Neuer Vorwärts Sozialdemokratisches Wochenblatt Verlag: Karlsbad, Haus„ Graphia" Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblaft letzte Seite Die neuen vierzehn Punkte Am 8. Januar 1918 entwickelte der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Woodrow Wilson, in einer Botschaft an den Kongreß seine berühmten vierzehn Punkte. Aus dem Geiste dieser vierzehn Punkte ist später der Völkerbundspakt hervorgegangen, wie auch der Versuch, den Krieg als Mittel internationaler Auseinandersetzungen auszuschalten. Nr. 219 SONNTAG, 22. August 1937 Aus dem Inhalt: Die Verelendung der deutschen Arbeiter Das braune Netz in London Besitzsteuern abgelehnt Die Antwort der Auslandspresse Von der Garnisonskirche zum in der Kette Redeverbot Der Weg des Otto Dibelius Dr. Otto Dibelius, eines der Häupter Reaktion mit den Nationalsozialisten in Exkronprinz einander begegneten. Sie der evangelischen Kirche in Deutschland, Potsdam feierlich einsegnete! faßten sich an beiden Händen, und der hat ein Predigtverbot für ganz Deutsch- Am 21. März 1933 beging das Hitler- Exkronprinz sah mit dem Fridericusblick land erhalten. Dieses Verbot ist ein Glied regime in Potsdam den Sieg des Staats- Herren Hitler tief in die Augen. Dann der Verbote, Verhaftungen streiches. Die Wahl von Potsdam für diese erfolgte der Staatsakt in der Garnisonsund Prozesse, mit denen das System Siegesfeier war Die kirche und der Generalsuperinbewußte Symbolik. Die kirche Die kaiserlich- deutsche Regierung ist gegen die evangelische Kirchenopposition acmokratische Republik war in Weimar tendent Dr. Otto Dibelius segdamals über diese vierzehn Punkte hinweg- vorgeht. Es hebt sich indessen beson- gegründet worden, der neue nationalsozia- nete feierlich den Bund, dessen Partner gegangen; denn sie schwor auf die Gewalt ders heraus, weil es von symbolhafter Be- listische Staat sollte von Potsdam seinen von vornherein entschlossen waren, einanals Grundlage des Rechts- sie hat deutung ist. Ausgang nehmen. Mit allen Mitteln arbei- der übers Ohr zu hauen. späterhin, als sich erwies, daß die größere Seit 1925 ist Dibelius Generalsuper- tete die Propaganda daran, für diesen Tag Gewalt auf der anderen Seite war, noch intendent der Kurmark, schon zuvor war die Stimmung des 4. August 1914 zu erWer spricht heute noch von Herrn als Ertrinkende nach der Planke dieser Hugenberg, wo sind die Deutschnationalen, er Mitglied des evangelischen Oberkirchen- zeugen, große Massen in den nationalistivierzehn Punkte gegriffen. rats. Er gehört zu den Leuten der Harz- schen Rausch zu versetzen. wo sind die Illusionen geblieben? Geblieben Dieser MasDie deutsche Regierung heute burger Front, die von Hitler die Wieder- senwahn vermählte sich mit der ist der deutsche Militarismus, geblieben ist berauschwört wieder auf die Gewalt, ihr Weg herstellung des» christlichen Staates< er- schenden Wirkung der Symbolik der Moder militante Nationalismus aber wo ist ist bezeichnet mit einer Reihe von Rechts- warteten, und die in ihm und seinen narchie Herr Dibelius? auf die rechtsstehende BevölkeDie evangelische Kirche brüchen. Ihre Praxis ist unvereinbar mit Landsknechten die Werkzeuge der älteren dung. Sanssouci und die Garnisonskirche, führt einen verzweifelten Kampf um die dem Geiste des Völkerbundpaktes. Sie steht Reaktion und der Monarchie sahen. Dibe- Reichswehr Glaubens Grundlage ihres die gegen mit ihrer Gewaltpolitik nicht allein die lius hatte teil an der großen Hugenberg- truppen, der Reichspräsident in General- braune Diktatur und Herr Dibelius darf italienische faschistische Regierung hat schen Illusion, daß die Bestimmung des feldmarschallsuniform mit dem leuchtenden nirgends in Deutschland mehr predigen. ebenfalls kräftig an der Zerstörung der Kurses der Hitlerregierung durchaus in goldenen Band des des Schwarzen Adler- Von der Garnisonskirche in Potsdam Rechtsgrundlagen der europäischen Sicher- der Hand Hindenburgs und der Deutsch- ordens, die Reichsregierung und die Gene- bis zum allgemeinen Redeverbot für ganz heit gearbeitet. Beide gemeinsam haben er- nationalen liegen würde, und er war es ralität, die Hohenzollernprinzen. Ein Sym- Deutschland das ist der Weg von Herrn reicht, daß der finstere Geist des Krieges deshalb auch, der den Pakt der älteren bol, als der Reichskanzler Hitler und der Dibelius. in der internationalen Politik heute über die Ansätze zu einer von allgemeinen friedlichen Rechtsordnung triumphiert hat. Die Krise und die Schwäche des Völkerbundes sind die Zeichen dafür. Was plant Stalin? Gerüchte um Dimitrow Die Terrorwelle in Sowjetrußland und Stahlhelm und HitlerBaden überrascht und hat ihnen die Kleider tiert worden! Aus einem leicht begreifgestohlen.<< Stalin ist dafür bekannt, daß er lichen Grunde: weil niemand in den Komines nicht beim Diebstahl der Kleider bewen ternparteien weiß, was der Diktator Stalin geht den läßt er pflegt die Bestohlenen er- mit seinem engsten Kreise plant. voll- schießen zu lassen, damit sie nicht später auf seinen Der rücksichtslose U- Bootkrieg, den gegen Ende des Weltkrieges die deutsche Marineleitung gegen die Handelsschiffahrt führte, hatte damals den Eintritt Amerikas in den vorgerufen. der von deren Die Regierung der Vereinigten Staaten hat nun abermals eine diplomatische weiter. Mit ihr zusammen wird ein Aktion unternommen, um den Geist des vollständiger Wechsel des leitenden Personals Eigentumsrechte geltend machen können. Er Rechts neu zu beleben. Am 16. Juli 1937 der Stalinschen Diktatur durchgeführt. Wie hat iese Methode so ausgebildet, daß man Wildwest im Westmittelmeer hat Staatssekretär Hull eine Erklä- weit der Personalwechsel zugleich Kurs- aus den Erschießungen, die er befiehlt, beirung über die Prinzipien der wechsel bedeutet, wird noch nicht klar sicht- nahe schon Schlußfolgerungen amerikanischen Außenpolitik bar. Erkennbar ist jedenfalls, daß die künftigen Kurs ziehen kann. abgegeben, die in den geistigen Grund- Außenpolitik der Sowjetregierung nicht mehr Der Personenwechsel macht vor den Parlagen wie in den wesentlichsten Forderun- so klar definiert ist wie zuvor. Im Zusam- teien der Komintern nicht halt. In der deutgen rechtlicher Natur mit den vier- menhang mit dem Antrittsbesuch des neuen schen kommunistischen Partei ist vor kurzem Krieg und damit die deutsche Niederlage herzehn Punkten Wilsons überein- russischen Botschafters für Deutschland hat ein Wechsel der Führung erfolgt, stimmt. Diese Tatsache wird durch die die Presse der deutschen kommunistischen Moskau befohlen worden ist. Die KaltstelHeute wird im Westmittelmeer eine NeuForm unterstrichen; denn die Prinzipien Partei Betrachtungen angestellt, die ver- lung Münzenbergs, und eine deutlich erkenn-| auflage dieses rücksichtslosen U- Bootkrieges dieser Erklärung sind abermals in zweifelte Aehnlichkeit mit jener Propaganda bare Aenderung der Sprache und der Taktik gegen Handelsschiffe getrieben. Und nicht nur vierzehn Punkte gegliedert. besitzt, die im Jahre 1920 die kommunistische der deutschen kommunistischen Partei seit- ein U- Bootkrieg! Flugzeuge bombardieren aus Partei in Deutschland mit der Diese neuen vierzehn Punkte sind auf Parole her zeigen, daß auch die Parteien der Ko- der Luft Handelsschiffe und greifen >> Bündnis mit Sowjetrußland« geführt hat. mintern in einer inneren Krise sind. Mannschaft mit Maschinengewehrfeuer an. diplomatischem Wege allen Regierungen Aber wie steht es um die Exekutive der Es sind Franco- Flugzeuge, U- Boote unbeder Erde zur Kenntnis gebracht worden, So wenig wie damals diese aus den Erfordermit falschen Flaggen und 40 Regierungen haben den Vereinig- nissen der russischen Staatspolitik geborene Komintern in Moskau, wie steht es um ihren kannter Nationalität Parole mit der Ideologie der kommunisti- Generalsekretär Dimitrow? Der» Matin« und italienische Kriegsschiffe, die das Westten Staaten ihre Zustimmung zu ihnen wenig hat vor kurzem mit aller Bestimmtheit be- mittelmeer bekannt gegeben. So stellt sich heute neben den Völkerbundspakt ein neuer Versuch passen diese Betrachtungen zu der Behaup- hauptet, daß Dimitrow bei Stalin in Ungnade Leidtragenden sind englische, einer Wiederbelebung des internationalen tung der kommunistischen Partei von heute, gefallen sei, und daß der Diktator seine Er- griechische, dänische Schiffe gewesen. das setzung durch seine rechte Hand Jeschow Der Vasall Deutschlands und Italiens erRechts, dessen Bedeutung darin liegt, daß daß sie für die Freiheit Europas gegen Soll man annehmen, plane. Jeschow ist der Mann, der an der weist sich seiner Meister würdig. Er demoner von den Vereinigten Staaten ausgeht. Hitlersystem kämpfe. daß Stalin nach der Erschieẞung Tuchat- Spitze des neuen terroristischen Kurses Diese vierzehn Punkte beginnen mit der in striert, daß im heutigen Europa alles erlaubt Dieser Mann an der ist, wenn man Faschist ist. Die Piratentaten, Erklärung, daß es in keinem Teile der schewski jene Politik durchführen will, die Sowjetrußland steht. im Prozeß Tuchatschewski zugeschoben wor- Spitze der Komintern welche schauer- die einst eine Weltmacht zum Kriege veranschwere Feindseligkeiten geben könne, ohne daß die Interessen der Verso wie er einst die Politik Trotzki liche Kluft würde sich auftun zwischen der laßten, scheinen heute bei demokratischen nachdem einigten Staaten davon berührt würden. durchführte, er Trotzki erledigt wahren Politik Moskaus und der betont vor- Regierungen verlegenes Achselzucken Diese Erklärung berührt sich mit getragenen Freiheitsideologie der Komintern- hervorzurufen. Wenn die demokratischen Grundgedanken des Völkerbundpaktes, der Als einst in England Robert Peel sich den parteien! Regierungen Franco nicht die Rechte eines Diese Nachricht des» Matin< ist bisher Kriegführenden zugestehen wollen, nimmt er für die Völkerbundmächte Neutralität in handelspolitischen Auffassungen der Liberasie sich einem Konflikt ausschließt. Sie raubt allen len zuwandte, höhnte ihn Disraeli im Parla- von keiner anderen Seite bestätigt worden aber auf seine eigene Weise, die demen- er von seinen Herren gelernt hat. angriffslüsternen Mächten in Europa die ment:» Der edle Lord hat die Liberalen beim aber sie ist auch nicht Hoffnung, daß die Vereinigten Staaten sich gegenüber einem europäischen Kriege grundsätzlich desinteressieren würden. Welt schen Partei zusammenstimmte, den ist dem hatte? SO die in Wildwest verwandeln. Die nur französische, vervierzehn Verzicht auf Einmischung in die inne- deutsche Aufrüstung ist es gewesen, Die Befriedigung der Geister mit Meren Angelegenheiten anderer Länder den Anstoß zum neuen Wettrüsten gegeben thoden nach dem Muster von Guernica und Denn diese vierzehn Punkte sind nicht aber die deutsche Regierung hat am 25. hat. Almeria! nur eine zufällige Parallele zu den vierzehn Juli 1934 in Oesterreich putschen lassen, Man versteht, daß die deutsche Regie- Diese unaufrichtige Antwort ist erteilt Punkten Wilsons. Sie sind so gut wie jene sie führt einen Interventionskrieg in Spa- rung bis zuletzt mit einer Antwort auf worden, um eine diplomatische Isolierung eine ernste Benachrichtigung, und in ihrer nien, sie stärkt systematisch überall die diese Erklärung der Vereinigten Staaten zu verhindern, aber sie kann nicht Form liegt eine Demonstration. Diese De- faschistischen Kräfte. gezögert hat, und daß die deutsche Presse decken, daß die deutsche Regierung das monstration richtet sich abermals gegen Achtung vor den Verträgen aber die angewiesen worden ist, diese diplomatische Land bereits in eine moralische Isolierung Deutschland, gegen den Geist der brutalen Zahl der Vertragsbrüche der deutschen Re- Aktion nach Kräften zu verkleinern. Die hineingeführt hat. Die neuen Gewalt, der die deutsche Politik bestimmt. gierung ist heute schon Legion, und diese Antwort, die die deutsche Regierung Punkte haben einen aufklärenden Wert: sie Ein jeder der Grundsätze, der in diesen Vertragsbrüche sind es gewesen, die das schließlich erteilt hat, ist unaufrichtig zeigen, welche Prinzipien Deutschland gevierzehn Punkten entwickelt wird, ist von ganze Gebäude der auf Recht gegründeten und zweideutig. Es sei deutsche Auffas- meinsam mit Italien und Japan rechtsder Regierung Hitler verletzt worden, Sicherheit ins Wanken gebracht haben. sung, daß eine Befriedigung der Geister der brechend verletzt hat. Aufrechterhaltung des Friedens und Beseitigung der Handelshindernisse Regelung der internationalen Beziehung Und was heute eine vorsichtige diploVerzicht auf den Krieg aber die deut- aber die deutsche autarke Wehrwirtschaft vorangehen müsse und deshalb sei diese matische Aktion ist, um das zarte Pflänzsche Regierung gründet ihre Politik auf mit ihrer freiwilligen Absperrung vom Auffassung den Ideen des amerikanischen lein des internationalen Rechts nicht ganz ihre Aufrüstung und ihre Kriegsmacht, Weltverkehr ist das stärkste Hindernis des Staatssekretärs ähnlich. verkommen zu lassen, das kann bei einem ihre Politik ist eine einzige Drohung mit internationalen Handels. So ähnlich, wie ein 40- Zentimeter- großen Konflikt zu einer furchtbaren modem Krieg. Herabsetzung der Rüstungen aber die Geschütz einem Oelzweig! ralischen Waffe gegen Deutschland werden! Mit dem großen Hitlerbann belegt: Heinrich Imbusch Der seiner Sache treu gebliebene christliche Gewerkschafter Antwort der Auslandspresse Der Vorstige Entwicklung der internationalen Beziehungen aufs schwerste gefährden müssen.< » Wir sind kein journalistisches Freiwild...<< Seitdem die drei deutschen Nazi- Journa-| mit Repressalien beantworten, das erste Zu denen, die von der derzeitigen deutlisten aus London ausgewiesen wurden, Opfer soll der englische Journalist Ebutt schen Emigrantenregierung von Hitler über Heẞ zu Rosenberg und Darré ihr wirkliches schimpft die Nazipresse über englische» Un- sein, und Göbbels>> Angriff< hat in einem fairnis<<. Den Lesern wird verschwiegen, daß Leitartikel gegen die angeblich>> staatsoppoDeutschtum durch sogenannte» Ausbürgedie Drei einer Spitzelzentrale vor- sitionelle Tätigkeit<< ausländischer Presserung bestätigt erhalten haben, gehört nach standen und der deutschen Gestapo dienten. vertreter,» die noch immer in Berlin weilen der neuesten» Ausbürgerungsliste< des DeutDie» Preußische Zeitung« vom 8. August dürfen«, bösartig vom Leder gezogen. Das schen Reichskanzlers nunmehr auch Heinbringt als Beweis der Unschuld der Drei Echo ließ nicht auf sich warten. einen Artikel des einen Ausgewiesenen, ihres stand des Vereins der Auslandspresse hat Korrespondenten Dr. Wolf Dieter von Langen. dem Göbbelsreptil mit einem offenen Brief schwer, auch nur eine Uebertreibung Der Artikel soll die» sachliche Arbeit unseres geantwortet. Es heißt darin: Mitarbeiters< dartun. In Wirklichkeit ist selbst dieser ausgewählte Unschuldsartikel in einem Tone gehalten, der in Deutschland jedem Auslandskorrespondenten gefährlich so gegen das Dritte Reich richtete. Der Völkerbund wird als Ideal der englischen Rüstungsindustriellen geschmäht und die englische Friedensliebe als ein Feigenblatt der Selbstsucht, Geldgier und Bequemlichkeit. Was ist diese Friedensliebe: des rich Imbusch, der auf dem linken Flügel der vormaligen Deutschen Zentrumspartei und in der christlichen Arbeiterbewegung deutschen Westens eine auch in nicht- katholischen Kreisen stark beachtete Rolle in der allgemeinen und der sozialen Politik des republikanischen Nachkriegsdeutschland geAus dem Führerkreis entstamspielt hat. mend, der sich um die München- Gladbacher würde, wenn er sich > Westdeutsche Arbeiterzeitung« mit Joos und dem früheren preußischen Wohlfahrtsminister Hirthsiefer gruppierte, genoẞ Imbusch durch Gradheit und Schlichtheit seines Auftretens, das zu stolz war, den durch Fleiß emporgehobenen ehemaligen Handarbeiter zu verleugnen, besondere Popularität unter seinen christlichen Gewerkschaftskollegen; er besaß aber auch die hohe Achtung seiner politischen Flügelmänner« in sozialdemokratischen und freigewerkschaftlichen Reihen, auch dort, wo sich gegensätzliche Auffassungen einander gegenüberstanden. Was ihm das heutige Regime nicht vergessen und vergeben kann, ist seine mutige Haltung im sogenannten» Saarkampf«. Er war einer der Mitbegründer der» Neuen Saarpost<< in Saarbrücken, die, als schon schändlicher und gewinnsüchtiger Verrat in den Reihen der dortigen Katholiken wegen der bevorstehenden Abstimmung und Rückgliederung umging, die Fahne der heute so gut wie ausgerotteten katholischen Publizistik Deutschlands hochhielt. Er gründete mit die» Christliche Volkspartei« an der Saar, die den Beschönigungen einer kompromißgläubigen Hierarchie zu trotzen wagte und sich schon nach einein Vierteljahr, als die ersten großen Pfarrer> Es ist vage Angst des Beamten des britischen Außenamtes, daß sein Wochenend durch eine politische Entscheidung der Völker, die nicht reich genug sind, sich englische Wochenends zu leisten, werden um einige Stunden geschmälert könnte. Hier liegt die versteckte Wurzel der englischen Deutschfeindlichkeit<<... Das schreibt der Lakai eines Regimes, das sich in lauten Festen überschlägt und dessen Minister fünf Salonwagen brauchen, wenn sie über Wochenend nach Venedig fahren. Und diese gehässige Beschimpfung Edens ist der Dank dafür, daß England die stückweise Zerreißung des Versailler Vertrages gestattet hat, um» Deutschland frieden zu stellen.<< zuDas Dritte Reich will die Ausweisungen Man hätte nach dem Geschrei der Hitlerpresse erwarten können, daß den Bedrohten irgendwelche Belege unterbreitet worden wären, aus dem Briefe erfährt man, wie beweislos die braunen Soldschreiber drauflos schimpfen. Es wäre dem Regime sogar nachzuweisen. Das braune Regime müßte jede Diskussion darüber fürchten. Denn die » Der Vorstand des Vereines der Ausausländische Presse berichtet über dieses landspresse zu Berlin, der 107 Korrespondenten aus 23 Ländern vertritt, hat von System überaus milde, und es ist nicht gut den Drohungen und Anschuldigungen ge- möglich, die braune Barbarei und Gemeingegen ausländische Journalisten, wie sie fährlichkeit irgendwie zu übertreiben. Die Mittwoch abend von Ihnen gebracht wur- übliche braune Methode feiert wieder einmal den, mit Entrüstung Kenntnis genommen. Die Behauptung, daß ausländische Korre- Orgien: Schreie so laut du kannst über die spondenten in Berlin, insonderheit das Schlechtigkeit der anderen. In England werhochangesehene Mitglied und den drei schreibende Nazis wegen politischer schreit in Neudaraufhin Ausdaraufhin über ehemaliger Vorsitzender des Vereines der Spitzeltätigkeit ausgewiesen Auslandspresse, Herr Normann E b butt, bedroht man sich einer korrupten, unanständigen, bös- deutschland willig herabsetzenden, verzerrten und ent- landsjournalisten wegen wahrheitsgemäßer stellenden Berichterstattung sowie irgend Ausübung ihres Berufs. In England wird einer geheimen gegenrevolutionären Aktivi- dreien Gestapo- Agenten der Aufenthalt krität gegen die deutsche Regierung sollte schuldig gemacht haben, weist der Vor- mineller Delikte wegen verweigert, stand des Vereines seine Mitglieder Hitlerdeutschland Es ist für sol- Unfairnis. energisch zurück. che Anschuldigungen bisher kein einIn der gleichgeschalteten Presse wissen ziger sachlicher Beweis erbracht worden. Der Vorstand des Vereines der alle, daß die englische Regierung im Recht, als die deutsche im Unrecht ist alle müssen setzt es zu Berlin Auslandspresse selbstverständlich voraus, daß jedes Mit- sie das Gegenteil schreiben, und alle liefern glied des Vereines es als seine Pflicht er- sie Spalten, in denen die Entrüstung kocht. achtet, über Deutschland in objektiver und für fairer Weise zu berichten. Der Verein der Dies alles ist nicht neu, aber neuartig dürfte Auslandspresse zu Berlin ist der Ansicht, sein, daß endlich einmal die Auslandsjourdaß derartige Veröffentlichungen, wie sie nalisten diesem System seine Schande und von Ihnen gebracht wurden, sowie der Verseine Verlogenheit so drastisch und in such, ausländische Journalisten zum Freiwild zu machen, die gün- seinem eigenen Lande bescheinigen. Hitler erstürmt ein- Krankenhaus gen des totalen Regimes gekommen. Anlaß der Revoltex war die mit äußerster Rigorosität vorgenommene Ausweisung der Angehörigen des Ordens» Barmherzige Brüder«, die, wie an vielen Orten anderswo in der katholischen Welt, auch in der großen westfälischen Stadt ein Krankenhaus mit achthundert Betnen Deutsche Kurzberichte auf nur amten ihr neues» Heim« bezogen, und die weiterer hundert weltlicher Angestellter des Eine bemerkenswerte Zunahme der BrandHospitals tragen. Die Barmherzigen Brüder verließen, von Gestapobeamten eskortiert, nach Ablauf der Frist das Haus, nachdem sie schäden im ersten Halbjahr 1937 zeigt die das Allerheiligste aus ihrer Kapelle fortge- Brandstatistik des Verbandes privater FeuerIm Vergleich bracht und das Ewige Licht gelöscht hatten.. versicherungsgesellschaften. zum Jun 1936 erhöhte sich im Juni 1937 die In Verfolg dieser» Aktion< gegen das Ho- Zahl der Schadenfälle von 15.088 auf 16.794 kam es dann in den nachfolgenden und die Schadensumme von 3.41 Millionen RM Damals stattete Göring dem Alten seinem Gut einen nicht ganz willkommeBesuch ab. Die ganze Wirtschaft wurde eingehend besichtigt, insbesondere die mustergültigen Ställe.» Sagen Sie mal< wandte Die Austreibung der Barmherzigen Brüder in Dortmund den Besitzer, verhaftungen, Schulschließungen, KirchenIn den letzten Tagen des Juli ist es, wie die ersten Tage der schlimmsten Not hinweg- sich Göring schnarrend an >> seit wann haben Sie das?«» Ja, sehen Sie, schändungen nach der» Rückgliederung« sich Meldungen aus katholischer Quelle an die kat- helfen sollten. Dafür soll aber der Orden weiHerr Ministerpräsident<<, gröhlte der Alte, ereigneten, von der Geschichte bestätigen holische Auslandspresse besagen, in Dortmund ter alle Gehälter der» Braunen Schwestern«,» das ist, wie man's nimmt, das ist wie überlassen konnte, daß sie und nicht etwa der in Westfalen zu tumultuösen Vorgängen zwi- der nationalsozialistischen Krankenpflegeroral: Die Krippen sind immer dieselben, >> zuständige<< Bischof von Speier Recht be- schen der Bevölkerung und den Terrorscher- ganisation, die gleich hinter den Gestapobe- die Ochseln wechseln!<< unter dem halten hatten, der jetzt selbst Druck einer formgerechten Landesverratsanklage in jenem Dritten Reich steht, dem er zu seinem Prestigeerfolg so beflissen verholfen hatte. Es war der ehemalige christliche Gewerkschafter Imbusch, der kurz vor dem Abstimmungstag während einer öffentlichen Wählerversammlung bei Saarbrücken von ten unterhalten. Es sind in den letzten Monaeinem braunen Rollkommando auf> höheren ten einige Angehörige der Bruderschaft weBefehl blutig mißhandelt wurde... gen angeblicher Sexualdelikte verurteilt wor- spital Wenn in den internationalen Publikationen den. Das nahm nun die Dortmunder Gestapo Stunden der christlichen Gewerkschaftsbewegung jetzt auf Geheiß von» ganz oben< zum Anlaß, in schwer immer stärker auch gerade die hohe sittliche dem besagten Krankenhaus überfallartig zu und Ueberfall polizei mit einer mit einem Schadenaufwand von 25.09 MillioAufgabe des illegalen Kampfes Seite an Seite >> erscheinen«<, die dem Orden angehörigen großen Menschenmenge, die vor dem nen RM. In der gleichen Zeit des Vorjahres mit den ehemaligen freigewerkschaftlichen Krankenpfleger in der Eingangshalle wie eine Haus den Brüdern ihre Sympathie mit der hatte es 103.599 Schadenfälle mit einer SchaKollegen in den Betrieben gegen das gouverne- Hammelherde zusammenzutreiben und ihnen Sache der Unterdrückten in Hitlerdeutschland densumme von 22.68 Millionen RM gegeben. mentale Gangstertum genannt und gestellt zu eröffnen, daß sie innerhalb von vier Stun- zum Ausdruck bringen wollte. Dabei machten Der Monat Mai ausgenommen, sind in wird, so hat daran Heinrich Imbusch, der jetzt den(!), bis ein Uhr nachmittags desselben die uniformierten Schergen Hitlers von Kol- allen übrigen Monaten in diesem so ehrenvoll Geächtete, mit das Hauptver- Tages, den Ort ihrer bisherigen Tätigkeit zu ben und Seitengewehr reichlichen Gebrauch Halbjahr mehr Brandfälle zu dienst, der sich das einfache und schlichte verlassen hätten. Erst auf verzweifeltes Bit- und es gab auch die üblichen Verhaftungen verzeichnen als im Vorjahr. moralische Faktum der Wahrheit und Red- ten der Betroffenen wurde dann die Ultima- an Ort und Stelle. Gegen diese siegreiche lichkeit nicht durch diplomatische Schläue, tumsfrist für weitere zwei Stunden, bis sechs- Kriegsexpedition die erste übrigens, die Obwohl die Belegschaft im Ruhrbergbau die keine war, verdrehen und verdeuteln zehn Uhr, verlängert. Außer ihrer Leibwäsche Hitler wirklich mit Erfolg bestanden und zur auch in den letzten Monaten weiter vermehrt war den Brüdern die Mitnahme anderen Be-» Rettung Deutschlands< angewandt hat worden ist, nimmt die arbeitstägliche Fördesitzes nicht gestattet. Erst im letzten Augen- wendete sich in den letzten Tagen die kirchrung an Ruhrkohle nicht im gleichen VerAntikirchenpropaganda blick händigte man jedem eine Geldsumme liche Obrigkeit auf allen Kanzeln Westfalens hältnis zu. So wird Ende Juni 1937 eine Beauf neuen Wegen ein, die den nunmehr auch aus der Stadt und oder mindestens legschaftsziffer von 292.300 gemeldet, genau 20.000 mehr als im Februar dieses Jahres. Die Gläubigen wünschen» Katakombengeista dem Regierungsbezirk Ausgewiesenen über scharfen Protesterklärung. Aber die arbeitstägliche Fördevon ihren Bischöfen von Ruhrkohle ist mit lassen wollte. E. zu Zusammenstößen bewaffneten der StraßenGroß- Dortmunds mit einer Aber I auf 6.41 Millionen RM. Für das erste Halbjahr 1937 stellen sich die Schäden auf 107.221 * Aus dem Rheinland wird uns berichtet: lemik gegen ihre Bischöfe auf sie gewirkt| Wissen und die sorgfältig vertuschten Fälle« rung Der Feldzug gegen die katholische Kirche hat. Es handelt sich überwiegend um männli- h prominenten nationalsozialistischen Krei- 413.000 Tonnen im Juni nur die und gegen die Geistlichkeit aller Grade wird che und weibliche Lehrkräfte, die aus katholi- sen und ein gewisses Solidaritätsgefühl mit gleiche gewesen, wie im Februar. in dieser Erscheinung der sich des schen jetzt nach den jüngsten Anweisungen Seminaren hervorgegangen sind und dem momentan schwächeren und publizistisch Kommt Propagandaministeriums auf raffinierte Weise diese Göbbels- Propaganda als einen unmit- gänzlich wehrlosen Teil in diesem Streit hat verstärkende passive Widerstand der Kumgesteigert. Man begnügt sich nicht mehr mit telbaren Angriff auf ihre Glaubenswelt emp- bereits locker gewordene Bindungen zur Kir- pels zum Ausdruck? Geistden Berichten über die Priesterprozesse, wo- finden. che wieder gekräftigt. Bischöfe und von Leuten, Deutschlands Rohölproduktion bebei mit immer neuen Pikanterien aufgewartet Wenige Tage später wurden sämtliche liche empfangen Treubeweise wird. Alle zuständigen Justizstellen müssen Mitglieder des Reichsbundes der deutschen die sich um die Kirche, von offiziellen Anläs- trug im ersten Halbjahr 1935 218.000, 1936 jetzt Vorträge für bestimmte Berufsgruppen Beamten in die Große Messehalle von Köln sen und hohen Feiertagen abgesehen, kaum 214.900 und im ersten Halbjahr 1937 213.000 Tonnen. Sie geht also trotz des Vierin enger Verbindung mit den Gauleitungen beordert. Auch ihnen mußte der General- noch gekümmert hatten. Man darf diese zunächst rein nach innen jahresplanes weiter zurück. Dader NSDAP organisieren, wobei ihnen aus staatsanwalt Windhauser» Aufklärung< über >> berufenem<< Munde die sittliche Verworfen- den Sittenverfall in den Klöstern und über die gerichtete Opposition gegen das Regime ge- gegen ist die deutsche Rohöleinfuhr bedeuheit weiter Kreise der katholischen Geistlich-> Begünstigung des schmutzigen Treibens wiß nicht überschätzen. es ist schon tend gestiegen, nämlich von 139.500 Tonnen wenn ein immer größerer Teil im ersten Halbjahr 1935 auf 298.300 Tonnen keit und ihre Beschützung durch die bischöf- durch Bischöfe und Generalobere< geben. In ein Anfang, lichen Aufsichtsbehörden illustriert wird. Aus der braunen Presse hieß es dann, man habe westdeutscher Katholiken von ihren Bischö- in der gleichen Periode dieses Jahres. Im mußte Deutschland für eine gerüstet mit seinen Akten, aus denen er in- es den Tausenden» angesehen<, daß sie das fen offenen Widerstand und Beispiele jenes Jahre 1935 Details vorlas, sprach in verlangt, Köln ekelerregende Treiben dieser Sodomisten und Katakombengeistes von Tonne eingeführten Rohöls 27 RM bezahlen, der Generalstaatsanwalt Windhauser das Verhalten der christlichen Würdenträger dem sie zur Anfeuerung ihrer Gläubiger so im Juni 1937 aber 42 RM! vor mehreren tausend überwiegend katholi- mit den Lehren der christlichen Kirche nicht oft gepredigt haben. Bevor die deutsche Wirtschaft, durch Hitschen Lehrern und Lehrerinnen. Die Nazi- hätte in Einklang bringen können. der wurde, betrug Anteil Es ist unbestreitbar, daß diese fortgesetzte Organisation hielt genaue Kontrolle und notierte, wie sie vorher angekündigt hatte, je- hämmernde Agitation starke Wirkungen Ueber den eben verstorbenen Elard von Deutschlands am Weltfunkhandel 24,4 Proden Drückeberger. Man muß die seelische erzielt. Wer vorher nicht ganz fest im Glauben Oldenburg- Januschau ist in der Tagespresse zent. Das war im Jahre 1931. 1936, nach > Aufstieg<<, entfallen auf Verfassung eines sehr großen Teils der katho- war, kann dadurch zur völligen Entfremdung das allgemein Bekannte schon erzählt wor- vierjährigen wie in» Wirtschaft und Statilischen Lehrerschaft kennen, um zu verste- von der Kirche gelangen. Aber auch die gegen- den. Ungedruckt geblieben ist aber bisher Deutschland hen, wie diese Abkommandierung zur Teilnah- teilige Wirkung ist zu beobachten. Der ten- eine kleine Geschichte, die im vorigen Jahr stike festgestellt wird, nur me an einer offiziellen und diffamierenden Po- denziös dicke Auftrag dieser Propaganda, das in Ostpreußen viel erzählt und belacht wurde. Prozent! teressante Vom alten Januschauer ler» saniert<< * noch 14,1 Erklärung Die Verelendung der deutschen Arbeiter Die Kommunistische Partei verbreitet durch ihre Presse die Behauptung, im Vorstand der Sozialdemokratischen Partei sogenannte>> reaktionäre bestehe eine Bei einer Beurteilung der Lage der Gruppe<<, die die Einigung des Proletariats deutschen Arbeiterschaft Er Mehr als 500 Agenten am Werke Der> Daily Herald< teilt über das Treiben der Naziorganisationen in London folgendes mit: >> Es wird noch weiteren Deutschen mitgeteilt werden, daß sie hier nicht erwünscht und England charakteristisch war. Wochenverdienste zugenommen Denn selbst so wäre der AusIhren sozialpolitischen Ausdruck findet| möglichst noch weiter zu senken. Die Lohnermuß man stets diese ökonomische Tatsache in der Prokla- höhungen, die vorgenommen worden sind, der mation Hitlers, daß die Löhne nicht er- konnten durch die Lohnsenkungen bei anderen im Kampfe gegen Hitler verhindere. Der die Tatsache vor Augen haben, daß Parteivorstand erblickt, wie er hiermit Ausgangspunkt für einen Vergleich in höht werden dürfen. Und diesen Pro- Arbeiterkategorien kompensiert werden.<< in grammspunkt hat die Bande, die sich eine Direkt irreführend wird aber die amtdurch einstimmig gefaßten Be- Deutschland ein ganz anderer ist wie schluß feststellt, in dieser lügnerischen anderen Ländern. Wir haben wiederholt Arbeiterpartei nennt, nun in der Tat ver- liche Statistik, wo sie auf den Reallohn Behauptung einen Versuch, nach der alten darauf hingewiesen, daß es dem politischen wirklicht und sie rühmt sich dessen noch. zu sprechen kommt. Sie erzählt, daß der gewerkschaftlichen Einfluß der Eben veröffentlicht das>> Reichsarbeits- Index der Lebenshaltungskosten im DeMethode der Einheitsfrontmanöver ein- und in den demokratischen blatt« eine vom Statistischen Reichsamt zember 1935 angeblich 123.4 betragen und zelne Teile der Sozialdemokratischen Partei Arbeiterschaft über im Dezember 1936 nur auf 124.4 gestiegen gegen andere auszuspielen und, statt wirk- Industriestaaten, namentlich in Skandi- bearbeitete Reihe von Indexziffern lich die Einheit zu fördern, Zersetzung in navien, den Vereinig- die Lohnentwicklung, die das völlige Stag- sei; da die Stundenlöhne sich von 100 auf das sozialdemokratische Lager zu tragen. ten Staaten gelungen war, auch in der nieren der Löhne amtlich bestätigt. Ver- 101.7 gehoben hätten, ergäbe sich eine ist einig in dem Entschluß, solche Wirtschaftskrise den Fall der Nominal- zichten wir zunächst auf jede Kritik, und Steigerung des Reallohnes um 1 Prozent! Manöver mit aller Schärfe zu bekämpfen. löhne sei es zu verhindern, sei es in ver- unterstellen wir eine Objektivität, die die Das wäre nun, selbst wenn es richtig wäre, hältnismäßig engen Schranken zu halten. deutsche amtliche Statistik längst verleug- eine lächerliche Bagatelle, aber es ist naDas braune Netz in London Da gleichzeitig in diesen Ländern die net hat, so ergibt sich, daß die Stunden- türlich bewußter Schwindel! Preise stark zurückgingen, die Lebens- verdienste der erfaßten Arbeiter das angenommen, der amtliche Lebenshaltungshaltungskosten fielen, stieg für einen gro- Lohneinkommen vom Dezember 1935 gleich index wäre so richtig, wie er wertlos und Ben Teil der Beschäftigten der Reallohn 100 gesetzt bis Dezember 1936 um 1.7 bewußt gefälscht ist, noch an. Die Wirtschaftskrise fiel mit ihrer Prozent, für die männlichen Facharbeiter gangspunkt von 1935 absolut unbrauchbar. ganzen Wucht auf die Arbeitslosen, und um 2 Prozent gestiegen sind.( Die Berech- Denn die amtliche Preissteigerung insbesondie zunehmende Unsicherheit über die Er- nungen fußen auf einem vierteljährli- dere der Lebensmittel beginnt gleich mit haltung des Arbeitsplatzes schuf auch für chen Meldedienst, der zur Zeit etwa 2.5 der Machtübernahme Hitlers, und seitdem sind. Eine neue Namensliste wird im Innen- die noch Beschäftigten jene Stimmung der Millionen Arbeiter in 22.000 Betrieben mit geht der Preisanstieg, die Qualitätsverministerium geprüft. Sie beruht auf den bangen Sorge und der zunehmenden Hoff- rund 92 Millionen RM Gesamtwochenlohn- schlechterung und die Knappheit unaufBerichten von Spezialpolizisten, die die Tätignungslosigkeit, die für die Krisenzeit so summe erfaßt, und erstrecken sich auf eine haltsam weiter. Nach dem amtlichen Inkeit der Deutschen in England beobachtet Reihe der wichtigsten Industriezweige.) dex der Großhandelspreise ist vom Januar haben. Es handelt sich um die Namen von Dabei sind die Stundenlöhne in den Pro- 1933 bis Herbst 1936 eine Preissteigerung in Deutschen, die eine führende Rolle der In Deutschland ging die Entwicklung duktionsgüterindustrien von 100 auf 101.9, von 14.5 Prozent eingetreten; der Agrarhiesigen Naziorganisation spielen, die mehr anders. Seit dem Sturz der Regierung Herin den Konsumindustrien aber nur auf 100.8 index allein zeigt eine Steigerung von 30 als 500 Agenten einschließt. mann Müllers wurden nicht nur die Argestiegen. Etwas stärker sollen die Prozent; der Index ist bei Eßkartoffeln Hitlers Organisation hat einen» inne- beitslosenunterstützungen und die Sozialin Bayswater renten gekürzt, es erfolgte zugleich mit Un- haben: in den Produktionsgüterindustrien nissen von 73 auf 99 gestiegen; der Bevon 65 auf 119, bei Vieh und Vieherzeugren Ring«, der von Büros aus operiert. Die geheime Naziorganisation terstützung der immer reaktionärer stand in täglicher Verbindung mit Berlin. denden Regierungen ein Generalangriff auf auf 104.5, in den Konsumgüterindustrien kleidungsindex von 107 auf 119.5; bei Leauf 106.5, zusammen auf 105 oder um derschuhen betrug 1933 der Index 91.6, im Dort wird unter der Kontrolle des Auswär- das Lohnniveau, der zu einer erheblichen tigen Amtes eine Kartothek geführt, Senkung der Nominallöhne führte, während 5 Prozent. Dabei gibt der amtliche Kom- August 1936 aber 103.6; bei Hauswäsche die von jedem im Ausland lebenden Deut- gleichzeitig der Rückgang der Lebens- mentar zu, daß die Steigerung, da tarif- 126.6 und 136.9. Und wenn auch in den liche Lohnerhöhungen im ganzen nicht er- Kleinhandelspreisen die Fortpflanzung der schen Name, Adresse, Beschäftigung, Freun- haltungskosten und politische politik, die mit allen Mitteln eine Erhöhung folgt sind, in erster Linie auf Leistung von Teuerung später zum Ausdruck kommt, de, Bekanntschaften, soziale Ueberstunden, zum Teil auf Leistungs- schließlich wird sie unvermeidlich, auf keiTätigkeit angeben, gleichgültig, ob er ein der Lebensmittelpreise anstrebte, gehemmt In Deutschland war so die Lage zulagen zurückzuführen ist, also auf ver- nen Fall aber entspricht der amtliche LeEmigrant ist oder mit den Nazis sympathi- wurde. auch der beschäftigten Arbeiter im Ver- mehrte Anspannung und Ausnützung der benshaltungsindex auch nur entfernt der siert. Wirklichkeit. Diese zeigt vielmehr, daß die Es ist ein Teil der Arbeit des Nazinetzes gleich zur Zeit der Prosperität bereits viel in London und den großen Städten, Infor- stärker herabgedrückt als in anderen InduNominallöhne durch die nationalsozialistinoch unter das in mationen nach Berlin zu liefern, striestaaten. Seit 1933 ist in den Ländern beschäftigung die Erhöhung der Nominal- sche Diktatur sogar gesenkte um diese Nachweisung auf dem Laufenden des Sterlingsblocks, seit etwa 1935 in den löhne ist, so ungeheuer weit sie zurück- Deutschland besonders stark zu erhalten. Leute von Scotland Yard, die Vereinigten Staaten, die Krise überwunden. bleibt hinter den Erhöhungen sowohl der Krisenniveau gewaltsam heruntergepreẞt fließend deutsch sprechen, sind seit Monaten Eine Prosperität setzt ein, die allmählich Stundenlöhne als der Wochenverdienste in worden sind, während die Reallöhne um mindestens ein beschäftigt, um die Pläne und Methoden der alle Zweige der Produktion umfaßt und allen anderen als den Diktaturstaaten, so spiellos in der Welt! hiesigen Nazigruppe kennen zu lernen. Ihre auch die Konsumgüterindustrien über den sehr muß selbst diese amtliche Berechnung Fünftel bis ein Viertel in der Zeit der VollEntdeckungen und Berichte haben zur Aus- Umfang von 1929 emporhebt. Die Arbeiter- noch mit einigem Mißtrauen aufgenommen beschäftigung unter dem tiefsten Krisenschaft ist in der Lage, sei es auf dem werden. Es trifft sich deshalb gut, daß die nieveau stehen! Wege der Verhandlungen, sei es durch» Deutschland- Berichte« der SPD, die beste Das Bild wird aber erst dann vollständem Quelle für eine objektive Unterrichtung, dig, wenn man sich klarmacht, daß die gerade in ihrem Juli- Heft sehr wertvolles deutschen Arbeiter zur selben Zeit, wo in kritisches Material zur Lohnentwicklung der übrigen Welt der Kampf um die beibringen. Dieses rechtfertigt durchaus Vierzigstundenwoche geführt wird, den den Schluß, zu dem die Berichte gelangen: Achtstundentag verloren >> Neben der Senkung der Reallöhne infolge haben. In der Bauindustrie ist der Zehnder Preissteigerung läßt sich in zahlreichen stundentag bereits die Norm und ebenso Fällen sowohl an Hand der Tarifordnungen wie kann in einer Reihe wichtiger Industrien, der Berichte aus den Betrieben nachweisen, in der ganzen Schwerindustrie, der chemidaß auch die Nominallöhne herabgesetzt wur- schen, der Kautschuk- und Papierindustrie, den. Es geschah dies in den verschiedensten der Elektrotechnik die Arbeitszeit auf werdurch eine Agrarweisung der drei Journalisten geführt. Wochenlang sind von den Büros in Bayswater aus Pläne gemacht worden, um die Lohnkämpfe sich ihren Anteil an Tätigkeit jedes Deutschen in England zu wachsenden Sozialprodukt zu sichern. Das kontrollieren. Da die Organisation kürzlich Lohnniveau erhöht sich, der Anspruch auf verstärkt worden ist, arbeiten gegenwärtig bezahlten Urlaub setzt sich nicht nur in schätzungsweise mehr als 500 Nazis aktiv in Frankreich, sondern auch in steigendem England. Viele dieser Deutschen wurden Maß in England und Skandinavien durch, selbst erst überwacht und ausspioniert, be- während gleichzeitig der Kampf um Vervor sie in die Organisation eingegliedert wur- kürzung der Arbeitszeit in eine neue, aussichtsreiche Phase tritt. den. faßt worden, die es deutschen jüdischen Emigranten schwer gemacht hätten, in England ohne Besorgnisse zu leben. Es sind Fälle vorgekommen, daß Arbeitskraft. So minimal in einer Zeit der VollbeiDie Ausbreitung der deutschen Propa- Die Vollbeschäftigung in der deutschen ganda in England war nur ein Teil dieser Wirtschaft wird durch eine rücksichtslose, Arbeit. Es sind Pläne für eine Kampagne ge- inflationistisch finanzierte Anstachelung Formen, teils durch direkte Verschlechterun- zehn Stunden verlängert werden. Und dies der Kriegsproduktion erreicht. Was da pro- gen der tariflichen Stundenlöhne, teils durch bei fortschreitend schlechterer, unzweckduziert wird, läßt sich nicht konsumieren, Herabsetzung der Akkordsätze, durch Aende mäßigerer Ernährung. Kein Wunder, daß läßt sich auch nicht auf dem Wege der rungen der Einstufungen in die verschiede- die Sterblichkeit in den deutschen GroßWohnungen und Häuser von Emi- Ausfuhr in Konsumgüter austauschen. Die nen Lohnklassen oder durch stärkere Diffe- städten zunimmt und von 63.8 pro Tausend Be- gesteigerte Produktion geht Hand in Hand renzierung der Löhne. Den Lohnverminderun- im ersten Halbjahr 1932 auf 73 im ersten mit der Verringerung des für den gen stehen auch einige Lohnsteigerungen ge- Halbjahr 1937 angestiegen ist. Dem RaubKonsum geeigneten Sozialproduktes. Der genüber; sie ändern aber nichts daran, daß das bau an der Wirtschaft folgt jetzt der Anstieg der Konsumindustrien bleibt weit Regime unverändert die Politik verfolgt, das Raubbau an den Menschen. hinter dem der Kriegsindustrien zurück. Gesamtniveau der Löhne stabil zu halten und von unbekannten granten suchern durchsucht worden sind. Kein Deutscher, der in England lebt, darf Es in der Nähe von Emigrantenwohnungen in sche Volk gibt. Dr. Richard Kern. wissen lassen, daß er Beziehungen zu Juden hat, mögen sie nun Emigranten sein oder nicht. In diesen Linien bewegte sich der größere Teil der geheimen Naziarbeit. preßt werden, als harmlose Geselligkeits-| sündeste sei, was es überhaupt für das deut-| Stelle von Fleisch, Butter und Fett empwird sogar behauptet, daß Briefkästen oder Sportvereine getarnt. fahl er Vollkornbrot, Kartoffel,> richtig< Diesem Kriegsbrot wurde von ihnen die d. h. ohne Fett, Butter u. dgl.» zubereitetes London von Nazis erbrochen worden sind, die Der> Daily Herald« berichtet weiter über Eigenschaft zugeschrieben, daß es das Ent- Gemüse«, kurz den Küchenzettel, den die dort gefundenen Briefe durchgesehen ein Meeting der Landesgruppe der NSDAP stehen von Zahnfäule und Zahnstein verhin- Regime für die ärmere Bevölkerung bereit dere. in England in Westend von London, das von Das wäre sehr wichtig, denn 95 Pro- hält. von etwa 600 Männern und Frauen besucht war. zent aller Gebisse in Deutschland sind haben. Hitlers geheime Polizei hat monatelang von jedem Deutschen in London überwacht. wie Einzelheiten darüber, Naziorganisation außerhalb intensiv die Deutschlands den ㄓ ehemaligen das FabrikEs war jedenfalls gut, daß die deutschen Freunde, Geschäftsfreunde und die Tätigkeit Die Frauen waren in der Mehrzahl, es waren Zahnfäule befallen. Aber es war auf der Professoren von dem Osloer Professor korrimeist Hausangestellte, unter den Tagung auch ein norwegischer Professor an- giert wurden. Freilich muß in der deutschen Eine Aktion zur Störung der Tätigkeit von Männern überwogen niedrig bezahlte wesend, Prof. Schiötz- Oslo, der diese Be- Presse dieser Protest gegen die Vergewaltiantifaschistischen Führern sollte gestartet Arbeiter. Solche Versammlungen wer- lügung der Oeffentlichkeit nicht mitmachte gung der Wissenschaft totgeschwiegen werwerden. Namen und Fotografien sind von die Prostituierung der Wissen- den. den in der Regel von Partei und Arbeitsfront und gegen der Londoner Nazigruppe nach Berlin geEr stellte fest, daß das gemeinsam einberufen und ihr Nichtbesuch schaft protestierte. sandt worden. Die Bilder sind in DeutschAugust Brey gestorben könnte sich für jeden Eingeladenen als höchst Hartbrot» keine unumgängliche Bedingung land unter dem Titel» Hasser Deutschlands<< unangenehm erweisen. Die Mitgliedschaft in für die Bekämpfung der Zahnfäule sei. Es August Brey, der langjährige Vorsitzende veröffentlicht worden. reichsdeutschen und komme vor allem darauf an, daß alle Men- des nationalsozialistischen politischen beruflichen Organisationen ist obligatorisch schen mit gesunden Gebissen das ganze arbeiterverbandes, ist im 73. Lebensjahre bei Mit August für alle im Ausland lebenden Deutschen, ob- Jahr hindurch fortlaufend gleich- Hannover plötzlich verstorben. faschistische Propaganda durchführt, wurden dem> Daily Herald von Leuten mit- gleich natürlich einige abersehen werden und mäßig vitamin- und minerals alz- Brey ist einer der markantesten Männer der reiche Nahrung dem Organismus deutschen Arbeiterbewegung dahingegangen. geteilt, die diese Tätigkeit aus dem gutem zuführten.<< Aber eben das wird bekannt- 41 Jahre war er Vorsitzender des deutschen Grunde kennen. In jedem Lande, wo Deutlich den Massen des Volkes durch die natio-» Fabrikarbeiterverbandes Imit Keramischem sche in Gemeinschaften leben, wird die Junalsozialistische Wirtschafts- und Ernährungs- Bund«, jahrzehntelang präsidierte er allen gend gezwungen, in die Hitlerjugend einzu- In Düsseldorf ist soeben der VIII. Deut- politik unmöglich gemacht, die ihnen Fleisch, internationalen Kongressen der Fabrikarbeitreten und Hitler und Deutschland Gehorsam sche Zahnärztetag zu Ende gegangen. Der Butter, Eier und Milchprodukte vorenthält. ter- Internationale, deren Präsident er war. zu schwören. Kinder werden regelmäßig» Reichszahn<-Aerzteführer und einige Pro- Der Münchner Prof. Wirz suchte diese Politisch übte er 31 Jahre für seinen Wahlnach Deutschland gesandt, um dort für die fessoren haben sich auf dieser Tagung damit Feststellung zu entkräften. Der größte Teil kreis Hannover sein Reichstagsmandat aus. Propaganda in ihren Wohnländern gedrillt abgemüht, der Oeffentlichkeit einzureden, des Mineralsalzes und der Vitamine gingen Er war bis zum Ausbruch des Dritten Reichs Manchmal werden diese Organi- daß das mit Mais, Kartoffelwalzmehl,» Back- heute durch Verfahren, die eine bessere Auf- Mitglied der Kontrollkommission der Sozialsationen, in die die Auslandsdeutschen ge- mittel<< und Altbrot gefälschte Brot das ge- bewahrung zum Zeile hätten, verloren. An| demokratischen Partei. ihre zu werden. sich allem entziehen können. In die Suppe gespuckt Besitzsteuern abgelehnt- Pumpwirtschaft fortgesetzt > Nicht einmal, sondern mehrfach heit verursacht, dem Schacht mit seinen>> Man sollte nicht übersehen, daß die beachteten« Aktiengesellschaften eine Art haben Reichsfinanzminister und Reichs- Zwangsmaßnahmen entgehen wollte. bankpräsident betont, daß man sich der zuGrenzen staatlicher Kreditausweitung Es gibt nun ein einfaches Mittel, durchaus bewußt sei. Die auffallende gleich diese Geldüberfülle und die StaatsLiquidität der Kreditmärkte, die trotz verschuldung abzubauen. Der Staat häufig wiederholter Riesenemissionen des Reiches anhält, deutet darauf hin, brauchte nur den Unternehmern als Steudaß wir uns diesen Grenzen nähern.<< ern einen Teil dessen zu nehmen, was Das schrieb Schachts>> Deutscher Volkswirt« im April. War das eine Warnung vor den Gefahren einer Inflation? Was sonst sollte die Gefahr sein, die droht, wenn die » Grenzen staatlicher Kreditausweitung<< überschritten sind? er war es gegenwärtige höhere Liquidität in vielen Monopol auf ausländische Anleihen beFällen auf einer ungewöhnlichen Verringerung schert ward. Die Kommunen sollten dem der Lagerhaltung beruht, daß sie nicht über- Bankrott zugetrieben und gezwungen werall so hoch ist wie bei den besonders beachteten den, ihren wertvollsten Besitz den>> WirtAktiengesellschaften und daß die» Fettpol- schaftsführern« zu verramschen. Das war ster<<, die sich allmählich wieder zu bilden be- nicht ganz geglückt, dafür aber ihnen in so verschwenderischer Fülle ge- sind... Das Dritte Reich hat sich im Dienste jene gewaltige Ueberlastung mit Auslandsginnen, vielfach noch außerordentlich dünn Schacht gelungen, die Großkonzerne in schenkt hat. Ueber diese Frage der Sondereinmaliger Ausgaben genötigt gesehen, die krediten hineinzutreiben, die die Ursache besteuerung von Uebergewinnen hat sich von der Vergangenheit übernommenen Krisen- des großen Bankkrachs vom Juli 1931 gein der parteiamtlichen und gleichgeschaltesteuern in ihren Grundzügen zunächst beizu- wesen ist, ohne den allerdings ten Presse eine Diskussion entsponnen, die das ist behalten. Wenn aber schon vorläufig keine zugegeben der Führer nicht der Führer allerdings keine wirkliche AuseinanderErleichterung der Unternehmerbesteuerung und Schacht nicht des Deutschen Reiches setzung, sondern ein Spiel mit verteilten Rollen ist. Das zeigt sich schon darin, daß möglich ist, dann ist es nicht angängig, mit Wirtschaftsdiktator geworden wäre. Was gerade die parteiamtlichen Organe die dem groben Geschütz von Steuererhöhungen Schacht jetzt offenbar plant, ist die Fortder Begriff der Inflation vieldeutig ist und radikalsten Forderungen stellen und den gegen vereinzelte volkswirtschaftlich uner- setzung der Finanzpolitik von einst unter daß nicht jede Ueberschuldung des Staa- schärfsten Antikapitalismus mimen. wünschte Erscheinungen vorzugehen, die man allerdings wesentlich veränderten Umstäntes, nicht jede Ueberschwemmung der ihrem Scheinradikalismus wollen sie auf andere Weise besser bekämpfen kann.<< den. Schacht weiß, daß die» nationalpoliWirtschaft mit staatlichen Schuldtiteln, sei der echten Miẞstimmung ablenken und den Man fragt sich, warum nicht wenigstens tischen Notwendigkeiten ungeheuer viel es in Form von Banknoten oder in der im gläubigen Heißspornen unter den Nazis ein» die besonders beachteten Aktiengesell- mehr Reichsmittel verschlingen, als das Dritten Reich überwiegenden versteckteren Ventil schaffen. So schrieb die>> Deutsche schaften<<, wenn es sich schon bei den an Dritte Reich riskieren könnte, dem GroßVolkswirtschaft, deren nicht lohnt, zur Verdünnung ihres kapital durch Steuern Nationalsozialistischer dritten Juni- Fettpolsters gezwungen werden sollen. Es durch Anleihen zu>> konsolidieren<<. Aber ist erst wenige Monate her, seit der gleiche offenbar ist es gerade das, was Schacht » Deutsche Volkswirt<< vor den Gefahren will. Noch mehr als bisher soll das Reich des Fettpolsters der Ueberliquidität ge- an das Großkapital verschuldet, noch mehr warnt hatte. Inzwischen hat sich, nicht als bisher soll dieses seine Geldschränke Aber man darf nicht übersehen, daß Form der Staatswechsel und StaatsanNummer: Mit von leihen, zu jener ununterbrochenen und sich Wirtschaftsdienst<< in ihrer steigernden Teuerung zu führen braucht, an die wir in Erinnerung an die Zeit vor 14 Jahren denken, wenn wir von Inflation sprechen. Das ist schon deshalb im>> totalen< Staat aber nicht nur dort ders, weil er es in der Hand hat, durch Dekrete und mit Zwangsmitteln die Teuerung zwar nicht zu verhindern, aber doch aufzuhalten, zu rationieren. » Auch für Deutschland wäre es kein Zeichen der Schwäche, wenn es jetzt in verstärktem Maße die Sondergewinne erfassen anvestitionseinsatz des Staates entstehen. Es ist gewiß erfreulich, daß das Verhältnis von Staatsinvestition und Zunahme der Staatsverabzunehmen und würde, die nun einmal bei jedem großen In- ganz ohne Widerstreben Schachts, die mit den Schuldtiteln des nationalsozialistiRichtung Göring durchgesetzt, die wirt- schen Staates füllen. Am Ende bleibt dann schaftliche Mobilmachung als Mittel der kein anderes Mittel, mit der StaatsverEinschüchterung und Bedrohung, jene schuldung zugleich die Ueberliquidität abdie Verschleuderung Richtung, die offensichtlich auf> die Gren- zubauen, als staatlicher Krediterweiterung keine öffentlichen Eigentums, auf daß Rücksicht zu nehmen gedenkt. Da ist sich das Führertum des Wirtschaftsführers Schacht offenbar auf ein Mittel verfallen, bewähre und sie, wenn der Traum der das den Vorzug hat, das Angenehme mit» Staatskonjunktur ausgeträumt ist, geschuldung sich von Jahr zu Jahr gebessert Die Arbeiter und Angestellten, deren hat und daß sich durch die KonsolidierungsLöhne auf amtlichen Befehl unter Druck politik des Reiches das Verhältnis zwischen gesetzt werden, und die Kleinhändler, die kurzfristiger und langfristiger Verschuldung unter schärfster amtlicher Preiskontrolle bessere. Diese beiden wichtigen Tatsachen stehen, haben die Kosten dafür zu tragen, widerlegen aber nicht etwa die Forderung daß die staatliche Schuldenwirtschaft nicht nach verstärkter steuerlicher Erfassung der zu jenem unaufhaltsamem Prozeß der>> Uebergewinne«, sondern stützen sie nur.<< Geldentwertung ausartet, den wir mit Inflation zu bezeichnen pflegen, der aber unmiẞverständlicher Ueberinflation genannt werden sollte. Der Druck auf Löhne und Gehälter schränkt den Verbrauch ein zen dem Nützlichen zu verbinden, die Geldfülle rüstet sind, die dann unvermeidliche Krise des Großunternehmer abzubauen und ihnen auf ihre Weise zu meistern. Die Methoden dennoch ihren Kapitalwert zu sichern, ihn haben sich ein wenig geändert, das Ziel ist nicht vom Staat abschöpfen, sondern die- das gleiche wie einst: Auspowerung des Nonnenbruch, der Wirtschaftspolitiker sen vom Großkapital schröpfen zu lassen. Staates und Bereicherung des Großkapitals. des» Völkischen Beobachter<<, erhebt die Schacht eröffnet ihm den» Ausweg in Schacht hat sich nunmehr entschlossen, gleiche Forderung, allerdings mit einer für die» Sachwerte«. dem Worte die Tat folgen zu lassen. AnEs ist zehn Jahre her, seit Schacht jene statt der Erhebung einer neuen Besitzdie» Opfer« beruhigenden Einschränkung: den >> Die Gewinne sollen ja nicht ganz weg- Greuelpropaganda gegen und drückt so auf die Preise. Die amtliche internatio- steuer wird vom» Deutschen Volkswirt<< Preiskontrolle verhindert, daß die Preise gesteuert werden. Wie die hohen Gewinne an- nalen Kredit der öffentlichen Hand begann, für Ende August oder Anfang September in gleichem Maße in die Höhe klettern, zeigen, ist die Kaufkraft schon etwas höher der zur Folge hatte, daß die Kommunen die Auflegung» einer neuen Anleihe Wir brauchen nicht in Finanznot gerieten und den» besonders angekündigt<<. wie die Konsummittel knapper werden. In- als die Erzeugung flationsgewinnler sind allein die Rüstungs- mehr Kapital, als wir Arbeiter einsetzen könlieferanten, zu deren Gunsten sich das nen. Die Kapitalbildung ist jetzt größer als Reich verschuldet und die als Staatsgläu- für den Einsatz der verfügbaren Arbeiter biger riesige Barmittel in Gestalt staat- notwendig ist. Das heißt: die Steuern müssen licher Schuldtitel in ihren Safes aufhäufen. so gehalten werden, daß die Kapitalbildung Daher die>> auffallende Liquidität der Kre- sich im Einklang mit den verfügbaren Arditmärkte<<, die Schacht bedenklich er- beitern hält.<< Aus großer Zeit G. A. F. durch Gelegenheit zu mancherlei Vergleichen verwirrt und gefährdet werden. Ihr arisches Russische Flugplätze der Tsche- Seelenheil könnte ins Wanken kommen. Nunchoslowakei anzudichten, ist eine alte Spezia- mehr wird Baldur sie gegen alle fremdvölkilität des>> Völkischen Beobachters«. Will er schen Einflüsse kunstgerecht abdichten. scheint. Der Gegenstand seiner Sorge und Es besteht also nach Nonnenbruch ein jetzt auch das» blutsverwandte<< Schweden der Anlaß seiner Warnung ist aber nicht Mißverhältnis zwischen den durch Man- mit der gleichen Lügenkampagne beglücken?» Dank der Hilfe des Führers..,< der tiefe Stand des Masseneinkommens und gel an Arbeitern und Rohstoffen begrenz- Es scheint SO. Das saubere Nazi- Zentral- Wenn heutzutage ein Museum eine Rostauch nicht die verzweifelte Lage des Klein- ten Investitionsmöglichkeiten und der Fülle organ behauptete nämlich jüngst, Litwinow spielige Neuanschaffung macht und dazu vom händlertums, sondern die Geldfülle bei den des anlagebedürftigen Geldprofits. Daraus habe mit dem schwedischen Außenminister Reich eine Sonderbeihilfe erhält, dann hat Großunternehmern. Zum Teil ist sie aller- wird die Schlußfolgerung gezogen, daß» die Sandler über die Anlage russischer Militär- die Göbbelpresse die Pflicht, das Ganze als dings trügerischer Schein. Mangels Ange- Ueberliquidität abgeschöpft werden muß, flugplätze in Nordschweden Verhandlungen persönliche Helden- und Opfertat des allbote von Rohstoffen müssen die Unter- bevor sie sich»> inflationistisch« auszutoben angestrebt... gütigen Führers hinzustellen und mit schmalnehmer von alten Vorräten zehren. Das so beginnt«. Womit also von dieser quasi Die skandinavische Presse weist auf die zigen Dankeszähren zu begeußen. Im> Ber» gesparte< Geld ist also nur der geld- amtlichen Stelle nicht nur die Ueberliqui- maßlose mäßige Ausdruck eines Substanzverzehrs. dität selbst, sondern auch ihre inflationiDummheit dieses neuen Nazischwindels hin. Denn gegen welches Land Es gibt aber noch reichlich echte Gewinne, stische Gefahr, wenn auch in Gänsefüß- könnten die Russen wohl von Nordschwedie nicht dem Rohstoffmangel, sondern chen, zugegeben wird. verschärfter Ausbeutung und den guten ver* aus aus reichliner Tageblatt< sieht das dann so aus: zur nie im K. > Dank der Hilfe des Führers sind dem Germanischen Museum die notwendigen Mittel zum Erwerb des Behaim- Globus zur den(!) aus einen Luftkrieg führen wollen? Verfügung gestellt worden. Der Führer hat Preisen zu verdanken sind, die das Wehr- Diplomatischer als die parteiamtlichen Da sie Norwegen und Finnland bequem von auch verfügt, daß der Globus im Museum in einer Glasvitrine erreichen eigenen Territorium Aufstellung geministerium zahlt. Geldmittel, die für ihre Blätter muß sich das nur gleichgeschaltete ihrem können, käme nur Island in Frage! langen soll...< Besitzer wertlos sind, wenn sie in den» Berliner Tageblatt« verhalten. Es Die>> Hilfe des Führers« besteht darin, daß deutsche Volk nicht er, sondern das den Tresors ein arbeitsloses und zweckloses meidet ausdrückliche Stellungnahme und Was ist mit Ossietzky? In einigen Globus bezahlt. Auf die ganz einmalige, die Dasein führen, drängen nach Verwertung. begnügt sich mit betrachtenden ErgänzunDaran hindern sie, abgesehen vom Roh- gen. Bisher hat man die Erhöhung der Be- Zeitungen erschien kürzlich ein schlechthin geniale Idee mit der Glasvitrine stoffmangel, die staatlichen Investitions- sitzsteuern vermieden und sich damit be- lich dunkler Quelle stammendes> Interview<< wäre dagegen die Museumsleitung ohne Hitverbote, die den Zweck haben, mit dem gnügt, den Ueberfluß von Staatswechseln mit dem Nobelpreisträger, wonach dieser erlers weise>> Verfügung« natürlich » Selbstver- klärt haben soll, er sei nun ein absolut freier Leben verfallen! Vielleicht wird man an der Verbot von Neugründungen die Nachfrage durch Anleihen abzudämmen. nach Waren einzuschränken und Teuerung ständlich<<, meint das» Berliner Tageblatt«<, Mann und werde lediglich durch Krankheit Vitrine ein Schild anbringen:>> Daß ich hier voller Bewegungsfreiheit gehindert. Er stehen darf, danke ich dem Führer!<< und Warenmangel einzudämmen. Aber bei» wird der Fiskus das System der Konso- an aber man habe seine Gesinnung nicht geändert, sei weitem nicht dies alles allein, sondern weit lidierungsanleihen fortsetzen; nicht übertreiben wollen, jedoch deswegen keinen Schwierigkeiten ausmehr noch die Abneigung des Großunter- wird es auch Die Schachfigur nehmertums, an dem Risiko der giganti- schon aus psychologischen Gründen<<. Weil gesetzt. Er stehe in einem ständigen, regen Am 6. August hat Hitler in Berchtesschen Fehlanlage des Vierjahresplans teil- nämlich» die bisherige Abschöpfung eine Briefwechsel mit seiner in Schweden lebengaden den Botschafter des Rebellengenerals zunehmen. Görings neue Eisengründung Art Optimismus erreicht hat<<. Die letztere gab daraufhin im Stockhol- Franco empfangen, der in Deutschland amtzeigt, daß sie von Staats wegen nach Kräf- könnte man» sich wohl vorstellen, daß bei ten davor geschützt werden, ihr am Staat uns eine Aufstockung des Steuergebäudes mer>> Social- Demokraten die Erklärung ab, lich als Chef des spanischen Staates ver- daß sie bereits seit mehr als fünf zeichnet wird. Der Abgesandte des>> Chefs< verdientes Geld>> staatspolitischen Not- im Zuge der Entwicklung liegt, die suchen mag, die Abgaben etwas stärker zu Monaten von ihrem Vater keinerlei versicherte dem>> Führer«, daß Franco und wendigkeiten zu opfern. Der amtlich gehemmte Geldstrom staffeln, als die zu erfassenden Gewinne Lebenszeichen erhalten habe!... die Seinen die gleichen Gesinnungen fühlten wie die Nationalsozialisten, er sprach drängt aber zur Anlage, und das heißt gestaffelt sind... Niemand ohne Baldur! unermeßlicher Dankbarkeit und erklärte, daß schließlich zur Anlage in Waren. So wird gessen, daß wir nationalwirtschaftlich mitdie Geldschwemme bei den Großunterneh- ten in einem Spurt sind, wie ja wohl die Jugendliche bis zum vollendeten 20. Lebens- viele nationalsozialistische Grundlagen auch mungen, die ja nur die Kehrseite der Sportsleute sagen, sicherlich nicht in jahr dürfen jetzt überhaupt keine Auslands- in Spanien Anwendung finden sollten. öffentlichen Ueberschuldung ist, zu einer, einem Idyll.<< Deshalb den Tochter... sollte verKeine Reise noch bevon Alles reisen mehr machen, es sei denn, daß der Die absolute Abhängigkeit Francos von schweren Sorge für Schacht. Er hat die Gewiß könnte man sich mancherlei vor-» Reichsjugendführer« ausdrücklich seine Ge- Hitler und Mussolini hat in diesen ErkläGefahr inflationistischer Teuerung mit stellen, aber Schacht stellt sich eben etwas nehmigung dazu erteilt. Die Paßstellen sind rungen deutlich Ausdruck gefunden. drakonischen Mitteln zu bessern versucht, ganz anderes vor als das» Berliner Tage- laut Ministerialerlaẞ angewiesen, Aus- Gerede von einer Unabhängigkeit Spaniens aber gerade damit die Gefahr selbst her- blatt<< und sogar als der» Nationalsoziali- landspässe nur solchen Jugendlichen nach einem Siege Francos ist nur Vernebedes Tatbestandes, daß Franco ein aufbeschworen, die nunmehr daher droht, stische Wirtschaftsdienst<< und sogar Herr auszustellen, die eine entsprechende Beschei- lung Besagter Wisch Vasall ist, eine Schachfigur, daß der gehemmte Geldstrom die kunstvoll Nonnenbruch sich vorzustellen vorgeben. nigung vorlegen können. die von den errichteten Dämme durchbricht, sich auf Sein Organ» Der deutsche Volkswirt<< setzt muß auch an der Grenze bei der Ausfahrt großen Diktaturmächten nach Belieben im den Warenmarkt ergießt und dort jenes hinter diese Diskussion folgenden energi- und bei der Heimkehr vorgezeigt werden. Spiel ihrer politisch- strategischen Interessen Im Ausland könnten Uebermaß von Teuerung und Warenknapp- schen Schlußpunkt: die jungen Leute verschoben wird. Nr. 219 BEILAGE Ucucctenfltfs 22. August 193? Ein Franzose sieht Deutsdiland Roland Borgelns, der Verfasser der »Hölzemen Kreuze«— neben dem Roman von Barbusse eines der meistgelesensten Kriegsbücher Frankreichs— gibt unter dem Titel»Es lebe die Freiheit-'« den Rechenschaftsbericht einer Reise durch Diktaturländer. Er ist gründlich, er besucht Rußland, Deutschland, Italien, Oesterreich und Ungarn. Von sich selbst sagt Dorgeles, daß er unpolitisch sei; das läuft meist auf Politik der Rechten hinaus, und so sieht er denn auch die Außenpolitik Frankreichs unter dem Blickwinkel der Konservativen. Indessen ist Dorgeles ein liberaler Mann, er hat das Ohr für die leisesten Nuancen der Unterdrückung, man höre ihn über Oesterreich sprechen, er kommt den Autoritären auf ihre Schl'che, er ist als Beobachter guten Willens. Wenn er in Hamburg in der Morgenfrühe, an einem regnerischen Tage Dockarbeiter nach dem Schicksal Edgar Andres zu fragen versucht, so ist diese Szene für unser Gefühl von einer bösen Komik. Es dreht sich einer schwer herum und sagt: »Edgar Andre— wer ist das? Den kennen wir nicht.« Davon abgesehen aber muß man Dorgeles nicht des Vorwitzes zeihen. Hören wir, was er über die Braunhemden sagt. »Was haben sie gewonnen, frage ich mich, die armen Teufel der Sturmtrupps, Nazis seit der ersten Stunde, die die Kommunisten mit Revolvern angegriffen haben und die, wenn es sein mußte, den Maschinengewehren der Reichswehr trotzten? Nichts als diese unkleidsame Hose, die sie selbst bezahlen mußten, Stiefel aus Kunstleder, eine Feldflasche, die— ach wie oft— leer ist und das braune Hemd, unter dem sie frieren. All ihren Gewinn führen sie bei sich. Die Auszeichnungen, das Avancement, die guten Stellen, das ist für die anderen gewesen, für die Söldner der Schutzstaffel(SS), nun brüsten sich die Herren in ihren schwarzen Uniformen. EHe allerdings waren noch zu jung, um sich schon in München zu schlagen, sie sind gerade im günstigen Augenblick gekommen. Seit dem Juni 1934,— der Erledigung Röhma, kann man sagen, daß die Braunhemden, denen Hitler die Macht verdankt, nichts mehr als Figuranten sind. Sie kommen einen Abend in der Woche zu einer Besprechung zusammen und an drei Sonntagen des Monats zu einem Uebungs- marsch, der immer mehr den Charakter einer Landpartie annimmt. Bei einer Katastrophe oder bei einem Umzug erinnert man sich ihrer, sie dürfen dann Ordnungsdienst machen oder die Fahnen tragen. Auf dem Schießplatz läßt man sie üben, aber dann müssen sie die Patronen bezahlen. Ihr einziges Privileg ist, einen Monatsbeitrag zu leisten. Arbeitslose: hundert sous. Das ist Vorzugspreis. Da sieht man, was es einbringt, die Haut für einen Diktator zu Markte zu tragen.« Dorgeles weiß aber auch, wie es bei den behäbigen Leuten aussieht. Er überschreibt diesen Abschnitt»Hitlers Parias.« Sein Bericht beginnt damit, daß man einer reichen Kaufmannsfamilie in der Leipziger Straße während des Abendessens Gäste aufgenötigt hat, Hausgenossen, die zum Gemeinschaftsempfang einer Hitlerrede antraten. Dorgeles denkt dabei an die Dummköpfe in Frankreich, die meinen, daß bei einem autoritären Regime ihr Heim unverletzlich und der Privatbesitz heüig sein würde. >Na schön, der Besitz, wir können ja davon sprechen«, seufzte mein Gastgeber, indem er seine Serviette auseinanderfaltete.»Die Sache ist einfach, man raubt uns aus, man tötet uns.« Und wie leb ein wenig lächelte: »Aber wirklich, mein Herr. Dieser Göring ist zu allem fähig. Er droht schon, denjenigen den Hals abzuschneiden, die Geld im Ausland haben. Man beklagt immer die Intellektuellen, aber die Freiheit des Handels wäre auch wert, daß man Respekt von ihr hätte. Eän Schuhwarenfabrikant, ein Restaurateur, ein Bankier ist nicht weniger unfrei als ein Journalist, nicht weniger gefährdet als ein ehemaliger Eeichstagsabgeordneter. Wenn unsereiner drankommt, unterzeichnet das Ausland keine Petitionen, in der Tat, wer kümmert sich um das Schicksal eines Fabrikbesitzers, den man enteignet, eines Ladeninhabers, den man einsteckt? Das sind Dinge, die alle Tage vorkommen. Bei der kleinsten Gesetzesübertretung werden einem erdrük- kende Geldstrafen auferlegt, 10.000, 20.000, 50.000 Mark. »Sag mal, Krantzler,« fragte mein Gastgeber seinen Schwager, einen starken Mann, der bis zur Unschicklichkeit glattrasiert und kurz geschoren war,»von wieviel Amtsstellen wirst du kontrolliert!«»Acht« antwortete der andere mit vollem Munde—»Es folgen hier Klagen über Bürokratisierung des Handels, die unseren Leser nichts Neues sagen würden, ebenso über Beschneidung des Profits. »Das ist Kollektiviamus«, sagte, indem er sich mäßigte, Herr Krantzler. Er meinte Bolschewismus. Eis ist Tatsache, daß das Regime kaum mehr die Besitzenden schont. Beim Eintritt nach Deutschland könnte man zum Gebrauch der Reichen eine Tafel anbringen:»Diktatur. Gefahrenzone« Der Staat schöpft ohne Scham aus den Kassen unter dem Vorwand freiwüliger Beiträge, deren Höhe er selbst festsetzt.»Seien sie sicher, an dem Tage, an dem sie eine gewisse Summe verdienen, wird mjt gleicher Post ein Scheck einlaufen, den sie auszufüllen haben,— zugunsten irgend eines Parteihilfswerks.«»Das Messer an der Kehle«, ächzte mein Nachbar. »Die Armen wenigstens haben nichts zu verlieren.« Das ist wahr. Nichts als ihre Haut... Während der Reiche am Kassenschub ebenso empfindlich ist wie an den Nieren. Ich fühle ein Unbehagen in der Gegend meines Geldbeutels, hätte der dicke Herr neben mir sagen können. Soviel über die Nöte der Besitzenden. Zu dem folgenden und letzten Bruchstück des Reiseberichtes, aus dem wir zitieren, muß bemerkt werden, daß man aus einigen Angaben, die Dorgeles macht, erkennen kann, er ist etwa vor einem Jahre in Deutschland gewesen. »Wo sind die, die Widerstand leisten? Seit einem Monat suche ich sie vergeblich, von der Ostsee bis nach Tirol. Ich entdecke entschlossene Feinde das Regimes nur ganz oben und ganz unten. Ganz oben, damit meine ich, bei den großen Würdenträgern der katholischen Kirche, bei einigen gedemütigten Fürsten, bei den Intellektuellen, die man unterdrückt, den Großindustriellen, die man beraubt, und ganz unten, in den Reihen derer, die Fronarbeit leisten. Zwischen diesen zerstreuten Kräften gibt es kein Band, kein Vertrauen, keine Liebe. Man soll sich darüber nicht täuschen. Wenn nicht äußere Ereignisse eintreten, ist das Dritte Reich in seinem Bestand gesichert. Es gleicht den gotischen Kirchtürmen, die auf zerbrechlichen Bogenreihen ruhen und im offenen Himmel den Gesetzen des Gleichgewichtes zu trotzen scheinen. Kein Geld, kein Handel, keine Arbeit, kein Brot. Trotzdem, es steht. Aber wenn die Erde zittert, wird alles einstürzen. Kein anderer Staat ist einer Erschütterung von außen so sehr auf Gnade und Ungnade ausgeliefert.« i E ii di t top dem Jus! Krise der juristisdien Fakultäten Keine Karriere mehr... Hörsäle und Institute nahezu leer— Von einem früheren deutschen Verwaltungsjuristen wird uns geschrieben: Ausgerüstet mit den Attesten treuer Dienstbereitschaft gegenüber dem Dritten Reich rüsten sich 400 deutsche»Rechtswahrer« zur Reise nach Paris. Sie sind die offiziellen Abgesandten zur Teilnahme an einer internationalen Juristentagung, auf der sich das übliche Spiel wiederholen wird: festlicher Empfang der deutschen Delegierten, als ob sie Vertreter eines Landes wären, in dem die in der Welt geltenden Rechtsprinzipien und ihre moralischen Grundlagen immer noch volle Anwendung finden. Staatsanwälte, Richter, Rechtsanwälte, Verwaltungsjuristen— alle werden sie sich In Paris als honnette europäische Bürger präsentieren und»beweisen«, daß der neudeutsche Blutrichter als Vollzugsorgan des Nationalsozialismus ein Greuelmärchen der Emigranten sei. Aber die braunen Schleier um die deutsche Rechtspflege— die Feder wehrt sich gegen die Niederschrift dieses Wortes— sind doch nicht ganz so undurchsichtig, wie ihre Interessenten glauben. Aus dem Schöße der deutschen Universitäten kommen wahre Notschreie über den Niedergang des Rechtsstudiums. Von 1933 bis 1936/37 ist die Zahl der Studierenden der juristischen Fakultäten von 1 6.3 00 auf 6.0 00 zurückgegangen, sodaß die zuständigen Instanzen ihre Sorge um ausreichenden Nachwuchs nicht länger verhehlen. Besonders fehlt es an Studenten für die ersten und mittleren Semester. An nahezu allen deutschen Universitäten wird, wie man aus der braunen Presse an etwas versteckter Stelle erfährt, augen- blioklich erwogen, ob man nicht eine ganze Reihe einführender Vorlesungen ausfallen lassen muß, weil sie sich nicht mehr lohnen. Bs bestehe, so erfährt man, »vielerorts bereits ein starkes Mißverhältnis zwischen den staatlich bereitgestellten Lohreinrichtungen, Lehrstühlen, Instituten etc. und der vorhandenen Hörerzahl. Diese Unregelmäßigkeit muß sich natürlich auf die Intensität des Studiums und den Charakter der Prüfungen auswirken.«(»Westdeutscher Beobachter.«) Die Sache erweist sich aber als noch viel schlimmer, wenn man die Zahlen nachprüft. Es ergibt sich, daß von den 6000 Rechtsstudenten heute ein volles Dritte« allein auf die Universitäten Berlin und München entfallen, während zwei Drittel an den 23 anderen deutschen Hochschulen immatrikuliert sind! Das ist nahezu ein Zusammenbruch des deutschen Rechtsstudiums. Jede deutsche Hochschule legte Wert darauf, nicht nur einen vollständigen juristischen Lehrkörper, sondern auch vielseitige Spczialinstitute zu besitzen. Was darin gefehlt hatte, wurde großzügig von sozialdemokratischen oder demokratischen Kulturministern in den»Jahren der Schmach« bewilligt. Heute sind die Hörsäle verödet, die Bibliotheken unbenützt— trotz des jüdischen Exodus aus der Jurisprudens, der so vielen patentarischen Anwärtern auf Aemter und In den freien Berufen endlich Ellenbogenfreiheit verschaffen sollte. Woher der Rückgang? Die nationalsozialistische Presse ist etwas ratlos bei der Deutung des Phänomens— wobei dahingestellt sei, was zu schreiben ihr erlaubt worden ist. Sie verweist auf die Abwanderung vieler Abiturienten zum Arbeitsdienst und zur Wehrmacht— ohne ein Wort über die Frage, weshalb gerade das Studium der Jurisprudenz einen solch unverhältnismäßig großen Rückgang verzeichne. Die Gründe müssen also tiefer liegen, und sie sind nicht schwer zu erkennen: es gibt kaum noch eine aussichtsreiche juristische Karriere im Dritten Reich. Diejenige des Verwaltungsjuristen ist reizlos geworden. Ueberau konkurrieren sie mit »alten Kämpfern«, von denen die meisten roch jung an Jahren sind— nach der Devise, daß nicht das Wissen, sondern der »Charakter« entscheidend sei. Die Laufbahn der Richter und Staatsanwälte ist durch die S o n d e r g e r i c h t s b a r k e i t der Partei außerordentlich eingeschränkt worden— eine Gerichtsbarkeit durch gesetzlichen Zwang, die von juristisch ungeschulten»Führern« ausgeübt wird. Hohe Gerichtsbeamte sprechen in vertrautem Kreis von der immer stärkeren Einengung ihrer Befugnisse mit großer Erbitterung, freilich bei sonst völligem Mangel an Zivilcourage, da sie sich gegen das Diktat zur Aburteilung von gesinnungsfesten Oppostionellen niemals auflehnen. Katastrophal aber ist die Lage der Rechtsanwälte. Obwohl vor allem in den Großstädten die Anwaltsliste um 50 Prozent und darüber hinaus durch Entfernung oder formelle Boykottierung der Juden unter ihnen reduziert worden ist, klagen die arischen Büros über einen deprimierenden Mangel an Kundschaft. Besonders unter der Jüngeren Anwaltschaft herrscht bitterste Not. Die Ursache liegt zum Teil daran, daß die Parteigenossen verpflichtet sind, ihre Differenzen außerhalb des Gerichts»unter sich« zu schlichten— und daß die anderen denGIauben an die Existenz einer G e r e c h 1 1 g k e 1 1 s p f 1 e g e verloren haben. Es gibt aber noch einen anderen Grund für diese offene Flucht junger Menschen vor dem juristischen Studium im Dritten Reich — einen Grund, der für jeden Feind des Regimes wichtiger ist und ihn hoffnungsfroher stimmt als alle anderen, die auf mangelnden Karriereaussichten und Verdienstmöglichkeiten beruhen. In der deutschen Jugend wächst, wenn auch erst langsam und in der geistigen Zielsetzung noch sehr unklar, der innere Widerstand gegen die ihr im Dritten Reich gegebene Aufgabe: nur Diener und Büttel zu sein— ohne Raum für die Stählung einer freien Gesinnung»- und Willena- entscheidung, die zum ewigen Anrecht junger Menschen gehört. Gerade den deutschen Juristen ist nichts mehr geblieben als der Befehlsempfang der parteipolitischen Exekutive, vor welchem Universität und Studium der Gesetze zur Farce geworden sind. An der Hklerhis gestorben Das Ende der Münchner»Jugend« Nach langem qualvollen, aber mit Geduld ertragenem Leiden verschied dieser Tage in München die»Jugend«, die einmal Hoffnung und Sammelplatz eines Deutschland war, dem es um andere und wesentlichere Werte, als es die des»offiziellen« Deutschland sind, ging. Der Verlag der Zeitschrift, die Hlrth A. G. in München, hat nun endlich Konkurs angemeldet; und der war so gründlich, daß von den 800.000 Mark ursprünglichem Anlagekapital' nur noch 50.000 auf dem Papier stehen geblieben sind, die auch noch drauf gehen müssen, um die letzten»Hotel rechnungen« der Verblichenen zu regulieren. An der Totenbahre stehen eigentlich nichts als Schulden und Erinnerungen... Da der»Führer« keine andere Kunst in Deutschland duldet, als die vom Stile des Herrn von Werner(Marke: Kaiserproklamation in Versailles) und einiger ebenfalls schon längst verewigter Marinemaler, wäre die »Jugend« der Gestapo mit Leib und Seele verfallen gewesen, wenn sie auch nur mit einem Bruchteil ihres Gründergeistes ihrem Lebensziel und ihrem ästhetisch-moralischen Standard treu geblieben wäre. Gott sei Dank — sie hatte sich bereits»gleichgeschaltet«— längst ehe das die Handelskammer von Unna oder die Stahlhelmortsgruppe von Heringsdorf tat! Indem München aus einer Stadt der Schwabinger Geistrebellen und Sturmgesellen, der soliden alten Geistigkeit und des neuen Sturm und Dranges so sachte— dank mannigfacher historischer Umstände— zu einer Paßfälscherzentrale für Fememörder und zum Tummelplatz dunkler Of f i ziersv erschwö run- gen, zur»Stadt des Blutmarsches«, zur Residenz Hitlers und Ludendorffs wurde, hatte die »Jugend« eigentlich keinen Heimatschein mehr. Deutschland war erschreckend humorlos geworden, längst bevor das alles»vom Kaiser. hof zur Reichskanzlei« nur so abschnurrte. Und es wäre eine riesig dankbare Aufgabe kommender Psychoanalitiker, einmal künftig zu untersuchen, wie viel der deutsche Mangel an Witz— sicherlich durch unendlich konkretere und massivere andere Defizitdinge verursacht— und nicht etwa die SA Herrn Hitler schließlich»an die Macht« verhelfen hat. Die »Jugend« starb eigentlich schon, als es für sie keinen würdigen Gegenspieler und Antipoden mehr gab: als der letzte Wilhelm nur noch eine dem Weltmitleid anheimgegebene Emigrantenfigur in Holland wurde, erreichte sie schon damals eigentlich ihre geistige Altersgrenze. Und erst Hitler mit Ludendorf im Hintergrund? Das ist zu tiefst schauerlich, als daß ein Witzblatt das überstände! Hier haben die Erynnien und nicht die Musen das Wort... Für das»andere Deutschland« freilich, das einmal der»Jugend« bei ihrer ästhetischmoralischen Aufräumearbeit in Deutschland begeistert folgte durch Jahrzehnte, wie es sich durch die politischen Donnerkeile ihres ja nun auch so altersschwach und gichtbrüchig gewordenen Bruders im damaligen Geist, des > Simplizissimus«, von gleicher Stelle aus zur Gedankenstat der Rebellion beschwingen ließ, ist der Tod der» Jugend< mehr als ein üblicher Zeitungsleichenfall in Hitlerdeutschland. H. E. Die Humanität triumphiert hat: Minderheitenrechte im Nazireich Braune ,, Wissenschaft" hetzt gegen die Wenden Daß die besonders heiße und eifervolle professors Walter Steller zu lesen, beLiebe, die die Häuptlinge des Dritten Reichs titelt> Ein Beitrag zur Wendenangeblich dem Auslandsdeutschtum zuwen- frage«. Es geht da um jene ca. 120.000 erheben. Durch solche Machenschaften wird... die befriedete Geborgenheit innerhalb der deutschen Reichsgrenzen gestört.< Sobald ein Volkstum nicht das deutsche, » Von den Schürern der Wendenfrage werden Eingaben über Eingaben gemacht, die zunächst nur die Anerkennung der >> wendischen volksmäßigen< Sonderart verlangen im Hintergrund dieser Forderungen lauern jedoch die politischen Ansprüche und Folgerungen.< Aha! Nun wissen wir's. Die Wenden die Zeitvon den, etwas anderes ist, als reinste Heuchelei, Wenden, die in der Lausitz und im Spreewald wird längst kein vernünftiger Mensch mehr leben und daselbst sich ihre alte slawische das nazideutsche ist, wird es von Steller und dennoch...! annehmen dürfen. Die Deutschen in Südtirol, Volkssprache ebenso wie mancherlei eigene seinesgleichen als ein>> sogenanntes< in jene Peitschenhiebe zwei Monate Gefängnis! deren kulturelle Eigenheit vom italienischen Sitten, Bräuche und Anschauungen erhalten Gänsefüßchen gesetzt, die wir respektlos geDie>> Frankfurter Zeitung<( Nr. 407) hält Faschismus mit Füßen getreten wird, sie haben. Daß diese Menschen dem deutschen nug lieber der» befriedeten Geborgenheit<< im folgende Meldung für so wichtig, daß sie da- sind dem mit Mussolini verbündeten Führer Nazismus völlig fremd gegenüberstehen, ist Dritten Reich vorbehalten wollen. für ihrem Korrespondenten sogar die Tele- so gleichgültig wie nur möglich. Und von den wohl kein Wunder, da die> Lehre< Hitlers ja grammspesen Hannover- Frankfurt bewilligt Deutschen in Polen darf erst wieder gespro- immer wieder die Höherwertigkeit der>> Gerchen werden, seit die Beziehungen zu War- manen« gegenüber allen anderen Rassen und trotz aller Wer>> Das Schöffengericht Hannover verurteil- schau eine nicht unmerkliche Abkühlung er- Völkern behauptet und te einen 36jährigen Mann, der in sinnloser fahren haben... bung um Polen ihren ursprünglichen Wut auf ein Pferd eingeschlagen hatte, das Zum berufenen Hüter der Minderheiten- Antislawismus schwerlich verleugnen kann. einen schwer beladenen Wagen ziehen sollte, wegen Vergehens gegen das Tierschutzgerechte wirft das braune Regime sich jedoch Irgend welche antihitlerische Aktivität wird setz zu zwei Monaten Gefängnis<<. gern gegenüber jenen demokratischen Län- von den Wenden jedoch kaum bezeigt, und machen also Eingaben und wünschen Anerauch erst recht keine Illoyalität gegen das Reich kennung ihrer volksmäßigen Sonderart. Das Wohltuend klingt so etwas doch ans Ohr dern auf, die allen ihren Bürgern es sei denn, daß man ihre Liebe zur eige- ist natürlich jedenfalls hundertmal Separatismus! Landesverrat! der aufhorchenden Welt. Die» sinnlose Wut« den Minderheiten zu Kulturwürde nen Sprache und ihrer traditionell ge-» Feindvölkische Werbung« nennt des bestialischen Täters hat sicherlich noch mehr an Recht, Freiheit und Und den geknechteten» Volks- wachsenen Sonderart als» illoyal< bezeichnen schrift für Volkskunde es sogar! strafmildernd gewirkt; denn was müßte erst zugestehen, als wollte. Für Herrn Prof. Steller freilich dem Verlangen der Wenden nach Aufrechtmit einem Peitschenheld geschehen, der nicht genossen« im Reich zuteil wird. Wie aber so muß man immer wieder scheint die bloße Existenz dieser slawischen erhaltung ihres eigensprachlichen Schulunterin einem Anfall blind machenden Zornes, sondern etwa mit bedachter, überlegter, ausge- fragen wie aber verhalten sich eigentlich Volksgruppe schon an und für sich reinster richts will sie natürlich nicht das mindeste klügelter, methodischer und raffinierter Grau- die Nazis zu den im Dritten Reich lebenden Landesverrat zu sein: >> Die Wendei ist heute ein Kampffeld Ja so ist das! Wenn Göbbels außerhalb samkeit vorginge? Gegen ein Pferd näm- nationalen Minderheiten? Sehen wir einmal der Politik geworden... Der Wende pflegt der Reichsgrenzen Propaganda- und Spiolich! Bei Menschen ist das freilich ganz von den Juden ab, die gern von> seinem Volkstum zu sprechen nagezentralen anlegt, wenn Auslandsdeutsche im Dritten Reich etwas weitaus ihnen alle Zugehörigkeit und dies dem deutschen gegenüberzuanderes!!! Wer auf die letztere, nicht auf aberkannt hat ja doch auch als nationale stellen... Das Ziel ist, die Wendei auf der systematisch in den Dienst braunimperialiangeblich Grundlage ihres die erstere, nämlich» sinnlose<< Weise einen Minorität gelten müßten, die jedoch nicht gesonderten stischer Interessen gezogen werden, Volkstums aus dem Reich zu lösen...< jeder Versuch zu Schutz genießen, von friedlicher Lösung » marxistischen Untermenschen« im Konzen- einmal soviel Recht und Der Mann, der dies schreibt, befindet sich Minoritätsfragen durch Hitleragenten zieltrationslsager mit der Peitsche bedenkt, hat wie das deutsche Tierschutzgesetz den Hundes> Führers<< vollstes und uneingeschränktes den und Katzen gibt. Hitlers Busenfreund nicht etwa in Behandlung eines Nervenarztes, bewußt hintertrieben, zumindest erschwert sondern auf einem deutschen Universitäts- wird_ dann haben die betroffenen LänVertrauen. Er kommt nicht ins Gefängnis, Streicher lehrstuhl. Wie? Die Wenden wagen es, sondern stolziert auf der Straße mit blank rottung... von der das ganz in Ordnung zu finden. Sind sie ihrem Volkstum zu sprechen? Folglich: pla- dazu etwa nicht bereit, dann legt die Göbgeputztem Ehrendolch. Humanität auch in Hitlerdeutschland in Ehren nur bis übers nen sie Landesverrat, Sprengung des Reichs, belspresse los und posaunt Leitartikel in die eigenstaatlichen» Wendei« Kräfte, die mit im Reich Wünsche äußert, deren Erfüllung Prag in Verbindung stehen< Betriebsärzte« nämlich überhaupt nicht gegeben sind. > Das Hauptamt für Volksgesundheit der Aber eine Minorität hat auch noch andere hat einheitliche NSDAP Vertragsformulare Rechte. Das Recht auf eigene Sprache, eigezur Anstellung von Betriebsärzten durch die nen Unterricht, eigene Kulturformen. Wer Betriebe herausgegeben. Es wird zwischen dem wissen will, wie der Nationalsozialismus über sehen, daß sie in Wirklichkeit hauptamtlichen und dem nebenamtlichen Ein- diese Dinge denkt, sobald es sich um satz unterschieden. Bei dem hauptamtlichen innerdeutsche Praxis handelt, dem kann die Einsatz untersteht der Betriebs- im Dritten Reich erscheinende>> Zeitarzt in den Fragen der Leistungs- schrift für Volkskunde<( Neue möglichkeit des Werkes seinem Folge, Band 7, Heft 1-2, 1937) hinreichend Betriebsführer, in allen Fragen der Aufschluß geben. Es ist da nämlich ein Gesundheitsführung dem Hauptamt für Volks- höchst bemerkenswerter Aufsatz des Nazigesundheit<<. die Verruchtheit wollen die Wenden nicht eingar keine Slawen sind, sondern Germanen, die einstmals slawisiert wurden und die nun von Steller und seinen Pgs. mit Gewalt zu einem > artgemäßen Teil deutscher Volkskultur« zurückgenordet werden sollen. hören. wenn sich in allen nichtfaschistischen Ländern von SO Mithin: falls der Nationalsozialismus in Fragen der Minoritätsrechte überhaupt etwas wie eine Ueberzeugung hat, dann hat er zumindest deren zwei! Eine, die dem Ausland rethorisch aufgetischt wird und eine andere, die er praktisch zur Anwendung bringt, daheim in der wie nennt Steller es >> Durch die Betonung der Sonderart des in der> befriedeten Geborgenheit<< sogenannten> wendischen< Volkstums sucht man separatistische Ansprüche zu des braunen Zuchthausstaates. So zu lesen in der ärztlichen Fachpresse Namen. Denn was eigentlich ein Betriebsarzt| nen Falle angewiesen ist, mag der verstehen, Deutschlands dieser Tage, beispielweise in der soll, der die wesentlichen Fragen seiner Beru- den auch sonst als der Zweck ihrer Uebung >> Deutschen Medizin. Wochenschrift«. Mit der fung durchaus nicht etwa aus seinem ärztli- die Deutsche Arbeitsfront mit Redensarten Einrichtung der> Betriebsärzte« durch die chem wissenschaftlichen Gewissen entschei- besoffen macht! Leyschen Arbeitsfront ist eine ungeheure Re- den darf, sondern immer entweder beim Unterklame für den angeblich sozialistischen Geist nehmer selbst, der ihn als seinen kleinen An- Das» Erziehungs"- Produkt! der braunen>> Volksgemeinschaft« verbunden gestellten mit allen Rechtsfolgerungen daraus gewesen. Aber wie man sieht, besteht auch betrachten darf, oder bei der staatlich- parteihier die ganze soziale Errungenschaft aus mäßigen bürokratischen Stelle anfragen muß nicht viel mehr als aus einem irreführendem und auf deren> Bewilligung in jedem einzelWofür? Ein» Waffennarr« bietet sich an. Folgende Inserat lesen wir in einer reichsdeutschen Fachschrift: doch? K. wünscht an einer Expedition als Waffenund Pferdepfleger teilzunehmen. Ich bin 22 Jahre alt, 1.76 Meter groß, kräftig gebaut, Strapazen gewöhnt und Waffennarr... Zuschr. unter Nr. 3506 an>> Wild und Hund«, Berlin SW 11.< Ohne Zweifel werden Waffennarren bei diesen von den Diktatoren verdienstvoller Weise hervorgerufenen Zuständen allenthalten dringlichst gebraucht. Der verrückte junge Mann >> Soldat, Ende d. J. zwei Jahre gedient, hat Chancen... | Warum? Der wackere Judas Umbrüche, deren Bild uns von einer jüdisch- alles weg, was um Jesus herum stand! Warum Wieso? Ein alter Kämpfer medkert vor sich hin Seit nunmehr viereinhalb Jahren siegen wir stürmisch draufzu. Seit nunmehr viereinhalb Jahren hat unsereins Blasen im Schuh. Jungens, was sind wir schon rumgeflitzt! Jungens, was haben wir Wasser geschwitzt! Haben gebrüllt und gejubelt wie dumm. Wenn ich bloß wüßte warum? Seit nunmehr viereinhalb Jahren sind unsere Führer am Ziel, und was sie im Horch das laufen wir Andern zuviel. Jungens, wann hört nur das Siegen auf? Jungens, wir zahlen ja immerzu drauf! Steuern und Abstammungsnachweisgebühr Beiträge, Spenden wofür? Heute wirft man ihm die lumpigen dreiBig Silberlinge sowohl vor wie nach. Bei Woliberalistischen Geschichtsschreibung entstellt scheute Judas davor zurück? Wer die Bestialität liebt, wird die Sym- und falsch ausgerichtet überliefert wurde. Was Mit dieser Frage stoßen wir direkt auf pathie für die Bestie nicht los, und wer den werfen ihm diese feilen plattfüßigen Gerüchte- seine Erbmasse. Professor Günther ist zu dem Verrat braucht, darf den Verräter nicht macher vor? Er soll den angeblichen Sohn Schluß gelangt, daß Judas väterlicherseits von schmähen lassen. Judas Ischarioth aber Gottes bespitzelt und letzten Endes der römi- einem germanischen Legionär abstammte; bleiben wir vorerst bei Nero. Wir brachten schen Gestapo ausgeliefert haben. Was jedoch nur so ist sein entschiedenes Frontmachen geim April eine Ehrenrettung Neros und stell- heißt im Jargon der Rassenfremden Verrat, gen den artfremden Staatsfeind zu erklären. ten dem Leser vor, wie der braune Historiker was Spitzelei? Gehen wir den Motiven nach Daß er nicht ganze Reinigung machte, wäre schreiben müßte, um den unangenehmen Ver- und richten wir das Bild unserer Rassenfor- durch das Blut seiner Mutter, jener jüdischen gleich aus der Welt zu schaffen. Manche Leser schung gemäß aus, so stoßen wir auf eine Circe, die den germanischen Vater schnöden hielten den Schrieb für eine Satire. Wir auch. Sinnesart, die im angeblichen Gottessohn einen Soldes halber becircte, zu erklären. Dieses Aber das war beiderseits ein Irrtum, denn zur jüdischen Schädling sehen mußte, welcher muß der Mischling wohl erkannt haben, sein selben Zeit erschien im Dritten Reich eine Volks- und Hochverrat beging und auch den germanisches Blut bäumte sich gegen das zuviel fahren, Biographie von Artur Weigall, worin der Blut- jungen, unerfahrenen Judas dazu anzustiften feile jüdische auf und darum endete er im hund einer Mohrenwäsche unterzogen und er- suchte. Mehr, Jesus mußte dieser, wie wir Selbstmord, so noch im Tode den reinblütigen klärt wird:>> Da die hervorragendsten Biogra- bald sehen werden, germanischen Sinnesart Vater an der wollüstigen Rebekka rächend. phen seines Lebens dem Patriziertum ange- als Staatsfeind erscheinen, der die alte ehrhörten, wurde späteren Generationen ein außer- liche heidnische Götterwelt zerstörte und das ordentlich ungünstiges Charakterbild von Volk mit artfremden Ideen verseuchte und ihm überliefert...< Denn Nero habe sich öf- entvolkte. Diese Sinnesart Ischarioths ahnte tan, die Auslieferung war eine Messe wert, und er hätte richtiger getan, das Fünfzigfache fentlich als Künstler betätigt und damit die damals schon, was die labbrige Religion der zu fordern, um eine SA gegen die volksvergifTradition der römischen Konservativen» in den sogenannten Menschenliebe für die Germanen tende staatsfeindliche Lehre zu gründen. Die Kot getreten...< In Wahrheit jedoch sei Nero bedeuten und wie sie damit zu kauen haben kein übler Mann gewesen. Gelder der römischen Patrizier, Kapitalisten würden, bis die Rettung durchs Hakenkreuz und Latifundienbesitzer wären ihm erfahanderen großen kommen würde. rungsgemäß nur so zugeflossen. Denn und Lumpen und Amoralitikern der Weltgeschich- Deutsch sein heißt aufrichtig sein, wenn damit kommen wir zum springenden Punkte te? Wie lange noch will man sich den Judas es auch schwer fällt, weshalb auch Judassens die christliche Lehre war marxistisch- komvorwerfen lassen? Wir aber sagen euch, der Fehler nicht verschwiegen werden sollen. munistisch. braune Schmierant sitzt schon drüber und die Schlimm, daß er sich nicht zur kompletten Hemden hast, so gib eins dem, der keins hat. Sie predigte: Wenn du zwei Ehrenrettung des elendsten aller Verräter Kameradenfeme aufraffen und sich nicht über- Oder: Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr, wird nicht länger auf sich warten lassen. Nach- winden konnte, mit dem Hauptschädling sämt- als ein Reicher ins Himmelreich... So wurde stehend ahmen wir sie vor, gekürzt, auf Ro- liche Jünger auszurotten, welche die unvöl- der Klassenkampf gepredigt und die auf senbergs Mythus gestützt und lediglich im kischen, labbrigen Lehren in die Emigration althergebrachter Sklaverei beruhende harmoStil nicht völlig braunfarben. verschleppten, wodurch sie an die Germanen nische Volksgemeinschaft zerrissen, woran ja gerieten, die damals noch ein durchaus artei- die Römer auch prompt zugrunde gegangen herum. Wie Nero, so gehört auch Judas Ischa- genes religiöses Brauchtum bekulteten. Nur sind. Hugin. rth zu jenen Männern großer völkischer ein dreißigster Juni hätte sie retten können: Seit nunmehr viereinhalb Jahren heißt's:» Brütet viel Kinderchen aus!<< Sechs hab ich. Mög Gott sie bewahren, ich selber bin selten zu Haus. Der Höchststand der Rüstung ist bald erreicht. Wofür den Kinderchen? Dafür vielleicht? Ley sagt, wir wären nun heiter und froh. Wenn ich bloß wüßte wieso? Seit nunmehr viereinhalb Jahren siegt ER darauf los, daß es kracht. Und wo keine Feinde mehr waren, da hat er sich welche gemacht. Jungens, ich finde: genug gesiegt! Statt daß man endlich den Siegerpreis kriegt, schießt man und rennt man und brüllt man Wieso? Wofür? Warum? Und was wird mit den * * „ Umvolkung" ,, Hier schlief der Führer! 66 Weimar bekommt ein Hitlerdenkmal Luxushotel als Weihestätte In Weimar folgte der Deutsche einst ehrIm Rahmen des Tausendjahrplans ist eine Ersatzgelehrsamkeit geschaffen worden. Woraus? Aus Holz? Nein, aus der Sprache. Diese deutschen Professoren haben bei den Höchsten der Nation gelernt, daß die Häufung von Synonymen und der Gebrauch einer paraboli- fürchtig den Spuren, die Goethes Erdengang dort hinterlassen. Hatte geschäftige Fremdenwerbung den Genius zum Plakat nutzend diese Spuren auch oft verwischt und profaniert, sie blieben dennoch sichtbar und gaben Zeugnis von deutschem Geist. Dieser Geist-, er wird heute allen, die ihn nicht freiwillig aufgegeben haben, mit Streichers Reitpeitsche ausgetrieben. Und Weimar ist ernstlich daran, von den Barbaren zur Hitlerstadt ernannt zu werden. schen Redeweise interessant machen. Wenn man das noch mit schlechten Verdeutschungen wohlbekannter Fremdworte und unmöglichen syntaktischen Kunststücken mischt, dann trägt man den Marschallstab der Weisheit in der Aktentasche und kann einen Artikel in die Sonntagsausgabe der Münchner Neuesten Nachrichten<< setzen wie der Dozent Dr. H. J. Beyer: gung des Gaues und an den Führer den-| zahlungsfähiger Gast es riskieren, etwa einem ken, so steht uns die Tradition des Haken- anderen Nachtquartier den staatsfeindlichen kreuzes höher, die mit dem Namen dieses Vorzug zu geben. Das ist den Hotelwirten zu Hauses verknüpft ist. Hier wurde SO manche bedeutsame Entscheidung gefällt, Weimar schon jetzt hinreichend klar und sie hier tagte der Führer so oft mit seinen sind zweifellos riesig erbaut davon, den GauGetreuen, hier ruhte er so manchesmal aus leiter und Elefanten- Schirmherrn Sauckel nach Stunden schwerster Arbeit und Entzum vorgesetzten Konkurrenten zu haben... schlüsse. Die Bewegung hat daher nicht nur das Recht, sondern Diejenigen aber, die sich's nicht leisten auch die Verpflichtung, dieses können, an heiliger Stätte zu übernachten, Haus und den Platz, auf dem es sie werden wenigstens den letzten Groschen steht, für sich in Anspruch zu opfern müssen, um gegen mäßiges Entree die nehmen...< .. und das Ganze als Weihestätte, als Weihe-> Räume des Führers« zu begucken, die man Im kommenden Frühjahr soll daselbst so gaststätte zu betreiben! Es scheint danach im» Elefanten zur Schau und unter Denketwas wie ein Denkmal des Führers einge- fast so, als habe der Besitzer Haus und malschutz stellen wird. Ganze Scharen deutweiht werden. Dem Zug einer Bewegung folGrundstück nicht ganz freiwillig die scher Arbeiter werden vom Ley an gend, die es seit je verstand, das Dekorative Braunen herausrücken wollen und als hätten Wallfahrtsort getrieben werden, auf daß sie mit dem Eigennützlichen sinnreich zu verdiese erst mit dem Ehrendolch rasseln und begreifen, daß Weimar neben dem Goethebinden, wird das Führerdenkmal zu Weimar auf ihre wohlerworbenen Rechte, nein Pflich- haus und der Fürstengruft auch Dinge zu nicht die Form einer Marmorstatue, sondern ten, pochen müssen. Was sicher dazu angetan zeigen hat, die wirklich des Sehenswert Luxushotels annehmen, das sind! war, den Kaufpreis erheblich zu senken... von der Nazipartei selbst geschäftstüchtig Was aber schließlich bei alledem die Fest steht: die Nazihäuptlinge haben sich betrieben werden soll. Ein Hotel als Denk- nunmehr zu Herren, zu>> Schirmherren« des Hauptsache ist:. mal, als Nationalheiligtum! Man muß zugeben, den Nazis fällt doch immer mal wieder etwas Neues und Profitables ein!... die eines >> Wissen wir etwas von der Umvolkung?< Wir können verraten, daß Herr Professor auch nichts davon weiß. Es gab zu seiner Zeit noch Kollegs, in denen er von der Völkerwanderung bis zur russischen Revolution alles wirklich Wissenswerte über das, wovon er sprechen möchte, hätte lernen können. Aber freilich, mit einem Kolleg und einem Wissensgebiet wäre es nicht getan gewesen. Soziologie, Geschichte, er hätte sich gründlich vorbilden können und sollen. Hätte er es getan, würde er nicht erzählen, daß es schon 1830 in Ungarn eine von Juden redigierte deutsche Presse gegeben hätte, und daß die Bevölkerung Budapest heute zu 2/4 aus Deutschen und Slawen, zu einem weiteren Viertel aus Juden und nur zum letzten Viertel aus Magyaren besteht. Beyer wirft mit Begriffen nach dem Publikum wie:» Grundvorgänge des Volkstumskampfes<, >> Volkskörper des Kernraums<, deutschen > Spannungsverhältnis zwischen Leistungsmöglichkeit und Leistungsraum«. Bei ihm werden » Berührungsgewöhnliche Grenzgebiete zu zonen der Völker<<. Und das gute deutsche Vor- Hitler>> weilte<< also öfters in Weimar. bild finden wir als» Richtbild<< wieder. Das möchte man ihm alles noch verzeihen, wenn er wenigstens deutsche Sätze schreiben könnte. Aber, wie er sein Volk belehrt, das sieht etwa so aus: > So scheidet heute die Laufbahn des Eeamten oder des Offiziers in den meisten Staaten für Deutsche aus, das heißt die für diese, unserem Volke sehr liegenden Berufe vorhandenen Leistungskapazitäten müssen umgeleitet werden.<< Was> Umvolkung« ist, wer kann es wissen. Wenn es aber das sein sollte, was Beyer sagt: > Zumeist handelt es sich bei der Umvolkung jedoch darum, daß das fremde Volk seine eigene rassische Qualität verbessern will und die Begabten an sich zieht«, dann, ja dann hat der Dozent Beyer eigentlich keine Aussicht, von fremden Völkern an sich gezogen werden, es sei denn, daß er sich, wie die Lanzer sagten, schon vorher gründlich umvolken läßt. » Die Erfassung des bäuerlichen Menschen" Der Reichsrundfunkintendant Pg. Glasmeier hat Ostpreußen besucht und bei dieser Gelegenheit dem Schriftleiter der» Preußischen Zeitung ein Interview gewährt. In Nr. 219 dieses Blattes liest man darüber: und >> Natürlich sei ihm bekannt, sagte Dr. Weimar von Hitlers diversen Logierbesuchen ausgiebig geheiligten» Elefanten« gemacht und sie sind bereits dabei, das Haus niederzudenen veran diesen » Der Führer gab freudig seine Zustimmung zu dem Neubauplan!<< Dieser Große ist bekanntlich ein schlichin Die Sache ist nämlich die: In der legen- reißen und auf geweihtem Boden einen neuen tes einfaches Gemüt. Ehrungen sind ihm zuLuxuspalast auf Kosten des deutschen Vol- wider. Er pflegt vor ihnen in die Berge zu kes zu errichten>> wie die Pflicht es be- entfliehen, wo er als bayrischer Sepp( mit fahl!< Mit andern Worten, des kugelsicherem Panzerhemd) verkleidet, blondlockigen Kindern treu und schlicht » Völkischen Beobachters<<: dabei von die Blauaugen schaut und der Plan >> Gauleiter Sauckel hat den kündet, in Weimar ein neues, großartiges Kamera neckisch überrascht wird. Es wäre und vorbildliches Hotel zu schaffen... doch leicht möglich gewesen, daß dieser Unter der Schirmherrschaft des Gauleiters Ueberbescheidene dem Sauckel einen Strich wird hier ein Werk entstehen, auf das Weimar und der Gau Thüringen stolz sein durch die Hotelrechnung gemacht hätte. Er tat es nicht. Er gab freudig seine ZustimDie Zimmerpreise werden dem angepaẞt mung und hat die Baupläne bereits sachverdenumwobenen Frühzeit des Nazismus war nicht Nürnberg die Stadt, in der die braunen Landsknechte sich am Parteitag ihrem Führer zur Schau stellten. Aus diesem und andern Anlässen hielt Adolf Hitler sich mehrfach in Weimar auf. Oder vielmehr: er tat das nicht. Der Führer hält sich nämlich niemals auf, sondern er> weilt<<. Und pflegte bei der Gelegenheit im Hotel Elefant zu wohnen. Das aber ist eine Geschichte, die der Völkische Beobachter< viel besser und sein. Denn wer sich's nicht extra was kosten ständig beäugt und gutgeheißen... als wir. Der lassen wollte, gleichsam mit dem Geist des Im nächsten März wird der abgerissene angemessener erzählen kann macht das nämlich so: Führers unter einem Dach zu wohnen, der Elefant« neu als Hitlerehrenmal.dastehen » Der Führer wohnt in Weimar regel- paßt nicht in unsere große Zeit, sondern und die Einweihungsfeiern mit Fahnen mäßig im Hotel Elefant, einem Haus, das allenfalls ins Konzentrationslager. Solange Reden werden die neudeutsche Tollhausauf eine Tradition von über 400 Jahren zu der reich bemessene Raumvorrat im künfti- chronik um rückblickt. Wenn wir hier von Tradition werden!<< und ein weiteres leuchtendes Ruhsprechen, und dabei einmal an die Bewe- gen» Elefanten« reicht, wird natürlich kein mesblatt bereichern. Glasmeier, daß manche Hörer unzufrieden in dieser Richtung. Freilich wird eine Bemit dem Programm seien; gewiß könne hebung der unsicheren Wetterlage gerade in man es auch nicht allen Menschen recht Zumal die Programmgestaltung in Zukunft noch mehr auf die Erfassung des bäuerlichen Menschen, der Landeinwohner abgestellt sein werde, um sie an dem gesamten Kulturleben der Nation teilnehmen zu lassen.<< stellen. K. K. meinden überführt werden, sind zu unterlassen.<< Nur wer» wirklich nicht mehr unmachen. Was aber vom Hörer verlangt jener Gegend schwierig sein. Die Darréschen der terzubringen ist«<, soll aus der Listen werden müsse, sei mehr Selbsterziehung! Zwangsmaßnahmen sprechen lauter als > Weniger Rundfunk hören, aber lauteste Lautsprecher und man kann den der Reichsanstalt gestrichen, das heißt aus mit mehr Verstand!<.... Rundfunk auf dem Lande viel unbemerkter den Reihen der künftigen Heimsoldaten ab- oder auf einen ausländischen Sender um- ausgeschieden werden. Wer sich als>> wirklich arbeitsunfähig« betrachten darf, das läßt der Präsident in seinem Erlaß nur ahnen, Immerhin wird als Beispiel angeführt,» d a ß die Ueberschreitung des 65. Lebensjahres sowie Erblindung allein noch nicht ohne weiteres den Tatbestand der Arbeitsunfähigkeit erfüllen<<. Da alle Arbeit im Dritten Reich Zwangsarbeit ist, kann man sich vorstellen, was im Ernstfall einem blinden und vielleicht noch einarmigen Greis bevorstünde. Indes soll der Tod zunächst noch als ausreichende Entschuldigung gelten. auf der Und wer>> mit Verstand hört«, der weiß, was das zu bedeuten hat. Der deutsche Rundfunk zeigt wie ein Laubfrosch das Wetter an. Wenn er z. B. ganz unten sitzt Sprosse> Arbeiter und Gefolgschaftsmitgliedann herrscht in dieser Zone besonder< derer Tiefdruck. Augenblicklich gewittert es in beunruhigender Weise bei den Bauern und schon quakt der glatthäutige Prophet er B. Br. Ueber eine halbe Million Oder: Die entrüsteten Massen Judas wollte die liberalistisch- marxistische Regungen spürt, Fassen wir zusammen: Welt von einer bolschewistischen Lehre be- der soll durch arteigne Reinigung und innere freien. Er scheiterte an seiner durch die Ras- Neuausrichtung anstreben, daß er meckernde Seele Freunde der Gestapo ausliefert. Wenn Judas senschande seines Vaters zerrissenen den römischen Schmach germanisch- auch die Staat nicht retten trachtete, kann nichtsdestotrotz dem heroisch durch Selbstvernichtung und Freitod konnte, so auszulöschen, was ihm damit teilweise glückte. Dritten Reiche unschätzbare Dienste leisten. Jedoch er hätte bei anderen Voraussetzungen Darum Judasse vor! mütterlicherseits- und er ist damit ein antiker Beweis, wie Rassenschande den Nachkommen zum Verhängnis und Hemmnis werden muß Führer werden können, hätte das römische Parlament abbrennen, sich zum Diktator des römischen Staats aufschwingen und der Weltgeschichte eine völlig andere Marschrichtung und Ausrichtung geben können. Die verjudete christliche Kirche wäre uns damit erspart geblieben und die ehrlichen arteignen Götter von ehedem regierten heute noch und ihr Weistum erhellte die entartete Welt. In Rußland gäbe es keinen Bolschewismus und in Spanien schon deshalb keine brennende Klöster und Kirchen, weil es weder Bolschewismus, noch Klöster, Kirchen gäbe, mithin keinen spanischen Bürgerkrieg. Das letzte Aufgebot Im gegenwärtigen Stadium des Vorkriegs kommt es den deutschen Herrschern sehr darauf an, alle im Notfalle immerhin noch zu verwendenden Arbeitskräfte mobil zu halten. Deshalb hat der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung einen Erlaß an die Arbeitsämter herausgegeben, in dem es heißt: » Aenderungen des Personenkreises der Krisenunterstützung, durch die arbeitsfähige Personen in die Wohlfahrtspflege der Genenbeträge deutschen Volksver- 1 Was sollte er wohl sonst notieren? Nein, mögens verschleudert worden. Dieser so mehr Witz als sie haben, kann ihnen zahlreiche Besuch 20.000 Besucher! täglich mehr als und der ist ein flammen- Propagandi wirklich nicht geben! Es sollte der Protest gegen die Unkunst und Un- mal ein deutscher Untertan ein lautes Lob kultur einer chaotischen Epoche, die das der Entarteten wagen er flöge wegen BeNiedrige und Gemeine, das Häßliche Perverse als Kunst, als deutsche Kunst dem leidigung des Führers in den Kerker. Wenn deutschen Volke vorzusetzen wagte.<< man Göbbels neue Weisung an einem Tage erschlagen wollte: gründlicher als diese Blätter könnte es niemand besorgen. Aus Schilda Millionenbeträge? Gehts nicht noch dümmer? Die K. V. weiß genau, daß die Millionenbeträge nur mit den Inflationsziffern zustande kommen. Das Ausland jedoch ist bereit, für die Entarteten jetzt wirkDie Ausstellung der entarteten Kunst liche Millionenbeträge in Goldmark zu feierte am 12. August ein Jubiläum: Der zahlen. Also bitte, ein Geschäft, ein Fisch- Die biedere Stadt Tapiau in Ostpreußen fünfhunderttausendste Besucher gezählt. Die>> Münchner Neuesten zug winkt, warum so spröde? Zeigt dem ent- führt seit Urväter Tagen eine goldene rüsteten Volk, wie entartet das Ausland ist. Sonne im Wappen und einen> aus WolNachrichten« schreiben: ken hervorbrechenden Schwertarm«, wie die Chronik es nennt. Eines wurde >> Täglich wiederholt sich dasselbe Schauspiel, daß Hunderte schon in der Frühe vor Eröffnung der Ausstellung auf Einlaß warten. Den ganzen Tag über herrscht in den Räumen der Ausstellung Hochbetrieb. zahlreich sind jetzt in der Zeit der HauptMünchen die Fremdenverkehrssaison in ausländischen Besucher der Ausstellung.< Besonders ist die neue Denn: >> Man muß einmal durch die Ausstellung gehen und die Hunderttausende Morgens Anno 1937 schraken die nationalhören, ihre Ausrufe des Entsetzens und sozialistischen Stadtväter plötzlich auf: des Schreckens, aber auch ihre Ausrufe der» Herr, wir schämen uns, der Arm ist Verwunderung, daß das überhaupt möglich gewesen ist, daß Nichtskönner und krank- nackt. Und die Sonne ist eine Jehovahafte Phantasten in der deutschen Kunst Sonne mit hebräischen Zeichen!< Das entführend waren...< artete Wappen wurde in Schutzhaft genomSo steht Judas vor uns als einer der ersten Jawohl, ganze Sprechchöre treten auf. Die men, und als die Tapiauer es wieder in EmpVorkämpfer gegen den Bolschewismus, in Warum dieser Andrang? Weil die Massen» M. N. N.<< haben denselben Eindruck, alle fang nehmen durften, hatte es sich recht sehr dessen Seele bestes Germanentum gegen jügegen Chorinth, haben sie plötzlich an einunddemselben Tage verändert. Die Sonne war ihrer» judenprotestieren wollen dische Tücke siegreich mit tödlichem Ausgang Liebermann, Feininger. Das ganz unabhängig von einander dasselbe Ge- christlichen Inschrift<< beraubt, und der Arm kämpfte. Ein gewisses Untermenschentum Parole, mit der Göbbels dem Führer über die fühl. Die> M. N. N.<< versichern eindringlich: der Arm war nicht mehr nackt, sondern hat sein kämpferisches Bild mit krummnäsiger Weltblamage hinweg zu helfen trachgeharnischt.> Zur Erinnerung an die >> Wer etwa daran Zweifel List gefälscht, und es wird darum hohe Zeit, tet; man konnte die neue Parole schlagartig erstandene Wehrfreiheit<<. Seitdem hegt, wie ablehnend sich die Massen von daß wir es reinigen, erneuern und dorthin Besuchern dieser sogenannten> Kunst« ge- streiten sich die Tapiauer, ob man das stellen, wohin es seit dem 5. März gehört: in an einem Tage in allen diesen Blättern lesen. genüber verhalten, der möge sich einmal Ahnenerbe das Pantheon des Hakenkreuzes. Wer von uns nach dem Schicksalsspruch der Nornen kein Siegfried sein kann, der sollte mindestens ein Judas sein. Wer in sich staatsfeindliche Zitieren wie die» Köln. Volkszeitung« vom 13. August: wieder nun eigentlich heilig halten sei es herumdie Mühe nehmen, einige Zeit in der Aus- solle oder nicht und ob man daran stellung zu verweilen und sich die Urteile, für die dort laut und offen werden, zu notieren.<< > Für diese infantilen Machwerke. ekeldiese gespensterhaften Fratzen und erregenden Darstellungen sind Millioausgesprochen Wappen oder Stammbaum radieren dürfe. mal Nächstens: der gelbe Fleck 9 Schaumwein- Gemeinschaft Von 2.50 bis 3 Mark aufwärts Zweifelsohne, in Deutschland marschiert ge-guZwei deutsche Amtsgerichte haben wieder- eine Handhabe biete, die Anbringung des nossen mit den Juden sympathisieren( In- der Sozialismus, jetzt ist er schon beim nicht funktioniert. Das deutsche gelben Flecks> im Interesse der Ju- landsdeutsch) werden die jüdischen Geschäfte Schaumwein angekommen. Das» Schwarze Volksempfinden< in Gestalt der den selbst zu verfügen. Wenn jeder nächstens mit einer weithin sichtbaren Kenn- Korps« hetzt eine ganze Seite Reklame Streicherpresse verlangt gegenwärtig eine im jüdischen Geschäft gekaufte, inzwi- zeichnung versehen werden. Deutsch sein daran. Auf Bildern sieht man einfach stürmisch nach einer Kennzeichnung schen völlig zerbeulte Käsereibe mit der Aus- heißt grad sein. kleidete, niedliche Frauen aus dem Volke, der jüdischen Geschäfte, nach dem rede zurückbringen darf, er habe den Namen die ihren Schaumwein in der Markttasche gelben Fleck. Die schämigen deutschen Hirschsohn für arisch gehalten dann kön- Komm den Fremden nach Hause tragen. Text dazu:» Was Gesetzgeber lassen sich zu Maßnahmen sol- nen die Juden gleich ihren Laden zumachen. zart entgegen! ter Schaumwein ist so billig? Da kann cher Art gern ein wenig nötigen, sie ver- Also lieber gelber Fleck! Die» Deutsche Ju- Der Reichsinnenminister betont in einem Er- sich ja wirklich jedermann eine Flasche weisen das Ausland gern auf das Rad der stiz< erteilt den beiden unbotmäßigen Amts- laß, daß der deutsche Beamte zur Höflich- leisten!<< Bei Wotan, jedermann. Man kann Geschichte, das ihrem Beschluß ohnehin vor- richtern eine gehörige Rüge. Natürlich keit verpflichtet sei. Mit dem Amt ja die Flasche» schon von 2.50. bezw. 3 Mark ausgerollt sei. Wir erinnern an die Standes- sei der Kauf beim Juden anfechtbar. Kam- eines» Fürsorgers und Beraters< sei» jede unan in jedem Laden kaufen...< Wer kann da beamten, die einige Zeit vor Erlaß der Nürn- mergerichtsrat Friedrich vom Reichsjustiz- sachliche Sprache und Schroffheit und jede noch widerstehen? Was soll der einfache Unhöflichkeit im schriftlichen und mündlichen Volksgenosse mit dem Lohn anfangen, den > Wenn unsere Gesetze den Juden ge- Verkehr mit den Volksgenossen unvereinbar«. ihm die Steuer, die DAF, die Winterhilfe, so sei das geschehen, weil es galt, ein Merkwürdig! Ein kleinerer Teil des Volkes muß die Luftschutzspende, die SA- Sammelei etc. übrig lassen? Billige Butter, billiges Fleisch Erbe der Vergangenheit so rei- doch brüllen und ein größerer zittern, wenn bungslos wie möglich zu liqui- das heilige Reich zusammenhalten soll? Nun, gibts nicht mehr, also tröstet euch mit berger Gesetze jede Registrierung von Mischehen verweigerten. Die beiden Amtsrichter hätten also wissen müssen, was man von ihnen erwartete. Sie sollten darüber entscheiden, ob ein Kauf im jüdischen Geschäft anfechtungsfähig sei, wenn der Käufer sich über die Rassezugehörigkeit des Verkäufers nicht im klaren war. Beide Richter verneinten die Anfechtungsfähigkeit,» da es sich um kleine Geschäfte des täglichen Lebens gehandelt habe und zum anderen die Käufer bei einigermaßen umsichtigem Verhalten sich die Unannehmlichkeiten selbst ersparen konnministerium schreibt: statten, in Deutschland Handel zu treiben, der alles aufklärt: dieren. Damit habe man dem Juden es findet sich in dem zitierten Erlaß ein Satz, aber keineswegs eine unbeschränkte Freiheit eingeräumt, vielmehr sei zu berücksichtigen, daß wir das deutsche Volk für alle Zeiten davor bewahren wollen, sich noch einmal so unter jüdischen Einfluß zu begeben, wie es in der Vergangenheit der Fall war.< ländern » Ein solches Verhalten wäre geeignet, das Vertrauen zum nationalsozialistischen Staat zu erschüttern und könnte, werde es Ausgegenüber geübt, bei ihnen vom Dritten Reich falsche Vorstellungen erwecken und damit Vor dem Ausland heißt es:» Die Juden dem deutschen Volke schaden.<< dürfen in Deutschland ungestört Handel trei- Die Beschwerden haben sich nämlich geben.« Im Inland heißt es:» Liquidieren!« häuft. Wenn man freilich jeden Ausländer Mit dieser Entscheidung haben sich Man ist an freie Uebersetzungen solcher Art zwingen könnte, ein Nummernschild mit der zwei Amtsrichter gegen die Obrigkeit aufge- bereits gewöhnt. Weil die deutsche Volks- Landesbezeichnung vor dem Bauch zu tragen, lehnt. Die Obrigkeit ist nämlich der Mei- seele vor Empörung überkocht( Auslands- dann hätte sich der ganze Erlaß mitsamt seinung, daß gerade die Anfechtungsmöglichkeit deutsch), weil zuviel artvergessene Volksge- nen volksgenössischen Floskeln erübrigt. ten.<< Erholung die Die ostpreußische Nazipresse brachte am selben Tag gen, die sich 14. August zwei Meldunbeide auf die sogenannte Volkswohlfahrt beziehen und deshalb zum Vergleich herausfordern. Die erste Meldung lautet: >> Mit dem Dampfer» Kaiser« des Seedienstes Ostpreußen trafen in Pillau mehrere verdiente Partei- und Volksgenossen ein, die im Rahmen der » Adolf Hitler- Freiplatz Spende« als Gäste des Hauptamtes der NSWohlfahrt in unserer Heimatprovinz zwei Wochen der Erholung verbringen werden. Aus den verschiedensten Gauen waren sie zusammengekommen, aus dem Norden, Süden und Westen unseres Vaterlandes. Den größten Teil ihres Urlaubes Schaumwein: > Denn es ist rechter und echter deutscher Wein, der da im Glase funkelt und perlt auf deutscher Erde gewachsen, und vielen tausenden fleißigen, deutschen Händen zu einer Vollkommenheit ganz besonderer Art empor gepflegt. Oder wer wollte etwa dem frohen Schaumwein- Trinker» Luxus« und Wohlleben vorwerfen?< Anschließend folgt ein Wettbewerb für Fotos. Es geht um das schönste, froheste und überzeugendste Liebhaberfoto, das Menschen allein oder in fröhlicher Runde beim Schaumwein zeigt...< Darum auf, deutsche Jugend! Stellt die Schaumwein- Gruppen der deutschen Volksgemeinschaft! Der neue Sozialismus marschiert unaufhaltsam! Das immer wachsame SSOrgan hat zwar schon einmal goldenes Herz in rauher Schale die Verknüpfung Wie verhält man sich? von Alkoholreklame und Patriotismus gerügt, haben. Und können sie euch nicht so ant- aber hier geht es um eigene Reklameseiten, worten, wie ihr es nach der UeberheblichHü und Hott! » Instinkt muß man haben!< schreibt das Zentralorgan des NSD- Studentenbundes>> Die Bewegung<<: nicht den keit, mit der sie ihre Zweifel vortragen, ganze Seiten! Man darf edle Prinzipien zu erwarten habt, dann schlagt sie verkünden, aber man soll sie aufs Maul und nennt de verantwor- treiben, sonst kommt man in tungslose Schwätzer. Das ist das mindeste, Ruf der Unbestechlichkeit was sie verdient haben.<< im Inseratenteil, das Nachsehen. > Es ist wirklich nicht notwendig, daß jede Maßnahme der Regierung mit einem ellenlangen Kommentar versehen wird. Die Regierung handelt. Es ist nun Also nicht zweifeln, sondern alles schön jedes einzelnen Pflicht als politisch den- finden? Aber wer sich dazu entschließt, wird und das muß jeder kender Mensch Deutsche heute sein sich in dieses Han- vom» Allgemeinen Wegweiser<( den gibt es deln zu vertiefen, und sich die Mühe zu noch) als> Mensch ohne Mute gebrandmarkt: Volkswirtschaft geben, es auch zu begreifen.<< Und wenn man es beim besten Willen werden sie in der herrlich gelegenen Wald- nicht begreift? Weil es zum Beispiel unbehaus Sybba verleben, um von dort aus greiflich ist? Dann läßt man sich vielleicht größere und kleinere Ausflüge zu machen, dazu hinreißen, Zweifel zu äußern. Wer bei denen sich ihnen die herbe und eigenartige Schönheit unserer Heimatprovinz erschließen wird.<< das tut, ist ein» Mäkler«. Früher mußte man» meckern« oder» miesmachen«, um als Staatsfeind zu gelten, jetzt genügt schon Für die» Adolf- Hitler- Freiplatz- Spende<< wird in allen Betrieben und Häusern, bei allen das Mäkeln«. Der» Fridericus« schreibt zum Versammlungen und Aufmärschen geschnorrt Die Nutznießer der wie üblich freiwilligen Spende sind durchwegs alte Kämpfer, manche davon in recht auskömmlicher Position. Die zweite Meldung: Pillupönen. Eine vorbildliche Tat verbringen in Urlaub befindliche Bergleute aus Süddeutschland, die, anstatt sich der Erholung zu Thema: überleidigen und hat dann rein gefühlsmäßig > Nur allzu viele Menschen gibt es, die sich ihrer Persönlichkeit kaum jemals ganz wohl bewußt werden oder die sie ahnen Auf einer von der Arbeitsfront veranstalund fühlen, aber nicht den Mut haben, sich zu ihr zu bekennen. teten» fachkundlichen Studienwoche für TexWas>> man< tut, das ist für sie in jedem tilkaufleute« in Kahlberg sagte der ostpreußiFall das Richtige, das Einzigmögliche, dem sche Gauobmann Magunia( It. Bericht der sie ohne Bedenken ihre Eigenart und > Preußischen Zeitung« Nr. 222): bessere Einsicht opfern. Das sind die Menschen, die es nirgends im Leben auch nur zu einem bescheidenen Maß von Selbständigkeit bringen. Sie haben nicht den Mut, der Stimme des eigenen Herzens zu folgen.<< Da haben nun die braven deutschen Bür» Diese Mäkelsucht muß ausgerottet werden im deutschen Volke. Und daran kann jeder mitarbeiten. Fragt ger, die sich auf ihre totale Presse verlassen, die, die immer alles besser wissen, die die Wahl, ob sie für instinktlos, alles durch ihr» Ja, aber« zu verkleinern mäkelsüchtig oder feige gelten wolsuchen, auf den Kopf, was für Beweise und was für Gründe sie für ihre Haltung len. Ein Viertes gibt es nicht. widmen, bei der Einbringung wächter, die in den Fall verwickelt waren, der Ernte behilflich sind. Auch freiwillig, versteht sich. Bergleute aus härtester Fron zu neuer Fron zu» beurlauben«, Bergleuten die kargen Stunden in Sonne und Luft zu stehlen, Bergleute daran hindern, wenigstens übertag den Rücken gerade zu biegen das ist eine schamlose Gemeinheit. Die um ihren Urlaub geprellten Männer haben natürlich zu jener Freiplatzspende< beisteuern müssen, mit deren Hilfe ein paar Kilometer weiter die >> verdienten Parteigenossen sich amüsieren. » Der Glaube von Millionen Deutscher an den Führer und an die Verwirklichung des Rechtes auf Arbeit durch den Nationalsozialismus hat mit wirtschaftlichen Ueberlegungen nichts zu tun.< Das kommt uns auch so vor. Neuer Vorwärts Sozialdemokratisches Wochenblatt Herausgeber: Ernst Sattler; verantRedakteur: Wenzel Horn; Druck:> Graphia; alle in Karlsbad. Zeitungstarif bew. m. P. D. Zl. 159.334/ VII- 1933. Printed in Czechoslovakia. Kontrollpostamt: Poštovní úřad Karlovy Vary 3. Aufgabepostamt Karlsbad 3. ligen Verkennung des Wesens dürften unter Ausschluß der Oeffentlichkeit und der Aufgaben des Vertrauensrates entspringen. Die Vertrauenszurechtgewiesen worden sein. Wer aber männer hätten die Aufgabe, Mittler zu sein zwingt die Nazipresse den ganzen Fall über- zwischen Betriebsführer und Gefolgschaft.<< wortlicher haupt zu erwähnen, anstatt ihn einfach totNicht aber die Aufgabe, die Interessen der zuschweigen? Die Empörung zwingt sie da- Gefolgschaft dem Unternehmer gegenüber zu zu, die immer weiter um sich greift. Die vertreten, der seinerseits keine Interessenvermoralische Verwilderung in der Hitlerjugend tretung braucht, weil er ohnehin der Stärkere läßt sich vor Eltern und Lehrern längst nicht ist und im Zweifelsfalle außer der Arbeitsfront mehr verheimlichen. WähUnd ein neuer Erlaß noch die Gestapo hinter sich hat. Der» Neue Vorwärts« kostet im Einzeldes Reichsjugendführers beweist, daß auch der rend die Arbeitsrichter sich in schlaflosen Sit- verkauf innerhalb der ČSR Kč 1.40( für ein BdM seinen schlechten Ruf zu Recht genießt. zungen bemühen, der Arbeitsfront eine mund- Quartal bei freier Zustellung Kč 18.-). Preis verfügt, gerechte Definition des Begriffes> Vertrauens- der Einzelnummer im Ausland Kč 2.-( Kč daß Mädchen in Zukunft nicht mehr in mann« zu liefern, ist der Vertrauensmann 24. für das Quartal) oder deren Gegenwert in der Landeswährung( die Bezugspreise für Zeltlagern untergebracht wer- selbst in den meisten deutschen Betrieben das Quartal stehen in Klammern): Argentinien Es geht auch ohne Katholiken den dürfen. Bis Mitte Juli hat es unge- längst zur lächerlichen Figur geworden. Pes. 0.30( 3.60). Belgien: Belg. Frs. 2.45( 29.50), Die nationalsozialistische Parteikorrespon- fähr 452 BdM- Zeltlager mit etwa 100.000 InBulgarien Lew 8.-( 96.-). Danzig Guld. 0.45 denz verbreitet folgenden Orakelspruch: ( 5.40), Deutschland Mk. 0.25( 3.-), Estland E. Kr. 0.22( 2.64), Finnland Fmk. 4.-( 48.-), d 4.-( Sh. 4.-), Holland Gld. 0.15( 1.80). Ita>> Bei der militärischen Sippenforschung Frankreich Frs. 1.50( 18.-), Großbritannien lien Lir. 1.10( 13.20), Jugoslawien Din. 4.50 ( 54.-), Lettland Lat. 0,30( 3.60). Litauen Lit. 0.55( 6.60) Luxemburg B. Frs. 2.45( 29.50), Norwegen Kr. 0.35( 4.20). Oesterreich Sch. 0.40( 4.80), Palästina P. Pf. 0.020( 0.216), Baldur von Schirach hat nämlich sassinnen gegeben. Der Erlaß bedeutet also Deutsche Sorgen >> An dem Beispiel der Vorgänge in einer eine auffallend plötzliche Schwendeutschen Mittelstadt wird in der» Deut- kung. Die Eingeweihten glauben allerdings ist zunächst streng zu scheiden zwischen der schen Justiz<< die Notwendigkeit bestätigt, daß alle Kräfte für die sittliche nicht daran, daß die Mädchen in den brau- 1806/07 aufgelösten altpreußischen> FrieReinerhaltung zusammenge- nen Jugendherbergen, die ihnen weiter offen faßt werden. Das Jugendschöffenge- stehen, weniger verdorben werden. richt jener Stadt hatte sich mit sexuellen Verirrungen zweier Schüler in einem Internat zu befassen. Der Jugendrichter hat darüber hinaus den Fall zum Anlaß genom- Der wortreiche Leerlauf men, einen größeren Kreis zur Erziehung drizianischen<« und der 1807/08 entstandenen neuen preußischen Armee. > Wilhelminischen<< und Polen Zloty 0.50( 6.-) Portugal Esc. 2.Die Forschung selbst hat stets zu beginnen mit der Feststellung des Kontingentes,( 24.-). Rumänien Lei 10.-( 120.-). Schwedem der Truppenteil angehört der in den Kr. 0.35( 4.20), Schweiz Frs. 0.30( 3.60), Betracht kommenden Zeitspanne.. Dann Spanien Pes. 0.70( 8.40). Ungarn Pengö 0.35 » Vertrauensmänner nicht im Namen der hat die Ermittlung des Garnisonsortes zu( 4.20), USA 0.08( 1.-). Belegschaft<< Beschlüsse zu fassen Das Arbeitsgericht in Kolberg( Pommern) Berufener, Schulleiter, Leiter der Jugend- hat in einer Entscheidung ausgesprochen, daß ämter, den Jugendstaatsanwalt, Bannführer und Bannarzt der HJ, Vertreter des Gesundheitsamtes, des Rassenpolitischen Amtes und der Polizei, zusammenzurufen, und an Hand des abgeurteilten Falles das Grundsätzliche der Angelegenheit zu erörtern.< Es gibt doch nichts Diskreteres als die braune Presse sofern es sich um ein und nicht nationalsozialistisches Einzahlungen können auf folgende Posthaben, ihre Aufgabe sei es vielmehr, den folgen oder mindestens die des Namens des Betriebsführer zu beraten. Ent- Regimentschefs, des Bataillons- oder Kom- scheckkonten erfolgen: Tschechoslowakei: scheidungen habe dagegen allein der Be- paniechefs, oder der Nummer des Truppen- Zeitschrift> Neuer Vorwärtse Karlsbad. Prag triebsführer in eigener Verantwortung etwa um ein katholisches Internat han- diese Entscheidung und fügt in einer Presse- Truppenteil festzustellen. delt! Die Sache muß arg gewesen sein, wenn sie derart feierlich aufgezogen wurde. Der Jugendrichter hatte es natürlich nur mit den Schülern zu tun die erwachsenen Tugendzu teils. treffen.< Ist Name, Nummer oder die Garni- 46.149. Oesterreich: Neuer Vorwärtse Karlsson nicht zu ermitteln, so kann das Bekannt- bad. Wien B- 198.304. Polen:» Neuer Vorwärtse Das Amt für Rechtsberatungsstellen im seins des Namens irgendeines Offiziers es erKarlsbad. Warschau 194.797. Schweiz:> Neuer Zentralbüro der Deutschen Arbeitsfront lobt Vorwärts Karlsbad. Zürich Nr. VIII 14.697. möglichen, aus Offiziersnachweisen den Ungarn: Anglo- Čechoslovakische und Prager Creditbank Filiale Karlsbad. Konto> Neuer Vorwärts Budapest Nr. 2029. Jugoslawien: Anglo- Čechoslovakische und Prager Creditbank. Filiale Belgrad. Konto Neuer Vorwärts<, Beograd Nr. 51.005. Genaue Bezeichnung der Konten ist erforderlich. äußerung bedauernd hinzu: > Trotz aller Aufklärungsarbeit der zuständigen Stellen kann man im Arbeitsleben immer wieder Maßnahmen beobachten und Anschauungen antreffen, die einer völHat man den Truppenteil schließlich gefunden, so sind die einschlägigen Werke benutzen...< >> Der Westen<, Berlin, Nr. 208. zu