Verlag: Karlsbad, Haus„Graphm"— Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Dreieck fiesen Enfiland Italiens Austritt aus dem Völkerbund Np. 236 SONNTAG. i9. Wez. 1937 Aus dem Inhalt: Das italienische Vorbild Hitler im Hintergrund Entlassen, weil sie Deutsche sind Das Buch der Verachtung Mit all der dramatischen Inszenie- rungskimst, über die die Diktaturen verfügen, hat Mussolini den Austritt Italiens aus dem Völkerbund verkündet. Das zieht nur den Schlußstrich unter eine längst vollzogene Entwicklung und ändert nichts an dem, worauf es allein ankommt, an den wirklichen Machtverhältnissen. Denn schon seit zwei Jahren, seit dem abessinischen Krieg und den widerstrebend begonnenen, zögernd und unvollständig durchgeführten und deshalb von vornherein zum Scheitern verurteilten Sanktionen hat Italien an den Verhandlungen des Völkerbundes nicht mehr teilgenommen, nachdem es schon zuvor alle Bestrebungen auf Verstärkung der Friedenssicherung und auf Abrüstimg sabotiert hatte. Der Völkerbund selbst trug den Kehn der Zersetzung schon von dem Augenblick in sich, als er es zuließ, daß aggressive Staaten wie Japan und Italien ihre Angriffspolitik durchsetzen und Hitlerdeutschland die für seine Gewaltpolitik nötige militärische Stärke sich schaffen konnte. Es sind die Versäumnisse der englischen und französischen Außenpolitik, die den Verfall des Völkerbundes bewirkt haben. Aber darf man nicht hoffen, daß der Völkerbund, der ja freüich kein selbständiges, mit eigener Kraft erfülltes Wesen, sondern nur eine Vereinigung von Staaten mit ihren sehr verschieden gelagerten Interessen ist, gerade nach der Reinigung durch das Verlassen der Angreiferstaaten unter tatkräftiger Führung von England und Frankreich neue Bedeutung und Kraft erlangen könnte? Auch diese Hoffnung, der sich hinzugeben vielleicht manche sozialistischen Kreise in Frankreich und England Neigung zeigen könnte, muß sich rasch als Illusion er //eisen. Denn im Völkerbund bleiben ;a:",ächst nicht nur Anhängsel der deutsch-italienischen Ach- s e, wie Oesterreich und Ungarn zurück, nicht nur das Polen des Obersten Beck, sondern auch die meisten lateinamerikanischen Staaten sind recht unsichere Weggenossen geworden und die kleinen europäischen Staaten suchen sich seit der ungeheueren Machtverschiebung, die seit 1933 eingetreten ist, ganz unabhängig von ihrem eigenen politischen Regime, in eine Art Neutralitätspolitik des»Rette sich, wer kann vor dem kommenden Kriege« zu flüchten und sich durch aushöhlende Interpretationen vor den Völkerbundsverpflichtungen, vor allem den Sanktionsbestimmungen und der Gewährung des Durchmarschrechtes durch ihr Gebiet zur Abwehr des Angreifers, zu schützen. Dies güt für die baltischen und skandinavischen Staaten, wie für Belgien und Holland, und zeigt zugleich wieder einmal, daß die tatsächliche Gestaltung der außenpolitischen Beziehungen keineswegs so einfach ist, daß sie aus der bloßen Gegenüberstellung demokratischer und faschistischer Staaten schon restlos begriffen werden könnte. Wir sind also durch die ungeheuere Gegenrevolution, die mit dem Sieg Mussolinis schon eingesetzt hatte und durch den nicht rechtzeitig gehemmten außenpolitischen Aufstieg Hitlers ihre volle Wucht erhalten hat, aus einer Völkerbundspolitik der Friedenserhaltung durch internationales Recht zurückgeworfen auf das V o r- kriegsstadium der Militärbündnisse. Denn wie immer auch die Technik dieser Bündnisse ihren Charakter zu verhüllen strebt, ihr eigentlicher Inhalt kann jetzt auf gar nichts anderes abzielen, als auf militärisches Zusammenwirken im Kriegsfall, und nur darin besteht heute der Wert diplomatischer Abreden, daß sie eine solche Verpflichtung auch wirklich erreichen. Denn nur von der wirklichen, den Anhänger aber auch manifesten Machtüberlegenheit hängt heute die Erhaltung des Friedens ab. Der Austritt Italiens stellt nicht etwa dem in sich durchaus nicht einigen und kaum mehr handlungsfähigen Gebüde des Völkerbundes, wohl aber der englisch-französischen Entente das»weltpolitische Dreieck« gegenüber, dessen machtpolitischen Charakter Hitler in seinen letzten Reden in München und Augsburg in scharfer Klarheit hervorgehoben hatte. Die Wahl des Augenblicks mag auch taktisch bedingt sein. Mussolini hat den neuesten Annäherungsversuch Englands an Deutschland, den die Reise des Lord Halifax einleiten konnte, kaum mit freundlichen Augen angesehen. Daß England die angekündigten Besprechungen mit Italien immer wieder hinauszog, während es sich um Deutschland bemühte, mag ihn bewogen haben, durch einen neuen Schritt diese Versuche zu durchkreuzen. Indem Italien den Bund verläßt, demonstriert es nicht nur seine Solidarität mit den beiden anderen Völker- bundsgegnem seines Dreibundes, sondern macht die HoffnungEnglands auf eine Rückführung Deutschlands in den Völkerbund noch illusorischer als sie es ohnehin war und nimmt der englischen Einbildung einer»Allgemeinregelung« mit Deutschlands Unterstützimg auch die letzte Grundlage. Englands Versuch, Hitler-Deutschland durch irgendwelche Teilkonzessionen in seinen Umkreis zu ziehen, es von der Solidarität mit dem ihm, das heißt seiner Seeherrschaft noch unmittelbar gefährlicherem Italien abzubringen, war freilich von vornherein zum Scheitern verurteilt. Denn mögen auch in den Beziehungen zu Zentral- und Südosteuropa gewisse sekundäre Gegensätze zwischen Deutschland und Italien vorhanden sein, die man nicht zu leugnen braucht, so wissen beide Mächte nur zu gut, daß sie nur in ihrer unlöslichen Vereinigung auf Gedeih Aua Dachau und Berlin sind neue Briefe bei uns eingelaufen: »Konzentrationslager Dachau, 11. Dez. 37. Wieder hat die sogenannte»Deutsche Volkszeitungc in Prag in einem Artikel vom 28. XL 37 Nr. 48 unverschämte LUgen über das Konzentrationslager Dachau verbreitet. Auf Grund dieses Artikels ist die über uns verhängte Isolation um eine Woche verlängert worden. Uns ist bekannt gegeben worden, daß jeder neue Lügenbericht die Uber und Verderb eine Macht bilden, die der der Westmächte gegenübertreten kann. Isoliert voneinander, würden sie der koordinierten Politik Englands und Frankreichs nicht standhalten können. Sie würden infolge der dann eintretenden Aenderung der Machtverhältnisse nicht, nur ihren Einfluß in Mittel- und Südosteuropa zum großen Teil einbüßen, sondern auch darauf verzichten müssen, ihre weitergesteckten weltpolitischen Ziele, für die England das Hindernis ist, zu erreichen. Deshalb sind die wiederholten Bemühungen Englands auf»Seperat- frieden«— auch mit Japan wurden solche Versuche kurz vor Ausbruch des Krieges mit China unternommen — so töricht. Aber Mussolinis Vorgehen dient nicht nur taktischen Zwecken und verfolgt nicht nur das Ziel, das kaum begonnene und wenig aussichtsreiche Gespräch England-Deutschland zu stören. Mussolini drängt auf Beschleunigung der außenpolitischen Entwicklung überhaupt, er will die Pression, den Druck, den der rasche Vormarsch Japans auf England ausübt, noch steigern. Von den Teilnehmern des aggressiven Dreibundes haben zwei, Italien und Japan, ihre Hauptangriffsrichtung völlig eindeutig gegen England. Mussolini erstrebt die Herrschaft über das Mittelmeer, die ihm erst sein afrikanisches Reich sichert und dessen künftige Erweiterung verspricht. Er will die Seeherr- schaft Englands brechen und hat deshalb den Krieg in Spanien begonnen. Vor einiger Zeit schrieb die Mailänder »Stampa« unter dem Titel»Geschichte«: In der Geschichte unseres Jahrhunderts wird der abessinische Krieg ein für Europa entscheidendes Ereignis sein. Jener durch heroischen Entschluß eines Mannes gewollte(!) Krieg bedeutete das Ende der französischen und britischen Vorherrschaft auf dem Kontinent und ermöglichte es Deutschland, die Ketten des Vertrages von Versailles zu zerbrechen. Auch die gigantischen Rüstungen Großbritanniens vermochten und vermögen an dieser neuen Lage nichts mehr zu ändern. London und Paris sind nicht mehr imstande, Rom und Berlin ihren Willen zu diktieren. Im Gegenteil, mehr als einmal werden sie gezwungen sein, die Initiative der anderen zu ertragen.« Auf gewisse Uebertreibungen dieser Auslassung braucht nicht eingegangen zu werden, wichtig ist nur, daß sie die anti-englische Richtung der italieni- uns verhängte Isolation fortlaufend um Wochen verlängert. Wir bitten erneut, die Emigranten-Zeitungen des Auslandes auf diese Tatsachen hinzuweisen. Kurt Eisner.« Irmgard Litten, Berlin-Schöneberg Heylstraße 3 13. Dezember 1937. An die Redaktion des»Neuen Vorwärts« Karlsbad. Ich erhielt gestern von meinem Sohn, dem � sehen Politik so klar herausarbeitet. Dazu kommt die Ueberzeugung, cle die ganze italienische Presse propagiert, von der augenblicklichen militärischen Ueberlegenheit des»Dreiecks«, solange die englische und französische Aufrüstung nicht fertig ist. Deshalb dürfe die Zeit nicht versäumt werden; Italien dürfe sich, sagt Mussolini«, nicht durch Aussicht auf Verhandlungen»chloroformieren« lassen... Dasselbe gilt für Japan.»Die gegenwärtigen Feindseligkeiten mit China«, schrieb kürzlich der Leiter der außenpolitischen Vereinigung Japans, müssen»als ein Kampf zwischen England und Japan betrachtet werden. Es kann sogar behauptet werden, daß China, dessen Regierung nur eine Marionette in englischen Händen ist, lediglich das Operationsfeld dieses Kampfes büdet.«(Von Rußland ist trotz des»Antikommunisten-Pakts« weder in den japanischen noch in den italienischen Aeußerungen viel die Rede; man überläßt es seinen inneren Schwierigkeiten. Etwas anders steht es mit Deutschland. Nicht Krieg, son- dern Verständigung fnit England gegen Frankreich und freie Hand im Osten war der ursprüngliche Plan Hitlers. Aber das Bündnis, zuerst mit Italien, dann mit Japan, hat Deutschland i n die englandfeindliche Position hineingerissen. Diese wird noch akzentuiert durch die Wiederaufnahme der Kolonialforderungen. Die alberne Vorstellung, England von Frankreich trennen zu können, hat sich als Illusion erwiesen, und freie Hand gegen den Osten ist nicht zu erlangen. So bleibt Deutschland an Italien und Japan gefesselt und verliert die erhoffte Handlungsfreiheit. Seine Vermittlungsversuche im Fernen Osten sind gescheitert, Japan marschiert immer weiter— nicht gegen Rußland, sondern in das chinesische»Operationsfeld gegen England« hinein. Mussolini hat mit viel größerer Energie als Hitler das»antikommunistische Bündnis« mit Japan zu einem gemeinsamen Angriffsplan gegen die Westmächte ausgestaltet, sich entschiedener als Deutschland, das für seine großen Handels- und Kapitalinteressen in China fürchtet, auf Japans Seite gestellt. Der Austritt aus dem Völkerbund, begleitet von einer neuen Kampfansage gegen die Westmächte, ist für ihn das Mittel, die Hitlerdiktatur, mit Hilfe der ihn unterstützenden Göring und Göbbels, auf seinen Weg weiterzuziehen. Dr. Richard Kern. Schutzhäftling Hans Litten in Dachau folgende Postkarte: K. L. Dachau, den 10. Dez. 1937. »Wieder hat die sogenannte»Deutsche Volkszeitung« In Prag in einem Artikel vom 28. XI. 37, Nr. 48 unverschämte Lügen Uber das Konzentrationslager Dachau verbreitet. Auf Grund dieses Artikels ist die Uber uns verhängte Isolierung um eine Woche verlängert worden. Uns ist bekanntgegeben worden, daß jeder neue Lügenbericht die Uber uns Die Erpresser von Dachau Isolalionshaft um eine Wodie verlängert verhängte Isolation fortlaufend um Wochen verlängert. Wir bitten erneut, die Emigranten- Zeitungen im Ausland auf diese Tatsachen hinzuweisen.<< Ich verwe auf meinen Brief vom 4. Dezember. ken Nein, zum Mitschuldigen macht sich, wer schweigt! Auch Heilmann Auch Ernst Heilmann hat aus Dachau einen Brief schreiben müssen. Die bund. Hitler im Hintergrund Daß Wie lange kann er noch warten? Politische Reisen Demonstrationen für Delbos. taturländern frühere wie in den Dikgute Menschen wohnen. Der französische Ministerpräsident die Aufmerksamkeit der englischen Presse der zur zu er durch werden Italien aus dem Völkerbund ausgetre-| Maler Knackfuß das berühmte Bild malen Irmgard Litten.<< ten. Die Japaner im brennenden Nanking.» Völker Europas, wahrt eure heiligsten Da wir auf den Inhalt der» Deutschen Angriffe auf englische und amerikanische Güter!<< mit dem gelben Drachen im Osten Volkszeitung keinen Einfluß haben, war Kriegsschiffe. Nordchina und Schanghai in und den weißen Drachentötern im Westen, Der politische Reisebetrieb steht im Zeies von der Lagerleitung eigentlich sinnlos, japanischer Gewalt und im Hintergrund so ist das heute alles umgekehrt: Der Dra- chen der Hochkonjunktur. - Dra- chen Der französische an uns schreiben zu lassen. Aber etwas von alledem Hitlerdeutschland. che kommt vom Westen und ist rot, der Außenminister Delbos fuhr nach Warschau, anderes als sinnlose Wutausbrüche und Es hätte nicht der amtlichen Berliner St. Georg ist gelb, und der germanische Bukarest, Belgrad und Prag. In Belgrad hatte sinnlose Grausamkeiten sind von ihr nicht Erklärung bedurft, um die Welt merken zu Hitler ist sein treuer Schildknappe. er das Glück, Stojadinović noch zu erzu erwarten. lassen, daß Mussolini bei seinem theatra- Ohne Hitler hätte Mussolini seine Aben- wischen, der gerade aus Rom zurückkam und Uns können die beiden Briefe höchstens lischen Austritt aus dem Völkerbund im teurerpolitik in Abessinien und Spanien beinahe schon wieder unterwegs nach Berlin eines beweisen: Selbst wenn wir uns er- Einverständnis mit Hitler handelte. Die nie wagen dürfen, und hätte er sie gewagt, war. Auch der alte Lansbury besuchte die pressen ließen und schwiegen woran amtliche Berliner Erklärung verkündet, so wäre er niedergschlagen worden. Ohne Hauptstädte Mitteleuropas, um sich davon zu wir natürlich nicht einmal im Traume den- daß Deutschland niemals in den Völker- Hitler hätte Japan es sich dreimal über- überzeugen, daß auch hier würde an dem grauenhaften Los bund zurückkehren werde. Dieses legen müssen, ob es durch einen neuen der Gefangenen nichts gebessert sein. Deutschland, das Deutschland Hitlers, ge- Raubzug nach China Rußland, das engWenn die Lagerleitung versucht, mit ihren wiß nicht! Aber auch nach Hitler wird es lische Weltreich und Amerika zugleich Flandin fuhr nach Berlin und unterhielt Erpressungen die Presse der ganzen Welt noch ein Deutschland und einen Völker- herausfordern dürfe. Aber mit einem nazi- sich dort zwei Stunden mit Göbbels. Der zum Schweigen zu zwingen, so verfolgt sic bund geben, dann werden Deutschland und stischen Deutschland als Rückenschutz ungarische Kriegsminister Roeder machte ein ganz unmögliches Ziel. Immer wieder der Völkerbund einander wiederfinden. konnten die Räuber alles wagen. Mussolini in Rom seine Aufwartung. Balwird einer ihrer Schurkenstreiche irgend- Die Deutsche Republik war Die große weltgeschichtliche Frage ist dur von Schirach ließ sich in Budapest, wo ans Licht kommen, und immer wieder völkerbundfreundlich von ihrem Anfang aber nun, wie lange sich Hitlerdeutschland Damaskus und Teheran feiern. Dies erregte wird sie das zum Vorwand nehmen, an un- an. Sie mußte es sein, denn sie war dem- mit der Rolle, die es bisher gespielt hat, schuldigen, wehrlosen Menschen neue selben Geiste entsprungen wie der Völker- mit der Rolle eines gar nicht oder kärglich ebenso wie ein Besuch des>> Angriff<-Mannes Schurkenstreiche zu begehen. Sie war eine Repräsentantin der entlohnten Helfershelfer bei den großen Schwarz van Berk in Kairo, Es handelt sich nicht bloß um einen nationalen Demokratie, wie der Völkerbund imperialistischen Raubzügen seiner Freun- Folge hatte, daß sofort einige Araberführer Skandal der in der ganzen Welt berüch- ein Repräsentant der internationalen De- de begnügen wird. Wenn es wahr ist, daß aus Palästina hinübergeflogen kamen, um mit tigten Dachauer Lagerleitung. Eine so mokratie ist. Schon in Versailles mel- der Appetit beim Essen kommt, dann muß ihm zu reden. systematische und konsequent fortgesetzte dete sie ihren Beitritt an. man er sich beim bloßen Zusehen zur rasenden Die weitaus größte Bedeutung kommt naAktion ist nicht möglich ohne die Zustim- sie damals als Büßerin für die Sün- Gier steigern. Ein System, das mit natio- türlich der Reise von Delbos zu, der zu mung der höchsten Autoritäten den anderer vor der Tür stehen ließ, nalistisch- imperialistisch- militaristischen den alten Freunden Frankreichs kam nicht des Dritten Reichs. Man erkennt hinter ihr war der entscheidende Fehler. Fünfzehn Energien so überladen ist wie das gegen- nur als Vertreter seines eigenen Vaterlandes, als der Repräsentant der frandie wohlbekannten fratzenhaft entstellten Jahre später waren manche Leute im La- wärtige deutsche, kann es auf die Dauer sondern Gesichter vom 1. April 1933. Schon damals ger der ehemaligen Entente bereit, Hitler- nicht ertragen, daß andere mit seiner Hilfe zösisch- englischen Entente. Der Empfang, der hat man versucht, den> Pressefrieden der deutschland selbst unter erniedrigenden ganze Kaiserreiche in die Tasche stecken, ihm überall bereitet wurde, zeigte, daß die ganzen Welt zu erzwingen, indem man Bedingungen in den Völkerbund zurück- während es selber leer ausgehen soll. offiziellen Stellen an den alten Verbindungen einen Pogrom veranstaltete. Damals schrie zukomplimentieren. Es ist gut, daß die Hitlerdeutschland kann aber sein Abes- festhalten, und daß die demokratisch gesinndie ganze Welt vor Entsetzen auf. Und Berliner amtliche Erklärung unter diese sinien oder sein Nordchina nirgends anders ten Kreise noch mehr als das tun, weil sie jetzt sollte sie schweigen? weltgeschichtliche Groteske den Schluß- als in Europa suchen. Der Weg zur auch mit dem Herzen dabei sind. Auch dort, strich gezogen hat! Eroberung über die Weltmeere ist ihm wo die Regierungen ängstlich auf RückWeil es heute keine Deutsche Republik, versperrt, es kann keinen Kolonialkrieg versicherungen bedacht sind, würde im Ernstsondern ein Hitlerdeutschland führen, sondern nur einen Kontinental- fall die Volksstimmung eine offene Parteifür gibt, ist der Völkerbund heute nur noch krieg, der sich rasch zum zweiten nahme Hitlerdeutschland unmöglich unter den Opfern eine wankende Ruine. Weil es ein Hit- Weltkrieg erweitern muß. machen; ob sie stark genug wäre, um die lerdeutschland gibt, konnte Mussoder Ge- Parteinahme auf der anderen Seite Abessinien, Spanien, China lini Abessinien erobern und im Sanktions- danke, daß das alles nur ein Anfang von zwingen, ist eine offene Frage, die Amsterdamer sozialdemokratische Tages- kampf den Völkerbund besiegen. Weil es dem sein soll, was sich vorbereitet, ist Diplomatenreisen nicht entschieden ein Hitlerdeutschland gibt, kann grauenhaft. Aber man muß die Dinge kann. Der fieberhaft gesteigerte diplomatische ihn im Faksimile wiedergegeben und Heil- Japan in China den» Kommunismus aus- sehen, wie sie sind! rotten und dazu nicht nur die nationale Nur wenn es gelingt, die Despotie ent- Reisebetrieb ist ein Symptom der politischen manns Bild danebengestellt. Wir haben die Unabhängigkeit Chinas, sondern auch den scheidend zu schwächen, bevor sie zum Unruhe, die durch den neuesten demonstratiuns wohlbekannten Schriftzüge wiederEinfluß der weißen Welt, einschließlich Schlage ausholt, kann der Frieden Euro- ven Schritt Italiens noch weiter gesteigert erkannt, obwohl die Hand ihre alte Festigkeit des deutschen. Ließ einst Wilhelm II. vom pas gerettet werden. verloren zu haben scheint. Der von Heilmanns Hand geschriebene Brief ist an den Redakteur von» Het Volk«, Mattijsen, per- Sozialdemokrat noch Kommunist, hat aber in schreiben lassen und auf Schulreisen nach sönlich adressiert und hat genau denselben einigen politischen Prozessen dem Recht Hamburg seine Primaner veranlaßt, die dor- seinen Großen Faschistenrat gefragt und er Wortlaut wie der Brief Kurt Eisners an gegen die Nationalsozialisten gedient. So hat tigen Bordelle zu besuchen und über ihre hat Ja gesagt. ER hat das Volk gefragt und uns und jener Georg Bernsteins an den er im Frühjahr 1931 in einem Prozeß mitge- Erlebnisse Berichte zu schreiben. Ies hat Ja gesagt. Es ist» veredelte Demokra» Republikaner« in Mülhausen im Elsaß. Der in wirkt, Die Angeklagten erklärten alle tie< ganz wie anderswo. wirkliche Verfasser hat also nicht einmal den roristen zu Zuchthausstrafen verurteilt wur- diese Behauptungen, für unwahr In einer nicht> veredelten<, aber geregelVersuch gemacht, den Anschein zu erwecken, den. Daß in jenem Prozeß Hitler als Zeuge und gewährten dem Kläger volle ten, in einer wirklichen Demokratie spieals ginge die Initiative zu dieser Aktion wirk- auftrat und, durch seine Fragen in die Enge Genugtuung. Die Prozeßentschädigung len sich die Dinge anders ab. Dort überläßt lich von jenen Personen aus, die die Briefe getrieben, recht unglückliche Rolle setzte das Obergericht auf 2500 Franken das Volk der Regierung aus Vertrauen schreiben und unterzeichnen mußten. In der spielte, wurde Litten zum Verhängnis. Am fest, inbegriffen die dreimaligen Reisekosten Verantwortung, aber es nimmt sie ihr nicht plumpsten Weise demaskiert er sich selbst. Tage nach der nazistischen Brandstiftung im des Anklägers von Paris nach Zürich, und ab am wenigsten auf dem Gebiete der ausIntelligenz und Moral stehen bei ihm offenbar Reichstag wurde er verhaftet. Seither ent- hieß eine Genugtuungssumme von 600 Fran- wärtigen Politik. Um außerpolitische Entauf der gleichen Stufe. lassene Mitgefangene sagen aus, daß er die ken gut. scheidungen fällen zu können, bedarf es nicht nur besonderer Erfahrung, sondern auch sorgWelt mitteilen müssen, daß auch er zum hatte. Litten unternahm zwei Selbstmord- nossen Kurt Löwenstein im Licht der Sonne fältiger, oft streng vertraulicher UnterrichOpfer des Dachauer Erpressungsversuches ge- versuche. Auch in der letzten Zeit hat er eine in nichts zerfallen mußten, versteht sich von tung, die nicht ein jeder erhalten kann. Es worden ist. Weil in Zeitungen, die er nie ge- Verletzung erlitten, die nach amtlicher Aus- selbst. Aber erinnert werden muß daran, daß bedarf dazu der gewissenhaften Erwägung des lesen hat, etwas veröffentlicht wurde, was kunft auf einen Arbeitsunfall zurückzuführen diese Lügen ein Glanzstück des Propaganda- Für und Wider. Daß das Volk aus seiner Mitte er nicht kennt, wird er für unbestimmte Zeit ist und jetzt» fast ausgeheilt sein soll. Als Feldzuges darstellen, den Göbbels zur Er- die Männer herausfindet, die fähig sind, solche in Isolationshaft gehalten, er darf keine Rekonvaleszent, wenn man seinen Zustand oberung von Berlin führte. Aufgehetzt durch Entscheidungen zu treffen, muß man von ihm Briefe schreiben, keine Besuche erhalten, ihm optimistisch beurteilen will, erleidet nun Lit- diese Lügen, drang eine Meute der SA in verlangen. Aber man kann von ihm nicht versind auch sonst, wie er es nennen muß, die ten den Entzug der> Bequemlichkeiten«<, die die Wohnung Dr. Löwensteins ein, beschoß langen, daß es selber urteilt, zumal wenn man > Bequemlichkeiten entzogen worden. Er wird einem Mitglied der Judenkompagnien von Löwenstein und seine Frau durch die Türe, ihm durch Zensur und Verhinderung jeder gepeinigt wegen eines Vorgangs, der mit Dachau normalerweise zur Verfügung stehen. hinter der sie sich verbarrikadiert hatten, freien Aussprache die Voraussetzungen einer seinem eigenen Verhalten in keinem wie imDas ist der Mann, über den seine Mutter und zertrümmerten das Mobilar vollständig. echten Urteilsbildung entzogen hat. mer gearteten Zusammenhang steht. an uns schreiben mußte:> Mein Sohn Löwenstein und seine Frau gelang es schließ- Die Menschen, die sich dazu hergeben, zu hat mir versichert, daß es ihm lich, aus der Wohnung und später ins Aus- Dingen, von denen sie nichts verstehen und sehr gut gehe.< land zu entkommen. Die nazistische Gerech- nichts verstehen können, Beifall zu brüllen, tigkeit unternahm nichts gegen die Atten- sind nicht Valk, sondern Pöbel, und die Betäter, dagegen bürgerte sie Löwenstein und rufung auf ihre Zustimmung ist nicht Demoseine Frau aus und konfiszierte ihr Eigen- kratie, sondern Demagogie, Solche Dematum. Der junge Kurt Eisner aber, der es gogie heulte im Sommer 1914 alle Friedensgewagt hatte, die demolierte Wohnung zu freunde nieder, sie zerschlug durch begeisterte Seit drei Jahren beschäftigten sich die photographieren, wurde verhaftet und befin- Propagierung uferlose Eroberungspläne alle » Der Kommandant von Dachau hat wiederholt Schweizer Gerichte mit einer det sich seitdem in Gefangenschaft. einen ebenso stumpfsinnigen wie gemeinen Versuch unternommen, ausländische Klage des Genossen Dr. Kurt LöwenPresse einzuschüchtern. Wenn die Juden in stein gegen die Schweizer Frontistenhäuptzeitung> Het Volk< hat ihn erhalten, sie hat Auf seinen Befehl also hat Heilmann der Heilmann befindet sich seit viereinhalb Jahren in Gefangenschaft niemand weiß warum und für wie lange. Seine Frau und seine vier Kinder, die er zärtlich liebt, werden dem nationalsozialistische Tereine furchtbarsten Mißhandlungen zu erdulden Daß die idiotischen Lügen gegen den Gediesmal zum fünftenmal ohne ihn das Weih- Göbbels- Lügen vor nachtsfest begehen. Schweizer Richtern Zu dem Erpresserbrief der Lagerhaltung Der Fall Kurt Löwenstein. bemerkt> Het Volk<: die und Massen spielen mit worden ist. Kann man demokratischer sein? ER hat die Friedensmöglichkeiten und erzwang den rücksichtslosen U- Boot- Krieg, mit ihm den Eintritt der Vereinigten Staaten in den Krieg. Sie hat damals zum Zusammenbruch geführt, Dachau isoliert und ihnen alle Bequemlich- linge. Diese hatten in ihrem Skandalblatt,» Veredelte Demokraties in Rom keiten entzogen werden, weil ein schwediHunderttausende auf dem Platz vor dem sie wird immer wieder zum Zusammenbruch der> Front«<, alle alten Lügen wiederholt, mit scher Autor, der mit offizieller Zustimin Italien, in Deutschland, überall! mung das Lager besucht hat, eine Beschrei- denen die Nazi in Berlin gegen den Neuköll- Palazzo Venezia in Rom, alle in gespannter führen bung von den himmelschreienden Zustän- ner Stadtschulrat und verdienten Pädagogen Erwartung.> ER« wird auf den Balkon treten den, die dort herrschen, gibt dann sind gehetzt hatten. Kürzlich ist nun der Prozeß und reden. Militärmusik, Märsche, auch deut-» Längere Freiheitsstrafe« sie rettungslos verloren, wenn die auslänzu Ende gekommen durch einen» Vergleich«, sche, Gesang, großer Opernstil, nur nicht Drei Führer der Nazi in Dänemark sind dische Presse über Dachau schweigt der Kommandant und seine Trabanten die der vor dem Obergericht geschlossen wurde. Wagner, sondern diesmal Verdi. vom Gericht in Apenrade wegen Eingreifens Oeffentlichkeit nicht zu fürchten brauchen.<< Dieser Vergleich< besteht darin, daß die und Dann erscheint ER, und der Platz tost in ein schwebendes Gerichtsverfahren > Diese Schandtat«, sagt> Het Volk« zum Frontistenhäuptlinge alle ihre Behauptungen Beifall, ER spricht, Entzücken kreischt ihm Ehrenbeleidigung verurteilt worden: einer zu Schluß,» ist mißglückt. Sie bewirkt das Ge- bis auf das letzte Pünktchen de- und weh- entgegen. ER redet vom Völkerbund und 150 Kronen, der andere zu 500 und der dritte genteil von dem, was sie bezweckt hat.<< mütig widerrufen. Insbesondere werden zu- fragt:» Drinnen?« Hunderttausendfach don- zu sechzig Tagen Haft. Dazu schreibt rückgezogen die Behauptungen, Dr. Kurt nert es» Nein!<<» Draußen?< Hunderttausend- der Völkische Beobachter<:» Das DeutschLöwenstein habe als Schulrat und Leiter der fach donnert es Ja!<> So rufen wir denn tum Nordschleswigs steht dem Urteilsspruch, Auch der Rechtsanwalt Litten gehört zu Karl- Marx- Schule in Neukölln eine rege Gott- heute unser Genug< der Donner der und eine längere Freiheitsstrafe den Gefangenen der deutschen Konzentra- losenpropaganda entfaltet, habe seine jungen überdonnert sich. Vor Begeisterung wälzt man für den Parteiführer fällte, verständnislos tionslager seit ihrer Errichtung. Er ist weder Zöglinge Aufsätze über Abtreibungsprozesse sich fast in den Pfützen... gegenüber.< Der Fall Litten Ibni Aus großer Zeit state die die nicht geradewegs dem Abgrund zutrabt und schnen reißt er es herum. von Ein paar Zeilen weiter unten liest man: > Die oben genannten Fälle handeln nur Charakters. Beleidigungen privaten Anders kann die Rechtslage werden, wenn die Aeußerungen politischen Charakters sind, und wenn womöglich gegen politische Schutzgesetze verstoßen wird. Hier stehen Interessen des Volkes auf dem Spiele, die denen der Familie vorgehen können. Das ist eine Frage für sich.< was dem Dr. Plumayer Reichswehrparade vor einem brachten ihn ins Hauptquartier der Himmler-| len< abgegebenen Stimmzettel, Juden. Streicher wird wahrscheinlich einen polizei, wo er in sechs verschiedenen Zimmern Wahlprotokolle, die Zähllisten usw. seiner traditionellen Wutanfälle bekommen dreieinhalb Stunden lang verhört wurde... länger aufbewahrt, sondern der Altpapierhaben, als er erfuhr, was sich kürzlich in Ein Deutscher, der es gewagt hätte,» min- sammlung zugeführt werden und auf dem AlBerlin ereignete. Dort hat nämlich eine derrassigen< Frontkämpfern ein Zeichen der tar des Göringplanes eingestampft werden Ehrenkompagnie der Reichswehr mit feierlich Ehrung und des Gedenkens zu widmen, hätte soll... präsentiertem Gewehr vor einem Ju- dieses Verbrechen im Lager oder im Zucht- Eingestampfte Wahlakten können keine den strammgestanden, und Hunderte Nicht abzusehen, von haus büßen müssen. Da Genett aber Ameri- Fälschung mehr verraten. Sie wird unbefug>> Volksgenossen<< standen dabei, die Hand zum kaner ist, überlegte man sich die Sache und ter Neugier entzogen und schweigsam wie das passiert wäre, wenn er die Meinung vertreten begnügte sich damit, ihn aus Deutschland zu Grab, Etwa wie das Grab van der Lubbes. arischen Gruß erhoben. Jawohl. Das ganze klingt einigermaßen unglaub- verweisen. lich. Und ist dennoch wahr. Ja, mehr noch: der Mann, dem solche Ehrung widerfuhr, war eigens nach Berlin gekommen, um dort gegen den nazideutschen Antisemitismus unmiẞverständlich zu demonstrieren. Er heißt Isidor Genett und ist Amerikaner. Daß er nebenbei Jude ist, konntén ihm die hohen Heereswürdenträger nicht In Zukunft wird man sicherlich von Aus* hätte, man müsse über Hitler, Göring, Göbbels und die ganze braune Herrlichkeit Schiller in Haifisch und zu Hause ungestraft seine Meinung sagen Wieder ein neuer dürfen. Aber er ist schon selber klug genug ländern den Nachweis>> einwandfreier« Ab- Goethe in Hecht. stammung und Gesinnung verlangen, ehe man Triumph der Ersatzwirtschaft. Die Stühle aus um zu wissen, daß man im Dritten Reich zwar sie in die Nähe deutscher Kriegerdenkmäler Glas und die Scheren aus Kunstharz verblas- mit dem Reichsgericht anbinden darf, aber sen zu nichts gegenüber dem Fisch- nicht mit der Gestapo. leder, aus dem jetzt den deutschen Ziviläßt. * Die Papier knappheit im Dritten ansehen, bei denen er in aller Form persön- Reich wird immer größer. Und die Wogen der von oben her zwangsweise angefachten Altlich die Erlaubnis erbat, am Kriegermonument Unter den Linden einen Kranz nieder- papier- Sammelwut gehen immer höher. Selbst legen zu dürfen, der dem Andenken deutscher, auf den Schlachtfeldern des Weltkrieges gefallenen Soldaten gewidmet sein sollte. Man hatte nichts dagegen einzuwenden, man war im Gegenteil hoch erfreut darüber, daß ein deutschen Kriegsamerikanischer Gast die gefallenen so feierlich und eindrucksvoll zu ebren gedachte. Und so entsandte man denn eine Ehrenkompagnie zur Mitwirkung an diesem Pietätsakt. Der Verkehr Unter den Linden wurde gestoppt, die Soldaten präsentierten, die Offiziere entblößten ihre Degen, die zivilen Zuschauer standen zum Hitlergruß erstarrt, und Mr. Isidor Genett schritt zum keiner das 1 listen das Schuhwerk hergestellt werden wird. Labour für Freiheit Der» Dresdner Anzeiger«( 1937, Nr. 329) schreibt: aus Morrisons offener Brief. Spanienreise. Attlees » Die Versuche der Forschungsanstalt für die Lederindustrie in Dresden, Wenn Halifax nach Berlin fährt, Fischhaut brauchbares Leder herzustellen, richtet Morrison einen offenen Brief sind erfolgreich abgeschlossen. Deutscher an das deutsche Volk, und wenn ChamForschungsarbeit gelang es... einen heimiberlain einen» Agenten« mit Gesandtenschen Rohstoff mutzbar zu machen Sehr bald schon dürften Schuhe aus See- rang bei Franco ernennt, fährt Attlee oder Schellfischhaut beliebt sein. zu Azana und den Frontkämpfern eines Heringshaie. liefern ein Leder, das sich freien Spanien. ausgezeichnet für Arbeitsschuhwerk eignet lachsDa sich Fischleder auch für Bucheinbände eignet, werden wir schon bald Goethe in Hecht oder Schiller in Haifisch kaufen können...< die Kirchturmspitzen bleiben von den Helden der großen Sammelschlacht nicht verschont. Wie das» Berliner Tageblatt<( 1937, Nr. 575/76) berichtet, war man jüngst dahindes ter gekommen, daß sich in der Spitze Turms der Jerusalemerkirche altes Papier beSAfand, Akten aus dem 18. Jahrhundert. Vor drei Jahren konnte man manchLeuten gelang es nach einer gewagten, halsmal den Eindruck haben, als ob die Sache brecherischen Kletterei, die Turmspitze zu erder europäischen Freiheit bei den Konsersteigen und die kostbare Beute zu bergen und vativen besser aufgehoben sei als bei der der Einstampfung zuzuführen... Die NaziDaß man in einem Land, in dem die An- Arbeiterpartei. Seitdem hat sich das Bild presse vergießt Rührungstränen über züge im Walde wachsen, nun dazu übergeht, gründlich gewandelt. Ein einflußreicher stille Heldentum der braven Leute im schlich das Schuhleder mit der Angelschnur aus dem Teil der Konservativen liebt eine undurchten Braunrock. Und im Propagandamini- Wasser zu fischen, ist nicht weiter verwun- sichtige oder mitunter auch schon sehr Kriegerdenkmal und legte dort einen Kranz sterium denkt man vielleicht:» Schade, daß derlich. Selbst das Hungertuch, an dem die durchsichtige Politik der Annäherung nieder, auf dessen weißer Seidenschleife Ge- von den heldischen Kletterern das Untertanen des Führers nagen, besteht nur an die faschistischen Weltzentren, die Ardenkworte zu lesen standen, die die jüdi- Genick gebrochen hat, man hätte einen Na- aus» Vistra«, und der Leibriemen, den sie beiteropposition aber hat sich auf ihre schen Kriegsveteranen Ameri- tionalheros, einen Märtyrer des Vierjahres- enger und enger schnallen, wird nun also bald wahre Aufgabe besonnen, Vorkämpkas an die für Deutschland im plans aus ihm machen können...< aus echtem Heringsleder sein. Nur die Ka- fer der Freiheit in der ganzen Welt Kriege gefallenen Juden richte- Herr Frick aber weiß beim Papiersammeln nonen sind nicht Surrogat in Deutschland, zu sein. ten... das Nützliche mit dem Angenehmen innig zu sondern aus höchst echtem Material. Sobald Für diese Wandlung sind die offe. Eine Stunde nach dieser Zeremonie wurde verschmelzen. Er ist auf keinen Kirchturm ge- es sich um die Rüstung handelt, vergeht den nen Briefe Morrisons an das Genett in seinem Hotelzimmer verhaftet. klettert, sondern hat angeordnet, daß alles Herren Führern die kindliche Freude am deutsche Volk und die Spanienreise Ein Gestapobeamter und ein Schupomann Material von den letzten sogenannten» Wah-» höherwertigen Ersatz... Attlees zwei gleich erfreuliche Symptome. Unserem Freund Herbert Morrison wird der Ruhm bleiben, als einer der ersten ernicht kannt zu haben, daß der Kampf um den worden. Frieden nicht defensiv geführt werden Alles, was zum Beispiel über den Begriffs- kann, sondern nur offensiv als Kampf für inhalt von Blut, Boden und Rasse die Befreiung der geknechteten Völker. sowie über ihre Wirkungen und Anforderun- Dächten und handelten die verantwortgen für das Leben der Gesamtheit und des lichen Staatsmänner der demokratischen Einzelnen ernsthaft öffentlich vorgetragen Länder so klar und zielbewußt wie Heroder gelehrt wird, geht in der Regel die bert Morrison, so wäre die Demokratie in nationalsozialistische Bewegung und daher Europa viel stärker, der Faschismus viel auch den nationalsozialistischen Staat an, schwächer, und er würde, im Bewußtsein den sie trägt.< seiner Schwäche, auch gar nicht daran Vom Recht im 3. Reich Mangels gesetzlicher Bestimmungen Nicht, daß man meint, es ginge in Deutschland etwas, was man will, mangels gesetzlicher Bestimmungen nicht zu machen. Leider wissen wir, daß trotz des Mangels an gesetzlichen Bestimmungen alles mögliche getan wird, was sich in kein Gesetz fassen ließe. Aber eines geht nicht. Man kann den Reichskanzler nicht verklagen. Also dem Reichsgericht ist es furchtbar peinlich. Eine Firma hat es fertig bekommen, das Deutsche Reich zu verklagen. Das möchte noch angehen. Sowas kommt in den besten Diktaturen vor. Aber: >> Demgemäß wird im Kopf des angefochtenen Urteils das Deutsche Reich in dieser Hinsicht als> vertreten durch die Reichsregierung, diese vertreten durch den Reichskanzler< bezeichnet.< ein verkündetes Gesetz, sondern eine Neubildung, die das Reichsgericht mangels gesetzlicher Bestimmungen aus eigener Fantasie schaffen mußte. Und so erklärt es denn auch am Ende des Urteils: der Bereich des staatlichen Lebens eingeschränkt, sondern erweitert K. K. > Mangels besonderer gesetzlicher Bestimmungen ist vielmehr davon auszugehen, daß in solchem Falle die gesetzliche Vertretung des Reiches für die Prozeßführung jeweils Uebrigens, das Wort» ernsthaft« befrem- denken, einen Angriff zu wagen. Der Fademjenigen oder denjenigen Reichsmini- det uns ein wenig. Sollte sich das Reichs- schismus ist nur so lange gefährlich, als stern zusteht, deren anvertrauter Geschäfts- gericht vorstellen, daß man über Blut, Boden es ihm gelingt, die Köpfe seiner Unterbereich von dem Rechtsstreit sachlich be- und Rasse noch anders als ernsthaft reden tanen zu verbarrikadieren. Der Durchtroffen wird.<< kann? Wir wollen es nicht hoffen. Jedenfalls bruch durch diese Stellungen, die Wiederwird es nach dieser Gesetzesauslegung dem herstellung der geistigen Kommunikation Pfarrer schon ziemlich schwer werden, über zwischen den freien und den eingesperrten etwas zu reden. Aber das langt noch nicht. Völkern ist in der Tat das entscheidende Zu den gefährlichen Angelegenheiten ge- Problem. Das hat Herbert Morrison behören auch solche: griffen, dafür arbeitet er, und dafür gehört ihm unser Dank. Wenn wir gesagt haben, daß das Dritte Reich keine staatsrechtlichen Gesetze geschaffen habe, so stimmt dies nicht ganz. Der Reichskanzler selbst hat einmal einen Anlauf genommen, sich gesetzlich zu definieren. Das geschah nach dem Tode Hindenburgs, als er > Angelegenheiten, mit denen sich der Staat noch nicht befaßt hat, die von dem Prediger aber in den Kreis der Angelegenheiten des Staates hineingezogen werden...< Warum soll ein Prediger auch ausgerechnet von den Menschen und ihrer sozialen Gevereinige die Befugnisse des verfügte, er Reichskanzlers und des Reichspräsidenten in seiner Person. Aber wenn sonst noch irgend So, es ist heraus. Aber schwer genug ist welche Unklarheiten bestehen sollten, so läßt es den Reichsrichtern gefallen, auch nur den man das Reichsgericht sagen:» Mangels genackten Tatbestand festzustellen, daß ein Un- setzlicher Bestimmungen und kraft dieser... meinschaftsform sprechen. Regeldetri, Stratotertan seinen Führer vor Gericht geladen hat. Da nichts sein kann, was nicht sein darf, ist es natürlich unmöglich, dem Reichskanzler die Ladung ins Haus zu schicken. Aber um zu begründen, daß dies gesetzlich unzulässig Lirum, Larum Warum? Darum.< Trotz gesetzlicher Bestimmungen Da hat es das Reichsgericht in Strafseit es sich dort mit gewöhnlichen Untertanen und sphärentemperaturen, Erdbebenforschung, es gibt ja so viel schöne Themen, die nichts Anstößiges an sich haben. Andere Berufe haben auch umlernen müssen. sei, fehlt es dem Reichsgericht an einer Klei- sachen schon einfacher. Erstens beschäftigt Sind Aeußerungen im nigkeit. Das Deutsche Reich hat sich 1933 und bis 1937 weder eine Verfas- zweitens bestehen eine ganze Menge Gesetze. Familienkreise strafbar? sung noch irgend welche anderen Der einzige Uebelstand ist vielleicht, daß sie Darf eine Frau ihrem Manne sagen, daß denen nicht immer ausreichen, um den zu verurtei- ihr bisheriger Hausarzt ein Stümper ist? gegeben, aus Gesetze Attlees Spanienreise hat zwar bei einem Teil der Konservativen Aerger erregt, aber sie hat die Sympathien der ganzen Welt für die Arbeiterpartei und ihren» Leader< gesteigert. Sie war in einer Zeit, in der das Heldenbuch der Demokratie so viele weiße Stellen aufweist, eine mutige Tat. Attlee war auf seiner Reise vom Genossen Viktor Schiff begleitet, dem früheren» Vorwärts<-Redakteur und jetzigen» Daily- Herald«-Korrespondenten in Paris. Gleich nach seiner Rückkehr nach London veröffentlichte Attlee einen Appell an das englische Volk, in dem er sein volles Vertrauen zur militärischen Kraft des republikräftigen Hilfe für die hungernde Bevölkerung aufruft. hervorginge, wer und wie er re- len, den man soll. Da ist zum Beispiel ein Darf ein Vater im Gespräch mit seiner Toch- kanischen Spaniens ausspricht und zur tat» Ein Geistlicher.. " gieren soll. Regiert wird, daran ist kein Pfarrer wegen Kanzel-ter den Jüngling, der sie umschwärmt, einen Zweifel. Nur, es fehlt an jeder schriftlichen mißbrauchs angeklagt. Was ist Kanzel- Windbeutel nennen? Muß das Gericht die Gebrauchsanweisung. Den Rechtsgelehrten mißbrauch?§ 130 a des Strafgesetzbuches Frau, den Vater verurteilen, wenn der Bedes Auslandes ist es z. B. schon seit langem sagt: laidigte ihre Aeußerung erfährt und klagt? aufgefallen, daß die Weimarer Verfassung noch gar nicht außer Kraft gesetzt worden ist. Dem Reichsgericht macht dieser Umstand keine ernsten Beschwerden. Es zitiert die Weimarer Verfassung, wenn es sie braucht und Verkündigung oder Erörterung macht, wird Dagegen wendet sich in der> Deutschen würde auch gern andere Gesetze zitieren, die mit Gefängnis bis zu zwei Jahren bestraft«. Allgemeinen Zeitung< Dr. Karl Plues ihm erlaubten, der Klägerin zu beweisen, Was ist eine Angelegenheit des Staates? mayer:» Mehr denn je«, ruft er entrüstet daß sie den Führer nicht laden dürfe. Bitte, fragen Sie lieber, was keine ist! Früher, aus, wird heute die Familie auf allen > Es kann dahin stehen, ob hiergegen unter im wilhelminischen Reiche, meinte dasselbe Rechtsgebieten geschützt. Die Treue Zugrundelegung der sich aus der Wei- Reichsgericht noch, der Paragraph handele Familie bedingt aine größere Aufmarer Verfassung ergebenden von Angelegenheiten, die den Staat als sol- geschlossenheit ihr gegenüber, die nicht durch Rechtslage Bedenken bestanden hätten. chen angehen, bei denen es sich um seine unzulängliche Strafgesetze beJedenfalls entspricht eine solche Ordnung Rechte und Pflichten, seine Interessen und lastet werden darf.<< welcher in Ausübung Das Reichsgericht hat diese Frage bejaht." Nutslos verloren gegangen« seines Berufes. Angelegenheiten des Auch Aeußerungen, die im engsten Familien- Der Dresdner Anzeiger« Nr. 328 verStaates in einer den öffentlichen Frieden kreis fallen, sind nach seiner Auffassung öffentlicht folgende Rechnung: gefährdenden Weise zum Gegenstande einer strafbar. zur >> Mit einer Erzeugung von 2.3 Millionen Tonnen Papier steht Deutschland unter den Papiererzeugern an dritter Stelle. Im letzten Jahr wurden in Deutschland nur 0.7 Millionen Tonnen als Altpapier zurückgewonnen. Es sind also nahezu 2.2 Millionen Tonnen Papier nutzlos verlorengegangen, WOfür wieder entsprechend Neumaterial in Anspruch genommen werden mußte.< Ein Teil des Papiers ist z. B. für die Erwerden. Glück- zeugung von Büchern verschwendet worden, Denn Plumayer die nun in den Schränken verweichlichter Wendung zum nationalsozialistischen Staate merkt selber, daß sein juristisches Rößlein Stubenhocker modern. der Vertretung des Reiches nicht mehr dem Aufgaben handeles. Aber inzwischen... las Der wohlwollende Leser beginnt um Dr. gegenwärtigen Stande der Regierungsver- sen wir das Reichsgericht selber sprechen: Karl Plumayer besorgt zu fassung.< Die Regierungsverfassung ist nicht etwa >> Inzwischen ist durch die geschichtliche licherweise unberechtigt. (�»pfnjfs W elhnaditsgabe 20 RM Feiertagszulage jährlich. Hermann Gering hat den deutschen Arbeitern etwas zu Weihnachten geschenkt. »Damit die Mitarbeiter an dem großen Werk des Führers die Feiertage in Freude verleben können«, bestimmt er, daß»für die Arbeitszeit, die infolge des Neujahrstages, des Oster- und Pfingstmontags sowie des 1. und 2. W e i h- nachtsfeiertages ausfällt, den Gefolgschaftsangehörigen der regelmäßige Arbeitsverdienst zu zahlen ist.« Eine Anordnung über Lohnzahlungen, meint die»Deutsche Allgemeine Zeitung«,»wäre früher ressortmäßig vom Arbeitsminister ausgegangen«. Daß sie im Zeichen der Durchführung des Vierjahresplanes steht und von Göring vollzogen wird, zeige, wie stark der Vier- jahresplan alle Bezirke des deutschen Lebens erfaßt. Mit anderen Worten: Die Vollmachten, die der Führer dem General Göring erteilt hat, sind fast unbeschränkt. Er hat ihn zum Herren nicht nur über die Wirtschaftspolitik, sondern auch über die Sozialpolitik des Dritten Reiches gemacht. Herr Seldte, bisher schon eine bloße Hintergrundsfigur, ist nur noch Göring ausführendes Organ. Die Herren von der»Deutschen Ailgemei- nen Zeitung« möchten annehmen,»daß die guten psychologischen und kulturellen Auswirkungen dieser Anordnung noch größer sind als ihr materieller Wert, der von der Arbeiterschaft empfunden wird.« Diese Annahme ist durchaus richtig, denn daß es Göring nur um einen Propagandatrick zu tun ist, der den Unternehmern wenig kostet und den Arbeitern wenig einbringt, geht aus der Begründung hervor, die Göring seinem Befehl vorausgeschickt hat. Darin heißt es: »Die Durchführung des Vierjahresplanes stellt erhöhte Anforderungen an alle Gefolgschaftsangehörigen. Lohnverbesserungen können als Ausgleich dafür nicht gewährt werden.« Von Görings Maßnahme darf, nach der »Frankfurter Zeitung«»die Steigerung der Arbeitsfreude erwartet werden, die nicht nur dem Vierjahresplan, sondern unmittelbar auch den Betrieben selbst zugute« kommen soll. Es wird also zugleich dafür gesorgt, daß auch den Unternehmern die Gewinnfreude »Entlassen- weil sie Deutsdie sind!« Die»Frankfurter Zeitung« vom 5. November versieht einen Bericht ihres polnischen Korrespondenten über Entlassungen einiger deutscher Angestellter in Polen mit der zweispaltigen Ueber- schrift:»Entlassen— weil sie Deutsche sind.« Man könnte dem Blatt empfehlen, unter dieser Ueberschrift eine tägliche Rubrik einzurichten, in der alle jene fristlosen Ent-' lassungen deutscher Arbeiter und Angestellter bekanntgegeben werden, die fast täglich zu verzeichnen sind. Die»Frankfurter Zeitung« und— wahrscheinlich, um eine abschreckende Wirkung auf die Arbeiter auszuüben— auch die Presse der Deutschen Arbeitsfront, veröffentlichen fortlaufend Urteile der Arbeitsgerichte, die die fristlosen Entlassungen rechtfertigen. Die mit dem Verlust des Erwerbs bestraften Arbeiter und Angestellten haben sich keinerlei ehrlose Handlungen zuschulden kommen lassen. Sie haben sich nicht irgendwie zu Angriffen gegen die Meister oder den Unternehmer hinreißen, sie haben sich auch sonst keinerlei Verstöße zuschulden kommen lassen. Sie sind keine»Aufrührer« und keine»Bolschewisten«. Das Verbrechen, das zu ihrer fristlosen Entlassung führte, besteht in der Mehrzahl darin, daß sie die immer wiederholten Versicherungen der Nationalsozialisten, die Beteiligung an den massenhaften»Spenden« sei freiwillig, ernst genommen haben, oder daß sie sich der Diffamierung ihrer Mitbürger widersetzten. Eine große Anzahl von Opfern hat in den letzten Monaten das Winterhilfswerk gefordert. In allen Gegenden des Reiches haben sich die Arbeitsgerichte mit Einsprüchen von Arbeitern und Angestellten zu befassen, die, weil sie nicht den geforderten Betrag für das Winterhilfswerk zeichneten, einfach von ihrem Arbeitsplatz gejagt worden sind und nun durch das Arbeitsgericht wieder zu ihrem Recht kommen wollen. Fast ausnahmslos entscheiden die Arbeitsgerichte gegen sie. Die »Frankfurter Zeitung« vom 4. und 5. November bringt dafür wieder zwei Beispiele. Das Reichsarbeitsgericht bestätigte die Entlas- lung eines le tenden Angestellten, weü er nicht damit einverstanden war,»sich ebenso wie die ganze Gefolgschaft den üblichen Betrag von 10 Prozent seiner Lohnsteuer für das Winterhilfswerk abziehen zu lassen«. Das Reichsarbeitsgericht bestätigte, daß ein solches Verhalten einen Grund zur fristlosen Entlassung büden könne. Mit seiner Weigerung habe der Kläger offensichtlich seiner grundsätzlich gegnerischen Einstellung gegen das WHW Luft machen wollen.« In Wismar war ein Arbeiter entlassen worden, weil er sich weigerte, weitere Spenden für das Winterhilfswerk zu geben und sogar die Zurückerstattung bereits geleisteter »Spenden« verlangt haben soll. Das Arbeitsgericht hat seine Klage abgewiesen, weil jeder, der»sich der Ehrenpflicht jedes in Arbeit und Brot stehenden Deutschen ohne zwingenden Grund entziehe, sich damit außerhalb der Volksgemeinschaft stelle. Der Betriebsführer sei zur fristlosen Entlassimg berechtigt gewesen.« So heißt es in der Begründung dieser»sozialen Rechtsprechung«. Aus den sich vor den Arbeitsgerichten häufenden Klagen ist gleichzeitig zu ersehen, daß die Ablehnung des Winterhilfswerkes und der raffiniert ausgebauten Erpressungsmethoden der Nationalsozialisten immer weitere Kreise der deutschen Bevölkerung erfaßt. Das Reichsarbeitsgericht hat die fristlose Entlassung eines städtischen Angestellten bestätigt, weil dieser in drei Jahren insgesamt für 300 RM Waren auf Teilzahlung in einem jüdischen Warenhaus gekauft hatte. Diese Einkäufe in einem jüdischen Geschäft seien eine»schwere Pflichtverletzung des Angestellten nicht nur gegen seine Pflichten als Mitglied der NSDAP und der SA, sondern auch gegen seine Pflichten als Dauerangestellter einer der nationalsozialistischen Staatsführung unterstellten Stadtgemeinde«. Nahezu täglich liefern die Arbeitsgerichte des Dritten Reiches ähnliche Urteile. Dabei ' kommt aber nur ein Bruchteil der fristlosen Entlassungen an die Arbeitsgerichte, weü es die große Mehrzahl der Betroffenen Infolge der von vornherein feststehenden Aussichtslosigkeit vorzieht, sich mit dieser schändli- I chen Terrormaßnahme abzufinden. Wenn sich also die nationalsozialistische und die gleichgeschaltete Presse über»Entlassungen— weil sie Deutsche sind« aufregen will, dann braucht sie sich das Material hierfür nicht von ihren ausländischen Korrespondenten zurechtbiegen zu lassen, sondern kann es aus dem Inland holen ,wo es ihr täglich in reichem Maße geliefert wird. Denn alle die fristlosen Entlassungen werden ausgesprochen, weü diese Arbeiter und Angestellten Deutsche, und nicht erbärmliche Kreaturen der nationalsozialistischen Diktatur sein wollen. nicht geschmälert werde. Auch sie gehen bei der Weihnachtsbescherung nicht leer aus. Sie' dürfen sicher sein, die Arbeiter im Zeichen 1 des Vierjahresplans zu höheren Leistungen zwingen zu dürfen, aber von der| Bezahlung ihrer Mehrarbeit verschont zu 1 bleiben. Was sie auf Görings Befehl den Arbeitern schenken müssen, ist weit weniger, als sie von ihm geschenkt bekommen. Es darf deshalb nicht Wunder nehmen, daß man, wie die»Frankfurter Zeitung« berichtet,»die Belastung der Wirtschaft durch den Feier- tagslohn für erträglich« hält. Das ist sie in der Tat. Die Weihnachtaga be besteht darin, daß der Jahreslohn des Arbeiters um einen Betrag erhöht wird, der dem Verdienst von höchstens fünf Arbeitstagen entspricht. Er bekommt statt nur 300 Arbeitstage 305 Arbeitstage bezahlt. Das ist eine Lohnerhöhung von 1.6 Prozent als Entschädigimg für eine unbegrenzte Anspannung der Arbeitskraft, ganz zu schweigen von der Verteuerung und Verknappung der Lebensmittel. Errechnet man das Durchschnittseinkommen der deutschen Lohn- und Gehaltsempfänger, indem man das amtlich geschätzte Jahreseinkommen aus Lohn und Gehalt von 1936(35 Milliarden Mark) mit der durchschnittlichen Zahl der Beschäftigten (17% Millionen) dividiert, so ergibt das ein Durchschnittseinkommen von 2000 Mark jährlich und 5.50 Mark täglich. In dieser Zahl sind aber die höheren Angestelltengehälter mit berücksichtigt. Der durchschnittliche Tagesverdienst des Arbeiters ist also höchstens 4 Mark. So hoch beziffert sich, in einer nackten Zahl ausgedrückt, Görings diesjährige Weihnachtsgabe für den deutschen Arbeiter, die dieser nach der Weisung der»Deutschen Allgemeinen Zeitung« als»nicht nur einen sozialen, sondern auch einen kulturellen Fortschritt« empfinden soll. Im nächsten Jahre wird dieser soziale und kulturelle Fortschritt auf etwa 20 Mark zu beziffern sein. Aber es ist noch gar nicht einmal sicher, ob auch nur dieser winzige Lohnerhöhungsersatz wirklich ausgezahlt wird. Denn erstens kann durch Tarifordnung oder vom Unternehmer selbst durch Betriebs-(Dienst-) Ordnung bestimmt werden, was als regelmäßiger Arbeitsverdienst anzusehen ist, und zweitens kann der Reichsarbeitsminister Ausnahmen »für einzelne Betriebe genehmigen, wenn es ihre wirtschaftliche Lage zwingend erfordert.« Der Reklamewert, den dieses Weihnachtsgeschenk für das Regime selbst hat, dürfte also seinen realen Wert für die Arbeiter weit übersteigen. G. A. F. Die 90-'Minionenwahl Ohne Gegenkandidaten Am 12. Dezember hat Sowjetrußland seinen Obersten Sowjet und seinen Nationalitätsrat gewählt. Die Ernennung der Kandidaten erfolgte durch die Organisationen der Staatsmacht, eine Aufstellung von Gegenkandidaten kam dabei gar nicht in Betracht. Nach den amtlichen Nachrichten ist es gelungen, fast die gesamte Wähleischaft, das heißt fast alle männlichen und weiblichen Sowjetbürger— 90 Millionen Menschen— an die Urne zu bringen, eine erstaunliche organisatorische Leistung! Aber für die wirkliche Stimmung der Bevölkerung besagt ein solcher Massenauftrieb nichts. Beide Häuser, der Oberste Sowjet und der Nationalitätenrat, werden je etwa 600 Mitglieder haben, beide besitzen das Recht der legislatorischen Initiative, ohne beider Zustimmung kann nach der neuen Verfassung kein Gesetz Zustandekommen. Die beiden Häuser sollen binnen Monatsfrist nach ihrer Wahl zusammentreten. Mit großen Hoffnungen ist seinerzeit die neue Sowjetverfassung und die Ankündigung allgemeiner Wahlen begrüßt worden. Viele erblickten in diesen reformatorischen Maßnahmen den WUlen zu einer Auflockerung des Diktatursyatems und zu einer staatsmännisch behutsamen Evolution in der Richtung zur Demokratie. Hätten sich solche Hoffnungen verwirklicht, so hätte man sagen können, daß die Schreckensherrschaft der großen russischen Revolution eben auch nur ein Schritt zur Verwirklichung der allgemeinen Menschenrechte gewesen sei. Statt dessen setzte aber eine neue Welle des Terrors ein, die alle früheren an Gewalt übertraf. Nach der Massenerschießung der alten Bolschewiken wird kaum noch ein unabhängiger Beobachter den Mut haben, die Wahlen vom 12. September als einen großen Portschritt zu feiern. Die Sowjetverfassung garantiert die Freiheit der Rede,, der Presse, der Versammlung — aber sie setzt dabei als selbstverständlich voraus, daß sich jedermann den Geboten der regierenden Partei und ihres allmächtigen Generalsekretärs zu fügen hat. Die staatsbürgerlichen Freihelten bleiben unter diesen Umständen auf dem Papier als eine Verheißung für eine ganz unbestimmte Zukunft. Auch von der— verfassungsmäßig natürlich»freien«— Aussprache in den Sowjetparlamenten wird man sich nichts versprechen können, so lange jede Opposition von den Kugeln der Hinrichtungskommandos bedroht ist. VolkswiHsdiaft ist Wehrwirtsdiaff Wohlstand ist nicht das Ziel. Prof. Dr. Jens Jessen von der Universität Berlin hat als»führender deutscher Nationalökonom« in der»Zeitschrift der Akademie für deutsches Recht« seine Ansicht über die Stellung der Volkswirtschaft und der Weltwirtschaft zum Besten gegeben. Bisher war man der Auffassung, daß die wirtschaftspolitische Wissenschaft den allgemeinen Wohlstand, wenn auch zumeist nicht erreicht, so doch mindestens erstrebe. Aber die»Führung« hat befohlen, daß Kanonen wichtiger zu sein haben als Butter, deshalb lehrt Prof. Jessen, daß das Ziel der Volkawirtschaftspolitik nicht die Sicherung des höchstmöglichen materiellen Wohlstandes überhaupt— weder im ganzen noch im einzelnen— fst, wie es der liberalen Reichtumslehre vorschwebte, sondern die Sicherung des Maßes an Wohlstand, das der politischen Führung das gp-ößte Maß an Bewegungsfreiheit gibt«. Die»Führung« hat also nicht die Aufgabe, dem Volk den Wohlstand zu sichern, sondern das Volk hat die Pflicht, sich verarmen zu lassen, um der»Führung« die Macht zu sichern. Das nehme, meint der Professor»der nationalsozialistischen Wirtschaftslehre jeden Doktrinarismus«. Wenn die einzige Doktrin die ist, daß man der»Führung« zu gehorchen hat, kann man allerdings auf jede andere und sogar auf das Denken überhaupt verzichten. Wenn das Ziel der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik nicht der W o h Island ist, so, müßte man meinen, ist es eben der M i ß stand. So ist es aber auch nicht, denn der Nationalsozialismus scheidet sich»nicht nur von der liberalen Reichtumslehre, sondern auch von der Armutstheorie, wie sie mitunter von ausländischen Kritikern dem Nationalsozialismus unterstellt wird. Keine volksbewußte Führung kann es zulassen, daß um den Preis möglicher Erpressungen in entscheidenden Augenblicken der Auseinandersetzungen der Völker das absolute Maximum der Versorgung mit irdischen Gütern, z. B. im Wege eines hemmungslosen zwischenstaatlichen Güteraustausches, als Ziel der Wirtschaftspolitik verfolgt wird«. Man verzichtet also darauf, es dem Volke besser gehen zu lassen, wenn es die Kriegsvorbereitung stört, und wenn das Volk nicht immer besser, sondern immer schlechter versorgt wird, so nicht, weü die Armut das Ziel des Nationalsozialismus ist, sondern weü er sein Ziel der Kriegsvorbereitung nicht erreichen kann, ohne das Volk verarmen zu lassen. Die tatsächliche Verarmung wird am besten ohne Armutstheorie betrieben, mit dieser hat der Nationalsozialismus»jedenfalls nichts zu tun«, dagegen bestreite niemand, daß»nach dem Gesamtziel deutscher Volkswirtschaftspolitik die Bezeichnung Wehrwirtschaft als zutreffend anzusehen ist«.»Aber ob die Wehrwirtschaft«, schreibt der Professor,»wie besonders in dem englischen Schrifttum zu lesen ist, als eine spezifisch deutsche Erfindung angesehen werden kann, muß dagegen füglich bezweifelt werden. Sie ist eher eine Erfindung in dem Sinn, wie vor dem Krieg der deutsche Militarismus eine Erfindung einer zugleich oberflächlichen und gehässigen Kritik war«. Daß die deutsche Wissenschaft nur noch der Kriegsvorbereitung dient, gibt der Professor also selbst zu, aber erklärt es für eine ausländische Erfindung, wenn es das Ausland behauptet. Angesichts dieser Logik drängt sich einem der Eindruck auf, daß aus der deutschen Wissenschaft etwas geworden ist, was kein Erfir.dungsgeist voraussehen konnte. G. A. F. Hodiwcrtlge Lumpen Und wilde Steppdeckonhersteller Worauf Menschen in ihrer Absicht, die Volksgemeinschaft zu schädigen, verfallen können, zeigt eine Anordnung der Ueber- wachungsstelle für Wolle(»Frankfurter Zeitung« Nr 625): »Kleine und kleinste Betriebe haben in der letzten Zeit die Herstellung von Steppdecken, Kissen und Kaffeewärmern aufgenommen. Es besteht keine hinreichende Gewähr dafür, daß von den in Betracht kommenden Betriebsinhabem die Bekanntmachung der Verarbeitungsbeschränkungen für lumpenverarbeitende Betriebe vom 27. Februar 1937 eingehalten wird. Unter allen Umständen muß vermieden werden, daß hochwertige Lumpen... zu Füllstoff verarbeitet werden«. Natürlich muß zum Schutze der hochwertigen Lumpen alles getan werden, was in der Macht der Ueberwachungsstelle steht: »Die Ueberwachungsstelle für Wolle und andere Tierhaare hat daher durch eine Anordnung(Wr. 2) die Verwendung gerissenen und gekrempelten Füllstoffes zur Anfertigung von Steppdecken, Kissen, Kaffeewärmern und Reformunterbetten... verboten«. Die Sache ist somit zufriedenstellend geregelt. Bleibt nur noch die Schuldfrage. Auch sie ist geklärt: »Die Anordnung richtet sich vor allem gegen die wilden Steppdeckenhersteller«. Hierunter sind, da Deutschland erst in sechs Jahren Kolonien erhalten wird, Einheimische zu verstehen, die Steppdecken und Sofakissen— nur ein Viertelstündchen— helmlich anfertigen. Also weder die Erzeuger noch die Produkte werden wild genannt, sondern das Verfahren. Deutsdie Kurzberidite Die siebeneinhalbetündige Arbeltszelt im saarländischen Bergbau, eine Errungenschaft, deren sich die Kumpels noch aus der Zeit erfreuten, da sich das Saargebiet noch unter der Verwaltung des Völkerbundes befand, ist seit dem 15. Dezember beseitigt. Von diesem Tage an ist die Arbeitszelt auf acht Stunden verlängert worden. * Die deutsche Schrotteinfuhr erreichte im Monat Oktober mit 70.100 Tonnen eine neue Rekordhöhe. Im September hatte die Schrotteinfuhr nur 43.900 Tonnen, und im OktobeC 1936 gar nur 19.100 Tonnen betragen. Nr. 236 BEILAGE 19. Dezember 193? Das Budi der Yeraditung ■ 1«J»«J* w�-..--- Ein Brite sieht das Dritte Reidi Hitlers Behauptung, er habe Deutschland neues Ansehen in der Welt verschafft, trifft zum mindesten auf den Professor der Universität Sidney, Stephen H. R o- b e r t s, nicht zu. Dieser hat das heutige Deutschland bereist, hat mit Hitler und den kleineren Größen Zwiesprache halten dürfen und hat dann das Ergebnis seiner weit ins Einzelne gehenden gründlichen Untersuchung in einem Buche niedergelegt»The House that Hitler built«(Das Haus, das Hitler baute), das kürzlich bei Methuen ia London erschienen ist. Von dem Ansehen, das Deutsehland durch Hitler erworben haben soll, merkt man darin nichts. Heinrich Mann hat ein Buch, das er dem Dritten Reiche widmete,»H a ß« genannt. Hätte Roberts den Titel seines ganz unlyrischen, sehr positiven und sachlich beschreibenden Buches ebenfalls aus der Gefühlswelt geholt, so hätte er es»Verachtung« nennen müssen. Der englische Leser wird das vielleicht gar nicht so empfinden, sondern vielmehr den Eindruck einer ganz leidenschaftslosen wissenschaftlichen Objektivität erhalten. Dem Deutschen aber schlägt aus diesem Buch der eiskalte Hauch der Verachtung entgegen. Es heißt darin nicht;»So ist dieser oder jener«, sondern es heißt:»So sind sie alle!« Was in dem kürzlich hier besprochenen Buch A 1 1 1 e e s nur eine beiläufige Bemerkung ist— am Ende sei der an mili tärische Despotie gewöhnte Deutsche doch anders geartet als der freiheitliebende Engländer— ist bei Roberts das Leitmotiv. Er beurteilt nicht nur die führenden Personen, die ihm zu Porträt saßen, mit geradezu vernichtender Schärfe(das »Neue Tagebuch« ist wegen der wörtlichen Wiedergabe eines Kapitels in Oesterreich verboten worden), er dehnt dieses Urteil auch auf das Volk aus, das sich von solchen Herren regieren läßt.»Die Deutschen«, sagt Roberts,»sind eine politisch zurückgebliebene Rasse. Sie leben noch im »mythischen« Stadium der Entwicklung«: »Die Deutschen haben niemals die Demokratie gewollt, Sie sehnen sich nach Autorität, sie haben Respekt nur vor der Gewalt. Sie haben kein Verlangen nach persönlicher Freiheit... Die Schöpfer der Weimarer Verfassung glaubten, die Deutschen seien polltisch zu erziehen, wenn sich ihnen Gelegenheit dazu böte. Aber ihre Annahme, die politische Fähigkeit einer klassenbewußten Minderheit sich auf da« ganze Volk übertragen, beruhte auf einem Irrtum.« Aehnliche Konstatierungen trifft er auf allen Einzelgebieten. Ruhig stellt er fest, daß die Justiz in Deutschland nur noch ein Herrschaftsinstrument einer Parteiregierung, daß die Idee des Rechts erstorben ist Aber die O p f e r dieser Justiz erwähnt er kaum. Er weiß nichts von den illegalen Kämpfern, die um ihrer Ueber- zeugung willen ins Zuchthaus und auf das Blutgerüst gegangen sind. Mit Spannung blättert man das Kapitel über den Kirchenkampf an, der doch sonst im protestantischen England so viel gefühlsmäßige Anteilnahme gefunden hat Aber man findet auch hier nur mitleidlose Ueberobjektivi- tät. Der Reichsbischof Müller? Ein ehemaliger Militärpfarrer! Und sein berühmter Antagonist Martin Niemöl- ler? Ein ehemaliger U-Boot-Offizier, noch immer in der alten Kriegsmentalität befangen. Sozusagen nur zwei Militaristen mit Bäffchen. Es gibt nur ein Kapitel des Buches, bei dem man den Eindruck hat, daß bei dem Verfasser das Gefühl durchbricht Das ist das Kapitel über die J u d e n. Hier vermag er seine Entrüstung doch nicht mehr ganz zu bändigen. Aber auch hier wieder findet man dieselbe Methode einer kalten, scheinbar völUg objektiven, aber doch ungerechten Generalisierung: »Wer durch Deutschland reist Ist tief beeindruckt von der allgemeinen Ueber- ein. immung der Meinungen, eine solche Verfolgung sei eine gute Sache. Er hätte erwartet, daß viele gesagt hätten, das sei eine unwillkommene Notwendigkeit, aufgezwungen durch die Propaganda oder durch den Druck der Ereignisse— doch war das keineswegs der Fall. Alle verherrlichten die, Verfolgung, sie waren stolz auf ihre Durchführung und sahen erwartungsvoll dem Tage entgegen, an dem auch nicht ein einziger Jude mehr in Deutschland leben würde..... Die Idee der Rassenverfolgung wurde von jedermann gebilligt.« Wie erklärt sich die Entstehung dieser Auffassung, die zu unseren Berichten aus Deutschland in so schroffem Gegensatz stehen? Offenbar doch daraus, daß kein Reichsinländer es für ratsam gehalten hat, einem Herrn, der von Hitler empfangen wurde, sein Herz auszuschütten. Die Deutschen sind schweigsam geworden-r- gegenüber Fremden, die unter behördlicher Obhut stehen, erst recht. Daß das deutsche Volk zu schwach war, die Schmach, die ihm angetan wurde, abzuwehren, ist leider eine unbestreitbare und höchst unglücküche Tatsache. Die Behauptung aber, es trüge diese Zustände in allen seinen Teilen mit innerer Zustimmung, ja beinahe mit einer gewissen Wollust, tut ihm bitter unrecht Man hüte sich, die überspitzte Rassentheorie, die die Nazi gegen die Juden erfunden haben, nun gegen die Deutschen anzuwenden. Die Vorstellung, daß es auf der einen Seite Nationen gebe, die zu Freiheit und Kultur bestimmt sind, auf der anderen Seite aber andere, die, unerziehbar und unbelehrbar, immer wieder in die Barbarei zurücksinken, müßte für die ganze Menschheit zu den furchtbarsten Konsequenzen führen. Wären die Deutschen wirklich so, wie Roberts sie sieht, dann wäre für alle absehbare Zeit das Leben vielleicht gerade noch in Australien erträglich, aber bestimmt nicht in Europa, und keine Friedens- und keine Kriegspolitik könnte den unglücklichen Weltteil von diesem Uebel befreien. Es gibt aber außer dem heute herrschenden, im Vordergrund aufdringlich lärmenden Deutschtum noch ein anderes, besseres. Jenes Deutschtum, das aus Goethe, Schiller und Beethoven, aus Kant und Fichte seine beste geistige Kraft gezogen hat, lebt noch. Eis in seinem unendlich schweren Kampf zu ermutigen und zu stärken, ist das einzige noch denkbare Mittel, den drohenden Zusammenbruch aller menschlichen Kultur aufzuhalten. Roberts rechnet mit dem Krieg, wie mit einem mathematisch berechenbaren I Ereignis, und er zweifelt nicht daran, daß dieser Krieg zur Vernichtung des jetzigen Deutschland führen wird. Er sieht die wirtschaftlichen Schwächen, die sozialen Schäden des Systems, die mit den gegenwärtig angewandten Mitteln niemals auszufüllenden Lücken der Kriegsvorbereitung, den Bankrott der Agrarpolitik, den Lebensmittelmangel. Er glaubt nicht, daß Hitler im Ernstfall auch nur auf einen einzigen zuverlässigen Verbündeten rechnen kann. Die Gegner Deutschlands hält er aber für außerordentlich stark. Das gilt besonders von der Tschechoslowakei, deren Heer er rühmt und deren jetzt befestigte Grenzgebirge ihm unübersteig- bar scheinen. Von der Mährischen Pforte sagt er, der Versuch, durch sie einzudringen, würde mehr Opfer kosten als der vergebliche Kampf um Verdun. Wenn aber Deutschland noch einmal geschlagen wird, was dann? Dies ist die letzte Folgerung, mit der Roberts sein inhaltsreiches, aufwühlendes, oft zur Zustimmung, aber auch oft zu entschiedenem Widerspruch herausforderndes Buch abschließt: »Das ists, was die Lage Deutschlands so tragisch macht. Die Nation ist genarrt und auf einen Weg gestoßen worden, der nur ins Unheil führen kann. Die Nation mag wiedergeboren werden, es mag ein »neues Deutschland« kommen, aber wenn dieses neue Deutschland nicht lernt, in internationalen Dingen die Gewohnheiten der politischen und ökonomischen Zusammenarbeit anzunehmen, dann steht diese Nation vor dem letzten Ruin, der letzten Enttäuschung—.« Wie man sieht, wird der schwache Schimmer eines Optimismus, der schließlich doch von einem»neuen Deutschland« spricht, gleich wieder durch Wolken des Zweifels verdunkelt, ob ein neues Deutschland überhaupt möglich sei. Wir aber möchten fragen, ob der schlimmere Fall, mit dem Roberts offenbar rechnet, nur das deutsche Volk vor das letzte Elend und die letzte Verzweiflung stellen würde und nicht etwa auch alle übrigen Völker des weißen Kulturkreises. Man käme dann— da niemand diese Frage verneinen kann— zu Feststellungen von alleräußerstem Pessimismus nicht nur für Deutschland, sondern auch für die ganze übrige Welt. Kein siegreicher Krieg gegen Deutschland wäre ein gewonnener Krieg, wenn er Deutschland in seinem gegenwärtigen Zustand beließe oder es gar noch tiefer in die Barbarei hineinstieße. Ein solcher Krieg würde schließlich auch für die Sieger ein immer wieder verlorener sein. Die Politik der anderen gegenüber Deutschland hat nur dann einen Sinn, wenn sie gegen das Deutschland kämpfen, wie es heute ist, für das Deutschland, wie es sein soll und sein wird. Für dieses Deutschland zu kämpfen— sei es auch auf die Gefahr hin, als verlachter Illusionist ins Grab steigen zu müssen— ist tausendmal besser, als trübsinnig über eine Zukunft der Menschheit zu philosophieren, die durch ein unverbesserliches deutsches Volk ewig verdorben bleiben wird. Wer die Gefahr eines neuen Weltkriegs mit hoffnungslosem Ausgang vor sich sieht, der müßte schließlich auch ein letztes versuchen, um das drohende Verhängnis abzuwenden: den Appell an das deutsche Volk selbst, über die Köpfe seiner Beherrscher hinweg. Roberts Buch enthält, neben manchem Anfechtbaren, sehr viel unerbittliche Wahrheit. Eis zeigt auch in jenen Partien, in denen man ihm nicht zustimmen kann, mit schonungsloser Deutlichkeit, in welchen Ruf das deutsche Volk geraten ist, welche Verachtung, welche Feindschaft es auf sich geladen hat, und welchen Gefahren es entgegengeht. Eis wäre ein letzter Versuch, den Frieden der Welt zu retten, wollte man einmal Wahrheit und Warnung mit solcher Kraft über die Grenze schreien, daß das ganze deutsche Volk sie h 5 r e n m ü ß t e. F. St. Reidisprcssedief contra Kant Persönlidikeit und Parfeibudi Im letzten Jahre hat sich im Dritten Reich die Diskussion um Begriffe wie Individualität und Persönlichkeit gesteigert. denn unter solcher Tarnung kann sich die Sehnsucht nach Freiheit unauffällig hervorwagen. Es mußte etwas geschehen. Die Verherdung läßt sich auf die Dauer nicht romantisieren, also mußte die Nazipresse behaupten, daß die nun einmal vom »größten Deutschen« als höchstes Glück gefeierte leidige Persönlichkeit auch im totalen Staat gedeiht. Das sollte am 3. Dezember der Reichspressechef Dr. Dietrich auf einer»Kundgebung der deutschen Studenten« in der Berliner Universität mit einer Rede über»Persönlichkeit und Gemeinschaft« näher erklären. Wie erschlägt der richtige Nazi oppositionelle Forderungen? Er unterstellt dem Gegner unsinnige Auffassungen.»Dem individua' listischen Denken liegt die irrige Voraussetzung zugrunde, daß der Mensch ein Einzel wesen sei«, während sich sein Leben in Wirklichkeit doch in der Gemeinschaft abspiele. Welch eine funkelnagelneue Entdeckung! Selbst Robinson wußte das noch nicht und seine Leser hatten es offenbar wieder vergessen. D« Marxismus, der Gegner des freien Spiels der wirtschaftlichen Kräfte, ist für Dietrich»eine Spätform liberalistischen Denkens.« Und was ist es mit der von Mek- kerern wieder ersehnten individuellen Freiheit? Wir zitieren nach dem Bericht des »Völkischen Beobachters« vom 10. Dezember:»Der individualistische Freiheitsbegriff will Befreiung des Einzelnen von Pflicht gegenüber der Gemeinschaft.« Wo steht das? Welcher Vertreter des Uberalismus hat je solchen Blödsinn gefordert? Der Pressechef hat Belege nicht nötig, was Liberalismus ist, bestimmt er. Und so konstruiert er sich nach Belieben einen verbrecherischen antisozialen Individualismus, einen märchenhaften Uberalismus, einen noch nie gehörten Marxismus, um diese»falschen Denksysteme« zum allgemeinen Staunen seiner Zuhörer mit tönenden Banalitäten tot zu schlagen. Er fragt:»Wie ist Persönlichkeit, wie ist persönliche Freiheit innerhalb gemeinschaftlicher Gebundenheit möglich?« Jahrtausende haben darauf bisher nur eine Antwort gegeben; Durch soziale Demokratie. Nein, sagt Dietrich, nur durch den Nationalsozialismus, denn der wolle auch Freiheit, allerdings eine andere, als sich die Kri tikaster vorstellen— und nun wird der Mann endlich wesentlich durch das, was er gesteht; »Freiheit wozu, Freiheit zum Schaffen im Sinne des Nationalsozialismus braucht man bei uns nicht zu fordern, denn sie ist vorhanden. Wenn trotzdem bei uns irgendwo der Ruf nach Freiheit ertönt, dann kann er nur von Menschen kommen, die einem Wesen gemäß handeln wollen, das nicht mit dem Wesen unserer nationalen Gemeinschaft übereinstimmt, sondern ihr entgegengesetzt ist. Was sie fordern, ist nicht Freiheit zu gestaltender Mitarbeit, sondern zu zerstörender Gegenarbeit. Was sie fordern, ist nicht Freiheit der Persönlichkeit, sondern entartete Freiheit, jene Freiheit, die wir als Freiheit der Miesmacher und Stänkerer bezeichnen.« Welch eine einfache Lösung des»jahr- hunderte alten Problems«! Schreibe für Hitler, rede für die NSDAP— und du darfst reden und schreiben so viel du willst. Was Göbbels, Rosenberg usw. dem Ausland in den letzten Jahren immer wieder vernebelt haben, wird durch Dietrich wiedermal offen ausgesprochen; Bei uns gibt es nur eine braune Gedankenfreiheit! Denn unsere Weltanschauung ist so universal, daß sie noch nicht in unsere Köpfe geht:»Was der Genius des Führers aus begnadeter Schöpferkraft dem deutschen Volke gab, Ist so groß und gewaltig, daß wir es in seiner Ganzheit als geschlossenes Denkgebäude heute noch gar nicht erfassen können.« Wieder eine Wahrheit: niemand konnte dieses»Denkgebäude« bis heute kapieren, denn es beruht»in einer völlig neuen Erkenntnis«, in der»rassischen Bedingtheit aller Werte«, deren energischster Vorkämpfer der osteuropäische Mischling Alfred Rosenberg ist:»In der Idee der Rasse die Grundlage unseres Denkens und Handelns erkannt zu haben, ist die große epochale Entdeckung des Nationalsozialismus, die keine Vorläufer hat...« Der im Irrsinn gestorbene Dreschgraf P ü c k- 1 e r und andere Väter des deutschen Antisemitismus rotieren im Grabe, denn sie haben den Rassenmumpitz schon erfunden, ehe Hitler geboren wurde, ja sie wußten sogar, daß diese neue Entdeckung seit Jahrtausenden bei den Wüden praktiziert wurde, insofern bei ihnen die Rasse relativ klar erschien und jeder als Feind oder verdächtig galt, der anderen Blutes und Volkes war. Was sie immerhin nicht hinderte, ab und zu nach B 1 u t- auffrischung durch rassenschänderische Vermischung mit Angehörigen fremden Blutes zu trachten. Aber da geraten wir schon in die Wissenschaft, also weit weg von Dietrich, der sich von Kant abwendet, weil»ihm jene große Entdeckung fehlte«, nämlich die vom germanischen Rassenmythos. Sonst könnte Kant heute anders dastehen. Wie also wird Persönlichkeit gezüchtet? — fragt der Redner zum bitteren Schluß. Die vier apokalyptischen 1. Der Mord als» Künstler«. Abrüstungskonferenzen verstoßen nen.< Reiter diesen höchsten Grundsatz Durch entsprechende Auslese, wie sie Hitler kultiviert hat:» Er ist es, der die Persönlichkeiten, die Genies in unserem Volke geradezu mit der Laterne sucht...< Es auch gehandelt... Deutschland,» Wir haben die Wahrung und Verteidigung wird an der Laterne liegen, daß er so verist nicht mehr wiederzuerken. unserer eigenen kulturellen Güter zum höch. geblich sucht. Die andere braune Methode > Alle sten Grundsatz erhoben, und wir haben einen der Auslese ist:» Der Sozialismus der Lei- gegen heilige Gesetze völkischer Selbsterhal. ( Göbbels 1936 im Sportpalast.). jeden,.. vom Artisten bis zum stung. Dieser Sozialismus gibt jedem Volks- tungspflicht und müssen ergebnislos blei> Es ist der ewige Wille des Schöpfers Wagnersänger, vom Souffleur bis zum genossen die gleiche Chance zum Em- ben... Das Streben nach Abschaffung des auf daß die nationalsozialistische Be- Regisseur porstieg...< Eine Viertelstunde vorher hatte totalen Unterseebootkrieges, d. h., daß jedes gewesen, verpflichtet.< er dem Mann in mit abweichender Meinung Schiff, das ein Unterseeboot einer bewegung zur Macht gekommen ist.<< > Adolf Hitler allein leistet mehr als ( Zittauer Morgenzeitung.) diese Chance, die angeblich jeder Volksge- stimmten Sperrzone antrifft, auch unter neu> Die Reichsschrifttumskammer ist keinesnosse hat, feierlich genommen. traler Flagge versenkt wird, wird, wie schon sechshundert Parlamentarier... Die Meckeein Verwaltungsapparat, sie ist Auf die Frage also, wie der Nationalso- das Verbot des Abwurfes von Bomben über rer sollten sich einreihen in die Front aller.<< wegs nur ( Dr. Hans Frank bei der Kundgebung vielmehr eine Art Reichsgericht, die letzte zialismus die Entwicklung der Persönlichkeit die Bevölkerung der kriegführenden Staa>> Wir greifen an!< in Chemnitz.) Instanz für Auseinandersetzungen der neuen zu fördern gedenkt, antwortet Dietrich: Durch ten, immer ein frommer Wunsch bleiben... Einschränkung Jetzt kommt der Zeitpunkt, in dem >> Die zweijährige Wirksamkeit des Volks- Bewegung mit den ihr begegnenden dichterider persönlichen Freiheit, durch Leistung, bei der das Parteibuch ent- bengeschwader fortgesetzt mit größter Un. gerichtshofes hat keinem ernsthaften Kriti. schen Kräften, ein wachendes Gewissen des an nur gehemmt durch Witte- ker Veranlassung geben können, der Nationalsozialismus, das an der Ausrichscheidend ist, durch Hinwendung zur Rassen- erbittlichkeit, seele, die alles übrige lösen wird. rungslagen, gegen sie( die Zivilisten) einzu. Rechtmäßigkeit und Gesetzmäßigkeit seiner tung der Geister mitzuwirken hat.< setzen sind... jetzt ist denn auch der Zeit- Urteilsfindung zu zweifeln oder die Qualität ( Chemnitzer Neueste Nachrichten.) Dieses unverfrorene Stück> Staatsphilodie Propaganda, der Richter in irgend einem Punkte in Frage Der gleiche Herr sagt( zitiert nach dem sophie<<, diesen frechen Dilettantismus muß- punkt gekommen, in dem Wenn heute der Volksgerichts-» Deutschen Wege, Oldenzaal): die... aus der Friedenszeit her zu stellen. ten sich an die zweihundert Professoren und des Vordie Vertreter aller staatlichen Sparten mit eingesetzt ist und mit zerstörerischer Gewalt hof aus der Atmosphäre innerhalb des feindlichen Volkes zur Wir- läufigen heraustritt( in eine noch anhören. Wie die gleichgeschaltete Presse die kung gebracht wird.<< dickere Luft?) und ein echtes Glied der Hände gerungen hat, ist an einem Satz aus >... Aber ebenso wie bei jedem anderen deutschen Gerichtsorganisation wird, so gedem Entrefilet der DAZ ersichtlich:>... das Künstler, entscheiden beim Feldherrn ben wir damit dem Inhalt seiner heißt, er hat aus der Wirklichkeit der Volksgemeinschaft die Staatsphilosophie gefolgert, neben dem Beherrschen des Handwerks Tätigkeit die Rechtsform.<< die den Ansatzpunkt einer ideelichen geniales Rechtfertigung des Geschehenen< darstellt. Der Ansatzpunkt einer Rechtfertigung weniger kann man einer Rede des Reichspressechefs im Dritten Reich kaum zugestehen, mehr kann man sich drüben kaum distanzieren. Wie lange will man diesen Rest von Persönlichkeitsentfaltung noch dulden? Können...< Bomund schöpferisches ( Justizminister Dr. Gürtner.) >> Recht muß sein, was die NSDAP als ( Dr. Frank, Burg Vogelsang, Nov. 1936.) 3. Der Wucher. > Und dann verdient das Volk einen Recht erkannt hat.<< Feldherrn, wenn es sich in seinen Dienst, d. h. in den Dienst des Führers des totalen Krieges stellt... In solchem Fall gehören Feldherr und Volk zusammen, sonst ist der Feldherr für das Volk zu schade.<( Erich Ludendorff,» Der totale Krieg, München, 61-80. Tausend.) >> So wie die Gebetsmühlen des Tibet ihre Frömmigkeit symbolisch ein. schalten in den Blutkreislauf der SchöpAblauf der fung, wenn sie in den so wie die Flüsse gestellt werden; Fahne von ihrer Gefolgschaft als pfingst. liche Zunge im Odem des Schöpfers erfühlt wird, ebenso tief und über jeden Materialismus erhaben umgürtet die Liebe dieser Mannschaft, dieses verschworenen Ordens das Leben des Führers. Das Leben des Füh >... Diese Abgabe von Kolonien liegt in rers bleibt auf diese Weise nicht nur Wirksondern wird zu einer Wahr. ihrem( der Großmächte) eigenen Interesse, lichkeit, weil wir sonst eben doch gezwungen sein heit, das heißt, wird geistiges Erlebkönnten, um jeden Preis zu exportieren, und nis.<< Die Wahrheit in der Reklame des Gedamit die übrigen Exportländer zu schädi- betmühlenbetriebs. Was aber eine Wahrheit ist, das sagt gen... Dabei kann das Ausland über eines mittels der Rohstoffe auf uns am besten( laut» Frankfurter Zeitung<) >... Die Tatsache, daß der Bolschewismus beruhigt sein: eigenen Gebieten und mittels der selbst der NS- Philosoph Martin Heidegger: sich in der Durchsetzung seiner Ziele propa>> Die Wahrheit kann sich nicht alles Vergandistischer Methoden bedient, die nur der erzeugten Rohstoffe werden wir nicht dazu Ab und zu lebt in der neuheidnischen Kenner zu durchschauen vermag, denen übergehen, den Export neuerdings zu stei. borgenen entledigen; zu ihrem Wesen gehört Nazipresse die Klage um das durchaus sagen- gegenüber aber die bürgerliche Welt mit fast gern und dabei erst recht in Wettbewerb zu das Nein und Nicht: Wahrheit ist in hafte> Blutbad bei Verden< auf, die angebliche naiver Hinschlachtung von 4500 heidnischen Sachsen macht diese Internationale des Grauens auch auf Befehl Karls des Großen. Es nützt nichts, für andere Staaten und Völker außerordent. ger her, oder wir machen selbst daß ernstere Forscher nachwiesen, wie fraglich gefährlich; denn diese Propaganda geht würdig diese alte Greuelmeldung sei, zumal von dem Grundsatz aus, daß der Zweck die sich nirgends eine Spur entsprechender Mas- Mittel heilige, daß Lüge, Verleumdung, Einsengräber aufweisen lasse. In der DAZ nimmt zel. und Massenterror, Raub, Brand,... in dazu ein gewissenhafter Laie das Wort und ihren Dienst gestellt werden dürfen.» Vor Kollege Ley: nichts und niemand schreckt diese so außer4500 Findlinge Steine statt Wahrheit schreibt: rg. 2. Die Pest. Schimmerlosigkeit steht, treten.< Was ins Deutsche übersetzt heißt: Newelche. Auf alle Fälle werden aber indessen die Deutschen selbst, zwar nicht rassisch aber rechtlich, vernegert; wie, sagt am besten > Gemeinschaft... muß vielmehr stänsche Arbeitsfront soll daher der Exerzier. schen sein.< ihrem Wesen Unwahrheit.<< Der Mörder epilogiert: » Ich verweise nochmals auf die Verfü gung, wonach sowohl im Bürgerbräukeller wie am Marsch am 9. November nur die Blutfahne mitgeführt werden darf.<< gez. Christian Weber. Ein alter Bekannter vom 30. Juni, > In den letzten drei bis vier ordentlich gefährliche Art der Massenbeein- dig geübt und exerziert werden... Die DeutJahren ist die Hinrichtungstat trotz der flussung zurück. Nur wer ihre geheimen Zurück zum Abnenkult S erwähnten, schon vorher entstandenen, Triebkräfte durchschaut und ihr geeig- platz der Gemeinschaft der schaffenden Deut» Der Gau Mecklenburg der NSDAP hat Zweifel in Verden sehr propagiert worden. In der Nähe der etwa drei Kilometer von nete Gegenkräfte Gegenkräfte entgegenzustellen Verden am Bache» Halse< gelegenen Hals- weiß, ist ihr gewachsen. Denn diese Propa ( Auf dem Reichsparteitag in Nürnberg.) auf dem Gebiet der Ahnenverehrung eine neuartige Einrichtung geschaffen. In mühle hat man in den vermuteten HinMan weiß jetzt, warum das römische ganda versteht es, auf allen Instrumenten zu Wismar, Bad Doberan und Güstrow sind richtungsgegend einen Naturpark geRecht als undeutsch bekämpft wird; dieses schaffen mit 4500 Findlingen, für spielen. Sie gibt sich geistig, wo es gilt entstanden. Frühere sieht nämlich nicht nur die» Zinsknechtjedes Opfer der Tragödie, die ja nun immer geistige, sie gibt sich bürgerlich, wo es gilt gesamte Riesenzahl an Steinen bereits aufzweifelhafter wird, einen Findling. Ob die bürgerliche, sie gibt sich proletarisch, wo es gestellt ist, weiß ich allerdings nicht sicher, gilt proletarische, sie gibt sich zahm, wo es ein großer Teil steht jedenfalls gilt zahme, und sie gibt sich blutig, wo es schon< gilt blutige Widerstände( blutigen So lächerlich ist's mit der ganzen braunen Dilettantismus?) niederzulegen.<< Geschichtsklitterung ( Göbbels 1935 auf dem Parteitag.) Runen und setzt überall Gedenksteine, aber» Der Reichstagsbrand war das letzte lodie Inschriften stimmen schon nicht mehr, dernde Fanal einer Auseinandersetzung, die wenn die Steine geliefert werden. nun fällig war. Wir haben dann bestellt: sie deutet Nietzsches Stock II. Ahnenhallen schaft des Dr. Schacht und die» Stillhalte- Kapellen, die nicht mehr benutzt werden, bekamen eine für diesen Zweck geeignete abkommen als Kreditwucher, sondern die Versklavung des Inlandes und Erpressung würdige Ausstattung. In diesen Ahnenhallen des Auslandés als Sachwucher an. werden die Ahnentafeln der einzelnen Sippen angebracht. In der letzten Zeit wurden 4. Der geistige Tod. die Ahnentafeln mehrfach für SippenEs gibt nicht nur einen Reichstagsbrand, feiern benutzt. Namensweihen und sondern auch einen» Brand« im Opernhaus. Eheschließungen wurden hier in beDieser spricht durch Herrn Reichsdramatur- sonders feierlicher Form vorgenommen.<< Dr. Rainer Schlösser folgendermaßen: gen Deutsche Zeitungsmeldung. den Isten Instinkten allem, was Bei solchen Sätzen geht es mit meiner Antisemit ist. Doch das trifft nicht zu. Wie deutsch ist, fremd, so daß schon Geduld zu Ende, und ich spüre Lust, ich namentlich das Zitat Nr. III zeigt, hat Nietzfür Adolf die Nähe eines Deutschen meine fühle es selbst als Pflicht, den Deutschen sche trotz der kränkenden VerallgemeineVerdauung verzögert.< Ecce homo. einmal zu sagen, was sie alles schon auf dem rung, die er seinen Wendungen gegen die Wir müssen zunächst an eine Episode erGewissen haben. Alle großen Kultur- Deutschen schlechthin verleiht, in Wahrheit innern, die sich kurz nach der MachtergreiVerbrechen von vier Jahrhun- nur einen bestimmten Typ des Deutfung Hitlers abspielte. Bei einigen Nazis gilt» Vergleiche ich mich nun mit den MenFriedrich Nietzsche für einen geistigen Ahn- schen, die man bisher als erste Menschen derten haben sie auf dem Gewis- schen treffen wollen: den von Rassewahn und herrn der Bewegung( nämlich bei denen, die ehrte, so ist der Unterschied handgreiflich. sen... Sie haben alles, was kam, was heute Nationaleitelkeit geblähten, größenwahnsinihn nicht gelesen haben, und das sind Ich rechne diese angeblich» Ersten< nicht da ist, auf dem Gewissen, diese kultur nigen Alldeutschen, d. h. jenen Typ, zu den Menschen über- widrigste Krankheit und Unver- der heute durch die Nationalsoziali99.9999... Prozent). Den Glauben teilend, einmal sie sind für mich Ausschuß nunft, die es gibt, den Nationalis- stische Partei repräsentiert wird. mindestens ihm Rechnung tragend, stattete haupt, mus, diese névrose nationale, an der Adolf Hitler im Jahre 1933 dem Nietzsche- der Menschheit, Ausgeburten von So wenig wir selber und mit uns alle Archiv einen Besuch ab, und dort geschah Krankheit und rachsüchtigen In- Europa krank ist, diese Verewigung der guten Europäer unter den Deutschen die leibliche Schwester des stinkten: sie sind lauter unheilvolle, Kleinstaaterei Europas, der kleinen Poli- furchtbaren Ekel, die abgründige Verachtung es, daß ihm tik: sie haben Europa selbst um sei- Nietzsches auf uns beziehen, UrmenPhilosophen, von ihrem Bruder zu Lebzeiten im Grunde unheilbare >> Das Lama< getauft, Witwe des von Nietzschen, die am Leben Rache nehmen... Ich will dazu der Gegensatz sein.<< sche tief verachteten Antisemiten Förster, >... Umsonst, daß man in meinem Wedaß diese als Elisabeth Förster- Nietzsche bekannte alte Dame dem» Führer« in eigen- sen einen Zug von Fanatismus sucht, artiger Weise huldigte: sie überreichte ihm Man wird mir aus keinem Augenblick meines den Spazierstock ihres Bruders als An- Lebens irgend eine anmaßliche oder pathe- als Verächter der Deutschen par Würde Adolf Hitler, wenn er je die Worte tische Haltung nachweisen können. Das Pa- excellence zu gelten... Die Deutschen des Philosophen lesen sollte, noch Freude Nun läßt sich gewiß darüber streiten, ob thos der Attitude gehört nicht zur Größe; sind für mich unmöglich. Wenn ich mir über den ihm gegebenen Stock empfinden; Attitüden überhaupt nötig eine Art Mensch ausdenke, die allen meinen oder würde ihm der Stock Nietzsches nicht wohl Nietzsche, wenn er noch lebte, selber wer Ecce homo. Instinkten zuwider läuft, so wird immer eher ein tiefes Schmerzgefühl der Adolf Hitler den Stock gegeben hat, ist falsch.<< ein Deutscher daraus.< Seele bereiten? gebinde. zum dem IV. SO unfehlbar nen Sinn, um seine Vernunft, trifft sein Abscheu, die heute herrschende sie haben es in eine Sackgasse ge- Schicht und vor allem ihre Häupter; bracht.< Der Fall Wagner. lese, welch vernichtendes Urteil Nietzsche über die» ersten< Menschen unter Nr. II man >> Es gehört selbst zu meinem Ehrgeiz, fällt! Ecce homo. Der neue Kohlhaas M. III. Aber angenommen, haben würde. >... Aber hier soll mich nichts hindern, Schöpfer Zarathustras wäre sein Stock zu kostbar oder sonst zu Schade gewesen, so grob zu werden und den Deutschen ein paar So Nietzsche. Nicht wir denken wohl hätte er Hitler vielleicht einen geistigen harte Wahrheiten zu sagen: wer tut es aber Nietzsche dachte so! Kaum notEine Geschichte und ihre Geschichte. von ihrer Unzucht Ersatzstock Präsent gemacht sonst? Ich rede seine antiin wendig zu betonen, daß wir ( allein schon die Rohstoff- Ersparung im Zei- historicis... Man muß vorerst> deutsch< sein, deutschen Ausbrüche in ihrer ungerechten Denkt euch ein wildes Land. Die Kriegschen des Vierjahresplans hätte den papiere-» R ass e< sein, dann kann man über alle Verallgemeinerung glatt ablehnen. Aber dar- knechte des Despoten verbreiten weißen Der Er- Werte und Unwerte in historicis entschei- auf kommt es hier nicht an. Einzig und allein Schrecken um sich. Einem Bauern haben sie nen Stock- Ersatz gerechtfertigt.) satz- Stock Nietzsches für Adolf Hitler hätte, den man setzt sie fest...» Deutsch« ist darauf, wie und was der Mann dachte, des- die Kuh getötet. Sein Nachbar Vasudewa hält als Knotenstock gedacht, vielleicht fol- ein Argument,> Deutschland. Deutschland sen Stock Adolf Hitler mit Stolz und Freude es nicht mehr aus, er wandert zur Residenz, gende Einzelglieder enthalten: über alles< ein Prinzip, die Germanen sind empfangen hat. Man müßte Nietzsche beim will vom Despoten fordern, daß er den Schadie>> sittliche Weltordnung« in der Ge- ersten Lesen dieser Zitate für einen wilden den gut mache, den seine Kriegsknechte anAntideutschen der Art halten, wie Hitler gerichtet. Unterwegs soll Vasudewa das Bild I. >> So wie ich bin, in meinen tief- schichte... Ein schäbiger Zivilist] Aus Anlaß seiner Reise durch Mittel- und Osteuropa bekamen auch deutsche Zeitungsleser Gelegenheit, öfter das Bild des französischen Außenminister Delbos zu sehen; sie konnten zwischen ihm und ihren eigenen regierenden Göttern Vergleiche ziehen, die wer bezweifelt es- durchaus zugunsten der letzteren ausfielen. Denn neben den Uniformen und Ordensstermen, die die Heldengestalten der deutschen Minister zieren, nimmt sich der Zivilanzug des Franzosen wirklich geradezu ärmlich aus, und was gar die Haltung betrifft, 80 wirken selbst Rosenberg, Frick und Göbbels, an ihm gemessen, immer noch militärisch. Nun hat man aber eben aus Anlaß dieser Reise sonst ist nicht viel davon die Rede in den Zeitungen gelesen, daß Delbos im Kriege Soldat war, zweimal schwer verwundet wurde, aber immer wieder aus eigenem Willen an die Front ging und daß er schließlich, als ihn seine Beine nicht mehr in den Schützengraben trugen, Kampfflieger und Spezialist im Versenken von U- Booten wurde. Man stelle sich vor, einer der deutschen Regierer hätte ähnliche soldatische LeistunDas italienische Vorbild Ein neues Buch über den Faschismus > Wir versichern, daß, wenn morgen un- kabeln geschickter zu bedienen verstanden. Um Beispiele zu nennen: das faschistisere heftigsten Gegner Opfer eines Ausnahme- Aus diesem Grunde ist für Frankreich das sche Regime bemächtigte sich der Presse regimes würden, wir uns bewaffnet erheben italienische Vorbild gefährlicher. Man lese durch Dekret vom 15. Juli 1923( veröffentwürden, um sie zu verteidigen, denn wir sind Reiseberichte oder Kritiken von Reiseberich- licht am 8. Juli 1924), durch Gesetz vom 31. für die Freiheit, gegen jede Tyrannei... Es ten in der französischen Rechtspresse. Die Dezember 1925, durch Dekrete vom 4. März handelt sich um die heiligste Angelegenheit deutschen Zustände, nein, man wird sie 1926 und vom 26. Februar 1928. Erst im Jahre der Welt, um die Freiheit. Man weiß, einem französischen Bürger nicht zumuten 1928 also erscheint dieser Vorgang abgeIn Italien gibt es niemand, der von seines- können, niemals. Aber die italienischen... schlossen. Noch langsamer vollzog sich der gleichen regiert sein will, von jemand regiert Sollte man hier nicht dieses oder jenes in Reinigungsprozeß im höheren Schulwesen. sein will, der glaubt, die Rolle eines Messias, wohlwollende Erwägung ziehen...? Dabei Mussolini, der sich über die amusische Wedes Zaren oder Gott Vaters spielen zu dür- unterscheidet sich in Wirklichkeit die Un- sensart seiner alten Kämpfer keine Illusiofen. Wir wollen die Freiheit für alle, wir freiheit des Italieners in nichts von der Un- nen machte, hütete sich, ihnen Lehrerstellen wollen, daß der Wille des Volkes uns regiere, freiheit der Deutschen. Der französische und Lehraufträge anzuvertrauen. Er duldete nicht der Wille einer Gruppe oder eines Staatsbürger kann sich darüber zu seinem schweigend an den höheren Schulen und auf Mannes, wer auch immer dieser Mann sei.< Nutzen informieren durch die Lektüre eines den Universitäten nach Ausmerzung allerwelche Entwicklung seither Buches, das unlängst erschienen ist: Silvio dings der kämpferischen Geister der Linken der Publizist genommen hat, der 1919 diese Trentin,» Dix ans de fascisme totalitaire en eine nur oberflächlich faschisierte IntelWorte schrieb. Es ist Benito Mussolini. Der Italie<( Zehn Jahre Faschismus in Italien). lektuellenschicht, deren passiver Widerstand Weg, den der italienische Diktator zurück- Den deutschen Leser interessiert bei der zunächst als unvermeidliches Uebel hinzunehlegen mußte, um das zu werden, was er ist, Betrachtung der Darstellung, die Silvio Tren- men war. Erst 1932 griff er durch, das heißt, ist weiter als der Weg, den Hitler gegangen tin gibt, besonders die Frage, in welchen zu einem Zeitpunkt, in dem der Nachwuchs ist.. Aus diesem Unterschied erklären sich Punkten sich das Vorgehen Mussolinis von aus den faschistischen Jugendorganisationen manche Besonderheiten des italienischen Re- dem Hitlers unterscheidet. Inwieweit, in der wissenschaftlich so weit vorgebildet war, daß gen hinter sich wie Delbos! Ja, kann man sich gimes. Die Ideen von 1789 sind für Europa Tat, ist der italienische Usurpator geschick- er die älteren unsicheren Elemente ersetzen das überhaupt vorstellen? Ein Mantel mit eine Realität, welche derjenige besser in ter? Nicht nur, daß Mussolini den westeuro- konnte. scharlachroten Aufschlägen und Doppelreihen seine Rechnung einzubeziehen vermag, der sie päischen Imponderabilien gewandter Rech- Der deutsche Leser des obengenannten von Orden rechts und links wären das min- zum mindesten einmal begriffen hat; es ist nung trug, es scheint, daß auch die lang- Buches will selbstverständlich, wenn er sich deste! Wie elastisch würden seine Tritte nicht anzunehmen, daß Hitler, dieser entar- samere Durchsetzung des italienischen öffent- so zu Vergleichen gedrängt fühlt, Mussolini federn, wie würde sich seine Brust wölben; tete Enkelsohn Metternichs, sehr viel von lichen Lebens mit den Elementen der neuen aus seiner größeren Geschicklichkeit kein sein Auge würde Blitze schleudern, seine ihnen weiß. » Ordnung«, die langsamere Faschisierung Verdienst machen. Er wird im Gegenteil Stimme sich in Kommandotönen über- Mussolini hat infolgedessen in der Welt Italiens dazu beigetragen hat, daß die Welt- jeden Beitrag begrüßen, der diejenigen Völschlagen. und im besonderen in Frankreich eine besse- öffentlichkeit weniger über das erschrak, ker, in deren Hand noch die Entscheidung Und Herr Delbos? Warum macht er es re Presse. Wer die Lebensluft der Freiheit was in Italien geschah. Deutschland wurde liegt, darüber aufklärt, daß das eine System nicht auch so? Aus zwei Gründen nicht. entbehren zu können glaubt, will doch die schlagartig nationalsozialistisch. Das Gesicht nicht minder verderblich ist als das andere. Erstens weil er ein zivilisierter Mensch ist Phrase hören, die seinen Ohren vertraut ist. Deutschlands veränderte sich von einem Tag Die Schrift>> Dix ans de fascisme totalitaire<< und zweitens weil ihm, machte er es so, in In Italien hört er sie. Wenn in Deutschland auf den anderen. Es macht einen Unterschied, erscheint in einem kommunistischen Verlag. Paris die Gassenjungen nachlaufen würden. das Dritte Reich eine vorbildliche» Demokra- ob man einem Volke über Nacht die Freiheit Der Autor schildert mit Anteilnahme und In Frankreich weiß man nämlich zwischen tie« genannt wird, so ist das die Ohrfeige, stiehlt, oder ob man sie ihm schrittweise, in Sorgfalt den Todesweg der Freiheit in Itaechten Soldaten und aufgedonnerten mit der der Mann in Kommisstiefeln den libe- jahrelanger Kleinarbeit aus der Hand windet. lien. Registriert er als Historiker, bedauert Schmierenkomödianten noch zu unterschei- ralisierenden Untertan demütigt. In Italien Wie die Menschen nun einmal beschaffen er oder scheint er zu bedauern? Man kann hat man sich von den Jahren der Macht- sind, erscheint das letztere den trägen Her- davon absehen, diese Frage beantworten zu Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist nur ergreifung bis zum heutigen Tage dieser Vo- zen der Zuschauer weniger verwerflich. den. ein Schritt. In diesem Fall ist es der Schritt über die deutsch- französische Grenze. Kampf den Kellnern Die Juden sind in Deutschland erledigt, nächstens kommen die Kellner daran. In der> Westfälischen Landeszeitung«( Nr. 337) wird darüber gewettert, daß sie der Winterhilfe jene Pfennigbeträge entziehen, die bei der Trinkgeldabrechnung gewöhnlich nach oben abgerundet werden. Wenn diese Kupferstücke in die Winterhilfsbüchse gesteckt werwollen. M. F. mit einer nonchalanten Geste den großen eines Konfliktfalles zwischen nung eines Büros in Hamm mit einem RundMann spielt, weil er das im Kino so ge- politischer Macht und Geist, bei schreiben bekanntgab, in dem es heißt: sehen hat, wo stets mit großen Scheinen aus der Westentasche bezahlt und nie etwas herausgegeben wird.<< dem der Geist unterlage, ansahen und heute noch so betrachten. In unserem eigenen Hause ist die Judenfrage also immer noch mehr als nur ein geschichtliches Problem. » Ich entstamme einer alten Pfarrersund Offiziersfamilie Mecklenburgs und bin ein Urgroßneffe des aus der deutschen Geschichte bekannten Göttinger Professors, Historikers und Politikers Friedr. Chr. Dahlmann...< Der nonchalante Gast könnte antworten Abgesehen von diesen kleinen Unstimmig( wenn er dürfte):» Laẞt doch dem Kellner Das SS- Organ höhnt dazu:>> Historische die paar ehrlich verdienten Pfennige und ver- keiten gefällt ihnen dies Deutschland, das sie anlaßt dafür die Gestapo, jene Summe der ihr seigenes Haus« nennen, recht wohl, Daß Urgroßonkel sind zweifelsohne eine imponieWinterhilfe zu überweisen, die sie alljährlich keiner der empörten Hochschullehrer in der rende Empfehlung für Geschäftsreisende. Die als Spitzellohn an das Bedienungspersonal Oeffentlichkeit zu protestieren wagte, daß Achtung vor der deutschen Vergangenheit den müßten, die auf dem Gasthaustisch steht, der deutschen Gaststätten auszahlt. Das ist die deutsche Jugend von Männern unterrich- gebietet geradezu die sofortige Aufgabe einer ein glänzendes Geschäft für die Winterhilfe, tet wird, die gelernt haben zu schweigen, wenn ansehnlichen Bestellung...< für die Restaurantgäste und für die Kellner, Unrecht geschieht und zu heucheln, wenn sie Da haben sie nun seit mehr als vier Jahdie auf diese Weise anständig bleiben dürfen. von den heiligsten Dingen« sprechen, er- ren die armen Untertanen mit Ahnenkult und schreckt die Herren des eigenen Hauses« Ahnenstolz verrückt gemacht- und wenn nicht. Wenn nur die deutsche Rasse vor sich diese Verrücktheit einmal entlädt, sind > minderwertigen Elementen< bewahrt bleibt. sie böse. Namentlich wenn es sich um > so erwiese sich das sinnreiche Wort unserer Altvordern, daß der geehrte Pfennig sich in verwandeln kann.< prächtige blanke Taler Aber eigentlich, so fährt der Schreiber fort, sind ja nicht die Kellner zu tadeln, sondern die Gäste, deren Phantasie von schlechten Filmen verdorben ist: Das» eigene Haus« Das Dortmunder Naziblatt beklagt sich: Von berufener Seite aber mußten wir uns daß Hoch> Die Schuld daran, daß dem Winter- vor kurzem belehren lassen, hilfswerk diese Pfennige verloren gehen, schullehrer die Reinigung der Wissentrifft vielmehr den Gast selbst, der gern schaft von Juden> als das Ergebnis des Herrschers grüßen; er lehnt das ab, da langen Besprechung, in der es zum Schluß ihm die Erfüllung des Gebotes als Götzen- hieß: dienst erscheint. Darob wird er eingekerkert. Unerschütterlich bleibt sein Glaube an Recht und Gerechtigkeit. In nächtlichem Gespräch will er den Despoten über die Grenzen aller Macht und über den Sinn von Recht und Gerechtigkeit belehren. Der aber läßt die Mutter Vasudewas gefangen setzen, damit den Sohn seinem Irrglauben abbringe. Doch auch die Mutter bekennt sich zu Recht und Gerechtigkeit, und ihr Tod auf dem Scheiterhaufen kann an ihrem Sohnes Glauben nichts ändern... von sie Kleiner Mann, was nun? simple Leute handelt. Die braunen Literaten und Kunstpäpste, ebenso wie die Bonzen, dürfen sich bei jedem Dreck mit BlutDas Schwarze Korps« nimmt es einem und Boden- Ahnen brüsten, die sie nicht einHandlungsreisenden übel, daß er die Eröff- mal haben. Neue Bücher die um Herrgotts verschupfte Lehensleute heißt es, und im Titel schon spiegelt Um sich von den schreckenden Geschichten sich die Färbung, das leis Verzwickte und > Ernst Wiechert wurde bei seinem Erscheinen lang anhaltend begrüßt. Am des Krieges zu befreien, schrieb Jakob Verschrobene dieser abgeschlossenen Welt Schluß des Abends meldete der Beifall Wassermann im Jahre 1916 den Roman der Gebirgler wieder. sich nur spärlich. Man hatte erkannt, Olivia<; Nur hin und wieder er fand sich im literarischen reißt der Autor die Fenster auf, Auswandererdaß einzig Schweigen die ziemliche Antwort sein konnte auf die Inbrunst, mit der Nachlaß des Verstorbenen und ist erst jetzt drang wird sichtbar, dann schließt sich hier einer, der zeit seines Lebens sich ge- im Druck erschienen( Neue Bücher A. G., enge Welt wieder, in der die Konflikte beugt hat unter ein Gesetz, das ihm gebie- Zürich). Man wird, um dem Buche gerecht Besitz, Liebe, Eifersucht und Standesdünkel tet, Gott mehr zu gehorchen, denn zu werden, sich anderer Romane erinnern kreisen, wie in der anderen Welt jenseits der den Menschen, nichts andres zu geben versuchte, als die ihm mögliche Antwort müssen, die ungefähr in der gleichen Zeit ge- Berge. In dem Buch offenbart sich die Beauf jene Frage, die ständig uns alle bewe- schrieben wurden; die Frage, ob man jene grenztheit dessen, was man Heimatkunst gen wird: Wie sollen wir leben? heute und unter veränderten Umständen noch nennt. Sprache und Menschen sind so eng an Der Schlußbeifall war gedämpft, weil die einmal lesen möchte, liegt nahe. Das Buch umgrenzten Boden gebunden, daß man ist in seinem Beginne Vorkriegszeit, mit den meint, immer den gleichen Kirchturm aller Der Leser hat schon gemerkt, daß die Ge- Schlußfrage in Hitlerdeutschland auf schichte nicht im Dritten Reich spielen kann. Lippen liegt, weil die Geschichte unzweideu- Augen jener Zeit gesehen. Da haben wir den sehen. Es gibt dort wohl Despoten, Prätorianer, tig, der Saal hell und die Augen der Gestapo wackeren Hofrat, den tüchtigen österreichischen Beamten, der gegen Oberflächlichkeit Willkür und KZ, aber der Oberdespot könnte spitzel auf jeden einzelnen gerichtet waren. sich mit keinem oppositionellen Gefangenen Die Legende aber heißt» Der weiße Büffel, und Streberei ankämpft und sich schließlich in wohlhabender Verbitterung und in liberalistischen Disput einlassen, schon oder seinen eigenen Reden und ihres von der großen Gerechtigkeit<< von den Amtsverzu Br. Nordische Bescheidenheit Die Dresdner Parteigliederungen Hitler hieldeswegen nicht, weil der Gefangene ihn mit schafft in symbolischem Gewand einen Kohl- geschäften zurückzieht. Olivia ist das junge jugend, SA, SS, Studentenschaft usw. von ehedem schlagen haas von 1937, einen neudeutschen Kohlhaas. Mädchen, dem noch Illusionen geraubt wer- ten im Rahmen der> rassenpolitischen Woche< I würde. Und der Schluß wäre für das Reich Denn dem Kleistschen Michael geht es nur den können. Voraussetzung der Handlung: eine Sondertagung ab. Wie der» Dresdner Ander KZ ebenfalls rosenrote Utopie: der Des- um die eigenen Rappen, aber diesem indischen eine zart- romantische Unklarheit in Gefühls- zeiger«( Nr. 327) berichtet, wies der Redner pot spürt am Schlusse in Vasudewas Glau- Kohlhaas geht es um das Recht der anderen. dingen, und vielleicht war sie in der Tat ein des Abends, ein Mann namens Michael, ben die stärkere Kraft, erkennt die Gren- Michael hält auch keine Rede wider Unterzen irdischer Gewalt und leistet dem Recht drückung und Rechtlosigkeit, aber Vasudewa treibt Agitation für die Menschenrechte. Genüge. Reiz der Epoche. In der Hauptsache allerdings handelt Wassermanns Roman vom Leid des Krieges, und das ist wohl auch der Grund, warum man ihn jetzt herausgegeben hat; in ihm lebt das erste Erschrecken, das bürgerliche Erwachen aus nationalistischem Rausch, die Panik der Gesicherten. Der Grundklang des Buches bedeutet Anklage gegen Barbarei aller Art. In der Demokratie hätte diese Legende Im Staate des Eher- Konzerns, der geraubDort war ein Vasudewa ten Volkshäuser und sonstigen Enteignungen wenig interessiert. dieser Schluß das überflüssig, antiquiert. Heute ist er im DritMiẞliebiger bedeutete Ende des Systems, weshalb die Legende ja ten Reich der Held von morgen, ein Traum, eines ganzen Volkes. Neue auch im alten Indien spielt. Aber geschrie- die Sehnsucht wenn sie auch sehr ben wurde sie im Dritten Reich, ihr Dichter Dichtung? Da ist sie, ist Ernst Wiechert, der völkisch- kon- vorgestrig erscheint, wie Schillers Don Cardie Lieder der Vorer las die Legende in los, Büchners Danton, servative Wiechert; Köln am 19. November. Die» Kölnische Zei- märzler. tung( 29. 11.) feierte den Abend mit einer Vormärz. * > am Schluß zusammenfassend auf die Stellung des nordischen Menschen in der Welt hin. Er steht in der Leistung an der Spitze; auf ihn gehen die großen Erfindungen zurück, die die anderen Rassen wohl begreifen, aber nicht selbst hervorbringen konnten.<< Begreifen? Nicht mal das. Der Marconi z. B., ein minderrassiger Alpiner, hat bis zu seinem Ende nicht begriffen, mit welcher Zur Gattung Heimatdichtung gehört ein Selbstverständlichkeit die alten Germanen Das Land des Flüsterns lebt im Walliser Novellenbuch von Adolf Fux schon von Baum zu Baum telegrafiert haben, ( Schweizer Spiegel- Verlag).» Unseres daß die Funken nur so spritzten. öerfussunj der Deutschen flrheitsfront Disziplinarordnung für die Mitglieder Seit dem 1. Januar 1935 ist die am 24. Oktober 1934 vom Führer angeordnete Organisation der Deutschen Arbeitsfront in Kraft. Die Richtlinien über die Mitgliedschaft wurden im September 1934 bekanntgegeben, dann durch»Bestimmungen über die Mitgliedschaft zur DAF« erneuert und nun durch eine Art Statut endgültig festgelegt. Es ist für das Wesen der DAF bezeichnend, daß diese Satzung der staatlichen Zwangsorganisation der Arbeiter ausschließlich»Bestimmungen über die Zugehörigkeit zur Deutschen Arbeitsfront« enthält Wenn die Korporationen in Italien noch eine gewisse Scheinverfassimg haben, die neben den Mitgliedpflichten auch einiges über Befugnisse und Aufgaben der Organisation enthält, so beschränkt sich der Inhalt der»Bestimmungen« der DAF ausschließlich auf eine Anordnung hinsichtlich der Mitgliedschaft, der Beitragsleistung, der Unterstützungsgewährung und des sogen. Rechtsschutzes. Mit der Organisation, ihrem Funktionärkörper und der Erfüllung irgend welcher Aufgaben haben die Mitglieder überhaupt nichts zu tun. Ist schon von irgend welcher Vertretung der Mitglieder nicht die Rede, so bleibt auch die eigentliche Tätigkeit der DAF eine von der Mitgliedschaft losgelöste Angelegenheit der Partei und ihrer Delegierten in der Arbeitsfront. Eis ist wohl ein Novum im Orga- nisationswesen, daß ein Verband von mehr als 20 MUlionen Mitgliedern eine Mitglieder- Satzung bekanntgeben kann, in der bewußt auch nicht ein leisester Ansatz von Mitglieds Verfassung enthalten sein darf. Auch die Regelung der Unterstützungen wird völlig einseitig gleich einem Exerzierreglement bekanntgegeben. Das Dritte Reich geht von einer dreigliedrigen Disziplinarordnung des Volkes aus: 1. die Familie, sie hat für die Fortpflanzung zu sorgen, 2. die Gemeinde, sie regelt die politische Auswirkung des Zusammenlebens am Wohnort und 3. Werkstatt und PabriJc.»Sie sorgen für das Brot und geben dem Menschen die Arbeitsmöglichkeit.« Der Staat bestimmt alles von oben, sein Organ zur Einwirkung auf den Betrieb ist die Arbeitsfront. Da sie lediglich staatliches Vollzugsorgan an der Arbeiterschaft ist, so ist sie totalitär. Eine Mitgliedsverfassung wäre die Verneinung der DAF. Rechtlose Mitglieder. So liest sich das neue Statut etwa wie der Prospekt einer Versicherungsgesellschaft. Prämien- und Versicherungsleistung werden bekanntgegeben. Die DAF teilt die Beiträge und die möglichen Unterstützungen mit, ohne den tatsächlichen Mitgliedszwang offen auszusprechen. Einzelmitglieder können(müssen) alle Arbeitgeber und Arbeitnehmer werden, soweit sie nicht»dauernd erwerbslose Volksgenossen« sind. In der Praxis sind die nicht mehr einsatzfähigen Arbeiter als »dauernd erwerbslos« anzusehen, also vor allem die unverbesserlichen Marxisten usw. Ueber die Aufnahme entscheiden der DAF- Obmann am Ort, im»Beschwerdeverfahren« der Obmann im Kreis und Gau, letztinstanzlich der Ehren-Diszlplinarhof. Der Abschnitt»Pflichten und Rechte der Die die Mitglieder« besteht aus vier Punkten, Mitglieder sind verpflichtet: 1. allen Anforderungen nachzukommen, die DAF an sie stellt, 2. die Beiträge ordnungsgemäß abzuführen, 3. sich der Disziplinarordnung und Disziplinargerichtsbarkeit der DAF zu unterwerfen. Als Rechte werden angeführt: 1. Die Inanspruchnahme der Unterstützungen. 2. die Inanspruchnahme der NS Gemeinschaft »Kraft durch Freude«. Brutaler als in diesem neuen DAF-Statut konnte die Bolle des arbeitenden Menschen in Nazi-Deutschland kaum noch ausgedrückt werden: Arbeiten, Beitragzahlen und Maul- halten. Neu sind die Bestimmungen Uber die »Lösung der Mitgliedschaft«. Eis gibt ein Erlöschen der Zugehörigkeit durch Tod, Streichung, Austritt oder Ausschluß. Wenn hier nach außen— für gläubige Ausländer— der Eindruck erweckt wird, als könnte ein deutscher Arbeiter freiwillig seinen»Austritt« aus der DAF erklären, so könnte es ebenso gut heißen: das Mitglied kann seine Zugehörigkeit zur DAF durch Selbstmord beenden— freiwillig! Die Beitragssätze bewegen sich in 20 Massen zwischen 0.60 RM bis 12 RM monatlich, neu aufgestockt sind 8 freiwillige Beitragsklassen bis zu 50 RM monatlich. Fäir die selbständig Gewerbetreibenden ist der Beitrag bis 100 RM Monatseinkommen auf 80 Pfennig ermäßigt, während der Arbeiter mit demselben Einkommen 1.40 RM zu entrichten hat. Die Beitragshöhe wird bei Arbeitern und Angestellten vom Gesamtbruttoeinkommen berechnet, d. h. sie müssen von den gesetzlichen Abzügen(etwa 25 FTozent des Lohnes) auch noch den fälligen Beitrag an die DAF bezahlen. Nach| 2 e erfolgt die Einstufung durch die Personal- und Lohnbüros der Betriebe, die den Beitrag gleich einbehalten. Nach den Unters tützun gsbest immun gen gibt es künftig: Erwerbslosenunterstützung, Invalidenunterstützung, Sterbegeld und Notfall-Unterstützungen. Die übrigen Ehnrich- tungen der geraubten Gewerkschaften wie Reise-, Wanderungs-, Streik-, Gemaßregelten- und Umzugsunterstützung sind aufgehoben worden. Da es keinerlei Vertretung der Mitgliedschaft mehr gibt, so entscheidet eine zentrale Behörde— die Untehstützungsab- teilung des Schatzamtes der DAF in Berlin — endgültig über die Gesuche. »Die Einlegung von Rechtsmitteln gegen diese Entscheidung ist grundsätzlich ausgeschlossen.« Die Unterstützungsanträge sind an die Beibringung aller möglichen Unterlagen gebunden. Der Nachwels der Unterstützungsberechtigung bei Erwerbslosen wird durch Bescheinigungen der Arbeitsämter, des Betriebsführers, die Vorlegung von Arbeitsbuch und Entlassungsbestätigung geführt. Wehe dem Arbeitslosen, der vom Arbeitsamt als nicht mehr»einsatzfähig« gekennzeichnet worden ist. Die Unterstützungssätze beginnen in Masse 4 mit 1.05 RM monatlich und enden mit 10.50 in der höchsten Beitragsklasse. Nach zehnjähriger Mitgliedschaft wird die Unterstützung bis zu 16 Wochen Erwerbslosigkeit bezahlt. Sind nur zwölf Monatsbeiträge geleistet, so beträgt die Unterstützungsdauer nur 7 Wochen, nach vierjähriger Mitgliedschaft 10 Wochen usw. Die Höhe der Unterstützungen ist gegenüber den Selbsthilfeeinrichtungen der früheren Gewerkschaften bedeutungslos, obwohl der DAF als Zwangsorganisation gewaltige Beitragseinnahmen zur Verfügung stehen. Ein zahlenmäßiger Vergleich ist möglich, wenn man z. B. die gewerkschaftliche Erwerbslosenunterstützung des früheren Bundes der technischen Angestellten mit der Unterstützung der DAF gegenüberstellt, weil hier die Beiträge in den hauptsächlichen Lohnklassen von 2 bis 6 RM übereinstimmen. Es sind die Beitragsklassen 8 bis 15 der DAF (Monatseinkommen 100— 420 RM). Die DAF gewährt in diesen Massen eine wöchentliche Erwerbslosen-Unterstützung von 3.15 bis höchstens 10.50 RM. Eis stehen sich bei gleichen Beiträgen folgende monatliche Unterstützungen gegenüber: DAF....... 13 bis 43 RM Techniker-Bund... 63 bis 546 RM Hier ist noch nicht berücksichtigt, daß nach 25jähriger Mitgliedschaft und höherem Lebensalter die frühere Gewerkschaft besondere Zuschläge zur Unterstützung gewährte und daß diese Gewerkschaft keineswegs die höchsten Unterstützungssätze bezahlte. An Invalidenunterstützung gewährt die DAF je nach der Mitgliedschafts- dauer von 240 bis 420 geleisteten Monatsbeiträgen den 5- bis Stachen Monatsdurchschnittsbeitrag. Der Buchdruckerverband, dessen Invalidenkasse mit den übrigen Fonds geraubt worden ist, gewährte je nach der Dauer der Mitgliedschaft eine Invalidenunterstützung von 1.40 bis 2.40 RM täglich. Selbst wenn man zur Errechnung des Durchschnittsbeitrages Buchdruckerlöhne von 80 bis 420 RM monatlich zugrrunde legt(Beitragsklassen 7 bis 15 der DAF) so ergibt sich bei einem Vergleich die mindestens fünf- und höchstens achtfache Invalidenunterstützung vom Durchschnittsbeitrag von RM 3.50 monatlich. DAF... 17.50 bis 28.— RM monatlich Buchdruckerverband. 42.— bis 72.— RM monatlich Die Invalidenunterstützung ist wiederum an den Nachweis einer mindestens 66»/spro- zentigen EIrwerbsunfähigkeit gebunden, die von den staatlichen Rentenstellen bescheinigt sein muß. Bei der Festsetzung der Beitragsleistung wird nur die im Mitgliedsbuch der DAF anerkannte Mitgliedszeit zugrundegelegt. Wenn schließlich der sogenannte Rechtsschutz der DAF unter den Rechten des Mitgliedes angeführt wird, so zeigt die Statistik der Arbeltsgerichte, daß er kaum noch in Anspruch genommen wird, weil der Arbeiter im Dritten Reich kein Recht finden kann. Dagegen hat sich der Rechtsschutz der DAF bei der Steuerberatung der Unternehmer, wie berichtet wird, gut bewährt. Das Statut der Deutschen Arbeitsfront zeigt die völlige Rechtlosigkeit, in die die Arbeiter und Angestellten versunken sind. Sie müssen steuern und fronden für einen Staat, der sie brutal unterdrückt. Betrogene Siedler Nach fast fünf Jahren nationalsozialistl- setoer Diktatur läßt sich die klare Feststellung machen: das Deutschland von 1919 bis 1932 hat unendlich viel mehr für die Siedler, ganz besonders für die unbemittelten Siedler getan, als das Deutschland der nationalsozialistischen Diktatur. Das hat kürzlich erst wieder die gleichgeschaltete»Frankfurter Zeitung« zugehen müssen. In einer Schilderung- einer Stadtrandsiedlung, die auf Grund der dritten Notverordnung als eine der zahlreichen»Vorstädtischen Randsledlungen« oder»Erwerbalosensiedlungen« errichtet worden ist, werden nähere Angaben über den Umfang der Siedlung, die Siedlungskosten und die. Belastung des Siedlers gemacht. Eine solche Siedlung, zu der 1250 Quadratmeter Land gehört, konnte damals von einem Siedlungswilligen errichtet werden, ohne daß er selbst auch nur einen Pfennig Barkapital besitzen mußte. Es wurde ihm sogar die von ihm zu leistende Mitarbeit als 500 Mark Eigenkapital gutgeschrieben. Das Reich finanzierte jede Siedlungsstelle mit 2500 Mark, für die 4 FTozent Zinsen und ein Prozent Amortisation gezahlt werden mußten. Mphr als 3000 Mark durfte die Siedlung, vom Landerwerb abgesehen, nicht kosten. Durch diese großzügige Reichshilfe konnte die monatliche Belastung des Siedlers auf 15 bis 18 Mark herabgedrückt werden. Nur bei dieser äußerst geringen Belastung konnten Unbemittelte überhaupt das Siedeln wagen. Mit diesen außerordentlichen Vergünstigungen hat die nationalsozialistische Regierung gründlich aufgeräumt. Die Besitzlosen sind als Siedler überhaupt ganz ausgeschieden worden. Eis wird jetzt von jedem Siedler ein Eigenkapital von mindestens 1000 Mark gefordert. Das Reich gewährt nicht mehr 2500 Mark als niedrig zu verzinsendes Darlehen, sondern nur 1500 Mark. Dafür aber kostet jetzt die Siedlung in gleicher Größe und gleicher Ausstattung nicht mehr nur 3000 Mark, sondern 5500 bis 6000 Mark. Der fehlende Betrag muß vom Siedler auf privatem Wege beschafft werden. Dadurch kommt eine wesentlich höhere monatliche Belastung zustande als bei den früheren Siedlungen. Sie beträgt im Durchschnitt 30 Mark im Monat, nicht selten auch noch etwas mehr!» Also nahezu die doppelte Belastung für die gleiche Siedlung! Eis ist keine Frage, daß damit gerade die armen Bevölkerungsschichten als Siedler zum guten Teil auageschaltet worden sind. Statt Erfüllung der schönen Versprechungen, hat das nationalsozialistische Regime das Los der Siedler erschwert. Eis sabotiert durch seine Maßnahmen die Verwirklichung des Wunsches von Hunderttausenden deutschen Arbeitern, auf eigenem Grund ein eigenes Heim zu haben. Jedem Unternehmer seine Privattruppe Eis kann kein Zweifel darüber herrschen, wozu die»W erkscharen« dienen sollen, die man in allen größeren deutschen Betrieben aus den kräftigsten und braunsten Gefolgschaftsmitgliedern zusammenstellt.»Sie dienen der Pflege des Gemeinschaftsgeistes«. wird den Arbeitern versichert. Und die Arbeiter flüstern einander zu; »Schießübungen, Jiu-Jitsu, Betriebsspitzelei und Denunziation — alles für den Gemeinschaftsgeist.«— »Aber«, sagten die Unternehmer,»die Werk- sebaren helfen auch unsere Feierstunden verschönen«. Das stimmt. Sie bilden Spalier, wenn der Betrieb hohen Besuch empfängt, und ersetzen die fehlenden Heilrufe durch doppelten Stimmaufwand, manche Werk- scharmänner zupfen die Gitarre zu martialischen Marschliedem, andere machen dilettantisches Propagandatheater, und das ganze spielt sich als Zwangsveranstaltung nach der Arbeitszeit ab, während die beglückten Festteilnehmer zähneknirschend aufs Nachhauae- gehen warten. Zupfgeigenhansl hin und Dilettantentheater her— die Werkscharen sind Instrumente zur Ueberwachung und Bedrückung der Arbeiterschaft in den sogenannten ETiedenszel- ten, ihr Kern soll im Krieg gegen den »Feind im Innern« Polizeidienste leisten. Soeben ist für die Richtigkeit dieser Feststellung ein neuer Beweis geliefert worden. Bisher empfingen die Werkscharen— auf dem Umweg über die Werkscharführer— ihre Befehle von der Deutschen Arbeitsfront, das heißt von der Nationalsozialistischen Partei. Und die Partei wiederum, der die geldschwersten Unternehmer ohnehin angehören, erhielt ihre»Anregungen« auf diesem Gebiet von den Herren Betriebsführern. Denn in der Behandlung der Arbeiterschaft ist man sich da oben einig, mag es über die wirtschaftlichen Fähigkeiten der Göring und Funk auch zweierlei Ansicht geben. Am 10. Dezember ist ein wichtiger Schritt getan worden, um den Weg der Anregungen und Befehle erheblich zu verkürzen. Auf einer Kundgebung der Deutschen Arbeitsfront in der Deutschlandhalle Berlin wurde, wie die deutschen Zeltungen melden, bekanntgegeben, »daß Dr. Ley 33 Betriebsführer und verantwortliche Männer der Organisation der gewerblichen Wirtschaft in Anerkennung ihrer erfolgreichen Bemühungen um engste Verbindung von Sozial- und Wirtschaftspolitik zu W e r k s c h a r- führe rn ernannt hat« Bei 33 wird es nicht bleiben. Zumindest in den kriegswichtigen Betrieben wird in Bälde jeder Unternehmer sein eigener Werkscharführer sein und den»Gemeinschaftsgeist« so pflegen, wie der Polizeichef Himmler es versteht. Man muß sich klarmachen, was das heißt— Werkscharführer. Das heißt:»Die Werkschar hört auf mein Kommando, jeder Werkscharmann, der sich widersetzt, ist ein Meuterer.« Das heißt:»Wenn ich es im Ernstfalle befehle, wird scharf geschossen, da gibt es keine Rückfrage bei irgendwelchen Instanzen, ich bin der Herr im Haus.« Die Unternehmer zu Werkscharführem ernennen, das bedeutet, ihnen eine eigene Privaltruppe in die Hand zu spielen, mit der sie sich bei etwa ausbrechenden Betriebsunruhen— vor allem im Kriege— selbst helfen können, ohne erst die Totenkopfverbände zu bemühen, die in aufgeregten Zeiten ohnehin alle Fäuste voll zu tun haben werden. Die Absicht ist deutlich. Ob nicht gerade die Werkscharen ihre Gründer eines Tages bitter enttäuschen werden, ist eine zweite Frage. Go}i