Neuer Vorwärts Sozialdemokratisches Wochenblakk Verlag: Karlsbad, Haus„ Graphia" Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Entscheidende Tage Der Angriff des Faschistenblocks. In diesen Tagen werden die Konsequenzen der Selbsttäuschungen der Westmächte über das wahre Wesen des Dritten Reiches sichtbar. Auf diese Selbstgelung der Vorherrschaft des Nr. 212 SONNTAG, 4. Juli 1937 Aus dem Inhalt: SAJ und Komintern Dachau Wer ist's? Dresdner Korruptionssumpf Spanien und die Internationale nationalen Die Forderungen der spanischen Republik sind die Forderungen der Internationalen Arbeiterklasse! einzunehArbeiterbewegung Deutschland und Italien Die Exekutive der SAI faßte auf ihrer Sitzung vom 26. Juni den folgenden Beschluß: Nach gewissen Nachrichten soll der belgische Ministerpräsident Van Zeeland, der, auf Initiative der englischen und französischen Regierung, die Bedingungen einer internationalen WirtschaftsAm 24. Juni traten in Paris das Bu-| Sache der spanischen Republik, die wie- Keine Finanzhilfe für täuschungen ist eine verfehlte Politik auf- reau der SAI und der Vorstand des derholt von den Mitgliedern und Führern gebaut worden. Diese Politik sollte dem IGB zu einer gemeinsamen Beratung der genannten Internationalen bekundet Frieden dienen. Statt dessen hat sie eine zusammen, um die Lage in Spanien einer wurde, sowie die Beschlüsse von London Situation herbeigeführt, die nur die Wahl neuen Prüfung zu unterziehen. Der Sit-( 19. März 1937) und Genf( 17. Juni zu lassen scheint zwischen einer schweren zung lagen Vorschläge der sozia- 1937), in welchen das Versagen der KonNiederlage der europäischen Demokratie listischen Partei Spaniens vor, trolle festgestellt wird, es zur Pflicht und dem Krieg. Denn kein Zweifel darf in denen die Wünsche der spanischen Ar- machen, in nachstehender Weise zu hanherrschen: der Untergang des republika- beiterklasse bezüglich der von der inter- deln: nischen Spanien wäre eine Niederlage der 1. Unverzüglich und mit allen Mitteln europäischen Demokratie, wäre die Besie- menden Haltung zusammengefaßt wurden. auf die dem Völkerbund angehörigen Redeutsch- Im Verlauf der Tagung teilte Citrine gierungen einen Druck auszuüben, damit kooperation untersucht, in seinen Gespräitalienischen Faschistenblocks in Europa.( England) mit, daß diese Forderungen sie in Uebereinstimmung mit dem Völker- chen mit der Regierung der USA die Die spanische Frage und die Frage der von den Spitzenkörperschaften der engli- bundpakt der spanischen Regierung hel- Gewährung großer Anleihen Vorherrschaft in Europa können nicht schen Arbeiterbewegung( Arbeiterpartei, fen, ihre politische und territoriale Un- an Italien und Deutschland Parlamentsfraktion) abhängigkeit wiederzuerlangen. voneinander getrennt werden. Der Ver- Gewerkschaftsbund, empfohlen haben, unter der Bedingung, such, sie zu trennen, würde da enden, wo sorgfältig geprüft und im vollen Umfange 2. Die Rückkehr zur Freiheit des Han- daß diese Staaten einer liberalen Handelsjede Vogel- Strauß- Politik enden muß. angenommen wurden. dels zu erzwingen, damit die spanische politik und einer Verringerung ihrer RüNach mehrstündigem Meinungsaus- Regierung Darum fragt sich ein jeder Freund der - deren Rechtmäßigkeit außer stungsausgaben zustimmen. Demokratie in Europa: werden England tausch wurde folgende Resolution einstim- Zweifel steht sich die zur Verteidigung und Frankreich resigniert die Erwürgung mig beschlossen: des republikanischen Spanien dulden, werden sie fortfahren, den Angriff Hitlers bei und Mussolinis auf Spanien mit der Lüge ris Nichtinterventionspolitik zu decken? der Die Bureaus der SAI und des IGB ihrer gemeinsamen Sitzung in Paam 24. Juni 1937, angesichts der äußerst ernsten Lage, ihres Landes und ihres Rechts erforderlichen Waffen beschaffen könne. 3. Die unbestreitbaren SolidaritätsDie Exekutive erhebt gegen solche Absichten, wenn sie bestehen sollten, schärfsten Protest. Angesichts der wachsenden finanziellen und wirtschaftlichen Schwiepflichten gegenüber der Sache des repu- rigkeiten, die ihre Rüstungspolitik erzeugt Es ist das Geschick Europas, das sich die durch die Zerreißung des internatio- blikanischen Spanien auf alle Mitglieder hat, wäre eine Finanzhilfe für Hitler und und alle verantwortlichen Organisationen, Mussolini die Rettung ihres terrodie den Internationalen angehören, auszudehnen. jetzt entscheidet! und Italien entstanden ist, die die gefährDer dramatische Ablauf der Dinge und lichen Absichten des internationalen Fadie starken Gesten Englands und Frankreichs dürfen nicht verdecken, daß in der schismus in seinem Angriff auf Spanien Sache Deutschland und Italien auf die letzten Reste des Völkerrechts und des Kollektivsystems pfeifen. England und Frankreich haben auf die deutsche Drohung mit einem neuen Almeria mit Noten geantwortet, die nahezu ultimativen Charakter besaßen. In der Frage eigenmächtiger Repressalien aus Anlaß des Falles des Kreuzers» Leipzig hat Hitler nachgegeben- in der Hauptsache aber nicht. Die Brutalität Die Tatsachen sind: enthüllt, ristischen und friedensbedrohenden Regimes. Die Exekutive Die beiden Internationalen verpflichten warnt die demokratischen Regierungen vor alle ihre angeschlossenen Organisationen einem Vorgehen, das, statt den Frieden erklären, daß sie sich vorbehaltlos die zur entschlossenen Durchführung dieser durch eine konsequente und entschiedene, folgenden Vorschläge zu eigen machen, Richtlinien. Politik der kollektiven Sicherheit zu er-> die von den Vertretern der spanischen Für die spanische Delegation dankte zwingen, der faschistischen und nationalSozialistischen Arbeiterpartei und des spa- Cordero den beiden Internationalen für den sozialistischen Diktatur die ihnen nötige nischen Gewerkschaftsbundes unterbreitet gefaßten Beschluß, der von der spanischen Atempause verschafft, nach der sie ihre worden sind: Arbeiterschaft mit großer Freude begrüßt Politik der Friedensgefährdung mit verstärkter Kraft fortsetzen werden. Daß die moralische Solidarität mit der werden werde. ohne sich um die Rettung der Besat- Volk sei angegriffen worden:» Wir zung zu bemühen. haben einen Angriff erlebt, seine Behandauf diese Deckung. wollen, und was sie tun. Wer ist's? Pranke, einen Verfasser amtlicher Denkschriften an seinem Deutsch: Waren im Kaiserreich Erklärungen der Regierung trocken und korrekt, legte die Republik Wert auf klaren und flüssigen Stil, so spricht das Dritte Reich die geschwollene und und verquollene Sprache eines Mannes, der gern vornehm sein möchte aber nicht kann. Der Mann will zum Beispiel in der Note Denkschrift zum» Leipzig«-Konflikt die Behauptung aufstellen, die Reichsregierung habe für die Sicherheit ihrer Schiffe nur die notwendigsten Garantien verlangt. Aber wie quillt das aus seinem Munde? >> Sie hat sich hinsichtlich der, von ihr zu fordernden Garantien für die Sicherheit ihrer Schiffe auf ein Minimum beschränkt.< Dies Nachgeben in dieser Spezialfrage Italien hat unbestreitbar zwischen lung gesehen, und sind dadurch geheilt An seinem Deutsch sollt ihr ihn erkennen. hat den englischen Ministerpräsidenten Mitte Mai und heute abermals minde- für immer.<< Dieser schändlichste und ver- Einen Löwen erkennt man an seiner Neville Chamberlain veranlaßt, im Unterstens 20.000 Mann Truppen in Malaga logenste aller Angriffskriege soll demdaß haus die Hoffnung auszusprechen, gelandet. nach als Verteidigungskrieg maskiert wereine Einigung mit Deutschland vielleicht Deutsches Material strömt in Mas- den, damit er Deckung finde gegen den doch noch möglich sei. Die Folge davon sen nach Spanien. Unwillen des eigenen Volkes. ist eine wilde Hetze der deutschen und Mit deutschen und italienischen Trup- Die brutalen Erklärungen Hitlers waitalienischen Presse, sind Erklärungen pen, deutschem und italienischem Ma- ren verbunden mit einer endgültigen AbHitlers und Mussolinis, daß sie die Austerial wird ein Generalangriff gegen sage an internationale Zusammenarbeit lieferung Spaniens, die völlige das republikanische Spanien vorbereitet. und an kollektive Abmachungen. Was sind Zerstörung der europäischen Soll dieser Generalangriff gedeckt wer- danach die Paktpläne noch wert, die in Sicherheitspolitik und die Vorden mit der Lüge der Nichtintervention? den europäischen Kanzleien noch immer herrschaft in Europa verlangen. Die Diktatoren selbst legen keinen Wert gewälzt werden? dieser Forderungen wird Sie sagen, was sie Es ist ein Angriff, des Blocks von denen, die sich unterwerfen sollen, Deutschland- Italien im Gange. noch mit diplomatischen Spielen bemäntelt Mussolini hat im» Popolo d'Italia Das Ziel Hitlers, der seine Politik gegenaber angesichts der Tatsachen ist nichts mehr zu verbergen. geschrieben:» Das faschistische Italien über allen vorsichtigeren Kräften im Sywar im spanischen Bürgerkrieg nicht neu- stem durchgesetzt hat, ist es, den Ertral. Es hat gekämpft, und also muß der folg der Rheinland besetzung In Spanien stehen etwa 100.000 Mann Sieg ihm gehören.<< zu wiederholen. Wenn er freie Hand deutsche und italienische Truppen, die Noch brutaler hat sich Hitler er- in Spanien erhält, so ist das ebenso ver- Er will sagen, die englische und die franfür Franco kämpfen und die der ein- klärt: In seiner Würzburger Rede hat er hängnisvoll, wie wenn er freie Hand im zösische Regierung hätten diese Minimalforzige Grund dafür sind, daß der Krieg einen lapidaren Satz gesprochen: Osten hätte. Denn freie Hand in Spa- derung abgelehnt, und es kommt heraus, sie: noch nicht zu Ende und Franco noch>> Deutschland muß Eisenerze einfüh- nien, Zertrümmerung der spanischen De- hätten sich nicht einmal zu dieser Minimalnicht geschlagen ist. Diese Truppen ren. Wir wollen eine Franco- Regierung in mokratie mit allen machtpolitischen Kon- forderung bereit finden lassene. sind ausgerüstet mit modernster schwe- Spanien, damit wir spanische Eisenerze sequenzen, die sich daran schließen wür- Er meint, daß es an der Solidarität fehlt, rer Artillerie und einer Luftflotte, die kaufen können.<< den, das bedeutet für Hitler: freie die die Voraussetzung für die Durchführung ständig von Deutschland und Italien Das ist das brutale Gesicht des neu- Hand in Europa. der gemeinsamen Aufgabe ist, und er deklaverstärkt und ergänzt wird. deutschen Imperialismus! Deutschland Bei der Eröffnung des Kongresses der miert, daß es an derjenigen Solidarität Vor der Küste des republikanischen hätte keinen Mangel an Eisenerzen, hätte Internationalen sprach fehlt, die usw.<< Spanien kreuzt der weitaus größte Teil keinerlei Einfuhrschwierigkeiten, wenn Göring: der gesamten deutschen Flotte zusam- Hitler nicht zum Krieg rüstete. Es geht>> So wie der Nationalismus den Frie- zum Unterschied der anderen Staaten an mit italienischen Kriegsschiffen. nicht um den angeblichen» Bolschewis- den im eigenen Volke hergestellt hat, so keiner der geschichtlichen Beraubungen SpaWas Operation der wenigen Franco- mus« in Spanien, es geht um die Eisen- will das nationalistische Deutschland den niens teilgenommen«, und kein Geheimrat Kreuzer, was Operation der deutschen erze, es geht um die Vorbereitung des Frieden mit der Welt herstellen.<< wagt, das logisch und grammatikalisch falsche und italienischen Schiffe ist, ist seit Weltkrieges! Deshalb haben Görings Flie- Dieser» deutsche Friede« der Hitler» der« durch das richtige» von< zu ersetzen. Er nennt als Ziel des Bolschewismus> ein langem nicht mehr zu unterscheiden. ger vor Bilbao massenhaft Frauen und und Göring würde Europa in ein einziges Deutsche und italienische U- Boote füh- Kinder geschlachtet, deshalb wird das großes Konzentrationslager verwandeln. von Revolutionen erschüttertes interden rücksichtslosen U- Boot- Krieg spanische Volk zu ungeheuren Blutopfern Wehe denen, die heute noch glauben soll- nationales Chaos<< und niemand belehrt gegen spanische Regierungsschiffe. Sie und Jahren des Leidens gezwungen. ten, daß sie mit einem Verrat an der De- ihn, daß ein» Chaos< etwas ist, was gar nicht torpedieren die Handelsschiffe der Re- Um diesen imperialistischen Krieg zu mokratie in Spanien das Geschick von sich mehr» erschüttert zu werden braucht. Behauptungen über deutsche Absichten gierung ohne vorherige Warnung und decken, behauptet Hitler, das deutsche abwenden könnten! men ren Er diktiert,» das deutsche Reich hat... >> in bezug auf< Spanien sind für ihn von den leider besonders in unseren westlichen Staaten sitzenden Freunden der Bolschewisten erfundene Lügen«. Welche sind die» westlichen Staaten«<, die für eine amtliche Erklärung der deutschen Regierung die» unseren sind? Er sagt, er habe in Almeria» selbstverständliche Vergeltung geübt« und fährt fort: Nicht um einen Racheakt zu begehen; ria konnten weder sen.< Die Unternehmer im Dritten Reich Wachsende Beunruhigung SO Weltuntergangsstimmung So leben heute viele Unternehmer in der Vorstellung, daß eine kommende Wirtschaftskatastrophe sie verschlingen wird, ohne daß sie die Macht haben, sie abzuwenden. Also ist man in Opposition stimnur aus dem Geschäftsinteresse. sonst Hinter ihr steht noch nicht die Kraft der Die UnterEin neues Moment in der inneren Ent-, die Walzwerke und Gießereien verpflich- Die Unternehmer zeichnen Reichsanleihe, denn durch das Bombardement von Alme- Wicklung Deutschlands ist die wachsende tet, alle Aufträge, die sie bis zum 30. April aber immer deutlicher kommt ihnen zum Gerade nicht ausführen konnten, zurückzugeben. Bewußtsein, daß sich hinter dieser staatdie Toten unseres Beunruhigung der Unternehmer. Panzerschiffes lebendig, noch die in diesen Kreisen war in der ersten Zeit Ab 1. Mai muß über den Verbrauch von lich erzwungenen Kapitalanlage ein tatKrüppel wieder gesund werden. des neuen Regimes eine gewisse Zufrieden- Rohstoffen und Halbfabrikaten besonders sächlicher Verlust an Kapitalsubstanz verNein, diese Beschießung erfolgte nur, um heit unverkennbar. Das Geschäft belebte Buch geführt werden, und diese Buch- birgt. Wohl sind die Reichsanleihen lomdurch diese Vergeltung den Verbrechern in Valencia die Lehre zu geben, wenigstens sich, man verdiente gut, man wurde nicht führung wird auch strengstens überwacht. bardfähig, doch wird jeder Kreditanspruch für die Zukunft weitere derartige Angriffe durch Forderungen der Arbeiter gestört. Für Ausfuhrgeschäfte gibt es Kontingente in der Reichsbank streng geprüft, ob er auf deutsche Kontrollschiffe zu unterlas- Manchen schien ein neues goldenes Zeit- für das ganze Jahr, die anderen bekom- wirtschaftlich und staatspolitisch vertretalter gekommen. Dann aber kam die Roh- men ihr Quantum monatlich zugewiesen, bar ist. Eine neue Kette von AbhängigNicht nur die grammatikalisch falsche stoffnot, kamen die zahllosen Anordnun- das im Juli/ August nur noch 55 Prozent keiten schnürt die viel berufene UnternehKonstruktion des letzten Satzes, sondern auch gen, die die geschäftliche Bewegungsfrei- des vorjährigen betragen soll. Solche An- mer- Initiative ein. die höchst persönliche Logik des ganzen Ab- heit aufs empfindlichste einschränkten, kündigungen sind geeignet, eine richtige satzes verrät den Urheber, Danach wäre Ra- mit ihnen kam die Vorahnung eines bevor- Panikstimmung hervorzurufen. Die Elekche im Gegensatz zur bloßen Vergeltung stehenden schlimmen Endes, eines neuen tro- Industrie, der Hoch- und Brückenbau etwas, wodurch man Tote wieder lebendig» großen Ausverkaufs<<. müssen ihren Bedarf im freien Handel und Krüppel wieder gesund machen kann. Die Monatsberichte der So- decken. Damit sind sie keineswegs besser Es wimmelt von Redensarten wie» im Zuge zialdemokratischen Partei gestellt als die mit Kontingenten bedachte dieser Absichten<«<,>> die Beschlußfassung die- Deutschlands, sprechen von einer Maschinen- Industrie, sondern viel schlech- mung. Aber diese. Stimmung kommt zuser Maßnahmen<<,> der erfolgte deutsche Be-» Weltuntergangsstimmung« in ter. Glücklich ist, wer sich auf Reichs- nächst fehl<, usw. Er meint, daß sich die Bolsche- den Kreisen der Unternehmer. Sie war- wehr- Aufträge berufen kann oder wiken über etwas lustig machen könnten, und nen freilich zugleich auch davor, die Be- über gute Beziehungen verfügt. Wer Ueberzeugung, steht noch keine grunder sagt, daß es in den Augen der bolschewi- deutung dieser Stimmung zu überschät- sichs leisten kann, hat seine Angestellten sätzliche Gegnerschaft gegen das System. stischen Machthaber geradezu den Charak- zen. Die psychologische Wirkung der Roh- in Berlin, die nichts anderes zu tun haben, Der Wirtschaft<< geht es einstweilen nur ter des Lächerlichen erhalten müßte.<< stoffnot auf die Unternehmer ähnelt, als bei den Aemtern herumzulaufen. um die Wiederherstellung der freien» UnZu dieser Rohstoffnot und allen Auf- ternehmerpersönlichkeit<<, noch nicht um Schließlich muß er feststellen, daß es zu meinen sie, sehr der früheren Wirkung des verbunden sind, die Wiederherstellung der freien Persöneiner Einigung nicht gekommen ist. Klarer Lebensmittelmangels auf die breiten Mas- regungen, die mit ihr Tatbestand! Wie faßt man ihn in Worte, wenn sen. Die erste große Welle der Lebens- kommt nun noch ein zweites Moment der lichkeitsrechte überhaupt. man den Geheimräten zeigen will, daß man mittelknappheit hat im Volke ebenfalls die Beunruhigung: die Unmöglichkeit, nehmer sehnen sich nach der freien Wirtauch ein Diplomat, sogar ein sehr gewichster Ueberzeugung ausgelöst: so kann es nicht erzielte Gewinne wertbestän- schaft, aber noch nicht nach der Freiheit ist, einer, der sich hochdiplomatisch ausdrük- weitergehen. Inzwischen aber hat sich dig anzulegen. Was sollen die Unter- schlechthin. Immerhin, auch das ist schon Es ist nicht unwichtig, daß nach ken kann? Dann legt man das eben so hin: das Volk an die Schwierigkeiten der Ver- nehmer mit dem Papiergeld und den Rü- etwas. als den anderen Bevölkerungsschichten Mit einem stungswechseln anfangen, die ihnen >> Unter diesen Umständen blieb den Ver- sorgung weitgehend gewöhnt. tretern der vier Mächte nichts anderes ähnlichen Ablauf der psychologischen Wir- Ertrag ihrer Tätigkeit reichlich zufließen? auch weite Kreise der Unternehmer übrig als festzustellen, daß die Versuche kungen muß man auch bei der Rohstoff- Die Behörde zwingt sie, ihre Lagerbestän- der allgemeinen Unzufriedenheit einer gemeinsamen Einigung als not rechnen. Gewiß, der Rohstoffmangel de zu verkaufen, aber nach Räumung ihrer werden. Und es ist nur natürlich, mißlungen anzusehen seien.<< ist wirtschaftlich gefährlicher als der Lager können sie sich keine neuen Waren diese allgemeine Unzufriedenheit in jeder Läge zwischen uns und dem Verfasser Lebensmittelmangel, aber auch auf die- beschaffen, weil sie nicht zu bekommen Bevölkerungsschicht, in jedem Berufsdieses Schriftstückes nicht ein moralischer Ab- sem Gebiet gibt es noch große Möglich sind. die Unternehmer stand ihre besonderen Ursachen hat. Jegrund, schon über das Sprachliche allein wäre keiten des Ausgleichs durch Entbehrung: auch neue Maschinen in Massen» geham- der sieht zunächst nur das, was ihn eine> gemeinsame Einigung nicht möglich. einmal durch Verschlechterung der Ver- stert«, heute ist der Bedarf mehr als ge- mittelbar angeht. Der Arbeiter sieht die um Ersatz- gedrückten Löhne, die erhöhte AntreibeAber spiegelt sich im Sprachlichen nicht auch sorgung und zweitens durch Einschrän- deckt, sofern es sich nicht das Sachliche? ER schreibt den Stil seiner kung der Arbeit und des Verdienstes. stoff- Industrien handelt. Vor allem aber rei und die steigenden Preise, der MittelPolitisch stellt sich deshalb das Problem können die Maschinenfabriken meist nur ständler die höheren Steuer- und Spendenähnlich wie der Lebensmittelknappheit: nach sehr langen Lieferfristen liefern; lasten und die gesunkene Gewinnspanne; auch bei ihnen fehlt es an Eisen und an- der Landwirt sieht, daß er nicht mehr inwieweit der Mangel durch Entbehrung deren Rohstoffen. In den letzten Monaten Herr auf seinem Hofe ist und daß seine ausgeglichen werden kann, ist in großem kamen daher viele Unternehmer auf einen Steuern und Abgaben immer weiter wachnicht Umfange wirtschaftliche, anderen Ausweg: sie kauften Grund- sen. Und nun kommt noch der Untersondern eine psychologische Frage. stücke, um ihr Geld wertbeständig anzu- nehmer hinzu und sieht mit seinen RohZur Zeit allerdings ist die Stimmung legen. Das nahm einen solchen Umfang stoff- und Warenlagern sein Betriebskapiner und die rheinische Oeffentlichkeit durch kritisch. Es fehlt an Eisen und allen an, daß der Staat den Grunderwerb von tal dahinschwinden. Zunächst folgert jeein Revirement von politischer Bedeutung anderen Metallen, an Leder, Textilstoffen, einer behördlichen Genehmigung abhän- der aus einem anderen Grunde, daß es so überrascht. Der Kölner Oberbürgermeister Holz, Papier, kurz an allem. gig machte. Dann sind Industrielle auf nicht weitergehen kann und in dieser Zer-. Dr. Riesen, der im März 1933 von der Erst verhältnismäßig spät ist man da- den Gedanken gekommen, sich außerhalb splitterung der Mißstimmung liegt ihre braunen Obrigkeit zum» Führer« der Stadt zu übergegangen, den Mangel wenigstens ihres Betriebes geheime Warenlager anzu- politische Schwäche. Von dem Grad, in als Adenauers Nachfolger ernannt worden teilweise zu organisieren. Seit Mitte Fe- legen. Aber die Polizei ist auch dieser dem diese Zersplitterung war, hatte plötzlich sein Amt niedergelegt. bruar hat man in der Maschinen- und Methode der Substanzerhaltung schon auf wird, hängt es ab, ob aus der allgemeinen Auf Grund guter Informationen konnte der Kesselbau- Industrie Vorbereitungen zur der Spur. Was also bleibt übrig als die Miẞstimmung eine wirkliche politische > Neue Vorwärts« damals mitteilen, daß der herrschenden und Anlage in Reichsanleihen, die ohne- Kraft erwächst, die dem Kontingentierung aller Rohstoffe Sturz des Oberhauptes der zweitgrößten Halbfabrikate getroffen. Dann wurden hin mit allen Mitteln gefördert wird. Regime gefährlich wird. preußischen Stadt mit seiner gar nicht mehr zweifelhaften Verbindung zu dem Millionen Textilgroßhause BrügelPolitik. Das Riesengeheimnis Aus dem Rheinland richtet: wird uns beIm Februar dieses Jahres wurde die Köleine weil Früher haben nun von erfaßt daß unüberwunden die Stadt Gust- Milanich- Bonfert( Deut- Minderheit zu leiden. Viele kulturelle Rechte haben die in Rumänien lebenden Deutschen schon eingebüßt. mann stehe, in das Dr. Riesen, einstmals das Medium der Augen des Gauleiters Grohé tius( Volksgemeinschaft) und die Gruppe tragenen Kämpfe, hat die gesamte deutsche Angestellter im Bankhause Levy- Hagen, ein- heftige Tränen vergossen, geheiratet hatte. Gleich nach Riesens Amts- Köln sich von ihrem Dr. Riesen, dem» Er- scher Volksrat) vollzogen. Beide Gruppen beantritt erfreute sich das Haus Brügelmann wütendem neuerer ihrer Finanzen«<, habe trennen müs- kämpfen sich seit 4 Jahren mit gewaltiger Aufträge für SA- und SS- Uniforsen. Es hieß gleichzeitig, daß Dr. Riesen so- Haß und großer Leidenschaft. Unzählige Male Da die Führer« dieser deutschen Mindermen und andere einschlägige Textilien zusagen einem höheren Rufe habe folgen schon mußte die rumänische Polizei und Genheit eine dem rumänischen Staatsinteresse übrigens nicht ganz unverdient, weil es schon müssen: einem Auftrage Görings, im Rah- darmerie eingreifen um, die wütenden Gegentgegengesetzte Politik betreiben, drücken vorher jedem braunen Bittsteller eine offene men des Vierjahresplans eine be- ner auseinander zu bringen. Da beide Grup- die rumänischen Behörden auf die Deutschen Hand gezeigt hatte. Immerhin verzeichneten stimmte Tätigkeit zu überneh- pen auf die Kultureinrichtungen, die» Deut- und nehmen ihnen Teile ihrer kulturellen seit Anbruch des Dritten Reiches die Herren men. Man hat von diesem Rufe und von schen Häuser«, Anspruch erhoben, wurden Rechte. Durch die Führer der Nazis wird die Brügelmann und ihr Schwager und Teilhaber dieser neuen Mission nie wieder etwas gehört. die rumänischen Zivilgerichte öfters angerudeutsche Minderheit in Rumänien Dr. Riesen eine Blüte, die in der ganzen Dr. Riesen sitzt vielmehr in ruhig- abwarten- fen, die nun entscheiden sollten welcher GrupFührern aber kommt es gefährdet. Diesen Stadt keineswegs nur bei den notorischen der Haltung nach wie vor in seiner Villa in pe das» Deutsche Haus< gehört. Aber auch weniger auf die Interessen der in Rumänien heftig nach Korruption duftete. Köln- Marienburg und hofft, Seite an Seite mit den anderen Nationen: Rumänen, Un- lebenden Deutschen als auf die aus dem BerJetzt aber erfährt man durch eine Indis- mit seinen Schwägern den heftigen Aderlaß garn, Ukrainern u. a. haben die deutschen liner Propagandaministerium fließenden Gelkretion des Finanzamtes Köln- Alt- des Betriebes durch emsige kommerzielle Minderheiten das gute Verhältnis, das bis zu der an stadt( Str.-L. 37/36) den unmittelbaren An- Tätigkeit bald wieder gutmachen zu können. Hitlers Machtergreifung bestand, verloren. laß zum Sturze des Dr. Riesen. Nach einer Da wäre denn die Geschichte eines Ober- Am Sonntag den 20. Juni kam es zwischen Mitteilung der genannten Behörde wurden Meckerern Söhne, Köln, Mühlengasse 1-15, Dr. jur. Otto Brügelmann und Kurt Adolf Brügelmann, die sich am Amtssessel ihres Schwagers gewärmt hatten, durch rechtskräftige Unterwerfungsverhandlung vom 25. Februar 1937 wegen gemeinschaftlicher fortgesetzH. gesamte An einer Fabrik in Württemberg las man die Inschrift: Daß wir hier arbeiten dürfen, danken wir dem Führer. die Mitinhaber der Fa. F. W. Brügelmann- bürgermeisters einer deutschen Großstadt aus den beiden oben genannten Gruppen, in dem».. danken wir dem Führer<< den ersten vier Jahren des tausendjährigen in der Bukowina gelegenen Orte Ilisesti, Dritten Reiches. Es gibt für die Kölner frei- anläßlich einer Jubiläumsfeier zu einer blutilich noch ein Riesen- Geheimnis: wie hoch die gen Schlacht. Beide Parteien schlugen GenPension ihres verflossenen Obers ist. wütend aufeinander los, die wenigen darmen waren machtlos und so mußte denn die Feuerspritze herangeholt werden um die Auslandsdeutsche Nazis beiden Parteien von einander zu trennen. Die ter Einkommensteuerhinterzieunter sich Gendarmerie holte aus allen umliegenden Dörhung für die Jahre 1926-1935 mit fern, ja sogar bis aus Succeava auf AuGeldstrafen von 500.000 RM, Rumänien hat eine etwa 750.000 Köpfe zähtos Verstärkung herbei. bezw. 300.000 RM bestraft. Gleich- lende deutsche Minderheit. Bis zum Machtzeitig erhielt der Prokurist der Firma we- antritt Hitlers lebte diese deutsche Minder- Daß die Nazis durch ihr überhebliches Eines Morgens, als sie wieder zur Fabrik gen Lohnsteuerhinterziehung heit in Eintracht, mit der in Deutschland voll- Auftreten der deutschen fortgesetzter gingen, lasen die Arbeiter: Geldstrafen in einer Gesamthöhe von 40.000 zogenen Gleichschaltung aber brach die Einig- heuer schaden, kann keit dieser deutschen Minderheit Rumä- gelten. Die rumänischen Behörden sehen die Die braune Presse, die jeden kleinen jüdi- niens auseinander. Der Grund zur Zwietracht deutsche Minderheit, weil dieselbe ein dauschen Geschäftsmann wegen des geringsten waren die aus Hitlerdeutschland fließenden ernden Unruheherd darstellt, mit schiefen Vergehens mit fingerdicken Ueberschriften Propagandagelder, auf die jeder> Führer Augen an, von den anderen in Rumänien leanprangert, hat über die Verhandlungen und Anspruch zu haben glaubte. So wurde die or- benden Nationen werden die Deutschen nicht über das Urteil gegen diese honorige Firma ganisatorische Spaltung der deutschen Min- mehr für ernst genommen. Durch diese, von keine Zeile gebracht. Dafür hat sie durch derheit in zwei Gruppen, die Gruppe Fabri- den Führern der deutschen Minderheit ausgeRM. Minderheit ungeals selbstverständlich Dann kam Rohstoffmangel und Kurzarbeit. Daß wir hier nur noch 2 Tage in der Woche arbeiten dürfen, banken wir dem Führer. Max Adler gestorben Ein Philosoph der Sozialismus In Wien starb am 28. Juni Dr. Max Adler, einer der bedeutendsten Theoretiker des Sozialismus. Sein Wirken begann an der Schwelle des zwanzigsten Jahrhunderts, in einer Zeit, in der dem Sozialismus die Gefahr einer geistigen Vertrocknung drohte. Der naturwissenschaftliche und soziologische Positivismus Bann gezogen; Aus dem Dresdner Nazi- Sumpf Wie die ,, saubere Verwaltung" im Dritten Reich aussieht. Die Vorgeschichte des trüber einem den schick durch Teilnahme an Sitzungen, Aus- das größte Interesse, da Linke der Schwaschüssen, Begutachtungen ein Pfennig Geld ger des Oberbürgermeisters ZörZörner locker zu machen war, sah man den Präsi- ner war. Linke, der noch nicht 30 Jahre alt Ueber den Werdegang des korrupten denten, unter dessen Erwerbstätigkeit das ist, wurde Dezernent für das Bauwesen am Dresdner Oberbürgermeisters Zörner wird Parlament in wenigen Wochen auf einen Sau- Dresdner Rathaus. Als Architekt leitete er herdenton herabsank, der uns geschrieben: Menschen und vergab die Bauarbeiten der Ausstellung Der nunmehr verunglückte Glücksritter von Geschmack die Teilnahme an den Ver-» Roter Hahn< 1936 und der GartenbauausErnst Zörner, vormals Kaffeehänd- handlungen verekelte. stellung. Die Ausstellung schloß mit einem hatte das Interesse an den Problemen der Phi- ler in Braunschweig, später Ober->> Feiges Gesindel«,» Sie haben es mit der Defizit, trotz guten Besuchs. Wie konnte dies losophie zurückgedrängt. Die große Nietz- bürgermeister der Stadt Dres- Schnauze, Maulaffe<<,>> Sie gehören in den geschehen? sche- Mode hatte auch so manche sozialisti- den, wurde wie alle jene neudeutschen Gorillastall, Herr Doktor<,» Wir versaufen Linke gewährte, wie es der Prozeß zeigte, sche Intellektuelle in ihren Würdenträger mit Vergangenheit, unser Oma sein klein Häuschen<<,> SDP heißt über den festgesetzten Preisanschlag emporgespült durch die Schlammflut der Saupack<<,>> Sie sind der größte Misthaufen, Baumeistern Wornitz, Richter u. a. größere man schwärmte für das Kraftmenschentum braunen Erhebung. Da es ihm nicht geglückt der existiert«,» Wir können ja hier mal Bür- Summen als Nachzahlungen. Alle in dem der Renaissance und spottete über die> morawar, seine eigenen Angelegenheiten ins Reine gerkrieg anfangen<<,» Laternenpfahlaspiran- Prozeß Verwickelten waren gute und alte lischen Stabstrompeter von Säckingen«. Da zu bringen, versuchte er sich mit der Be- ten«,» Ihr werdet noch euern eigenen Dreck Parteigenossen und vor dem Verhandlungskam als Gegenkraft der Neukantianismus, reinigung öffentlicher Angelegenheiten fressen«, diese kleine Auswahl aus den Argu- saal wimmelte es von Hakenkreuzen. Für dieder in Deutschland in Cohen- Marburg seinen durchs Leben zu bringen, ihm auch menten, welche Zörner grinsend im Landtag se Geldleistungen bauten die Herren BaumeiBegründer und in zahlreichen Schriftstellern, darunter den Sozialisten Karl Vorländer und Zörner stammte aus einer angesehenen, Der Fähnchenführer bei diesen Rüpeleien Auffallend war für alle Prozeßbesucher, Kurt Eisner, seine Apostel fand. Das Problem mittleren Kaufmannsfamilie der Stadt. Sein war der persönliche Freund Zörners, Albert daß bei wesentlichen Angaben des Linke die des Verhältnisses zwischen Marx und Kant Vater richtete ihm ein Lebensmittelgeschäft Schneider aus Pattensen, der nach dem Oeffentlichkeit ausgeschlossen wurde, weil wurde ein beliebter Gegenstand kritischer ein. Aber Ernst Zörner hatte das Unglück Machtantritt Bürgermeister und Kreisdirek- Zörner durch diese Aussagen schwer bevor Kriegsende Untersuchungen. Zu ihnen hat dann der Wie- gehabt, kurz zum Haupt- tor in Gandersheim wurde, in wenigen Mona- lastet werden mußte. Dr. Zörner hat nach mann befördert zu werden und nahm nun die ten die Kreis- und Stadtkasse um viele Zehn- seinem Dienstantritt als Oberbürgermeister ner Max Adler mit seiner Schrift» KausaHauptmannsgewohnheiten mit hinter den tausende betrog und Knall und Fall entehrt großspurig erklärt:» Niemals können bei uns lität und Teleologie im Streite um die Wissenin der Versenkung verschwand und schimpf- derartige Korruptionen vorkommen wie bei schaft<< und seinen späteren Werken wertvolle Beiträge geliefert. was glänzend gelang, bis ihn die Erfolge dieser duldete, da sie von seinen Parteigenossen ster dem Linke in der Dresdner Umgebung Tätigkeit nunmehr ums Leben brachten. Ladentisch. erhielt. kamen, möge genügen. als Präsident des groeine Villa. chen, ließ der Vorsitzende des Prozesses in beiden Statthalter ist an und Sein Laden hielt diese Gewohnheiten nicht lich aus der Partei ausgestoßen wurde. Und unseren Vorgängern, denn bei uns weiß ich lange aus. Noch weniger konnte die Laden- der einige Monate danach mit vollen Ehren als Oberbürgermeister auch von der kleinsten kasse mit den Neigungen ihres Besitzers als Bürgermeister in die Stadt Zahlung.< Als die Einwohner Dresdens ganz Max Adler, übrigens kein Verwandter von schritthalten. Es blieb nichts über als eine Grund geholt wurde, um seine Künste an offen von der korrupten Rolle Zörners spraVictor, war ein nicht weniger leidenschaftli- saftige Pleite mit anschließen- der dortigen Stadtkasse zu versuchen. cher Sozialist als dieser. Seine Stärke lag aber dem Offenbarungseid. Er hatte bisher mehr Glück als sein der Presse erklären, daß er gegen derartige durchaus nicht in der praktischen Politik, Der Bankrott, durch den Dutzende von Kumpan Zörner, der sofort bei seinem Amts- Gerüchtemacher ganz energisch vorgehen sondern in der Theorie und hier wieder auf Lieferanten geschädigt wurden, war betrüge- antritt Braunschweiger lassen werde. Aber man wußte auch schon, risch, der Offenbarungseid ein Meineid. Landtages einen kostspieligen Umbau des daß Oberbürgermeister Zörner beurlaubt war. den Gebieten, auf denen die GesselschaftsZörner lebte nach dem Zusammenbruch Präsidentenzimmers und eine Erhöhung sei- Noch besser weiß man, daß zwischen den wissenschaft an die Probleme des reinen Denseines Geschäftes auf größerem Fuße als ner Bezüge veranlaßte. alten Kämpfern Mutschmann kens angrenzt. Er war ein glänzender Red- vorher. Seine Möbel und EinrichtungsgegenDifferenzen bestanden. Die Bei der ersten Kassenprüfung seit seiner Zörner große ner und Debatter, der auf seinen Vortrags- stände stellte er in den Räumen der NSDAP, Wahl fanden die Revisoren erstmalig große Rivalität ist eine rein persönliche finanzielle reisen durch Deutschland auch vielen reichs- Ortsgruppe Braunschweig, unter, um sie dem Ausgabenträge für die persönlichen Neigun- Angelegenheit dieser beiden. Mutschmann als gen des Präsidenten. der Zeitung> Freiheitsdeutschen Sozialisten wertvolle Anregungen Zugriff des Staatsanwalts zu entziehen. Er selber trat als Mitglied in die Hitler- Tausende der feinsten Importen, Dutzende kampf« beteiligt, Zörner bezog von der Dr. bot. Sein Wirken war eine beständige Maham» Dresdner bewegung ein. Im Archiv der NSDAP liegen Flaschen edelsten Weinbrands auf Güntz- Stiftung waren Anzeiger< nung, daß der Sozialismus nur dann leben- noch heute Belege, die Zörner nach Ablegung Staatskosten durch die Kehlen des hoch- Tantiemen. Im Frühjahr 1936 wurde die besonders dige Kraft bleiben kann, wenn er mit den des Offenbarungseides an die Parteigeschäfts- mögenden Herrn und seiner Freunde gegan- Auflage des» Freiheitskampfes<< tiefsten Quellen des menschlichen Geistes ver- stelle gegeben hat für die Gegenleistungen, gen. Dabei konnte sich der Staat nicht ein- auffallend geringer. Mutschmann war schon die er für seine dort untergestellten Möbel mal schadlos an Zörner halten, denn der immer bestrebt, den>> Freiheitskampf<< als bunden bleibt. Offenbarungseid schützte ihn noch immer. alleiniges Amtsblatt in Sachsen zu führen. Bald war es eine» Abschlagszahlung über Verschiedentlich wurde Zörner auf Der Zeitungskampf wurde damals zwischen vierzig Reichsmark für die vom Pg. Zörner Ben Schwindeleien ertappt. Im Jahre 1931 beiden sehr scharf geführt und endete damit, geliehenen Möbel<, bald eine Quittung über unternahm er eine große Werbereise an den daß der sonst früh und abends erscheinende. Die französischen Zeitungen berichten mit >> achtzehn Zentner Kartoffeln, dem Pg. Zör- Niederrhein. In Rheinshausen, Geldern, Mörs» Dresdner Anzeiger« nur noch abends einem Lächeln: Herta Rost, alte Kämpferin, der Freiheitsner für Rechnung Möbelkonto frei Keller ge- und anderen Orten sprach er. Ueberall wohnte scheinen durfte, dafür aber 27 Jahre, ist Telephonistin im deutschen Paliefert von der Ortsgruppe Halchter<<. und aß er bei treuen Pegees, die sich eine kampf<< als einziges größtes Morgenblatt villon der Pariser Weltausstellung. Sie lernt Ehre daraus machten, den Würdenträger auf Sachsens angepriesen wurde. Aber auch dieeinen Herrn Jan Bopp aus Zürich kennen, der das feinste zu bewirten. Ueberall aber auch ses Experiment schlug nicht ein. Der Linkezu seinem Vergnügen nach Paris gefahren kassierte Zörner kaltschnäuzig dreißig bis Prozeß war für Mutschmann als Statthalter ist. Die jungen Leute verloben sich, und um Zörner auszufünfzig Mark aus der gegebene Moment, der Ortskasse trotz der weil Herr Bopp viel Zeit hat, streift er fleibooten, wie er seinerzeit den sehr gut be-. Gastfreundschaft seiner Parteigenossen. Big und ausdauernd um den deutschen Pakannten Kuno Das erregte böses Blut und Zörners BeLandtagsabgeordneten villon, hält sich auch dann und wann unbelege wurden nachgeprüft. Dabei stellte Mayer erledigt hat. Kuno Mayer erhielt sich fugterweise im Arbeitsraum der Telephoniwegen Korruptionsdelikten sechs Jahre Aber diese Geschäfte genügten dem Er- heraus, daß er obendrein das Fahrgeld zweiDie deutsche Ueberwachung des Zuchthaus. ter Klasse von Alle Parteianhänger glaubten Hannover nach Düsseldorf Pavillons wittert Vorbereitung eines Sabo- neuerer im Hauptmannsrange nicht. Als von damals und glauben heute noch, daß Kuno unrechtmäßigerweise bei der tageaktes, Fräulein Rost wird auf der Stelle der» Judenrepublik« zugrundegerichteter ehr- noch einmal entlassen. Man gibt ihr ein Rückreisebillet, barer Kaufmann wurde er bald eine beliebte Braunschweiger Ortskasse erhoben und dafür Mayer nur nach Berlin versetzt sei. In Wahrheit sitzt er im Zuchthaus Waldheim. bestimmt den Zug, mit dem sie nach Berlin Zugnummer in nationalsozialistischen Mittel- Quittung geleistet hatte. Der Linke- Prozeß trug nicht zur restAlle diese Schwindeleien und Betrügereien losen Klärung bei, wenigstens nicht vor der zu fahren hat und zum Ueberfluß beauftragt standsversammlungen. Wurde er in solchen Versammlungen von empörten Gläubigern waren der Oeffentlichkeit, der Parteileitung Oeffentlichkeit, aber er nahm noch für die man eine Person, die Fräulein Rost zum Hoseines Offen- und Hitler bekannt. Trotzdem stieg Zörner Beobachter einen heiteren Ausklang. Der tel begleitet, um ihr beim Packen» behilf- wegen seines Bankrotts und barungseides zur Rede gestellt, vertröstete von Stufe zu Stufe. Da er in Braunschweig Staatsanwalt( mit dem Hakenkreuz) lich zu sein<<. er die durch ihn Geschädigten feixend auf anrüchig war, machte man ihn zum Ober- tragte für Linke mit dem Hakenkreuz drei Deutsche Sicherheit stin auf. indem war das Gescheiteste, wahr was Und sollte die Geschäftsstelle der NSDAP nicht mehr im Besitze dieser Belege sein, so sind deren faksimilierte Abzüge im Braunschweiger Stadtarchiv zu finden. Auch in den Akten des Uschla( Hannover) dürfte manches interessante Zörnerschriftstück liegen. erwiesen bürgermeister von Dresden. Ueber bekannt mit Man wartet... erbeanes stinkt Diese zarte Rücksicht hat Fräulein Rost das Dritte Reich. Jahre Gefängnis. Der Verteidiger mit dem miẞverstanden. Sie zog vor, nicht nach So wuchs er mit der Größe der Partei zu Hier glückte es ihm, heimlich still und Hakenkreuz verlangte Freispruch, der VorBerlin zurückzukehren, sie emigrierte, immer höheren Würden heran. Im Jahre 1926 leise um die Fährnisse des 30. Juni herum- sitzende mit dem Hakenkreuz fällt ein salosie in Paris blieb. Wer die wurde er als Spitzenkandidat Stadtverord- zuschlüpfen. Aber es gelang ihm damals monisches Urteil, er teilte die drei Jahre und deutschen Verhältnisse kennt, wird sagen, es neter der NSDAP. In dieser Eigenschaft schon nicht mehr, seinen Kumpanen, den gab dem Pg. Linke anderthalb Jahre. sie tun konnte. stellte er Dutzende von Anträgen gegen die übelsten Nazihetzer des Landes, den reaktioIm Zusammenhang mit dem Linke- Prozeß nären Hauptschriftleiter Dohrmann aus Daß man in den Berichten indessen, die die angebliche Miẞwirtschaft der Linken. hat sich der Direktor Schumann vom DresIn seiner freien Zeit reiste er in seinem den Klauen der braunen Schnelljustiz zu dner Verkehrsverein erschossen. Pariser Zeitungen bringen, so bereitwillig der trotz des Offenbarungseides deutschen Darstellung des Falles folgt, ist geretteten retten. Dohrmann, genau so ein Bankrotteur In Dresden finden in der Woche zwei bis Wagen, der allerdings einen anderen Farb- wie Zörner, versoffen und verschuldet bis bedauerlich. Ein aufgeregtes Mädchen, nicht drei Korruptionsprozesse statt anstrich erhalten hatte, im Lande herum und über die Ohren, homosexuell und deshalb ge- in der ganzen Naziverwaltung. so heißt es dort, sie hat wohl gar hielt Vorträge gegen das korrupte Weimarer schätzt in SA- Kreisen, flüchtete in der kritigedacht, man könne sie in Berlin erschießen, System. Dabei berechnete er den partei- schen Zeit von Braunschweig nach Dresden, etwas romantisch und vermutlich über- genössischen Ortsgruppen für den Fahrkilo- um im Amtszimmer Zörners Schutz zu finmäßig ängstlich, das Fräulein Rost. Oh meter eine Reichsmark, wie im Falle der den. Hier wurde er erwischt und ins Braunnein, Fräulein Rost wußte Bescheid. wurde.( Miet- schweiger Kreisgefängnis geschleppt. Eine Ortsgruppe Meine geringfügige Inkorrektheit kraftwagen berechneten zu dieser Zeit zwan- seinen weiteren Verbleib ist nichts geworden. Ernst Zörner kam damals und Herr Bopp war wirklich Schweizer, kein zig Pfennige für den Kilometer.) verkappter Emigrant, aber welche Garan- Auch sonst war er in seinen Ansprüchen einem blauen Auge davon. tien hat Fräulein Rost, daß sie daheim Ge- der Partei gegenüber, der er angeblich so begeistert und selbstlos diente, nicht kleinlich. nicht rechtigkeit findet, verdächtig ist sie nun Wenn er als Ortsgruppenführer eine Ver- Deutschlands wimmeln von seinesgleichen. einmal. Sie hat gar keine Garantien. Was für den unpolitischen Einzelnen die Rechts- sammlung eröffnete und des Der Prozeß den gegen Abends das Wort gab, kassierte er umgehend unsicherheit in den Diktaturstaaten bedeutet, dreißig Mark für diese ehrenamtliche TätigSchw ager Zörners nach der Marschleistung oder der davon macht man sich in den demokratisch keit und quittierte für diese Beträge. Da die Ende April, Anfang Mai 1937 lief in Dres- bloẞ körperlichen Einsatzfreude bewerten regierten Ländern kein hinreichend deutliches NSDAP in den letzten Jahren fast allabend- den vor dem Landgericht in der Pillnitzstraße dürfen. Denn überall wartet man Hier versagt die Phantasie der Zeit- lich Versammlungen abhielt, verschaffte sich ein Korruptionsprozeß größeren Umfangs heute auf Menschen mit übergenossen, der unter glücklicheren Bedingun- Zörner auf diese Weise eine hübsche Neben- gegen den Architekten Linke, einen» alten durchschnittlichen Veranlagungen lebt. Man möchte aus mehr als einem einnahme. Kämpfer«, der von den Lieferanten der Gar- gen und den Eigenschaften, die aus dem Grunde dem» mittleren Franzosen< wünschen, Im Jahre 1930 wurde Zörner Land- tenbauausstellung über 120.000 RM. Beste- geistigen Erbgut unseres Volkes wachsen.<< daß er nicht allzu bereit wäre, über die Le- tagspräsident. Seine große Zeit be- chungsgelder genommen hatte. Dieser Linkebensangst der Telephonistin Rost zu lächeln. gann. Wo überhaupt mit einigermaßen Ge- Prozeß zeitigte für alle Schichten Dresdens Bild. im Dienst, dem Redner Nun hat ihn das Geschick ereilt. Er wird der letzte sein. Die Amtsstuben > Gesinnung und Gesundheit müssen sich bei der neuen Jugend von selbst verstehen. Immer mehr wird man, da alle Jugend in Deutschland von der Bewegung erfaßt ist, unter der Uniform nach der besondern fahnden müssen. Begabung Man wird solchen Begabungen auch Zeit lassen müssen. Zeit für sich selber, für die eigenste Veranlagung, und nicht so sehr >> Niedersachsen- Stürmer<<, Harburg- Wilhelmsburg. あ Sozialistische Arbeiterinternationale und Komintern Nach dem Bombardement von Almeria durch deutsche Kriegsschiffe haben die Sozialistische Partei Spaniens, die spanische Kommunistische Partei und der spanische Gewerkschaftsbund( UGT) ein gemeinsames Telegramm an die internationalen Arbeiterorganisationen gerichtet, in dem diese zu entschiedenem gemeinsamem Vorgehen Kampfe gegen die faschistische Intervention in Spanien aufgefordert wurden. im Noch ehe diese Aufforderung bei der SAI. eingetroffen war, hatte diese ihrerseits durch ein Telegramm an die spanische Sozialistische Partei ihrem Abscheu gegen die verübte Gewalttat und ihrer Entschlossenheit Ausdruck gegeben, alles, was in ihren Kräften steht, zu tun, um den Protest gegen die faschistische Barbarei in eine entschiedene Aktion umzuwandeln. der Anderseits hat die Kommunistische Internationale auf Grund Aufforderung der drei spanischen Organisaeinen Reibungen. » Werter Genosse! Sie haben nochmals, wie vereinbart, schläge in drei Punkte. Er verlangt, daß sich nationalen Jugend gespielt. Früher war er ihre Ansichten darüber ausgetauscht, wie die internationalen Arbeiterorganisationen zur einer der Gauleiter von den» Adler und Faldie Aktion zugunsten Spaniens am besten Unterstützung der Forderungen für die spa- ken«. Später, 1926, trat Hans Böckling in zu führen ist, und zwar gemeinsam nische Republik gemeinsam wenden die JNB und versah eine führende Stelle in dort, wo es möglich ist, jedenfalls ebenfalls aber ohne überflüssige 1. an die Parlamente und Regierungen der Krefeld. Dr. Wegerhoff ist nichtfaschistischen Staaten, 2. an den Völ- eines der ältesten Mitglieder des Bundes. So Diese Bemühung erscheint notwendiger kerbund, 3. an die Arbeiterklasse aller Län- könnte man alle Angeklagten nennen. Sie als je nach dem Appell der spanischen Ar- der und an die Weltöffentlichkeit. waren alle jahrelang in einer nationalen beiterorganisationen, die mit so bewunDie Antwort de Brouckères an Tho- Organisation. Das schließt heute nicht aus, dernswertem Mut ihren Kampf gegen die Koalition aller Faschismen führen, und mit rez vom 27. Juni hat folgenden Wortlaut: daß die Gestapo und das nationalsozialistische ihrer Freiheit zugleich die Freiheit und Gericht behaupten, die Angeklagten haben den Frieden Europas und der Welt verBeziehung zur Komintern gehabt, sie haben teidigen. Sie waren so freundlich, mir das Original eines Pressetelegramms zu übermitteln, eine rote Propaganda unter der deutschen Die Verhandlung sollte daß die Korrespondenz Inprekor an die Jugend betrieben. >> Humanité« gerichtet hat, und daß dieses hinter verschlossenen Türen stattfinden. Die Blatt heute morgens veröffentlicht. Ich englischen Jugendorganisatioersehe daraus, daß Sie von Dimitroff beauftragt worden sind, diesen Text den Ver- nen hatten ihren Vertreter, Carrit, zu dietretern des Internationalen Gewerkschafts- sem Prozeß geschickt, um Aufklärung zu beund der Sozialistischen Arbeiter- kommen. Carrit war gleich am ersten VerInternationale zu Ich übermitteln. bin handlungstage anwesend. Er berichtet selbstverständlich nicht befugt, im Namen» Manchester Guardian< vom 22. Juni 1937 des Internationalen Gewerkschaftsbundes zu antworten. Aber ich beeile mich, Ihnen meinen Eindruck als Präsident der Sozialistischen Arbeiter- Internationale, und zwar im Einvernehmen mit dem Generalsekretär, Genossen Adler, mitzuteilen. Dieser Meinungsaustausch hat gezeigt, daß die beiden Internationalen bezüglich Spaniens eine gleichgerichtete Politik verfolgt haben, daß sie beide die Aufhebung die Wiederherstellung des der Blockade, verletzten internationalen Rechts und die Anwendung des Völkerbundpaktes fordern. Uebereinstimmung bestand in dem daß binnen kurzem neue FühWunsche, lungnahmen zur eingehenderen Prüfung der in Aussicht genommenen konkreten Mittel der materiellen Hilfeleistung für Spanien stattfinden.<< tionen, die auch ihr zugegangen war, an den Vorsitzenden der SAI., Louis de Brouckère, den Vorschlag gerichtet, » Ausschuß zur Fühlungnahme< aus Vertretern der SAI., der Kommunisti- sionsschreiben des Präsidenten, des Sekretärs schen Internationale und des Internationalen Gewerkschaftsbundes einzusetzen. Diesen Vorschlag hat der Generalsekretär der Kommunistischen Internationale, Dimitroff, auch in seiner Antwort an die drei spanischen Organisationen diesen zur Kenntnis gebracht. Genosse de Brouckère hat darauf mit folgendem Telegramm an Dimitroff geantwortet: Die Exekutive der SAI. trat am 25. und 26. Juni in Paris zusammen. Sie beschäftigte sich vor allem mit dem Demisund des Kassiers der SAI., Louis de Brouckère, Friedrich Adler und Joseph van Roosbroeck. >> Die am 25. Juni 1937 tagende Exekutive der Sozialistischen Arbeiter- Internationale ist überzeugt, daß sie den Rücktritt ihres Präidenten Louis de Brouckère, ihres Sekretärs Friedrich Adler und ihres Kassiers Joseph van Roosbroeck nicht anneh-. men kann, ohne der Aktion der Internationale selbst Abbruch zu tun. Nach einer ausführlichen Diskussion, in deren Verlauf die Probleme der Aktion der Internationale in ihrem ganzen Umfang untersucht wurden und nachdem die Vertreter aller Parteien den leitenden Funktionären der SAI. neuerdings ihr vollstes Vertrauen ausgesprochen hatten, wurde folgende, von den Habe den gleichen Appell aus Valencia Parteien Spaniens, Frankreichs, der skandierhalten. Sind uns völlig der Notwendigkeit einer tatkräftigen Aktion bewußt und navischen Länder und Hollands vorgeschlamehr als je entschlossen, sie zu führen. gene Resolution einstimmig, unter beHaben diese Absicht unseren spanischen geistertem Beifall angenommen: Freunden mitgeteilt, noch ehe wir ihre Botschaft erhalten hatten. Unsere Internationale wird unter ihrer Verantwortlichkeit ihre Pflicht im vollen Umfang erfüllen. Weder ihr Präsident noch ihr Sekretär besitzen, wie Sie wissen, die notwendigen Vollmachten, um in ihrem Namen dem von Ihnen vorgeschlagenen Komitee beizutreten. De Brouckère. An dieses Telegramm schloß sich längeres Telegramm von Dimitroff an, in dem er heftige Vorwürfe gegen die SAI. erhebt, die angeblich ihre Pflicht gegenüber Spanien nicht im vollen Umfange erfüllt habe, da sie die Aktionseinheit ablehne. Am Schluß dieses Telegramms Dimitroff, daß es der Komintern nicht auf die Form, sondern auf die Sache selber ankomme. Gestützt auf diese Erklärung, klärte sich de Brouckère zu informatorischen Besprechungen bereit. Er telegraphierte am 10. Juni: erklärte ein erDie Exekutive will mit dieser Entscheidung nicht allein ihre vollste Wertschätzung und ihr Vertrauen zu diesen drei Genossen ausdrücken, sondern außerdem die Gewißheit, daß sie, besser als jeder andere, fortfahren werden, in den Beziehungen zu allen außenstehenden Organisationen von den Vollmachten in dem von der SAI. festgelegten Sinne Gebrauch zu machen und damit dem dauernden Interesse der Einheit der Arbeiter- Internationale selbst und ihrer aktiven Propaganda zu dienen. Auf diese Weise werden in dem kritischen Augenblick, in dem sich heute alle Gegner der faschistischen Vorstöße befinden, der SAI. die besten Mittel gewahrt werden, für die Verteidigung der Demokratie und des Friedens zu wirken.< Am 26. Juni hat der Generalsekretär der Internationale, Dimi>> Sind gleichfalls der Ansicht, daß nur die Sache selbst wichtig ist. Die Sache selbst, das ist die übereinstimmende Aktion zugunsten Spaniens. Wir sind stets bereit, Kommunistischen mit Ihren Vertretern zu Informations- troff, ein Telegramm an den französischen zwecken zusammenzutreffen und unsere Kommunisten Maurice Thorez gerichtet, in Ansichten über die beste Art der Durchdem er ihn aufforderte, den Vertretern der führung dieser Aktion auszutauschen: geArbeiter- Internationale und meinsam dort, wo es möglich ist, überall Sozialistischen ohne unnötige Reibungen. Wir können mit des Internationalen Gewerkschaftbundes neue Ihren Vertretern an einem Ort Ihrer Wahl Vorschläge in oder bei Genf zusammentreffen. Bitte verständigen Sie uns 48 Stunden vorher. Werden dann Zeitpunkt ausmachen. De Brouckère.< betreffend gemeinsamer Aktionen mit der Kommunistischen Internationale zu übermitteln. Dieses Telegramm Dimitroffs an Thorez ist in der Pariser» HuAuf Grund dieses Telegramms wurden manité« vom 27. Juni veröffentlicht, aus der nun informative Besprechungen de Brouckère und Adler zunächst von diesen zwischen Vertretern der SAI. und der Komin- neuen Vorschlägen Kenntnis erhielten. Diese tern vereinbart, die am 21. Juni in Anne- Vorschläge trafen am Tage nach dem Abmasse abgehalten wurden. schluß der Sitzung der Exekutive der SAI. Inzwischen traten am 16. und 17. Juni ein und bildeten somit auch nicht den GegenVertreter der SAI. und des IGB. stand ihrer Beratungen. Der Vorsitzende der in Genf zusammen. Sie beschlossen eine SAI., de Brouckère, hat jedoch sogleich eine Resolution über den Zusammenbruch der ausführliche Antwort an Maurice Thorez geNichtinterventionspolitik, die den Wünschen richtet. der spanischen Genossen entsprach. bundes einer Ich möchte Sie daran erinnern, daß unsere Internationale mit aller Klarheit zu den drei Punkten Stellung genommen hat, die in Ihrem Telegramm angeführt sind. Sie hat die sofortige Zurückziehung der faschistischen Truppen gefordert, die in Spanien eingefallen sind. Sie hat die Anwendung des Völkerbundpaktes und die Sie Rückkehr zum Völkerrecht verlangt. hat überall die geeignete Propaganda ins Werk gesetzt, um die öffentliche Meinung zugunsten internationalen Politik zu mobilisieren, deren wesentliche Elemente die beiden eben erwähnten FordeEndlich hat sie vergangerungen bilden. nen Donnerstag gemeinsam mit dem Internationalen Gewerkschaftsbund die zu dieser Frage von den Sozialisten und Gewerkschaftern Spaniens formulierten Wünsche auf das Entschiedenste bejaht und alle ihr angeschlossenen Organisationen sowie alle ihnen angehörigen Mitglieder aufgefordert, die Gesamtheit ihrer Kräfte und ihrer Aktionsmittel in den Dienst dieser Politik zu stellen. Die Sozialistische ArbeiterInternationale hat daher bezüglich der in dem Telegramm geforderten Punkte alles Wesentliche getan, aber unter ihrer eigenen Verantwortung. Sie wird diese ihre Bemühung fortsetzen und auf das Höchstmaß steigern. Wir daß in freuen uns feststellen zu können, allen erwähnten Punkten die Aktion der der Kommunistischen Internationale mit unseren so völlig gleichgerichtet ist. Fall In Annemasse haben Adler und ich eine Auffassung vertreten, der wir treu bleiben wollen: die Auffassung einer Aktion zugunsten Spaniens,» gemeinsam dort, wo es möglich ist, auf jeden ohne unnötige Reibungen«. Diese Auffassung schien verheißungsvoll und man hatte sich darüber geeinigt, daß ihre Möglichkeiten untersucht werden sollten. Noch bevor diese heikle Arbeit, die Geduld und Ausdauer erfordert, begonnen worden ist, schlägt das Telegramm Dimitroffs vor, an ihre Stelle eine andere, völlig verschiedene zu setzen: die Methode der gemeinsamen Manifeste, die offenbar alle unsere Parteien verpflichten sollten. Adler und ich haben bereits wiederholt den Vertretern der Kommunistischen Internationale auseinandergesetzt, warum wir diese Methode nicht annehmen können. Wir sind durchaus bereit, im geeigneten zu bestimmen Zeitpunkt, der gemeinsam sein wird, das Werk von Annemasse fortzusetzen- aber auf dem Boden von Annemasse. folgendes: im zu > Am 14. Juni begab ich mich in das Essener Gerichtsgebäude, dort merkte ich, außen an dem Zimmer 203 ein Schild mit der Inschrift:» Volksgerichtshof«,» OeffentZahlreiche lichkeit ausgeschlossen<<. geängstigste Frauen und Männer kamen und gingen. Ich vermutete, daß sie Verwandte und Freunde der Angeklagten waren. Sie weigerten sich, mit mir zu sprechen. Und als ich plötzlich von einem alten Mann anselbst gesprochen wurde, fand ich mich nicht geneigt, anzugeben, warum ich hier war und was sich im Gerichtsraume ereignet. In der Mittagszeit, als die Geunterbrochen richtsverhandlung wurde, arrangierte ich eine Unterhaltung mit Dr. Lentz, dem Naziadvokaten, der von Aalders Freunden beauftragt worden ist, ihn verteidigen. Ich bat Dr. Lentz, mir eine Unterredung mit dem Gerichtspräsidenten zu erwirken. Er riet mir, wieder zu kommen, wenn sich das Gericht wieder versammelt. Um 2 Uhr stand ich an der Tür, als die Richter eintraten. Sobald sie sich setzten, näherte sich Lentz dem Präsidenten Hartmann, meine Bitte vorzubringen. diskutierten Während dessen zwei Polizisten hinter mir, welche Formulierung richtiger sei:» Das Gericht tritt zusammen< oder» Aufstehen Heil Hitler!« Ich nahm diese Gelegenheit wahr, um in das Innere des Raumes vorzudringen und mich an den Die eintretende Präsidenten zu wenden. Ueberraschung und Verlegenheit gaben mir die Möglichkeit, den Protest der> British Yuth Peace Assembly« zu übermitteln. Ich bin hier, sagte ich, als der Repräsentant der britischen Jugendbewegung. Wir sind stark an diesem Prozeß und den geheimen Anklagen, die man gegen die Angeklagten erhebt, interessiert. Die Angeklagten gehören Geist einer Organisation an, die für den der Kameradschaft und Loyalität in der deutschen Jugend und in der Jugend der Welt eintreten. Die Presse meines Landes hat diesem Prozeß große Publizität geschenkt. Besonders auch den Umständen, unter denen diese jungen Männer vor mehr als zwei Jahren verhaftet wurden, ohne den Charakter der Anklage zu kennen, die man gegen sie erhebt. Der Präsident befahl mir, den Raum zu verlassen, aber bevor ich dem Befehl nachkam, hatte ich Zeit, mich an die Angeklagten zu wenden. Diese 11 jungen Männer trugen in ausgehöhlten Gesichtern die Zeichen einer zweijährigen Behandlung der Gestapo. Sie verstanden wenigstens, daß sie nicht isoliert und vergessen waren, sondern daß die Jugendbewegung in England den Prozeß verfolgt und alles für ihre Rettung unternimmt.<< Hans Böckling hat im Laufe der Voruntersuchung zweimal Selbstmordversuche unternommen. Dr. Wegerhoff wurde so Sie werden verstehen, daß es für uns wichtig ist, zu wissen, ob die Uebereinstim- geprügelt, daß er im Gefängnislazarett untermung zwischen den Vertretern Ihrer Inter- gebracht werden mußte. nationale und uns weiterhin besteht, um uns Offizier Aalders hat man SO ausgedanach zu richten. Mit besten Grüßen Louis de Brouckére. Die Beschlüsse von SAI. und IGB. zur spanischen Frage teilen wir an anderen Stelle Dimitroff formuliert seine neuen Vor- mit. Geheimprozeß gegen die bündische Jugend Schwere Zuchthausstrafen! D. H. Aalders, 1 Jahr 9 Monate Zuchthaus; die Untersuchungshaft wurde angerechnet und er wird freigelassen; Dr. Karl Wegerhoff ist noch vor Urteilsverkündigung gestorben. zu Den holländischen peitscht, daß die Kleider zerfetzt waren. Deshalb mußte auch die Verhandlung unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfinden. Eine furchtbare Tragödie Die>> Preußische Zeitung«( Königsberg) läßt sich unterm 3. Juni 1937 aus Kapstadt melden: >> Zu welch furchtbaren Tragödien die Nichtachtung des Rassegedankens zu führen vermag, ergibt sich aus den Verhandlungen des Kapstädter Parlaments über die Adoptierung weißer Kinder durch Farbige. Die Möglichkeit farbiger Elemente, weiße Kinder zu adoptieren, sei zurückzuführen auf die Bestrebungen, die Farbigenschranke zu durchbrechen, um über das Adoptivkind so nah wie möglich eine Angleichung an das weiße Bevölkerungselement zu erreichen.<< Die Adoption weißer Kinder Ueber die vereinbarte Zusammenkunft von Annemasse wurden aus Moskau Pressemitteilungen veröffentlicht, die den Charakter dieser Zusammenkunft in falschem Lichte zeigten. Diese Pressemitteilungen riefen bei der niederländischen SDAP. Bedenken her- Am Montag dem 14. Juni begann in Essen darauf aufmerksam, daß vor dem Volksgerichtshof unter dem Vorsitz vor, sie machte große Teile der SAI. eine Einheitsfront mit der Präsidenten Hartmann sowie Dr. Foelkden Kommunisten ablehnen. In diesem ner der Prozeß gegen die Führer des JungZusammenhang gaben die Genos- nationalen Bundes. Der Prozeß fand hinter sen Brouckère, Adler und Roos- verschlossenen Türen statt. Angeklagt waren Alle übrigen Angeklagten wurden Hans Böckling, Krefeld, Fritz Bordy, Willi 1 bis 3 Jahren Zuchthaus verurteilt. broeck ihre Demission. Alle Angeklagten, außer Aalders, gehörAm 21. Juni fanden die Besprechun- Frank, Krefeld, Reinhold Giersch, Münster i. W., Karl Hackenbreich, Hannover, Karl ten dem Jungnationalen Bunde an. Jahrelang Lankers, Krefeld, Richard Meincke, Hanno- waren sie in diesem Bund sogar führend durch Farbige ist eine furchtbare Tragödie. >> Der Vorsitzende und der Sekretär der ver, Hermann Montanus, Essen- Ruhr, Karl tätig. Fritz Bordy, Gelsenkirchen- Horst, Die Abkommandierung Farbiger Arbeiter- Internationale, Röder, Düsseldorf, Karl Wegerhoff, Krefeld, war Gauführer. Giersch war zuletzt Sturm- zur Erschießung weißer Kinder Sozialistischen Louis de Brouckére und Friedrich und niederländische Reserveleutnant bannführer im Sicherheitsdienst der SS und ist eine erhebende nationale Tat des General Adler, und die Delegation der Kommu- Flieger D. H. Aalders, Amsterdam. Es wur- Personalreferent der Gestapo Westfalen- Franco, und die deutsche Regierung rechnet nistischen Internationale, bestehend aus den verurteilt: Münster, seit 1927 Mitglied des Jungnatio- es sich zur Ehre an, ihre weißen Untertanen Checa, den Genossen Marcel Cachin, Hans Böckling, Krefeld, 12 Jahre Zucht- nalen Bundes. Hans Böckling hat jahre- Seite an Seite mit den Farbigen in den Helhaus; lang eine führende Rolle in der Bündisch- dentot zu jagen. in gen wurde folgendes Kommuniqué ausgegeben: Annemasse statt. Darüber Dahlem und Bonte, sind in Annemasse am 21. Juni um 20 Uhr zusammengetreten. der Nr. 212 BEILAGE Neuer Norwärts DACHAU 4. Juli 1937 Wir setzen unsere Veröffentlichun-| Leitung des Oberführers Deubel wurde habe kein Geld. Es wurde ein anderer ge-| Dieser Mann erklärte immer, daß er nie gen über das Lager Dachau aus den den Gefangenen gestattet, Fußball zu holt, der Geld hatte, um sich Wurst zu heimgehen wolle, weil ihn daheim seine Deutschland- Berichten des Sozialdemo- spielen. An Sonntagen bildeten sich Fuß- kaufen und der wurde mit der Katze auf- Frau schlüge. Ihm gefalle es so gut, daß Parteivorstandes fort. ballmannschaften, die unter der begeister- genommen. ten Anteilnahme der Lagerhäftlinge ihre kratischen ( Siehe Nr. 211 des» N. V.<<) VI. Das Leben im Lager er immer dableiben wolle. Man konnte dem Besuche. Türriegel keinen größeren Schreck einSpiele austrugen. Da wurde eines Tages Wenn Besuche von höheren Persön- jagen, als wenn man sagte, daß er Dachau verlangt, daß Gefangene sich zur Erwer- lichkeiten von Ausländern in das verlassen müsse. Kam Besuch, so mußte Das Essen ist in Dachau heute bung des Reichssportabzeichens melden Lager kommen, so müssen die Leute an- Türriegel vor und sein Sprüchlein herschlechter als in der Anfangszeit. Als sollten. Es meldete sich aber niemand. Auf treten, die man vorher dazu ausgesucht unterleiern, damit die Gäste den Beweis Mittagessen gibt es am Montag, Mittwoch Befragung erklärten die Gefangenen, daß hat. In erster Linie sind das häßlich aus- hatten, daß die Gefangenen überhaupt und Samstag Kraut und Kartoffeln. Sonst sie infolge der geringen Ernährung die sehende Juden und Verbrecher, die sich in nicht mehr aus Dachau herauswollen. Türgibt es fast immer Rollgerste und Kutteln. Kräfte nicht aufbrächten, die zu solchen Sicherheitsverwahrung befinden und unter riegel wurde gut behandelt, denn man fand Fleisch, ein kleines Fetzchen, gibt es nur sportlichen Leistungen nötig seien. Das denen solche sind, die 50 und 70 Vorstrafen im ganzen Lager keinen zweiten mehr, der am Sonntag. Die Gefangenen haben bei wurde zum Anlaß genommen, auch das haben. Die Antworten, die von diesen Ge- sich mit ehrlicher Ueberzeugung der schweren Arbeit immer Hunger. Am Fußballspielen zu verbieten, denn» wenn fangenen auf die Fragen des Lager- lobend über Dachau aussprach. Abend gibt es Heublumentee, Käse oder die Leute zu schwach sind, sportliche Lei- führers gegeben werden, sind natürlich ein kleines Ringlein Wurst; Dienstags und stungen zu vollbringen, so können sie auch für die Besucher recht abschreckend. Wenn Donnerstags Krautsuppe. Frühmorgens nicht Fußball spielen«. Alle diese Ver- da z. B. ein Mann, der befragt wird, wargibt es gebrannten Rübenkaffee und alle schärfungen sind seit Frühjahr 1936 ein- um er in Dachau ist, antwortet:» Ich bin Veranlagung drei Tage ein Kommißbrot von 1½ kg. Ein Abend: Wenn normaler Arbeitsschluß ist, kommen die Gefangenen um 126 Uhr in die Baracken. Das Abendessenfassen dauert bis 6 Uhr, der Postempfang von 6 bis 7 Uhr. Um 7 Uhr ist Zählappell. Von 28 Uhr bis 8 Uhr ist freie Bewegung, von 8 bis 9 Uhr kann man in den Baracken auf sein. Um 9 Uhr wird das Licht ausgedreht und es muß Ruhe herrschen. An vielen Tagen jedoch kommen die Gefangenen erst um 7 oder 8 Uhr von der Arbeit, dann fallen sie todmüde in ihre Lagerstätten. Bei der Krankmeldung zeigt sich besonders, wie barbarisch die Schutzhäftlinge behandelt werden. Wer sich vom Sanitäter nicht mehr pflegen lassen kann, weil seine Erkrankung die Beratung eines Arztes erfordert, der hat einen schwierigen Weg vor sich. Will er sich zum Arzt melden, so muß er sich am Abend zum Kompagnieschreiber begeben. Dieser gibt ihm einen Zettel, mit dem er am anderen Tage zum Kompagnieführer zum Rapport gehen kann. Dieser siebt zum ersten Male. Er befragt den Gefangenen, und wenn er ihm nicht krank genug erscheint, so schickt er ihn einfach wieder zurück. Läẞt er ihn passieren, so kann der Kranke zum Lagerführer ins Büro gehen. Der fragt ihn noch einmal aus und erst, wenn auch er den Mann für krank genug befunden hat, schickt er ihn zum Arzt. Wenn der Befund des Arztes ergibt, daß der Häftling>> übertrieben hat, so wird er zum Strafexerzieren verurteilt. geführt worden. ein Trinker und habe Das Gesicht des politischen Verbrechers. Zum Schuße der Volksgemeinschaft hat der deutsche Staat Typen dieser Gattung für immer von der Gemeinschaft mit den übrigen Volks= genossen ausgeschlossen. seit zwei Jahren gleich Die Stimmung unter den Gefangenen. Die Stimmung ist natürlich je nach einzelnen Gefangenen sehr verschieden, doch ist allen gemeinsam ein starkes Gefühl der Bedrückung. Für jeden Häftling ist ein Gedanke besonders deprimierend: daß er nicht weiß, wie lange er in Haft behalten wird. Es läßt sich auch keine Norm erkennen, nach der die Entlassungen erfolgen. Es sind heute Menschen in Dachau, die vor Gericht freigesprochen wurden, die keinerlei Stellung in irgend einer politischen Partei bekleideten, ja die früher nicht einmal Mitglied einer Partei waren und die nun schon seit vier Jahren festgehalten werden. So trägt jeder einzelne immer die Hoffnung mit sich, daß beim Entlassungsappell eines Tages sein Name genannt wird. Eine Aenderung der bestehenden Zustände erwarten 90 Prozent der Gefangenen nur durch einen Krieg. Aber dabei sind sie sich klar darüber, daß das für sie nicht die Freiheit bedeuten würde. Im Lager ist bekannt und alle rechnen bestimmt damit, daß sie im Falle eines Krieges noch grausamer behandelt werden. Die Solidarität unter den Gefangenen, die ja aus sehr verschiedenen Elementen bestehen, läßt sehr zu wünschen übrig. Man muß sich vor Denunzianten hüten, denn es kommen immer wieder Verrätereien vor. Die meisten Politischen haben sich zu kleinen Gruppen zusammengefunden, die sich von dem Gros der übriEs gibt gen Gefangenen unterscheiden. aber auch Politische, an deren fester Gesinnung kein Zweifel besteht und die vollständig allein bleiben und nie ein Wort In den über politische Dinge sprechen. meine Frau und meine vier Kinder in politischen Zirkeln entwickeln sich Freundschaften in edelsten Formen. Nachfolgend zwei Fälle, die zeigen größter Not gelassen, ich bin 12mal wegen Das Verhältnis zwischen ehemaligen mögen, wie diese dienstlichen Vorschriften Dezember 1936 wurde ein Bildbericht über Diebstahls vorbestraft«<, so muß der Bedurch die Lagerleitung gehandhabt wer- das Konzentrationslager Dachau gebracht. sucher einen schlechten Eindruck bekom- Sozialdemokraten und Kommunisten hat sich vollständig ausgeglichen. Ein hervorden. Ein Arbeiter will zum Arzt, weil er Auf Seite 2017 in der rechten oberen Ecke politischen Gefangenen führt am linken Fuß einen Furunkel hat. Er wird das Gesicht eines» politischen Ver- man nie vor, und müssen sie einmal in ragender Kommunist, der früher ein starker Hasser der Sozialdemokraten war, hat kommt bis zum Standartenführer. Dort brechers« gezeigt. Der Mann hat eine ein- Reih und Glied antreten, so fragt sie nieentwickelt sich folgendes Gespräch:» Herr gedrückte Nase. Unter dem Bild mand nach ihrer Meinung und selbst heute folgenden Standpunkt: Fehler haben Lagerführer, ich bitte Sie, mir zu geneh-» Zum Schutze der Volksgemeinschaft hat wenn sie gefragt würden, könnten sie wir alle gemacht. Es ist sinnlos, immer nicht die Wahrheit sagen. bloß darüber zu reden. Wir müssen migen, mich beim Arzt melden zu dürfen.< der deutsche Staat Typen dieser Gattung schauen, daß wir in der Zukunft diese FehDer für immer von der Gemeinschaft mit den Lagerführer:>> Was fehlt Ihnen?<< Es ereignete sich einmal folgender ler nicht noch einmal machen. Einige SoHäftling entfernt seinen Strumpf und übrigen Volksgenossen ausgeschlossen«. Vorfall: Im Lager befand sich ein Mann, zialdemokraten, darunter auch bekannte zeigt den Furunkel. Darauf der Lager- Wie wir feststellen konnten, handelt es der angeblich wegen illegaler Arbeit fest- Persönlichkeiten, haben sich höchste AchLügnerische Berichte über Dachau. Im» Ilustrierten Beobachter<< vom 3. steht: Die men. führer:>> Sie können nicht stehen? Sie sich in diesem Falle um den Schutzhäftling genommen wurde. Er selbst behauptete, tung bei den Gefangenen erworben. Ob haben doch zwei Beine, so stellen Sie sich Bartel Fischer. Dieser Fischer war leiden- daß er nie etwas damit zu tun gehabt ehemaliger Kommunist oder Sozialdemoeben einmal etwas auf das andere. Gehen schaftlicher Nationalsozialist und alter habe und erklärte das auch noch nach krat, zu diesen Genossen blickt man auf, Sie nur ruhig wieder zu Ihrer Arbeit. So Kämpfer. Seine Eltern sind begeisterte einem Jahre allen Gefangenen und seinen denn man würdigt in ihnen den Wert ihrer empfindlich darf man nicht gleich sein.<< Nationalsozialisten. Sie haben ein großes intimsten Freunden. Diese glaubten es Persönlichkeit. schon.<< Die Geselligkeit und der Sport. es( Siehe Bild.) Ein Arbeiter hat Panaritium am linken Lebensmittelgeschäft und beliefern eine auch, da er ein vollständig unpolitischer Interessant war zu beobachten, wie der Mittelfinger. Er ließ sich vom Sanitäter SS- Kaserne. Sein Bruder bekleidet eine Mensch war. Fragte ihn jemand:» Warum Ausbruch des spanischen Kampfes auf die verbinden und wollte zum Arzt, weil er es Funktionärstelle bei der NSDAP. Er selbst bist Du in Dachau?«<, so gab er zur Ant- politischen Gefangenen wirkte. Als die vor Schmerzen nicht mehr aushalten vermeidet jedes Gespräch darüber, warum wort:» Ich weiß es nicht<<. Als anläßlich deutschen Zeitungen über die Kämpfe bekonnte. Der Lagerführer erklärte ihm: er in Dachau ist. Er war früher bei vielen der antibolschewistischen Ausstellung in richteten, waren alle Politischen, aber auch >> Der Mensch hat ja 10 Finger, wenn Sie Aktionen gegen die Marxisten beteiligt. München ein Besuch italienischer Faschi- viele Unpolitische in großer Aufregung. mit neun richtig arbeiten, genügt sten im Lager stattfand, fragte der Lager- Spanien wurde auf einmal zum MittelAls diese Bilder in Dachau für den führer zufällig auch diesen Mann, warum punkt aller Gespräche. Als die Kämpfe » Völkischen Beobachter< aufgenommen er in Dachau sei. Der antwortete prompt: länger andauerten, verflog zwar das InIm Jahre 1935 und noch in den ersten wurden, suchte man lange unter den Ge-» Ich weiß es nicht«<, Nach dem Besuch teresse bei den Unpolitischen, in den poliMonaten 1936 wurden verschiedentlich fangenen herum, bis man die richtigen wurde er zu zweistündigem Strafexerzieren tischen Zirkeln aber wurden die Diskusbunte Abende unter ausschließlicher Mit- Köpfe fand. Dabei wurden Berufsverbre- verurteilt. Dann wurde er wieder gefragt sionen heftig fortgesetzt. Als Madrid, wirkung der Gefangenen für die Gefange- cher mit 30 Vorstrafen als politische Ver- und gab wieder die Antwort:» Ich weiß es obgleich die deutschen Zeitungen den balnen veranstaltet. Von diesen bescheidenen brecher ausgegeben. nicht«. Darauf hat man ihn zu 6 Wochen digen Einmarsch Francos angekündigt hatStunden der Geselligkeit ging eine große Wie man die Bilder stellte, dafür nur Bunker und 100 Peitschenhieben verur- ten, sich heldenhaft behaupteten, waren Freude aus. Man fing an, eigene Ideen zu ein Beispiel: Ein Häftling saß auf einer teilt. Als er den Bunker verließ, fragte sich alle darüber klar, daß der Faschisentwickeln, jeder suchte suchte nach Möglich- Bank in der Sonne. Die Kantinenkatze ihn der Lagerleiter noch einmal:» Wissen mus einen hartnäckigen Gegner gefunden keiten, wie er zur besseren Ausgestaltung war in der Nähe. Die Photographen, die Sie jetzt endlich, warum Sie in Dachau habe. des Abends beitragen könnte. Da trat der des Weges kamen, forderten den Mann sind?<< Der Mann antwortete nichts mehr. mehr. Spanien interessierte mehr als Lagerführer Weißenborn sein Amt an und auf, die Katze auf den Schoß zu nehmen Eine besondere Attraktion bei Be- Deutschland. Die meisten hatten wenig alles wurde eingestellt, denn seiner An- und mit ihr zu spielen. Die Katze wollte suchen war der Häftling Türriegel, ein von Spanien gewußt, nun war Spanien zum sicht nach ist Dachau» keine Theaterge- jedoch nicht bleiben. Nun erhielt der Ge- Maurer, der einmal vom Gerüst gefallen Inbegriff ihrer Sehnsucht geworden. Von sellschaft<<. Seither gibt es keine bunten fangene Befehl, sich in der Kantine ein war und dadurch an seinem Verstande ge- den Internationalen Brigaden lasen sie in Abende mehr und keine Lieder werden Stück Wurst zu kaufen, damit die litten hat. Er war das Vergnügungsobjekt den deutschen Zeitungen mit Staunen. mehr zur Harmonika gesungen. Unter der Katze zu locken. Der Häftling sagte, er der Wache, die mit ihm ihre Witze machte. Nach Spanien! Wenn man nach Spanien um Nun erlosch das Interesse nicht über Spanien und > Völkische Jeden Tag nach der Arbeit werden die anderen zu teilen haben. Bibelforscher. könnte! Einmal diesem Faschismus ge- Bruder meldet. Der junge Mann, der im-| Kiesarbeiten verrichten, und man stellte Vorträge über Judentum und Geld gehalgenüberstehen, einmal gegen ihn kämpfen mer wieder seine Hoffnungen auf Entias- ihn immer in einen Wassergraben. Einmal ten. Die Gefangenen suchten dem zu entkönnen, einmal als freier Mann die Hand sung begraben mußte, hatte eine neue wurde er z. B. von den Wachposten durch gehen, indem sie bis 10 Uhr nachts freigegen ihn erheben! Die Zirkel schlossen Hoffnung gefaßt, daß er Weihnachten Gewehrkolbenschläge gezwungen, unter willig arbeiteten, denn nur wenn jemand sich noch enger zusammen und jeder, der 1936 endlich entlassen werde. Er glaubte Wasser zu tauchen. Wenn er wieder ver- arbeitete, konnte er von dem Vortrag wegetwas von Spanien zu erzählen wußte, war das aus Bemerkungen von Wachorganen suchte, heraufzukommen, ließ man ihn bleiben. Sonst steht den Gefangenen nur ein großer Mann. Alle Bücher, die in der schließen zu können. Er freute sich auf etwas Luft schnappen und schlug ihn wie- die dürftige Bibliothek zur Verfügung. Bibliothek über Spanien zu finden waren, diese Weihnachten. Sie kamen, aber Söll- der ins Wasser zurück. An diesem Spiel Postsendungen. waren plötzlich weg. Und jeder, der ein ner blieb, wo er war. Als die Entlasse- hatte die SS eine höllische Freude. Ein solches Buch, sei es nun eine Reisebeschrei- nen verlesen waren und er wieder in die andermal wurde er gezwungen, auf Hän- Postsendungen ausgeteilt. Für die Häftbung oder ein Sprachlehrbuch, im Besitz Baracke zurückging, sah man ihm an, daß den und Füßen herumzukriechen und linge ohne Strafverschärfung sind Geldhatte, hatte einen Kreis von 3 bis 4 Ka- er innerlich gebrochen war. Drei Tage nach Brennesseln zu essen. Dadurch hat er sich sendungen bis 15 RM wöchentlich gestatmeraden um sich, die auch in dem Buche dem Fest beschloß er, das Leben zu ver- eine Krankheit zugezogen. Eine besondere tet. Briefe empfangen kann man unbelesen wollten und denen er erzählen mußte, lassen. Er machte an einem Nachmittag Schikane war auch, daß man ihm bei der schränkt. Jede Woche kann der Gefanwas er gelesen hatte. Es gab 6 Bücher drei Selbstmordversuche. Zuerst ver- Brotzeit das Stückchen trockenes Brot gene einmal schreiben, und zwar abwechdiese wanderten von suchte er, sich mit einer Hacke den Schä- verwehrte und ihn zuschauen ließ, wie die selnd eine Karte und einen Brief. Vor der Mann zu Mann. Auszüge aus spanischen del zu spalten. Daran wurde er gehindert. anderen aßen. Sein Leben in Dachau war Aushändigung jeder Geldsendung wird der Sprachlehrbüchern wurden gemacht, da- Dann, eine Stunde später, wollte er sich eine einzige Qual und ein unvorstellbares Gefangene gefragt, von woher er Geld mit auch andere lernen könnten. Der an seinem Hosenträger im Abort aufhän- Martyrium. Er hat es nicht mehr ausge- erwarte. Wenn er es nicht weiß, wird das Beobachter< und das gen. Ein Gefangener beobachtete ihn und halten. An einem Fensterkreuz im Revier Geld zurückbehalten. Gefangene, die Le>> Schwarze Korps« werden eifrigst nach meldete es der Wache. Man holte ihn fand man ihn eines Tages erhängt. Die bensmittelpakete erhalten, werden immer Meldungen über Spanien durchgesucht und wieder ins Leben zurück. Ein drittes Mal Sanitäter schnitten ihn ab und scharrten wieder darauf hingewiesen, daß sie mit dann versucht man zu deuten und zwi- verschwand er am Abend im Klosett und ihn im Heldenfriedhof ein. Nie bekam er schen den Zeilen zu lesen. Bei allen ist brachte sich mit einem zugefeilten Blech einen Brief, niemand in der Welt hatte eine Sehnsucht und ein Wunsch: einmal vier Schnitte in den linken und drei sich mehr um ihn gekümmert. für 8 Tage ins Ausland kommen, um zu Schnitte in den rechten Arm bei. In seinem Im Dezember 1936 wollte sich ein drei- Es befinden sich etwa 40 im Lager. wissen, was wirklich los ist in der Welt. Blute liegend fand man ihn. Bigjähriger jüdischer Emigrant, der Sie gelten als die größten Fanatiker. Auch Amnestiegerüchte schwirren ständig Nach Verhängung der Entlassungs- äußerst schwächlich war, zum Arzt mel- in Dachau hören sie nicht auf, für ihre umher, aber fast alle müssen ohne Hoff- sperre erhielt ein Gefangener von seiner den. Durch die schweren Arbeiten, bei religiösen Auffassungen zu werben. Alle nung begraben werden.» Im Falle eines Frau einen Brief, sie wolle nicht mehr auf denen er von der Wache ständig angetrie- Bestrafungen tragen Krieges werden wir alle erschossen«, das ihn warten, und er möge sie freigeben. ben wurde, war er so mitgenommen, daß Ruhe. Es ist ihnen auch schon gelungen, ist die Auffassung vieler. Man weiß nie, Der Mann weinte stundenlang. Am Nach- er nicht mehr gerade gehen konnte. Als einige Gefangene für ihre Sache zu gesich mit ihnen gut was der neue Tag bringt, immer lauert mittag brachte er sich im Stiegenhaus er beim Arzt erschien, um sich krank zu winnen. Man kann die Gefahr, daß aus irgendwelchen Grün- Schnittverletzungen an den Armen bei. melden, erklärte dieser:» Ja, wenn Sie kein unterhalten, aber sie sind sehr einseitig. den Repressalien ausgeübt werden. Die Erst als das Blut von dem dritten in den Jude wären, dann schon. So aber gehen Gefangenen haben das Gefühl, Geiseln zu zweiten Stock herabtropfte, wurde er tot Sie nur wieder an Ihre Arbeit.<< Er sein in den Händen von Gewaltmenschen. aufgefunden. schickte ihn wieder in die Kiesgrube. Dort befinden sich dort Menschen, die schon Vom 26. Juni bis 26. September 1936 Wieder ein anderer Gefangener ver- wurde er mit Hohn empfangen und es viele Monate eingesperrt sind. Niemand war im Lager eine Entlassungssperre ver- suchte Selbstmord zu begehen, indem er in wurde ihm erklärt, daß man ihm>> sein weiß, ob sie überhaupt noch da sind, denn hängt, weil angeblich Entlassene wieder die sogenannte neutrale Zone bei der Um- Simulieren schon austreiben werde<<. Er sie werden nie ins Freie gebracht. Ein illegal gegen das Dritte Reich gearbeitet fassungsmauer hineinlief. Wer diese Zone mußte Karren schieben. Plötzlich Mann aus dem Bunker mußte zum Arzt haben. Diese Mitteilung wirkte verschie- betritt, auf den muß der Posten sofort schnappte er nach Luft und brach zusam- geführt werden. Er brach zusammen, als den auf die Gefangenen. Die Unpolitischen schießen. Das geschah auch. Der Posten men. Er wurde abtransportiert. Nach er ins Freie trat. Er konnte die Augen fielen über die Politischen her und mach- schoß und der Mann stürzte zusammen. einer Stunde war er tot. Dieser Emigrant nicht öffnen. Er sah aus wie ein Gespenst. ten ihnen heftige Vorwürfe, aber auch un- Gleich darauf erschien der Sicherheits- war nach Palästina ausgewandert. ter den Politischen gab es Verbitterung offizier, der Kasernentagedienst und der ging es ihm aber so schlecht, daß er wie- Foẞwinkel, ein Kommunist, aus Hamburg gegen die entlassenen Kameraden. Nur we- Kompagnieführer. Der Mann wurde abge- der nach Deutschland zurückfuhr, und aus eingeliefert. Er soll in dem Prozeß gegen nige hielten an ihrer kämpferischen Auf- schleift. diesem Grunde hatte er den besonderen Fiete, Schulte und Genossen freigesprofassung fest. Bei dem Großteil der GeHohn der SS zu ertragen. fangenen löste die Entlassungssperre, da sie zunächst auf unbestimmte Zeit verhängt worden war, starke Depression aus. Es häuften sich die Selbstmorde und Selbstmordversuche. Die Selbstmorde gen, Der Friedhof. Dort sie mit stoischer Im Bunker. Die Bunker sind fast alle besetzt. Es Am 13. Juni wurde der Seemann Otto chen worden sein und hat im GerichtsDort befinden sich 19 Grabhügel, das Weihnacht 1936. saal, als man Fiete abführte, abführte, gerufen: heißt, man erkennt im Rasen 19 ErhebunZu Weihnachten kommt immer die» Rettet Fietes Kopf!« Daraufhin kam er bei denen schwarze Täfelchen stek- Schwester Pia und überreicht jedem Ge- nach Dachau. Nach seiner Einlieferung ken. Auf ihnen steht eine Nummer. Ver- fangenen persönlich ein Päckchen. Es ent- erklärte ihm der Oberführer Deubel: schiedene Gräber bergen mehrere Tote. Der hält ein Stück Hartwurst, drei Lebkuchen,» Mann, schau Dir die Sonne an, Du kannst Friedhof, der im Munde der Gefangenen zwei Tafeln Schokolade und 18 Zigaretten. von Glück reden, wenn Du ihren Aufgang Seither ist der Getreten periodenweise auf. Es kommen Wo- Heldenfriedhof heißt, wird nicht gepflegt. Die Gefangenen benützten die Gelegenheit, noch einmal siehst.<< darüberhin und wird an die Schwester Pia heranzukommen und fangene im Lager nicht mehr gesehen chen, in denen vier bis sieben Selbst- Das Gras, wächst mordversuche unternommen werden. Die gemäht, wenn die Wiese gemäht wird. sie zu bitten, für sie ein Wort einzulegen. worden. Gefangenen, die sich mit solchen Gedan- Kein Gefangener darf den Friedhof be- In einigen Fällen hat das auch genützt, Empfang der Hitlerrede. treten. Bei den Bestattungen ist nie ein so daß die Schwester Pia mit Bitten überken tragen, werden zuerst immer apathiDie Hitlerrede am 30. Januar wurde Zwei SS- Sanitäter häuft wurde. Beim letzten Weihnachts- durch Lautsprecher im Lager übertragen. scher, bis sie sich eines Tages das Leben Gefangener zugegen. besuch wurde vorher der strenge Befehl zu nehmen versuchen. Aus der Masse der scharren den Toten ein. Die Uebertragung war sehr schlecht und ausgegeben, daß kein Gefangener die Fälle seien hier nur einige herausgegrifkaum verständlich. Nur etwa 200 Mann fen. Im Herbst 1936 hat sich der 50 Jahre Schwester Pia ansprechen darf. hörten sich die Rede an, die übrigen ginDie Bildung. Hans Söllner, der 19jährige Bruder des alte Jude Dr. Fels, ein ehemaliger Stabsgen spazieren. Am nächsten Tag rief der früheren kommunistischen Reichstagsabge- arzt, aufgehängt. Er war in der Abtei- Für die Weiterbildung der Gefangenen Lagerführer die Mannschaft zusammen ordneten, befindet sich seit März 1933 im lung der Rasseschänder. Gegen ihn rich- wird nichts getan. Der Bruder des Ober- und erklärte, daß er sich jetzt davon überLager. Er hat sich nie in seinem Leben mit tete sich der ganze Haß und die Verach- bürgermeisters Fiehler, der sich wegen zeugt habe, daß sie noch immer staatsPolitik beschäftigt und wird nur als Gei- tung der Wachmannschaft, da er von Sta- krimineller Verbrechen in Sicherheitsver- feindlich seien. Einmal habe er sehen wolsel festgehalten. Ständg wird ihm erklärt, tur und Aussehen häßlich war. Er mußte wahrung in Dachau befindet, und der eine len,» ob nicht doch ein Funke von Besdaß er nur entlassen wird, wenn sich sein trotz seines schwächlichen Körpers schwere bevorzugte Stellung einnimmt, hat einmal serungswillen vorhanden sei«<, deshalb habe Lage! A.: Ihr Lumpen, ihr Gaumer, ihr Lümmel, ihr Schufte, was schleicht ihr denn fortwährend an mir vorbei? Du Affe dort, kratz dir den Pelz und verdufte, zu Brei. Juden. det.< Jetzt kille KriJetzt fängt's an zu brennen. Und wer ewig bindet, ob sich die Rasse zur Rasse fin-| Moment alles vergriffen. Haben wieder zehn ist dran schuld? Punkte angezogen. Aber gar nicht so empfehIch will nichts mehr hören! Dame vom Dienst( in einem Album lenswert. Alle liberalistisch verseucht. ich jeden, blätternd): Also nichts in Brünett, mein Herr? tikasterinnen. Das ist gerade was Schönes, mich auch nur anquatscht. Genug Wir haben auch in Blond ein großes Lager. meinen Sie? Ah, verstehe.( Schließt die Neder Geduld! ( Nächste Bombe) der sonst schlag ich dir sämtliche Knochen B.: Ich bitte Sie, Herr, es besteh'n ParagraSie dürfen das garnicht. Wie sieht denn B.: Verzeihn Sie, mein Herr werden verstehen doch Sie phen. das aus! Wir wollen doch es schlafen. diplomatischer Sie spielen da gerade mit Dynamit Sie möchten nicht gern kann was geschehen Ein sagen wir mal Schritt.. A.: Ha! Schritt! Was erlauben Sie sich da für Sachen? Du Gauch, du infamer, du Provokateur ( schmeißt die erste Bombe ins Haus) Bruch! Siehste das kommt davon, hörst du es krachen? Schnell mach dich beiseite, sonst gibt's ein Malheur. B.: Verzeihn Sie gedungen. ich bin hier als Wächter Noch ist ja zum Glück weiter garnichts passiert. Nur bitte ich wäre sonst leider gezwungen Ich möcht' Sie nicht gerne Wenn Sie's nicht geniert... A.:( Wirft die zweite Bombe) Das hast du von deinen gottsdämlichen Reden. Ist auch nicht mehr so hoch im Kurs. Wert- bentür). Der Herr sucht trauliches Gemecker verminderung um 25%, da die nordische Ras- zu Zweien. Kann ich hinreichend mit Einheise bei uns ja ohnehin stark nachdunkelt und mischen dienen.( Blättert weiter.) Wie wärs auch das Dinarische wieder getragen wird. mit der Kleinen hier? Hat auch einmal auf Bitte schauen Sie auch diese Dame an. Fabel- den Führer geschworen. Sucht Gleichgesinnhafte Sippentafel. Ahnen, die noch auf den ten, Sie verstehen. Kein Feuer, keine Kohle Bäumen saßen. Familienwappen mit Ochsen- kann brennen so heiß, als heimlich Gemecker, die Sache bis morgen be- kopf. Denken Sie sich das überm Sofa und von dem niemand nichts weiß... Nicht Schöeine bunte Schlummerrolle mit eingestick- neres, als ein deutscher Sonnenuntergang mit Wächter tem Hakenkreuz darunter! Oder hier, das Militärkonzert in der Nähe, dazu im lauschiSchleswiger Vollblut. mit dem Geliebten und Bißchen schwer, aber gen Grünen liegen äußerster Norden. 25 Mille sofort. Und das dem Thema: Kanonen wichtiger als Butter, A.: Ich selber als Wächter? Das ließe sich Zeugnis vom einfach wir müssen uns groß hungern et cetera. Auf Erbgesundheitsamt, hören. Puppe, sag ich Ihnen.( Reicht ihm eine Ab- dieser Basis habe ich schon die harmonischWas zahlt Ihr? Ich halt auf lohnenden schrift). Lesen Sie. Schenkelumfang ganz sten Ehen vermittelt. Meckern zu Zweit hat Vielleicht wenn Sie selber als dies Haus... Preis. stören. ( Der Rest geht in tierischem Gebrüll unter. Das Haus brennt weiter). Partie 1937 Dasselbe. Die Dame vom Dienst. Auf dem dicke Alben. Darüber gebeugt eine Tisch Hochblondine. hochpunktig. Die Brust... na, lesen Sie noch niemand gereut. Der Reiz des VerboteVoraussetzung: keiner versucht mich zu selbst. Bitte? Sie irren, Busen werden wieder nen. Verstehe Sie. Gemeinsame Schmerzen vergetragen. Massig. Natürlich, wenn Sie auf ei- knüpfen die Seelen am heißesten, Und in Kusch! Schert euch zum Teufel, ihr Pack, ne Amazone aus sind( blättert weiter) dann Schmerzen haben wir ja heute Auswahl wie ihr Geschmeiß... schon so etwas. Hochschlank, aber sehnig. noch nie, nicht wahr? Inhaberin des Reichssportabzeichens. Springt 4.50. Holte sich beim Reichsgepäckmarsch den zweiten Preis. Sie haben vor Plattfüßen Horror? Möglich, daß die Kinder gleich mit Senkfuß zur Welt kommen, aber dafür ist das heuDurch ministerielle Verordnung wurden te deutsches Rasseabzeichen. Die Dame bringt Dame vom Dienst( auf ein Bild verim Dritten Reiche für Leiter von Hei- die vorschriftsmäßige orthopädische Schuhweisend): Garantiere für Erbgesundheit, meiratsvermittlungsbüros besondere einlage gleich mit in die Ehe. DRP 8680. Ver- ne Dame. Wir sind ja fachlich geschult und Aufgabe sei, rassisch gesunde Männer und mögen? Wenig. Aber der Vater sitzt im Ver- amtlich geprüft. Sehen Sie das lange Gesicht, teilungsamt der Winterhilfe. Butter, Speck, die nordische Nase, der Führer gäb was mehr sag ich nicht. Bleibt immer drum, wenn er so aussähe. Und billig zu haFleisch wertbeständig. ben. Beamter, die müssen heiraten. Der monWie bitte? Skandinavinnen? Bedaure, im goloide Zug um Augen, Backenknochen? Was Schulungskurse eingerichtet, da Frauen zusammen zu führen. es ihre Deutsches Heiratsbüro. Ein Mann auf Freiersfüßen. Die Dame vom Dienst. An der Wand ein Sinnspruch:» Drum prüfe, wer sich Gangster kämpfen um ein Meidi Womit sie sidi brüsten- Selbstrerstummelung zum Zwecke der politlsdien Verheißung In der»Kampfzeit« begann daa. Wo immer die braunen Horden in der Ueberzahl waren, fielen sie über ihre politischen Gegner her— am liebsten nicht i n der Versammlung, sondern nach der Versammlung, wenn die verstreuten Trupps auf dem Heimweg waren, am liebsten nicht während, sondern nach einer Straßendemonstration, wenn die geschlossenen Züge sich aufgelöst hatten, am liebsten im Dunkel der Nacht, am liebsten In menschenleeren Gassen— und wo immer sie einen Ueberfall verübten, galt die Parole:»Schiebt den Ueberfalle- nen die Schuld zu!« Es kam ihnen nicht darauf an, Leute aus den eigenen Reihen anzuschießen, um so den Beweis zu liefern, daß die angeblichen Angreifer auf der Gegenseite Schußwaffen besessen haben mußten. Mehr als einmal wurde ihnen von deutschen Richtern nachgewiesen, daß die Kugeln, die im Rücken irgendeines SA-Mannes steckten, nur aus einer SA-Flinte kommen konnten, daß die Wunden, die irgendein Hitlerjunge an Kopf oder Bein aufwies, von einem Nazi-Knüppel geschlagen worden waren. Darob jedesmal große Entrüstung in der braunen Presse;»Sind wir denn Gangster?« — Wüste Schimpfkanonaden gegen die republikanische Justiz. Und beim nächsten braunen Demonstrationszug marschierten die wunden Recken, bepflastert und verbunden, als Paradepferde in der ersten Reihe. Nach dem Anbruch des Dritten Reiches wurden Hunderte von Arbeitern wegen»hinterlistiger roter Ueberfälle während der Kampfzeit« in Konzentrationslager, Gefängnisse und Zuchthäuser geworfen, wurden einige zum Tode verurteilt und hingerichtet, weil sie angeblich Jahre zuvor einen»Soldaten des Führers« im Straßenkampf getötet hätten. Nie hatten Nationalsozialisten solche Straßenschlachten provoziert, nie ließen sie sich das leiseste zuschulden kommen. Denn—»W i r sind keine Gangster«. Sind sie es nicht? Durch Ostpreußen marschierte in dieser Woche— 600 Mann stark— Hitlers»alte Garde«. Die parteiamtliche»Preußische Zeitimg« in Königsberg nahm die Gelegenheit wahr, ihren Lesern einige besonders charakteristische Erlebnisse aus der Kampfzeit vorzusetzen. Von alten Kämpfern voller Stolz niedergeschrieben. Es wimmelt in diesen Aufsätzen von Heldentaten— und von Beschimpfungen der Gegner.»Rotmord« gespenstert durch alle Spalten. Einer dieser Berichte— er findet sich in der Nummer 165 der»Preußischen Zeitung« vom 17. Juni 1937— bringt eine so schamlose Enthüllung der braunen Verbrechermethoden, daß er in der ganzen Welt Beachtung verdiente. Wir zitieren wörtlich: »Ein dunkler Oktober-Abend des Jahres 1932. Drei Fußgänger wandern langsam und friedlich die neu angelegte Hufenpromenade in Königsberg entlang. Da zucken sie plötzlich zusammen. Zwanzig, dreißig Meter vor ihnen liegt etwas Dunkles über den Weg— ein Mensch. Vielleicht tot, ermordet?!— Ach, es wird immer schrecklicher und gefährlicher in Deutschland. Jeden Tag melden die Zeitungen neue Ueberfälle, Straßen- und Saalschlachten, Morde.— Mit hastigen Schritten hat der erste den regungslosen Körper erreicht und dreht ihn auf den Rücken. Es ist ein junger Mann, vielleicht 24 Jahre alt. Bei der Bewegung stöhnt er auf. Seine Stirn ist am Haaransatz dick verschwollen, e r muß überfallen worden sein— von den Boten.(Sperrung wie im Original.) Denn er trägt braune Hosen, und außerdem steckt an seinem Bock das Hakenkreuz und das SA-Abzeichen. Als die drei mit dem Verwundeten außer Sicht sind, um ihn zum nächsten Arzt zu bringen, tauchen hinter den Büschen zwei finstere Gestalten auf. Sie nicken sich zu, in Ordnung. Kommune?« Natürlich Kommune, denken die friedlichen Fußgänger— und denkt auch der Richter, der am nächsten Tag im Schwurgerichtssaal des Königsberger Landgerichts gegen vier SA-Männer zu verhandeln hat. Auf Brandstiftung lautet die Anklage und auf verbotenen Besitz von Schuß- und Schlagwaffen.»Fünf Sturmkameraden, in denen man nicht ganz mit Unrecht die weiteren Brandstifter vermutet, sind als Zeugen geladen«, erzählt augenblinzelnd der Gewährsmann der »Preußischen Zeitung«. Zum Glück erkennt sie niemand, der sie»bei der Arbeit« sah, denn»ein Gesicht soll sich bekanntlich verdammt verändern, wenn beispielsweise eine Brille daraus verschwindet und von der früher glatten Oberlippe ein flottes Bärtchen grüßt«. Einer der Zeugen allerdings, das heißt einer der Brandstifter, wäre vielleicht doch erkannt worden, aber »gerade der, bei dem dieser Zwischenfall am wahrscheinlichsten war, mußte der Verhandlung»leider« fernbleiben. Von ihm kündete ein ärztliches Attest: Niedergeschlagen am Vorabend des Prozesses, Gehirnerschütterung, vernehmungsunfähig. So lief alles noch ziemlich glimpflich ab, besonders da der Verteidiger auf Grund dieses neuesten Ueberfalls eine überzeugende Rede für die Notwendigkeit der Selbstschutzmaßnahme der drei Waffenträger liefern konnte.« Der Richter urteilte milde, sehr milde. R o t m o r d war ja wieder am Werk gewesen. Er sah im Geiste einen zerschlagenen Kopf, ein bleiches Gesicht— vielleicht einen Sterbenden. Der alte Kämpfer plaudert selbstgefällig weiter; »Die dritte Szene spielte am Krankenbett des Ueberfallenen. Voller Freude hörte er von dem guten Ausgang des gefürchteten Prozesses. Sein Schädel brummte zwar noch ordentlich, aber in einer Woche war alles in Ordnung. Schließlich hatten w i r ihm ja auch nur mit halber Kraft den Knüppel rübergesengt. Er hatte es uns ausdrücklich befohlen, er — unser Truppführer.« Das also war Rotmord! Sie haben ihren eigenen Kameraden Brandstifter niedergeschlagen, um ihn vor einer wohlverdienten Strafe zu bewahren. Sie haben anderen kaltblütig die Schuld zugeschoben. Sie haben ihre eigene hundsföttische Tat zu einer verstärkten Hetze gegen ihre polltischen Widersacher benützt— und sie brüsten sich heute damit. Möglich, daß inzwischen ein Sozialist um dieses»Ueberfalls« willen im Konzentrationslager zuschanden geschlagen worden ist. Wer kann das nachprüfen? Wer kann nachprüfen, in wie-" vielen Fällen, denen nach Hitlers Sieg eine blutige Rache folgte, das gleiche Spiel gespielt wurde? Sie brüsten sich damit! Noch vor wenigen Jahren wiesen sie die Verdächtigung, während der Kampfzeit wiederholt Selbstverstümmelung getrieben zu haben, entrüstet zurück. Damals steckte ihnen immerhin noch etwas von den Ehrbegriffen in den Knochen, die in der Republik galten und die heute noch der ganzen zivilisierten Welt zu eigen sind. Inzwischen hat der parteifromme Nationalsozialist völlig verlernt, eine Heldentat von einem Schurkenstreich zu unterscheiden. Natürlich hat er es verlernt.»Denn was er so artig im Kleinen erlebt, erfuhr er, genoß er im Großen.« Wodurch unterschied sich der Reichstagsbrand von jener in der»Preußischen Zeitung« so neckisch ge- schüderten Gangsterei? Und hat das gleiche Brandstifter- Verfahren inzwischen nicht auf die Außenpolitik übergegriffen? Wo man hinblickt in der Welt— auf die spanischen Gewässer oder nach D a n z i g, ins sudetendeutsche Randgebiet oder nach Oesterreich — überall geschieht den armen deutschen Opfern immer gerade dann ein blutiges Unrecht, wenn eine Art Gerichtsverhandlung bevorsteht und wenn ihnen daran liegt, mit Vergeltungsmaßnahmen drohen zu dürfen. Im Falle»Kreuzer Leipzig« haben »wir« überhaupt nicht zugeschlagen, sondern nur Torpedos schwirren hören, die sonst kein Mensch auf der Welt sah, hörte oder abgeschossen hatte. Zu»Selbst-, Schutzmaßnahmen« und zu kompakten Drohungen reicht's allemal. Und wenn Deutschland, wenn Europa eines Tages blutend auf dem Siechbett liegt, dann hoffen die Brandstifter, auf gerettetem Geldbeutel sitzend, grinsend versichern zu können:»W ir haben ja nur ein wenig zugehauen, nur mit halber Kraft, nur um R o t m o r d zuvorzukommen.« So stellen sie sich's wenigstens vor. Wird die Welt nach vier Jahren braunen Heldentums sich noch ebenso nasführen lassen wie weiland der milde Richter in Königsberg? er keinen PfüchtappeU angeordnet. Aher sie hätten gezeigt, wie sie in Wirklichkeit dächten. Sie dürften nicht hoffen, daß man sie jetzt freiließe. Diese Sabotage habe ihnen schwer geschadet. Er sagte wörtlich:»Wir wissen ja, daß Ihr noch alle Kommunisten seid, aber das könnt Ihr Euch merken; wenn auch der Kommunismus einmal kommt, Ihr werdet ihn nicht erleben. Dafür werden wir sorgen.«— Nach dieser Rede meldeten sich verschiedene Gefangene und erklärten, daß sie den Empfang der Rede nicht aus bösem Willen versäumt hätten, sondern wegen des schlechten Empfangs. Es sei einfach nichts zu verstehen gewesen. Daraufhin hat der Lagerführer seinen eigenen Apparat kommen lassen und als eine Schallplattenübertragung der Rede gegeben wurde, mußte das ganze Lager antreten. »Irrungen•••« »Auch unsere Universität ist nicht unberührt geblieben von den Strömungen der Zeiten, auch sie hat ihren Teü an den Irrungen eines deutschen Geschlechts, das sein Heil suchte In dem Glauben an die Allmacht des menschlichen Verstandes und den ewigen Fortschritt der menschlichen Gesittung und all den abstrakten und selchten Doktrinen, die daraus folgten. Doch diese Lehren hatten ihre Zeit und nicht um ihrer zu gedenken, sind wir heute zusammengekommen...« {Reichsminister R u s t bei der 200- Jahr-Feier der Göttinger Universität.) (»Deutsche Allgemeine Zeitung« Nr. 292.) Oeutsdhland heute Setzt man den Umsatz von Nahrungsund Genußmitteln im»Systemjahr« 1928 gleich 100, so betrug der Umsatz im ersten Vierteljahr 1937 nur 81.7, in Hausrat und Wohnbedarf 83.1 und in Textillen und Bekleidung gar nur 72.1! Dabei hat die Bevölkerung Deutschlands seit 1928 um rund zwei Millionen Menschen zugenommen! Man kann also ungefähr ahnen, um wieviel schlechter die Lebenshaltung des deutschen Volkes im Dritten Reich im Vergleich zur »Systemzeit« ist! * Deutschlands Anteil am Welthandelsumsatz sinkt weiter! Im Jahre 1931 betrug er 10 Prozent. Im ersten Vierteljahr 1936 war er auf 9.6 zurückgegangen. Das Jahr 1937 verzeichnet im ersten Vierteljahr ein weiteres Sinken auf 8.7 Prozent! • Der»Reichsapoth ekenführer« Schmierer — der Mann heißt so!— ruft seine Berufskameraden und die Aerzte zum Kampf gegen die»Arzneimittelsucht« auf. Die Aerzte sollen nur noch rezepturmäßig hergestellte Arzneien verschreiben, damit sich die Kranken nicht Arzneimittel ohne Rezept verschaffen könnten.— Statt Arzneien hat Deutschland unter Hitler Kanonen nötiger! wollen Sie, Paul Wegener-Typ, einer unserer größten Darstell er.— Etwas Apparteres? Oh bitte. Hausse in österreichischen Offizieren, Heimwehrführem. Jawohl, etwas aus der Mode. Also nicht. Wie wärs mit einem kleinen Scharführer? Auch billig. Braun hat einige Punkte eingebüßt. Oder hier, Reichswehroffizier. Was auch kommen mag, das schwimmt oben und igt m« schuld gewesen.(Blättert welter.) i>a, ein Dinarier, aber dafür mit dreiteiliger Versicherung; er neutral, der Bruder SS, der Schwager Reichswehroffizier, der Vater ehemaliger Demokrat mit Unken � Querverbindungen. Wie die Zeiten sich auch wandeln da kann nie etwas passieren.— Oder vielleicht etwas Neuheidnisches gefällig? Große Zukunft. Nein? Na ja, mir ist ja Christus auch lieber als Göbbels. Uebrigens, bleiben Sie bei jeder Witterung so blond, meine Dame? Ja? Sehr schön. Dann gilt für Sie der germanische Tarif. Waschechtes Blond wird In gewissen Kreisen sehr hoch gehandelt.(Schlägt eine andere Mappe auf.) Vielleicht findet sich hier etwas Passendes. Von oben blättern, wenn ich bitten darf, das Unterste zuletzt... Abteilung A, abnorm... Sie verstehen nicht? Also nachher, bitte schön.— Wie wärs mit diesem Staf? Bejahrt, aber gut erhalten, gesegnet mir zwei helmlichen illegitimen Kindern. Fehlfarben. Die Mutter soU Jüdin sein. Diskrete Angelegenheit, aber dafür Rapportführer im Kon- zentrationslager. Ausstattung kostenlos aus sozusagen eigenen Werkstätten. Wie? Sie schütteln sich? Ich habe zehn Jahre neben einen Friedhof gewohnt, daran gewöhnt man sich. Bitte. Gehen wir weiter. Das hier? Ein kleiner Hohenzollemprinz. Ehemals Sekretär bei Streichern. Werden sich bald selbständig machen. Allerhand Chancen. Auch Habsburger ziehen an. Ebenso starke Belebung des Marktes in Stahlhelmern. Werden immer wieder gehandelt... Das unterste Fach möchten Sie sehen? Nach Belieben. Ebne diskrete Frage: Wollen Sie Kinder? Ja? Nim, daa Ueße sich in jedem Falle einrichten. Aber legen Sie Wert auf ein normales Eheleben— ich meine... komplett? Hm, dann dürfte diese Abteilung ausscheiden. Hohe mitteleuropäischer Würdenträger, die lediglich repräsentative Frauen suchen. Nicht ohne Vorbehalte, Hintergedanken und Hintermänner, aber dafür allererste Kreise. Nein? Bliebe noch unsere wohlassortierte Heldengalerie.(Schlägt neues Album auf.) Vielleicht versuchen Sie es mit einem fälischen Typ. Hier, preisgekrönter Fememörder. la Sippentafel. SoU auch den Asmussen mit umgelegt haben. Aber Gnädigste, bei dem Vorurteil sind Sie noch? Besitzer des Ehrendolches, rechte Hand von ganz oben! Nicht konvenierend?— Wie wärs mit dem Allerneuesten... Demnächst kommen frische Helden vom spanischen Kriegsschauplatz herein. Vorläufig irnnn ich Einen nur zwei lädierte Flieger offerieren. Guemica- Kämpfer. Vom Führer beglückwünscht. Inhaber des Blutordens. Im Kampfe gegen die Zivilbevölkerung unbesiegbar. Keine flüchtende Frau, kein flüchtendes Kind bleibt heil... Sie sind plötzlich so blaß geworden... Ein Glas Wasser gefällig? Einen Moment bitte... Karl Rothe. Deu�sdie Geschichte In der Aula der Universität Königsberg sprach Stellvertreter Gauleiter Großherr über »Die Wege zur Volksgemeinschaft«. Seit vielen Jahrhunderten sei sie ersehnt und versucht worden, aber leider nie gelungen. An der»Zersplitterung« scheiterte schon i»der erste Versuch des Cheruakers Hermann nach einem. glücklichen Beginn...« Warum? Fehlt nur noch die Erklärung, daß schon dieser alte Germane den südlichen Stämmen zu berlinisch war. Auf dieser Höhe etwa bewegte sich der Vortrag. Wir zitieren nach der»Preuß. Ztg.« vom 25. Juni: »So bUeb daa Volk unelns, wenn auch der Staat notdürftig geschaffen wurde. Auch das große Fronterlebnis des Weltkrieges, von dem man die große Volkswer- dung erwartete, blieb ungenutzt, weil die Heimat den Männern, die berufen waren, sie zu schaffen, in den Rücken fiel. Nach 2000 Jahren endlich entstand dem Volk ein Mann, der die große Tat vollbrachte.« Wer ist es? Fragt nicht danach, ihr werdet es nie erfahren. Nur soviel sei verraten: »Dieser Mann kam aus dem Volk und stieg an seine Spitze ohne einen Berech- tigungsschein, ohne Geld und Beziehungen, ohne Ansprüche einer Kaste. Mit ihm stiegen Männer an die Spitze, seine Gauleiter, die wie er, aus der Masse kamen, die von dem gleichen politischen Gefühl und der gleichen Tatkraft beseelt waren wie er.« Seine Gauleiter, vergeßt das nicht, denn der Redner Ist stellvertretender. Und so ohne Geld und ohne Beziehungen war obiger Retter, daß er lediglich ein paar Blätter aufmachen, braune Häuser in vielen Städten kaufen und in München lediglich einen braunen Palast errichten konnte, der Millionen kostete. Denn die lumpigen 12 Millionen, die er nach kapitalistischen Aussagen vom deutsahen Großkapital bezog, reichten weder hinten noch vom. Und die Beziehungen? Außer den Hohenzollern, dem Großkapital, den Kraut- und Schlotbaronen, der Harzburger Front und der gesamten Reaktion hatte er keine anderen Schätze und Kräfte hinter sich, als eben seine wackeren Gauleiter. S o entstand endlich der deutsche Staat und damit der höchste Punkt der deutschen Geschichte. Gehalten in einer Universität, zum Abschluß eines Semesters, vor Rektoren und jungen Studenten. Ein Beispiel neudeutscher Wissenschaft. Arme Jugend! Der Parolenvogel Die Landesfachgruppe Ostpreußen und Danzig der Reichsfachgrupp e Ka- narienzüchter veranstaltete bei Lap- schies eine große Sommertagung... Es wurde die Parole ausgegeben;»Für jedes deutsche Haus einen deutschen Edelroller!« (»Preußische Zeitung« Nr. 170.) Sozialismus »Der Bankdirektor— es ist wirklich einer— hat gerade dem»kleinen« Angestellten einen Verband um die wundgelaufenen Hacken gelegt, und oben am Wald teilt einer gerade seine letzte Wurst in drei Teile. So wird die Ostlandsfahrt mehr als eine reine Erholungfahrt.« »Preußische Zeitung« Nr. 171. Zerrüttung der Krankenkassen Achtzig Millionen Vermögensverlust wird. Sie sollen die ausländischen Universitäten mit braunem Geist durchseuchen und sie sollen gleichzeitig die deutschen Minderheitsangehörigen in ihrer Umgebung bespitzeln helfen. Es ist die braune Creme der Die Propaganda des Nazi- Regims ist, den zur Ausgabendeckung herangezogen.<<| chen Berichtsmethode nur schwer eine wirk- Gesellschaft, die dafür ausersehen wird. wenn auch ungewollt, an einem Wendepunkt Die Nazis haben also mit niedrigen Bei- liche Einsicht möglich ist, so zeigen bereits Nun bei den ausländischen angelangt. Es war schon eine lange Zeit, vier trägen Propaganda gemacht und dafür das diese Durchschnittsziffern einen Leistungs- Professoren( selbst wenn sie mit dem Jahre hindurch als neue verantwortliche Defizit aus dem Vermögen der Kassen ge- abbau von 20 bis 25 Prozent. Dritten Reiche liebäugeln) ist die Mitteilung, Staatsgewalt von der Kritik seines Vergän- deckt. In absehbarer Zeit werden die Bei- Am wenigsten hat sich die» Sparpolitik daß>> diese außerschulische Betätigung gers leben zu wollen. Auf dem Gebiete der träge wieder erhöht werden. So sieht die in der Verwaltung ausgewirkt; die gesamten die schulische Entwicklung störend eingeVermögensausweis Verwaltungskosten betrugen nach dem Be- wirkt habe«<, in der Tat keine Empfehlung, Sozialpolitik haben die Nazis über das Kriti-» Reinigung< aus. Der persönliche sachliche sieren hinaus, das Werk des republikanischen spiegelt diese Sparpolitik wider. Das Ver- richt für März 1937 Deutschland weitgehend wieder abgetragen mögen der reichsgesetzlichen Krankenkassen und teils ganz zerstört. Das gilt für die hatte in der Zeit höchster Krise 1932 ohne Sozialversicherung, über die augenblicklich Saarland 920,958.000 RM betragen und ist von den Pressestellen der Arbeitsfront wohl jetzt bis Ende 1936 auf 839,900.000 RM zudurch oder übel berichtet werden muß. Die statisti- rückgegangen, nachdem die Einbeschen Künste können diesmal auch nur ziehung der saarländischen Krankenkassen schlecht verdecken, wie sichtlich das Dritte noch Vermögen in Höhe von 6,2 Mill. RM zusammen 8,665.000 RM " * 2,213.000 10,878.000 RM auf und der beabsichtigten Propaganda für die herrliche deutsche Jugenderziehung geschieht kein guter Dienst damit. auch Der Leser klappt die Zeitung zu und denkt Man darf annehmen, daß die Bericht- nach, wie ein schlechtes Zeugnis erstatter nicht den teuersten Monat des ohne jeden Vermerk bei einem VorzugsJahres ausgewählt haben. Die jährliche Ver- studenten und Stipendiaten wirken mag. Er daß verdienten Reich in der sozialen Fürsorge versagt, der( 1935) hinzugekommen war. Der Vermögens- waltung würde sich auf 130,536.000 RM be- kommt zu dem Ergebnis, laufen. Im Jahre 1933 waren die Verwal- jungen Kämpfern von Rechts wegen gar der Krankenkassen unter Adolf Hitler beläuft sich somit auf 80 Millionen die Arbeiterschaft in den Wechselfällen des schwund Lebens im kapitalistischen Staate bedarf. tungskosten insgesamt 102,785.000 RM. Ob- keine schlechten Zeugnise ausgestellt werwohl die Betriebskassen ihre Unkosten selbst den dürfen. Und damit hat er wieder ins Es ist schon symptomatisch, daß die pro- RM. decken und obwohl die Ortskrankenkassen Schwarze getroffen. pagandistische Aufmachung der Kranken- Wir wollen zugunsten der Nazis aussprekassenberichterstattung rein negativ gehalten chen, daß wahrscheinlich in diesen Riesen- sich um 1000 vermindert haben, sind die Verwaltungskosten um rund 28 Millionen RM ist. Die» Deutsche Arbeits- Korrespondenz« verlusten die unterschlagenen Gelder versieht den Jahresbericht für 1936 mit der der Nazi- Krankenkassenbonzen bereits mit- angestiegen. So sieht die Sparpolitik in WirkUeberschrift:>> Ueber 1000 Krankenkassen enthalten sind, lichkeit aus. Dafür wird in dem Bericht hervorgehoben, daß die gesetzlichen Krankenkassen heute gegen 38.000 Nazis in der Verwaltung beschäftigen. Es sind im letzten Berichtsjahre allein 1000 Kräfte neu eingesellt worden. Nebenbei wird dann vermerkt, daß die noch die » Auf Grund dieser Bestimmung durften Ende 1936 1014 Krankenkassen keine freiwilligen Leistungen mehr gewähren.<< weniger«. Man hätte erwarten dürfen, daß Die Krankenkassenreform der Faschisten nach vier Jahren Krankenkassenreform ge- hat neben den Substanzverlusten Opfer der rade auf diesem Gebiet von der nationalsozia- Mitgliedschaften gekostet, deren Heilmittel, listischen positiven Leistung erzählt werden Arztbehandlung und materielle Krankengeldwürde. Waren doch die Krankenkassen die unterstützung abgebaut worden sind. eigentlichen» Nester der roten Bonzen<< und Wenn wir zugrunde legen, daß 1933 ein hier sollte durch eine große Reinigung end- Beitragseingang von insgesamt 1,129 Milliar- sogenannten Mehrleistungen nur finanziell gut gestellten Krankenkassen gelich den Kranken geholfen werden. In der den RM zu verzeichnen war und 1936 von währen dürfen. Tat waren diese Kassen und Büros die große 1,478 Milliarden RM, ferner daß sich MitVersorgungsgelegenheit zur Beschäftigung, gliedsziffern von 16,2 und 21,6 Millionen d. h. Unterbringung der alten Kämpfer. Dar- gegenüberstehen und daß die Zeit der Krise um hat sich aber in der Entwicklung der auch für die Krankenkassen stets eine stärKrankenkassen auch mehr als auf jedem kere Belastung ergab, als solche der stärkeanderen Gebiet die die dieser ren Beschäftigung, so müßte ganze Hohlheit Krankenheute in Deutschland faschisti- kasenleistung zwischen 1933 und 1936 wesentschen Partei erwiesen. Diesmal kann die lich gestiegen sein. Propagandalüge nicht helfen. Die Zeitschrift» Die Ortskrankenkasse< Zunächst wird, wie üblich verkündet, daß gibt in ihrer Ausgabe vom 11. Juni 1937 die der Mitgliedsstand der Krankenkassen von Leistungsausgaben pro Mitglied für KrankenMonat zu Monat dauernd zunimmt, er soll geld, Arzt, Hausgeld, Heilmittel usw. für das von 1934 bis 1936 im Jahresdurchschnitt von 1. Quartal 1936 mit insgesamt 11.68 RM an, Ortskrankenkassen 19.9 auf 21.6 Millionen angestiegen sein. also jährlich 46.72 RM. Es stehen sich demWenn die Zahl richtig sein sollte, so hätte nach an Leistung der Krankenkasse für ein sich damit der Beschäftigtenstand im Zeichen Mitglied gegenüber führenden einer höchst intensivierten Kriegswirtschaft lediglich dem Niveau des Jahres 1929 wieder genähert. Die Einzelberichte freilich zeigen, daß im 4. Quartal 1936 nur 19.7 und im 1. Quartal 1937 wieder 19,7 Millionen Versicherte gezählt worden sind. Der Jahresdurchschnitt von 21.6 erscheint demnach etwas reichlich errechnet zu sein. Bei der Beurteilung der 1933.. 54.36 RM jährlich 1936. 46.72 99 99 Angst Der Leiter der> Reichsgruppe Versicherungen« hat eine Anordnung herausgegeben, in der bestimmt wird, daß » Versicherungsunternehmungen und Generalagenten Vertreter erst einstellen dürfen, nachdem sie sich von der Vertrauenswürdigkeit des Vertreters und in einer nach Lage der Umstände des einzelnen Falles geeignet erscheinenden Weise auch von seiner Zuverlässigkeit in politischer Hinsicht überzeugt haben.<< Die Preußische merkt dazu: Zeitung« Nr. 174 be>> Der Versicherungsvertreter, ob fest angestellt oder nebenberuflich, ist jeden Tag in unmittelbarer Berührung mit allen Schichten des Volkes. Ist er weltanschaulich und fachlich einwandfrei, dann kann er neben seiner oder, besser noch, trotz seiner wirtschaftlichen Tätigkeit politische Arbeit in bestem Sinne leisten.< Die sogenannten Mehrleistungen bestehen praktisch in Barleistungen an die Familien der Erkrankten, wie überhaupt in der Berücksichtigung des Familienstandes. Es geht also keineswegs um Luxusleistungen, sondern um sozial notwendige Erfordernisse, die zwar formal nicht unter die Mindest- Verpflichtungen der Krankenkassen fielen, aber bis zum Einzug der Nazis von dem größten Teil der es füglich weiter heißen dann findet er aufgebracht worden mehr offene Ohren als uns lieb ist. dürfen es nicht mehr wagen, den kleinsten waren. ... und ist er ein Neinsager so sollte Sie Die Nazis mögen die Versorgung ihrer Vertreter unkontrolliert herumlaufen zu lasBonzen in den deutschen Krankenkassen als sen. Sie müssen die Nase in jeder Hausflur eine Leistung ansehen, für die Arbeiter und haben, sonst können die Führer nicht ruhig Angestellten hat sich dieses Experiment als schlafen. Wenn bei der heute in Deutschland übli- ein teurer, auf die Dauer untragbarer Spaß nicht für die Presse bestimmt" ‚ Nicht Beschäftigtenziffer muß 99 aber auch berücksichtigt werden, daß heute Das hinderliche Schulzeugnis und der irregeführte Leser auf der nominellen Beschäftigung bestanden wird, selbst wenn die Betriebe mangels Rohstoffen für ihre Belegschaften keine volle haben. Beschäftigung mehr Die Arbeiter werden in den Lohnlisten geführt und zu den Krankenkassen gemeldet, obwohl sie teils nur mit abwechselndem Urlaub arbeiten können. Nun soll die größte Leistung der Nazis, wie die DAK hervorhebt, der Abbau der Krankenkassen gewesen sein. Ihre Zahl hat sich um 1000 vermindert. Wir erinnern daran, daß bereits in der Republik eine Vereinheitlichungsaktion der zahlreichen Kassen im Gange war. Damals war aber vor allem an die Verringerung der Zahl der Zwergkassen gedacht, es sollten die Betriebskrankenkassen und die Innungskassen beseitigt und Krankenversicherung in den Ortskrankenkassen zentralisiert werden. Der Bericht, wie er jetzt in der Zeitschrift der Ortskrankendie Hinter dem fest gesponnenen Gewebe der deutschen Zeitungen verbirgt sich alles, was im Dritten Reich wirklich geschieht. Um so erheiternder wirkt es, wenn der Zensor einmal einen gelockerten Faden übersieht. Dann reißt nämlich immer gleich die ganze Naht und der erstaunte Leser blinzelt durch den Riß in eine wenig schöne Welt der Schiebung. Am 24. Juni stand in den meisten deutschen Blättern die folgende Meldung: Solche >> Es ist vorgekommen, daß einem Schüler infolge seiner Betätigung in einer Gliederung der Partei auf dem Zeugnis vermerkt worden war, daß diese außerschulische Betätigung auf seine schulische Entwicklung störend eingewirkt habe. Vermerke auf Schulzeugnissen sind geeignet, das Fortkommen der Schüler zu erschweren. Darum hat der bereits früher grundsätzlich angeordnet, daß solche Vermerke zu unterbleiben haben.<< Reichserziehungsminister Was hungsminister Veranlassung, erneut auf kommt ein soviele diese » Reichsschießschule« Die deutschen Zeitungen melden: >> Die erste Reichsschießschule der Hitlerjugend wird Ende Juli in Obermannsfeld bei Meinigen in Thüringen eröffnet. Die Aufgabe dieser neuen Schule ist vor allem die Ausbildung von Schießwarten für die Hitlerjugend, damit sobald wie möglich jeder Gefolgschaft eigene Schießwarte zur Verfügung gestellt werden können.<< Genau wie Lansbury es sah: die friedlichste Jugend der Welt. Neuer Vormärts Sozialdemokratisches Wochenblatt >> Ein Einzelfall gibt dem Reichserziesoll das heißen? Ein Schüler beHerausgeber: Ernst Sattler; verantschlechtes Zeugnis. Das> er- wortlicher Redakteur: Wenzel Horn; seine Anordnung hinzuweisen, daß auf schwert ihm das Fortkommen« in jedem Fall. Druck:> Graphia«; alle in Karlsbad. den Abgangs- und Reifezeugnissen jeder Vermerk über die Der Schulleiter aber, bestürzt darüber, gerade Zeitungstarif bew. m. P. D. ZI. 159.334/ VII- 1933. Printed in Czechoslovakia. Kontrollpostamt: Betätigung eines Schülers oder dem eifrigsten Partei- Musterknaben Poštovní úřad Karlovy Vary 3. Aufgabeeiner Schülerin in der Partei» Ungenügend< versetzen zu müssen, schreibt postamt Karlsbad 3. oder in einer ihrer Gliederungen zu un gleichsam als Entschuldigung den Vermerk Der>> Neue Vorwärts kostet im Einzelterbleiben hat.<< ins Zeugnis, daß die mangelnden Kenntnisse verkauf innerhalb der CSR Kč 1.40( für ein Das ist doch ganz gleichgültig, dachten des künftigen Volksführers durch hingeben- Quartal bei freier Zustellung Kč 18.-). Preis kassen veröffentlicht wird, zeigt aber, daß wohl die lesenden Eltern mit einem Seufzer. den Idealismus beim Schießen und Marschie- der Einzelnummer im Ausland Kč 2.-( Kč 24. für das Quartal) oder deren Gegenwert Ob unser Junge studieren oder Flieger wer- ren wettgemacht worden seien. Ob der Junge in der Landeswährung( die Bezugspreise für sich die Zahl der Ortskrankenkassen den will, ob er in einem großen Werk An- studieren oder Flieger werden will, ob er bei das Quartal stehen in Klammern): Argentinien von 1933 bis März 1937 von 1985 auf 922 vereinem größeren Unternehmen Anstellung Pes. 0.30( 3.60), Belgien: Belg. Frs. 2.45( 29.50), mindert hat, während die Betriebs- und stellung sucht oder bei der Gemeinde oder bei der Post ein Führungszeugnis von der sucht oder...( usw. siehe oben) Bulgarien Lew 8.-( 96.-). Danzig Guld. 0.45 Innungskassen geschont worden ( 5.40), Deutschland Mk. 0.25( 3.-), Estland Partei wird in jedem Fall verlangt. sind. Die DAK schreibt, daß sich der MitDa Fußnote kann ihm nur zustatten E. Kr. 0.22( 2.64), Finnland Fmk. 4.-( 48.-), kommt es schon nicht darauf an, ob der Blödvon kommen, >> erschwerend<< ist da gar Frankreich Frs. 1.50( 18.-), Großbritannien gliederzuwachs in den Innungskassen am stärksten zeigt und über 15 Prozent im Jahr sinn auch in den Schulzensuren steht. keine Rede. Im Gegenteil: je schlechter das d 4.-( Sh. 4.-), Holland Gld. 0.15( 1.80). Ita1936 beträgt. Diese Verschiebung in Aber am nächsten Tage stutzten die Le- Zeugnis und je dicker die Fußnote, desto un- lien Lir. 1.10( 13.20), Jugoslawien Din. 4.50 den ( 54.), Lettland Lat. 0.30( 3.60), Litauen Lit. ser. Da war nämlich an der gleichen Stelle bedingter ist das Fortkommen des hoffnungs- 0.55( 6.60). Luxemburg B. Frs. 2.45( 29.50), Kräfteverhältnissen der verschiedenen Zweige der Krankenversicherung zeigt die Tendenz in ihrer Zeitung zu lesen: vollen Jünglings gesichert. Norwegen Kr. 0.35( 4.20), Oesterreich Sch. >> Ein Teil der Preses hat die Mitteilung Warum also in aller Welt das nicht für 0.40( 4.80), Palästina P. Pf. 0.020( 0.216), Polen Zloty 0.50( 6.- Portugal Esc. 2.gebracht, daß nach einer Anordnung des die Presse bestimmte« Verbot? ( 24.-), Rumänien Lei 10.-( 120.-). SchweReichserziehungsministers auf den Abgangseine ganze Menge Leute in dem» geeinten den Kr. 0.35( 4.20), Schweiz Frs. 0.30( 3.60), und Reifezeugnissen jeder Vermerk über Spanien Pes. 0.70( 8.40), Ungarn Pengö 0.35 etwa die kleinen Unternehmer die Betätigung eines Schülers in der Par- Volk« tei oder in einer ihrer Gliederungen zu un- auf den Parteidienst pfeifen und statt des-( 4.20), USA 0.08( 1.-). JaEinzahlungen können auf folgende Postterbleiben hat. Diese auf Wunsch des Stells en Leistungen verlangen? erfolgen: Tschechoslowakei: vertreters des Führers ergangene Anordscheckkonten und daß sie es tun, ist Zeitschrift» Neuer Vorwärts< Karlsbad. Prag nung war für die Presse nicht wohl, das tun sie, beinahe schon Hochverrat. Aber vielleicht 46.149. Oesterreich:> Neuer Vorwärtse Karlsbestimmt, da sie ohne gleichzeitige Bekanntgabe des vorangegangenen grundle- liegt noch etwas anderes vor? Dem gewitz- bad. Wien B- 198.304. Polen:> Neuer Vorwärts< genden Erlasses irreführend wirken ten Leser und die meisten deutschen Zei- Karlsbad. Warschau 194.797. Schweiz:>> Neuer tungsleser haben, nachdem man ihnen vier Vorwärts< Karlsbad. Zürich Nr. VIII 14.697. Ungarn: Anglo- Čechoslovakische und Prager Das regt zum Nachdenken an.» Irrefüh- Jahre Zeit gegeben hat, einen ganz gesunden Creditbank Filiale Karlsbad. Konto> Neuer 5. Juni 1937, daß die Beiträge weiter gesenkt rende Meldung< das heißt: hier ist ein Spürsinn entwickelt dem Leser fällt ein, Vorwärts< Budapest Nr. 2029. Jugoslawien: worden waren, als» auf die Dauer haltbar Stück Wahrheit zu erwischen. Und siehe, es daß alljährlich eine sorgsame Anglo- Čechoslovakische und Prager Creditbank, Filiale Belgrad, Konto> Neuer Vorzeigt sich, daß in den folgenden Sätzen Auswahl durch und durch brauner wärts<, Beograd Nr. 51.005. Genaue BezeichBurschen ins Ausland geschickt nung der Konten ist erforderlich. >> Entbehrliche Vermögensbestände wur- einiges nicht stimmt: der Nazi- Krankenkassenreform. meine Die allgewird gesetzliche Sozialversicherung mehr und mehr durch zunftmäßige und betriebliche Einrichtungen verdrängt. Das sogenannte Aufbaugesetz vom 5. Juli 1934 sollte in erster Linie eine Finanzreform der Krankenversicherung bringen. Abbau der Leistungen und der Beiträge war das Rezept. Nun muß der Jahresbericht 1936 zugeben, daß die Beitragsherabsetzung sich als unhaltbar erwiesen hat. Die DAK bemerkt in ihrer Ausgabe vom sein konnte<. kann.<< Sollten doch