Neuer Vorwärts Sozialdemokratisches Wochenblatt Nr. 222 SONNTAG, 12. Sept. 1937 Aus dem Inhalt: Das Dritte Reich und Brasilien Ossietzkys Schicksal Nazisozialpolitik am Pranger Der Weg der Diktatur Verlag: Karlsbad, Haus„ Graphia" Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Parteitag der Fassade Das deutsche Volk darf die Wahrheit nicht erfahren kann zur Die Nürnberger Parteitage der NSDAP» Die Organisation der Gesellschaft ist ihrer Arbeiterschaft bedeutet. Die ganze Hitler, z. B. unter Hermann Müller, auch sind in keiner Hinsicht ein Problem mehr. bedroht«< so proklamiert die NSDAP Welt weiß, daß dies der wahre Tatbestand ohne Kolonien keinen Brotmangel, keinen keine Sie stellen alljährlich wiederholte Auf- und preist sich als Retterin der Gesell- ist. Selbst die gleichgeschalteten National- Buttermangel, keine Fettkarte und marsch- und Transportübungen dar, sie schaft an. Welcher Gesellschaft? Nun, ökonomen in Deutschland wissen es, und Brotkarte gegeben. Das System aber will verschlingen Unsummen, die das Volk be- jeder Gesellschaft, die nicht nationalsozia- mit ihnen die Unternehmer. Die Lage in sein eigenes Versagen zahlen muß; die Reden, die in Nürnberg listisch ist! Wodurch ist sie bedroht? Vom den Vereinigten Staaten, in England, in Kolonialhetze gegen andere Länder! gehalten werden, sind verhallt, noch ehe Bolschewismus. Wie sie gerettet Skandinavien dem ist der Maßstab, an Auch dies mag den Höflichkeitsvertredie Parade zu Ende ist. Diese Parteitage werden? Nur durch das nationalsozialisti- die deutschen Verhältnisse zu messen sind. tern der demokratischen Großmächte wiesind Fassaden, wie die Prachtbauten, die sche Führerprinzip. Worin besteht dies Daß die Proklamation diesen unumstöß- der angenehm in den Ohren geklungen auf Hitlers Befehl allerorten entstehen. Prinzip? Durch eine neue Führerauslese lichen Tatbestand mit eiserner Stirn in haben, ebenso wie die nachfolgenden feierdem Gesichtspunkt von Von diesen Parteikongressen gehen keiner- unter Kraft, das Gegenteil verkehrt, ist ein Eingeständlichen Schwüre auf die Achse Rom- BerKraftströme und Massenwirkungen Stärke, Mut und Entschlossenheit. Aber nis des Bankrotts. Es ist die Aner- lin, auf das Bündnis mit Japan, und der aus. Die Propagandamethoden arbeiten wer liest aus? Nun eben die führende kenntnis, daß das System den demonstrative Ruf:» Der Vertrag von Vernoch, sie werden unter Masseneinsatz von Clique! Womit ganz genau das Auslese- Vergleich mit den demokrati- sailles ist tot<<. Geld und Menschenmassen noch gesteigert, prinzip des gegenwärtigen Stalinschen schen Ländern zu fürchten hat. Die Proklamation hat viel vom deutaber sie ziehen nicht mehr. Der lang- Regimes gekennzeichnet ist. Also so Wir stellen uns vor, daß sich die diploma- schen Volk geredet. Im deutschen Volke same, aber sichere Verfall der lautet die Schlußfolgerung fragt man sich seit längerer Zeit und mit Stimmung in Deutschland kann kratische Gesellschaft in Frankreich, in Länder bei dieser massiven Verdrehung ständig wachsender Beklemmung: soll den Vereinigten Staaten angesehen haben mit der Frage: glaubt das immer so weiter gehen, und durch Propaganda und Paraden nicht auf- England, denn er dem kommt aus ist Untergange gehalten werden geweiht, weil er das wirklich selbst? Um es vorweg- wozu? Die Antwort der Proklamation ist tieferen Quellen. Sowenig, wie die dort die Führerauslese nicht nach den zunehmen: dieselbe Frage drängt sich auf lei es die demo- tischen Vertreter der demokratischen weiter Propaganda war, die den Nationalsozia- Prinzipien Hitlers und Stalins erfolgt. Um bei den Ausführungen über die Wirtschaft eindeutig: Ja, das soll immer so gehen; es muß immer so weiter gehen; Auf Befehl Hitlers ist der diesjährige Parteitag Parteitag der Arbeit getauft worden. Diese Taufe ist ein durchsichtiger Kunstgriff. Sie wollen glauben machen, daß sie an die deutschen Arbeiter denken aber in Wahrheit denken sie an sich Freiheit. wäre es mit dem Monopol der nationalsozialistischen Partei und ihrer Führung zu Ende. Dieser Parteitag der Fassade, der Leere der nationalsozialistischen Volkes nach seiner Zukunft nur eine Antwort: es wird einem Ende mit Schrecken entgegengeführt. Göring kündigt die Brotkarte an Stationen einschaltete, te eine zweistündige Rede von Göring hören, in der er vor den Auslandsdeutschen listen zur Macht verholfen hat, sowenig diese höhere Weisheit anzuhören, haben und über die Lebensmittelversorgung. denn wenn wir es nicht weitergehen ließen, wird das System sich durch Propaganda England und Frankreich und die Vereinig- Sicher ist, daß es weder die deutschen aus seinen Nöten retten können. ten Staaten sogar ihre diplomatischen Unternehmer noch die deutschen WissenVertreter nach Nürnberg geschickt. schaftler glauben werden aber durchEs ist unverkennbar, daß sich Es ist unverkennbar, daß sich diese aus möglich ist, daß er selbst es wirklich gegen giaubt! Eben darin, daß die allein verprimitive Gesellschaftslehre nicht den Bolschewismus richtet. Der Bolsche- antwortliche Führung, daß die Spitze der Machtpolitik läßt auf die bange Frage des wismus ist nur das Aushängeschild in neuen Auslese, daß der» Retter<< und Wahrheit richtet sich der An-» Führer« auf den wichtigsten Gebieten selbst. Sie reden von Arbeit, wo sie griff gegen die Demokratie. des nationalen Lebens an Dinge glaubt, an von Krieg reden müßten. Denn wofür Hinter dem lauten antibolschewistischen die kein einziger sachverständiger wird in Deutschland gearbeitet, wenn nicht Geschrei verbirgt sich die Tendenz des Mensch mit gesunden fünf Sinnen glauben für den Krieg? Jede auch nur oberfläch- Totalitäts systems zur Welt- kann, und daß die Sachverständigen denliche Wirtschaftskritik zeigt sofort, daß konterrevolution gegen die demo- noch wider besseres Wissen sich unterAber Göbbels stellt ihn unter Zensur die>> Verwirklichung des praktischen So- kratischen Länder. Die Primitivität der werfen, darin liegt das Wesen des Systems aber auch der Keim seines Untergangs. Wer am Abend des 2. September auf seizialismus<, von der Hitlers Stellvertreter Proklamation hat diesen Tatbestand so durchsichtig gemacht, daß ihn niemand Heẞ sprach, nichts anderes ist als die Der berüchtigte Vierjahresplan nem Rundfunkgerät Stuttgart oder eine der Fassade der Kriegswirtschaft. Was haben übersehen kann. Es handelt sich um den ist in der Proklamation abermals beschwo- anderen zahlreichen sie für das Volk erreicht? Heß begann mit Haß einer despotischen Clique gegen die ren worden. Sachliche Bedenken?» Einer die die Stuttgarter Sendung übertrugen, konnVolksgemeinschaft, der es gelingt, eine der Aufzählung:» Bauten von klassischer Schönheit, Autobahnen, Städtedurch- Auf gleichem Niveau stand der Ab- große Armee aufzubauen, wird es auch gebrüche... Es ist nur die Fassade, die sie schnitt der Proklamation über die so- lingen, die deutsche Eisen- und Stahlpro- sein beliebtes Thema variierte:>> Wir sind vorweisen können. ziale Frage. Er enthielt eine Theorie duktion auf jene Höhe zu bringen, die not- friedlich bis zum tz und hauen jeden, der uns das nicht glaubt, in die Fresse.« Dann aber, der nationalsozialistischen Lohnpolitik. wendig ist. Wir sind schon mit ganz anAm erbärmlichsten aber sind die als die Sache schon langweilig zu werden bederen Aufgaben fertig geworden.<< Immerübel, geistigen Kulissen, die sie auf Lohnerhöhungen sind immer weil sie die Preise steigern das war ihr hin ist Eisenerz eine höchst materielle gann, kam die Sensation des Abends. Göring dieser Parteitagung vor der deutschen Die A und O. Die soziale Frage kommt also Sache, die man nicht herbeireden kann. kam auf den Vierjahresplan zu sprechen und Kriegswirtschaft aufgebaut haben. den Lohnbewegungen! An Nehmen wir also an, daß die Gläubigen der sagte wörtlich: Proklamation, die der Gauleiter Wagner Punkte beginnen die offenen und durch- Allmacht der Despotie auf den Mann warverlesen hat, ist ein deutlicher Ausfluß der Verlegenheiten des Systems und seiner sichtigen Fassadenlügen der Proklamation. ten werden, der ihnen Eisenerz aus Luft geistigen Sterilität. Man mußte sich nach Kühnlich behauptet, sie, daß in Deutsch- fabriziert. Aber hier hat sich eine interessante Ab älzung der Verantland die Preise stabil geblieben seien, ' dem Anhören dieser Proklamation fragen: während in den Ländern um Deutschland wortung von der Spitze gezeigt. Die bels. Die deutsche Presse durfte den Satz, ist das alles, was sie dem Volke zu sagen bei steigenden Löhnen ein Sinken der Proklamation hat feierlich, unter lautem den Tausende im Inland und im Ausland mit haben? Diese durchsichtigen Sophismen, diese Ableugnung offenkundiger Tatbe- Produktion, Steigen der Preise und lau- Beifall der Claque verkündet, daß die eigenen Ohren gehört hatten, nicht wörtlich Sache unter der bewährten Leitung von wiedergeben. In den Presseberichten heißt es stände, diese Ziellosigkeit ist das die fende Entwertung der Währung vor sich Sache unter der bewährten Leitung Hermann Göring funktionieren werde. jetzt: ganze geistige Kraft, die sie aufbringen? gehe. Nicht die oberste Spitze des Systems sondern Göring wird schuld sein, wenn das Unmögliche sich als unmöglich erweist. Schwierigkeiten der Lebensmittelvervon von diesem » Notfalls werde ich auch vor der Wiedereinführung der Brotkarte nicht zurückschrecken.<< Aber ein anderer schreckte zurück: Göb>> Notfalls werde ich nicht, davor zurückschrecken, durch schärfste organisatorische Maßnahmen eine gerechte Aufteilung des Brotes sicher zu stellen.<< Das ominöse Wort» Brotkarte< gesprochen, aber es durfte nicht geSie haben ungeheuere Reichtümer für die Wir haben hier in systematischen Rüstung verschleudert, aber daß zum Untersuchungen auseinandergesetzt, daß Kriegführen schließlich auch Geist gehört, in den demokratischen Ländern eine echte haben sie nicht begriffen. Der geistige Konjunktur besteht, die eine Steigerung sorgung? Nicht Darré ist schuld, sondern Bankrott kommt bei ihnen schon vor dem des Volksreichtums dieser Länder und die Westmächte denn sie verweigern zwar wirtschaftlichen und dem machtpoliti- eine echte Erhöhung der Lebenshaltung Deutschland Kolonien! Nun hat es vor druckt werden. schen. Diese Proklamation ist ein geistiger Bankrott. Auf dem ersten Parteitag nach Aus großer Zeit der Machtergreifung hatten sie die ideologischen Helfershelfer des totalen Systems Die braune Schande. In Deutschland bemüht. Im Stile von Carl Schmitt und veranstalteten zahlreiche Betriebe hin und anderen professoralen Huren des Kampfes wieder Volksfeste für die>> Gefolgschaft«. Mit der Gegenrevolution gegen die Demokratie| Karussellfahren, Preiskegeln und dergleichen. hatten sie eine pseudodemokratische Ideo- Das ist Sozialismus sagt Ley. Ueber den logie der Despotie zusammengebraut. Die Verlauf eines solchen Festes berichtet die Carl Schmitt und Konsorten waren immer Nazipresse:, noch Geistesriesen gegenüber dem Verfasser der diesjährigen Proklamation. An die Stelle der gegenrevolutionären Dialektik gegen die Demokratie ist das plumpste antibolschewistische Agitationsgeschrei getreten. > Schließlich wurde vom % Jahr nach diesem denkwürdigen Tag ein Kind bekommt.< konnte einer Förderung der warmen Abendessen gegenüber den kalten beizutragen.<< Neben Kegelspiel und Karussellfahrt Eine geniale Lösung! Der Deutsche soll also Butterbrotes Kinderzeugung um die Wette. Als Rummel- statt des nicht vorhandenen platz- Sensation. Mit Preisverteilung. Ist eine ganz einfach ein Kalbsschnitzel essen. Wer ekelhaftere Beschimpfung der deutschen Mut- nicht das nötige Kleingeld dazu hat, dem ter und der deutschen Familie denkbar? Der Brotmangel im Hitlerreich hat Betriebsführer sich in der letzten Zeit immer mehr fühlbar und seinem Sohn eine Spende gegeben, die gemacht. Jetzt sind die Restaurateure aufgeeinen guten Ansporn für das kommende Jahr fordert worden, ihren Gästen möglichst wegibt: Eine komplette Kücheneinrichtung benig Brot zu verabfolgen und kommt das Paar, das sich an diesem Tage zusammenfindet. Und eine komplette Babyausstattung erhält das Ehepaar, das bleibt als Brotersatz nur Kraft durch Freude. Lerne kaufen ohne zu zahlen! Die >> Nationalsozialistische Partei- Korrespondenz< berichtet triumphierend den folgenden interessanten Rechtsfall: Die Frau eines Nazifunktionärs hatte von einer jüdischen Firma Waren bezogen. Als geschickte Herausstellung warmer Speisen auf den Speisekarten zu der Lieferant eine ganze Zeit lang vergeblich > durch eine auf die Bezahlung der Rechnung gewartet hatte, forderte er schließlich das Geld von dem Ehemann seiner Kundin, der nach§ 1557 des Bürgerl. Gesetzbuches zum Bezahlen verpflichtet war, da seine Frau die Einkäufe für den gemeinsamen Haushalt und im Rahmen ihrer>> Schlüsselgewalt<< getätigt hatte. Der Gatte erklärte jedoch: er denke gar nicht daran, auch nur einen einzigen Pfennig herauszurücken. Es sei ihm als Naziamtswalter nie und nimmer zuzumuten, eine Zahlung an einen Juden zu leisten. Wenn seine Frau ohne sein Wissen bei einem» Nichtarier<< er jede Verantwortung ablehne... Brasilien und das Dritte Reich das mn. Rio de Janeiro, Ende August.| vorgehen will. Kompliziert wird die ganze| Pg. Otto Nieß vor, aus der sich ergab, daß Die Beziehungen zwischen Brasilien Angelegenheit dadurch, daß Dritte er in die» Legiao estrangeira«( Fremdendes und dem Dritten Reich haben sich in den Reich in Lateinamerika mit Japan zu- legion) Integralismus eingereiht letzten Wochen weiter verschlechtert. Die sammenarbeitet, und dieser Sach- wurde! neue Spannung wurde durch den( inzwi- verhalt vom Standpunkt der USA dazu Unter diesen Umständen ist es nur allschen vertagten) Plan der Vereinigten beiträgt, die Gefährlichkeit der national- zu verständlich, wie sehr die Empörung Staaten von Nordamerika hervorgerufen, sozialistischen Pläne zu erhöhen. der Brasilianer gegen die deutsche Ander brasilianischen Regierung unter Um- Die Spannung zwischen Brasilien und maẞung im Wachsen begriffen ist. Ein ständen einige Torpedobootzerstörer zur dem Dritten Reich kam besonders zum Symptom von erheblicher Bedeutung ist gekauft habe, so sei das ihre Sache, für die Verfügung zu stellen. Aus einem Brief des Ausdruck in einer Rede des brasilianischen hier eine Protestresolution der Katholiken Staatssekretärs Cordell Hull ergab sich, Außenministers, Herrn Mario Pimen- des Staates Rio Grande do Sul. Ganz alldaß die brasilianische Regierung um die tal Brandav, die sich mit der inter- gemein kann man feststellen, daß die Es kam zum Prozeß vor dem Amtsge- Ueberlassung einiger Kriegsschiffe in nationalen Stellung Brasiliens beschäftigte. Deutschbrasilianer über die nationalsoziaricht Remscheid, das sich voll und ganz erster Linie mit Rücksicht auf bestimmte Der Außenminister bekräftigte nämlich listische Einmischung in die brasilianische der Auffassung des Schuldners anschloß. Ein deutsche Pläne gebeten hatte. Das nochmals, daß Brasilien sich die Friedens- Innenpolitik ungeheuer entsetzt sind. Das Jude habe kein Recht, von ihm Geld zu for- war für die Presse des Dritten Reiches ein politik Roosevelts zu eigen gemacht hätte. ist zum Teil deswegen, weil man Anlaß zu wütenden Protesten, während Brasilien sei mit den Vereinigten Staaten solche Aktion für grundsätzlich falsch Die Hitlerfunktionäre sollten dem weisen sich die in Brasilien erscheinenden natio- von Nordamerika einig in der Beurteilung hält und der richtigen Ansicht ist, daß sie Richter für den guten Fingerzeig dankbar nalsozialistischen Organe klugerweise still der europäischen Entwicklung: die einzige unter allen Umständen Deutschland nur kann. sein. Sie wissen nun, wie man in trauter verhielten. Einige argentinische Zeitungen Sorge der Alten Welt sei die Bedrohung schaden, keinesfalls aber nützen Gratis- waren über den brasilianisch- nordamerika- des Friedens, die durch die totalitären Besonders bedauert man aber, daß diese nischen Plan aus Gründen der kontinen- europäischen Staaten hervorgerufen sei; Einmischung ausgerechnet zugunsten der talen Eifersucht etwas verschnupft, die sie und nur sie trügen an der Kriegs- Integralisten erfolgt, deren Sieg sich zum >> Critica<< von Buenos Aires brachte aber stimmung schuld. unbedingten Nachteil der Teutobrasileiros die Angelegenheit wieder in das richtige Die Beziehungen zwischen dem Dritten auswirken müßte. Es ist darum kein ZuLot. Sie schrieb nämlich: Reich und Brasilien leiden aber nicht fall, daß der einzige Deutschbrasilianer >> Das Angebot der Vereinigten Staaten allein unter außenpolitischen Fragen, son- von Einfluß auf die brasilianische Innenvon Nordamerika an Brasilien ist eine dern auch unter der sich immer mehr politik, der Riograndenser Lindolpho Colernste Warnung an den inter- verschärfenden Einmischung der low, zu den schärfsten Gegnern des Intedern... Arbeitsteilung mit der Ehegattin einkäufe macht! » Dr. Göbbels- Stiftung.< Am 30. August teilten die deutschen Sender im abendlichen Nachrichtendienst mit, daß zur Unterstützung alter, nicht mehr arbeitsfähiger Bühnenkünstler nunmehr Zuschüsse von der Hat hier also Göbbels in sein allerdings umfangreiches Portemonaie gegriffen? Hat hier ein aktiver, Komödiant etwas für brotlose Schauspieler getan? Ach nein. Die » Dr. Göbbels- Stiftung« ist nämlich nichts weiter als die Zusammenfassung und Verwaltung des Vermögens der früheren Bühnensen war. trägt. K. K. schismus unter Beweis zu stellen.<< eine zeitrau>> Dr. Göbbels- Stiftung<< geleistet werden sollen. nationalen Faschismus. Durch die NSDAP in innerbrasilianische gralismus gehört, den er für sehr gefährAusdehnung dieses Angebots auf alle latein- Angelegenheiten! Diese Ein- lich für die deutschen Interessen in Brasiamerikanischen Staaten tragen die Vereinig- mischung( die Unterstützung der faschi- lien hält. ten Staaten von Nordamerika dazu bei, die stischen Bewegung Plinio Salgados) ist im In all diesen Dingen ist aber die natiokontinentale Solidarität gegen Augenblick besonders verspürbar, weil sich nalsozialistische Politik in Brasilen völlig über jeder Drohung des europäischen Fa- das Land inmitten eines heftigen borniert und verfahren. Der neue deutsche Wahlkampfes befindet, der die für Botschafter in Rio de Janeiro, Dr. Ritter Ohne jede Frage hatte das nordameri- den 3. Januar 1938 angesetzte Neuwahl von der Handelspolitischen Abteilung des genossenschaft, die dem Afa- Bund angeschlos- kanische Angebot in erster Linie de mon- des Bundespräsidenten betrifft. An ihm Auswärtigen Amtes, beeilt sich darum gar strative Bedeutung. Denn es be- beteiligt sich Plinio Salgado als Kan- nicht, sein Amt anzutreten: Nach einer Also nicht genug damit, daß die Nazis steht nicht der geringste Zweifel darüber, didat der Integralistischen Aktion halbamtlichen Mitteilung will er erst den die von den deutschen Bühnenangehörigen daß Nordamerika Brasilien oder einem an- und genießt dabei die weitgehende Nürnberger Parteitag vorübergehen lassen, jahrzehntelang gezahlten Organisationsbeiträ- deren lateinamerikanischen Staat unter ideelle und materielle Unterstützung bevor er sich nach Brasilien einschifft. ge einfach gestohlen haben, sie besitzen nun allen Umständen gegen deutsche, italieni- durch halbamtliche deutsche Dabei wartet auf den neuen deutschen auch noch die tolle Frechheit, den rechtmäßische oder japanische Uebergriffe beistehen Stellen. Diese Anteilnahme an dem Botschafter die schwierige und gen Besitzern einen kleinen Teil ihrer Habe würde. Arbeit der Dazu ist die Abtretung einiger Kampf der brasilianischen Faschisten be- bende Vorbereitung der als Almosen und Gnadenbrot zu spenden> Angriff<< rische Mätzchen pflegt man im Norden nicht Umtriebe in einzelnen südamerikanischen deutscher Offizier, Otto Nieß, in Ueber- droht, Deutschland würde seine Baumwolle ernster zu nehmen, als sie es verdienen. Man Staaten beobachten ließen. Es zeigte sich einstimmung mit der NSDAP Plinio Sal- wo anders kaufen, so lachen darüber sogar hält sich mehr an die neudeutsche Wirklich- aber auch, daß die nordamerikanische Re- gado Treue bis zum Tod schwor. Der Ab- die Sumpfhühner aus Amazonas. Vorauskeit, z. B. an die brutale Behandlung, die die gierung sich sehr konkrete Gedanken dar- geordnete Café Filho legte dem Bundes- setzung dafür wäre nämlich ein deutscher dänische Minorität in Schleswig seitens der über macht, wie sie im Ernstfalle dagegen parlament die Eintrittserklärung dieses Devisenüberfluß... Nazis erfährt. Mit Gewalt, List und Erpressung ist man bemüht, die Dänen zur Aufgabe ihrer Sprache und ihres Nationalgefühls zu zwingen und sie zum Hakenkreuz zu ren«, Die Fäden dieser planmäßig betriebenen Machenschaften laufen bei dem Flensburger Oberbürgermeister Pg. Sievers zusammen und gehen von dort zum Gau leiter Lohse in Kiel weiter. Minderheit bekehDer Geist der Lüge Gefahren der Diplomatie ohne Wahrheit ausschließlich die AtmoDer Besuch Mussolinis bei Hitler wird zu Der von uns zitierte letzte Satz bezieht| Kommandanten der unbekannten Piraten- Ueinem lärmenden Paradestück des Dritten sich gegenwärtig auf den Völkerbund, die Boote im Mittelmeer offizielle GlückwünschReiches ausgenützt werden. Die Zusammen- Frage Spanien und die bevorstehende Mittel- telegramme ihres heute noch sich verbergenkunft der beiden Diktatoren vollzieht sich meerkonferenz. Es ist die brutale Ankündi- den Chefs erhalten? auf der Leiche der Freiheit in Deutschland gung, daß in der Frage Spanien die Nicht- Aber schlimmer noch als die Lügen der und Italien. Sie ist die Antwort auf die eng- interventionsmächte sich den deutsch- italie- totalitären Diplomatie ist, daß die Diplomalische Illusion, daß man Mussolini von Hitler nischen Machtansprüchen fügen müssen, Da- tie der demokratischen Länder trennen könne. Sie ist die Ankündigung, daß mit ist das Siegel unter das Ende der Nicht- spruchslos hinnimmt! Hat man vergessen, daß Demokratie ohne Wahrheit Organisation interventionspolitik gedrückt worden. ist, und daß nichts jede demokratische Gesellschaftsordnung so sehr erschüttert, wie der Geist der Lüge? internationale die Achse die Ein Beispiel: In der Umgebung von Flensburg sind einige Siedlungsstätten geschaffen worden. Herr Sievers hat verkündet, daß auch viele Dänen an dieser Siedlung beteiligt seien. >> Seht, so gut geht es ihnen bei uns!< Was ist Wahrheit? Man hat einigen dänischen Familien Siedlungsbeihilfe versprochen unter der Bedingung, daß sie ihre Kindes Rechts, daß sie den Völkerbund für endder aus der dänischen Schule fortnehmen und in die deutscheschik. gültig tot hält. ken.» Ihr nehmt Geld vom deutschen Staataber erfüllt nicht eure Pflicht gegen ihn!< berger Parteitag hat die Achse Rom- Berlin erklärte man diesen Leuten, wie die dänische gefeiert: Zeitschrift» Gränsvagten« ausdrücklich feststellt. Dort werden auch die Methoden geschildert, mit denen die Nazis teilweise dänische Kinder in ihre Organierfolgreich sationen hineinzwingen, um sie zu Hakenkreuzlern zu» erziehen<. Als diesen Sommer die dänische Minderheit in Flensburg ihre Jahrestagung abhielt, wurde der Festplatz von Nazis überfallen. Die Rednertribüne wurde zerusw. Die Proklamation Hitlers auf dem NürnDie sogenannte Mittelmeerkonferenz wird nichts sein als eine Verlängerung des Nichtinterventionsausschusses. Mit tödlichem Ernst wird über Maßnahmen unbegegen wähkannte Piraten verhandelt werden sie widerunmöglich Dem deutschen Volke Man muß den wirklichen Druck noch drük>> Dabei sind wir nicht isoliert, sondern rend die Sowjetunion Italien offen beschulin enger Freundschaft mit mächtigen Staaten. Die natürliche Interessengemeinschaft digt. Aber die Diplomatie von heute hat ein kender machen, indem man ihm das Bewußtdes nationalsozialistischen Deutschland mit ganz besondere Verhältnis zur Wahrheit ent- sein des Druckes hinzufügt, die Schmach noch dem faschistischen Italien hat sich immer wickelt. mehr als Element der Sicherung Europas vor dem chaotischen Wahnsinn erwiesen. schmachvoller, indem man sie publiziert. Man Mit eiserner Stirn hat seinerzeit Italien muß das Volk vor sich selber erschrecken lehEs wird in Zukunft nicht möglich sein, an die Anklage Spaniens vor dem Völkerbund ren, um ihm Courage zu machen. irgend einer Stelle diese Willens- bestreiten lassen. Die italienische und die über gemeinschaft hinweg einfach zur Tagesord- deutsche Presse hat die nicht mehr zu vernung schreiten zu können.<< Die Sicherung Europas vor dem chaotischen Wahnsinn sieht so aus: alles interhüllenden Tatsachen mit eiserner Stirn als Lügen bezeichnet. Heute, nach sechs Monaten, läßt Mussolini den Triumph der italienischen Waffen feiern. ( Marx. Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, 1. 267.) Sie sehen mich lächelnd an und fragen: was ist damit gewonnen? Aus Scham macht man keine Revolution. stört, die Fahnenstange umgelegt nationale Recht zerstört, alle Verträge wankend geworden oder zynisch gebrochen, offeIch antworte: die Scham ist schon eine ReNunmehr ist auch» Der Schleswi- ner Interventionskrieg in Spanien, völlige Die japanische Regierung behauptet mit volution. Scham ist eine Art Zorn, der in sich ger«, ein Organ der dänischen Minderheit, Verkehrsunsicherheit im Mittelmeer, die gleich eiserner Stirn, daß der schwerverwun- gekehrte. Und wenn eine ganze Nation sich vom Göbbels- Ministerium verboten wor- diplomatischen Beziehungen zwischen Portu- dete englische Botschafter in China nicht wirklich schämte, so wäre sie der Löwe, der den. So geht es den blutsverwandten Germa- gal und der Tschechoslowakei abgebrochen, von japanischen Flugzeugen beschossen wor- sich zum Sprung in sich zurückzieht. nen, die sich nicht aufnorden lassen wollen. Abbruch der Beziehungen zwischen Italien den sei. Minderheitenschicksal im Dritten Reich!... und Rußland drohend bevorstehend! Wie kurze Zeit wird es dauern, bis die ( Marx an Ruge. Deutsch- französische Jahrbücher. I. 212.) Auflösung der Gruppe VerDas Schicksal Ossietzkys Irreführungsversuche des Propagandaministeriums Die National- Zeitung« Basel vom August 1937 schreibt: Von unterrichteter Seite wird uns von evolutionäre Sozialisten" In den vergangenen Wochen haben auf Antrag der» Revolutionären Sozialisten<< wiederholt Besprechungen zwischen 25. Osloer Rechtsblattes> Tidens Tegn« die glei-| preises, im November 1936, die Beamten der tretern der Gruppe» Revolutionäre Soziache Aeußerung völlig anders verstanden und gleichen Behörde gegenüber der Auslandslisten und dem Vorstand der Sozialdemoge- wiedergegeben:» Ich lese das» Berliner Tage- presse erklärten, der Reise Ossietzkys nach kratischen Partei Deutschlands stattgefundes Nobelpreises den mit dem Ziele der Auflösung der schrieben: Ueber dem Schicksal des Ossietz- blatt<< und die> Deutsche Allgemeine Zeitung«. Oslo zur Entgegennahme Was aber waren die Absichten des Propa- stände nichts im Wege Inzwischen ist Gruppe und ihrer Wiedereingliederung in kys liegt ein Geheimnis. gandaministeriums, das jener Unterredung Ministerpräsident Göring selbst erklärt wordie Sozialdemokratische Partei Deutsch- Am 3. August ging durch die Weltpresse zu einer riesenhaften Auslandspublizität ver- den, daß man diese Reise verhindert habe, da lands. die Nachricht, daß sechs in Berlin lebende holfen hat? Den Anstoß gaben einerseits der Pazifist» ein unerwünschtes Element<< von Ossietzky alarmierende Veröffentlichungen in Am 2. September tagten nunmehr in Auslandsjournalisten Herrn der sei. Karlsbad die sämtlichen Körperschaften besucht und interviewt hätten. Presse des Auslandes, andererseits dringliche Die Irreführung des Auslands durch solunter view wohnten offiziell je ein höherer Beam- Anfragen ausländischer diplomatischer Per- che Interviews bezweckt, Ossietzky selbst als der>> Revolutionären Sozialisten<< Hinzuziehung ihrer Grenzarbeiter und faẞ- ter des Reichspropagandaministeriums und sönlichkeiten. Die deutschen Behörden woll- freien Staatsbürger auftreten zu lassen, der ten einstimmig gegen die Stimme des be- der Geheimen Staatspolizei bei, deren Behör- ten nun, im Ausland den Eindruck erwecken, sich von seinen Krankheiten behaglich erholt. reits zurückgetretenen Vorsitzenden Karl den den Besuch Böchel den folgenden Beschluß: perschaften der RSD sind nach Dem Interauch arrangiert hatten. Die in der Presse veröffentlichten Interviews ernsthafter zu beigetragen, das Geheimnis um ihn noch zu verdichten. sechs Die Unterhaltung der dem die Die Tatsachen sind, daß der Träger des Friedensnobelpreises mit allen Mitteln, in dem Sanatorium in Niederschönhausen bei Berlin, gefangen gehalten und auf unauffällige Art bewacht wird; daß seine Krankheit sich täglich verals sei der Träger des Friedensnobelpreises Die Beamten des Dr. Göbbels haben ihm sogesundheitlich auf dem Wege zur Besserung. gar die Erklärung gestattet, er sei auch heute » Die verantwortlichen Vertreter und Kör- mit dem kranken Manne haben aber nur da- Tatsächlich ist sein Befinden im Augenblick noch Pazifist. Man weiß wie aufrichtig Oskritiker als je. Die schwere Lungentuber- sietzky an seiner Ueberzeugung festhält, kulose, die er sich in dreieinhalb Jahre langer aber daß er es im Dritten Reich ungestraft Prüfung der Situation zu der Ueberzeugung Auslands- Konzentrationslagerhaft gekommen, daß die einzelnen sozialdemokrabei der Moorarbeit sagen durfte, das ja bekanntlich Pazifismus zuerst keine Daseinsberechtigung journalisten mit Ossietzky hat tischen Gruppen die zugezogen hat, hat bedenklicherweise den bekämpft und verfolgt, das war ein Zugemehr besitzen und daß die organisatorische recht erstaunliche Wirkung gehabt, in der Kehlkopf ergriffen. Das Berliner Klima ver- ständnis an das Ausland, das von der völligen Sammlung dieser Gruppen im Gesamtrahmen Weltpresse in fünfzehn verschiedenen Versio- doppelt in dieser Krankheitslage die Gefah-> Freiheit« Ossietzkys überzeugt werden soll. der sozialdemokratischen Bewegung das Ge- nen wiedergegeben zu werden, deren Inhalt ren. Im Schweizer Alpenklima könnte sich bot der Stunde ist. bis aber zum Widerspruch unterscheidet. Leiden Einhalt geboten werden, Um dieser politischen Notwendigkeit zu Wenn etwa österreichische und tschechische nationalsozialistischen Behörden widersetzen dieser für Ossietzky entsprechen und die Vereinheitlichung der Blätter von der Unterhaltung berichten, Os- sich aufs energischste deutschen sozialdemokratischen Arbeiter- sietzky sei» bisher zu schwach gewesen um lebenswichtigen Reise. Würden diese Tatsachen bekannt, so müßte bewegung von sich aus zu fördern, beschlie überhaupt das Haus zu verlassen<<, so wissen Ben die zuständigen und berufenen Körper- gleichzeitig andere Blätter zu melden, er habe das Reich unangenehme Rückwirkungen auf schaften der RSD die Auflösung ihrer Gruppe erklärt,> er genieße absolute Freiheit in die pazifistischen Kreise des Auslandes be- schlimmert, daß sich bei diesem Zustand und deren politische und organisatorische Kaffeehäuser zu gehen und sich ganz allge- fürchten. Deshalb verbreitet es im Ausland, mein zu amüsieren<<. Oder wenn der Korre- erstens sei Ossietzky jetzt völlig frei und Eingliederung in die Gesamtpartei. berichtet, zweiten befinde er sich auf dem Weg zur geDa wir der festen Ueberzeugung sind, daß spondent der» New, York Times<< wir als Sozialdemokraten unsere große poli- Ossietzky habe den Wunsch geäußert, diesen sundheitlichen Besserung. Bei dem genannten Die Vertreter des Propagandaministeriums tische Aufgabe nur als starke, einige und ge- Herbst und Winter in den Schweizer Alpen Interview mußte Ossietzky gerade seine anob- und der Geheimen Staatspolizei fürchten, daß können, sind zu verbringen, so weiß der Korrespondent der gebliche Freiheit ausdrücklich betonen, » Tribune de Geneve« zu melden, Ossietzky schon ein hoher Beamter der Geheimen die Stimmung des Auslandes noch einmal, wie habe erklärt, er wolle sich für lange Zeit Staatspolizei offiziell das Gespräch über- bei der Verleihung des Nobelpreises, wirkwährend wachte. Dieser Beamte sowie auch der Arzt same Maßnahmen für die Rettung des gronicht von Berlin wegrühren. Und endlich die meisten Berichterstatter als pikan- mußten ferner den Journalisten erklären, einer Ben deutschen Pazifisten, des einstigen Vortes Detail erzählen, der frühere Herausgeber Erholungsreise Ossietzkys in die Schweiz kämpfers für den Völkerbundsgedanken, forder Weltbühne« habe seit langem keine Ta- stünde nichts im Wege. Wie wenig verpflich- dern werde. Die Interviews, die Ossietzky ans geszeitungen mehr gelesen, nur noch klassi- tend diese> Versicherung ist, geht schon dar- Ausland geben muß, sche Literatur, so hat der Korrespondent des aus hervor, daß bei der Zuteilung des Nobel- rung der Wahrheit. schlossene Bewegung erfüllen wir bereit und entschlossen, uns innerhalb der sozialdemokratischen Partei und nach den Grundsätzen der Partei zu betätigen und für die weitere Sammlung der sozialistischen Kräfte zu wirken.<< Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands( Sopade) hat diesen Beschluß begrüßt. Er stimmt ihm zu und wieder ein erwartet, daß sich nunmehr Verhältnis vertrauensvoller Zusammenar- der Landesarbeitsgericht, das sich beit mit den wiedereintretenden Genossen als Berufungsinstanz mit dieser Sache zu beanbahnen wird. fassen hatte, entschied gegen den Geistlichen Zur Durchführung der organisatori- und stellte in der Urteilsbegründung fest, schen Einzelheiten wurde ein engerer Kreis daß der Austritt aus einer nationalsozialistivon Genossen des Parteivorstandes be- schen Organisation ohne Zweifel als wichtistimmt. ger Grund zur fristlosen sung angesehen werden müsse. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Prag, 7. September 1937. Braune Urteile In Bremen standen im August wieder einmal sechs Personen wegen Abhörens verbotener Radiostationen( Straßburg, Moskau etc.) vor Gericht. Sie wurden zu Freiheitsstrafen bis zu 3 1/2 Jahren Zuchthaus verurteilt. Den drei Hauptangeklagten wurden außerdem die bürgerlichen Ehrenrechte für die Dauer der Strafe aberkannt. Eine alte Frau aus Osterode in Ostpreußen hatte in einem Brief an Verwandte EntlasJugendaustausch Die deutschen Zeitungen melden: mancher Arbeitskameraden, die es verstanden haben, in den letzten vier Jahren jeder Aufforderung zur Mitarbeit aus dem Wege zu gehen... Wir kennen die» neue Tour« durch Unsichtbarmachen sich jedweder Aufgabe zu entziehen und bei Aussprachen über die Probleme des Nationalsozialismus immer den Uninteressierten zu spielen. Kommt dann mal ein Amtsträger, um auch zur Mitarbeit aufzufordern, dann habt ihr tausend ablehnende Gründe, von denen keiner stichhaltig ist...< die Möglichkeit sein Leben zu retten immer mehr verringert. Und daß die am nächsten liegende Möglichkeit, die Kur in der Schweiz, bewußt und planmäßig hintertrieben wird. dienen der Verschleielandsnachfrage sich noch ausschließlich auf Waren aus dem bisher gebräuchlichen Material erstreckt... Nordamerika ist, von Ausnahmen abgesehen, nach wie vor kaum am Markt... Frankreich hat zumal nach Abschluß des neuen Handelsvertrages enttäuscht. Im Gegensatz zu früheren Messen hatten Spielwaren diesmal keine große Messe... Auch hier war das Ausland nur schwach Käufer...< Man hat in diesen vorsichtigen FormulieWie gesagt: ein solcher Appell spricht ge- rungen das Eingeständnis der völligen Pleite des Auslandsgeschäfts auf der Leipziger >> In Lissabon haben sich am 26. August gen die Behauptung von einer 99prozentigen 100 Unterführer und Führeranwärter der Gefolgschaft, er ist vielmehr ein Dokument national spanischen Jugend dafür, daß erhebliche Teile der deutschen Arbewegung unter Leitung von 14 Gau- beiterschaft der Gleichschaltung auf den Naführern und Inspektoren auf dem deutschen tionalsozialismus soviel passiven Widerstand Dampfer» Cap NNorte« nach Hamburg eingeschifft. Die 114 nationalspanischen leisten, als das bei den furchtbaren Terror Jugendführer und Führeranwärter unter- eben möglich ist. nehmen die Reise auf Einladung des Reichsjugendführers Baldur von nehmen.<< Messe zu erblicken. Das Zurückziehen der ausländischen Einkäufer vom deutschen Markt ist nicht der Erfolg Boykottpropaganda, sondern druck der Tatsache, daß das Ausland Waren irgendwelcher nur der Ausaus deutschen Ersatzstoffen ablehnt. Da aber die Verfälschung der Waren mit den raffiSchirach und werden sich insgesamt fast Exportgeschäft enttäuscht! Exportgeschäft enttäuscht! niertesten Methoden betrieben wird, und die einen Monat in Deutschland aufhalten, Die Stärke der Leipziger Messe bestand in Produzenten und Händler dem Kunden wahrund dabei auch als Gäste der Hitlerjugend und im Lager der HJ in Nürn- früheren Jahren darin, daß sich auf dieser heitsgetreue Erklärungen nicht abgeben dürberg am Reichsparteitag teil- großzügigen Warenschau vor allem die Ein- fen, ziehen sich die ausländischen Einkäufer käufer aus dem Auslande einfanden und der lieber völlig aus dem Geschäft mit DeutschDie 114 nationalspanischen Führer haben deutschen Industrie und dem Gewerbe größere land zurück. in Polen geschrieben, daß man in Deutschland Zeit, Ferien zu machen und sich feiern zu Aufträge erteilten. Die Wirtschaftskrise hatte mit dem gegenwärtigen Regime nicht allge- lassen. Den Heldentod, auf den sie eigentlich dem Exportgeschäft der Leipziger Messe Deutschland und Sowjetrufland mein zufrieden sei. Der Brief wurde von der Anspruch hätten, sterben inzwischen vertre- schwere Rückschläge gebracht. Aber es war Gestapo geöffnet, die die sofortige Verhaftung tungsweise junge deutsche Menschen, die un- trotzdem noch in gewissem Umfang vorhander Absenderin vornahm. Das Sondergericht gefragt nach Spanien verfrachtet Königsberg hat die Greisin jetzt wegen Vielleicht quartiert man die fidelen Gäste bei >> Heimtücke< zu vier Monaten Gefängnis ver- den Müttern der im Manöver verunglückten<< Spanienkämpfer ein? urteilt. Als einem» Gefolgsmann in einem Fleischerbetrieb des Städtchens Hechingen ( Hohenzollern) bei der Arbeit von einem Kollegen versehentlich Rotwurst statt LeberDas Märchen Die sowjetrussische Ausfuhr von Manganerz nach Deutschland hatte im zweiten Halbwurden.| den. jahr 1936 so gut wie ganz aufgehört. Es wurWenn im Gegensatz zu dem wirtschaft- den in dieser Zeit ganze 1835 t dieses wichtilichen Aufschwung in zahlreichen Ländern das gen Rüstungsrohstoffes an das Dritte Reich Exportgeschäft der Leipziger Messe stagniert, geliefert. Im ersten Halbjahr 1937 haben die ja gegenüber den schwersten Krisenjahren so- Lieferungen eine beträchtliche Erhöhung ergar noch weiter zurückgegangen ist, so hat fahren. Deutschlands Einfuhr von Manganerz man darin unstreitig einen» Erfolg der natio- aus Sowjetrußland ist auf 20.208 t gestiegen. von den 99 Prozent nalsozialistischen Wirtschaftspolitik zu er- Rußland hat demnach starken Anteil daran, Die zu gut gelungene Regie bei den letzten blicken. Der ungünstige Stand des Exportge- daß es den Nationalsozialisten gelingt, die 99prozentige Zustimmung zu dem Terrorregi- verdecken versucht. Doch kann damit das Geme der Nationalsozialisten erbracht. Inzwi- schäft selbst nicht gehoben werden. des Terrors, der Daß auch die eben beendete Herbstmesse schen hat die Fortdauer wurst gereicht wurde, ließ der erste, wütend Reichstagswahlen« hatte als Ergebnis die schäfts wird zwar durch laute Reklame zu Versorgungslücke in Erzen zu schließen. ausgeschlossen, weil sein Verhalten * An der anläßlich des Nürnberger Parteitages stattfindenden großen Luft- und Trupattaché teilnehmen. geworden, einige unfreundliche Redensarten vernehmen. Der betreffende wurde jetzt vor ein Ehren- und Disziplinargericht der Deutschen Arbeitsfront gestellt und frei- Kampf gegen die» Mießmacher«, die erneute für die Exportindustrie abermals eine große penparade wird der sowjetrussische Militärlich auf ein Jahr aus dieser> Organisation< Vertagung der Vertrauensratswahlen, die sich Enttäuschung war, darüber kann kein Zweifel von Zeit zu Zeit wiederholenden Massenverhaf- sein. Selbst die» Frankfurter Zeitung« muß nicht mit den Pflichten eines Mitgliedes der tungen diese Feststellung längst ad absur- das folgende Eingeständnis machen: DAF vereinbar sei. Ausschluß aus der Arbeitsfront bedeutet natürlich Verlust des Arbeitsplatzes und öffentliche Aechtung. Es handelt sich hier offensichtlich um Nazirache an einem politisch Miẞliebigen. * Ein Gefängnisgeistlicher, der seit 1929 der Nazipartei angehörte, war mit den Methoden des gegenwärtigen Kirchenkampfes nicht einverstanden. Da er von seinen Pg. heftig angegriffen wurde, trat er nunmehr aus der NSDAP aus. Er wurde darauf von der Justizverwaltung sofort entlassen. Das Dortmundum geführt. Wenn tatsächlich 99 Prozent des deutschen Volkes aus freiem Willen zu Hitler ständen, dann wären sicher auch Appelle wie der folgende überflüssig, der in der Betriebszeitung der Dresdner Bank enthalten ist. Unter der Tritt geUeberschrift:» Die neue Tour? faßt!« lesen wir: >> Wir können es einfach nicht verstehen, daß es immer noch Arbeitskameraden in unserem Betrieb gibt, die nicht einer Organisation oder Gliederung der Partei angehören, und meinen hiermit vornehmlich Jahrgänge bis zum 35. Lebensjahr.... Wir wundern uns übrigens über die Virtuosität die war Tiere haben es besser Der Schutz, den die politischen Gefange» Der große Erfolg der diesjährigen Frühjahrsmesse(?) besonders im Exportgeschäft hatte die Erwartungen hinsicht- nen im Dritten Reich nicht genießen, ist den lich der Herbstmesse stark gefördert. Ganz sind sie freilich nicht erfüllt worden. Zwar Tieren geblieben: in Schöningen wurden zwei das Inlandsgeschäft lebhaft, Angeklagte wegen Tierquälerei zu je neun aber im Auslandsgeschäft war die Zahl Wochen Gefängnis verurteilt, weil sie ihre der Besucher wie die Summe der Einkäufe Pferde schlecht untergebracht, mangelhaft gekein Grund zu besonderer Befriedigung. füttert und zu Arbeiten verwandt hatten, die Die Schranken im internationalen Handelsverkehr... bleiben eben doch außerordent- die Tiere bei dem schlechten körperlichen Zustand nicht leisten konnten. lich wirksam. Ein die besonderes Gepräge erhielt Wieviele Jahre Gefängnis müßten die KomSchau durch die jetzt vollkommen durch- mandanten der Konzentrationslager erhalten, gebildeten neuen deutschen Werkstoffe, die auch von den ausländischen Besuchern be- wenn die Opfer des Regimes sich des gleichen achtet wurden, wenn auch die Aus- Schutzes erfreuen könnten! Der Weg der Diktator FehllnTestitionen und fortsdireitende Inflation Wieder einmal wird in Deutschland eine Anleihe von 700 Millionen Redchsmark aufgenommen. Es handelt sich um 4pro- zentige Reichsschatzanweisungen mit einer durchschnittlichen Laufzeit von zwölf Jahren. 100 Millionen müssen die Sparkassen und Versicherungsgesellschaften übernehmen, der Rest wird zur öffent- lichen Zeichnimg aufgelegt. Der Zweck ist die sogenannte Konsolidierung der Rüstungswechsel. Formell kurzfristige Staatspapiere, die aber zum großen Teil immer wieder prolongiert werden, werden in formell langfristige verwandelt. Dahinter steht der Notenbankkredit. Wie' die Reichsbank einen Teil der Rüstungswechsel immer wieder diskontieren, das heißt mit ihren Noten aufkaufen muß, so muß sie unter Umständen auch die langfristigen Anleihen lombardieren, sie beleihen. Und wenn auch der Spielraum für diese Beleihung elastischer ist als bei der Diskontierung von Wechseln, so muß sie doch im Bedarfsfalle stets erfolgen, soll nicht der Kurs der Anleihen ins Bodenlose sinken und damit der aufgeblähte Staatskredit in sich zusammenfallen. Die Unterbringimg dieser Anleihen stellt an sich kein Problem dar. Der Staat finanziert die Rüstungskosten mit der Ausgabe immer neuer Wechsel, die ununterbrochen vor sich geht. Diese sammeln sich bei den öffentlichen Kreditanstalten, Banken und Industriellen an. Zugleich verhindert die Diktatur durch ihre Zwangsmaßnahmen, daß der größere Teil so geschaffenen Kreditgeldes in Zirkulation tritt. Emissionssperre und Dividendenbegrenzung verhindern die Anlage in Aktien, die Außenhandels- und Rohstoffkontrolle die Anlage in Metallen oder anderen Sachwerten. Nachdem die Industrie ihre Bankschulden zum großen Teil abgetragen hat, hat sie für die sich bei ihr ansammelnden Wechsel keine andere Verwendungsmöglichkeit, als die in diese Konsolidierungsanleihen zu verwandeln. So geht die Schuldenvermehrung munter voran. Das erste Stadium ist die Ausgabe von neuen Wechseln, in einem zweiten wird ein Teil dieser Wechsel zu»normalen« Reichsanleihen. Seit 1935, da Schacht mit diesen Konsolidierungen begann, ist die deutsche langfristige Verschuldung um nicht weniger als 6690 Millionen RM gestiegen. Aber trotz dieser Summe von fast 7 Milliarden, die in 2y2 Jahren abgeschöpft worden ist, gelingt es nicht, der fortschreitenden kurzfristigen Verschuldung, die in Wirklichkeit rein inflationistische Finanzierung ist, Einhalt zu tun. Offiziell wird zwar die kurzfristige Verschuldung seit Jahren konstant mit 2% Milliarden RM angegeben. Aber; in dieser Summe sindein- ge s t an d e n er m a ß e n die Rüstungswechsel nicht enthalten, von denen man nur weiß, daß sie das Vielfache diesef Summe ausmachen. Schacht und Schwerin-Krosigk haben ganz offen von einer langjährigen Fortsetzung der Konsolidierungspolitik gesprochen. Hätten die kurzfristigen Reichsschulden effektiv nur 2% Milliarden betragen, würden die Rüstungswechsel in Wirklichkeit nicht viel rascher vermehrt werden als ihre Ersetzung durch die neuen langfristigen Anleihen erfolgt, so müßte die Konsolidierung bereits abgeschlossen sein und brauchte nicht noch»jahrelang« fortgesetzt werden. In Wirklichkeit vollzieht sich jetzt in Deutschland derselbe Prozeß wie während des Krieges. In den ersten beiden Kriegsjahren gelang die Abschöpfung des von der Reichsbank zur Kriegsfinanzierung geschaffenen Kreditgeldes durch die Kriegsanleihen noch halbwegs. Dann blieben die Zeichnungen der Anleihen immer stärker hinter dem Umfang der unaufhörlich weiter getriebenen Kreditausweitung zurück. Das Ende war schließlich die offene Inflation. Jetzt vollzieht sich der gleiche Prozeß, bisher durch Zwangsmaßnahmen der Diktatur nur stärker verhüllt und in seinen Wirkungen noch gehemmt. Ein Teil der wirklichen kurzfristigen Verschuldung wird immerhin sichtbar, wenn man den Wechselbestand der Reichsbank und der übrigen Banken betrachtet. Zu Beginn der Hitlerherrschaft betrug der Wechselbestand der Reichsbank durchschnittlich 2.9 Milliarden RM; im laufenden Jahr erreicht der Monatsdurchschnitt des Wechselbestandes etwa 5.4 Milliarden RM, also fast das Doppelte. Aber vor Hitler handelte es sich um echte, solide, private Handelswechsel, heute fast nur noch um Reichswechsel, um die Rüstungs- und Autarkiefinanzierungswechsel. Der Wechselbestand der fünf Berliner Großbahken betrug 1933 im Monatsdurchschnitt IV2 Milliarden RM und stieg bis 1937 ebenfalls auf das Doppelte, auf 2.9 Milliarden RM. Auch hier handelt es sich jetzt nicht mehr um Handelswechsel, sondern zum großen Teil um Rüstungswechsel. Zusammen ergibt sich eine Summe von 8.3 Milliarden RM. Aber daneben schwimmen Milliarden Rüstungswechsel auf dem offenen Geldmarkt, sind bei Sparkassen und Versicherungsgesellschaften untergebracht und häufen sich in den Portefeuilles der Großindustrie. Die»Konsolidierung« kann also mit der Wechsel Vermehrung nicht Schritt halten; die Inflation schreitet trotz steigender Steuereinnahmen, trotz unaufhör- ücher Anleiheaufnahmen unaufhaltsam fort. Kein Wunder, daß es selbst den Gleichgeschalteten unheimlich wird und die Warnungen vor dieser Art Finanzierung zunehmen. So hat der Regierungsrat Rentrop,, der Abteilungsleiter beim Reichskommissar für die Preisbildung ist, in der»Zeitschrift der Akademie für Deutsches Recht« eine Abhandlung veröffentlicht, in der er darauf hinweist, eine weitere Kreditausdehnung müßte als Inflation bezeichnet werden, da der Geldumlauf dann in einem Mißverhältnis zur vorhandenen Warenmenge stehen würde. Man weiß, daß diese Ansicht von allen Wirtschaftskreisen ebenso geteilt wird wie von der Reichsbank selbst. Nur daß diese Einsicht nicht den geringsten Einfluß auf den weiteren Verlauf haben wird. Denn die Diktatur kann heute weniger als je daran denken, die wirkliche Ursache der deutschen Wirtschaftsnot und damit auch der neuen deutschen Inflation zu beseitigen: das wahnsinnige Tempo der Aufrüstung. Der Zusammenhang ist einfach der; der Staat hat einen immer größeren Teil der deutschen Produktivkräfte für die Rüstungsproduktion beschlagnahmt und bezahlt diese Produktionskräfte— Arbeiter und Material— mit neu geschaffenem Staatspapiergeld— durch Inflation, die stets eine versteckte Form der Konfiskation darstellt. Da die Gelder in unproduktiven Werten angelegt werden, ergibt sich daraus keine entsprechende Zunahme an konsumierbaren Gütern, die in Zirkulation treten können, so daß sich das Mißverhältnis zwischen Geldumlauf und Gütermenge ständig steigern muß. Da die Kriegsdrohung, die die Diktatur geschaffen hat, ihr eine Verlangsamung der Rüstungen verbietet, ist eine Umkehr unmöglich, und alle Warnungen der Wirtschaftskreise bleiben in den Wind gesprochen. Dabei zeigen die mittelbaren und immittelbaren Preiserhöhungen, die trotz schärfster Ueberwachung ununterbrochen vorangehen, daß Symptome auch der offenen Inflation bereits sichtbar werden. Daran ändern auch die Konsolidierungsversuche nichts wesentliches. Ihre wirkliche Tendenz hat vor kurzem die»Neue Züricher Zeitung« ganz richtig charakterisiert: »Die den Effektenmärkten zur Verfügung stehenden Papiere werden sukzessive eingeschränkt und der Anlagebedarf immer mehr auf die Reichsanleihen abgedrängt. Die konsequente Fortführung(fieser Politik müßte schließlich dazu führen, daß nur noch ganz geringe Mengen privater Papiere vorhanden wären und praktisch für Anlagen nur noch Staatspapiere zur Verfügung ständen. Die Portefeuilles der Banken, der Industrie, der Sparkassen, der Versicherungen und anderer Institutionen enthalten heute schon umfangreiche Bestände von Reichsanleihen; das Binde der vorerwähnten Entwicklung müßte sein, daß diese Portefeuilles überwiegend Reichsanleihen enthalten. Eine Krise in der Finanzpolitik müßte alsdann zu nicht übersehbaren Konsequenzen führen, und es läßt sich leicht vorstellen, welchen Wert abgeschlossene Versicherungsverträge, Rentenverträge und Vermögensanlagen überhaupt dann noch hätten. Wenn sich auch in einem diktatorisch regierten Staat der Lauf der Dinge nicht annähernd überblicken oder voraussagen läßt, verdient doch festgehalten zu werden, daß man auch in Kreisen, die zum Regime positiv eingestellt sind, Ueberlegun- gen der skizzierten Art anstellt.« Diese» Ueber legungen« laufen darauf hinaus, daß die glänzenden Gewinnergebnisse der deutschen Unternehmer schließlich in Fehlinvestitionen einerseits und in sich entwertender Papiermark andererseits bestehen werden. Aber solange die Kreise, die sie anstellen, zum»Regime positiv eingestellt« bleiben, werden diese Ueber- legungen nichts nützen. Die Diktatur muß den Weg, den sie angetreten, bis zum Ende gehen oder sie muß gestürzt werden. Kanonen statt Butter, Kasernen statt Wohnungen, bedeutet andererseits auch nutzlose Papiermark statt der Goldgewinne, die sich diejenigen versprochen haben, die zu diesem Regime des Krieges und Elends»positiv eingestellt« waren. Dr. Richard Kern. Prachtbauten trotz Rohstoffmangel Sfaatskon|unktur als»Subvention« Der»Nationalsozialistische Wirtschaftsdienst«(3. August-Heft) schreibt: »Die verfügbare Menge Elisen wird knapp, wenn Eisen nicht nur für rein wirtschaftliche Zwecke, sondern in ausgesprochenem Maße zur Lebenssicherung der Na� tion, d. h. für Rüstungszwecke, verwandt wird. Oder; Das Holz wird knapp, wenn man es nicht allein für Bauten, Möbel usw., sondern zusätzlich für Zellwolle, Holzgasmotoren usw. gebraucht. Daraus ergibt sich schon, daß einer zusätzlichen Verwendung solcher Güter eine Mehrerzeugung und— wo das nicht so schnell möglich ist— eine entsprechende VorratsbUdung vorangehen muß!« In dieser nicht sehr originellen Erkenntnis liegt eine theoretisch verkleidete Meckerei. Die parteiamtliche Wirtschaftsabteilung rügt, daß man Erzeugungsschlachten liefere, aber versäumt habe, dafür zu sorgen, daß der notwendige Vorrat an Munition nicht fehle. »Noch vor einigen Jahren«, schreibt der»Nationalsozialistische Wirtschaftsdienst«,»hatten wir hinreichend landwirtschaftliche und industrielle Warenreserven. Was heute die Bilanzen industrieller Unternehmen an Warenvorräten ausweisen, ist erstens weniger und zweitens sind es nicht solche Güter, unter deren Knappheit wir gerade leiden.« Die Wirtschaft zehrt also von ihren in früheren Zeiten angesammelten Rohstoffreserven. Wie ist das Mißverhältnis zwischen Görings gigantischen Autarkieplänen und der mangelhaften Vorsorge für die Grundvoraussetzung ihrer Ausführung zu erklären? »Als Argument für die Mangelerscheinungen wird ins Feld geführt, daß wir nicht mehr die Ergänzungsfreiheit hinsichtlich der Auslandsgüter in Anspruch nehmen könnten. Nun, das konnten wir auch vor einigen Jahren nicht. Selbst altbekannte Begründungen, die sich auf die verstärkte Warennachfrage im Wirtschaftsaufschwung oder gar die Aufrüstung beziehen, vermögen den gegenwärtigen Zustand nicht zu entschuldigen. Schließlich war der zweite Vierjahresplan auch nur die Bestätigung dafür, daß die Erzeugungskapazitäten sowie die Vorräte nicht ausreichten.« Wir erfahren also, daß die Begründung, die Göring für den Schwund der Rohstoffreserven und für seine Autarkiepläne gibt, Schwindel sind, daß sie nicht auf die Liefersperre des Auslands zurückzuführen sind und nicht einmal mit den Erfordernissen der »Wehrfreiheit« ausreichend begründet werden können. Welchem hehrem Zweck werden also die Rohstoffreserven geopfert, deren Schwinden die Fortsetzung des Produktionsanstiegs nunmehr hemmt. Sicherlich trägt die Schuld nicht ein Uebermaß lebensnotwendigen Verbrauchs, denn der wird ja zurückgedrängt, um Rohstoffe für andere Zwecke zu ersparen, die das Hitlerregime für die Erhaltung seines Lebens als notwendig ansieht. Der»Nationalsozialistische Wirtschaftsdienst« gibt sogar zu, daß die Konsumgütererzeugung gedrosselt wird, und verrät uns auch, um welchen Zweckes willen. Bis müsse darauf bedacht genommen werden, schreibt er warnend,»daß die Gesamtstruktur der Wirtschaftstätigkeit nicht nur durch die staatliche Steuerung, d. h. durch die Art der Aufträge, zu einseitig wird«, und begründet diese Warnung wie folgt; »Man kann nicht dauernd mit der Möglichkeit eines Wiederkonsums rechnen, und kann deshalb den Ausbau der Konsumgütenproduktion zugunsten von Bauten und Investitionen repräsentativer, die Aufträge vergebenden Behörden zu hohe Preise zahlen oder der Investitionsumfang so maßlos überhöht wird, daß ein Run nach Baumaterial, Maschinen, Werkzeugen, Halbfabrikaten, Elisen, Arbeitern usw. entsteht? Wie sehr die Gewinnlage der Industrie verbessert ist, zeigt die neueste Veröffentlichung des Statistischen Reichsamtes über die Erträge von fast der Hälfte der deutschen Aktiengesellschaften Im 4. Vierteljahr 1936. Der Gewinnsaldo stieg von 488 auf 600 Millionen Mark. Das bedeutet für das ganze Jahr 1936 und nur für die Aktiengesellschaften eine Gewinnsteigerung von rund 1 Milliarde Mark! Ehe Rückstellungen erhöhten sich um ein Drittel, die Abschreibungen waren höher als die höhere Beanspruchung der Anlagen, so daß die stillen Reserven ganz beträchtlich größer wurden. Bis dürfte also nötig sein, die gute Gewinnlage der Wirtschaft nicht nur zur verkehrstechnU i Begebung von Anleihen, d. h. Forderungen der scher und anderer Art zurückstellen, son-! dern es muß ein Gleichgewicht gewahrt werden, weil auch die Auffüllung geleerter Lager keineswegs von heute auf morgen geht und, zulange ausgedehnt, einseitige Auftrags- und Investitionsstrukturen deshalb auch zu folgenschweren Vorratsminderungen führen.« Mit anderen Worten: es sind die monumentalen Prachtbauten, die Autostraßen, die das In- und Ausland staunen machen soll, es ist die P r a ch t e n t f a 1 1 u n g des Regimes und seine Machtentfaltung nach innen und nach außen, um derentwillen die Produktionsreserven der Nation verschwendet und die große Masse des Volkes zu Entbehrungen gezwungen wird. Das Maß der Entbehrungen ist aber sehr einseitig verteilt. Die öffentliche Verschwendung führt zu privater Bereicherung einiger weniger. Daß die Verantwortimg dafür nicht bei diesen Privili- gierten selbst liegt, stellt die parteiamtliche Wirtschaftszeitung ausdrücklich fest. Sie legt des Preiskommisar nahe,»sich vor allem um die Menge, den Umfang, die Höhe sowie die Preise der öffentlichen Investitionen tn Deutschland zu kümmern«. Ihre Ueberhöhung sei»mit der Hauptanlaß zu Preisauftriebstendenzen bei uns«. Deshalb müsse der Preiskommissar auch den öffentlichen Auftraggeber auf die Fänger gucken.»Was nützt es«, heißt es dann weiter,»mit der einen Hand von den Finanzämtern höhere Steuern einziehen zu lassen, wenn mit der anderen Hand, Wirtschaft an den Staat zu benutzen, sondern einerseits die überhöhten Preise zu drücken, andererseits mehr Steuern einzufordern.« Da Göring zur gleichen Zeit mit dem Zwang zur Verwendung teureren Eisenerze« die Produktionskosten erhöht, dürfte das ein frommer Wunsch bleiben. Zur Herabsetzung der Preise und Erhöhung der Rohstoffvorräte wird deshalb vor allem die»Mäßigung der Auftragserteilung, d. h. letzten Bhidea der Nachfrage nach Investitionsgütern für Re- präsentations-, Verkehrs- und Fabrikbauten und andere staatliche und öffentliche Bestellungen« empfohlen. Auch hier werden wieder die Repräsentationsbauten vorangestellt und damit unterstrichen, daß diese vor allem anderen im Dritten Reich den Vorrang genießen. Wie kein anderer Urt aber der folgende Satz kennzeichnend für das Hltlerregime und das Wesen seiner»Staatskonjunktur«: »Und um den Staat und die öffentliche Hand nicht zu solchen Aufträgen zu verleiten, muß die Gewinnlage der Wirtschaft durch Preisdruck gesteuert werden.« Man hatte bisher angenommen, daß das Regime Staatsaufträge vergibt, um seine Staatszwecke erfüllen zu können. Nun hören wir, daß die Verbesserung der»Gewinnlage« nicht die Folge der Staatsaufträge ist, sondern ihre Ursache, der Anreiz, dem die Staat». bürokraüe folgt, wenn sie Staatsaufträge vergibt. Die Erhöhung der Profite ist also nicht so sehr die Wirkung der Staatskonjunktur wie ihr Zweck. G. A. F. Nr. 222 BEILAGE Neuer Vorwärts 12. September 1937 Die braune Propaganda- eine Kriegswaffe ten auf >> Wenn durch die Hilfsmittel In der» Frankfurter Zeitung vom| die man als die> entrissenen« bezeichnet,[ unterscheide sich vom Reichsdeutschtum dem man die zweihundert Kongresse, die 31. August 1937 wird bemerkt, daß der sondern auch auf Länder, in denen es, wie» nur durch die andauernde völkische Ge- aus Anlaß der Weltausstellung in Paris Tagung der Auslandsdeutschen in Stutt- in Frankreich oder, England, kaum deut- fährdung«. Adolf Hitler hat in einem Heft- stattfinden, mit Nazigetreuen beschickt gart seine besondere Aufmerksamkeit zu- sche Minderheiten gibt. Wie bekäme man chen, das dem Minderheitenproblem ge- unter der Bedingung, daß etwa kein Emikomme, nicht nur darum, weil im Januar sonst den genügend großen Raum, von widmet ist, erklärt: grant an diesen Kongressen teilnehmen 1937 die gesetzliche Neuordnung für die dem Hitler spricht, wenn es nicht gelingt, der Regie- darf. Solche Ansprüche werden meist Reichsdeutschen im Ausland vorausgegan- die stärksten Bastionen von innen heraus rungsgewalt ein Volkstum dem Untergang durchgesetzt, denn man bemüht sich doch wie das der Aufsehen zu unterhöhlen? entgegengeführt wird, dann ist die Rebellion in den demokratischen Staaten, dem Dritgen ist, sondern erregende Artikel zu diesem Thema in den Es ist daher notwendig, den Vorhang eines jeden Angehörigen eines solchen Volkes ten Reich keinen Vorwand zum diplomati> Times<< verrät weil man in England hinwegzuziehen, der das, was dahinter nicht nur Recht, sondern Pflicht. Die Frage, schen Protest oder zu dem bereits angeaufrichtig bestürzt ist, daß dieser steht, verbirgt, und die Wirklichkeit der wann ein solcher Fall gegeben sei, wird nicht drohten Boykott der Ausstellung zu geben. Stuttgarter Tagung die Ankündigung der braunen» Kulturpropaganda« aufzuzeigen, entschieden durch theoretische Abhandlungen, So erscheinen auf diesen Kongressen die den deren Sicherung man jetzt durch die Spiel- sondern durch die Gewalt und den Erfolg.< Agenten des Entsendung von Kulturattachés bei Propagandaministeriums, deutschen Gesandtschaften und Botschaf- regeln der Diplomatie erstrebt. Dabei müs- Dieses Wort ist bisher kaum bekannt wenn man so sagen darf, als normale Mitzuerst nach England angekün- sen wir uns auf die jüngsten Vorgänge geworden, weil es in einer Sammlung von teleuropäer verkleidet und versuchen, der digt wurde. Der» Times<-Artikel, der gegen diese Maßnahme polemisiert, sagt, daß man doch einmal die Sachlage umdrehen solle, um sich vorzustellen, daß Chamberlain und Eden planen, sämtliche im Ausland lebenden Engländer zu einem > Propagandakonzern« für die Ideen der Demokratie zu formieren.» Würde aber Hitler eine solche Bewegung auch nur einen Augenblick dulden?« fragt das Blatt weiter. Die Demokratien werden allerdings nicht versuchen, ihre Anschauungen in den faschistischen Ländern zu propagieren, weil sie damit auf den stärksten Widerstand der Diktaturen stoßen würden und befürchten müßten,>> die guten Beziehungen mit diesen Diktaturstaaten zu gefährden. Statt dessen müssen sich die Demokratien von Herrn Bohle, dem Chef der deutschen Auslandspropaganda, sagen lassen, daß einige der alten liberalen Ideen<< außerhalb Deutschlands eben noch nicht ganz überwunden seien und daß es darauf ankomme, daß die deutschen Auslandsorganisationen im Kampfe gegen diese Ideen verbleiben und, wie er prophezeit, im Ausland erfolgreich sein werden. Dieser Kreuzzug der Ideologien ist eine Kriegswaffe, die nicht zu unterschätzen ist. Eine Waffe, die das nazistische Deutschland nicht ohne Geschick und mit besonderer Gefährlichkeit zu führen versteht. Die» Frankfurter Zeitung« drückt dieses Ziel sehr vornehm aus, indem sie erklärt:» Wenn die Gastländer es nicht grundsätzlich verhindern wollen, daß Reichsdeutsche bei ihnen leben was ja absurd wäre, dann müssen sie diesen Reichsdeutschen die Freiheit lassen, in Verbindung mit ihrer Heimat zu bleiben, d. h. in der Mehrzahl der Fälle, innerdeutsche Entwicklungen zu ihrer eigenen werden zu lassen.< Es hätte aber gar nicht der Stuttgarter Reden bedurft, um der Weltöffentlichkeit darzulegen, worum es dem nationalsozialistischen Deutschland geht. Die unabänderlichen Programmpunkte auf Zusammenschluß aller Deutschen zu einem Großdeutschland sind an sich bekannt. Adolf Hitler hat in» Mein Kampf< erklärt: So man Ihre Freiheit Konsentration lage FH સ 听 Hitlerjungen bei der Knochensammlung:» Ich hab's doch gleich gesagt, daß wir in dieser Gegend die meisten Knochen finden werden!<< Welt einzureden, daß das derzeitige Deutschland in kultureller Hinsicht all den Respekt beanspruchen dürfe, den es braucht, um seine dunklen Pläne besser realisieren zu können. Die ganze Propaganda, die auf diesen Kongressen getrieben wird, zielt auf die Irreführung der öffentlichen Meinung ab, denn es kommt dem Dritten Reich darauf an, als ein dem zivilisatorischen Fortschritt dienendes Land angesehen zu werden. Wenn dann noch frühere Repräsentanten einer früheren Demokratie, wie etwa Hellpach auf dem Philosophenkongreẞ, sich dazu hergeben, dem Dritten Reich Agentendienste zu leisten, so gelingt sogar hie deutund da diese Bauernfängerei. Die schen Ausstellungsreisenden selbst werden, soweit sie nicht parteisicher genug sind, strengstens überwacht. Nachdem die Auslandsabteilung der NSDAP durch Uebersiedlung in das Auswärtige Amt eine offizielle Einrichtung des neuen Deutschlands geworden ist, sind die Auslandsgruppen nach einem Schema organisiert, von dem wir aus dem SchwarzRotbuch( Dokumente über den HitlerImperialismus, Asy- Verlag, Barcelona 1937) erfahren. Dieses Auslandsamt ist in verschiedene Landesämter eingeteilt, und Frankreich gehört zum Amt II, gemeinsam mit Großbritan nien und Irland, Spanien, Portugal, Luxemburg, Belgien, Niederlande, Algerien, Tunis, Spanisch- und Französisch- Marokko und den Inseln im Atlantik. Schon immer hat das Auswärtige Amt, wie aus einem Rundschreiben vom 31. August 1933 hervorgeht, das Material dieser Auslandsabteilung über die diplomatischen Vertretungen im Ausland» seiner Bestimmung« zugeführt. Dem Chef Bohle sind die Landesgruppenleiter, denen die Landeskreisleiter, denen die Kreisleiter, denen die Stützpunktleiter unterstellt. Für Frankreich ist in Paris der Agent Schleier tätig. Die Funktion dieser Auslandsgruppen beschränkt sich keineswegs auf eine kulturelle Tätigkeit, sondern, wie das die Ausweisung der drei deutschen Journalisten erwiesen hat, auf eine starke Spitzeltätigkeit. > Darüber muß man sich doch wohl klar sein, daß die Wiedergewinnung der verlorenen Gebiete nicht durch feierliche Anrufungen Die englischen Amtsstellen haben nach des lieben Herrgotts erfolgt oder durch sehr sorgfältiger Prüfung nachgewiesen, fromme Hoffnungen auf einen Völkerbund, beschränken, möchten jedoch ganz allge- Zitaten zum Minderheitenproblem enthal- daß die in England lebenden deutschen sondern nur durch Waffengewalt.< mein folgendes sagen. Kulturpropaganda ten ist. Staatsangehörigen, oft kleine Angestellte, es auch Ganz besonders sind durch die Aus- Auskünfte über britische Verhältnisse erdürften also die Kulturattachés Deutschlands im Ausland hat nicht die Funktion haben, Gottesdienste früher gegeben. Die beim Auswärtigen landspropaganda jene Länder gefährdet, statten mußten und, wenn sie das verabzuhalten, sondern in den speziell gefähr- Amt bestehende offizielle Abteilung ver- in denen sich deutsche Minderheiten be- weigerten, so wurde ihnen gedroht, daß deten Gebieten die ideologische Aushöhlung fügte für die Erhaltung des Deutschtums finden. Zu diesen deutschen Minderheiten man dafür sorgen werde, daß daß sie keine man im Ausland, welche Arbeit größtenteils zählt man auch die Elsaß- Lothinger, ob Verlängerung des Aufenthaltes erhielten des Staates vorzubereiten, von dem sich> klar sein müsse, daß soge- durch den VdA( Verein für das Deutsch- sie wollen oder nicht. Adolf Hitler hat und England verlassen müßten. Selbstvernannte verlorene Gebiete von ihm nicht tum im Auslande) geleistet wurde, über zwar nach der Saarabstimmung erklärt, ständlich gehörte zu dieser Tätigkeit, die durch feierliche Erklärungen wiederzuer- etwa 6 Millionen Reichsmark. Der heute daß zwischen Deutschland und Frankreich man in England festgestellt hat, auch eine für dieselbe Arbeit eingesetzte Betrag keine territorialen Streitpunkte mehr be- Ueberwachung der deutschen Flüchtlinge, halten gedenkt. aus einer Anzahl > Das Deutsche Reich soll als Staat alle dürfte mindestens das Zehnfache betragen. ständen, aber von die man sich in England erfreulicherweise der Aufgabe, aus Während aber die Weimarer Republik sich Schriften, die nach dieser Rede vom Natio- nicht gefallen lassen will. Nach dem Deutschen umfassen mit an wirklich lediglich auf eine Kultur verbin- nalsozialistischen Lehrerbund herausgege-» Daily Herald« sollen sich in England 500 diesem Volk die wertvollsten Bestände zu sam- dende Arbeit beschränkte, zeigt die soge- ben worden sind, wird bewiesen, daß an nationalsozialistische Agenten befinden, rassischen Urelementen nicht nur vom VdA, die Ernsthaftigkeit dieser Worte nicht zu die von einer im Bezirk Bythwater befindmeln und zu erhalten, sondern langsam und nannte Auslandsliteratur, die von der glauben ist. lichen Zelle aus planmäßig arbeiteten. Die sicher zur beherrschenden Stellung emporzu- vom Deutschen Fichtebund und >> Nun, man hat die Elsässer von der Mut- Führer dieser Zelle waren eben jene drei Auslandsabteilung der NSDAP herausUnd ein anderer Satz des Führers gegeben wird, die deutliche Tendenz, wel- tersprache losgerissen. Es wird an euch sein, Auslandsjournalisten, welche man ausgeche wir durch die Führerworte gekenn- meine deutschen Brüder, dieses niemals zu wiesen hat. Es ist durchaus anzunehmen, >> Nur ein genügend großer Raum auf die zeichnet haben. Immer wieder wird, wie es vergessen. Elsaß- Lothringen ist die deutsche daß dieser Spitzelorganisation die Freiheit z. B. Dr. Tierfelder in seiner pro- Westmark, die deutsch ist und die wieder deckte Spionage des Reichsdeutschen grammatischen Schrift» Das Deutschtum deutsch werden wird.<< Goertz, der verhaftet und verurteilt Nicht aber allein, daß sich die deutsche werden konnte, zuzuschreiben ist, ein ErDiesen beiden Programmpunkten dient im Ausland« tut, die Rückwirkung auf die die deutsche Auslandspropaganda, die in nationale Selbstbestimmung des Auslands- Auslandspropaganda auf Elsaß- Lothringen eignis, das vor etwa achtzehn Monaten die großem Ausmaß und mit einem unerhör- deutschtums registriert und von einer Er- beschränkt, hat man die Reichsdeutschen, Oeffentlichkeit beschäftigte. Durch diese Zelle, einem Teil der deutten Einsatz von Mitteln, die man für das bebung nach dem Frühjahr 1933 gespro- hauptsächlich in Paris, organisiert, wo ein die augen- schen Auslandsorganisation, wurde EngJahr 1935 aus dem Etat allein mit 45 Mil- chen.» Der volksdeutsche Gedanke hat die braunes Haus existiert, und die mit Material überflutet, und lionen Reichsmark ablesen kann und die staatspolitische kleindeutsche Auffassung blickliche Weltausstellung benutzt man zu land Spezialbeamten von Scotland sich nicht nur auf die Gebiete erstreckt, überwunden.< Das Grenzlanddeutschtum einer Propaganda für das Dritte Reich, in- erst führen.< lautet: ser Erde sichert einem Volke die des Daseins.< ent Yard gelang es, dieser man Nathan Rosenberg Er gibt den echten Ring nicht her... erwähnten Tätigkeit, Deutschland ausweisen zu lassen, ja er Deutsch- Afrikaner« Zeugnis ablegt, wen-| seldorf, und unterhält in Brasilien die vor der Verletzung des Briefge- versuchte, die Entziehung seines Passes zu den müssen. Der Leiter der Auslands- eine Menge, Agenten, die das öffentliche heimnisses nicht zurückschreckte, ein Ende erwirken. Der Kontakt zwischen den Nazis deutschen, Bohle, ist Südafrikaner, da- Leben des Landes bespitzeln. zu machen. Die Revanche des Herrn Göb- im Lande mit den Agenten des Dritten her vielleicht sein besonderes Interesse für Das Verdienst des bereits bels, den>> Times<<- Korrespondenten Ebbutt Reiches ist vorhanden, wenn er auch immer das Geburtsland. Schwarz- Rotbuches ist es, für alle hier auszuweisen, eine dem Dritten Reich» un- wieder geleugnet wird. Endlich sei noch auf die verstärkte aufgezeigten Tatsachen in puncto Spaangenehme Figur«, weil er die Wahrheit Diese jüngsten Vorfälle dürfen nicht Nazipropaganda in Brasilien hinge- nien speziell den dokumentari sagte, wirkte auf die Weltöffentlichkeit darüber hinwegtäuschen, daß in Schweden wiesen. Die Ausschaltung der deutschen schen Beweis zu liefern. Hier wird an mehr als lächerlich. Bei der Stuttgarter schon immer eine ausgezeichnete Naziorga- Dumpingpolitik in Südamerika wird mit Hand der faksimilierten Mitteilungsblätter Auslandstagung hat man scharf gegen nisation bestanden hat. 1934 hatte diese einem wütenden Pressekampf beantwortet, und Briefe die umfassende Tätigkeit der England polemisiert. Aber die Engländer Bewegung unter Führung eines Freundes und nach den brasilianischen Zeitungs- Hafendienstleiter( gleich Spionageleiter), haben, hoffentlich nicht zu spät, die Ent- des Herrn Göring, Furngard, beachtliche nachrichten ist die Tätigkeit der deutschen der Deutschen Arbeitsfront, des Uebersendung der Kulturattachés richtig als den Ausmaße angenommen. Die Beziehungen Nazis» geradezu fieberhaft«<, besonders in wachungswesens, der Wirtschaftsspionage Versuch erkannt, solche unangenehme Görings zu Schweden sind heute noch sehr der Provinz Santa Katarina, in der viele usw. usw. geschildert. Dies Material fiel Ausweisungen von Naziagenten in Zukunft rege. Deutsche leben. Hier wird die deutsche im Juli 1936 den Antifaschisten in die zu vermeiden. Was Dänemark anbetrifft, so liegen Jugend gezwungen, in Organisationen der Hände und wird jetzt gesichtet der Bei all diesen Dingen ist noch nicht die Dinge hier schwieriger, da hier im Hitlerjugend einzutreten, und sie müssen Oeffentlichkeit vorgelegt. Die Anzahl der der umfassenden Einflußnahme Grenzgebiet alte Gegensätze vorhanden selbstverständlich einen Treueid auf Hit- für den deutschen Auslandsdienst arbeigedacht, die das Propagandaministerium sind und dieses Grenzland nach dem deut- ler leisten. Die Hälfte der gesammelten tenden Agenten wird auf 25.000 Köpfe gein jedem Lande auf die Presse aus- schen Volkstumsbegriff nur formal zu Winterhilfsgelder wird in Brasilien für schätzt. Ihre Helfershelfer sind in Länzuüben sucht. Im» Braunen Netz«< sind 307 Dänemark gehört. Die Tatsache, daß sich Geheimzwecke ausgegeben, die nur Einge- dern mit starken deutschen Minderheiten deutsche Zeitungen aufgeführt worden, die die deutschen Schulen in diesem Gebiet weihten bekannt sind. In Brasilien ge- die entsprechenden deutschen Organisatioin den verschiedenen Ländern Europas und verdoppelt haben, soll zu denken geben. borene Kinder von Deutschen schickt man nen. Für ihre Tätigkeit möge nur ein speziell Amerikas unter der Kontrolle des Die dänische Staatspolizei war jüngst ge- nach Deutschland zur Ausbildung, even- Dokument sprechen, welches im Büro des Dr. Göbbels stehen. Auch die Funktion des zwungen, eine Untersuchung gegen das in tuell auch auf die Spionageschule in Düs- Landeshafendienstleiters Karl Cords, eines Presseattachés verrät die richtige Kopenhagen erscheinende Naziblatt» Das englische Einschätzung, wonach demselben Echo« einzuleiten, welches durch vernach einer geheimen Dienstanweisung ob- trauliche Rundschreiben die in Dänemark liegt, lebenden Deutschen aufgefordert hat, nä>> sich ein klares Bild und Urteil über die here Angaben über die Leuchttürme in den Stimmung im Lande in bezug auf Deutsch- Häfen und über die Flugzeuge zu machen. land, seine Innen-, soziale und Kulturpolitik Diesem Rundschreiben war ein genauer zu verschaffen. Zu diesem Zweck haben sie Fragebogen beigegeben. Schon jetzt könne Alfred Rosenberg, der Oberbefehlshaber dann das Psychologische und dann das> Theo( die Presseattachés) nicht nur die Presse man feststellen, daß das Büro des» Echo« der nationalsozialistischen Weltanschauung logische<<. Rosenberg warnt und droht entrüstet vor des Landes zu verfolgen, sondern alle Vor- ein deutsches Spionagezentrum gewesen sei. und der dazu entdeckten Philosophie, ist von daß seine dieser» Entartung<<. Nach seiner gänge zu beachten, die für die ReichsregieMeinung In Dänemark hat der Bombenanschlag Sorgen erfüllt. Es erweist sich, des Dritten schlichen hier auf Gummisohlen wiederum rung, insbesondere mit der nationalen Bewe- dänischer Nazis auf die Wohnung des Bemühungen, die Wissenschaft oder Metabiologien des gung in Deutschland von Interesse sind.<< Verteidigungsministers am 21. Juni d. J. Reiches absolut und total auszurichten, im- Gesellschaftslehren » Wir werden feine So lautet der erste Absatz der» Spionage- Aufsehen erregt. Ein Sprengstoffattentat, mer noch auf hartnäckigen Widerstand sto- Scholastischen herum. anweisung an die Presse, während man das an sich keinen größeren Schaden ver- Ben. In einem Aufsatz, obligatorisch von der Ohren haben, um ihren Schritt zu hören<<, den deutschen Bürger warnt, sich nicht etwa, ursachte, das aber milde anzusehen gewiß gesamten braunen Presse abgedruckt, versucht schreibt wenn auch nur fahrlässig, in den gegneri- kein Grund vorlag. Die Attentäter wurden er, die Freiheit der Forschung, was er sich so schungswillens schen Nachrichtendienst zu stellen. Zur zu verhältnismäßig geringen Freiheits- darunter vorstellt, nach den Prinzipien einer schaftlichen Geistesfreiheit. Doch jetzt beginnen erst die Schwierigkeigleichen Zeit wird in einer Zeitschrift» Der strafen verurteilt. Ihre Beziehungen zu be- germanischen Wertlehre festzulegen Radfahrer« den nach dem Ausland fahren- nachbarten Gruppen, die Schleswig- gebaut auf der Rassenkunde,» als natio- ten! Die neuen Schulen tarnen sich. Philosophie bezeichnen sich, unter Berufung auf nationalden Touristen auf den Weg gegeben, sich Holstein mit Bombenattentaten große Er- nalsozialistische in dem Lande, das sie besuchen, recht ge- fahrungen gesammelt haben, wurden lei- künftig die Königin der Fakul- sozialistische Autoritäten, gleichfalls als unJetzt antastbar zu Hause zu be- der nicht aufgedeckt. hat nationalsozialistisch die täten.<< dänisch- schleswigische Presse gegen die Aber leider ist ihr Thron von den bösen dafür eine entsprechende wissenschaftliche Wie die Enthüllungen über deutsche Einmischung verschiedener hoher deut- Geistern eigenwilliger Gedanken über Welt Begründung vor. Das geht zu weit! RosenUmtriebe. die der Stockholmer» Socialdemo- scher Funktionäre, so des Flensbur- und Leben unterwühlt, die sich erkühnen, berg weiß sich nicht anders zu helfen, indem kraten<< veröffentlicht, zeigen, wechseln die ger Bürgermeisters Dr. Kracht, mit eigenen Schulen einen bescheidenen Platz er den Amtsstempel mit dem Hoheitszeichen » Sie sollen Methoden dieser Auslandspropaganda be- in die innerpolitischen Angelegenheiten neben ihr zu erkämpfen. Rosenberg prangert in seiner Schublade versteckt: trächtlich. In dem genannten Organ wird Dänemarks protestiert, insbesondere gegen sie an: schreiben, was sie wollen, aber als nawerden wir auf die Tätigkeit der>> Deutschen die Anmaßung eines nationalsozialistischen 1. Die universalistische Schu- tionalsozialistisch Akademie in München« hingewie- Vertreters, der in Flensburg in einer Rede 1 e. Sie versucht erneut, den lebendigen Mensen, von der aus Agenten in die ganze Welt ausführte, Deutschland sei stets bereit, schen nur als ein Produkt aus einer abstrakgeschickt werden, um für das Dritte Reich der deutschen Minderheit mit Rat und ten Menschheit darzustellen. den zu werben. Das Blatt berichtet, daß einer Tat beizustehen, und seine Sorge um Rosenberg lehnt diese» Verfälschung<< aufs von diesen Jahren nach deutschen Menschen mache nicht halt vor schärfste ab. Nach ihm gibt es keinen sogevor etlichen Gotenburg kam, wo er, mit genauen An- den Grenzen<<. nannten Vorrang des Geistes. Er wittert HuIn Nordamerika, in Südameweisungen versehen, sich als Sprachlehrer manität in seiner Nähe sondern nur die niederließ. Der» Socialdemokraten< ist der rika, überall in der Welt bestehen StelGestaltung eines bestimmten Menschentums, Auffassung, daß jeder Deutsche ein Agent len der Auslandsorganisation der NSDAP, worin der nordische Typ eo ipso die Führung seines Landes ist, gleichgültig, ob er die und der amerikanische demokratische Se- hat und sie in der Welt der Technik, der Wisdeutsche oder schwedische Staatsbürger- nator Dickstein hat Ende Juli 46 Namen senschaft und der Politik kraft schöpferischaft besitzt. Ein Vorfall in Helsingborg von Personen publiziert, die in den Verscher Bestimmung behauptet. hat gezeigt, mit welcher Unverschämtheit einigten Staaten als Nazispione tätig sind. die Nazis vorgehen. Ein Deutscher er- Auch die südafrikanische Regieblickte bei einer Demonstration zufällig rung Hertzog hat sich bekanntlich schaftlichen einen Emigranten. Er rief ihn darauf tele- gegen die Nazipropaganda, von der das unterste ist phonisch an und drohte ihm, ihn nach wöchentlich Organ » Der Mechanische, nau umzuschauen und richten. Angst Tags schreckte es ihn, nachts weckte es ihn aus wüsten, von Schlaf. erscheinende überall Gefahren, alle Armen zitterten: mög uns Gott bewahren Alle Fenster abgeriegelt, in Träumen durchmarterten daß kein Ruf den Gast erschrecke, Kein Zauberwort bannte, kein Peitschenhieb traf das gespenstische Wesen. Es drohte ihm leise, Es träufelte Gift in die festlichste Speise. Der Despot ließ die schließen, Türen dreifach alle Münder zugesiegelt, nur gebügelt und geschniegelt Schranzenvolk an jeder Ecke. Die Trompeten schmetterten. ver- um den Gast zu grüßen, die Raketen kletterten ließ jeden Verdächtigen foltern, erschießen bis zu Wotans Füßen. Die Magier befragten die Es half nichts. Sterne und sagten:» Gewaltiger, zieh in die Ferne! Der mächtige Sklavenhalter und Scheich in dem uns befreundeten siebenten Reich wird dir einen Kranz um das Herrscherhaupt schlingen, ein jeder von euch wird den andern besingen, ihr werdet euch gegenseitig umschmeicheln, ihr werdet euch gegenseitig bespeicheln, du wirst deine Größe an seiner ermessen und wirst den gespenstischen Schatten vergessen.<< * Alle Fahnen flatterten, tausend Salven dröhnten, Feuerwerke knatterten, alle Glocken tönten, Unerhörte Lichtkaskaden, nie erlebte Farbenfreude, Trommelwirbel, Prachtparaden, mit Girlanden überladen alle Masten und Gebäude. Alle Häscher witterten Und den Gast ergriff ein Schauer, als der Scheich sich vor ihm zeigte. Rings der Wachen starke Mauer: Hinter ihm ein großer grauer Schatten, der sich höhnisch neigte. * Der Despot ist heimgezogen, eilends, ohne Luft zu schöpfen. Und er ließ die Magier köpfen, deren Ratschlag ihn getrogen. Ein gleichgeschalteter Franzose des aufer als Oberprokurator des Forauf der Ebene der wissenund Sie legen sie nicht anerkennen können.<< Nathan Rosenberg gibt den echten Ring auf keinen Fall heraus. Aber ist der Streit um das Erbe damit entschieden? Er selber schreibt, daß auch in der Wissenschaft Kampf unser» Schicksal« sei, und vielleicht ist es das seinige, auf den Trümmern seiner weltanschaulichen Habe die Wiedergeburt der geistigen Freiheit in Deutschland noch erleben zu müssen. Neuer Beruf H. > Aus Polen- besch. Urkund. z. Nach2. Die Schule der naturwissen- weis arischer Abstamm. u. jegl. Stufenleiter. Die Zweck. Mylo....< das immer nach Rosenberg dann kommt das Biologische, zu deutschen Propagandaministeriums stellen, entzieht sich unserer Kenntnis. Der praktische Zweck des Buches ist offenMan sichtlich, für Deutschland zu werben. höre: Inserat in der» Preußischen Zeitung< Nr. 238. die man Werkscharen nennt, und die in ihrem Herzen die Berufung dazu fühlen, Gutes zu verbreiten und alle ihre Kräfte herzugeben, noch über die hinaus, die ihnen die Arbeit nimmt, indem sie Feierstunden für ihre Kameraden organisieren.<< fröhlich sein. Er soll wünschen, er soll Wie sieht die Wirklichkeit > Möge in diesem drohenden Augen- Jedes Kind weiß, daß diese Werkscharen blick, wo in unserem innersten Leben das Betriebsspitzel sind. Zuschlagen der Schicksalspforten nachhallt, möge in diesem Augenblick Frankreich, das>> Der Arbeiter soll arbeiten<<, läßt sich Frankreich des heiligen Ludwigs, das Châteaubriant belehren,» aber er soll auch Frankreich Richelieus, das Frankreich unserer letzten großen Ministerpräsidenten begreifen, wie angesichts der gigantischen fordern!<< Stürme, die die Zukunft vorbereitet, und in aus-! dem Augenblick, WO der Kampf um den In einem Kapitel, in dem er Frankreich Planeten begonnen hat, eine Grenze ist, für die man sich schlägt, sondern eine strategische Linie, auf man sich sammelt.<< der Rhein nicht der Châteaubriant hat Deutschland bereist, benoch einmal zuredet, die ausgestreckte Hand des Führers zu ergreifen, argumentiert Châteaubriant folgendermaßen: Hitler, so sagen mir die Nationalsozialisten, mit denen ich umgehe, hat uns noch niemals belogen. Was er versprochen hat, hat er gehalten. Also wird er auch gegenüber Frankreich... Die Feder hat sich diesem wohlinformierten Autor nicht gesträubt, als er solche Worte niederschrieb. treut von den offiziellen Instanzen, von Gauleiter zu Gauleiter weitergereicht, an Bahnhöfen und Landungsplätzen durch Deputationen empfangen. Er hat gesehen, was man ihm zeigte, Mädchen im Arbeitsdienst( Riedrode), Lehrerbildungsanstalt in Bayreuth, HitlerEs erübrigt sich, auf weitere Einzelheiten jugend im Zeltlager, die Ordensburgen, Vogelsang, Crössinsee, Sonthofen, Erntefest, Auf- einzugehen. Von den prächtigen jungen Leumärsche, Gedächtnisfeiern, Parteitag usw. ten, die ihn in erstklassigen Autos von Stadt einmal tragen sie braune Das Buch» Garbe der Kräfte, neues usw. Die Frage, wie weit er die Möglichkeit zu Stadt fahren, Deutschland<<( La Gerbe des Forces, Nouvelle hatte, kritisch zu beobachten, stellt man nicht Uniform, einmal schwarze, spricht er in TöAllemagne, Edit. Grasset) ist der Reise- mehr, wenn man einige Seiten des Buches nen bericht eines gleichgeschalteten gelesen hat. Er ist schlechthin von allem beFranzosen. Das ist durchaus im Wort- geistert. sinne zu verstehen. Wenn man A. de Châteaubriant nur einen mit dem neuen Deutschland Werkscharen. sympathisierenden Franzosen nennen wollte, würde man dem Sachverhalt nicht gerecht. Was den heute sechzigjährigen Mann, einen nicht sehr beachteten Schriftsteller, dazu bewogen haben mag, seine Feder in den Dienst . einer Begeisterung, die zuweilen recht peinlich wirkt. Wie denn überhaupt gegen diesen Propagandisten einzuwenden ist, daß Ein willkürlich herausgegriffenes Beispiel: er einen allzu blumigen Stil schreibt. Wendungen wie die von dem> blonden und brennen>> In jeder Werkstatt findet man dauernd, den Herzen« des Doktor Ley liest man nicht um den Mächten des Staates in die Hände ohne Schadenfreude. An Hitler, dem Redner, zu spielen, vermittels einer besonders herz- findet er einen Hauch, ein Parfüm von Arilichen und wenn man so will religiösen stokratie. Dies zum mindesten ist originell. Auffassung von dem, was das allgemeine Interesse erfordert, zwei oder drei Männer, Im übrigen ist es erstaunlich, wie sehr sich langjährigen leitenden Angestellten der Siemens- Filiale Madrid, gefunden wurde. > Streng vertraulich! Nicht zu propagandistischen verwenden. Zwecken Neue Organisation der Gestapo: Wasser. der schen Parteien und der Schwarzen Front. H. A. 3: Ueberwachung und Kontrolle der früheren Mitglieder aller übrigen Parteien ( Zentrum und Deutschnationale). Wunschtraum auf russisch Pg. Violan umschifft den braunen Zensor Heinrich Heine, beengt und verstümmelt Ein Beispiel! Durch die braune Presse Das ist die märchenhafte Geschichte eines Die»> Zentrale<< ist in fünf>> Hauptabteilun- von der vormärzlichen Zensur, hat sich den läuft eine Werkgeschichte aus Sowjetruß- Arbeiters in Sowjetrußland. Man bedarf keigen« gegliedert: längst klassisch gewordenen Scherz geleistet: land« von Otto Violan. Darin wird berich- ner höheren Erfindungsgabe, um zu entdecken, H. A. 1: Ueberwachung des Verkehrs und er veröffentlichte einen Pariser Brief, worin tet, wie der brave Arbeiter Dmitri zum» Ge- daß etwas Bissigeres über das Dritte Reich aller Verbindungswege zu Lande und zu in einem Gestrüpp von Zensurlücken nur die nossen Werkmeister« gerufen wird. Dieser kaum geschrieben werden kann. Im sowjetrusWorte die deutschen Zensoren Werkmeister hat den höheren Auftrag, Dmitri sischen Gewande ist hier der gesamte H. A. 2: Ueberwachung illegalen Dummköpfe< stehen geblieben waren. mitzuteilen, daß dessen in der Schweiz als braune Alltag enthalten: die VerachTätigkeit der kommunistischen und sozialisti- Zu allen Zeiten, in denen das offene Wort un- Emigrant lebender Bruder dort dreihundert- tung des Arbeiters durch die sogenannte Fühterdrückt wurde, hat man Auswege gefunden, tausend Franken(!) hinterlegt habe, um sie rerschaft, seine zwangsweise Einsperrung um es wenigstens umschrieben zu sagen, und außerhalb Rußlands Dmitri zur Gründung hinter den Grenzpfählen, die Aufhebung des es gibt eine umfangreiche Literatur mit hin- einer freien bäuerlichen Existenz zur Verfügung Briefgeheimnisses, die Bespitzelung, der untergründiger politischer Treffsicherheit, die zu stellen. Das ist ein schöner Happen Geld, stillbare Devisenhunger, die Legalisierung H. A. 4: Ueberwachung der NSDAP, aller tausendjährige Zeitspannen umfaßt. Die ro- der Väterchen Staat schon zu reizen vermag. des Diebstahls durch den Staat. Diese Retund aller mischen Fabeldichter waren darin ebenso fin- Der Werkmeister verlangt angeschlossenen Organisationen nun von dem tung ins Ausland, aus der gleichgeschalteten Vereine und Organisatio- dig wie Voltaire, und Schillers» Kabale und Ueberraschten, daß er das Geld nach Land: es ist der Wunschtraum unRußland bringe; wenn er sich dazu zähliger Deutscher. Ach, hätte man nicht formell verpflichte, würde er gar kein doch drüben auch solch einen Bruder! Und Ausreisevisum erhalten. gar mit Geld zur Gründung einer Existenz! Da wird Dmitri furchtbar zornig. Schon Könnte man nur mit einem guten Visum hernur fort, nur fort! heitswillens in Widerspruch stehen, wenn wir vorher hatte er aufrührerisch gefragt, woher über! Man würde man denn wisse, was sein Bruder ihm noch ganz andere Dinge unterschreiben als unter dem Regime der Diktaturen des zwanzigsten Jahrhunderts nicht ähnliches beobach- schreibe, und mit welchem Recht man der glückliche Dmitri, der seine Heimat preisseinen Unterdrückern für immer teten. Wer feiner sieht und heller hört als der seine Briefe öffne,» um in seinem Pri- gibt, um SS- Obergruppenführer im Propagandaministe- vatleben herumzuschnüffeln. Jetzt aber legt zu entrinnen. Dem Autor Violan ist mit dienen. Liebe« hat sein modernes Gegenstück in H. A. 5: Abwehrstelle gegen wirtschaft- Quiddes> Caligula<<. liche, industrielle und militärische Spionage. Der Zentrale unterstellt sind die» Landesstellen<<, die nach demselben Schema gegliedert sind. Neben den Landesstellen führen die» Unterabteilungen« ihr Eigenleben; sie sind der Zentralstelle direkt verantwortlich. U. A. 1: Ueberwachung der Emigranten. U. A. 2: Ueberwachung der Ausländer und Staatenlosen. U. A. 3: Ueberwachung des Brief-, Telegramm- und Telephonverkehrs. U. A. 4: Ueberwachung politischer Verdächtiger( das heißt jener Einzelpersonen, deren politische Vergangenheit oder Absichten nicht näher bekannt sind). U. A. 5: Ueberwachung der politischen Unzuverlässigen in der Landespolizei. Der Zentrale direkt unterstellt ist ferner die>> Beobachtungsabtl.<<, die folgende Untergruppen hat: Es würde mit der Geschichte des menschlichen Geistes und seines unzerstörbaren Freirium, der die Zensurwache ausübt, entdeckt im braunen Schrifttum oder in der Presse des Dritten Reiches hin und wieder glitzernde Perlen. Da gibt es Aphorismen, kleine Legenden mit äußerlich harmloser Pointe, satirische Gedichte, scheinbar die unausrottbar stillen Meckerer oder geheimen Staatsfeinde treffend, düstere Erzählungen aus fremden Ländern, gegen die das heutige Deutschland als das realisierte Paradies erscheint kurz man genießẞt manchmal das Vergnügen des kritischen Versteckenspieles und des wollüstiB. A. 1: Allgemeine Abteilung für öffent- gen Spieles mit der Gefahr, wobei man geleliche Sicherheit. B. A. 2: Ueberwachung der SA. B. A. 3: Ueberwachung der Großbetriebe und Industriezentren. gentlich um den Autor bangt. Man bedient sich dabei mit Vorliebe aktueller Themen, deren Behandlung von vornherein unverdächtig ist, und keins ist gegener los: Hölle in freies ser Pseudo- Russengeschichte ein Schuß ins >> Sie haben wohl Dreck im Hirn, Schwarze gelungen: mitten in die Seele unGenosse Ssemjonowitsch, daß endlich vieler durch Treueide ihrem Führer Sie eine solche Zumutung an mich stellen? Mein Geld für ihre verpflichteten Volksgenossen. Nur mit der Traktoren! In die Hölle mit Ihrem Sowjet Einschränkung: was bei Dmitri miẞlang, das und Ihren Maschinen, ich baue meinen hat das Dritte Reich in unzähligen Fällen erWeizen wie es mir gefällt. Und in meiner folgreich verübt, mit viel teuflischer List als Stube wollen Sie mit Ihren ungewichsten sie, dem Genossen Werkmeister zu eigen ist. Stiefeln herumtrampeln. Bei der Mutter von Kasan, ich will Sie mit diesen meinen eige- Aus den Akten der Gestapo könnte sich Pg. nen Fäusten an die frische Luft set- Violan, Mitglied der Reichsschrifttumskamzen, wenn mir Ihr Galgengesicht irgend- mer, Geschichten zusammenbrauen, denen gewo auf meinem Anwesen begegnet. Und Natascha, die es besser versteht als ich, wird genüber diese erdachte russische Episode ein Ihnen einmal die Wahrheit über Väter- blasser humanitärer Schnickschnack ist. chen Stalin und Ihre Fabriken sagen<<. Es bleibt nur eine etwas heikle Frage zuAber schließlich siegt bei Dmitri der gesunde Menschenverstand. Er unterschreibt: rück. War sich der Verfasser bewußt, daß » Ich erkläre mich einverstanden.<< Er be- er eine bittere Satire über die tägliche deutkommt daraufhin seinen Paß und macht ein sche Wirklichkeit zu schreiben sich vermaẞ? Im Rahmen der Abteilung für öffentliche wärtig dazu besser geeignet als Sowjet-> schamlos still vergnügtes Ge- Gehört er zur Kategorie der Harmlosen, die aus SS- Leuten zu- rußland. Man berichtet Gewaltakte der sicht«. Sicherheit arbeitet die Seine Kumpane wetten um eine nicht wissen, was um sie geschieht? Wir lassammengestellte> Nachrichtenabteilung. Bei Polizei, grausame Folterung, politische und Flasche Wodka, daß er mit dem Gelde zurück- sen es dahingestellt. Es kommt vor, daß die mir laufen die Berichte der Spitzelstellen der soziale Unterjochung in Feuilletons, die in kommen werde. Aber der Autor ist gänzlich Feder, der Hand unbewußt, von der höheren NSDAP( Straßenwarte, usw.) jedem Betracht die vorgeschriebene Tendenz anderer Meinung: Dmitri bleibt selbstver- Wahrheit gelenkt wird, gegen die kein Zensorein. besitzen. ständlich in seligen Schweizer Gefilden. kraut gewachsen ist. Blockwarte Kurt Randloff. geund die des Reichs- Luftschutz- Bundes Die NSBO gibt ihre Berichte an die Beobschlag auf Entsendung der Kulturattachés| strenger Bewachung von Berlin aus achtungsabteilung 3.< Hunderte von>> Warnungsschreiben im Lichte dessen betrachtet werden muß, halten werden, so ist das eine Feststellung, fand man im Schreibtisch von Cords. Für was man über die Nazitätigkeit im Aus- die durch das hier nur angedeutete Matedie Erledigung dieser» amtlichen Tätig- land bereits weiß und über die Methoden rial uns belegt zu sein scheint und die wir keit muß die Siemensfiliale Herrn Cords der Nazis, mit den Deutschen im Ausland im Lichte der Programmworte Adolf Hitweitgehend Zeit eingeräumt haben. Streng umzugehen. In Berlin besteht eine eigene lers zu betrachten haben. vertrauliche Berichte, wie man Propa- Abteilung, deren alleinige Aufgabe es ist, gandamaterial ohne Schwierigkeiten durch den Kontakt mit den Deutschen im Ausden Zoll bekommt, Warnungen über ver- land aufrechtzuerhalten diejenigen loren gegangene Briefe, über die verschie zum Nationalsozialismus zu bekehren, die densten Firmen, nach Spanien geschobene noch immer ihre eigenen Wege gehen. Agenten, faksimilierte Karten, Karteien Wenn das Blatt zur Stuttgarter Tagung über in Spanien lebende Deutsche, die der Auslandsdeutschen resümiert, daß es Eine große deutsche Firma die Zeitunnicht Nazis sind, Behördenanmaẞung der» eine Quelle wachsender Beunruhigung gen verschweigen ihren Namen feierte ihr nationalsozialistischen Auslandsstellen, darstelle, daß die im Ausland lebenden Betriebsfest<<. Im Festbericht hieß es: alles das beweist dieses Buch. Deutschen in Verbänden zusammengefaßt In der Tat, die>> Times<< haben Recht, werden sollen inmitten der Völker, unter wenn sie schreiben, daß der deutsche Vor- denen sie leben, und dabei unter dauernder der Franzose Châteaubriant dem geistigen Klima, in das man ihn versetzt hat, anpaẞt. Schwulst, überhitzte Sentimentalität, selben Stilmerkmale, findet. die man > Tiefund so mancher seiner Landsleute, dem man Heimat und Brot nahm. Termingeschäft Der Betriebsführer gibt ein Baby in Auftrag. >> Schließlich wurde von dem Betriebsführer und seinem Sohne eine Spende gegeben, die einen guten Ansporn für das >> Wenn wir marschieren Schritt um Schritt Wir lauschen: unser Herz schlägt mit. Mein Herz und Dein Herz, Kamerad. Im gleichen Takt: Soldat! Soldat!<< schaft«. » Lebenlang bleibt mir ein Wort, Und das heißt: Kamerad! kommende Harald. Jahr gibt: Eine komplette Kücheneinrichtung bekommt das Paar, das sich an diesem Tage zusammenfindet und eine komplette Babyausstat tung erhält das Ehepaar, das dreiviertel Jahr nach diesem denkwürdigen August ein Kind bekommt.<< Die» Niedersächsische Tageszeitung«, Hannover, entrüstet sich über diesen» Ansporn<<. Hier gehe es, so schreibt sie, um die Würde und Ehre der deutschen Frau, hier höre der Spaß auf. Die>> Niedersächsiche Tageszeitung« sollte eine Artikelserie veröffentlichen:» Wer hat die deutsche Frau zur Zuchtkuh herabgewürdigt?< Aber hier hört eben wirklich der Spaß auf. Denn ein Betriebs führer war es nicht. der vom Regime so genannten>> Nationalpolitischen Erziehungsanstalten«, deren es jetzt vierzehn im Dritten Reich gibt. Auch die be rühmte Fürstenschule in Schulpforta ist in Denn wenn du in Oesterreich oder CSR. sinn< gepaart mit Nachlässigkeit und man- ein brauner Bonze warst und ins Dritte Reich gelnder Präzision des Ausdrucks, es sind die- emigrierst, so kommst du drüben ins» Parla- Herybert Menzel:> Gedichte der Kamerad- eine solche» Nationalpolitische Anstalt< zum bei seinen ment« oder in den Staatsrat. Aber falls du Freunden, den deutschen Kollegen wieder- nur so als einfacher Mann irgendwo für dein deutsches Volkstum gelitten hast, so sei froh, Wenn dieser verworrene und törichte En- Wenn dich das Dritte Reich mit dem Hausierthusiast sehr aufmerksame Leser hätte, so kasten herumziehen läßt. Solltest du aber ein würden sie darauf sei zuletzt noch hinge geflüchteter Südtiroler sein, so läßt du dich Hitlerdeutschland am besten gar nicht wiesen feststellen können, daß er von zwei in Dingen in einem Buch, das 356 Seiten hat, geflissentlich schweigt, von den Konzentrationslagern und von den Judenverfolgungen. Auf blicken! Uns scheint, der Autor kennt seine Leute. dieses Schweigen macht er mit einem zag Schmiedeeiserne Dichtung haften Satz, der leicht überlesen werden kann, aufmerksam. Wir wollen die Menschlichkeit haben zu glauben, daß sich in diese Geste ein Rest von Redlichkeit rettet. M. F. der Und das rollt und reißt mich fort: Kamerad! Kamerad!<< Otto Paust:» Deutsche Verse<<. > Treue fragt nicht nach Gewinn Treue währt vom Anbeginn Bis zum bittern letzten End', Willig, daß sie sich verschwend!<< Heinrich Anacker:» Treue<<. Lassen auch wir uns von diesen Beispielen >> daß sie sich verschwend'<< hinreißen! Es gibt daneben, wie die braune Jeden Tag wird uns versichert, daß Presse schreibt, auch noch viele» unzulängliche Versuche«. Aber sie werden uns leider des Dritten Reiches dichterische Anbruch die hier heranwachsende verheimlicht, um sich täglich erhabener manifestiere. Nie erDer SAhörte Töne wurden laut, jugendliche Herzen Blüte nicht vorzeitig zu knicken. Der Hausierer zu dem die Schumann, Menzel, erzitterten im Sturmgebraus des Erlebnisses Kulturkreis, >> Wer weiß etwas von dem abgesprengten und bauten an den Fundamenten poetischer Paust, Anacker und Zöberlein gehören, kann sie mit dem Geist nur die höchste Qualität selbstverständlich Häuflein Deutscher, die seit Jahrhunderten Architektur auf den wilden Horsthöhen im Gottscheer Führer mit Steinen.» Wenn wir so Kämpfer schöpferischer Eingebung in seinen erlesenen Ländchen sitzen?<< So fragt die» Kölnische und Gestalter des Marschschrittes der Nation Zeitung in der Besprechung eines Romanes, sein wollen und Mund des gewaltigen Sturder das Schicksal dieser Deutschen behan- mes, der durch unser Volk tobt, delt. Der Held ist ein deutscher Försterssohn, wir auch Rufer sein zur Stille, wohin der deutsche der> inmitten des Ringes slawischer Sied- Sammlung, lungen< für das Deutschtum kämpft. Aber Mensch etwas mithineinträgt von Die Bonzenpresse der Tiefes wörtlich» Tiefe«, schreibt der wie ihr Reihen aufnehmen. SO zur Deshalb wird, wie oben ersichtlich, wollen die» Verschwendung< aus der Fülle inneren Genialität in die Oeffentlichkeit entlassen. nur der Haus- und Parteigebrauch für» bessere« NaziJungens( Vater: ungefähr bis zum Kreisleiter abwärts!) umgewandelt worden. Immerhin scheint da noch ein einigermaßen normaler Schulbetrieb zu herrschen; die ordentliche Schulbehörde hat da nach wie vor Aufsichts rechte und Aufsichtsbefugnisse? Anders nach der» Erziehung<< die einzige» Nationalsozialistische Deutsche Oberschule Starnberger See« in der genannten Reihe! Das Blatt stellt fest: » Die letztgenannte Anstalt nimmt eine Sonderstellung ein. Seit dem 1. Februar 1936 ist sie dem Stellvertreter des Führers unmittelbar unterstellt. Die Oberaufsicht führt Hauptamtsleiter Wächtler. Die verwaltungsmäßigen Anordnungen trifft der Reichsschatzmeister der NSDAP Schwarz. Alle anderen nationalpolitischen Anstalten stehen unter Aufsicht des Reichserziehungsministers...< Ja ja so was gibts natürlich nur am Starnberger See! Dort nämlich, wo in dessen Umkreis alle Großwürdenträger des Dritten Reiches von Hitler über Heß bis zu Franck und Wagner oder Sievers ihre neuen Luxusvillen besitzen. Sogar der Röhm hatte hier » gebaut<<, bis ihn der entsicherte Browning des> Führers« erreichte. Die hoffnungsvollen Leibessprossen dieses Geschlechtes von Eroberern werden also, wenn schon die Väter letzten Nummer der nicht mehr in gewöhnlichen Häusern, sondern dafür ein paar Proben» Erziehung« in Deutschland, dem führenden in Schlössern residieren, auch doch wohl nicht nichts bleibt ihm erspart: am Starnberger See Als der Vater tot ist, kommt ein slowe- preisgekrönte Dichter und SA- Standartennischer Förster an seine Stelle, die Schwe- führer Gerhard Schumann über diese neue Höhere Schulbildung für ganz feine Leute. ster stirbt im Kindbett, und es bleibt dem Epoche der deutschen Literatur. letzten Wolfssegger nichts übrig, als den Hausier kasten umzuhängen und Wie tief sie ist durch die Städte im Reich zu ziehen, wie aus der jüngsten Publikation: Wir finden in der pädagogischen Fachblatt, eine Aufzählung in eine ganz gemeine>> Penne<< gehen! Nazi-Sozialpolitik am Pranger Pariser Kongreß für sozialen Forisdiritt Als der erste Kongreß der»Internationalen Vereinigung für sozialen Fortschritt 1924 in Prag tagte, waren in der deutschen Delegation neben den Gewerkschaftsvertretern auch eine Anzahl bürgerlicher Sozialwissenschaftler erschienen, darunter der Sekretär der »Gesellschaft für soziale Reform« Herr Prof. Dr. Ludwig Hey de. Er wußte die Sozialpolitik der deutschen Republik nicht hoch genug zu rühmen. Als der Sozialdemokrat Renne r-Wien sein Referat über die Betriebsräte beendet hatte, schmierte sich der Herr Professor bei den Sozialisten an und erklärte: »Ich bin in der glücklichen Lage, den ausgezeichneten Ausführungen meines verehrten Herrn Vorredners nur wenig hinzufügen zu müssen. Denn ich stimme i n allem, was er in seinen Thesen vertreten hat, wie auch an dem, was er über den Entwurf hinaus von uns beschlossen haben möchte, vollinhaltlich überein.« Damals war der auf politische Konjunktur trainierte Heyde noch auf Liebe für den Marxismus eingestellt. Er hatte soeben einen »Abriß der Sozialpolitik« geschrieben, in dem er die Fiktion des sog.»freien Arbeitsvertrags« im kapitalistischen System rückhaltlos zerpflückte. Er verglich die neue Zeit mit der des Frühkapitalismus und schrieb kühn: »Ja, in der Tat, der Arbeiter hatte alle Rechte, die er nur haben wollte, denn er war»frei«, aber freilich»frei« in jenem Doppelsinne Karl Marx e#n s, daß er nicht nur politisch freier Bürger war und über seine Arbeitskraft verfügen konnte, sondern auch daß er frei war, bar, entblößt war von jeglichem eigenen Kapitalbesitz und daher gezwungen, sich dem Vertragspartner zur»Ausbeutung« zu überlassen.« Und er erklärte das Wesen der Sozialpolitik als eine Frage nach dem richtigen Verhältnis der Klassen, »unter Klasse wird die Summe in gleicher Erwerbs- oder Besitzlage befindlichen Menschen verstanden.« Inzwischen hat sich der einstige Marx- Interpret»wissenschaftlich« gleichgeschaltet. Er kennt keine sozialen Klassen mehr, sondern ist überzeugter Anwalt der»Volksgemeinschaft« geworden. Sein Führer ist nicht mehr Prof. Brentano, sondern Adolf Hitler. Das Steh-auf-Männchen, das immerhin— wie die alten Nazis sagen— zu den»Märzgefallenen« gerechnet wird, wollte sich aber bei seinen neuen Herren in besonders gutes Licht setzen, um seine Jugendsünden vergessen zu machen. Also Herr Prof. Dr. Ludwig Heyde wagte die Reise nach Paris, diesmal zum Zweiten Kongreß derselben internationalen Vereinigung. Vollkommen erneuert und verwandelt, gewappnet mit einer neuen»arteigenen« Aktentasche, die das Lehrmaterial vom»Deutschen Sozialismus« für die übrige vom Faschismus noch kulturunbeleckte Welt enthielt, spielte er den deutschen Delegierten. Heyde hatte sogar geglaubt, an einer internationalen Tagung teilnehmen zu dürfen, die ausgerechnet das Thema»Gewerkschaftsfreiheit« auf ihre Tagesordnung gesetzt hatte. Nachdem Prof. Brethe de la Gressaye-Bor- d e a u x das Wesen einer freien Gewerkschaft erläutert hatte, kennzeichnete der Vortragende als Merkmale der Koalitionsfreiheit: das Recht, einer Gewerkschaft beizutreten oder den Beitritt abzulehnen, das Recht, verschiedene Gewerkschaften zu bilden, das Recht aller Gewerkschaften, als Vertretung der Arbeiter und Angestellten gegenüber den öffentlichen Organen und den Unternehmungen anerkannt zu werden. Der Referent erwähnte als unentbehrliche Garantien der Gewerkschaften die Versammlungsfreiheit, Ihre innere Autonomie und das Recht zum Abschluß von unabdingbaren Kollektivverträgen. All diese Forderungen, die sich nachher die Tagung zu eigen machte, werden vom Dritten Reich abgelehnt. Der Delegierte aus dem Lande unbedingten Gewerkschaftsverbotes, der Unfreiheit und des Terrors hatte die Stirn, vor diesem internationalen Forum sozial empfindender Menschen seine neue Walze von der als Gewerkschaftsersatz konstruierten»Deutschen Arbeitsfront« von neudeutscher»sozialer Ehre« und ähnlichen Scherzen ablaufen zu lassen. Der Heyde schien kein Gefühl für die Schande zu haben, die diese Berichterstattung über die Nazi-Zwangsorganisation in der Kulturwelt für Deutschland auslösen mußte. Der belgische Delegierte Gen. De B r o u k- köre verabreichte dem willigen Nazi-Wissenschaftler sofort die nötige Stäubung und klärte ihn auf, was Gewerkschaftsfreiheit ist, Ebenso deutlich war der Führer der französischen Gewerkschaften Leon J o u h a u x- Paris, der u. a. erklärte: »Ich kann nicht verstehen, wie man von Gewerkschaftsfreiheit sprechen kann, wenn eine Gewerkschaft gezwungen ist, den Anordnungen der Staatsgewalt Folge zu leisten. Wenn die Vertreter von der Regierung bestimmt oder gar ernannt sind, gibt es keine Gewerkschaf tsf reiheit, wenn man den Arbeltern unter bestimmten Bedingungen Brot gibt und wenn man sie ihrer Freiheit beraubt, dann Ist man nicht mehr auf der Achse der Entwicklung und der Z 1 v 1 1 1 s a 1 1 o n.« Nach diesen klatschenden Ohrfeigen verließ der Nazi-Delegierte den Kongreß, auf dem für ihn wirklich kein Platz mehr war. Damit ist der dreiste Versuch der deutschen Faschisten, sich als Vertreter der Arbeiter auf internationale Tagungen für Sozialpolitik einzuschleichen, kläglich gescheitert. Nachdem der Macher der Arbeitsfront Dr. L e y bereits 1933 die Internationale Arbeitskonferenz anläßlich der Beratungen über den Achtstundentag unter Schimpf und Schande hatte verlassen müssen, ist sein Leidensgenosse Heyde nun reif, in den Stand eines richtigen Parteigenossen versetzt zu werden. Diese armen Tröpfe scheinen indes das Rennen noch nicht aufgeben zu wollen. Die sonst so geschwätzige Nazipresse schweigt sich zwar über die Blamage von Paris weidlich aus, dagegen redet die Arbeitsfront in letzter Zeit beharrlich davon, daß»immer wieder gewisse Kreise mehr oder wenig geschickt bemüht sind, Deutschland wieder nach Genf zu bekommen.« Die Dinge liegen wohl umgekehrt. Ein Organ der DAF plaudert aus, daß doch die Berichte des Internationalen Arbeitsamtes in Zehntausenden von Exemplaren und in vier Weltsprachen go- d ruckt in alle Welt hinausgingen. Die Nazis möchjten diesen Propagandaapparat des IAA allzu gern für ihre Berichterstattung vom»Deutschen Sozialismus« mißbrauchen. Wenn das Dritte Reich erst wieder Mitglied der Genfer Institution sein würde, hätte man Gelegenheit, auch dort seine Vorzensur auszuüben. Der»Angriff« vom 10. August meint, daß nach einem Wiederanschluß die Deutsche Arbeitsfront »nicht in auch nur einer einzigen Hinsicht in Mißkredit gebracht werden darf.« Das könnte den braunen Amtswaltern so passen. Zu Hause unterdrücken, verfolgen, foltern und morden sie die Arbeiter und in den Veröffentlichungen des Intern. Arbeitsamtes verkünden sie der Welt Lob und Preis der Nazi-Sozialpolitik. Wir empfehlen dem IAA, falls es zur Aufnahmeprüfimg der Arbeitsfront kommen sollte, Heydes Leitfaden zur Sozialpolitik von 1923 zur Hand zu nehmen, um festzustellen, ob die derzeitigen Zwangsgebilde im Dritten Reich eine Legitimation bieten können, irgendwie als Arbeitnehmervertretungen für die Internationale Organisation der Arbeit anerkannt zu werden. Dieser Delegierte Deutschlands von 1924 und 1937 schrieb einst: »Die Gewerkschaften haben das Solidaritätsgefühl der Arbeiterschaft stark entwickelt, was für die Durchsetzung von Arbeitskämpfen von unschätzbarem Werte ist.« Er sagte von den Gewerkschaften, die vor ihrer Zerschlagung durch' die Nazis bestanden hatten: »Der ungeheure Druck, der auf der Arbeiterschaft gelegen hat, hat aus ihr selbst heraus den Ruf nach Silbsthilfe geweckt, hat das chaotische Gebilde der Arbeitermassen in die greifbare Form der Klassenverbände gebracht. Die Ausnutzung der Arbeitskraft über das erträgliche Maß hinaus weckte neben dem Verlangen nach der Staatshilfe zugleich den Willen aus eigener Kraft durch die planmäßige Entziehung der Arbeitskraft dem Unternehmertum entgegenzutreten, ihm die Unent- behrlichkeit des Arbeiters zum Bewußtsein zu bringen. Damals hat Heyde auseinandergesetzt, daß zwar der Händler, wenn er Salz verkauft, dabei von seiner Gesinnung nichts abzugeben hat, daß aber der Arbeiter, wenn er einer Berufsorganisation beitritt, die auf die Verwendung seiner Arbeitskraft Einfluß nimmt, »die Aufgabe hat, als ganzer Mensch einzutreten und somit gewisse Grund- gesinnungen mitbringt.« Als es in Deutschland noch Meinungsfreiheit gab, war es auch für den Sozialwissenschaftler Heyde selbstverständlich, neben und mit dem Koalitionsrecht, das Streikrecht und die Gesinnungsfreiheit zu den Postulaten der Gewerkschaft zu rechnen. Heute gibt es in der Sozialpolitik im Dritten Reich ebenso wenig eine Freiheit der Wissenschaft, wie von einer Gewerkschaftsfreiheit die Rede sein darf. Die internationale Sozialpolitik aber wird freiheitlich sein, oder sie wird nicht sein. Jßep's„(hee det Atieil** m vm(Men teseken Die soziale»Ehrengeriditsbarkeit« im Dritten Reich Um dem um auskömmlichen Lohn und hinreichende Ernährung geprellten deutschen Arbeiter ein anderes Stück»deutschen Sozialismus« vorzuschwindeln, hat Ley im vorigen Jahr die»soziale Ehrengerichtsbarkeit« einführen lassen. Der Schaumsohl ägerei der braunen Sozialscharlatane innerhalb der»Arbeitsfront« über die nunmehr wiedergewonnene»Ehre der Arbelt« konnte nicht genug sein. Tagte einmal ein»soziales Ehrengericht« und verhängte wirklich gegen einen die Reitpeitsche gegen seine Kuhtreiber gebrauchenden westpreußischen Krautjunker eine Ordnungsstrafe(früher hätte ihn wahrscheinlich der nächstbeste republikanische oder gar noch königliche Staatsanwalt beim Wickel gepackt) oder mißhandelte einmal ein Schneidermeister seinen Lehrjimgen und wurden ihm dann durch das braune Tribunal»die Eigenschaft eines Betriebsführers aberkannt« (früher hätte er wahrscheinlich eine Gefängnisstrafe wegen Körperverletzung antreten müssen), dann wurden solche Glanz- und Renommierstücke des»deutschen Sozialismus« gleich auf den ersten Seiten der Naziprease mit Schlagbalken vorgeführt. Was ist die Wahrheit? Man braucht nur die gelegentlichen freiwillig-unfreiwilligen Geständnisse anzusehen, die sich in der»Sozialen Praxis« finden. Die Strafen, die die»soziale Ehrengerichtsbarkeit« zu verhängen hat, sind folgende: 1. Warnung, 2. Verweis, 3. Ordnungsstrafe in Geld, 4. Aberkennung der Befähigung Führer des Betriebes oder Vertrauensrat zu sein, 5. Entfernung vom Arbeitsplatz. Die schwerste Strafe also, die vom»sozialen Ehrengericht« überhaupt verhängt werden kann— un