Neuer Vormärts Gozialdemokratisches Wochenblakk Verlag: Karlsbad, Haus„ Graphia" Die Anklage Das internationale Verbrechen des braunen Systems. pressed Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Nr. 207 SONNTAG, 30. Mai 1937 Aus dem Inhalt: Hitlers Generale Wo steht Jugoslawien? Deportierte Arbeiter Brauner Schweinemord Hitlerflieger vor Gericht Todesurteile in Bilbao Hitler droht mit Repressalien Das republikanische Spanien trägt zum zweiten Male seine Anklagen gegen die faschistischen Angreifer vor den Völkerbund. Im Dezember 1936 ist es den Diplomaten der Westmächte noch gelungen, die Anklage in eine allgemeine Anklage zu In Bilbao sind zwei deutsche Flieger, die verwandeln und zu verhindern, offen aus- an den Luftangriffen gegen die baskische zu sprechen, was alle Welt wußte. Heute Republik teilgenommen haben, vor Gericht können alle diplomatischen Bemühungen gestellt worden. Sie sind unter der Anklage nicht mehr verhindern, daß die Schuldigen der Rebellion und des Mordes zum Tode vermit Namen genannt, daß sie angeklagt urteilt worden. und mit niederschmetternden Beweisen Der erste der Angeklagten, Hauptihrer Verbrechen gegen das internatio- mann Kienzle, sagte aus: nale Recht, gegen Leben und Freiheit eines Volkes, gegen die Menschlichkeit angeklagt werden. Diesmal nimmt sich das Opfer des Angriffs das Recht, das das elementarste Recht des Angegriffenen sein sollte: zu sagen, daß es angegriffen worden ist. Daß die Völkerbundsdiplomatie es bis jetzt als ihre Aufgabe angesehen hat, das Opfer vom Gebrauch dieses elementarsten Rechts abzuhalten, ist das schändlichste Kapitel in der Geschichte des Völkerbundes. Besser ist es, seine Ohnmacht zu gestehen, als Recht und Wahrheit zu vergewaltigen und damit die moralische Grundlage der Völkerbundsidee zu zerstören. einem zer>> Wir haben eine Menge über Spanien gehört und gelesen, daß alles in großen Durcheinander wäre, Kirchen stört, Nonnen ermordet, und wir haben Photographien in den Zeitungen gesehen. Nachdem die deutsche Regierung General Franco anerkannt hatte, fürchteten wir ungünstige Konsequenzen für Deutschland, wenn General Franco nicht siegen würde. Bevor ich nach Spanien kam, wußte ich nicht, daß die republikanische Regierung existiert, da ich in den Zeitungen nur von Unordnung auf der Seite der Regierung und Ordnung auf Francos Seite gelesen hatte. Ich sehe, daß Ordnung herrscht, daß Geistliche ganz normal umhergehen, daẞ Messen gehalten werden, und daß die Leute hier sehr nett zu uns sind. Ich selbst war sehr betroffen, als mir Bilder von dem Luftüberfall gezeigt worden sind.<< Die Anklage des republikanischen Spanien richtet sich gegen Italien und Deutschland, besser, gegen die italienische und die deutsche Regierung. Das heißt, gegen Mussolini und Hitler. Es ist eine lange Reihe von Anklagen, die das republikanische Spanien gegen das Dritte Als der Angeklagte gefragt wurde, ob er Reich vorlegen kann, und diese Anklagen es für Recht halte, daß Deutschland Truppen werden gipfeln in der Darlegung der er- und Waffen sende, antwortete er: schütternden Szenen bei der Zerstörung vor Guernica. Das sind übrigens nicht die letzten Verbrechen; denn die Praxis von Guernica ist seitdem an der Bilbaofront systematisch fortgesetzt worden. >> Meine Ansicht ist, daß es nicht Recht ist, soweit diese Front in Betracht kommt.<< Der Ankläger fragte weiter:» Anerkennen Sie, daß Deutschland dies tut?< Der Angeklagte antwortete:>> Ja<<. Der zweite Angeklagte, Leutnant Ich bin Katholik und Baske. Als Katholik rufe ich Gott zum Zeugen an, als Baske schwöre ich bei meinem Vaterlande, daß alles, was ich berichte, auf Wahrheit beruht. sche Absichten in Spanien und brachten| die Vernichtung seiner Stadt, die Ermordung Berichte, daß Rußland, Frankreich und ihrer friedlichen Einwohner durch die Flieger England die Roten mit Material versorgten. des Dritten Reichs in erschütternder Weise Es schien, daß Deutschland große Gefahr schildert. Er beginnt mit der Erklärung: von Frankreich und Rußland drohe, und daß wir den Weißen helfen müßten, um die Drohung gegen Europa aufzuhalten. Ich sehe es als ungerecht an, Frauen und Kinder mit Maschinengewehren zu beschießen, und es ist in Deutschland niemals gesagt worden, daß Aufgabe sein würde.<< Der Ankläger sagte, der Fall liege sehr einfach: uns » Dies Land, das älteste und dies unsere demokraUnd nun schildert der Bürgermeister, wie die Stadt Guernica am 26. April in tiefem Frieden da lag, die katholisch- gläubige Bevölkeihrer friedlichen Alltagsbeschäftigung rung nachging kein» rotes« Militär war da als plötzlich die Flieger erschienen und ihr Vertischste der Welt, wird von deutschen nichtungswerk begannen. Drei Stunden lang, Flugzeugen brutal angegriffen. Diese Män- schreibt er, hatten wir den Eindruck, als ob ner, sind deutsche Militärflieger, die eingestandenermaßen als Freiwillige hierherkamen und an den Angriffen auf Linien teilgenommen haben.<< Der Verteidiger führte aus: unsere ein gigantisches Geschütz unaufhörlich auf uns feuerte. Auf den Straßen wälzten sich die Menschen in ihrem Blut. Einzeln wurden sie wie Wild gejagt und erschossen. Einem >> Sie können die Gefangenen für die Teil der Bevölkerung gelang es, sich in UnterHandlungen Deutschlands nicht verant- stände zu flüchten, als sie nach dreistündiger wortlich machen, auch nicht für die Beschießung wieder an das Tageslicht stieschrecklichen Verbrechen, die von der gen, fanden sie an Stelle einer blühenden, ledeutschen Luftwaffe begangen worden sind, seitdem sie gefangen genommen worden sind.<< bensvollen Stadt einen Trümmer- und Aschehaufen. Es fehlte nur noch, schreibt der Bür>> Da ist die deutsche Kultur drüber hinweggegangen!<< Das Todesurteil ist bisher nicht vollstreckt germeister, ein Gedenkstein dazu mit den worden. Hitler hat der baskischen Republik Worten: mit schweren Repressalien gedroht, falls es vollstreckt werde. Er hat damit die Verantwortung für die Taten Von ihrem eigenen Verbrechern erseiner Flieger offiziell über schreckt, versuchen sie sich reinzuwaschen nommen. Der französische Außenminister und die Schuld den>> Roten<< zuzuschieben. Delbos hat gleichfalls um Nichtvoll- Nero zündete selber Rom an und erhob dann streckung gebeten. gegen die Christen Anklage wegen dieses Verbrechens. In Guernica aber haben gefangen genommene deutsche Flieger die Wahrheit gestanden, für sie zeugen auch die Bomben, die nachweisbar alle deutscher Herkunft waren. Hunderte von Einwohner der Stadt, die die Katastrophe überlebt haben, sind bereit, diese Wahrheit zu bestätigen. Hunnen der Luft Anklage des Bürgermeisters von Guernica >> Es war der allgemeine Eindruck, den Der Bürgermeister von Guernica, de Laich aus den deutschen Zeitungen bauria, hat an die belgische Genossin Is ahatte, der mich bewog, nach Spanien zu belle Blume, eine bewährte gehen. Sie berichteten über bolschewisti- Spaniens, ein Schreiben gerichtet, in dem er Gegenüber Italien vermag die spanische Regierung ein Dokument über einen Schultze- Planck, sagte aus: Hauptpunkt vorzulegenüber die systematische Vorbereitung der Rebellion, über ihre Finanzierung und Ausrüstung durch Mussolini lange vor dem Ausbruch. In diesem Punkte fehlen heute noch dokumentarische Beweise gegen das Dritte Freundin Reich. Wie Italien den abessinischen Krieg ist wahrhaftig kein deutscher Volkskrieg. größerer Verbrechen mit noch größeren vorbereitet hat, ist von Marschall Emilio Die Beteiligung des deutschen Volkes be- Konsequenzen fähig ist. schildert worden: afrika gesprochen. So der Bürgermeister von Guernica. und ihren Mann aus, Trotz erheblicher wirtschaftlicher Schädigung durch die Verurteilung ihres Mannes de Bono in seinem Erinnerungsbuch ge- steht darin, daß es die Opfer und die Ko- Die Völkerbundstagung wird die An- und dessen Strafverbüßung, hat die Frau sten aufbringen, und seine Unruhe über klagen hinnehmen. Sie wird keine Lösung doch die erforderlichen Mittel von etwa >> Der Duce war der Ansicht, daß die An- dieses verbrecherische Abenteuer wie des Konfliktes bringen. Die Staatsmänner 50 RM. aufgebracht gelegenheit nicht über 1936 hinausgezögert seine Trauer über die Gefallenen verber- werden schweigen wie zuvor, und sie wer- dem Zuchthaus mittels Auto in das Krankenwerden dürfe. Wir befanden uns damals im gen muß. Wir haben aus dem deutschen den trachten, die brutale Wahrheit zu haus von Frankfurt verbracht. Einige Tage Herbst 1933. Der Duce hatte mit niemandem Volke viele Stimmen der Beunruhigung verbergen, daß die Regierungen das Recht später ist er jedoch gestorben. Der Tod hat über die kommenden Operationen in Ost- und der Mißbilligung, wir haben Stimmen gegenüber der Gewalt preisgegeben haben. ihn von allen noch zu erduldenden Zuchthaus-wir der Sympathie mit dem republikanischen Aber solange das Spanien beide allein wußten, was sich er- Spanien, aber wir haben keine einzige kämpft- und es ist zum Siege entschlos- Valentin Schmetzer wurde im November eignen würde, und es durfte darüber Stimme der Zustimmung für den Krieg sen zu so lange ist das Recht nicht tot. 1935 verhaftet und 1936 keine Indiskretion geben, die die Oeffent- des Systems gehört es sei denn, man Dieser Kampf ist eine große moralische Zuchthaus verurteilt. Ein Viertel seiner lichkeit unterrichtet hätte... Der Duce wollte die feigen und verlogenen Ver- Gewalt, und diese Gewalt wird noch ver- Strafe hatte er bis zu seinem Tode verbüßt. gab Befehl, mit aller Geschwindigkeit vor- legenheitsausreden gefangener Hitlerflie- stärkt werden durch die Anklagen, die die Am 28. April 1937 wurde seine Leiche auf wärts zu gehen. Ich sollte so frühzeitig wie ger in Spanien dafür ansehen. Dieser Krieg angegriffene spanische Republik vor dem dem Hauptfriedhofe in Frankfurt a. M. einmöglich fertig werden. Wir brauchen Geld, der Diktatur ist schlimmer als jeder Ka- Forum des Völkerbundes erheben wird. sagte ich ihm. An Geld wird es nicht fehlen, binettskrieg vergangener Epochen. antwortete mir Mussolini.<< Er und ich Die furchtbaren Anklagen, die das vor! republikanische Spanien erheben wird, des Volkes leiden erlöst. Opfer des Terrors wegen>> politischer geäschert. drei Jahren Sein Andenken wird unvergessen bleiben! Ein neuer Justizmord Am 25. Mai wurde der 21jährige Kommunist Otto Kropp aus Köln wegen anSo bereiten Diktaturen Kriege Wir wissen nicht, wer im Dritten Reich werden auf das deutsche Volk zurückfal- Genosse Schmetzer gestorben. den Plan zum Kriege in Spanien gefaßt, len, so wie die Sünden des Kaiserreichs Aus Frankfurt wird uns unterm 19. Mai Wegen illegaler Betätigung hingerichtet. wer ihn beschlossen, wer im geheimen auf das Volk zurückgefallen sind. Schon folgendes berichtet: mit den Rebellen vor dem Ausbruch ver- spricht man wieder von den» Hunnen< Rechts wegen<< zu drei Jahren geheim gehalten worden. Die braune Justizhältnisse in der Spitze des Systems geben. ist auch unsere Anklage gegen das Hitler- Zuchthaus verurteilt worden ist, ist durch stelle teilt mit, Otto Kropp habe im ZusamAber sicher ist: wenn nicht ein einzelner, system. Wir haben diese Anklage vom den Tod von seinen Zuchthausqualen erlöst menhang mit der Komintern illegale so haben ganz wenige unverantwortliche ersten Tag der Existenz dieses Systems worden. Verbindungen und Organisation Personen diesen Interventionskrieg be- an erhoben zu einer Zeit bereits, als Eines Tages erhielt die Frau Schmetzers nen aufgezogen. schlossen und vorbereitet, haben ihn be- fast in ganz Europa jeder für wahnsinnig folgendes Telegramm:» Sie haben ihren Otto Kropp ist im Kampfe um die Freigonnen, ohne dem deutschen Volke auch erklärt worden wäre, der die heutige Lage Mann im Zuchthaus abzuholen, da seine heit der politischen Betätigung gefallen. Die Krankheit sich verschlimmert hat. nur mitzuteilen, daß Deutschland Krieg für möglich erklärt hätte. Wir verbinden Nach Richter, die ihn verurteilten, die HintermänWiederherstellung hat er sich bei uns diese Anklage mit der Warnung, daß diewieder zu melden. Die Krankheit gilt nur ner, die den Richtern das Urteil vorschrieWir wissen: dieser Interventionskrieg ses System noch größerer Schuld, noch als Strafunterbrechung<<. ben, sind Mörder. führe Das Dritte Reich in Wien Eine Gastvisite. Am 23. Mai haben deutsche Handballspieler in Wien ein Spiel geliefert. Die östermacht worden ist. Hitlers Generale Der revolutions- sichere Militärstaat reichischen Nazis haben die Gelegenheit zu Der Generalleutnant a. D. Horst von der sich auch sonst in der letzten Zeit in geistigen Auge stehen. Mit Hilfe dieser einer Massendemonstration benutzt, deren Metzsch, ein sogenannter wehrpoliti- der Systempropaganda zeigt. Deshalb geht Didaktik soll das letzte Ideal des MilitärRegie unzweifelhaft im Dritten Reich ge- scher Schriftsteller, hat eine Schrift er- das ganze Buch auf die Formel» Unsere staates erreicht werden: der auch im scheinen lassen, die den Titel trägt:» Der Lage ist gefährlich? Nun erst recht!<< Wir Falle der Nieder lage revoluDie Regisseure markieren die Harmlosen einzige Schutz gegen die Nie- führen folgende Stellen aus dem Buche tionssichere Militärstaat: sie haben nicht einmal etwas gemerkt. derlage«. Ein Buch im Dritten Reich, an: » Das Vertrauen in die Führung kann daSo berichtet der» Völkische Beobach- das die Niederlage im Titel trägt sollte>> Und doch müssen diese Eindrücke ge- durch nur gestärkt werden. Ist sie glücklich, ter«( Nr. 144):» Oftmals ertönte jetzt der es ein Zeichen beginnender Erkenntnis sein, rade den Gedanken stärken, daß wir uns nur dann hebt sie sich einer so erzogenen Nation Ruf: Deutschland vor können, noch ein Tor!<< Ein ein Zeugnis dafür, daß die Generale schon behaupten das gegenüber um so vorteilhafter ab. die national- Letzte, Aeußerste, merkwürdig harmloses Gehör! Andere haben dafür sorgen werden, daß ihr Heldischste Führung unglücklich, dann wird es keine Dummheiten auch dann wagen, wenn gemeint, die wohlorganisierten Sprechchöre sozialistische Politik im Ge- geistig wohlvorbereitete Nation das Verhätten etwas ganz anderes gerufen, nämlich: macht? Es ist weder das eine noch das sichtskreis des einzelnen oder eines irgend- trauen auch im Falle des Fehlschlages nicht » Oesterreich ins deutsche Reich«. Aber andere. Es hat mit den prophetischen wie begrenzten Teilbereichs keine Aus- versagen.<< meinen Eine neue moralische Niederlage zur wir falls die Ist die eine zu und ist die andie harmlosen Regisseure haben auch nichts Worten Thomas Manns über die Situation sicht auf Erfolg zu haben scheint.<< Denn sie fürchten alle, daß im Gefolge gesehen.» Die Massen< so liest man es des deutschen Volkes in einem Hitler-» Allein gerade deshalb wird auf eine um der Niederlage die Revolution einherim> Völkischen Beobachter< >> von denen kriege, mit den Warnungen des englischen so erfolgreichere Kriegsführung gerechnet schreiten könnte: man eine politische Demonstration befürch- Sozialisten Morrison nichts gemein. Es ist werden können, je mehr sich der Staatsmann>> Es ist kein, mindestens kein europäischer tete, sind ruhig heimwärts gegangen.< schlecht und recht eine» wehrpolitische wie der Feldherr auf einen Volksgeist zu Eine Nummer weniger harmlos offiziell Paraphrase über Görings Vierjahresplan stützen vermögen, der kühn ist aus der Ein- Waffengang mehr denkbar, ohne daß da oder dort marxistisch glimmende Funken liest man in der Deutschen Allge- und Hitlers Antikominternpakt, mit einer sicht heraus, daß es im Kriege große lodernder Flamme, sowjetistische Filialen zu ohne große Gefahren » Die Primitivität der politischen Konzeption, die Erfolge Zeitung( Nr. 234): zersetzenden Zentralen oder sonstige anonyme Oesterreicher standen auch unter dem Druck von dem tiefen Niveau dieser Sorte wehr- nicht gibt.<< Kräfte der Zerstörung zu aktiven Mitgeund von der» Vergessen wird, daß Clausewitz schon politischer Kundgebungen, die den Ablauf politischer Lieratur zeugt staltern der Auseinandersetzung werden.<< der Sportveranstaltungen störten.< Beflissenheit, mit der sie sich den natio- vor hundert Jahren gefordert hatte, gegebeDer beste Schutz dagegen aber nenfalls das Letzte Und noch der nalsozialistischen Direktiven anpaẞt. auch gegen jedes weniger offiziell in das ist die Lehre des Buches > Frankfurter Zeitung« Nr. 258:> Die Weit entfernt davon, ein lauter oder Wahrscheinlichkeitskalkül zu wagen.<< absolute Wehrtotalität des » Aber auch für den Schwächeren, meint deutschen Spieler wurden von der zahlreich stiller Protest gegen die Hitlerpolitik zu erschienenen Jugend aus nationalen Kreisen sein, ist sie eine Verherrlichung aggressi- Clausewitz, kann höchstes Wagen höchste Dritten Reiches, ist der> abso lute nationale Krieg gegen die durch Schwingen von Hakenkreuzfähnchen, ver, ja hasardierender Machtpolitik:» Die Weisheit sein.<< »> absolute internationale Weltrevolution<<, durch Zurufe und Sprechchöre kräftig ange- Untermauerung der kriegeri- Dieser Offensivtheorie entspricht feuert. Unter den Zuschauern kam es zu schen Leistungsfähigkeit im Einschätzung des Friedens als bloßer Vor- als deren mögliche Repräsentanten Sowjetrußland, Frankreich, die Tschechosloeinigen kleineren Ruhestörungen und Prüge- Frieden darf sich keine frei- bereitungszeit auf den Krieg: leien, besonders auf den Stehplätzen.<< >> Kein Frieden braucht einzuschläfern, in wakei, alle Balkanländer und selbst Polen willigen Beschränkungen aufdas ist das Prinzip. Wo dem die Erkenntnis nicht verloren geht, daß er vorgestellt werden, während die EnglänIn Wahrheit war es ein großer Skandal erlegen« sie den totalen deutschen Militarismus für eine echte Gastvisite des Dritten Reiches. die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu dazu da ist, der Nation den Ernst etwa der mit einem Tadel davonkommen, weil kommender kriegerischer Prägungen einzuDazu haben sie ja auch die» Verständigung Ende ist, muß sie durch gute Haltung ereine Friedensstörung halten. setzt werden:> Mangel an Waffen und schärfen.<< vom 11. Juli 1936 gemacht. >> Die unbedingte Einsatzbereitschaft Waren kann nur zum militärischen oder Dazu soll die vor dem Kriege noch verderer Völker wird deshalb als eine höchst wirtschaftlichen Mißerfolge, Mangel an bleibende Zeit benutzt werden; denn: beWillenskraft und Ehrgefühl muß >> Wir sind zwar im Dritten Reich sicher lästige Gefährdung des Weltfriedens nach verlorener griffen. Auch die soldatische Haltung des Niederlage führen. Auf diesen einfachen vor einer Regierung,> die daran denkt, das Volk Dritten Reichs sieht der Engländer vielfach Der amerikanische Kardinal Munde- Gedanken kommt es mir an.<< Deshalb Hauptschlacht nur noch immer ähnlich.< lein, der deutscher Herkunft ist, hat in empfiehlt er eine geistig- seelische schnell in das Bett des Friedens steigen zu Diese Schrift ist wenn man sie nicht Chikago vor 500 katholischen Prälaten und Volkspflege, die das ganze Volk in lassen<, wir sind aber nicht sicher vor seeliGeistlichen den schmutzigen Kampf des den Bann des nationalistischen Militaris- schen Erschütterungen des Volksempfindens.<< nur flüchtig liest geeignet, Legenden die Illusion Dem Zwecke dieser Einschärfung soll und Illusionen zu zerstören Reichspropagandaministeriums gegen die mus bringen soll, deshalb fordert er die katholische Kirche gekennzeichnet und hat» Pflege einer bedingungslosen Wehrpoli- nun die Lehre von der Niederlage dienen, von der Friedfertigkeit und der Verständie» Gottesgabe des digungsbereitschaft des braunen Systems Hitler, Göring und Göbbels heftig ange- tik unserer Friedensarbeit«, deshalb preist nachdem Feindes wirklich wie den Glauben, daß die Militärs in griffen. er den Nationalsozialisten als» politischen tüchtigen Deutschland friedfertiger wären als HitDer deutsche Botschafter in Washington Soldaten<<, der an dieser Wehrtotalität ar- nicht fehlt<: >> Kann danach zweifelhaft sein, worauf ler. Sie sind genau so friedfertig wie der hat gegen diese Rede auf Befehl protestieren beitet, deshalb fordert er die Züchtung » überlegenen, sicheren die geistige Wehrhaftigkeit abzielen muß? Wehrverein vor dem Kriege und müssen. Dieser Schritt ist in Washington eines da- Selbstgefühls« und verkündet:» Wir Sie muß gelegentlich auch einmal schwarz die Schrift von Metzsch ist die Wehrverhöflich aber kühl abgelehnt worden in Schwarz malen, um die zuversichtliche einspropaganda von heute. Sie sind ebenso für hat die öffentliche Meinug in den Ver- können mit solchem Selbstgefühl nicht wareinigten Staaten dem Kardinal ihre Zustim- ten, bis zwanzig zweijährig ausgebildete Charakterstärke zu hämmern, die das nötige wie die Spitzen der nationalsozialistischen sich Und wir Selbstgefühl in sich trägt, um durch Partei Träger jenes aggressiven Nationamung zu seiner Kritik ausgesprochen. Die Jahrgänge vorhanden sind. nicht darauf jedes Dunkel durchzubohren.<< lismus und Militarismus, jener nationaliöffentliche Meinung in den Vereinigten Staa- brauchen auch >> Aber daß die ehrenhafte Niederlage stischen Machtpolitik, die Todfeinde der ten ist ohnehin über Guernica sehr erregt. zu warten, wenn wir als Nation aufbauender Freiheit und des freiheitlichen Sozialismus Sie hat auch die kaschemmenmäßigen Be- wehrfreudigem Vervollkommnungsdrange ein unsterblicher, schimpfungen des New Yorker Oberbürger- von niemandem freudig übertroffen wer- Wert ist, stärker gestaltend vielleicht als sind. Eben um der absoluten Wehrtotaliein leichter Sieg, das muß jedem Volksge- tät willen haben sie sich mit Hitler vernoch den«. bündet zur Niederschlagung der Freiheit Nun bei dieser geistig- seelischen nossen geläufig sein oder werden.<< >> Düppel, Königgrätz oder Sedan denn die Freiheit wäre das Ende des Volkspflege soll der Gedanke an die Nieder letzte derlage eine didaktische Rolle spielen. Die keinen Scharnhorst, keinen Clausewitz und totalitären Militarismus, der kann nicht wieder gutmachen, was das Sy- Propaganda des Systems soll die Zweifel keinen Blücher geliefert. Die Tragödie des Zweck des braunen Systems ist. Wer das und Hitlersystem besiegen will, muß sich mit und die unverkennbar wichtigen Betrach- Weltkrieges hat uns Hindenburg denen auseinandersetzen, die schon in der gen im Volke über die militärische Lage Hitler beschert.<< Deutschlands auffangen und soll sie den Deshalb müsse der ganzen Nation der Republik die stärkste Stütze der GegenZwecken des Systems dienstbar machen, glorreiche Untergang als eine revolution waren. indem sie sie verarbeitet. Das ist ein Zug, jederzeit mögliche Eventualität vor dem meisters in der deutschen Presse keineswegs vergessen. Alles Geld des Propagandaministeriums stem durch seine Ausbrüche anrichtet. Schweige zu Hause! Selbst die Wände haben Ohren. Vor dem Schöffengericht Wesermünde hatte sich ein Mann aus Leherheide, der zahlreiche abfällige Bemerkunan haben gen über den heutigen Staat ge Die Deportierten wehren sich Schwierigkeiten, Feglschläge, keine Neigung, sich verpflanzen zu lassen<. Max Klinger. Also: Widerstand auf der ganzen Linie. Mit welchen Terrormitteln die Fluchtbereiten bei der Stange gehalten werden, verrät das kräften mehr oder minder, unmöglich Blatt seinen Lesern nicht. Unterstützunssperre, machen.< schwer: Konzentrationslamacht hatte, zu verantworten. Im gleichen Haus wohnte ein Politischer Leiter der NSDAP, der seine Bemerkungen hören Und nun werden ein paar> Schwierigkei- ger für die» Rädelsführer«, Ausmußte, da die Wand zwischen den Die Arbeiter- Deportationen sind beiden Wohnungen nur einen halben ein besonders düsteres Kapitel der national- ten< dieser Art aufgezählt. Welche Tragödien stoẞung aus der Arbeitsfront und sich abgespielt haben, errät jeder Leser un- damit aus jeder Arbeitsvermittlung all Stein dick ist. Das Gericht verurteilte den sozialistischen Volksbeglückung. Wie Gegendas sind Peitschenhiebe, mit denen> heimatAngeklagten zu drei Monaten Gestände werden die» Volksgenossen< verladen, treuen« Arbeitern die Blut- und Bodenfühle fängnis.(> Frankfurter Zeitung< Nr. in entfernt gelegene Teile des Reiches beförausgetrieben werden. Dem geschulten Leser dert; Familienväter werden von 256/57). Frau und Kindern getrennt und in so schlecht bezahlte Arbeit gebracht, daß die Zurückbleibenden Hitler ist glücklich auf Fürsorgepfennige angewiesen sind, junge Das Pariser» Journal< veröffentlicht ein Menschen werden aus ihrer Laufbahn gerisInterview, das einer seiner Mitarbeiter mit sen. Tausende trifft dieses Los. Gelegentlich Hitler hatte. Darnach hat Hitler gesagt: hört man von Meutereien. Aber selten gesteht ein reichsdeutsches Blatt, was vorgeht. Die > Ohne Zweifel kann die Welt von heute ein Gefühl Preußische Zeitung Nr. 133 druckt einigen energischen Männern des Glücks geben durch die Tätigkeit, die ein solches Geständnis, dessen Tragweite dem sie im Kampfe mit den Schwierigkeiten Redakteur wohl nicht ganz zum Bewußtsein entfalten. Und was mich anbetrifft, so gekommen ist. Wir lesen da: wäre ich in der Periode von 1860 bis 1914 nicht glücklich gewesen.< Es hat zwischen 1860 und 1914 genug Kriege gegeben aber ihm waren diese Zeiten zu friedlich. Brüning in Oxford Der ehemalige Reichskanzler Dr. Brüning hat einen Auftrag zu Vorlesungen über theoretische Politik an das Queen's College in Oxford erhalten. > Es ist verständlich, daß bei der ständig zunehmenden Zahl der Beschäftigten dem Ausgleich von Arbeitskräften, insbesondere von Facharbeitern, eine zusehends größere Bedeutung zukommt. Wollte man aber nun annehmen, daß dieser Ausgleich sich grundsätzlich leicht und einfach durchführen ließe sofern nur die erforderlichen Kräfte vorhanden sind so ist das ein Irrtum. Ganz im Gegenteil bereiten gerade die stammesmäßigen Unterschiede dieser Vermittlung vielfach Schwierigkeiten, die nur allzu oft eine Verpflanzung von ArbeitsGroßviel >> So hat beispielweise die bisherige Erfahrung gelehrt, daß die Pfälzer wohl durchaus arbeitsam und anpassungsfähig sind, daß sie aber keine allzu große Be- wird das folgende Sätzchen einiges sagen: Es zieht ständigkeit aufzuweisen haben. >> Man kann überhaupt ganz allgemein sie eben einfach im Herbst, zur Zeit der sagen, daß die Arbeiter aus den städten für einen Weinlese, die bei ihnen stets ein traditionelAusgleich les Fest bedeutet, zurück nach ihrer schwieriger herangezogen werden könHeimat. nen als solche aus kleineren Städten oder gar aus den Landgemeinden.<< Arbeiter aus den Landgemeinden das kennt man. Die waren von jeher schwerer organisierbar, fühlten sich vereinzelter, preisge>> Auch von den Württembergern gebener, wurden auch zum Teil durch geistige ihrer Widerstandskraft kann man ein Aehnliches sagen. Als Bei- Schwerfälligkeit in spiel mag hier die Tatsache dienen, daß ein gegen schamlose Ausbeuterei gehemmt.> Arvor kürzerer Zeit unternommener Versuch, beiter aus den Landgemeinden< eine größere Zahl von Württembergern in Trick wenden die Großverdiener und Leuteeiner geschlossenen Siedlung in Chemnitz Der Schreiber hätte sich die Romantik der Weinlese, hätte sich den Blubo sparen können. Menschen sind keine Möbelstücke, das Ganze: das ist diesen anzusetzen, absolut fehlgeschla- schinder von Illinois über Berlin bis Mandgen ist trotz der wesentlich günstigeren schukuo an, um leichteres Spiel zu haben. Voraussetzungen, die bei einer solchen Art Aber häufig schlägt's fehl. Die ländlichen Arvon Verpflanzung gegeben sind... Als beiter, anstatt die Solidarität der an ihrer fast restlos undurchführbar muß ferner eine Vermittlung von Schle- Seite schuftenden städtischen zu unterminieund insbesondere Oberschlesiern, ren, lernen von diesen sich zu wehren. nach Bayern angesprochen werden. Hier te scheint das in Deutschland noch wenig Besind schon die Dialekte so verschieden, daß deutung zu haben, aber was sich heute vorallein die Verständigung auf große Schwierigkeiten stößt.<< siern, bereitet, wird eines Tages wichtig sein. Heu Sumpf KecbtsanwaU und Lockvogel. JWus Westdeutschland wird uns geecbrte» ben: Englische Blätter hatten Deutschland das Paradies der Erpresser genannt. Man frac® die Polizei, ob damit die Auslands- presse zuviel behauptet. Laßt mich einen Fall aus meinem Bekanntenkreis erzählen. Ort der Handlung: eine Stadt in Westdeutschland. Ein jüdischer Intelligenzler darf dort noch eine schwache Praxis betreiben, weil er ehemaliger Frontkämpfer ist. In seiner Praxis lernt er eine Frau kennen, eine Arierin. Sie kommt wieder und wieder, bietet ihm ihre Hilfe in seinem frauenlosen Haushalt an, er weist sie ab, sie drängt sich trotzdem in den Haushalt ein, hilft eine Weile mit. Eine Freundschaft entsteht daraus. Plötzlich verschwindet sie, wird nicht mehr gesehen. Dafür meldet sich nach einem Monat am Telefon ein Rechtsanwalt A. und macht geltend, die Frau habe sich durch die Freundschaft seelische Depressionen zugezogen, müsse deshalb ein Sanatorium aufsuchen, fordere einen Schadenersatz von zweitausend Mark. Der Erpreßte lehnt ein Gespräch ab, verweist alles Weitere an seinen Rechtsanwalt (nennen wir ihn B.). Einige Tage später ist das Teleiphongespräch zwischen A. und B. im Gange.— A.;»Aber Herr Kollege, Sie wissen doch um was es sich handelt, 2000 sind nicht zuviel«.— B.:»Ich weiß nicht mehr als Sie. Wieso müssen es gerade 2000 sein?«— A.: »Aber Sie wissen doch Bescheid, Nein? Sie wissen nicht mehr als ich?« So gehen sie um den heißen Brei herum, keiner will von Rassenschande sprechen, sonst müßte ja Anzeige gemacht werden. Der Schluß; Man einigt sich auf vierhundert Mark»Schadenersat z«. Der Anwalt meines Freundes hat gleichzeitig durch einen Detektiv feststellen lassen, daß die Dame In verdächtigen Cafia verkehrt, also den Judenfang gewerbsmäßig betreibt. Als mein Freund seinem Anwalt das Herz ausschüttet und meint, das alles sei doch entsetzlich, antwortet der:»Was wollen Sie? Sie sind in dieser Woche bei mir der dritte derartige Fall. D a- von leben wir heute«. Das Weitere mag sich jeder selbst ausmalen. Man kann sich denken, daß sich Rechtsanwälte zusammen tun und weibliche Lockvögel ausschicken, auf die sich ihre Praxis aufbaut. Neue Berufe tun sich auf. Derselbe jüdische Intelligenzler wurde In derselben Woche auf die Polizeiwache seines Bezirks bestellt. Ein Beamter eröffnete ihm, eine Anzeige wegen Vergehens gegen den Paragraphen 175 sei gegen ihn eingelaufen. Mein Freund gab zu Protokoll, ihm stünden Zeugen dafür zur Verfügung, die aussagen könnten, wie normal er veranlangt sei. Der Beamte war sehr anständig und meinte sofort:»Sie brauchen nicht zu erschrecken. Jeden Tag laufen bei uns solche falsche Denunziationen ein, wir können uns vor Denunziationen kaum retten.« Diese zwei Fälle erlabte mein Freund in einer Woche. Ja, es ist eine Lust zu leben und das deutsche Volk ist wieder anständig geworden, wie Göbbels sagt. Für das Spital der S41 und des 1GB! Für Spanien! Ein Appell von Pietro Nenni. Pletro Nennl, Vertreter der SAI. bei den Internationalen Brigaden, hat an das Sekretariat der SAI. folgendes Telegramm gerichtet: Werk der Solidarität und Menschlichkeit das die SAI. und der IGB. unternommen haben, verwirklicht sich rasch dank den Bemühungen unseres Freundes Delvigne und seiner Mitarbeiter. Das Spital von Onte- niente wird binnen kurzem ein Muster an Organisation in wunderbarer Umgebung sein. 1.200 Verwundete werden dort gesunden können. Ich schüeße mich dem Appel der anderen Genossen an, die Sammlungen mit aller Kraft zu verstärken. Denken wir an die Verwundeten, an die Flüchtlinge, an die heldenmütige Bevölkerung Madrids. Aber Geld geben ist nicht genug. Notwendig ist der politische Kampf,\im die Zurückziehung der Okkupationsarmeen aus Spanien zu erzwingen, die Mussolini und Hitler dorthin entsendet haben. Notwendig ist der leidenschaftliche Kampf gegen die faschistische Barbarel. Von die««- Barbarei empfing ich einen neuen grauenhaften Eindruck in Onteniente, wo zwei unserer auf dem Schlachtfeld von Guadalajara aufgefundenen Verwundeten gepflegt werden. Der eine war halb erwürgt, da die Faschisten ihn trotz seiner Wunden aufgehängt hatten; dem anderen wurden die Augen ausgestochen und die Gesichtshaut in Streifen abgerissen. Gegen diese Greuel gilt es für uns alle zu handeln! Wo sieht Jugoslawien? Auf dem Kalemegdan, der alten Zitadelle von Belgrad, heute ein wundervoller Park, steht das jugoslawische Denkmal für Frankreich. Ivan Mestrovic, der geniale südslawische Bildauer, hat hier eines seiner Meisterwerke geschaffen: Frankreich, mit einem Degen bewaffnet, eilt Serbien zu Hilfe. Der Sockel trägt in serbischer Sprache die Inschrift:»Laßt uns Frankreich lieben, wie es uns von 1914 bis 1918 geliebt hat!« Wäre es nicht an der Zeit, diese Inschrift zu verhüllen? Ist Jugoslawien, das offizielle Jugoslawien sich seiner Dankesschuld an Frankreich noch bewußt? Die Außenpolitik Südslawiens ist in den letzten Monaten seltsame Wege gegangen. Durch beinahe zwei Jahrzehnte gab es einen unveränderten und unveränderlichen Richtpunkt der jugoslawischen Diplomatie: die Feindschaft gegen Italien. Der jugoslawisch-italienische Gegensatz begann schon an der Friedenskonferenz, wo die Grenzziehung zwischen den beiden Ländern zu den schwierigsten und umstrittensten Fragen der interalliierten Diplomatie gehörte. Er fand seine Fortsetzung, als Italien unter faschistischer Führung seine Eroberungspläne gegen Osteuropa richtete. Die unklaren Tastversuche, mit denen Mussolini durch mehr als ein Jahrzehnt die Linie des geringsten Widerstands für den faschistischen Imperialismus suchte, stießen in Belgrad nicht bloß auf scharfes Mißtrauen, sondern auch auf entschlossene Abwehrbereitschaft. Italien erkannte, daß es seine Machtpolitik in Südosteuropa nur gegen den Widerstand Jugoslawiens durchführen konnte. Südslawien war und ist kein militärisch zu verachtender Gegner. Vorzügliche Soldaten, gewaltige Aufwendungen für das Heer machen aus Jugoslawien eine militärische Großmacht, die selbst für Italien einen ernsten Gegner darstellen würde. Um so eifriger war daher Italien bemüht, seinen Todfeind an der Adria mit einem ganzen Ring feindlicher Staaten zu umgeben. Die italienischen Intrigen im südosteuropäischen Raum haben mehr als ein Jahrzehnt stärkste Beunruhigung hervor- gerufeu. Der ungarische Revisionismus, der auch gegen den südlichen Nachbarn Ansprüche stellt, fand in Rom seinen ersten Schutzpatron. Bulgarien, Mazedoniens wegen mit Jugoslawien bitter verfeindet, sah in Italien seinen natürlichen Schirmherrn. Und als Albanien unter Achmed Zogu mit einem Sprung von der jugoslawischen auf die italienische Seite hinüberwechselte— die Lira war goldhaltiger als der Dinar— da war die Einkreisung Jugoslawiens nahezu vollendet. Mit der einzigen Ausnahme der öster- reiclüschen Grenze war Jugoslawien auf allen Seiten von Vasallen seines Todfeind? Italien umgeben. Kein Wunder, daß es immer wieder zu scharfen Spannungen zwischen beiden Ländern kam. So 1927, als die italenischcn Herrschaftsansprüche auf Albanien sichtbar wurden. So 1932 und 1933, als die innere Krise Jugoslawiens Gelegenheit für die bewaffnete Intervention des italienischen Faschismus zu bieten schien. Durch lange Zeit schien der erbitterte Stammesgegensatz zwischen Kroaten und Serben die innere Festigkeit des jungen Staates in gefahrvoller Weise zu erschüttern. Die Kroaten, die es ablehnten, ein angegliederter Teil eines von den Serben beherrschten Einheitsstaates zu sein, verharrten in unerschütterlicher Opposition gegen Belgrad. Die Verschärfung dieses Gegensatzes, die nach der Ermordung des Kroatenführers Raditsch im Parlament eintrat, machte das Funktionieren der parlamentarischen Demokratie unmöglich und führte zum Verfassungsbruch von 1929. Von diesem Augenblick an rechnete Italien offensichtlich auf den Ausbruch des Bürgerkriegs in Südslawien und spann seine Fäden zu einem Teil der kroatischen Führer. Ein ganzes Netz von Intrigen zog sich zwischen Rom, Ungarn, Wien und—- seit 1933— Berlin gegen Belgrad. Alle Teile der mitteleuropäischen Konterrevolution suchten an dem Feuer des kroatisch- serbischen Gegensatzes ihre Suppe zu kochen Der italienische Faschismus, der ungarische Revisionismus, die österreichischen Habsburgerfreunde und die deutschen Pangermanisten arbeiteten vereint gegen den südslawischen Staat, diesen Eckpfeiler des Staatensystems in Südosteuropa. War erst er gebrochen, dann war der Weg in die dunkelsten Abenteuer frei. Angesichts dieser Gefahren war die südslawische Außenpolitik völlig eindeutig be-, stimmt An erster Stelle stand die Freundschaft zu Frankreich, das als ausreichendes Gegengewicht gegen Italien erschien. Die Allianz mit den beiden übrigen Staaten der Kleinen Entente brachte Sicherheit gegen die Revisionspläne Ungarns und die monarchistischen Tendenzen in Oesterreich. Und als es schließlich gelang, vier der Balkanstaaten zum Balkanbund zusammenzuschließen, der sich eindeutig gegen die bulgarischen Expansionspläne kehrte, schien ein Sicherheitssystem geschaffen, das Deckung gegen alle Gefahren bot. Aber die Jahre nach 1933 brachten rasche Ernüchterung. Frankreich, von der deutschen Aufrüstung bedroht, suchte die Hilfe Italiens. Laval, der Mann, der Frankreich mehr geschadet hat als selbst Hitler, verständigte sich über Belgrad hinweg mit Rom. Oesterreich geriet unter die italienische Oberherrschaft, die letzte freie Grenze Jugoslawiens fiel in die Hände Mussolinis, der damit die Einkreisung seines Gegners vollendete. Jugoslawien wagte nicht mehr auf Frankreich zu zählen. Würde Frankreich, das Frankreich Lavais, das alles der italienischen Freundschaft zu opfern schien, von Deutschland bedrängt, es wagen, sich um Jugoslawiens willen in einen offenen Gegensatz zu Italien zu begeben? Durfte man in Belgrad noch auf die Hilfe von Paris zählen, wenn Mussolini, im Schatten der deutschen Aufrüstung zur Offensive gegen Südslawien schritte? Die Erneuerung des politischen Personals in Belgrad, die der Ermordung König Alexanders folgte, erleichterte die Neuorientierung. Man begann sich nach Berlin umzustellen. War Frankreich als Gegengewicht gegen den italienischen Faschismus und die Habsburger-Restauration zweifelhaft geworden, so konnte vielleicht Deutschland, das in dieser Epoche in offenem Kampf mit Rom begriffen war, den nötigen Ersatz für Paris bieten. Man dachte freilich noch nicht im geringsten daran, Frankreich preiszugeben oder die Kleine Entente zu schwächen. Berlin blieb eine Stellung hinter der Front, auf die man sich zurückgehen würde, sobald es sicher sei, daß die eigentliche Frontlinie Paris— Prag— Bukarest— Balkanentente nicht ausreichend sei. Dann kam das abessinische Abenteuer. Nirgendwo anders in Europa hat man die italienische Offensive in Ostafrika freudi ger begrüßt als in Belgrad. Der italienische Expansionsdrang hatte nun eine neue endgültige Orientierung erhalten, die für Belgrad ungefährlich war und Mussolini in einen schweren Gegensatz zu London und zum Völkerbund brachte. Jugoslawien nahm trotz der schweren wirtschaftlichen Verluste, die es dabei erhielt, an den Sanktionen gegen Italien vorbehaltlos teil. Erst jetzt aber erkannte es, wie weit Laval Frankreich an Italien gebunden hatte. Und als dann, nicht zuletzt dank der französischen Schützenhilfe, der italienische Faschismus zunächst siegreich aus dem abcssinischen Abenteuer hervorging, war der Weg für die Neugestaltung der offiziellen jugoslawischen Außenpolitik frei. Belgrad zog aus der Niederlage des Völkerbundes und der demokratischen Westmächte seine Schlußfolgerungen. Die Beziehungen zu Berlin wurden ausgesprochen herzlich— Göring ist ein ständiger gerngesehener Gast des Prinz-Regenten— die antibolschewistische Parole von Nürnberg fand die heißeste Zustimmung am Belgrader Hof, wo alle antibolschewistischen Kämpfer, vor allem die Trümmer der Wrangel- Armee nach ihrer Niederlage in der Sowjetunion freundlichste Aufnahme gefunden hatten. Belgrad verständigte sich mit Sofia. Hatte man sich im Gründungsvertrag der Balkan-Entente dazu verpflichtet, Rumänien, Griechenland und der Türkei beizustehen, falls sie von Bulgarien angegriffen würden, so übernahm man nun die Verpflichtung, niemals zum Kriege gegen Bulgarien zu schreiten. Wie die beiden Verpflichtungen miteinander vereinbar seien, darüber sprach man sich nicht aus. Belgrad versöhnte sieh mit ItaUen. In einem der seltsamsten Verträge der Gegenwart übernahm man auf beiden Seiten die Verpflichtung, einem Gegner des anderen Landes nicht beizustehen— als ob es ein anderes Land in Europa gäbe, als Italien, das Jugoslawien angreifen könnte. Die Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern sollen ausgebaut werden. Rom verpflichtet sich, den Kroaten keine Hilfe mehr zu gewähren. Hier mündet die Außenpolitik offensichtlich in die Innenpolitik. S t o j a d i- nowitsch, der diktatorisch regierende j u g o s 1 a wi s c h e Mi n i- sterpräsident, war bereit, einen hohen Preis zu bezahlen, um die Kroaten jeglicher Hilfe vom Ausland her zu berauben. Seine Herrschaft ist erst dann gesichert, wenn die Kroaten sich mit ihm verständigt haben und die Gefahr beseitigt ist, daß sie gemeinsam mit der serbischen demokratischen Opposition den Kampf gegen ihn aufnehmen. Wenn Berlin und Rom den Kroaten ihre HUfe versagen, muß Wien und Budapest ihrem Beispiel folgen. Die isolierten Kroaten aber hofft Stojadino- witsch mit wenig abspeisen zu können. Wie weit verträgt sich die neue jugoslawische Außenpolitik mit der alten Freundschaft zu Paris? Wie weit mit der Zugehörigkeit Jugoslawiens zur Kleine» und zur Balkan- Entente? Der Wortlaut der neuen Verbindlichkeiten, die Jugoslawien eingegangen ist, steht in einem unbestreitbaren Widerspruch zu den bisherigen vertraglichen Verpflichtungen. Sie lassen sich weder mit der französischen Allianz, noch mit der Zugehörigkeit zum Völkerbund, noch mit den Verpflichtungen der Kleinen und der Balkan-Entente, nicht mit der Freundschaft zu England vereinbaren, die Belgrad in den letzten Jahren so geflissentlich zu suchen schien. Jugoslawien ist nun Vertragspartner zweier sich widersprechender Vertragssysteme: es gehört noch immer formell zum Völkerbund, es hat seine Bindungen an Paris-London und die dazugehörigen Freundschaften nicht gelöst. Aber es ist zugleich der»Achse Rom— Berlin« sehr nahe gekommen. Welche dieser sich widersprechenden Verpflichtungen im Emstfall gelten wird, bleibt offen. Die Entscheidung wird abhängen von der allgemeinen außenpolitischen Entwicklung in Europa, von der Gestaltung der ökonomischen Beziehungen zwischen Belgrad und den übrigen europäischen Ländern— über die wir noch gesondert berichten wollen— und nicht zuletzt von der Form der innenpolitischen Situation Jugosla� wiens. Denn alles, was in den letzten Jahren in Jugoslawien geschehen ist, war das Werk einer Diktatur, deren Massenbasis keineswegs imponierend ist. Die Diktatur hat, nicht zuletzt um ihrer eigenen Macht- interessen willen, Anschluß an die Außenpolitik der diktatorischen Länder gesucht. Aber wenn auch sie die alte Dankesschuld an Frankreich vergessen haben mag, in den breiten Massen des serbischen und des kroatischen Bauernvolkes lebt sie fort. Ihr Träger ist der unbesiegüche Freiheitswillen dieser Bauern, in deren Herzen noch das Pathos des Freiheitskampfes gegen die türkische Despotie lebendig ist. Ist es nicht ein Zeichen dieser tiefwurzelnden demokratischen Ueberzeugungen, daß selbst Matschek, der gegenwärtige Kroatenführer, in seinem Blatt einen Artikel ver- öffentlichen mußte, der für die vollständigste Solidarität mit Paris und London eintritt? Der Faschismus hat die Kroaten, in deren Händen das Schicksal der jugoslawischen Demokratie liegt, enttäuscht. Sie wenden sich der westeuropäischen Demokratie zu. Deutschland und Italien mögen die Bundeshilfe der heute regierenden Gruppe des Landes gewonnen haben. Aber die überwältigende Mehrheit des südslawischen Volkes in allen seinen Stämmen fühlt seine Verbundenheit mit jenen, die für die Freiheit kämpfen. K. T., Beograd. Großgrundbesitzer Streldier! Nun hat auch Streicher sein landwirtschaftliches Gut. Er hat in Pleikershof bei Cadolzburg ein Gut mit 100 Tagwerk landwirtschaftlicher Nutzfläche erworben.(Bin Hektar hat 2,93 bayrische Tagwerk, so daß Streicher jetzt über rund 35 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche verfügt. Das ist für die dortigen Besitzverhältnisse ein Großgrundbesitzer.) Streicher hat zur Bewirtschaftung des Gutes einen Verwalter eingestellt, der alle Sonntage in die Kirche geht. Ob seine Frömmigkeit echt ist, oder ob er so fleißig in die Kirche geht, um seinem Arbeitgeber darüber zu berichten, bleibe dahingestellt. Die Bauern in der Umgebung von Nürnberg sagen nun: Wir sollen mehr Getreide bauen, mehr Hanf bauen, mehr Schafe halten, aber mehr Land hat man für uns nicht. Gehen wir nach Pleikershof wallfahrten, dort kann es uns Julius zeigen, wie man es macht. Brauner Sdiwelnemord Zunehmende Spannungen In der Hitler Wirtschaft Die Lage auf dem deutschen Getreidemarkt bleibt recht angespannt. Gegenwärtig werden die Mühlen kaum mehr vom Handel, sondern nur zentral von der Reichsgetreidestelle beliefert. Die Umtauschaktion, durch die die Bauern bewogen werden sollten, ihre Restbestände an Weizen und Roggen gegen Lieferung von ausländischen Futtermitteln an die Getreidestelle abzuliefern, hat nur ein mäßiges Resultat geliefert und ist jetzt im wesentlichen abgeschlossen; es kommen keine nennenswerten Mengen mehr zum Vorschein. Die Reichsgetreidestelle muß in immer stärkerem Maß nicht nur die billigere Futtergerste und Hafer, sondern den teueren Weizen einführen. So berichtete die»Times« vom 14. Mai, daß die Weizenmärkte auf die Nachricht großer deutscher Ankäufe mit einer Erhöhung von 6 Pence für den Quarter Austral- weizen eröffneten. Die Abschlüsse Deutschlands belaufen sich auf etwa 56.500 Tonen, zumeist für Verfrachtung im Mai. Ganz verödet bleibt der deutsche Futtermittelmarkt, und das erklärt die Zunahme der Schweineschlachtungen. Im März wurden 2.14 Millionen Schweine geschlachtet, gegen 1.74 im März des Vorjahres, also. um 400.000 mehr. Dabei ist das Schlachtgewicht beträchtlich auf 93 gegen 99 Kilogramm pro Stück zurückgegangen, weil die Futtervorräte zur Vollendung der Mast eben nicht ausreichen. Hatte der Reichsnährstand noch vor kurzem großschnäuzig verkündet, daß die vermehrten deutschen Viehbestände bis zur nächsten Ernte unbedingt durchgehalten werden müssen, so ist jetzt der »Schweinemord« in vollem Gang. Die augenblicklich einigermaßen ausreichende Fleischversorgung ist also nur Vorbote künftigen Mangels, um so mehr, da sich die geprellten Bauern durch die Versprechungen der»Bauernführer« kaum ein zweites Mal zur Vermehrung ihrer Viehbestände, für die dann kein ausreichendes Futter vorhanden ist, werden verleiten lassen. Der Bevölkerung wird übrigens schon jetzt angekündigt, daß größere Mengen des wachsenden Schweineangebots von der»Reichsstelle für Tiere« aus dem Markt genommen werden.»Sie werden zum Teil eingekühlt und zum Teil wieder auf Dosenkonserven verarbeitet, um im Sommer dieses Jahres, wenn mit einem Rückgang des Fleischangebots zu rechnen ist, als Ausgleich eingesetzt werden zu können.« Daß der Reichsnährstand sich in bezug auf seine Fleischpolitik geschlagen geben muß, daß von dem Durchhalten eines vergrößerten Viehbestandes und damit von dem Erreichen einer dauernd genügenden Fleisch- und Futterversorgung nicht mehr die Rede ist, hängt natürlich zusammen mit den schlechten Ernteaussichten. Auch der neueste Bericht, der den Saatenstand Anfang Mai behandelt, muß konstatieren, daß»Kühle und Feuchtigkeit die Entwicklung beeinträchtigen«. In den meisten Bezirken waren die»Niederschläge zu stark, so daß in Verbindung mit niedrigen Temperaturen, die schon bestehende Entwicklungsverzögerung nicht aufgeholt werden konnte.« Der Gartenstand ist im Einzelnen verschieden. Ungünstig stehen die Winterfrüchte, vor allem im Osten. Es folgt ein allgemeines Klagelied: »Die Saaten sind Im Winter 1936/37 in- foige Schnecken-, Mäuse- und Tipulafraß ungünstig überwintert. Daneben ist die verhältnismäßig hohe Auswinterung auch darauf zurückzuführen, daß sich infolge des ungünstigen Herbstwetters die Wintergetreidebestellung verzögerte und deshalb die Saaten schwach entwickelt in den Winter kamen. Beim Roggen wurden vor allem die mit ungeheiztem Saatgut bestellten Felder in Mitleidenschaft gezogen.« Aber auch um die Sommersaat steht es wenig günstig.»Infolge des vorwiegend nassen Wetters ist die Bestellung des Sommergetreides und der Hackfrüchte allgemein im Rückstand. Auch der Weideauftrieb hat erst vereinzelt begonnen.« Zu diesen Schwierigkeiten auf dem Ernährungsgebiet, die im Laufe dieses und des kommenden Jahres noch sehr erheblich zunehmen müssen, und die für dieses Regime unüberwindlich sind, da sie die völlige Abkehr von der bisherigen Wirtschaftspolitik erfordern, kommen andere nicht minder große. Da ist, um zunächst noch bei den Folgen für die Massen des Volkes zu bleiben, die zunehmende Wohnungsnot. Die Bautätigkeit im ganzen ist gestiegen. Aber während in der verruchten Systemzeit der Wohnungsbau weitaus den größten Raum einnahm, ist er seit der Diktatur immer mehr zugunsten des »öffentlichen Baus«, d. h. zugunsten des Baus von Kasernen, Autostraßen, Flugzeugplätzen, Rüstungsfabriken usw. zurückgegangen. Die Folge ist der sich ständig verschärfende Wohnungsmangel. Da infolge der Aufrüstung Eisennot herrscht, das verfügbare Eisen aber für die Bedürfnisse der Wehrmacht, für die Industriebauten des Vierjahresplanes, schließlich für die Exportindustrie reserviert bleibt, ist für den Wohnungsbau, der jetzt ja ausdrücklich besonderer Erlaubnis bedarf, immer weniger übrig. Die Folge ist ein katastrophaler Rückgang der Wohnungsbautätigkeit. Im ersten Quartal 1937 zeigt sich folgendes; Für Nichtwohngebäude stiegen die Bauvollendungen im ersten Quartal mit 4.47 Mill. cbm umbauten Raum um 6.1% über die vergleichbare Vorjahresleistung, die B a u- beginne mit 4.68 Mill. cbm sogar um 37.1% und auch die Bauerlaubnisse mit 5.37 Mill. cbm um 23.8%. Im Wohnungsbau nahm zwar im ersten Vierteljahr 1937 die Zahl der fertiggestellten Wohnungen in den erfaßten Groß- und Mittelstädten um fast 26.000 Wohnungen (einschl. Umbauten) auch noch um 3.6% zu. Jedoch ist dies für die seit der Baueisen- Kontingentierung datierende neuere Entwicklung der Bauwirtschaft nicht charakteristisch, weil diese kleine Mehrleistung dem nach 1937 übernommenen, ungewönhlich großen»Ueberhang« von an der Jahreswende noch nicht vollendeten Bauten zu verdanken sein dürfte. Dagegen wirkt sich die B a u- eisenverknappung in dem Rückgang der Baubeginne um 8.7% auf 18.070 und noch stärker in der Abnahme der Bauerlaubnisse um 18.3% auf rd. 20.500 deutlich aus. Im März d. J. hat sich in den Groß- und Mittelstädten die rückläufige Entwicklung im Wohnungsbau bezeichnenderweise noch etwas schärfer als im ganzen Quartal auageprägt, mit einem Rückgang der Bauerlaubnisse um 29.9%, der Baubeginne um 26.2% und selbst der Bauvollendungen um 0.2%... Die Zahl der mit Kleinsiedlungsmitteln im ersten Vierteljahr 1937 fertiggestellten Wohnungsgebäude hat sich' auf 787 gegenüber der vorjähr. Vergleichzeit(1481) bei dem schon an sich geringen Ergebnis noch fast halbiert. Nicht nur Kanonen statt Butter, sondern auch Kasernen statt Wohnungen, befiehlt Hitler. Aber die Schwierigkeiten wachsen nicht nur im Bereich der Versorgung der Massen, sondern auch im Bereich der unmittelbaren Kriegswirtschaft. Die»Autarkie« ist ein recht teuerer Spaß, und die Widersprüche, in die sie die deutsche Wirtschaft verwickelt, werden immer unlösbarer. Man weiß, daß die Wehrwirtschaft auf die Motorisierung den größten Wert legt; aber um die Herstellung teueren künstlichen Benzins zu ermöglichen, hat man neben direkten und indirekten Subventionen, die man der Industrie gewährt, Oel- und Benzinzölle eingeführt, die den Betriebsstoff übermäßig verteuern. Dasselbe macht man jetzt für Kautschuk. Da der Ersatzstoff Buna etwa fünf- bis achtmal so teuer ist, wird jetzt der Preis des Naturprodukts erhöht, indem man auf den bisher zollfreien Kautschuk einen Zoll von 125 RM je Doppelzentner einführt. Das ist nichts weniger als ein rund 100- prozentiger Wertzoll; er bedeutet also mindestens eine Verdoppelung des bisherigen Preises.(Hamburger Notierung von Mitte Mai 126.75 RM für 100 Kilogramm.) Dabei soll der Zoll bei Schwankungen des Rohkautschukpreises je nachdem erhöht oder gesenkt werden. Der deutsche Kautschukpreis soll eben vom Weltmarkt»abgehängt« und konstant gehalten werden, um die Konkurrenz von Buna zu erleichtern. Aber die exorbitante Zollerhöhung hat noch einen anderen Zweck. Ihr Ertrag soll zur Finanzierung eines Teils der neu zu errichtenden Anlagen für die Buna- Fabrikation dienen. Diese Kosten, wird amtlich erklärt, sind beträchtlich und können nur zum Teil von der Industrie aufgebracht werden. Nun hat Deutschland 1936 eine Einfuhr von über 800.000 Doppelzentern Kautschuk, der Zollertrag ist somit auf rund 100 Millionen RM im Jahre zu schätzen. Das ist aber die Jahressubvention, die den Buna-Produzenten, hauptsächlich der»I. G.-Farben«, zufließen wird, vielleicht zum Teil auch den Ver- arbeitern, da die Buna-Verarbeitung auch teilweise kostspielige Aenderungen der bisherigen Einrichtungen zu erfordern scheint. Die deutsche Wirtschaft wird so mit einer 100-Millionensteuer, mit der Verteuerung eines wichtigen Rohstoffes neu belastet, ihre Exportfähigkeit weiter verringert, um der verrückten Autarkieillusion zu fröhnen. Und da wagt es der Schacht noch, nach Paris zu fahren und dort von wirtschaftlicher Kooperation zu reden! Dr. RichardKern. drig gehalten, um die Löhne nicht erhöhen zu müssen. Das ist gehupft wie gesprungen und kommt beides auf das gleiche hinaus, nämlich darauf, daß die Kosten der Kriegsvorbereitung und ihrer Folgen auf die Arbeitenden abgewälzt werden. Das Ende des Preisstops Die Preiastopverordnung, die die Löhne und Gehälter davor schützen sollte, durch Preissteigerung entwertet zu werden, wird mehr und mehr durchlöchert. Für Exportware galt sie schon seither nicht, weil ja der Weltmarkt sich nicht nach dem Kommando des Preiskommissars und Gauleiters Wagner richtet, denn auf dem Weltmarkt herrscht, wie es im»Nationalsozialistischen Wirtschaftsdienst«(l.-Mai-Heft 1937) richtig heißt, nach wie vor unbarmherzig das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Es sei daher»nur recht und bülig, wenn unsere Exportwaren an den gebesserten Ausfuhrpreisen kräftig teilhaben«. Aber neuerdings werden von der Preisverordnung ausgenommen nicht nur Waren, die selbst zur Ausfuhr, sondern auch solche, die zur Herstellung von Ausfuhrwaren bestimmt sind, der sogenannte mittelbare Export,»gleichgültig ob sie auf die von den Vorstufen gelieferte Ware noch bearbeitet oder nur mit der Ausfuhrware verbunden wird.« Damit wird die Preisbildung noch unkontrollierbarer und komplizierter, als sie bisher schon gewesen ist, dagegen die Umgehung der Preisstopverordnung erheblich vereinfacht. Je mehr Waren aber unter die Ausnahmen fallen, um so mehr muß ein Preiskeil den anderen und das allgemeine Preisniveau in die Höbe treiben, der Preisstop in einen Preistrieb umschlagen.• Deshalb ist denn auch, wie der»Nationalsozialistische Wirtschaftsdienst ankündigt, ein»neues Grundgesetz für die Preisbildung« in Vorbereitimg, das»wahrscheinlich formell die Stopverordnung ablösen wird.« Dieses Gesetz wird den Grundsatz endgültig erledigen, daß der Preis vom Herbst vorigen Jahres als Höchstpreis zu gelten habe, und sich statt dessen»auf dem Grundsatz des volkswirtschaftlich gerechtfertigten Preises aufhauen, ohne ihn wissenschaftlich zu definieren«. Mit anderen Worten: es wird den Fabrikanten und Händlern überlassen, was sie als gerechtfertigten Preis ansehen wollen. Das neue Gesetz»wird also eine Probe auf das Verantwortungsbewußtsein des Kaufmanns sein, der ja persönlich genau weiß, was gerechtfertigt ist und was nicht.« In Zukunft wird also nicht der Preis vom Oktober 1936, sondern das eigene Ermessen des Unternehmers für die Preisbil dung entscheidend sein. Die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik hat Warenknappheit erzeugt und damit der verpönten libera- listischen BUdung der Preise nach den Selbstkosten selbst zum Durchbruch verholfen. Die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik erschlägt die nationalsozialistische Preispolitik, weil angesichts der wachsenden Warenknappheit die Preisstelgerung nicht mehr aufrecht zu erhalten, das Preisstop nicht mehr durchführbar ist. Das wird auch vom »Nationalsozialistischen Wirtschaft»dienst« eingestanden, der voraussagt, daß, selbst wenn in diesem Sinne mit größter Verantwortung verfahren würde, Preissteigerungen nun einmal nicht ausbleiben könnten. Deshalb müßten»zum Ausgleich gegen Preissteigerung und Gefährdung des stabilen Lohnniveaus Preissenkungsmöglichkeiten bei anderen Werten unter allen Umständen aufgespürt werden«. Wenn alle Waren im Preise steigen, bleibt nur eine Ware, deren Preis noch gesenkt werden kann, die Ware Arbeltskraft. Dazu braucht man nicht die Löhne zu senken, sondern nur die Arbeitszeit zu erhöhen und das Hetztempo zu steigern. In Zukimft wird man den Druck auf den Arbeitspreis mit der Notwendigkeit begründen, die Warenpreise niedrig zu halten. Bisher hat mau angeblich die Warenpreise nie- Deutsdier, iß Fisdi! Du darfst ihn hoch bezahlen »Zu den emährungspolitischen Zielen des Vierjahresplanes gehört die Steigerung des Fischverbrauches.« So heißt es im»Nationalsozialistischen Wirtschaftsdienst«. Man hat eine wahre Propagandaschlacht geschlagen, um die Hausfrauen zu bewegen, Fleisch, wofür Futtermittel eingeführt werden müßten, durch heimische Fische zu ersetzen. Die Firma Nordsee Deutsche Hochseefischerei Bremen-Cuxhaven A. G. z. B. wirbt für vermehrten Fischverbrauch mit einem Reklameumschlag, auf dem zu lesen steht; »Deutscher, iß Fisch! Du sparst dem Reich Devisen« Die Voraussetzung für die Bevorzugung des Fisches vor dem Fleisch wäre doch, daß Fische billiger als Fleisch sind, oder mindestens nicht teurer als vor der amtlich befohlenen Propaganda für das Fischessen. Nach dem»Nationalsozialistischen Wirtschaftsdienst« müßten zur Durchführung dieses Teds des Vierjahresplanes,»die für den Konsum entscheidenden Sorten so billig angeboten werden, wie es nur möglich ist«. Die Hauptvereinigung der deutschen Fischwirtschaft ist aber»anderer Ansicht«. Nach ihrer neuen Marktordnung soll der bisherige Auktionsmindestpreis für Konsumfisch»von 5 auf 6 Rpf. je 14 Kilogramm steigen, wovon Vi Kpf- auf die neugeschaffene Ausgleichsabgabe entfällt. Der Mindesterlös der Reeder erhöht sich also um% Hpf. Dazu kommt eine Vergrößerung der Spanne des Küstengroßhandels um 1 Rpf., der Mindestpreis ab Küstengroßhandel erhöht sich von 11 auf 13.5 Rpf., also um 2(4 Rpf. Das bedeutet eine Steigerung um mehr als 20 Prozeit für den Mindestpreis«. Das ist eine seltsame Methode des Preisstops. Die Verbraucher werden nicht nur gezwungen, das fehlende Fleisch durch Fisch zu ersetzen, sondern auch noch dafür zu zahlen, daß die Fischgroßhändler und die Besitzer der Fischdampfer den durch Fleischknappheit gesteigerten Fischverbrauch tn gesteigerten. Gewinn ummünzen können. Wer gewinnt dabei? Allein Reeder und Großhändler. Wer zahlt drauf? Der Einzelhandel,»der in vorbildlicher Gemeinschaftsaktion eine Million Reichsmark für die Fischförderung aufgebracht hat«, und vor allem der Verbraucher. Denn die neuen Preise bedeuten, daß der Mindestpreis für Kabeljaufilet von 21 auf 27 Rpf. für den Binnengroßhandel steigt, also um nicht weniger als ein Drittel. Die Verbraucher zahlten bisher für% Kilo Kabeljaufilet zwischen 35 und 40 Rpf., jetzt »muß Kabeljau für den Verbraucher mindestens 47 bis 48 Rpf. kosten«. Das ist also eine Verteuerung um 20 bis 30 Prozent und mehr. Der»Nationalsozialistische Wirtschaftsdienst« schreibt dazu: »Die Steigerung des Seefischabsatzes soll erreicht werden, indem man die Preise erhöht. Mit vernünftiger Wirtschaftspolitik hat diese Marktordnung natürlich nichts zu tun. Geschickte und einflußreiche Interessenten machen offenbar den Versuch, die notwendige Verbrauchslenkung für die Erringung geschäftlicher Vorteile zu benutzen.« Aber diese Kritik ist ja ein Rückfall in wüstesten Liberalismus, wenn nicht gar »Marxismus«. Denn die Hauptvereinigung der deutschen Fischwirtschaft, die diese Marktordnung festgesetzt hat, ist ja keine Vereinigung von»Interessenten«, sondern eine Einrichtung des nationalsozialistischen Staates. Sie untersteht dem Kommando nicht etwa des liberalistisch angekränkelten Dr. Schacht, sondern ist eine Formation in Darrte Reichsnährstandsarmee, deren Aufgabe es bekanntlich ist, dafür zu sorgen, daß Gemeinnutz vor Eigennutz gehe. dem Einfluß von Interessenten nicht nachzugeben, sondern ihn zu verhindern. Wie ohne Gottes Willen kein Spatz vom Dache fallen kann, so kann ohne Darres Willen in seinem Ressort kein Preis steigen. Zur nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik gehört eben auch die nationalsozialistische Preispolitik, zur Lenkung des Verbrauchs auch die Bestimmung darüber, wer ihre Kosten zahlt und wer dabei den Gewinn einheimst. Wenn im nationalsozialistischen Staat die Großunternehmer auf Kosten der Einzelhändler und Verbraucher Gewinne machen, die allgemeine Entbehrung zu Profiten ausnützen dürfen, so tragen dafür nicht diese Unternehmer selbst die Verantwortung, sondern der nationalsozialistische Staat, denn wofür wäre er sonst ein»totaler«?, G. A. F. Nr. 20? BEILAGE 30. Mai 1937 Lebendiger Marxismus Zu Max Adlers»Das Rätsel der Gesellschaft« Der Marxismus steht heute bei der bürgerlichen Welt schlecht im Kurs: die Wissenden und Denkenden fürchten in ihm die große geistige Macht, die einmal ihrer Herrschaft ein Ende setzen könnte; und die Demagogen haben ihn entweder zum Prügelknaben gemacht, der an allen von ihnen selbst gesetzten Uebeln die Schuld tragen soll, oder sie haben ihn als Kinderschreck herausgeputzt, um die gegen sie Murrenden mit etwas noch Böserem bedrohen zu können und um für ihr Wüten einen billigen Vorwand zur Hand zu haben. So furchtbaren praktischen Schaden die sozialistische Bewegung unter dieser Aech- tung des Marxismus gelitten hat, so wenig würde sie im Geistig-Ideellen bedeuten, aber leider hat der antimarxistische Kreuzzug auch im sozialistischen Lager selbst ein befremdend starkes Echo geweckt: es gibt Kräfte, die den Gedanken der ökonomischen Wurzel des Geschichtsprozesses, des Klassenkampfes, der Internationale usw. als überholt bezeichnen und ihn durch einen an Unklarheit und Verschwommenheit schwer zu überbietenden»Volks- sozialismus« ersetzt sehen möchten; und ebenso oft stoßen wir in sozialistischen Abhandlungen auf das Wort»V u 1- gärmarxismus« als Inbegriff alles Banalen und Abwegigen, wobei nur leider so ziemlich das ganze Gedankengut des Marxismus als solch peinliche»Vulgarisierung« angesehen und in Bausch und Bogen abgetan wird. Nichts liegt uns femer, als daß wir alles, was sich»marxistisch« nennt, auch schon als bedeutend anerkennen oder daß wir jede Kritik am Marxismus als Sakrileg ausschreien wollten. Wohl aber hat, wer es mit dem Sozialismus irgendwelche? Grundhaltung ernst meint, die moralische und intellektuelle Pflicht, mit wissenschaftlicher Exaktheit festzustellen, w o ihm die Gefahr des Abirrens marxistischer Denkweise ins Platte und Alltägliche vorzuliegen scheint. Denn der allzu freigebige Gebrauch der Etikette »Vulgärmarxismus« droht einigermaßen unkritische Sozialisten gegen alles, was von marxistischer Seite kommt, mißtrauisch zu machen und damit den gesamten Sozialismus über kurz oder lang seiner stärksten geistigen Triebkraft zu berauben. Wie blind die stereotype Verbindung »Vulgärmarxismus« am lebendigen Geist der Lehre vorbeisieht, wie unstarr, un- mcchanistisch und durchgeistigt noch immer das von Marx aufgebrachte Denkverfahren zu funktionieren vermag, das irann man freiheh nicht aus dem literarischen Tagesertrag der vielen kleinen Mitläufer ablesen: da muß man sich schon an die echten Vertreter und Wahrer des Marx'schen Gedankengutes halten, und darum kommt das große erkenntniskritische Werk Max Adlers»Das Rätsel der Gesellschaft« (Saturn- Verlag, Wien 1937) gerade heute gerufen, denn es warnt in seiner reichen. tiefen und strengen Geistesfülle alle Urteilsfähigen, leichtgemut mit dem Worte »vulgär« den Namen einer Lehre zu verkoppeln, die noch solchen Ertrag hervorzubringen imstande ist. Was an dem Buche zuerst imponiert und es als ungewöhnliche Leistung legitimiert, ist die lückenlose, niemals abirrende, Argument an Argument fügende Geschlossenheit der Gedankenentwicklung, ist die logische Kraft, die aus ganz wenigen aus sich selbst einleuchtenden Voraussetzungen Möglichkeit, Wesen und Grenzen der Natur- und der sozialen Erfahrung ableitet. Das Verfahren, das ihn dazu befähigt, verdankt Max Adler dem eigentlichen Bahnbrecher der modernen Erkenntnistheorie, Kant, der den geistigen Arbeitsprozeß selbst, seine Formen und seine Gesetze mit HUfe der »transzendentalen Methode«, d. h. mit Hilfe der»Selbstdurchlcuchtung des Bewußtseinsprozesses und der Auseinanderlegung seiner Funktionsweise«, zum Gegenstand der Erforschung machte. Den archimedischen Punkt seines Systems aber fand er in der bei Kant, Fichte und Hegel vorbereiteten, von Marx und Engels klar herausgearbeiteten Erkenntnis, daß nur»der vergesellschaftete Mensch« zu erfahren und zu denken vermag, weil der Mensch seinem eigentlichsten Wesen nach ein Geschöpf ist,»das nur in der Gesellschaft sich vereinzeln kann.« Von diesen beiden Ausgangsorten seines Denkens her verankert Max Adler die Gesellschaftslehre, die Soziologie, in der Erkenntnistheorie, denn nur so glaubt er sie auf sichere Grundlagen stellen und sie aus dem Streit der Meinungen retten zu können, der an ihr alles: Gegenstand, Aufgabenkreis, Ziel und Methoden, in Frage stellt. Er beginnt darum nicht beim Letzten und scheinbar Selbstverständlichsten, bei der Wesensbestimmung der»Gesellschaft«, sondern untersucht Schritt für Schritt, wie der Mensch zu einer gesellschaftlichen Erfahrung überhaupt gelangt. Auf diesem Weg überzeugt er uns nicht nur davon, daß unser Denken alles Sein erzeugt, daß also sämtliche Denkinhalte nicht vielleicht etwas»Vorgefundenes« und von außen an uns»Herangebrachtes«, sondern ein»vom Bewußtseinsprozeß Getragenes und durch ihn Bestimmtes« sind. Nein, er macht uns auch klar, daß unser Glaube an die objektive, unbestreitbare und allgemeingültige Existenz der Außenwelt unseren unwillkürlichen Glauben an die Existenz ebenso denkender, von denselben Bewußtseinsprozessen erfüllter»Ichs« zur unausweichlichen Voraussetzung hat.»Der Begriff der Objektivität oder Gültigkeit kommt erst dadurch zustande, daß ich mein Bewußtsein mit dem Bewußtsein zahlloser Nebensubjekte von vornherein in eins setze«— der»Andere«, die soziale Umwelt ist in meinem Objekt-Denken a priori schon gegeben.»Mitten in dem scheinbar individuellen Erlebnis des Ich und in seiner nur auf die Sache selbst sich stützenden Beziehung tut sich mit einem Male etwas Neues auf — der Andere und das Interindividuelle, d. h. die geistige Gemeinschaft mit ihm und unbestimmt vielen.« Dieses»Sozialapriori« unseres Welterlebens, diese notwendige Beziehung aller Erfahrung»auf die Anderen als Glieder des eigenen geistigen Zusammenhanges« beweist die»transzendentale Vergesellschaftung« des denkenden Ichs—»das individuelle Bewußtsein ist a priori vergesellschaftet«. Das Soziale bewährt sich damit als konstitutives»Element des logischen Denkprozesses, es gehört solcherart zu den Bedingungen der Erfahrung überhaupt. Das Soziale ist also kein Produkt des menschlichen Zusammenlebens, des Denkverkehres der Einzelnen oder des Mit- und Gegeneinanderhandelns derselben, sondern eine Form des Bewußtseins, die alles historische Zusammenleben und alle soziale Entwicklung erst möglich macht«, es ist ein»geistiges Sein«. Geistiges Sein darum, weil es auf der immanenten geistigen Verbundenheit mit allen anderen Ichs beruht, weil es»das Zusammensein des Ichsubjektes mit Nebensubjekten« in jedem Einzelbewußtsein zur Voraussetzung hat. Weil sich die Vergesellschaftung in jedem Einzelbewußtsein vollzieht, so ist auch, so seltsam das klingen mag, das Individuum der Gegenstand der Gesellschaftswissenschaft, aber freilich das denknotwendig vergesellschaftete Individuum, das Individuum als Träger und Erleber des sozialen Seins. Als Seinswissenschaft den Naturwissenschaften eng verwandt, muß sich die Gesellschaftswissenschaft gleich diesen der kausalen Methode bedienen, nur daß eben die soziale Kausalität etwas Geistiges und nicht, wie die naturale, etwas Physikochemisches oder gar Mechanistisches ist; und auch das Normative kommt in ihr insofern zu einem gewissen Recht, als alles Soziale nur innerhalb eines Rahmens von Ganzheits- oder Einheitsbeziehungen erfaßt werden kann und dies wieder notwendiger Weise Wertungen und Zielsetzungen mit sich bringt. Im weiteren Sinne gehören zur Sozialwissenschaft alle Einzeldisziplinen, die sich mit den verschiedenen Erscheinungen des geistigen(sozialen) Seins und Geschehens beschäftigen, also die Rechts-, Staats-, Religionswissenschaft usw. und die Geschichte sowohl als Ge� schichtswissenschaft wie als Geschichtsschreibung. Auch die Psychologische gehört hierher und ebenso die Charakterkunde. Im engeren Sinne bezeichnet der Ausdruck»Sozialwissenschaft« die Soziologie, d. h. die Wissenschaft vom Wesen und den Formen der Vergesellschaftung sowie von den Gesetzen ihrer Veränderung. Die Soziologie ist also eine E i n z e 1 Wissenschaft mit einem selbständigen, genau angebbaren Gegenstand, insofern sie aber »die Grundorientierung für die Begriffsbildung, Problemfassimg und Methode in allen einzelnen Sozialwissenschaften« liefert, darf sie wohl»in ihrem allgemeinen Teil als die Grundwissenschaft aller Sozialwissenschaften bezeichnet werden.« Diesen Charakter der Soziologie als Seinswissenschaft haben Marx und Engels durch ihre Herausarbeitung des historischen Begriffs vom vergesellschafteten Menschen begründet, ihre geniale Analyse hat»hinter den ökonomischen Versachlichungen und politischen Verselbständigungen«, hinter»den Allgemeinideen und Allgemeingefühlen«, hinter den großen Gedanken»Volk, Vaterland, Menschheit« usw. die Rolle der tätigen Menschen in ihrer dialektischen Vergesellschaftung zum ' Vorschein gebracht«. Erst wenn man so 'sieht, welche Bedeutung der erkenntniskritische Interpret des Marxismus dem Geistigen im gesamten Entfaltungsprozeß !der Menschheit zuweist, ja wie er»geistig« und»sozial« einander gleichstellt, vermag man die Verantwortungslosigkeit der Behauptung, daß die marxistische Denkweise allzu leicht zu Mechanisierung, Materialisierung und Banalisierung verführe, ganz zu ermessen, erst dann reduziert man das gefährliche Schlagwort vom»Vulgärmarxismus« auf seinen wahren Wert: daß es nämlich in seiner schwer bestimmbaren Verallgemeinerung eine Denkmethode bedenkenlos verdächtig macht, die heute noch ebenso reiches, vorwärtsweisendes Leben in sich birgt wie am ersten Tage. Alfred Kleinberg. Flagellanten in der Redaktion Der»Dank des Vaterlandes« für stramme Gleidisdialtung Aus dem Rheinland wird uns geschrieben: Zur Methodik der Kazett-Erziehung an deutschen Hitler-Opfern gehört es— darin stimmen alle»Greuelberichte«, die beglaub- bigten und die imbeglaubigten, ganz monoton überein_, die Delinquenten sich selbst moralisch und auch physisch beschmutzen zu lassen. Etwa so:»Nicht wahr, du bist ein Hebräer, ein krummbeiniger?! Wirst du gleich sagen, daß ihr Judenschweine den Weltkrieg angestiftet habt?!! Nun wird's bald? Reich' mal den Ochsenziemer herüber! Sau, nimm die Hose herunter! Wie war's also mit dem Weltkrieg und den Juden———?!« Dann Wimmern und klatschende Hiebe:»Jawohl, Herr Standartenführer, wir Juden sind schuldig am Weltkrieg. Jawohl! Ja wirklich! Gott o Gott! Heil Hitler!« Da Schinderknechte im allgemeinen nicht über viel Phantasie verfügen und eigentlich das ganze Hitlersystem aus solchen reinstallierten rüden Primitiven besteht, wäre es schlecht denkbar, daß seine Torturmethoden sich großen Abwechslungsreichtums erfreuen könnten. Nein, das tun sie nicht! Die»Re- zeptur« ist und bleibt ebenso primitiv, als beständig und kontinuierlich. Zur Zeit wird sie an der gesamten früheren katholischen Presse Deutschlands mit geradezu vollendeter Präzision vollzogen. Hier, im deutschen Westen, ist zur Stunde die Atmosphäre geradezu geschwängert von den kalten moralischen Schweißausbrüchen der ehemaligen Zentrumsredakteure, die sich in diesen Tagen allen Prozeduren jenes Kazett- Flagellantlsmus unterziehen müssen. Wir bleiben bei einem konkreten»Greuel«- Beispiel. Da ist die immer noch an einem wenn auch sehr dünn gewordenen Lebensfaden hängende»Kölnische Volkszeitun gc. Sie fungierte beinahe drei Menschenalter hindurch als»leader« des Katholizismus in geistiger, kultureller und auch politischer Hinsicht. Erschien mehrere Male täglich, hatte zeitweise einen Redaktionsstab von einigen zwanzig mehr oder weniger im katholischen Zirkel prominenten Persönlichkeiten. Hitler und seine»Justiz« brachen ihr das Genick mindestens das Rückgrat. Verlagsmäßig mußte das in den Bankrott gepreßte Unternehmen— die Verlagsmanager durch Zuchthausurteile gebrandmarkt— in die bescheidene Kameradschaftshilfe eines Essener katholischen Provinzverlegers sich flüchten, der, weil es im ausgesprochenen Ruhrgebiet immer noch eine zahlreichere katholische Arbeiterschaft gab, die sich nicht so mir nichts, dir nichts innerlich gleichschalten ließ, wie Kleinbürger, Intellektuelle und Bourgeoisie in der alten Domstadt, noch seinen katholischen Geschäftsstandard wenigstens halbwegs hatte halten können. Noch heute amtiert der frühere Chefredakteur an der so amputierten»Kölnischen Volkszeitung«- Er zog es vor, auszuharren auch in der»babylonischen Gefangenschaft« der Zeitung, während schon ein großer Teil der engeren Kollegen den Weg zur neuen»Weltanschauung« und zu entsprechenden braunen oder doch angebräunten Mäcenaten des Zeitungsgeschäfts gefunden hatten. Er war früher Buchdrucker, die Ordensbrüder seiner Geburtsstadt Würzburg hatten ihm die Karriere des»Arbeiterstudenten« ergreifen lassen. Der ehemalige arme Setzer durfte nun sich alle akademischen Ehren holen. Pen Weltkrieg machte er als Hauptmann der Reserve mit allen Auszeichnungen von Anfang bis Ende mit. Vielleicht kam gerade das alles bei ihm zusammen, um ihn doch standhalten zu lassen. Mit ihm ging als einziger noch der Lokalredakteur, der im alten Verlag als Laufbursche vor Jahrzehnten begonnen hatte; so eine»Volkspartei«— als auch ein Stück ihres Antiborussenianis- mus— wollte Immer das»Zentrum« darstellen; man gab in alter rheinisch-demokratischer Tradition dem Kopf und nicht der Stelze, der Begabung und nicht dem Geburtsschein in entscheidender Situation den Vorzug. Nichts darüber, wie die beiden Katholiken (aber ihr Schicksal ist ja nur das typolo- gische für Hunderte anderer mit genau derselben Qual und Schande des nationalsozialistischen Werkeltage®) sich bisher schlecht und recht durch alle Dschungeln des ihnen nun vorgeschriebenen literarischen»Amts- waitertuma« unter der Knute von Göbbels und seiner rabiaten jungen Leute durchgewunden haben. Sie spuckten mit nach Kräften auf die»Emigranten«, die katholischen mit eingeschlossen. Sie lutschten mit an allen Schreckensgeschichten und Dienstmädchenromanen über die»bolschewistische Weltgefahr«. Sie entdeckten die Kuriositäten einer»ständischen Wirtschaftsordnung« ebenso mit, wie ihren genau bis zum Tage der»Machtergreifung« rückwirkend datierten Antisemitismus. Nur— was Ihnen jetzt an Schändung des eigenen Seibat, an erzwungener geistiger Zuhälterei in Kumpanei mit literarischer Gangsterei, an moralischem Geißlertum und Weltanschauungs- masochismus täglich zugemutet wird, das spottet selbst der Satire. Jawohl, sie verschicken ihre Zeitung nach wie vor in die Pfarrhäuser und denen erzählen sie jetzt spaltenlang, welcher Lust- Himmel und Kinderachänder eggwnffich ao unter jeder katholischen Soutane lebt: wie es ihnen das Deutsche Nachrichtenbüro befiehlt! Sie lassen ihre Zeitung nach wie vor aufliegen in den Refektorien katholischer Kranken- und Pflegeanstalten, nicht ohne zu vergessen nachzuweisen, welche Brutst&tten widernatürlichen Lasters sie doch auf einmal geworden sind: wie es ihnen Herr Göb- bels im täglichen Posteingang an beordert. Ach ja, wie sahen auch sie schon»das neue Zeitalter« anbrechen, als damals, vor Jahr und Tag, der»marxistische« Polizeipräsident durch einen ganz rechts und »autoritär« stehenden Mann ihrer Farbe einen alten aktiven Militär, gegen das klare Verfassungsrecht»abgelöst« wurde. Als er dann zwei Jahre später von den Nazis geschaßt wurde, nur, weil er ein paar Hitler- jungen hatte festnehmen lassen, weil sie auf den Altar der alten Kirche von St. Ursula gep,.. hatten, kam vielleicht zum ersten Male das grausige Erwachen in der selbstgewählten Löwengrube. Wildschweine zähmt auch kein Konkordat. Jetzt ist es an ihnen, sich selbst mit der Reitpeitsche Streichers ein dutzendmal täglich kräftig ins Gesicht zu hauen! Trifft sie aber nicht doch so etwas wie eine»höhere Vergeltung«? Man erinnert sich ja wohl bei dieser Gelegenheit, wie sich die Herren von der»Kölnischen Volkszeitung« schon einmal mit der abscheulichen Tartüffe-Moral des»rigth or wrong— my country« ohne großen Zwang gleichgeschaltet hatten. Das war, als der belgische Kardinal Mercier in»großer Zeit« gegen die Erschießungen von Dinant, gegen die Deportationen im»okkupierten Gebiet«, gegen den Geist der Beseler und Bissing drohend und düster predigte, der die Miß Gavell und viele andere auf dem Gewissen hat. Damals schon machten sie, ausgerechnet sie, sich zum besonderen Sprachrohr der bewußten deutschen Unschuldslüge; damals war ihnen auch der Kardinalshut nicht heilig, da es nun einmal um die Pickelhaube und ihre Reputation ging; damals waren sie so»guter Gesinnung«, daß das Große Hauptquartier sogar eine Extra-Feldausgabe der»Kölnischen Volkszeitung« an die»wackeren Feldgrauen« gratis und franko verausgaben ließ, die sie freilich oft genug— in weit besserem Wissen um ihr eigenes Heldentum— eher zum Gebrauch auf der Stange, denn zur Bereicherung ihrer deutschen Gesinnung zu benutzen pflegten... Die Sünde wider den Geist Ist eben eine himmelschreiende Sünde. Und so hat alles schließlich seinen tiefen Sinn auf Erden--— E. Graf Helldorf schlagt die Volte Der Magische Zirkel und seine Prominenten „Doktor"— ein Parteititel Juden dürfen bekanntlich in Deutschland nicht mehr promovieren. Das genügt den nationalaozialistischen Studenten nicht, ihr Vaterland muß größer, ihre Konkurrenz muß kleiner sein. Deshalb gibt die»Bewegung« — Zentralorgan des NSD-Studentenbundes, Nr. vom 11. Mai— auf die Frage»Doktortitel zeltgemäß?« die Antwort; Undankbar, wie die Nazis gegen ihre geistigen Vorkämpfer sind, haben sie die Hellseher, Handleser nnd Stembilddeuter samt ihrer Presse verboten. Da sie aber in der Praxis anscheinend nicht ganz ohne Magie auskommen, erfreut sich die Gemeinschaft der Zauberkünstler, Professionelle wie Amateure, ihres ganz besonderen Schutzes. Unter der Schirmherrschaft des Reichspropagandaministers hat soeben in Berlin der »M agische Zirkel« das Fest seines 25jährigen Bestehens begangen, und wenn man den spaltenlangen Bericht des»Angriffs« darüber liest, so versteht man, warum die Künste des fingerfertigen Tricks fortan zu den festen Institutionen des Dritten Reiches gehören. Da läßt— dies alles wurde auf der Tagung veranschaulicht— ein Herr Oberingenieur H a y d e r schwere Vasen mir nichts, dir nichts verschwinden! Da wachse» dem Herrn Fabrikanten Speer veritable Glühbirnen in der Hand! Der Produktionsleiter Schreiber hat die Gewohnheit,»mit Napoleon, Roswitha von Gandersheim, Walther von der Vogelweide und mit verstorbenen Großmüttern zu telephonieren«! Professor H ö r m a n n sucht herauszubekommen. »wie man Nähnadeln schluckt, ohne die Speiseröhre zu verletzen«! Nicht ohne Gruseln berichtet der Redakteur des»Angriff«, wie sich einer von Kopf bis Fuß in Gips legen läßt und unversehrt wieder herausgepellt wird. Immerhin wird festgestellt, daß sich auch der Magische Zirkel zu einer vorbildlichen Volksgemeinschaft bekennt, denn in völliger Gleichberechtigung gehören ihm sowohl Arbeiter wie Generaldirektoren an. Es versteht sich von selbst, daß solche Künste ohne eine Liaison mit der nationalsozialistischen Wissenschaft nicht auskommen. Darum ist— immer nach dem»Angriff«— der Magische Zirkel korporativ dem Psychologischen Institut der Universität Leipzig angeschlossen: »Die Psychologen machen sich über die Zauberei streng wissenschaftliche Gedanken. Möglicherweise ergründen sie eines Tages, daß die Zauberei die reine, spielerische, grundlegende Form des menschlichen Triebes zur Technik ist. Diese an Philosophie grenzende und zur Erkenntnis des technischen Zeitalters nicht unwesentliche Frage wird von Leuten bearbeitet: Inwiefern handelt Rolf Hansen, der fünf brennende Kerzen aus seiner Jackentasche holt, obwohl er es eigentlich nicht nötig hat, inwiefern handelt er aus dem gleichen Urtrieb heraus, der den Neandertaler veranlaßte, solange mit einem Ast in einem Holzscheit herum- zubohren, bis Feuer aufsprang?... Die Pa- rapsychologie hat nicht zuletzt eine große sozialhygienische Aufgabe zu erfüllen; das Volk vor den gewaltigen Gefahren eines falschen und von verbrecherischen Elementen bewußt genährten Wunderglaubens zu bewahren, Ihre erste Aufgabe ist es, einwandfreies Material über das Vorhandensein okkulter Zusammenhänge zu sammeln. Da jedoch der raffinierte Bluff auf keinem Gebiete solche Blüten treibt wie auf dem des Geheimnisvollen, sinnlich nicht Faßbaren, ist es gut, wenn Parapsychoiogen zu Beginn ihrer Arbeit das studieren, was die Zauberer zu Zauberern macht: die G r u n d r e akt 1 o n e n der menschlichen Sinnestäuschun g.« Es handelt sich also um eine Wissenschaft, die des Schweißes aller Edlen wert ist! Gleichzeitig liegt ein Zeugnis dafür vor, daß die Behauptung, in Deutschland gäbe es keine freie Forschung und Lehre mehr, eine dreiste Emigrantenlüge ist. Denn nehmen es die Parapsychoiogen mit ihrem Studium ernst, so werden sie an der Summe aller braunen psychologischen Komplexe nicht vorbeisehen können. Der von»falschen und von verbrecherischen Elementen bewußt genährte Wunderglaube«, das»Gebiet des raffinierten Bluffs«, die»Grundreaktionen menschlicher Sinnestäuschungen« gehören zu jenen seelischen Kompositionen des Dritten Reiches, ohne die es nicht denkbar wäre. Geben die Machthaber das Studium dieser Phänomene wirklich frei, so hat dieser Zweig der neudeutschen Wissenschaft eine Aufgabe, die die ganze Welt wieder einmal in Erstaunen setzen dürfte. Eine Frage nur: warum wird jener Rolf Hansen, der fünf brennende Kerzen aus seiner Jackentasche hervorzuzaubern weiß, nicht für die Zwecke des Vierjahres- planes dienstbar gemacht? Könnte er nicht auf die gleiche Weise Rohstoffe und Devisen reproduzieren? Göring und Schacht sollten sich einen solchen Mann nicht entgehen lassen. Den Neandertaler haben sie ohnehin auf ihrer Seite. Endlich aber erfahren wir aus dem»Angriff«, daß zu den prominenten Mitgliedern des Magischen Zirkels kein Geringerer als der Polizeipräsident von Berlin, Graf Helldorf, gehört. Es wird Ihm attestiert, daß er»die Volte zu schlagen weiß«— so ausgezeichnet, daß er auf diesem Gebiete im Dritten Reiche nahezu konkurrenzlos sei. Mittelmäßig informiert, wie wir sind, haben wir im Brockhaus der Sicherheit halber nachgeschlagen, was man in der kosmopolitischen Begriffsbeetimmung unter»Volte schlagen« versteht. Die Auskunft lautet: »Im Kartenspiel versteht man unter »Volte« die Gewandtheit, die Karten während des Mischens so zu wenden, daß eine gewisse Karte an einen bestimmten Platz zu liegen kommt.« Der Herr Polizeipräsident Helldorf ist also mühelos Imstanüe, jedes KUmmelblättchen magisch aus dem Sattel zu heben! Man sieht, daß das Dritte Reich in der Auslese der Tüchtigen stets den richtigen Mann an die richtige Stelle zu setzen weiß. Aber, um der Wahrheit die Ehre zu geben; die ungewöhnlichen Qualitäten de« Grafen Helldorf beziehen sich keineswegs nur aufs Kartenspiel. Vor vier Jahren hat er einen sehr lebendigen Coeurbuben»auf einen bestimmten Platz« befördert. Nämlich seinen früheren Busenfreund, den in viele Details der braunen Machtergreifung allzu tief eingeweihten Hellseher Hanussen. Man fand ihn erschossen im Staube der Landstraße. Ob Helldorf als Mitglied de«»Magischen Zirkels« diesen Geist noch mancijmal zitiert oder zitieren läßt, wird freilich magisches Geheimnis bleiben. Harald. »Wer einen akademischen Grad erlangen will, muß die Anforderungen der nationalsozialistischen Wissenschaft und Forschung erfüllen. Von Wahrheitsstreben, Gesinnung und Charakter müssen Forschung und Lehre getragen sein. Allein unter diesen Voraussetzungen ist auch heute der Doktortitel zeitgemäß.« »Lebensferne« Doktorarbeiten, so fährt das Blatt fort, seien wertlos. Als lebensnahe Arbeiten gelten natürlich nur solche Dissertationen, die auf den ersten Blick die Führertreue ihres Verfassers erkennen lassen. Nicht nur die Juden— auch die Neinsager sollen von der akademischen Laufbahn ausgeschlossen werden, damit die nachdrängende braune Unfähigkeit genügend Raum habe.__ Sdiidisalsfragc »Die zur Entscheidung stehende Frage ist die, ob für den Standesbeamten allgemein der Gchrock angeordnet oder eine besondere Amtstracht in der Art der richterlichen Robe geschaffen werden soll« •(Preuß. Ztg. Nr. 133) Approximative Blutsbande »Wie verhält man sich, wenn in der Ahnenreihe ein außerehelich geborener Ahne auftritt? Stellt sich heraus, daß die Mutter in der Empfängniezeit mit mehreren Männern verkehrt hat, so ist von Jedem derselben die Ahnenreihe zu verfolgen« (»Der Westen«, Berlin, Nr. 138) Sein Friedenswille— Kitsch Das Propagandaministerium hat als»nationalen Kitsch« verboten: »Sängergruß auf den Führer: Heü Dir, mein Führer, Du großer Held. Willst Frieden bringen der ganzen Welt.« (Reichsanzeiger Nr. 112.) Der Blodcwart Er weiß, wann Müllers Schweinebraten essen, er weiß, wo Meier seine Hemden kauft, er weiß, daß Schulze gerne Kümmel sauft, er weiß— und wird es nicht so bald vergessen— daß ihn Frau Renz mal»Tausendohr« getauft. Ihn, den Blockwart. Er stört jedes heimliche Liebesidyll und pocht auf die rassische Sendung. er gräbt seine Nase sogar in den Müll— von wegen der Abfallverwendung. Will einer fremde Aetherwellen naschen, schwänzt einer einen Umzug der Partei, klagt einer, daß die Butter ranzig sei— weh ihm! Es kommt heraus, man wird ihn haschen. t Wer ihn verpfiff, weiß nur die Polizei— und, allerdings, der Blockwart. Der spannt in der Hausflur, beim Kegeln, beim Skat auf die leiseste kritische Regung. Er ist der unbekannte Soldat einer durch und durch noblen Bewegung- Das Stahlbad Der Fluch langer Friedenszeiten. In Potsdam gibt es eine»nationalpolitische Erziehungsanstalt«. Ihr Leiter heißt Ullrich Sander, Dichter nebenbei un<� t«t buchstäblich ein Schulbeispiel braunen Pädagogen- tums. Sein literarisches Thema: der Krieg. 1934 brachte er ein Kriegsbuch heraus, in dem»das heldische Leben eines Pioniertrupps«. den er führte, geschildert wird. Weil es In der Zeit entstand,»da plötzlich Kriegs- bücher Modesache wurden«, wie die Köln. Volksztg. schreibt, also nach Remarques Erfolg niedergelegt wurde, hielt es sich im Rahmen der Reportage. Sein wirkliches Herz schüttete der Jugenderzieher erst im Dritten Reich aus, und so erschien denn vor einiger Zelt ein Roman, der sinnig»Das feldgraue Herz« betitelt ist und das Massenmorden segnet. Es hat unseres Wissens in der Demokratie kein Roman angepriesen werden können, der den Weltkrieg als einen Segen feiert. Diese Zelt stand noch zu sehr unter Kontrolle der Frontsoldaten, da zuckten Schmerz und Trauer noch zu sehr in aber Millionen Herzen, als daß eine solche Blasphemie möglich gewesen wäre. Erst mußte eine von der Nazilüge verwirrte Generation heranwachsen, che die Weltkriegsschrecken In ein Glück umgefälscht werden konnten. Und kein deutsches Blatt darf»ylder diesen Irrsinn aufstehen! Die katholische Köln. Volksztg. Nr. 139 schreibt zu dem Buche: »Sander unternimmt es hier, von dem Weltkrieg als von einem Segen zu sprechen. Die Vorkriegszeit erscheint ihm als»verseucht, angefault und überständig«. ... Nicht nur, daß langsam die friedensmäßigen Anschauungen vergingen, sondern daß der Krieg dem damaligen Kämpfergeschlecht wieder zum Natürlichen verholten hat, erkennt Sander als den größten Segen des Weltkrieges an.« Und wenn auch Deutschland durch die Verhelfung»zum Natürlichen« nahezu zwei Millionen Männer verlor, so steckt für Sander gerade darin das Segensreiche: »Immer neun Mann unseres Geschlechts sind tot. Aber jeder Zehnte wird immer und für alle Zwecke seine Kompanie zusammenhaben. Kompanie in einem höheren Sinne. Eine der tiefsten Erkenntnisse des Krieges: Voraussetzung für eine neue Welt.« Immer wieder wird eine Welt»anfaulen« und»überständig« werden, also wird Krieg immer wieder zum Segen gereichen. Wenn künftig Städte massenweise durch Brandbomben vernichtet und Frauen samt Kindern durch Gift und Gas dem Heldentod im Hinterlande zu Millionen überliefert werden, so wird doch wenigstens jeder Dreißigste»seine Kompanie zusammen haben«, nicht wahr? »Voraussetzung für eine neue Welt«, mit noch neuerer Massenmordtechnik. Sollten einst zum Schluß nur noch einige Irre übrig bleiben, so können sie feststellen, wie heroisch das Menschengeschlecht zu Grunde ging, um nicht ü b e r s t ä n d i g zu werden. Die Nazipresse hat mehrfach beschworen, am Kriege seien die Entente und die Juden schuld, Alijuda, wie Ludendorff schreibt. Aber wenn er doch ein Segen war, dann sind die Juden mithin der Welt zum Heile geworden. Dann sind doch alle Kriegsschuldigen gleichzeitig die Wohltäter Europas. Wozu also das Geschrei wider die Kriegsschuldlüge? Wer löst das Dilemma, wer bringt Ordnung in den braunen Wirrwarr? Hitler hält Friedensreden und appelliert immer wieder an die Frontsoldaten.»Keiner, der die Schrecken des Krieges kennt, kann wünschen, daß je wieder---»Und Leiter seiner politischen Erziehungsanstalten dürfen den Giftkrieg als Segen preisen! In diesen Schulen wird der»Führernachwuchs« herangebildet. Welcher Trottel soll braunen Friedensreden noch glauben? b, Br. Die Unbekannten Alle unsere älteren agitatorisch tätigen Genossen wissen von der Mühe, die es noch nach 1900 selbst in den Randgebieten der Großstädte kostete, die Frauen politisch zu interessieren. Eis gehörte zu den Ironien der Geschichte, daß Manner gegen die Männerherrscbaft reden, daß Männerden Frauen ihre politischen Rechte aufdrängen mußten. Denn die Zahl der Frauen, die dabei agitatorisch mithelfen konnten, war vor dreißig Jahren denkbar gering; um so ungewöhnlicher mußte die Leistung jener Tapferen erscheinen, die sich aus Not und Dunkel über den Kreis ihrer rechtlosen, indifferenten Leidensgenossinnen hinausschwangen und ihnen trotz Kerker, Gefahren, Hohn und feindseliger Ablehnung die sozialistische Botschaft brachten. Alfred Kleinberg und Fanny B 1 a t n y haben im Graphia-Verlag ein stattliche« Buch herausgebracht, das die sudetendeutsche Arbeit c'rinnen-Bewe- gung bis zum Weltkrieg schildert Auf 262 Seiten entfalten sich Vormärz und Nachmärz, die Geschichte Oesterreichs und seiner sozialistischen Bewegung. Das alles wird in lebendigem Stil dargestellt, belebt von Dokumenten, Erinnerungen der weiblichen Pioniere, Schilderungen und Erzählungen au« vergangenen Notzeiten. Aus Arbeitsfron und Famüiendruck wächst langsam da und dort eine Frau heraus und in die Arbeiterbewegung hinein. Konservativismus der eigenen Klassengenossen, Spießertum, Polizei und Staat stellen sich hemmend in den Weg. Viele Opfer und zähe Arbeit kostet es, ehe auch die Arbeiterfrau wagen kann, unbehel- Immunitüt für Bonzen und Bönzchen- nsdo [ Normale natürlich, warum soll er nicht sein» ordentliches Recht haben? Was quält das andere, wenn wir zufällig unseren Nachbar ein paar Provinzen abnehmen wolFür braune Erpresser, Verleumder, Ehrabschneider sind die Gerichte» nicht zuständig« len? Früher ging das doch auch» lokalisiert< Obgleich es schon heute für einen gewöhnlichen Sterblichen unmöglich ist, auf dem Rechtsweg gegen einen beamteten braunen Verleumder, Schädiger, Erpresser vorzugehen, sieht sich die NSDAP wieder einmal genötigt, ihre> unantastbaren Hoauch auf dem Gebiete der Rechtsverdunkelung ausdrücklich zu betonen. Die Parteipresse veröffentlicht eine > parteiamtliche Stellungnahme, in der es heitsrechte< abgeben müssen.... In allen denjenigen Fällen, wo das abgegebene Gutachten oder die ungünstige Aeußerung den Tatsachen entspricht oder in gutem Glauben von dem Politischen Leiter für richtig gehalten wurde, steht diesem der Schutz des § 193 des Strafgesetzbuches zu, das heißt, er hat in Wahrung berechtigter Interessen< gehandelt und kann nicht bestraft werden.< selbst wenn >> Beide zusammen, Partei und Staat, sind hiebfeste Fall und zwar eines der sein Jahrhundert und mit> neutralitätspolitischen< Zugaben ein Sach- oder Personenschaden). Aber auch ab! Es ist die zynische Mentalihier richtet sich ein Anspruch auf Scha- tät des hundertprozentigen densersatz nicht gegen den betreffenden Parteigenossen, sondern Militarismus, gegen die NSDAP selbst, die für diese solchen, Schäden haftet. In allen übrigen Fälganz und gar verschlafen hat len können Maßnahmen von Pound selbst durch die harten litischen Leitern oder sonstigen Amtsträgern der Bewegung Schläge des Weltkrieges in seinur durch die vorgesetzte Par- ner atavistischen Orthodoxie teidienststelle nachgeprüft nicht wankend gemacht werden konnte....! werden. Immerhin, wenn man solche Betrachtunwie weit neue Weise jemand einem politischen Leiter nach, daß er nicht» in gutem Glauben< ge( wir zitieren nach der Preußischen Zeitung handelt hat! Aber selbst wenn das gelänge, Durch die vorgesetzte Parteidienststelle! Nr. 137) u. a. heißt: und das wäre wohl der einzig Zwar wird zynisch versichert, wenn der Poder Kläger handgeschriebene litische Leiter> aus persönlicher Gehässigkeit gen im Dritten Reich anstellt: > Träger des Reiches( Reichsminister Dr. Briefe seines Beleidigers vorlegen könnte, aus gehandelt habe, werde schon> eine entspredenen hervorginge, daß der Kerl wider bes- chende Bestrafung eintreten«. Aber wer in Daraus folgt, daß die staatbegründetere Deutschland, wer in der ganzen Welt, glaubt lichen Gerichte nicht in die Ho- seres Wissen darauf los verleumdet. hat heitssphäre der Partei eingrei- was wäre damit gewonnen? Nichts. Jeder noch an solche Ammenmärchen? fen können. Mehrmals wurden nach der deutsche Richter, dem das beweiskräftige Ma- Nein, die Sache ist ganz klar: nicht nur ja sowieso wieder in den Mauselöchern von Machtübernahme Versuche unternommen, terial unterbreitet würde, müßte achselzuk- die großen Parteifürsten die für ihre skru- 1918/19 verschwunden sein... oder Unterlassungsklagen wegen unerlaubFrick). tern.< ist es dann wieder davon entfernt, daß eine und diesmal noch sicherlich weit - Kriegsschuldfrage und Anti- Hunnenstimmung die Welt dramatisch beschäftigt? Am Ende werden die Rungos Das Dritte Reich tänzerisch durch bürgerlich- rechtliche Schadensersatz- kend sagen:» Tut mir leid. Das ordent- pel- und straflose Rechtsbrecherei bekannt ter Handlung gegen Politische Leiter vor- liche Gericht ist hier nicht zuständig.<< sind auch ihre Lakaien sind unantastzugehen. Diese Versuche mußten jedoch an Und wenn der Rechtsuchende darauf hände- bar, dem Gesetz entrückt, dürfen der Unzulässigkeit des Rechtsweges schei- ringend erklärt:» Meine Existenz steht auf sich nach Belieben an ihren Mitmenschen dem Spiel, mir bleibt nur der Strick, wenn austoben, ohne daß sie irgendjemand zur An der> Unzulässigkeit des ich kein Recht finde«<, so würde der Richter Verantwortung ziehen könnte. Neue Wege deutscher Ausdruckskunst Rechtswegesc nicht an mangel- vielleicht die Parteizeitung aus der Tasche hafter Beweisführung. Denn auf das noch so ziehen und auf den folgenden Absatz hin- schichte schon gegeben, die Despotien aller richt: Privilegien solcher Art hat es in der Ge- Durch die braune Presse geht dieser Bewohl begründete Recht des Klägers kommt es Zeiten haben ihre Kreaturen in ähnlicher in keiner Weise an: >> Lediglich in den Fällen, in denen es Weise vor dem Arm der Gerechtigkeit besich um eine Schadenshaftung im Sinne des wahrt. Aber immer hat sich das WillkürArt. 131 der Reichsverfassung handelt, sind die ordentlichen Gerichte zur Entscheidung regiment früher oder später gerächt zuständig( z. B. der Kraftfahrer eines an der Kaste, an der Volksgruppe, die es Parteiwagens verletzt auf einer Dienstfahrt ausübte. Und diese Rache pflegte derart zu einen Volksgenossen oder bei einer Schieß>> Die Tätigkeit und die Stellung gerade der Hoheitsträger der Partei macht es unter Umständen erforderlich, daß sie Volksgenossen wegen irgendeines gemeinschaftsschädigenden Verhaltens Oeffentlichkeit oder in Mitgliederversammlungen angreifen, oder daß sie nachteilige Begutachten über irgendwelche Personen in der weisen: übung entsteht durch mangelhafte Schutz- sein, daß die davon Betroffenen ihre ehedem maßnahmen des zuständigen SA- Führers genossenen Vorrechte tausendmal verfluchten. ,, Ordentliches" und ,, Unordentliches" Kriegsrecht Ein völkerrechtlicher Stoßseufzer aus dem Dritten Reich deutschen streiten. das einen > Einen ganz neuen Weg haben der Ballettmeister Wilmo Kamrath und der Komponist Hans Klaus Langer mit ihrer Tanzschöpfung» Die letzte Fahne« eingeschlagen, die in diesen Tagen im Oberschlesischen Landestheater Beuthen zur Uraufführung gelangte. Zum ersten Male wird in diesem Werk der Versuch unterdie nommen, zurückliegenden Jahre des Kampfes um Deutschland tänzerisch ZU gestalten. Die Handlung, die sich vielleicht sehr scharf an die Grenze des Möglichen bewegt, wird durch die Musik des oberschlesischen Komponisten Hans Klaus Langer zu einer Tanzschöpfung von überdurchschnittlichem musikalischem Gehalt.< Da man die Details nicht kennt, muß man Ausgerechnet unter der Rubrik» Brücken| Verhalten<) beruht und hatte zunächst ins- kämpfung des neutralitätspolitischen Prin- der Phantasie freie Bahn geben. Wir stellen Sie liegt der zum Ausland< führt der braune Völker- besondere diese beiden Folgen: Erstlich ver- zips der Kriegslokalisierung. uns die einzelnen Szenen vor, die den Sieg Moral der Doktrin vom> einheitlichen Frieden< zurechtsjurist Heinrich Rogge im Organ des drängte sie das Recht und die des Nationalsozialismus in der tänzerischen > Deutschen Akademischen Austauschdien Neutralität. Wenn es darum geht, den Feind grunde, der aus jedem Krieg irgendwo in Apotheose realisieren, mit braunen und Kriegsver- der Welt um des Friedens willen stes<( letztes Aprilheft) als gegenwärtigen des Menschengeschlechtes, schwarzen Vor- und Eintänzern und vielleicht Standpunkt Deutschlands folgende Klage ge- brechervolk, zu bekämpfen so lautete da- Weltkrieg machen will.<. mit einer Primaballerina aus Braunau am Wir glauben nicht, daß irgendwo einmal Inn. Bilder wie die folgenden:» Die Verjagung gen die außerdeutsche Umwelt, nachdem er mals die Propaganda, mit der man die Völauseinandergesetzt hat, wie der letzte Welt- ker zum Kriegsbeitritt aufhetzte dann im Dritten Reich klarer und rücksichtsloser der Marxisten und Novemberverbrecher, krieg von den damaligen Alliierten als eine darf niemand sich der solidarischen Pflicht das in der Tat ausgesprochen worden ist, Auf der Flucht erschossen« oder» Peitschenwieder Deutschland von Art Freiheitskrieg der Demokratie gegen entziehen, in diesem heiligen Krieg mitzu- was auch heute tanz im Konzentrationslager<< sind ohne das autokratische Prinzip des Und weiter: diese Kriegsideologie seiner Außenwelt wie durch einen ideologi- Zweifel einige Höhenpunkte dieser choreogra Kaiserismus und Militarismus geführt wor- vom Strafzug gegen die Kriegsverbrecher schen Abgrund scheidet, als es hier der ge- phischen Neuschöpfung. den ist, wie also eigentlich ein dramatisch- verdrängte das> hosti etiam fides servanda«, nannte gleichgeschaltete Jurist tragischer Weltgegensatz Dritten Reich eingehen,» Ganz neu<< ist der Weg freilich zeit- das notwendige Basis des Friedensvertrages soll wirklich im gemäßen des heutigen bereits damals blutig als Institution des Kriegsrechtes ist. Sie daß der Krieg eine Sache der allgemeinen Seine Vorbilder sind die mittelaltergenug abgehandelt wurde: machte einen ehrlichen Friedensvertrag un- menschlichen Moral und nicht mehr die ge- lichen Totentänze. Da wird das ge> Diese Kriegsideologie Alliierten) möglich mit der Begründung, zwischen dem radezu metierhafte Uebung des Staates bei peinigte Volk vom verneinte das ordentliche Kriegsrecht, Verbrecher und dem Strafrichter gäbe es passender Gelegenheit ist? Ist es nicht die Sterben geführt, verleitet von Fiedel und das sich als Selbstbeschränkung der Kriegs- kein Kompromiß. Die gleiche Ideologie Welt des großen Kurfürsten oder des Fride- Trommel. Immerhin ist es möglich, daß die gewalt kennzeichnet und auf >> hosti etiam fides est servanda«(» auch ge- übernommen und verwandt sowohl zur Le- Jahrhunderte im allgemein- zivilisatorischen Erlebnis des Dritten Reiches dieses Vorbild genüber dem Feinde gilt Treue und faires gitimation des Sanktionskrieges wie zur Be- Bewußtsein zurück? Ist aber der Krieg das noch übertroffen haben. von ( der der dem tut. Wem Satze wurde dann vom Völkerbund von Versailles ricus Rex, die sie allein verstehen nicht. dunklen Gevatter zum drei Herren Kramrath und Langer unter dem ligt in politische Versammlungen zu gehen. rin zerschellen; die Spuren ihrer Befreiungs- Schulen mobilisiert, Hunderttausende Kinder Brüggemanns letztes Glück Und diese ersten unbekannten Führerinnen kämpfe leuchten wie Flammenschrift in das schwärmen aus und sammeln Stanniol, alte der erwachenden proletarischen Frauen 20. Jahrhundert hinein. sie kamen durchwegs von unten, Tiefe. Proletarierin< die aus der rg. Kampf Als die Kirchen brannten... Diese kleine Geschichte steht im» Schwarzen Corps<: In den Tagen der Reformation Korke, Abfälle, Papier, Metallreste, dem Verderb! Es ist im totalen Staat ein Naturgesetz, > Das Denkmal der unbekannten Luxus und Stanniol daß die Vielen kärgliche Reste zu sammeln weigerte sich der Bildhauer Gerhard Brüggemann, einem Befehl des Bischofs zu folgen heißt darum dies Heroisch leben, das heißt unter Umstän- haben, damit einige Wenige mit vollen Hänund in eine holzgeschnitzte Madonna eine lebendige, instruktive Buch. Aber weil die den, eine Villa auf Capri und einen Palast den vergeuden und luxuriöser reisen können, Apparatur zur Erzeugung von Wundern einArbeiterinnen- Bewegung nur ein Teil des in Berlin haben. Nie hat ein Armer das heroi- als je sämtliche Potentaten Europas reisten. zubauen, denn er war längst> Teilhaber der großen sozialistischen Befreiungskampfes ist sche Leben gepriesen, das besorgten meist Kostspielige Luxuszüge, die leer zurück fahlebendigen germanischen Seele<, kurz, ein und weil dieser Kampf überall in Mittel- die Emporkömmlinge, Hochbesoldeten und ren, sind wichtiger als Butter oder Mehl, zu> erster< Nationalsozialist. Da bestachen die europa die gleichen Grundzüge aufwies, so Pensionsberechtigten. Nie hat ein Hungernder mal erstere durch Palmin zu ersetzen und bösen Mönche seine schöne Geliebte und spiegelt sich in dem Buche die gewaltige das Hungern verklärt oder Kanonen für wich- letzteres durch Kukuruz bis zum Schwarzveranlaßten sie, ihm zu nächtlicher Stunde evolutionäre Entwicklung des vierten Stan- tiger als Butter erklärt, das besorgten immer werden zu strecken ist. einen Liebessaft auf die Augen zu träufeln, des; das politische Befreiungswerk des So- die Satten. Heroisch leben, das heißt: Deutschland ist wieder einfach gewor- der natürlich ein fressendes Gift enthielt. zialismus ersteht in seinen ungeheuren Kon- hart reden und weich sitzen. den, schreibt die Nazipresse, wir sind zu Verhöhnt und verlacht von den Priestern, turen. Heute, da wieder einmal gegenrevolu- Kurz, es waren fünf Salonwagen, spartanischen Grundsätzen zurückgekehrt, legte er sich hin zum Sterben. Aber vorher tionäre Wellen den Kontinent zu überfluten die am 15. Mai abends den Minister Göring und wenn es sein muß, werden wir uns groß- wiederfuhr ihm noch ein hohes Glück: drohen, suchen gegenrevolu- nach Venedig brachten. Am 16. Mai traf er hungern... Die Autos, die Paläste, die genären Demagogen sich dem strah- mit Gefolge dort ein und war am 17. Mai vor- schenkten Rittergüter, der Eherkonzern, die lenden roten Befreiungswerk mittags schon wieder per Flugzeug in Mün- Flugzeuge und leer rollenden Luxuszüge anzuhängen und erklären den Arbeiter chen. Der Extrazug fuhr leer zurück. Kampf das betrifft ja nur wenige, kaum einen auf heute, feierlich zum Menschen nachdem dem Verderb! zehntausend. Und es muß Staatsdiener geben, ihn die Sozialdemokratie seit Jahrzehnten in In der> korrupten Weimarer Demokratie die wie Krösusse leben, damit sie dem Volke opferreichen Kämpfen politisch befreit hatte. hätte es im Parlament heftige Debatten ge- aus eigener Erfahrung sagen können, wie > Ja, diese politische Emanzipation war geben, wenn ein derart mit den artfremd, nichtig, unbefriedigend und kornötig<<, tönen die Fledderer des Schlacht- Groschen der Steuerzahler umgesprungen rumpierend das ist. feldes,» aber der Marxismus...< Und ver- wäre. In dieser korrupten Demokratie verfemen im selben Atemzuge dieselben Männer schmähten es die Minister, in Salonzügen zu Es war also ein gutes Werk, als damals so viele Kirchen verbrannten und Priester und Frauen, die den vierten Stand aus Leib- fahren; sie reisten in denselben Zügen, in deeigenschaft und Fron geweckt, erlöst, erhoben nen andere Sterbliche dahin rollten. Atten- Wie die deutschen Zeitungen melden, hat reihenweise erschlagen wurden. Es war, nach Autors Kurt E. Wolffs Bekenntnis, haben, werfen sie in Kerker und Konzentra- tatsfurcht kannten sie nicht, weil sie vom der Chef der deutschen Polizei Himmler an- des braucht jedoch nur dies heroischen Leben keine Ahnung hatten. geordnet,» daß in Zukunft bei sportlichen sogar» Gottes Wille«. Jeder antireligiöse tionslager. Stück Geschichte von ehedem aufzuschlagen, Und was die Kostenfrage anbelangt, so Veranstaltungen und Wettkämpfen der Poli- Bolschewist dürfte das>> Schwarze Corps< um wirksame Gottlosenpropaganda beum zu erkennen, wie wacklig und vergäng- können nur gewisse materialistische Elemen- zei als Preise keine Plaketten mehr diese lich Gewaltsysteme geworden sind. In unse- te danach fragen. Die Parole> Kampf dem aus Metall verliehen dürfen.<< neiden. Es bedarf kaum einer Erwähnung, raffinierteste Verderb< bringt alles wieder ein. Reichswehr Wenn die Selbstversorgung weiter solche daß in der gleichen Nummer dieses Blattes werden im nächsten ein wilder Entrüstungssturm wegen der brenpolitische Lügenwerk am unbekannten Pro- fährt mit Trompetern umher und sammelt Fortschritte macht, letarier und an der unbekannten Proletarie- Altmaterial. Sammeltage werden angesetzt, Krieg die Eisernen Kreuze aus Zellulose sein. Inenden Kirchen in Spanien tobt. Man ren Dezennien muß auch das Minister Nur noch Karnevalsorden werden > Brüggemann starb, nachdem er noch lange und schwer gelitten. Sein letztes Glück aber war, daß er den großen Sturm noch erlebte, der damals über das Feuer. deutsche Land hinging wie ein Darinnen alles verbrannte, was falsch war und fremd. Darinnen auch der Abt, der ihn geschändet hatte, vernichtet wurde. Der Abt, die Mönche und Priester und auch die Kirche mit seinem Altar.< Dreißig Musterknaben- Muster ohne Wert Unter 6.6 Millionen Betriebe 30 Nazi- Schrittmacher noch Parteistelle oder auch direkt der Gestapo melden. solchen Gesc Natürlich droht einem solchen Geschäftsinhaber das Konzentrationslager oder das Gefängnis. Trotz dieses Terrors erfüllen nach der und dem Ladentisch«. Darin in der>> Verbraucheraufklärung< noch immer nicht. Die» NS- Landpost< bringt >> Zur Vollendung des Prozesses der Ge- einen Artikel» Gegen die Misemacher hinter wird von» Einzelmeinschaftsbildung sind Generationen eine jahrzehntelange Erziehung notwendig, gängern« gesprochen, die aus Eigenbrötelei aber auch das heute schon erreichte Ziel und selbstsüchtigen Motiven ihre Stellung in ist überwältigend.<< der Ernährungswirtschaft noch nicht erkannt hätten und ihre Aufgabe darin erblickten, bei der Kundschaft Unzufriedenheit zu erwecken.» Wer vorübergehende Verknappungen nur dazu benutzt, Miẞstimmungen hervorzurufen, steht am falschen Platze<<, so heißt es in dem Artikel, der schließlich in die folgende unmiẞverständliche Drohung Die Rohstoff- und Devisennot im Dritten Bei Reklamesucht der Nazis würde man|( Betriebsleiter Pg. Saukel) übergegangen Meinung der Nazis die Einzelhändler ihre Reich hält unvermindert an, sinkende Löhne, sicher eine große Zahl von kapitalistischen war. Trotz der Musterpleite hat der Führer Funktion wachsende Teuerung vermehren von Tag zu Musterknaben prämiiert haben, wenn sich die bei der» feierlichen Verkündung« erklärt: Tag die Opposition. Die hinkende Reichs- Unternehmer überhaupt am» Leistungskampf< propaganda kann höchstens einzelne beteiligt hätten. Aber der Aufruf hat keine Die deutschen gläubige Auslandsbesuche blenden und täu- Anziehungskraft ausgeübt. schen. Sie bekommen Potemkinsche Dörfer Großkapitalisten nehmen die Dienste der Nazu sehen. Das letzte dieser sozialen Trug- zis zwar gern in Anspruch, aber>> mit der nationalsozialistischer AnUeberwältigend ist die Not in Millionen bilder sind die sogenannten» Nationalsoziali- Verwirklichung stischen Musterbetriebe<<. schauungen<< dürften sie es, wie hier erneut landwirtschaftlicher und gewerblicher BetrieAuf Grund einer Verordnung vom 29. bestätigt wird, keineswegs ernst nehmen. Die be, die auch dann noch eine furchtbare AnAugust 1936 wurden einige Wochen vor dem Uebersicht zeigt vor allem, daß die ausge- klage gegen den deutschen Faschismus be1. Mai 1936 die Betriebsführer aufgerufen, sprochen monopol- kapitalistisch orientierten deuten würden, wenn tatsächlich dreißig Besich am> Leistungskampf der deutschen Be- Großindustriellen auf das goldene Rad wie triebe halbwegs soziale Einrichtungen hätten. zu beteiligen. Die Teilnahme sollte auf die goldenen Fransen verzichten, wenn Die Millionen deutscher Arbeitssklaven weraus innerer Ver- bleibt. Es ist kennzeichnend, daß von den die weitere» jahrzehntelange Erziehung<< zu pflichtung gegenüber Führer und Volk in die großen Rüstungsbetrieben lediglich die Suh- bewilligen. Für das Regime war die Proklavorderste Front des Nationalsozialismus ler Waffenfabrik zu den>> Musterbetrieben« mation der Musterbetriebe ein wohlverdienter für die Arbeiter aber stellt<<. Es ist nicht bekannt geworden, wie- gezählt wird, nachdem sie in den Besitz der Reinfall, viel Betriebe sich an dem Wettkampf be- Partei, der sog.» Wilhelm- Gustloff- Stiftung Muster ohne Wert. teiligt haben. Das Ergebnis aber spricht triebe« einen Gradmesser dafür bilden,» wieweit sich nur der Rüstungsbetrieb sonst einträglich den kaum bereit sein, den Nazis die Zeit für ausklingt: jeder deutsche Betrieb der Bände. Auf Reichsarbeitskammer verlieh der Führer ganzen dreißig feierlichen Sitzung der vom 30. April 1936 sage und schreibe Betrieben Deutschen Arbeitsfront und goldenen Fransen. Gesamtzahl die Fahne der mit goldenem Rad Land- und Forstwirtschaft 3,075.454 abzeichen 2 Nichtlandw. Gärtnerei und Tierzucht 17.026 Küsten- und Hochseefischerei 7.418 Bergbau 1.309 Industrie der Steine u. Erden 34.098 1 1.457 1.172 155.906 • Eisen- und Stahlgewinnung Metallhütten Herstellung von Eisen-, Stahl- u. Metallwaren Maschinen- u. Apparatebau Kautschuk- und Asbest41.834 27.595 32 sind es Keiegsgaserzeugung mit Sklavenarbeit fen bis Umwelt vor >> Wer die heutigen Notwendigkeiten nicht versteht, sie nicht begreifen oder nicht mitmachen will, müsse die Konsequenzen aus seiner Haltung ziehen, die eine weitere Betätigung in der Erzeugung oder beim Absatz lebensnotwendiger Nahrungsgüter unmöglich macht.< Das ist deutlich: jeder, der sich nicht hundertprozentig in den Dienst des nazistischen Lügen- und Unterdrückungsapparates stellt, für den ist im Einzelhandel kein Platz! rung der Diktatur der Bonzen und die vollständige Ausbeutung des deutschen Volkes verlangen das! Sorgen » Der Besitzer eines Münchener Konzert>> Heil und daß ihnen » Das Podium«, Fachblatt für Musikgaststätten. Zitiert im Westen, Berlin, Nr. 138. Sprungbrett wohin? >> 101 Mann der ( Preußische Zeitung Nr. 135) Görings Arbeitsplatz- Notverordnung auf den Haupt- Seine Existenz wird vernichtet- die Sichekomplex der deutschen Kriegschemie übertragen Selbst wenn es wahr wäre, daß die ausgezeichneten Unternehmen wirklich nach sozia- Der Entzug der gewerblichen Freizügig- Deutschland überhaupt die Möglichkeit, danach der Marneschlacht len Gesichtspunkten geprüft worden sind, keit für alle in der deutschen Metallindustrie| mals den Krieg fortsetzen zu können. im Ganzen weit noch Dann spielbliebe dieses Ergebnis so winzig, daß damit zur Zeit Beschäftigten die soziale Verwahrlosung der deutschen über drei Millionen Menschen, die nunmehr an ten die Leuna- Proleten, schlecht bezahlt und Wirtschaft nur bestätigt wird. Unter den be- den bestimmten Arbeitsplatz durch entspre- besonders geschunden, in den revolutionären kanntgegebenen Firmen sind nur wenig be- chende Verordnungsserien des Vier- Jahres- Wirren nach Kriegsbeendigung eine besondere kaffees bittet das>> Podium<<, den Herren Münkannte Namensträger enthalten. Wie küm- Plan- Diktators Göring gefesselt sind, den sie Rolle, die nicht nur einmal den Umkreis um chener Musikern mitzuteilen, daß sie auch in merlich die>> Betriebsgemeinschaft« im Hit- am allerwenigsten etwa in der Absicht noch die riesigen Werkschlote zum blutigen Schau- der Hauptstadt der Bewegung mit ler- Reich verwirklicht ist, dafür mögen fol- aufgeben können, um sich bei einem anderen platz politischer Auseinandersetzungen mit Hitler« grüßen dürfen, gende Zahlen sprechen. Unternehmer oder» Betriebsführer« indivi- Maschinengewehren und Minenwerfern mach- nichts von ihrem Gott verloren geht, wenn sie Im Leistungskampf der deutschen Be- duell bessere Arbeitsbedingungen zu verschaf- ten. Aber im Aktionsradius der erweiterten das» Grüß Gott« durch den deutschen Gruß triebe« erhielten bei einer wurde bekanntlich mit dem immer Göring- Verordnung liegt beispielweise auch ersetzen. Der Einsender fragt ferner an, o b Leistungs- drückender werdenden Facharbeitermangel« die berühmte Explosiv- Fabrik von man vielleicht in Zukunft auch nämlich dicht bei noch den deutschen Gruß in den vom Regime öffentlich begründet. Ob dieser Reinsdorf die schon Zwei Verträgen festlegen muß.<< dank der unhaltbaren Anormalität der deut- Wittenberg das In die Luft- gehen schen Rüstungskonjunktur besteht oder nicht, Jahren durch sei dahingestellt: sicher ist, daß das zur Be- ihrer hochgefährlichen neuen Lagerbestände ruhigung der Arbeitermassen verwendete Ar- viele hundert Arbeitstote, die erste Legion gument für diese Galeeren- Dienstordnung sich der auf dem Felde der Hitler- Ehre Gefallenen, als eine der ganz großen Lügen erforderte. Und was die Gegend von Bitterund ist es jetzt Fliegenden Gauder nationalsozialistischen Sys- feld angeht, so war hier in Verbindung mit der Kraftgewin- schule des Gaues Groß- Berlin haben die tem- Propaganda nunmehr heraus- wieder stellt! Denn soeben dritten nung aus der Braunkohle, die auch für die Be- Fahrt nach Ostpreußen mitgemacht, um wird im die Land und Leute, Schönheiten und Sorgen Berlins muß, mitsorgen Reich amtlich bekanntgegeben, daß jene Gö- leuchtung ring'schen Arbeitsplatz- Notverordnungen dank elektroanalytisches Zentrale kennenzulernen... Kreisleiter Schulz vom eines neuen Erlasses des Präsidenten der des allergrößten Teils der Erzeugung jener Gauschulungsamt entbietet ihnen den ersten Reichsanstalt für AV( unter dem Datum vom deutschen Kriegs- Todesgase, die als» Gelb- Willkommengruß im Namen des Gauleiters. und» Grünkre u z< ihre Er bittet die Gäste mit offenen Augen und 27. April ds.) auch für alle Arbeiter kreuz< » der chemischen Industrie und dämonische Unheimlichkeit für die außer- Ohren durch das Land zu fahren, das geheute behalten schlossen hinter dem Führer stehe. Sie sollten, des Baugewerbes für die Arbeits- deutsche ämter Bitterfeld, Halle und Wit- haben. Wer im letzten Kriegsjahr in diese Ge- wenn sie nach Hause kämen, verkünden, da ẞ tenberg Geltung habe. Ausdrücklich wird gend kam, konnte die Spuren solchen Mord- In- sie ein Land gesehen hätten, daß in den beigegebenen behördlichen Kommenta- fernos an den zu Stümpfen verkrüppelten Hän- nicht das Ende, sondern der Anvon Deutschland und das, ren aber auch zugegeben, wie es ja auch der den und Fingern der damals hier beschäftig- f ang Wirklichkeit entspricht, daß die nunmehr mit ten Frauen und Mädchen, an den von Säuren Sprungbrett des Führers wäre.< einbezogenen Werktätigen gar keine» Fachar- zerfressenen Gesichtern fast bei jedem zweibeiter sind, sondern» gemeinhin als unge- ten Menschen, der ihm in der freudlosen lernte oder angelernte Arbeiter angesprochen« Sand- und Föhren- Umgebung begegnete, auf sein Gemüt, so er eins hatte, wirken lassen... werden müßten. Im Dreieck Halle- BitterfeldMit dieser Feststellung prangert also das Regime seine eigene grandiose soziale Verlo- Wittenberg unterhält der deutSozialdemokratisches Wochenblatt genheit an. Damit aber bei weitem nicht ge- sche Kriegsgott seine WaffenHerausgeber: Ernst Sattler; verantnug! Man braucht sich das spezifische, aus- schmiede als Giftküche infernawortlicher Redakteur: Wenzel Horn; drücklich durch die Verordnung> herausgenom- lischen Ausmaßes und infernaDruck:> Graphia<; alle in Karlsbad. ist mehr als Zeitungstarif bew. m. P. D. Zl. 159.334/ VII- 1933. mene« Erzeugungszentrum, für das jetzt der lischer Planung! Hier Göringsche Industriegaleerenzwang ganz all- sonst der deutsche Mensch nur ein kümmer- Printed in Czechoslovakia. Kontrollpostamt: AufgabeStückchen militaristischen Staats- Poštovní úřad Karlovy Vary 3. gemein gilt, nur einmal etwas näher ansehen. liches Das ist nämlich das Wirtschaftsgebiet des in zweckes! Hier gibt es nur noch Rüstungs- postamt Karlsbad 3. Der>> Neue Vorwärts« kostet im Einzelder Kriegs- wie Sozialgeschichte des neueren fellachen! Was sie aber vorhaben, die Her- verkauf innerhalb der CSR Kč 1.40( für ein Deutschland gleicherweise berühmt- berüchtigt ren vom» deutschen Sozialismus«, die hin und Quartal bei freier Zustellung Kč 18.-). Preis ihren>> Führer und Reichskanzler der Einzelnummer im Ausland Kč 2.-( Kč gewordenen» Leuna- Werkes« bei Halle; wieder nun, mit 24. für das Quartal) oder deren Gegenwert in der Landeswährung( die Bezugspreise für das Quartal stehen in Klammern): Argentinien Pes. 0.30( 3.60), Belgien: Belg. Frs. 2.45( 29.50), Bulgarien Lew 8.-( 96.-). Danzig Guld. 0.45 ( 5.40), Deutschland Mk. 0.25( 3.-), Estland E. Kr. 0.22( 2.64), Finnland Fmk. 4.-( 48.-), Frankreich Frs. 1.50( 18.-), Großbritannien d 4.( Sh. 4.-), Holland Gld. 0.15( 1.80), Itaentbehrlichen Nahrungsmitteln zum Ausdruck lien Lir. 1.10( 13.20), Jugoslawien Din. 4.50 bringt. Und sie haben von den Nazileitungen,( 54.-), Lettland Lat. 0.30( 3.60), Litauen Lit. Millionen Betriebseinheiten, von denen ganze ihrer Berufsorganisation und von den 0.55( 6.60), Luxemburg B. Frs. 2.45( 29.50), Norwegen Kr. 0.35( 4.20), Oesterreich Sch. 30 die>> Nazi- Betriebsgemeinschaft« begriffen Parteistellen die Anweisung, ihre 0.40( 4.80), Palästina P. Pf 0.020( 0.216), Je ernster die Schwierigkeiten in der Verentsprechend>> aufzuklären<, d. h., ihnen nicht Polen Zloty 0.50( 6.-), Portugal Esc. 2.und durchgeführt haben sollen. Ein jammerdie wahren Ursachen der Nahrungsmittel-( 24.-), Rumänien Lei 10.-( 120.-), Schwevolles Bild des Dritten Reiches, Die Bedin- sorgung des deutschen Volkes mit Lebensdesto stärker wird der gungen für den Wettkampf entsprachen, wie mitteln werden, das> Arbeitertum< schreibt, den politischen Druck der Nazis und der Behörden auf die knappheit zu sagen, sondern sie mit irgend- den Kr. 0.35( 4.20), Schweiz F'rs. 0.30( 3.60), welchen schwindelhaften Ausreden beruhigen. Spanien Pes. 0.70( 8.40), Ungarn Pengö 0.35 ( 4.20), USA 0.08( 1.-). Schriftlich und mündlich sind sie wiederholt Einzahlungen können auf folgende Posterfolgen: verpflichtet worden, den augenblicklich auf- scheckkonten Tschechoslowakei: tretenden Mangel auf das ungünstige Wetter, Zeitschrift> Neuer Vorwärts Karlsbad. Prag 46.149. Oesterreich:> Neuer Vorwärts< Karlsauf inzwischen behobene Verkehrsstockungen, bad. Wien B- 198.304. Polen:> Neuer Vorwärts< Insbesondere die Einzelhändler der Nahauf falsche Dirigierung des Transportes usw. Karlsbad. Warschau 194.797. Schweiz:> Neuer konkennen der politischen und wirtschaftlichen rungsmittelbranche werden bespitzelt, Vorwärts Karlsbad. Zürich Nr. VIII 14.697. Grundsätze, daß sie es mit der Verwirk- trolliert und auf die Bedürfnisse des natioUngarn: Anglo- Čechoslovakische und Prager lichung nationalsozialistischer Anschauunnalsozialistischen Propagandaapparates eindie Nazibonzen und die Gestapo Creditbank Filiale Karlsbad. Konto> Neuer gen im Betriebsleben ernst meinen... Jeder Betriebsführer erhält den Dank für exerziert. Denn sie sind es, denen gegenüber haben die Frauen darauf abgerichtet, daß sie Vorwärtse Budapest Nr. 2029. Jugoslawien: in Anglo- Čechoslovakische und Prager Creditdas Volks- die Bevölkerung oft recht impulsiv ihren jeden ihnen zu Ohren kommenden Fall, uneigennützigen Einsatz für bank, Filiale Belgrad. Konto» Neuer Vorganze durch das Führen der Flagge der Unwillen über den Mangel an Butter, Fett, dem die Händler nicht nach diesen Anwei- wärts<, Beograd Nr. 51.005. Genaue BezeichEiern, Fleisch, weißem Mehl und anderen un- sungen verfahren, sofort der zuständigen nung der Konten ist erforderlich. Elektrotechn. Industrie. Optische und feinmechan. Industrie Chemische Industrie Textilindustrie Papierindustrie Vervielfältigungsgewerbe Lederindustrie 22.618 7.682 67.596 10.903 24.889 34.600 3 1 industrie 1.951 Holz- und Schnitzindustrie 214.754 Musikinstrumentenund Spielwarenindustrie Nahrungs- u. Genußmittel Bekleidungsgewerbe Baugewerbe.. 11.045 302.949 11 536.478 260.890 1 Wasser-, Gas-, Elektrizitätsversorgung 7.947 1 Reinigungsgewerbe Großhandel Einzelhandel 135.747 149.230 843.611 1 1 Verlagsgewerbe u. Handelsvermittlung .. 197.861 47.464 125.411 250.368 2 Bank- und Versicherungswesen Verkehrswesen Gaststätten Haber für es sicherte durch seine Erzeugung von Stick- von Friedenspakten reden lassen: stoff aus der Luft( des jüdischen Geheimrates dieser aufschlußreichen ErweiterungsnotverUnter der Nahrungsmittelindustrie, die es sie ein wenig unfreiwillig die Hindenburg- Ludendorff ordnung haben auf 11 Musterbetriebe gebracht hat, ist die schlechterdings schon im ersten Weltkriegs- ihre große Zukunfts- Ueberraschung für die Tabak-, Stärke-, Schokolade-, Biererzeugung, Erfindung) Welt gelüftet. das Fleischer-, Bäckergewerbe usw. mit ent- jahr unentbehrlich gewordene halten. Im ganzen umfassen Industrie, Handwerk, Handel und Verkehr 3,541.809 Betriebe, also zusammen mit der Landwirtschaft 6.6 Existenzvernichtung wird angedroht Absatz tätigen teilung<< hatte die Arbeitsfront den Unter- Menschen. Das verspüren vor allen anderen nehmern noch gut zugeredet und geschrieben: die Bauern, die Gewerbetreibenden und die >> Allen Betriebsführern ist Gelegenheit Einzelhändler. geboten, unter Beweis zu stellen, nach ErGrundsätzen der Partei. Vor der» Preisver- in der Produktion und im DAF mit goldenem Rad und goldenen Fransen.< von zurückzuführen. Und Kunden Neuer Vorwärts