Nr. 206 SONNTAG, 23. Mal 1937 Verlag; Karlsbad, Haus„Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt; Geld oder Leben Göbbels Zweimonats-Arbeiter Die freie Hand in Danzig Hure Statistik Der Angpeifer Bösartig wie am ersten Tage! Als der deutsche Botschafter in London, Herr Ribbentrop, nach Hitlers Rede vom 30. Januar 1937 die deutschen Kolonialforderungen in London anzubringen suchte, fand er niemand, der sie entgegengenommen hätte. Es wurde ihm in der Presse, die der Regierung nahesteht, bedeutet, daß die englische Außenpolitik Ferien bis nach der Königskrönung habe. Das war eine kleine Revanche für die Verschleppung der englischen Vorschläge für einen Ostpakt im Jahre 1935. In der Tat haben die Westmächte bis zum heutigen Tage die Zügel so sehr schleifen lassen, daß die nationalsozialistische Politik sich in ihren Plänen ermutigt gefühlt hat. Namentlich im Südosten Europas hat sich eine Atmosphäre der Unsicherheit gezeigt, die böse Auflösungserscheinungen hervorgerufen hat. Ebenso auflösend hat die Tendenz gewirkt, die wichtigsten Fragen der öffentlichen Diskussion im Völkerbund zu entziehen. Die Entwicklung von der Völkerbundsdiplomatie zur Geheimdiplomatie altem Stils hat in diesen Monaten erhebliche Portschritte gemacht— nicht zum Nutzen des Friedens in Europa. Die nationalsozialistische Außenpolitik hat diese Pause benutzt, um ihr wahres aggressives Wesen nach Kräften zu verschleiern. Obwohl sie in Spanien Krieg führt, und obwohl sie im Südosten Europas eine aggressive Politik betreibt, die ein Gemisch aus terroristischer Erpressung, putschistischen Treibereien und falschen Freundschaftsbeteuerungen gegenüber einigen Ländern darstellt, bindet sie sich die Maske der Verständigungsbereitschaft vor. Herr Schacht reist in Angelegenheiten der wirtschaftlichen Verständigung, und Herr Blomberg ist in London als Hitlers neuester Friedensapostel aufgetreten— als der Generalfeldmarschall, dessen einzige Sorge die Verhinderung des Krieges ist Die braune Politik schiebt heute geflissentlich die Westpaktpläne wieder in den Vordergrund, und sie hat dabei die Unterstützung Mussolinis— heute wie vor zwei Jahren. Diese nationalsozialistischen Pläne verfolgen eine ganz konsequente Linie; eine zeitlich begrenzte Sicherheitsgarantie im Westen zu geben, um im Osten aggressiv werden zu können. Das liegt der deutschen Ablehnung der kollektiven Sicherheit und der Idee des unteilbaren Friedens zugrunde. Deshalb wird ein System der regionalen Sicherheitspakte abgelehnt zugunsten von Einzelverträgen nach dem Muster des deutsch-polnischen oder des italienisch-jugoslawischen Vertrags, deshalb tritt Hitler für die Lokalisierung von Konflikten ein. Was dies in der Praxis bedeutet, hat der Fall Spanien gezeigt; freie Hand für den brutalen Angreifer, Preisgabe des unglücklichen Objekts des Angriffes. Das sind die Thesen, mit denen die braune Politik den Frieden in Europa zerstören, den Revanche- und Eroberungskrieg vorbereiten will. Hitlers 13 Punkte vom Jahre 1935, sein sogenannter Friedensplan nach der Rheinlandbesetzung, die Eröffnungen, die Hitler jetzt auf diplomatischem Wege den Westmächten machen läßt, sind ein und dasselbe— nichts hat sich in den Zielset zungen wie in den Methoden der braunen Politik geändert. Das ist der Rahmen, in dem sie manövriert. Daß der braunen Politik heute eine Rüstungspause willkommen wäre, ist selbstverständlich: denn diese Rüstungspause würde heute bedeuten, daß England seine großzügige Aufrüstung abbremsen müßte, daß in dieser Pause die Politik des erpresserischen Bluffs, gestützt Der braune Luftkife! ia Sponlen Ueberwältigende Beweise für den Bruch des MditinterYentions* abkommens durch Deutschland Wieder einmal sind die angesehensten englischen Zeitungen in Deutschland beschlagnahmt worden. Der Grund ist, daß sie überwältigende Beweise für die Tatsache vorlegen, daß deutsche Flieger das Verbrechen von Guernica begangen haben, und daß die Hitlerregierung systematisch das Nichtinterventionsabkommen bricht. Die Nummer der»Times«, die in Deutschland beschlagnahmt worden ist, legt folgende Beweise vor: »Am 13. Mai wurde an der Bilbaofront ein deutsches Flugzeug Heinkel 51 abgeschossen. Der Pilot sprang mit einem Fallschirm ab und wurde gefangen genommen. Sein Name ist Hans Joachim Wandel. Er ist 23 Jahre alt und stammt aus Schlesien. Er hat Berlin am 22. April verlassen, ist über Rom nach Sevilla geflogen. In Vltoria stieß er zu zwei deutschen Geschwadern, die zusammen 24 Maschinen zahlten. Sein Tagebuch enthält die Eintragung: Guernica, 2 6. April. Er gestand, daß deutsche Flugzeuge Guernica bombardiert hätten, aber redet sich persönlich darauf hinaus, daß er als Kampfflieger die Bomlien- flugzeuge nur begleitet hätte. Am 12. April wurde der deutsche Flieger Hans Sobotka Uber Bilbao abgeschossen. Er flog eine Heinkel Hl. Sobotka hat Deutschland am 5. April verlassen, er ist ebenfalls Uber Rom nach Sevilla gekommen. Insgesamt sind zehn deutsche Flieger über Bilbao abgeschossen worden, fünf davon sind mit dem Leben davongekommen. Ihre Dokumente, Pässe, Tagebücher usw., sind in der Hand der baskischen Regierung, sie sind den Vertretern der internationalen Presse zugänglich gemacht worden. Das sind die Tatsachen, die das deutsche Volk nicht erfahren darf; denn diese Tatsachen strafen alle offiziellen deutschen Erklärungen Lügen, sie stehen in einem schreienden Gegensatz zu den Lügen, die die deutsche Presse täglich über diese Dinge auf amtlichen Befehl veröffentlichen muß. Die Hahung von Labour Seit Beginn der Offensive von Bilbao hat die Labourfraktion im englischen Unterhaus einen ununterbrochenen energischen Ansturm gegen die schreienden Verletzungen des Nichtinterventionsabkommens geführt. Sie hat bei diesem Feldzug moralisch das ganze Land hinter sich gehabt. Zu den neuen Beweisen über den deutschen Luftkrieg in Spanien schreibt der»Daily Herald«: »Mr. Eden hat mehr als einmal versichert, daß fortgesetzte Nichtbeachtung des Nichtinterventionsabkommens durch ein Mitglied des Ausschusses eine»neue Situation« schaffen würde. Seitdem haben ach überwältigende Beweise gehäuft, daß Deutschland systematisch das Abkommen bricht, indem es ausgebildete Piloten nach Spanien schickt. Der Paß des deutschen Fliegers Sobotka zeigt, daß er Berlin am 5. April verlassen hat, der deutsche Flieger Wandel hat erklärt, daß er Berlin am 23. April verlassen habe. Das erste Datum liegt anderthalb Monate, und das zweite über zwei Monate nach dem Inkrafttreten des Abkommens über die Nichtentsendung von Freiwilligen nach Spanien. Das ist nicht das einzige Zeugnis, aber es ist das am leichtesten zu verifizierende. Und wenn die britische Regierung ernst meint, was sie über die Nichtinter- vention sagt, so müßte sie solche Beweise ernster nehmen, als sie es anscheinend tut. Britische Seeleute opfern ihr Leben für die Nichtintervenüon. Nur wirkliche Nicht- intervention kann ein solches Opfer rechtfertigen. Wenn gefragt werden sollte— so wie Mr. Eden ziemlich hilflos zu fragen pflegt— was England tun könne, um dem Abkommen Achtung zu verschaffen, so scheint uns die Antwort hinreichend klar zu sein.« Die Reggierun�sumbilduDg in Spanien Die spanische Regierung ist umgebildet worden. An die Stelle des Sozialisten Largo Caballero als Ministerpräsident ist der Sozialist N e g r i n getreten, an die Stelle des sozialistischen Außenministers del Vayo der Linksrepublikaner Giral. Zum alleinigen Kriegsminister ist der Sozialist P r i e t o ernannt worden. Die Regierung stützt sich nach wie vor auf die Parteien der Volksfront und den sozialistischen Jugendverband. Nicht vertreten sind die anarchistische und sozialistische Gewerkschaftsorganisation. Die Umbildung scheint eine direkte Folge der Spannungen zu sein, die durch den anarchistischen Aufstand in Barcelona hervorgerufen worden sind. Durch diese Umbildung scheint der Weg zu einem einheitlichen militärischen Oberkommando Uber alle Fronten und zur Koordinierung aller Streitkräfte der Republik gegen den faschistischen Feind freigeworden zu sein. Die neue Regierung erklärt, daß ihr Ziel der Endsieg über die Aufständischen sei, daß sie zu diesem Zwecke die Ordnung im Hinterland unerschütterlich aufrecht erhalten und eine einheitliche Leitung der Operationen herbeiführen werde. Sie wird sich dem Parlament unverzüglich vorstellen. Die neue Regierung setzt also die Politik der kämpfenden Republik fort— vor allem in der internationalen Politik. Del Vayo wird als Führer der spanischen Völkerbund»- delegation diese Politik in Genf vertreten. Sie hält fest an der unerschütterlichen Linie des Rechts: die spanische Republik und ihre gesetzmäßige Regierung führen einen Abwehrkampf gegen den Angriff von innen und außen, gegen die faschistischen Rebellen und Verfassungsbrecher wie gegen ihre internationalen Hintermänner. Auf ihrer Seite ist das Verfassungsrecht wie die internationale Gesetzlichkeit. Diese Linie, die dem Kampf der spanischen Volksfront breiteste internationale Sympathien sichert, wird nach wie vor gegenüber dem Völkerbund wie gegenüber der Nicht- interventipnspolitik festgehalten werden. Diese Linie zu sichern gegen alle anarchistischen Experimente und Quertreibereien, und ihr alle anderen schwierigen innerpolitischen Fragen unterzuordnen im Interesse des Kampfes gegen den Faschismus, sie zu verfolgen bis zum Siege— das Ist offenbar der Sinn dieser Umbildung. auf den»Schadenwert« der deutschen Rüstung fortgesetzt werden könnte, das heißt auf die Furcht vor den ungeheuren Verwüstungen, die die deutsche Kriegsmaschine anrichten kann, selbst wenn sie nicht siegt; es würde bedeuten, daß das braune System Zeit gewinnt, um die Schäden und Schwächen seiner Rüstung auszubessern, die im spanischen Kriege hervorgetreten sind. Denn die Rüstungspause, auf die das braune System eingehen würde, denkt es sich nicht als Vorstufe zur Abrüstung, sondern als eine willkommene Etappe zur Konsolidierung seiner Militärmacht, als ein Sprungbrett zu neuer Aggressivität. Das gleiche gilt für das, was Schacht unter wirtschaftlicher Verständigung versteht. Hier geht es dem System darum, seine Rüstung auf eine breitere und sichere wirtschaftliche Grundlage zu stellen, um so mehr, da allmählich das Mißverhältnis zwischen der Riesenrüstung Deutschlands und seiner autarken Wirtschaftskraft immer kritischer wird. Verständigung, so wie das braune System sie versteht, heißt also Begünstigung des braunen Macht- und Expansionsstrebens. Die braunen Expansionsziele werden d�bed keineswegs verhüllt. Nach wie vor ist es der Sinn aller Manöver der nationalsozialistischen Politik, freie Hand im Osten zu erhalten, Sowjetrußland aus Europa hinauszudrängen. Nach wie vor bildet die Lösung der Beziehungen zwischen Frankreich und Sowjetrußland das Thema, das das deutsche Propagandaministerium systematisch seiner Aktivität zugrundelegt. Nach wie vor sucht es die Engländer zu überreden, daß sie diese Lösung von Frankreich verlangen sollten, damit die deutsch-englischen Beziehungen sich bessern, nach wie vor redet es auf die Franzosen ein, daß sie über den Russenvertrag hinwegleben müßten, wenn Frieden in Europa sein soll. Freie Hand im Osten aber bedeutet: Sowjetrußland aus Europa hinausgedrängt, England und Frankreich an die Peripherie geschoben, Europa gegenüber eine isolationistische Haltung einnehmend, Hitler aber der eigentliche Herr Europas. Die Teilung des Friedens aber bedeutet den Krieg, den Hitlerkrieg, den das Dritte Reich vorbereitet. Möge niemand sich durch die Manöver des braunen Systems täuschen lassen! Es hat nichts von seiner Bösartigkeit, seinen gefährlichen Absichten, seiner Aggressivität aufgegeben— diese Aggressivität ist vielmehr sein eigentliches Wesen. Zerse�ungsersdieinuiigen Darre gegen die nationalsozialistische Bauernschaft. Der Zusammenbruch der Darröschen Agrarwirtachaft hat zu einem heftigen Konflikt zwischen Darrö und den nationalsozla- listiachen Bauernschaften geführt. Seit längerer Zeit bestehen große Spannungen zwischen Darrö und dem Leiter der nationalsozialistischen Bauernorganisation, dem Staatsrat Wilhelm Meinberg. Zwischen beiden haben schwere persönliche Auseinandersetzungen stattgefunden. Darrö benutzt nun einen K o r r u p- tionaskandal In der westfälischen Bauernschaft, um die unbequeme Bauernopposition zu unterdrücken. In dieser Bauernschaft sind den Gerüchten zufolge unlautere Manipulationen im Umfang von mehreren Millionen Reichsmark aufgedeckt worden. Alle führenden Funktionäre dieser Bauernschaft sind ihrer Aemter enthoben worden. Diese Affäre hat in Westfalen gewaltiges Aufsehen erregt, so daß die»Rote Erde', das nationalsoziaBstfecbe Organ, dBe Erregung zu beschwichtigen sucht mit der Erklärung, daß diese Angelegenheit aus schließlich durch die verantwortlichen Stellen bereinigt werde, so daß die Oeffentlichkeit keinen Anlaß hat, sich hineinzumischen. Nun ist auch Meinberg seines Amtes enthoben worden, und eine völlige Reorganisation der Bauernschaft steht bevor. Das ist ein Symptom mehr für die Spannungen, die in der heutigen Wirtschaftslage Deutschlands auftreten, und für die Zersetzung, die damit verbunden ist »Hier spricht die T\fSD4P« Wuchergeschäftchen und Hoheitszeichen. Die nationalsozialistiscbe Partei scheut vor keinem Trick, vor keiner Erpressung und vor keinem arischen Dreh zurück, um sich Jene Gelder zu beschaffen, die sie zur Fütterung ihres gewaltigen Bonzenapparates braucht. Jetzt ist an Eigentümer von Häusern mit zumindest vier Wohnungen die Aufforderung gerichtet worden, eine einheitliche Haustafel der NSDAP zu beschaffen und anzubringen. Eine Tafel nämlich, an der die Mitteilungen der Partei, der DAF, der KdF usw. angebracht werden können. Natürlich kann sich niemand der»Auf- forderung« entziehen, ohne üble Folgen heraufzubeschwören, und in diesem Fall genießen auch die jüdischen Eigentümer volle Gleichberechtigung.— Wenn aber nun ein Hausbesitzer glaubt, er brauche nur eine beliebige Tafel zum Mitteilungsbrett der Partei zu ernennen, so irrt er sich. Der Hauptwitz ist vielmehr, daß diese Tafeln von der NSDAP bezogen werden müssen und Stück für Stück 2.8 0 R M kosten. Dafür tragen sie»im oberen Teil in weißer und roter Farbe das Hoheitszeichen der Partei und die Worte:»Hier spricht die NSDAP« und der Herstellungspreis beträgt keine 20 Pfennige. Eine groteske Form der Sonderbesteuerung: die nationalsozialistische Partei zwingt den Hausbesitzer zur Anschaffung eines keineswegs erwünschten Gegenstandes, der nicht dem Käufer, sondern allein dem Verkäufer dienen soll— und erhebt bei dem einseitigen Handel einen Aufschlag von 900 Prozent Diese Brandschatzung trägt der NSDAP einen Reingewinn von vielen Millionen Mark ein— aber der Wucher ist als»Jüdisches Laster« verdammt worden, und einem Fleischermeister, der die Wurst 5 Pfennige über dem Höchstpreis verkauft, wird der Laden geschlossen. Gobbels Zweimonats-Arbeiter Gepäfkmarsdi zur»Arbeiters£ele«c— Potemkin plus»Zar und Zimmermann« Geld oder Leben Die Beichsfluchtsteuer als Einnahmequelle Das Kapitalfluchtgesetz vom Jahre X931 sollte die sogenannte legale Kapitalflucht nicht verhindern, sondern nur als Drohmittel wirken, und auch dieses sollte nur angewendet werden, wenn mit dem Kapital auch der Kapitalbesitzer abwanderte. Das Gesetz verbot weder die Verlegung de« Wohnsitzes ins Ausland noch das Mitnehmen des Vermögens. Es stellte beides nur gewissermaßen unter Strafe, indem von Jedem, der seinen Wohnsitz ins Ausland verlegte und Uber ein Vermögen von mehr als 200.000 Mark oder ein Jahreseinkommen von mehr als 20.000 Mark verfügte, eine Kapltalfluchtsteuer genannte Strafe in Höhe von einem Viertel de« Vermögens erhoben wurde. Die Wirkung einer Drohung erweist sich darin, daß sie nicht ausgeführt zu werden braucht. Daß diese»Steuer« die beabsichtigte Wirkung getan hat, ergibt sich aus ihrem winzigen Ertrag von knapp 2 Millionen. Im Dritten Reich hat sie hieb aber aus einem Mittel der Abschreckung in eine Einnahmequelle verwandelt. Hatte die Drohung, die in der Republik wirksam gewesen war, plötzUch ihre Wirkung eingebüßt? Aber das Dritte Reich hätte eines Drohmittel« gar nicht bedurft, denn es kann die Kapitalflucht weit wirksamer durch sein staatliches Monopol der Devisenbewirtschaftung verhindern. Wie kommt es, daß die Kapitalfluchtsteuer gerade unter einem Regime ergiebig wurde, das die Mittel, Kapitalflucht zu verhindern, fast zur Vollkommenheit entwickelt hat? Die Ursache ist, wie die»Frankfurter Zeltung« vom 16. Mai verrät,»die vom Jahre 1933 an in stärkerem Maße beginnende Jüdische Auswanderung ins Auslan d.« Um auch die kleinsten Vermögen sich nicht entgehen zu lassen, hatte man vorsorglich die Freigrenze für das fluchtsteuerpflichtige Vermögen von 200.000 auf 50.000 Mark herabgesetzt. Der Steuerertrag stieg denn auch in vier Jahren Dritte« Reich auf 172 Einen neuen Theatercoup, ersonnen, um Volksgemeinschaft zu mimen, präsentiert Göbbels der deutschen Oeffentlichkeit. Gemäß seiner Verordnung sollen in Kürze eine Reihe höherer Ministerial- beamter, Landesstellenleiter des Propagandaministeriums und Persönlichkeiten des Rundfunks ihre Schreibtische verlassen und zwei Monate Arbeiter spielen, als Hilfsarbeiter in einer Zeitungspackerei, in einer Spinnerei, in einer Buchdruckerei, auf einer Werft, in einer Tapetenfabrik, in einen Gummiwerk, auf einer Braunkohlengrube usw. Den ersten Vierzehn soll später ein weiterer Schub folgen. Eine»befreiende Tat«, schreibt die braune Presse— eine Tat des wahren, des praktischen, des gründlichen, des deutschen Sozialismus, ohne Beispiel in der Geschichte! Aber nicht genug damit, daß diese Beamten für eine Weile ihre Muskeln spannen! Sic sollen sich auch dadurch für das Verständnis der Arbeiterund der Volksseele ganz allgemein sturmreif machen, indem man sie in der fraglichen Zeit von ihrem Arbeitslohn leben lassen will und sie keinerlei Vorteile während ihrer Tätigkeit genießen sollen. Denn ihr»Gewissen soll durch das persönliche Miterleben des Handarbeiterschicksals aufgerüttelt werden und gleichzeitig der Gemeinschaftsidee näher gebracht werden«. Dieser Göbbels-Trick hat tiefere soziale und psychologische Ursachen. In der breiten Reihe der braunen Führergarnitur, gibt es kaum einen, dessen gesellschaftlicher und menschlicher Ausgangspunkt die Arbeiterschaft war. Die Vorkämpfer des Dritten Reiches und die jetzigen Besitzer von Stellen und Sinekuren sind durchweg soziale Desperados, Gescheiterte oder privat zu kurz Gekommene, einstige Militärs und Freischärler, entwurzelte Kleinbürgersöhne, gescheiterte Studenten, vermischt mit einigen früheren Angestellten, von denen die wenigsten in ihrem Leben ordentlich gearbeitet und Brauchbares in einem festen Beruf geleistet haben. Sie wurden auf ihre Posten berufen als»alte Kämpfer«, deren praktische Lebenserkenntnis zum größten Teil auf rauhem SA- und SS-Dienst beruhte. Der Maßstab für ihre Fähigkeit war vor allem ihre Bewährung in Straßen- und Saalschlachten und die Reihe ihrer Erfolge gegen Marxisten und»Novemberverbrecher«. Gibt es einen besseren Typus dieser zur Staatsführung berufenen Gestalten als Göbbels selber? Jetzt sollen sich die»Volksgenossen« Ministerial- und Regierungsräte unter die wahre Volksgemeinschaft mischen; zwei Monate lang hat man ihnen»Arbeiterschicksal« zudiktiert. Zum nicht geringen Erstaunen der Arbeiter selber. Ihr Leben und ihre Lebensanschauung beruht gerade auf der Dauerhaftigkeit und Auswegs- losigkeit ihres Daseins; auf dem immanenten Gefühl der sozialen Benachteiligung im kapitalistischen Wirtschaftssystem, das sie unter unentrinnbarem Zwang zum Verkauf ihrer Arbeitskraft genötigt hat. Darüber hinaus ist die deutsche Arbeiterschaft unter dem Dritten Reich ihrer politischen Freiheit, ihrer wirtschaftlichen Freizügigkeit und ihrer gewerkschaftlichen Selbsthilfe beraubt worden. Die Beamten und Würdenträger aber, die Göbbels jetzt für zwei Monate in die Betriebe schickt, wissen genau, daß nach Ablauf dieser Frist alles wieder so standesgemäß und honorig wird wie zuvor. Sie erleben nicht einen Augenblick wirkliches proletarisches Schicksal, sondern sie haben nur einen kurzen Gepäckmarsch ins Proletarische angetreten. An seinem Ende stehen wieder das Beamtensalär und die uniformierte Befehlsgewalt, die ihnen ihr Führer zusammen mit dem guten Posten verlieh. Die Aera der»Novemberverbrecher« hat solche Mätzchen nicht nötig gehabt. Unter den Ministem der Republik und unter ihren Beamten gab es viele, die aus der Arbeiterschaft hervorgegangen waren. Sie wurden durch ihre eigene harte Lebenserfahrung bestimmt und gebildet. Das Verständnis für die Arbeiterschaft war Ausgangspunkt ihres Denkens und Leitsatz ihrer verantwortlichen Arbeit für den Staat. Sie brauchten also nichts »nachzuholen«, wie es jetzt den braunen Amtsträgem anbefohlen wird. Göbbels spielt im potemkinschen Dorfe mit seinen Mannen dem deutschen Volke die bekanntesten Partien aus der Oper »Zar und Zimmermann« vor. Das ist der Sozialismus, mit dem es dem Nationalsozialismus»bitter ernst« ist! Der Zweimonatsarbeiter des Herrn Göbbels hat keine andere Aufgabe, als dem wirklichen deutschen Arbeiter glauben zu machen, daß das Dritte Reich sein Paradies sei; wo man ihn an die sichere Kette des Unternehmertums gelegt und ihn obendrein noch verhöhnt. Millionen. Das entspricht einem steuerpflichtigen Vermögensbetrag von 680 Millionen und einem abgewanderten Teil desselben von 500 Millionen Mark. 170 Millionen sind ein kleiner Teil der Steuereinnahmen und ein winziger Teil der Staatsausgaben von vier Jahren Drittes Reich. Kann man sich vorstellen, daß Schacht, um sich eine relativ geringe Steuereinnahme nicht entgehen zu lassen, auf Devisen in einem Betrage verzichte, der zur Bezahlung der Einfuhr von fast zwei Monaten ausreichen würde? Tatsächlich ist kein Kapital geflohen und brauchte kein Devisenverlust verschmerzt zu werden. Das wird von der»Frankfurter Zeitung« offen zugegeben. Sie schreibt, die Steuerschuld entstehe ja nicht aus der Uebert ragung von Vermögen, sondern aus der Verlegung des Wohnsitzes ins Ausland.»Etwa vom Hausrat abgesehen« dürfte»nur ein geringer Teil der erwähnten Summe tatsächlich ins Ausland Ubertragen worden sein.« Die Jüdischen Kapitalisten haben lieber Deutschland mittellos verlassen, als ihr Kapital behalten. Es gibt eben etwas, was ihnen noch wertvoller ist als ihr Geldbesitz, ihr eigenes Leben und das ihrer Familie. Nur weil es bedroht war, haben sie für die Erlaubnis, das Dritte Reich lebend verlassen zu dürfen, ihr Vermögen als Lösegeld entrichtet. Eine einzige jüdische Familie hat, wie die»Frankfurter Zeitung« berichtet, 16 M i 1 1 1 o n e n Mark Lösegeld entrichtet— nur für die Erlaubnis, über die Grenze gehen zu dürfen. Für den Nationalsozialismus ist das Steuerzahlen eben kein Rechtsverhältnis, sondern ein einseitiges Gewaltverhältnis. Im besonderen die Rassengesetzgebung erweist sich als ein Vorwand für eine Art Vermögenskonfiskation, wie sie sonst von Angehörigen eines Berufes ausgeübt wird, die ihre Arbelt mit dem Rufe: Geld oder Leben! beginnen und sie unter Anwendung von Schußwaffen vollenden. G. A. F. Gegen den geschäftstüchtigen Pnpen-Bluff! Hitlers Nationalsozialismus; falsch Auf die große Politik in den letzten vier Jahren hat ohne Zweifel jene von Papen und geistesverwandten»nationalen« und reaktionären Größen geflissentlich und aus sehr durchsichtigen Motiven ausgegebene Verslbn Uber den deutschen Nationalsozialismus eine besonders verhängnisvolle Wirkung ausgeübt, daß Hitlers»Bewegung« sehr bald und leicht aus den Abscheulichkeiten ihrer Rüpel- Jahre ins»normale« Fahrwasser einer konservativ-autoritären Zeltströmung zu überführen wäre. Bekanntlich hat, beeindruckt von dieser Fälscher-Darstellung des wirklichen Wesens der Hitlerel die römische Kurie als erste»souveräne Macht« ihren Staatsvertrag mit Hitler abgeschlossen und bestimmte sehr starke Tendenzen der englischen Politik, die sloh mit dem saturierten Pazifismus des Empire trafen, durften dieses so geschaffene Faktum als diplomatische Präjudizierung auffassen und bis heute benutzen, von nebensächlicheren Auswirkungen dieser fatalen geschichtlichen Falschmünzerei an anderen Stellen des internationalen diplomatischen Nebenelnanders ganz zu schweigen. Es erscheint darum von besonderer Bedeutung, wenn nunmehr gerade eine Stelle von diesem großen Papen-Bluff abrückt, deren gesinnungsverwandte Vorgesetzte in Rom sich rühmen dürfen, als erste»den Staatsmann Hitler« unter Jenen entweder tölpelhaften oder tartüffemäßigen eigenen Voraussetzungen anerkannt zu haben. In den Randbemerkungen, mit denen die letzte Aus- und richtig gesehen. gäbe der streng katholischen Pariser Korrespondenz»Kulturkampf« den gegenwärtigen Schmutz- und Schundfeldzug des Regimes gegen die katholische Kirche jetzt versieht, befindet sich folgendes Generalurteil über den Nationalsozialismus, von dem wir wünschten, daß es— als der Wahrheit besser dienend als Papens Schwerenöterei— in allen Auswärtigen Aemtern affichiert würde: »Hinter den aktuellen politischen Beweggründen der Kampagne sind andere Motive wirksam. Es ist notwendig, auf sie hinzuweisen; es wird der Welt nicht erspart, von ihnen Kenntnis zu nehmen, denn sie bestimmen polltische Aktionen und es ist nicht überflüssig, zu wissen, wie die Psyche der Männer aussieht, die heute die Geschicke Deutschlands lenken. Wir haben in diesen Blättern oft auf die strukturelle Bedeutung des»Stürmers« für den Nationalsozialismus hingewiesen. Wir haben dargestellt, daß der»Stürmer« nicht nur ein durch und durch wahres Bild des Nationalsozialismus vermittelt, daß er vielmehr unmittelbarer Nationalsozialismus ist. Er stellt eine historisch und psychologisch ursprüngliche Stufe des Nationalsozialismus dar, die ihre volle Gültigkeit auch beute bewahrt und, so lange der Nationalsozialismus existiert, immer bewahren wird. In»normalen« Zelten, d. h. dann, wenn der Nationalsozialismus seine Macht für konsolidiert hält, bleibt die»StUrmer«-GefühlsweIt den sozial niedrigeren Schichten reserviert. E s scheint aber, daß der Nationalsozialismus die politische Höhenluft nicht erträgt. Sobald « ein Angriff gegen die künstüch aufgestellte Totalität erfolgt, zieht sich das System auf das»StUrmer«-Niveau zurück. Die innige Vermengimg von Politik und ßexualität, die die biologische Weltanschauung des Nationalsozialismus kennzeichnet, liegt dann für jeden offen zutage. Die Politik wird pornographisch. Die deutschen Zeitungen der letzten vierzehn Tage, bis zum kleinsten Dorfblättchen regierunga- offiziell, stellen nicht nur ein ungeheuer beschämendes Unikum in der Geschichte der Weltpresse dar, sie sind auch ein Zeugnis der Erniedrigung des deutschen Volkes unter der nationalsozialistischen Diktatur.« Dazu dürfen wir feststellen, daß von unserer Seite niemals etwas anderes über die Hltlerei gesagt worden ist! Wir unterzogen uns der schweren Aufgabe, die historische Wahrheit über das Wesen des Nationalsozialismus, der aius allen Gründen seines Werdens und der persönlichen Qualifikation seiner entscheidenden Akteure sich gegenüber Jeder»Normalisierung« völlig und ständig unzugänglich zeigen muß, nicht aus Parteivoreingenommenhelt und In Anbetracht nicht-maßgeblichen persönlichen Schicksals, sondern um des Rechtes und der europäischen Gesittung willen, Faktoren, von denen wir wissen, daß gegen sie auch vor allem die Bahn unseres eigenen Heimatlandes in Unglück und Verderbnis enden muß. Wenn wir heute Bundesgenossen im Kampfe um diese schlichte Wahrheit gefunden haben— nun, sie kommen spät, da es nunmehr freilich auch im eigenen Hause brennt, aber hoffentlich immer noch nicht zu spät! H. E. Der neudeutsdie Pour le merltc Gangster-Imperialismus mit Eichenlaub und Schwertern«e »Mit Zustimmung des Führers und Reichskanzlers hat der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes den Herren des Deutsch- Akademischen Austauschdienst es Dr. Alfons Adams, Karl Sipprien und Heinrich Daneyko, die sich in Ausübung ihrer Tätigkeit auf ihren Dienststellen in Madrid bezw. Barcelona befanden, in Anerkennung ihrer Verdienste um den Schutz deutschen Lebens und Eigentums wäÜrend der Bürge r k rl e g s wl rr e n in Spanien das Verdienstkreuz des Ehrenzeichens des Deutschen Roten Kreuzes verliehen.« Auf dem Felde der Ehre beziehungsweise der»Dienststelle« geht es nun einmal dekorativ zu, wie die obige deutsche amtliche Meldung, die wir dem Organ dieses»Austauschdienstes« entnehmen, beweist! Die deutschen Fliegerbrand bomben über dem Baskenland und die Medaillen auf den Heldenbrilsten Göbbelscher Gangster-Propagandisten gehören moralgeschichtllch durchaus zusammen: made in Hitler-Germany... I Die»freie Hand« in Dan zig Vom Todeskampf der Danziger Verfassung Demokratie im Fernen Osten Japanischer Sozialismus. Wenn von den faschistischen Großmächten die Rede ist, pflegt man neben Deutschland und Italien auch Japan zu nennen. Die letzten Parlamentswahlen in Japan haben uns aber in Erinnerung gebracht, daß dieses Laad, so groß auch die Macht seiner Militärreaktion sein mag, immer noch weit davon entfernt ist, so geknechtet wie Italien oder gar Deutschland zu sein. Das hervorstechendste Kennzeichen dieser Wahlen war der Aufschwung, den die sozialistische Partei bei ihnen genommen hat. Ist die Partei auch noch im Verhältnis zu den alten Parteien klein, so zeigt doch sie allein ein kräftiges Wachstum, während die anderen im Abstieg sind. Ueber das Wesen der sozialistischen Partei Japans, die»Sozialpartei der Massen«, unterrichtet ein Aufsatz von Mitsu Kahno, der im Tokioter»Japan Contempo- rary« erschienen ist. Es gibt in Japan seit 1932 zwei pr* letarische Organisationen, den Gewerkschaftsbund und die Sozialpartei der Massen, die jetzt bei den Wahlen gemeinsam aufgetreten sind. Sie gehen auch auf einen gemeinsamen Ursprung zurück, die im Jahre 1911 gegründete Gesellschaft»Yuai- kai« oder Gesellschaft der Freunde. Anfangs verfolgte die Arbeiterbewegung nur ökonomische Ziele. Durch die Oktroyierung des allgemeinen Wahlrechts im Jahre 1925 änderte sich aber die Situation. Die Bewegung politisierte sich, um alsbald in drei Richtungen zu zerfallen; eine agrarisch-kommunistische Linke, eine sozialdemokratische Rechte, und eine Mitte, der die Sozialpartei der Massen zugehörte. Nachdem bei den Wahlen von 1928, 1930 und 1932 alle Gruppen nur sehr geringe Erfolge erzielt hatten, kam es unter Führung der Mitte und mit Unterstützung der Gewerkschaften zu einer Einigung. Die Gewerkschaften kämpfen unter der Parole: Eine gesunde Arbeiterbewegung, antikapitalistisch, antikommunistisch und antifaschistisch!« Die Sozialparted der Massen, die im Jahre 1932 gegründet wurde, protestierte gegen den Austritt Japans aus dem Völkerbund und trat für einen Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion ein. Die Schwäche der alten Parteden im Kampfe gegen den Faschismus führte ihr neue zahlreiche Anhänger zu. In ihrem Programm fordert sie Verstaatlichimg der Großindustrie, Alterspensionen, soziale Steuerreform und allgemeine Koalitionsfreiheit, besonders auch in der Landwirtschaft. Eine Volksfront nach europäischem Muster lehnt sie ab. Im»faschistischen« Japan gibt es also eine sozialistische und demokratische Arbeiterbewegung. Und sie entwickelt sich gut, Ein Bischof für Dibelius Katholiken und Bekenntnischristen in einer Front. Unter den Bischöfen, die den Kampf gegen das Hakenkreuz mutig aufgenommen haben, verdient der von Münster, Graf von Galen, besondere Hervorhebung. Eine Predigt, die er vor kurzem hielt, ist auch deshalb besonders bemerkenswert, weil sie die Solidarität des streitbaren Katholizismus mit dem evangelischen Bekenntnischristen tum proklamiert. Graf von Galen sagte; »Zwei Monate habe Ich geschwiegen und darauf gewartet, cJaß Reichsminiater Kerrl es widerlege, vor dem Kvangellschen Landeskirchenausschuß gesagt zu haben, es sei zum Lachen, daß das Christentum'n dem Glauben an Christus als den Sohn Gottes bestehe. Aber nichts Derartiges ist geschehen, und so müssen wir wohl mit tiefstem Schmerz es als erschütternd bezeichnende Tatsache feststellen, daß der Mann, dem unser Führer und Reichskanzler die staatliche Fürsorge für die kirchlichen Angelegenheiten, für die christlichen Bekenntnisse In Deutachland anvertraut hat, es lächerlich findet, wenn wir bekennen und daran festhalten, daß die Lehre von der Gottheit Jesu Christi der Inbegriff des Christentums ist. Was uns heiligste Ueberzeugung ist, was wir gestützt auf Gottes gnädige Offenbarung als wichtigste und alles beherrschende Tatsache der Weltgeschichte erkennen, darüber wagt dieser MAnn zu lachen!... Die Göbbels-Rede auf der nationalsozialistischen sogenannten Kulturtagung in Danzig und die kurz vorher im Danziger Volkstag erfolgte Abstimmung über die Verlängerung des Ermächtigungsgesetzes für den Danziger Senat haben in der letzten Woche in der europäischen Oeffent- lichkeit wieder zu lebhaften Kommentaren über die Lage in Danzig Veranlassung gegeben. In der Tat stellten sie zwei Demonstrationen des Nationalsozialismus im Osten dar, die Aufmerksamkeit verdienen. Ueber den authentischen Text der Danziger Rede des Reichsministers Göb- bels ist ein Rätselraten entstanden; Berichterstatter einzelner Blätter hatten gemeldet, daß Göbbels die Freie Stadt Danzig als eine»groteske Konstruktion« bezeichnet und als Lösung des Problems ihre Eingliederung ins Dritte Reich recht deutlich in Aussicht gestellt hätte. Von Danziger und reichsdeutscher Seite wurden solche Aeußerungen in Abrede gestellt, und auch polnischerseits sind sie dementiert worden. Gewiß ist aber, daß die Rede.— was für Formulierungen sie auch im einzelnen enthalten haben mag— eine bewußte Demonstration dar- stdien sollte, und daß auch der bereits angekündigte weitere Besuch eines Reichsministers in Danzig, Heß, kaum den Charakter einer Reise in die Sommerfrische habA wird. Um sich ein richtiges BUd von dem Sinn der neuerlichen deutschen Ministerreisen nach Danzig machen zu können, ist es notwendig, sie im Zusammenhang mit der Entwicklung zu betrachten, die in Danzig seit der Januartagung des Völkerbundsrats vor sich gegangen ist, und die jetzt einen gewissen Höhepunkt erreicht hat. Bekanntlich hatte die Regierung der Republik Polen in der Septembertagimg des Völkerbundsrats von diesem den Auftrag erhalten, die Lage in Danzig zu prüfen und Mittel vorzuschlagen, die zur Bereinigung des Danziger Verfassungskonflikts führen könnten. Polen hatte im Januar dem Rat nur in sehr allgemeinen Formulierungen Bericht erstattet, und zwar auf Grund von Besprechungen, die die polnische Regierung kurz vorher mit dem Senat der Freien Stadt Danzig gehabt hatte. In diesen Besprechungen waren direkte Verhandlungen vereinbart worden, die das Ziel haben sollten, gewisse Danzig-polnische Streitfragen aus der Welt zu schaffen und neue Vereinbarungen über die wirtschaftlichen Rechte Polens, sowie über die Rechte der polnischen Minderheit in Danzig zu treffen. In der Zwischenzeit sind nun solche Verhandlungen gepflogen worden. Sie schienen sich von Anfang an nicht sehr leicht zu gestalten, sie wurden mehrfach unterbrochen, aber heute wird von eingeweihten Kreisen bereits ganz offen erklärt, daß sie gescheitert sind. Wie man hört, soll die intranaigente Haltung des Senats die Ursache der bisherigen ergebnislosen Bemühungen sein. Gleichzeitig mit den fruchtlosen dan- zig-pol nis c h en Verhandlungen ging im Innern Danrigs die Jagd nach der Zweidrittelmehrheit im Danziger Landesparlament, dem Volkstag, vor sich, über die wir bereits eingehend berichtet haben. Unter Anwendung aller möglichen Mittel zur Ausschaltung oppositioneller Abgeordneter und der Terrorisierung und Korrumpierung ihrer Nachfolger im Volkstag vermochte es die NSDAP mit Hilfe der Politischen Polizei, fast soviel Mandate für sich zu erpressen, wie zu einer verfassungsändernden Zweidrittelmehrheit erforderlich waren. Der Fall des sozialdemokratischen Abgeordneten Gedeck, dem man während der Haft eine Bereitwilligkeitserklärung abgepreßt hatte, für eine Verfassungsänderung zu stimmen, hat diese Methoden der Nationalsozialisten am deutlichsten beleuchtet. Gedeck floh nach seiner Haftentlassung ins Ausland und verzichtete von dort auf sein Mandat. Die Verzichtserklärung erhielt der nationalsozialistische Volkstagspräsident drei Stunden vor Stattfinden der Volkstagssitzung, in der ohne Zweifel die Vorlage einer Verfassungsänderung im Sinne der Nationalsozialisten beabsichtigt war. Wenn sie nicht der Ablehnung verfallen sollte, mußte sie nun zurückgezogen werden, da die ausschlaggebende Stimme fehlte. U eberraschend legte der Senat deshalb in dieser Sitzung als Ersatz einen Gesetzentwurf vor, der die seit 1933 bestehende Ermächtigung des Senats, Verordnungen mit Gesetzeskraft zu erlassen, um weitere vier Jahre verlängerte. Durch das Fehlen einiger oppositioneller Abgeordneter entstand eine Zufallsmehrheit von Zweidritteln der anwesenden Abgeordneten, welchen Umstand nun die NSDAP zur Demonstration benutzte, obwohl das Ermächtigungsgesetz seinem Wortlaut nach— es betont ausdrücklich, daß es nicht verfassungsändernd sei— nur der Zustimmung der einfachen Mehrheit der Abgeordneten bedurfte. Selbstverständlich haben damit die Versuche der Nationalsozialisten, die endgültige Zweidrittelmehrheit im Volkstag herzustellen, nicht ihr Ende gefunden. Seit vier Wochen bereits befindet sich der Nachfolger Gedecks im Volkstag, der frühere Vorsitzende der Danziger Arbeitersportler, T h o m a t, in Schutzhaft, wo von ihm mit den gleichen Mitteln eine Unterwerfungserklärung erpreßt werden soll. Und auch andere oppositionelle Abgeordnete werden von diesen Nötigungsversuchen nicht verschont. Bei der Abstimmung über das Ermächtigungsgesetz— gegen das Sozialdemokratie und Zentrum geschlossen ihre Stimmen abgaben— hat besonders d i e Rolle der bisherigen drei deutschnationalen Abgeordneten Aufmerksamkeit hervorgerufen. Einer dieser drei Abgeordneten, der Rechtsanwalt Weise, war bekanntlich schon Ende des vorigen Jahres unter dem Druck mehrerer willkürlich gegen ihn eingeleiteter Strafverfahren wegen angeblicher Steuerhinterziehungen und Devisenvergehens und schließlich wegen Waffenbesitzes den Erpressungen der Nationalsozialisten unterlegan. Seitdem war von den Strafverfahren gegen ihn keine Rede mehr. Der deutschnationale Abgeordnete D r. B 1 a v i e r wurde während einer viermo natigen Schutzhaft zum Verzicht auf sein Mandat gezwungen, und sein Nachfolger Jonas, ein erwerbsloser Schlosser, fiel den Nazis bald zur Beute. Weise und Jonas stimmten also für das Ermächtigungsgesetz. Der dritte deutschnationale Abgeordnete, der Kaufmann Steinbrück, enthielt sich der Stimme. Der Fall Steinbrück ist in Danzig heute Tagesgespräch. Nachdem die Nazis alle möglichen wirtschaftlichen Druckmittel gegen ihn vergeblich angewandt hatten, um ihn zur Zustimmung zu bewegen— zum Terror griff man nicht, da Steinbrück dem Konsularkorps angehört— versprach ihnen Steinbrück endlich, sich wenigstens der Stimme zu enthalten, wenn er schon nicht gegen das Ermächtigungsgesetz stimmen würde. Jedoch unter einer Bedingimg: Die Nazis müßten ihm 10.000 Danziger Gulden(10.000 Zloty) zum Zwecke der Entschädigung der Opfer na- tionalsoeialistischer Terrorakte in Danzig zur Verfügung stellen. Tatsächlich gingen die Nazis auf diese Bedingung ein. Am Tage nach der Abstimmung übergaben sie Stembrüok 10.000 Danziger Gulden, die dieser dann, ohne ein Geheimnis daraus zu machen, unverzüglich den Terroropfern zuleitete.— Als Partei sind die Deutsch- nationalen übrigens inzwischen auch dem Terror erlegen. Sie haben unter dem Druck des Gauleiters der NSDAP in Danzig, Forster, ihre Auflösung »freiwillig« beschlossen. Das hindert jedoch nicht, daß ihre gesinnungsmäßigen Anhänger nach wie vor der Opposition treu gebüeben sind. Es ist im Zusammenhang mit der Abstimmung im Volkstag übrigens als ein Symptom gewertet worden, daß die beiden polnischen Abgeordneten unter dem Ausdruck lebhaftesten Protestes ihre Stimmen gegen die Ermächtigungsvorlage des Senats abgegeben haben. Das wäre von der Danziger Bevölkerung noch vor einigen Wochen nicht als eine Selbstverständlichkeit angesehen worden, so sehr auch die polnische Minderheit stets mit dem nationalsozialistischen Regime in Danzig unzufrieden war. Auch von der polnischen Presse ist diese Tatsache besonders hervorgehoben worden. Es scheint schüeßlich, daß auch die Nationalsozialisten an ihr nicht achtlos vorübergegangen sind. Mitten in den Tagen der Demonstrationen ihrer»totalen« Macht in Danzig hat der Gauleiter F o r- s t e r plötzlich in einer Rede erklärt, daß die NSDAP zwar in der Lage sei, dem Danziger Volkstag eine Verfassungsänderung vorzulegen und alle Parteien zu verbieten(gemeint ist das Zentrum), daß sie das aber gar nicht wolle(!), weil sie die »Einheit aller Deutschen« in Danzig»auf gütlichem Wege« herstellen wolle. Herr Forster hat sich nicht gescheut, das zu erklären, während seine Polizei nicht aufhört, Drangsaüerungen gegen die oppositionellen Abgeordneten anzuwenden, und während der Sozialdemokrat Thomat noch in Schutzhaft sitzt, wo er zum Uebertritt zur NSDAP gepreßt werden soll. Es ist unschwer zu erraten, aus welchem Grunde Forster plötzlich diese Friedensschalmei angestimmt hat. Er will den Garanten der Danziger Verfassung, den Völkerbund in Genf, nicht in die»Verle- genjleit« bringen, zu den Verfassungsänderungsplänen der Nazis Stellung nehmen zu müssen. Die Maitagung des Völ- kerbundsratea steht vor der Tür, und die Herren Nationalsozialisten haben die Hoffnung, daß der Garant der Danziger Verfassung auch weiter gegen das Regime des permanenten Verfassungsbruchs in Danzig kein Machtwort sprechen wird, besonders, wenn man ihm nicht den»formalen« Anlaß eines Beschlusses zur Verfassungsänderung bietet. Werden sie Recht behalten?— Die Danziger Verfassung stellt in der Tat nur noch eine»For- malie« dar, ihr Inhalt ist längst verfälscht, die Demokratie ist der Gewalt des Partei- und Polizeiregimes gewichen. Der andere Grund für das Verhalten Forsters— er wurde oben schon angedeutet— ist noch klarer. Er will auch Polen im jetzigen Stadium der Dinge nicht auf den Gedanken kommen lassen, daß es vielleicht an der Zeit sei, wieder einmal den Völkerbund mit dem Danzig- Problem zu beschäftigen, wozu der Verfassungskonflikt wahrhaftig Anlaß genug böte, ganz abgesehen von den augenblicklich wieder akut gewordenen direkten Danzigpolnischen Streitfragen. Herr Forster sagt sich: ist erst die Maitagung vorbei, so hat man Zeit genug, vor der Septembertagung vollendete Tatsachen zu schaffen. In Danzig ist diese erprobte Taktik der Nazis schon so allgemein bekannt, daß sich niemand mehr durch sie verblüffen läßt. Die Mutfrage Immer mehr deutsche Zeitungen haben Grund, sich geigen anonyme Zuschritte n zu verwahren. So schreibt»Die Frau am Werk« das Frauenblatt der DAF— In ihrer Aprilnummer: »Noch ein Wort über anonyme Zuschriften! Wir wollen hier einmal ganz davon absehen, daß es nicht gerade von aufrechter Gesinnung zeugt, wenn einer nicht den Mut hat, unter sein Schreiben auch seinen Namen zu setzen... Wir müssen es aber grundsätzlich ablehnen, auf derartige Zuschriften in irgendeiner Form einzugehe n!« »Wenn einer nicht den Mut hat...« schon recht. Aber wann endlich wird eine deutsche Z e 1 1 u n g den Mut haben zuzugeben, daß es im Dritten Reich an Selbstmord grenzt, eine emsthafte Kritik am Regime mit Namen und Adresse au zeichnen?»Geh weg, du feiger Hund, laß mich hintern Baumle heißt ein kerndeutsches Soldatenwort. Mag der Minister lachen! Für uns ist diese Lage und ihre Klarstellung durch den Herrn Minister wahrhaftig nicht zum lachen. Nein, sie ist furchtbar ernst. Das müssen wir ganz klar sehen. Wir müssen dieser christentumfeindlichen Front in treuer Kameradschaft mit unseren evangelischen deutschen Brüdern, für die ein Zoelner, ein Dibelius gesprochen und sich zum Glauben an die Gottheit Christi bekannt haben, ins Auge sehen und ihr standhalten. Noch ist die Front der wirklichen christlichen Deutschen, die unentwegt für die Gottheit Christi eintreten, unerschüttert. Ihre Bekenner und Vorkämpfer sind nicht nur die treuen Kinder der Kathoh- schen Kirche, auch unzählige evangelische Christen stehen mit den genannten evangelischen Kirchenführem hier in der gleichen Front!« Hitler einigt das deutsche Volk immer mehr— gegen sich. Diese wahre Einheit, die alle Konfessionen, Parteien und Klassen umschließt, wird eines Tages über die falsche Einheitsfront der Lüge und der Gewalt obsiegen. Hure Statistik Hof Dreißig Prozent oder 1-2 Prozent? Wer schreibt das Arbeitseinkommen richtig? die u. a. den Scheriverlag, den Hannover Jubiläum der schen Kurier, die Ala- Anzeigengesellschaft nun usw. umfaßten, sind schon vor einiger Zeit in den Besitz des Verlegers Eher& Co. übergegangen, dessen Inhaber bekanntlich der Herr Reichskanzler persönlich ist. Uebrig blieb nach der Verschleuderung kleinerer Die Zeitschrift» Wirtschaft und Statistik, haupt nicht zu bekommen sind, schon gar Objekte vom alten Hugenbergkonzern ( 1. April- Heft) enthält einen Aufsatz» Das nicht zu den amtlichen Höchstpreisen, ergibt nur noch die» Ufa«. Wie nunmehr die HanArbeitseinkommen im Jahre 1936, darin ein Vergleich dieser bereits Preisunterschiede delspresse meldet, ist ihre Umwandlung in bis zu 50 Prozent. Für die zwecks Streckung ein» staatliches Unternehmen« soeben voll>> Rechnet man das Arbeitseinkommen mit der schwindenden Vorräte amtlich anbefohlene zogen worden. Mit Hugenberg selber sind Hilfe der Indexziffern für die Lebens- Qualitätsverschlechterung nur ein Beispiel zwanzig ehemalige Aktionäre seiner Gruppe haltungskosten auf gleichbleibende Kauf- aus jüngster Zeit. Zur besseren Ausnutzung aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden. Dafür kraft um, so zeigt sich, daß das Real- der Roggenbestände wurde durch Verordnung sind die Vertrauensleute des Propagandaeinkommen der Arbeiter, Angestellten und Beamten im Jahre 1936 über das des Jah- vom 22. März 1937 mit Wirkung vom 27. ministeriums eingezogen, an ihrer Spitze der res 1929 bereits etwas hinausging und den März die Herstellung von Roggenmehl der neue Vorsitzende des Aufsichtsrats, Bankdes Jahres 1928 gleichkam<<. Type 997 verboten und nur noch die Aus- direktor v. Stauẞ, heißt es: der Vertreter jenes Danach wäre nicht nur die Warenerzeu- mahlung der gröberen Typen 1150, 1370 und» raffenden Kapitals<<, das Hitlers Aufstieg so gung, sondern nach Behauptung des Stati- 1800 gestattet. Der Preis der bisherigen freigebig finanziert hat. und zent höher, das Geldeinkommen um 25 Pro- habe. es den den ist, bildet eine liebliche Illustration worDiätenschinder Für sechshundert Mark monatlich doch allerhand Die in Berlin erscheinende Zeitschrift für Politik gibt regelmäßig auch innen- und außenpolitische Monatsübersichten. In der des letzterschienenen Heftes lesen wir mit Vergnügen: > Im Berichtsmonat sind acht Gesetze ( davon sechs am 26. Januar) erlassen worden. Besonders bedeutsam ist das » Gesetz zur Verlängerung des Gesetzes zur Behebung der Not von Volk und Reich«, das der Deutsche Reichstag in seiner Sitzung am 30. Januar einstimmig beschloß. Es ist das viertemal, seit der Machtübernahme, daß der Reichstag bei einem Gesetz mitgewirkt hat.< ihm stischen Reichsamts auch das reale Arbeits- Grundtypen 997 gilt von dieser Zeit an für Es handelt sich hier um das berüchtigte Die neue Ufa ist praktisch in den Besitz einkommen der vorhitlerschen Konjunktur- die Type 1150.< Es wird also ein Mehl von > Ermächtigungsgesetz« für Hitler vom 24. des Propagandaministeriums übergegangen, März 1933, das somit um vier Jahre, nämperiode überschritten, zumindesten erreicht. schlechterer Beschaffenheit, aber zum gleichen sie wird künftig eng mit der gleichfalls von lich bis zum 1. August 1941 verlängert wäre. Aber selbst der unwahrscheinlichen Voraus- Preis geliefert. Der Index für Bekleidung war Göbbels beherrschten Tobis, der Tonbildsetzung, daß die amtliche Schätzung des Ende 1932 112.4, Ende 1936 124.2. Der WohDie wenigen und primitiven Paragraphen dieArbeitseinkommens die amtlichen nungsindex war seither unverändert geblie- syndikat- AG., zusammenarbeiten. Damit hat ses Machwerkes, in ihrer Primitivität konIndexziffern der Lebenshaltungskosten mit ben. Nur der Index für» Verschiedenes< war sich in den Händen von Göbbels ein Presse- genial der Geistes- und Moralverfassung ihrer und Filmapparat zentralisiert, der in der der Wirklichkeit übereinstimmen, trifft die unwahrscheinlicherweise von 163 auf 141 Urheber, haben bekanntlich Deutschland in Vor- das Schmutz- und Blutmeer des von oben entBehauptung nicht zu. Das Einkommen der gesunken. Nur mit Hilfe dieser undefinier- ganzen Welt nicht seinesgleichen hat. Arbeiter, Angestellten und Beamten betrug baren und daher auch nicht kontrollierbaren sichtiger als bisher noch wird man nun im fesselten Bandenterrors gestoßen und der nach dem Statistischen Reichsamt 1929 43, Kategorie der Lebenshaltungskosten ist nicht gleichgeschalteten Ausland, Pro- Gestank der Rechtsanarchie, der von 1936 35 Milliarden. Das Geldeinkommen von der amtlichen Statistik gelungen, einen Stand dukten einer Filmzentrale gegenübertreten ausgeht, verpestet noch heute den ganzen 1936 blieb also hinter dem von 1929 um etwa des Gesamtlebenshaltungsindex vorzutäu- müssen, die nur noch Exportware einer amt- Erdkreis. Noch primitiver selbstverständ25 Prozent zurück. Der Index der Lebens- schen, der es erlaubt, zu» beweisen<, daß das lichen Propagandastelle sind. lich! dürfte für die Gesetzesverlängerung haltungskosten( 1913/ 14-100) stand 1929 reale Arbeitseinkommen von 1936 die KonDaß übrigens nach der politischen Ent- die Mitwirkung< des braunen Reichstages auf 154, 1936 auf 124. Danach waren also junkturzeit der Republik überschritten und machtung Hugenbergs nun auch noch seine sein: sie brauchten nur dreimal für je eine die Lebenshaltungskosten 1929 um 20 Pro- ihre Krisenzeit weit hinter sich gelassen persönliche Ausraubung durchgeführt Viertelminute den Armmuskel zu betätigen... im Schweiße Aber das taten sie jetzt zu zent niedriger gewesen als 1936, die Geld- Die Schätzungen des Statistischen Reichs- jenem feierlichen Ehrenwort, das Hitler im ihrer Angesichter zu viertenmal. Zum viertenlöhne also seither stärker gesunken als die amts sind also wenig vertrauenswürdig. Januar 1933 vor Hindenburg gab und das mal in eben so viel Jahren Lebenshaltungskosten, demnach das Real- Glaubwürdiger ist schon was ein parteiamt- beinhaltete, er werde sich von seinen deutsch- und staune! Welch ein erhebendes Jubiläum einkommen des Konjunkturjahres der Repu- liches Organ über die Entwicklung des Ar- nationalen Koalitionsgenossen nicht trennen der sich aufopfernden vorgeschriebenen vaterblik im vierten Jahre des Dritten Reiches beitseinkommens seit Hitlers Machtantritt und die Regierung unverändert lassen. Wie ländischen Gesinnung! Dafür gibts für jeden nicht überschritten, sondern noch nicht er- sagt. In der Zeitschrift» Die deutsche Volks- hieß es doch damals an den Plakatsäulen? der rund fünfhundert Beteiligten rund sechswirtschaft, Nationalsozialistischer Wirt- Die Treue ist das Mark der Ehre<. Aber 1929 gab es keinen Nahrungsschaftsdienst«<, heißt es im 3. Märzheft 1937: mittelmangel, daher auch keine amtlichen >> Daß eine Steigerung des Realeinkommens Höchstpreise, die im Schleichhandel und mit der unteren breiten Einkommensklassen Schleichhandelspreisen umgangen worden wünscht ist, erhellt aus der Tatsache der nur wären. Die Differenz zwischen den Preisen, einbis zweiprozentigen Realeinkommensdie für Nahrungsmittel wirklich gezahlt wer- steigerung dieser Klassen seit 1933.<< den mußten, und denen, die der amtlichen der Lebenshaltungskosten Schätzung grundelagen, war 1929 nicht annähernd SO groß wie unter Hitler, daher auch der amtliche Lebenshaltungsindex nicht annähernd so wirklichkeitsfern. Nimmt man dazu das reicht. zuimmense Mehr an Abzügen, so ergibt sich, daß der Abstand vom Aufschwungsjahr 1936 zum Konjunkturjahr 1929 nicht, was die Gewinne der Unternehmer, aber was das Arbeitseinkommen anlangt, noch ziemlich groß ist. erman denke hundert Mark monatlich franko und steuerfrei. Was Wunder, wenn sie da wirklich nur so> mitwirken«! In der Geschichte des europäischen Paralamentarismus aber dürfte dies extra registrierte Jubiläum doch bis auf weiteres außergewöhnlich sein und bleiben. Deutscher Sozialismus Recht, Freiheit und Gleichheit. Die ehemaligen akademischen Altherrenbünde Deutschlands sind durch Erlaẞ in VerEs wird also festgestellt von der partei- schiẞ erklärt worden; als neuer Altherrenamtlichen Wirtschaftszeitschrift eine Zunah- bund formiert die NS- Studentenkampfhilfe. me um 1-2, von der amtlichen Statistik um Reichsstudentenführer Dr. G. A. Scheel be- Straßen getauft worden. Wie die>> Preußische 30 Prozent. Die Schätzung des Statistischen gründete das am 13. Mai mit einer Rede in Reichsamts ist aber gar nicht so vage, wie München, in der es heißt: es darnach den Anschein hat. Seit 1932 hat >> Die alten Formen mußten neuen weichen, aber die alten Ideale, die über ein Jahrhundert lang als feierliches Bekenntnis im deutschen Studententum lebten, die Ideale Ehre, Freiheit, Vaterland, Einigkeit, Recht und Freiheit, sind heute nicht mehr Ideale einzelner kleiner Gemeinschaften, sondern durch die Kraft und Erziehungsarbeit des Nationalsozialismus Bekenntnis des ganzen deutschen Volkes geworden.<< nämlich nach amtlicher Angabe die Zahl der Beschäftigten von 12.5 auf 17.1 Million zugenommen, also um 34 Prozent. Das Statistische Reichsamt will also offenbar den Nachweis erbringen, daß seit Ausbruch des Dritten Reiches das reale Arbeitseinkommen im ungefähr gleichen Verhältnis wie die Zahl der Beschäftigten gestiegen ist, also das Durchschnittseinkommen des einzelnen Arbeiters ungefähr gleich geblieben ist. Glaubt man aber nicht dem Statistischen Reichsamt, wagt, so hört für seine Person Recht und Freiheit auf, denn alles hat seine Grenzen sondern dem Nationalsozialistischen Wirtschaftsdienst, dann kommt man zu dem Ergebnis, daß das reale Arbeitseinkommen des Konjunkturjahres 1929 nicht überschritten, Wenn es wirklich zuträfe, daß das Arbeitseinkommen, auf Lebenshaltungskosten umgerechnet, bereits den Stand von 1929 überschritten hat, um wieviel mehr müßten das Realeinkommen den Krisentiefstand von 1932 hinter sich lassen. Nach der amtlichen Schätzung betrug das Arbeitseinkommen 1932 23.7, 1936 35 Milliarden. Das wäre also eine Zunahme des Geldeinkommens um fast 50 Prozent. Um wieviel ist in dieser Zeit das Realeinkommen gestiegen? Es wäre allzu blamabel, wollte die amtliche Statistik die inzwischen eingetretene Teuerung gänzlich leugnen. Nach der Angabe in» Wirtschaft und Statistik<< ist das Arbeitseinkommen, ge- Rechtfertigung. messen an den Preisen von 1928, also das Realeinkommen von 32.3 auf 42.3, demnach um etwa 30 Prozent gestiegen. Das würde Hugenberg aber nur timmen, wenn man den amtlichen Lebenshaltungsindex als richtig ansieht. Der restlos entmachtet! Index der Lebenshaltungskosten betrug im Nun auch die» Ufa<< von Göbbels erobert. Durchschnitt 1932 120.9, 1936 durchschnittlich 124.5. Das wäre also eine Teuerung nicht mehr als 3 Prozent. um Aber wenn das einer laut zu bezweifeln Appetit In Königsberg( Ostpreußen) sind einige Zeitung« Nr. 129 mitteilt, wurden u. a. folgende Namen gewählt: Sudetenlandweg, Hultschiner Weg, Iglauer Weg, Olmützer Weg, Brünner Weg, Troppauer Weg, Jägerndorfer Weg, Aussiger Weg, Teplitzer Weg, Franzensbader Weg, Egerlandweg und Budweiser Straße. Psychologen Die Wunschtraum. nennen So etwas und Freiheit darf nicht zur Gedankenfreiheit Franz von Puttkamer entarten. So ist es auch mit der Gleichauch heit; die ist im Dritten Reich beSie hat schon ihre vielmehr noch nicht einmal das Durch- kanntlich verwirklicht. schnittseinkommen des Krisenjahres 1932 er- Dichter gefunden. Am 1. Mai konnten die reicht ist. Der» Führer< erstaunten Arbeiter im Königsberger Nazihat den Löhnen stillgestanden kommandiert und die amtliche blatt über den Maiaufmarsch lesen: Statistik liefert prompt dazu die statistische Da geht der Bauer neben seinem Knechte; G. A. F. Der geheime Finanzrat Dr. Alfred HugenEin Vergleich berg, weiland Führer der deutsch- nationalen nicht der wirklich gezahlten, sondern amtlichen Einzelhandelspreise Absurdität der Indexberechnung ad absurdum. der erweist die und führt Reaktion und verdienstvoller Geburtshelfer des Dritten Reiches, erfährt nun den letzten Dank vom Hause Hitler. Es hat ihm nichts Der Werkdirektor neben seinem Arbeitsmann. Der Staatsbeamte beim geringsten Schreiber! Und jeder sieht den andern nun als Bruder an! Nun ist der Tag der Gleichheit wirklich da, Nun ist ein jeder wirklich mit dem Herz dabei Nun stille Am ersten Mai! Jawohl, alle Großkopfeten, alle Herren gestorben Wie wir heute erfahren, ist in einem Schweizer Sanatorium der Genosse Franz von Puttkamer gestorben. Mit uns werden alle in der Emigration und in Deutschland lebenden Parteigenossen den frühen Tod des aufrichtigen Freundes unserer Sache und aktiven Kämpfers für die Freiheit schmerzlich bedauern. Verfolgt von den Nazis mußte er im Jahre 1933 Deutschland verlassen. Als er auf der Baleareninsel im Herbst 1934 eine Sammelaktion für streikende Arbeiter, die sich weigerten ein hakenkreuzbeflaggtes deutsches Schiff zu entladen, durchführte, stehen wirklich alle Räder einmal zog er sich die Aufmerksamkeit der Nazistellen auf sich und prompt verweigerte ihm darauf auch das deutsche Konsulat die Ausstellung eines neuen Passes. Nach einem kurzem Aufenthalt in Ungarn kehrte Franz von Puttkamer wieder nach Spanien zurück. Als der Bürgerkrieg ausbrach, befand sich Puttkamer wieder auf der Insel Ibiza, wo sich auch die Rebellen- Offiziere die Macht Als eines Tages ein deutsches aneigneten. Schiff im Hafen von Ibiza lag, verlangten die auf der Insel wohnenden deutschen Nazis, daß Puttkamer auf dieses Schiff gebracht und und aber Millionen Bauern und nach Deutschland ausgeliefert werden sollte. Presse- und Filmapparates, den der ehemali- Arbeiter, die auch nicht mitgehen. Aber Der faschistische Kommandant erfüllte prompt ge Kruppsche Generaldirektor nach dem Krie- wenn die Großkopfeten mitgingen, so wäre den Wunsch. Doch ein ungarischer Heimatge zur Bekämpfung der deutschen Demokra- das zweifellos die Berechnungen der amtlichen Statistiken genützt, daß er sich zwar grollend aber schweiund ihren Vergleich sowohl mit der Konjunk- gend aus der aktiven Politik zurückzog und turzeit wie mit der Krisenzeit der Republik das Amt des Reichswirtschaftsministers mit von und zu rennen begeistert und freiwillig dem des eifrigen Schweinezüchters aus seinem mit. Sie sind nicht mehr zu halten, sie konnwestfälischen Gut Rohbraken vertauschte, ten sich schon lange nicht mehr bremsen. denn den führenden Männern des National- Jahrelang haben sie auf den Tag gewarsozialismus blieb der alte Exponent des tet. Man könnte zwar aber Tausende Agra21. Dez. 1932 19. März 1937 schwerindustriellen Einflusses ein Dorn im rier, Werkdirektoren und sonstige feine Leute nennen, die sich die kommandierten vom Balkon Es kosteten nach» Wirtschaft und Statistik« im Einzelhandel in Rpfg. je Kilo: Erbsen Speisebohnen Kartoffeln . Möhren Rindfleisch Hammelfleisch • Schweinefleisch Speck Vollmilch Molkereibutter Zu groß war noch immer seine> Haus- Kolonnen alljährlich macht«<, die Reste jenes einst imponierenden trachten 43 68 Auge. 37 50 · 6 81/2 12 24 • 144 169 • 9 155 233 146 169 185 212 24 24 9 249 313 . • 11 12 • aus beGleichheit. die Trotz losenpaß, den Puttkamer sich inzwischen tie aufgebaut hatte. Dieses letzte> Wider- Autos, Palästen, Großgrundbesitz, Dividenhatte beschaffen können, retteten ihn vor der standsnest< deutschnationaler Gesinnung stand den, Rieseneinkommen hüben und trocknem Auslieferung nach Deutschland. Es gelang der politischen Totalität und auch dem ge- Hanf mit Dörrgemüse drüben. Im Marschie- ihm, in das republikanische Spanien zurückschäftlichen Monopolbestreben der neuen ren sind alle Menschen gleich. Was sie die zukehren, wo er als Korrespondent für die Eier, je Stück.. Machthaber störend im Wege. Man begann übrige Zeit des Jahres treiben, ist Privat- internationale sozialistische Presse tätig war. Abgesehen von der indirekten Verteuerung deshalb mit einer systematischen Einkreisung sache. Im Dezember zwang ihn ein Lungenleiden durch Verschlechterung der Qualität, des ganzen Komplexes und hat in den letzten Zweifelt jemand daran, daß soviel blö- aus Spanien abzureisen und ärztliche Pflege allem bei Brot und Butter, abgesehen davon, Tagen nun den tödlichen Streich geführt. der Schwindel im ganzen Volke zum großen aufzusuchen. Nun ist er aus unseren Reihen daß viele Nahrungsmittel zeitweise über- Die Besitzstücke der Vera- G. m. b. H., Kotzen führen muß? geschieden. vor Nr. 206 BEILAGE Neuer Vorwärts 23. Mai 1937 Punch sagt es mit Humor Zur Geschichte und zur Form der Hitler- Karikatur in England das ten ihm Interviews geben... lichkeit übergeführt! Wie anders käme Amerikas Sinn für alles Konkrete und Praktische begreifbarer an uns unverbesserliche Romantiker auf der anderen Seite des großen Reiches heran, als gerade durch seinen Kobolz Mark Twain?! Aber das hat man im Dritten Reich doch Daß die Wahrheit in ihren Händen lieber| war mit den amerikanischen Dreadnoughts|» Mein lieber Willi! Dies ist über alle Berge.| wirkliche» angelsächsische Kultur< den Verdie Pritsche als das Zepter führt, ist eine vor Havanna und nahm dem letzten Neger- Was bedeutet eigentlich Deine Depesche an zicht in der Politik gegenüber den da mißalte Erkenntnis. Die Ahnenreihen von Herr- sklavenhalter mit einem breiten Lachen die den alten Krüger, der für Dich does'nt care ratenen» Vettern<< aussprechen? schern und Herren sagen noch gar nichts Nilpferdpeitsche aus der Hand. Der» Punch< twopence?! Solch eine confoundet imperaus über eine Nation und den Geist, der in fletschte die Zähne gegen die Gummi- Schin- tinence habe ich noch nicht gesehen. The wenigstens erkannt: Wieder spielt das engihr und mit ihr die Geschichte macht; aber der am Kongo; König Leopolds und König fact of matter is that Du ein furchtbarer lische Volksbewußtsein( wie es schon einihre großen Humoristen sind die echten Manuels schönhüftige Bettgenossinnen muß- Schwaggerer bist. Warum kannst Du nie mal in der lockeren Sprache und in den Spiegel der Volksseele. Wer verstände ruhig bleiben, why can't you hold your bles- drastischen Bildern des» Punch<< sich auch gesättigte Rom ohne seinen Juvenal?! Wie Die ganze Tragik europäischer Neuzeit- sed row? Wir glauben: nie ist eindring- jetzt gerade wieder äußert), eine beträchthat der Don Quijote die Nation der ewigen geschichte liegt in den» Punch<-Bänden un- licher Würde vor Arroganz, geistige Ueber- liche Rolle in der endgültigen Gestaltung spanischen Individualisten in die Unsterb- mittelbar vor Weltkriegsausbruch zutage, da legenheit vor dilettantischer Wichtigtuerei, des europäischen, und damit auch des deutEngland um die Seele der Parvenüs von die wirkliche Macht vor improvisierendem schen, Schicksals durch die größte moraliBerlin warb. Wie mit den ungebärdigen Krampf verteidigt worden, als in die- sche und strategische Macht der Welt. So Deutschen in irgendeiner Form zu einem sem humor- apokryphen Königin- Brief des sehen sie denn drüben unter dem Hakenfairen» arrangement« kommen, das war die» Punch«. Aber sind das nicht genau die- kreuz mit einigem Frösteln, daß der>> Prusgroße englische Frage! Es ist nicht von un- selben Probleme auch gerade psychologischer sian Bully« als Verkörperung der Kriegsgefähr, wie der» Punch< mehr als jedem Natur, mit denen sich Old Albion auch heute lust wieder in» Punch«-Bilder- Versen in das Große Nationen haben auch einen großen anderen Sujet sich dem deutschen Gegen- wieder in Richtung Kaiser- Wilhelm- Kanal evolutionäre Bedürfnis des DurchschnittsHumor. Es ist das Ewigkeitszeugnis für die stand in dieser Zeit widmet, den manchmal und Yade- Busen herumzuplacken hat? briten sich eindrängt und Schrecken und innerlichste Tapferkeit und den zähesten komischen und gespenstisch bekleideten, imEs ist die Berliner>> Neuphilologische Mo- was für den Engländer noch weit schlimmer Lebenswillen eines Volkes, das mit schier mer aber anspruchsvollen, larmoyanten, natsschrift<<, die sich auch eine Zeitschrift ist als Schrecken Unsicherheit und moraunabdingbarem Leid durch seine vier Jahr- rücksichtslosen Figuren des Wilhelminisfür das Studium der angelsächsischen und lischen Anarchismus in die Welt aussendet. tausende marschiert ist, einsam, verlassen mus; wie er im volksethymologischen Rät- romanischen Kultur« nennt, wobei sie offen Hitler hat für England tatsächlich eine Art und verachtet unter den anderen: daß im- sel» Germany< zu lesen versucht, nicht haẞ- läßt zumal nach diesem gleichgeschalte- neuer» Punch<<- Renaissance hervorgerufen! mer noch die besten jüdischen Witze von den voll, eher nachsichtig- experimentierend, die ten Beitrag! so schreibt die geob jedes>> Studium<< auch» Alle Befürchtungen<< Juden selbst stammen. Was wäre England Böcke von den Schafen scheidend, das> an- schon an sich ein Resultat bedeutet: die den nannte Hitlerzeitschrift im Hinblick auf die ohne seine großen Karikaturisten und Witz- dere« Deutschland unter der Oberfläche des ganzen> Punch<-Komplex jetzt unmittelbare geistige Wirkung auf England, Blickfeld absoluter und hundert- welche die Hitlerei auslösen mußte» beprozentiger Hitlerei abhandelt. Wie stätigten sich in dem Augenblick, in dem Gefahr« des gesagt, ihr» Studium der angelsächsischen Hitler angesichts der>> Roten Hand des Kultur scheint unter diesem Auspizium völ- brennenden Reichstages aus der lig negativ verlaufen zu sein! Denn sonst alten Konsuls Hindenburg die Vollmacht des müßte sie den>> Punch<< anders begreifen. Diktators erhält. Die Geschichte des Natioals die Voraussetzung zum Zum Beispiel fällt ihr auf, daß das englische nalsozialismus Witzblatt zwar>> das italienische RisorgiVerständnis der Revolution kann» Punch< Oh, warum mento mit Wohlwollen immer verfolgt und als Ausländer nicht kennen!<< Garibaldi, wie auch den Ungarn Franz sollte er sie nicht kennen?! Wurde doch beiKossuth, stets romantisch gefeiert<< hätte, spielsweise direkt unter seinen Augen jener dagegen sei vom» Punch< und von England Prozeß in London abgehandelt, der für imselbst der Kampf um die deutsche Nation mer erwies, was es mit der» roten Gefahre als Motiv immer nur dynastische und mili- und mit dem» brennenden Reichstag«, um nur dies aus der» Geschichte des Nationalsozialismus« zu erwähnen, auf sich hatte! Und so sehen die braunen Pessimisten denn, von der kommender unaller- in instinktivem Erahnen ( Großer Gott! bolde, mit Jonathan Swift angefangen?! In klirrend- offiziellen suchend. Und hier darf Deutschland war der» Kladderadatsch< nur es schon gesagt werden: Was der> Punch< genau so lange eine nationale Fanfare, als als repräsentative Erscheinung echt britider Pulverschwaden Achtundvierzig schen Volksbewußtseins, das von immer noch sich noch nicht ganz verzogen hatte; und für die wirklichen Lebensentscheidungen des Was Empires der ausschlaggebende Faktor bleibt, sein> Simplizissimus< haben sie jetzt aus ihm gemacht!) hing nur heute über» The Hitlerisme< an bildlicher gerade so lange am Busen des Göttlichen, oder literarischer Kraft zu verausgaben hat, als die deutsche Intelligenz mit ihren Horn- das ist eigentlich alles vorweggenommen brillen und spitzen Nasen solche und von ihm in seiner witzvoll- wehmütigen Resolche Ruinen des Feudalismus stieß: Ge- signation gegenüber>> The Kaiser«. Fast radezu alimentiert von Wilhelms des Zwei- sind es sogar die feinsten und subtilsten ten Schnurrbart fand er das erste Mal den satirischen Einzelheiten, die sich heute Tod der Unehre und moralischen Gasver- wie gestern als> made in Germany< da an ab!< Ja dasselbe, > angelsächsischen Kultur« nicht die vom wornicht haben, weil sie gleichzeitig das Be» Punch<-Komplex weiter: Für ihn, den» Punch«, identifiziert sich nun wieder Kriegsgott und furor teutonicus. Die jüdische und die österreichische Frage berühren seine englische Mentalität als Bedrohung der Schwachen. Alles wird zum Sinnbild deutscher Kriegslist. Die Friedensangebote des Führers verhallen... Auch er, der» Punch«<, ist ein Teil der satirischen Weltpresse, die den Krieg des Mißverstehens gegen Deutschland führt. Und in diesem Krieg ist er nur ein Glied in der Kette anderer Mächte, der Politik, der Wirtschaft und des Geistes. In diesem Zusammenhang gehört» Punchs< Stock noch zu den am wenigsten verletzenden Waffen; er läßt die Hoffnung, daß es einmal anders wird, noch am ehesten bestehen. Die meisten seiner Darstellungen bewegen sich, wenn auch oft an der Grenze, des Humors.<< giftung im Weltkrieg, die Republik, Hitlers in seinen Spalten begegnen. Zum Beispiel tärische Selbstsucht untergeschoben<< oppositionelle Stirnlocke und der Micki- der für das englische Individualbewußtsein den... Wer das schreibt, hat vielleicht von Maus- Agitator Göbbels erweckten ihn dann geradezu unverständliche, nie begreifbare der englischen Grammatik, aber zu wahrhaft neuem Leben, zuletzt erwürgte Komplex des heutigen» deutschen Sozialisihn der Minister Göbbels und der befrackte mus« Leyscher Schwadroniererei: wie treff- geringste Ahnung oder besser: er will sie heimlicher Folgen, ganz scharf eigentlich im Hitler endgültig... Das, was im braunen lich läßt der» Punch< schon um 1891 herum Deutschland am allerfrühesten und am den deutschen sozialdemokratischen Arbeikenntnis zu einer Idee beeinhaltet, die schon allerersten» illegal< wurde, wurden die guten ter, der von Wilhelm dem Zweiten mit dem im Kaiserreich vom Schutzmann verfolgt » Ich oder auch die schlechten Hitler-, Röhm- und falschen Pathos angeekelt wird: bin wurde und die im Dritten Reich in den VerGöringwitze. Oh, es ist immer die ganz einer von Euch!« antworten: » Ganz recht, ließen der SS gefoltert wird: die Idee von große Tragödie, die mit dem» Lache, Ba- Genosse, aber dann nimm bitte die Krone der Freiheit des Individuums! Hätte Deutschjazzo!< anrollt... Kaiserworte waren damals ge- land einen Kossuth, einen Garibaldi, einen Es liegt in Englands Wesen und an der nau was heute Hitler- Speechs Gambetta je erzeugt, warum hätte er nicht Rolle, die ihm die moderne Zivilisation zu- sind! Nach der für die deutsche Arbeiter- die Sympathie der Briten, denen der wirkgedacht hat, daß sein Humor und nie- schaft so siegreichen Wahlentscheidung von liche Liberalismus bei Tories, Wrights und mand hat so viel stillen und zähen Humor, 1912 vier Jahre nach den schauerlichon bei Labour nicht Sache nur eines Knopfals der Durchschnittsengländer, bei dem er Hottentottenwahlen lochabzeichens war und ist, finden sollen? aus der Gesundheit einer kampfliebenden, in Sozialdemokrat im> Punch< zum» Deutschen Aber das ist ja eben die deutsche Tragödie, allen Meeren und Wettern gestählten Le- Kaiser, König von Preußen, Markgraf von daß ihr bestes nationales Streben statt bei bensauffassung hervorquillt in die Weite Brandenburg, Burggraf usw. usw.< hinauf: einem Garibaldi schließlich bei einem Mangeht, wie sein Empire. Daß er die Scholle> Auch ich will meinen Platz der teuffel oder von Roon endet, daß des grünen Country zwar liebt, aber die Sonne!<... in der Gegenwart in ganzer dramatischer Welt umarmen und einspinnen möchte. Eng- Für so wichtig hielt man den Tragik sich wiederholen zu lassen lands Minister sehen den Erdball von» Punch< in Berlin schließlich war ja auch einem Ebert und Stresemann weit weg und Stock« sie züchtigt! Daß er nicht für den Schanghai bis Quebec vor sich, wenn sie damals die deutsche Politik noch nicht ge- zu einem Hitler ganz hinleitet. Auch wenn Geprügelten zur Todessense werde, ist die Politik zu machen haben; auch seine Kari- rade von einem so profunden Englandkenner die Engländer aus manchen Gefühlsgründen letzte Hoffnung der Zivilisation. Aber nicht katuristen dürfen sich nicht an den schot- beraten, wie es heute Herr Ribbentrop ohne den Deutschen gewogener sind, als es oft am» Stock« liegt es dann, wenn es doch so Geiz oder die irische Whiskykehle Zweifel ist daß man ihn sogar schon genug eine reine Vorteilspolitik ihnen einzu- weit kommt, sondern an denen, die ihn wieallein verlieren und hissen ihre Segel nach einmal geben hätte, wovon in letzter Stunde Lans- der gegen sich selbst durch das schlimmste burys Berliner>> Mission< wieder einmal deutsche Laster, die Knechtseligkeit und die tischen allen Gestaden. ruft derselbe deutsche an damals um es von Sie empfinden also schon selbst, wie» der Das ist der Lebensinhalt und die war, als der» Punch< einige lose Bemerkun- drastisch- grotesk genug zeugte, wer kann von jedem wahrhaften Ideal weit distanzierte Aktivlegitimation vom zu einer rituellen Haupt- und Staatsaktion an der Spree gemacht hat. Das » Punch<<, der nun gen zur großen Caprivischen Militärvorlage schon mindestens die dritte oder vierte eng- von 1892 gemacht hatte, die gleichzeitig die lische Generation mehr durch alle Niederun- große Wendung in der deutschen Politik ge- Selbst verleugnen sollen? Daß sie für ihre mal da ist, herbeizitierten! gen als alle Höhen des menschlichen Daseins genüber der Bismarckschen Konzeption geleitet: daß dies klassische englische Witz- nunmehr gestellt auf> atlantische< Großblatt fast auf jeder Seite ein Stück euro- tuerei in praktische Form goß. Damals päischer, ein Stück Geschichte der weißen wurde das Lesen des» Punch< durch eine Zeit eigene Allerhöchste Kabinettsordre für den von ihnen verlangen, daß sie dieserhalb auch» Tüchtigkeit«<, in einer mächtigen und geGeschichte fälschen! Daß sie ihr eigenes sunden Welt, für die der» Punch< nun einF. E. Roth. Rasse in der sogenannten modernen gerade von ihm am reinsten Eine mitleidige Seele die ist! Wenn England selbst auf dem Geist des gesamten Berliner Hof verboten. Unbe- Möchten doch endlich die Klagelaute verstummen...< entwickelten rechenbarkeit Hitlers Unberechenbarkeit philosophischen Positivismus heraus bewaff- Wilhelms-? Wie drückt sich das so köst->> Die Semiten waren Jahrtausende hin-| Reiseschilderung aus Palästina, nete Trägerin des Fortschrittsgedankens in lich in dem schönen Brief aus, den der durch die Vermittler zwischen Orient und eine begeisterte Reiseschilderung. Manche der weißen Welt, des gesunden Evolutiona-» Punch< die Queen Victoria an ihren kai- Okzident; sie wurden die religiösen Stellen sind mit Bleistift angestrichen: rismus geworden und gewesen ist: der serlichen Neffen nach Berlin schreiben läßt, Führer der Menschheit, haben die >> Die meisten der Vorüberwandelnden sind >> Punch< hat diese funktionelle Bestimmung als dieser in irgendeiner Laune dem Ohm größten Propheten der Welt hervor- Juden, ansässige und eingewanderte aus seiner Nation auf all ihren Wegen quer Krüger seine Avancen gemacht hatte, die gebracht, und unter ihnen entstanden aller Herren Ländern... Wie arm und abgezehrt sie aussehen! Die Hand durch die Welt getreulich begleitet. In alten er dann ebenso launisch wieder fallen ließ, drei monotheistischen Religio des Krieges lastet schwer auch auf ihnen.<< Jahrgängen des>> Punch< erlebt man wieder indem er dem alten Mann in Köln befahl, ne n.<< Das hat ein mitleidiger Mann geschrieben, etwas vom Freiheitskampf der Griechen ge- von seinem Besuch in Berlin Abstand zu Wir finden diese Worte in einem abge- ein Mann, dem das Schicksal des verjagten, gen türkische Padischahs und Roẞschweife nehmen, obschon er ihn doch förmlich pro- griffenen, offenbar viel gelesenen Buch.>> Hat geängstigten jüdischen Volkes zu Herzen in jenem Inselmeer, in dem Byron mit der voziert hatte. Die Queen, schlechthin fuchs- ein jüdischer Emigrant bei mir verkauft«, ging, des Volkes, das>> die größten Propheten Flinte und der Harfe der abendländischen teufelswild durch ihres Neffen Dummen- sagt der Antiquar, ist im Jahre 1917 geKulturidee sich opferte. Da klingen Baden- jungenwitze gemacht, überschlägt in der druckt, Kriegspapier. Außerdem fehlt die ser und schwäbische Freiheitslieder gegen Hitze des Schreibens ihr eigenes Deutsch, Einbanddecke. Bei der Abreise aus Deutschdie> Preußen« aus dem roten Jahr in pelplatzmauer. eng- indem sie voller Aufregung ins Englische land ging es bißchen eilig zu, da hat es Fetlischen Versen fast nicht schlechter als die verfällt: man muß es gelesen haben, um von zen und Scherben gegeben. Macht nichts. dieses Sie können ruhig in dem Buch blättern.<< erhaschen: darin. Und wir blättern Es ist eine Geist etwas zu im deutschen Original, die die Guillotine dem wirklich demokratischen schmierten mit Tyrannenfett. Der» Punch« englischen Humors der Welt hervorbrachte«. > So kommt man zur Klagemauer der Juden, der Außenseite eines Teiles der TemDort bietet sich ein ergreifender Anblick. Stirn und Hände gegen die riesigen Blöcke der rauhen Mauer gestützt, stehen die Juden und Jüdinnen und klagen über die vergangene Größe ihres Volkes... So stehen sie nun klagend seit anderthalb Jahrtausenden und netzen die Steine mit ihren Tränen. Aber wie sie auch bitten und rufen, vergebens harren sie einer Antwort. Möchten doch endlich die Dee Jugendsteafvollzug im Deitten Reich wird die> VerKlagelaute verstummen und die Wenn man die Verordnung über den der Hausstrafen freie Hand. Der diesbezüg-| spekt einflößen, ist der Sinn dieses StrafvollTränenströme versiegen!< Jugendstrafvollzug( erlassen am 22. Januar liche§ 54 sagt darüber:» Wo mit gleich- zuges. Was für einen jungen Menschen beGuter, leicht gerührter Autor, was würdest 1937) liest, tauchen erschütternde Erinnerun- mäßig gerechter Strenge den Gefangenen sonders schwer ist, wird zur Regel gemacht, du heute sagen, wenn du nach Deutsch- gen auf. Oscar Wilde hat uns in Aestheti- gegenüber verfahren wird, werden Verstöße denn der junge Gefangene muß die ersten land kämst, wenn du die Stürmer- sches und Polemisches< berichtet, daß der gegen Zucht und Ordnung selten sein. Wenn drei Monate mindestens in strenger Einzelkästen an allen Straßenecken sähest, die Gefängniswärter Martin vom Gefängnis in aber Anlaß zum Einschreiten einer Haus- haft verbringen. Und wo die GemeinschaftsBoykott plakate, die blutrünstigen Reading entlassen wurde, weil er einem strafe besteht, hat der Vorsteher rasch und haft durchgeführt wird, werden Schlafkojen Karikaturen in den offiziellen Amts- Kinde, das im Gefängnis eingesperrt, seine gründlich durchzugreifen; er dient zugleich benutzt. Besuche darf der junge Gefangene blättern, wenn du vom Schicksal jener Ju- gräßliche Kost nicht vertragen konnte, einen dem Erziehungszweck. Da die Arreststrafen alle vier Wochen empfangen, und alle zwei einen Brief absenden. Ein Bewerden Wochen den hörtest, die in Konzentrationslager ver- Keks geschenkt hatte. Ja, 1831 kam in Eng- nur in seltenen Fällen angewandt schleppt und zu Tode gemartert wurden land ein dreizehnjähriger Knabe an den Gal- sollen, so hat man bei diesen» gründlichen schwerderecht existiert nicht. nur weil sie Juden waren. Was würdest du In der Zeitschrift der Hitlerjugend hat Dr. gen, und wir erinnern uns schaudernd, daß Durchgreifen< wohl in erster Linie die Prügelunter Stellrecht dazu sagen, daß dein geliebtes Altes Te- 1833 der neunjährige Richoles White der Ueberschrift» Keine zum strafe im Auge. stament veröffentdu zitierst es seiten- und sei- Tode verurteilt wurde, weil er aus einem Die Gefangenen werden mit Du angeredet, Miniatursoldaten einen Artikel tenlang in allen deutschen Schulen ver- Schaufenster Spielzeug gestohlen hatte. Aehn- erhalten Unterricht, der bezweckt, daß sie licht, in dem er erklärt, daß nach neudeutpönt und auf den braunen Index gesetzt ist? lich lagen die Dinge in Deutschland. Es ist sich in die Volksgemeinschaft pflichtgetreu scher Auffassung der Soldat die Höchstform Die Klagelaute sind nicht verstummt, der noch nicht lange her, daß Kinder in engen einordnen sollen, denn der Hauptgegenstand des Mannes darstellt. Von diesem Geist ist Tränen sind mehr geworden, seit du dein Gefängniszellen eingesperrt waren, wo sie des Unterrichts ist die Deutschkunde im der neue Jugendstrafvollzug beeinflußt, den Buch schriebst, seit du jüdischer Arbeit und als Verbrecher in einsamer Zelle büßen muß- Sinne einer Kunde von deutscher Sprache, ausgewählten Gefangenen jüdischem Geist deine Achtung bezeugtest: ten. Aus jedem Winkel schrien Angst und Geschichte und Heimat, deutschem Staat günstigung zuteil«, in der Freizeit weitere und Bodenübungen zu > Südlich von Sarona liegt die 1882 ge- Not. Angst grub sich tief in die Seele des und Recht und deutschem politischem Wol- taktmäßige Freigründete jüdische Kolonie Rischon le Sion, jugendlichen Rechtsbrechers. Das Gefängnis len«. Neben diesem Unterricht besteht acht- machen. Wer sich also der>> Höchstform des der» Erstling von Zion«. Ein ehrwürund zuentwickelt, hat Chancen, vernichtete den jungen Menschen Die deut- stündige Arbeitszeit tägliche Leibes- Mannes<< diger Greis mit weißem Haar sollen den Häftling» lebens- Gnaden aufgenommen zu werden. Wer das und Bart, Herr Merowitsch aus War- sche Republik bemühte sich, diese barbari- übungen. Sie tut, bekommt die ganze gerechte schau, den die russischen Judenpogro- schen Zustände zu beseitigen. Das Jugend- tüchtig und gemeinschaftstauglich« machen. nicht me 1882 aus seiner Heimat vertrieben gerichtsgesetz vermenschlichte das Strafen- Darum wird verordnet: 1. tägliche Freiübun- Strenge« des Jugendstrafvollzugs zu fühlen. haben, führte mich umher... Die jüngere Generation der jüdischen Einwanderer system, die immer häufigere Anwendung der gen 15 Minuten, tägliche Marsch- und Ord- In Jugendgefängnissen und Fürsorgeanstalten der dürfen die jungen Menschen nicht einmal ' strebt nach Verwirklichung der Eigen- Schutzaufsicht gab dem Rechtsbrecher eine nungsübungen» in Linie und Kolonne, heimidee. Jeder soll seinen Grund und Chance. Gleichschritt in Reih und Glied, das Einhal- miteinander leise sprechen. Kadavergehorsam, Boden haben, um von fremder Hilfe unabund der Abstände Das Dritte Reich hat mit diesen Refor- ten der Fühlung, der Duckmäusertum wird unter der Fuchtel des hängig zu sein. Der Gemeinsamdas Aufmarschieren, das Stockes erzeugt. Was Wunder, wenn die men gebrochen. Es führt den Strafvollzug an Seitenrichtung, keitsgedanke steht über allem; von 14 bis 21 Jahren Abbrechen und das Schwenken< dreißig Jugendkriminalität steigt, da man sich nicht er duldet keine Spekulation mit Land oder jungen Gefangenen wachsender Saat, sondern läßt den Ertrag( in Ausnahmefällen bis 24 Jahre), männ- Minuten. Das ist noch nicht das Ende. bemüht, die Ursachen des Straffälligwerdens der Arbeit allen zugute kommen... Das lichen und weiblichen Geschlechte in sech- Eine weitere halbe Stunde ist werk- zu verschütten. In Berlin steigt die Zahl der wackere Kolonistenvölkchen... zehn Anstalten durch. Es kommt dem Re- täglich dem Turnunterricht vorbehalten. Da von der Jugendgerichtshilfe erfaßten krimiDurch Intelligenz und Tatkraft der sind sie eingeborenen Bevölkerung gime dabei darauf an, den jungen Gefange- gibt es taktmäßige und nichttaktmäßige nellen Jugendlichen vom Jahre 1934 auf das zweifellos überlegen. Gewährte ihnen die nen» entscheidend zu beeinflussen« und ihn Freiübungen, Bodenübungen usw. Soweit der Jahr 1935 um 34 Prozent, in Hamburg um türkische Regierung denselben im Sinne des braunen Regimes zu einem Häftling dann noch über Freizeit verfügt, 50.6 Prozent, in Essen um 118 Prozent und Schutz und dieselben Vorteile der Volksgemeinschaft« darf er sie wie andern Völkern, dann würden sie be-» tauglichen Glied reitwilligst...< usw. Den selben Schutz- was würde der Autor zum Streicherstaat sagen, in dem die Juden froh wären, wann man ihnen irgen deinen Schutz gewährte? Denselben verlangen sie nicht einmal. in zur Erledigung seiner Schul- in Chemnitz gar um 138.9 Prozent. Eine Kontrolle der Jugendgefängnisse zu machen. Dazu braucht man Beamte für aufgaben und für Instandsetzungsarbeiten bedurch sogenannte Gefängnisbeiräte ist nicht den Aufsichtsdienst, die über die Festigkeit nutzen. verfügen, welche die Aufrechterhaltung von Es gibt aber im Jugendstrafvollzug auch möglich. Die Tragödien, die sich hinter diesen gewährleistet<.» Der Bücher, und zwar wird vor allem» auf Bücher Mauern abspielen, werden erst in einer viel Zucht und Ordnung junge Gefangene wird im Jugendstrafvoll- und Schriften< Wert zu legen sein,> aus späteren Zeit der Oeffentlichkeit bekannt über den Jugendzug mit gerechter Strenge in fester Zucht denen dem Gefangenen eine hohe Auffassung werden. Die Verordnung sich von deutscher Art, deutschem Volk und deut- strafvollzug verrät jedoch, daß der Geist von Der Antiquar sieht uns über die Schulter, gehalten, er muß lernen, hart gegen > Wissen Sie, von wem das Buch ist? Von selbst zu sein.<< Es wird den Gefängnis- schem Staat und von Recht und Sittlichkeit 1831 Auferstehung feiert, daß das Gefängnis Dem ist insassen im Dritten Reich die Erziehung zu- entgegentritt«. Daß hierbei die national- des Dritten Reiches die Jugendseele mordet. einem gewissen Sven Hedin. stb Hermann Walter. übrigens gerade die Ehrenplakette teil, die der Erziehungsberechtigte der Ge- sozialistischen Bücher den Vorrang worden. fangenschaft wegen nicht ausüben kann.< versteht sich am Rande.» Schrifttum, das die der Stadt Berlin verliehen Das heißt nach§ 1631 des BGB, daß den Volksgemeinschaft zersetzt, ist ausgeschlosJa er hat sie verdient. Sven Hedin! Aufsichtspersonen das Züchtigungsrecht zu- sen«. Das Dritte Reich hat keinen besseren auslän- steht. dischen Propagandareisenden als ihn, keinen, der sich so begeistert in Hitlers Staat» hineingeschaltet<< hat. Allerdings auch keinen, der schon vor Hitler, in der» verruchten Republike, so gute Geschäfte mit seinen Büchern machte. Sven Hedin läßt sich heute Er hat sie verdient.< haben, Die Haftform ist Ausdruck der ganzen Der Vorsteher hat im übrigen bezüglich Barbarei dieses Regimes. Angst einjagen, Resinnung gestattet, sich zwischen ihn und die Geldbeutel seines deutschen Lesepublikums zu stellen. Kurz nach Hitlers Abgang wird er, davon sind wir überzeugt, die Greuel in von> Kraft durch Freude< ebenso ausgiebig den Konzentrationslagern entdecken und bewegliche Worte über Klagelaute und Tränenströme finden.eb Sven Hedin schrieb 1917 an den Beginn seines eben zitierten Buches» JeruTeutonische Munterkeit Während die Gepäckmannschaften sich langsam der Stadt näherten und zum Abschluß auf dem Sportplatz einen Keulenzielwurf ausführten,» tobte« auf diesem Platz im wahrsten Sinne der Kampf. Es ging nämlich um die Vorentscheidung im Kampfball. Sven Hedin müßte 1937 rechtens hinzufügen: Erstaunlich, wie schnell sich dieses Spiel bei ... meines geliebten, ehrwürdigen Vaters, der SA durchgesetzt hat. Es ist rauh und ich diese Zeilen dem Andenken meines geliebten ehrwürdigen Vaters.< der mütterlicherseits von dem in Schweden herzhaft und manch einer von den eingewanderten Juden Abraham Brody herzschwachen Zuschauern alias Berlin abstammt, der also mit mußte hier und da einmal für ein meiner Mutter Rassenschande getrie- paar Sekunden wegsehen, bei den salem<< die Worte: ben hat und dessen Grab ich bespucke, so oft Krawatten und wilden Haufen, > Wehmut und Kummer im Herzen, die erst ich dem Dritten Reich meine Reverenz er- die da übereinanderliegen. also täglich. >> Preußische Zeitung« Nr. 115. mit meinem Leben enden werden, widme weise herumreichen wie seinerzeit den von Kulturschwarz- rot- goldenen organisationen, er hat dem Führer ebenso seine devote Aufwartung gemacht wie ehedem den meisten republikanischen Politikern von Rang und vorher dem Kaiser. Niemals hat er seiner jeweiligen GeHasard Hallo, hier, wer setzt nochmal Glück und Reichtum sind zu holen, Länder, Gelder, Erze, Kohlen, Ordenssterne ohne Zahl, nur heran! Wer setzt nochmal. Hallo, machen sie ihr Spiel, Goldne Schätze sind zu heben. Einsatz? Ein paar Menschenleben. Hunderttausend. Gar nicht viel. Munter! Machen sie ihr Spiel. Hallo, Schluß, die Kugel rollt, Menschen stöhnen unter Trümmern. Lustig! Laßt es euch nicht kümmern, wenn ihr euch sanieren wollt. Nichts geht mehr! Die Kugel rollt. Hallo Reinfall nächster Coup. Einsatz diesmal zwei Millionen, Noch ein Reinfall nur das bißchen Blut nicht schonen, los, schlagt zu. Kinder, Frauen nächster Coup. Hallo, jetzt ist's schon zu spät, um sich anders zu besinnen, glückt es euch nicht zu gewinnen, seid ihr fertig abgemäht. Zum Besinnen ist's zu spät. Hallo, weiter, drauf und dran! Wie? Die Welt droht sich zu wehren, droht den Spielsaal auszukehren und entzieht sich unserm Bann? Hilfe! Mitleid! Seht uns an, wenn das Spiel miẞlingt was dann? H- n H- n. man dem Jahre 1936 nicht das Jahr 1929 wie das schnöde Ausland immer wieder beDie heilige Quantität gegenüber? 1932 war der Krisenchock auf hauptet. Dann gings laut» Preußischer Zei>> Es sind auch noch niemals in Deutschland soviel Talente entdeckt worden wie heute; niemals ist soviel gebaut, gedichtet, komponiert und gemalt worden wie in den letzten vier Jahren und niemals hat eine über dem Künstler So großzügige staatliche Organisation als barmherziger Förderer gewaltet wie heute, ein Förderer, der ständig auf der Suche nach Talenten ist und sich jedes Talentes annimmt, das er nur finden kann.<< Woher weiß Göbbels, daß nie soviel geDas nennt ein gleichgeschaltetes Blatt dichtet worden ist? Hat er Buch geführt? eine> gründliche Antwort...< Aber zugegeben: Selbst Naziblättern wird es Der> Manchester Guardian<< hat gefragt, manchmal zuviel, so daß sie ob der hemwas denn an die Stelle der gedros mungslosen Dilettantenflut aufstöhnen. Richselten Kunst getreten sei! Das englische tig ist auch, daß der totale Staat je des Blatt fragt nach Qualitäten und das Talent kontrolliert, nur landet mancher im Das> Berliner Tageblatt< ver-» Berl. Tagebl.< antwortet mit Quantitä- KZ oder auf dem Index, weil er zu talensucht darauf zu antworten. Wie macht es ten, mit gefälschten sogar. In jedem Falle das? So wie jener Student im Examen, der kommt ein Großteil der angeführten Besusich auf die quantitativen Leistungen der cherziffern auf das Konto alter demokraoder neuer indifferenter Bienen präpariert hat und vom Professor tischer Produktion Wo braun unerwarteterweise über das Leben der Amei- Unterhaltungsware. gekunstet Mit einem kurzen Dreh wurde, sich das sen befragt wird. wirkliche wie der einfache springt der Prüfling doch auf die Massen- Kunstpublikum ebenso leistungen über und wartet mit eingepaukten Mann. Das haben deutsche Blätter bereits Ziffern auf. Das> Berl. Tagebl.< bringt gestehen müssen. Im übrigen: seit vier Jaheinziges Ziffern, die vermehrten Film- und Theater- ren besuch, gesteigerte Bücherproduktion usw. Werk von europäischem Brustmaß. beweisen sollen. Dabei stellt es die Zahlen Der> Manchester Guardia ne hatte dem Höhepunkte, 1936 erlebte dagegen das tung« weiter: im März die Kunst des Dritten Reiches un- deutsche Volk die Illusionen der Rüstungster die Lupe genommen und war zu dem konjunktur. Bei den seit 1932 angeblich Schluß gekommen, daß gegenüber dem leben- gestiegenen Gesamteinnahmen des deutschen digen, bunten Kunstleben der Weimarer De- Filmwesens fehlt der gesunkene Export! mokratie von einer lebendigen deutschen Welch eine Beweisführung:» Das Buch des Kunst heute nicht mehr gesprochen werden Führers,» Mein Kampf<, hat eine Auflagenkönne. Die deutsche Kunst vermöge wohl höhe von zweiundeinhalb Millionen über>> den Verlust der Freiheit, die übertriebene schritten...< Kunststück, wo jedes neuverBürokratie und die Ueberwachung der Ge- mählte Paar ein Exemplar schon auf dem danken zu überleben«, aber das Zusammen- Standesamt eingehändigt bekommt! klingen aller dieser Dinge müsse sie vernichten. Die liberale und die Aesthetenkunst sei im neuen Deutschland zwar ausgelöscht, aber selbst die Nazi hätten sich gefragt, was denn eigentlich an ihre Stelle getreten sei... bekreuzigte nicht ein * deutschländisches tiert ist. * Göbbels mußte sich in Danzig auch wieder mit dem Verbot der Kunstkritik herumschlagen, ein Zeichen, wie sauer den Despoten die Sache aufstößt. Im» liberalen Sinne<< sei sie allerdings abgeschafft, sagte der Verfasser eines der lächerlichsten Romane, aber dafür wird die Kritik von Berufenen ausgeübt, die das Fachverstehen besitzen, und das ist auch das einzige Mittel, das darauf wäre vor dem von 1932 denen von 1936 gegenüber. Wie in Diesem Ziffernrappel liegt offenbar eine das Richtige vom Unrichtigen zu unterscheiHitlerdeutschland amtlicherseits zusammen- neue Parole zugrunde, denn am 9. Mai hat den...< Diese wenigen» Berufenen<< gerechnet wird, das weiß jeder von den Wahl- sich bei einer Kundgebung in Danzig auch sind die braunen Zensoren. Zensur für FachBezirke mit einem Drittel Göbbels in die Quantitäten geflüchtet. Er kritik auszugeben Neinstimmen ergaben trotzdem 97 Prozent feierte die NSDAP als die» politische Kirche Reichstagsbrand auch niemand gekommen. Aber der Propagandhi übersieht eines für Hitler. Aber selbst wenn die Zahlen des des deutschen Volkes«, weshalb nationalso> Berl. Tagebl.<< richtig wären warum stellt zialistische Kunst eben keine Parteikunst sei, dauernd: es gibt in der neudeutschen Presse ziffern her. -O Man muß das ganze Volk fragen Aus den Großstädten und Industriegebieten werden in Sachsen die 14- und 15jäh- rigen Burschen von April bis Dezember in das Landjahrlager berufen. Diese Lager befinden sich fast alle im sächsischen Grenzgebiet. Wenn im Dezember diese Burschen dann aus diesen Zigeunerlagern zurückkommen, sind sie junge rauhe Kämpfer geworden, die sich mit ihren 15 Lebenslenzen bereits ihrer Aufgaben dem Volke gegenüber bewußt sind. So wenigstens predigen es die braunen Maulhelden. Die Eltern scheinen jedoch erheblich anderer Ansicht zu sein. indem sie ihre Jungens lieber zu Hause behalten als in das Landjahrlager stecken zu lassen. Landesbauemführer Körner hat in dieser Frage auf dem Bauemtag in Leipzig die Katze aus dem Sack gelassen. Er heulte darüber, daß die Landarbeiterfrage die schwerste Sorge der sächsischen Landwirtschaft sei und1 erklärte:»Wir haben auf diesem Gebiete alles nur Menschenmögliche von uns aus getan. Man muß hier das ganze Volk fragen: Seht Ihr denn nicht, wohin diese Entwicklung führt? Das ganze Volk muß hier zu einer anderen Haltung kommen gegenüber der Landwirtschaft!« Uns scheint, die Haltimg des Volkes hat andere Ursachen und wird kaum von den braunen Großmäulern noch zu ändern sein. Das Volk hat in den vier Hitlerjahren schon gelernt, die Entwicklung zu sehen. Wenn die braunen Bonzen eine wirkliche freie Wahl, ohne Terror, Wahlfälschungen und der üblichen Göbbelsschen Regiekünste starten lassen, dann lernen sie nicht nur die wirkliche Haltung des Volkes kennen, sondern müssen sich auch schleunigst ein Plätzchen suchen, wo sie bis zum jüngsten Tag emigrieren können, sofern sie der Volkszorn nicht zerstampft. Muftepschaff—»>vep- sdiuldetes Unglück« »Der§ 63 des Handelsgesetzbuches enthält die Bestimmung, daß dem Handlungsgehilfen auch dann der Anspruch auf Gehalt und Unterhalt zusteht, jedoch nicht über die Dauer von 6 Wochen hinaus, wenn er durch unverschuldetes Unglück an der Leistung der Dienste verhindert ist. In erster Linie gilt als Unglück eigene Krankheit. Sie ist unverschuldet, wenn sie bei normaler Lebensweise eintritt. Beachtlich ist aber die allgemeine Rechtsauffassung, daß bei der Beurteilung, ob die Krankheit verschuldet oder unverschuldet eingetreten ist, nicht streng verfahren werden soll. D. h. also, daß nicht jede Abweichung von der normalen Lebensweise als selbstverschuldet anzusehen ist, wenn sich daraus ein Krankheitsfall ergibt. Wir denken dabei beispielsweise an Krankheiten, die sich aus Sportbetätigungen ergeben können, und an ähnlich gelagerte Fälle.« »In(fiesem Zusammenhang ist aber darauf einzugehen, daß Schwangerschaft nicht als Unglück im Sinne des § 63 des HGB anzusehen ist. Das Reichsarbeitsgericht hat sich mit dieser Frage in seiner Entscheidung vom 27. Juni 1932(RAG 226/32) beschäftigt. Es handelte sich um eine unverheiratete Kontoristin... Nicht außer acht gelassen werden darf außerdem eine andere reichsgerichtliche Entscheidung, die besagt, daß auch Schwangerschaft der verheirateten Frauen nicht ohne weiteres als unverschuldetes Unglück im Sinne des 5 63 HGB zu betrachten ist(Urteil vom 19. März 1932, RAG 526/31)... Nun darf allerdings keinesfalls angenommen werden, wie naheliegend das zunächst auch für den Laien sein mag, daß diese Grundsätze, die zu der vorstehend erwähnten Entscheidung im Falle der Klägerin führten, aus»moralischen« Erwägungen etwa durchdrangen. Ein moralisches Urteil steht hier nicht in Frage und soll dabei gar nicht gefällt werden(Im Original gesperrt). Vielmehr ging die Rechtsprechung davon aus, daß die Klägerin ihre Verpflichtungen dem Arbeitgeber gegenüber fahrlässig verletzt habe... Zugegeben werden muß, daß die sich aus dieser reichsarbeitsgerichtllchen Entscheidung ergebende herrschende Rechtsauffassung bei den von ihr Betroffenen heute noch oft auf Befremden stößt... Daß dieses nachträgliche Wirksamwerden der Kündigung ein bedeutender Mangel des Gesetzes und die Ursache zu einer großen Rechtsunsicherheit ist, kann leicht eingesehen werden... Maßgebend wird sein, ob durch den Tatbestand der außerehelichen Schwangerschaft die Interessen des Betriebes geschädigt werden«... Denn der Betrieb ist ja die wahre »Volksgemeinschaft«.(Die Frau am Werk, Berlin. Nr. 7, 1. Jg.) Das ist die Konsequenz des NS-Sklaven- stalles, der von einer dienstbereiten Justizhure schon 1931 vorbereitet wurde: einerseits Rassengestüte, andererseits geschlechtslose Ameisen- Arbeiterinnen. Braunes Ehcredit Behandlung von»Bolschewisten«-Ehen im Dritten Reich »Der Vorsitzende des Familienrechtsausschusses der Akademie für Deutsches Recht hat der Oeffentlichkeit die von dem Ausschuß durchberatenen Vorschläge zur Neugestaltung des deutschen Ehescheidunsrechtes übergeben... Das Entscheidende und ausschlaggebende Neue, das der Vorschlag gebracht hat, Ist: Grundlage einer Scheidung soll nicht mehr ein etwaiges Verschulden der Ehegatten, sondern die»objektive Zerrüttung« einer Ehe sein. In bestimmten Fällen kann eine Entscheidung auf Antrag des Staatsanwaltes erfolgen... Ehebruch, Lebensnachstellung sollen keine-Gründe mehr sein, bei deren Vorliegen die Ehe ohne weiteres geschieden werden muß, v i e 1 m e h r... ist eine Ehe dann zu scheiden, wenn die Ehe des sittlichen Gehaltes entbehrt, und zwar derart, daß daraus der Volksgemeinschaft ein erheblicher Schaden erwächst. Solche Fälle sieht der neue Vorschlag als gegeben an,...wenn die Ehegatten unter dem Schutz ehelicher Gemeinschaft kommunistische Propaganda treiben.(Wobei zu beachten ist,, daß es im Dritten Reiche auch katholische, evangelische, sozialdemokratische und deutscbnationale»Kommunisten« gibt.) Der Vorschlag sieht in diesen Fällen die Zerrüttung deshalb für gegeben an, weil eine solche Ehe sich in»dauernden Widerspruch setzt zu dem Begriff der Ehe als einer auf sittlicher Grundlage(der»Lebensnachstellung«, siehe oben) beruhenden Gemeinschaft«. In solchen Fällen kann auch gegen den Willen der Ehepartner eine Ehe geschieden werden. Die Feststellung, ob eine»objektive Zerrüttung« der Ehe gegeben ist oder ob die Ehe ihres sittlichen Gehaltes entbehrt und der Volksgemeinschaft ein Schaden erwächst, ist damit in die Hand des Richters gelegt.«(»Die Frau am Werk«, Zeitschrift für die werktätige Frau Inder DAF, Berlin, 1. Jahrg., Nr. 7, Seite 131.) Was ins Deutsche übersetzt heißt: erschlagen dürft ihr euch, solang kein»Wirbel« entsteht; aber das Verteilen von Flugblättern und Flüsterwitzen»entbehrt des sittlichen Gehaltes«, der bei»Lebensnachstellung« und Ehebruch immer noch angenommen werden kann; zumal doch ein SA-Mann oder NS- Bonze der lachende Dritte eines Ehebruchs sein könnte, also der Volksgemeinschaft geradezu ein Nutzen erwächst. Deutsdiland, ein Paradies für alle„alten Kämpfer" Da sage man, daß Hitlerdeutschland keine »volkstümliche« Justiz habe! Soeben berichtet die einstmals kommerziell so ehrbare »Kölnische Zeitung«, daß ein deutsches Amtsgericht in Remscheid»für Recht erkannt« habe, daß kein arischer Ehemann— erst recht nicht, wenn er gar eingeschriebenes Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei ist— für die Schulden seiner Frau zu haften hat, die sie bei einem Jüdischen Kaufmann macht. Sonst muß nach dem BGB der Mann zwar die Schlüsselgewalt seiner ehelichen Hälfte In Haushaltsdingen unbedingt anerkennen. Kauft die aber jetzt den Schweinebraten bei einem Metzger der verworfenen jüdischen Rasse oder läßt sie sich Dauerwellen von einem Friseur andrehen, der außerdem noch Zionist ist— nein, dann ist so ein»alter Kämpfer« fein heraus! Das Bezahlen hieße nämlich nach genanntem Amtsgerichtsurteil gegen das»gesunde Volksempfinden« verstoßen! Und deshalb braucht sich kein deutscher Mann auf solche Praktiken, die nur von diesem jüdischen Krämergeist letztlich ausgehen, einzulassen. Wir glauben, das ist der Idealzustarid schlechthin, den neunundneunzig Prozent aller»alten Kämpfer« Hitlers— Göring, den heutigen Millionär mit eingeschlossen—• immer herbeigesehnt haben! Die aufgenordete Loreley Der Verlagsbuchhändler Otto Wober in Leipzig empfiehlt den deutschen Botriebs- führern wärmstens seine»G e m e i n- schaftsgesänge«. Auf braunes Papier gedruckt, Stück für Stück'n Dreier, für den 1. Mai und ähnliche Nationalfesttage besonders geeignet. Ein Bierlied z. B., dem Met und dem altergermani sehen Ochsenhom gewidmet, klingt in dem Verse aus; »Wie doch in goldenen Stunden das Bier zu Helden uns macht! Dem Weisen, der es erfunden, sei unser Dank gebracht!« Die Dichtung hält sich durchaus auf dem Niveau des erneuerten Brauchtums. Aber ach, dem Verleger ist ein Schnitzer unterlaufen, der mit Bier gamioht abzuwaschen ist. Durch verschiedene deutsche Blätter geht der Ent- rüstungaschrei: »Wie tief Otto, der Weber, in den Sinn des nationalen Feiertages der deutschen Arbeit eingedrungen ist, beweist er überdies auch mit der Aufforderung, besagtes Bierlied nach der Melodie der semitischen Lo- roley des Herrn Heine zu singen!« Hier hört allerdings der Spaß auf. Die Lo- reley singen, sei es auch mit verbessertem Text— pfui Teufel! An diesem von der Reichsschrifttumskammer zugelassenen Verleger aus Leipzig kann man wiedermal sehen, was der Jud Heine getaugt hat. Die beste Demokratie Tapfer im Bekennen, wie sie nun einmal sind, beschweren sich die Naziblätter dauernd darüber, daß Hitlerdeutschland mit Diktaturstaaten in einen Topf geworfen wird. Neuerdings klagt die»Preußische Zeitung«(Nr. 103): »Das ist nun der Hauptfehler Edens und so vieler anderer Engländer, daß sie sich diesen Sammelbegriff»Diktaturen« zurecht gemacht haben. Da werfen sie dann den Nationalsozialismus und den Faschismus mit dem Bolschewismus In einen Topf und meinen dann, sie hätten die Bildung»Ideologischer Blocks« in Europa verhindert..,. Adolf Hitler ist kein Diktator, sondern ein Volksführer, der in einem Maße das Vertrauen seiner Volksgenossen hat wie auch nicht ein einziger Regierungschef In irgendeinemder»demokratisch« regierten Länder.« So groß ist das Vertrauen der Volksgenossen, daß freie Wahlen nicht mehr vorgenommen werden brauchen, zumal sie die Volksmeinung doch nur unvollkommen widerspiegeln würden. Die Presse mußte geknebelt und ein allgemeiner Maulkorb mußte verhängt werden, weil sich sonst die allgemeine Begeisterung für das Hitlersystem allzu lärmend austoben würde. Und die Betriebswahlen mußten abermals verschoben werden, weil das Votum für das braune System ja doch voraus zu sehen ist und die Unkosten all so überflüssig sind. wirklich eine Kunstkritik, soweit es sich nämlich um Auslandskunst handelt. Da darf gelobt oder heruntergerissen Werden, je nachdem, wie der Autor zum Dritten Reich steht Hei, wie da mancher französische oder amerikanische Film durch den Tfairnr. gezogen wird! Da dürfen sogar die Dreißigjährigen losdreschen, da gilt Göbbcls rührendes Argument, das mit der Kritik ein Genie erschlagen werden könnte, plötzlich nicht mehr. Lockert den Kulis die Maulkörbe, es geht gegen das Ausland! Altes. beliebtes Rezept aller Despotien. Knallerbsen Xm Aprilheft der»Völkischen Frauenzeitung« konnte man lesen;»Witze sind gut. Witze sind notwendig. Vor allem jedoch sind Witze dazu da, typische Zeitkrankheiten lächerlich zu machen oder gutmütig zu belächeln oder mit mehr oder weniger harmlosem Lachen auf die Menschen hinzuweisen, die sich dem— gesunden— Zeitgeist widersetzen.« In der Schweiz sitzt Curt Götz, In Wien der bekannte Regisseur Reinhold Schünzel. Beide denken über den Hamur des Dritten Reiches nach und sind froh, mit heiler Haut davongekommen zu sein... Es handelt sich um den Film»Hof löge«. Ein alter Stoff. König und Königin müssen ein Attentat befürchten und schmuggeln in die Hofloge der großen Oper je einen männlichen und einen weiblichen Doppelgänger.— Der durchaus nicht rassenreine Wiener Farkas machte einst ein Lustspiel daraus, Götz ein Drehbuch, da.« vom Propagandaministerium für die Tobls genehmigt wurde. Der Berliner Probevorführung folgte das Verbot auf dem Fuße. Begründung: Persiflage des Dritten Reiches und des deutschen Militarismus- Götz und Schünzel waren während der Arbeit offenbar wirkliche Einfälle gekommen. Mit Hellebarden und Stiefeln bis über die Obren marschiert eine Leibgarde des Landes Irgendwo im Stechschritt auf. Ein Mann findet Knallerbsen in der Tasche und wirft sie zum Fenster hinaus, als ein Minister vorbeifährt. Sofort rasseln Tanks herbei, fahren Maschinengewehre auf. Ein königlicher Zensor wird milde verulkt. Das ist alles. Aber nicht einmal die paar Knallerbsen konnten die braunen Oberbonzen vertragen. Lieber ließen sie 1,4 Millionen Mark Aufwandskosten flöten gehen. Glaubt jemand, daß Schünzel und Götz einiger gewagter Witze wegen Stellung, Kopf und Kragen riskieren wollten? Nein. Sie hielten die Späße ganz richtig für harmlos. Vielleicht auch dachten sie an jenes Wort, das Göbbels einst seinen Zeitungsleuten versetzte:»Ja, meine Herren, mehr Mut, als sie haben, kann ich ihnen nicht geben.« Ein Journalist, der den Edlen beim Manneswort zu nehmen suchte, mußte dafür ins KZ. »Die Witze wollen und können wir nicht entbehren. Aber zeitgemäß sollen sie sein — oder Uberzeitlich. Wir wollen lachen, nur gelingt es uns beim besten Willen nicht, den zerstreuten Professor, die kecke Zofe und den geizigen Schotten zum 387. Male komisch zu finden«, schreibt obige braune Frauenzeitung. Ja um Wotanswillen, was denn sonst dürfen sie drüben noch komisch finden? Zwei Regisseure haben versucht, ein wenig überzeitlich zu sein und über den zerstreuten Professor oder Tantes Mops hinaus zu kommen. Zwei Regisseure mußten eilends ins Ausland flüchten und denken dort über ein paar überzeitliche Einfälle nach, die selbst Glaßbrenner noch Im Vormärz publizieren durfte und über die in allen Ländern gelacht werden darf, nur in Deutschland nicht. So stark ist das Dritte Reich. Sackhüpfen »Die Arbeitskameraden der Gauleitung der NSDAP feierten den 1. Mai in traditioneller Weise in der Gauführerschule Rippen. .... Als Attraktion des Tages war das Sackhüpfen der Gauamtsleiter anzusehen. Allerdings war hier ein endgültiger Sieger nicht zu ermitteln, da bei dem Endspurt der Siegerkandidaten sich adle »Hüpfer« auf der Erde wälzten.« »Preußische Zeitung« Nr. 121. Der Gipfel aller Greuel... Sogar Thomas Mann durfte früher im deutschen Rundfunk auftreten. »In den Archiven der deutschen Reichssender befinden sich noch zahlreiche Bild- und Schriftdokumentc aus jener Zelt, in der den Hörern Gedichte und Novellen eines Kerr, Heinrich und Thomas Mann und wie die ausgebürgerten jüdischen Emigranten und Landesverräter alle heißen, als Kostproben»deutscher« Kunst vorgesetzt werden konnten.« In einem Artikel der»Schlesischen Monatshefte— Zeitschrift für nationalsozialistische Kultur des deutschen Südostens« (Aprilheft ds. J.) über den Breslauer Sender und dessen glorreiche Wirksamkeit unter Hitler, wobei besonders zu berücksichtigen wäre, daß jetzt sein Intendant— jawohl Intendant— der frühere»Führer« der nationalsozialistischen Rundfunkhörerorganisatiton und»Gauf unkwart«, ein bankrotter kaufmännischer Vertreter namens Kriegler— nach der Austreibung der»Marxisten«— geworden ist. Es geht aufwärts Gewiß, um den deutschen Wohnungsbau ist es schlecht bestellt. Aber wer da glaubt, es würden nur Kasernen und Parteipaläste errichtet, der irrt sich. Die ostpreußischen Blätter z. B. melden stolz: »In Tilsit soll der Um- und Erweiterungsbau des Gerichtsgefängnis- s es fertiggestellt werden. In Inster- b u r g wird der Erweiterungsbau für die Justizbehörden fortgesetzt und es kommt die Aufstockung des alten Baues hinzu. In Treuburg ist der Beginn des Neubaues eines Geschäfts- und Gefängnisgebäudes für das Amtsgericht vorgesehen. In Alienstein werden die inzwischen begonnenen Um- und Erweiterungsbauten für das Land- und Amtsgericht fortgesetzt, wofür ebenfalls neue Mittel bereitgestellt worden sind. In Wartenburg ist der Beginn eines Ausbaues der Strafanstalt vorgesehen. In S t u h m wird der Erweiterungbau beim Stuhmer Zentralgefängnis weiter fortgesetzt. Und Ostpreußen ist nur ein kleiner Teil des großen Dritten Reiches. Deutschland wird immer schönerl• Die Minder- Entlohnten Lohnentziehung an Schwerbeschädigte Der Hachsarbeitami nister äußert sich im »Völkischen Beobachter« wieder einmal über Wesen und Ziel der nationalsofzialistischen Sozialpolitik. Die Sozialpolitik sei im Gegensatz zu früher nur auf die Volksgesamtheit abgestellt und das Wort von der Gemeinschaft gewinne gerade im Bereich des Sozialen tiefen Sinn und letzte Bedeutung. Wenn diese letzte Proklamation nicht nur Schaumschlägerei wäre, dann müßte»das neue Deutschland« seine Ehre darein setzen, vor allem den körperlich behinderten Arbeitern oder den körperlich schwächlichen Menschen einen erhöhten sozialen Schutz ange- deihen zu lassen. Die Praxis ergibt das Gegenteil. Seit Hitlers»sozialer Erneuerung« ist mit den Schwerbeschädigten und den nach der Nazi- Gesetzgebung»Minderentlohnten« noch nie derartig Schindluder getrieben worden, wie in der neuesten Zeit. Der Schwerkriegsbeschädigten war durch Gesetz, im Falle der Erkrankung nicht nur die Fortzahlung des Lohnes, sondern auch die Erhaltung des Arbeitsplatzes zugesichert worden. Diese Bestimmung war ebenso zwingendes Recht, wie die Gehaltszahlung im Krankheitsfall an die Privatangestellten. Aber im Dritten Reich ist heute jedes soziale Recht abdingbar geworden. Wozu gäbe es denn eine Nazi-Rechtsprechung. Da hatten einige erfinderische Volksgenossen Unternehmer für die vielgerühmte Betriebsordnung nämlich folgende Klausel erdacht: »Der Lohn wird nur für wirklich geleistete Arbeitszeit bezahlt.« Es findet sich auch sofort das Landesarbeitsgericht Köln, um einen in seinem gesetzlichen Lohnanspruch geprellten Schwerbeschädigten mit seiner Das L.-G. erklärt, daß dem Unternehmer durch pflicht des Lohnes eine wird, die sich»hart« sten Lohnbetrugs eine Gemeinnützigkeit ihrer Ausbeuter vortäuschen möchten. Es gibt für diese Methode noch nicht einmal irgendwelche Rechts begriffe, was unter Minderleistungsfähigkeit zu verstehen ist. Es gibt nach den eigenen Aussagen der Nazis genug Betriebsführer, die bei einem 40- jährigen Arbeiter bereits ein»hohes Alter« vorfinden. Der Begriff Krankheit und Invalidität ist nicht minder auslegungsfähig. Das alles definiert der Unternehmer nach seinem Ermessen. Die Unterhaltung mit dem von ihm ernannten Vertrauensrat bleibt eine Farce. Seit wann lassen sich Sklavenhalter von einem Gremium ihrer Sklaven beeinflussen? Die ganze Einrichtung der Minderleistungsfähigen ist um so bedeutungsvoller, als bekanntlich die Freizügigkeit der Arbeiter praktisch aufgehoben ist. Die Arbeiter sind an den Betrieb gebunden und werden in den Diensten ihres Betriebsführers älter. Diese alten Gefolgschaftsmitglieder müssen sich, wenn sie ein»hohes Alter« erreicht haben, gefallen lassen, daß eine neue Arbeitsteilung vorgenommen wird. Ihre bisherige Funktion wird jüngeren Arbeitern übertragen und sie rücken in die Gruppe der Minderentlohnten ein. Da heißt es so schön: »Die Behandlung der alten Gefolgschaftsmitglieder ist also ganz besonders durch die Fürsorgepflicht des Betriebsführers umrissen.« Diese unsoziale Waffe gibt das Hitlerregime ausgerechnet den Großgrundbesitzern in die Hand. Die DAK bringt an anderer Stelle eine Polemik gegen die Monatsschrift »Deutschlands Erneuerung«, in der die Großgrundbesitzer bestritten hatten, daß die Latifundien eine Gefahr für das Volk bedeuten. Plötzlich entdeckt die Arbeitsfront, daß man die Katze aus dem Sack gelassen hätte, und sagt: »Diese Politik kann nicht vorübergehen an dem schreienden Mißverhältnis, daß 0.44 Prozent aller Eigentümer von Grund und Boden fast ein Drittel des gesamten in privater Hand befindlichen Bodens besitzen. Das ist eine Fläche, auf der eine Million Bauemfamilien die Lebensgrundlage des deutschen Volkes vergrößern könnten.« Dieser Propagandaartikel gegen die Erhaltung der Fideikommisse soll vortäuschen, daß den Nazis das Wohl der Landarbeiter am Herzen liege. Gleichzeitig aber wird dieser Sippe das Landproletariat mit der Tarifbestimmimg von der zulässigen willkürlichen Minderentlohnung mit Haut und Haar ausgeliefert. Diesem Großgrundbesitz ruft die DAK heuchlerisch zu: »Ein Führertum aber, das rein im Blut ist, geht unter, wenn es nicht anderseits die Möglichkeit hat, auch wirtschaftlich und gesellschaftlich auf einer Höhe zu stehen, daß es in der Lage ist, ständig den Anforderungen gerecht zu werden, die Staat und Volk an dieses Führertum stellen.« Uns will scheinen, als träfe diese Perspektive des Unterganges nicht nur auf die Großgrundbesitzer, sondern auch auf die ihnen dienenden Nazi-Großmäuler zu. ohne jeden Einfluß auf den Konsumverebi sind und daß ihnen ihr Eigentum von den Nazis geraubt worden ist und jetzt systematisch zerstört wird. Da der Masseüaustritt durch Terror immöglich gemacht wird, bringen die Mitglieder die Konsequenz dieser wachsenden Erkenntnis auf anderem Wege zum Ausdruck. So ist der Kaufstreik eine sich noch immer ausbreitende Erscheinung. Auch der letzte Geschäftsbericht muß wieder einen sinkenden Umsatz melden, obwohl das Jahr 1936 nach den amtlichen Versicherungen ein starkes Abfallen der Arbeitslosigkeit und ein beträchtliches Steigen des Arbeitskonsums gebracht haben soll. Es betrug der Umsatz des Konsumvereines: 1936. 1935. 1934. 1933. 1932. Seit 1932, Klage abzuweisen. mit diesem Gesetz die Fortzahlungs- Last aufgebürdet auswirken müsse. Welche soziale Anarchie bedeutet es, wenn heute in Deutschland ein gesetzlicher Lohnanspruch einfach durch die vom Betriebsführer diktierte Betriebsordnung aufgehoben werden kann. Der Schwerbeschädigte durfte im Krieg sein Leben und seine Gesundheit der Gesamtheit opfern und für den Unternehmer ist es»hart«, für einige Wochen Lohn an den erkrankten Arbeiter zu bezahlen. So sieht die»nationale Moral der Nazi-Volksgemeinschaft« im Arbeitsleben aus. Es handelt sich aber nicht nur um einen Einzelfall, sondern um ein System. Der Nazi-Grundsatz von der Minderentlohnung ist heute als Zeichen der»nationalsozialistischen Sozialpolitik« allgemein zur Einführung gelangt. Eine typische Formulierung für diesen Lohnbetrug enthält die Tarifordnung für Land- und Forstarbeiter in Brandenburg. Dort heißt es: »Gefolgschaftsmitglieder, die Infolge Krankheit, hohen Alters oder Invalidität minderleistungsfähig sind, können unter den Lohnsätzen dieser Tarifordnung entlohnt werden. Die Minderentlohnung richtet sich nach dem Grad der Minderleistungsfähigkeit. Sie wird auf Grund einer Beratung im Vertrauensrat vom B e t r i e b s f üh re r festgesetzt und ist vom Betriebsführer in jedem Falle sofort dem Reichstreuhänder schriftlich anzuzeigen.« Die DAK hat den traurigen Mut, diesen asozialen Zustand unter der Ueberschrift »Wahre Arbeitskameradschaft zwischen landwirtschaftlichem Betriebsführer und seiner Gefolgschaft« zu verteidigen. Die Minderentlohnung, so meint dieses Verräterblättchen, sei ja nur eine Kannbestimmung, als wenn für den Unternehmer diese Ermächtigung nicht genügte, um seinem Arbeiter den Anspruch des vollen Lohnanspruchs zu rauben. Außerdem, so wird argumentiert, wäre die Lohnkürzung sofort dem Treuhänder zu melden, der sie innerhalb zweier Monate aufheben kann. Derselbe Treuhänder, der diese Schand- Tarifverordnung genehmigt und sanktioniert hat, sollte sie aufheben, wenn der Unternehmer die ihm wichtigen Bestimmungen ausnutzt? Die Arbeitsfront macht aus der schlimmsten Ausbeutungsklausel noch eine gemeinnützige Tat und schreibt; »Jeder landwirtschaftliche Betriebsführer muß sich darüber klar sein, daß die Minderleistungsklausel nicht irgendwelchen privatwirtschaftlichen Interessen dienstbar gemacht werden darf.« x Die Nazis scheinen die deutschen Arbeiter immer noch für reichlich dumm zu halten, wenn sie ihnen angesichts dieses schlimm- Hitlers Spuren in der deutschen Sozialversicherung Die Arbeiter sollen für die Opfer der Fabriksdiinder bezahlen Fast unmittelbar nach unserer Veröffent- lichung in der vorigen Ausgabe des»Neuen Vorwärts« über die bestürzende Vermehrung der Fälle von schwerer Berufskrankheit im Dritten Reich hat der Reichsarbeitsminister den Redaktionen der Fachpresse— wir entnehmen die Angelegenheit beispielsweise der letzten Nummer der»Deutschen Medizinischen Wochenschrift«— folgende Information, die das üble Kapitel von wiederauferstandener Staublunge und Bleivergiftung des arbeitenden deutschen Menschen noch weiter illustriert, übermittelt: »Am 1. 4. ist eine Neuregelung der Berufskrankheitsentschädigung in Kraft getreten. Neu entschädigt werden die schweren Asbeststaublungen und gewerbliche Hauterkrankungen, die zum Wechsel des Berufes usw. zwingen, sowie Erkrankungen an halogenlsierten Koh- lenwasserstoffes der Pettreihe. Die neu einbezogenen Erkrankungen werden auch rückwirkend erfaßt, sofern die Erkrankung nach dem 3 0. I. 33 aufgetreten ist.« Man muß sich das Datum besonders merken, von dem ab den deutschen Sozialhygie- nikem und Versicherungsbehörden Gewissensbisse zu haben nunmehr reichsministeriell vorgeschrieben wird! Denn schließlich ist ja wohl eine schwere Asbeststaublunge eine Asbeststaublunge, ob sie nun vor dem berühmt-berüchtigten Tag der»Machtergreifung« Hitlers erworben worden ist, öder n a ch ihm. Nur— gab es sie überhaupt noch vor dem»Aufbruch der Nation«, wenigstens in solcher Zahl und Schwere, daß sich die Behörden davon beunruhigt fühlen mußten? Das scheint auch von den Hitlerbehörden verneint zu werden, wenn das gewählte »rückwirkende« Datum überhaupt einen Sinn haben soll. In der Tat braucht man sich ja auch nur die hier angezogene Berufserkrankungsliste, deren Dringlichkeit für die neugeregelten Fürsorgemaßnahmen herausgestellt wird, genauer anzusehen: Es sind die typischen Erkrankungen, denen der moderne Rüstungssklave in den Prozeduren mit Giftsäuren und Todesgasen ausgesetzt ist. Mag sein, daß däs jetzt die große»Konjunktur« in der ganzen»zivilisierten« Welt ist; aber— wer in der Welt hat den Anfang damit gemacht und damit die Schuldfrage von vornherein und mit voller Ueberlegung auf sich genommen? Wer vor allem hat seine Kriegsvorbereitung von den ersten Anfängen an an die totale Versklavung seiner schaffenden Menschen, an ein soziales Schreckensregime sondergleichen in der Geschichte geknüpft? Die Antwort kennt jeder: das System, das am»30. I. 33«, dem historischen Stichtag für deutsche Asbestlungen, Europa in seinen gegenwärtigen Zustand stürzte... Und dabei— wohlgemerkt!— auch noch alles ruiniert, was sie selbst als den besonderen Inhalt der»vierzehn Jahre der Schande« zu buchen gewohnt sind: vor allem Deutschlands früher vorbildliche Sozialversicherung. Denn es ist ganz klar, daß die sozialpolitischen Zustände der Hitlerei, die gewaltige Kürzung des Realeinkommens der Arbeiter, ihre Hintenherum-Besteuerung, die abnorm gesteigerte Industrieunfallziffer, die Vermehrung der schlimmsten Berufskrankheiten auf das doppelte, unmittelbar auf das ganze Gefüge der mannigfaltigen sozialen Einrichtungen in destruktivster Weise drük- ken. Kein Wunder also, wenn zum Beispiel die»Soziale Praxis« im selben Zusammenhang, in dem sie die rein statistische Feststellung ungeheuerlicher Industrieunfallhäufigkeit für das Dritte Reich trifft(Heft 15 ds. Jgs.), gleich anschließend frank und frei erklärt, daß es ihr immer mehr »deutlich wird, daß eine endgültige Sanierung(der deutschen Sozialversicherung) ohne Beitragserhöhungen in den Rentenversicherungen nicht erreicht werden kann«. Das Dritte Reich ist also" gehalten, eine Art Sonder, und Ausnahmesteuer für alle Arbeitenden einzuführen, um halbwegs seinen Verpflichtungen gegen die Opfer seines»deutschen Sozialismus« nachkommen zu können! Mit anderen Worten: die Proleten haben ihre eigenen Krücken und Prothesen, die sie sich auf dem»Felde der Ehre« und der Arbeit erwerben, selbst zu bezahlen. Auch der Brettersarg nach den»Kameradschaftsabenden« ist mit nichten gratis... H. E. Zahlen beweisen! Wie gründlich es die Nationalsozialisten verstehen, selbst die wirtschaftlich und finanziell gesündesten Unternehmungen der Arbeiterschaft zugrundezurichten, dafür gibt die Entwicklung des Konsumvereins Leipzig- Plagwitz einen drastischen Beweis. Dieser Konsumverein war einmal einer der stärksten und besten. Bisher ist er der Auflösung nur entgangen, weil sich die frühere Verwaltung bei der Etablierung der Hitlerdiktatur mit einer Geschwindigkeit gleichschaltete, gegen die selbst Hexerei nichts ist. So sehr sich nun aber auch die vernazite Verwaltung bemüht, in den früher sozialdemokratisch gesinnten Konsumvereinsmitglie- dem die Illusion zu erhalten, daß der Kon sumverein noch immer ihr Unternehmen ist und daß sich seine Bedeutung und sein Wo sen nicht geändert hätten, so wenig kann Z verhindern, daß sich mehr imri u Erkenntnis durchsetzt daß rr J"6 r die ' �od>ral>laH Herausgeber: Ernst Sattler; verantwortlicher Redakteur: Wenzel Horn; Druck:»Graphla«; alle in Karlsbad. Zeitungstarif bew. m. P. D. ZI. 169.334/VII-1933. Printed in Czechoelovakia. Kontrollpostamt; Poätovni üfad Karlovy Vary 3.— Aufgabepostamt Karlsbad 3. Der»Neue Vorwärts« kostet Im Einzelverkauf Innerhalb der CSR Kö 1.40(für ein Quartal bei freier Zustellung Kö 18._). Preis der Einzelnummer Im Ausland Kö 2—(Kö 24.— für das Quartal) oder deren Gegenwert in der Landeswährung(die Bezugspreise für e��Kltomera':A'Sinien i Be'glen: Belg. Frs.2.45(29.60), u,)• Danzig Guld. 0.45 (5.40), Deutschland Mk 0 25 � Estland mSrS"SÄÄTi. SS, d l— fSt f1"8- 1-50<18—). Großbritannien lien I � Holland Gld. 0.15(1.80), Ita- (54_ i"T A?(13.20), Jugoslawien Din. 4.50 n«««7® tland Bai- 0.30(3.60), Utauen Lit. 0-55(6.60). Luxemburg B. Frs. 2.45(29.50), Norwegen Kr. 0.35(4.20), Oesterreich Sch. 0.40(4.80), PaläsUna P. Pf- 0.020(0.216), Polen Zloty 0.50(6.—), Portugal Esc. 2.— ')• Rumänien Lei 10.—(120.—), Schweden Kr. 0.35(4.20), Schweiz Fh-s. 0.30(3.60), Spanien Pes. 0.70(8.40). Ungarn Pengö 0.35 (4-20). USA 0.08(1.—). Einzahlungen können auf folgende Postscheckkonten erfolgen: Tschechoslowakei: Zeitschrift»Neuer Vorwärts« Karlsbad. Prag 46.149. Oesterreich:»Neuer Vorwärts« Karlsbad. Wien B-198.304. Polen;»Neuer Vorwärts« Karlsbad. Warschau 194.797. Schweiz:»Neuer Vorwärts« Karlsbad. Zürich Nr. VIII 14.697. Ungarn: Anglo-Cechoslovaklsche und FTager Credltbank Filiale Karlsbad. Konto»Neuer Vorwärts« Budapest Nr. 2039. Jugoslawien: Anglo-Cechoslovakische und Prager Credltbank. Filiale Belgrad. Konto»Neuer Vorwärts*. Beograd Nr. 51.005. Genaue Bezeichnung der Konten ist erforderlich.