Nr. 205 SONNTAG, 16. Mai 193? 6osialtemi>lraftfd)gg Nebenblatt Verlag: Karlsbad, Haus„Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt: Landsberg und Dachau Bulgarien eine deutsche Kolonie Der Kirchenkampf verschärft sich Was liest Göbbels? Die»Adise« berät Die Spitzen des Systems veranstalten einen Massenbesuch in Italien, einer löst immer den anderen ab. Göring, Ley, Neurath haben ihre Besuche absolviert. Die Reihe ist nun an dem Reichskriegsminister Blomberg, dem Generalfeldmarschall von Hitlers Gnaden, und an Hitler selbst. Diese Besuche sind die Kehrseite der sogenannten Verständigungsbereitschaft, die Schacht nach Westen hin zur Schau trägt, sie sind Zeichen für die Rastlosigkeit des hitlerdeutschen Expansionsstrebens. Sie sollen die deutsch-italienische Zusammenarbeit festigen und die politische Rollenverteilung klären. Die Lage hat sich vollkommen verschoben gegenüber dem Zeitpunkt, an dem Hitler in Venedig Mussolini seinen Besuch abstattete, und Mussolini eiskalt die Pläne eines Brückenschlags über Oesterreich nach Italien zurückwies. Der a- Realpolitiker« Mussolini wollte damals nichts wissen vom»ideologischen Block« der faschistischen Mächte. Er hat seine Realpolitik geführt— Realpolitik ist seitdem ein großes Wort im Sprachgebrauch europäischer Staatsmänner mit zweifelhafter ideeller Grundlage— und mit Hüfe dieser Realpolitik ist er beim ideologischen Block der faschistischen Mächte, bei der»Achse« Berlin— Rom gelandet. Heute ist er ein ebenso eifriger Brückenbauer wie Hitler selbst. Ein Vorgang in Oesterreich ist symptomatisch für die völlige Umwälzung der Verhältnisse. Nach dem Naziputsch vom Juli 1934, bei dem der Bundeskanzler Dollfuß von Nationalsozialisten ermordet wurde, wurde der präsumptive Bundeskanzler der Nationalsozialisten, der frühere Gesandte Dr. Rintelen, prozessiert und zu lebenslänglichem Kerker verurteilt. Die Verurteilung erfolgte auf Grund der Zeugenaussage eines faschistischen Kronzeugen. Dr. Rintelen beging einen Selbstmordversuch, die Folgen davon haben bisher die Vollstreckung der Kerkerstrafe verhindert. Jetzt ist Rintelen aus dem Krankenhaus entlassen worden, die Voraussetzung für die Vollstreckung der Kerkerstrafe ist jetzt gegeben. Statt dessen ist er in Freiheit gesetzt worden, und zwar auf speziellen Wunsch von Hitler und von— Mussolini. Es ist logisch. Wenn»die Achse« in Oesterreich gemeinsame Sache macht, hat sie Anlaß, ihre alten Rechnungen auszugleichen. Dieser Fall ist ein Abfallprodukt der Verhandlungen, die in Rom geführt werden. Es geht dabei um Spanien, und es geht um das Geschick Südosteuropas. Es geht weder um Frieden, noch um Verständigungsbereitschaft, sondern ganz einfach umHerrschaft Vor Mussolini schwebt das Ziel der Seeherrschaft im Mittelmeer, der Beerbung des»vergreisten britischen Volkes« durch den»jugendfrischen Faschismus«, vor Hitler die Erneuerung der imperialistischen Pläne, die über den Balkan nach Vorderasien zielen. Jeder Versuch, die Pläne der beiden in Einklang bringen zu wollen mit anderen, auf Frieden, Verständigung und Ausgleich wirtschaftlicher Spannungen in Mittel- und Südosteuropa abzielenden Plänen, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Der Herrschaftswille der Diktaturen strebt nach ganz anderen Lösungen als der Selbständigkeitswille der kleineren Staaten. Die Politik der nach Herrschaft strebenden Diktaturländer ist Angriff im geschichtlichen Sinne des Wortes. Ueber die Methoden des Angriffs, über die Vorbereitungen, über die nächsten Zielsetzungen wie über die Verteilung der Beute wird zwischen Mussolini und der Spitze des braunen Systems verhandelt. Ein Stück von der politischen Grundkonzeption Hitlers und seiner geistigen Hintermänner ist verwirklichL Was er in Sorten des Systems Was wird aus der Yolksernährung? Die Weltagrarkrise dürfte mit diesem Getreidejahr ihren Abschluß gefunden haben. Bis zur neuen Ernte auf der nördlichen Halbkugel werden Argentinien, Australien und Kanada ihre Ueberschüsse aus früheren Jahren ziemlich restlos und zu guten Preisen abgesetzt haben. Erweiterte Anbauflächen und günstiger Saatenstand in Uebersee lassen die manchmal vorausgesagte Knappheit und starke Preissteigerung an Getreide bisher wenig wahrscheinlich erscheinen. Aber noch weniger ist mit Preisverfall und neuem Farmerelend zu rechnen. Die europäischen Einfuhrländer werden deshalb bei der Dek- kung ihres Bedarfs nicht mehr mit einem so niedrigen Getreide-Weltmarktpreis rechnen können wie in früheren Jahren, und daraus ergibt sich für sie eine stärkere Belastung der Handelsbilanz. Um so wichtiger wird für diese Länder der eigene Ernteausfall, und am wichtigsten für Deutschland, dessen inländische Getreidevorräte trotz aller Einschränkungen bereits jetzt nicht mehr zur Ueberbrückung des Bedarfs bis zur Ernte ausreichen und in steigendem Maße durch die Einfuhr gedeckt werden müssen. Man begreift deshalb, mit welch verhaltener Angst die Göring, Darre und Schacht dem Ergebnis der deutschen Ernte entgegensehen. In der Tat erscheinen die Aussichten nicht sehr günstig. Während aber im Vorjahr die offiziellen Stellen bis in den September hinein die optimistischen Prognosen verbreiteten, bis sich schließlich die Wahrheit, eine recht geringe und qualitativ unzureichende Ernte, nicht länger verhehlen läßt, sehen sie sich in diesem Jahre dann doch zu größerer Zurückhaltung gezwungen. Ja, man erhält fast den Eindruck, als wolle man das deutsche Volk auf den Eintritt einer neuen Mißernte schon jetzt vorbereiten. Man urteile selbst. Der eben veröffentlichte Bericht über den Saatenstand Anfang April hat folgenden Wortlaut: »Der Winter 1936/37 zeichnete sich durch verhältnismäßig wenig Schneefälle und außerordentlich viel Regen aus. Im übrigen war er mild, abgesehen von wenigen Kälteeinbrüchen, die den Saaten gewissen Schaden zufügten. Nachdem mehrere Jahre nacheinander die Winterfeuchtigkeit des Bodens recht gering gewesen war, ist sie in diesem Jahr außerordentlich groß. In mehr als 50 Prozent der Berichtsbezirke ist ausreichende und in etwa 46 Prozent der Berichtsbezirke zuviel Winterfeuchtigkeit gemeldet worden. Auch im März herrschte regnerisches Wetter. In etwa 60 Prozent der Berichtsbezirke sind zu reichliche Regenmengen niedergegangen, und zwar meldeten aus Nordwest-, West- und Süddeutschland mehr als 80 Prozent der Vertrauensmänner des Statistischen Reicbsamtes zu ergiebige Niederschläge, während in den übrigen Reichsgebieten, namentlich in den beiden Schlesien, der größte Teil der Berichterstatter die Niederschläge als gerade ausreichend bezeichnete. Infolge der ungünstigen Witterung im Spätherbst 1936 verzögerte sich die Bestellung, so daß die Saaten nicht so gut bestockt in den Winter kamen wie in normalen Jahren. Da im März ebenfalls nasses und dabei vorwiegend kaltes Wetter herrschte, ist die Entwicklung der Saaten noch allgemein im Rückstand. Im Reichsdurchschnitt stehen der Winter roggen mit der Note(1= sehr gut) 3.3(Dezember 1936= 3.0, Anfang April 1936— 2.5), der Winter weizen mit der Note 3.2(2.9 und 2.4), die Wintergerste mit der Note 3.2,(2.8 und 2.5), der Winterraps mit der Note 3.1(2.8 und 2.5) und der Klee mit der Note 3.1(2.7 und 2.6) etwas schlechter, Luzerne und Wiesen aber etwas besser als mittel. Im Reichsdurchschnitt wurden außer Spelz sämtliche Feldfrüchte ungünstiger beurteilt als Anfang Dezember 1936 und zur gleichen Zeit des Vorjahres. Falls trockenes und warmes Wetter eintritt, könnten aber die Saaten die Entwicklungsverzögerung sehr schnell aufholen. Die Feldarbeiten sind allgemein im Rückstände. In fast drei Vierteln der Berichtsbezirke konnte mit der Sommergetreide-Bestellung noch nicht begonnen werden. Die Kartoffeln sind im allgemeinen normal überwintert.« Das ist ein sehr peasirräs tischer Bericht und der einzige Trost ist der Hinweis auf besseres Wetter. Nun kann gewiß warmes und trockenes Wetter manches gutmachen, aber kaum den allgemeinen Rückstand in den Feldarbeiten. Denn dieser ist nicht nur eine Folge der ungünstigen Witterung, sondern auch eine Folge des Arbeitermangels, der sich trotz der infamen Zwangsmaßnahmen weiter verschärft hat. Denn die wahnwitzige Ueber- produktäon der Rüstungsindustrie, einschließlich des Kohlenbergbaus, der Eisen- und Bauindustrie, bindet einen großen Teil der Arbeiter und seihst die Diktatur bringt es nicht fertig, dieselben Arbeiter zugleich in der Industrie und auf den Aeckern zu beschäftigen. Und an diesem Zustand wird auch der Einsatz des Arbeitsdienstes, der Hitlerjugend, der SA, und von Teilen der Wehrmacht, die Göring angekündigt hat, nicht allzu viel ändern. Denn von der Arbeitsleistung der »Mein Kampf« als Ziel seiner Politik bezeichnete, Italien als Verbündeten für die Zwecke eines wieder erwachten deutschen Nationalismus zu gewinnen, ist erreicht. Aber es ist nur der kleinere Teil der Kombination, mit der er rechnete. Nicht nur ItaUen, sondern auch England sollte bei dem Wiederaufstieg Deutschlands zur Weltmacht als Bundesgenosse Pate stehen, Heute hat er zwar Italien gewonnen— aber nur, weil das faschistische Spanien die Bundeshilfe Hitlers gegen England sucht. Das ist es, was der italienischdeutschen Zusammenarbeit einen gefährlichen Zug von Desperadopolitik gibt, der überraschende Ueberfälle und Fnedens- brüche befürchten läßt. Wenn die beiden Diktaturmächte gemeinsame Politik betreiben, so ist diese Politik von vornherein verdächtig. Hitlers Auffassungen über Bündnisse sind bekannt: »Völkerschicksale werden fest aneinander- geschmiedet nur durch die Absicht eines gemeinsamen Erfolges im Sinne gemeinsamer Erwerbung, Eroberungen, kurz, einer beiderseitigen Machterweiterung«.(»Hein Kampf«, Seite 697.) »Ein Bündnis, dessen Ziel nicht die Absicht zu einem Kriege umfaßt, ist sinn- und wertlos.«(S. 749.) Bedarf es noch einer genaueren Erläuterung, worüber die»Achse« in Rom verhandelt? Wenn Göring und Mussolini miteinander reden, wird über die wirkliche deutsche Politik gesprochen, wenn Schacht in Brüssel und Paris glatte Redensarten von sich gibt, wird die wirkliche deutsche Politik verschleiert. mit Landarbeit meist ganz unvertrauten Kräfte ist nicht viel zu erwarten. Vielleicht geht man aber auch mit der Annahme nicht fehl, daß es sich bei diesem, so auffällig betonten»Rückstand der Feldarbeiten« bereits um ein allgemeines Absinken der Intensität der Bebauung, um den wachsenden passiven Widerstand der Bauern handelt, der durch die Zwangswirtschaft der Darre und Göring ausgelöst ist. Die Verwandlung des Bauern in den Staatssklaven, dem Art und Ausmaß der Produktion zentral von oben vorgeschrieben ist, der den größten Teil seiner Ernte zu festgesetzten Preisen abliefern muß, erweist sich als Hemmung der Produktion und muß auf die Dauer zu der Tendenz führen, die bäuerliche Wirtschaft immer stärker auf die Deckung des eigenen Bedarfs zu beschränken. Weit entfernt davon, die»Nahrungsfreiheit« zu erreichen, führt die Darresche Zwangswirtschaft zum Sinken der Produktion und zum Zwang erhöhter Einfuhr. Dabei scheint die bäuerliche Opposition gegen die Verschärfung, die die jüngsten Maßnahmen des Reichsnährstandes gebracht haben, im Wachsen zu sein. Die»Neue Zürcher Zeitung«, die sich bei ihrer Berichterstattung aus Deutschland große Zurückhaltung auf-( erlegt, veröffentlicht folgendes Telegramm ihres Berliner Korrespondenten vom 6. Mai: »Die Opposition gegen den Reichsbauernführer und Ernährungs- minister Darrä hat in Westfalen gefährliche Ausmaße erreicht, so daß die Regierungsstellen in Berlin sich zu einem scharfen Vorgehen veranlaßt sahen. Der Landesbauernführer und mit ihm Dutzende von Funktionären wurden kurzerhand abgesetzt. Andere Funktionäre und zahlreiche Kreisbauernführer traten daraufhin zum Zeichen des Protestes von ihren Aemtem zurück. Von Berlin aus ist der Landesbauernführer der Rheinprovinz. v. Eltz-Rübenach(ein Verwandter des früheren Reichspost- und Verkehrsministers), als Kommissar für Westfalen ernannt worden.« Wir wollen gerne die augenblickliche innerpolitiache Bedeutung solcher Vorgänge angesichts der Machtmittel der Diktatur nicht überschätzen, aber wirtschaftspolitisch würde ein neuer schlechter Ernteausfall die Schwierigkeiten des Regimes außerordentlich steigern. Denn der agrarische, nur durch vermehrte Einfuhr zu befriedigende Rohstoffbedarf gesellt sich zu dem industriellen. Auch hier wollen wir statt des eigenen Urteils einige Zitate sprechen lassen. In einer kürzlich vor der»Volkswirtschaftlichen Vereinigung« im Rheinisch-Westfälischen Industriegebiet gehaltenen Rede über den deutschen Außenhandel konstatierte der Direktor am Statistischen Reichsamt, Dr. G r ä v e 1 1, daß »seit Jahren der notwendige Einfuhrbedarf nicht aus der Einfuhr dieser Zeit allein, sondern zu einem nicht unerheblichen Teil aus Lagerbeständen gedeckt« worden sei. Diese Lager sind aber ebenso wie die Getreidevorräte nunmehr restlos verbraucht. In einem ganz unpolitischen Berliner Bericht der»Neuen Zürcher Zeitung« vom 1. Mai über die Ursachen der gegenwärtigen Geldflüssigkeit in Deutschland heißt es: »Ferner sind die Warenlager der Industrie und des Handels nahezu restlos erschöpft, wodurch weitere Gelder frei- geworden llung sind. Die Auffüllung der] Lager stößt auf Schwierigkeiten. Obwohl in der letzten Zeit die Devisenzuteilungen zur Rohstoffbeschaffung besonders an die Exportindustrie größer geworden sind, können die Lager nicht aufgefüllt werden, weil auf dem Weltmarkt die gewünschten Rohstoffe nicht zu kaufen sind. Die Praxis der deutschen Devisenbewirtschaftung laubt es den Firmen nicht, langfristige Rohstoffkaufverträge abzuschließen, da erfahrungsgemäß in der Handhabung der Devisenkontingente sehr plötzlich einschneidende Aenderungen eintreten können. Die Länder mit freier erDie Mörder von Guernica Aus dem Tagebuch eines deutschen Fliegers Am 5. April wurden vier Deutsche, die sich in einem Automobil von San Sebastian nach Durango begaben, von den republikanischen Truppen gefangengenommen. Sie hatten auf Grund falscher Informationen angenommen, sich noch in dem von den Rebellen besetzten Gebiet zu befinden und waren auf diese Weise in die Hände der republikanischen Truppen gefallen. Die Insassen waren Devisenbewirtschaftung befinden sich daher zwei deutsche Piloten, der gegenüber den deutschen Firmen im Vorteil. Man hört deshalb in Industriekreisen nicht selten die Ansicht, daß die Aenderung der Devisenzuteilung zugunsten der Exportindustrie zu spät eingetreten ist.<< der neuen Maschine. Die Schnelligkeit macht irgendwie Eindruck auf mich. 19. Januar. Kein Flugwetter. Gilsa kommt. Freue mich aufrichtig. Hätten uns einiges zu erzählen. Nachmittags mit Schlosser und Klug auf Jagd. Entdecke Schönheiten dieses Landes. 26. Januar. Lange geschlafen. Holz gehauen. Ein Uhr Abfahrt zur Front. Carabanchel- Bajo. Hier ganz freundliche Aufnahme. Feuer, springen von Haus zu Haus. Dann Sprung über freie Stelle Flieden Gräben. Beschießung derselben. Geschosse zwitschern vorbei. Wein bei Kapitän und Kommandanten. Tote, tote Schweine, gerleutnant Gottfried Schulze und der Fliegerhauptmann Walter Kühle, ein deutscher Hauptmann Carsten von Harling und ihr Dolmetscher Paul Freese, Stützpunktleiter der Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiter- Partei Wie es aber in Wahrheit mit der Ver- in Zarauz in Spanien. Der Fliegerleutnant sorgung der Exportindustrie aussieht, da- Gottfried Schulze hatte ein kleines Heft bei für schließlich noch ein unanfechtbares sich, in dem er vom 1. Jänner ab tagebuchZeugnis. In dem sonst sehr schönfärben- artig seine Erlebnisse in Spanien aufgezeichden Bericht des» Werberats der deut- net hatte. Nachstehend geben wir einen schen Wirtschaft< über die Leipziger Auszug aus diesem Tagebuch wieder. So: Frühjahrsmesse wird über die Schwierigkeiten der Rohstoffbeschaffung gesagt: zur > Manches bange Wort der Sorge, das von der gefährdeten Ausführung der umfangreichen Bestellungen spricht, stimmt bedenklich, so erfreulich auch die Berichte der Aussteller hinsichtlich der geschäftlichen Erfolge sind. Die im Januar und Februar einsetzenden Schwierigkeiten erreichten gerade Messezeit ihren Höhepunkt, und die von der Wirtschaftsführung ergriffenen Maßnahmen zur Regelung des Rohstoffbezuges hatten teilweise noch nicht begonnen oder sich noch nicht eingespielt. Nur so sei es zu erklären, daß weit über die Hälfte der Aussteller mitteilt, die Geschäfte der deutschen und ausländischen Kundschaft würden durch Rohstoffmangel beeinträchtigt. Diese Schwierigkeiten ergaben vor allem im Sevilla. 1. Januar 1937. 6 Uhr morgens im Hotel Christina. 10 Uhr aufgestanden. 11 Uhr nach Flugplatz von Sevilla. Viel herumgeschickt. Unordnung, da Zivilisten nicht arbeiteten. Die 31( Flugzeuge) klarmachen lassen. Gepäck aus Christina geholt. Alles in großer Hetze. Danach bei Herrn Deichmann abgemeldet. 5. Januar. Bin doch froh, in Escalona zu sein. Acht Uhr auf. Frontflug der Staffel mit zwei Junkers und drei Romeos. Madrid in Bodennebel. Im übrigen herrlich. In der Sonne gelegen und ausgeruht. Bin von einer gewissen seelischen Unruhe und suche nach irgend einer Persönlichkeit. 12. Januar. 8 Uhr aufgestanden. Kein Flugwetter. Um 11 Uhr auf Platz auf Oberst Koestler erwartet. Mittag gegessen mit den Herren. Hunde, Maultiere. zu 30. Januar, Kleine Besäufnis mit Schlosser. Chef geht schlafen. Ich, Offizier vom Dienst, Rütsch, Schlosser kommen sehr kameradschaftlich mit ins Bordell. 1. Februar. Nächsten Tag mit Rütsch und Schlosser nach Talavera, auf Suche. Aber schlecht. Da keine Mädchen, erfolglos zurück. 24. März. Von Avila mit den anderen nach Victoria. Aufenthalt in Valladolid und Burgos. Phantastische Schönheiten der Landschaft, besonders um Victoria. Hier Verbindung nehmen mit Militärbehörden. Abends Bummel, Bordelle geschlossen. 31. März. Luftangriff morgens um 9 Uhr 45 an Biscaya- Front. 11 Uhr 55 nochmaliger Angriff. 14 Uhr auf viele Lastkraftwagen und Menschen. Explosionen. Viele Treffer. 15 Uhr 45 nochmaliger Angriff auf diese Kolonne. Abends gut gegessen. 3. April. Start nach San Sebastian. Enormer Eindruck, wunderbar am gebirgsumsäumten Meere gelegen. Schöne hohe Häuser, breite, gepflegte Straßen, gute Cafés, Park- und Platzanlagen. Wenig Leute, wie ausgestorben. Besichtigung des Kasinoberges, werde für Italiener gehalten, netter Bummel. Dann Zivil angezogen und mit Taxi ins Bordell. Schneidige Frauen. Dreimal. Sehr nett anschließend. Noch weiter anschließend war es dann 9. Februar. Maschine H. C. landet, weniger nett, denn, wie gesagt, am 5. April macht Kopfstand, der Oberleunant von Kessel, der später die A. L. 88 fährt. Guter Offizierstyp. wurde der Bewunderer spanischer Landschaften und spanischer Frauen, Gotteszwei Junkers, streiter und heldischer Abgesandter des Er12. Februar. Flug mit drei Romeos, zwei Stunden nach Arganda. habenen Führers Adolf Hitler, wurde Herr Luftkampf, wo zwei Maschinen brennend Leutnant Schulze gefangen genommen. Sein abstürzen, ich prima verwickelt, Kalm Es liefert eine und Heffe retten sich mit Fallschirm an Tagebuch spricht für sich. auch Reihe von Namen von deutschen Piloten: Grenze. Schüsse und Brandwunden, Chef Brandwunden. Kühle, Carsten von Harling, Paul Freese, Koestler, Pankhoff, Gilsa, Schlosser, Klug, Rütsch, von Kessel, Kalm, Heffe, Strümpell, Radusch, Trauthoff, Bothmer, Mehrhardt, Drücker, Gühle, Ehle, Greiser. Es besteht die berechtigte Vermutung, der genannten zu 16. Februar. Flug mit zehn Junkers an Front bei Arganda. Erfolgreicher Bombenabwurf, einige tote Wege. Strümpell muß ins Lazarett, 15 Uhr 15 Flug mit sechs Maschinen, elf Junkers, drei Romeos. Bei Arganda, Junkers brennend in Tiefe, Fallschirmabsprünge. 19. Februar. War heute abends in Al- daß ein erheblicher Teil moron, Strümpell, Gilsa, Radusch, den Mördern von Guernica gehört. MassenTrauthoff, Bothmer, Mehr- mord von Frauen und Kindern nach gewohnhardt, Drücker, Gühle, Ehle, heitsmäßigem Bordellbesuch das ist das 15. Januar. Gebummelt, Rütsch, Schlosser, nachmittags mit Frauen geschlafen. Oberleutnant Pankhoff fliegt mit Auslandsgeschäft eine gewisse Unsicher- Hindenburg Greiser, alle Charakterbild dieser Subjekte. Festes ist vielleicht nirgend klarer hervorge- London wird eine Weltausstellung in Paris treten als auf dem Bankett, das die Parla- eröffnet werden. Auch sie soll ein Bild von Guernica mentarier des gesamten Empire Macht und Geschlossenheit bieten, soll seine Anklagende Dokumente Unter der Ueberschrift> Weißbuch über heit, vornehmlich wenn der ausländische Käufer auf kurzfristiger Lieferung bestand. im Parlamentsgebäude zu Ehren des Königs Antwort an die Diktatoren< sein! Am häufigsten sprachen von Rohstoffknapp- Am 6. Mai ist das Zeppelinluftschiff veranstalteten. Lord Hailsham, der den Toast heit die Aussteller von Lederwaren, Haus- Hindenburg bei New York explodiert und auf den König ausbrachte, sagte:> Hier sind und Küchengeräten aus Metall und sonstigen verbrannt. Es war mit Wasserstoffgas ge- die Vertreter von 400 Millionen Menschen, Materialien, Möbeln, Bürobedarf, Maschinen, füllt, weil das Dritte Reich seine Devisen für nicht vom König ernannt, sondern frei gewählt insbesondere Werkzeugmaschinen, sowie die Rüstungszwecke braucht, und nicht für die von Parlamenten der Selbstregierung des Vol- die italienische Intervention in Spanien< verAussteller von Industriebedarf und elektro- Sicherheit von Flugpassagieren. Die Passa- kes.< Der König erwiderte:» In diesem Hause öffentlicht das französisch- spanische Komitee technischen Erzeugnissen. Die Käufer bewil- giere des Luftschiffes waren in der gleichen sind die Prinzipien entwickelt worden, die das in Paris eine dokumentarische Zusammenstelligten nicht immer lange Lieferfristen. Aus- Lage wie die gesamte deutsche Bevölkerung. Bollwerk des parlamentarischen lung. Das authentische, unwiderlegbare Anländische Käufer verzichteten zuweilen Dort heißt es> Kanonen statt Butter< Regierungssystems sind. Diese Prin- klagematerial, das in dieser Schrift ausgeaus diesem Grunde auf Auftragserteilung. sie hieß es> Kanonen statt Sicherheit«. Für zipien sind vom Volk unserer Rasse bis ans breitet wird, zerreißt Lieferfristen für Maschinen wurden im In- eine größere Zahl von ihnen bedeutete dies Ende der Welt getragen worden; sie sind Nichtinterventionspolitik. Kein einziges der landsgeschäft teilweise bis zu 30 Monaten den Tod. für Der Daily Herald< überschreibt seinen alle Fiktionen der keine einzige heute das Erbe und der Stolz aller Teile der Nichtinterventionsabkommen, britischen Völkergemeinschaft.<< der internationalen feierlichen Zusicherungen sind von Italien eingehalten worden vom August 1936 an bis auf den heutigen Tag. Bericht über dieses Bankett mit den Worten: Diese Zusammenstellung ist der eklatante, Das ist die Antwort an die Dikta- unwiderlegliche Beweis, daß ein Betrug, ein toren!<< Und er schließt ihn mit der Bemer- düsterer Betrug vorliegt, dessen Opfer Spakung, wer diese Versammlung erlebt habe, nien, Frankreich und der Frieden sind. So der wisse, warum der Faschismus in England heißt es in der Einleitung der Dokumentenunmöglich sei. sammlung. und beim Auslandsgeschäft bis zu 18 Mona- Wie ihr Leben, so war auch ihr Tod für ten ausgedehnt. Auch bei den Verbrauchs- das System nur von nebensächlicher Bedeugütern hat eine Verlängerung der Liefer- tung. Dieser Unglücksfall ist in den offizielfristen stattgefunden.< 167 len Kundgebungen des Systems nicht als eine rein menschliche Tragödie angesehen worden. Die deutsche Wirtschaft bedarf vermehrter Einfuhr von Rohstoffen; dazu sondern als eine Angelegenheit des Prestiges. dann die Menschen, Ihr muß sie den Export steigern, und das Erst das System wäre bei der heutigen Konjunktur auch Prestige geht ihnen über alle Menschlichkeit. möglich, wenn der Exportindustrie die Einige von den Systemleuten haben sofort Ein Bild kraftvoller Demokratie bot auch Diese Dokumente sind keine neuen Entnötigen Rohstoffe zur Verfügung gestellt geschrien: Sabotage! Bei der Explosion die Parlamentsdebatte über den drohenden hüllungen. Sie sind der Oeffentlichkeit bewürden. Diese werden aber von der Dikta- eines mit Wasserstoff gefüllten Lenklufttur für die Aufrüstung beschlagnahmt. schiffes denkt jeder, der sich überhaupt ein- Kohlenstreik. Der Konflikt war in dem Mi- kannt. Sie sind dem Völkerbundssekretariat, nendistrikt Harworth entstanden, in dem die dem Nichtinterventionskomitee in London, Das ist das Dilemma, aus dem die Diktatur mal mit Luftschiffen beschäftigt hat, ohne Arbeiter für das Recht der Gewerkschaften den Staaten des Nichtinterventionsabkommens sich aus eigener Kraft nicht befreien kann. Zögern: Knallgas! Warum haben die und trotzdem Daher der Versuch von Schacht, unter Leute des Dritten Reiches sofort an Sabo- kämpften. Der Verband machte ihre Sache zu amtlich mitgeteilt worden der seinen. Attlee, als Sprecher der Arbeiter- wird die Fiktion der» Nichtintervention< dem Vorwand der Mitwirkung an der tage gedacht? Welcher Denkzwang eines europäischen Wirtschaftskooperation von schlechten Gewissens hat sie dazu geführt? partei, betonte, daß es hier nicht um Lohn weiter aufrechterhalten. Die Dokumente lehund Arbeitszeit gehe, sondern um große Prin- ren, wie heute Krieg geführt wird, ohne daß den Westmächten Konzessionen, Ausfuhr- Neben dem Gedanken an die Opfer hat zipien.>> Es ist ein Kampf für die Freiheit ge- man es Krieg nennt, und wie eine kriegfüherleichterungen, Ueberbrückungskredite sich sofort ein anderer gedrängt: und die angen die Tyrannei«. Baldwin mahnte in sei- rende Macht, die das Recht bricht, begünstigt usw. zu erhalten. Die Diktatur braucht deren Opfer, die, die nicht durch blinde Zu- ner Antwort, die zugleich eine Abschiedsrede wird von den berufenen Hütern des Rechts eine Atempause, um, erholt und gestärkt, fallsgewalt fallen, sondern als Opfer eines, als Premierminister war, zum Frieden und später um so sicherer Europa anspringen Krieges, der ein Verbrechen ist? Für uns gab sagte dabei: zu können. Deshalb fährt Schacht es auch einen Denkzwang: Hindenburg » zur Eröffnung des deutschen Guernica! Und dann dachten wir an den AusPavillons auf der Weltaus- zug der Kinder von Bilbao, die Heimat und stellung nach Paris. Trotz aller Eltern verlassen, während die Mörder vor schlechten Erfahrungen möchten wir noch den Toren stehen, wir dachten an unsere nicht annehmen, daß die französische Opfer in Deutschland, die Toten und die LeVolksfrontregierung dem Sendling Hitlers benden, und wir dachten daran, wie schnell auf den Leim gehen werde. Opfer vergessen werden. Dr. Richard Kern. Mobilmachung erwarten Der neuernannte Präsident der Reichs.rundfunkkammer mahnt in einem Aufruf die deutsche Bevölkerung, während der Sommermonate den Rundfunk nicht abzubestellen. Grund: Gefestigte Demokratie England und Frankreich >> In den totalitären Staaten herrscht so scheint es wenigstens ein Gefühl der Verachtung für die Demokratie. Damit ist die Vorstellung verbunden, daß die Demokratie die Regierungsform eines niedergehenden Landes sei, in dem es keine Ordnung mehr gibt. Es ist etwas Lächerliches in dieser Vorstellung, aber auch etwas Gefährliches.< In diesem Sinne erklärte sich Baldwin gegen die Gewalt, für kollektive Verständigung. Und, wie es scheint, ist, es ihm gelungen, die Unternehmer zur Räson zu bringen. Vergleicht man den Ideengehalt solcher engNach der Katastrophe der deutschen Re- lischen Reden mit dem Geist der letzten franKammerdebatte, in publik hörte man oft die Meinung, daß der zösischen der Léon Faschismus, als letzte politische Lebensform Blum mit einer vielbewunderten Rede einen des Kapitalismus, alsbald die Herrschaft über großen Sieg errang, so erkennt man innere >> Durch den Rundfunk ist zu jeder Stun- die ganze Welt antreten werde. Im Gegensatz Zusammenhänge. Auch hier das Bekenntnis zu de die Einsatzbereitschaft des deutschen zu dieser pessimistischen Auffassung zeigen nationaler Kraft auf dem Boden der DemokraUebertragung demokratischer Volkes gegeben, wenn es gilt, Entschlüsse die beiden großen Demokratien Europas eine tie und zur starke Tendenz zur inneren Festigung. Grundsätze auf das Arbeitsrecht zur Wahrung und Maßnahmen zu erfahren, die der FühSieht man über das etwas grotesk anmu- des wirtschaftlichen Friedens. In England verrer dem gesamten Volk unmittelbar tende äußere Bild hinweg, so erkennt man in einigen sich zu diesem Bekenntnis Regierung kannt geben will.<< der Londoner Krönungsfeier eine gewaltige und Opposition, in Frankreich applaudiert die am Demonstration für die Macht und die freiheit- ganze Volksfront einschließlich der KommuJeder Deutsche soll im Sommer Rundfunk hängen, damit er ja machungsordre nicht verpaẞt! beaus Furcht vor dem Kriege, Wer wagt zu zweifeln? Hitler, der größte Deutsche. Das Volk muß es glauben! Am letzten Sonntag sprach Göring in Düsseldorf: vor > Jene, die heute sich vielleicht noch darüber aufregen, daß sie hier und dort auf etwas verzichten müssen und Knappheit verspüren, sollten stumm werden ob der großen Erfolge, die wir bereits erzielt haben. Wer wagt heute aufzustehen und zu sagen, die Zeit sei schlechter geworden, wer mag aufstehen und sagen, ich wünsche, daß es wieder so sei wie vier Jahren, wo ist der Deutsche, der dieses zu sagen den Mut hat? Wenn wir die Geschichte des deutschen Volkes vor vier Jahren betrachten, dann muß jeder einzelne sagen: Ich danke der Vorsehung, daß ich Zeitgenosse des größten Deutschen, der je gelebt hat, Adolf Hitler, sein kann.<< Zur selben Stunde sprach Göbbels in Danzig: > Kritik ist notwendig. Nirgends wird so viel kritisiert wie im Dritten Reich. Allerdings nicht öffentlich. Denn das Volk muß glauben.< Oeffentlich nennen sie Hitler den größten Deutschen. Heimlich lachen sie sich dardie Mobil- lichen Regierungsprinzipien des britischen nisten der Proklamation solcher Grundsätze. Weltreiches. Dieser eigentliche Charakter des Wenige Tage nach der Krönungsfeier in über kaputt. Was liest Göbbels? Die»Grünen Berichte« der Sozialdemokraten. Das große Londoner Blatt»News Chronicle«, das schon einmal die»Deutsch- landberichte der Sozialdemokratischen Partei«, die sogenannten»Grünen Berichte« ausführlich gewürdigt hat, kommt noch einmal in einem Aufsatz über die illegale Deutschlandliteratur auf dieses Thema zurück. Es schreibt: >Die Sozialdemokratische Partei erhält aus Deutschland Nachrichten von Beamten, Kaufleuten und Arbeitern. Sie kann infolgedessen allmonatlich einen ins Einzelne gehenden Bericht aus Deutschland veröffentlichen. Diese Berichte, die gar nicht zur Verbreitung in Deutschland bestimmt sind, kommen nichtsdestoweniger dahin. Der Doktor Goebbels versäumt niemals, sie zu lesen, und er wird gewiß in seinem Innern zugeben müßen, daß sie viel zuverläßiger sind als die Darstellungen, die er selber in der Presse des Dritten. Reiches veröffentlichen läßt. Eben darum sorgt er nach Kräften dafür, daß niemand anders sie in Deutschland zu lesen bekommt! - eine deaitsdie Kolonie? Kein deutsches Material für die englische Rüstung Auf Schachts beflissene Bemühungen, sich in die Verhandlungen über die Erneuerung des normalen Welthandels einzuschalten, hat die englische Regierung eine Antwort erteilt, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Offenbar hat sie erkannt, daß des Dritten"Reiches Wunsch nach Abbau der Zollschranken und Ausfuhrstelgerung nur eine Fortsetzung der bisherigen Politik mit anderen Mitteln ist, die deutsche Aufrüstung vom Ausland bezahlen zu lassen. Der englische Verteidigungsminister Sir Thomas Inskip hat der britischen Waffenindustrie verboten, in Zukunft, von dringendsten Fällen abgesehen, Material aus Deutschland zu beziehen. In jedem Fall muß die betreffende Fabrik vorher die Zustimmung der englischen Regierung einholen. Der unmittelbare Anlaß zu dieser Maßnahme sind große Bestellungen, die vor allem die Flugzeugindustrie in der letzten Zeit in Deutschland gemacht hat. Bei dieser Maßnahme vereinen sich politische Gesichtspunkte mit wirtschaftlichen Interessen. Man will nicht, daß die englische Aufrüstung von deutschen Lieferungen abhängig wird, und man will verhindern, daß mit den Steuern, die der englische Bürger zahlt, um die Kosten für die Verteidgung eslnes Landes aufzubringen, zugleich die deutsche Aufrüstung mitbezahlt wird, indem das Dritte Reich auf englische Kosten sich die Devisen verschafft, die es braucht, um seine schwindenden Lager kriegswichtiger Rohstoffe aufzufüllen, Es ist allerdings nicht wenig, was z. B. die deutsche Schwerindustrie bisher an der englischen Aufrüstung verdient hat. In Deutschland herrscht ein so katastrophaler Elsenmangel, daß, um seiner Herr zu werden; Bauten eingestellt werden und In vielen Metallbetrieben Kurzarbeit eingeführt wird. Man hat den Eisenverbrauch rationiert. In der Rangliste der Elsenverwendung hat der Export den Vorrang. Weshalhb wohl? Gewiß auch, um damit die Devisen zum Import von Eisenerz zu beschaffen, das, dem Führer zum Trotz, Gott nur in sehr ungenügender Menge im heimischen Boden wachsen läßt. Aber außerdem gibt es da noch für Fritz Thyssen vom Stahl trust viel zu verdienen. Bisher konnte das Eisen im Ausland nur zu Schleuderpreisen in einer Menge untergebracht werden, die den Eisenwerken einigermaßen Vollbeschäftigung sicherte. Im März 1935 z. B. betrug nach den Statistischen Uebersichten der Dresdner Bank der durchschnittliche Einfuhrpreis(also der Weltmarktpreis) 56, zur gleichen Zeit der durchschnittliche Ausfuhrpreis nur 39 Reichsmark je Tonne. Inzwischen hat sich das Verhältnis des deutschen Exportpreises zu den Weltmarktpreisen fast völlig umgekehrt. Im März 1937 war der durchschnittliche Einfuhrpreis auf 44 Mark(Infolge der Abwertung der Währungen) gesunken und der Ausfuhrpreis auf 50 Mark je Tonne gestiegen. Die Lohnkosten sind in dieser Zelt unverändert geblieben, die Kosten des Maschinenparks zufolge besserer Ausnutzung gesunken und die Kosten des Auslandserzes nur um etwa 10 Prozent gestiegen. Die staatliche privüegierte preismäßige Ausnutzung des Welteisenmangels hat sich also für die deutsche Schwerindustrie in reinen Gewinn umgemünzt. Der Eisenmangel wäre in Deutschland aber längst nicht so groß, wenn nicht der Schwerindustrie von Göring gestattet würde, in erheblichem Umfange dem Eisenmangel des Aus- K. T., Sofia, Anfang Mai. Die zwei ersten Eindrücke, die wir von Bulgarien erhielten: ein paar Schritte von der kleinen Station entfernt, auf der wir zum ersten Mal bulgarischen Boden betraten, steht ein großes neues Gebäude, von dessen First die Hakenkreuzfahne weht: das deutsche Gymnasium, in dem bulgarische Studenten auf Kosten des deutschen Staates ihre Erziehung erhalten. Und in dem Gespräch, das wir— der bulgarischen Sprache nicht mächtig— auf Umwegen mit dem Stationsvorstand führen, um unsere Fahrkarte zu erhalten, taucht in der Reihe uns unverständlicher bulgarischer Worte unversehens ein deutsches Wort auf, das in Bulgarien Heimat- recht erhalten hat— das Wort»Marschroute«. Eine Erinnerung an unselige Zeiten, da man nicht reiste, sondern transportiert wurde, kein Reiseziel hatte, sondern eine Marschroute erhielt. Die Hakenkreuzfahne und die»Marschroute«, die die Bulgaren von Deutschland übernommen haben, gehören eng zusammen. Ist ihre Verbindimg Symbol auch für die bulgarische Gegenwart? Die wirtschaftlichen Bande, die Bulgarien an Deutschland fesseln, sind außerordentlich stark. Der bulgarische Außenhandel ist ganz überwiegend nach Deutschland gerichtet. Mehr als die Hälfte des ganzen bulgarischen Exports geht nach dem Dritten Reich. Mehr als die Hälfte des bulgarischen Imports stammt von dort. Bulgarischer Tabak, bulgarische Eier und bulgarischer Weizen wandern nach Deutschland. Deutsche Maschinen, deutsche Werkzeuge und deutsche Waffen gelangen im Austausch dafür nach Bulgarien. Man begreift, daß unter solchen Umständen die Abhängigkeit Bulgariens von den Wünschen Berlins eine absolute ist. Fügt man hinzu, daß an zweiter Stelle unter den bulgarischen Konsumenten Italien steht, so rundet sich das Bild der völligen wirtschaftlichen Versklavung Bulgariens unter den Willen der faschistischen Großmächte ab. Die beiden Westmächte dagegen sind für den bulgarischen Außenhandel fast gänzlich bedeutungslos. Weder Frankreich, noch England spielen in der bulgarischen Wirtschaft in nennenswertem Maße mit. Frankreich beispielsweise bezieht gerade 1.2 Prozent des bulgarischen Gesamtexports. Schon aus reinen Existenzgründen ist daher der Wille Berlins für Sofia ein nicht zu überhörendes Gebdt. Man weiß davon zu erzählen, wie der deutsche Gesandte diese Machtstellung einzusetzen versteht, wenn es ihm angebracht erscheint. Mit der ganz überwiegend antifaschistischen Volksstimmung stimmt auch die politische Orientierung der bulgarischen Parteien überein, soweit sie sich unter dem Druck der ursprünglich militärischen, heute königlichen Diktatur erhalten konnten. Die in verschiedenen Gruppen zerfallene große Bauernpartei, die das Erbe Stamboljiskis zu bewahren hat, die beiden Fraktionen der Arbeiterparteien und die ganze Skala der bürgerlich-demokratischen Parteien arbeiten im Kampf für die Wiederherstellung der Verfassung einheitlich, wenn auch nicht durchweg zusammen. Die einzige bulgarische Partei, die sich mit den faschistischen Organisationen im Ausland vergleichen läßt, die»National-soziale Bewegung« Prof. Z a n k o f f s, ist in ihrer Stärke unter dem gegenwärtigen Regime nur schwer zu beurteilen. Zankoff war vor kurzem in Berlin und wurde dort von Hitler persönlich empfangen. In seiner Umgebung wird versichert, er sei mit den ungünstigsten Eindrücken nach Sofia zurückgekehrt. Hitler hat es offenbar vorgezogen, sich mit den heute herrschenden Gewalten zu verbinden, statt auf die höchst ungewisse Zukunft zu warten, in der Zankoff zum ausschlaggebenden Faktor werden könnte. Jedenfalls hat Zankoff eben jetzt anläßlich einer Feier für den liberalen Parteiführer M a 1 i n o f f seine Bereitschaft erklärt, am Kampf um die Wiederherstellung der einstigen demokratischen Verfassimg mit den übrigen Parteien bis zu den Kommunisten zu kooperieren. Ueber den Ernst dieser Bekehrung braucht man sich keinen Illusionen hinzugeben. Vielleicht darf man aber darin ein Zeichen für die Stärke des demokratischen Bewußtseins des bulgarischen Volks erblicken, die sich auch in seiner außenpolitischen Orientierung nach den Ländern Westeuropas ausdrückt. Berlin aber begnügt sich nicht mit diesem wirtschaftlich untermauerten Einfluß. Das deutsche Schulwesen, dem Frankreich nur klerikale Schulen entgegenstellt, formt die junge bulgarische Intelligenz. Und ebenso wie in allen anderen Balkanländem spielt die offene Hand des deutschen P r o p a g a n d a m i- nisteriums in der bulgarischen Presse eine um so größere und leichter durchschaubare Rolle— als das bulgarische Zeitungspapier aus Deutschland stammt. Selbst die von der Zensur noch verschonten Reste der einstigen Linkspresse sind auf diese einzige Versorgungsquelle angewiesen. Zuletzt, aber gewiß in einem Lande, in dem der König Diktator wurde, nicht unwichtig: der Vater des gegenwärtigen Zaren Boris, der bei Kriegsende von den Soldaten gestürzt wurde, lebt in Deutschland, dem zu dienen stets sein höchstes Ziel war. Boris, der eigentliche Herr Bulgariens, der Exekutive und Legislative in seiner Person vereint, steht in ständigem Verbindung mit seinem Vater, dessen Ratschläge für ihn richtunggebend sind. Daß die Dynastie ihr eigenes Land gerne in den Dienst der hakenkreuzlerischen Machtpolitik stellt, ist in allen Kreisen der bulgarischen politischen Intelligenz unerschütterliche Ueberzeugung. Die offizielle bulgarische Außenpolitik ist mit Berlin eng verbunden. So wie die imgarische versucht sie zugleich die Beziehung zu Rom nicht abzuschwächen. Seitdem sich zwischen den beiden faschistischen Zentren weitgehende Uebereinstimmung herausgebildet hat, ist also die Situation für Sofia völlig eindeutig. In allen politischen Fragen, in der Innenpolitik ebenso wie in der Außenpolitik, klafft aber ein Abgrund zwischen dem Denken der Dynastie und der sie umgebenden»Staatsführung« einerseits, den breiten Volksschichten andererseits. Ist der König nur allzu bereit gewesen, sich mit der durch den Offiziersputsch vom Jahre 1934 geschaffenen Diktatur abzufinden, sobald es ihm gelang, sich an Stelle der Putschisten zum Diktator zu machen, so empfindet der bulgarische Bauer, der in diesem völlig agrarischen Land die entscheidende politische Kraft darstellt, durchaus demokratisch und erträgt die Diktatur nur unwillig. Ist der Hof nach Berlin orientiert, so ist der Bauer allen kriegerischen Abenteuern zutiefst abgeneigt.»Retreat from Glory«, Abkehr vom Ruhm— so überschreibt ein englischer Schriftsteller ein jüngst erschienenes Buch über Bulgarien. Das kleine Land, das seit seiner Befreiung im Jahre 1878 nicht weniger als fünf Kriege, das von 1912 an mit kurzen Pausen sechs Jahre lang Krieg führte, weiß, daß es einer jahrzehntelangen Ruhepause bedarf, wenn es seine Wirtschaftsnöte überwinden soll. So undurchsichtig auch die offizielle bulgarische Außenpolitik ist, so unzweideutig ist der Wunsch der großen Mehrheit des Volkes, sich von den Machtplänen der Großmächte fernhalten zu können. Es fühlt, daß es schon im Weltkrieg nur ein Bauer im Spiel von Wien und Berlin war und daß es in einem kommenden Krieg von neuem für fremde Ziele mißbraucht und geopfert würde. Freilich, die wirtschaftliche Bindung an Berlin und Rom ist ungeheuer stark. Sie kommt heute dem bulgarischen Bauer nicht zum Bewußtsein; denn den Handel mit dem Ausland besorgt nicht er selbst, sondern dazwischengeschobene Instanzen. Aber wenn Berlin und Rom es wollen, so würde die wirtschaftliche Versklavung dem letzten bulgarischen Bauern fürchterlich klar werden. Und daß sie von dieser Waffe gegebenenfalls Gebrauch machen würden, darüber täuscht sich niemand, der die internationale Politik von Sofia aus sieht. Hier mündet das bulgarische Problem offenkundig in die große Frage, ob sich die europäische Demokratie endlich ihrer großen Aufgabe bewußt werden wird, das Zusammenleben Europas für den Frieden zu organisieren. Für den Frieden— das heißt ohne die faschistischen Diktaturen, gegen ihre Kriegspläne. Bulgarien hat eine wichtige ökonomische und noch mehr strategische Funktion in den Plänen der deutschen und der italienischen Expansion. Es ist der Keil, den man in die Balkanentente treibt, um die Balkanvölker wie einst gegeneinander hetzen zu können. Es ist eine wichtige Etappe auf dem Wege nach dem Vorderen Orient. Es ist ein Reservoir für Menschenmaterial, das in fünf Kriegen seinen beispiellosen Heroismus bewiesen hat. Die bulgarische Demokratie allein Ist nicht stark genug, den faschistischen Großmächten diese dreifache Waffe zu entwinden, die Bulgarien in ihrer Hand darstellt. Sie braucht die Hilfe der großen westlichen Demokratien, soll Bulgarien nicht endgültig zur Kolonie des deutschen, ja des internationalen faschistischen Imperialismus werden. landes abzuhelfen. Es wurden Stab-, Pormund Bandeisen ausgeführt im März 1935 67.000, im März 1937 103.700 Tonnen. Das ist eine Zunahme um 56 Prozent und der Märzexport eine Menge, die fast 10 Prozent der gesamten Walzwerksproduktlon des Monats gleichkommt, die im März 1,134.000 Tonnen betragen hatte. Es ist also ein ziemlich großer Happen von Devisen, der Herrn Schacht, und ein ziemlich großes Stück Gewinn, das Herrn Thyssen durch das Verbot des englischen Verteidigungsministeriums entgehen dürfte. Dp. Relsmann-Gpone geht Ein Wegbereiter Hitlers Im Alter von 74 Jahren hat der Oberbürgermeister von Essen, Dr. Reismann- Grone. soeben sein Amt niedergelegt. Nur vier Jahre hat Reismann an der Spitze der »Kruppstadt« gestanden und man kann diesmal wohl ausnahmsweise der amtlichen Mitteilung glauben, daß Gründe des Alters für seine Resignation maßgebend waren. Seine seinerzeitige Berufung auf diesen Posten war nur ein später Triumph über seine alten lokalen Rivalen, besonders die Katholiken, den der Nationalsozialismus dem Mann ermöglichte, der ihm entscheidend bei seinem Siege mitgeholfen hat. Denn inmitten der Schicht deklassierter Kleinbürger, die mit dem nationalen»Aufbruch« des Jahres 1933 an die Spitze des Reiches gespült wurden, war Dr. Reismann- Grone einer der wenigen, die Uber wichtige Verbindungen nach»oben« verfügten, ein honoriger Bürger, Vertrauensmann der Industrie, überhaupt ein Mann mit Namen. Als Verleger der reaktionären»Rheinisch-Westfälischen Zeitung«, die vor dem Kriege eines der berüchtigsten Scharfmacherorgane und Treiber zum Weltkriege war, hatte Reismann-Grone die Fäden zu allem geknüpft, was Reaktion bedeutete. Er gehörte zu den Mitbegründern des Alldeutschen Verbandes, der verschiedenen Kolonial- und Flottenvereine, er stand in vorderster Front bei der Propagierung der Wehrvorlagen und im Kampf gegen die»schlappe Haltung« der kaiserlichen Regierungen. Sein engster persönlicher Freund wag jener deutsche Kolonialpionier Peters, genannt Hänge-Peters, der in Ostafrika ein Schandregiment führte, seinen Harem schwarzer Frauen auspeitschen ließ und einen bei seiner Geliebten entdeckten Diener kurzerhand aufknüpfte. Ein Mann von solcher Gesinnung mit derart gpiten Beziehungen war für Hitler natürlich besonders wertvoll. Bei der Annäherung zwischen dem Nationalsozialismus und der Industrie hat Reismann-Grone eine wichtige, wahrscheinlich die wichtigste Rolle gespielt. Denn sein Schwiegersohn, der heutigf Reichs- pressechef Dr. Dietrich, war es, der die erste Aussprache zwischen Hitler einerseits, Kirdorf und Reismann-Grone andererseits vermittelte, die dann zur Abberufung des sozial- radikalen Gauleiters Kaufmann aus dem Ruhrgebiet und zur Aenderung des Kurses der NSDAP gegenüber der Industrie führte. Dia Hitlerfreundschaft des alten Reaktionärs wurde in der Folgezeit so heftig, daß selbst die Ruhrindustrie ihn Ende 1932 aus seinem Organ, der»Rheinisch-Westfälischen Zeltung«, hinauswarf, well er sich für Hilter gegen Hindenburg entschied. Als dann im März 1933 die braunen Terrorbanden Deutschland In eine Mörderhöhle verwandelten, zeigte sich so recht die Bösartigkeit des alten Reismann-Grone, der zeitlebens über den»Terror« der Arbeiterbewe- gung gezetert hatte. In der ersten Stadtverordnetensitzung unter Hitler schlugen die braunen Banditen mitten im Rathaussaal den einzigen noch erschienenen sozialdemokratischen Stadtverordneten, den Genossen Runge, nieder, der sich mit dem Ruf»Herr Oberbürgermeister schützen sie mich« nach vorne flüchtete, Reismann-Grone zuckte höhnisch die Achseln und wandte sich ab... Der Kirchenkampf verschärft sich Ein Bischof leistet Widerstand Streitschrift der Bekenntnlskirdie Katholizismus und Oesterreich Wenn wir Sozialdemokraten die Herren vom Dritten Reich richtig beurteilen wollen, so müssen wir sie in ihrem Verhältnis zu den christlichen Kirchen beobachten. Denn hier sind wir Unbeteiligte, gewissermaßen unparteiischer Dritter. Wir können den Nazis keinen Vorwurf daraus machen, daß sie keine guten Christen sind, und wir können es ihnen nicht übelnehmen, wenn sie aus der Kirche austreten. Wir vergessen auch keinen Augenblick, daß die Kirchen an der Lage, in der sie sich befinden, und an den Verhältnissen, wie sie heute in Deutschland und in Oesterreich bestehen, nicht unschuldig sind. Aber auch wenn wir uns zu vollster Objektivität entschließen und von allem absehen, was uns selber widerfahren ist, auch dann, ja dann erst recht werden wir gewahr, bis zu welchen Stufen mensch' lieber Gemeinheit das gegenwärtige System im Kampf gegen seine Gegner her abgesunken ist. Wie muß es in den Hirnen von Men sehen aussehen, die es rechtfertigen, daß die Enzyklika des Papstes verboten wird, daß aber andererseits eine Zeitschrift— die»Siegrune«— ungehindert verbreitet werden darf, in der der Stifter der christlichen Religion ein»feiger Juden- lümmel« genannt wird? Welche Marter muß es für gläubige Christen bedeuten, daß sie solchen Schimpf widerspruchslos ertragen müssen? Das natürliche Recht des Angegriffenen, des in seinen heüig- sten Gefühlen Verletzten, sich zu wehren, wird zu Boden getreten, die Gewissen werden vergewaltigt mit derselben sadistischen Lust, mit der in den Konzentrationslagern die Leiber der Gefangenen mißhandelt werden. Man macht die katholischen Geistlichen erst als Devisenschieber, dann als Sittlichkeitsverbrecher verächtlich und duldet außerhalb der Kirche keine Stimme, die sich gegen diese Verunglimpfung erhebt. Dabei weiß jedermann, daß die Massen- und Schauprozesse, die da inszeniert werden, nichts anderes als schmutzige Waffen in einem schmutzigen Kampfe sind. Diese Prozesse sind alles andere als Maßnahmen zur Wiederherstellung des Rechts und der Sittlichkeit; sie sind die Strafe dafür, daß die Kirche noch immer nicht ganz zu Kreuze gekrochen ist, sie sind Mittel der Erpressimg, um die völlige Unterwerfung zu erzwingen. Und doch wagen die Machthaber nicht den letzten Schlag, wagen sie nicht, gegen die Religionsgesellschaften, die durch eine vielhundertjährige Geschichte im Volke verankert sind, mit denselben Mitteln der schonungslosen Ausrottung und Vernichtung vorzugehen, wie gegen die politischen Parteien und die Gewerkschaften. Noch können Bischöfe von der Kanzel Worte sprechen, für die ein»Marxist« im KZ zu Tode geprügelt werden würde. Ja, bei den evangelischen Kirchenwahlen läßt sich sogar— bei aller Brutalität im einzelnen— ein gewisses Schleifenlaasen der Zügel nicht verkennen: die Wahlen sind ausgeschrieben, aber es wird kein Termin angesetzt, der den Wahlkampf beendet. Im Kampfe der Unterdrückten gegen ihre Unterdrücker ist der Platz der Sozialdemokratie bei den Unterdrückten. Wie Bebel und seine Kampfgefährten gegen das Jesuitengesetz kämpften, so bekämpfen wir aus Grundsatz und Ueberzeugung die weit härteren und niederträchtigeren Methoden, mit denen in Deutschland heute das Christentum unterdrückt wird. Die Kirchen werden sich desto eher aus ihrer unwürdigen Lage befreien, je eher sie sich der Macht bewußt werden, die in der Arbeiterklasse verborgen schlummert. Eine mutige Bisdiofspredigt Der Bischof von Eichstätt für seinen Dompfarrer. Wegen einer Predigt, die den Nazis mißfiel, wurde der Dompfarrer Kraus in Eichstätt, ein ehemaliger Offizier und Frontkämpfer, aus seiner Heimat ausgewiesen. Gendarmerie teilte ihm mit, daß er binnen 24 Stunden Eichstätt verlassen müsse. Der Bischof Rakl von Eichstätt befahl jedoch dem Pfarrer zu bleiben. Er hielt mit ihm gemeinsam am 12. April im überfüllten Dom eine Andacht ab, und während Polizei und Gendarmerie vor dem Kirchentor lagen, stieg er auf die Kanzel um eine Rede zu halten, die von den Versammelten mit lautem Beifall begleitet wurde. Nach einem Bericht des in Hol land gedruckten katholischen Kampfblat tes»Der deutsche Weg« sagte er u. a.; Ich glaube, wir dürfen nicht bloß dem unbekannten Soldaten ein Denkmal setzen, sondern wir müssen vor allem dem bekannten Soldaten ein Denkmal der Dankbarkeit und Liebe setzen!(»Bravo! Recht so!«) Und deswegen hat es mir zutiefst weh getan, daß man über einen Offizier eine Strafe verhängt, die früher die Polizei nur Uber Zuhälter verhängt hat, und daß man über diesen Offizier eine Strafe verhängte, ohne ein Ehrengericht einzusetzen! Jedem Angeklagten wird das Recht zugebüligt, daß nicht bloß der Ankläger gehört wird, sondern auch der Verteidiger, nicht bloß die Belastungszeugen, sondern auch die Entlastungszeugen! Dem Angeklagten ist nicht einmal Schrift lieh mitgeteilt worden, was gegen ihn vorliegt, sondern nur das Strafurteil übergeben worden.(Empörung, Pfuirufe,»Hört!!«) Wenn ich mich nun frage; Was ist eigentlich das Vorgehen, das der Dompfarrer begangen hat? dann kann ich nur sagen: Sein Vergehen war das, was für jeden Soldaten und Offizier, auch für den Soldaten und Offizier Jesu Christi das Höchste ist: Sein Vergehen war Treue!(nichtenden- wollende Bravo-Kufe) Ich habe immer allen Behörden gegenüber in den letzten Jahren den Grundsatz vertreten: Wer sich wirklich gegen das wahre Wohl des Staates versündigt, der soll vom Staat bestraft werden und ich bin der letzte, der vom Staat verlangt, daß er nicht auch gegen den Priester die Staatsgesetze anwendet. Aber eines muß verlangt werden: Recht und Gerechtigkeit!(begeisterte Rufe). Was dem einen recht ist, ist dem andern billig! (Bravo!!) Aber wir haben oft das Empfinden, als ob gegen den katholischen Priester alles erlaubt wäre! Ich glaube, der Staat weiß, daß der Dompfarrer kein Revolutionär ist. Der Kampf geht um zwei Weltanschauungen, die einander gegenüberstehen wie Feuer und Wasser. Und in diesem Kampfe merkt nun die Kirche, welch furchtbaren Gegner sie am Staat hat. Als die Tausenden den Dom verließen, griff die Polizei ein. Sie trieb die Masse hin und her und schlug an manchen Stellen auch auf sie ein. Einige Verhaftungen wurden vorgenommen. Aber an dem Bischof selbst hat sie nach den bisher vorliegenden Berichten sich nicht zu vergreifen gewagt. Ein Kampf auf Leben und Tod Eine vertrauüch verbreitete Denkschrift der Bekenntniskirche mit dem Titel »Kirche oder Sekte« wird in Württemberg verbreitet und erregt gewaltiges Aufsehen. Wird doch in ihr klipp und und klar ausgesprochen, daß die christliche Kirche vor der Frage um Sein oder Nichtsein steht. Die»Deutschen Christen« und die»Deutsche Glaubensbewegung« erscheinen in dieser Darstellung nur als verhältnismäßig unbedeutende Vorposten, hinter denen als Hauptfeind der Nationalsozialismus selber stehe. Er ist neue Staatsreligion und muß gegen das Christentum intolerant sein: Der polltische Soldat, in dem sich das Leitbild der nationalsozialistischen Bewegung verkörpert, ist Träger und Zeuge der politischen Religion, deren»Evangelium« er in heiliger Unduldsamkeit gegen alle Andersgläubigen verkündet! Diese Unduldsamkeit hat ihre Wurzeln in dem religiösen Schwung der Bewegung, deren Unbedingtheitsanspruch nicht nur auf politische Führung und wirtschaftliche Ordnung, nein auch als Anspruch auf unbedingten Gehorsam der Gewissen* und letzte Hingrabe der Seelen nicht aus politischem Hochmut oder persönlicher Herrschsucht kommt, sondern Zeichen für den Charakter der Bewegung als einer Religion ist! Die Kennzeichnung der nationalsozialistischen Bewegung mit dem in der neueren Geistesgeschichte in einem gänzlich anderen Sinne geprägten Begriff»Weltanschauung« stellt nur eine Vernebelung dar..• »Weltanschauung« im nationalsozialistischen Sinne hat schlechterdings nichts mit Weltanschauung im landläufigen Sinne zu tun, sondern ist im Vollsinne Religion als den Menschen ganz ergreifende und durchformende Verkündigung mit Unbedingtheitsanspruch Im Endlichen. Politik als Propaganda dieser »Weltanschauung« treibt zur Totalität im metaphysisch-religiösen, d. h. aber notwendig nach Christus im antichristlichen Sinne, und was im nationalsozialistischen Sinn als»Religion« umschrieben und für den einzelnen freigegeben wird, ist gar nicht Religion, sondern Weltanschauung im landläufigen Sinne... Die nationalsozialistische»Weltanschauung« ist in Wahrheit politische Religion darin, daß sie Fanatismus entzündet und über alles Maß der politischen Forderung auf willige Gefolgschaft hinaus gegen alle»Andersgläubigen« unduldsam ist. Der heutige Staat als Träger dieser politischen Religion ist also in Wahrheit gleichsam ein Kirchenstaat, d. h. ein Staat, zu tiefst gebunden und verpflichtet einer Religion. Erst in dieser Perspektive wird uns die innere Folgerichtigkeit und Zwangsläufigkeit auf dem gegenwärtigen Kampffelde als der Ablauf eines verkappten Religionskrieges in seinem äußersten Ernste offenbar. Die staatlich geformte Gegenkirche, deren Ritus und Kultus zum Teil in Nachahmung des christlichen Kultus immer deutlicher in Erscheinung tritt, muß wesensmäßig gegen die Kirche Christi unduldsam sein. Der heutige Staat kann sich seiner Natur nach nicht mit der Loyalität seiner Bürger und mit jener Haltung begnügen, In der ein Christenmensch nach Römer 13 dem Staat allein begegnen kann. Der dogmatisch gebundene Staat muß religiöse Entscheidung fordern. Der heutige Staat kann nur Gefolgsleute oder Widersacher, aber nicht loyale Staatsbürger kennen. Und der christliche Vorbehalt muß ihm als politische Opposition und als Verletzung seiner sakralen Grundlagen erscheinen.... Das unausgesprochene Schlußstück dieser Beweiskette ist die Erkenntnis, daß das Christentum sich um seines Lebens willen gegen den Nationalsozialismus zum Kampfe stellen muß. Wenn also die Katholische Aktion statistisch erfaßt und jedem ihrer Anhänger das Fortkommen im staatlichen, kommunalen oder politischen Leben unmöglich gemacht wird: wenn ferner die konfesionellen Verbände als etwas Lächerliches hingestellt werden; wenn endlich die bewährten Formen der Katholischen Kirche in der Führerauswahl und der Massenbeeinflussung bei uns angewendet werden; und wenn in planmäßiger Schulung die Kirche nüchtern, rein historisch und mit ihren menschlichen Schwächen und Stärken, ihren Krisen, Führerzwistigkeiten und Kämpfen hingestellt wird und jeder erkennt, daß es sich hier um ein Menschenwerk und keine von Gott selbst geschaffene In- stituation bandelt, dann ist der Anfang vom Ende der Katholischen Kir- che erreicht. Inzwischen haben, nächst dem Bischof von Eichstätt, auch andere deutsche Kirchenfürsten Worte gefunden, aus denen hervorgeht, daß sie sich des Ernstes der Situation bewußt sind. Allerdings ist der Wüle, begangene schwere Fehler gut zu machen, noch nicht zu erkennen. Sonst müßte— um nur von einem zu sprechen — aus Oesterreich, von wo aus der Verteidigungskampf auf demokratischer Grundlage mit durchschlagender Wirkung geführt werden kann, ein ganz anderer Wind wehen. Die deutschen und die österreichischen Arbeiter können der katholischen Kirche zur Freiheit verhelfen, wenn die katholischen Kräfte ihnen selber dort, wo es in ihrer Kraft steht, die verlorene Freiheit wiedergeben. Und den können sie in Oesterreich! Bekannter Verniditungswllle Für die These, daß es dem Nationalsozialismus darum geht, das Christentum zu vernichten, und sich selber an seine Stelle zu setzen, liefert»Der Deutsche in Polen« einen starken Beweis. Er veröffentlicht nämlich ein geheimes Rundschreiben der»Reichsjugendführung« in Berlin, in dem folgender Gedankengang entwickelt wird:• »Man schlägt den Gegner am besten mit der eigenen Waffe. Zunächst müßten unsere Führer sich etwa die seelenkundlichen und diplomatischen Fähigkeiten aneignen, die beispielsweise den Jesuiten eigen sind. Natürlich nur die höhere Führerschaft, die größtenteils heute noch der katholischen GeisUichkeit unterlegen scheint. Es taucht hier die Frage auf, ob nicht zwei verschiedene Schulsysteme zu schaffen sind: einmal für die Führer, dann für die Gefolgschaft. Während die Führer hochpolitisch, psychologisch und umfassend zu bilden sind, müßte der Masse doktrinär und dogmatisch der Nationalsozialismus in primitivster Form eingeimpft werden. Dazu Ist nötig, daß unsere Schulung für die Masse wenigstens ein über das andere Mal in kultisch-religiöser Form vor sich geht. Ein bestimmter Ritus der Heimabende und Heimschließung mit Gedenken der Toten(Märtyrer) der Bewegung und aus dem Programm als unserem Neuen Testament(oder unseren zehn Geboten), unter Absingung unserer neuen, getragenen Lieder, dem Heil auf den Führer, eventuell dem Ein- und Ausmarsch unserer Fahnen; und all das regelmäßig und immer in gleicher Form, aber verschiedenem Inhalt, ist notwendig. Die Bewegung hat bereits in den Versammlungen der Vergangenheit(Kampfzeit) mit der Eröffnung, dem Fahneneinmarsen, dem dreifachen Heil und dem Horst-Wessel-Lied die Ansätze eines solchen Ritus entwickelt. Ob es nicht richtig wäre, auf diesem Wege fortzufahren? Auch der Gottesdienst der Konfessionen ist in der Form ja stets gleich, nur das Thema wechselt. Die Denkschrift fährt dan� fort; Haftbefehl gegen IViemöller Gestapo erledigt die protestantische Kirchenopposition Nach einer Meldung des»Deutschen Evangelischen Pressedienstes«, also einer Quelle in unmittelbarem Kontakt mit dem »Operationsgebiet« selbst, ist in Berlin ein Verhaftungsbefehl gegen den Dahlemer Pfarrer Niemöller, dem Führer der protestantischen Bekenntnis kirchenbewegung ergangen. Das gleiche Schicksal traf das Haupt der deutsch-evangelischen Orthodoxie, den früheren Generalsuperintendenten D i b e- lius. Niemöller und Dibelius hatten, wie Veröffentlichung und Verbreitung des bekannten»Offenen Briefes« an Reichsministcr Kerrl zeigten, In letzter Zeit eng zusammengearbeitet— auch in der Beeinflussung der von Hitler selbst angesetzten, dann aber verschobenen und jetzt sogar bis zum Herbst ausgesetzten Kirchenwahlen. Bis zur Stunde sind freilich die ergangenen Haftbefehle nicht exekutiert worden, was auf die für beide»Parteien« gleicherweise prekäre Lage schließen läßt. Bisher hatte sich das Regime geweigert, Niemöller— den früheren U-Boot-Frontof- fizier— zum Märtyrer seiner Haltung zu machen. Man hatte sich auf gelegentliche Haussuchungen bei ihm und wiederholte Rede- und Predigtverbote beschränkt Niemöllers Generalhaltung— im Allgemein- Politischen Gleichschaltung, aber Im eigenen Sondergebiet verbissene Reservation im einzelnen— begegnet sich mit der gleichen Haltung einflußreicher Beamter und Militärs. Der Reichsfinanzminister von Schwerin hat oftmals demonstrativ Niemöllerschen Gottesdiensten in Dahlem beigewohnt. Wenn das Regime nun trotzdem mit seiner brutalsten Waffe gegen Niemöller droht, muß es auf dem Kirchengebiet in einiger, ja sogar in sehr beträchtlicher Verlegenheit sein. Der wichtigste Grund dafür liegt darin, daß in einer imbedachten Laune der »Führer« selbst die Kirchenwahlen, und sogar angeblich»freie«, vor zwei Monaten anbefohlen hatte. Die Geister des kompletten Durcheinanders, die er damit im protestantischen Kulturkanlfpfsektor rief, kann sein Regime ohne drakonische Gesten augenscheinlich nicht mehr bändigen. »Noch immer,,.« »...töricht aber ist der Aberglaube jener Zeitgenossen, die noch immer ihre ganze Weisheit aus ausländischen Zeitungen schöpfen, weil angeblich die deutschen Blätter»nicht die Wahrheit sagen dürfen«.(»Der Arbeitsmann«, Maiheft.) Nr. 205 BEILAGE Neuer Vorwärts 16. Mai 1937 Zwischen Landsberg und Dachau Verfolgungs- und Baby Aus schwerer Zeit Immer wenn die Freiheit geschändet wird, treffen sich die Besten im Gefängnis." Eintragung Adolf Hitlers vom 15. Juni 1924 in Landsberg. Ein Bild aus der Landsberger Festungszeit des Führers und seiner Mittämpfer. Von links: Der Führer, Maurice, Kriebel, Heß, Dr. Weber. ( Berl. Illustr. 3tg.) Heute: Konzentrationslager Dachau Rassenwahnsinn Ein amerikanisches Interview mit Ludendorff. In der angesehenen und über die ganze Welt verbreiteten englischen illustrierten Zeitung» The Sphere« veröffentlicht in der letzten 1.- Mai- Nummer der amerikanische Journalist Ferdinand Tuohi einen Artikel über Erich Ludendorff, dem eine Photographie des Sujets in der Uniform des einstmaligen>> Generalquartiermeisters<< Pickelhaube und metallisch besäte Brust beigegeben ist. Der Beitrag ist geschrieben bei Gelegenheit der Aussöhnung Hitlers mit seinem eigenen Parteigründer. Der amerikanische Verfasser sucht nicht nur zu erweisen, daß die Ehren- Reinstallation des Generals, zu der sich das Dritte Reich jetzt hat bequemen müssen, ein grundsätzliches eigenes Bekenntnis des nationalsozialistischen Staates zu Ludendorffs Heidentum beinhalte, so daß nunmehr der Prozeß>> Wotan kontra Sankt Peter«( so wörtlich!) seinem Höhepunkt entgegentorkele, sondern daß wohl auch ganz konkrete kriegsmäßige Ueberlegungen des heutigen Deutschland, die Ludendorff eine entscheidende Rolle bei Ausbruch des kommenden zweiten Weltkrieges wieder anweisen möchten, bei der Entrevue LudendorffHitler das antreibende Moment dargestellt hätten. Dabei verweist der Amerikaner auf Ludendorffs noch große körperliche Rüstigkeit und auch darauf, daß Foch auf dem Höhepunkt seiner militärischen Rolle im Weltkrieg ebenso alt, Hindenburg noch älter als der heutige Ludendorff gewesen wären. Tuohi hat eine Unterredung mit dem General einige Jahre nach dem Weltkrieg in Deutschland gehabt. Er schildert dies Interview jetzt wieder nicht zuletzt, um seine angelsächsische Welt wissen zu lassen, was sie moralisch und intellektuell von der neuen LuHitlerdendorff- Drohung Preußens zu erwarten hat. Die Psychoanalyse, die das dabei entworfene Porträt des Generals begleitet und ihm erst Farbe gibt, ist einfach vernichtend für den» Delinquenten«. Zu bemerken wäre noch, daß Tuohi den Krieg als Frontoffizier auf englischer Seite mitgemacht hat und nur so einzelne Stellen in seiner Darstellung verständlich werden. Hier die möglichst wortgetreue Uebersetzung: Wie nahm Ludendorff diesen Weg zum Antisemitismus? Es ist durchaus möglich, daß der Schreiber dieser Zeilen einiges Licht an das Faktum heranbringen kann. Die am meisten geglaubte Version ist, daß der General Zeuge der Kurt- Eisner- Revolution in München war und daß er dadurch einen geradezu wahrsinnigen Haß gegen die Juden in sich aufspeicherte. Aber meine Meinung ist, daß sein Antisemitismus weiter zurückverfolgt werden kann nämlich bis zu den Doughboys( populäre Bezeichnung für die amerikanischen Soldaten im Weltkrieg. Die Red.), die durch ihr Eingreifen seine Pläne zerschlugen und seine Karriere zerschmetterten. So oder so Ludendorff ist nicht imstande, die Vereinigten Staaten von der Judenschaft zu unterscheiden. Er sah beides als ein und dasselbe an mindestens tat er es an jenem bemerkenswerten Morgen vom 8. April 1922 drüben in seinem Heim bei Wilhelmshöhe, als er mich anbellte für mindestens eine volle Stunde. Der General war in großer Gefahr zu dieser Zeit(???) und nur nach vielen Anstrengungen konnte ich mich mit ihm, in Verbindung setzen durch die gütigen Dienste, die mir der damalige politische Herausgeber der>> Münchener Neuesten Nachrichten« leistete. Ich hatte gehört, daß Ludendorff gewohnt war, den Revolver stets schußbereit zu halten und daß er einen Ofen ständig brennend unterhalte, um im Falle der Gefahr persönliche Papiere verbrennen zu können. Aber ich war nicht vorbereitet, bei ihm ein Paar knurrender Wolfshunde anzutreffen, die einen schon gänzlich unter Druck nahmen. Nicht nur, daß ich mich bis zur Vorhalle durch sie förmlich hindurchwinden mußte alles zur Ehre der damals noch» Alliierten und Assoziierten Mächte> Schlappheit< zu beGeneral- Quartiermeister seiner Frau zu, zu ne«. Als verwahrlost im Sinne des Reichs- sorgeanstalt geben, es genüge,» der Mut- wahren, sie wissen sich auch gegen Ueberverschwinden( er tat das mit einer zackigen gesetzes für Jugendwohlfahrt, dessen Schöp- ter das Sorgerecht zu entziehen griffe des Staates besser zu wehren. ArHandbewegung) und segelte nunmehr auf fer den Begriff der Verwahrlosung ganz an- und es auf das Fürsorgeamt zu beitereltern aber, die im eindeutig genug übertragen.« In dem zweiten Kommen- stehen oppositionell zu sein, sind hilfmich zu, fast im Paradeschritt, die kleinen ders verstanden und ihn definiert haben. tar versichert Amtsgerichtsrat Maßfeller, los ausgeliefert. Und wehe den Kindern, die hellblauen Augen unbarmherzig auf mich geDer Beschluß richtet sich natürlich gegen Fürsorgeerziehung bedeute ohnehin nicht im- in die Hände der nationalsozialistischen> Fürrichtet. Einige Schritte vor mir stellte er sich auf, machte eine ruckartige Verbeugung die Kinder von Neinsagern, Kriegs- mer Anstaltsüberweisung. Es liege vielmehr sorgeerziehung« fallen! Was nach den seenicht tiefer als einen Zoll streckte eine gegnern, Katholiken, Bekennt-> im pflichtgemäßen Ermessen der Fürsorge- lischen Mißhandlungen und stellt gleichzeitig erziehungsbehörde, welche Art der Durch- an Widerstand in ihnen ist, wird herausnervenlose Hand aus und sagte:» Ludendorffe. nischristen Dazu mußte ich» Tuohi< antworten, wie in eine Erpressung an den Eltern dar. Auch führung gewählt werde<. So könne der Junge geprügelt werden. den alten Tagen in Bonn, wo es da auch hier hilft man sich wie gewöhnlich damit, z. B. in die Familie eines Lehrschon so vor sich ging.» Setzen Sie sich in ein bestehendes Gesetz zu verdrehen, anstatt meisters gebracht werden, der den Stuhl da drüben! Nein, drüben in den! ein neues Gesetz zu erlassen ein neues die Gewähr für eine ordentliche und Unterrichtung Kümmern Sie sich nicht um die Hunde!<< Zwangsgesetz, das im Ausland beachtet Erziehung all dies knatterte aus ihm heraus, als wäre werden würde und an der» Erneuerung des biet e<. ich ein Feldgrauer auf dem Paradefeld gewesen.. Es war die Fahrt der Deutschland< er Aber das war noch eigentlich gar nichts, bis er denn zu den Juden kam. In seinem Gehirn zwangen die Juden die USA in den Weltkrieg und das HerüberkomHäfen landeten.<< Nachdem ich mich gegenüber dem Fen- ten wirklich einen Rekord auf! Sie gingen in herausgeschmettert und mit gleichen Gestister niedergelassen hatte, schritt Ludendorff den Weltkrieg aus dem bösesten Motiv, das kulationen verbunden. rund um mich herum und setzte sich auf es überhaupt in der Weltgeschichte gibt! Sie einem Lehnstuhl nieder drei Schritte gegen- gingen in den Krieg für Gold! über, seine Augen immer noch starr gerichtet auf die meinen( wie sie damit auch quer über den Atlantik, der sie zu der Entnicht mehr aufhören sollten bis zum Ende), scheidung brachte. Sie begannen damals zu men der USA bereitete Ludendorff die Nieseine linke Hand immer noch in die linke fürchten, daß ihnen ihr Gold entwischte. derlage im Felde, da natürlich Foch niemals Tasche gepreßt( wie es auch so bis zum Wir aber, wir, wir Deutsche fochten für das strategisch versucht hätte, was er dann Schluß geschah). Ich stellte mir vor, in die- die Vorherrschaft unserer Rasse! Sie tat, hätte er nicht gewußt, um die 300.000 ser Situation wäre es das beste, möglichst sie fochten für Gold! Erzählen Sie ihnen das,| Dughboys, die jeden Monat in französischen angenehm zu lächeln und mit meiner Arm- wenn Sie wollen!<< Und Ludendorff beugte sich vornüber und banduhr zu spielen( was denn auch bis zum Schluß nicht anders wurde). Ich sprach sein Finger schoß auf mich, als wenn gewesen wäre. Nichtsdestokein Wort minutenlang, ich wagte es auch eine Pistole gar nicht, bis es von drüben im selben abge- weniger blieb ich eigentlich mehr geängstigt hackten Knattern herauskam:> Was wün- durch diese Wolfshunde, denn durch irgendschen Sie?«. Worauf wir also in Gang etwas oder irgend einen anderen hier in Wilhelmshöhe. Oder besser: Ludendorff kam >» Aber Exzellenz! Sind denn Vorherrschaft Gang. Ich selbst sagte kaum ein Wort, ich und Gold so ganz verschieden und fern vonich es gestattete ihm voranzugehen, wie auch so manchem deutschen Kriegsgefange- einander, wenn man das auf lange Sicht benen hinter Ypern und der Somme damals trachtet? Würde nicht die Vorherrschaft, die gestattet hatte. Hier war jetzt mein größter Sie als das deutsche Kriegsmotiv erwähnten, Gefangener. Er mag dies komisch von dem in ihrem Gefolge außerordentliche KapitalsVertreter einer amerikanischen Zeitung ge- vorteile für das deutsche Volk gebracht hafunden haben; doch er wußte ja nicht um meine frühere Funktion im Krieg. kamen. Der Damm der Unterhaltung wurde geöffnet mit dem Hinweis auf die Monarchie. noch Ludendorff war damals der Hauptchampion des Exkaisers und er blieb das bekanntlich bis er seine zweite Frau aus der und > Intelligenze, Mathilde, heiratete Heide wurde. ben?< in verkam die Antwort > Mag sein!<< ärgert> Aber wir dachten nur an unsere Rasse!<< > Aber schematisieren Sie nicht etwas die Amerikaner im Krieg? Was ist denn mit den Deutsch- Amerikanern?< > Das sind die Schlimmsten in der ganzen ein Sippschaft. Ein schreckliches Volk! Wir bekamen nichts von ihnen und wir erwarten jetzt nichts von ihnen. Bah, diese Amerikaner! Das engstirnigste Volk der Welt! Wir wir kommen ohne sie aus!< zu die » Ich weiß nicht, welches Recht Amerika hat, sich für die Zukunft Deutschlands interessieren? Umgekehrt sollten Amerikaner vor allem einmal selbst studiesich Darüber hatte sich der General in einen ren! Diese Amerikaner!( Das Interview war deklamatorische Weißglut hineingeredet, jeeine einzige Serie von Explosionen). Sie stell- der Satz war wie Von der Pressefreiheit Stammtischrede eines deutschen Lesers Ich habe das Geschimpfe im Auslande satt Sie höhnen die Presse des Reiches, die Schweine. Das sind eben Juden. Ein arisches Blatt verstehen sie garnicht so richtig. Ich meine, ( nachdenkliche Pause) sie wissen nicht, was unsereins dran hat. ein militärischer Befehl Verdacht der Schulzeit noch Am Muttertag erschienen in allen deutschen Zeitungen rührende, sentimental- kitschige Familienbilder. Hier ist der Text dazu. hen!>> Die Stunde fordert hier gebieterisch sofortige Abhilfeschaffung. Drum Kampf dem Spatzenvolk, auch hier in der Großstadt! Zerstört seine Brutstätten, fangt und vernichtet diese Schädlinge, wo ihr sie antrefft... Eile ist geboten. Das Brutgeschäft ist bereits in vollem Gange. Daß dieser Kampf ritterlich geführt werden muß, versteht sich von selbst.<< Nun sind auf einmal die Spatzen schuld und nicht der Darré und die Rüstungswirtschaft. Gute Zeiten übrigens für alles Ungeziefer, wenn der Spatzenmord organisiert wird Strafverdunkelung ritterlich natürlich; denn das System macht * alles ritterlich, ob es nun die Spatzen oder die Wir glauben, daß hier die verschiede- Frauen und Kindern von Guernica totschießen nen Arten von Verfolgungswahnsinn, an läßt. denen der geistige Vater des Nationalsozialismus, sein militärischer Lord- Protektor in entscheidender Zeit, leidet, mit Das Dritte Reich hat eine neue Strafe drastischer amerikanischer Beobachtungsgabe ausgezeichnet sind. Aber sind Wahn- für seine Bürger eingeführt: VerdunkeDa nähere fährt man aus dem» Westdeutschen Beobsinnige nicht immer ein größerer Schrek- lungs- Nachsitzen. ken für ihre Umwelt, als Gesunde? achter<, der für eine Verdunkelungsübung im Kölner Villenvorort Marienburg folgendes bemerkt: Die Spatzen sind schuld! Der>> Westdeutsche Beobachter<, Köln, kündet» Kampf den Spatzen« an, indem er einen Aufruf des» Reichsnährstands Kreisbauernschaft Köln« veröffentlicht, aus dem wir zitieren: er» Ueberhaupt trafen wir vielfach die Hausgehilfen und-gehilfinnen allein in der Wohnung an. Solch mangelndes Interesse entspricht aber keineswegs der Bedeutung der Sache. Zudem findet eine solche Uebung so selten statt. Es ist daher verständlich, daß so lange Strafverdunkelungen angesetzt werden können, bis es klappt.< >> Die Sperlinge oder Spatzen haben sich in den letzten Jahren in ganz erschreckendem Maße vermehrt und bilden heute bereits eine große Gefahr für die Früchte des Feldes... Tausende von Zentnern Brotgetrei- vor de gehen so alljährlich für die menschliche Café. Ernährung verloren. Hier muß unbedingt Schroeder, in dessen Villa im Januar Einhalt geboten werden.< noch nicht begriffen, Aber die städDie Marienburger Magnaten flohen also den Verdunkelungskontrolleuren ins Auch Bankdirektor Baron von diese schwertische Bevölkerung hat den Ernst der Lage 1933 die Kanzlerkür erfolgte? Wir möchten >> Hier bei uns in es nicht glauben, nachdem der Stadt ist der Spatz auf den Höfen und industrielle Verdunkelungsübung unter der in den Anlagen ein gern gesehener Gast und Regie Franz von Papens damals zu solch wird von jung und alt geradezu gehegt und gepflegt.<< Das kann nicht so weiterge- vollem Erfolge führte. Was kann man da lesen! Es wird einem kalt.| ger Mensch, im Gesicht die blutigen Spuren beutung des Menschen durch den Menschen! Man muß unser Volk gegen so etwas stählen. der Inquisition. Hinter ihm die Schergen. Der Freiheit und Recht! Wir haben nichts verDa hat so ein Kerl doch bei Nacht mit Diktator winkte mit dem Augen, die Wache gessen.. verschwand. > Nun?< Gewalt... Na wissen sie, nein, man kann's gar nicht erzählen. ( tuschelt hinter der vorgehaltenen Hand) Doch Streicher wacht und gibt der Jugend Halt. Den Ausländern freilich kommt sowas verquer. Da tun sie, weil wir ihre Geilheiten rügen, als ob unsre Presse geknebelt wär. Geknebelt! Ein Blick in dies Blatt straft sie Lügen, ( haut auf den Völkischen Beobachter) doch schon beim Kaffeetisch ergötze ich mich Ja--wo auf der Welt geht's denn freier her!? in heiligem Grimm an den Priesterprozessen. ( schnalzt mit der Zunge) Zum Beispiel ein kleiner Beamter wie ich ich habe zwar meistens nichts Rechtes zu fressen, Das macht den ganzen Morgen sonntäglich. Da les ich:» Die Kirche als Stundenhotel<. Der Diktator Das wird im Kontor später eifrig besprochen. tor. Die Wachen verschwanden. » Der Schänder im Priesterrock< >> Schwarzes Bordell«<, das gibt uns Gesprächsstoff für einige Wochen. ( strahlt übers ganze Gesicht) Man merkt, es wird in Deutschland wieder hell. Hugin fragte der Machthaber und suchte den anderen mit Blicken zu zwingen. Der sah ihm stumm und unverwandt ins Gesicht. Heute sind Sie Unterdrücker, sind Sie das letzte Bollwerk der Ausbeuter, verfolgen den Geist, den Sie einst gelehrt. Der Diktator > Langsam, mein Sohn<. suchte belustigt zu lächeln, es mißlang.» Die Welt von heute ist anders als die von damals.<< >> Du hast dich gegen mich und den Staat ver- Er hob sich auf den Absätzen.» Ich habe den schworen, du hast unterirdisch gewühlt und Staat gerettet, der Staat aber ist die Rettung uns das Ende angedroht, darauf steht der aller!< > Kein Staat ohne Recht und Freiheit, haTod. Was willst du noch?< Der andere sah ihn noch immer unver- ben Sie uns gelehrt. Der Staat ist ein barbawandt in die Augen.> Erkennen Sie mich risches Ungeheuer, wenn er die Menschenrechte verschlingt und sich mit ihnen mästet. Das haben Sie aber Tausenden zugerufen.<< nicht?< Der Diktator stutzte, überwandt eine Aufwallung des Aergers. Was denn? Das Menschlein wollte auftrumpfen?> Was ist? Was hast du mir zu sagen? Meine Zeit ist kostbar<. Der Gefangene trat einen Schritt vor. Sein Der Mächtige wollte aufbrausen, bezwang sich. Durfte er sich so schnell geschlagen geben? Den Burschen abführen lassen? Sich so schnell hinter die nackte Gewalt zurück zie>> Ich habe euer Land stark und mächtig gemacht, Gott hat mich dazu erwählt, die Zukunft wird mir Recht geben.<< > Führt mir den Kerl vor«, sagte der Dikta-| Blick schien empor zu springen.» Man hat hen? Wieder einmal forderte ihn die Verganimmer gerühmt, Sie prägten sich Menschen so genheit zum Duell. Man mußte mit ihr fertig Der Diktator ging mit großen Schritten gut ein... Erinnern Sie sich nicht des Knaben werden, mußte sie gänzlich erledigen, oder auf und ab. War ja eigentlich etwas komisch, Malti? So nannten Sie mich... Bei der Ju- man wurde erledigt. so einen Verschwörer persönlich abzuhören, gendweihe gaben Sie dem Knaben einst einen aber der Kerl behauptete, er habe etwas zu Spruch mit auf den Weg: Freiheit und Recht oder die Welt geht zugrunde... Später, sagen, das er nur dem Diktator berichten könne. Wahrscheinlich war es Wind >> Diesen Gott haben Sie einst gehöhnt, ist und der in der Jugendsektion war ich ihr bester er wieder Mode? Das Land ist ärmer geworDelinquent wollte vor dem Mächtigsten des Schüler<<. Reiches ums Leben flehen. Die Augen des Mächtigen gingen ins den unter der Last der Kanonen, Keine ZuAber vielleicht wußte er wirklich etwas Wichtiges, Auf- Leere. Malti... Malti... Ja so, ja, möglich, kunft ohne Recht und Freiheit, haben Sie uns deckung des Verschwörernetzes Enthüllung der Junge damals, mit dem offenen Blick und schwören lassen. War Ihre Lehre von damals politischer Geheimnisse, um die sich das dem flinken Verstand... Blasse Erinnerung Landesverrat, dann sind Sie der Verführer, Das würzt selbst den magersten Sauerkraut- Spitzelheer vergeblich bemühte. In jedem Falle tauchte herauf. Auch sein Vater hatte wohl in schmaus. sah man dem Feinde einmal direkt ins Auge, der Bewegung gestanden... > Freiheit und Recht ich habe keine Pfui Teufel! Die Welt ist so schrecklich ver- tat einen Blick in seine Seele. Menschen bewildert. herrschen heißt, ihre Schwächen und Sehn- Ihrer Lehren vergessen. Wie glühend konnten süchte immer von neuem zu studieren. Sie von Erlösung der Menschheit sprechen. Durch die Tür trat der Häftling, ein jun- Tod den Unterdrückern! Haß jeglicher Aus- drückt. Und mittags. da drängt es mich mächtig nach Haus. Der Stürmer erwartet mich, schärfstens bebildert. ( Schüttelt den Kopf und das Bierglas) Nur gut, man zieht das Saupack nackend aus. der Anstifter derer, die Sie heute in die Kerker werfen lassen, dann ist unser Galgentod der Ihre und übrig bleibt von Ihnen ein rasselndes Schattengerippe...< Der Diktator hatte auf die Klingel geDie Wachen marschierten herein. Kleiner Kuli was nun? >> Frag' mich was< Eine Reihe schwarz uniformierter faschistischer Journalisten hat vor kurzem Deutschland bereist. Daß sie von allem, was ihnen im Geiste der» Achse Rom- Berlin< gezeigt wurde, sehr entzückt waren, versteht sich am Rande. Nur am Schlusse der Reise gab es ein Intermezzo, das der Erwähnung wert ist. Göbbels empfing die Journalisten mit der Aufforderung, frisch von der Leber weg politische Fragen an ihn zu richten. Die Journalisten, froh darüber, einmal fragen zu dürfen, machten von der Einladung so reichlich Gebrauch, daß Göbbels sich etwas anstrengen mußte, um die Wiẞbegierigen zufrieden zu stellen. Sie wollten hören, was der Propagandaminister zum deutschen Kirchenkampf, über die Kolonialforderungen, über Frankreich und Rußland zu sagen habe. Der Chefredakteur des> Angriff Schwarz- van Berg schreibt dazu: >> Dr. Göbbels zeigt den Italienern, daß wir realistische Politik treiben und verGörings private Gemäldegalerie Wie kam Cranachs berühmtes Tafelgemälde ,, Traum des Paris" in seinen Besitz? so aus den Mäzen der schönen Künste und keineswegs| und andern. Es ist ein Gemälde, das künst- den vergangenen Jahren zahlreiche Kostbarnur immer» Bulle<, wie ihn sein Freund Ru- lerisch wie stofflich im gleichen Maße fes- keiten der deutschen Kunst und des deutdolf Heẞ unter dem Jubel von Zehntausenden selt. Mit erstaunlicher Sachlichkeit vertieft schen Kunstgewerbes als Zeichen>> unvergäng bei der Verkündung des Vierjahresplanes im sich der schwer gepanzerte Ritter wählerisch licher Dankbarkeit« zum Präsent überreicht Berliner Sportpalast titulierte, hat Göring die in die drei erheblich unbekleideten Frauen- worden. Bedeutende Werte soeben eröffnete Cranach- Ausstel- gestalten; jeden Gourmand weiblicher Reize Museen Nürnbergs, Münchens und Kölns lung im Berliner Deutschen Museum unter muß eine solche Summierung nackter und sind auf diesem Wege nach dem Prinzip>> Geseine Schirmherrschaft genommen. Die Ber- preziöser Schönheit ehrlich entzücken. Käme meinnutz geht vor Eigennutz« aus Allge liner Ausstellung gibt einen eindrucksvollen dieses Bild heute ein nahezu unausdenk- meinbesitz wieder in PrivatbeUeberblick über das Werk der beiden Cra- barer Fall! auf einer internationalen sitz zurückverwandelt worden. nachs, der berühmtesten Hofmaler der deut- Kunstauktion zur Versteigerung, so gäbe es In der korrupten Zeit der Novemberverbreschen Renaissance, von denen verewigt zu eine Sensation und man müßte Millionen in cher stolperte ein Oberbürgermeister einmal werden vor 400 Jahren zum guten Ton aller Goldwährung dafür bezahlen. über einen zu billig eingekauften Pelz. Heute ist es die Symbolisierung der wiederhergemächtigen Fürstenhöfe gehörte. Da ihre BilWie aber kommt dieses Bild in der heute weithin in der Welt zerstreut sind, Görings> Besitz< Lukas Cranach< von Curt Glaser, freilich nur von einem Salon in einen andern stehen, im richtigen Augenblick das Rich- geworben. Er spiegelt sich nicht nur im Er- Inselverlag, Leipzig 1921) angibt:» In Darm- gewandelt. Wir wollen hoffen, daß der Vortige zu tun. Bitte keine Festlegung! Bitte folge dieser Ausstellung städter Privatbesitz«. Für das, wo- besitzer, was wir authentisch nicht festzurauf es ankommt, ist jedoch diese Frage stellen vermögen, ein Mäzen semitischer Abnicht von entscheidender Bedeutung. Allein kunft gewesen ist! Dann läge der Fall der deutschen wichtig ist: auf welchem Wege wandelte das Arisierung eines weltbekannten große Tafelgemälde von Darmstadt oder von Kunstwerkes vor, die jeder ehrliche NatioKarlsruhe nach Berlin? Wer hat es Gö- nalsozialist begrüßen müßte. ring geschenkt? Hat er es gekauft: Man wird freilich einen Verdacht nicht was hat er dafür bezahlt? Aus wel- ganz los, der sich außerhalb dieser Erwächen Mitteln? Jedermann weiß, daß Göring gungen auf das unterirdische Dritte Reich » Das Bild, das sich im Besitz bis zum Halse in Schulden steckte, als er bezieht. Warum veröffentlicht der» Angriff<< Hermann Görings befindet, stellt den Traum des Paris dar. Der sitzende nach Hitlers Machtergreifung seine diversen gerade dieses Bild, mit dem überdeutlichen Ritter soll entscheiden, welche die Schönste hohen Posten bezog. Selbst die Addition Hinweis:> aus dem Besitz Hermann Görings?< sei. Die Sache will wohl überlegt sein, um mehrjähriger Minister- und Generalsgehälter Wollte damit das Blatt des Herrn Göbbels so mehr, als alle drei für ihre Schönheit dürfte kaum ausreichen, um auch nur einen mit der zarten Umschreibung, die ihm eigen um eines der schönsten und bekannAls Göbbels das Gespräch auf diese Weise testen Tafelgemälde Lukas Craabgeschlossen hatte, da» lachten nach nachs des Aelteren, gemalt im Jahre obigem Zeugnis die Italiener. Schwarz- van 1528. Es stellt den» Traum des Paris< dar, Berg macht dazu folgende Glosse: wird vom» Angriff< im großen Photo veröffentlich und folgendermaßen gepriesen: >> Wer möchte das nicht auch einmal: mit einem anderen reden und dabei zugleich die Rolle des beobachtenden Dritten spielen, um jedes Wort, jeden Blick, jede Bewegung der Hände auf beiden Seiten scharf zu registieren? Wir hatten das Vergnügen.<< Es mußten erst Italiener kommen, um ihm das> Vergnügen« zu bereiten, wenigstens zuhören zu dürfen, andere den obersten Chef der deutschen Presse fragen! Ein kleiner Kuli rebelliert beim Katzbuckeln. wenn deutliche Reklame machen. Die antike Anekdote erhält von allen Seiten her Bruchteil des Bildwertes aufzubringen, so ist, auch seinerseits die Frage stellen:> Womenschliche Züge und wird durch die weite weit er sich in deutscher Reichsmark über- her hat Göring das Geld?<< Unter den Palabergige Landschaft, in der die mittelalter- haupt ausdrücken läßt. dinen des Dritten Reiches rollt nicht immer liche Stadt und die Burgen auftauchen, humorvoll, ernst und heimisch zugleich.<< Handelt es sich um ein Geschenk aus nur das süße Aepfelchen des Paris. GelegentKein Wort des Lobes ist zu hoch! Es gibt Museumsbesitz von dem die deutsche lich pflegen sie sich mit jener Frucht zu beso wäre schenken, die im deutschen Märchen die böse keine Kunstgeschichte, worin man nicht be- Oeffentlichkeit nie etwas erfuhr » Stumpfheit und Müdigkeit« bilderte Darstellungen des großartigen Wer- dieser Besitzwechsel noch bemerkenswerter. Stiefmutter für Schneewittchen präpariert. Die> Deutsche Wochenschau< be- kes findet: bei Muther, bei Lübke- Semrau Dem Führer und seinen Mitarbeitern sind in klagt sich: von Eins ist ganz gewiß: ein ständiges Trommelfeuer Ekstasen zeitigt auf die Dauer das genaue Gegenteil jeder Ekstase, nämlich Stumpfheit und dumpfe Müdigkeit, die auf keinen noch so lauten Anruf mehr antwortet! jedem pflegt!< Harald. die kein Maler > Zum ersten Male hat hier ein deutscher,» metaphysischen< Akustik, den auf die Bedeutung des Ereignisses hinzuweisen hätten. Wobei sie tatsäch- Künstler ein Stück Zeitgeist gestaltet, des Dritten Reiches darstellen, niemand rundlich zu übersehen belieben, daß die frei von Pathos, abhold dem Herkömmlichen, Sonne> zu allen Zeiten und unter ans Tiefe rührend, ohne allegorischen Schnör- reichen darf. Das ist das Nationalsozialistische Regime< aufzugehen kel. Da stehen Arbeiter im blauen Kittel, daran. bei ihnen, mit gefalteten Händen, Der Betriebsführer der» Deutschen Wo- Sie belieben das gar nicht zu übersehen. Aber der Inhaber des Betriebes, daneben Kitsch zu Pferde der Betriebsführer, alle horchen, stumm, vergenau wie seine sämt- wenn sie sich nicht das> Hitlerwetter, sunken, doch Lautsprecher und Fühdie Nationalsozialisten bei ihrem lichen anderen Kollegen im Reich bei den den deutschen Boden, das nordirerrede bleiben metaphysisch; Machtantritt u. a. den heiligen Eid geschwo> Gemeinschaftsempfängen sche Blut heimische und gerade das, was nicht» sichtbar< gemalt Schwierigkeiten zu haben. setzten Die stumpfen Scholle aufs Verdienstkonto chenschau< scheint und die Da ist, ist so wunderbar vorhanden. Ein urdeut- ren haben, mit dem» a merikanischen Gefolgsmannen laufen davon, sobald der womit sollten sie ihre Untentbehrlichkeit be- sches Bild, ein nationalsozialistisches Kunst- Schönheitsköniginnen- Rummel werk hohen Grades, erlebt, gefühlt, gar leh- gründlich aufzuräumen«, melden Lautsprecher zu rören beginnt. Deshalb gründen? rend, ohne aufdringliche Belehrung. jetzt die deutschen Zeitungen: dieses Bild doch Könnte man rundreichen. Hier hat schon der neue richtet das Blatt wohl auch folgende in-! Der Münchener Maler Thomas Schmidt >> Hamburgs Mai enkönigin ist gewählt. Sie hat metaphysisch Geist gemalt, denn Intellekt wäre Stümperei.< am eine siebzehnjährige Stenotypistin 1. Mai auf einem Schimmel in Hamburg ihren feierlichen Einzug gehalten.<< Hasch mich, ich bin der Frühling nicht ständige Beschwerde an die Herren Redner: Führerwort >> Es laufen allerhand Ueberschwängliche Die gefalteten Hände des Betriebsinhabers herum, deren ungestilltes Geltungsbedürfnis es am liebsten sähe, wenn bei jedem ist der Schöpfer eines Bildes> Gemeinschafts- dürften an>> Tiefe« alles in den Schatten stelSonnenaufgang eine Haupt- und Staatsak- empfang, das die deutsche Presse(> West- len. Hier dankt einer inbrünstigen Herzens tion stattfände, an der sie dann wie es deutscher Beobachter<<) zu diesem Hymnus dem Himmel für diesen Führer! Die wahre der amerikanische, sondern der autarke KdFihnen das diskrete Unterbewußtsein SO schön ausmalt! Meinung der Arbeiter gehört ins Bereich der Frühling. in> groẞtönenden Re- entflammt: >> Abführen. Sie packten den Gefangenen. In verbiete die Geschichtslehre! Ich verbiete das| läßt. Es heißt darin, die bürgerliche Sicherung, seien es gerade die Linksradikalen geder Tür wandte er sich noch einmal um.» Der Denken! Ich verbiete die Sprache!< Lehnte sei lebensnötig, denn: Geist ist ewig, haben Sie uns gelehrt, die Gewalt endolcht sich selbst<<. tekel ab. sich im Sessel zurück, starrte ins Leere, zerriẞ den Bogen, zerbrach die Feder, wischte Schweiß von der Stirn. Schimmer ein wesen, die zum» Kampfe gegen das vermeintliche Spießertum<< bliesen. Wie also kommen die Nazis dazu? >> Wir meinen, es gehört eine gemessene Portion Ueberheblichkeit dazu, sich selbst als einen der Glücklichen zu betrachten, die als» unteil bar wesenseigene Menschen auf dieser Erde leben und von dieser eingebildeten hohen Warte aus den Spott auf die angeblich in dumpfer Behaglichkeit Lebenden auszuschütten, nur, weil sie vielleicht nicht ohne ein kleines Bedürfnis nach Glück auskommen. Es gehört ein groteskes Unverständnis gegenüber der naturgegebenen Vielfalt menschlicher Erscheinungsform und menschlicher Rangordnung dazu, alles über einen Leisten schlagen.<< > Kultur ohne relative Sicherung ist undenkbar. Sie kann nicht leben, wo das VerDer Mächtige lachte höhnisch, lachte, bis ständige fehlet«. Der Ekstatiker( Künstler, Prophet, Schwärmer), der Soldat, der Ardie Tür zufiel, dann sank er in einen Stuhl. Musik und Lärm hallten von der Straße beiter wiederlegen den Bürger nicht. Sie Drohend stiegen Schatten aus allen Schächten her, rissen ihn in den Tag zurück... Ach so, sind erst möglich durch ihn. Sie heben sein herauf. Die Schritte des Gefangenen verhall- die Parade, die bestellte Kundgebung, Volk, Wesen erst hervor als den eigentlich wideraber dort, in der Mitte Fahnen, Leibstandarten, ein Heer von Spitzeln ständigen Bestandteil der Gemeinschaft... ten vom Gange her Wichtig für die neue Einstufung des bürgerdes Zimmers, dort stand noch immer einer, und Detektiven über die Straßen gesät. Er lichen Menschen ist die Tatsache, daß man mit hellen klaren Blick. Der Diktator wischte trat auf den Balkon hinaus, riß sich empor, ihn wohl in einen Gegensatz zum Ekstaüber die Augen... Seine Jugend stand dort grüßte, nickte, lächelte starr, wie eine Mas- tiker, zum Soldaten, zum Bohemien bringen kann, nicht aber in einen Gegenund wich nicht, seine Jugend, strahlend, gläu- ke... Das Phantom aber, dort in der Mitte satz zum Bauer n. Denn der Bürbig, ohne Lüge.» Der Geist ist ewig... Recht des Zimmers war es nicht lautlos neben ihn ger ist die einzig angemessene Entspreund Freiheit, oder die Welt---. Ja, das geglitten? Wies es nicht mit einer Hand, die chung des städtischen Menschen zum Bauern. Er stellt das, was dieser ländlich darhatte er einst ins Volk gerufen, hatte seine ins Ewige zu wachsen schien, zum Horizont Derart kurios und getarnt spiegelt sich in stellt, im städtischen Verhältnis dar...< Lehre mit der Geschichte bewiesen. Blutig hinaus, auf dessen bleichen der Presse des Dritten Reiches der Kampf Das alles ist nur zum Teil richtig. Zu be- zwischen individualistischen Anschauungen zeichneten sich am Hintergrunde ihre Mene- spukhafter langer Zug von Menschen erschien und über ihnen glühende Lettern: Recht und tonen wäre, daß Bauer und Bürger siehe und hakenkreuzlerischer Vermassung. Der toden Nazis zum Siege tale Staat steht dem Wirbel mit widerstreiWeg, weg, ihr Gespenster... Was wollt Freiheit,... Wies weit hinaus: Da sieh, Deine Harzburger Front ihr wieder und wieder? Ich habe das Land Jugend und Deine Lehre, Deine Vergangen- verhalfen und daß diese in ihrer>> Kampfzeit< tenden Gefühl gegenüber, denn die intellekstark und mächtig gemacht... Stark Bruno Brandy. demagogisch an die bürgerlichsten In- tuellen und moralischen Schäden mächtig? frug das Phantom, dort, in der stinkte appellierten: gegen die> Kommune«, der Vernichtung aller PersönlichMitte des Zimmers. Stark und mächtig, nennst Rettung des Eigentums und der Ordnung. Mit keit machen sich bereits auf allen Gebieten Du Zwerg das, wenn die Stimme des Volkes diesem durch und durch bürgerlichen Feld- bemerkbar. Das SS- Organ durfte jüngst sogar nicht laut werden darf? Wenn das Wort von geschrei hat die Konterrevolution seit jeher das Goethewort vom höchsten Glück der ErFreiheit und Recht mit Kerker geahndet wird? ein satirisches Stück von Sternhein über die ihre besten Geschäfte gemacht und der Ord- denkinder zitieren. Es ist zum liberal werden! Stark und mächtig, wenn drei Tage Redefrei- Bühnen: Bürger Schippel. Er wollte so gern nungsschlager saß dem wildgewordenen navon Haus aus im heit Deinen Staat zerbrechen?! Immer in der revolutionär sein, dieser erste Tenor, zistischen Kleinbürger Die Auslese Und seit die Bonzen ihre Villen, Geschichte war zuletzt der Sieg bei denen, war aber derselbe Spieẞ bürger wie etwa Blute. >> Neuartig dürfte die Maßnahme eines auf deren Seite Recht und Freiheit fochten. sein rheinischer Bruder, der Schneider und Autos und dicke Zigarren haben, sehnen der GeSo stark und mächtig ist euer Schwert! Franzosenfresser Wibbel, Schippel und Wibbel sie sich alle nach bürgerlicher Ruhe. Dar- Düsseldorfer Metallbetriebes sein, deren Kinder > Maul halten!<< donnerte der Diktator, feiern im Dritten Reiche Orgien, sind in der um darf sich der Bourgeois mit Recht be- folgschaftsangehörigen, > Maul halten!<< Aber der Chor der Stimmen Nazipresse untergekommen und beschimpfen schweren, wenn Bürger Schippel jetzt am Bür- mit 14 Jahren in die HJ. eintreten, um ihn her übertönte seinen Schrei, wurde den Bürger, um die eigene Spießerhaftigkeit ger herum krittelt, um>> heroisch und solda- je 30 RM zuwendet. Sehr erfreulich ist die herrischer und drohender. Das Menschlein zu verdecken. Das Maiheft der Monatsschrift tisch zu erscheinen und einen Volksbrei brau- Feststellung, daß sich zahlreiche Betriebsriß einen Bogen vom Tische, griff hastig zur Eckart wendet sich dagegen in einem Auf- ner Vermassung anzurichten. Das hält auch führer um die Mitglieder ihrer Gefolgschaft Kuriers kümmern, die in den Reihen der WehrFeder, schrieb in großen Worten:» Ich ver- satz, der eine Ehrenrettung des Bürgers be- der gleichgeschaltete» Fränkische biete die Schule! Ich verbiete das Lesen! Ich deutet und den sich die DAZ nicht entgehen nicht mehr aus. Er meint, nach dem Kriege macht stehen.<< und heit und Dein Ende. Schippel und Wibbel Spießer gegen Spießer In der Weimarer Demokratie ging einst Aus dem Angriffe. Rohstoff not aus Raumnot? Am 1. Hai sprach Hitler: »Unser Volk lebt In einem viel zu engen und begrenzten Raum. Aus dieser Lage haben wir die Konsequenzen gezogen. Wir Deutschen haben wenig Rohstoffe. Es ist daher unsere Aufgabe, uns diese Rollstoffe zu sichern. Diesem Zwecke dient der Vier- jahresplan.« Tatsache ist aber, daß der Rohstoffmangel Deutschlands keineswegs die Folge von Raummangel ist. Denn es brauchte nicht von schwindenden Vorräten zu zehren, wenn es nicht die staatliche Lenkung des Außenhandels dazu benutzt haben würde, Vorräte von Kriegsrohstoffen aufzuhäufen. Wenn auch diese nun zu fehlen beginnen, so liegt das daran, daß die Welt heute mehr als je Deutschland als Abnehmer entbehren kann. Die Rohstoffproduktion vermag mit dem Aufstieg der Weltkonjunktur kaum Schritt zu halten. Deshalb brauchen die Rohstofflieferanten heute nicht mehr die Ueberlegung anzustellen, ob es für sie rentabler ist, dem Dr. Schacht Rohstoffe zu schenken als sie auf Lager entwerten oder gar verderben zu lassen. Die folgenden Ziffern, die amtlichen Ver- offentlichrangen entnommen sind, zeigen deutlich, daß diie notwendige Einfuhr der A u f r üs t u n gs e i nf u h r geopfert wird und daß die Vorräte unentbehrlicher Rohstoffe und Nahrungsmittel immer knapper werden. Es ist auffallend, daß im gleichen Jahre 1935 zugleich die Einfuhr kriegswichtiger Rohstoffe rapid steigt und die Einfuhr lebenswichtiger Rohstoffe fast ebenso rapid sinkt. Es ist also nicht das Fehlen der Auslandszufuhr an sich, sondern Elsenerz statt Welzen ihre Zusammensetzung, die den Mangel verursacht. Es ist nicht das böswillige Ausland, sondern das Hitlerregime selbst, das Deutschland als belagerte Festung behandelt. Aufrüstungsrohstoffe: in 1000 t Nahrungsmitelrohstoffe: Einfuhr Oelkuchen— 527,6 122,4 297.8 62,8 Einfuhr 1933'34 1934/35 1935/36 1936'37 Weizen 777,7 318,6 96,9— Vorräte Weizen Hill, t 3.2 3,0 2,8 1,5 Feb. 37 inkl. Mehl auf Weizen umgerechnet. Einfuhr Roggen 100.3 244,5 31,3— Vorräte Roggen Hill, t 3,8 3,7 3,6 2,6 Feb. 37 inkl. Mehl auf Roggen umgerechnet. Einfuhr Gerste 346,9 476,2 69,5— Vorräte Gerste Mill. t 1,27 1,11 1,12 0,83 Fe. 37 Trotz Vierjahresplan bleibt also die deutsche»Rohstoffreiheit« eine Utopie. Besonders das Schwinden der Getreidevorräte beweist den Bankrott von Darrös Autarkiepolitik. Unter solchen Umständen ist es nicht verwunderlich, daß Schacht sich anstrengt, in die Verhandlungen zur Wiederherstellung des internationalen Handels eingeschaltet zu werden. Er hofft offenbar, als Dank für seine Bereitschaft, den Vierjahresplan des Führers preiszugeben, ausländische Rohstoffkredite einzuheimsen. Inzwischen dürften aber des Führers Mairede mit dem erneuerten Bekenntnis zur Autarkie und mehr noch die Bomben auf BUbao einen Strich durch diese Rechnung gemacht haben. G. A. F. Politische oder fochllche BeruFserziehuns Führungsansprudi der Arbeidsfront? Die gesetzliche Regelung der Berufsausbildung in Deutschland bedurfte längst einer einheitlichen und sozialen Reform. Unter der Regierung Hermann Müller hatte der damalige Redchaarbeitsminister Wissel Ende 1929 ein Berufsausbildungsgesetz vorgelegt, das der Zersplitterung ein Ende und die Beschäftigung von Jugendlichen, wie die Berufs- und Lehrlingsausbildung in die kollektive Arbeitsgesetzgebung eingliedern sollte. Di» organisierten Untemehmerl rannten sofort gegen den Gesetzentwurf an, sie wollten Ausnahmen hinsichtlich des Geltungskreises, lehnten die Beschränkung der Lehrzeit ab und kämpften vor allem gegen den Vorrang, den der Tarifvertrag auch bei der Regelung der Lehrverhältnisse gegenüber der sog.»freien Vereinbarung« haben sollte. Die Hitler-Regierung war bei dem zunehmenden Mangel an gelerntem Arbeiternachwuchs gezwungen, jetzt aufs neue die Berufserziehung zu regeln oder wie die Nazis sagen »umzuformen«. Auch heute haben sich— mindestens hinter den Kulissen— zwei Fronten gebildet. Die Unternehmer, die bereits 1929 einen besonderen Arbeitgeber-Gesetzentwurf vorlegten, vertreten nach wie vor ihre Lehrlingsausbeutungs- Argumente, die Gegenseite, heute Arbeitsfront, aber tobt sich in der Phrase vom»politischen Leistungsideal« der Jugend aus. Rein äußerlich besteht auf der einen Seite das von dem Untemehmerprofessor Dr. Arnhold geleitete»Amt für Berufserziehung und Betriebsführung«, auf der anderen das »Jugendamt der DAF« und das»Soziale Amt der RJF«.(Reichsjugendführung.) Herr Arnhold betreibt eine neue»Prägung des Arbeitsmenschen« nach dem Muster der Gelben, er liefert alles»wissenschaftliche Material« für die»Betriebsführung« und stellt die nötigen Ausbildungsleiter, Werkmeister und Betriebsingenieure. Die Unternehmer sind sich in ihrer Methode treu geblieben, nur daß sie heute diese Ausbeutungssysteme mit staatlicher Sanktion und ohne jede so- ' ziale Korrektur verwirklichen dürfen. Die Deutsche Arbeitsfront hat nun einen Feldzug zur»Selbstführung der Jugend in der Beruferziehung« eingeleitet, ohne ihren Gegner mit Namen zu bezeichnen, sie vertritt keinerlei fachliche oder soziale Forderungen der arbeitenden Jugend, sondern sie rivalisiert eben von einem»Amt« gegen das andere »Amt«. Ley behauptet, der Führer habe in der Beruferziehung der DAF den klaren Auftrag erteilt und er lasse sich diesen»Führungsanspruch« nicht strittig machen. So wird jetzt seit Wochen in der DAK in nebelhaften Ausdrücken gegen den ungenannten Feind vom Leder gezogen. »Die revolutionäre Tat, die in der Berufserziehung mit dem Ziel einer wirklich sozialistischen Leistungsauslese der Jugend erwartet wird, kann sich niemals mit akademischen Darlegungen vertragen, die man von einem zusammengeladenen Gremium von Formelwissern und Retortengelehrten halten kann.« Diese»Sozialistische« Auslese soll nach Ley in den groß aufgezogenen Reichs berufs- wettkämpfen im Sportpalast und ähnlichen Massenfestlichkeiten getroffen werden. Die DAK macht sich über die Klagen lustig, die von ungenügender Berücksichtigung des Fachs und von beruflicher Unkenntnis reden. Wer»nicht genug Herz besitzt, um die alten Denkformen zu sprengen«, sollte so ehrlich sein zu bekennen, daß er das von der Nazi-Jugend erstrebte Ziel nicht will, denn »die Grundlage, mit der heute in der Berufsausbildung gerechnet werden kann, ist einzig und allein die Frucht einer politischen Führung.« Der Reichsleiter der DAF überschüttet seine Gegner mit Spott, er will die Jugend weder mit»raffinierteren Konjunkturmethoden« noch»mit schlaueren Formen und Praktiken der Ausbüdung« beglückt wissen. Er will eine»nationalsozialistische« Berufserziehung. »Vielmehr erscheint als Führungsaufgabe in der Berufserziehung, daß der politisch mobilisierte Leistungswille des jungen nationalsozialistischen Volkes in jeder Hinsicht lebendig erhalten,, angeregt und fortgesetzt weiter entfaltet wird.« Die Berufserziehung dürfe deshalb nicht zur Sache von»Ausschüssen, Reichsvereinen, technischen Instituten und Büros« gemacht werden. Ley enthüllt die Absichten seiner Gegner noch deutlicher, indem er schreibt: »In der Richtung solcher Tendenz liegt es, wenn darauf verwiesen wird, daß man wohl von einer handwerklichen oder industriellen Berufsausbildung sprechen könne, daß es aber eine nationalsozialistische Berufsausbildung praktisch nicht gäbe.« Kurz gesagt: die Unternehmer sind wohl froh, bei der Berufserziehung die frühere kol- lektiv-gerichtete gewerkschaftliche Selbstverwaltung endlich los zu sein; sie sehen aber auch in der Nazi-Politisierung der Berufsausbildung einen unerwünschten Ballast. Ihnen genügt das Amt ihres Arnhold und sie halten sowohl das Jugendamt der DAF des Ley, wie das Soziale Amt der Reichsjugendführung des Schirach für reichlich überflüssig. Die Zurechtweisungen von der Unternehmerseite haben inzwischen eine ziemliche Schärfe angenommen. Ley fährt daher in der DAK scharfes Geschütz auf und untersucht die formal-r echtliche Zuständigkeitsfrage. Vom Gesetzgeber sei bisher über die rechtliche Grundlage noch nicht»sehr viel Bestimmtes und klar Begrenztes gesagt worden«. Nach vielen Wenn und Aber erklärt der Ley: »Eis ist nicht nötig, in diesen Fragen auf den Führungsanspruch der Deutschen Arbeitsfront hinzuweisen«. Die Arbeitsfront könne auf ihre Arbeitsergebnisse in der Berufserziehung hinweisen, die unzähligen deutschen Betrieben ein neues »ein nationalsozialistisches Gesicht« gegeben hätten. Diese Entwicklung dürfe jetzt nicht durchbrochen werden: »Das wäre Sabotage am nationalsozialistischen Aufbau und würde von den Dienststellen der Partei und der DAF nie und unter keinen Umständen geduldet werden«. Für die arbeitende Jugend bleibt die soziale Berufsausbildung in beiden Fällen ungelöst, mag die Ausbeutung durch das kapitalistische Unternehmertum oder das Nazi- Parteiideal zur Richtlinie genommen werden. Aber es ist kennzeichnend für die Krise des Systems, daß das deutsche Unternehmertum sich schon stark genug fühlt, um der Partei auch den Beednflußungsapparat für die Jugend zu. entreißen. Die Arbeitßfront wird auch in der Berufsausbildung vor den Kapitalsgewaltigen kapitulieren müssen. Im Dritten Reich gibt es»keine rechtlichen Grundlagen«, die der DAF den Führungsanspruch auf die Berufserziehung zusprechen können. Eis gibt nur die herrschende Klasse der Monopolkapitalisten, sie formt das»Recht« durch ihre Macht. Unbezwingbarer Gewerkschaftsgeist! Ein offenes christlich-katholisches Bekenntnis zur moralischen Berechtigung des Heldenkampfes der»Illegalen« im Dritten Reich. Eäne Art Traditionskompagnie der ehemaligen christlichen Gewerkschaften im Reich, von Hitler wie die ehemaligen»freien« ausgeraubt und zerstört, stellt die wieder gegründete»Christliche Gewerkschaft« unter der deutschstämmigen arbeitenden Bevölkerung Polnisch-Oberschlesiens — mit dem Sitze in Kattowitz-Bielitz— dar. Die Mainummer des Gewerkschaftsblattes, das sie seit kurzem herausgibt»Der Christliche Gewerkschaftler«— enthält folgendes Bekenntnis zur sittlichen Berechtigung des»illegalen« Kampfes gegen die Hitlerei in Deutschland, das so manchen katholischen»Republikaner« aus der Weimar-Zeit mit Daueremigrantenpaß im Ausland jetzt, tief beschämen könnte: »Die Arbeiterschaft wurde in die Deutsche Arbeitsfront gepreßt und damit vollkommen den Nazi und dem herrschenden Unternehmertum ausgeliefert. Trotzdem ist der gewerkschaftliche Geist nicht tot. Im Gegenteil, an allen Eicken und in den meisten Betrieben regt sich gewerkschaftliches Leben. Die früher gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft hat sich in der gemeinsamen Not zusammengefunden. Die alten Trennungsstriche sind durch das Vorgehen der Nazi ausgelöscht. Gemeinsam wird die gewerkschaftliche Tradition gepflegt und die früheren Vertrauensmänner bilden, von wenigen Ausnahmen abgesehen, wieder den Mittelpunkt im Betriebe.« Und weiter: »Dieser Kampf hat bisher große und schwere Opfer von der aufrechten deutschen Arbeiterschaft gefordert. Aber weder Konzentrationslager, Zuchthaus, Gefängnis, Entlassungen, Entzug jeglicher Unterstützung usw. hat den Mut der gewerkschaftlichen Kämpfer gebrochen. Im Gegenteil für einen Gefallenen springen zwei neue Kämpfer in die Bresche.« Das Blatt wirbt weiter für eine in gemeinsamer Arbeit festzulegende einheitliche Unterstützungsaktion für diese»Illegalen« seitens der»internationalen gewerkschaftlichen Bundesleitungen«, wie es sich wörtlich ausdrückt. F. E. Rothe. Aus Grau mach Weiß! In den letzten Monaten sind eine Reihe von Verordnungen erlassen worden, durch die eine Streckung der Getreide- bezw. Mehl- vorräte erreicht werden soll, um die infolge der letzten ungünstigen Ernte notwendige Getreideeinfuhr auf die geringstmöglichen Mengen zu beschränken. Das Getreide muß zu 80 Prozent ausgemahlen und beim Backen mit Maismehl gemischt werden. Ein Teig aus solchem Mischmehl muß natürlich eine graue Masse ergeben. Aber merkwürdig. Die Berliner z. B. können sich noch jeden Morgen freuen, weil sie— so wie früher— ihre weißen Schrippen ins Haus gebracht bekommen. Graues Mehl un'd weiße Brötchen— wie geht das zu? Eis geschehen im Dritten Reich keine Wunder! Das Mehl für Weißbrötchen wird einfach durch ein chemisches Verfahren gebleicht! Und zwar geschieht diese Bleichung mittels Ammoniumsulfid. Diese künstliche Weißfärbung ist zwar der Gesundheit nicht gerade zuträglich, kann aber, da sie weder einen besonderen Geruch noch Geschmack hinterläßt, von Nichteingeweihten nicht ohne weiteres wahrgenommen werden. Nur die Bäckergehilfen und Lehrlinge, die derartiges Mehl verarbeiten müssen, können untrüglich diese chemische Färbung feststellen; ihre Hände und Arme werden von einem hartnäckigen Ausschlag befallen, der oft erst nach Wochen geheilt werden kann. Die Spezialärztc für Hautkrankheiten in Berlin haben in der letzten Zeit zahlreiche Fälle derartiger Erkrankungen behandeln müssen. Zu derartigen gefährlichen Nahrungsmittelfälschungen muß das Naziregime Zuflucht nehmen, um über die E mäh rungsschwi erig- keiten, hinwegzukommen, die eine Folge ihrer Kriegsvorbereitungen und ihrer Wirtschaftspolitik sind. ÜciwP�örniörfs <5osfaWetnofraHfcI)f0 Herausgeber; Ernst Sattler; verantwortlicher Redakteur: Wenzel Horn; Druck:»Graphia«; alle in Karlsbad. Zeitimgstarif bew. m. P. D. ZI. 159.334/Vn-1933. Printed in Czechoslovakia. Kontrollpostamt: PoStovni üfad Karlovy Vary 3.— Aufgabepostamt Karlsbad 3. 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