Nr. 224 SONNTAG, 26. Sept. t937 lt>od>cnbIaW Verlag; Karlsbad, Haus„Graphia"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aus dem Inhalt; Piraten! Göring verschenkt 90 Millionen Parade der Reichsbankwechsel Volksfrontdebatten Krlesschauplatz Innenteutschland Wie Geheimvortras des Chefs der Gestapo Die Vorbereitungen des braunen Systems für den Kriegsschaupla� Innerdeutschland im Kriegsfall Der Chef der deutschen Geheimen Staatspolizei, Heinrich Himmler, hat vor den Führern der Wehrmacht einen Geheim vor trag gehalten. Die Gestapo hat nicht verhindern können, daß dieser Vortrag seinen Weg zu uns gefunden hat. Er liegt uns vor. Wir veröffentlichen seinen Wortlaut in der Beilage der vorliegenden Nummer. Dieser geheime Vortrag gipfelt in einer Ungeheuerlichkeit in dem Begriff Kriegssdiaupla�K Innerdeufsdiland Der Krieg, den sie vorbereiten, und den sie als den Krieg des deutschen Volkes hinstellen wollen, soll zugleich gegen das Volk geführt werden. Der Chef der SS und der Gestapo hat seine Organisation den Führern der Wehrmacht als Bürgerkriegstruppe gegen das deutsche Volk vorgestellt und empfohlen. Er hat ihre Stärke, ihre innere Gliederung, ihre Bewaffnung ebenso dargelegt wie die Methoden, mit denen sie zum Kadavergehorsam erzogen wird. Wir empfehlen diese Geheimrede der genauesten Aufmerksamkeit der ganzen Welt. Alles, was wir zur Kritik des Terrors in Deutschland gesagt haben, findet hier schamlose amtliche Bestätigung— im geheimen. Alles, was das System öffentlich heuchlerisch bestreitet, ist vom Chef der Gestapo selbst eingestanden worden. Es gibt keine Konzentrationslager mehr? Himmler zählt sie auf. Es sind ihm zu wenig:»W i r m ü s s e n noch mehr haben!« Keine politischen Gefangenen im Konzentrationslager mehr? Himmler erklärt:»Es sind 8000, es sind zu wenig, wir müssen mehr haben, der Führer hat mich zu Verhaftungen ermächtigt!« Aber alles das tritt zurück hinter der systematischen Vorbereitung des Krieges gegen das eigene Volk! Das Wort vom »Kriegsschauplatz Innerdeutschland« ist die Bankrotterklärung des Systems. Eine demokratische Regierung, die von vornherein für den Kriegsfall die Mobilmachung gegen das eigene Volk plant, ist undenkbar. Undenkbar, daß sich 1914 die kaiserliche Heeresleitung mit solchen Plänen getragen hätte. Die Führer des Dritten Reiches aber erklären diese Mobilmachung für eine zwingende Notwendigkeit. Sie wollen Innerdeutschland im Kriegsfall besetzen und terrorisieren wie feindliches erobertes Land, von dem eine Befreiungsbewegung gegen fremde Eroberer zu befürchten ist. Himmler verkündet: »Wir werden in einem künftigen Krieg nicht nur die Front der Armee auf dem Lande, die Front der Marine zu Wasser, die Front der Luftwaffe in der Luftglocke über Deutschland haben, sondern wir werden einen vierten Kriegsschauplatz haben: Innerdeutsdiland!« Für diesen»inneren Kriegsschauplatz« bereitet er folgende Maßnahmen vor: Massenverhaftungen bei Kriegsbeginn; Vermehrung der Zahl der Konzentrationslager; Besetzung Deutschlands durch 30 Totenkopfsturmbanne. Die sogenannten Totenkopfforma- tionen sind heute die Wächter der Konzentrationslager. Sie sind die Henkersknechte des Systems, die bestia- I lischste Truppe, die es besitzt. Sie soll i im Kriegsfalle u m 2 5.0 0 0 Mann zu , einer ausgesprochenen Bürgerkriegstruppe vermehrt werden. Diese Verbände mit dem Totenkopf sollen in jeden Regierungsbezirk gelegt weiden. Und dennoch zittert das System, daß selbst diese Truppe gegen das Volk zweifelhaft werden könnte! Darum erklärte Himmler den Offizieren: »Erstens kommt kein Verband in seine Heimat, es wird also niemals ein pommerscher Sturm in Pommern Dienst machen. Zweitens: Jeder Verband wechselt nach drei Wochen über. Drittens: Der Verband wird niemals im einzelnen im Straßendienst eingesetzt. Es wird niemals ein einzelner Mann mit dem Totenkopfzeichen im Straßendienst als Polizist verwendet, das gibt es nicht- Viertens: Wenn diese Verwendung eintritt, wird rücksichtslos durchgegriffen. Etwas anderes kommt nicht in Frage.« Das ist restlos enthüllend! Hier handelt es sich nicht um eine Einsatztruppe gegen Spione, feindliche Plänk- ler, einzelne Saboteure, sondern um eine Terrortruppe gegen das Volk selbst. Eis entrollt sich das Bild des kommenden Krieges an der innerdeutschen Front, wie es sich den Führern des Dritten Reichs darstellt: das Volk, den Krieg verfluchend und die, die ihn angezettelt haben; von Mangel und Hunger zur Verzweiflung getrieben. Ist es so weit, so werden pommersche Söhne mit ihren Eltern fühlen, sie werden nicht gegen die Hungerrevolte ihrer Eltern schießen. Darum sollen Pommern in München schießen und Bayern in Stettin. Darum muß diese Truppe von Ort zu Ort gejagt werden, damit sie nicht teilnimmt an der Not und der berechtigten Empörung des Volkes, darum darf kein einzelner auf die Straße, daß er nicht vor den Vorwürfen der Frauen weich werde, darum wird der Truppe blutigstes Gemetzel befohlen, auf daß der Haß des Volkes sie auf immer vom Volke trenne. So stellt sich der Chef der Gestapo Deutschland im Kriege, so stellt er sich den»Kriegsschauplatz Innerdeutschland« vor. So plant er den Krieg gegen das eigene Volk, so bereitet er ihn vor. Inmitten der stärksten Armee des Kontinents, inmitten ihrer eigenen»Verfügungstruppen« fürchten sich die Spitzen des Systems so sehr vor der Empörung des Volkes über die Folgen ihrer Politik, daß sie ihm eine feindliche Terrortruppe gegenüberstellen wollen. Auch im Kriege werden größere E'ormationen der Wehrmacht im Innern Deutschlands stehen— Ausbildungsformationen und Reserven, die zahlenmäßig die Bürgerkriegstruppe von 25.000 Mann, die aus den Toten- i kopfformationen gebildet werden soll, bei weitem übertreffen werden. Aber die Formationen der Wehrmacht werden Teile des Volkes sein, ihre Berührung mit dem Volke wird sich nicht verhindern lassen; denn derwahre Wille des Volkes wirkt auf jedes Massenheer ein— selbst auf seine Offiziere! Aus diesen Plänen des Chefs der Gestapo spricht das tiefste Mißtrauen der Despotie in das Massenheer des deutschen Volkes, das im Kriegsfalle aufgestellt werden müßte. Die Despotie fühlt, daß ihr gegenüber selbst ein Massenheer des Dritten Reiches noch ein Element ursprünglicher Demokratie sein würde. Die Offiziere der Wehrmacht hätten fühlen müssen, daß die Aufstelllung dieser Terrortruppe im Kriegsfall eine Kluft zwischen Heer und Offizierskorps aufreißen muß, wenn das Offi zierskorps sich an die Seite des Chefs der Gestapo stellt. Alle verlogenen und gefälschten Abstimmungen, die das System jemals vorgenommen hat, alles Gerede über die Bekehrung des Volkes zum Nationalsozialismus werden durch diesen Plan Himmlers Lügen gestraft. Das schlechte Gewissen, das auf das eigene Volk schießen lassen will, ist der Kronzeuge gegen das System. Dies Geständnis Himmlers zerschlägt zugleich alle Lügen und Vorwände über die»kommunistische Gefahr«, mit denen er sein System des Schreckens vor den Offizieren begründete. Was das System»kommunistische Gefahr« nennt, hat mit den Kommunisten und Bolschewisten nichts zu tun. Es ist der Freiheitswille und die Verzweiflung des Volkes, die sie fürchten. Das bolschewistische Gespenst soll ablenken von dem, was wirklich im Volke vorgeht— so wie es außenpolitisch ablenken soll von den wahren Zielen des Systems. Himmler hat von dem Gespenst eines asiatischen Kreuzzuges gegen»die Weißen« unter bolschewistischer Führung gesprochen— aber er hat zugleich den Kreuzzug der Alldeutschen gegen die demokratische Welt gepredigt: »Wir sind das Herz der Menschheit! Wir sind wertvoller als die anderen! Wir sind wertvoUer, weil unser Blut uns dazu bewegt, mehr zu erfinden als die anderen, well e« uns befähigt zu besseren Soldaten, zu besseren Staatsmännern, zu höherer Kultur, zu besseren Charakteren.« Diesen größenwahnsinnigen Anspruch, diese Ueberheblichkeit, die d e n Geist des Angriffs in sich trägt, gründet Himmler auf eine Lehre von Blut, dessen edle Qualität mit dem Zentimetermaß aus der Körpergröße, aus dem Verhältnis von Beinlänge zu Kör- perlänge und aus der' Fähigkeit zum Marschieren erschlossen werden könne. Diese Lehre, die man überall mit starrem Entsetzen lesen sollte, ist ein Schritt aus der europäischen Kultur heraus zur Primitivität zurück, eine Rückkehr aus menschlicher Kultur zur Bestialität. Auf diese Lehre aber gründen sie ihre düsteren Pläne zur Weltherrschaft, die weltgeschichtlich ein Verbrechen darstellen. Alle freien Völker der Erde— Untermenschen gegenüber den Produkten des braunen Menschengestüts und darum Objekte der Unterwerfung! Das ist der Geist der Männer, die den Gang der deutschen Politik bestimmen. So reden sie im Geheimen zu ihren O f f i z i e- ren, zu den Führern des Heeres, das den Kreuzzug der auserwählten Blutsanbeter gegen die freien Völker führen soll. Wir, die wir die deutsche Opposition gegen dieses System im Namen der Freiheit führen, wir erweisen dem deutschen Volke einen Dienst, wenn wir die geheimen Pläne des Chefs der Gestapo ans Tageslicht ziehen. Diese Pläne zeigen der ganzen Welt, wie und von wem Deutschland regiert wird und was die Welt von diesem System zu erwarten hat Sie sind eine Enthüllung über das Wesen des Dritten Reichs, wie sie niederschmetternder kaum gedacht werden kann. Sie zeigen aber auch, daß das System dem Volke selbst feindselig gegenübersteht— jederzeit bereit, es mit den grausamsten Mitteln zu unterdrücken, wenn es seine FYeiheit und sein Recht verlangen sollte. Die Totenkopfforma- tionen des Systems, die im Kriegsfalle bereitstehen werden, um auf das Volk zu schießen, sind eine Bestätigung der Worte des amerikanischen Präsidenten Roosevelts, daß die zweifelhafte Ordnung in den Diktaturländem nur durch ein System des Schreckens aufrechterhalten werde, dem jegliche Freiheit und jeghehes Recht der Menschen geopfert worden sei. Der Sinn eines solchen Systems aber ist der Krieg, der Krieg, der aller Völker FYeiheit verschlingen soll. Verschwörung Die Trauerf eier für T. G. Masaryk in Prag war dne Demonstration der politischen Reife des tschechischen Volkes, In spontaner Erhebung, die einen Akt wahrer Volksdemokratie darstellte, hat das tschechische Volk seinen Willen zum Staat bekundet. Die Wurde dieser Volkstrauer lag nicht im Aeußem, sondern im Geistigen— in der tief ergriffenen Teilnahme des Volkes. Für den Besuch Mussolinis in Deutschland werden gigantische Vorbereitungen getroffen. Viele Millionen werden an prunkvolle Ausstattimg verschleudert, ein Massenaufgebot von Polizei und Truppen soll das Leben der Diktatoren sichern. Die braunen Organisationen werden zu Kundgebungen befohlen. Aber wo wird das Volk sein? Es wird Massen von Schaulustigen geben, aber kein wirkliches Volk, das von Anteil an der Sache getragen wäre. Diese Begegnung hat keine Wurzel in der deutschen Geschichte noch in den Vorstellungen des Volkes von einer wirklichen deutschen Politik. Sie ißt das Ergebnis einer künstlichen Konstellation, die aus der Interessengemeinschaft von zwei Despotien hervorgegangen ist. Im letzten Grunde ist die Achse Rom— Berlin eine Versicherungsgesellschaft auf Gegenseitigkeit zwischen den Diktatoren gegen ihren Sturz. Die Behauptung ihrer Macht ist ihr höchstes Ziel— nicht das, was sie als nationale Ziele ausgeben. Darum ist das, was politisch während des Besuches Mussolinis in Berlin geschehen wird, nicht Politik, sondern Verschwörung — e:ne Verschwörung, an der das deutsche Volk nicht teil hat. Das Dritte Reich In China Die Folgen des Kreuzzuges gegen den»Bolschewismus« Der Krieg Japans gegen China erweckt In Deutschland recht gemachte Empfindungen. China ist ein sehr entwicklungsfähiges Gebiet; mit englischer und amerikanischer Unterstützung war es eben im Begriff, seine Währung zu ordnen. Die Ueberwlndung der in ihrem Wert ständig schwankenden Silberwährung und der Uebergang zu einer nach dem Dollar ausgerichteten Goldwährung begünstigte In Verbindung mit der Steigerung der Rohstoffpreise den chinesischen Außenhandel, der 1936 zum ersten Male seit.fünf Jahren wieder eine stärkere Belebung und eine starke Verminderung der Passivität der Handelsbilanz auswies. Dabei ist Chinas Anteil am Welthandel noch äußerst gering: er beträgt nur 1.4 Prozent gegen 4.74 Prozent des japanischen. Die Einfuhr auf den Kopf der chinesischen Bevölkerung betrug im Durchschnitt der letzten drei Jahre nur ca. 3 RM gegen 60 RM in Deutschland; der Außenhandel ist also noch außerordentlich entwicklungsfähig. Noch wichtiger konnte die Rolle Chinas als Anlagesphäre für Kapital werden. Zugleich mit der Währungsform machte die Sanierung der Finanzen erhebliche Fortschritte. die Kreditwürdigkeit stieg. Die chinesische Zentralregierung entwarf ein wohldurchdachtes Wirtschaftsprogramm, in dessen Mittelpunkt der Ausbau der Verkehrswege steht. In einem Fünf jahresplan ist die Schaffung neuer Eisenbahnen von rund 8500 km, sowie die Anlegung von Autostraßen und umfangreiche Flußregullerungen vorgesehen. Für die Beschaffung des Oberbau- und des rollenden Materials ist natürlich die HUfe des Auslandes dringend notwendig. Die deutsche Diktatur hatte sich eine nette Arbeitsteilung zurechtgelegt. Japan, der alte Gegner Rußlands, sollte für Deutschland die Rückendeckung gegen die Sowjets abgeben. Deshalb wurden die Japaner zu Arier ernannt, deshalb Mandsthukuo anerkannt und mit Japan der Vertrag gegen den f..if der Versammlung des Völkerbun- 1 Kommunismus geschlossen, der unter der Fi>'s*5k ohne Wahrheit '•ipniien und der Völkerbund. des sind heftige Anklagen gegen Japan und Italien erhoben worden. Die spanische Regierung hat Italien des Angriffs gegen Spanien angeklagt und das Einschreiten des Völkerbundes gefordert. Die spanische Forderung ist einer Kommission überwiesen worden— aber Spanien ist inzwischen aus dem Völkerbundsrat herausgewählt worden. Ebne Mehrheit der Völkcrbvmdstaaten hat seine Pakttreue und seine Energie gegen das Opfer des Angriffs angewandt. Dennoch könnte die Beratung der spanischen Anklagen unbequem werden. Also hört man jetzt von einer französisch- italieniechen Annäherung Uber die Frage Spanien. Aber auf welcher Grundlage? Wer soll verraten werden? Wird diese Annäherung die Völkerbundstagung überleben? Die großen Mächte haben den Boden Völkerbunds längst verlassen. Sie be- n ihn nur noch, um vor den Völkern c e Kulisse vor ihre Machtpolitik zu stellen. So gibt es heute nicht nur wieder die geheime Vorkriegsdiplomatie, sondern einen schlimmeren Zustand; die alte Diplomatie, die mit modernen Formen obendrein noch die Völker über ihr wahres Wesen zu täuschen sucht. Die Stimme der Freiheit Menschenrechte gegen Diktatoren Vor 150 Jahren ist die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika beschlossen worden. Diese Verfassung ruht auf der größten Verwirklichung der Freiheitsidee, die die Weltgeschichte bisher kennt, auf der Anerkennung der Menschen- und Bürgerrechte. Sie enthält grundlegende Ideen des europäisch-amerikanischen Kulturkreises— jene Ideen, gegen die sich der Angriff des Nationalsozialismus und Faschismus richtet. Präsident Roosevelt hat an diesem Jahrestag den Kampf gegen die Dktatur- ideologie aufgenommen. Er hat schonungslos das wahre Wesen der Diktaturen enthüllt. Er wandte sich gegen die Behauptung, daß die Diktaturen den Völkern Wohlstand und Ordnung bringen. Die von den Diktaturen gepriesene Verringerung der Arbeitslosigkeit sei nur durch die ideologischen Tarnung ein politisches Bündnis gegen Sowjetrußland darstellt. Gleich- zeltig suchte Schacht die handelspolitischen Beziehungen zu Japan und der Mandschurei möglichst zu erweitem. Aber die politischen Intimitäten mit Japan sollten die wirtschaftlichen Geschäfte mit China nicht stören. Wollte man aber mit China ins große Geschäft kommen, so mußte man die chinesische Zentralgewalt in Ihrem Streben unterstützen, eine starke und gesicherte Staatsmacht aufzurichten. Kein Geringerer als General Seeckt ging als oberster militärischer Ratgeber nach China. Auch, nach seinem Abgang bUeben die deutschen Instruk- toren, an ihrer Spitze der General v. Falkenhausen. Ihre Tätigkeit war nicht erfolglos, und mit gemischten Gefühlen mögen die-Japaner jetzt zu der Erkenntnis gelangen, welchen Dienst die Militärs des verbündeten Deutschland der feindlichen Armee geleistet haben. Die Uberraschend starke militärische Widerstandskraft der Chinesen, die bemerkenswerte Leistung ihrer strategischen Führung darf man wohl zum guten Teil auf die deutsche Rechnung setzen. Zugleich hat Schacht in seinem Ströhen, den deutschen Außenhandel mit den überseeischen Rohst offgebieten zu intensivleren und die deutsche Rohstoffeinfuhr mit Indus trieprodukten in diesen entwicklungsfähigen Gebieten zu bezahlen, mit ziemlichen Erfolg auch den deutsch-chinesischen Außenhandel gesteigert. Im Jahre 1936 nahm Deutschland bereits den zweiten Platz im Außenhandel Chinas ein. Das erste Halbjahr 1937 zeigt eine weitere bedeutende Steigerung. Der gesamte chinesische Import stieg gegenüber der gleichen Vorjahrszeit von 459 Mill. Standarddollar auf 606 Mill., oder um 32 Prozent. Der Export erhöhte sich um 332.7 Mill. auf 482.9 oder um rund 45 Prozent. Unter den Lieferantenländern hat Japan seine Ausfuhr von 70.1 auf 115.3 Mill. Dollar. die Vereinigten Staaten von 81.9 gleichfalls auf 115.3 Mill. gesteigert. Deutschland belegt mit einer Steigerung von 79.3 auf 90.5 MiU. jetzt den dritten Platz; erst dann folgt England mit 68.8 gegen 54.8 Mill. Von der chinesischen Ausfuhr übernahm USA mit 155.6 Mill. fast ein Drittel aller chinesischen Exporte gegenüber 100.8 im ersten Halbjahr 1936; Japan bezog für 63.1 Mill. Dollar gegen 42.6, während die Exporte nach Deutschland von 21.4 auf 43.9 Mill. und die nach Großbritannien von 27.2 auf 36.1 Mill. zunahmen. Es sind aber nicht nur die bedeutenden Handelsinteressen, die jetzt durch Japans Krieg gefährdet sind. Unter der Führung von Otto Wolff hat ein Konsortium der deutschen Schwerindustrie auch bedeutende Eisenbahn bauten in China übernommen, zu deren Finanzierung ein Bankenkonsortium unter Führung der Deutsch-Asiatischen Bank gebildet wurde. Schließlich sind Krupp und andere deutsche Waffenfabriken an der Belieferung Chinas mit Kriegsmaterial stark beteiligt und die deutsche Schiffahrt nach China droht jetzt zum Erliegen zu kommen. Der japanische Krieg ist also für die deutsche Diktatur ein sehr zweifelhaftes Vergnügen. Wirtschaftlich bedeutet er eine sehr schwere Gefährdung bedeutender Handels- und Kapitalslnteressen. Polltisch Ist er erst recht eine Enttäuschung. Denn die durch die deutsche Mithilfe erstarkte chinesische Widerstandskraft droht Japan in ein lang andauerndes, seine militärischen Kräfte bindendes Abenteuer zu verstricken. Nicht gegen Sowjetrußland, sondern gegen China hat sich die japanische Militärpartei engagiert, und je länger der Krieg dauert, desto mehr wird die russische Ost grenze entlastet, die Bewegungsfreiheit Rußlands in Europa vergrößert, und desto mehr muß Rußlands Kooperation sowohl im Femen Osten als in Europa nicht nur England, sondern auch den Vereinigten Staaten erwünscht erscheinen. Aber Hitler ist mm einmal mit Japan durch sein Bündnis verkettet, und der nationalsozialistischen Presse bleibt nichts übrig, als gute Miene zum böeen Spiel zu machen und die Siegestaten der Japaner zu preisen, trotz der Gegenvorstellungen, die die betreffenden deutschen Wirtschaftskreise erhoben haben. i Die Zwiespältigkeit dieser deutschen Politik kommt in grotesker Weise in einem Brief eines Chinadeutschen aus Shanghai vom Ende August zum Ausdruck, den die»Neue Zürcher Zeit« am 18. September veröffentlichte. Es heißt darin: >... Wir Deutsche können mit Stolz( i) auf das sehen, was sich jetzt vor Shanghai abspielt. Der großartige Widerstand der Chinesen ist zum wesentlichen ein. Verdienst unserer Militärberater— es sind ihrer etwa 60 oder 70— die eigentlich den Krieg gegen die Japaner führen. Der deutsche Generalberater Gen. v. Falkenhausen sitzt schon seit vierzehn Tagen im Hauptquartier an der Shanghaifront. Marschall Tschiang Kaischek hat ihm weitgehende Vollmachten erteilt, die er bereits dazu ausgenützt hat, den General Tschang Tschl-tschung, der die chinesische Nondgruppe vor Shanghai kommandierte, abzusetzen, weil dieser Offizier die erste großartige Gelegenheit versäumt hat, die Japaner aus Shanghai zu verdrängen. Der chinesische Soldat schlägt sich ausgezeichnet. Leider liegt aber die Führung immer noch zu sehr in den Händen von Leuten, die den alten Schlag der Chinesen vertreten. Die Chinesen erklären ganz offen, daß sie nach dem Abschluß des Nichtangriffspaktes mit den Bolschewiken darauf rechnen, daß ihnen jetzt die Russen gegen Japan zu Hilfe kommen werden, nachdem das gesamte übrige Ausland sie bei diesem ungeheuerlichsten Angriff, der Jemals gegen ein Land verübt wurde, einfach im Stiche lassen, Europa so gut wie Amerika. Wenn es zu ernsten militärischen Niederlagen kommen sollte, so könnte sich aus dieser Stimmung sehr leicht ein furchtbarer Fremdenhaß entwickeln, In einem Umfang, wie man ihn seit den Boxerunruhen nicht mehr erlebt hat... Ganz besonders richtet sich die Stimmung gerade der besseren Kreise der Chinesen heute gegen Deutschland, zum Teü weil unsere Presse in den letzten Jahren offen Stellung für Japan genommen hat mit der Begründung, dieses bekämpfe in Asien den Kommunismus. Das ist ein barer Unsinn, denn die schwerste Gefahr des japar nischen Vorstoßes ist ja gerade die, daß im Fall einer schweren Niederlage der Chinesen der Kommunismus sich in diesem Lande unheimlich schnell ausbreiten wird. Das wissen alle Deutschen hier, die mit den Dingen wirklich vertraut sind, und e s fällt uns manchmal sehr schwer, die Politik unserer Regierung zu verstehen. Eis wirkt wie ein Witz der Weltgeschichte, daß wit; auf der einen Seite durch das anti- kommunistische Abkommen an Japan gebunden sind, während wir auf der anderen Seite die einzigen wirklich bedeutenden W a f f e n Ii e f e ran t en der Chinesen sind oder wenigstens waren. Tatsächlich haben Krupp und die Rheinmetall in den letzten Jahren den all>ergrößten Teil der chinesischen Heeresbestellungen geliefert, während russische Lieferungen bisher nicht nachweisbar waren...« Hitler-Deutschland schließt mit Japan ein Bündnis und bewaffnet gleichzeitig China. Es erntet den Haß beider. Wie immer der Kampf ausgeht, seine wirtschaftliche und politische Stellung im Fernen Osten ist verspielt. Der erste Rückschlag in Hitlers Außenpolitik ist eingetreten. Dr. Richard Kern. wahrerinnigen Rüstungen erzielt worden und die zweifelhafte Ordnung in den Dik- taturländem durch ein System des Schrek- kena, dem jegliche Freiheit und jegliches Recht des Menschen geopfert wurden. Er hat weiterhin den leidenschaftlichen Abwehrwillen der freien Völker verkündet; «Die Führer der Diktaturen sagen den Untergang der Demokratie in der ganzen Welt voraus. Aber die erdrückende Mehrheit der Völker auf der ganzen Weit fühlt demokratisch. Die Männer und Frauen dieser Völker lehnen ab, sich von einem einzigen Menschen oder einer Gruppe bevorrechtigter Personen völlig unterzuordnen und eine neue Form des Regierens bei sich einzuführen, die nur dazu bestimmt wäre, die Kultur der ganzen Welt zu bedrohen. Das Volk der Vereinigten Staaten begreift den hohen Wert der Demokratie und die absolute Wertlosigkeit der Diktaturen.« Das ist eine klare und schneidend scharfe Antwort auf die Großmäuligkeiten in Nürnberg! Die gleichgeschaltete Presse hat deshalb die Rede Roosevelts verfälschen müssen, sie hat se ihres entscheidenden politischen Inhaltes beraubt, ehe sie sie veröffentlichte. Polizcieinsa� gegen Fleisch- und Speckmangel Die Hungernden werden vertrieben. Aus Gleiwitz wird uns berichtet: Es ist heute in Oberschlesien kein Geheimnis mehr, daß die Behörden weit mehr Fl ei schund Speckmarken herausgeben, als man den Fleischermeistem selbst als Quantum zum Verkauf anweisen kann. Um«He Folgen nicht sichtbar werden zu lassen, Ist das Ansammeln und Sc h 1 a n g e n s t e h e n vor den Fleischereien verboten worden. In Beuthen, Hindenburg und Gleiw'11 wird bei der geringsten Ansammlung von Menschen vor den Fleischgeschäften Polizei eingesetzt, die zunächst einem Teil der Angesammelten gewaltsam in die Geschäfte pressen muß und den Rest einfach nach Hause schickt und wenn sich diese weigern, werden sie teils zur Strafe aufnotiert oder verhaftet. Nun wissen ja die Leute, daß es in den Geschäften nie so viel Speck und Schweinefleisch gibt, wie Marken ausgehandigt worden sind. Sie weigern sich, ihre Marken verfallen zu lassen, Frauen lassen sich lieber verhaften, als daß sie von den Geschäften fortgehen. Schlangenstehen, so sagte ein Polizeioffizier in Beuthen, erweckt ja den Eindruck, als wenn es in Deutschland nichts mehr zu fressen gebe, was von den Anstehenden mit»sehr richtig, es ist ja auch so, sonst würden wir hier nicht stehen« quittiert wurde, worauf die Schupo eingesetzt und die Menschen vertrieben wurden. In Kiansberg bei Hindenburg sollte «ine Bergmannsfrau von acht Kindern ihren Speck bekommen. Sie erhielt eine Schwarte und kam mit dem Fleischer Moiser in Konflikt, der sich darauf berief, er verkaufe doch als Speck das, was er selbst erhalte. Die Frau schlug nun mit der Schwarte gegen den Ladentisch und schrie aus Leibeskräften»H eil Hitler«, wiederholte es so oft, daß dl« Kundschaft in eine Lachsalve einstimmte und es fehlte nicht an boshaften Bemerkungen auf die»neue Zeit«, die Hitler seinen Volksgenossen bescherte. Die Frau wurde verhaftet, aber mit Rücksicht auf ihre zahlreiche Familie wieder entlassen. In Gleiwitz und M e c h t a 1 kam es zu wüsten Beschimpfungen auf die Nazis, nachdem das Fleischquantum ausgegangen war und vor den Fleischläden noch eine Menge Menschen zurückblieb, die auch offen zum Ausdruck brachte:»Man betrügt uns ja, denn es ist nur alles für die Nazibande da.« Ans dem Knappschaftslazarett Hindenburg wird uns berichtet, daß aus den umliegenden Schachtanlagen wiederholt Bergleute eingeliefert werden, die bei der Arbeit Infolge Magenerkrankungen zusammenbrechen: Dies soll, wie die dortigen Aerzte berichten, auf die Streckung beim Brotbacken zurückzuführen sein. Yolksfrontdebaften KPD gegen Sowjetparole In Paris hat sich vor einiger Zeit ein Ausschuß zur Vorbereitung einer deutschen Volkfront gebildet, dem die KPD, die SAP und— aus eigenem Entschluß— auch einige Sozialdemokraten angehören. Die Zurückhaltung, die der sozialdemokratische Parteivorstand diesem Unternehmen gegenüber übt, hat zu scharfen Angriffen in der kommunistischen Presse geführt, die in einer Erklärung des Parteivorstandes (Nr. 219 des»N. V.«) zurückgewiesen worden sind. Ueber die Vorgänge in jenem Aus- 1 schuß veröffentlicht nun das ZK der KPD einen ausführlichen Bericht. Wir entnehmen ihm, daß es in dem Ausschuß zu sehr bedeutsamen Meinungsverschiedenheiten zwischen der KPD und der SAP gekommen ist, insbesondere über die Frage, was nach i Hitler kommen soll. Wörtlich wird darüber berichtet: Einige haben sogar schon ganze Programme für die Tätigkeit des künftigen Staates ausgearbeitet. Die Kommunisten hatten in ihrem Entwurf zu einer Plattform der deutschen Volksfront die Losung der demokratischen Republik gestellt, »in der das Volk frei über alle Fragen der Wirtschaft, der Innen- und Außenpolitik des Landes entscheidet und die Regierung durch eine Entscheidung des werktätigen Volkes auf Grund des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechtes bestimmt wird«. Sie brachten dabei zum Ausdruck, daß der Kampf ein breiter Massenkampf sein wird und daß die Massen nach ihrem Siege den entscheidenden Einfluß auf die Ausgestaltung der demokratischen Republik ausüben werden, die unter keinen Umständen etwa eine Wiederholung der Weimarer Republik sein wird und die eine gründliche Ausrottung des Faschismus vornehmen wird. Aber die Losung der demokratischen Republik wurde von den SAP-Vertretern im Ausschuß und in ihrer Presse als eine angeblich»opportunistische« Losung angegriffen. Es gelang ihnen auch, sozialdemokratische Vertreter zur Preisgabe dieser Losung zu gewinnen. In dem April-Aufruf des Volksfrontausschusses ist nicht mehr die Losung der demokratischen Republik enthalten. In einer ihrer Broschüren—»Wie stürzt Hitler«— schreibt die SAP:»Mittelbar oder unmittelbar, dem Dritten Reich wird kein demokratisches, kein reformistisches Deutschland folgen, sondern die deutsche Sowjetrepublik das nächste und entscheidende Kettenglied der Weltrevolution«. Diese Behauptung entspricht durchaus der gegen die Volksfront gerichteten Agitation der SAP, die verhindern will, daß sich der Mittelstand und die Bauernschaft der Volksfront anschließen. Wenn die Kommunisten in ihrem Entwurf einer Plattform zur Schaffung der Volksfront die Losung der demokratischen Republik und nicht die Losung der proletarischen Diktatur steUten. so berücksichtigten sie dabei, daß zur siegreichen Durchführung des Kampfes nicht nur die Arbeiter, sondern auch der Mittelstand und die Bauernschaft und alle dlejem- gen notwendig sind, die sich von dem barbarischen Faschismus befreien wollen. Es müssen deshalb solche Losungen aufgestellt werden, für die diese Schichten bereit sind zu kämpfen. Es wäre ein Selbstbetrug, anzunehmen, daß die Mehrheit der deutschen Arbeiterklasse, der Mittelstand und die Bauernschaft, schon bereit wäre, für die Sowjetmacht zu kämpfen. Dafür müssen sie erst noch gewonnen werden. Das wird am besten durch die Erfahrungen gefördert werden, die die Massen in ihren Kämpfen um die Befreiung machen. Für die Richtigkeit des Berichtes im ganzen müssen wir die Verantwortung den Urhebern überlassen. Doch vermögen wir nicht zu glauben, daß Sozialdemokraten sich dazu hergegeben haben, an einer Preisgabe der demokratischen Losung mitzuwirken. Die Sozialdemokratische Partei steht— nicht aus Opportunismus, sondern entsprechend ihren seit zwei Menschenaltern unverrückbar festgehaltenen Prinzipien— zur Demokratie und lehnt jede Sowjetisierung Deutschlands nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für die Zukunft eindeutig und entschieden ab. Piraten In der Politik Die ideologischen Fronten im Weltkampf der Mädhte Seit dem braunen»Umbruch« von 1933 klingt aus den außenpolitischen Erklärungen der demokratischen Staaten immer wieder die eine Versicherung, die eine Verwahrung hervor: Wir wollen keine ideologischen Fronten... Wie eine Beschwörung wurde die fromme Formel fortgesetzt wiederholt. Inzwischen vervollkommnete und vergrößerte der europäische Faschismus seine ideologische Front zielklar, mit allen Mitteln und bald mit dem verlogenen Schlagwort:»Rettung der europäischen Kultur vor dem Bolschewismus«, bald mit der Phrase vom Volk ohne Raum. Wobei Hitler und Mussolini bestimmten, was jeweils Bolschewismus ist und was Volk ohne Raum. Unter diesem Feldgeschrei bricht der europäische Faschismus seit 1934 die»heüigsten Ehrenworte« und Versprechen, gibt neue, um sie bald darauf zu verlachen. Zerreißt Verträge und schließt neue, um zu düpieren und das Gegenteil des feierlich Versicherten zu praktizieren, berät und beschließt mit anderen Mächten strikte Nichteinmischung, indes seine Schiffe in derselben Stunde mit ganzen Regimentern Unfreiwilliger zur Einmischung in den Bürgerkrieg des fremden Landes ausfahren, italienische Offiziere die Balearen zum italienischen Bollwerk machen und deutsche Befestigungen an den Pyrenäen erstehen. Abkommandierte deutsche Flieger entscheiden die Schlacht um Guernica, wobei sie fliehende FYauen und Kinder herdenweise zusammenschießen, Mussolini beglückwünscht die italienischen Truppen und Feldherren phrasenvoll zur Einnahme von Santander, nichtspanische U-Boote kapern fremde Schiffe außerhalb cier Dreimeilenzone, beschießen heimtückisch aus dem Hinterhalt englische und französische Kontrollschiffe. Offener, höhnischer, zynischer kann man Verträge nicht brechen. Wer mit dem»heiligen nationalen Egoismus« an die Macht gelangt ist, muß wohl auf dieser Bahn weiter— Lüge, Wortbruch und Amoraiität wird ihn zum Gesetz, zur Methode, zum Idol und Sport. Der Führer und der Duce leben außenpolitisch seit Jahren vom Vertragsbruch, von der Drohung mit beliebigen Vertragsbrüchen. Die nichtideologische Nichteinmischung stürzt zusammen. Die gebrochenen Versprechungen, mit denen der Weg der europäischen Entwicklung seit 1933 gepflastert ist, schreien zum Himmel und lassen sich selbst von Blinden und Schwerhörigen nicht länger ignorieren. Selbst sie können heute die ideologische Frontbildung nicht mehr leugnen: Hüben die Politik des Rechts und des Friedens— drüben die der brutalsten Gewalt und nationalistischen »Dynamik«. Hüben die Gültigkeit des gegebenen Wortes und jenes Maß von Treu und Glauben, ohne welches alle Verträge ein Dreck sind— drüben die konsequenten Vertragsbrüche der faschistischen Amoralitiker. Demokratische Staatsmänner und Politiker sehen sich zu deutlicherer Sprache gezwungen. Lloyd George zitierte vor Monaten schon im Unterhaus das Wort Austen Chamber- lains: Mit Deutschland lies(Hitlerdeutschland) kann man ja leider keine Verträge machen,, da es keine hält... Die»Times« veröffentlichten als Leitartikel den Aufruf Wickham Steeds, der von seiner Regierung fordert, daß sie sich für die Verteidigung der gesamten europäischen Demokratie erkläre und der dabei von Rußland sagt,»daß die Sowjetunion aus eigenen Erwägungen wünscht, jeden Krieg zu vermeiden, während der Wunsch von Nazideutschland und dem faschistischen Italien, den Krieg zu vermeiden, nicht so klar ist...« Südafrika wendet sich scharf gegen die nationalsozialistische Perfidie im ehemaligen Südwestafrika, wo Naziagenten nach Gangsterart alle jene Deutschen unter Gesinnungsdruck setzen, die Verwandte oder Vermögen in Deutschland haben. Der republikanische Senator Borah in Washington sah sich anläßlich des Verfassungsjubiläums genötigt, die Terrormethoden der braunen Gangster mit dem elektrischen Stuhl zu bedrohen. Roosevelt betonte am selben Tage die Sympathien Amerikas für die Völker des Friedens und des Rechts. Der Franzose D e 1- b o s aber klagte in Genf vorm Völkerbund die Politik des Wortbruchs an und sagte: »Die Achtung des gegebenen Wortes ist keine Ehrensache, sondern die Frage von Sein und Nichtsein«. Der schärfste Ausdruck aber fiel auf der Konferenz von Nyon, von Regierungsvertre- tem vor Ministem mehrerer Länder gesprochen: Piraterie. Italien und Deutschland wurden öffentlich der Seeräuberei und der Begünstigung des Plratentums geziehen. Ein solcher Vorwurf wäre früher mit dem Abbruch diplomatischer Beziehungen beantwortet worden— die italienische wie die deutsche Regierang jedoch steckten die Brandmarkung abgehärtet ein und bekundeten schon damit ihre schlechte Position. Nur die hitlerdeutsche Presse mußte den wilden Mann spielen, denn das Piratentum ist das Signum auch der innerdeutschen Politik seit 1933. Piratentum steckte den Reichstag in Brand, raubte das Eägentum der Gegner des Gewaltsystems, enteignete jüdische Warenhausbesitzer, machte die Eher- Aktionäre zu Millionären usw. usw. Warum sollte faschistisches Piratentum ausgerechnet vor den Erzen von Bilbao, vor den spanischen Quecksilberminen, den Balearen und den Schiffen der demokratischen Länder Halt machen? Spät, sehr spät erkennt der demokratische Westen die logischen Zusammenhänge und die inneren Gesetze der faschistischen Erpresser- und Raubpolitik. Wir haben diese Zusammenhänge oft genug dargelegt. Seit 1933 hat die deutsche Fknlgrantengruppe dieses Piratentum gebrandmarkt, hat Ihn immer wieder die Maske vom Gesicht gerissen, hat diese Baikanlsierung Europas vorausgesagt. Unsere Stimme wurde von den meisten Vertretern der europäischen Demokratie ignoriert, als Uebertreibungen verbitterter Exilierter gewertet oder gar als lästige Einmischung empfunden. Heute schallt es selbst aus rechtsgerichteten Organen Englands und Frankreichs, wie von den Bänken der Verantwortlichen dieser Länder: Piraten! Gangster, deren Wort nichts gilt! Späte Erkenntnis. Europa könnte ruhiger sein, die Welt könnte friedlicher atmen, wenn man den warnenden Stimmen früher Gehör geschenkt und früher die nötigen Konsequenzen gezogen hätte. B. B aH «is %■ Gestörte Harmonie Die deutsch-polnische Freundschaft leidet an galoppierender Schwindsucht. Die einst ach so herzlichen gegenseitigen Gefühle werden kühler und kühler und drohen unter den Nullpunkt abzusinken. Die polnischen Journalisten haben mit einer donnergrollenden Resolution die gesellschaftlichen und beruflichen Beziehungen zur Presse der deutschen Minderheit in Polen abgebrochen, soweit(fiese sich unter die Vormundschaft des Herrn Göbbels duckt. Und der Fall Kopernikus hat gar einen regelrechten hitzigen Pressekrieg zwischen Berlin und Warschau in Gang gebracht. Die Göbbels-Zeitungen behaupten, der große Astronom(geboren in Thora) sei— selbstverständlich— ein Deutscher gewesen. Die Polen dagegen nehmen Kopernikus(geboren in Torun) für sich in Anspruch. Der»A n- griff« wirft den Polen»Geschlchts- Kleptomanie« vor, während diese wiederum die Nachbarn und Paktbrüder des »Kultur schmuggele« überführen. Im deutschen Pavillon zu Paris wird Kopernikus als großer Deutscher, im polnischen Pavillon als großer Pole gefeiert... Wer aus der Fehde als Sieger hervorgeht, läßt sich schwerlich prophezeien. In der Sache mit der»Schwarzen Madonna« dagegen— der zu Czestochova— hat Göbbels eine glatte Niederlage erlitten. Die Madonna, die allen frommen Katholiken Polens eine hohes Heiligtum ist, war v(ji der Nazipresse als »Mischung aus negroidem und mongolischen Typ« bezeichnet worden. Die Folge war natürlich gewaltige Erregung in Polen, in einem Protest des Außenministeriums gipfelnd und erst durch eine vom deutschen Warschaugesandten vorgetragene förmliche Abbitte notdürftig beschwichtigt. Die Pilsudski-Biographien beginnen aus den deutschen Buchläden zu verschwinden und der Tag scheint nicht mehr fem, an dem statt süßer Schmeichelworte wieder die alten trauten Kraftflüche durch den Korridor gen Osten hallen werden. Mit dem ReroWer für den Relbl Wild-West im lutherischen Kirchenkrieg Aus Sachsen melden mit der deutschen hitleroppositionellen»Bekenntniskirche« sympathisierende Pressestellen des Auslandes folgende Vorgänge im Landeskirchenausschuß des Landes aus den letzten Wochen; Der kirchüche Landesausschuß mit dem Sitz in Dresden, bestehend aus fünf Superintendenten und einem Pfarrer, wurde kürzlich nach allen Regeln der modernen Kriegskunst von den»Deutschen Christen« unter Führung des deutsch-christlichen Oberkirchenrates Klotsche»erobert«, bei welcher militärischen Operation die fünf Ausschußmitglieder zunächst in Polizei- arrest gerieten. Pg. Klotsche richtete sich nun auf dem so siegreich behaupteten Schlachtfeld mit allen Methoden einer richtigen Besatzungsbehörde ein. Vor den Zimmern»bekenntnis«treuer Beamter wurden . r SA-Posten mit Karabinern aufgestellt. Morgenandachten im neuen Befehlsbereich erhielten die Form von Betriebsappellen. Als ein Protesttelegramm der mittlerweile wieder enthafteten legitimierten Landeskirchenausschußmitglieder an den Staatssekretär Lammers in des»Führers« Reichskanzlei selbstverständlich unbeantwortet geblieben war— das war kurz vor dem 9. August— versuchten diese sich selbst wieder ihr Amtsrecht zu verschaffen und mindestens ihre Diensträume wieder zu betreten. Im Hausflur des Gebäudes gelang das trotz der SA-Posten, die sich überreden ließen, ausnahmsweise von der Schußwaffe keinen Gebrauch zu machen. Aber— gleich am Treppenaufgang stellte sich ihnen der neue»Kommandant«, Oberkirchenrat und Bruder in Christo Klotsche mit entsichertem Browning entgegen. Die dramatische Szene endete damit, daß die Polizei sich einmischte. Nicht etwa, daß sie dem streitbaren Oberkirchenrat den Schießprügel vom schon erhobenen Arm heruntergeholt hätte, sondern— sie telgraphierte an das Reichskirchenministerium, bezw. den »Reibi«(Reichsbischof), worauf schon in einer halben Stunde die Antwort eintraf, die Landeskirchenausschußmitglieder, so oder so, wieder auf die Straße zu setzen. Was denn auch geschah— alles natürlich in majorem gloriam des Mannes von Naza- reth. Hitlers Hausiererkorps NSKK verkloppt Autos mit Zubehör. Die»Deutsche Aligemeine Zeitung« versieht die Meldung von der angesetzten NSKK- Fahrt nach Jugoslawien mit folgendem Kommentar: »Die Balkanländer galten lange als eine Domäne der nordamerikanischen Autokon- zeme. Und so Ist es ein Unternehmen von nationaler Bedeutung, wenn durch diese Führt eine Werbung für den deutschen Kraftwagen unternommen wird, che ganz besonders durch ihre repräsentative Einheitlichkeit und Geschlossenheit bestimmt ihr Ziel weitgehend erreichen dürfte.« Und darin unterscheiden sich ja auch diese NSKK-Fahrten von irgendwelchen Klub- spazlerfahrten...< Das NSKK(»Nationalsozialistisches Kraft- fahrerkorps«) ist ein Teil der illegalen deutschen Wehrmacht, wie sie unter Hitler sich hat heranbilden können. Bis ist also schon zu glauben, daß eine Invasion dieses»Korps« in ein friedliches fremdes Land keine»irgendwelche Klubspazierfahrt« ist. Gewiß, vorläufig möchten sie nur Autos und Autobestandtelle dort verkloppen und ihre abgelegten Hano- mags für teures Geld loswerden. Geld stinkt nicht, auch wenn man es im braunen Ehrenkleid gewissermaßen erpreßt. Vom Autover- klitschen bis zum Abmontieren der Maschinen und bis zur Deportation der Bevölkerung in einem kleinen Lande(siehe Belgien 1916!) ist es freilich dann nur noch ein Schritt. Aufforderung zum Zwangsabonnement Der Abonnentenschwund der nationalsozialistischen Presse setzt sich weiter fort. Um ihm entgegenzuwirken, hat der Reichsminister des Innern seinen früheren Erlaß wieder in Erinnerung gebracht, in dem er die Beamtem auf das regelmäßige Studium der nationalsozialistischen Tagespresee hinweist. In erster Linie soll der»Völkische Beobachter« gelesen werden und die Werbung für ihn in den Behörden wird ausdrücklich befürwortet. Der Reichsminister fügt seinem Erlaß hinzu, er erwarte, daß die Beamtenschaft ihm vollzählig entspreche. Es ist immerhin bemerkenswert, daß anscheinend ein großer Teil der Beamtenschaft des Dritten Reiches nichts von der nationalsozialistischen Tagespresse wissen will und erst durch Druck des Reichsi n nenmimsters zum Zwangsabonnement zu bewegen ist. Ivörlng«dien kl 90 Millionen Mark Kiesensubvcnfion für die Kali-4ktionäre Schwerer als jeder andere Eingriff in die Verfügungsgewalt des Bauern über seinen Hof trifft ihn das neue Getreidegesetz, das ihn zwingt, seine Weizen- und Roggenernte dem Reichsnährstand abzuliefern. Göring verwehrt ihm, sein Korn zu verfüttern, ist aber außerstande, für Ersatz durch Einfuhr Rat zu schaffen. Mehr als jede andere zwangswirtschaftliche Maßnahme muß diese Methode, gen politischen Stellen gezeigt wird, so müssen wir anerkennen, daß darin ein immerhin nicht unbeachtlicher Ausgleich liegen wird.« Solche Geschenke an die bevorzugten Kreise der Großindustrie werden ganz im geheimen verteilt. Nur die»Deutsche Bergwerkszeitung« hat diese Stelle der Winters- : hall-Rede veröffentlicht, von der übrigen für den Bankrott der Darreschen Getreide- presse wurde sie unterdrückt. Ks han- politik die Landwirte büßen zu lassen, ihre| sich allerdings auch um einen Fall selbst Erbitterung gegen das Regime verstärken. ,m Dritten ReiCh fast beispielloser Als Pflaster auf ihre Wunden hat Göring die Subventionswirtschaft, der im Herabsetzung der Düngemittel- krassen Widerspruch zu den wirklichen preise um 30 Prozent anbefohlen. Die Opfern steht, die der großen Masse des Vol- Welt nimmt an, daß dieser Preisnachlaß von jjeg auferlegt werden. Die Reichsregierung der Industrie selbst getragen würde, ein ihr hatte Ende Dezember vorigen Jahres ein Ge- vom Regime auferlegtes, aber willig auf dem setz erlassen, wonach Abwertungsge- Altar der Erzeugungsschlacht dargebrachtes winne weggesteuert werden sollen. Opfer sei. Tatsächlich wird aber die Kali- � Unter das Gesetz fallen Gewinne, die einem industrie vom Reich so reichlich e n t-| Inländer bei der Erfüllung von Verbindlich- schädigt, daß ihr das vermeintliche Opfer keiten aus Guthaben, Anleihen usw. ajifallen, zu einem guten Geschäft gedeihen � alLf ejne abgewertete ausländische Wäh- clürft:e rung lauten.»Als Gewinn gilt der Unter- Vor einigen Wochen fand die Generalver- schiedsbetrag zwischen Reichsmarkgegenwert Sammlung des größten deutschen Kalikon- jn ausländischer Währung am Entstehungs- zems, der W i n t e r s h a 1 1 AG., statt, die tag der Schuld und dem Reichsgegenwert am allein 42 Prozent des deutschen Kalis erzeugt. Tage der Befreiung des Schuldners von der Dort wurde offenbar, was die Konzernführer währungsschuld.c Darunter fällt also zwei- im Dritten Reich und im Gegensatz zu ge- fenos die g�ßg pfundanleihe, die die Kali- wöhnlichen Volksgenossen riskieren dürfen. il)dustrie gemeinschaftlich im Jahre 1925 in Vom Aufsichtsratsvorsitzenden wurde in der i Generalversammlungsrede ganz offen gegen• den staatlich erzwungenen Preisnachlaß für' Kali protestiert und die Oeffentlichkeit davon in Kenntnis gesetzt, daß das Kalisyndikat seinen Einspruch bereits an höchster Stelle an- gemeldet hat. Das geschah mit folgenden 1 Worten: »Wir haben an der Stelle, wo es nach unserer Auffassung richtig war, unsere Interessen in der gebotenen Form vertreten. In der Zusammenfassung aller Kaliwerke, nämlich im Deutschen Kalisyndikat, sind die Bedenken und Einwendungen, die wir gegen die Kaiipreis- ennäßigung vorzutragen hatten, in ruhiger und sachlicher Form zusammengefaßt und der zuständigen politischen London aufgenommen hatte und die bis 1929 zur Höhe von 15 Millionen Pfund angewachsen war. Ende 1936 war ein Teil der Anleiheschuld getilgt. Sie betrug damals noch 11.5 Millionen Pfund. Die Anleiheschuld hatte vor der Abwertung des Pfundes einem Markwert von etwa 230 Millionen und nach der Abwertung um 40 Prozent einem Markwert von etwa 140 Millionen entsprochen. Die Summe, die die Kaliindustrie als Steuer hätte abliefern müssen und die ihr als Entschädigung für die Preisherabsetzung geschenkt wird, beläuft sich also auf nicht weniger als 90 Millionen Mark. Das sind 80 Prozent des Aktienkapitals von Wintershall und 40 Prozent vom Wert der gesamten deutschen Kaliproduktion, der 1929 220 Millionen betragen hatte. Mit dieser reichlichen Gabe ist die Kaliindustrie nicht nur für den Preisnachlaß entschädigt, sondern darüber hinaus noch mit einem ansehnlichen Son- dergeschenk bedacht worden. Am 12. Januar dieses Jahres schrieb die »Neue Zürcher Zeitung« in einer Betrachtung über»Die Ablieferung von Abwertungsgewinnen in Deutschland«: »Wenn man die Bilanzen der auslandsverschuldeten Industriegesellschaften der letzten Jahre betrachtet, kann man feststellen, daß teilweise sehr erhebliche Gewinne aus der Rückzahlung oder Konversion von auf ausländischer Währung lautenden Schulden und aus dem infolge der Abwertung verminderten Zinsendienst stammen. Würde das Gesetz über die Ablieferung von Abwertungsgewinnen bereits früher bestanden haben, hätten zahlreiche Gesellschaften auf die Ausschüttung, bezw. Erhöhung der Dividenden verzichten müssen.« Es war ja Herr Schacht, der den Groß- konzem so lange Devisen, die bei der Ernährung und bei der Bezahlung anderer Auslandsschulden eingespart werden mußten, zur Tilgung von Valutaanleihen und zwecks Realisierung von Abwertungsgewinnen zur Verfügung stellte, bis das Ausland dagegen Ein- ' spruch erhob. Unter den glücklichen Anleihe- schuldnem sind so mächtige Konzerne wie Fritz Thyssens Stahltrust, der nach der Bilanz vom 30. 9. 1936 mit 103 Millionen Mank Anleihen in fremder Währung belastet war, und Siemens& Halske mit einer Dollarschuld von 24 Millionen. Bisher ist aber nichts davon verlautet, daß man den Aktionären aus Anlaß der Abwertungssteuer Opfer an Dividende zumuten wolle. Was der Kaliindustrie recht ist, muß natürlich dem Stahltrust billig sein, und er benutzt offenbar die schwerindustrielle»Deutsche Eergwerkszei- tung«, um mit ihrer indiskreten Veröffentlichung seinen Anspruch anmelden zu lassen. Man darf also erwarten, daß man auch den übrigen Schuldnern von Valutaanleihen, mindestens so weit sie Konzemführer sind, die Abwertungsgewinne schenkt, damit sie zum bösen Spiel des Vierjahresplanes auch fernerhin gute Miene machen. G. A_ F. Die großen In&laHonisien unter sldi Salutschießen der Reidisbankwedisel zum Duce-Besucfa in Berlin Stelle zur Entscheidung übermittelt worden. Wir haben auch bei den Besprechungen mit den zuständigen Stellen des Vierjahresplanes auf diese Bedenken hingewiesen und sie vor der Beschlußfassung nochmals schriftlich zusammengefaßt und den zuständigen Stellen :iiterbreltet. Wenn trotzdem die Reichs- ' iihrnng von der Warte höherer politischer !. insicht aus im Augenblick diesen Bedenton und Einwendungen nicht Raum geben konnte, so bedeutet das natürlich nicht, daß damit ein für allemal diese Frage erledigt ist.« Die Kaliindustrie hat also Verständnis dafür. daß es Görmgs Autoritätswahn zu nahe treten hieße, wollte man ihm zumuten, daß er, anstatt auf der Ausführung seines eigenen Kommandos zu bestehen, ohne weiteres dem Kommando der Konzemführer gehorcht. Sie dürfen aber nicht nur sicher sein, daß die Erfüllung ihrer Forderung nur eine Frage der Zeit ist, sondern dürfen das auch der Welt in Generalversammlungsreden und in der Presse bekanntgeben.»Wir dürfen hoffen«, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende, »daß, wenn die Entwicklung der nächsten Zeit, bezw. der nächsten Jahre zeigen sollte, daß unsere Bedenken doch zu berechtigt waren und es nicht möglich ist, eine Preisermäßigung in diesem starken Maße aufrechtzuerhalten, es nicht zum Erliegen der Industrie kommen wird, sondern, des bin ich sicher, daß die Reichsregierung die Maßnahmen treffen wird, die notwendig sind, um eine Abänderung herbeizuführen«. Mit der Aussicht,»daß in der erhofften Absatzsteigerung um 30 Prozent, ein gewisser Ausgleich liegen werde«, lassen sich die Kaliindustriellen nicht beschwichtigen, denn»niemand kann vorhersagen, ob diese Hoffnung sich bestätigen wird«. Aber die Wintershall-Aktionäre brauchen nicht mit Zukunftshoffnungen vertröstet zu werden. Die Regierung des Dritten Reiches hat Verständnis für ihre Dividendenbedürf- nisse und hat dafür gesorgt, daß sie nicht zu kurz kommen. Wie, hat der Generalversammlungsredner mit Befriedigung festgestellt; »Wir haben femer angeregt, und glauben da auch Erfolg zu haben, daß der Kaliindustrie dadurch ein Ausgleich geschaffen wird, daß ihr dieAbwer- ungsgewinne aus der großen Pfundanleihe belassen werden... Wenn nun nach dieser Richtung hin ein gewisses Wohlwollen von den zuständi- Einen immerhin eigenartigen, aus dem üblichen Rahmen der von Göbbels vorgeschriebenen Heilrufe der Nazipresse zur gegenwärtigen Staatsvisite Mussolinis in Hitlerdeutschland stark herausfallenden Huldigungsartikel für den»Duce« leistet sich die letzte Nummer(Bd. 5, Heft I) des »Finanzarchivs«, das immer noch ein von den deutschen akademischen Finanzwissenschaftlern benutztes Organ zur Darlegung ihrer Lehrmeinungen ist. Es befaßt sich in ihm der Berliner Professor Jens Jessen mit dem Thema»W e b r w i r t- schaft und Finanzpoliti k«. Aber Jessens Aktualität greift weiter: nämlich der Herr legt seine Ansichten gerade am Beispiel des Italiens Mussolinis dar. so daß zur Stunde der»Duce« an Ort und Stelle auch von dieser nicht unwichtigen Seite des Lebens her, von der des Portemonnaies, im Dritten Reich sich adressiert und willkommen geheißen fühlen darf. Herr Jessen hat einige lapidare Thesen im Hinblick auf die Finanzwirtschaft aller jener Länder zu verteidigen, die in der totalen »Wehrwirtschaft« nach dem Motto»Kanonen für Butter!« zu leben sich beinahe schon angewöhnt haben. Sie besagen für den Wissenden oder auch nur Nachdenklichen nicht viel Neues; sie fallen aber immerhin durch che Entschiedenheit und Unbedingtheit ihrer Formulierung auf— dergestalt, daß Herr'Göbbels oder Herr Ley, für die doch»Deutschland schöner mit jedem Tag« zu werden hat, ein bißchen unruhig am Regierungssitzfleisch werden müssen, sollten sie es lesen. Da sind so einfache Wahrheiten wie; »... daß der größte Teil der Aufwendungen für die Wehrwirtschaft volkswirtschaftlich nur wlrtschaf lieh tote Ergebnisse hervorbringt auf Kosten der übrigen Teile der Wirtschaft«. Oder: »Diese Ergebnisse(der Totes produzierenden Wehrwirtschaft) können nur durch wirtschaftliche Opfer erkauft werden, d. h. durch die entsprechende Einschränkung des Verbrauchs.« Herr Jessen spricht von dem»Kreislauf, der mit der Erhaltung unproduktiver Anlagen und Einrichtungen endet« und alles läuft nach ihm mit mehr als mathematischer Exaktheit auf das einzig Wesentliche und durch keine Redensarten Wegzutäuschende hinaus: die»entsprechende Ko m- pression des Verbrauchs«! Bei der Priorität der Wehrwirtschaft hat in allen den so gelenkten Staaten die Finanzpolitik nur den einzigen Zweck: »die Zusammenpressung des Verbrauchs zugunsten der Staatswirtschaft mit dem Ziel einer Deckung der Ansprüche der Wehrwirtschaft so durchzuführen, daß die unerwünschten Erscheinungen der Inflation vermieden werden«. Ein guter Rat und ein schönes Gutachten, darauf hinauslaufend, zwar die Inflation zu machen, aber ihre»Erscheinungen« möglichst unsichtbar zu machen oder auch die Schwindsucht zwar zu haben und zu pflegen, aber das Husten gänzlich zu unterdrücken! Ganz folgerichtig in diesen an sich gar nicht zu bestreitenden Gedankengängen zur totalen Wehrwirtschaft prägt Jessen den neuen terminus technicus von der»naiven Inflatio n«, der Art der früheren Inflation nämlich, die, als Folge etwa der Helfferichschen Wehrwirtschaft während des Krieges, man nie mehr machen dürfe, sondern die heute eben gewissermaßen durch die»unnalve«, durch die raffinierte Inflation verbessert werden müsse... Wer aber macht die nicht-naive Inflation? »Ein Beispiel aus der jüngsten Gegenwart gibt Italien. Die Anstrengungen seiner Wehrwirtschaft und des abessinl- schen Krieges haben nur mit Hilfe einer Art Inflation durchgeführt werden können. Einem rückläufigen Güterangebot für den letzten Verbrauch trat eine wachsende Goldnachfrage unter Führung der Staatsfinanzwirtschaft gegenüber. D 1 c sichtbare Senkung der Lebenshaltung der breiten Schichten als notwendige Folge war das unerläßliche Opfer im Kampf um die politischen Ziele des faschistischen Italiens. Genaue Zahlen, die als sicherer Anhalt für die Vorgänge bemüht werden könnten, wären allerdings nur durch das Zusammentragen vieler Einzelheiten zu erhalten. Und eben darin kündet sich das Andersgeartetsein dieses Vorganges an. Immerhin sei bemerkt, daß der Bargeldumlauf von etwa 15,8 Milliarden Lira 1934 auf rund 18,3 im Jahre 1936 stieg. Preiskontrolle, Verschlechterung der Güte der dem Verbrauch angebotenen Waren, Abdrängung des Verbrauchs auf immaterielle Güter und Zwangsrationlerung der verschiedensten Art dienten dem beginnenden Ersatz der naiven Inflation durch eine Verbrauchslenkung in weitestem Sinne, bei der eine straffe Propaganda bemüht war, auf die Psychologie des Volkes im Hinblick auf die nicht weit zurücküegenden Erfahrungen der Sparer einzuwirken.« Man hat den Eindruck, daß Herr Jessen den Scharfblick, mit dem er die gegenwärtigen Verhältnisse Italiens beurteilt, ganz offenkundigerweise hauptsächlich der simplen Tatsache verdankt, daß er seinen Beobachterstand nur gerade am anderen Ende der berühmten»Achse« hat. daß diese»Achse« aber auch in jeder Hinsicht an der Spree genau dieselben Aspekte aufweist wie am Tiber. Nein,»naiv« sind sie nicht, die großen Infla- tionisten, die jetzt gerade auch die schlimme und drückende Ebbe ihrer Kassen in Berlin zusammengeführt haben dürfte_ wobei freilich nicht einzusehen ist, wie dem Bankrott abgeholfen werden könnte, indem man zu der einen bankrotten Firma noch eine andere nicht minder bankrotte hinzufügt. Wir sind der Meinung, daß in dem zur Zeit intonierte »Ewiva il Duce« neupreußischer Militärkapellen man die Harfe des an den trüben Wassern der nicht-naiven Inflation ebenso sitzenden, braven deutschen Professors Jessen nicht überhören soll, die da ein bißchen weint... H. E. Sdiadil, von Goethe vorausgeahnt aus: Paralipomena zum Faust. X:...und kann ich, wie ich bat, Mich unumschränkt in diesem Reiche schauen, So küß ich, bin ich gleich von Haus aus Demokrat, Dir doch, Tyrann, von Dankbarkeit die Klauen. Satan: Die Klauen! das ist für einmal, Du wirst Dich weiter noch entschüeßen müssen. X: Was fordert denn das Ritual? Satan; Beliebt dem Herrn den hintern Teil zu küssen. X: Darüber bin ich unverlorn. Ich küsse hinten oder vom. Scheint oben Deine Nase doch Durch alle Welten vorzudringen, So seh ich unten hier ein Loch Das Universum zu verschlingen. Was duftet aus dem kolossalen Mund! So wohl kanns nicht im Paradiese riechen. Und dieser wohlgebaute Schlund erregt den Wunsch, hineinzukriechen. Was soll ich mehr! Satan: Vasall, Du bist erprobt. Man flüstert... In der Reichshauptstadt geht zurzeit das folgende Histörchen von Mund zu Mund: Eis ist Nachts. Ein Mann kommt aus einer Kneipe und ist reichlich angesäuselt. Während er heimwärts schwankt, beginnt er ruhestörend und staatsfeindlich zu lärmen. In ständiger Wiederholung gröhlt er die Worte: Erst komme ich— und dann kommt der Führer! Erst komme ich— und dann kommt der Führer! Erst komme ich...« Da packt ihn jählings ein SS-Mann beim Kragen. g,' »Sie! Hören Sie mal!« sagt der SS-Mann. »Wenn Sie auch total besoffen sind, so sollten Sie sich doch wenigstens so sehr in der Gewalt haben, daß sie keine Beleidigungen gegen den Führer ausstoßen. Schämen Sie sich! Elig entlich müßte ich Sie ja festnehmen, aber in Anbetracht Ihres Zustandes will ich mal Gnade für Recht ergehen lassen und ein Auge zudrücken. Machen Sie, daß Sie heimkommen und weisen Sie in Zukunft unserem Führer den Platz an, der ihm gebührt!...« Der Mann gelobte lallend Besserung, schwangte weiter und begann zu gröhlen: »Erst kommt der Führer— und dann komme ich! Erst kommt der Führer— und dann komme ich!...« Der nächste SS-Mann, auf den er stieß, nahm ihn in Schutzhaft. Nr. 224 BEILAGE 26. September 193? Geheim Vortrag Himmlers top dem Offizierkorps der Wehrmacht Amtlidier Vortrag des Reichsführers der SS, Heinrich Himmler, über die SS, die Gestapo und den Kriegsschauplatz Innerdeutscfaland im Kriegsfalle Wir veröffentlichen auf den folgenden Seiten einen geheimen Vortrag, den der Chef der Gestapo,»Reichsführer« Himmler, vor dem Offizierskorps der Wehrmacht gehalten hat. Obwohl auf die Geheimhaltung des Inhaltes dieses Vortrages größter Wert gelegt wurde, sind wir dennoch in der Lage,' seinen Wortlaut zu veröffentlichen. Die Hauptinhalte sind: die Vorbereitungen der Polizei für den»Kriegsschauplatz Inner- deutschland« im Kriegsfalle, Stärke und Gliederung der SS und Funktion der SS. Dieser Vortrag enthüllt das Kasernenhofniveau der neuen nationalsozialistischen»Kultur«, die Geistfeindlichkeit des Systems und den gemeingefährlichen Größenwahn und Angriffswillen seiner Machthaber. Wir empfehlen diesen Vortrag der internationalen Aufmerksamkeit. Und nun geben wir dem Chef der Gestapo Himmler das Wort: Die braune Führerauslese Gnlslehung der SS Ich werde zunächst über Entstehung, Organisation und Aufgabengebiete der SS sprechen, dann über die Organisation und die Aufgaben der Polizei und als Drittes über das Zusammenwirken von SS und Polizei und über die wichtige und lebensnotwendige Frage der Sicherung des Reiches im Innern. Die SS entstand in ganz früher Zeit der Bewegung im Jahre 1923, wurde als Stoßtrupp Hitler am 9. November 1923 verboten und aufgelöst. Im Jahre 1929, vor nunmehr acht Jahren, bekam ich dann vom Führer den Auftrag, die Führung der Schutzstaffeln, die damals 250 Mann zählten, im ganzen Reich zu übernehmen und aus ihnen— so lautete der Auftrag— eine in jedem Falle zuverlässige Orgamsation, eine Eliteorganisation der Partei, zu schaffen. Ich bin an diese Frage— dabei will ich mich ein klein wenig länger aufhalten— selbstverständlich als Nationalsozialist herangegangen. Ich will Ihnen auch sagen, wie das aufzufassen ist. Ich bin überzeugt von der Weltanschauung, daß letzten Endes in der Welt nur das gute Blut, auf die Dauer gesehen, die beste Leistung hervorbringt, Von dieser Ueberzeugung getragen, bin ich an diese Aufgabe herangegangen. Darnach mußte es richtig sein, daß wirklich nur das gute Blut nach unserer Kenntnis der Geschichte als das führende, schöpferische und jeden Staat, vor allem jede soldatische Betätigimg tragende Blut anzusehen ist, und zwar das nordische Blut. Ich sagte mir: Wenn es mir glückt, in einer Organisation möglichst viele Menschen, die zu einem namhaften Teil Träger dieses erwünschten Blutes sind, aus dem deutschen Volke zu erfassen und unter soldatischen Gehorsam zu bringen, sie allmählich mit dieser Erkenntnis vom Wert des Blutes und von der ganzen Weltanschauung, die daraus entspringt, zu erfüllen, dann müßte es möglich sein, tatsächlich eine Ausleseorganisation zu schaffen, die jeder Belastimg standhält. Diese Auslese des guten Blutes ist theo- re tisch schon sehr oft anerkannt worden. Es hat sehr viele Bücher darüber gegeben, angefangen von Chamberlain bis zu Günther in der Zeit 1926/27 und viele andere, die ich hier nicht anführen kann. Es 118111 nun l�ie schwierige Frage: Wie lesen wir die Leute aus?— Es gibt zweierlei Ausleseprozesse; Einmal den schärfsten Ausleseprozeß, den jeweils der Krieg, der Kampf auf Leben und Tod, bringt. In diesem Ausleseprozeß zeigt sich das gute Blut durch Leistung. Im Jahre 1929 stand noch immer eine große Anzahl früherer Soldaten zur Verfügung, bei denen man nach ihrem Verhalten im Kriege Schlüsse ziehen konnte auf ihren inneren Wert. Kriege sind aber Ausnahmezustände, und man mußte einen Weg finden, um auch in Friedenszeiten auslesen zu können, wenn die Probe der Tapferkeit nicht abgelegt werden kann. Hier konnte ich nur das Erscheinungsbild heranziehen, wie der Mensch aussieht. Das Zentimetermaß als höchster Wertmafistab Ich bin zunächst daran gegangen, bestimmte Größe zu verlangen. Ich keine Leute unter 1.70 Meter genommen— und da bitte ich Sie, daß Sie meine Worte ganz genau verstehen— weil ich weiß, daß Menschen, deren Größe übe einer bestimmten Zentimeter zahl liegt, das erwünschte Bin eine habe irgendwie haben müssen. Man darf bei all diesen Dingen natürlich nicht ausschließlich sein, ebenso wie in keiner Weise gesagt ist, daß Menschen, deren Größe unter diesem Wert liegt, es nicht haben können. Das ist selbstverständlich. Eis besteht nur die größere Wahrscheinlichkeit, in dieses Reservoir zu greifen, wenn ich diese bestimmte Größe nehme. Nun kommt das weitere. Eis genügt nicht, wenn ich irgendjeden nehme, der groß ist, sondern wir gingen auch damals schon daran, uns Lichtbilder kommen zu lassen. Das waren im Jahre 100 oder 150 bis 200 Leute, die wir aufnehmen konnten. Von allen habe ich persönlich das Lichtbild gesehen und überlegte mir: Sind hier im Gesicht des Mannes ganz deutliche Einschläge von fremdem Blut, also überstarke Backenknochen, wozu man landläufig sagt; der sieht mongolisch oder slawisch aus? Slawisch ist übrigens ein falscher Ausdruck. Das ist lediglich der volkstümliche Ausdruck. Warum habe ich das getan? Da darf ich Ihre Aufmerksamkeit auf eine Erfahrungstatsache lenken. Erinnern Sie sich bitte an die Soldatenratstypen des Jahres 1918 und 1919. Jeder von Ihnen, der damals Offizier war, kennt eine ganze Anzahl dieser Leute aus persönlicher Erfahrung. Sie werden feststellen können, daß das im großen und ganzen Leute waren, die für unser deutsches Auge irgendwie komisch aussahen, die irgendeinen komischen Zug hatten, bei denen irgendein fremdes Blut eingeschlagen war. Eis war der Typ Menschen, die man wohl bändigen kann und die sich in ruhigen Zeiten einordnen, die im Kriege sogar tapfer, kühn und verwegen sind, die aber in dem Moment, wo die letzte Druckprobe auf Charakter und Nerven kommt, irgendwie aus ihrem Blut heraus versagen müssen. Da ich diese Dinge nun wußte, sagte ich mir: Ich nehme von vornherein keine Leute auf, bei denen ich eben auf Grund der Blutzusammensetzung ganz sicher erwarten kann: wenn eine politische Druckprobe kommt, springen sie aus, sind unzufrieden und untreu, gehen zum Gegner über, meckern, haben Soldatenratsmanieren an sich und ähnliches. SS- bessere Leute mit Geld Nun war damit, daß ich damals die äußere Siebung begann, noch keine endgültige Auslese erreicht. Eis kam ja immer auf die Leistung an, wie der Mann sich in den folgenden Monaten und Jahren bewährte. Hier stand ich auf dem Standpunkt, daß wir immer Schwereres und mehr verlangen mußten als alle anderen Organisationen. Wertvolle Leute zieht man sich ja nicht durch leichten Dienst und durch Annehmlichkeiten heran, sondern nur durch Schwierigkeiten und größere Belastungen. Wir fingen also damit an, von unseren Männern trotz der da- mals so armen Zeit grundsätzlich höhere Beiträge hereinzunehmen. Zu einer Zeit, in der gar keine Uniformierung in den Parteigliederungen bestand, verlangten wir von den Leuten, daß sie sich selbst schwarze Hosen und Schaftstiefeln kauften,— eine Riesenausgabe für einen Erwerbslosen, wenn er die 40 Mark selbst bezahlen mußte. Wenn er das nicht tat oder sagte: ich kann das nicht, dann erklärten wir ihm: bitte, geh wieder, dann hast Du irgendwie die Sache nicht erfaßt, dann hast du irgendwie nicht die letzte Opferwilligkeit und diesen letzten Antrieb von innen heraus, dann können wir dich nicht gebrauchen. So kamen wir allmählich zu einem von uns beabsichtigten und erwünschten Blut. Man mag zu dieser hier kurz angedeuteten Theorie der Menschenauslese stehen wie man will, heute, nach acht Jahren, glaube ich sagen zu können, daß die Praxis uns recht gegeben hat, und daß es wirklich möglich war, eine gewisse Auslese von Menschen in der Schutzstaffel schon während der Kampfzeit organisatorisch zu erfassen. Die Stärke der SS Ich übergehe die nächsten Zeitabschnitte und komme auf das Jahr 1933. Dieses Jahr war für die Schutzstaffel die schwierigste Zeit; denn es war die Zeit des Aufblühens aller Organisationen, die Zeit, in welcher der große Ansturm und die große Flutwelle all derer kam, die sich zur Partei und zu den Verbänden meldeten. Es war damals eine sehr schwierige Frage. Man konnte sie so entscheiden, daß man sagte: wir schließen die Partei und die Organisationen; dann bleiben wir in der Qualität sehr gut, aber es kann niemand mehr herein, wir bleiben in der Basis klein und schmal. Oder man konnte sagen: wir machen die Organisationen auf, um die Basis zu vergrößern. Dann ergab sich natürlich die Gefahr, wie es sich dann auch zeigte, daß eine Unmenge Menschen hereinkamen, die nicht unbedingt lauteren Herzens und unbedingt Idealisten waren, so daß bis zu einem gewissen Grade die Gefahr der Zahl, die Gefahr der Masse drohte. Diese Gefahr drohte auch der Schutzstaffel. Deshalb habe ich sie im April 1933 geschlossen, während die Verbände draußen zum Teil immer noch von dieser Welle der Zahl erfaßt waren, möglichst viel Leute aufzunehmen. So hatte ich im April die Schutzstaffel wieder so weit am Zügel, daß ich sagte: es wird niemand mehr aufgenommen, und wir haben dann von Ende 1933 bis Ende 1935 von den Neuaufgenommenen wieder alles das herausgesetzt, was nichts taugte. In diesen Jahren habe ich etwa 60.000 Männer herausgesetzt; die heutige Stärke der Schutzstaffel beträgt rund 210.000 Mann. Das hat der Schutzstaffel und hat jeder Einheit der Schutzstaffel nur gut getan. Dadurch ist die Qualität selbstverständlich nicht schlechter, sondern besser geworden, während sie durch die Quantität gelitten hätte. Marsdiieren Ist alles Heute— damit darf ich die Frage der Auslese abschließen— nehmen wir den jungen Mann mit 18 Jahren auf. Wir kennen ihn schon von der Hitler- Jugend her, sehen ihn uns schon ein paar Jahre vorher an, so daß wir wirklich nur den besten Mann bekommen. Mit 18 Jahren kommt er als Bewerber zu uns. Er wird unerhört geprüft und überprüft. Von 100 Mann können wir im Durchschnitt allenfalls 10 oder 15 brauchen, mehr nicht. Wir verlangen das politische Leumundszeugnis seiner Eltern und Geschwister. Wir verlangen heute von ihm die Ahnentafel bis 1750, wir verlangen selbstverständlich die gesundheitliche Untersuchung und sein Zeugnis von der Hitler-Jugend. Wir verlangen ferner ein erbgesundheitliches Zeugnis, daß bei seinen Elltem und in seiner Familie keine vererbbaren Krankheiten vorhanden sind. Wir verlangen dann als Letztes und vielleicht Wichtigstes das Bestehen vor der, wie es heißt Rasse- kommiasion. Diese Prüfungskommissionen setzten sich zusammen aus Ftihrern der SS, aus Rassekundlern und Aerzten. Uns kommt es, wie ich Ihnen vorher sagte, nicht nur auf die Länge und die Augenfarbe an, sondern wir lehnen auch viele Leute ab, die vielleicht 1.80 oder 1.85 m lang sind, wenn sie körperlich falsch gewachsen sind. Meines Erachtens— die Erfahrung habe ich in der Verfügungstruppe gemacht— ist die Ansicht, daß die erste Kompagnie im allgemeinen schlechtere Marschierer habe als die mittleren Kompagnien oder die Kompagnien mit kleineren Körpermaßen, darauf zurückzuführen, daß man in den ersten Kompagnien zu viele Leute hat, die zwar groß sind, die aber irgendwie falsch gewachsen sind, wo man also ein Längenwachstum hat, das der Arzt ja sehr genau kennt, aber keine Ebenmäßigkeit des Baues, wo also zum Beispiel die Unterschenkel in einem völlig falschen Verhältnis zu den Oberschenkeln stehen, wo die Unter- und Oberschenkel in einem völlig falschen Verhältnis zum Oberkörper stehen, so daß der Körper bei jedem Schritt eine unerhörte Hubleistung aufwenden muß, einen unerhörten Kräfteaufwand treiben muß, um diese Marschleistung zu vollbringen. Ist der Körper richtig gewachsen und sind alle Organe richtig und gut ausgebildet, dann ist niemals einzusehen, warum ein Mensch mit längeren Beinen nicht sogar besser marschieren soll als einer mit kürzeren. Eis kommt nun also darauf an, wie sich der junge Mann vor dieser Kommission benimmt, daß er also nicht bloß stramm die Hände an die Hosennaht legt, sondern daß er bei aller Diszipliniertheit doch nicht wie ein Knecht auftritt, daß er, wenn man sich mit ihm unterhält, wenn er gefagt wird, tatsächlich frei und ordentlich antworten kann, daß sein Gang, seine Hände, daß all das wirklich dem entspricht, was wir nach unserer nunmehr achtjährigen Erfahrung als Ideal wollen. Danach wird geprüft, ob wir den Mann aufnehmen oder nicht. Die Organisation der SS Die Gliederungen Ich darf nun zur Organisation der SS kommen. Bei der SS sind folgende GUederun- gen zu unterscheiden: Erstens die allgemeine SS, die eine Stärke von rund 19 0.0 00 Mann haben wird. Diese allgemeine SS steht voll und ganz im Zivilberuf bis auf das höhere FHihrerkorps, das seinen Dienst hauptamtlich tut, und zwar vom Sturmbannführer an aufwärts. Ich bin sehr stolz darauf, daß die allgemeine SS heute nur noch 0.4 Prozent Erwerbslose hat. Diese 0.4 Prozent kommen aus Oberschlesien, wo wirklich sehr schwer Arbeit zu finden ist. Wir haben also fast alle Leute im Beruf, und ich bin der Ansicht, daß das so sein muß. Denn wenn der Mann wirklich gut ist, dann nützt er mir nicht, wenn er bloß im Sport gut ist, sondern er muß auch menschlich gut und anständig sein und muß auf seinem Gebiet, in seinem Beruf etwas leisten. Einen Mann, der ohne wirklich•triftigen Grund seinen Arbeitsplatz zum dritten Male wechselt, werfen wir hinaus, dann haben wir kein Interesse an ihm. Leute, die herumstehen, können wir nicht gebrauchen. Die allgemeine SS steht also voll und ganz im Beruf und macht abends oder sonntags ihren Dienst genau wie in der Kampfzeit. Neben der allgemeinen SS gibt es die Verfügungstruppe; außerdem gibt es die Totenkopfverbände, den Sicherheitsdienst und das Rasse- und Siedlungs weaen. Ich gehe auf die einzelnen Gliederungen etwas näher ein. Die allgemeine SS Die allgemeine SS ist in 13 Oberabschnitte gegliedert, die im großen und ganzen den heute vorhandenen Korpsbezirken und einem in Aussicht stehenden Korps bezirk in ihren Grenzen genau angepaßt sind. Unter diesen Oberabschnitten, die jeweils von einem Oberabs chnlttaführer geführt werden, der Gruppenführer oder Obergruppenführer ist, gibt e« die Abschnitte, die von einem Oberführer oder Brigadeführer geführt werden. Unter diesen Abschnitten gibt es die Standarten. Eine Standarte zählt, wenn sie voll ist, 1600 Mann. Unter den Standarten haben wir die Sturmbanne und Stürme. Unter den Stürmen die Züge. Die SS-Männer selbst wohnen zu einem erheblichen Teil sehr verstreut. Natürlich wäre es bequemer, in irgendeiner Stadt gleich einen Sturmbann aufzustellen und die Leute immer beisammen zu haben. Das wäre für die Uebungen, die ja immer nur in den Abendstunden stattfinden, zum Unterricht, zum Sport bequemer und erforderte viel weniger Mühe. Damit würde sich aber zwangsläufig die Qualität senken, weil ich ja in einer Stadt von etwa 20.000 bis 25.000 Einwohnern nicht genügend Menschen von der Qualität finde, wie ich sie brauche. Wir sind daher mit der Organisation sehr in die Weite gegangen und haben sehr viele Züge auf dem Lande. Diese Züge verteilen sich zum Teil wieder auf Dörfer, wobei eben in einem Dorf nur die zwei wirklich besten Jungens in der SS sind. Wir kommen dann Sonnabend-Sonntag, wo der Bauer mehr Zeit hat, einmal für den ganzen Nachmittag zusammen, während wir im Sommer nur einmal im Monat Appell haben. Das ist che organisatorische Gliederung der allgemeinen SS. Das ZudilTieh Altersmäßig Ist die SS folgendermaßen i gegliedert: Der Junge kommt mit 18 Jahren) in die Schutzstaffel. Er ist zunächst Bewerber, wird dann nach einem Vierteljahr auf den Führer vereidigt und ist damit Anwärter. Ahr Anwärter macht er im ersten Jahr sein SA-Sportabzeichen und sein bronzenes Sportabzeichen, bezw. legt die Prüfungen dafür ab. Dann geht er entweder mit 19 oder 19 Vi Jahren, je nachdem wie die Altersklasse eingezogen wird, zum Arbeitsdienst und kommt anschließend zur Wehrmacht. Nach weiteren zwei Jahren kommt er aus der Wehrmacht zurück, es sei denn, daß er dort als Unteroffizieranwärter oder Kapitulant bleibt. Wenn er zu uns zurückkommt, bleibt er immer noch Anwärter. In diesen Wochen wird er weltanschaulich besonders stark geschult. Das erste Jahr bringt für ihn den weltanschaulichen Elementarunterricht. In diesen Wochen nach der Rückkunft aus der Wehrmacht wird er besonders über den Helratsbefebl und über die ganzen Gesetze, die wir für die Familie haben, und die Ehrengesetze unterrichtet. Er wird dann am 9. November, der auf seine Rückkehr von der Wehrmacht folgt, SS-Mann in dem Sinne, wie jeder von ulls SS-Mann ist. Der Reichsführer der SS ist genau so SS-Mann im Sinne des Ordens der SS wie der einfache Mann an der Front. An diesem 9. November bekommt er den Dolch von uns geschenkt, und er verspricht bei dieser Gelegenheit, daß er sich an den Heiratsbefehl und die Zuchtgesetze der SS hält, weil auch die Familie diesen Gesetzen untersteht. Er erhält von diesem Tage ab das Recht und die Pflicht, seine Ehre mit der Waffe nach den Ehrengesetzen der SS zu verteidigen. Die Anwärter und Bewerber haben dieses Recht noch nicht. Der SS-Mann bleibt dann in der sogenannten aktiven allgemeinen SS bis zum 35. Lebensjahr. Vom 35. bis 45. Lebensjahr ist er in der SS- Reserve und vom 45. und darüber in der Stammabteilung der SS, die durch den grauen Spiegel kenntlich ist. Narsdiieren, in arsdi leren! In der Zeit vom 21. bis 35. Lebensjahr wird der Mann dienstlich sehr stark in Anspruch genommen. Besonders bis zum 25. Lebensjahr. In diesen ersten vier Jahren heißt es marschieren, Kampfspiele, also Sport jeder Art, der bei uns in Wettkämpfen jedes Jahr zwischen Ostern und Sommersonnenwende ausgetragen wird, so daß wir die Besten jedes Sturmes In diesen Kampfsplelen, die zur Sommersonnenwende, also am 21. Juni, abge- achlossen sind, und die Besten jedes Sturmbannes durch Leistungsprüfung auslesen. Von jedem SS-Mann bis zum 50. Lebensjahre wird jedes Jahr die Ablegung irgendeiner Lel- stungsprüfung verlangt. Warum mache Ich das? Die Männer stehen sehr viel im Beruf. In jeder SS sind vielleicht die Hälfte bis drei Fünftel Städter. Der Arbeiter in der Stadt hat sehr oft eine stehende oder der geistige Arbeiter eine sitzende Beschäftigung. Es kommt das Elend der Großstadt hinzu, das meines Erachtens auch eine militärisch schwierige Frage ist. AU die Menschen des 20. Jahrhundert« gehen ja nicht mehr, aon dern fahren mit der Untergrundbahn oder irgend einer Bahn oder dem Auto. Marschieren ist kein Mensch mehr gewöhnt in den ganzen Jahren seines zivilen bürgerlichen Lebens. Oder nehmen Sie die Leute in den führenden Stellungen, nehmen Sie das ganze Führerkorps des Staates, der Ministerien. Diese Menschen sind zwangsläufig zum Sitzen verurteilt. Jeder hat so wenig Zeit, daß er mit dem Auto fahren muß, well es bei diesem rasenden Tempo nicht anders geht. Das hat zur Folge, daß die Leute blaß werden und Fett ansetzen, vielleicbt phlegmatisch werden, was für den Staat nie gut ist. Wenn wir jung bleiben wollen, müssen wir Sport treiben. Das bleibt aber alles auf dem Papier, wenn ich nicht jedes Jahr das überprüfe oder einen gewissen Ehrgeiz unter den Männern wachrufe, damit sie wirklich Sport treiben und jedes Jahr die Leistungsprüfung ablegen. Diese Leistungsprüfungen, die also einmal Im SA-Sportabzeichen, dann Im Reichssportabzeichen und dann, wenn die beiden abgelegt sind, bis der Betreffende das silberne oder: goldene..Sportabzeichen bekommt, in den jährlichen Leistungsabzeichen der SA bestehen, werden von jedem verlangt. Wir sind jetzt damit erst am Anfang. Dieses Jahr habe ich in der Rangliste der SS überall hinzugeschrieben, wer diese Sportabzeichen hat und wer nicht. Nächstes Jahr werde ich soweit sein, daß ich lediglich noch die einzutragen brauche, die es nicht haben. Das sind nur ein paar Hundert. Ich nehme die Leute schon heran, daß sie es alle haben. Neben dieser sportlichen Betätigung kommt vom 31. bis 35. Jahr die ganze Ausbildung Im Straßendienst und Absperrungsdienst bei all den Gelegenheiten, die man für die Sicherheit Im Inneren braucht. Geist— Fehlanzeige Hand In Hand mit der körperlichen Betätigung geht die geistige und weltanschauliche Betätigung. Jede Woche hat ihren Schulungsabend mit geschichtlichen Themen, wobei einige Selten aus Hitlers»M ein Kampf« und einige andere Themen behandelt werden. Je älter die Leute werden, desto gefestigter müssen sie in der Weltanschauung sein und desto mehr werden sie davon erfahren. Hitlers Leibgarde Ich gehe nun zur Verfügungstruppe über. Die Verfügungstruppe ist in folgend® Einheiten gegliedert: SS-Standarte Adolf Hitler mit 3 Bataillonen, die motorisiert und zugleich Fußregiment ist und soundsoviele zusätzliche Kompagnien hat, SS-Standarte Deutschland mit 4 i Bataillonen mit der üblichen Kraftradschützenkompagnie und Infanteriegeschütz- kompagnie, dann die SS-Standarte Germania mit 3 Bataillonen, ebenfalls mit | Kraft radschützenkompagnle und Infanteriegeschützkompagnie, dann der SS-Stur m- jbann Nürnberg, 1 Infanteriebataillon, dann der SS-Ploniersturmbann, heute in Leisnig, später in Dresden, und der SS-Nachrlchteneturmbann, heute in Berlin, später in Unna, wenn die Kaserne fertig ist. Die Standarte Adolf Hitler ist in Berlin. Die Standarte Deutschland steht mit 3 Bataillonen in Münch e*n und mit 1 Bataillon in Ellwangen, die Standarte Germania jetzt mit 1 Bataillon und 2 Kompagnien in Hamburg, mit 1 Bataillon in Arolsen, mit 1 Bataillon bisher in S o 1- tau. Die endgültige Garnison steht noch nicht fest. Der Dienst dauert vier Jahre. Es gibt keine andere als die vierjährige Verpflichtung. Der Bedarf wird jährlich wegen der ausscheidenden Leute rund 2200 Mann sein, also keine große Zahl. Konzentrationslager und Henkersknechte Er braucht mehr! Ich komme zu den Totenkopfver- bänden, Ueber die Verwendung und die Aufgaben der Verfügnngstrnppe werde Ich nachher im Zusammenhang mit der Polizei sprechen. Die Totenkopfverbände sind entstanden aus den Bewachungsmannschaften der Konzentrationslager. Zu diesen Konzentrationslagern darf ich ein paar Zahlen anführen. Wir haben heute in Deutschland noch folgende Konzentrationslager— Ich darf gleich sagen, Ich glaube nicht, daß sie weniger werden, sondern ich bin der Ansicht, daß sie für bestimmte Fälle mehr werden müssen—: L Dachau bei München, 2. Sachsenhausen in der Nähe von Berlin. Das ist das frühere Lager Este.rwege im Emsland. Dieses Lager Im Emsland habe ich aufgelöst auf die Vorstellungen des Reichsarbeitsführers Hierl hin, der mir ebenso wie die Justiz erklärte, es sei falsch, wenn man dem einen sage, der Dienst Im Moor, der Dienst, ein Land urbar zu machen, sei ein Ehrendienst, während man den anderen als Häftling dorthin setze und ihm sage: Dir Burschen werde Ich schon Mores beibringen, dich schicke Ich Ins Moor. Das Ist in der Tat unlogisch, und ich habe nach einem halben oder dreiviertel Jahr das Lager In Esterwege aufgelöst und habe es in die Nähe von Oranienburg nach Saohscnhausen ver- legt. Dann besteht ein Lager In Llchten- bnrg bei Torgan, ein Lager in Sachsenburg bei Chemnitz und außerdem noch ein paar kleinere Lager. Der Stand der Schutz- häftlinge Ist rund 8000. Warum wir soviel haben müssen, warum wir noch mehr haben müssen, darf ich Ihnen erklären. Das kommunistische Schreckgespenst Wir hatten früher eine ausgezeichnet organisierte KPD. Diese KPD ist im Jahre 1933 zerschlagen worden. Ein Teil der Funktionäre ging ins Ausland. Einen anderen Teil haben wir damals in den sehr hohen Schutzhaftzahlen des Jahres 19 3 3 erfaßt gehabt. Ich habe mich aus genauester Kenntnis des Bolschewismus heraus immer dagegen gewehrt, die Leute aus den Lagern zu entlassen. Wir müssen uns doch darüber klar sein, daß die breiten Massen der Arbeiterschaft absolut zugänglich sind für den Nationalsozialismus und den heutigen Staat, solange sie nicht von diesen genau instruierten, genau vorbereiteten und geldlich reichlich unterstützten Funktionären wieder auf andere Gedanken gebracht werden. Es ist klar: Jeder, der wirklich jahrelang Kommunist war, ist für den Kommunismus anfällig, auch wenn er es aus besten Motiven war. So lange besteht keine Gefahr, als er nicht in seinem Häuserblock, in seiner Vorstadt einen Funktionär hat, der ihn nun regelmäßig mit zersetzendem Material versorgt. Auf das Drängen der Ministerien hin haben wir im Jahre 1933 eine große Zahl von Schutzhäftlingen in Preußen und anderen deutschen Ländern entlassen. Lediglich ich in Bayern habe damals nicht nachgegeben und habe meine Schutzhäftlinge nicht entlassen. Bayern hatte auch in den folgenden Jahren eine viel geringere Zahl von KPD- Vorkommen als alle anderen Länder. Das ist selbstverständlich. Wenn ich das Führerkorps hinauslasse, wird es immer aktiv sein. Die Folge der Entlassungen war, daß diese entlassenen Funktionäre nun nicht etwa, wie wir uns das vorstellten, Kavaliere waren und sagten: Das ist aber anständig von diesem nationalsozialistischen Staat, wie leicht hätte man uns erschießen können, wir hätten das in Rußland auf jeden Fall so gemacht, wenn es andersherum gegangen wäre; das ist anständig, daß sie uns nicht erschio- ßen, also werden wir uns jetzt einordnen und dankbar sein. Kein Gedanke, diese Funktionäre gingen zum großen Teil nach Rußland, wurden auf der Leninschule in Moskau umgeschult auf neue Taktik, auf illegale Taktik im Am= Apparat, im technischen Apparat, in der Gewo rkschaf tsoppo- sition, in Volksfrontbildungen. Als ich im Jahre 1934 die Geheime Staatspolizei übernahm, bin ich von der Taktik meines Vorgängers, des Ministerialrats Diels, abgegangen: Ich habe nicht mehr viel über illegale KPD in den Zeitungen geschrieben, weil ich der Ansicht bin, daß die Tätigkeit einer Polizei still vor sich gehen muß, so schwer es für die einzelnen Männer ist. die nie eine Anerkennung bekommen, weil man Ihre Arbeit ja nicht sieht. Ich halte es für richtiger, so etwas ganz ruhig abzumachen, das ist viel besser, als es in den Zeitungen breitzutreteriv Wir haben im Jahre 1936 zweimal die R ei ch s 1 e i t u n g der illegalen KPD ausgehoben. Sie haben in der Zeitung nichts darüber gelesen. Die Tätigkeit ist aber lebhaft, absolut lebhaft, das läßt sich gar nicht leugnen, denn auf der anderen Seite, bei der Komintern der Russen, steht eine ungeheure Menge Geld zur Verfügung, die dafür verwendet wird. Die GPU, von der ja diese Propa� ganda ausgeht, bat einen Etat von 1.3 Milliarden Goldmark, also keinen schlechten Etat! Diese Leute und diese Massen werden immer wieder auf Europa losgelassen. Die Hauptherde, von denen das ausgeht, liegen im Auslande. Wir sind umgeben von Staaten, die die kommunistische Betätigung zulassen, nicht zugreifen und sie durch diese Haltung zwangsweise fördern. Nun liegen wir im Herzen Europas. Das ist einesteils ein PosIUvum unserer Lage, weltgeschichtlich von ungeheurer Beden- tnng, weil wir so wirklich das Herr der Menschheit sind; auf der anderen Seite aber ist diese zentrale Lage in mancher Beziehung auch eine große Schwäche. Ich bin nun mit dem Einverständnis des Führers allmählich dazu übergegangen, einen größeren Teil der Funktionäre wieder festzunehmen, soweit wir sie erreichen können, und damit Ruhe zu schaffen. Wir werden die Zahl gerade im Hinblick auf jede außenpolitische Gefahr so weit steigern, daß wir wirklich garantieren können, daß das Aufmachen einer neuen illegalen Organisation schon aus Mangel an Funktionären und FUhrem nicht möglich ist. Besdiimpfung der politisdien Gefangenen Darüber hinaus wäre es für jeden einzelnen— einigen wenigen Herren der Wehrmacht habe ich es schon ermöglichen können— unerhört instruktiv, so ein Konzentrationslager einmal anzusehen. Wenn Sie das gesehen haben, sind Sie davon überzeugt: Von denen sitzt keiner zu Unrecht; es ist der Abhub von Verbrechertum, von Mißratenen. Es gibt keine lebendigere Demonstration für die Erb- und Rassegesetze, also für die Dinge, die Dr. Gütt Ihnen vorgetragen hat, als so ein Konzentrationslager. Da sind Leute mit Wasserköpfen, Schielende, Verwachsene, Halbjuden, eine Unmenge rassisch minderwertigen Zeugs. Das ist da alles beisammen. Wir unterscheiden bei den Insassen selbstverständlich zwischen denen, die wir ein paar Monate hineintun, tatsächlich zur Erziehung, und denen, die wir lange drin lassen müssen. Die Erziehung geschieht Im ganzen nur durch Ordnung, niemals durch irgendeinen weltanschauliche» Unterricht, denn die Häftlinge sind in den meisten Fällen Sklavenseelen; nur wenige Leute mit wirklichem Charakter sind darunter. Diese Sklavenseelen wlirden alles vortäuschen, was man von ihnen verlangt, alles nachplappern. was im»Völkischen Beobachter« steht, und in Wirklichkeit bleiben sie dieselben. Die Erziehung erfolgt also durch Ordnung. Diese Ordnung beginnt damit, daß die Leute in sauberen Baracken leben. So etwas bringen an und für sich nur wir Deutsche fertig, kaum ein anderes Volk wäre so human. Die Wäsche wird öfters gewechselt. Die Leute werden daran gewöhnt, daß sie sich zweimal täglich zu waschen haben, werden mit dem Gebrauch einer Zahnbürste vertraut gemacht, die die meisten noch gar nicht kannten. Ich wiederhole: So etwas an Typen werden Sie gar nicht für möglich halten. Unendlich viele Vorbestrafte sind darunter, gerade bei den politischen Verbrechern. Himmler greift in die Sfraflustiz ein In einem Lager haben wir die sogenannten Berufsverbrecher, 500 der schwerst vorbestraften Leute aus Preußen und den anderen Ländern. Unter denen ist kein Mann, der nicht mindestens 8 bis 10 Jahre Zuchthaus hat. Es sind Leute darunter, die 31 Vorstrafen haben. Ich gehe die Lager selber immer einmal im Jahre durch und komme plötzlich unangesagt, um mir den Betrieb anzusehen. Da sah ich kürzlich, im vorigen Jahr, einen Mann von 72 Jahren, der hatte gerade das 63. Sittlichkeitsverbrechen begangen. Es wäre eine Beleidigung für das Tier, wenn man solche Menschen Tiere heißen wollte, jlenn ein Tier führt sich nicht so auf. Ich gehe jetzt, weU mir die Kriminalität in Deutschland immer noch zu hoch ist, dazu über, Berufsverbrecher in viel größerem Umfange als bisher schon nach einigen Strafen, nach drei oder vier Malen, einzusperren und nicht mehr loszulassen. Das kann man anders gar nicht verantworten, besonders wir mit unserer Humanitätsduselei und bei diesen unzulänglichen Gesetzen, diese Leute auf die Menschheit wieder loszulassen, i n s be s o i»- d e r e also Totschläger. Leute, die Raubüberf älle, A u t od i e b s t äh 1 e usw. begehen, deren Verfolgung uns dann ein Heldengeld kostet. Was glauben Sie etwa, was uns die Verfolgung eines Autodiebes kostet? Wenn Sie heute einen Verbrecher überwachen wollen, dann brauchen Sie fünf Leute, die dafür bezahlt werden müssen, und zwei Autos, und dabei ist noch keine Garantie gegeben, daß diese Ueberwachung wirklich glückt. Das Ist ein Ding der Unmöglichkeit. Der Staat kann es sich nicht leisten, Zehntausende von Leuten zu überwachen, wie ja manchmal aus Humanitätsduselei gefordert wird, und Millionen hierfür zu verwenden. Geständnisse über Konzentrationslager Diese Leute sind nun also im Konzentrationslager. Die Haupterziehung erfolgt durch Ordnung, peinliche Ordnung und Sauberkeit, peinliche Disziplin. Es ist ganz klar, daß der Mann, wenn ein Vorgesetzter erscheint,' seine Mütze herunternimmt und stillsteht. Selbstverständlich besteht auch das Verbot, mit»Heil Hitler« zu grüßen. Wenn die Leute marschieren, so ist es klar, daß sie beim ersten Schritt mit Singen anzufangen haben. Es ist auch selbstverständlich, daß keine nationalen Lieder gesungen werden, sondern nur Volks- und Wanderlieder. All diese Dinge müssen in absolut straffer, soldatischer Disziplin■ und Ordnung vor sich gehen. Bewacht werden die Konzentrationslager von diesen Totenkopfverbänden. Es ist unmöglich, wie es einmal vorgeschlagen wurde, für diese Bewachimg verheiratete Leute zu nehmen, denn das kann kein Staat bezahlen. Es ist weiter notwendig, die Zahl dieser Wachtruppen für die Konzentrationslager— es sind 3500 Mann in Deutschland— verhältnismäßig hoch zu nehmen, weil kein Dienst so verheerend und anstrengend für eine Truppe ist, wie gerade die Bewachung von Gaunern und Verbrechern. Die bessere Klasse der Häftlinge arbeitet in Werkstätten. Wenn einer entlassen werden soH, dann tun wir das erst, wenn wir ihm zugleich Arbeit verschafft haben. Da muß man eben auch wieder großzügig sein. Bs ist sinnlos, den Mann zu entlassen, ihn ins Elend hinauszustoßen und hungern zu lassen. Für die Familien der Häftlinge sorgen die NS- Volkswohlfahrt und sonstige Wohlfahrtsstellen, damit die Angehörigen nicht zu hungern brauchen. Wieder Dinge, die nur in Deutschland möglich sind, andere Völker würden so etwas nicht machen. Die Lager sind umzäunt mit Stacheldraht, mit elektrischem Draht. Es ist selbstverständlich; Wenn einer eine verbotene Zone oder einen verbotenen Weg betritt, wird geschossen. Wenn einer auf dem Arbeitsplatz, sagen wir im Moor oder sonstwo, auch nur den Ansatz macht, zu fliehen, wird geschossen. Wenn einer frech und widersetzlich ist, und das kommt hier und da vor, wird wenigstens versucht, kommt er entweder in Einzelhaft, in Dunkelarrest bei Wasser und Brot, oder— ich bitte hier nicht zu erschrecken, ich habe die alte Zuchthausordnung Preußens vom Jahre 1914— 1918 genommen— er kann in schlimmen Fällen 25 Hiebe bekommen. Grausamkeiten, sadistische Sachen, wie es die Auslandspresse vielfach behauptet, sind dabei völlig unmöglich. Erstens kann die Strafe nur der Inspekteur sämtlicher Lager verhängen, also nicht einmal der Lagerkommandant, zweitens wird die Strafe vor einer Bewa- chungskompagnie vollzogen, so daß immer ein Zug. 20 bis 24 Leute, dabei sind, schließlich ist bei der Bestrafung ein Arzt dabei und ein Protokollführer. Also mehr kann man an Genauigkeit nicht tun. Masse iiTerhaf�ungen bei Kriegsbeginn Auch hier möchte ich sagen; Diese Dinge sind notwendig, denn sonst wurde man diese Verbrecher niemals Im Zaum halten können. Für den Fall eines Krieges müssen wir uns klar darüber sein, daß wir einerecht erhebliche Anzahl nnsicherer Kantonisten hier hereinnehmen müssen, wenn wir uns nicht den Nährboden für höchst unangenehme Entwickinngen im Falle eines Krieges schaffen wollen. Die Bürgerkriegstruppe für den Kriegsfall Die Leute, die die Häftlinge bewachen, waren zuerst Angehörige der allgemeinen SS. Wir haben sie allmählich zusammengefaßt zu den sogenannten Totenkopfverbänden. Sie sind nicht in Kompagnien, sondern in Hundertschaften zusammengefaßt, haben selbstverständlich auch Maschinengewehre. Wir haben in jedem Lager zwei oder drei Türme, die Tag und Nacht mit scharfgeladenen Maschinengewehren besetzt sind, damit jeder größere Aufstandsversuch — damit muß man bei den Leuten immer einmal rechnen— sofort unterdrückt werden kann. Das ganze Lager kann von oben her von jeweils drei Türmen bestrichen werden. Diese Totenkopfverbände haben ebenfalls eine vierjährige Dienstzelt. Es sind heute meist Leute, die ihre Dienstzeit in der Wehrmacht hinter sich haben und sich dann für vier Jahre bei uns verpflichten. Die Totenkopfverbände haben außerdem die Aufgabe, im Falle eines Krieges die Stammhundertschaften für rundSO Totenkopfsonder- sturmbanne der SS zu sein, für 2 5.0 0 0 Mann, mit denen wir die Sicherheit im Innern garantieren werden. Daranf komme ich später noch zurück. Die Feme gegen den Geist Die IJeberwadiung über der Gestapo Ich komme nun zum Sicherheitsdienst; er ist der große weltanschaulicheNach- richtendienst der Partei und letzten Endes auch des Staates. Er war in der Kampfzeit zunächst der Nachrichtendienst der SS. Wir hatten damals aus ganz erklärlichen Gründen einen Nachrichtendienst bei den Standarten, Sturmbannen und Stürmen. Wir mußten nun wissen, was beim Gegner los ist, ob die Kommune gerade heute eine Versammlung aufrollen wollte oder nicht, ob unsere Leute überfallen werden sollten oder nicht und ähnliche Dinge. Ich habe diesen Dienst bereits im Jahre 1931 von der Truppe, von den Verbänden der allgemeinen §3, gelöst, weil ich das für falsch hielt. Einmal ist die Geheimhaltung gefährdet, zum anderen fängt der einzelne Mann oder fangen da die Stürme zu leicht das Politisieren in Tagesfragen an. Das war ja von Anfang an der Grundsatz in der SS: Tagesfragen interessieren uns nicht; jeder vom Führer eingesetzte Führer wird von uns gedeckt, jeder vom Führer abgesetzte Führer wird von uns, wenn es sein muß brachial, entfernt. denn es gilt eben nur der Befehl des Führers. Daneben interessieren uns nur weltanschauliche Fragen von einer Bedeutung für Jahrzehnte oder Jahrhunderte, so daß wirklich der Mann über den Alltag weggehoben ist und weiß, daß er einer großen, in 2000 Jahren nur einmal vorkommenden Aufgabe dient. Tagesfragen der Art, ob etwa die Ortsgruppe richtig besetzt ist. ob da in der Arbeitsfront alles richtig gemacht wird, interessieren den SS-Mann nicht, es mag sein, wie es wilh das interessiert nicht! Der Sicherheitsdienst wurde schon im Jahre 1931 von der Truppe getrennt und eigens organisiert. Er deckt sich heute mit seinen höheren Befehlsstellen mit den Oberabschnitten und Abschnitten, und hat dann AußensteUen, einen eigenen Referentenapparat mit sehr vielen Führerstellen In Stärke von rund 3000 oder 4000 Mann, wenigstens wenn er ausgebaut ist. Die Gebiete, die er bearbeitet, sind vor allem Kommunismus, Judentum, Freimaurerei, Ultramontanismus, die Tätigkeit politisierender Konfessionen und Reaktion. Auch hierbei aber interessiepen nicht die Einzelfragen der Exekutive. Sie werden das ja hei Ihrem Besuche vielleicht sehen; ich kann mich deshalb kurz fassen. Den Sicherheitsdienst interessieren nur che großen weltanschaulichen Fragen. Das Mittel gegen die Gedankenfreiheit Dafür ein Beispiel: Sagen wir, man versucht von ultramontaner Seite durch das wissenschaftliche Herausstellen der TheoriedesösterreichischenMen- sehen allmählich für das Gebiet Oesterreich eine Verschwedzerung durchzuführen. So wie es uns in unserer Geschichte vor 700 oder 800 Jahren mit der Schweiz gegangen ist, che zwar heute noch deutsch spricht, sich im Innersten aber nicht mehr zu Deutschland zugehörig fühlt, oder wie wir vor einigen Jahrhunderten den yerlust Hollands mit dem ganzen niederdeutschen Raum erleiden mußten, versucht man nun, mit Propaganda, mit wissenschaftlicher Untermauerung und wissenschaftlichen Arbeiten an den Universitäten dieses Problem des süddeutschen Menschen, des österreichischen Menschen, so lange herauszustellen, bis auch eine geistige Loslösung möglich ist. Es interessiert uns weiter: Welche deutschen Professoren unterstützen diese Theorie oder hängen mit irgend welchen Drahtziehern im Ausland oder sonstwo zusammen? Das sind Gebiete, die uns interessieren. Uns interessiert: Welche großen Pläne hat die Komintern für die nächsten Jahre, auf welches Land will sie jetzt ansetzen, welche Einflüsse des Bolschewismus sind in ausländischen Freimaurerkrei- s e n zu spüren, wie laufen da die Drähte, wohin gehen jetzt die großen Emissäre? Oder welche Pläne haben sie, welche großen Organisafcionspläne für Deutachland, von welcher Ecke packen sie an, wie hängt sich der Bolschewismus, sagen wir, z. B. in die Bekenntnisfront ein und unterstützt nun auf einmal als atheistische Richtimg diese gläubigen Pfarrer, wie ist das plötzlich möglich? Oder es interessiert uns: Welche Einflüsse wirtschaftlicher Art nehmen die Juden— nun auch wieder den Plan im großen gesehen— zur Abdrosselung, zur Sabotage und Devisenverschiebung? Das sind Dinge, die dort wissenschaftlich und— hier paßt das Wort wiritlich— generalstabsmäßig studiert werden, die sogar manchmal Jahre dauern, Arbeiten, bei denen wir in vielen oder den allermeisten Punkten erst am Anfang sind. Das braune Gestüt und die Kinderfabrikation Nach dem Sicherheitsdienst kommt die letzte Säule, das Rasse-undSiedlung»- wesen, dessen Aufgabe, weltanschauliche Schulung, positiver Art ist, im Gegensatz zum Sicherheitsdienst, der die negative Aufgabe hat, den Gegner zu erkunden. In diesem Rasse- und Siedlungshauptamt werden die Hei- ratsgesuche bearbeitet. Wir haben seit nunmehr vier oder fünf Jahren den Heiratsbefehl. Kein SS- Mann kann heiraten ohne Genehmigung des Reichsführers der SS. Dazu wird verlangt eine gesundheitliche Untersuchung der Braut, es sind Bürgen für die Frau in weltanschaulicher und menschlicher Beziehung zu bringen. Welter wird von beiden verlangt die Ahnentafel bis 1750, das erbgesundheitliche Zeugnis beider und verschiedene polizeiliche und sonstige Dinge. Das erfordert eine Riesenarbeit, besonders jetzt, wo ja in unverhältnismäßig großem Umfange geheiratet wird; denn wir sehen darauf, daß unsere Männer heiraten. Wir wollen, daß sie sich möglichst mit 26 Jahren verheiraten, s o daß es wirklich junge Ehen sind, die auch in der Lage sind, Kinder zubringen. Germanisdier Größenwahn Weiter bearbeitet das Rasse- und Siedlungsamt die Fragen der Ansiedlung von SS- Männern als Bauern, femer den ganzen weltanschaulichen Unterricht. Das Rasse- und Siedlungsamt ist praktisch auch das wissenschaftliche Amt zur Frage der Ausgrabungen, der Vorgeschichte, mit der wir uns sehr einge hend beschäftigen. Wir betätigen uns auch praktisch bei den Ausgrabungen, so zum Beispiel in Ostpreußen. Dort haben wir bei Alt- christburg eine große Befestigung von 30 Morgen ausgegraben. Diese Ausgrabung ist politisch wichtig und wertvoll. Warum?— Das ist sehr einfach: Wir wollen unseren Männern und wollen dem deutschen Volke klarmachen, daß wir nicht eine Vergangenheit von nur rund 1000 Jahren? haben, daß wir nicht ein barbarisches Volk gewesen sind, das keine Kultur hatte, und dem man deshalb erst Kultur bringen mußte. Wir wollen unser Volk wieder stolz machen auf seine Geschichte, wollen ihm klar machen; Ewiger als Rom— das ist Ja erst 2000 Jahre alt— Ist Deutschland! Und den ältesten Pflug haben wir in Deutschland gefunden, der Ist vor 5000 Jahren geschaffen worden, der älteste, den die Menschheit kennt. Die ältesten Schriftzeichen sind nicht irgendwo anders erfunden, sie sind Vm Germanen erfunden. Die gegen das Volk Die Reidispolizei Ich gehe nun über zur Polizei und ihrem Aufbau. Die Polizei teilt sich heute in Ordnungspolizei; die Ordnungspolizei ist uniformiert. Die Sicherheitspolizei setzt sich zusammen aus Kriminalpol i- z e i und Geheimer Staatspolizei. Uebemommen haben wir im Jahre 1933 ein wildes Durcheinander, das können wir ruhig qqgPTi, eine Polizei, die in ihren anständigen Teilen gedemütigt war, in der man dem Offizier den Säbel weggenommen und dem Mann einen Gummiknüppel gegeben hatte, eine Polizei durchsetzt mit vorbestraften Leuten und absoluten Marxisten, eine Polizei, die sich an kein Verbrechen richtig heranwagen durfte, weil sofort die Liga für Menschenrechte, die Friedensgesellschaft und ähnliche Gesellschaften kamen, und weü eine absolute Verherrlichung des Verbrechens gang und gäbe war. Das war der Weg der planmäßigen geistigen Bolschewisierung, In Preußen übernahm Göring die Po- üzei brachte die uniformierte Polizei in Ordnung schuf eine Landespolizei, die im Jahre 1935/1936 in die Armee Uberging: ebenso geschah es in Bayern. ich habe mich von der SS aus zunächst nur mit der Geheimen Staatspolizei beschäftigt. mit den politischen Polizeien der Länder und der Geheimen Staatspolizei in Preußen. Dadurch, daß ich selbst politischer Polizeikommandeur aller deutschen Länder war und zugleich stellvertretender Chef der Geheimen Staatspolizei in Preußen, kam allmählich die Geheime Staatspolizei in eine Hand. Ich darf die ganze weitere Entwicklung überspringen. Mit dem 17. Juli des vorigen Jahren wurde ich Chef der deutschen Polizei, und zwar der gesamten deutschen Polizei mit all ihren Hilfsorganisationen. Ich darf Ihnen vor Augen führen, worin ich meine Aufgabe sah und noch sehe. Erstens: Ich will endlich aus diesen 16 verBchiedenen Länderpolizeien eine tatsächliche Reichspolizei schaffen, denn die Reichspolizei ist eine der stärksten Klammem, die ein Staat haben kann. Mit dieser Schaffung der Redchspolized, nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich, beginne ich bereits beim Offizierskorps, bei den Beamten, indem ich die Leute etwas durcheinanderschüttele, durch Versetzungen usw. und ihnen auf diese Weise einmal Deutschland zeige; so daß also meine lieben Bayern einmal heraufkommen in den Norden, die ueute aus dem Norden nach dem Süden. Tun wir das nicht, so werden niemals Deutsche aus ihnen. Natürlich stöhnen Im Anfang alle etwas darüber, In der Schutzstaffel war es vor vier Jahren auch so. Jetzt kommt plötzlich ein Telegramm, der Mann hat in zwei Tagen an seiner neuen Dienststelle zu sein. Versetzungen erfolgen grundsätzlich nur telegraphisch, das hält die Leute frisch und jung. Wie gesagt, das Ist nur ein Anfang In unsrer Arbeit auf die Reichspolizei hin. Der Stand an Mannschaften und Offizieren ist sehr dürftig. Das ist verständlich, denn die Polizei hat für die Aufstellung der Landespolizei überall sehr viel gute Kräfte oder auch wohl che besten Kräfte hergegeben. Die Landespolizei ging in der Wehrmacht auf, und was nun an manchen Orten übriggeblieben ist, war nicht nur das schauerlichste an Gerät, Wagen. Kraftwagen und allem anderen, sondern manchmal auch sehr schauerlich an Mannschaften und Offizieren. Das muß nun mühsam aufgebaut und in Ordnung gebracht werden Die Ordnungspolizei In der Ordmmgspolized— auch hier muß Ich Sie ins Bild setzen— gibt es drei Kategorien: erstens die Schutzpolizei, die staatliche Polizei, wie wir sie zum Beispiel in Berlin auf der Straße sehen, zweitens die Gendarmen, also die Landjäger, und drittens die Kommunalpolizei. Die besteht in kleineren Städten mit 10.000 oder 15.000 Einwohnern mit einem Bestand bis zu 20 Mann, auch hat sie eine andere Uniform. Auch sie wird Jetzt von uns vereinheitlicht. Hier muß noch unendlich viel durchgegriffen werden. In einem Erlaß habe ich neulich verbieten müssen, daß der Pollzeldieiner in kleineren Städten nun auch zugleich der Mann ist, der ausschellt oder einsammelt. Wenn er das tut, ist er kein Organ des Staates mehr, dann hat er keinen Respekt und keine Autorität. Das sind alles Dinge, die eigentlich selbstverständlich sind, die aber viele Mühe kosten werden, bis sie endlich durchgebogen sind, und die vor allem erst dann in Ordnung kommen können, wenn sich die jungen Kräfte von unten nach oben nachschieben und(he alten hinauswachsen. Von der uniformierten Polizei hängt doch Im Falle eines Krieges sehr viel ab, z. B. etwa der ganze staatliche Luftschutz. Die Polizei Ist der Träger des Luftschutzes, die anderen Organisationen helfen dabei nur. Dazu brauche ich dann aber Leute, die beweglich sind, wirklich Verständnis dafür haben und etwas können. Ich ergänze nun die Bestände der Polizei, soweit es mir möglich ist, aus ausscheidenden Männern der Verfügungstruppe und der Totenkopfverbände, ergänze das Polizeioffizierkorpn aus S S- Füh rern, die von den beätten Poäaei kämmen. Dabei komme ich zu einer siges Offizierskorps wird. Das wird ein Po- Püh. crnchulen Tölz und Braunschweig auf wichtigen Frage: Ich kämpfe darum, daß lizeioffizierskorps nur zu leicht, war es auch in dem Wege über die Verfügungstruppe in die| das Polizeioffizierskorps nicht ein zweitklas- der Vergangenheit. Krlegssdiaupla� Innerdeutsdiland Ich komme mm im Zusammenhang mit diesem Komplex zu der Hauptfrage: Sicherheit im Innern und Aufgabe der Polizei während eines Krieges. Wir werden in einem künftigen Kriege nicht nur die Front der Armee auf dem Lande, die Front der Marine zu Wasser, die Front der Luftwaffe in der Luftglocke über Deutschland haben, wie ich es nennen möchte, sondern wir werden einen vierten Kriegsschauplatz haben: Innerdeutschland! Das ist die Basis, die wir gesund erhalten müssen, auf Biegen oder Brechen gesund, weil sonst die drei anderen, die kämpfenden Teile Deutschlands, wieder den Dolchstoß bekämen. Das Bolsdiewistengespenst — ein Zeichen ihrer Furdil Wir müssen uns darüber klar sein, daß der Gegner in einem Kriege nicht nur im militärischen Sinne Gegner ist, sondern auch weltanschaulicher Gegner. Wenn ich hier von Gegner spreche, so meine ich selbstverständlich unseren natürlichen Gegner, den internationalen jüdisch- frei m a u r e ri a ch geführten Bolschewismus. Dieser Bolschewismus hat seine Hochburg natürlich in Rußland. Das bedeutet aber nicht, daß von Rußland allein die Gefahr eines bolschewistischen Angriffes droht. Mit einer solchen Gefahr ist immer von dort zu rechnen, wo sich dieser jüdische Bolschewismus einen maßgebenden Einfluß gesichert hat. Es werden daher also zwangsläufig die Staaten oder Volker Deutschland gegenüber feindlich eingestellt sein, und eine Gefahr für uns bedeuten, die j U disoh-f rei m au r eriac h- bo 1- schewistisch geführt werden oder zumindest bereits stark beeinflußt sind. tigste aber ist che tiefste weltanschauliche Durchdringung unseres ganzen Volkes, die tiefste Erkenntnis, daß unser Volk, eine Minderheit von 70 Millionen im Herzen Europas, nur besteben konnte, weil wir qualitativ wertvoller waren als die anderen. Das auserwahlte Volk Und damit komme ich wieder zurück zu dem, was ich am Anfang über die Rassenfrage sagte. Wir sind wertvoller als die anderen, die uns in der Zahl überragen und immer überragen werden. Wir sind wertvoller, weil unser B 1 n t uns dazu befähigt, mehr zu erfinden als die anderen, unsere Lente besser zu führen als die anderen, weU es uns befähigt zu besseren Soldaten, zu besseren Staatsmännern, zu höherer Kultur, zu besseren Charkteren. Wir haben die bessere Qualität, wenn ich jetzt auf Ihr Gebiet übergehe, weil eben der deutsche Soldat pflichttreuer, anständiger und intelligenter ist als der Soldat der anderen. Und diese Qualität erhalten wir so lange, als wir unser Blut und unser Volk gesnnd erhalten, so lange, als dieses Volk die alten Gesetze erkennt und befolgt, die Gesetze der Erhaltung eines Volkes die der Nationalsozialismus dank Adolf Hitler ihm wiedergebracht hat. Gesund und widerstandfähig sind wir so lange, als wir nicht wieder in die Demokratie abrutschen, in ein erbliches oder legitimes Kaisertum, das nicht ans dem deutschen Volke herausgewachsen ist. Seien wir uns darüber klar: Die nächsten Jahrzehnte bestehen wir nur, wenn wir ein Volk sind, das in tiefster Ueberzeugnng zu sich selbst steht, an seine eigene Kraft glaubt Wir müssen uns daher stets die Frage i und diese eigene Kraft bewährt. stellen: Wer kommt oder käme im Falle eines Krieges als Gegner in Frage, wer ist weltanschaulicher Gegner, also wer steht unter jüdisch-freimpurerisch-bolschewistisdhem Einfluß? Dabei müssen wir uns darüber klar sein: Der Bolschewismus ist die Organisation des Untermenschen, ist die absolute Untermauerung der Judenherrschaft, ist das genaue Gegenteil von all dem, weis einem arischen Volke lieb, wert und teuer ist. Es ist eine diabolische Lehre, denn sie wendet sich an die gemeinsten und niedrigsten Instinkte der Menschheit und macht daraus eine Religion. Man täusche sich auch darüber nicht: Der Bolschewismus mit seinem im Kreml aufgebahrten Lenin braucht nur noch ein paar Jahrzehnte, dann ist er die diabolische Religion der Zerstörung, in Asien beheimatet, Religion für die Zerstörung der ganzen Welt. Man bedenke ferner, daß dieser Bolschewismus planmäßig an der Bolschewisierung anderer Völker arbeitet, und zwar richtet sich diese Zerstörung gegen den weißen Menschen. Eine der ersten Gründungen der jüdischen Führung im Jahre 1918 schon war die einer asiatischen Universität, wie ich sie einmal nennen will. Da gibt es für jedes asiatische Volk, ob klein oder groß, eine Art Abteilung. Da werden Funktionäre für diese Völker, nicht nur in ihrer Sprache, sondern auch in den Sitten, über Rehgions- und Kastenstreitigkeiten, über wirtschaftliche Verhältnisse usw. unterrichtet, ob die Leute in der Hauptsache reich oder arm sind, ob die ärmere Klasse besonders unterdrückt wird usw. All das wird studiert, bis zu den kleinsten Sekten hinunter. Die dort ausgebildeten Leute strömen dann dauernd in die Völker hinein, um sie unter Ausnutzung ihrer Wünsche und Sehnsüchte, unter Ausnutzung ihrer Religionsstreitigkeiten und ihres Fanatismus, unter Ausnützung sozialen Elends in einem Strudel hineinzureißen, um sie allmählich zu der Ansicht zu bringen; Die einzigen, die euch helfen können und die euch wirklich helfen, sind die Leute in Moskau! Diese Gesamtbewegung also richtet sich gegen den weißen Menschen, richtet sich heute in der Hauptsache gegen das wiedererstandene Deutschland, von dem man schon geglaubt hatte, es wäre kaputt gegangen, man hätte es erledigt Wenn wir gegen das Gift der Zerstörung in unserem Volke immun sein wollen, muß unser Leben untermauert sein von sozialem Wohlstand, sozialer Ordnung und Sauberkeit. Wir sind daran, bed- öes zu schaffen. Die ersten vier Jahre sind um, die Erwerbslosigkeit ist fast zum Verschwinden gebracht, vieles ist geschehen, noch viel mehr bleibt uns zu tun übrig. Das wich- Weiter ist notwendig, daß wir in die Organisationen Ordnung hineinbringen, in die verschiedenen Verbände und Hilfsverbände, die wir haben. An diese Aufgabe will ich in diesem Jahre gehen. Ich will eine viel größere Vereinheitlichung schaffen zwischen Feuerpolizei und Feuerwehr. Auch diese Verbände werden in zwei Teile gegliedert in Leute bis zu 45 Jahren und Leute Uber 45 Jahre, damit ich im Falle eines Krieges nicht von der weltanschauliche�Ppiötzlich alle Verbände neu zusammenstellen Totenkopf beseht Innerdeutsdiland Ich sprach Durchdringung des ganzen Volkes f ü r d e'B'- Fall eines Krieges. Wenn dieser Krieg früher kommen sollte, als irgendeiner von uns glaubt oder es je wünscht, wenn überhaupt ein Krieg kommen sollte, müssen wir uns darüber klar sein, daß im deutschen Volk immer ein Bodensatz bleiben wird, der den Ansatzpunkt für die Komintern bildet Einstellen auf diese Gefahr, auf diesen Kriegsschauplatz im Innern, müssen wir uns auf jeden Fall und müssen uns immer klar machen, daß jeder Krieg bei einer Vernachlässigung dieses Kriegsschauplatzes Im Innern zu einem Verlust führen würde. Ich stelle mir nun das Aufgabengebiet im Falle eines Krieges folgendermaßen vor: Die Polizei würde selbstverständlich, wie ich es als ihre Pflicht ansehe, einen Teil— vielleicht höchstens 15.000 bis 20.000 Mann, mehr nicht, an die Wehrmacht als Soldaten abgeben können. Insgesamt habe ich rund 8 0.0 00 bis 9 0.0 00 Mann uniformierte Polizei. Dabei ist zu bedenken, daß ein großer Teil dieser uniformierten Polizei über 45 Jahre alt ist oder mindestens über 40, so daß ich, wenn ich von dem verbleibenden Rest vielleicht 15.000 bis 20.000 Mann abgebe, eigentlich den Stahl aus dieser Polizei abgebe. Ich kann die Leute ersetzen durch Männer über 55 oder 60 Jahren, die ich wieder aktiviere. Das kann man zur Not machen. Möglich ist das jedoch nur, wenn ich mir eine E i n g r e i f t r u p p e sichere, die ich für Aktionen im großen gebrauchen kann. Das sind die Totenkopfverbände. Ich kann an sich mit dieser alten Polizei auskommen. Ich kann mit den über 45 Jahre alten ZiviUsten, die zum polizeilichen Hilfsdienst eingezogen würden, wie es vorgesehen ist, alle die Aufgaben, die früher der Landsturm hatte, durchführen, also Bewachung von Munitionsfabriken, von Bahnübergängen usw., wenn ich als Rückgrat eine Truppe habe, die jung ist. Dafür sind die Totenkopfverbände vorgesehen im Alter zwischen 25 und 35 Jahren, nicht älter und nicht jünger. Ich will nicht ganz junge Leute haben, auch keine alten Leute; denn die Sabotagetrupps und Terrortrupps bestehen aus jungen Leuten, die sehr lebhaft und höchst modern ausgerüstet sind. Diesen Gegner kann man mit alten Landsturmleuten nicht bekämpfen. Die Totenkopfverbände werden in jeden Regierangsbezirk Deutschlands kommen. Dabei sind folgende Maßnahmen vorgesehen: Erstens kommt kein Verband in seine Heimat, es wird also niemals ein pommerscher Sturm in Pommern Dienst machen. Zweitens: Jeder Verband wechselt nach drei Wochen über. Drittens: Der Verband wird niemals im einzelnen im Straßendienst eingesetzt. Es wird niemals ein einzelner Mann mit dem Totenkopf- abzeichen im Straßendienst als Polizist verwendet, das gibt es nicht. Viertens: Wenn diese Verwendung eintritt, wird rücksichtslos durchgegriffen. Etwas anderes kommt nicht in Frage. Denn sonst müßten wir in Deutschland mit all den Möglichkeiten rechnen, wie: Fallschirmabsprünge, Einsatz von Saboteuren, Einsatz von verwegenen Gruppen von 16 oder 20 Mann, die einmal mit Unterstützung einer kommunistischen Belegschaft sich in einer Munitionsfabrik festsetzen können. Wenn diese Maßnahmen nicht vorgesehen sind, könnte man nicht mit einer so geringen Zahl von Mannschaften auskommen. Alles für den Krieg muß. Zweitens gehört hierzu die Technische Nothilfe und drittens der L u f t- Schutzbund. Hier müssen wir uns schon heute im allergrößten Umfang auf die Verwendung von Frauen einstellen. Es hat keinen Zweck, im Luftschutzbund oder in der technischen Nothilfe einen wunderschönen Apparat mit Männern bis zu 45 Jahren aufzubauen, und in den ersten Mobilmachungstagen ist nachher alles weg und wir sehen in den Mond und fragen uns, was wir machen sollen. Wir müssen schon heute so vorbereitet sein, daß wir den geringsten Verbrauch an Führern haben, möglichst wenig Nebeneinanderarbeit, sondern daß alles straff in einen Apparat eingeordnet ist, und welter, rina jeder Mensch männlichen oder weiblichen Geschlechts, der in Deutschland überhaupt irgend etwas tun kann, im Kriegsfall eingespannt wird. Eine große Frag«.Graphia<; alle in Karlsbad. Zeitungstarif bew. m. P. D. ZI. 159.334/VII-1933. Printed In Czechoslovakia. Kontrollpostamt: Poätovnl üfad Karlovy Vary 3.— Aufgabepostamt Karlsbad 3. Der»Nene Vorwärt8« kostet Im Einzelverkauf innerhalb der CSR Kö 1.40(für ein Quartal bei freier Zustellung Kö 18.—). Preis der Einzelnummer im Ausland Kö 2.—(Kö 24.— für das Quartal) oder deren Gegenwert in der Landeswährung(die Bezugspreise für das Quartal stehen In Klammem); Argentinien Pes. 0.30(3.60). Belgien: Belg. Frs. 2(24.—), Bulgarien Lew 8.—(96.—). Danzig Guld. 0.45 (5.40). Deutschland Mk. 0.25(3.—). EsUand E. Kr. 0.22(2.64), Finnland Fmk. 4.—(48.—). Frankreich Frs. 1.50(18.—). Großbritannien d 4.—(Sh. 4.—). Holland Gld. 0.15(1.80). Italien Lir. 1.10(13.20). Jugoslawien Din. 4.50 (54.—). Lettland LaL 0.30(3.60), Utauen Lit. 0.55(6,60) Luxemburg B. Frs. 2.45(29.50), Norwegen Kr. 0.35(4.20), Oesterreich Sch. 0-40(4.80), Palästina P Pf. 0.020(0.216), Polen Zloty 0.50(6.—),* Portugal Esc. 2.— (24.—), Rumänien Lei 10.—(120.—), Schweden Kr. 0.35(4.20). Schweiz Frs. 0.30(3.60), Spanien Pes. 0.70(8.40). Ungarn Pengö 0.35 (4.20). USA 0.08(1.—). Einzahlungen können auf folgende Postscheckkonten erfolgen: Tschechoslowakei: Zeitschrift»Neuer Vorwärts« Karlsbad. Prag 46.149, Oesterreich:»Neuer Vorwärts« Karlsbad. Wien 8-198.804. Polen:»Neuer Vorwärts« Karlsbad. Warschau 194.797. Schweiz:»Neuer Vorwärts« Karlsbad ZUrlcb Nr. VIII 14.697. Rumänien: Anglo-Cechoslovakische und Prager Creditbank, Filiale Bukarest, Konto »Neuer Vorwärts«, Bukarest Nr. 2088. 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