestalt und in seinem Sindie wären. Wer >> Tarifliche Ansprüche verfallen, sofern sie nicht binnen zwei( drei, vier) Monaten nach ihrer Entstehung geltend gemacht werden.<< Nach derselben Methode sind auch in vielen Betriebsordnungen sogenannte VerwirkTrotz zahllichungsklauseln anzutreffen. reicher Rechtsstreite ist bis heute noch kein Urteil zu finden, in dem diese sittenwidrigen Sabotageklauseln für nichtig erklärt worden die deutsche Betriebsdiktatur kennt, weiß, daß oft genug die Belegschaft von dem» Betriebsführer< mehrere Monate die daran gehindert werden kann, ihre Tarifansprüche geltend zu machen, Dann aber sind die tarifrechtlich zugesagten Ansprüche kraft der nichtswürdigen Klausel verfallen. Sicher bleibt dem deutschen Arbeiter heute immer nur ein, die Rechtlosigkeit. Sozialverwaltung oder neswandel an das gewaltige soziale Werk, das dieser erste Arbeiter in unserem Volk aufzurichten begonnen hat.<< Die DAK bringt noch vor dem 1. Mai einige Beispiele für den» Sinneswandel«<, den deutsche Sozialpolitik unter dieser Führung erfahren hat. Da wird jetzt als ein neues > Ordnungsmittel für Berufserziehung< Berufsstammrolle der DAF angekündigt. Die Berufsstammrolle der DAF Unter der Leitung von Dr. Arnhold, dem Erfinder der gelben Betriebswissenschaft, hat es das Amt für Berufserziehung und Betriebswissenschaft übernommen, einmal die Selbstverantwortung Betriebsstätten» in sinnvoller Weise« zu> ord- Die Deutsche Arbeits- Korrespondenz regt nen« und zum anderen die berufserzieheri- sich augenblicklich über den Unternehmersche» Prägung des Arbeitsmenschen« zu lei- syndikus Heinz Brauweiler auf, weil er in sten. Das Amt hat angeblich eine Berufs- einem Buch über>> Sozialverwaltung« diesen schulungsreform enwickelt, die ein neues>> so- Begriff falsch ausgelegt hätte. Herr B. hatte zialistisches« Deutschland» untermauern« soll. nämlich die Deutsche Arbeitsfront als > Die Zeit, in der die Ueberheblichkeit des> Sozialverwaltungsorganisation<> aufzuzäunen alten Wirtschaftspraktikers die neuen Be- versucht«. Er möge sich nicht wundern, wenn rufserziehungsmethoden der DAF als be- die DAF sich das nicht gefallen läßt. >> Die DAF ist der verlängerte Arm der Partei, eine politische Organisation, d. h. sie triebsfremde Experimente suchte, ist vorbei«. abzutun verhat auf ihrem Abschnitt nicht verwaltende, sondern schöpferisch führende Arbeit zu leisten.<< Die DAK belehrt Herrn Brauweiler weiter, dienstes< Die Angelegenheit wird noch aufregender, daß die Erhaltung des Arbeitsfriedens und wenn man sich bei der Registrierung der Beder Schutz der Arbeitsehre unter den Begriff triebsunfälle auf die beschränken will, bei der> Arbeitsverwaltung< fallen sollen. Beides denen es sich um solche in rein gewerbsind politische Aufgaben, was im Faschismus lichen Betrieben handelt, wo also jene nur so gedeutet werden kann, daß der Ar- künstliche Vermehrung des Arbeitsvolumens beitsfrieden auf Kosten der Arbeiter geht und durch Nicht- Mehr- Berücksichtigung etwa der die Arbeitsehre über das geraubte Arbeits-> zusätzlichen Arbeiten des>> Reichsarbeitsrecht hinwegtäuschen soll. Politik ist eben im Dritten Reich Nazi- Parteipolitik. Ferner müßte Herr B. doch begreifen, daß es in der Sozialversicherung heute keine Selbstverwaltung gibt. Auch dagegen läßt sich kaum eine Einwendung machen, nachdem jede Selbstbestimmung der Versicherten aufgehoben worden ist. Schließlich macht die DAK dem Syndikus klar, daß die Arbeitsfront schon längst für ihre eigene Organisation das Wort Selbstverwaltung längst durch» Selbstverantwortung« ersetzt habe. Herr Brauweiler scheint wirklich nur sehr oberflächlich unterrichtet zu sein. Soziale Selbstverwaltung setzt nämlich immer eine Anerkennung der kollektiven Mitbestimmung der Arbeiter und Angetypische Erfindung der Hitlerei noch zu getarnt militaristischen Zwecken sehr viel geringer zu veranschlagen ist. Hier betragen nämlich die Unfallsteigerungen der Jahre 1934 und 1935 im Vergleich zu 1933 nicht mehr nur durchschnittlich 25 Prozent, also im gansondern genau 38.1 und 21.2 zen über 50 Prozent! Die» Soziale Praxis< muß selbst auf Grund des von ihr durchstudierten amtlichen Berichtsmaterials eingestehen: >> Bei der Zweiganstalt der Tiefbau- Berufsgenossenschaft sind die Unfallanzeigen von 5222 in 1934 auf 9793 in 1935 gestiegen.< Also in einem einzigen Jahr beinahe auf das Doppelte! Genügt das? Nämlich um volle Klarheit stellten an den staalichen sozialen Einrichtungen und in ihren eigenen Organisationen voraus. Er sollte die Ausstellung> Gebt mir vier darüber zu haben, unter welchen Bedingungen Jahre Zeit< besuchen, um festzustellen, daß der seines sozialen und politischen Selbstdie Zeit ausgereicht hat, jeden Rest von schutzes beraubte deutsche Proletarier heute sozialer Selbstverwaltung in zu schuften hat? Setzen wir noch hinzu, daß vom RVA. auch registiert Die ausdrücklich auszulöschen. aber wird, daß» merkwürdigerweise bei den landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften die Unfallziffer mit 2.25, bezw. 3.9 sehr gering gewesen sei, dann vervollständigt sich allerdings dieses soziale Bild. Denn am Pflug und beim Heuwagen werden Menschenleben richt gerade gefährdet, auch wenn der> Boẞ< noch Die DAF, so beteuert die Korrespondenz, wird sich ihr vom Führer anerkanntes Vorrecht niemals mehr streitig machen lassen. Wie auf anderen Gebieten, z. B. Arbeitsbuch, so hat Wir möchten Herrn Brauweiler noch deut- Deutschland die Arbeitsfront auch hier die Zünfte studiert licher aufklären, die DAF ist noch nicht ein- Selbsterkenntnis der DAK ist diesmal und ist zu dem Entschluß gekommen, nach mal der verlängerte Arm, sondern der kaum der Weg zur Besserung. dem Vorbild der mittelalterlichen Lehrlingsrolle zum 1. April 1937 eine Berufsstammrolle obligatorisch einzuführen. Es soll eine> totale Beobachtunge der betrieblichen Verhältnisse erreicht werden. Drei Karteigruppen umfassen die Berufsstammrollenkartei, in der alle LehrverhältHitlersystem züchtet so Bleivergiftung und Staublunge! flucht und kuranat. Aber in den Fabriken. an der Fräsmaschine, an der Dampfsäge, an der Turbine> herrscht jetzt Ordnung< jene nisse registriert werden, eine Lehrlingskartei, Zahl der Berufskrankheiten im Dritten Reich verdoppelt. braune Ordnung nämlich, wie die sie meinen, Nach wie vor steigt steil die Kurve der Industrieunfälle die der Menschenverachtung, der uniformier die alles nötige über den Lehrling selbst enthält und eine Lehrbetriebskartei, die Auskunft über die Lehrbetriebe gibt. So sollen alle Lehrverhältnisse künftig kontrolliert werden. Aus dieser» Gesamtschau< soll dann die Begabtenauslese erfolgen. Natürlich wird der Arbeitsfront die Befugnis gegeben, den entscheidenden Einfluß auf die Verteilung der Lehrlinge in die einzelnen Betriebe auszuüben. Die Aufhebung Den amtlichen Publikationen des RVA Mindestens So aufschlußreich, wie die ten Aufpasserei und des von der Kaserne aufs horsams. H. E. ( Reichsversicherungsamtes) aus den letzten jetzt herausgekommenen Zahlen über die Be- bürgerliche Dasein überpfropften KadavergeTagen, und zwar sowohl dem Jahresrapport rufskrankheiten im Dritten Reich, sind die der Anstalt über 1936 wie auch ihren letzten zum ersten Male aus dem jetzt vorliegenden monatlich- periodischen Verlaut barungen, sind Material der RVA zusammengestellten Zahjetzt wichtige, weil anklägerischste Ver- lenreihen über die Industrie- Unfallim Jahre 1933 im Jahre 1934 im Jahre 1935 im Jahre 1936 • • • 7.133 Fälle 7.664 Fälle 8.900 Fälle 13.944 Fälle! > Freut- euch- des- Lebens- Sozialismus< den.< Woran es liegt ab SA- Obergruppenführer Schöne auf einer Tagung in Metgethen, Ostpr.( Preuß. Zeitung Nr. 108.) Neuer Normärts Sozialdemokratisches Wochenblatt Herausgeber: Ernst Sattler; verantRedakteur: Wenzel Horn; gültigkeit der Erscheinung zu. Das sind die Der» Neue Vorwärts« kostet im Einzelfolgenden aufreizenden Zahlenreihen: > Wir haben es immer noch nicht gelernt, der Arbeits- gleichszahlen über den Grad der Ausbeutung häufigkeit seit Bestehen der Diktatur. alles vom Standpunkte der Pround des erbarmungslosen Menschenver- Im» Neuen Vorwärts< ist in früheren Beifreiheit, die kürzlich für die Rüstungspaganda aus zu sehen. Die Propaganda schleißes unter der Hitlerdiktatur zu ent- trägen oftmals darauf hingewiesen worden, muß daher mehr eingeschaltet werarbeiter durch Verordnung verfügt worden ist, nehmen. Die letzte Nummer der Sozialen wie sich der bis ins Tolle gesteigerte Grad soll nun allgemein für die arbeitende Jugend unmittelbar nach dem Verlassen der Schule Praxis<( Nr. 15 d. J.) beschäftigt sich da- der Arbeiterausbeutung im Zeichen des Leyin Kraft treten. Statt einer sachgemäßen Be- mit, wenn auch nur registrierend und refe- schen rufsberatung und freien Berufswahl werden rierend, selbstverständlich ohne des leisesten in nackten Ziffern der gegenwärtigen deutBerufsunfallsstatistik äußert. Aber die Jugendlichen zur Stammrolle, deren Be- Wortes der kritischen Bewertung des empö- schen renden Tatbestandes. Dieser Zahlenzusam- bisher beschränkten sich die dabei genannten zeichnung das einzig aufrichtige zu sein scheint, gemeldet und einem Betrieb zuge- menstellung auf Grund des soeben herausge- Zahlen entweder auf bestimmte Produktionsteilt. Die Bedürfnisse der Rüstungsindustrie kommenen amtlichen Materials ist folgendes zweige und» Branchen<, soweit sie bekannt wurden wie etwa auf die Unfallfrequenz werden für die Verteilung der Lehrlinge sicher zu entnehmen: Im Deutschen Reich wurden Berufs- in den deutschen Bergwerken, die allerdings maßgeblicher sein, als die fachliche Eignung abnorm hoch ist oder auf das Berichtsund Neigung des jungen Menschen. Darüber krankheiten bei dem Amt gemeldet: material der Gewerbeaufsicht, das nicht hinaus erleichtert es die staatspolitische Karimmer vollständig zu sein braucht und immer wortlicher teiführung für erwachsene Arbeiter, wenn die nationalsozialistische Zuverlässigkeit bereits im auch nur regionale Teilkomplexe erfaßt. Nun- Druck:> Graphia«; alle in Karlsbad. Zeitungstarif bew. m. P. D. Zl. 159.334/ VII- 1933, mehr lassen die neuesten Veröffentlichungen Printed in Czechoslovakia. Kontrollpostamt: jugendlichen Alter ermittelt und registriert des RVA einen mehr als interessanten Ein- Poštovní úřad Karlovy Vary 3. Aufgabewerden kann. Die Berufserziehung war schon blick in die Vollständigkeit und Allgemein- postamt Karlsbad 3. immer ein beliebter Vorwand für die Nazis, um die Zwecke der parteipolitiverkauf innerhalb der CSR Kč 1.40( für ein schen Erziehung erreichen zu können. Quartal bei freier Zustellung Kč 18.-). Preis Herr Arnhold läßt auch keinen Zweifel dar>> Die Zahl der gemeldeten Betriebsunfälle der Einzelnummer im Ausland Kč 2.( Kč über, daß vor allem auf dem Wege der Be24. für das Quartal) oder deren Gegenwert den Jahren 1983 bis 1935 von in der Landeswährung( die Bezugspreise für stieg in rufserziehung die nötige Zahl von Antrei877.981 in diesem ersten Jahr der Hitle- das Quartal stehen in Klammern): Argentinien bern für die Betriebe herangebildet deren Anfängen als Hauptargument gegen den Manchestergeist für alle modernen Gewerden müssen. So wurden auf der Reichsrei( tödlich verlaufen 7133) auf 1,103.449 Pes. 0.30( 3.60), Belgien: Belg. Frs.2.45( 29.50), Bulgarien Lew 8.-( 96.-). Danzig Guld. 0.45 sellschaftskritiker mit Recht gedient hatte. schule für Ingenieure und auf drei Landes( tödlich verlaufen 6870) im zweiten, und( 5.40), Deutschland Mk. 0.25( 3.-), Estland E. Kr. 0.22( 2.64). Finnland Fmk. 4.-( 48.-), schulen bereits 6200 Ausbildungsleiter, Werk- So»> antikapitalistisch<< ist die Hitlerei, daß sie gar auf 1,268.924( tödlich verlaufen 7541) Frankreich Frs. 1.50( 18.-), Großbritannien meister und Betriebsführer zusammengefaßt, das Industriearbeiterelend der siebziger oder im dritten Jahr des» deutschen Sozia- d 4.-( Sh. 4.-), Holland Gld. 0.15( 1.80). Itamit Weberschwinddie>> für ihre künftige erzieherische Aufgabe achtziger Jahre, lismus«. lien Lir. 1.10( 13.20), Jugoslawien Din. 4.50 sucht, Staublunge und Bleiverim Betriebe ausgerichtet werden. Die neue ( 54.-), Lettland Lat. 0.30( 3.60). Litauen Lit. das sind die drei auch jetzt giftung Stammrolle wird säuberlich registrieren, wo Die schon genannte>> Soziale Praxis< kann 0.55( 6.60). Luxemburg B. Frs. 2.45( 29.50), die besten>> Erzieher< für die Betriebsarbeiter wieder ausdrücklich als auffälligste Erschei- das natürlich nicht mehr einfach unter den Norwegen Kr. 0.35( 4.20), Oesterreich Sch. zu suchen sind. Man will mit der Berufs- nungsformen des Sachverhaltes aufgezählten Tisch fallen lassen, wie es die ausgesproche- 0.40( 4.80). Palästina P. Pf. 0.020( 0.216), wieder geschaffen nen Nazi- Tageszeitungen tun, wenn sie von Polen Zloty 0.50( 6.-), Portugal Esc. 2. stammrolle allmählich genügend Erfahrungen ( 24.), Rumänien Lei 10.-( 120.-). SchweVerhältnissen gegenwärtigen sozialen sammeln, um allmählich damit den Unterbau hat, nachdem neue, vom gewerkschaftlichen den den Kr. 0.35( 4.20). Schweiz Frs. 0.30( 3.60), Zusammenschluß der Arbeiter ausgehende Deutschlands reden und dabei für eine ähnlich geordnete Erwachsenenauch noch Spanien Pes. 0.70( 8.40). Ungarn Pengö 0.35 Berufserziehung schaffen zu können. Auffassungen in Staat und Wirtschaft diese heute von den Leistungen der> vierzehn Jahre( 4.20), USA 0.08( 1.-). Einzahlungen können auf folgende PostDeutsche Sozialpolitik, wo stammrollst Du Epoche längst überwunden zu haben glaub- der Schande« auf diesem Gebiet zehren dürscheckkonten erfolgen: Tschechoslowakei: ten! Im übrigen steht dieser soziale Befund fen. Dié» Soziale Praxis< begründet also diese Zeitschrift> Neuer Vorwärts< Karlsbad. Prag in geradezu höhnischem Gegensatz zu den so- nicht gut wegzuleugnende und außergewöhn- 46.149. Oesterreich:» Neuer Vorwärts< Karlsgenannten> e ugenischen« Bestrebungen liche, totale Steigerung der Arbeitsunfallfre- bad. Wien B- 198.304. Polen:> Neuer Vorwärts< hin? Tarifordnungs» Vier Jahre Zeit haben sie allerdings dem> Führer< gegeben: am Ende dieser seiner Bewährungsfrist als> deutscher Retter steht die Verdoppelung der anklägerischsten Erscheinung am Rande der kapitalistischen Produktionsweise, die schon in > Berufskrankheiten<< Verwirklichungsklausel des Dritten Reiches auf dem Gebiete der quenz mit der Zunahme des Arbeitsvolumens Karlsbad. Warschau 194.797. Schweiz:>> Neuer Vorwärts< Karlsbad. Zürich Nr. VIII 14.697. Hitlerschen> ArbeitsbeschafDie Arbeitsfront hat als» Ersatz< für die» Rassen«- und» Erbgesundheits<-Pflege, zu als Folge der Ungarn: Anglo- Čechoslovakische und Prager Tarifverträge die sogenannte Tarifordnung deren Gunsten man sich in den Unsinn einer fung«. Wie faul diese bequeme Ausrede ist, Creditbank Filiale Karlsbad. Konto> Neuer eingeführt, die ganz im Gegensatz zum kol- überkomplizierten und überbürokratisierten zeigt der gleicherweise vorliegende neueste Vorwärts Budapest Nr. 2029. Jugoslawien: lektiven Lohnvertrag ein Lohntarif- Diktat Staatsmedizin gestürzt hat, den Arzt zum Ausweis des RVA. über die Zahl der Un- Anglo- Čechoslovakische und Prager Creditdurch den Unternehmer und seinen Treuhän- Sanitätsfeldwebel der Militärbedürfnisse des fallversicherten bei den einzelnen Berufsge- wärts<, Beograd Nr. 51.005. Genaue Bezeichbank, Filiale Belgrad. Konto> Neuer Vornossenschaften, die bei der genannten Haupt- nung der Konten ist erforderlich. der bedeutet. Neuerdings wird nun bekannt, Regimes degradierend!