loriDü \r. 22t SOMVTAG, 5. Sept. 1937 Verlag: Karlsbad. Haus„Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt: Ein Bufiprediger Germaniens Begegnung mit Streicher Nach der Offensive Zurück zur Galeere Braunes Fpieciensgepede Ulustriert durch konspirative Pläne. Das System maskiert sich wieder ein- mai auf friedfertig. Der Reichsaußenmini- ster Neurath hat auf der Stuttgarter Tagung der deutschen Auslandaorganisa- tionen alle aggressiven Absichten des Systems abgeschworen. Der Eindruck, den er hervorrufen will, ist; Deutschland ist ein ganz friedfertiges Land, es hat nur ein wenig aufgerüstet, weil dies unter Großmächten zum guten Ton gehört, und im übrigen hat es keine anderen Absichten als sich nach allen Seiten zu verständigen. Expansiv sind alle anderen: so Italien, so Japan, aber Deutschland ist ausschließlich friedfertig. Nun ist heute die Chance, daß Herr Neurath Gläubige findet, außerordentlich gering; denn die Rolle, die Deutschland in der Dynamik der Raubmächte vom Schlage Italiens und Japans spielt, ist ganz eindeutig. Namentlich in England fängt man jetzt an, verderbliche Illusionen über Bord zu werfen. Man wird dort den bevorstehenden Besuch Mussolinis bei Hitler auch nicht gerade als eine Demonstration des Friedenswillens ansehen, sondern nur als eine Beratung darüber, welche Vorteile die Achse aus den ostasiatischen Verlegenheiten Englands ziehen könnte. Die Friedfertigkeit heuchelnde Rede des Herrn Neurath wurde zudem illustriert durch die Reden und Ankündigungen der Bohle, Langen und Genossen, die freimütig über die Pläne der»Nazintem« sprachen. Man hat in England sofort verstanden, daß Herr Neurath in Stuttgart nur dazu dienen serfite, für die konspirativen Pläne des Herrn Bohle die Mauer zu machen. Namentlich der Plan, die Chefs der Spitzel- und Terrororganisationen künftig > Kulturattaches-� zu taufen, und ihnen cfiplomati sehen Charakter beizulegen, hat in England eine Entrüstung hervorgerufen, die für die Engländer ungewöhnlich ist Die dem englischen Außenminister nahestehende Zeitung hat über diese Pläne mit der Frage quittiert, ob eine naivere Frechheit überhaupt vorsteUbar sei. Man lernt auf Grund des Zusammenbruchs aller Verständigungsillusionen durch die Kriege in Ost und West allmählich den wahren Charakter der Politik des Dritten Reiches verstehen, und man ahnt, daß hinter allem braunen Friedensgerede von heute sich der Plan verbirgt, sich in der heutigen Konstellation so stark zu machen, daß das Dritte Reich zum Schiedsrichter Europas wird. Nupiibepgr In Nürnberg wird in der kommenden Woche der Reichsparteitag der NSDAP abgehalten, und das deutsche Volk wird wieder einige unglaubliche Reden über sich ergehen lassen müssen. Der englische und der französische Botschafter werden der Veianstaltung einen Tag beiwohnen— ein faules Kompromiß zwischen grundsätzlicher Haltung und diplomatischer Höflichkeit. Ueber die propagandistischen Absichten der Nationalsozialisten auf diesem Parteitag werden eine Fülle von Gerüchten verbreitet. Sie bewegen sich im wesentlichen in zwei Richtungen: Maßnahmen, die dem immer stärker zutage tretenden Stimmungsverfall entgegenwirken sollen, und entschiedene Maßnahmen im Kirchenkampf. Im letzten Punkte wird behauptet, daß der Plan einer Nationalkirche jetzt verwirklicht werden solle. Eine von oben befohlene Kirche ist selbstverständlich vom Glaubensinhalt völlig losgelöst, ein Gesetz darüber würde nur demonstrieren, daß das Regime selbst Im Glaubensinhalt nur ein Mittel der Herrschaft sieht, und so würde damit der Kirchenkampf nur erst recht angefacht werden. Freiheit und Arbeiterinteresse Zur Lage der deutschen Arbeiter In dem Artikel über die Verelendung der deutschen Arbeiter vom 22. August haben wir die Angabe des Statistischen Reichsamtes zitiert, wonach der Stunden- verdienst der Arbeiter im Laufe des Jahres 1936 um 1,7, der der männlichen Facharbeiter um 2 Prozent gestiegen sei. Wir haben zugleich diese Angabe als wahr unterstellt, darauf hingewiesen, daß sie das Geständnis einer wesentlichen Senkung des Reallohns bedeutet, da in Deutschland seit der Machtübernahme Hitlers eine wesentliche Verteuerung der Lebenskosten eingetreten ist, die der amtliche Lebenshaltungsindex allerdings bewußt und absichtlich wegfälscht. Das ganze Ausmaß der Opfer, die die Wirtschaftspolitik der Diktatur den deutschen Arbeitern auferlegt, kann aber erst ermessen werden, wenn man die absolute Verschlechterung in Deutschland mit der gleichzeitigen Entwicklung in anderen Industriestaaten vergleicht. Dabei muß immer wieder betont werden, daß der Ausgangspunkt ein verschiedener ist, da in den demokratischen Industriestaaten im Gegensatz zu Deutschland auch während der Krise die Reallöhne der Beschäftigten keine Reduktion, sondern infolge der Senkung der Lebenshaltungskosten eine zum Teil beträchtliche Erhöhung aufweisen. Steigerungen der Löhne in diesen Ländern bedeuten also eine wirkliche neue Hebung der Lebenshaltung über jedes früher erreichte Niveau, während eine Lohn- steigerung in Deutschland nur eine Nachholung der Verluste bedeutet hätte, die in der Krisenzeit der Arbeiterschaft auferlegt worden sind und die durch die von der Diktaturpolitik erzeugte Teuerung sich dauernd gesteigert haben. Das muß im Auge behalten werden, um die Lohnentwicklung im Ausland richtig zu würdigen. In den Vereinigten Staaten sind die Löhne in fortdauernder Zunahme begriffen. Sie steigen rascher als die Lebenshaltungskosten, die bis jetzt eine ziemliche Stabilität aufweisen. Aber in neuerer Zeit beginnt der Wohnungsbau, der zu Beginn der Prosperität zunächst zurückgeblieben war, aufzuholen, so daß das weitere Ansteigen der Mieten sich eher verlangsamen wird. Von Mai 1936 bis Mai 1937 stiegen die durchschnittlichen Wochenverdienste der Arbeiter in 25 Branchen von 24,40 auf 28,40 Dollar(ca. 71 RM), also um 16,6 Prozent. Die Lebenshaltungskosten stiegen dagegen nur um 6 Prozent. Von Januar bis Mai macht die Steigerung der Löhne allein 8.8 Prozent, die der Lebenshaltungskosten nur 2,2 Prozent aus. Es ist also nicht nur eine Steigerung der Nominallöhne eingetreten, sondern auch eine Zunahme des Realeinkommens. Dabei zeigt sich in den Vereinigten Staaten eine bemerkenswerte Besserung in der Lage der ungelernten und angelernten Arbeiter. Dies ist die Folge der demokratischen Politik Roosevelts, der den Abschluß kollektiver Arbeitsverträge und deren unentbehrliche Voraussetzung, die Bildung starker Gewerkschaften bewußt fördert. Seit seiner Wahl hat die amerikanische Gewerkschaftsbewegung einen neuen Aufschwung genommen und im Gegensatz zu früher, wo sie im wesentlichen eine Bewegimg der qualifizierten ! Arbeiter mit zunftartigen Zügen war, auch die ungelernten Arbeiter stärker ergriffen, deren Organisation die Unternehmer stärksten Widerstand entgegengesetzt hatten. Charakteristisch für die Entwicklung ist die grundlegende Aenderung in den Arbeitsverhältnissen der amerikanischen Stahlindustrie. Gegen diese richtete sich der Hauptangriff der neuen, von Lewis geführten Industriegewerkschaften, und wenn auch die letzten Streikbewegungen selbst in einigen Zweigen der Stahlindustrie nicht zu einem unmittelbaren Erfolg der teilweise sehr weitgehenden Forderungen( 36-Stundenwoche!) geführt haben, so hat die Industrie doch weitgehende Zugeständnisse gemacht. Im Hochkonjunkturjahr 1929 betrug der durchschnittliche Stundenlohn 65,4 Cents. Die Arbeitszeit betrug im Durchschnitt 55 Stunden in der Woohe. Im Juni 1936 betrug der Stundenlohn 66,9 Cents und stieg im Februar auf 72,8. Im März kam es zu Verhandlungen mit den Gewerkschaften, deren Forderungen von der Regierung unterstützt wurden. Eine allgemeine Lohnerhöhung wurde vereinbart. Die Stundenlöhne betrugen im März 79,3 Cents, im Mai 86,6 und im Juni 87,7 Cents. Als Arbeitszeitnorm wurde die 40-Stundenwoche eingeführt. Für die acht Stunden am Tage und 40. Stunden in der Woche übersteigende Arbeitszeit muß ein SOprozentiger Lohnzuschlag gezahlt werden. Die Arbeitszeit ist also seit 1929 um fast 30 Prozent bei steigenden Stundenlöhnen verkürzt worden und die Industrie beschäftigt heute erheblich mehr Arbeiter als vor der Krise, obwohl die Produktion den Vorkrisenstand noch nicht völlig erreicht hat, Und damit vergleiche man den ständigen Lohndruck und die Verlängerung der Arbeitszeit über 48 Wochenstunden hinaus in der deutschen Schwerindustrie! In England beschleunigt sich das Tempo und das Ausmaß der Lohnzunahme zusehends. Im ganzen Jahre 1936 erfuhren vier Millionen Beschäftigte eine Erhöhung ihres Einkommens um 487.200 Pfund(ca. 6 Millionen RM) pro Woche, im ersten Halbjahr 1937 aber bereits 3,2 Millionen Arbeiter um 413.000 Pfund wöchentlich. Und auch der englische Le- benskoetenindex hat bis in die neueste Zeit sich ziemlich stabil erwiesen. Erst zwischen Juni und Juli ist eine Steigerung von 152 auf 155 eingetreten infolge einer zum Teil saisonmäßigen Verteuerung der Nahrungskosten. Aber die Gewerkschaften, die die Gestaltung des Reallohnes aufmerksam verfolgen, haben bereits sich mit dieser Entwicklung befaßt und sind stark genug, um neue Korrekturen durchzusetzen. Zugleich haben sie große Erfolge in der Frage des bezahlten Urlaubs zu verzeichnen. Eine ähnliche Entwicklung wie in den Vereinigten Staaten und England ist in allen demokratischen Staaten zu erreichen: die relativ stärkste Verbesserung hat wohl die Arbeiterschaft Schwedens, wo auch die Arbeitslosigkeit praktisch fast keine Rolle mehr spielt, zu verzeichnen; dann kommen die anderen skandinavischen Länder, Belgien, und in letzter Zeit auch Holland und die Schweiz. Damit vergleiche man nun die fortschreitende Verschlechterung in allen Diktaturstaaten und insbesondere in Deutschland. Die deutsche Produktion hat im Sommer 1937 sicher einen Höhepunkt der technischen und personellen Leistungsfähigkeit erreicht. Das Gesamtprodukt, das mit' diesem Aufwand an Maschinerie— und Arbeitseinsatz erzeugt worden ist, muß jedes frühere übertreffen. Die letzten Reserven an Rohstoffen und Arbeitskraft, über die die deutsche Wirtschaft verfügt, sind eingesetzt worden. Aber nur zum geringsten Teil dienen sie dem Zweck jeder Produktion, der Steigerung des Konsums, der Die Politik des Systems erweckt den Gesamteindruck, daß es sich augenblicklich nicht durch wilde sichtbare Aktionen im Innern belasten will— es ist also viel wahrscheinlicher, daß es im wesentlichen bei der lärmenden, leeren Parade und den noch lärmenderen und noch leereren Reden verbleibt. Ideologie und Interesse Japan und Deutschland haben miteinander den sogenannten A n t i- Komintern- Pakt geschlossen. Japan maskiert seinen Raubzug gegen China mit der Behauptung, es bekämpfe in China lediglich das Vordringen des Bolschewismus. Der japanische Krieg»gegen den Bolsche- wismus< bedroht emsthaft die deutschen Handelsinteressen. Der deutsche Eisport nach China hat im letzten Jahre rund 150 Millionen Mark betragen, der Aktivsaldo zugunsten Deutschlands rund 70 Millionen Mark. Diese 70 Millionen Devisen sind dem braunen System in seiner wirtschaftlichen Bedrängnis wichüger als die Antikomintem-Ideologie, also ist es in Tokio vorstellig geworden. Die Japaner haben auf diese Vorstellungen mit vagen Versprechungen geantwortet, die man in Berlin sehr skeptisch ansieht. Femer haben die Japaner Gegenvorstellungen erhoben: sie haben der deutschen Regierung mitgeteilt, daß sie auf Grund des Anti-Ko- mintem-Paktes größere Sympathie und Unterstützung in der deutschen Presse erwarten könnten, als bisher zum Ausdruck gekommen sind. Noch vor kurzem hat die kommunistische Presse in allen Ländern gegen den chinesischen Generalissimus Tschang-Kai-Scheck in üblicher Kominternweise getobt— gegen den »Bluthund« und»Kommunistenschlächter«. Die Sowjetunion hat nunmehr mit China, d. h. mit Tschang-Kai-Scheck einen fünfjährigen Nichtangriffspakt abgeschlossen. Die Terrorwelle in Rußland Die Terrorwelle in Sowjetrußland geht weiter. Kein Tag vergeht ohne Nachrichten über neue Erschießungen und Prozesse. Man hört von Männern, die Wasserleitungen vergiften wollten, um ganze Belegschaften zu ermorden, von Frauen, die die Kinder eines Kinderheims vergiften wollten, von Saboteuren, die Lagerhäuser in Brand stecken wollten, von»Trotzkisten«, die Soldaten der Roten vergiften wollten. Die Bezeichnung ist überall die gleiche: Trotzkisten, das Ergebnis auch: Erschießung, Eis offenbart sich ein Geisteszustand des Regimes, der an die Zeit mittelalterlicher Hexenverfolgungen, oder an die Märchen über Brunnenvergifter und Goldautos aus dem Beginn des Weltkrieges erinnert. Diese Krankheit von Wahn und Massenwahn strahlt über die rassische Grenze aus. Mit einer Flut von Verleumdungen, von aus den Fingern gesogenen echten GPU-Verdäch- tigungen werden alle jene in den demokratischen Ländern Uberfallen, die sich angesichts dieser grauenhaften Terrorwelle kritisch zum System Stalin verhalten. Auch sie nennt man »Trotzkisten«, auch gegen sie möchte man den Massenwahn entfesseln. Hier aber wird die Verlogenheit dieser Methode sofort durchsichtig, und sie führt nur zu der Schlußfolgerung: so wenig wie die Hetzlügen der Komintern gegen die Kritiker des Stalinregimes in demokratischen Ländern wahr sind, so wenig sind die Anklagen gegen die Opfer des Stalinterrors in Rußland wahr! ren Dem Erhöhung der Wohlfahrt der breiten Rüstungsfabriken eingestellt, die Zahl der Zeit, allzuviele Eindrücke zu sammeln. Denn| Für acht der Verurteilten ist die Haft zeit Massen. Sie dienen der Aufrüstung, arbeitenden Frauen ist beispiellos rasch ehe noch die Verhandlung sich einem inter- wesentlich verkürzt worden, so daß Stadium näherte geschah zu Weihnachten keiner von ihnen mehr im dem Autostraßenbau, der Herstellung von um zwei Millionen gestiegen, zum Teil ge- essanteren wird. Für Vorsitzenden Gefängnis sitzen Unerwartetes. die vier Anlagen zur Erzeugung der überaus teue- rade in den Industrien, die für Frauen- etwas Zu- wurde ein Zettel hereingebracht, er las ihn Schwerstbestraften mit Strafen von künstlichen Rohstoffe, kurz, der arbeit am wenigsten geeignet sind. Das einem bis zu zwei Jahren glaubte der zuKriegsvorbereitung. Die Zahl gleich ist die Arbeitszeit fortschreitend und unterbrach daraufhin die Sitzung. Und. kurz danach ständige Innenminister Sir Samuel Hoare der Beschäftigten ist im Monat Juli gegen- ausgedehnt worden, die 48- Stundenwoche Gericht verließ den Saal. über dem Vormonat um 150.000 auf 19 wird in allen Produktionsgüterindustrien wurde auch Prof. Glaser von einem Justiz noch keine Erleichterungen zulassen zu dürWäre das Lohn- wachtmeister aufgefordert, sich nach Zim- fen. Er lehnte es auch ab, den Vertretern der Millionen gestiegen. Sie lag Ende Juli um weitaus überschritten. 14 Millionen höher als ein Jahr zuvor und niveau seit Hitlers Machtangriff auch nur mer soundso des Gerichtsgebäudes zu bege- Gewerkschaften in dieser Angelegenheit eine des Wachtmeisters Unterredung zu gewähren. Nun erläßt der wesentlich höher als in den Zeiten der das gleiche geblieben, so müßte die Mas- ben. Unter Begleitung ebenso verwunderte wie Vorsitzende der Gewerkschaften Sir Walter Hochkonjunktur 1928 und 1929. Die Zahl senkaufkraft eine große Vermehrung er- spazierte der Beschäftigten hat rascher zugenom- fahren haben und die Konsumgüterindu- ahnungslose Gelehrte dorthin. In dem Raum Citrine dazu eine Erklärung, in der er sagt: >> Ich bin sicher: hätten wir Gelegenheit men, als die der Arbeitslosen abgenommen strien eine starke Belebung. Was zeigt die waren die Richter gehabt, die Sache mit Sir Samuel zu behat. Die unsichtbare Arbeitslosigkeit hat deutsche Wirklichkeit? Die Indexzifern der warteten auf ihn. sprechen, wir würden ihn überzeugt haben, daß die gegebenen Umstände von ihm eine sich vermindert, früher Selbständige in industriellen Produktion zeigen großmütigere Haltung fordern, als er sie Handel und Gewerbe sind wieder in die gende Bild: eingenommen hat.<< 1928= 100 der bereits anwesend und Aber sie warteten auch das fol- noch auf jemand andern. Und ehe Prof. Glaser seinem Erstaunen Ausdruck geben kündete und Aufklärung erbitten konnte Die Bewegung wird also weiter gehen. Und sich auch schon das Erscheinen dieses Andas ist nicht schwer zu prodern hörbar an. Ein Riesenlärm entstand, eines Tages wird Sir Samuel Hoare die GeFlüche und Schimpfworte tönten durch den phezeien und die Korridor; die Tür wurde aufgerissen und werkschaftsvertreter empfangen auch der vier Schwerstbestraften herein stürzte ein wutschnaubender, brüllen- Strafen der, sporenklirrender und braununiformierter herabsetzen. Jemand, mit eine Reitpeitsche fuchtelnd. DieArbeitstägliche Produktion im Mai 1934 1935 1936 Produktionsgüter insgesamt 76.7 100.1 116.2 Investitionsgüter 75.4 103.8 123.1 Sonstige Produktionsgüter 79.3 90.7 100.5 1937 130.2 134.1 121.8 Verbrauchsgüter( elastischer Bedarf) 92.0 85.5 91.7 95.0 Gesamte Industrieproduktion( ohne Nahrungs- und Genußmittel) 81.2 96.5 109.9 119.8 Während dies in England geschieht, sitzen ser Jemand pflanzte sich vor dem Professor in Deutschland die Jasper, Heilmann, Es gibt keine schärfere Kritik der Konsummitteln erbarmungslos gedrosselt auf und begann ein tolles Durcheinander von Mierendorff, Schumacher, Litten Verwünschungen, Anklagen und Beleidigun- und ungezählte andere ohne Schuld und ohne hitlerschen Wirtschaftspolitik als wie diese wird, so zeigt sich, daß für die Versorgung Urteil in den Gefängnissen und in KonzentraZahlen enthalten. Alle verfügbare Pro- der Arbeiter seit Hitler trotz des gestie- gen auf ihn loszulassen... >> Wer sind Sie? Und was wollen Sie?< tionslagern. Ihre Leidenszeit dauert nun schon duktionskraft an Menschen und Material genen Arbeitseinsatzes und der verlängerwird in die Rüstungsindustrie geworfen, ten Arbeitszeit viel weniger Mittel zur fragte der fassungslos verblüffte Gelehrte, mehr als doppelt so lang wie die schwerste in dem wahrscheinlich der Verdacht auf- Strafe, die in Harworth verhängt worden ist. als je zuvor. während die Konsummittelindustrien stag- Verfügung gestellt werden worth bemühen sich in England tausende nieren, im schärfsten Gegensatz zur Ent- Immer ergibt sich das Resultat: absolute stieg, daß er statt ins Gerichtsgebäude in Um die rechtskräftig Verurteilten von Harwicklung in den übrigen Industriestaaten. Verelendung in den Ländern der Diktatur, ein Irrenhaus geraten war. >> Wer ich bin?<< donnerte der Rasende im ehrenwerte Männer und Frauen. Sie erlassen Nimmt man noch hinzu, daß die Landwir- fortschreitende Hebung Sie Erklärungen, protestieren und demonstrieren. Braunrock.» Das wissen Sie nicht? schaft infolge der Darréschen Zwangs- tung in den Ländern der Demokratie. Der wirtschaft immer schlechtere Erträgnisse Verlust der Freiheit ist die Wurzel allen wissen es sehr gut, jawohl. Jeder weiß wer Ueber den Unglücklichen in Deutschland liegt zeitigt, daß die Einfuhr an Lebens- und Uebels. Das Volk lebt schlechter! der LebenshalDr. Richard Kern. Das Institut für Konjunkturforschung erbringt in seinem neuesten Ueberblick erneut im Hochkonjunkturjahr 1937 be- Arbeitslose geben soll. deutend schlechter lebt, als im tend schlechter lebt, als schweren Krisenjahr 1931. Damals Nähr- und Genußmittel Textilien und Bekleidung Hausrat und Möbel Grabesschweigen. Ordenssegen ich bin! Und wer mich noch nicht kennt, England und Deutschland, welcher Gegender soll mich kennenlernen. Streicher ist mein Name! Streicher! Jawohl! Den Na- satz! Und welche Schande für Deutschland! men kennen Sie doch wohl, he?< gab es beinahe vier Millionen Arbeitslose Und nun folgte eine halbe Stunde Hitlers neuester trotzdem waren die Umsätze in Lebensmitteln eine mit wüsten Schimpfworten geund Bedarfsartikeln höher als im ersten Halb- lang die Richter, die jahr 1937, wo es nur noch eine halbe Million spickte Strafpredigt an bleich und zitternd zuhörten und kein Wort der Erwiderung zu finden wagten. >> Dieser Mann hier ist ein Streicher. Spion!< brüllte >> So wie ich hörte, daß wieder mal so einer hier im Gewußte ich: das ist richtssaal herumsitzt, ein Spion! Und Sie haben das nicht gewußt, natürlich! Merken Sie sich: alle Leute dieses Schlages sind Spione, die hier absolut nichts zu suchen haben! Auch die amerikanische Journalistin, Nach den Feststellungen des Instituts für im Konjunkturforschung ergibt ein Vergleich der Umsätze dieses Bild: Warenhäuser 1931 1. Halbj. 1937 100 46,4 .100 73,8 . 100 9 77,5 Fachgeschäfte 1931 1. Halbj. Kaufhäuser 1931 1. Halbj. 1937 100 79,9 100 92,3 1937 100 99,9 100 106,5 100 116,0 Es scheint irgendwie mit dem in den Rükken geschossenen britischen Botschafter Hugessen, mit den japanischen Bomben, die in Schanghai ganze Stockwerke in Warenhäusern zerschlagen und chinesische Kulis wie amerikanische Clercs gleicherweise morden, mit gestürmten Sowjetkonsulaten benebst geklauten Akten zusammenzuhängen, daß der allerneueste hitlerdeutsche Ordenssegen im letzten» Deutschen Reichsanzeiger< vom sich aus20. August ds. bekanntgegeben die Sie neulich hereingelassen schließlich auf genau ein halbes Dutzend arDie Fachgeschäfte weisen demnach für Und nun ergibt sich aber weiter die TatTextilien eine Erhöhung der Umsätze aus. Sie sache, daß trotz dieser Umsatzerhöhungen haben, war eine Spionin! Erst haben Sie das gentinischer und ein halbes Dutzend ja panischer Marineoffiziere ergossen hat. ist jedoch nicht ausschließlich auf einen Mehr- bei den Fachgeschäften, die anderen Sparten Weib zuhören lassen, und dann hat es zum die Dank in ihrer Zeitung von» unkorrekter Pro- Die» Verdienstkreuze des Ordens vom Deutverbrauch der Volksmassen zurückzuführen, des Einzelhandels Verluste aufweisen, sondern eine Begleiterscheinung der Auf- viel größer sind! Rechnet man die Umsätze zeẞführung und dergleichen gefaselt. Genau schen Adler« sind, teils mit Kreuz und teils rüstung. Denn gerade bei der Versorgung der der Warenhäuser, Kaufhäuser und Fachge- so einer ist der hier! Rechtsgelehrter?... ohne, auf die Opfer nur so herabgesaust; an Quatsch! Wenn Armee mit Textilien und Bekleidung sind die schäfte zusammen, so bleibt festzustellen, daß Studienhalber?... Alles ihrer Spitze steht der japanische KontreFachgeschäfte weitgehend herangezogen wor- die Einzelhandelsumsätze im ersten Halbjahr es wenigstens noch ein Italiener admiral Soonosuke Kobayashi, dessen Name den. Aehnlich muß auch die Zunahme der 1937 noch weit hinter denen des Krisenjahres wäre! Aber ein Pole!...< allein ihn höchstwahrscheinlich schon obwohl Umsätze in Hausrat und In dieser Tonart wütete Möbel gewertet 1931 zurückbleiben, an der Versordem Verdacht schützt, sich irgendwie um die werden. Die Luxusbauten der NSDAP, von gung der Wehrmacht der Einzelhandel einen führer«, bis ihm der Atem arische oder gar nordische Sache in der Welt > Kraft durch Freudex, die neuen Verwal- hervorragenden Anteil hat. Würde man die Dann telephonierte er nach der Polizei. verdient gemacht zu haben. Bleibt also nur tungspaläste, dies alles hat auch einen Bedarf für sie bestimmten Umsätze abziehen, dann erschien ein Kriminalbeamter, der die Par die Vermutungsmöglichkeit, daß das Kriegdes deut- piere Prof. Glasers einer genauen Prüfung führen an und für sich Herrn Hitler schon an Einrichtungsgegenständen geschaffen, der würde der Unterkonsum wieder in erster Linie von den Fachgeschäf- schen Volkes im ersten Halbjahr unterzog und sie für vollkommen in Ordnung als ein hinreichendes Meritum für seinen Deten befriedigt worden ist. wäre also 1937 im Vergleich zu 1931 der am stärk- erklärte. Mit dem Polizeiauto wurde Glaser korationsdrang gilt und daß er hier die Arfalsch, eine entsprechende Steigerung des sten bei den Nahrungs- und Genußmitteln ist in sein Hotel transportiert. Es liege nichts gentinier nur so mitgenommen und zwischengegen ihn vor und er könne sich begeben, geschoben hat, um die Sache nicht gar so Massenkonsums anzunehmen, Es noch drastischer in Erscheinung treten. Begegnung mit Streicher der> Frankenknapp wurde. Es und zwar auf der Stelle!<< war die Antwort. vor wohin er wolle, wurde ihm dort erklärt. Der auffällig zu machen. Beamte fragte ihn auch, was er nun zu tun Sicherlich liegt es nicht an den vom neugedenke.> Deutschland verlassen, deutschen Ordenssegen persönlich Mitgenommenen, daß der Akt selbst immer wie eine Eintragung ins internationale Album der Der Professor benachrichtigte die pol- Achse wirkt. Hitlers Orden fliegen Was ein polnischer Gelehrter in Nürnberg erlebte nische Gesandtschaft von dem Vorgefallenen aber merkwürdiger Weise immer Auf dem internationalen Juristenkongreß ihn zu diesem Aufenthalt bestimmte. Der und reiste eiligst nach dem Haag weiter, wo genau in Richtung der Stellen in im Haag sind sicherlich mancherlei gewich- Gelehrte wollte nämlich jede sich bietende sein Erlebnisbericht die Teilnehmer des Ju- der Welt, wo es zur Stunde gerade tige und für die Teilnehmer wissenschaft Gelegenheit benutzen, um in Deutschland ein ristenkongresses weidlich in Erstaunen setzte am meisten brennt! Das war beispielsund gewisse lich ergiebige Referate gehalten worden. paar politischen Prozessen beizuwohnen und und von ihnen wie eine große skandina- weise bisher das Mittelmeer Aber keines von ihnen hat wohl das Inter- sich über deren Durchführungsart ein eige- vische Zeitung ausdrücklich brauchten nur die Schürze aufzuund die Gemüter! > als ein höchst gewichtiger Beitrag zur ver- halten, schon lag ein Hitlerscher Piepmatz unserer Die Gelegenheit hierzu schien sich bald gleichenden Rechtsgeschichte Zeit darin. Jetzt fliegen die Verdienstkreuzes mit regt, wie der knappe und doch so vielsagende zu In Nürnberg las Prof. Glaser aufgenommen wurde soweit von Rechte und ohne Stern nach dem Fernen Osten... Bericht, den Prof. Glaser( Warschau) eines Morgens in der Zeitung, daß am glei- in diesem Zusammenhang überhaupt die Aufgepaẞt! Kopf weg! Wohin werden sie das über seine Erlebnisse im Dritten Reich gab. chen Tage daselbst ein Prozeß gegen Rede sein kann.<, Wenn der Gelehrte auch seinen denkwürdi- zwei Geistliche, einer der zahllosen eröffnet gen Rapport nicht hochoffiziell von der Red-» Katholiken- Prozesse<<, nertribüne des Kongresses aus, sondern nur würde. Der Gelehrte begab sich also flugs in einem engeren Kreise von Fachkollegen zum Justizgebäude und da ihm bereits esse der auf jener nes Urteil zu bilden. Tagung versammelten Juristen so sehr ererfüllt. werferlicht über bieten. feststellte K. werden Englisches Recht und deutsche Schande und eine Frau Italiener nächste Mal sausen? Jüdische Terroristen Das braune Netz in Chile Zwei chilenische Abgeordnete, der Radikale und Freunden erstattete, so wurde dennoch bekannt war, daß in deutschen Gerichtssälen Im Juni dieses Jahres standen in Harworth Mesa, und der Konservative Garreton fordern von der Regierung von Chile, daß sie ernste der aufklärende Zweck sicher vollkommen die» Oeffentlichkeit des Verfahrens« heute in England elf Bergarbeiter Maßnahmen gegen die nationalsozialistischen Blitzschnell verbreitete sich die Ge- oft nur eine sehr fiktive ist, so verlangte vor Gericht, wegen eines Aufruhrs, der sich schichte von Mund zu Mund, grelles Schein- er den Vorsitzenden des angekündigten Pro- im Zusammenhang mit einem Arbeitskonflikt Umtriebe in Chile ergreife. Die beiden Abgedie deutsche Wirklichkeit zesses zu sprechen, legitimierte sich als In- ereignet hatte. Das Gericht sprach sie schul- ordneten haben Beweise dafür vorgelegt, daß von heute breitend und insbesondere über haber einer Warschauer Rechtsprofessur und dig und verurteilte sie zu Gefängnisstrafen diese Propaganda in Südchile besonders gefährliche Formen angenommen habe. das, was im braunen Deutschland den Na- bat um die Erlaubnis, der Verhandlung bei- von vier Monaten bis zu zwei Jahwohnen zu dürfen. Sehr erfreut schien der ren. men» Rechtspflege« trägt... Glaser ist Professor an der Warschauer Richter über diesen sachkundigen und kri- In der englischen Oeffentlichkeit bestritt >> Die Klagen über Provozierung der Universität und genießt als Strafrechtsleh- tischen Gast gerade nicht zu sein. Mit be- niemand, daß sich die Verurteilten schuldig rer internationales Ansehen. Dieser Profes- tont kühler, aber eben doch korrekter Höf- gemacht hatten, jedoch fand man die ver- deutschen Bevölkerung durch einen sor Glaser faßte also den Entschluß, seine lichkeit erklärte er sich nach kurzem Zögern hängten Strafen zu hoch. Eine Bewegung nicht unerheblichen Teil der jüdischen Einund ließ entstand, die sich das Ziel setzte, die Entlas- wohnerschaft haben sich in letzter Zeit derdaselbst einen Teil ihn einen Platz im Verhandlungssaal anwei- sung der Verurteilten vor Ablauf ihrer Straf- artig gehäuft, daß Befürchtungen für seiner Ferien zu verbringen, Der Prozeß nahm seinen Anfang, und zeit herbeizuführen. Diese Bewegung, die von die Aufrechterhaltung der öfRecht viel gerühmten Schönheiten und Bau- welche Eindrücke er dem aufmerksam lau- der Arbeiterpartei getragen, aber auch von fentlichen Ruhe und Ordnung bedenkmäler der fränkischen Städte genießend schenden Professor vermittelt haben mag, den Liberalen und einem Teil der konservati- stehen.<< kennenzulernen. Aber gleichzeitig war es darüber hat dieser sich bisher nicht ausge- ven Regierungspartei unterstützt wurde, hat auch ein wissenschaftliches Interesse, das sprochen. Er hatte auch sicherlich gar nicht jetzt einen teilweisen Erfolg zu verzeichnen. Reise zum Haager Kongreß in Deutschland bereit, zu unterbrechen und um die mit sen. dessen Bitte zu erfüllen Meldung der> Preuß. Zeitung<( Nr. 233) aus Oberschlesien. Ausfuhrsteigerung um jeden Preis auf die Die Wirkung der Rohstoffnot Wirtschaft des Dritten Reiches kann man deutsche Ehezerrüttung im Dritten Reich war um 14 Wollte der Führer nicht mit der Zerrüt-| ersten Jahres des Dritten Reiches 1933 war der und weniger bestanden hatten, ein Ende machen, Anteil der gelösten Ehen an der Zahl der Prozent gestiegen. Die jüngsten im weniger der amtlichen Berichterstattung als tung des Familienlebens Reich geschlossenen gelegentlichen Bemerkungen in den Jahres- die das Schmachsystem angeblich verschuldet Ehen überhaupt noch fast unverändert ge- Dritten Aber in dem einzigen Jahre 1934 Ehebündnisse erweisen sich also berichten großer Aktiengesellschaften ent- hatte? Sollte nicht die Heiligkeit der Fami- blieben. nehmen. Die Kammgarnspinnerei He geschützt werden? Wie sehr die Heilig- stieg die Zahl der Ehescheidungen schlag- als die am wenigsten haltbaren. wie verhältnismäßig. 1933 Dagegen sind die Ehen, die vor Hitlers MachtStöhr& Co. A. G. in Leipzig ist der größte keit der Ehe respektiert wird, kann man an artig, absolut diege der Dauerhaftigkeit der ehelichen Beziehun- waren 42.485, 1934 54.402 Ehen geschieden antritt bereits bestanden hatten, dauerhafter. Kammgarnproduzent. Auf Firma allein entfällt beiläufig ein Achtel gen ermessen. Sie steht im umgekehrten Ver- worden; das waren auf 1000 Ehen 1933 29,7, Die Scheidungshäufigkeit der Ehejahrgänge der Gesamtproduktion, und ungefähr ebenso- hältnis zur Häufung der Scheidungen. Trifft 1934 37.0. Was das bedeutet, kann man daran 1922/29 war 1936» merklich niedriger als bei groß ist ihr Anteil an der gesamten Kamm- das zu, dann ist es in den letzten acht Jah- ermessen, daß selbst im Elendsjahr 1923 von den gleichaltrigen Ehen im Jahre 1935<, und garnausfuhr. Da die Weltmarktpreise für ren deutscher Geschichte niemals so schlecht 10.000 Ehen nicht mehr als 27.4 geschieden bei den 1917 bis 1921 geschlossenen, also mit wie im worden waren und im ganzen etwa 34.000 15- bis 19jähriger Dauer war sie um Wolle steigen, erfordert die Beschaffung der um das Eheleben bestellt gewesen, des Aus einer Veröffentlichung gegen 54.000 im zweiten Jahr einen Dritten Reich. Dritten durchschnittlich 10 Prozent zurückgegangen. gleichen Menge ausländischer Wolle Stöhrs des Statistischen Reichsamts über» Die Ehe- Reichs. Man muß annehmen, daß die Rasse- Der Führer hatte die Lust zum Eheschließen wachsenden Aufwand von Devisen. stärkste Konkurrentin, die Bremer Woll- scheidungen im Deutschen Reich im Jahre gesetze ehezerstörend gewirkt haben. Zahl- und zum Kindererzeugen durch die Ehestandskämmerei berichtete jüngst, daß schon 1936<(> Wirtschaft und Statistik< 2. Juli- lose Mischehen, deren Bestand ohne die Dif- darlehen befeuert, also mit Hilfe eines Zünd1936 zum Zwecke Heft) geht hervor, daß es dem Dritten Reich famierung der Nichtarier nicht bedroht ge- stoffes, der eigentlich sehr nach Materialisder Rohstoffbeschaffung einen seit den ersten Nach- wesen wäre, hat der Nationalsozialismus aus- mus riecht und wenig nach dem Gemeinnutz, um 40 Prozent mehr Devisen beschafft wer- gelungen ist, der vor Eigennutz geht. Dieses Eheband hat den mußten als 1935, daß aber damit nicht kriegsjahren nicht erreichten Rekord zu er- einandergerissen. in der die Ehesich aber offenbar als sehr leicht zerreißbar mehr, sondern um 16 Prozent weniger Wolle zielen. Seit dieser Zeit, häuften, weil zahlreiche erwiesen, denn es dürften von allen gerade gekauft werden konnte als im Jahre vorher. scheidungen sich die Ehen mit Reichskredit geschlossenen Stöhr berichtet, daß sich die Versorgung mit aufgeschobene Scheidungsklagen aus den rekord zu halten. Brüche gegangen sind. Seit 1934 ist die Zahl der Ehescheidungen etwas zurückgegangen. Auf 10.000 bestehenWolle 1936 um 14 Millionen Kilo gegenüber Kriegsjahren anhängig wurden und zur Ent- de Ehen kamen 1935( mit Saarland) 33, 1936 sein, die nach so kurzem Liebesglück in die 1935 verschlechtert hatte. Was das bedeutet, scheidung gelangten, ist die Zerrüttung des 32.5 Scheidungen. Das ist ein Ergebnis, das Das Ehestandsdarlehen zwingt im allgezeigt eine Berechnung des» Deutschen Volks- Ehelebens niemals so groß gewesen wie unter den vorhitlerischen Rekord von 1920 und 1921 ihre Berufsarbeit wirts<<, wonach bei Stöhr jährlich etwa 4 Mil- Hitler, der sich rühmt, ihr ein Ende bereitet noch übersteigt. Damals entfielen auf 10.000 33 Scheidungen. meinen die Ehefrau, auf zu verlionen Kilo Fasern versponnen werden. Dar- zu haben. Im Jahre 1913 wurden in Deutsch- bestehende Ehen 32,1 und 1934 war also eine Höchstleistung, aber auch und damit auf eigenes Einkommen ohne Saarland) nach ist 1936 etwa ein Viertel der Rohstoff- land( jetziges Reichsgebiet 1935 und 1936 lassen die Zeit der Jahre kurz zichten. Die wachsende Teuerung verschlingt Es stoffversorgung ausgefallen. wird im 16.657 Ehen geschieden, 1929 waren es 39.424, vor Ausbruch des Dritten Reiches noch ziem- aber immer mehr vom Einkommen des Manalso mehr als das Doppelte. Allerdings war Geschäftsbericht ausdrücklich festgestellt, lich weit hinter sich. Bis jetzt hat es das nes, und es wird deshalb immer schwieriger, in dieser Zeit die Zahl der bestehenden Ehen allein zwei Mendaß für diese Minderversorgung mit dem ausländischen Rohstoff durch die Zellwolle um etwa ein Drittel gestiegen, aber immer- Dritte Reich verstanden, den Ehescheidungs- mit seinem Einkommen schen und noch schwieriger eine Familie zu erhalten. Daher kommt es, daß die Folgen >> noch kein genügender Ausgleich geschaffen hin war die Zunahme der Scheidungen beEine erhebliche Wandlung aber ist in den der wirtschaftlichen Mobilmachung noch ehewerden konnte.<< Die Produktion des trächtlich. Man müßte annehmen, daß zerrüttender wirken als selbst die furchtVorjahres konnte also wegen Roh- dann folgende Wirtschaftskrise mit ihrer bei- Ursachen der Scheidung vor sich gegangen. wirtschaftlichen Die Rassegesetze treten als treibender Faktor baren Wirkungen der Nachkriegszeit. stoffmangels> nicht voll aufrechterhal- spiellosen Zerrüttung der ten werden. Die Produktionsein- Verhältnisse eine Zerrüttung der ehelichen zurück. Das Statistische Reichsamt konstaTatsächlich tiert nämlich die merkwürdige Tatsache, daß Da die Geldzuwendung als Ehekitt schränkung hatte etwa 15 Pro- Verhältnisse herbeigeführt hat. wenn auch unbeträchtlichem Rück- sagt, hat der Führer, weil er Soldaten zent betragen. Es sind denn auch ge- aber hatte sich in der Zeit von 1929 bis 1932 an den, die Zunahme der Ehescheidungen absolut gang der Ehescheidungen des Jahres 1936 braucht, sich entschlossen, ein Mittel anzuwisse Einschränkungen des Betriebes nötig gewesen<, die aber offenbar aus der Arbeits- und, was entscheidender ist, im Verhältnis zu alle Jahrgänge der Eheschließung beteiligt wenden, das schon deshalb dem nationalsozialosen- und Kurzarbeiterstatistik nicht zu er- der Zahl der bestehenden Ehen in sehr engen sind mit der Ausnahme eines einzigen, der listischem Geist besser entspricht, weil es ein Grenzen gehalten. Die Scheidungen hatten eine beträchtliche Zunahme aufweist. Die Zwangsmittel ist. Er hat seine Beamten vor von 39.424 auf 42.202 und von 1929 je 10.000 Zahl der Scheidungen der Ehen, die erst 1935 die Alternative gestellt, entweder auf Kinder Im geschlossen worden waren, also nur ein Jahr oder auf ihr Amt zu verzichten. G. A. F. bestehende Ehen auf 29.7 zugenommen. sehen sind. bezahlt. ,, Dienst am Menschen" die verDamit wird also deutlich, daß der opferreiche Kampf um Deutschlands Rohstoffreiheit sein Ziel auch nicht annähernd erreicht, sondern die Rohstoffabhängigkeit erhöht hat. wenden muß, als in den damit eingetauschten kassen und Versicherungen die von Hitler- und Schuljugend, sowie SA geNoch dringender als die Ersparung wird des- ausländischen Waren enthalten ist. Deshalb Kranken behandeln müssen, haben sammelt und die Rechnung ist aufgemacht halb die Beschaffung von Devisen. Daher hat der Führer die nominelle Verbesserung es die Versicherten vor der Auf- worden, daß mit der» Ernte<<, nämlich einer die Bevorzugung des Exports bei der amt- der Löhne verboten, also ihre tatsächliche richtung der nationalsozialisti- von 25.000 Tonnen, 1 Million kg Oel und 14 lichen Zuteilung von Rohstoffen. Sie hat Verschlechterung anbefohlen. Ohne diesen schen Herrschaft nirgendwo zu Millionen kg Kastanienschrot zu beschaffen z. B. bei Stöhr zur Folge, daß zwar der An- durch Terror ermöglichten Lohndruck wäre tun gehabt. Den Vertrauensärzten ist seien. Dadurch könnte man künftig,» selbst, tell der Ausfuhr am gesamten Verkaufserlös die Selbstblockade Deutschlands, also seine heute durch strenge Anweisungen zur Pflicht wenn man das Kastanienöl nicht der menschvon 17 auf 23 Prozent erhöht wurde, aber um wirtschaftliche Mobilmachung, längst ge- gemacht, Erwerbsunfähigkeit nur in den aller- lichen Ernährung zuführe<< wohlgemerkt dieses Ergebnisses willen der Inlandsabsatz scheitert. G. A. F. dringensten Fällen zu bescheinigen, und für also:» selbst wenn nicht...!<< über das Maß der Produktionseinschränkung die Gewährung von Medikamenten und Heil- Fette ersetzen, die bis heute noch als techhinaus vermindert werden mußte<. Die verfahren bestehen sehr viel strengere Vor- nische Fette dienten. Aber, was ungleich Selbstblockade des Regimes wird also von den schriften als vorher. wichtiger noch zu sein scheint:» Außerdem heimischen Verbrauchern mit der VerknapWie die Nationalsozialisten den Krieg vorDaß es bei der Einführung der Betriebs- gewänne man, wie die Untersuchungen bereits pung der Textilstoffe und ihrer Verteuerung bereiten und dabei die Welt glauben machen ärzte um nichts anderes geht als darum, diese zeigten, eine ganz besonders gute und reine wollen, daß sie Friedensarbeit leisten, so Schikanen noch zu vermehren und den Ver- Stärke, die sich in der LebensmittelAber nicht nur in der Textilindustrie, auch lügen sie auch auf kulturellem und sozialem sicherten die Inanspruchnahme der Hilfe der industrie an Stelle von Reis- und Maissonst und im allgemeinen werden zwecks For- Gebiet jede reaktionäre Maßnahme in einen Sozialinstitute noch weiter zu erschweren, stärken eigne«... Damit wäre also der Hitcierung des Exports» Opfer< gebracht, die Fortschritt um. Jede weitere Verschärfung das kann selbst dieser Reichsärzteführer- lerpudding auf planwirtschaftauf die Inlandspreise aufgeschlagen und auf der kapitalistischen Ausbeutung und des stellvertreter nicht wegleugnen. In seinen licher Grundlage geschaffen und die die heimischen Verbraucher überwälzt wer- Druckes der Diktatur soll von dem arbeiten- praktischen Vorschlägen für die Tätigkeit englische Blockade wieder einmal im voraus den. In>> Wirtschaft und Statistik<<, 2. Juli- den Volk als ein Beweis der aufopfernden des Betriebsarztes sagt er: gesprengt! Bittersüß ist eben die Roẞkastanie um sein Wohlergehen aufgeHeft, wird mit Genugtuung vermerkt, daß die Bemühungen » Ist es unbedingt notwendig ebenso wie Pg.'s Erdenwallen unter Hitler. Ausfuhr im ersten Halbjahr 1937 um 21 Pro- nommen werden. und gar nicht zu ändern, daß ein Mensch Die ernstere Seite der Angelegenheit ist mit seiner Erkältung, die nicht zur Bett- freilich die, daß Deutschlands Ernährungszent höher gewesen sei als zur gleichen Zeit Nachdem vor einiger Zeit bei den Arbeitsruhe zwingt, aber Schwitzpackungen, Abernannt des Vorjahres. Dieses Ergebnis ist nicht ge- ämtern besondere Vertrauensärzte reibungen verlangt, krank feiert, um diese schwierigkeiten dank der Hitlerpolitik solche rade überwältigend, denn nach» Wirtschaft worden sind, die die Arbeitslosen auf ihre Maßnahmen daheim durchführen zu kön- Formen anzunehmen scheinen, daß sie sich in nen?... Ist es und Statistik bleibt die deutsche Ausfuhr Eignung für bestimmte Arbeiten, z. B. in den notwendig, den absehbarer Zeit in gar nichts mehr von den immer noch um 17 Prozent hinter der von Chemiefabriken, der Landwirtschaft usw., zu Rheumatiker krank feiern zu Verhältnissen etwa des Kriegsjahres 1916 oder lassen, damit er einmal am Tage seiner 1928 zurück, zu einer Zeit, als der Weltaußen- untersuchen haben, sind jetzt im ZusammenBehandlung teilhaftig werden kann? Kann gar 1917 unterscheiden dürften. Das verraten handel die Ziffer dieses Jahres bereits über- wirken der Deutschen Arbeitsfront und der man nicht in den Betrieben Einrichtungen, die sich überstürzenden Anweisungen und schritten hatte. Aber auch dieser unzurei- Reichsärztekammer in größerer Anzahl Beschaffen, die während der Arbeits- Drosselverordnungen im Ernährungsplan<, zeit oder in unmittelbarem An- die selbst in Kleinigkeiten genau chende Anteil Deutschlands an der Verbesse- triebsärzte eingestellt worden. Die Verschluß an sie mit betriebseigenen Mitrung der Weltkonjunktur konnte nur durch trauensärzte der Arbeitsämter haben strenge das wiederholen, was früher einmal die stellteln jene Behandlung unter treuhändeeine beispiellose durch die riesen- Anweisung, nur in ganz besonderen Fällen rischer Aufsicht des Betriebs- vertretenden Generalkommandos dem geduldihafte Subvention der Exportumlage ermög- die Ungeeignetheit der Arbeitslosen für die arztes durchführen lassen, die der Haus- gen Volk» verschrieben<<. So teilt dieselbe lichte Preisunterbietung erreicht in Betracht kommenden Arbeiten auszusprearzt verordnet?<< > Frankfurter Zeitung« soeben mit, daß den chen. Der Betriebsarzt hat die Aufgabe, durch Er sagt es auch selbst, worauf er dabei Bauern auch nicht mehr gestattet sei, eigenes auf die Nach dem Wochenbericht des Instituts für seine Tätigkeit die Krankheitsziffer herabzu- abzielt: Entlastung der Mehl durch die Handmühle sich zu beschaffen, Konjunkturforschung vom 11. August war drücken und dadurch beizutragen, daß die Krankenkassen, indem das Kran-> was so fügt die Zeitung hinzu prakim 2. Vierteljahr 1937 die Ausfuhrmenge der der Krankenversicherung zufließenden Mittel kengeld erspart wird, und darauf, auch tisch wohl bisher keinen zu großen Umfang deutschen Industrie( Export ohne Nahrungs- nicht den Versicherten zugute kommen, son- die kranken Menschen im Betriebe für die angenommen hat, es soll aber durch diese Bestimmung verhindert werden, daß und Genußmittel) gestiegen, 1928 gleich 100 dern für die Zwecke der Diktatur verwendet Wirtschaftskraft zu erhalten. gesetzt, von 60,7 im 2. Vierteljahr 1936 auf werden können. Mit anderen Worten: auch der Kranke Selbstherstellung von Mehl wieder größere 86,6 im 2. Vierteljahr 1937. Zugleich war Obwohl dieser Zweck der neuen Einrich- soll sich nicht der kapitalistischen Ausbeu- Ausmaße annimmt<<. Genau also wie einst aber der durchschnittliche Ausfuhrpreis( 1928 tung ganz unverkennbar ist, unternimmt ein tung entziehen können. in großer Zeit«, da mindestens die Bauern Die Sozialversicherung so gleich 100) gesunken von 67,7 auf 60,4. Bei Beauftragter des Regimes, der stellvertreten>> reformiert<<, das Kriegsmehl mit Sägeabfall als Hauptbeeiner Zunahme der exportierten Menge um de Reichsärzteführer Dr. Bartels in München, daß Kranke nicht mehr krank geschrieben standteil verschmähten und mancher findige ein Viertel war also der auf dem Weltmarkt im > Deutschen Aerzteblatt« den werden, wird zu einer unversiegbaren Geld- Mechaniker Millionär, wenn auch nur Kriegserzielte Preis um 11 Prozent zurückgegan- Versuch, den Betriebsarzt in einen Helfer für quelle für die Kriegsaufrüstung der National- millionär, in Deutschland wurde, indem gen. Allein in dem einen Jahre vom Juni 1936 die Arbeiter umzufälschen. Es wird in dem sozialisten. Kaffeemühlen auf Korn und Weizen ummonbis Juni 1937 war aber nach» Wirtschaft und Artikel tierte und unter der Hand den» Nährgegen die Vertrauensärzte der Sostand< verkloppte. werden. Statistik< die Indexziffer der Weltmarkt- zialversicherungsträger polemisiert, die an Die Roßkastanie schafft's preise von 38 auf 48 gestiegen, also um mehr die Richtlinien ihrer Anstalten gebunden seien als ein Viertel. Die Kurve der Aus- und die» vielfach die Furcht vor künftiger fuhrpreise verläuft also in einer Belastung über den Dienst am Menschen geder Kurve der Weltmarktpreise stellt hätten<. an Dankbarkeit die er Wie bereite ich einen Hitlerpudding? Drei Millionen Roßkastanienbäume hat Deutschland angeblich. Da jetzt die Tage sind, Die deutschen Zeitungen melden voller da deren Früchte hübsch braun werden, ist Stolz, daß eine Hauptstraße in Bilbao künftig und erst recht der Inlandspreise Diese Feststellung schlägt freilich der irgend einem» Stabsleiter« in Görings Vier- den Namen» Deutschlandstraße führen wird. die zerschossenen Häuser in dieser entgegengesetzten Richtung. Die Praxis der Sozialversicherungsinstitute im jahresplan- Gefolge flugs eine neue Idee zur Wenn deutsche> Rohstoffreiheit hat also dazu ge- Dritten Reich ins Gesicht. Denn mit Rettung Deutschlands vom Bolschewismus« Straße notdürftig wieder aufgebaut werden, führt, daß das Dritte Reich, um auch werden jetzt, erhält hoffentlich jedes Gerüst sein Schild: nur einem so ausgeklügelten System eingefallen: die Roẞkastanien ein Mindestmaß von Rohstoffen zu bekommen, von Schikanen, mit dem jetzt die wie die Frankfurter Zeitung mitteilt, auf» Daß wir hier bauen müssen, verdanken wir dafür mehr menschliche Arbeitskraft auf- Vertrauensärzte der Kranken- höhere Anweisung allgemein in Deutschland| u. a. dem Führer.<< Nach der Offensive Berichterstatter.) pe abhängig, von der Ueberzeughelt, mit der sie für ihre Sache kämpft. Eine von ihrer Sache überzeugte Truppe übersteht Mißerfolge, eine gesinnungslose Truppe M., Madrid, Mitte August. hindert. Aber ein großer Teil dieser Bat- Fremdherrschaft. Der abgründige Haß, nicht. Hier liegt immer und immer das || ( Von unserem besonderen taillone ist buchstäblich aufgerieben wor- den das provokatorische Auftreten der Na- große Plus, das die Armee der Republik der Rebellenarmee voraushat. Ein den. Von den starken Besatzungen der zi- Faschisten, die sich bereits als die Her- vor des Landes betrachten, selbst bei Volk, das entschlossen für seine FreiVor mehr als einem Monat setzte die Ortschaften Quijorna, Villanueva de Ca- ren Offensive bedeutender republikanischer nada und Villanueva de Pardillo ist nichts denen hervorgerufen hat, die in ihnen zu- heit kämpft, schöpft selbst aus MiẞerfolStreitkräfte im Sektor Madrid ein. Es hat übrig geblieben. In Quijorna z. B. wurden nächst Verbündete begrüßten, ist ein be- gen, solange sie ein gewisses Maß nicht übersteigen, wichtige Impulse für seinen der Erziehung eines vollen Kriegsjahres mehr als 1200 tote Rebellen beerdigt, dar- sonderes Charakteristikum der Lage. Man kann ganz allgemein feststellen: Kampf. Auf den Verlust Malagas hat das bedurft, bevor aus den ursprünglichen Mi- unter einige hundert Moros, die Francos lizen des Bürgerkriegs eine zu derartigen beste Truppe darstellen. Die Besatzung von Zersetzungserscheinungen großen Stils sind spanische Volk mit der Reorganisierung hat geschlos- fast immer die Folgen unerwartet langer der Armee geantwortet, auf den Verlust Operationen reife Armee sich entwickelt Villanueva de Pardillo Dazu kommen kapituliert. hat. Lang wird diese Frist nur dem vor- sen die Dauer und Härte des Krieges und großer Bilbaos mit der Madrider Offensive. Für kommen, der sich von den technischen starken Verluste, die die Rebellentruppen Verluste.( Man denke z. B. an die große die Rebellenarmee, die zum größten Teil Meuterei von 1917, die eine ohne Ideale kämpft, aus Gesinnsucht und Vorbedingungen einer modernen Offensive bei ihren Gegenangriffen erlitten. Sie wirk- französische keinen Begriff macht. Zu Beginn des Welt- ten sich so demoralisierend aus, daß an unmittelbare Folge des katastrophalen Zu- Abenteurerlust des Söldnertums, aus Geder Diktaturdiener gegen die krieges beruhte der erfolgreiche Angriff den letzten Tagen die Rebelleninfanterie sammenbruches der Offensive Nivelles war, horsam noch im wesentlichen auf dem exakten Zu- trotz stärkster Vorbereitung des Sturmes des» Blutsäufers«<, wie seine empörten Sol-» Führer«, oder auch aus reinen Zwang und Artillerie sammenwirken zwischen Infanterie und Ar- durch Flieger nicht aus daten den General nannten.) Insofern ste- bei ihr müssen Niederlagen zur Zersetzung tillerie. Seitdem sind die Tanks und die ihren Gräben herauszubringen war, bezw. hen die jetzigen Zersetzungserscheinungen führen. kehrt zweifellos in ursächlichen Zusammenhang Wer dies einsieht, der begreift aber Luftwaffe hinzugekommen. Jedes Glied beim ersten Feuer, das sie erhielt, mit den starken Verlusten, die die Madri- auch, wie gerechtfertigt und notwendig das dieser Maschinerie bedarf einer sachkundi- machte. gen Bedienung und das Ganze einer noch In Gefolgschaft der auf dem Schlacht- der Offensive den Rebellentruppen beige- Bestreben der republikanischen Regierung teilweisen Demoralisa- bracht hat. Man muß dabei im Auge be- ist, die hohe Moral ihrer Truppen gegen sachkundigeren Leitung, die Einsatz und feld beobachteten Zusammenspiel der Kräfte regelt. Mit dem tion hat sich eine noch weitergehende all- halten, daß diese Verluste die besten und jede Antastung, gegen jede Verfall durch bloßen Besitz der Waffen ist noch gemeine Zersetzung auf der Rebellenseite gesinnungsmäßig zuverlässigsten Truppen niemals aussetzende Schulung und Belehbetroffen haben. rung zu erhalten vor allem aber auch nichts getan: in der Kunst ihrer Anwen- eingestellt. Die Nachrichten hierüber, die Francos am stärksten dung liegt der Erfolg. in den letzten Wochen teils durch Ueber- Wenn nach sicheren Berichten in einem die Moral gegen jede bewußte ZerGeht man hiervon aus, so hat die repu- läufer, teils auf Grund eigener Beobach- Fall sogar eine mehrere hundert Mann setzung zu schützen, mag sie kommen, blikanische Armee ihre Abteilung der unverwüstlichen woher sie will. Die Moral der republikatechnische Ver- tungen der Regierungstruppen eingingen, starke vollkommnung in der abgelaufenen Kampf- sind überaus lehrreich. An den verschie- Moros gemeutert hat, wahrscheinlich der nischen Truppen ist ihr kostbarstes Aktiperiode klar erwiesen. Es ist ihr gelungen, densten Frontabschnitten ist es zu bewaff- Rest einer fast aufgeriebenen, ursprüng- vum, und es bleibt deshalb die dringlichste eine stark befestigte und gut verteidigte neten, blutigen Auseinandersetzungen zwi- lich weit stärkeren Truppeneinheit, so ist Aufgabe, Streitigkeiten, wie es die Rebelfeindliche Stellung in erheblicher Tiefe zu schen Rebellentruppen, bezw. zu bewaff- leicht auszudenken, wie die Stimmung bei lentruppen bereits zersetzen, aus der redurchstoßen, den erstrittenen Geländege- neten Volksaufständen gegen sie gekom- den Battaillonen der Zwangsrekrutierten publikanischen Armee fernzuhalten, welso mancher ches auch die Streitpunkte sein mögen. winn nach den Flanken hin bis zu einer men. Dabei hat auch der nationale Gegen- aussieht, unter denen sich verteidigungsfähigen Breite auszubauen satz zwischen den spanischen Truppen heimliche Anhänger der Republik befindet. Die. republikanische Armee muß eine ArIm Kriege siegt aber schließlich die bes- mee der Volksfront sein und bleiben, und ihn gegen sehr heftige Gegenangriffe Francos und den italo- deutschen Eindringbis auf geringe Verluste festzuhal- lingen eine wichtige Rolle gespielt. Eigent- sere Moral. Nicht in dem verkehrten Sinne, sie darf in keinem Sinne eine Parteiarmee ten. All das sind Leistungen, die allein lich können sich die Hitler und Mussolini daß es auf die Moral der Truppen allein werden, innerhalb derer einzelne Gruppen einer technisch und moralisch auf der Hö- schon auf Grund ihrer bisherigen Erfah- ankäme. Ganz allgemein, für jede Truppe und Parteien um die Macht ringen. Wahrt he befindlichen Truppe möglich waren. rungen an den Fingern abzählen, was so- gilt das Gesetz, daß Waffenerfolg den Mut die republikanische Armee diese Einigkeit, Freilich ist der Endsieg, auf den über- gar im Falle eines Rebellensieges der näch- und die Kampfbegeisterung hebt, so wie dann wird ihre Julioffensive der erste groschwängliche Optimisten bereits spekulier- ste Akt sein würde: allgemeine spanische Niederlage und schwere Verluste sie min- Be Schlag zur militärischen und moraliten, damit noch keineswegs errungen wor- Erhebung zur Abwerfung der italo- deut- dern. Aber der Grad, in dem das ge- schen Zertrümmerung der Rebellenarmee er ist von der Moral der Trup- gewesen sein. den. Es ist auch das strategische Ziel vor- schen Ausbeutung, Bevormundung und schieht, läufig nicht erreicht worden, die Rebellenarmee zum gänzlichen Rückzug von Madrid zu veranlassen. Aber wer hierüber den Kopf hängen läßt, der möge sich einmal daran erinnern, wieviel Offensiven Franco seinerseits bisher gegen Madrid unternommen hat, und zwar zu Zeiten, als noch die volle Ueberlegenheit an Bewaffnung, an technisch ausgebilde- ción Española hat man dieser Tage ten und disziplinierten Truppen auf seiner ein höchst interessantes Dokument gefunden, nämlich die Kopien des Protokolls der 1. Seite war, ohne auch nur entfernt das zu erreichen, was den republikanischen Trup- Sitzung, in der( 2½ Jahre vor dem Ausbruch pen bei ihrer allerersten, spontanen Offen- des Generalaufstandes!) feste Vereinbasive auf den Schlachtfeldern von Brunete, rungen über die offizielle HilfeleiQuijorna und Villanueva auf einem Schlag stung Italiens gelungen ist. Die Vorbereitung des Bürgerkrieges Der Geländegewinn von mehr als hundert Quadratkilometern, die im Endresultat in den Händen der Republikaner blieben, sieht zwar gering aus, an der Größe des gesamten spanischen Kampfgebietes gemessen. Aber es ist zu beachten, daß es sich um Gelände von entscheidender strategischer Wichtigkeit handelt. Brunete, Quijorna, Villanueva liegen genau im Westen Madrids; der Verlust dieser Orte, bezw. der an sie anstoßenden Höhen stellt eine schwere Rückenbedrohung der an der Stadtgrenze Madrids, in der Universitätsstadt und in der Casa del Campo operierenden Streitkräfte Francos dar. Freilich ist die Bedrohung noch nicht so stark, daß Franco diese Positionen jetzt preisgeben müßte; dazu hätte der Vorstoß der republikanischen Streitkräfte noch ein Dutzend Kilometer weiter nach Süden, etwa bis Navalcarnero durchdringen müssen. Aber im ganzen betrachtet ist Francos Stellung vor Madrid durch die im Rücken drohende Abschneidung viel ungünstiger geworden, und ein neuer Versuch, die Stadt zu nehmen, erscheint noch aussichtsloser als seine Vorgänger, bevor nicht Franco das verlorene Terrain zurückerobert, ein Unternehmen, woran er seine besten Sturmtruppen setzen müßte, Sturmtruppen, die dann für die Eroberung der Stadt selber ihm fehlen würden, selbst wenn sie die erste Aufgabe, woran zweifeln ist, lösen könnten. Nun aber hat die Julioffensive bereits Francos beste Streitkräfte zermahlen. Um nur halten zu ihre Position vor Madrid können, haben die Rebellen ihre an anderen Fronten für wichtige Offensiven bereitgestellten Stammtruppen von dort abziehen müssen, so namentlich von der Nordfront, ebenso von der Teruelfront. Die Zusammenballung von fünfzig oder mehr Bataillonen an den bedrohtesten Punkten der Madrider Front, zugleich die Zusammenziehung ihrer gesamten Flugwaffe hier hat zwar einen völligen Zusammenbruch der Rebellen im Madrider Abschnitt verzu Wie Mussolini 1934 die Putschisten unterstützte In den Archiven der Partei» Renovabei einem zukünftigen Aufstand der Rechten gegen das republikanische Regime Spaniens getroffen werden. Das Protokoll lautet: mit dem mission bilde aus Herrn Olazabal und tes gearbeitet. Wie wäre es anders zu erVertretern der zwei genannten Parteien; klären, daß der italienische Staatschef bediese wurde beauftragt, derlei Fonds zu reits im Jahre 1934(!) offiziell mit Elementen der spanischen verwalten und sie den beiden Parteivorsit- konspirativen zenden ihnen großzur gemeinsamen Verfügung zu Rechtsparteien verhandelt und übergeben, zu ihrer Aufteilung hier zügigste Hilfe für jeden Umsturzversteht ein unleserliches Wort unter die such zusagt, der die durch eine spontane beiden Parteien in der Form und unter den große Volksbewegung i. J. 1931 geschaffene Bedingungen, die diese disponieren würden. Republik beseitigen würde? einem großen daß sie im Juli der Zivilisation gegen Durch eine skrupellose, aber grandiose In derselben Weise einigte man sich in bezug auf die erste Waffenlieferung und Propagandakampagne haben es die faschisti»> Die Unterzeichneten, Generalleutbeschloß, daß die genannten Vorsitzenden schen Regierungen erreicht, nant Emilio Barrera, für seine alle erforderlichen Maßnahmen veranlassen Teil der Welt einzureden, eigene Person; Don Rafael Lizarra, würden, um die jeder Gruppe entsprechen- 1936 nur im Namen in Vertretung der» Comunion Tradiden Teile zu übernehmen und für ihren den» kulturzerstörenden Bolschewismus« auscionalista«, der Pyrenäenhalbinsel aus und Don Antonio Transport nach Spanien zu sorgen. zogen, der von ganz Westeuropa bedrohte. Das wurde und Goicoechea, als Chef der Partei>> ReRom, 31. März 1934.<< wird behauptet, obgleich gerade die Kommunovacion Espanola« geben folg. zu ProtoDer bedeutendste Kopf der> Renovación nisten die geringste Zahl von Anhängern unkoll über die heute, am 31. März 1934, um 4 Uhr nachm. stattgefundene Unterredung Española< war Calvo Sotelo. Es gehört ter den Link: sparteien hatten und obgleich italienischen Regierungschef, mit zu den Verdrehungen der wahren Zusam- die Regierung, gegen die der Generalwenn die Franco- Anhänger in putsch sich richtete, eine rein bürgerHerrn Mussolini, begleitet von dem menhänge, und außerhalb Spaniens behaupten, daß die liche war! Aber auch mit einer noch so Marschall Balbo.. Der italienische Chef stellte eingehend- Ermordung von S. der Anlaß des Bürgerkrie- kühnen Verdrehung der Tatsachen wird selbst über die ges gewesen wäre. Seine Ermordung war das der tüchtigste Propagandachef nicht klarste Fragen an jeden einzelnen daß Spanien im Frühaugenblickliche Situation der spanischen erste Attentat auf einen führenden Mann der machen können, den künftigen Politik, über die Wünsche des Heeres und Rechten, während zahlreiche Attenta- jahr 1934, als Mussolini ersten Waffen und Gelder der Marine und die Ziele der monarchisti- te auf Minister und Parteiführer Putschisten die bolschewistisch, war. Es ist der schen Parteien. Daraufhin gab er den Ver- der linken bürgerlichen Gruppen schenkte, und Sozialisten vorausgegangen Frühling nach den Herbstwahlen von 1933, sammelten folg. Erklärungen ab: der Rechts1. Daß er bereit sei, mit allen erforder- waren, ohne daß die Regierung zu so drasti- die einen entscheidenden Sieg lichen Mitteln die zwei vertretenen Oppo- schen Mitteln griff. Daß sein Tod als so be- parteien gebracht hatten: 352 Abgeordneten von den Aufständi- der Rechten standen nur 121 Deputierte der sitionsparteien in ihrem Kampf gegen sonders verhängnisvoll schen empfunden wurde, wird verständlich| Linken gegenüber, darunter nur 58 Sozialidas herrschende Regime zu undie Republik abzu durch die Nachrichten, die durch die Presse sten und 1( ein) Kommunist! Die Regierung schaffen und an ihre Stelle eine Regent- der Rechten durchgesickert sind: er war als wurde von Lerroux geführt, dem ehemaligen entschlossenen Republikaner, der aber schaft zu setzen, die die vollständige politisches Oberhaupt auserselängst seinen Frieden mit der Rechten geder Monarchie hen, das General Sanjurjo beigegeben werden sollte wahrscheinlich als Belohnung macht hatte und die Leitung der Geschicke vorbereite. Diese Erklärung wurde von Herrn Mussolini dreimal feierlichst wieder- für die Verdienste, die er sich um die Vor- des Landes den alten Mächten der kirchlichen überantwortet hatte. holt und von den Anwesenden mit selbst- bereitung und Finanzierung des Aufstandes weltlichen Republik Gute zwei Jahre vor Ausbruch des Aufverständlichen Worten der Bewunderung im In- und Ausland erworben hatte! und des Dankes aufgenommen. In diesen Tagen, wo der italienische Duce standes versorgte Mussolini bereits die komEngland und der menden Verschwörer mit Waffen und Geld; 2. Daß er, als praktische Demonstration in seiner> Friedensrede< und zum Beweise seiner guten Absicht, be- Welt gegenüber kühn erklärte, er würde nicht das hinderte ihn aber nicht, monatelang im reit sei, sofort 20.000 Gewehre, dulden, daß am Mittelmeer der Bolschewis- Nicht- Interventionsausschuß 20.000 Handgranaten, 200 Ma- mus sich festsetze, trifft es sich gut, daß und von allen Regierungen Europas zu verschinengewehre und 1, 500.000 die spanische Regierung, die wertvolle Do- langen, daß sie der legalen Regierung eines Peseten in Metallgeld auszuhändigen. kumente ans Licht der Oeffentlichkeit ge- souveränen Staates jede Möglichkeit nähmen, 3. Daß diese erste Hilfeleistung nur bracht hat: Dieses beweist authentisch, was die Waffen käuflich zu erwerben, die sie zur einen vorbereitenden Charakter trage und bisher dokumentarisch nur in bezug auf den Niederschlagung einer Rebellion durch andere, größere Leistungen ergänzt Freund und Bundesgenossen Italiens, den braucht. Verteidigungskampf der Zivilisation werden würde in dem Maße, wie die jewei- deutschen Nationalsozialismus bewiesen wer- gegen den anstürmenden Bolschewismus oder ligen Umstände es erforderten. den konnte. Beide faschistischen Regierungen gewaltsame Expansion des totalitären Syterstützen, um Restauration mitzuarbeiten unbedingt Die Anwesenden kamen dahin überein, haben seit Jahr und Tag intensiv an stemes, das ideologische Vorwände benutzt, daß sich zwecks Entgegennahme der ge- der Untergrabung des demokrati- um seine höchst realen Machtgelüste zu benannten Geldsumme eine dreiköpfige Kom- schen Regimes eines fremden Sta a- friedigen?? Nr. 221 BEILAGE 5. September 1957 Ein Bnßprediger Germaniens Friedrich Wilhelm Foerster: Europa und die deutsche Frage Im kathoüschen Vita Nova-Verlag in Luzern hat Friedrich Wilhelm Foerster sein neues Buch erscheinen lassen.»Europa und die deutsche Frage« ist auch ein durchaus katholisches Buch. Der Katholizismus freilich, den es predigt, trägt wieder ganz persönlich Foerstersche Züge. Was ist der Sinn dieser Zeit? Der Sinn aller Zeiten! Kampf des Lichta mit der Finsternis, der Götter mit den Titanen, des Guten mit den Bösen. Das Böse, das ist das»kollektive Tier«, das Gute aber ist die Welt Christi. Das»kollektive Tier«, ist verkörpert im vernaziten, das heißt durch und durch verpreußten, dem Gewaltaberglauben verfallenen Deutschland. Sein Furor ist»Logik des Teufels«. Und dieser Furor hat eine Dynamik, der nur die Dynamik Christi gewachsen tut. Es genügt nicht, daß die Deutschen friedlich, human, demokratisch, sozialistisch werden— nein, es wird nicht besser, solange sie nicht alle christlich in Foersters Sinne geworden sind. Wir erleben eine Wiedergeburt des Christentums. Im Kampf gegen die nazistische Barbarei erregen katholische und protestantische Geistliche durch ihre Tapferkeit Bewunderung. Wo wäre noch einer auf der Linken, der etwa einen Niemöller, einen Faulhaber»Pfaffen und Volksver- dummerc schimpfte— das Wort würde ihm auf den Lippen erstarren. Kirche und Prozessionen erhalten einen gewaltigen Zulauf von Gläubigen und Ungläubigen. Ja, auch von Ungläubigen— aber daß sich diese Ungläubigen, um nicht zu ersticken, zu den Altären flüchten, ist- das nicht schon für die Altäre ein ungeheuerer moralischer Erfolg? Kommunisten stimmen für die konfessionelle Schule und rühmen sich dessen laut. Gewiß, tun sie es nur aus Opportunismus, gleichviel— Leuten, denen es vor fünf Jahren nicht mehr genügte,»Freidenker« zu sein, die durchaus»Gottlose« sein mußten, sie stimmen jetzt katholisch und rek- ken die Hälse zur Kanzel, wenn Faulhaber j oben steht und spricht. Foersters Buch lehrt nun wohl ein etwas anderes Christentum, als die Faulhaber und die Niemöller. Aber es bleibt trotzdem ein Zeichen der Zeit, und als solches muß man es ernst nehmen. Sein Verfasser ist sicherlich nicht dümmer und nicht ungebildeter als die meisten seiner Kritiker. Aber er lebt in einer ganz anderen Welt als sie. Und das macht das Ein- anderverstehen so schwer. Foerster glaubt, daß der Welt, in der er jetzt lebt, die Zukunft gehört. Es mag sein, daß seinem heißen Glauben eine stärkere»Dynamik« innewohnt als unseren kühleren Zonen entstammenden Ueberzeugungen. Und doch sind wir genötigt, den Totalitätsanspruch, aus dem Foersters Dynamik entspringt, mit derselben Entschiedenheit abzulehnen wie jeden anderen. Wir können uns verständigen mit einem Christentum, das sich mit uns verständigen wül. Wir lehnen aber jede Diktatur ab, auch die eines Dogmas oder einer Hierarchie. Wenn Foerster, der Föderalist, der Erzfeind des Preußentums, die katholische Position bezieht, handelt er mit einer gewissen rückwärtsgewandten Konsequenz. Deutschland war einmal föderalistisch, unpreußisch und katholisch. Das ist für Foerster die goldene Zeit. Aber dann kamen die Ordensritter(waren sie nicht auch Katholiken?) und kolonisierten mit Mord und Totschlag den slawischen Osten. Und später kam die Reformation, die Säkularisierung, die Verweltlichung so vieler Einrichtungen und Güter, die vordem geistlich gewesen waren, der Aufstieg des protestantischen Preußen, Bismarck, Wilhelm H. und schließlich als höchste Personifikation der antichristlichen nationalistischen Selbstsucht Hitler. Hier muß ich gestehen, daß meine Inhaltsangabe lückenhaft geworden ist. Aber der Leser würde es nicht verstanden haben, wenn ich ihm ohne Vorbereitung mitgeteilt hätte, daß für Foerster Männer wie Ebert, Wirth, Rathenau und Stresemann keineswegs geistige Antipoden Hitler, sondern nur seine Vorläufer und Wegbereiter gewesen sind. Sie füllen in seiner Darstellung die Lücke zwischen WUhelm H. und Hitler mit einem homogenen Stoff. Für Foerster ist die demokratische Republik nicht etwas vom Dritten Reich grundsätzlich verschiedenes, sondern nur eine Maske, die sich das böse Preußentum vorgebunden hatte, um seine Gegner zu täuschen. Als es sich wieder stark genug fühlte, zeigte es sein wahres Gesicht. Der Ungläubige wird einwenden: Aber Hitler ist doch kein Preuße, sondern ein Oesterreicher, Göring ist ein Bayer, Göb- bels als Rheinländer nur Muß-Preuße. Heß, Rosenberg, Darre sind Exoten— wo bleibt da die überragende Macht des Preußentums? Es gibt offenbar für Foerster ebenso weiße Preußen, wie es für die Antisemiten weiße Juden gibt. Der Ungläubige könnte ferner einwenden, daß das Konfuse, Ekstatische, Psychopathische, das dem Nazismus anhaftet, etwas absolut Unpreußisches, ja geradezu Antipreußisches ist. Foerster würde darauf antworten, daß der Gewaltwille, der hinter diesen Oberflächen-Erscheinungen stehe, eben ganz anders als diese geartet sei, nämlich preußisch. Gläubigen hat es nie an Argumenten gefehlt, um Ungläubige zu widerlegen. Wir stimmen mit Foerster vollkommen darin überein, daß das, was e r als Preußentum ansieht, vernichtet zu werden verdient. Was wir aber ebenso entschieden ablehnen, ist die Identifizierung einer bestimmten Geisteshaltung mit bestimmten geographischen oder ethnographischen Begriffen. Eine solche Identifizierung schlägt den höchsten sittlichen Forderungen, die Foerster selbst stellt, ins Gesicht, sie ist ungerecht, unsittlich und unchristlich. Woher dieser ungeheuere Widerspruch? Er erklärt sich daraus, daß Foerster nicht ein internationaler sozialistischer oder christlicher Richtung, sondern ein auf den Kopf gestellter Nationalist ist. Für ihn heißt es keineswegs:»Gehet hin und lehret die Völker!« Für ihn gibt es nur ein einziges Volk, an das er sich mit seinem fanatischen Bekehrungseifer wendet, und das ist sein Volk. Dieses Volk und dieses allein, macht er zum Objekt seiner pädagogischen Bemühungen, und er ist ein harter Erzieher, ein unerbittlicher Bußprediger. Er schenkt ihm nichts, es muß seine ganze Schlechtigkeit im Spiegel sehen: die Schuld am Weltkrieg, die Grausamkeit der Kriegsführung! Dafür war der Frieden von Versailles noch zu gelinde, und die Erleichterungen, die gewährt wurden, kamen zu früh. Kein Zweifel, Foerster erwartet eine noch schlimmere Niederlage, und einen noch härteren Frieden als ein notwendiges Erziehungsmittel für sein Volk, damit es schüeßlich aus allen Prüfungen geläutert hervorgehe und die Welt doch noch einmal an deutschem Wesen genesen kann. Foerster nennt sich selbst einen glühenden deutschen Patrioten. Ich glaube, damit sagt er zu wenig. Er ist e i n C h a u- v i n i s t und chauvinistischer als alle Chauvinisten. Es ist sein umgestülpter Chauvinismus, der ihn an allen Nichtdeutschen, mögen sie Stalin, Mussolini, Schuach- nigg, Clemenceau oder Poincare heißen, nur die guten Seiten erkennen läßt, während er einen Rathenau als»Mitmacher« abkanzelt, Stresemann aber geradezu als einen Betrüger hinstellt, der den braven, leichtgläubigen Briand hineingelegt hat. Foerster hält die Deutschen ebenso wie die Juden für ein Missionsvolk. Wir glauben nicht an auserwählte Völker und gehen darum in unserem Läuterungseifer nicht so weit. Richtig scheint uns dagegen zweierlei: erstens, daß jede von den menschlichen Sittengesetzen abstrahieren" de Politik, gleichviel, wer sie treibt, ein furchtbares Uebel ist, und zweitens, daß eine solche Politik, wenn sie von Deutschen betrieben wird, außerdem noch ein ungeheuerer Unsinn ist. Denn das Deutachtum nimmt durch seine Zahl, seine Leistungsfähigkeit, seine Verbreitung auf zahlreiche Staaten und Länder, besonders im Osten und Südosten Europas, eine sol- Das Berliner Bezirksamt Prenzlauer Berg hat Promenadenbänke mit der Aufschrift versehen lassen: Juden verboten. Wie sage ich es der SA? che natürliche Vorzugsstellung in der Welt| ein, daß es, um sich gebührend zur Geltung zu bringen, gewaltsamer Methoden am wenigsten bedarf. Versailles und St. Germain waren, zumal nach der Streichung der Reparationen, für einen neuen AufDer nicht unbeträchtliche Wirrwarr, der Reichssportführers« einerseits und die des stellte noch der>> Gebietsführer der Hitlerstieg gar kein so schlechter Start. Wenn sich an die durch die historischen Gegeben-> Stabchefs der SA< oder des Reichsleiters Jugend Schindler fest, daß dem Totaliman freilich, wie Foerster es tut, sich ge- heiten der Hitler-> Revolution<< bedingte Ver- der SS< andererseits, um dort im Sinne jener tätsanspruch der HJ dadurch Rechnung gegen Locarno und Deutschlands Aufnahme in den Völkerbund ausspricht, und jede, eigentliche Revolutions<-Truppe, pflichtung des Führers< knüpfte, seine ur- Schachtschen Piratenweisheit, daß> sie ja tragen worden sei, daß>> der Reichssportdie SA, schließlich alle in einem Boot sitzen«, immer führer die Betreuung des gesamten Jungauch die friedlichste Vermehrung deutum ihre Putschbeute bringen zu müssen schen Einflusses im Ausland als Panger- eine Verpflichtung und ein Zwang, die wieder, wenn auch noch so notdürftig und ge- Sportes in die Hände des Amtes für Leibesbe- brechlich, eingerenkt oder doch vertagt zu übungen der Reichsjugendführung gelegt manismus beargwöhnt, dann fordert man kanntlich den 30. Juni auslösten- ist sicher- werden. In letzter Zeit verdichtet sich aller- habe«. Wie gesagt: das sind die wörtlichen die Frage heraus, wie sich ein solcher Rat- lich noch nicht in sein letztes Stadium ge- dings aus einer ganzen Reihe sehr deutlicher Konstatierungen des amtlichen Kommuniqués geber das richtige Verhalten des deutschen treten und läßt nach wie vor alle Möglich- Symptome der Gesamteindruck, daß es mit selbst! Was bei dieser Sachlage für den eigentVolkes in der Praxis eigentlich vorstellt. keiten, Grotesken ebenso wie Explosionen, diesem Führungsprinzip< so sachte zu Ende lichen Sport nun eigentlich übrig bleiben soll, Selbst wenn es willig auf alle seine Ratoffen. Nach allen möglichen anfänglichen Ex- geht und der offene Krieg fraglich, wie wird wohl das Rätsel der Macher des Dritten schläge eingingewer garantiert ihm, perimenten zum Teil grimmig- komischer er ausläuft! an allen Fronten beginnt. Die Reiches bleiben müssen. Da dann auch noch daß danach nicht ein neuer Ueber- FoerNatur, die hinter ihren Bonzen noch immer SA will eine Monopolstellung im deutschen ein Vertreter des> Sportamtes der Deutschen Der deutsche Sport als Opfer der Hitlerschen Regime- Sorgen ster aufstünde, der entdecken würde, daß auch diese Bekehrung nichts anderes sei als eine widerliche Heuchelei und eine neue Maske, die sich das Preußentum vorgeFoerster ist viel zu katholisch, als daßẞ bunden habe. nicht versorgten» alten Kämpfer« irgendwie Sportbetrieb an sich reißen, weil sie sonst Arbeitsfront«, der Pg. Lorch darauf bevon der Politik ab, und in ungefährliche Be- ihre Leute nicht in jener auf den Sport allein standen hat,>> wettkampftüchtige Mitglieder tätigungsgebiete hineinzuschieben es gab beschränkten Genügsamkeitsstimmung halten der Betriebe in Wettkampfgemeinschaften der da schon Schneeschippen im Winter, Ver- kann; dabei sind die Absichten auf das oft Deutschen Arbeitsfront zusammenzufassen<<, er mit dem politischen Katholizismus aufgaben« durch Massenproduktion von» Ka- der modernen Form für sie das eigentlich an- es nun» Pflicht aller sei, sich in die nunvertagen. Die Aushöhlung In des alten Sportes hat dann in den allerletzten Tagen noch insofern weitere Fortschritte gemacht, als der>> Stabschef« Lutze der SA selbst an die Rampe mit getreten ist und in Interviews Nazireportern und in eigenen Zeitungsartikeln die große Aktion der SA für ihren>> Wehrsport<<, die aber eben nur möglich ist auf Kosten der alten Verbände, in allernächste Aussicht gestellt hat. Nun braucht man gewiß alle Reunpolitischen Opposition gungen solcher kehrsregelung mit angemaßten Polizeibefug- reiche Vermögen der» Vereine« und die allge- konnte Herr von Tschammer- Osten die denknissen, freiwillige Feuerwehrdienste,» Kultur- meinen Erträgnisse jeden Sportbetriebes in würdige Sitzung mit dem Appell schließen, daß der Vorhitlerzeit etwas zu tun haben könnmeradschaftsabenden« und andere Betäti- treibende Moment. Umgekehrt wollen sich die mehr einige Front der deutschen Leibeste. Der Kritik, die er an ihm übt, kann gungen im Amüsiergewerbe ist man schon» Vereine« nicht noch weiter ausrauben und übungen einzugliedern«... In jedem anderen man zustimmen oder widersprechen. Nur seit längerer Zeit auf den noch am meisten drücken lassen, schon allein deshalb, weil das Lande würde nach allem Vorangegangenen hier wird man dabei finden, daß dieser Katho-| versprechenden Ausweg verfallen, den deut- für die Konkurrenzfähigkeit des deutschen ein solches Kommuniqué mindestens» stürlizismus eben in allem, was er richtig oder schen Sport mit diesem politischen SA- Sports im internationalen Rahmen geradezu mische Heiterkeit<< registriert haben. falsch gemacht hat, politisch gewesen Komplex zu belasten. Als natürliche Folge- verheerende Folgen haben müßte. Das Re- Deutschland muß so etwas kommentarlos geist. Foersters Katholizismus ist ganz ande- erscheinung dieser politischen Regime- Maß- güme dürfte freilich angesichts dieser Sach- schluckt werden! rer Art. Er ist von Grund auf unpolitisch. nahme ist nun freilich im deutschen lage durchaus entschlossen sein, den Sport Man kann sagen, er stehe außerhalb, man Sportbetrieb eine enorme Des- seiner politischen Räson zu opfern! Es kann auch sagen, er stehe oberhalb jeder organisation eingetreten: überall kommt hinzu, daß es immer schon mit einem Politik. Er mag auf eine Minderheit, die stehen sich die» alten< Verbände und Vereine trockenen und einem nassen Auge die interseelisch entsprechend vorbereitet ist, wek- mit ihren freiwillig geworbenen Mitgliedern nationale Seite des Sportes betrachtet hat und kend und aufrüttelnd wirken. Massen wird und auch freiwillig gezahlten Beiträgen einer- daß die Gestapo von jedem Fußballänderspiel, er nicht in Bewegung setzen. Wenn er seits und die SA- und SS- Formationen, die das irgendwo draußen stattfindet, die entsein Ziel erreichen will, muß er erst die nun auch gewissermaßen den Sport» haupt- sprechend wachsende Vermehrung von einNichtchristen zu Christen, und dann noch amtlich< betreiben müssen, wie Hunde und gefleischten Staatsfeinden« feststellen muß. die Christen zu Christen in seinem Sinne Katzen gegenüber. Ueberall gibt es KompeIn den letzten Wochen fand im Hause des machen. Das aber heißt, die Entscheidung tenzgezänk und Schmutzkonkurrenz um Spiel- Deutschen Sportes in Berlin eine wichtige bis zu einem ganz unbestimmten Zeitpunkt termine und Spieltrophäen. Man jagt sich die Spitzenbesprechung über diese immer akuter Mitglieder gegenseitig ab, wobei die» alten werdende» Krise« statt. Das wohlstilisierte gegen das Regime, wie sie hier in manchem Der Staat, der in Wirklichkeit eines Vereine natürlich schon dadurch den kürzeren Kommuniqué der> Pressestelle des Deutschen Tausend von kleinen Sportklubs und vielTages aus den Trümmern der Hitlerei ent- gewöhnlich ziehen, daß hinter dem» Wehr- Reichsbundes leicht bei Hunderttausenden von Nur- Sportfür Leibesübungen<( DRL) stehen wird, wird weder der Idealstaat sport<< der SA und SS( was freilich nicht viel darüber mußte lern äußern mag, die bisher in der Sache die sportliche Fachpresse Platos, noch die Civitas dei des Heiligen mehr als nur ein Schlagwort ist, da hier ge- allenthalben ihres Schwimmvereins oder Fußballklubs aufkommentarlos übernehmen. Augustin, noch der Zukunftsstaat August nau so Fußball gingen und das auch sicher weiter so halten bei guten Eintrittsgeldern Trotz aller schlaubergerischen Umschreibung möchten, nicht zu überschätzen. Aber wenn Bebels sein. Wahrscheinlich wird es in oder Schwimmfeste mit zahlungsfähigen Tri- des wahren Sachverhaltes( daß nämlich da großem und ganzem ein Staat sein, von bünen absolviert sein wollen) gewöhnlich die die gegenteiligen Interessen sehr hart anein- zent die Rede sein sollte, die Hitler angeblich wieder einmal von den fünfundneunzig Prodessen Art es schon einige gibt, und in Polizei oder doch die Gemeindekasse steht. ander geraten sind) ist er doch für den Ein- im Volksganzen hinter sich habe, dann sollte dem für die christliche Kirche ebenso Platz Dafür haben freilich die Vereine wieder den geweihten klar genug aus dem Dokument zu man auch einmal im kommenden Winter in sein wird wie für die sozialistische Arbei- Vorteil, daß sie die eigentlichen Passionisten erkennen. Da hat der» Obergruppenführer< deutschen Turnhallen oder auf Ballspielterbewegung. An der Schaffung eines sol- einer besonderen Sportart in sicherlich tradi- der SA Herzog,» Stabsführer der Obersten chen Staates mitzuarbeiten, könnte eine tionellerem Stil betreuen können und darum SA- Führung«, es den entsetzten Verbandsvor- plätzen so unter der Hand flüsternd herumAufgabe für den politischen Katholi- den struggle for existence«, der auf der gan- sitzenden klar genug ins Gesicht gesagt, daß zismus sein, vorausgesetzt, daß es einen zen Linie entbrannt ist, immer noch, trotz die SA» den Auftrag erhalten habe, Träger solchen noch gibt. F. St. aller behördlichen Benachteiligungen im Ver- und Durchführer der NS- Kampfspiele zu gleich zu den» alten Kämpfern« bestehen kön- sein«. Diese Berufung habe> draußen im Die ostpreußischen Teilnehmer des> AdolfLande viele Fragen ausgelöst; es bestehe Daß dieser Sportkrieg noch nicht in Bür- aber(!) kein Gegensatz zwischen SA und Hitler- Marsches< wurden auf der Durchreise Genrebild aus dem modernen Berlin: Durch gerkrieg umgeschlagen ist, verdankt das Re- DRL, geschweige denn eine Gegnerschaft der nach Nürnberg in Merseburg feierlich empgedruckten Anschlag an den Straßensäulen gime der Tatsache, daß das Führerprinzip< SA mit dem Ziel der Zerschlagung des DRL<... fangen. Der Führer des> Bannes Merseburg<< Berliner Nordens teilt Frau Willers, im Organisatorischen der deutschen Leibes-( wir folgten hier dem Kommuniqué wörtlich! hielt ihnen eine Ansprache und sagte( laut Schievelbeiner Straße 37 allen mitleidigen übungen genau so mit allen diktatorischen D. R.) Dann Brigadeführer der SS Herr-» Preußische Zeitung« Nr. 233): >> Putzi« unter den fünfundneunzig Prozent! des Da kann auch ein Kakadu nichts machen. nen... Kon- Berlinern mit, daß ihr Papagei» Putzi« Vollmachten fungiert, wie auf allen anderen mann:> Auch die SS zieht ihre tüchtigen entfleucht sei; besondere Kennzeichen: er Gebieten des» totalen« Staates. Die Feind- Kämpfer in der SS- Sportgemeinschaft zuspricht:» Pfui, du sollst nicht beißen!<< und schaft und die einzelnen Feindseligkeiten sammen; die SS wolle aber(!!!) keine >> Heil Hitler!< passieren vorerst sozusagen die Büros des Sonderrechte innerhalb des DRL<. Schließlich Das Hexen- Einmaleins Faust, III. Reich, letzter Akt. Ort: Hexenküche in Berchtesgaden, auf dem altgermanischen Herd steht ein großer Kessel, in dem jeder seine Suppe kocht. Die Hexe in der Uniform eines Fliegergenerals Sud umher. Hexe: Dies sei dein Stolz: | Mephistopheles: Das ist noch lange nicht vorüber, Ich kenn es wohl, es ist kein leerer Wahn: So klingt der ganze Vierjahrsplan. Aus dem Hinterhalt fragen, um ganz richtig im Bilde zu sein... Kindermund > Die Hitlerjugend gehört zum Arbeiter, wie die Faust zum Hammer, wie Hammer zum Amboẞ.< wie die Knute zum Rücken. Der wackere Oberbürgermeister Dr. Lip-[ immer die Frechheit haben, gelegentlich in pert aber weiß Rat: Schon 1935 habe er in Gottes freie Natur zu pilgern. den Wannseebädern ein Schild anbringen Diese heroische Tapferkeit gegen Unterlassen, das den Juden jeglichen Zutritt ver- legene, Waffenlose, Minderheiten und Schwäbietet, Jedoch:» Auf Wunsch des Auswär- chere macht den Nazis niemand nach. tigen Amtes haben wir es wieder wegnehmen müssen, als die VorbereitunDer» Völkische Beobachter« brachte kürzrührt mit seltsamen Gebärden im lich ein Inserat, in dem sich das Schwarze gen zur Olympiade rollten... Dafür Korps< empfiehlt. Womit? Mit einem Photo wurde eine andere Methode eingeführt. SS im Mittelpunkte, das einige Leute im Bade- und SA legten sich in den Hinterhalt, um Juden zu verdreschen, die sich ins Bad gekostüm zeigt. Darunter der Text: >> Juden unerwünscht? Frech wie die wagt hatten. Hören wir Dr. Lipperts Schluß: Wanzen und wasserscheu wie Heupferde: so hocken sie scharenweise in der schönsten Umgebung Berlins, in gewissen Erholungsstätten... ein Zustand, der dem Schwarzen Korps Veranlassung gibt, sich diese eigenartigen» Ausflügler« etwas genauer anzusehen.<< Aus Dreck mach Holz, Aus Eins mach Zehn, Die Zwei laẞ gehn, Aus Holz mach Dreck Und schmeiß ihn weg, Aus Flachs mach Quark, So bist du autark, Und Drei mach gleich, Dann bist du reich, Aus Quark mach ein Kleid, Zieht lang sich und breit, Verlier die Vier! Du kannst damit heizen, Brauchst Speck nicht noch Weizen, Aus Kohle mach Butter, Den Kühen zum Futter, Aus Butter Kanonen Und Staatssubventionen, Aus Fünf und Sechs Mach Wechsel und Schecks, Die wirf in den Schacht, So ist's vollbracht: Aus Neun macht er Eins, Aus Zehn macht er keins, Das ist das Hexen- Einmaleins! Faust: Mich dünkt, die Alte spricht im Fieber. • Spiegelbilder Im Dritten Reiche schreit man nach Humor, nicht nach Satire, denn die ist einer Despotie immer gefährlich gewesen. Die » Neue Rundschau< versucht in einem Artikel über> Satiriker der Weltliteratur« auch für Der Bademeister hat den Betreffenden satirische Narrenfreiheit etwas Luft zu schafaufgefordert, das Bad sofort zu verlassen. fen. Es heißt da: Wo es nötig schien, haben die wackeren SA- Leute draußen im Walde außerhalb des Badebetriebes ein bißchen gewartet, bis der Mann herauskam, ihm dann Nötige eröffnet.( Heiterkeit.) Dieses Verwie fahren soll sich, mir Parteigenosse Kiepe s. Z. berichtet hat, außerordentlich gut bewährt haben. und das ( Ratsherr von Jagow: In welchem Jahr war das?) » Schilt den Spiegel nicht, wenn deine Fratze schief iste, lautet jenes russische, dem» Revisor< vorangestellte Sprichwort, worin sich aufs einfachste das imaginäre Bewußtsein von der Idealität und Totalität des Vollkommenen ausspricht. Erst durch die Tatsache, daß hinter dem Spiegel oder im Bewußtsein des Spiegels der Traum der Vollkommenheit mitwirkt, und zweitens, daß eben jene Fratze, sei es aus Selbstverliebtheit, sei es aus unbegreiflicher Machtillusion, sich selbst für das Urbild aller Vollkommenheit hält, durch diesen romantisch- phantastischen Widersinn erst gewinnt auch das Spiegelbild seine tiefere, satirische Bedeutung. Das trifft zwar auf alle Despoten zu, aber es ist klar, daß der deutsche Leser dabei nur Das Photo ist harmlos, es soll nur anlocken, denn der richtige Nazi ist gern bereit, mit den Beinen einer Jüdin Reklame für den eigenen Laden zu machen. Aber noch gemeiner ist die andere Absicht. Der>> Neue Vorwärts< war in seiner Nummer vom 15. Das war im vergangenen Jahr. August in der Lage, das Protokoll der Ber- Nachzulesen in jenem vom> N. V.<< verliner Ratsherren- Sitzung vom 3. Juni im öffentlichten Protokoll. Die dort von den Original zu reproduzieren. Das Thema der braunen Oberbonzen Berlins offenbarte GeDebatte: Wie verbieten wir den Juden die sinnung ist an Gemeinheit nicht zu überbieErholung an den Berliner Seen und in den ten. Um das Geschäft nicht zu trüben, soll Bädern, ohne daß das Ausland etwas merkt. dem Auslande eine liberale Behandlung der Stadtmedizinalrat Dr. Conti mußte zugeste- Juden vorgetäuscht werden, indes SS und daß jüdische Frechheiten und» Miß- SA mit offiziellem Gummiknüppel im Hinter- an einen denkt. Und da man im Dritten stände nicht beobachtet worden seien« und halte liegt.>> Heiterkeit«, verzeichnet das Reich nur> positive Einstellungen< gelten hen, daß man die Juden mit List aus den Bädern Protokoll... verdrängen müsse. lassen will, weil die» negativen< meist MekDas SS- Organ aber greift die Idee auf kerei bedeuten, so benutzt der Verfasser die » Ob es bei Wannsee ratsam ist? und bringt eine ganze Bilderseite, um brau- Gelegenheit, um die Satire der Weltliteratur Wannsee wird sehr viel von Ausländern besucht. Wannsee ist also nes Gesindel auf jene jüdischen Staatsbürger gegen braune Begriffsvermanschung der kritische Punkt.< und Steuerzahler zu hetzen, die etwa noch auszuspielen: diese Zurück zur Galeere! Eine kirchlich-evangelische Zeitungskorrespondenz der Schweiz berichtete dieser Tage mit der angesichts des Vorganges gebotenen Entrüstung, ihr wäre aus glaubwürdigster Quelle bekannt geworden, daß der seit Wochen In Gefängnishaft befindliche Führer der oppositionellen»Bekenntniskirche«, Pfarrer Niemöller, dort Schlimmes zu erdulden habe; ao wäre er schon Verhören von vielen Stunden hintereinander unterworfen worden, denen er sich dauernd stehend habe unterziehen müssen. Im allgemeinen kommt wenig an den Tag, was sich an Schrecken und Menschenunwürdigkeiten in Hitlerschen Strafanstalten täglich und stündlich abspielen mag. Die »Greuelberichte«, vor allem die beglaubigten, die über' den Strafvollzug im Dritten Reich vorliegen, erstrecken sich mehr auf das Treiben des Regimes in den Konzentrationslagern, als auf den Befund in Gefängnissen und Zuchthäusern. Sicherlich bestehen da auch noch bis heute bestimmte Gradunterschiede des angewandten Schreckens— zum Teil dadurch erklärlich und so auch vom Volksempfinden selbst im Dritten Reich angesprochen— daß in den»alten« Anstalten das berufsmäßige Anstaltspersonal immer noch der Mittler zwischen Regime und Insassen ist, und nicht, wie in den»Lagern«, Hitlers Sturmgarden, noch dazu Ausgesuchte im Hinblick auf ihre moralische Verkommenheit und fragwürdigste Herkunft. Ganz falsch aber wäre es, zu glauben, daß eben zum Unterschied von der»Kazett-Erziehung« sich der»normale« Strafvollzug in Hltlerdeutsch- land noch im ungefähren Rahmen solcher Grundsätze und Methoden hielte, die sonst in der zivilisierten Welt allenthalben anerkannt sind und unter der allgemein sittlichen Forderung nach»Humanisierung des StrafvoU- zuges« weiterer Entwicklung zum Besseren sich aufgeschlossen halten. Das Dritte Re:ch erlebt vielmehr auf diesem Gebiete die genau gegenteilige Entwicklung, die noch keineswegs in ihrer mittelalterlichen Schreckhaftigkeit abgeschlossen sein dürfte: Weg von der Humanität! Zurück zum Bagno und zur Galeere! Der Strafanstaltsoberdirektor Dr. Struve ist gewiß nicht Irgendwer in der Hierarchie des nationalsozialistischen Staates. Herr Struve leitet an höchster exekutiver Stelle die größte und»m Odern- s t e< deutsche Strafanstalt, nämlich Zuchthaus und Gefängnis von Berlin-Moabit. Wie es In einer hitlerdeutschen Strafanstalt, gleich ob es sich um die Strafverbüßung von»Polltischen« oder Kriminellen handelt, die ja auch Herr Struve in seiner Amtseigenschaft gleicherweise in besonders großer Zahl zu »betreuen« hat, aussieht oder mindestens aussehen soll, das schildert er in der letzten Ausgabe des deutschen Fachblattes »Blätter für Gefängniskunde«. Allein die Psy- Ein Blick hinter hitlerdeutsche Zudithausmauern. chologie dieses Aufsatzes spricht Bände; sie Strafanstalten als Regel— dergestalt, daß spiegelt genau das Wesen des Strafvollzugs nach der Einlieferung und vor der Entlas- im Hitlerreich wieder, begründet durchaus im Sinne nationalsozialistischer Gedankengänge die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten dieses Systems zur vollendeten Barbarei und rückt auch durch sich selbst die Verantwortlichkeiten für den Schrecken Ins rechte Licht, weil ja eben Herr Struve ein besonders autoritativer, ein dem Strafvollzug des Dritten Reiches an wichtigster Stelle dienender Beamter ist. Herr Struve schreibt also: »Auch bei der Zuchthausstrafe wird die wichtigste Rolle der Arbeit zukommen. Pederreißen oder Tütenkleben sind hier allerdings ungeeignet. Es müssen vielmehr hohe Anforderungen an die Körperkräfte der Gefangenen gestellt werden, daß die Arbeit von ihnen als Unbehagen empfunden wird. Man braucht dabei weder auf die frühere Tätigkeit noch auf die künftige Beschäftigung der Betroffenen Rücksicht zu nehmen. Die Arbeit kann auch vom Gefangenen aus betrachtet unwirtschaftlich sein, wenn sie nur dazu beiträgt, dem Staat die Kosten zu mindern. Der Gedanke, Tretmühlen wieder neu einzuführen, liegt mir fern.(Wirklich? Hand aufs Herz, Herr Struve! D. R.) Es gibt auch sonst genügend schwere Arbeit, die gewöhnlich durch Maschinen geleistet wird, aber auch im Zuchthaus von Gefangenen verrichtet werden kann. So soll statt Verwendung eines Motorpfluges das Ackerland mit dem Spaten umgegraben werden. Die Handsäge soll an die Stelle der Kreissäge treten. Solche Beispiele ließen sich mehren. Später, wenn ein Teil der Strafe verbüßt ist, kommt die Urbarmachung von Oedlände- reien in Frage.« Kein Wort darüber, daß der Strafgefangene, der vielleicht gerade schuldig geworden ist, weil er zu einer richtigen, zweckausgerichteten Arbeit nie angehalten wurde, durch die Arbeit In der Anstalt nach Möglichkeit erzogen und also wirklich innerlich gebessert werden soll! Herr Struve will es umgekehrt so, daß der Gefangene eine förmliche Wut auf seine»Arbeit« bekommen soll; er soll eben büßen, nicht etwa sich bessern und selbst erziehen. Herr Struve verkörpert die Rache und nicht die Läuterung. Und weil er das ausschließlich verkörpern wül, ist so etwas wie eine Tretmühle eigentlich eine Idealerfindung, an die er unwillkürlich bei der näheren Ausmalung seines Rache- und Bußsystems erinnert wird. Wenn er sie wirklich nicht wieder einführen will— bedacht, ob es nicht doch ginge und nur wegen des allzu schlechten Eindruckes nach außen vorläufig zurückzustellen sei, hat er es sicher! Das verrät allzu deutlich der Stil der Darstellung selbst. Ueberhaupt— die Vorbilder des mittelalterlichen oder doch vormärzlichen Strafvollzuges haben es für diesen distinguiertesten aller Hitler-Büttel an sich. Hatte nicht Preußen noch bis etwa zum Jahre 1850 seinen»WUlkomm« und»Abschied« in den sung erst einmal der Sträfling über den Prügelbock geschnallt wurde und seine wohlgezählten Vierundzwanzig empfing, Gaudium für bessere Damen aus der Bekanntschaft des Herrn Direktors, die zum Spektakulum jedesmal eingeladen wurden?! Ja, das waren noch Zeiten für einen Struve! Also schreibt der von heute: »Beginn und Ende der Strafe sind nach dem Vorbild des»W i 1 1 k o m m s« und»Abschieds« merklich herauszuheben. Das erste Zwölftel und der letzte Monat der Strafe sollen deshalb in Z e 1- lonhaft ohne Arbeit und Bücher auf hartem Lager verbracht werden, damit der Rechtsbrecher am Anfang und am Ende die nötige innere Sammlung gewinnt(!) Vergünstigungen im Stufensystem sind nicht zu gewähren.« Die ganze innere Berechtigung des modernen Strafvollzuges, wenn man eben den Rechtsbrecher nicht nur bestrafen, sondern vor allem bessern will, beruht gerade in der erzieherischen Wirkung dieses»Stufensystems«, das heute in jedem zivilisierten Staat im Strafvollzug angewandt wird und in der vorhitlerischen deutschen Gefängnisverwaltung mit bestem Erfolg auf breiter Grundlage gepflegt wurde; selbst die anfänglichen konservativen Gegner dieses Systems hatten es übereinstimmend als nicht mehr zu entbehren anerkannt. Es bedingte vor allem, daß der Sträfling, der am Ende sich seine Vergünstigungen verdient hatte, mit einer gewissen Versöhnung mit der Welt, die Ihn so hart angepackt hatte, wieder In diese hinausgelassen wurde. Herrn Struve beschwert das keinen Augenblick. Mag der Kerl haßerfüllt wie noch nie die Anstalt verlassen und wieder rauben und töten! Dann haben wir ja immer noch das Handbeil... Gewiß eine Logik, nur fragt sich, was die Menschheit dann eigentlich seit der Beseitigung des »gespickten Hasen« oder der»Wippe« gelernt hätte? Die Hitlerei ist ein einziger Atavismus und das Zuchthaus, wie es der»Führer« haben will, ist vielleicht dafür der monumentalste Beweis, Und so darf denn der Oberstrafanstaltsdirektor Struve in diesem Sinne zum Schlußakkord kommen: wie er sich denn nun das Moralische, das in Jeder Gefangenen- Verwahrung doch schließlich das Entscheidende, so oder so, bleiben muß, vorstellt. Das tut er so: »Der Haarschnitt sei kurz und die Kleidung auffällig. Die Anrede sei Du und statt des Namens die Zahl. Dem Zuchthäusler soll damit zum Ausdruck gebracht werden, daß er außerhalb der Volksgemeinschaft steht und an ihrer Lebensfreude keinen Anteil hat. Selbstverständlich(?) sind Mißhandlungen und Beleidigungen den Beamten strengstens untersagt. Aber der entehrende Charakter der Zuchthaustrafe nimmt dem Gefangenen das Recht, Beschwerde zu führen, wenn an seiner Arbeitsleistung oder Führung auch einmal mit derben Worten wahrheitsgemäß Kritik geübt wird. Auch erscheint es als hinreichend, wenn der Beschwerdeweg für ihn bereits bei der Provinzialver- waltung endet... Damit der Gefangene nicht vergißt, daß er gesündigt hat, sollte ihm je nach»einer Einstellung alle ein bis zwei Jahre am Tage der Tat oder der Hauptverhandlung das Urteil mit seinen Gründen vorgelesen und daran ernste Worte der Ermahnung gerichtet werden. Wenn er dann zu seiner Tat steht— ob er sie immer noch beschönigt oder leugnet oder aber Reue empfindet und Besserung verspricht— es sollte jedesmal in einem ausführlichen Aktenvermerk festgehalten • werden.« Der bürokratische Zwang zur Heuchelei macht dieses System des Hitlerbagnos allerdings vollends komplett. Man bedenke aber: nicht nur Raub und Totschlag, Notzucht oder Brandstiftung wird(wie früher) im Dritten Reich mit Zuchthaus geahndet: Einen großen Teil der Zuchthaussträflinge, vielleicht sogar in mancher Anstalt den größten, machen die politischen Gegner Hitlers und seines Systems aus— ehrenwerte Männer und Frauen die Hitlers Kreaturenjustiz um der Sicherheit des»totalen Staates« willen hinter den Steinmauern begraben hat!!! Auch für sie gilt das Zuchthaus des Herrn Struve, jenes hitler- j deutsche Idealzuchthaus, das, wie er zum j Schluß schreibt,»dem Rechtsempfinden des ! deutschen Volkes entspricht«! Und diese in , ihren Liberalismus verstrickte Welt will also ; immer noch nicht einsehen, welches Stück Kultur sie bekämpft, wenn sie sich gegen Hitler und seinen Geist verschwört——?! F. E. Roth. Wehr als ernst—? Da Mussolini, anders als Hitler, bekanntlich einen Teil der heimischen künstlerischen Avantgarde vor den Wagen seiner imperialistischen Ansprüche gespannt hat, kann es sogar geschehen, daß unter dem Schutze des italienischen Diktator«, Marinetti, der Futurist, die Kunstpolitik des deutschen Diktators temperamentvoll angreift. Hitler, als er entartete Kunst anprangerte, nannte ausdrücklich neben anderen Richtungen den Futurismus. Kein Wunder, daß Marinetti aufschäumt. Die italienische Wochenschrift, die ihm in dieser Frage das Wort erteilt,>11 Merlo« schreibt dazu: »Wir können nicht schweigen. Unsere Pflicht ist es, die geistigen Beziehungen zwischen Italien und der Welt zu klären. Schweigen würde bedeuten, daß wir eine ungerechte Verurteilung hinnehmen, deren Konsequenzen mehr als ernst sind.« Sehr tapfer. Ausgezeichnet. Zu wieviel Schlechtigkeiten aber, Morden, gewissenlos angezettelten Kriegen, verschleudertem Volksgut, vertaner Volksgesundheit, haben Blätter vom Schlage»n Merlo« geschwiegen! Es ist daher auch nichts törichter, als - Ausdrücke, wie»positiv« und»negativ«, rechte Pfefferkuchenausdrücke, wie schon Gottfried Keller gesagt hat, im Sinne eines moralisch-ästhetischen Wertmaßstabes zu gebrauchen, da ja das satirische Spiegelbild seines imaginären Bewußtseins zufolge nur negativ sein kann. Positiv allerdings ist das Gelächter. wobei nur bedacht werden muß, daß 11111 so erschütterten Leuten, wie die Satiriker ea sind, nicht Immer gut Pfefferkuchen gegessen werden kann. Gleichgeschaltete drucken diese Strecken der kritikasterischen Betrachtungen nach, und Oberzensor GöbbeU wird sich wieder einmal seufzend gestehen, daß man eigentlich die Sprache verbieten müßte, wenn man keine Spiegelbilder mit»schiefer Fratze« wül. Swing Der Swing ist eine neue Art von Tanzmusik, erfunden in einer neurastherü sehen Weit. Die DAF-Zeitung»Der Arbeitsmann« tobt gegen die Schallplattenfabrikanten, die das»neue Gift« seit einem Jahre auf Deutschland loa lassen: »Da gibt es einen Swing-Stil, die große Swing-Gemeinde, Klassiker des Swing, Pioniere des Swing, Bahnbrecher des Swing und Genies des Swing. Da preist man einen als den»Liszt der Swing-Musik«, andere als deren Mozart oder Beethoven. Swing-Lieder, Swing-Komponisten, Swing- Phänomene, Swing-Orchester, Swing-Trompeter, Swing-Pianisten, Swing-Rhythmus, Swing-Repertoire.« Mag sich das im Ausland austoben, wir schließen die Grenzen: »Wogegen wir uns wenden, das ist der Eicport dieser Veitstanzkultur nach Deutschland, denn sie hat weder mit Musik noch mit Kunst etwas zu tun, auch paßt sie ganz und gar nicht zu unserem Wesen. Wir Deutschen haben keine Mozarts oder Liszts der Swing-Musik hervorgebracht, und wir werden auch nie welche haben, denn wir sind nun einmal der Ansicht, daß die Kunst eines Mozart, Liszt oder eines Beethoven sich zum Swing-Veitstanz verhält wie die Kultur zur Zivilisation, die Kunst zum Kitsch und das Volkslied zum Schlager.« Nicht so laut, nicht so stürmisch! Auch der Jazz wurde verboten— und jetzt gibts einen»deutschen Jazz«. Der andere wird lediglich in deutschen Lasterfilmen, deren Handlung natürlich im Ausland spielt, serviert. Eines Tages kann es den neudeutachen Swing geben, während der echte Swing in Bavaria-Ufa-Filme verbannt wird, in Filme, deren lasterhafter Schauplatz In Südamerika liegt. Deutsche Zeitungen werden, wie jüngst die DAZ für einen neuen Lasterfilm, mit schwüler Feder lockende Reklame schreiben, weil sonst der Volksgenoase in amerikanische Swingfilme rennt.»Hart wie Stahl sind unsre Reihen«, klingts aus dem braunen Liederbuch, aber stahlhart sein heißt noch lange nicht, von Zement sein. Die Theologie der DAZ Die DAZ erhielt in ihrem gleichgeschalteten Mecker-Briefkasten, wo jetzt das Gegenteil von Gemecker, schon nicht mehr im Superlativ, sondern im Byzantiv erfolgt, folgende hoffnungsvolle Talentprobe eines Pfarrers Kuck(so heißt er) aus Samswegen. Bezirk Magdeburg. Darin bringt der würdige Amtsbruder tatsächlich das Kunststück fertig, nicht nur das olle indisch-arische Nirwana mit dem Berliner Betrieb gleichzuschalten, sondern er entdeckt auch so nebenbei, daß der olle Jude Paulus(und nicht etwa erst Popper- Lynkeus) der wahre Erfinder des Arbeltsdienstes ist. Hören wir ihn selbst: »...Vgl. Epheser 4, Vers 11— 13;»Er hat etliche...(Amtswalter?)... gesetzt... zu Hirten und Lehrern(Schulungsleitern!), daß ctie Heilgen zugerichtet werden(Dachau—?) zum Werke des Dienstes,... bis daß wir alle hinankommen zu einerlei Glauben(Kerll?) und Erkenntnis des Sohnes Gottes und ein vollkommener Mann werden...< Kuck mal an, auch Paulus war schon bei Göbbels im Seminar; oder umgekehrt? Vorher heißt es:»Unter den vier Indischen Zielsetzungen sind die erste und die beiden letzten auch die unsem: Erkenntnis Freude und Freiheit des Geistes. Ihre Verwirklichung durch »D ienst, Disziplin und Opfer« (Gänsefüßchen im Original) ist ja geradezu der Weg unserer neuen staatspolitischen Erziehun g.< Deutsch übersetzt: Erkenntnis ist, wenn man angebrüllt wird; Freude ist. wenn man wenigstens das Maul halten darf und nicht abteilig lügen muß; Freiheit des Geistes aber ist das Opfer des Intellekts. Etwas Wahres ist ja allerdings an der Gleichschaltung von Buddho und Hitler: wer täglich mit solcher geistigen Kost gelabt wird, muß er nicht langsam Sehnsucht nach Nirwana kriegen, das heißt nach»nicht Widerstreben dem Uebel«? Wenn aber der würdige Amtsbruder dann weiter meint:»Immer handelt es sich um die Enthüllung des vollkommenen Menschen...«, so verliert man selbst eine buddhistische Geduld und antwortet mit Grillpar- zer: »Willst Du Dich öffentlich entkleiden. Wie Phrynes Beispiel weist, So prüfe zuvor Dich bescheiden, Ob Du schön genug auch seist.« Der nnpollllsdhe Brief Ein deutsche« Mädchen, das voriges Jahr zur Landhilfe vermittelt worden ist, schickte kürzlich an seine Mutter folgenden Brief; Liebe Mutter! K. d. F. B. d. M. W. H. W. N. S. V. D. A. F. ✓ Mit diesen wortlosen, nur aus Buchstaben zusammengesetzten Brief konnte die Mutter beim besten Willen nichts anfangen. Die Aufzählung einiger nationalsozialistischer Organisationen sagten ihr gar nichts. Sie sandte darum den Brief an die Tochter mit der Bitte zurück, doch mitzuteilen, was eigentlich mit dem Briefe gesagt werden soll. Wie erstaunte aber die Mutter, als ihr Töchterlein schrieb, daß der Brief wie folgt zu verstehen sei: Liebe Mutter! Kannst dich freuen, Bin deutsche Mutter. Weiß Himmel woher. Noch suche Vater. Deine arme Frieda. Verbrauchslenkung im Dritten Reich Was iẞt der deutsche Arbeiter? Volkseinkommen Umsatz im Einzelhandel Soweit es sich um die Lohnentwicklung| Deutschen Frauenwerks über 140 Haushalhandelt, dürfte der Führer auf dem dies- tungen aus allen Landschaften vor. Diese jährigen Parteitag mit seiner Jahresbilanz Familien, die ein halbes Jahr Haushaltungszufrieden sein. Ganz im Sinne des Vierjahres- bücher führten, verfügten über ein monat- Arbeitseinkommen planes sind Zeit- und Stücklöhne gesenkt, die liches Einkommen von 150 RM( also noch Arbeitszeit verlängert worden. Aber die Zei- keineswegs die ärmsten). Es waren Familien ten, da die Arbeiter» den Weg der Lohn- mit 4 Kindern berücksichtigt. revolte« beschritten haben, ist wie die Arbeitsfront in ihrer Korrespondenz vom 26. August versichert, endgültig vorbei: » Nach heutiger Auffassung erschöpft sich Sozialpolitik nicht mehr in materieller Einkommenssteigerung. So hat sich auch heute unter den gegebenen Verhältnissen weniger das Einkommen, als das Auskommen des Arbeiters gebessert.<< Dann wird aufgezählt, was die Nazis alles zur>> sozialistischen Gestaltung des Lebensraumes<< geleistet haben. Das Auskommen des Arbeiters< ist besser geworden durch >> Schönheit der Arbeit«<, Ueberprüfung des Gesundheitszustandes, Sport- und Körperpflege, Kraft durch Freude usw. Wie die Verbrauchslenkung nach dieser neuen Umfrage aussieht, berichtet das>> Berliner Tageblatt«, das schreibt: wenn 1929 1936 Reichsmark in Milliarden 75,9 43 36,6 62 35 27,8 ist, nämlich als Vollzugsorgan der braunen Bonzokratie. Eine» Neugestaltung des Strafprozesses< steht bevor. Die Richtlinien dafür sind nunmehr festgelegt, und zwar in einem von der Akademie für deutsches Rechte herausgegebenen Gewäsch, das sich > Denkschrift« wohl deswegen nennt, weil die Verfasser sich gehorsam alles Denken er spart haben. In diesem> Werk< steht auch der folgende Satz, der über die Stellung des Richters zum Gesetz Auskunft gibt: > Er( der Richter) ist an das Recht gebunden, so wie es im neuen Staate in Erscheinung tritt. Das bedeutet, daß der Führerbefehl den Richter bindet.< ehrlich. Das ist wenigstens Man sollte nun auch ganz konsequent sein und dem Richter statt des Talars eine Lakaienlivree als Dienstanzug zudiktieren. K, Selbst im Jahr 1933 dem Tiefstand der Krise betrug bei einem Volkseinkommen von nur 46,5 Milliarden, das Arbeitseinkommen 26, der Einzelhandelsumsatz 21.8 Milliarden RM. Die Scheinkonjunktur, wie sie durch den > Es ergab, daß 50 bis 70 Prozent des Einkommens für die Ernährung aufgewenRüstungsbetrieb erzeugt worden ist, bleibt det werden. Jede besondere Ausgabe demnach noch erheblich hinter 1929 zurück. wie Reparaturen, Anschaffungen Vor allem wird durch die Umsatzziffern des Und der Juusw. kann nur mit einem Verzicht auf Einzelhandels die Verminderung der Konsum- stitia lebenswichtige Nahrungsmitderen Standbild immer noch in mankraft des Volkes bestätigt. tel bezahlt werden.<< chen deutschen Gerichtsgebäuden zu sehen Aber die Nazis sind um eine Ausrede nicht Wenn ferner die Nazi- Steuerstatistik für ist wäre dann sinngemäß an Stelle der an der Verschie- 1934 feststellt, daß mehr als ein Drittel aller Waage die Reitpeitsche des Julius Streicher verlegen. Es liegt wieder Einzelhändler das steuerfreie Einkommen in die Hand zu geben... denartigkeit der Landsmannschaften, als nicht überschritten haben, so zeigt sich, wie Hamburg schlechter abgeschnitten hat, Baden. Die Hamburger Hausfrau habe durch stark die Kleinkaufleute von der schlechten den Einkauf teurer Nahrungsmittel täglich wirtschaftlichen Lage der Lohn- und Ge- 99 > Auf diese Weise wird der Lebensstan- pro Familienmitglied 45 Pfennig ausgegeben haltsempfänger betroffen worden sind. dard der Arbeiterschaft gehoben und die und nur 37 Kalorien erhalten, die badische Kultursperren niedergelegt, die Besitz- Frau, die mehr Haferflocken und Nudeln einmonopole und Klassendünkel gezogen zukaufen wußte, soll täglich pro Person nur 33 Pfennige ausgegeben haben und sie hat dafür 54 Kalorien erstanden. Die Kalorienrechnerei, die nur allzu sehr an die Not der Kriegsernährung erinnert, nützt nur verflucht wenig, wenn wichtige Nahrungsmittel zu erschwinglichen Preisen kaum noch angeboten werden, wie es zur Zeit bei Fleischwaren der Fall ist. haben.< Während so die Deutsche Arbeits- Korrespondenz versichert, daß bei sinkenden Reallöhnen durch Verschönerung des Arbeitsraumes auch der Lebensraum des Arbeiters ausgestaltet werden soll, ohne den Unternehmerprofit zu schmälern, ergänzt das» Arbeitertum<< vom 1. September mit einer Reichsspeisekarte hochwertiger Nahrungsmitteln das Programm. Es sei erstaunlich<<, meint der Autor eines Aufsatzes» Was iẞt der deutsche Arbeiter<, welche Unterschiede Nord und Süd in der Volksernährung aufzuweisen haben. » Ob nun die Pommern Fisch essen, die Württemberger Spätzle oder ob die Westfalen ihren guten Speck bevorzugen<<, in all den Nahrungsmitteln ist, wie das Arbeitertum<< erklärt, das nötige Eiweiß enthalten. Die Untersuchung kommt bei den befragten vierköpfigen Familien zur gleichen Schlußrechnung, zu einem Gesamteiweißverbrauch von 220 Gramm und Wärmeeinheiten von 9000 Kalorien. wertbedarf.< Die organisierte Verbrauchslenkung kann weder Mangel an Nahrungsmitteln und Verbrauchsgütern, noch den Mangel an Massenkaufkraft ausgleichen. Die soeben bekannt gewordenen Ergebnisse des deutschen Einzelhandels für das Jahr 1936 dürften wesentlich aufschlußreicher sein, als die Ratschläge, die von den Nazis an die deutschen Hausfrauen erteilt werden. Verkartete" Ahnen „ auf Anhieb" Die Einzelhändler müssen eben erkennen, >> Die Beschaffung der Urkunden für die daß es auch für sie nicht mehr so sehr aufs arische Abstammung stößt in größeren StädEinkommen, wie aufs Auskommen ankommt, ten sehr oft auf recht erhebliche Schwierig> und zwar in erster Linie durch den or- keiten... Um diese... ein für allemal zu beganisierten Verbrauch, der dem Arbeiter seitigen, hat der Gesamtverband der evangeKulturgüter und Lebensgenüsse aufschließt, die ehedem selbst der vollen Lohn- lischen Kirchengemeinden in Königsberg, im Einvernehmen mit der Reichsstelle für Siptüte unerreichbar waren<<. zelnen abgenommen. Je weniger Kaufkraft in der> marxisti- penforschung, eine einheitliche Kirchenbuchschen« Lohntüte verbleibt, um so weniger stelle geschaffen... Die Kirchenbuchstelle... braucht sich der Arbeiter im Dritten Reich arbeitet zur Zeit mit einer Belegselbst um die Lebensgestaltung zu kümmern. schaft( nicht> Gefolgschaft> Die Deutsche Arbeitsfront will überall das Dasein freudvoller, inhaltsreicher und lebenswerter gestalten<<. Für das Einkommen der deutschen Arbeidie meindestelle nun wegfällt... Der Zeitpunkt, Ein Vergleich mit der letzten Konjunktur- Arbeiter können sehen, wie sie durchkom- mit dem man dann gewissermaßen die Ahperiode ergibt: Führerschein men. Aus großer Zeit 1900 kg Nahrungsmittel verzehrt. Das Ar- gesunder Vernunft und zivilisierten Rechts-» Niederdeutschen Welt< 1937, Heft 6. Wir nannt * nen auf Anhieb finden kann, wird Schritt für Schritt mit der Verkartung der Kirchenbücher erreicht.«(» Völkischer Beobachterk.) Gespräch zweier seliger Geister: Bist Du auch schon verkartet, süßes GeAnhiebe und werde gewälzt. Nämlich aus Gründen der Pietät. Zu meiner Weimarer Systemzeit gabs noch einen§ 189 gegen Störung der Totenruhe. Dieser liberalistische Zopf ist jetzt kassiert. Wann wird man endlich seine Ruh haben. Neuer Vorwärts Sozialdemokratisches Wochenblatt nur noch für] Das also ist> niederdeutsche Haltung«. >> Die Werte entsprechen dem von der Ernährungswissenschaft festgestellten Nähr- politisch Einwandfreie. Wo im- Nun wissen wirs. Die kleine Kostprobe ist mer im öffentlichen Leben des Dritten Rei- wortgetreu einem endlosen Blubogelall des rippe? In allen Haushaltungen wurden jährlich ches sich noch ein kleiner kümmerlicher Rest Herrn Mähl entnommen, abgedruckt in der Noch nicht. Aber ich erhalte beständig beitertum amüsiert sich dann drei Spalten denkens bemerkbar macht da sind flugs schlagen den Mann für die nächste braune lang über die Verschiendenartigkeit des die braunen» Erneuerer« zur Stelle, um das Dichter- Ehrung vor. Er verdient sie. Speisezettels in den Gauen des Dritten Rei- Ueberbleibsel auszutilgen und dem Totalitätsches, Fleisch wird überall gern, in Bayern anspruch der Barbarei und des Wahnsinns> Weiße Juden«. Der» Völkische Beam meisten, in Sachsen am wenigsten geges- Genüge zu schaffen. Bisher war es z. B. in obachter« und» Das Schwarze Korps< rufen sen. Während die Norddeutschen kaltes Deutschland immer noch üblich, einen Auto- in trauter Gemeinsamkeit zum HakenkreuzAbendbrot bevorzugen, muß der Bayer auch führerschein jedem auszustellen, der nach- zug gegen die weißen Juden in der deut- Nun werden wir ollen Kracher auch noch zum abends Warmes, am liebsten» Geselchtes weisen konnte, daß er tatsächlich in jeder schen Wissenschaft<. Was sind das für Dienst am Volk in den Arbeitsdienst zur Behaben. Nicht ohne Erstaunen liest man wei- Hinsicht fähig sei, ein Auto zu lenken. Da- Leute? Weiße Juden? Das sind erklärt arbeitung einrückend gemacht. ter, daß die sächsische Arbeiterfamilie jähr- mit ist es nun vorbei. Das Preußische Hitlers Hauptorgan Menschen, die» zwar lich 32 kg, die Berliner 31 kg Butter verkon- Oberverwaltungsgericht hat eine nicht der Abstammung, wohl aber sumentiert. In der Nordmark wird von ge- Entscheidung gefällt, wonach solchen Perso- der Gesinnung nach zum Judenwaltigem Margarineverbrauch berichtet. nen, die sich einmal» staatsfeindlicher« Hand- tum gerechnet werden müssen.<< HauWährend der Verfasser immer wieder über lungen oder Aeußerungen schuldig gemacht fenweise seien Exemplare dieser Gattung die Verschiedenartigkeit des Speisezettels haben, kein Führerschein mehr ausgestellt nazistisch getarnt immer noch auf deut> staunts, dürften die Arbeiterleser über die werden soll. schen Lehrstühlen zu finden, von wo sie nun Quantitäten» staunen<<, die sie von all den > Künftig sollen bei Erteilung der Fahr- endlich eiligst verjagt werden sollten... Herausgeber: Ernst Sattler; veranterlaubnis nicht mehr einzig verkehrstechwortlicher Redakteur: hochwertigen Nahrungsmitteln in den einzelWenzel Horn; Mit anderen Worten: wer noch nicht nische, sondern vorwiegend auch politische Jude ist, kann nunmehr jederzeit dazu er- Zeitungstarif bew. m. P. D. Zl. 159.334/ VII- 1933. Druck: Graphiae; alle in Karlsbad. nen Gauen des Dritten Reiches angeblich Gesichtspunkte entscheidend sein. Durch jährlich verzehren. diese vorbeugende Maßnahme soll der powerden. Wie praktisch! Die erste Printed in Czechoslovakia. Kontrollpostamt: Die ganze Untersuchung des» Arbeiter- litische Mißbrauch des Führerscheins ver- solche Ernennung liegt auch bereits vor. Das Poštovní úřad Karlovy Vary 3. Aufgabetums< ist dem Wochenbericht des» Instituts Opfer ist Prof. Vogt, der postamt Karlsbad 3. seinerzeit>> sich für Konjunkturforschung( 10. Jahrgang Nr. Kurzum: wer im Verdacht steht, nicht die nicht entblödete« in russischem Auftrag das Der>> Neue Vorwärts« kostet im Einzelverkauf innerhalb der CSR Kč 1.40( für ein >> von ganz neuen Gesichtspunkten ausgehen< reibungslos verdaut zu haben, der darf nicht wegen steht er nun als erster auf der Liste der Einzelnummer im Ausland Kč 2.-( Kč Quartal bei freier Zustellung Kč 18.-). Preis und> erstmalig Einblick in die Verschieden- mehr chauffieren. Und wenn er etwa Berufs- der weißen Juden«, die der» Völkische Be- 24.- für das Quartal) oder deren Gegenwert artigkeit der Ernährungsweise in den einzel- kraftfahrer ist, so kann er sein Gewerbe an obachter< so nach und nach zu komplettieren in der Landeswährung( die Bezugspreise für nen Landschaften geben.<< Dabei hat sich Herr den Nagel hängen und sich zum Landdienst gedenkt. das Quartal stehen in Klammern): Argentinien Pes. 0.30( 3.60), Belgien: Belg. Frs. 2.45( 29.50), Wagemann» noch auf frühere Erhebungen melden. Die Straße frei den braunen Limou- Die wirklichen Juden wissen wenigstens, Bulgarien Lew 8.-( 96.-). Danzig Guld. 0.45 woran sie sind. Aber die mehr oder minder( 5.40), Deutschland Mk. 0.25( 3.-), Estland demonstrativ gleichgeschalteten> arischen E. Kr. 0.22( 2.64), Finnland Fmk. 4.-( 48.-), Was ist niederdeutsche Hal- Gelehrten sie kommen nun aus dem Zit- Frankreich Frs. 1.50( 18.-), Großbritannien tung? Ja was ist das eigentlich? Früher tern und Beben nicht heraus. d 4.( Sh. 4.-), Holland Gld. 0.15( 1.80), Italien Lir. 1.10( 13.20), Jugoslawien Din. 4.50 aus der mal schienen Ernst Barlachs aus echt nie- ihnen kann ahnen, ihm nicht vielleicht( 54.-), Lettland Lat. 0.30( 3.60). Litauen Lit. verfluchten» Systemzeits abge- derdeutscher Grübelei geborene Bildwerke morgen schon der ganze reinrassige Stamm- 0.55( 6.60). Luxemburg B. Frs. 2.45( 29.50), schrieben. Die Ueberschrift müßte in und Dramen Antwort auf diese Frage zu baum abgesägt und die arischste seiner Norwegen Kr. 0.35( 4.20), Oesterreich Sch. geben. Das war einmal. P. Pt. 0.020( 0.216), Jetzt ist Barlach Großmütter glattweg konfisziert wird! Die Polen Zloty 0.50( 6.-), Portugal Esc. 2.>> Was hat der deutsche Arbeiter gegessen, sentartet« und das> Niederdeutsche hat der Auf- und Abnordung der deutschen Kultur( 24.-), Rumänien Lei 10.-( 120-), Schwebevor die Nazis regierten<<. völkisch arteigene Blubodichter Albert tritt somit in ein neues dramatisches Sta- den Kr. 0.35( 4.20), Schweiz Frs. 0.30( 3.60), Inzwischen hat das Volk seinem» Führer< Mähl für sich gepachtet. Wenn man wis- cium ein... vier Jahre Zeit gegeben, ohne Unter- sen will, was> niederdeutsch< ist, wende man sich vertrauensvoll an ihn. Die Auskunft, schied der Landschaft Fleisch, Fett und andie man empfängt, sieht bitte nicht zu dere Wärme spendende Nahrungsmittel vom erschrecken! so aus: Tisch des Arbeiters abzuräumen. Der Speisezettel ist im September 1937 keineswegs mehr so reichhaltig, wie es das» Arbeitertum<< darstellen möchte. hindert werden.< 29) entnommen. Das Institut wollte einmal vorgeschriebene Portion braunen Mythos Hirn des toten Lenin zu untersuchen. Desgestützt. Die» interessanten statistischen Feststellungen geben also keineswegs ein Bild: > Was iẞt der deutsche Arbeiter?<, sondern diese Erhebungen sind Wahrheit lauten: um Das Organ der Arbeitsfront hätte auch nicht nötig gehabt, auf die Statistik einer Zeit zurück zu greifen, die weit hinter dem nationalsozialistischen Deutschland gelegen ist. Es liegt eine neueste Erhebung des sinen!... * ob * Keiner von 0.40( 4.80), Palästina Spanien Pes. 0.70( 8.40), Ungarn Pengö 0.35 ( 4.20). USA 0.08( 1.-). Der Führer als Rechtsquelle. Einzahlungen können auf folgende Postscheckkonten erfolgen: Dem notdürftig gewahrten Tschechoslowakei: offiziellen An- Zeitschrift Neuer Vorwärts< Karlsbad. Prag schein nach sind die deutschen Richter im- 46.149. Oesterreich:> Neuer Vorwärts< Karls» Niederdeutsche Haltung ist nicht bemer noch ans Gesetz gebunden. In der bad. Wien B- 198.304. Polen:> Neuer Vorwärtse tont verbindlich, wie die Sprache nicht. Sie Wirklichkeit jedoch begreift aber unbetont das ganze Herz, wo nun, man weiß Be- Karlsbad. Warschau 194.797. Schweiz:> Neuer Vorwärts Karlsbad. Zürich Nr. VIII 14.697. es sich zeigt. Das Blut kriecht, scheid. Hier klafft also ein Widerspruch Ungarn: Anglo- Čechoslovakische und Prager nicht gehen kann. Die Volksgemeinschaft zwischen Rechts- Theorie und Unrechts- Pra- Creditbank Filiale Karlsbad. Konto> Neuer gleicht einem See, dessen Tiefen die xis und es ist nur zu begrüßen, daß diese Vorwärtse Budapest Nr. 2029. Jugoslawien: Fische um eine blinkende Krone spielen, während die Frösche am Ufer ihre Helden Diskrepanz nun beseitigt werden und die Anglo- Čechoslovakische und Prager Creditausrufen. Wer nicht die Erde und den deutsche Justiz künftig auch auf dem Papier wärts, Beograd Nr. 51.005. Genaue Bezeichbank, Filiale Belgrad. Konto> Neuer VorHimmel sieht, sieht überhaupt nichts.< als das erscheinen soll, was sie seit langem nung der Konten ist erforderlich. in wo es