Nr, 204 SONNTAG, 9. Mai 1937 (So$!altemolraKfcl)gg SEocfoiMoff Verlag: Karlsbad, Haus..Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt; Der Kampf der Katholiken Hilfe für Hitler? Rumänien wehrt sich Warum Bomben auf Bilbao? Die Min« jesen HMerdeutscMoml Das Dritte Reich und der spanische Krieg Deutsche Flieger haben die baskische Stadt Guernica zerstört und haben flüchtende Männer, Frauen und Kinder ermordet— Nichtkämpfer, die vor ihnen flüchteten. Die Tat kennzeichnet die ganze Schande des deutsch-italienischen Krieges in Spanien. Zwei Großmächte lassen durch ihre Mörderbanden kaltblütig spanische Einwohner abschlachten, um ihrer Gesinnung, um ihres Bekenntnisses zum Recht und ihrer Liebe zur Freiheit willen. Diese Tat gleicht in ihrer Abscheulichkeit den Greueltaten der Italiener in Addis Abeba. 1 Es sind die gleichen Methoden. Augenzeugenberichte aus Guernica berichten kaum erträgliche Einzelheiten. So wie die eingeborene Bevölkerung von Addis Abeba hingemordet wurde, so ist die Bevölkerung von Guernica geschlachtet worden. Es häufen sich die Beweise über die deutsche Schuld. Berichte von französischen und englischen Augenzeugen liegen vor, die an Ort und Stelle die Metzelei S miterlebten. Die Verwendung deutschen Materials steht einwandfrei fest. Ueber die■ systematische Vorbereitung, über den Transport der Flugzeuge und der Grana-: ten hat der spanische Gesandte in Prag bestimmte und ins Einzelne gehende Angaben veröffentlicht. Die furchtbarste Anklage wird von der baskischen Regierung erhoben: daß die deutsche Regierung Kapitulation und Auslieferung der baskischen Erzgruben, verlangt habe, widrigenfalls hundert Bombenflugzeuge die ganze Provinz zerstören würden. Auf diese Anklage, die offenste, autoritativste, direkteste Anklage hat die deutsche Regierung nicht einmal mit einer Lüge zu antworten gewagt. Diese Tatsachen zeigen die völlige Nichtigkeit des Interventionsabkommens und der sogenannten Kontrolle, sie enthüllen die Schmach, die in der Kapitulation Vor internationalen Verbrechern liegt. Dies alles aber betrifft in erster Linie die Regierungen der demokratischen Länder, es betrifft die Sozialisten in den Ländern, in denen sie in der Regierung die Heuchelei der Nichtinterventionspolitk decken müssen. Es betrifft den Völkerbund, der sich ausführlich mit dem Geschick der faschistischen Putschisten beschäftigt hat, die sich in Madrid in fremde Gesandtschaften geflüchtet haben, der diese Bundesgenossen der Mörder geschützt, aber zum Schutze der unglücklichen Abessinier, der Einwohner von Malaga, von Guernica, der Frauen und Kinder von Bilbao nichts, nichts getan hat und auch nichts tun will. Aber das ungeheure Verbrechen der deutschen Flieger, des deutschen Generalstabs in Spanien, der die Befehle gegeben, und der Regierung, die sie gesandt hat, das ist unsere Sache. Gegen sie erheben wir Anklage vor der ganzen Welt. Mit diesem Verbrechen und den Verbrechern haben wir, haben unsere Freunde, Mitkämpfer und Gesinnungsgenossen in Deutschland nichts gemein. Wir sind die Todfeinde des Systems, von dessen Bestialität die Welt und das deutsche Volk befreit werden müssen. Die deutsche Regierung läßt täglich die unumstößlichen Tatsachen leugnen, nachdem selbst Franco die Verantwortung für die abscheuliche Tat von sich abzuwälzen versucht hat. In einem Augenblick, wo ein Schrei des Entsetzens, ein zorniges Aufbäumen des moralischen Gefühls durch die ganze Welt ging, hat das deutsche Propagandaministerium mit traurigen Witzen vom Niveau der Kaschemme das Blut der Opfer von Guernica hinweg- ziAlken versucht. Dieser Zynismus der Sprache über den rauchenden Trümmern, über dem Blut der Opfer hat die völlige Amoralität der Männer des Systems enthüllt. Seitdem leugnen sie mit eiserner Stirn. Es hat keine Flieger über Guernica gegeben, keine Fliegerbomben, keine Jagd mit Maschinengewehren auf flüchtende Einwohner. Es waren die Roten, die ihre Häuser aus Bosheit selbst verbrannt, sich, ihre Frauen und Kinder selbst gemordet haben. Diese abscheulichen, bewußten, zynischen Lügen, die hundertfältig durch Berge von Beweisen zu Boden geschmettert werden, können nach außen hin nur einen Sinn haben— den Freunden Francos und den Diplomaten die Möglichkeit zu geben, das Gesicht zu wahren. Traurig die Staatsmänner und die Regierungen, die sich hinter diese Lüge verkriechen sollten— sie würden zu moralisch Mitschuldigen werden. Nach innen entspringen diese Lügen der Furcht! Sie wissen, daß ein Geständnis ihnen nicht nur die einstimmige moralische Hinrichtung durch die ganze Welt, sondern auch den Abscheu vieler Deutschen zuziehen würde. Diese Lüge soll die Verblendeten und Getäuschten, die in Deutschland noch an die Friedfertigkeit des Systems glauben, vor dem moralischen Erdbeben bewahren, das die Erkenntnis der Wahrheit nach sich ziehen würde. Sie haben nicht einmal mehr den Mut, auf dies Verbrechen ihre Maxime anzuwenden: recht ist, was dem deutschen Volke nützt; denn sie wissen, daß ein jeder fühlen würde, daß der Besitz aller Erzgruben des Baskenlandes niemals den moralischen Abscheu der ganzen Welt aufwiegen kann. Sie fürchten, daß ein Geständnis die Kluft zwischen System und Volk im Moralischen weit aufreißen könnte. Sie fürchten die Isolierung: hier das Aufbäumen elementarster moralischer Begriffe— dort die Verbrecher. Sie fürchten, daß man im Volke sagt:»Das also sind eure Friedensreden wert! Dazu dient euer System! Dazu erzieht ihr eure Flieger— zu Mördern erzieht ihr sie! Unauslöschliche Schande bringt ihr über uns, ihr werdet uns wieder zu moralisch Aussätzigen machen!« Sie wissen, daß das Volk den deutschen Krieg in Spanien ablehnt. Sie fürchten, daß die Ablehnung in Empörung übergeht. Die deutsche Regierung hat den Namen Deutschlands vor der ganzen Welt mit unauslöschlicher Schande bedeckt. Lügen waschen die Schande nicht ab. Sie schützen nicht vor der Vergeltung. Die Namen der Mörder, und die Namen derer, die die Befehle gegeben haben, werden eines Tages bekannt werden. Auch die Namen der Armenierschlächter sind einst bekannt geworden, und die Vergeltung der Geschichte hat sie ereilt. Auch kollektive Verbrechen schützen die Verantwortlichen nicht vor Schmach und Schande, und die Gesamtschuld des braunen Systems entlastet nicht die einzelnen Schuldigen. Sie können sich nicht einmal davor schützen, daß ihr Verbrechen heute in Deutschland bekannt wird! Noch werden angesehene fremde Zeitungen in Deutschland gelesen, an deren Wahrheitsliebe im Vergleich zur braunen Presse niemand zweifelt, noch dringen Rundfunknachrichten nach Deutschland, noch gibt es eine deutsche illegale Opposition, die für die Wahrheit kämpft— und wir werden tun was_ wir können, um die Anklage gegen die deutsche Regierung, die Anklage, die heute von allen in der Welt erhoben wird, die noch rechtlich denken, ins deutsche Volk zu tragen. Die Wahrheit über das abscheuliche Verbrechen zu sagen, die Lügen der Mörder zu zerstören— das ist die Pflicht eines jeden, der nicht mitschuldig werden will! Dies System zu erdulden, ist eine Schande — und wir werden alles tun, damit das deutsche Volk diese Schande abwäscht. HUler und Guernica Anklage der englischen Arbeiterpartei Der Generalrat der Trades Unions und das Exkutivkomitee der Labour Party haben gegen die Greuel im Baskenland eine gemeinsame Protesterklärung erlassen. Sie brandmarken darin die Zerstörung Guernicas und den Angriff auf seine wehrlose Bevölkerung als gemeinen Mord und die Urheber als gemeine Mörder. Dann fahren sie fort: „Die beiden Nationalkomitees fordern besondere Aufmerksamkeit für die Erklärung von Augenzeugen, daß diese mörderische Attacke ausgeführt wurde von deutschen Fliegern und deutschen Flugzeugen und deutschen Bomben, die den Stempel deutscher Herkunft tragen— in zynischem Gegensatz zu der Erklärung Hitlers in der Reichstagsrede vom Mai 1935, daß die deutsche Regierung den Gebrauch der Luftwaffe zur Zerstörung offener Städte und zur Beschießung von Nlcht- kämpfern, von Frauen und Kindern ablehne.« Die Welt sollte endlich begreifen, daß der zyniche Gegensatz zwischen Wort und Tat, Versprechen und Wirklichkeit, der in diesem Einzelfall festgestellt wird, zum Wesen des gegenwärtigen deutschen Regierungssystems gehört. Die heute in Deutschland regierenden Männer haben zum Beispiel auch die Verfassung von Weimar Deschworen, die Erhaltung der Pressefreiheit versprochen, den Locarnovertrag garantiert, den Berliner Vertrag mit Sowjetrußland verlängert, ein Konkordat mit der katholischen Kirche geschlossen usw. Stets stand das, was nach kurzer Zeit geschah, zu dem, was beschworen, gelobt, versprochen, unterzeichnet und feierlich erklärt worden war, in zynischem Gegensatz. Recht ist, was dem Hitlervolk nützt, und wenn es immer noch Leute gibt, die sich mit feierlichen Erklärungen hineinlegen lassen, so ist es patriotische Pflicht, ihre Gutgläubigkeit bis zum letzten auszunützen. Hoffentlich ist die Annahme nicht allzu optimistisch, daß es nach der schneidend richtigen Darstellung der Labour Party keine neuen Lansburyaden mehr geben wird! Warum Bomben auf Bilbao? Deutsdier Erzkrieg gegen England! Am 20. April begann das unmenschliche Bombardement auf das Land der Basken, ausgeführt mit deutschen Bombern. Aber auch der 23. April ist ein bedeutungsvolles Datum, denn an diesem Tage erschien die Nummer 30 von Schachts Organ»Der deutsche Volkswirt«, worin mit einer an Offenheit grenzenden Deutlichkeit die Motive dieses Krieges gegen Wehrlose enthüllt werden. Bilbao ist den Zentrum der baskischen Provinzen, die neben Katalonien den Kern des industrieüen Spaniens bilden. Die Bedeutung Bilbaos stammt nicht zuletzt von den reichen Eisenerzlagern, die sich in seiner nahen Umgebung befinden und die überwiegend im Besitz englischer Gesellschaften sind. Diese Erzlager sind, weil küstennah, besonders frachtgünstig gelagert, aber gerade diese küstennahen Erzvorkommen befinden sich im Zustande allmählicher Erschöpfung. Das Bilbaoerz ist eines der auf dem Weltmarkt begehrtesten. Es ist nicht sehr eisenreich, aber rein und leicht zu gewrinnen. Es ist phosphorarm und gerade darum in England zur Herstellung des Hämatit-Roheisens bevorzugt, während in Deutschand mit Vorliebe die eisen- und phosphorreicheren schwedischen Erze und lothringischen Minetterze verarbeitet werden.»Infolgedessen sind«, schreibt»Der deutsche Volkswirt«»die englischen Erzkäufer auf dem Weltmarkt bisher kaum in den Wettbewerb mit den deutschen getreten.« Seit das Dritte Reich ein allgemeines Wettrüsten provoziert hat, ist dieses friedliche Verhältnis der englischen und deutschen Erzbezieher gründlich gewandelt. Auf das Bilbaorevier entfallen nicht weniger als 70 Prozent der spanischen Erzförderung und Erzausfuhr. Mit dem fortschreitenden Abbau der küstennahen Eisenerze von Bilbao ist die Bedeutung des spanischen Erzes für die englische Elsenerzeinfuhr, die fast die Hälfte seines Bedarfes deckt, zugunsten des nordafrikanischen Erzes zurückgedrängt worden. Bis zum Ende des Weltkrieges bezog England sein ausländisches Erz zu drei Vierteln aus Spanien, 1936 war der Anteil Spaniens an der englischen Eisenerzeinfuhr auf ein Fünftel gesunken. Aus Afrika stammte fast die Hälfte, aus Spanisch-Marokko allein ein Zehntel.»Schon jetzt sind aber«, meint»Der deutsche Volkswirt«,»erhebliche Ausfälle in den Bezügen aus Spanisch-Marokko zu verzeichnen.« Und warum? »Die nationalistischen Militärbehörden haben die Förderung der einzigen bedeutenden Grube im Rif bei Melilla zwecks Begleichung anderweitiger Verblndiic h k e i t e n beschlagnahmt.« Was das für Verbindlichkeiten sind, ist leicht zu erraten, wenn es auch von Schachts Organ nicht ausdrücklich gesagt wird. Franco hat»die Förderung der einzigen bedeutenden Grube im Rif« geraubt, um sich für die deutsche Militärhilfe dankbar erweisen zu können. Das ist der erste Akt eines deutschen Erzkrieges gegen England, der nicht nur den Zweck hat, dem eigenen Eisenmangel abzuhelfen, sondern mehr noch, England Erz zu entziehen und die englische Aufrüstung zu hemmen. Mit dem Ausfall des spanisch-afrikanischen Erzes ist die englische Aufrüstung um- somehr auf die Zufuhr spanischen Erzes angewiesen. Deshalb wird,»da es in der gegenwärtigen kritischen Versorgungslage den englischen Hochöfen auf jede Schiffsladung ankommen muß«,»das Schicksal von Bilbao naturgemäß mit besonderer Spannung ver- Rohstoffnot folgt, umsomehr, als Bilbaos Rubioerz> vom englischen Eisenhüttenmann, auch wenn er Was im Zeichen des Vierjahresplanes bessich anderweitig ausreichende Erzmengen beschaffen könnte, als schlechterdings unent- ser( schlechter) gemacht werden muß: behrlich angesehen< wird. Bisher allerdings TaFußweiten Bei den Hosen: An Stelle des vollen hat die Eisenerzausfuhr aus Spanien unter Umschlages nur einfachen Umschlag. dem Bürgerkrieg kaum gelitten. Es wurden schenplatten wegfallen lassen. spanische Erze nach England eingeführt für 54 Zentimeter nicht übersteigen lassen. 75.000 Pfund im Monatsdurchschnitt 1935, Golfhosen nicht zu weit und nicht zu lang 81.000 Pfund im Monatsdurchschnitt 1936 und arbeiten. für 107.000 Pfund im Februar dieses Jahres. Der durch >> Pflichterfüllung und Heldentum<<. darstellt. Gegen eine solche Gefahr muß ein kleines Land wie das unsere sich Mag Lansbury das» Unterdrückung der schützen. Das kann es nur in enger Zuder deutschen Jugend sammenarbeit und Freundschaft mit den Kampfinstinkte< bei großen friedlichen Demokratien des We- nennen: eine ganze Welt, wenn sie nicht gestens, Frankreich und England. Diese rade aus sehr geschäftlichen Gründen anders Freundschaft ist seit dem Waffenstillstand interessiert ist, wird ihm attestieren müssen, das konstante Element unserer Politik. Ich glaube trotz allem, daß die jetzige Re- daß die schöne Kindergeschichte vom Mann gierung ihr treu bleiben wird. Darum im Monde hier Realität angenommen hat. kann ich sie trotz der Vorbehalte, aufdie ich zum Ausdruck gebracht habe, und der Fragen, die ich gestellt habe, richtig beglückwünschen.< Es versteht sich von selbst, daß die reichsdeutsche Presse mit Piérard nicht so zufrieden sein kann, wie sie mit Spaak zu sein vorgibt. ,, Eine feste Burg..." Demonstration in Dresden. Aus Dresden wird uns geschrieben: Bei den Sakkos: Statt StoffunterkraDie Zunahme des Geldwertes besagt aller- gen Filzunterkragen nehmen. dings noch nicht, daß auch der Menge nach die modische Linie bedingte höhere StoffverHier hat es vor einigen Tagen eine kräfmehr Erze von Bilbao nach England ver- brauch muß eingeschränkt werden. tige Demonstration gegen das Regime gegeschifft worden sind. Denn inzwischen ist der Bei den Ulstern: Die Taschendeckel ben. Die Bekenntniskirche hielt Gottesdienste ab, und zwar das sprach sich schon vorErzbezug durch Erhöhung der Frachtraten sind überflüssig( Abfütterung mit Blasebalg). verteuert worden. Die üblichen Frachtpreise Reservekragen müssen predigten außerordentlich ganz wegfallen. Die Taube unter den Geiern her herum >> scharfe< Pfarrer. Drei Kirchen waren überBilbao- Middlesborough waren von 5-6 sh Außerdem wäre zu überlegen, ob man verWas George Lansburys Scharfsinn je Tonne auf 9-10 sh im Januar 1937 erhöht bieten kann, karierte Stoffe herzustellen, da füllt. Vor der Frauenkirche, die etwa offenbar entgangen ist. 3000 Menschen faßt, wurden mit Genehmiworden, weil» die Versicherungen wegen des bei derartigen Stoffen der Stoffverbrauch ein Kriegsrisikos hinaufgesetzt wurden«. Am 23. unnötig hoher gegenüber anderen Stoffmuste- Zurückgekehrt an den sicheren Herd auf gung der Behörden einige Lautsprecher andem grünen Eiland stellte George Lansbury gebracht. Auf Neumarkt, der die April konnte allerdings noch nicht festgestellt rungen ist. wohlgemerkt nach zweitägigem Aufent- Frauenkirche umgibt und ein prächtiger Verwerden, ob das gelungene Experiment des Diese sogenannten Verbesserungen verord>> seinem< Dritten sammlungsplatz ist, Kartoffel- Jones und stauten sich Tausende die Versenkung der net die Zeitung» Die Bekleidungsarbeit«, das halt im Reiche Hitlers » Espagna< mildernd Frachtraten und Organ der Arbeitsfront, den Schneidermei- Reich das folgende Leumundszeugnis vor von Menschen, hörten die Predigt an und stern im Dritten Reich. allen anderen, in einen so ausschweifenden gaben Versicherungsprämien eingewirkt haben. den aufrichtigsten Stellen ihr Militarismus bekanntlich verstrickten Natio- Wohlgefallen zu erkennen. Das ging den braunen Ordnungswächtern auf die Nerven, >> Die deutsche Jugend ist fröhlich und und auf höheren Befehl montierte die Poder glücklich. Ich glaube, daß Kampf- lizei plötzlich die Lautsprecher ab. Antwort: instinkt in Deutschland wesentlich unterdrückt wird, als in vielen Ländern.< auf Aber gerade weil nach den Angaben des > Deutschen Volkswirte der Transport spani- Wohin geht Belgien? mit dem Raub des Erzes vom Rif und der sagenhaften Blockade des Hafens von Bilbao nicht zu erzielen war.» Der deutsche Volkswirt« schreibt: Neues Statut Sozialistische Bedenken ihm nen aus: mehr bei dem scher Erze nach England unter dem Bürgerkrieg relativ wenig gelitten hat, mußte um Die gemeinsame Erklärung, die die enganderen laute Pfuirufe aus der Masse.> Auseinanderso rascher und radikaler gehandelt werden, lische und die französische Regierung der gehen, auseinandergehen!« Die Aufforderung um mit deutschen Bomben England jene Statt sich charmieren zu lassen von des wurde nicht befolgt, statt dessen sangen die Schlappe im Erzkrieg beizubringen, die allein belgischen gegeben haben, bedeutet unzweifelhaft einen Erfolg, der> nur belgischen< » Führers und Reichskanzlers<< wohleinstu- Leute:» Eine feste Burg ist unser Gott«, daß Außenpolitik, die von dem Dreimänner- dierter Salon- Bonhomie und des Herrn es nur so über den Platz dröhnte. Erst als und Reichsaußenministers Neurath in fünfund- die Polizisten sich Verstärkung geholt hatkollegium König Leopold, van Zeeland Spaak eingeleitet worden ist. Belgien hat be- zwanzig Diplomatenjahren erzielter Haut- ten, zerstreute sich die Menge langsam. Man kommen, was es wollte die Garantie sei- glätte, hätte der britische Pazifisten- Vater war gerade bei dem Vers angelangt:> Und > Nach der Gelassenheit, mit der die ner Sicherheit durch London und Paris nur mit einem einzigen hitlerdeut- wenn die Welt voll Teufel wär...< Den hörte englische Regierung die Blockadeversuche es ist aber seiner eigenen Pflicht zur Hilfe- schen Volksschullehrer einmal für man noch eine ganze Weile in allen NebenDer Vorfall ist hier Stadtgespräch, der nationalistischen Kriegsschiffe gegen leistung entbunden worden. Denn was eine Viertelstunde eine Unterredung hinter gassen. Bilbao behandelt, ist allerdings anzuneh- übrig bleibt, die Verpflichtung aus Artikel 16 der Schultafel im Klassenzimmer haben sol- und jeder sagt:» Das waren allein schon mehr men, daß sie sich mit General Franco hin- des Völkerbundpaktes, ist nicht viel mehr len! Vielleicht hätte ihm der Mann in einer als drei Prozent. Die müssen sich bei der sichtlich der Zukunft der Erzausfuhr für als nichts. letzten schwachen Anwandlung von europäi- Wahl verzählt haben.<< den Fall der Eroberung des Reviers Spaak ist Sozialist, die belgische Arbeiter- schem Gewissen doch jene> Klassenarist Regierungspartei. Ueber ständigt hat oder zu verständigen gedenkt; partei die beitsblätter für die deutsche vielleicht ist ihre Haltung überhaupt von Außenpolitik bestehen aber Meinungsverschie- Schule« in einem Dienstexemplar vorgedem Wunsch bestimmt, sich mit den zu- denheiten. Sie kamen nicht nur in den letzten wiesen, die seit Jahr und Tag drüben im April veröffentlicht eine neue Liste von gut künftigen Herren der Erzgruben zu Debatten des Generalrats zum Ausdruck, amtlich vorgeschriebenen Gebrauch sind Ausbürgerungen. Sie umfaßt 44 Sozialdemostellen.< über die hier ausführlich berichtet worden ist, damit die Nation» ertüchtige« und alle Deut- kraten und Kommunisten und deren Famischen mit den allergeringsten Ansätzen zu lienangehörige. Unter den Ausgebürgerten irgendwelcher Lansbury- Gesinnung in die befinden sich die folgenden Sozialdemokraten: Ernst Busch, Walter Fischer, Adolf Greiß, Nikolaus Haas, Richard Hansen, verEs bleibt dahingestellt, ob diese Kombination zutrifft. Jedenfalls ist aber der gedes Herr genwärtige nicht Fran co, und es ist zweifelhaft, ob Reviers sondern auch in einer Kammerrede, die der Genosse Louis Piérard als offizieller Sprecher der Partei am 30. April gehalten hat. Kleidet sich hier die Kritik in die Form zukommende ihnen Proskiptionsliste der Landes- und Volksverräter seelisch verweise. Neue Ausbürgerungen Der Deutsche Reichsanzeiger vom 28. er der zukünftige sein wird. Es dürfte also eines Kommentars, so ist sie auch deutlich Diese» Klassenarbeitsblätter< gliedern sich in Richard Kretzschmer, Kurt Mebert, WaldeNachdem Spaak den Erfolg der belgischen Regierungspolitik gepriesen hatte, sprach Piérard. Er sagte: vorläufig noch möglich sein, Erze ungehinungehin- genug. dert aus Bilbao nach England zu schicken. Das aber soll mit allen Mitteln verhindert werden, und sei es auch mit Strömen baskischen Blutes. Es wird in Schachts Organ offen zugegeben, daß der» zukünftige Herr< des Reviers von Bilbao imstande wäre, die englische Aufrüstung zu stören: » Da der Anteil der Bilbaoerze an der englischen Eisengewinnung schwerlich weniger als 7 Prozent beträgt, stehen auch für die wehrwirtschaftliche Lage Englands erhebhebliche Interessen auf dem Spiel. Schon die augenblickliche Lage dürfte für die rohstoffhungrige Rüstungsindustrie recht unbehaglich sein; ein längerer Ausfall Bilbaoerze würde im jetzigen Zeitpunkt, in dem eine Erhöhung der Einfuhr so dringend benötigt wird, zu empfindlichen Störungen in der Durchführung des englischen Wehrprogramms führen müssen.<< der drei Teile oder» Gruppen«, betitelt nacheinander: 1.» Im Reich der Natur<<. 2.>> Im Reich des Menschen«. 3.» Im Reich der Uebernature. Gruppenthemata zu eins sind: >> Ich möchte zur Kraftfahrtruppe<< >> Ich möchte zur Nachrichtentruppe<< » Ich möchte Kavallerist werden<< » Ich möchte Infanterist werden« usw. usw. Gruppenthemata für den vorgeschriebe> Für uns Sozialisten ist es sehr schwer zu vergessen, daß das Deutschland von des heute das Deutschland Hitlers und Nationalsozialismus ist. Es ist aus dem Völkerbund ausgetreten. Es hat den freiwillig unterzeichneten Vertrag von Locarno ebenso zerrissen wie den von Versailles. Es hat das Vertrauen in Europa zerstört. Es nen deutschen Volksschüleraufsatz zu zwei hat uns durch den Mund seines Kanzlers sind unter anderen ähnlichen: versprochen, daß es unsere Nationalität respektieren wird Es wird niemanden wundern, wenn wir aussprechen, daß das belgische Volk zu derartigen Versicherungen ein sehr beschränktes Vertrauen hat. » Erlebnisse aus dem Weltkriege<< >> Erlebnisse aus der aktiven Dienstzeit meines Vaters< >> Die wehrpolitischen Organisationen NSDAP< der mar Ossowski, Fritz Spier, Friedrich Schreiter, Werner Thormann. Die Massenausbürgerung scheint ganz automatisch- bürokratisch weiterzugehen. Sie läßt nur die Wut des Systems über die illegale Arbeit in Deutschland erkennen. ... und morgen die ganze Welt > Wenn früher an der Verwirklichung der Worte im Liede> Heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt<<, gezweifelt worden ist, so weiß man heute, daß der Tag kommen wird, an dem sich die ganze Welt nach Deutschland ausrichtet.<< Diese zweifelhaft friedlichen Worte sprach Mit einer Aufrichtigkeit, die an Zynisder Führer der SA- Standarte 105, Weißmus grenzt, verlangt Hitlerdeutschland vonBelgien wie von den anderen Staaten West->> Die militärischen Großmächte in Ueber- flog, auf einer Horst- Wessel- Gedenkfeier in europas freie Hand im Osten. Aue im Erzgebirge. Solches hörte freilich der Wir sind der Ueberzeugung, daß das HitlerZum Gruppenthema drei endlich fügt sich wunderliche Lansbury bei seinem Deutschregime den Krieg postuliert, daß es eine Gefahr erster Ordnung gegen den Frieden die folgende psychoanalytische Kombination: landbesuch nicht. seek. Alle Vöglein sind wieder da... rechten Schulter bis zur linken Hüfte) nicht das jüngst erlangt goldene Parteiabzeichen zudeckt, denn das könnte ihm als Lässigkeit im Dienst ausgelegt werden. italienischen Groß> Das in allen Abstufungen des VerAbgesehen von der dienstordens wiederkehrende Ordenszeichen würdenträgern, die sich den Adler mit geist ein achtspitziges, weiß emailliertes gol- senkten Flügeln schon deshalb gern über die den gefaßtes Kreuz, in dessen Winkeln je Schulter hängen werden, weil ihre Verdienste ein goldener Deutscher Adler mit um Südtirol damit erst die rechte Weihe gesenkten Flügeln auf einem das Hakenkreuz umschließen- empfangen, dürften die Empfänger in aller den Eichenkranz steht; das Band Welt durch das Geschenk in einige Verdes Ordens ist Rot mit weiß- schwarz- legenheit geraten. Gerade die jüngsten weißem Saum. Das Großkreuz wird Inzwischen ist mit den Bomben auf Bilbao der Versuch gemacht worden, die Eroberung des Reviers zu beschleunigen. Es handelt sich vielleicht nicht so sehr darum, das Hitlerregime selbst in den Besitz des spanischen Erzes zu bringen wie es sich bereits das Verdienstorden für Ausländer 1.- 6. Klasse spanisch- marokkanische Erz angeeignet hat, Nachdem man ihm vier Jahre Zeit ge als nach den vom englischen» Banker gekennzeichneten Rezept zu verfahren, wonach geben hat, schmeichelt sich das Dritte Reich, die nazistische Methode, außenpolitische Er- jene internationale Beliebtheit erlangt haben, die allen nationalsozialistischen folge zu erzwingen, die politische und wirtGunstbezeugungen auch über die Landesschaftliche Erpressung ist. Seine außenpolitischen Erfolge braucht das Regime nicht grenzen hinaus freudige Aufnahme sichert. nur um der Erze willen, die ihm zur Aufrüstung fehlen, sondern mehr noch, um im deutschen Volk jene Hurrastimmung wachzuhalten, die ihm seine Entbehrungen erträglicher machen soll. G. A. F. der die zu Aus diesem Grunde und weil es immer wieder zu beweisen gilt, daß dem deutschen Volke die Art Ehre wiedergegeben wurde, die man mit Wilhelm II. exiliert glaubte, hat Adolf Hitler am Festtag der Arbeit den» Verdienstorden vom Deutschen Adlere gestiftet.>> Diese Auszeichnung<<, so wird bekanntgegeben, >> soll nach der vom Führer und Reichskanzler gleichzeitig mit der Verordnung erlassenen Satzung des Ordens auslän dischen Staatsangehörigen, die sich um das Deutsche Reich verdient gemacht haben, auf Vorschlag Reichsministers des Auswärtigen vom Führer und Reichskanzler verliehen werden.< Den zahlreichen Anwärtern auf die Dedes SA- Seelenwärmer >> Nicht umsonst habe der Führer das SASportabzeichen geschaffen und nicht umsonst habe er die SA mit der Durchführung sich beim Reichsparteitag alljährlich wiederholenden Nationalsozialistischen Kampfspiele beauftragt. Diese Kampfspiele hätten Aufgabe, dem Führer ein hartes, gestähltes und körperlich voll ertüchtigtes deutsches koration, die als Freunde I. Klasse nicht in Mannestum zu erziehen. Die Hoheit der Waffe Frage kommen, gehöre dem Staat; die Seele aber gestalten die Soldaten des Führers und schenken sie Volk und Staat, damit beides ewig bleibe.<< ( SA- Gruppenführer Luyken auf einer SA- Schulungstagung in Düsseldorf.) an einem breiten, von der rech- spanischen Ereignisse- besonders die bluten Schulter zur linken Hüfte tige Jagd deutscher Flugzeuge auf Frauen führenden Bande getragen; zu und Kinder haben dem Dritten Reich so demselben gehört ein silberner achteckiger viele Aufmerksamkeiten eingetragen, daß es Bruststern, der mit dem Ordenszeichen übertrieben wirken könnte, sich eine belegt ist und an der linken Seite getragen wird. Das Verdienstkreuz mit dem hitlerdeutsche Auszeichnung zum Halse herStern besteht aus dem am Halse zu aus zu hängen. Und so wird der neu getragenden Ordenszeichen und einem silber- stiftete Orden für viele Ausländer gleich das Vernen sechseckigen Bruststern; der Gabe eines reizbaren Onkels dienstkreuz erster Stufe aus dem abzulehnen, aber noch schwerer tragbar sein. am Halse zu tragenden Ordenszeichen. Als Verdienstkreuz zweiter Stu-( Geschmacklose Gaben eines reizbaren Onfe wird das Ordenszeichen ohne Band kels werden gewöhnlich mit allen Zeichen ( Ansteckkreuz) an der linken Brustseite, bewegten Dankes entgegengenommen und als Verdienstkreuz dritter Stu- im Schranke versteckt). schwer fe am Band an der linken Brustseite ge- Daß die Ordenszeichen vom Deutschen tragen. Die Verdienstmedaille ist winkt die Hoffnung, sich Adler beim Ableben des Inhabers silbern, rund und trägt auf der Vorderden Verdienstorden zweiter, dritter, seite die Abbildung des Ordenskreuzes. den Erben als Andenken verbleioder weben ist für die ausländischen Freunde des Vierter, fünfter Klasse nigstens als Trostpreis die> Deutsche Reichsaußenminister Neurath, der von Dritten Reiches immerhin ein rechter Trost, Verdienstmedailles an Brust, Hals, nun an laut Satzung verpflichtet ist, bei zumal man nie wissen kann, was einem alles Rockaufschlag hängen zu können. Die Stu- außenpolitischen Anlässen das Großkreuz zustößt, wenn die dem friedlichsten Lande fenordnung sei ihrer Unübertrefflichkeit we- des Ordens anzulegen, wird zu kämpfen ha- der Welt gewährte Unterstützung erst ihre gen ausführlich wiedergegeben: ben, daß er mit dem breiten Band( von der brisanten Früchte trägt. ••• K T. Bukarest, Anfang Mai. Was Rumänien seit langem für die deutschen Machtpläne in Osteuropa und im Vorderen Orient bedeutete, ist aus den alldeutschen Träumen während des Krieges noch in lebendigster Erinnerung: eine wesentliche Etappe auf dem Weg nach Bagdad, ein ungeheures Rohstoff- und Lebensmittelreservoir und eine strategische Stellung ersten Ranges. Der Frieden von Bukarest brachte provisorisch die Erfüllung dieser Träume. Die deutsche Okkupation sollte nach einem Auftrag des Großen Hauptquartiers vom 21. August 1917»die möglichst intensive wirtschaftliche Ausnutzung des Landes zugunsten von Berlin« bringen. Der neudeutsche Imperialismus knüpft auch hier an die alldeutsche Tradition an. Von neuem ist Rumänien ein Hauptziel der deutschen Politik geworden. Geändert haben sich nur— einstweilen— die Methoden. Wie in allen Ländern ist auch in Rumänien die faschistische Bewegung im Dienste und im Solde der Nazi. Wer nach mehrjähriger Pause wieder nach Bukarest kommt, ist überrascht von der Flut der Blätter der äußersten Rechten, die im Verlaufe der letzten zwei, drei Jahre gegründet wurden. Während vorher die extremen Rechtsblätter in der Hauptstadt kamen und gingen, weil die Leserschaft für sie nur wenig Sympathie zeigte, erscheinen jetzt eine ganze Reihe von Blättern im Dienste dreier faschistischer Bewegungen; der christlich-nationalen Partei unter Führung von C u z a und G o g a, der Eisernen Garde Corneliu, Codrea- n u s, die jetzt den Titel»Alles für das Land« trägt, und der»Rumänischen Front« Vaida-Vojvods. Diese Unmenge von Tageszeitungen, Wochen- und Monatsschriften, diese umfassende Organisationsarbeit kann auch jetzt bei weitem nicht aus den Mitteln von Lesern und Anhängern bestritten werden. Zeitungen, wie »Porunca Vremii« und»Bruna Vcstire«, die Boulevardblätter vom Schlage des»Fron- tul«, könnten keinen Monat lang im heutigen Umfang aufrechterhalten werden, wenn sie allein auf Inserate und Verkaufserlös angewiesen wären. Es ist ein offenes Geheimnis, daß Göbbels hier freigiebig eingesprungen ist. Man nennt auch die Namen der Vermittler zwischen Berlin und den Bukarester Faschisten. Da ist der Professor der Philosophie Nae Jonescu, der mit einer preziösen Weltanschauung, die er den Studenten vermittelt, die Vertretung der IG-Farben vereint, die ihm Luxusautos, ein Palais usw. eingetragen hat. Er ist der Geldgeber der»Eisernen Garde«. Zwischen ihm und der anderen Faschistenorganisation, der Partei C u z a s und G o g a s, besorgt der Abgeordnete Jon R u b u den Verbindungsdienst, der gleichfalls recht ertragreich sein muß, da auch für Robu dabei Autos, ein Palais usw. abgefallen sind. Schließlich streckt auch der deutsche Generalkonsul seine segenspendende Hand über die faschistischen Parteien aus. Was immer auch die rumänischen Faschisten zu bedauern haben— an Geld fehlt es ihnen gewiß nicht! Die faschistischen Organisationen sind zugleich innen- und außenpolitische Stützen de« Dritten Reichs in der rumänischen Politik. Trotz des erbitterten Konkurrenzkampfs zwischen ihnen sind alle drei einig in der Forderung nach der Aufhebung der letzten Reste öffentlicher Freiheiten, nach strengster antisemitischer Gesetzgebimg, nach Zurückdrängung der ohnehin schwer benachteiligten nationalen Minderheiten— wobei sie es auch ohne weiteres in Kauf nehmen, wenn die deutsche Bevölkerung a se%t sidt mitgetroffen wird. So wie die Deutschen Südtirols werden auch die Deutschen Rumäniens den Machtplänen Berlins bereitwilligst zum Opfer gebracht. Eine starke Regierung im Innern, Niederwerfung der Parteien— und Anschluß an Deutschland in der auswärtigen Politik, das ist allem rumänischen Faschismus gemeinsam. Die einen zählen auf Deutschland als Bundesgenossen gegen das— angeblich— drohende Rußland, die anderen— wie kürzlich Vaida-Vojvod— sind zwar bereit, mit dem Frankreich de la Rocques, nicht aber mit dem Frankreich Blums zusammenzugehen; in der Praxis läuft alles aufs selbe hinaus; Unterwerfung unter Deutschland, um dessen Expansionspläne gegen die Tschechoslowakei und gegen den Osten unterstützen zu können. Eine wesentliche Stütze fand diese Politik in den wirtschaftlichen Tatsachen. Rumänien und Deutschland ergänzen sich ökonomisch— das eine als Lieferant von Lebensmitteln und Rohstoffen, das andere als Lieferant von Maschinen und industriellen Fertigwaren. Je stärker die Weltkrise die Absatzmöglichkeiten für das rumänische Getreide und Petroleum einschränkte, um so mehr wurde Rumänien dazu gedrängt, dem einzigen Lanfi zu liefern, das bereit war, In unbegrenzten Mengen zu kaufen. Deutschland verdrängte England vom ersten Platz im rumänischen Export und steigerte nach 1934 seine Bezüge aus Rumänien in raschem Tempo. Zugleich eroberte es auch den ersten Rang im rumänischen Import. So wurden wirtschaftliche Bindungen und Interessen geschaffen, die die Machtstellung Deutschlands in Rumänien untermauerten. Die sogenannt»liberale« Regierung T a- t a r e s c u stand dem Treiben der Nazi und dem wachsenden Einfluß Deutschlands in der Innen- und Außenpolitik völlig gleichgültig, wenn nicht gar sympathisch gegenüber. Der faschistische Terror war für sie ein ausgezeichnetes Gegengewicht gegen die große demokratisch eingestellte Bauernpartei, die National-Zaranisten M a- n i u s und Mihalaches. Der deutsche Einfluß war ihr nicht unerwünscht, weil er mithalf, den unbequemen Titulescu vom Außenministerium zu entfernen und sich von Frankreich, der Kleinen Entente und Rußland zu distanzieren. So konnten Cuza und Goga ungehindert ihre antisemitischen Brandreden halten, Vaida-Vojvod gegen Frankreich und die Minderheiten hetzen, die Eiserne Garde Codreanus ihre Terrorakte an allen Ecken und Enden des Landes verüben. Man hätte noch vor wenigen Monaten meinen können, der Sieg des Faschismus, das heißt der Sieg des Dritten Reichs in Rumänien sei unvermeidlich. Bis vor wenigen Wochen die große Wendung begann.... In Rumänien herrscht der König, gedeckt durch eine schein-parlamentarische Regierung. Die Eiserne Garde beging den schweren taktischen Fehler, sich gegen die weibliche Umgebung des Königs zu wenden, Damit lieferte sie ihm den ersehnten Anlaß, gegen sie vorzugehen. Erster Streich: Nach guter deutscher Fememordsitte war im Spital, wo er sich einer kleinen Operation wegen aufhielt, der Ideologe der Eisernen Garde S t e 1 e s c u von Eisernen Gardisten erschossen und seine Leiche mit Beilen zerhackt worden. Ste- lescu hatte sich von seinem Führer Co- dreanu getrennt und öffentlich dargelegt, daß der Vater dieses glühenden rumänischen Patrioten ein Pole namens Zclinsky, seine Mutter eine Deutsche namens Braun aus der Bukowina gewesen war. Vorsichtshalber hatte Stelescu sogar die dazu gehö- zur Wehr rigen Taufscheine publiziert. Ein solcher Fememord wäre in Rumänien noch vor wenigen Monaten ganz wie in der Weimarer Republik ungesühnt geblieben. Nun aber griff die Staatsgewalt plötzlich mit unerwarteter Wucht zu: acht Hauptangeklagte erhielten lebenslängliche Zwangsarbeit, zwei weitere wurden zu zehnjähriger Zwangsarbelt verurteilt. In den Reihen der Faschisten herrschte lähmendes Entsetzen... Es hielt noch an, als der König zum zweiten Male zuschlug. Sein Bruder Prinz Nicolas unterhielt die besten Beziehungen zu den faschistischen Organisationen, besonders zur Eisernen Garde. Der König»entdeckte« plötzlich, daß sein Bruder seine morganatisch angetraute Frau als Königliche Hoheit ansprechen ließ, was mit dem Hausgesetz im Widerspruch sei. Prinz Nicolas wurde, obwohl er diese Anschuldigung energisch bestritt, in Haft genommen und genötigt, auf seine Zugehörigkeit zum Königshaus zu verzichten und das Land zu verlassen. Die Eiserne Garde, die sich mit allen Mitteln für ihren Protektor wehrte, mußte kapitulieren. Und schließlich hat Oberst Beck, der polnische Außenminister, der nach Bukarest kam, um die rumänisch-französischen Beziehungen weiter zu lockern, Rumänien aus der Kleinen Entente herauszubrechen und für Berlin Vorarbeit zu leisten, in Bukarest auffallend wenig Verständnis gefunden. Die rumänische Außenpolitik, die natürlich gleichfalls entscheidend vom König bestimmt wird, wünscht ihre Beziehungen zu Berlin nicht zu intensivieren. Selbst in dem Warenaustausch zwischen den beiden Ländern könnte ein gewisser Rückgang in absehbarer Zeit in Erscheinung treten: Rohstoffe sind heute eine gesuchte Ware, Rumänien kann sie gegen gute Devisen verkaufen und ist nicht mehr auf den Tauschhandel mit Berlin angewiesen. Könige handeln selten aus antifaschistischen Motiven. Immerhin ist König Ca- rol so weit»Anti-Faschist«, daß er nicht gewillt ist, neben einem faschistischen Diktator die Rolle des Königs Victor Emmanuel oder Hindenburgs zu spielen. Er liebt weder starke Männer, noch starke Parteien. Wichtiger aber noch als dieses Motiv seiner Wendung gegen die äußerste Rechte ist die überall in Osteuropa einsetzende Ernüchterung über die militärischen Aussichten der faschistischen Länder im Ringen mit den westlichen Demokratien. Die englisch-französische Zusammenarbeit, das Erstarken der Stellung Leon Blums, die englische Aufrüstung haben schon jetzt das Vertrauen zur Offensivkraft der faschistischen Großmächte erschüttert. Man rechnet damit, daß über kurz oder lang England und Frankreich gemeinsam über das Schicksal des europäischen Kontinents gebieten werden können— wie sie e« bei Kriegsende getan haben. Die Bereitschaft, das Schicksal des eigenen Landes mit dem Deutschlands oder Italiens zu verbinden, nimmt rapid ab. Fügt man hinzu, daß tschechoalowakische Firmen die erheblichen Rüstungsbedürfnisse Rumäniens befriedigen und Frankreich seine Hilfe dabei gewährt, daß tschechoslowakisches Kapital in der rumänischen Schwerindustrie eine steigende Rolle spielt, so erkennt man die starken Kräfte, die Rumänien von der »Achse Rom— Berlin« entfernen. Der Stern des Faschismus, der Stern Berlins ist in Rumänien im Verblassen. Rumänien setzt sich gegen die braune Invasion zur Wehr. Und wo sie auf Widerstand stoßen, ziehen es die braunen Heroen regelmäßig vor, einen eiligen Rückzug anzutreten. Peitsche und Knüppel In den demokratischen Ländern wurde die verhaßte Polizeiplempe schon vor dem Kriege abgeschafft, an ihre Stelle trat der Gummiknüppel. Die Polizei brauchte eine Waffe, die abschreckte, ohne Wunden zu schlagen. Im halbabsolutistischen Deutschland hielt sich die Plempe bis nach dem Kriege und wurde erst von der Republik endgültig entthront. Als das Dritte Reich ausbrach, kam die Reitpeitsche hervor. Rotzjungen in SA- oder SS-Uniform rannten schon im Februar 1933 mit Reitpeitschen durch die Straßen. Der Führer und seine Palladlne waren damit seit einem Jahrzehnt vorangegangen. Die Reitpeitsche galt als Wahrzeichen des alten Adels, sie wurde auch zum Symbol des »neuen Adels«. Unter sicherer Bedeckung mißhandelte Streicher einen Häftling im Gefängnis mit der Reitpeitsche und durfte sich dieser Feigheit öffentlich rühmen. Die Reitpeitsche verdrängte den Gummiknüppel; er wurde abgeschafft, konnte im Straßenbilde entbehrt werden. Die Polizei des Dritten Reiches konzentrierte sich auf den Revolver. Für unerwünschte Volksaufläufe liegen Maschinengewehre und Handgranaten bereit, das Uebrige besorgen das KZ und die Folterzellen der Gestapo, wo Gummiknüppel und Peitsche eine entsetzliche Rolle spielen. Daran ermesse man die Verlogenheit der Nazipresse, die den Revolverpolizisten des Dritten Reiches als Hüter neuer Freiheit feiert. Im»Schwarzen Korps« wird ein Haufen gesammelter Polizeiknüppel im Bilde gezeigt, mit unverfrorenen Kommentaren; »Es regierte sich so vorzüglich mit ihm, daß er gewissermaßen zu den Thron- insignien der Weimarer Repu- b ik wurde. Fast zehn Jahre konnte sich das Zepter der Freiheit austoben, als trauriges Wahrzeichen einer noch traurigeren Republik.« Mehr noch, nicht einmal im wilhelminischen Deutschland brauchte man den Knüppel, der Staat»lenkte die öffentliche Ordnung mit der den Demokratien geziemenden Milde...« Kein Wort von der Plempe, die das wilhelminische Deutschland In der ganzen Welt verächtlich machte, nichts von den blutigen Polizeiattacken gegen demonstrierende Arbeiter, nichts von Jenen brutalen Fällen, wie dem des Breslauer Handabhackers. Wobei allerdings zugegeben werden soll, daß dieses Deutschland der Plempe verglichen mit dem Gestapo-Deutschland immer noch als liberaler Rechtsstaat gelten kann. Dafür weiß die Nazipresse der armen Jugend zu berichten, daß vor 1933 in Deutschland die Despotie herrschte: »Ja der Gummiprilgel erst ist das Symbol der Demokratie... Kein Streik, bei dem er nicht vermittelnd da- zwischenfuhr... Der Polizeiknüppel ist das Kennzeichen der Despoten- cliquen, die im Namen eines Volkes regleren...< Wo ist der Streik in der Weimarer Demokratie. In den sich die Polizei hätte einmischen dürfen? Aber: Habeburg ist bolschewistisch, Franco kämpft für die Kultur des Westens, in Prag und Paris regiert Moskau und muß Jeden Augenblick der Bolschewie- twim ausbrechen, die Demokratie ist eine Despotie, wir jedoch sind die besten Demokraten. das Dritt« Reich will nichts als Frie- den und Freiheit, in der Weimarer Demokratie gäbe keinen Streik ohne Polizeiknüp- pel... Nein, da« macht ihnen niemand nach, das ist konkurrenzlos! Trotzdem wäre kein Normaler so leicht darauf gekommen, daß die Verehrer der Peitsche und der Folter plötzlich die Gummistange öffentlich anprangern würden. Die Indlvldualpsyehologie wird erklären:«in typischer Fall von schweren ethischen Defektem che zu Minderwertigkeitskomplexen führen und nach Ueberkompensation schreien. Etwa; Unsere Bewegung enthält bis obenhin zuviel homosexuelle Elemente, also her mit einer kleinen Homosexuellen- Jagd. Wir martern die Menschen und gelten als Hunnen, also her mit dem verstärkten Tierschutz! Ks ist zuviel Gummiknüppel in uns, also schmeißt sie auf den Komposthaufen der Geschichte, fotografiert den Haufen und zeigt der Welt im BUde, welch humane Leute wir sind! Der nüchterne Betrachter kann entgegnen; Gummi fehlt ihnen, daher die Einsammlung der Knüppel, zumal so ein Ding Immer wieder erneuert werden muß und der Autarkie unerschwinglich wird. Das Uebrige. der demonstrative Schwindel mit Schlagzeile, entspricht ihrer krankhaften Neigung zum Großbluff. Schwindel plus Hohn. Das braune Made in Germany. Das Wort von der Welt, die betrogen sein will, artgeroäß und der Soldatensprache entsprechend variiert: W® Welt will verarscht sein... Verzeihung, aber es gibt kein salonfähiges Wort für die Betätigung dieser widerlichen Mischung von Betrug, Hohn, Biedermannsgetue und Menschenhaß.- Die Organisierungpbestie Auch in der Nazipartei scheint die Sehnsucht nach Lockerung der organisatorischen Fesseln Ubermächtig zu werden. Die Stimmen gegen das Uebermaß von Organisation und gegen Ueberproduktion von Führern mehren sich so. daß Jetzt auch die SS-Zeitung mit muß und in einem Leiter auf das Gefährliche der Ueberorgaxd- satlou hinweist. Wenn»Jeder zweite Mensch selbst Funktionär einer Organisation ist, dann sinkt seine Autorität.,. ganz abgesehen davon, daß das Interesse der übrigen Menschen durch das Uebermaß an Organisation sich bald in Widerwillen oder Widerstand verwandeln würde«.... Schrecklich In Amerika oder Frankreich, »dort Ist es schon soweit gekommen, daß Organisationen lediglich zu Macht- oder Presügekämpfen eingesetzt werden...« Bei uns glbts das nicht und der 30. Juni ist nie gewesen. Diesem grotesken Kuddelmuddel folgt ein seltener Schluß: Wir aber wollen das Wort des Fuhrers nie vergessen, daß man nur organisieren darf, was organisiert werden muß, nicht alles, was man organisieren kann. Dann wird es nie möglich werden, daß der deutsche Mensch in Vorbänden denken lernt, statt in Männern, und in Mitgliedszablen. statt In Charakterwerten. Denn»höchstes Glück der Erdenkinder ist doch die Persönlichkeit«! Wie kommt das Terroristenorgan plötzlich zu diesem llberallstischen Goethewort, diesem klassischen Kernspruch aller humanistischen Individualisten? Will das Volk nicht mehr mitspielen? Blockwart, Hauswart, Schulungslager, KdF, DAF, NSK, HJ. NSDAP, Eintopf, Winterhilfe, Spitzdheere sehen dich an. Selbst das Fremdgeben de« Handwerksburschen wird organisiert. Dazu die Kaserne und ein überbesetzter Staatsapparat. Das hält kein Pferd mehr aus. Plötzlich ist Persönlichkeit das höchste Glück. Erschrickt die Bonzerle vor der Müdigkeit der Bevölkerung? Oder vor der Unlformltät der Jungen Zucht? Verrostet die Parteimaschinerle infolge mangelnder Demokratie zu rasch? Es ist nicht leicht, sich im hysterischen Durcheinander de« totalen Staates zurecht zu finden. Braune Parabel »Vom Hexenwahn der Inquisition bis zum Antinatlonaisozialismus ist nur ein Schritt!« {»Der Angriff«.). Hilfe für Hitler? Die Aktion Tan Zeelands und der deutsche Militarismus Kein Zweifel, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der deutschen Diktatur sind im Zunehmen. Noch ist Schacht Herr der offenen inflationistischen Gefahr. Seine Machtmittel waren bisher ausreichend, um den Zufluß der Milliarden Staatswechsel in der Zirkulation— ihre Verwandlung in Banknoten und Waren— zu verhindern. Denn der deutsche Wechselbesitzer kann weder Geld, noch Rohstoffe, noch andere Waren im In- oder Ausland kaufen. Die Lagervorräte werden entweder, wie bei den ausländischen Rohstoffen in bestimmten, für die Produktionsbedürfnisse oft unzulänglichem Maß zugeteilt, oder wie bei Eisen und Stahl auf das genaueste kontrolliert. Der Aktienmarkt ist durch die Emissionssperre eingeengt und Kurssteigerungen werden durch verschiedene Mittel verhindert. Kurz, die Flucht in die Sachwerte ist außerordentlich erschwert. Auch die Verwendung freier Geldkapitalien zur Gründung neuer Unternehmungen ist behördlich kontrolliert. Nur die Rüstungsund Autarkieanlagen stehen den Unternehmern zu Gebote; da handelt es sich aber um gefährliche Investitionen, die auf Gedeih und Verderb mit dem Regime verbunden sind und sich als verlustbringende Fehlanlagen erweisen können. Nur dem Zwang gehorchend werden also die freien Kapitalien dazu verwendet. Daher die wachsende»Geldflüssigkeit«, die nichts anderes ist als der Ausdruck der riesigen Summen von Staatswechseln, die auf dem freien Geldmarkt herumschwimmen, in den Portefeuilles der Reichsbank, der Kreditinstitute, der Genossenschaften und der Sparkassen untergebracht sind oder in den Kassen der Industrie als nicht zu realisierende, wenn auch zinstragende Reserve ruhen. Diese Geldflüssigkeit hält an, obwohl das Regime für rund fünf Milliarden RM langfristige Anleihen ausgegeben und auf diese Weise einen Teil der Wechselmasse zu konsolidieren versucht hat. So riesig die Summen sind, so rasch ihre, sonst nur in Kriegszeiten erlebte, Aufeinanderfolge ist, die Ueberfüllung des Geldmarktes stellt sich durch die noch schnellere Wechselproduktion immer wieder her, und schon wieder steht Schacht vor der Notwendigkeit einer neuen»langfristigen« Anleihe. Er weiß aber, daß, je mehr die Anleihemasse wächst, es desto gleichgültiger wird, ob sie als kurzfristige Wechsel- oder langfristige Anleiheschuld desselben Staates frisiert ist. Denn beides bedeutet fortschreitende Inflation, und beide Schuldenkategorien können nur unter wachsendem Druck, unter vermehrtem Widerstand der unfreiwilligen Gläubiger untergebracht werden. Daher die sich in letzter Zeit immer mehr häufenden Warnungen des Reichsbankpräsidentea und Wirtschaftsministers vor der ungehemmten Kreditausweitung, seine Beschwörungen, dafür zu sorgen, daß der»Umlauf an Zahlungsmitteln nicht über das zur Bewältigung des gestiegenen Güterumschlags notwendige Maß« hinauswachse— Beschwörungen, die bei Hitler und Göring und der Generalität, die um jeden Preis so rasch wie möglich»fertig« werden möchten, auf taube Ohren stoßen. Akuter vielleicht noch wie die finanziellen sind die Rohstoffschwierigkeiten. Die Handelsbilanz für März zeigt ein Ansteigen der Einfuhr im Bereich der Emährungs Wirtschaft, hauptsächlich durch vermehrte Bezüge von Nahrungsmitteln, um 30 Mill. RM. Aber auch die Einfuhr von Spinnstoffen ist mit 9 Mill. stark gestiegen. Nicht nur kann von einer weiteren Annäherung an die Nahrungsfreiheit keine Rede sein, sondern es muß immer wieder auf die letzten Devisenreserven, die sich Schacht durch die Aneignung der im deutschen Besitz befindlichen Auslandswerte verschafft hat, zurückgegriffen werden. Diese Nahrungsfreiheit ist auch durch alle neuen Zwangsmaßnahmen der Darre und Göring gegen die Landwirtschaft nicht zu erreichen. Die deutsche Agrarpolitik hat sich bereits zu einer totalen Zwangswirtschaft entwickelt. Bisher schon war jeder landwirtschaftliche Betrieb zur Ablieferung einer bestimmten Menge von Weizen und Roggen verpflichtet. Aber noch 1935 konnte der Betrieb sein Ablieferungs- kontihgent selbst einschätzen. Im letzten Jahre aber wurde die Ablieferungsmenge zentral bestimmt. Damit war jeder Betrieb zu einem bestimmten Anbau von Brotgetreide und zu einer bestimmten Frucht- fclge gezwungen. Andererseits wurde der Futtermittelmarkt dadurch eingeschränkt. Die Roggen- und Weizenbauern, die sich früher auf einem reichlich versorgten Fut- tennittelmarkt eindecken konnten, gingen jetzt dazu über, Roggen und Weizen zu verfüttern. Dies wurde durch die Umtauschaktion einzuschränken versucht, die mehr oder weniger freiwillig die Bauern dazu bringen sollte, gegen Lieferung von Futtergetreide auch über das Pflichtkontingent hinaus ihr Brotgetreide an die Zentrale abzuliefern. Allerdings mußte sich diese das Futter schon durch ausländische Bezüge von Mais und Gerste verschaffen, da am inländischen Markt kein Futtergetreide vorhanden ist. Jetzt wird ein weiterer Schritt versucht. Der Betrieb erhält jetzt nicht mehr ein Weizen- und Roggenkontingent, sondern ein pauschales Getreidekontingent. Auch an Gerste und Hafer muß nun der Bauer eine bestimmte, ihm vorgeschriebene Menge abliefern. Dabei ist in dem Pauschalkontingent noch ein besonderes Kontingent für Brotgetreide enthalten, das auf alle Fälle abgeliefert werden muß. So wird der Ablieferungs- und Andienungszwang immer mehr zu einem Anbauzwang, der Bauer aus dem freien Eigentümer— zum Schutz vor dem Bolschewismus— ein Zwangsarbeiter für die Kriegswirtschaft. Und leistet er den Anforderungen nicht Genüge, so kann er nach den neuesten Anordnungen Görings wegen Unfähigkeit, die in der Praxis irgend ein Bauernführer konstatiert, von Haus und Hof vertrieben, sein Betrieb einem besseren»Fachmann« übergeben werden! Aber all diese Organisiererei kann an der Tatsache nichts ändern, daß der deutsche Bodenertrag nun einmal zur autarkischen Befriedigung des Nahrungsbedarfs nicht ausreicht, daß ohne Einfuhr von Futtermitteln und Fett das Defizit nicht zu decken ist. Und auch das weiß Schacht, und seine Angst wächst, die letzten Reserven der Utopie Darres opfern zu müssen. Deshalb sein Drängen, sich doch in die weltwirtschaftliche Kooperation wieder einzuschalten. Van Zeeland hat seinen Mitarbeiter Maurice Frere nach Berlin gesandt, um mit Schacht über die Möglichkeiten einer Mitarbeiterschaft Deutschlands zu sprechen. Früher ritt Schacht auf stolzen Rossen: Schulden- und Zinsherabsetzung, Gewährung von Ueberbrückungskre- diten und vor allem Kolonien waren seine Bedingungen. Man darf vielleicht annehmen, daß Schacht angesichts der wachsenden Schwierigkeiten mit sich reden lassen würde, wenn Hitler und Göring es erlauben. Aber wir meinen, daß das gar nicht das Problem ist. Nachdem England und Frankreich in den Jahren 1933— 1935 es versäumt haben, durch politischen Druck die deutsche Kriegsvorbereitung zu verhindern, kann es jetzt ihre Aufgabe sein, die deutsche Diktatur von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu befreien, in die sie die Aufrüstung gebracht hat und die augenblicklich die einzige wirksame Schranke darstellen, die sich der Beibehaltung des jetzigen Rüstungstempos entgegenstellt? Erleichterung der sogenannten Wirtschaftsschwierigkeiten, die die Diktatur sich oder vielmehr dem deutschen Volke geschaffen hat, wäre heute nichts anderes als Hilfe für die Kriegsvorbereitung und Liebesdienst für die Diktatur. Es wäre der Aufmerksamkeit der englischen Arbeiterpartei und der französischen Sozialisten wohl wert, darauf zu achten, daß nicht aus dem Vorwand einer wirtschaftlichen Kooperation, die nur ohne und gegen die Diktatur erreicht werden kann, eine neue politische und militärische Stärkung des Faschismus erwächst. Crö6»belspleite in Südamerika Es gelingt nidits mehp-— Die braunen Agenten sidiern sidi mn. Rio de Janeiro, Mitte April Die Nationalsozialisten sind in Brasilien in einer sehr merkwürdigen Situation. Sie geben sehr erhebliche Beträge zur Beeinflussung der Presse und der Zeitschriften aus. Sie bemühen sich, die Rundfunkprogramme zu beeinflussen. Sie versenden Tag für Tag Broschüren und Flugblätter, abgefaßt in portugiesischer Sprache, an führende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Sie laden immer wieder brasilianische Beamte, Wissenschaftler, Studenten und Schriftsteller nach Deutschland ein.- Eine ungeheure Menge Geld wird ausgegeben und an Anstrengungen fehlt es wirklich nicht, aber die Stimmung will und will sich aber trotzdem nicht zugunsten des Dritten Reiches ändern! Eine Zeit lang schienen die Nationalsozialisten Erfolge zu erzielen mit einer wüsten antibolschewistischen Hetze. Man glaubte, die Besorgnisse vor einem kommunistischen Putsch in Brasilien zu einer Propaganda für das Dritte Reich und gegen die westlichen Demokratien ausnützen zu können. Man wollte insbesondere die Sympathien eines beträchtlichen Teils der brasilianischen Oeffentlich- keit für den General Franco ausnützen im Sinne einer Werbung für das Dritte Reich. Insbesondere bemühte man sich, von der brasilianischen Regierung eine amtliche Anerkennung der R e b e 1 1 e n- R e g i e- rung in Burgos zu erlangen. Der deutsche Bro tschafter in Rio de Janeiro, noch mehr aber die Vertreter der NSDAP, strengten sich in der Beziehimg sehr an,— aber alles war vergebens. Einer der einflußreichsten brasilianischen Abgeordneten sagte dazu: »Wir hätten es auch sonst nicht gemacht, als sich aber die Nazlsten der Sache annahmen, hörte sofort jede Diskussion darüber auf. Da merkten wir sofort, woher der Wind weht!« Ebensowenig erfolgreich waren die Bemühungen des Dritten Reiches, den gewaltigen kulturellen Einfluß, den Frankreich in Brasilien besitzt, unter Hinweis auf die Volksfrontregierung zu untergraben. Die Beteiligung Brasiliens an der Pariser Ausstellung wurde geradezu mit demonstrativem Enthusiasmus beschlossen und der neue französische Gesandte in Rio de Janeiro genießt vom Tage seines Amtsantrittes an das größte Ansehen und allgemeine Zuneigung, während der deutsche Botschafter nach wie vor ein absoluter Außenseiter ist, für den kein Mensch Sympathien besitzt... Auch eio großangelegter Versuch, die Tschechoslowakei zu verleumden, schlug sofort fehl. Die große brasilianische Presse begann sich für die Angelegenheit zu interessieren und veröffentlichte zahlreiche sehr objektive Artikel über die Tschechoslowakei, durch die zum Beispiel Präsident BeneS unter den politisch interessierten Brasilianern zu großer Popularität gelangt ist. Man kann überhaupt in Südamerika, besser vielleicht noch als in Europa, feststellen, wie kläglich dleGöbbels- propaganda in allen wesentlichen Punkten scheitert. Ihr gelingt zwar ab und zu die Publikation dieses oder jenes Artikels, dieser oder jener Notiz, an der Grundeinstellung der Südamerikaner, die demokratisch und liberal ist, ändert das aber nicht. das geringste. Nur ganz wenige Zeitungen lassen sich dazu herab, gelegenlich einmal— gegen teures Geld —.einen. lobenden Artikel über das Dritte Reich zu veröffentlidhen. Aber selbst die bringen einige Tage später— als Ausgleich und ohne Bezahlung— einen Bericht, der die wahre Situation der deutschen Bevölkerung klarlegt. Der Grund für den propagandistischen Mißerfolg des Dritten Reiches liegt neben der Tatsache, daß eben die nationalsozialistischen Gedankengänge den Südamerikanern fremd und»exotisch« vorkommen, zum ersten in einem grenzenlosen psychologischen Ungeschick und in dem Mangel an wirklich guten Beziehungen zu den einflußreichen südamerikanischen Kreisen. Diese Beziehungen besitzt ein Teil der großbürgerlichen Auslandsdeutschen, die in Brasilien, Argentinien, Chile und den anderen südamerikanischen Ländern leben. Fast ausnahmslos stellen sie aber ihre großen Beziehungen und ihre wertvollen Verbindungen nicht in den Dienst der nationalsozialistischen Propaganda. Sie heben zwar an Festtagen die Hand, geben auch einige Milreis oder Peso für die Winterhilfe, sprechen auch gelegentlich von»unserem großen Führer«, dann ist es aber schon aus, zu mehr sind sie nicht bereit! Ganz im Gegenteil: sie amüsieren sich über jeden Taktfehler, über jedes Unglück, das den nationalsozialistischen Bonzen unterläuft. die sie schon ihrer Großschnäuzigkeit wegen verachten. Ein weiterer Grund für das elende Scheitern der nationalsozialistischen Propaganda besteht darin, daß der größte Teil der für diese Gelder ausgeworfenen Beträge in die Taschen der Bonzen fließt, die diese Propaganda In die Wege leiten sollen. Das liegt weniger an einer allgemeinen Geldgier, sondern an einer— Angst vor der Zukunft. Sie rechnen, auf Grund ihrer Eindrücke bei zahlreiichen Doutschlannbesuchen, mit dem Zusammenbruch des Dritten Reiches und wollen nicht in die Pleite hineingerissen werden. Sie haben sich durch ihre Täügkeit für die NSDAP In Südamerika so unbeliebt gemacht, daß sie nach dem Verlust ihrer Posten bestimmt kein neues Betätigungsfeld mehr finden werden. Aus diesem Grunde sorgen sie vor; es gibt keinen der hauptamtlich bestellten nationalsozialistischen Amtswalter In Argentinien, Brasilien und Chile, der sich nicht irgendwo(meist möglichst weit von seinem gegenwärtigen' Amtsbereich) angekauft hat. Die Gelder dafür stammen aus den hohen Gehältern und dem, was die einzelnen gehobenen Pgs. aus dem Propagandafonds des Dr. Göbbels für sich selbst abzweigen konnten! Die Besorgnisse der braunen Bonzen sind aber besonders groß, weU man gerade in Südamerika feststellen kann, wie politisch, aber auch moralisch isoliert da« Dritte Reich In der ganzen Welt Ist, wie wenig es im Ernstfall»draußen in der weiten Welt« nicht einmal mit platonischen Freunden rechnen kann. Es ist aber durchaus charakteristisch für die in der Auslandsorganisation der NSDAP herrschenden Zustände, daß die einzelnen Landesgruppenleiter an die Auslandsorganisation der NSDAP und an das Auswärtige Amt in ganz entgegengesetztem Sinne berichten. Da machen sie unablässig in Optimismus, da schildern sie pflichtgemäß die Stimmung rosenrot, da behaupten sie fröhlich, daä das Dritte Reich in Südamerika ständig an Terrain gewinne. Sie wissen ganz genau, daß man es in Hamburg und' Berlin nicht anders hören will; sie haben die Erfahrung gemacht, daß auch schon leise Andeutungen über das Versagen der Propaganda ihnen nur Aerger und Unannehmlichkeiten gebracht haben. Es ist für de viel bequemer und— einbringlicher, den Zentralstellen zu bescheinigen, wie tüchtig, wie gerissen, wie wirksam sie arbeiten. Nachher wird man sich, wenn es zu spät ist, wundern, wie man mit dem ganzen Propagandarummel sich nur selbst braunen Dunst vorgemacht hat. Dann wird es aber wirklich zu spät sein... Hitler gegen Mussolini »Unanständige« Lohnerhöhungen in Italien I. Rom, 30. April Mussolini hat heute dem zentralen Korporativkomitee mitgeteilt, daß die Löhne in ganz Italien ab 9. Mal um 10— 12 Prozent erhöht werden. Die Lohnerhöhung ist wegen der ständigen Steigerung der Lebenskosten seit dem abessinischen Krieg notwendig geworden.(Reuter) n. »Unser Prinzip durchzuführen ist schwer, es Ist aber sicherer und anständiger als das anderer Nationen. Das umgekehrte Prinzip, das wir heute in der anderen. Welt sehen: Preissteigerung, Lohnerhöhung, wieder Preissteigerung, wieder Lohnerhöhung, dann dreifache Preissteigerung und wieder doppelte Lohnerhöhung und dann Geldentwertung und infolge der Geldentwertung neue Lohnerhöhungen und dann erst recht Preissteigerung— das könnten wir auch machen. Glauben Sie; es ist zwar schwerer, unser Prinzip durchzuführen, aber es ist sicherer, und es ist auch anständige r!< (Hitler am 1. Mai) Nr. 204 BEILAGE ItarTtoMs 9. Mai 193? Streicher lllhrt nur der srnizen Linie Ein Sdimu�orkan im Kirdbenkampf entfesselt Scfaauprozesse mit Radio gegen tausend»perTerse« Priester � Wenn sdion im Dritten Reidi abgestimmt wird Schon kurz nach Bekanntwerden der letzten Papstenzyklika kündigten wir die Neuauflage der Schauprozesse gegen die katholische Kirche und deren Funktionäre im Dritten Reich an. Die Form allerdings, die jetzt dafür vom System gewählt worden ist, läßt alle Vorstellungen jener weit hinter sich, die immer ganz illusionslos über die moralische Qualifikation des Nationalsozialismus Hitlerscher Prägung gewesen sind. Das»erwachte Deutschland« ist heute, im Kampf gegen den schwarzen»Reichsfeind Nr. 1«, in eine Schmutzwolke der Spießerlüstemheit und der Schundliteraturinstinkte und der alten, alldeutschen»antirömischen Affekte«, der Ludendorffschen Jesuitophobie und der Bäffchen-Schnüffelseligkeit gehüllt, die eine gewisse Sorte der sogenannten»evangelischen Freiheit« in der Figur des königlich preußischen Superintendenten immer beseelt hat. Wer morgens früh um sieben Uhr das Radio auf Deutschland einstellt, erfährt durch kreischende Stimmen bereits zu dieser Stunde von allen abscheulichen Lastern des»römischen Männerbundes«; und wer nicht schlafen kann am Abend, ohne etwas für seinen Geist getan zu haben, braucht gegen elf Uhr auch nur wieder irgendeine deutsche Welle sich zu suchen und es wird ihm offenbar, daß mindestens in Deutschland Klöster und Orden nie etwas anderes getan haben, als Knabenschän- dem ein bequemes Leben zu sichern; für entsprechende Detais sorgt die markige arische Stimme drüben... Tausend katholische Kleriker, so haben sie bereits triumphierend versichert, sitzen entweder als Devisenschieber, Landesverräter oder Sexualverbrecher schon wieder in hitlerdeutschen Gefängnissen und warten ihrer Aburteilung. Das heißt: noch ist das nicht ganz heraus! Politik ist wichtiger als Justiz, auch wenn sie nur die erbärmliche und zum Himmel stinkende des Dritten Reiches ist! Abgeurteilt sollen sie nämlich nur werden, wenn es der Papst denn partout so will. Lenkt die Kirche, wie die Machthaber es wollen, wieder in christlicher Sanftmut ein, so wird eben— das sagen sie selbst amtlich!— nicht prozessiert. Im anderen Falle aber—?! In alle deutschen Sender werden die Verruchten sogar ihre letzten stammelnden Worte vor dem»Volksgerichtc hineinzugeben haben! Feine Justiz— was?! Sie funktioniert just so, wie Papen oder andere politische Schieber von Weltformat auf dem Sofa im Empfangssalon reüssieren oder auch nicht Den Kaplan Roussaint aus Westdeutschland haben sie für elf Jahre jetzt hinter Zuchthausmauem begraben. Das Furchtbarste, was sie ihm vorwerfen konnten, war, daß er früher einmal, vor Hitler den»Frie- densbund deutscher Katholiken« als Orts- gruppenieiter in Essen geleitet hatte. Diesen »Bund« hatte allerdings der spätere Zentrumsminister Erzberger gegründet, und der Nazi, der ihn deshalb vor vierzehn Jahren viehisch abschlachtete, hat längst sein Ehrenmonument im Dritten Reich für seine vaterländische Opfertat erhalten; so war also der»Fall« Rousaaint eigentlich schon längst sauber und ordentüch präjudizidiert! Hergang der Prozesse? Indizien? Vor allem Zeugen auch in den neuen Serien-Scxualver- fahren? Das ist immer dasselbe System, das sich schon im unsterblichen Fall Karwahne im Leipziger Reichstagsbrandprozeß gegen Dimitrow bewährt hat(oder auch nicht bewährt hat, weü man diesem Subjekt Karwahne damals seinen Meineid schon vierundzwanzig Stunden später glatt sogar am Tisch der Verhandlungsleitung nachweisen konnte): die Gestapo führt die Kreaturen als Belastungszeugen vor, die sie sich aus den Reihen der früheren radikalen Gegner der Hitle- rei im Lumpenproletariat für eine Anstellung als Hausmann und»Blockwart«, für einige Pfund Schmalz aus der»Winterhilfe« ziemlich spesenfrei gekauft hat. Die schwören, was auch immer verlangt wird! Geht es gegen die Kirche als Prinzip? Der Vatikan— aus Angst, aus»autoritärer«, antibolschewistischer Berechnung oder auch aus beiden genannten Gründen zusammen— möchte es selbst so sehen, daß er und die Kirche als Einrichtung für die Taten Einzelner nicht verantwortlich gemacht werden könne. Er gibt also selbst die Unglücklichen, von denen mindestens der allergrößte Teil völlig schuldos sein dürfte, preis. Manchmal fragt man sich wirklich: was ist ekelhafter, diese zynische Dynamik der auf der ganzen Linie führenden Streicherei im Dritten Reich, die den Wochenabfall des»Stürmer« zur Reichs- und Staatsangelegenheit macht, oder diese»Diplomatie« der Kurie, die Christus sagt und spanische Latifundien meint? Aber dabei desavouiert das Dritte Reich diesen seinen so noblen Duellgegner, wo es nur kann: sagt ihm dreist ins Gesicht, daß es ihm gar nicht auf ein paar arme Schlucker von Geistlichen, sondern auf das System, nicht auf angeblich geschändete Kinder, sondern auf den landesverräterischen ganzen Rom- Komplex ankomme. So zum Beispiel versah das amtliche Deutsche Nachrichtenbüro eine Sexualverhandlung von Koblenz vom 28. April mit folgendem Einleitungskommentar:»Jede Verhandlung erbringt in ihrem unerfreulichen und durch ihren Inhalt jeden gesunden Menschen abstoßenden Verlauf erneut den Beweis, daß es sich bei diesen Vorfällen nicht um Einzelfälle handelt, sondern daß alle Straftaten sich aus einem unglaublichen und unfaßbaren System ergeben«. Deutlicher kann man es den Herren in Rom doch wohl nicht gut unter die Soutane drücken! Und damit zur Tragödie nicht die Hanswurstiade fehle, sei auch noch darauf verwiesen, wie die »Frankfurter Zeitung«— letztes Bollwerk der Moralität in Deutschland für den Gebrauch für bessere, meist weniger arische Herren— bitterlich angesichts dieser vom »Führer und Reichskanzler« mit angerichteten Stall- und Latrinenangelegenheit die gleichgeschalteten langen Arme ringt und stöhnt, daß sich eigentlich die Auseinandersetzungen zwischen Staat und Kirche»doch auf höherer Ebene« besser abspielen sollten. Freilich, so kann man es auch ausdrücken. Immerhin hat der Kirchenkampf ein Gutes gehabt: er hat wenigstens gerade für jene katholische Auffassung, die außerhalb Deutschlands weit verbreitet ist und geradezu verheerende Dinge im internationalen Verkehr heraufbeschwor, einen bündig-grotesken Gegenbeweis erbracht: daß nämlich doch eigentlich auf Grund seiner»Abstimmungen« es heraus sei, wie Hitler achtzig, wenn nicht neunzig Prozent des deutschen Volkes hinter sich habe, folglich als verhandlungsfähige Tatsache hingenommen werden müsse, gleich, wie die Tatsache selbst beschaffen sei. Im Kirchenkampf, und zwar dort, wo es um »weltliche« oder, wie die Nazi sie nennen, »deutsche« Schule und konfessionelle geht, haben auch allenthalben jetzt»Abstimmungen« stattgefunden. Diesmal allerdings von zwei Seiten: von der Seite des Regimes und von der Seite der Kirche. Siehe da, es gab wieder allenthalben neunzigprozentige Mehrheiten! Neunzig Prozent für, aber auch genau so gut neunzig Prozent dagegen!!! Verstehe das, wer verstehen kann! Nun freilich, wer weiß, wie in Deutschland nun schon einmal »abgestimmt« wird, lacht sich nur eins. Diesmal freilich kräftig und mit dem angesichts der Tatsache gebotenen grimmigen Humor. Beispielsweise verkündete das Regime aus Groß-Solingen, daß dort genau 90 Prozent der Gesamtbewohnerschaft für die»deutsche Schule« gestimmt hätten. Jetzt hat nach dem »Kirchlichen Anzeiger für die Erzdiözese Köln« aber auch die Ortsgeistlichkeit abstimmen lassen. Und sie erhielt nun, wie sie mitteilt, 67.3 Prozent für das Gegenteil, nämlich die katholisch-konfessionelle Schule. Glückliches Groß-Solingen! Es ist also die einzige Stadt auf dem weiten Erdenrund, die nicht bloß hundert Prozent Einwohner wie ordinäre Städte, sondern deren hundertsieben- undfünfzig Komma drei Prozent aufweist. Auch(fiese Hitlerleistung wird so leicht keiner nachmachen können; dessen sind wir gewiß. Was aber ist in Wirklichkeit passiert? Die armen Solinger haben einmal für die Nazis gestimmt: denn sonst wären sie ins Kazett gekommen. Aber in die Hölle wollen sie auch nicht gerade kommen; und so stimmten sie also auch ebenso»geschlossen« für ihre katholische Schule. Fragt sich nur, ob nunmehr die Herren Diplomaten in der Welt, die mit Hitler als Tatsache»rechnen«, auch denselben Humor aufbringen wie hier die Weltgeschichte oder doch mindestens die Lokalchronik von Groß-Solingen. F. E. Roth. Katholische»Hodrrerräter« Die Berliner Zudithausurtelle gegen Gelstlidie Aus Westdeutschland wird uns geschrieben: Nicht immer sind die Propagandisten des braunen Regimes auch gute Psychologen. Wären sie es, dann hätten sie den großen Schauprozeß gegen die jungen katholischen Kapläne und die Leiter der»Sturmschar« unterlassen oder die Angeschuldigten in aller Stille vor dem Volksgerichtshof abgeurteilt. Haß und Wut waren diesmal besonders. schlechte Berater. Die seitenlangen Berichte mit den fetten Schlagzeilen über katholischkommunistische»Konspirationen«, die Zeugenaussagen Uber Bemühungen, bisher getrennte weltanschauliche Fronten im Widerstand gegen das Dritte Reich zu ermutigen, die tapfere Haltung der Angeklagten, erkennbar zwischen den ZeUen: was ist das Resultat? Weder lernt der übergroße Teil der Leser das Gruseln vor dem Bolschewismus, noch schaudert ihm vor dem»Hochverrat« der Geistlichen. Eine Welle von Sympathie für diese jungen Priester und ihre Anhänger geht durch ganz Westdeutschland. Die Geister, die man durch Zuchthaus austreiben will, rumoren kräftiger als zuvor. Vor allem versagte das Hauptargument, die Kirche in diesen beiden Geistlichen Roussaint und Kremer zu entlarven. Jeder, der die innere Situation des westdeutschen Katholizismus kennt, weiß, daß die jüngere Generation der Geistlichkeit seit langem in Opposition zu ihren Bischöfen steht. Viele hadern mit der Kirche, die ihnen in ihrer autoritären Organisation nicht sozial genug ist. Lange vor 1933 scheute man aus diesen Kreisen nicht vor anklägerischen Manifesten gegen die Oberen der Hierarchie zurück. Bedrängt von der Not des Proletariats, forderte man aus dem Glauben heraus die offene Parteinahme der Kirche für die Armen. In der jungkatholischen Literatur, deren Autoren meist Geistliche waren, las man weitgehende antikapitalistische Bekenntnisse und Auflehnungen gegen die Bedrückung der»Masse Mensch«, In der das religiöse Erbe sich nicht bewähre, verbunden mit Angriffen auf die Predigten der toten Worte, oft ausklingend in sozialistischen Bekenntnissen. Es war viel sozial-religiöse Schwarmgeisterei dabei, aber diese jungen und gläubigen katholischen Menschen machten den Dirigenten in den Bischofspalästen wegen ihrer angriffsfreudigen Haltung gegen die Mächte der kirchlichen Tradition und der Bürokratie nicht wenig zu schaffen. Der Berliner Schauprozeß besagte also für alle Wissenden gar nichts gegen die kirchlichen Würdenträger, die man»entlarven« wollte, aber noch viel weniger etwas gegen den»politischen« Katholizismus. Die Jungkatholiken standen auch zur offiziellen Zentrumspartei in Opposition. Sie hielten nur, so etwa durch den»Friedensbund deutscher Katholiken«, Verbindung zu einzelnen politischen Persönlichkeiten, so etwa zu Professor Dessauer, der in dem Prozeß als»berüchtigter Pazifist« bezeichnet wurde. Einige der jungen Kapläne unterhielten sich vor der Hitlerära— zu mehr kam es nie— mit Sozialisten und Kommunisten über soziale und politische Probleme und besuchten gelegentlich auch ihre Versammlungen. Aber niemals geschah es, um mit dem»Weltfeind« Nr. 1 oder Nr. 2 gemeinsame Sache zur Zerstörung der Staatsfundamente zu machen, wie es Vorsitzender und Ankläger im Berliner Prozeß wider besseres Wissen darstellten. Diese jungen Menschen hielten sich ihrer religiösen Mission gegenüber verpflichtet, Arbeiterschaft und Katholizismus wieder näher zusammenzuführen. Nach ihrer Meinung sollte die Kirche der»Sauerteig« sein, um mit ihren ethischen Antrieben bei der Erneuerung der Welt entscheidend mitzuwirken. Hier liegt die Motivierung des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus, der diese jungen Priester leidenschaftüch beseelte. Die Widerhumanl- tät, die brutale Erniedrigung der religiösen Sittengebote, die Verfolgung der katholischen Jugendbewegung: das waren die Anlässe des »Hochverrats«. Man traf sich 1933 und später und verhandelte mit Kommunisten, aus Verzweiflung über das Schicksal des Katholizismus. Die»zersetzenden Gedanken« galten vor allem der Rettung des Glaubens, und Aufruhr, Streiks und Sabotageakte führten diese jungen Menschen gewiß nicht im Schilde. Die gute Haltung der Angeklagten, die auch eine vielmonatige Haft nicht zermürben konnte, führte immer wieder zu schlecht geschauspielerten Zornesausbrüchen des Vorsitzenden. Nun verschwinden sie mit ihren viel zahlreicheren sozialdemokratischen und kommunistischen Schicksalsgefährten auf lange Jahre hinter Zuchthausmauem— bis der Sieg des Volkswiderstandes sie befreit. Der Prozeß, sein Verlauf und sein Ende i bedeutet eine starke Ermutigung der Opposition aller sozialen Schichten und ; Weltanschauungskreise. Spitz hörende Ohren , lasen vieles heraus, was hinter verschlossenen Türen— nur am ersten Tage ließ man ausländische Pressevertreter zu— verborgen bleiben sollte. Aber neben diesem Plus für die illegale Arbeit gibt ihr dieser Prozeß eine bittere Lehre. Er bewies, wie stark die Spitzelapparatur des braunen Systems die inneren Widerstandskräfte, leider nicht immer erfolglos, zu hemmen versucht. Die kommunistischen Vertrauensleute, mit denen die Geistlichen sprachen, waren vielfach der Gestapo bekannt und wurden von ihr überwacht. Sie konnte zugreifen, wenn das Material ihr genügte. Die Kommunisten, die aus dem Zuchthaus vorgeführt wurden, um gegen Katholiken zu zeugen, Märtyrer ihrer Gesinnung sind leider zugleich auch Opfer einer allzu geringen Vorsicht oder einer zu großen Vertrauensseligkeit geworden. Rudolf Heß, der Schatten des Führers Als er im Dezember 1933 den amtlichen Titel»Stellvertreter des Führers« erhielt, fragte die Oeffentlichkeit erstaunt, wer der Mann sei. Die nationalsozialistische Presse, sonst mit der Aufblähung von Nichtigkeiten so vertraut, wußte damals wenig über ihn zu sagen. Er sei der Privatsekretär Hitlers, sein langjähriger Begleiter und intimster Vertrauter, der»manchem den Weg zum Führer geebnet« habe. Verdienste dieses Ausmaßes genügten dann auch, ihn zum Minister ohne Portefeuille zu machen, sozusagen Kabinettsmitglied zur besonderen Verwendung. Ein auf Reichskosten bezahlter Generalsekretär der Partei— Aus seinem Gesicht blicken vorsichtige, verschleierte Augen unter zusammengewachsenen Brauen hervor. Neben den breiten Kinnladen Görings, dem verkniffenen Mickymausmund des Göbbels— sie tragen den Steckbrief in der Physiognomie— wirkt dieser Heß irgendwie diskret. Nicht ohne einen Schuß betonter femininer Hübscbheit Daß Hitler dieses Geeicht gern um sich sieht, rührt an die Bezirke sublimster Wunschträume. Das Leben des Rudolf Heß verläuft wie das der andern von der> Alten Garde«. Er ist Auslandsdeutscher, 1894 in Alexandrien, also Aegypten, geboren, wo der Vater noch heute als Exportkaufmann tätig ist. So einer trägt die Sehnsucht nach dem »Reich« im Blut. Mit vierzehn Jahren kommt Heß erstmalig nach Deutschland, besucht das Pädagogium in Godesberg, treibt dann Musikstudien und wird schließlich Kaufmann. Das ist kein sehr zielbewußter Anfang, ganz wie bei einem, der weiß, wie hoffnungslos dieses bißchen Kleinbürgerkarriere ist. Aber dann bricht der Krieg aus und das ist schon eine Sache, der man sich mit ganzem Herzen verschreiben kann. Heß zieht als Kriegsfreiwilliger ins Feld, schlägt sich auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen, wird 1017 in Rumänien als Stoßtruppführer zum dritten Male verwundet und kommt gegen Kriegsende als Flieger in eine Jagdstaffel. Also ein begeisterter Landsknecht, dem der Krieg in allen Formen zusagt, einer von denen, die erst an den Pyrenäen, in Nordschottland und am Ural den Frieden diktieren möchten. Dem Novemberumsturz, der diese »große Zeit« vorzeitig beendet, begegnet Heß mit schärfsten Haß. Er taucht unter in der politischen Halbwelt des berufsmäßigen Verschwörertums, das sich nach 1918 in München breitmacht. Hier stößt er auf Hitler, den er bereits an einem seiner ersten Sprechabende kennenlernt. Er steht dem Führer von Anfang an als bedingungsloser»Gefolgsmann« zur Verfügung. In seinen Diensten holt er sich seine fünfte (!) Verwundung in der Saalschlacht im Hofbräuhaus 1921. Darüber berichtet Hitler in»Mein Kampf«: »Ein psychologischer Fehler, den ich In der Abwehr eines Zwischenrufes beging... gab das Signal zum Losschlagen____ dazwischen das Krachen von Stuhlbeinen, das Zerplatzen der Krüge, Gröhlen, Johlen und Aufschreien.. Es war ein blödsinniges Spektakel. Der Tanz hatte noch nicht begonnen, als meine Sturmtruppler, denn so hießen sie von jenem Tage an, angriffen. Wie Wölfe stürzten sie sich in Rudeln von acht bis zehn auf ihre Gegner los und begannen sie nach und nach tatsächlich aus dem Saale zu dreschen... an der Spitze medn braver Maurice, mein heutiger Privatsekretär Heß...« Am Putsch von 1923 beteiligt der rauflustige»Maurice« sich natürlich wieder aktiv und führt ihm die Studenten Münchens zu. Als»Leidenagenosse« Hitlers verbringt er mit diesem dann die Kaval- liershaft auf der Festung Landsberg, wo dieser mit ihm, beeinflußt von Professor Haushof er, das Buch»Mein Kampf« schrieb. Aber schon Weihnachten 1924 sind beide begnadigt, ohne daß von ihnen Göttliche Tafelrunde Sie saßen in bierfeuchter Runde, die Uniformkragen gelöst, die Becher am schäumenden Munde, und haben auf kerndeutsch gedöst. Da strich sich der Erste den Schädel: »Ihr langweilt mich, Willi du Schwein, erzähl das von Röhm und dem Mädel— du weißt schon— es spielte am Rhein.« Ein Zweiter drauf:»Bloß nicht! Der Olle hat's zehnmal erzählt, das genügt. Ich weiß was— ich schmeiß eine Molle für den, der am greulichsten lügt.« Da kamen die Geister ins Sieden, und einer log rülpsend;»Hört zu, der Führer will nichts als den Frieden, wir rüsten zum Spaße— juhu!« »Hei, Deutschland ist schöner geworden«, sein Nebenmann schlug in die Luft, »Wer was anderes sagt, kriegt'nen Orden, sonst tun wir ihm gar nichts— dem Schuft.« Ein anderer:»Olle Kamellen! Wir könnten in freiester Wahl uns täglich dem VolkswUlen stellen, sie wählten uns— feixt nicht!— nochmal.« Da sprang, wie vom Knüppel getroffen, der Präses vom Stuhl auf, voll Wut: »Kein Wort mehr! Ihr seid wohl besoffen, ihr wißt wohl nicht recht, was ihr tut? Was ihr in den Dreck da gezogen, sind Worte der Führer— ich weiß, nie haben die Führer gelogen, niemals und um gar keinen Preis.« Da hat sich die bierfeuchte Runde vor Heiterkeit kaum mehr gekannt, zum Preisträger ward noch zur Stunde einstimmig der Präsee ernannt. H— n. Adifung— Feuer! Braune Hasenjagd anf»Griechlein«. Eine hübsche Formulierung für die Nachläufer und Mitläufer der Braunen aus dem Bezirk des gleicbgeecbalteten intellektuellen Be- süariums hat Professor Walter Frank, der Präsident am Reichsinstitut für Geschichte des neuen Deutschland, gefunden. In der»Bewegung«, dem Organ des NS- Studentenbundes, spottet er in Anlehnung an ein antikes Vorbild über die»Griechlein«: »Säe waren die geschmeidig en Höflinge jedes Erfolges. Und da die Römer harte Krieger waren, fremd den literarischen Künsten und Wissenschaften, so beugten sie sich im Geiste langsam diesen Besiegten. Das besiegte Griechenland überwand den wilden Sieger.— Die nationalsozialistische Bewegung hat in den rauhen Jahren Ihres Kampfes die uneingeschränkte Verachtung der In Deutschland behausten Griechlein genossen. Sie war den Griechlein zu ungeistig. Aber das wurde sofort anders, als der Nationalsozialismus siegte; es war, als ob dem Sieger eine vergeistigende Macht innewohne. Von allen Seiten kamen nun die Griechlein, klug und gebildet und charakterlos, grüßten bieder mit»deutschem Gruß« und erboten sich, den nationalsozialistischen Sieg »geistig zu unterbauen«. Die teutonischen Bärenfellträger, denen also das Fell Uber die Ohren gezogen wurde, sahen In Ihrer Einfalt nur das eine: Daß jene Griechlein geistreich das bewiesen, was sie, die Teutonen, gerade bewiesen haben wollten, aber mangels intellektueller Mittel nicht selbst beweisen konnten. Vergießt nicht, daß Rom ertrank unter den Wogen der Griechlein. Und wenn sich deshalb heute die Griechlein in dichten Schwärmen den Laufgräben eurer Festung nähern, wenn sie euch zuwinken:»Kameraden! Freunde! Nicht schießen!«, dann antwortet ihnen rechtzeitig mit dem Kommando:»Achtung— Feuer!« Man sieht, daß der Knabe Frank für seinen Teil schon allerhand aus der Geschichte des neuen Deutschland gelernt hat. Die Pa- »tätig bewiesene Reue« verlangt worden wäre, wie es zehn Jahre später üblich werden wird. Dann tritt Heß in das persönliche Dunkel um Hitler als dessen erster Adjutant, sozusagen Chef seines Zivilkabinetts. Hier übt er mit Beharrlichkeit die seltenste aller Tugenden— zu schweigen. Durch seine Hand gehen die Briefe, die Audienzen, die Geheimverhandlungen des Führers. Er ist dessen»anderes Ich«. Jahrelang sprach man von dunklen ausländischen Geldquellen der Hitlerbewegung; der englische Politiker Morel sprach von Zuschüssen aus französischen Quellen, auch Deterdlng und Ivar Kreuger wurden genannt. Wenn einer, dann weiß Heß um diese Dinge, aber der schweigt, ein wertvolles Schweigen, das Hitler mit dem zweithöchsten Staatsamt belohnt hat. Eine Episode aus dem Leben dieses Mannes ist bisher wenig bekannt geworden. Haeckels Bluterbe Günthers Renommler-N orde gegen das braune System. »Gedankenfreiheit, wie sie der Marquis Posa fordert, sollte eines unserer ersten Grundrechte sein.« (Ernst Haeckel in seinem Buche »Ewigkeit«.) Es fehlt dem Nazismus und seiner Rasse- Abteilung an großer Tradition, an geistigen Kronzeugen, an großen, allseits anerkannten wissenschaftlichen Paten. Und so okkupiert man denn wo und was man kann, auch auf die Gefahr hin, gelegentlich wieder mal einen von der Liste streichen zu müssen, wie etwa Friedrich Nietzsche, den bissigen Verhöhner des Antlsemltismua und Teutonentums. Göb- bels und Rosenberg haben sich bis heute noch nicht recht entscheiden können. Jetzt talpen die Braunen auch nach Ernst Haeckel, den Herold des naturwissenschaftlichen Materialismus. In einem Münchner Verlag erschien kürzlich das Buch eines Herrn H. Brücher: »Ernst Haeckels Bluts- und Geistesarb e«. Naziblätter drucken daraus nach und feiern Haeckel als den echt nordischen Geist- und Tatmenschen, den schon Rasseprofessor Günther unter die vorwiegend nordischen Typen einreiht. In der tropischen Hitze Indiens verzichtete der Forscher auf die Mittagsruhe und hielt sich durch nasse Tücher frisch, um seine kostspielige Expedition rascher zu Ende zu bringen.»Ein vorwiegend ostischer Mensch z. B. hätte dieses Pflichtbewußtsein in dieser Art niemals aufweisen können«, heißt es unverfroren in Brüchers Buch.»Selbst in Europa bildet er(Haeckel) als blonder, blau- role»Achtung— Feuer!« gehört zu den Ken uworten der Epoche, bewährt durch eine Praxis, die selbst in antiken Despotien nur wenige Vorbilder hat- Die Sache hat nur eine Gefahr. Sind die Griechlein erschossen, dann bleiben im geistigen Bezirk überhaupt nur noch jene hölzernen Nichtskönner übrig, vor denen alle Wissenden, vor allem che Verleger und Theaterdirektoren, spornstreichs, wenn auch meist vergeblich, die Flucht ergreifen. Die Griechlein brachten wenigstens manchmal noch einen Hauch von Könnerschaft ins braune Feldquartier mit, und Frank befindet sich durchaus im Irrtum, wenn er annimmt, daß sie sich mit Handgranaten und Minenwerfern einschleichen wollten. Die Bluncks, Jobsts, Bartheis und Steguweit fühlen sich nach den vier Jahren glücklicher Anpassung hier so wohl wie die Maden im Speck. Aber vielleicht hat die Abneigung Franks ein anderes Motiv, das sich aus seinen rauhen Kampfjahren deuten läßt. Während die »Griechlein« unter seinen Kommilitonen das Hirn strapazieren, schmetterte seine geschulte junge Faust bei zahlreichen Universitätskrawallen Semiten nieder. Die praktische Erfahrung hat Ihn dann auch durch Fllhrer- willen zum Leiter der»Forschungsabteilung Judenfrage« erhoben. Auf der Walz Die neudeutsche Presse bringt BUder von der»Verabschiedung der Wandergesellen 1937«. Dreihundert Burschen ziehen durch Berliner Straßen, in militärischer Ordnung, von SS flankiert und angeführt, mit»Augen rechts«. Am Reichstag einige Ansprachen geschwollener Bonzen, Sieghell auf den Führer.»Verteüung der Wegzehrung«. Parade vor den Gewerkschaftsverrätern.»Unter Vorantritt der Ungarn, deren Fahnenträger für seinen zackigen Paradeschritt besonderen Beifall erhielt, zogen die Gesellen an Dr. Ley Während der kurzlebigen Herrschaft der bayrischen Räterepublik wurden im Luitpold-Gymnasium beim Anrücken der reaktionären Freikorps ein halbes Dutzend Geißeln erschossen. Auch linke Sozialisten kritisierten diese Tat als unsinnig, denn die »Thüle-Gesellschaft«, aus deren Mitte die Geiseln genommen worden waren, sei nur eine harmlose, deutschtüxneinde Literatur- gemeinschaft gewesen. Wie ganz anders war es in Wirklichkeit! Dieser Verein mit dem mythologischen Namen war eine der ersten unterirdischen Quellen der braunen Reaktion. Eines seiner tätigsten Mitglieder hieß— Rudolf Heß. Am Abend der Festnahme der Geiseln erschien er zufällig nicht zur Versammlung. Er war in einem jener Zirkel, in denen der soeben aufgetauchte Hitler seine ersten Angriffe gegen die Noverriberrepublik vorbrachte. Als Minister hat Heß eine wichtige Spe- zialaufgabe: als Frontkämpfer bei den äugiger, hochgewachsener Nordländer eine auffallende Erscheinung...< Ja, und im Weitsprung von sechs Metern holte er sich auf einem deutschen Turnfest in Leipzig einen Siegerkranz. Dieser Verfasser der»Welträtsel« ist gleichzeitig Mitbegründer jener monistischen Gemeinden, die als Vorläufer jener»materialistischen Gottlosen« anzusehen sind, gegen welche das Hitlertum aller Welt entsprechend honorierte Hilfsdienste anbietet. Inzwischen jedoch sind auch die braunen Neuheiden beim b 1 u b o i s t i s c h e n V ul g ä r m a t e r i a- lismus angelangt—»die Erde ist unsere Substanz, nicht der Himmel«— es wird also Zeit, den im Volke populär gewordenen»nordischen Kämpfer« Haeckel als Bundesgenossen gegen das Christentum einzuspannen und braun anzustreichen. Sieht man genauer hin, so liegt hier wieder einmal der ebenso drastische als lehrreiche Fall vor, daß ein blonder, blauäugiger Germane alle Grundlagen des Nazismus verneint. Er verehrte nicht nur den jüdischen Denker Spinoza, In dessen Substanzlehre der Haeckelsche Materialismus eine Wurzel hatte, sondern er rühmte sich, vor allem ein Streiter für absolute Wahrheit zu sein, auch für die Wahrheit gegen den Staat, dem er jedes Recht, sich in die wissenschaftliche Forschung einzumischen, energisch bestreitet. »Der wissenschaftliche Forscher hat einzig und allein die Aufgabe, nach Wahrheit zu forschen und das, was er als Wahrheit erkannt hat, zu lehren, unbekümmert darum, welche Folgerungen etwa die verschiedenen Parteien in Staat und Kirche daraus ziehen mögen«, sagt Brüchers »Deutschester Mensch« in einer Erwiderung vorbei«, schreibt die DAZ. Aus tauschhaa#- werker für das In- und Ausland, die Arbeltsplätze sind bereits bestimmt, die Etappen ebenfalls, die aus dem Süden beziehen die Stellen derer aus dem Norden und umgekehrt. Fertig. Arme Jugend, in Kommandos gepreßt und aller schönen Ungebundenheit und Selbständigkeit beraubt.»Mit Stock und Ränzel auf der Walz«, überschreibt die DAZ den Kitsch. Dem alten Handwerksburschen zuckt das Herz, wenn er diese Verschandelung eines alten Brauches im Bilde siebt. Das nennen sie»Fremdgehen«. Wir haben einst monatelang Landstraßen getreten, Pennen und Heuschober waren unsere Quartiere, das Schlafgeld mußte täglich durch Fechten oder Ansprechen beim Meister herausgeholt werden. Zwischendurch wurde gearbeitet, einige Wochen, weiter, bis wiederum die Strümpfe durch die Schuhe guckten. Und so Jahre hindurch. Polizei und Gendarmerie sahen uns nicht gern, wir störten die Ordnung. Wir haben in allen deutschen Strömen gebadet, wir mußten hin und wieder vom Pennebooc abgebient werden, wir kannten die»duften« und die»miesen Winden« wir hatten unseren eigenen Kundenjargon, wir lernten die verschiedenen Methoden unseres Handwerks in allen Gauen Deutschlands, auf eigene Rechnung und Gefahr. Es hieß mächtig auf die Ratte spannen, wollte man im Süden bestehen, wenn man aus dem Norden kam. Es war für jeden von uns eine Periode wirklicher Romantik mit all ihren Fährnissen; mancher zehrte sein Leben lang davon. Und es gab nur eine Organisation, auf die wir uns stützen konnten: unsere Gewerkschaft. Wir wanderten frei als Organisierte, Leys Austauschler wandern organisiert als Unfreie. Sie rauben dem alten Brauch das letzte Stück Romantik, wie sie alle überkommenen Bräuche dekretinistisch vermanschen und damit ihrer Schönheit und Ehrwürdigkeit entkleiden. Br. »Kameraden« in den anderen Ländern, speziell in Frankreich, für die»direkte Verständigung« zu werben. Dieser Versuch, hinter dem Rücken der betreffenden Regierungen mit oppositionellen Gruppen und Organisationen in Verbindung zu treten, ist ihm bei einigen unbelehrbaren pazifistischen lUusionären gelungen. Wobei Heß klugerweise allerdings verschweigt, was über die Vernichtung des»Todfeindes«, des»vernegerten Frankreichs« im Buch des Führers zu lesen ist Und was er, Heß selber, in ein Gedicht kleidete, das er 1924 schrieb und 1933 der deutschen Oeffent- lichkeit vorsetzen ließ: »He, Franzmann, das ist böser Morgen- gruß! Ihr dort müßt sterben, daß wir leben können.« Heute ist er der Friedensgesandte des Dritten Reiches! B. M. gegen Virchow. Die»nordische Edellngs- natur« verabscheute jede Gewalt und höhnte in derselben Rede(erschienen im A. Kröner-Verlag, Leipzig, 1908) den Staat. die Polizei und den Staatsanwalt weil sie glaubten, die Sozialdemokratie mit Gewalt vertilgen zu können.»Das kann wohl nur der glauben, der weder che Geschichte noch die Naturgeschichte der Menschheit kennt...« In dieser Rede bekannte er sich als fanatischen Humanisten und lobte den »humanen Kern der christlichen Lehre, der die Gleichheit aller Menschen vor Gott predigt, das»Liebe deinen Nächsten als dich selbst«... gerade diese wahrhaft humanen Seiten der Christenlehre sind so naturgemäß, so edel und rein, daß wir sie unbedenklich auch in üic Sittenlehre unserer monistischen Naturreligion aufnehmen,..< Kurz, er pries an der christlichen Lehre genau das, was die Nazis ablehnen und verabscheute jeden Schwertglauben. Dagegen bekennt er sich deutlich zu der von den Nazis verfluchten großen Revolution und schreibt in seinem 1915 erschienenen Buche »Ewigkeit«: »So sind auch vor 120 Jahren die Greuel der französischen Revolution geSühnt worden durch den gewaltigen Fortschritt, den die bürgerliche und politische Freiheit durch die Vernichtung des mittelalterlichen Feudalsystems, des Absolutismus und der sozialen Standesvorurteile erfahren hat...« Polemik gegen Standesvorurteile— das Ist heute Braunhemdens»nationaler Sozialismus«, hundertfünfzig- Jahre nach der gro- ßen Revolution! in demselben Buche feiert Haeckel mitten im Krieg— Achtung, Dolchstoß von hinten!— sämtliche Friedensbestrebungen und Friedens- Großvater gesucht Rassische Zahlenmystik Der> Westen< Berlin singt( in seiner Nummer 133) ein Klagelied darüber, wie schwer manch ein armer Deutscher unter seinem unauffindbaren Großvater leide. Man mache sich von den>> ungeheueren Schwierigkeiten« gar keinen Begriff, die z. B. ein unehelich geborener Ahnherr verursache. Und erst die aus fremden Ländern zugereisten Omis und Opas! Ostische Unsittlichkeit, westliche Beleidigung, fälische Gewalt und einen Deliktanteil von 17 Prozent aufweist. Für die ost baltische Rasse beträgt beim Bevölkerungsanteil von 8 Prozent der Anteil der Gesamtdelikte 14 Prozent; hier tritt wieder die höhere Zahl der Beleidigungsklagen und Sittlichkeitsdelikte entgegen.< - es hat mit ihrer Atmung zu tun, sie eignen sich für Präzisionsarbeiten- und 3 Prozent sind cerebral: ein kaufmännischer Bürotyp, geistige Arbeiterin. Pyknisch aber, das bedeutet korpulent, sind 16.5 Prozent. Man ist sich klar, daß die Dehnbarkeit dieser Feststellungen so groß ist wie die Entwicklungsmöglichkeit der jungen Damen, die mit 17 Jahren eine eventl. Veranlagung zur Korpulenz meist noch nicht zu verraten pflegen.< Also Wie oft es deutschen Wissenschaftlern vor der eigenen neudeutschen Wissenschaft übel wird, weiß man nicht. Wie selten einer seinen Brechreiz zugibt, weiß man, und wenn es einmal geschieht, wollen wir nicht achtlos vorübergehen. Da mußte soeben in >> Da die ausländischen Beamten stel- Köln der Fachpsychologe Dr. jur. Dr. phil. Nachdem der Vortragende diese statilenweise kein Verständnis für Haeger eine rassekundliche Vortragsreihe stische Fleißarbeit verlesen hatte wir hätdie deutsche Rassengesetzwies gebung haben und ihrer deutschland- in der Universität mit einem Referat über ten gern sein Gesicht dabei gesehen feindlichen Gesinnung durch Verschleppung» Charakterkunde und Rassenpsy- er nach, daß die Zahlen» für Erbanlage oder ungenaue Beantwortung der Fragen chologie« abschließen. Er erzählte seinen und Charakterbewertung keine Ausdruck geben, kann die Nachforschung Hörern( lt. Bericht der>> Köln. Volksztg.< Nr. Rückschlüsse zulassen<. Weder seien u. U. sehr lange dauern.< 70) von einer prachtvollen Statistik, die die Unterschiede zwischen Stadt und Land beGerade die befreundeten Polen seien beson- mit viel Sorgfalt und Papier» an Hand der rücksichtigt noch die sozialen Verhältnissse, ders ekelhaft, langsam gehe es auch in Aburteilungen in den Oberlandesgerichts- auch handle es sich nur um bezirksmäFrankreich und der Schweiz, England liefere bezirken im Jahre 1936 versucht worden sei« Bige Uebersichten, und an einer Schlägerei die Groẞväter zwar rascher, aber dafür ist und folgendes Ergebnis gezeitigt habe: in Westfalen könnten durchaus wascnin den Eintragungen die Religionszugehörig>> Danach ergab sich für die nordische echte Bayern beteiligt gewesen sein. keit nicht erwähnt, sie haben für uns nur Rasse, die etwa 45 Prozent der deutschen Daher komme der ganzen Aufstellung» eine den ihm viele Hörer für diese Meckerei dankbechränkten Wert<<. Ach, wenn es nur das wäre! Aber auch für beschränkte Werte lassen sich die feindlich gesinnten Ausländer etwas bezahlen; bei der Erforschung >> Blutstroms kann man auf Minen stoßen, und ehe sich's einer versieht, bringt ihn uer tote Großvater ins Kittchen. Deshalb des >> empfiehlt es sich, bei allen Verhandlungen mit ausländischen Stellen sich genau über die Devisenvorschriften zu informieren, um sich keines Devisenvergehens schuldig zu machen. Ein solches ist es z. B., wenn man eine Gebühr mit mehreren, einem einzigen Brief beigelegten Antwortscheinen bezahlen will.< Im Inland sind der Freigebigkeit dagegen keine Grenzen gesetzt: > Wenn nämlich ein Großvater 12 Kinder hatte, die wiederum im Durchschnitt drei Kinder haben, so müssen diese 36 Vettern und Cousinen sich jedesmal einzeln die Urkunde über ihren Großvater besorgen. Kostet der Großvater« jedesmal z. B. 2, Mark, so ist eine Gesamtaufwendung von 72,- Mark notwendig gewesen.< 72 Mark für einen garantiert einwandfreien Großvater das soll teuer sein? Ramschpreise sind das geradezu. Wir möchten nicht wissen, was der Mann dafür zu zahlen bereit gewesen wäre, der in seiner Familienvergangenheit eine Person suchen mußte, » die im Monat Mai des Jahres 1837 in einem Dorf geboren sein sollte, dessen Name 31 mal in Deutschland vorkommt. Die Rundfrage bei den 31 Pfarrern ergab, daß in zwei Dörfern um die gleiche Zeit jemand geboren war, der den gesuchten Namen trug. In einem Fall handelte es sich um einen Arier, im anderen um einen Nichtarier. Wer ist der richtige?<< Ist das nicht ein wahrhaft herzzerbrechendes Zeugnis deutscher Not? Deutschland braucht Kolonien, sei es auch nur, um seine Ahnenforschung dehnen zu können. nach dorthin ausWertung als Statistik nicht zu.< Auch eine andere von ebenso gut bezahlten Beamten mit der gleichen Sorgfalt --eine Arbeit für die Katz. Der Vortrag wurde, so meldet die» Kölnische Volkszeitung«<, mit lebhaftestem Interesse aufgenommen. Und wenn Dr. Haeger daß die heutige am Schluß betonte, Rassenkunde als junger Zweig der Wissenschaft erst am Anfang ihrer Erkenntnisse stehe«, so werbar gewesen sein. Ob auch einer von ihnen und ob der Redner selbst bedacht hat, daß man auf Grund dieser» erst am Anfang ihrer Erkenntnisse stehenden Wissenschaft< in Bevölkerung ausmacht, einen Anteil von 15 Prozent an den Gesamtdelikten. Das ist der Für relativ geringste Anteil. die ostische Rasse, die 20 Prozent der Bevölkerung ausmacht, beträgt der Anteil an den Straffällen 18 Prozent. Hier stehen die vorgenommene Untersuchung wagte der Red- Deutschland bereits schwerwiegende, intellektuellen Delikte im Vorder- ner ein bißchen anzuleuchten. Man habe da, harte Strafgesetze erlassen, Ehegrund. Die westliche Rasse 3 Pro- um die» rassische Struktur der Kölner Be- schließungen verboten, in schon be. zent der Gesamtbevölkerung, 15-20 Pro- völkerung zu klären<<, 870 Berufsschüstehenden Ehen herumgepfuscht, viele Menzent im Rheinland beteiligt sich an den Straftaten mit 4 Prozent. Auffällig ist da- lerinnen nach ihren Merkmalen schen unglücklich gemacht, manchen be: die höhere Zahl der Beleidigungs- geprüft. Wieder sind bei dieser Gelegen- Menschen erschlagen hat? Die zitierten klagen und der Sittlichkeits- heit die prozentualen Anteile der einzelnen Statistiken sind wirklich lächerlich genug. delikte. Die fälische Rasse ist bei 5 Rassen säuberlich notiert worden, und Aber gerade von solchen und Prozent Bevölkerungsanteil mit 5 Prozent auf der Strafliste vertreten; bei ihr bean->> um die jungen Kölner Damen noch etwas ganz ähnlichen Statistiken lasspruchen die Körperverletzungen genauer zu bestimmen, stellte man fest, daß sen sich die Lenker des Reiches eine größere Ziffer. Noch stärker trifft sie zu 52 Prozent muskulösen, das lenken. Vom Lächerlichen zum Grauendies bei der dinarischen Rasse zu, die heißt, sportlich- schlanken Typs einen Bevölkerungsanteil von 15 Prozent sind; 18 Prozent sind respiratorisch haften ist nur ein Schritt. Die Bönzchen bekommen Zensuren um recht keiner Gewalttat zurückscheuen, viele Untertanen in die NSV( Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) zu treiben, wenn sie In verschiedenen deutschen Parteigauen die Zeitungsabonnenten mit dem Knüppel wird vom 15. März bis zum 1. Juni ein» Lei- werben und gute Sammelergebnisse durch stungskampf der politischen Bedrohung erzielen? Hinter ihnen lauert ja Leitung durchgeführt. Die» Preußische auch die Peitsche.» Die Verantwortung geht Zeitung berichtet darüber: von unten nach oben«, heißt ein beliebtes » Der Spiegel der Ortsgruppe ist der Schlagwort der deutschen Anführer.> Und Politische Leiter selbst. Er wird im Lei- die Erpressung von oben nach unten<, könnstungskampf zu beweisen haben, daß Reine Wissenschaft tismus zu zersetzen, bei dem die einfachen Begriffe des Raums, der Zeit, der Kausalität und der Kraft vollkommen aufgehoben und an ihre Stelle eine formalistische und oberflächliche» Raumzeitmannigfaltigkeit gesetzt worden sei, die jede Anschaulichkeit und damit jede unmittelbare Beziehung des Menschen zur Naturwissenschaft beseitige. Diese Art» jüdischer Physikk sei keineswegs ein Ernaturwissenschaftlicher Forgebnis schung, sondern eine geistige Haltung, die sich in bewußtem Gegensatz zur Natur stelle. er sich mit den Tagesfragen beschäftigt ten sie hinzufügen. und daß er an seiner Ausbildung und Schulung gearbeitet hat. Mit der Prüfung des Die» jüdische Physik« hat nur den einen Politischen Leiters werden unter anderem Vorteil: daß man sie nicht zu studieren auch Erhebungen über den ProzentAuch die Physik braucht eine arische braucht( weil man sie als nordischer Natursatz der NSV- Mitglieder, über Großmutter. 5 bursche weder verstehen könnte noch dürfte) die WHW Sammelergebnisse usw. verbunden, denn sie geben Auskunft Im NSD- Dozentenbund der Münchener und daß auf diese Weise für die Erfindung, über das Eindringen nationalsozialistischen Universität sprach Dr. habil. Bruno Thüring Herstellung und Verbesserung anschaulicher, > Wieviel Volksgenossen halüber» Physik und Astronomie in unmittelbarer Kriegsinstrumente viel kostbare ten die Parteipresse?<< das ist ein der Hand des Juden«. Laut» Münchener Zeit erhalten bleibt. weiterer wichtiger Punkt der Untersuchun- Neuesten Nachrichten«( Nr. 119) führte er gen. Die Parteizeitung ist es, die Partei und Volk verbindet und unterrichtet. Denkens. Nach einem genauen ausgearbeiteten Plan werden die einzelnen Ergebnisse gewertet.<< Und wehe den Leitern, die eine schlechte Zensur nach Hause tragen! Darf man sich wundern, wenn die braunen Lokalgötter vor gesellschaften und fordert internatio- Göbbels und Pietät nale Schiedsgerichte: >> Ich selbst bin prinzipiell> Pazifist< So jung und schon Geheimrat. und habe schon seit vielen Jahren mehreren Friedensgesellschaften in Deutschland und Oesterreich, Frankreich und angehört, deren wohlgemeinte aus: Die große Ehre Gewaltsam habe der Einbruch des Judentums in die arische Naturwissenschaft mit Einstein und» Den ostpreußischen Pimpfen wurde eine Max Born eingesetzt. Das Ziel dieses große Ehre dadurch zuteil, daß sich BalEinbruchs sei nichts mehr und nichts weni- dur v. Schirach gern gewesen, als das nordische Naturempfinden und Naturdenken durch einen talmudistisch- formalistischen Dogma- a B.< der Sprache zu wachen, sondern Angelegenheit derer, die für die Nation die deutsche Sprache sprechen und die im öffentlichen Gebrauch der Sprache auch die entscheidenden Sprachbildner seien..< Wenn Bilderstürmer mehr Pietät gegen England alte Kultur fordern, so ist das immer eine heiAgitation tere Sache. Trotzdem durfte niemand lachen, Allmächtiger!-kann da der Kulturmensch klärte: an ihren Tisch setzte und mit ihnen zusammen (> Preußische Zeitung« Nr. 111.) deutsche Geschichtswissenschaft nicht abermals die Verbindung mit dem Leben verlieren, dann muß sie sich am weltanschaulichen Kampf der Geister in der Gegenwart ausrichten, von dort her ihre Anregungen und Impulse holen.<<> Das ist ein Geschoß der Neuheiden. Arme Die ver- als Göbbels in seinem jüngsten Kultur- nur seufzen. Es ist bekannt, daß gewisse Historiker! Welcher von ihnen kann es im edelten Kulturvölker sollen gegenseitig schwatz auf der Festtagung der R. K. er- Oberführer nicht nur ein anerkannt Dritten Reich wagen, die Rolle der Papstschlechtes Deutsch produzieren, son- kirche objektiv zu würdigen? Er müßte > Niemals dürfe die Vergangenheit Expe- dern auch mit abgebrauchten Fremdworten dann erörtern, die germanischen rimentierobjekt für die Gegenwart sein. Wir, ziemlich verschwenderisch und deplaciert um Völker den christlichen Glauben so rasch überdie wir von dem Glauben erfüllt seien, daß sich werfen. Das haben die Sprachreiniger nahmen und müßte darstellen, daß dieser die Ereignisse unserer Zeit einmal Gegegen den Krieg gerichtet ist... Toleranz üben und zu höherer gemeinsamer Kulturarbeit im Dienste höhe rer Humanität sich verbünden...< Gleich darauf wendet sich Günthers Urnorde gegen das Duell, den> echt germanischen Zweikampf<, den die Nazis wieder vom Komposthaufen der Geschichte zurückgeholt haben. senalbum darf nur die Die armen Historiker warum sondern auch die deutschen Staates war. Von der Bedeutung der Papsthilfe für die deutschen Fürsten und Kaiser ganz abgesehen. Die nationalsozialistische Studentenschaft Welcher Historiker darf heute diese und ist mit dem Programm des kommenden Deut- andere selbstverständlichen Wahrheiten drüschen Historikertages unzufrieden, weil er ben aussprechen, ohne gesteinigt zu werden?! schichte sein und deshalb in den Traditions- oft peinlich empfunden. Aber wie soll jemand, Glaube mit einer höheren Produktionsweise besitz unseres Volkes aufgenommen würden, der Deutsch wie eine fremde Sprache spricht Hand in Hand ging, daß er den Germanen hätten um so mehr die Pflicht, den Wer- und mit ihr dauernd im Kampfe liegt, von nicht nur das Kruzifix, Soviel über Haeckels> germanisches Blutsten der Vergangenheit gegenüber liebgewordenen Hilfsfloskeln loskommen, die höhere römische Technik brachte und daß er stärkste Pietät zu üben. Nur aus dieund Geisteserbe«. Humanist und Pazifist ser Pietät heraus können wir die Kraft ihm die Gedanken ersetzen? Wo die Begriffe nicht nur die Ueberwindung der kleinen veretwa wie Ossietzky radikaler Liberaler, schöpfen, das Erbe, das wir verwalten, fehlen, da stellt zur rechten Zeit ein Fremd- brauchten Stammesgötter, sondern auch des weiter zu entwickeln.< Kämpfer für die absolute Gedankenfreiheit wort sich ein... Deshalb mußte Göbbels end- unbrauchbar gewordenen Stammespartikulaund für absolute Freiheit der wissenschaft- Also doch kulturelles Erbe? So jung und lich einmal in die Bresche springen. Ganz rismus bedeutete, kurz: ein Wegbereiter des lichen Forschung, gegen die Allmacht des schon so liberal... Vor Jahren noch hieß es: oben wird man ihm dafür Dank wissen. totalen Staates: das ist der hühnen- Vor uns war nichts als Bockmist! Jetzt heißt hafte, blauäugige, blonde Norde, es warten, warten, warten; gebt uns viertauden die Günther usw. für ihr braunes Ras- send Jahre Zeit; hüten wir einstweilen die als vorbildlichen germanischen alte Kultur. Verfolgt werden die bisherige Geschichtsschreibung, Kämpfertyp aufgespießt haben und auf den Bibel, die motorisierten Neuheiden des asiatischen freiheitliche Literatur und Kunst, soweit ihr Wotan ihre vulgärmaterialistische Substanz- Sinn nicht zu verfälschen ist. Allmächtiger!- kann da der Kulturmensch lehre gründen möchten. Sie haben Pech mit Thren Paten: wenn sie zu ihnen passen, ist byzantiner für die Fremdwörter in der er sich gegen die mit dieser Patenschaft kein Staat zu machen, deutschen Sprache, als und wenn der Erkürte etwas bedeutet und Sprachreiniger wandte: noch dazu ein richtiger Norde ist, tritt er ihr totales Despotensystem mit Füßen. Wäre ihr Hirn nicht hoffnungslos festgekalkt, dann müßte solcher Anschauungsunterricht selbst Inferioritäten wie Leers, Günther, Rosenberg usw. allmählich wankend machen. Bruno Brandy. >> Es sei verfehlt, durch künstlich erdachte Wortbildungen die ewige Entwicklung der Sprache aufhalten zu wollen. Der wahre Sprachfreund stehe deshalb auch den in groBen nationalen Erneuerungsperioden immer wieder auftauchenden Experimenten einer künstlichen Sprachverbesserung mit skeptischer Reserve gegenüber. Es sei nicht Aufgabe von Gelehrten, über die Reinheit den schlechten» Einfluß des römisch- politischen Priestertums in der deutschen Geschichte< übergehen will. Ihr Zentralorgan schreibt: Ihre Zucht >> Durch das Vereinstheater wilheminischen > Wir suchen in den 16 Vorträgen ver- Stils mit seinen Soldatenpossen und lebenden geblich auch nur einen einzigen, der sich Bildern, durch die unangenehme Konjunkmit dem Wirken des Katholizismus in der turerzeugnisse nach der Machtdeutschen Volkswerdung befaßt... Denn übernahme, in denen Pimpfe lange Mowie in der gesamtvölkischen Wirklichkeit solche gibt es auch in der Geschichtswissenschaft nologe über Blut und Ehre hielten, habe sich vordringliche Probleme. Und ein eine Geschmacksverirrung vordringliches Problem ist es, jene Kräfte und Ratlosigkeit auf dem Gebiete des Volksklar herauszustellen, die im Werdeprozeß spiels gezeigt, wie nirgendwo sonst.<< des deutschen Volkes durchweg destruktiv gewirkt haben. Soll die ( Preußische Zeitung.) (die mon sich Im Dritten Reich beschweren darf Einspruch des Vertrauensrats Den deutschen Arbeitern kannte zum 1. Mai 1937 weder sozialpolitisch etwas gegeben, noch lohnpolitisch das geraubte Arbeitsgut auch nur teilweise zurückerstattet werden. Die braunen Mairedner kamen mit leeren blutbefleckten Händen. Um die begeisterungsarmen Gefolgschaften irgendwie mit irgend einem Rummel zu beschäftigen, wurde schließlich zum»nationalen Feiertag« eine Auszeichnung Deutschlands bester Betriebe vorgenommen. Ein Herr Hupfauer hatte die Günstlingsliste derjenigen Großkapitalisten zusammengestellt, die sich als»leidenschaftliche Kämpfer für die Idee des Führers« bewährt hatten. Er gibt selbst zu, daß beim besten Willen nicht allzu viele prämiiert werden konnten, denn »obwohl die Betriebe grundsätzlich(?) gut sind, ist ein großer Teil nach seiner Gesamtleistung noch nicht soweit, um anderen als Vorbild und Schrittmacher... hingestellt zu werden und die höchste Auszeichnung durch den Führer selbst zu erhalten«. Wäre an der ganzen Auszeichnungsaktion auoh nur ein Hauch sozialer Wahrheit zu entdecken, so wäre das mindeste gewesen, die sogenannten»Betriebsordnungen« zum Maßstab für die Prämiierung zru nehmen. Da die Nazis die Güte dieser Betriebsordnungen inzwischen kennen lernen mußten, so wurden diese bei der Prüfung der auszuzeichnenden Betriebe ausgeschaltet. Der Brandenburger Treuhänder sieht sich im Gegenteil veranlaßt, einen Notschrei»gegen Willkür in der Betriebsordnung« au veröffentlichen. Er hat nämlich feststellen müssen, daß die Herren Betriebaführer ganz knapp vor dem Zeitpunkt, an dem sie gewisse Versprechen hätten erfüllen müssen, die Betriebsordnungen »willkürlich zuungunsten der Gefolgschaft« abgeändert haben. Es wird deshalb in der Deutschen Arbeits-Korreapon- denz auseinandergesetzt, daß sich die Vertrauensmänner in solchen Fällen hätten»zur Wehr setzen müssen«. Es gäbe im| 16 des Arbeitsordnungsgesetzes einen Beschwerdeweg. Nach den»Aufklärungen« der DAX hätte sich, falls sich die Betriebsordnung mit den sozialen Verhältnissen nicht vereinbaren läßt, die folgende Beschwerde-Komödie abzuspielen: »Der nationalsozialistische Staat hat hier einen starken Schutzwall gegen Willkür und Eigensucht aufgerichtet.« Es wird bestimmt, daß die Mehrheit des Vertrauensrates den Reichstreuhänder der Arbeiter anrufen kann. Wir wollen ganz davon absehen, daß diese Treuhänder nach ihrer Herkunft und Zusammensetzung gefügige Diener der Betriebsführer sind und nur vom Vertrauensrat sprechen. »Niemand braucht also willkürliche Verschlechterungen widerspruchslos hinnehmen und nachher über den bösen Betriebsführer zu jammern«. Man bedenke, daß heute die Vertrauensmänner überhaupt nicht mehr gewählt, sondern von der Nazi-Betriebszelle und dem Betriebsführer gemeinsam ernannt werden. Im Kreise dieser Kneohtseelen soll sich nun eine Mehrheit finden, die Amt und Stellung riskiert und als Gegner ihres Betriebsprotektors auftritt. Noch komischer aber ist das Verfahren dieses Einspruchs geregelt. »Die Anrufung des Reichstreuhänders ist erst zulässig, wenn die Beschwerdepunkte vorher im Vertrauensrat erörtert worden sind. Zu diesem Zweck hat der Betriebaführer eine Sitzung einzuberufen«.! Wer lacht da, die Kläger haben den Angeklagten zu bitten, zur Prüfung ihrer Beschwerde eine Sitzung abzuhalten. Da wundert sich die DAK, daß sich die Vertrauensmänner bisher gegen Willkür»nicht zur Wehr« gesetzt hätten. >W i 1 1 aber der Betriebaführer die Wünsche nicht erfüllen, so muß er seinen Standpunkt klar auseinandersetzen«. Das heißt praktisch: Wenn der Betriebsführer z. B. eine in der Betriebsoivinung zugesagte Sonderzahlung versprochen hat, so erzählt er den Vertrauensmännern seine Gründe, warum er das Versprechen gebrochen hat. Es kommt aber noch schöner: »Nach Erfüllung dieser Voraussetzungen hat er(Der Unternehmer) festzustellen, ob die Mehrheit der anwesenden Mitglieder des Vertrauensrats die Anrufung des Treuhänders wünscht. Bei dieser Abstimmung kann er selbst mitstimmen.« Es ist also alles vorgesorgt, damit der Einspruch überhaupt nicht zustande kommen kann. Was dann folgt, ist belanglos, dennoch sei es hier erwähnt, denn es lohnt sich, diese Beschwerdeordnung ganz auszukosten. »Ergibt sich eine Mehrheit, so müssen die trauensmänner ihre Beschwerde schriftlich niederlegen und dem Betriebsführer übergebe n«. Dieser— der Angeklagte— hat sie dem Treuhänder weiterzuleiten. Einen solchen Beschwerdeweg konnte man sich auch bei kühnster Phantasiebegabung selbst im Dritten Reich nicht vorstellen. Dann nimmt der Betriebaführer noch schriftlich zur Beschwerde Stellung. Der Treuhänder trifft nach Anhörung beider Teile seine Entscheidung. Die DAK meint, es sei außerordentlich wichtig, daß die Vertrauensmänner diese Bestimmungen der Gesetze kennen. Das möchten wir auch glauben, denn wenn sie den Beschwerdeweg kennen, werden sie ihn selbstverständlich niemals beschredten. Das ist ja auch schließlich der Zweck der Uebung. Hitlers Parteiattrappen unter Finonzkurotell Die Trennung der Gewalten Der»Stellvertreter des Führers« und— in dieser Eigenschaft— Reichsminister Heß hat dieser Tage bekann tgegeben, daß die schon vor dreieinhalb Jahren verhängte Mitgliedersperre bei der NSDAP demnächst aufgehoben werde. Warum soll man in der Tat, nachdem wenigstens die halbwegs illustren»alten Kämpfer« alle wohl versorgt und bodenständig in den Gehaltslisten der Behörden geworden sind. Gefahren miteinander konkurrierender Parteibücher für sie also nicht mehr bestehen, auf die Chance verzichten, sich neue Tributpflichtige en masse zu sichern?! Die Existenz im Dritten Reich ist mm einmal auf die Streberei und Liebedienerei eingestellt: nicht nur die Beamten, o bschon man es auf sie— auch schon aus politischen Ueber- legungen— beim geplanten großen Fischzug am meisten abgesehen haben dürfte, werden sich begeistert ins Noviziat bei der Partei, die eigentlich allein die deutsche Vollbürger- schaft zu vergeben hat, drängen... Um so interessanter, angesichts dieser geplanten Partei-NeureWutierung, wirken die Angaben, die kurz nach der Ankündigung' von Heß der» Reichsschatzmeister« des Herrn Hitler über interne Organisationsprobleme der Diktaturpartei bei Gelegenheit einer»Pressebesichtigung« machte, die dem Verwaltungsgebäude der NSDAP in München, Arcisstraße, gewidmet war. Abgesehen davon, daß man hierbei— laut einem Bericht in den»Münchener Neuesten Nachrichten«— so nebenbei erfuhr, daß rund 1400 Büroangestellte— man denke an das frühere Antibonzengeschrei der Nazis — hier in Räumen sitzen, die mit allem Komfort der Neuzeit, sogar mit einer grandiosen »Naturluft«-Versorgungsanlage ausgestattet sind und daß man in den»Repräsentationsräumen« der Parteispitzen über Perserteppiche nur so stolpert— die ganze»Presse- besichtigung« scheint nach dem genannten Augenzeugenbericht nur dem einzigen Vorwand gedient zu haben, daß jener»Reichsschatzmeister« Schwarz folgende Generalanweisung für den gesamten inneren Hitler- Parteibetrieb möglichst unauffällig an den Mann bringen konnte: »Große Organisationen— so wörtlich in der Ansprache des»Reichsschatzmeisters« an die Pressevertreter— sind nur lebens fähig, wenn die Verwaltung nicht allein organisatorisch, sondern auch in der peinlichsten Sauberkeit der Geschäftsführung ein Musterbeispiel gibt. Ihre ausführenden Organe können deshalb nur einem verantwortlich sein und müssen, wie zum Beispiel die Revisoren, die ihre Pflicht zu erfüllen haben, einen gewissen Grad von Unabhängigkeit haben. Aus diesem Grunde ist jetzt, soweit sachlich geboten, die Trennung der Verwaltung von der Führung durchgesetzt word en. Aber selbstverständlich politisch und parteimäßig ist das Verwalturjgsführerkorps untrennbar mit der Partei verbunden. Das Primat der politischen Führung ist ebenso imbestreitbar, wie die dazu gehörige Verwaltung unentbehrlich ist!« Welchen bis in die Tiefen durchaus liberalen Staat— äußerstes Gegenstück zu jeglicher kongenialer Ausgeburt des berühmten »Führerprinzips«— will doch wohl hier mit seiner Theorie der»Trennung der Gewalten« der»Reichsschatzmeister«, wenn auch im kleineren Rahmen der Partei, endlich verwirklicht sehen, nachdem so etwas doch sein hoher Chef für mindestens ein Jahrtausend für Deutschland abgeschafft hat?! Ist das Prinzip vielleicht gerade da schon am Ende seines Lateins, wo es am allerersten begonnen hatte? Das wäre nicht gerade ruhmreich für Hitlers Kopernikustat. Die aktuelle Nutzanweisung aber in bezug auf das Finanzkuratel, das Herr Schwarz damit über seine Partei verhängt hat, ist noch viel lehrreicher! Wie lange ist das nämlich her, daß die Kreis- und Gauleiter nur in Mercedes-Luxusausführung auf Kosten der brav zahlenden Mitgliedschaft der Millionenpartei durch die deutsche Landschaft kutschierten? Welche Spesen müssen sie sich aus»politischer« Machtvollkommenheit bewilligt haben, wenn jeder von ihnen mittlerwelle au« dem früheren Zwei- oder Dreizimmerbehelf ins»beste« Stadtviertel längst übergesiedelt ist— mit Großgarage, Park und Gärtnerwohnung?! Auf die Dauer wirkt das selbst in Deutschland, wo das sogenannte»Volk« gewöhnt ist, sich so manches gefallen zu lassen, doch etwas ungemütlich und unbehaglich. Und für ein»Volk ohne Raum« mindestens auch ein wenig zu kostspielig! Herr Schwarz möchte also vorbauen für den Fall, daß der Zustrom einer neuen Million zahlbegeisterter Parteimitglieder die Parteikassen für neue Luxus-Mercedesse und weitere Tiergartenvillen für»politische Leiter« beanspruchbar macht. Das ist klug und weise gehandelt und spricht durchaus für den gesunden Menschenverstand des ehemaligen etatsmäßigen Feldwebels, der er ist. Es ist um so lobenswerter, als er ja wohl selbst in seiner»naturgelüfteten«, perserbelegten Residenz in der Arcisstraße in München einstweilen wohl noch bleiben wird... Ein Beitrag zum korrumpierten Totalstaat! Kein Wunder, wenn ihn der Herr »Reichsschatzmeister« so unauffällig als möglich. als Teil einer»Pressebesichtigung« zur Weltgeschichte beisteuern wollte! UnioersitötsburatorundRundfunkintendcnt Die»akademisdie« Karrlere zweier blonder und rauher Kämpfer Haus der»Rheinischen Zeitung«, wo er fortan den»Westdeutschen Beobachter« drucken ließ. Fast noch wichtiger für ihn aber war die Stunde der Rache an jenen Hochschullehrern, die ihn durch ihre akademischen Hebewerke gejagt hatten. Er ließ sich, noch nicht dreißig Jahre alt, zum Kurator der Kölner Universität ernennen. Er dekretierte, er warf hinaus, er beurlaubte, er ernannte. Die Koryphäen der Fakultäten zitterten und beugten sich. Heute sieht man sie bei offiziellen Anlässen — besonders begeistert am-l. Mai— in ihrer Amtstracht, Veloursmantel und federgeschmücktes Barett, hinter ihrem uniformierten Führer Peter aufmarschieren— eine Szenerie der Würdelosigkeit. Keine Nummer des»Westdeutschen Beobachters« ohne eine Photographie von ihm: Peter W. weiht das Institut Soundso, spricht vor andächtig lauschender Menge... Er hat seine Villa in Frankenforst bei Köln, schnittige Autos und Luxushunde. Als neulich einer entlief, erschien eine riesige Anzeige »Gegen hohe Belohnung«... Nicht weniger steil ging die Karriere seines Bruders Anton in die Höhe; ja, dessen Berühmtheit war fast noch fundierter. Im Jahre 1932 organisierte er einen glänzend funktionierenden Sturm auf das katho- lische Vereinshaus in Köln- Ehrenfeld. Da schmetterten die Fensterscheiben, da knackten die Stühle; Toni, der Sieger, schritt nachher eine ganze Strecke verwundeter Katholiken ab. Vor Gericht mimte er die blonde Unschuld. Er kam ein paar Wochen ins Gefängnis und mußte die Universität verlassen. Zum Trost dafür ernannte Dr. Ley den bewährten Kämpen zum Propagandaleiter der Bewegung, und im März 1933 bezog er als Göbbels' Landesstellenleiter mit seinem ganzen Stabe von Mitarbeitern einen Palast in Kölns schönster Stadtgegend. Hier hielt er, der»Landeskulturwalter«, in einem Prunksaale seine Empfänge ab. Daneben machte er in Bonn aus dem Handgelenk sein Doktorexamen— keine schwierige Sache mehr, nachdem die Herren Professoren die hohe Begabung des Jünglings aus erlauchtem Stamme endlich erkannt hatten. Jetzt hat sich die Kurve dieser Karriere noch höher geschraubt. Doktor Toni Winkelnkemper wurde von Göbbels zum Intendanten des R e 1 c hs s e n d e r s Köln ernannt— ein Anlaß zu bildreichen Bc- grüßungsartikeln der braunen Presse. Gerade ist Toni 31 Jahre alt geworden. Toni Winkelnkemper, der Besieger der katholischen Gesellen, gilt als wütender Hasser der katholischen Kirche. Seine Propagandabeamten besaßen die besondere Aufgabe, die hierarchischen Behörden intensiv zu überwachen. Im größten katholischen Gebiete Deutschlands wird jetzt dieser rauhe Kämpfer Alleinherrscher über den Rundfunk: eine neue, im deutschen Westen wohlverstandene Herausforderung des Katholizismus. H. Peter und Anton Winkelnkemper hießen sie, die blonden Söhne der westfälischen Erde, die 1928 die Kölner Universität bezogen— zu einer Zeit, wo die deutschen Universitäten noch der Wissenschaft dienten. Da beschlossen Peter und Anton, mit Hitler zu»kämpfen«. Kampf für eine politische Ueberzeugung; das war früher einmal die Entfesselung des Wortes und der Sprache zur Gewinnung ebenso leidenschaftlich hingegebener Kameraden. Aber diese abgestandene Weisheit die nach dem marxi- stisch-liberalis tischen 19. Jahrhundert roch, war nichts für die beiden Brüder. Sie setzten entscheidend den Bizeps ein, in der zutreffenden Annahme, daß damit dem Nationalsozialismus besser gedient sei. Wo im Kölner Bezirk jemand niederzubrüllen war, wo es Saalschlachten und Straßenprügeleien gab, da standen Peter und Anton, meist an der Seite L e y s und anderer Prominenter, ihren Mann. Die Wegspur ihres politischen Aufstiegs war von blutigen Köpfen umsäumt. Da wurde im Jahre 1930, nicht ohne Mithilfe des Bankhauses Stein und seines Direktors Baron von Schröder, der»Westdeutsche Beobachter«, der bis dahin als Wochenblatt erschienen war, in eine Tageszeitung umgewandelt. Gerade hatte Peter seinen Doktor gebaut. Seine Professoren erzählten, daß sie von dieser Ansammlung geistiger Unbegabtheit in einen Schweißaasbruch nach dem andern geraten seien. Aber es genügte für den frischen Chefredakteur, den man vielleicht einmal zu fürchten hatte. Seine Artikel, geschrieben unter immanenten Protesten gegen die Grundsätze der deutschen Sprache, entsprachen dem Agitationsbedarf der Bewegung vollkommen. Da kam die Machtergreifung! Mit einer bewaffneten Schar besetzte Peter Winkelnkemper das gerade gestohlene August-Bebel- ItorHocmMs fraHfcI>e0 IDocbcnfcksH Herausgeber: Ernst Sattler; verantwortlicher Redakteur: Wenzel Horn; Druck:»Graphia«; alle in Karlsbad. Zeitungstarif bew. m. P. D. ZI. 159.334/VTI-1933. Printed in Czechoslovakia. 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