Neuer Vorwärts Sozialdemokratisches Wochenblatt Verlag: Karlsbad, Haus„ Graphia" Preise und Bezugsbedingungen siehe Beiblatt letzte Seite Aussprechen, was ist! Nr. 237 SONNTAG, 26. Dez. 1937 Aus dem Inhalt: Um die Freiheit der Presse Deutsche Verlustlisten Legalisierter Raub Vor 50 Jahren Trotz alledem! 8 knechtet, bedroht es auch andere mit gen, uns ermutigt das tapfere Verhal-| schlimmer als das reichsdeutsche SoWir haben keinen Grund, auf das Knechtschaft und Gewalt. Wenn wir ten unserer Bruderparteien in der Sozialistengesetz und der österreichische vergangene Jahr mit Genugtuung zu- also für das deutsche Volk und seine zialistischen Arbeiter- In- Ausnahmezustand. Härter als je ist der rückzublicken oder das neue mit rosi- Freiheit kämpfen, und wir sind uns ternationale, vor allem unserer Kampf, schlimmer als je die Not der gen Hoffnungen zu begrüßen. dessen bewußt, daß dies und dies allein deutschen Genossen in der Kämpfer, und der Ausgang liegt noch Re- weit in der Ferne. Aber die Heilige Noch ist die Despotie im Vor- unsere Aufgabe ist so kämpfen wir Tschechoslowakischen rücken. Brennende Städte in China zugleich für die Freiheit ganz Europas publik. Ihre Leistung in den letzt- Allianz ist gewesen, die Reaktion nach bezeichnen ihren Weg. Das politische und für den Frieden der ganzen Welt. vergangenen Jahren wird in der Ge- 1848 ist gewesen, das Sozialistengesetz Dreieck, das unter der falschen Fahne Dieses unseres Weges sind wir so schichte der Internationale ein Ruh- ist gewesen, und immer ist nach Periodes Antibolschewismus marschiert, ge- gewiß, daß auch bittere Erfahrungen mesblatt füllen. den finsterster Unterdrückung das Banbärdet sich schon als wäre es der Herr uns von ihm nicht abbringen können. Aussprechen, was ist! Nur Schwäch- ner der Freiheit wieder aufgestiegen. der Welt. Keine Macht hat den Mut, Wir fühlen uns durch sie nicht im min- linge können die Wahrheit nicht ver- Diejenigen, denen es in der Zeit schwerihm entgegenzutreten. desten entmutigt. Uns erhebt der An- tragen. Seit Jahrhunderten ist die Des- ster Bedrängnis anvertraut ist, sind Auch dort, wo die Kanonen noch blick des um seine Freiheit kämpfen- potie in Europa nicht so stark gewe- trotz alledem Bevorzugte des Schickschweigen, macht die Despotie längst den spanischen Volkes, uns sen, Freiheit und Menschenwürde nicht sals. Wir sehen also keinen Grund, uns nicht mehr an den Landes- stärkt das Bewußtsein der Verbunden- so in den Boden getreten worden wie zu beklagen oder an unseren Gesinnungrenzen halt. Mit ihren Heeren heit mit unseren Genossen in jetzt. Was wir erleben, ist schlimmer gen etwas zu ändern. Wo wir stebezahlter Spitzel und Agenten, mit Deutschland, die für die Sache als die Heilige Allianz, schlimmer als hen und wohin wir gehen, ihren gekauften Zeitungen dringt sie in der Freiheit mutig Unnennbares tra- das Wüten der Reaktion nach 1848, bleiben wir, was wir sind! die Nachbarländer ein. Mit Lockungen Das Emigranten- Tragödien Lieber tot als nach Deutschland- Freitod eines Philosophen zur Abgedeuten. vielen Die Gemeinde derer, die sein anund seiner nahm, starb und Drohungen macht sie sich die öffentliche Meinung gefügig. Ist sie mit ihren vielen Soldaten nicht mächtig, muß nicht jeder Realpolitiker mit ihr rechnen? Wer könnte die Bildung »> ideologischer Blocks« befürworten, die doch sicher zum Zusammenstoß führt? Aus Amsterdam wird uns berichtet: eines Unbekannten gefunden. Zunächst schie-| Hellmund verfiel in Verfolgungswahn. In Rüstungen sind gut für das Geschäft, aber außenpolitische Spannungen schaZum zweiten Male hat sich binnen kurzer nen mancherlei Anzeichen darauf hinzudeu- allen Menschen, mit denen er in Berührung den ihm. Schließlich kann man den Zeit in Holland der Fall ereignet, daß ein ten, daß der Tote das Opfer eines Verbre- kam, begann er Spione des Hitlerregimes zu Frieden auch mit ein bißchen Freiheit Emigrant, der nach Deutschland abgeschoben chens sei. Bald jedoch kam die Polizei zu sehen, jedes kleine, oft nur eingebildete Miẞein seiner Auslieferung der Feststellung, daß auf Selbstmord vor- geschick, das ihm widerfuhr, leitete er bezahlen, besonders dann, wenn es die werden sollte, den Tod ihre» Erziehungs<-Methoden liege. Auch über die Identität des Toten kam das Walten allmächtiger Verfolger zurück, obFreiheit anderer und nicht die eigene ist. an die SA und Stimmungen solcher Art und ihre Vorzog. Der erste Fall betraf jenen Unglück- man ziemlich schnell ins Klare. Zur Zeit, da wohl es doch auf der Hand liegt, daß die brauAuswirkungen machen unseren Kampf, lichen, der sich während des Transportes aus diese Zeilen geschrieben werden, kann kaum nen Spitzel ihre Arbeit auf ganz andere Perwar vor noch ein Zweifel daran bestehen, daß der Un- sonen konzentrieren, als auf den unpolitischen der schon schwer genug ist, noch dem fahrenden Zug stürzte. Das schwerer. Ja, wenn wir noch die Hoff- einigen Wochen. Jetzt hat sich der Vater bekannte, der im Wald bei Dijon den Weg Gelehrten Hellmund. Vergeblich versuchten sozialistischen Emigranten in dem aus der Welt suchte und fand, der deutsche Freunde immer wieder den seelisch Zerbronungen der klugen Rechner teilen wür- eines und seine Philosoph Dr. Heinrich Hellmund ist... chenen aus Verzweiflung und Angst zu lösen. den, dann wären die Opfer wenigstens Augenblick, wo die Polizei ihn beide bejahrte Leute Heinrich Hellmund wird der Er fand keine andere Befreiung als den Tod nicht umsonst gebracht. Aber wir tei- Frau len sie nicht, wir glauben nicht, daß der schiebung nach Deutschland abholen wollte, Name dieses Mannes nichts besagen und be- den er sich selbst gab. dessen Frieden, auch die Halsschlagader durchschnitten. Erhaltung Der Philosoph Heinrich Hellmund, der große Opfer rechtfertigen würde, alte Ehepaar war staatenlos und spruchsvolles innerlich und äußerlich groß- einst das» Wesen der Welt« zu deuten unterdurch solche Kalkulationen und Trans- hatte zuletzt in Köln gewohnt. Da es ihnen angelegtes Lebenswerk kennen am Hereinbruch der großen aktionen gerettet werden kann. Dazu dort seit der Hitler- Herrschaft immer elender Bedeutung gemäß einschätzen lernten, ist Barbarei, mit der sich» abzufinden<< ihm nicht kennen wir den Vertragspartner zu ging, so hatte der Sohn, inzwischen mit einer verhältnismäßig klein, wen sie auch erfreu- gegeben war, und die aktiv zu bekämpfen es gut. Wir wissen, daß ein jeder, der ihm Holländerin verheiratet und in relativ lich weit über den engen Umkreis der fach- ihm an vitaler Kraft gebrach. Müde ging er etwas gibt, um etwas dafür zu erhalten, sicherten Verhältnissen lebend, die beiden wissenschaftlichen Interessierten hinausgeht. den Weg ins Nichts. In den Tod gehetzt vom der Betrogene sein wird. Alten zu sich nehmen wollen. Der Plan schei- Hellmunds Hauptwerk» Das Wesen der braunen Kulturhaẞ. Ein Selbstmörder Es ist seit einiger Zeit so viel vom terte jedoch an der Eigenschaft der beiden Welt« lud schon rein räumlich betrachtet Und dennoch: ein Gemordeter. » Pressefrieden« die Rede. Aber worin als Staatenlose. Der holländische Justizmini- nicht gerade eiliger Lektüre ein: drei etwa anderthalbtausend kann ein Pressefrieden zwischen Demo- ster verfügte die Ausweisung. kratie und Diktatur bestehen? Doch Nun besteht in Holland folgender unnur darin, daß die Diktatur verspricht, glückseliger Zustand: Das Land besitzt nur Als das Buch 1927 bei der Deutschen Vernicht mehr über die Demokratie zu zwei Grenznachbarn: Deutschland und Bel- lagsanstalt in Stuttgart erschien( 1928 kam lügen, wogegen die Demokratie sich gien. Mit Belgien besteht seit die zweite Auflage), wurde es von der Kritik verpflichtet, über die Diktatur nicht Vertrag, wonach die beiden Länder sich ihre begeistert als eine der bedeutendsten denke- Oschersleben waren die städtischen Beamten mehr die Wahrheit zu sagen. Die Dik- Emigranten rischen Leistungen der neueren tatur kann leicht ein solches Verspre- schieben dürfen. Es bleibt also im konkreten Philosophie willkommen chen geben; erstens kann sie es erfül- Falle nur eine Ausweisungsmöglichkeit: die Müller- Freienfels und andere berufene Beur- kein besonders hohes Gehalt, aber sie führten len, denn ihre ganze Presse tanzt ja an nach Deutschland. ihren Drähten, und zweitens will sie Nun scheint man in Holland noch immer es gar nicht erfüllen. Wie aber könnte die Demokratie eine solche Verpflich- kehr eines Emigranten nach Deutschland für tung übernehmen, ohne auf ihre Le- diesen bedeutet; aber die Emigranten selber bensgrundlage selbst, auf die Frei- sind sich darüber im Klaren, und wir, die wir heit der Presse, zu verzichten? Ein sogenannter Pressefrieden ist ein wissen, begreifen es, wenn sie den Tod der Handel, bei dem die Diktatur gar nichts Hölle vorziehen, die ihrer im Dritten Reich gibt, die Demokratie aber alles so- wartet. gar sich selbst! Tut sie das aber, welches Banner will sie dann noch erheben an dem Tage, an dem die Illusionen schwinden und die furchtbare Wirklich keit an sie herantritt? Frieden und Freiheit sind keine Handelswaren, die man gegeneinander austauschen kann. Auch läßt sich die eigene Freiheit von der Freiheit der anderen nicht trennen. Wie wenig eine solche Trennung möglich ist, hat die furchtbare Lektion der letzten Jahre gezeigt. So lange das deutsche Volk seine Freiheit genoẞ, konnten auch seine Nachbarn in gekurzem ein nicht mehr wechselseitig zunicht recht zu wissen, was die Zwangsrücküber die deutschen Verhältnisse Bescheid Die traurigen Fälle haben die holländische Oeffentlichkeit alarmiert. Man beginnt zu begreifen, daß doch nicht bloße Halsstarrigkeit die Emigranten in Holland festhält. Daß Menschen lieber Selbstmord versuchen, als nach Deutschland zurückzukehren, gibt zu denken: Greuelzustände, vor denen solche Furcht besteht, können unmöglich bloẞ zu Agitationszwecken ausgeheckte sein, sagt sich der einfache Mann. Märchen In den Tod gehetzt zu mit dicke Bände Seiten... deutschen Journalistenlos! ja. Ein Korruptionsfall und seine Folgen. Aus Mitteldeutschland wird uns berichtet: Für das Winterhilfswerk des Kreises teiler priesen die Kühnheit und Tiefe Hellmundschen Gedankenwelt und sein liches unablässiges Ringen um einen neuen, die Einzelerkenntnisse der Spezialwissensynthetisch zusammenfassenden Obgleich schaften Seins- Begriff Neumann und Treide Beauftragte und geheißen. Richard Leiter. In ihrem Beruf bezogen die beiden der trotzdem ein Leben in Saus und Braus, in ehr- dem Alkohol und Frauen eine große Rolle spielten. 1935 kauften beide schöne große Grundstücke und bauten sich darauf Villen. die ganze Bevölkerung vermutete, daß hier mit dem Gelde des WHW unsauber sahen die verantwortDer deutsche Philosoph Heinrich Hellmund manipuliert würde, ist von der Barbarei des Dritten Reiches in lichen Stellen nichts. Der Arbeitslose Kujas war in der Kanzlei des WHW als Hilfskraft den Tod gehetzt worden. 1933 hatte er Er kam durch Einsichtnahme Deutschland verlassen müssen, obwohl er mit beschäftigt. Politik nicht das mindeste zu tun gehabt in die Bücher, Belege und Listen darauf, daß obwohl hatte, und Arbeiten einer Neumann und Treide mit den eingegangenen manchmal Geldern und Sachspenden nicht richtig umSphäre angehörten, die weit machte dem Kreisleiter der wohl allzuweit jenseits allen Zeitstreites gingen und liegt. Sein Verbrechen bestand darin, daß er NSDAP und Bürgermeister von Oschersleben, >> Nichtarier<< war und Denk- und Forschungs- Panicke, Mitteilung. Er wurde prompt wegen freiheit als wertvolles Kulturgut erkannte... angeblicher Beleidigung der städtischen BeHellmund wurde ein Heimatloser, der von amten und Leiter des WHW auf ein halbes Land zu Land pilgerte, überall durch Vor- Jahr in das Konzentrationslager Dachau gelesungen und wissenschaftliche Forschungs- schickt. seine pläne Interesse weckend, aber nirgends neue Die Beobachtungen Kujas und seine plötzVerwurzelung, nirgends Ruhe zum Schaffen liche Verschickung in das KZ sprachen sich findend. Die Friedlosigkeit seines Wander- jedoch bald herum, so daß die verantwortSelbstmord eines deutschen Gelehrten. lebens zehrte an seinen Nerven, an seiner lichen Partei- und Behördenstellen eingreifen baren be- mußten. Eine Revision ergab einen in der Nähe von Dijon, seelischen Gesundheit. Immer deutlicher In Frankreich, sicherter Freiheit leben. Selbst ge- wurde vor kurzem in einem Wald die Leiche reitete sich in ihm eine Katastrophe vor. Fehlbetrag in Höhe von 85.000 RM. Der Wert iler verschobenen Lebensmittel, Kleidungsstücke usw. konnte überhaupt nicht festgestellt werden. Die Verfehlungen-reichten bis 1935 zurück. Neumann wurde verhaftet, Treide floh und nahm sich in Magdeburg das Leben. Neumann wurde vor Gericht gestellt; und da das Gericht die Unterschlagung eines Darbetrages von 85.000 RM. und von nicht kontrollierbaren Sachspenden feststellte, zu.15 Jahren Zuchthaus verurteilt. NSDAP-Kreisleiter und Bürgermeister P a n i c k e wurde seiner Aemter enthoben Deutsche Yerlustllsteu Merkwürdige Todesanzeigen Im Inserafenfeil Seit einiger Zeit mehren sich in der na- tionalsoziad istischen Presse Todesanzeigen, die einen ganz eigenartigen Charakter tragen. Wir geben nachstehend aus einigen willkürlich herausgegriffenen Zeitunganum- mem aus den letzten Wochen einige dieser Anzeigen in ihren wesentlichsten Teilen wie- und wegen Begünstigung angeklagt, aber der. So heißt es im»Völkischen Beobachter« »wegen Mangel an Beweisen« freigesprochen. vom 16- September: Der Freispruch wurde damit begründet, daß er zur Zeit der Anzeige Kujas nicht wissen konnte, daß Neumann und Treide tatsächlich Unterschlagungen begangen hatten. Deshalb sei die Verschickung Kujas in das KZ mit Recht geschehen, denn die Aufgabe des Bürgermeisters und Kreisleiters der NSDAP sei es. die Beamten und Funktionäre vor Beleidigungen und Anschuldigungen zu schützen. Panicke wurde als»Stellvertretern wieder in seine Aemter eingesetzt. Ueber diese Tatbestände berichtete der Vertreter der»Magdeburger Zeltung«, Pät- zold. Er kam in seinem Bericht zu der Schluß- folgerung, daß der Freispruöh Panickes von der Bevölkerung nicht verstanden werde und die Wiedereinsetzung in die Aemter— wenn auch nur als Stellvertreter— sei erst recht kurios. Dieser Artikel wurde von der Presseprüfungsstelle Magdeburg zurückgehalten und durfte nicht veröffentlicht werden, Pätzold höchstpersönlich wurde die Pressekarte und das Recht, als Journalist zu wirken, entzogen. Einer Vorladung auf die Gestapo entzog er sich durch die Flucht, da er vorher insgeheim informiert worden war, daß er ins Konzentra-I tionslager überführt werden sollte. HKlcr kürzt die Hemden Vorne und hinten um 5 Zentimeter. Die Hitlerregierung hat eine Anordnung erlassen, die jeden Satiriker vor Neid erblassen läßt. Der selige Bracht, der Vater des berühmten Zwickelerlasses, würde sich schwer geschlagen finden, wenn er noch folgende Meldung lesen könnte: »Der Wirtschaftsminister hat eine Anordnung des Führers der Indnstriegrnppe »Männliche Unterkleidung« gebilligt, durch die „ die Länge der Hemden vorn und hinten um 5 cm verkürzt wird. Diese Maßnahme erregt wenig Erstaunen, da die Aufmerksamkeit der Tev- i tilindustrie schon vor einiger Zeit auf die Tatsache gelenkt war, daß beträchtliche In Ausübung seines Dienstes verstarb Parteigenosse Dr. Karl Heinz Müller, Reichshauptstellenleiter und SA- Standartenführer. Ortsgruppe Braunes Haus, Saupert, Ortsgruppenleiter. Am 18. September meldete die»Westfälische Landeszeitung«: Am Mittwoch, dem 15. September 1937, verstarb in Nürnberg unser lieber Kamerad SA-Obertruppführer Parteigenosse Wilhelm Arenz infolge Unglücksfalles. Er zog mit uns zum Reichsparteitag, um sich neue Kraft zu holen. Noch unter dem Eindiuck des gewaltigen Geschehens und der von seinem Führer vernommenen Worte traf ihn nach Beendigung des Parteikongresses dieses tragische Geschick. NSDAP. Kreisleitung Dortmund. SA-Brigade 67. Am 6. Oktober verkündete Herr Bohle i»Völkischen Beobachter«: Am 2. Oktober dieses Jahres verstarb unerwartet der Parteigenosse Richard Eckermann, Amtsleiter in der Auslandsorganisation der NSDAP, Oberleutnant z. See d. R. In Richard Eckermann verliert die Auslandsorganisation der NSDAP einen alten treuen Mitkämpfer, der sowohl im Ausland wie in der Heimat seit vielen Jahren am Aufbau der AO mitgearbeitet hat. E. W. Bohle, Gauleiter der Aus- landsorganisation der NSDAP. Die gleiche Nummer des»Völkischen Beobachters« brachte folgende Anzeige: Plötzlich und unerwartet wurde am 4. d. M. unser Personaldienststellenleiter Pg. Max Felke durch einen schnellen Tod aus unserer Mitte gerissen. Ortsgruppe Charlottenburg-Nord der NSDAP. Der»Völkische Beobachter« vom 16. Oktober brachte gleich zwei ähnliche läutende Todesanzeigen: Am 14. Oktobei 1937 wurde durch t r a- gischen Unglücksfall einer unserer Besten, der Zellenleiter Parteigenosse Heinrieh Jordan aus unseren Reihen entrissen. Bombach, Kreisleiter. Wilde, Ortsgruppenleiter der Ortsgruppe Weißensee. Im Dienste der Bewegung wurde durch einen Kraftwagenunfall Obertruppführer Heinrich Lange unseren Reihen entrissen. NSKK Motorsturm 22/M 28. Aehnlich lautet auch die Anzeige im »Völkischen Beobachter« vom 21. Oktober: Auf dem Wege zu einer motoraport- liohen Veranstaltung verunglückte tödlich am 17. Oktobr 1937 der Obr- truppführer Robert Gruschke, Motorsturm 14, M 29. NSKK Motorstaffel H/M 29. Es sind durchwegs hohe Nazi-Funktionäre, die hier»unerwartet verstarben« oder »verunglückten«. Ueber die Ursachen Ihres plötzlichen Todes kann man nur Vermutungen anstellen. Das gleiche gilt auch von der nachstehenden Anzeige im»Völkischen Beobachter« vom 29. Oktober: Nachruf! Am 21. Oktober 1937 sind der Diplom-Ingenieur Waldemar W e h r- mann und am 24. Oktober 1937 der technische Angestellte, Herr Otto Scher- barth plötzlich verschieden. Berlin, den 29. Oktober 1937. Reichsautobahnen, Oberste Bauleitung Berlin. Dagegen sprechen die nachfolgenden Anzeigen aus dem»Völkischen Beobachter« vom 23. und 29. Oktober eine völlig eindeutige Sprache, die auch für die Mitglieder des Londoner»Nichtei;nmi?ch\mgsau£schusses« von Interesse sein dürfte: Im Dienste des Vaterlandes wurde uns heute unser geliebter Sohn Franz K i o h n, Gefreiter und Flugzeugführer im Jagdgeschwader 234, durch den Tod entrissen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Grete von Diergardt geb. Heyer, Albert Krohn. Bornheim und Köln, den 20. Oktober 1937. Am 25. Oktober 1937 starb in treuer Pflichterfüllung den Fliegertod für Führer und Reich. Obergefreiter Fritz Bläske. II. Kampfgeschwader 153, Exss. Oberstleutnant und Kommandeur. Ebenso eindeutig slhd die folgenden Inserate aus dem»Völkischen Beobachter« vom 23. bis 28. November: Am Montag, dem 22. November 1937, fand Leutnant Heinz H ü h o 1 1 in pflichttreuer Ausübung seines Dienstes den Fliegertod. Das Offiziers-Korps def Jagdgruppe 1/131. In Ausübung seines Dienstes starb den Fliegertod der Flugbauführer Karl Schröder. Die Erprobungsstelle betrauert in ihm einen besonders wertvollen Mitarbeiter, v. Schoenebeok, Major und Kommandeur der Erprobungsstelle der Luftwaffe. In Ausübung seines Berufes starb den Fliegertod am 23. November mein Sohn, unser Bruder und mein Verlobter Otto Freiherr von M e d e m, Flugzeugführer und Referent an der Erprobungsstelle der Luftwaffe. Im Namen der Hinterbliebenen Alecca-Maria Freifrau von Medem, Adrienne von Szänkowski. Am 26. November 1937 starben in treuer Pflichterfüllung den Fliegertod Flugkapitän Walter Bayer, Funkermaschinist Franz K e 1 b I, Flugzeugfunker Hans Petersen. Wir stehen tieferschüttert an der Bahre dieser uns so plötzlich in Ausübung ihres Berufes entrissenen hervorragenden Besatzung, der wir stets ein ehrendes Gedenken bewahren werden. Betriebsführung und Gefolgschaft der Deutschen Lufthansa Aktiengesellschaft. In der gleichen Zeit vom 23. bis 28. November meldete der»Völkische Beobachter« noch folgende»Unfälle Im Dienst«: Am 18. November 1937 verunglü ck- t e tödlich der Scharführer Dr. Julius Boehm, Motorsturm 23/M 29. NSKK Motorsturm 23/M 29. Durch einen Unfall im Dienst wurde uns der Parteigenosse Hans M a n- t e 1 entrissen. Ortsgruppe Zehlendorf der NSDAP. Infolge Unglücksfalls verstarb plötzlich unser Mitarbeiter Pg. Max Salzmann. NSDAP. Reichsleitung, Hauptamt " für Volkswohlfahrt. An den Folgen eines Unfalles starb am 25. November 1937 unser langjähriger Werkmeister und Kamerad Albert Vogt. Flugtechnische Fachgruppe an der Technischen Hochschule Berlin. Das alles ist, wie schon gesagt, keineswegs eine Aufstellung, die den Anspruch auf Vollständigkeit.erhebt, sondern nur eine kleine Stichprobe von dem, was das spanische Abenteuer und die Kriegsspielerei daheim an Menschenleben kostet. Rohstoffmengen durch eine Verkürzung der Katastrophe« war eben nur sichtbar für die, Männerhemden erspart werden könnten, die als Grafen außerordentlich stark an ihr Hemden nach Maß fallen nicht unter die neue Verordnun g.« Das deutsche Volk wird also künftig in zwei Klassen zerfallen, die Langhemden und interessiert waren. Aber Katastrophe hin und Katastrophe her— wir möchten hier nur zur Debatte für Unvoreingenommene stellen, ob nicht jetzt das wirklich Katastrophale in die Kurzheraden. Die ersteren sind die bes- i Deutschland- auf dem Gebiete de. Jagd seren Leute vom Sturmbannführer aufwärts., � auf allen anderen weniger romantischen die ihre Wäsche nach Maß anfertigen lassen.! �-«benszweigen ganz andere Saiten auf die letzteren bilden die ordinäre Plebs, die Im 2ieht- als früher- 1)61,11 blättern wir in der Laden kauft. Das ist die Volksgemeinschaft. Das aber ist die Autarkie: Die Butter wird weniger, die Hemden werden kürzer. Und so wollen sie noch tausend Jahre wei- tenegieren! Die so beliebten Parteityrannen Ein Gaujägermelster in Theorie und Praxis. Auf der nun beendigten Internationalen Jagdausstellung in Berlin, die auch so illustre Gäste wie den Lord Halifax mit den Errungenschaften des Dritten Reiches bekannt machen durfte, war dem rheinischen»Gaujägermeister« Grafen Hoensbroech ein besonderes Referat im»Internationalen Jagdrat« anvertraut worden, in dem er— vor allen diesen ausländischen Paradegästen— über die segensreiche Wirksamkeit des Regimes Im Feld des Waidmännischen sich zu verbreiten hatte. Dem Referat(wörtlich wiedergegeben in der amtlichen Fachschrift»Wild und Hund« Nr. 49) entnehmen wir die folgende Saftstelle: »Wie auf vielen Gebieten, so trieb man auch auf jagdlichem Gebiet einer unvermeidlichen Katastrophe entgegen. Erst durch die Machtergreifung Adolf Hitlers und die von Ihm bis in die letzte Konsequenz durchgeführte autoritäre Staatsform nach dem Führerprinzip wurde es ermöglicht, u. a. auch eine Jagdgesetzgebung zu schaffen, die das Uebel an der Wurzel packte.« Es dürften freilich bis zum Jahre 1932 eder sogar noch 1933 nicht sehr viele Deutsche gelebt haben, die überhaupt von dieser »unvermeidlichen Katastrophe« auch nur das zitierten Nummer von»Wild und Hund« wei ter, so finden wir den»Gaujägermeister« Grafen Hoenbroech noch einmal als Autor vertreten, und zwar mit der folgenden, wortgetreu wiedergegebenen Bekanntmachung; »In der letzten Zeit mehren sich die anonymen Zuschriften an mich und an das Stabsamt, In welchem Kreisjägermeister, Hegeringlelter und andere Mitglieder der Deutschen Jägersohaft angeschuldigt und in der übelsten Weise mit Schmutz beworfen werden. Da es mir leider nicht möglich ist, diesen anonymen Helden, die aus dem Hinterhalt ihre vergifteten Pfeile schießen, direkt zu antworten, sei Ihnen hiermit mitgeteilt, daß ich grundsätzlich jedes anonyme Schreiben dem Papierkorb einverleibe. Wer nicht den Mut hat, mit seinem Namen für seine Behauptungen einzustehen, wird von mir keines Blickes gewürdigt. Da aber die Anschuldigungen, die auf diese feige Art erhoben werden, durchweg erlogen sind, warne ich die anonymen Schreiber, ihr Treiben fortzusetzen. Wenn es mir gelingt, einen solchen Schreiber zu ermitteln, werde ich gegen ihn unnach- sichtiich vorgehen und ihn der Verachtung aller anständigen Menschen ausliefern. Graf Hoensbroech. Gaujägermeister Rheinland-Nord.« Vorausgesetzt, man ist nicht gerade Lord Hallfax, könnte man nunmehr allerdings meinen, daß die»unvermeidliche Katastrophe« bedenklich da ist, und zwar ist es auch nicht schwer, der Erscheinung auf den Grund zu kommen, da sie der braune Graf Ja selbst klar genug bezeichnet hat: Denn irgendwie muß ja doch wohl»die bis In die letzte Konsequenz durchgeführte autoritäre Staatsform nach dem Führerprinzip« aus Deutschland einen solchen Füchsbau gemeiner Gehässigkeit und niedrigen Angebertums geringst® wußten. Die»unvermeidliche, gemacht haben! Bekennermut!? Alle sagen:»Demokratie!« Es gibt keine Diktaturen mehr. Mussolim befragt das Volk vom Balkon aus, ob Italien aus dem Völkerbund austreten soll. Und Hitler— wie kann man Hitler einen Diktator nennen? Auch er hat in zwei Volksbefragungen die erdrückende Mehrheit der Ja- Stimmen erreicht, ohne jeden Wahlkampf der Opposition, ohne daß ihre Stimmen richtig gezählt zu werden brauchten und trotzdem der Neinsager höchstens ein bißchen Konzentrationslager riskierte. Und so durfte denn Frick In einem Vortrag der Schwedisch- Deutschen Vereinigung in Stockholm erklären: »daß in Deutschland eine neue Demokratie geschaffen worden sei, eine Demokratie des Vertrauens zu einer starken, vom Volkswobl beherrschten, wahrhaften Füh rung. Nichts sei falscher als diese Führung als Reglerungsdiktatur zu bezeichnen.« Denn Führer und Diktator»gehören zwei grundverschiedenen Welten an«, schrieb jüngst der»Fridericus« und es liege böswll lige Absicht vor, wenn man»In zwei Kreisen des Auslands immer wieder den Führer- staat mit Diktatur verwechselt...« Dieser Bekennermut der Nazis, diese Verfälschung aller Begriffe ist nicht von heute und gestern, aber das Schindluderspiel mit dem Begriff Demokratie wird drüben neuerdings mit besonderem Eifer betrieben. Der Elfer hängt zusammen mit der wachsenden Sehnsucht der deutschen Volksmassen nach den geraubten demokratischen Grundrechten, nach der Freiheit von ehedem. Es gab einmal den aufgeklärten Absolu- tismu«, der die rationalistische»Aufklärung«, die freie Forschung In begrenzten Kreisen und für begrenzte Kreise, erlaubte. Das kann sich der moderne Despotismus nicht gestatten. well seine Untertanen lesen gelernt haben. Dafür erlaubt der aufgeklärte Diktator, Demokratie und Führerstaat statt Diktatur zu sage». Der Liberalismus Ist so tot, daß kein Diktator mehr ohne übe ralis tische Terminologie auskommt. Auch Münzenber�! ».Mit den Kräften der Volksfront nicht verbunden.« Die kommunistische»Deutsche Volkszeitung« hat den Kampf gegen Willi Münzenberg aufgenommen. In ihrer neuesten Nummer kritisiert sie zwei von Ihm herausgegebene Bücher—»Der Untergang von Prag« und»Das neue deutsche Heer« von B. Jacob —• außerordentlich scharf, um dann folgende allgemeine Bemerkungen hinzuzufügen: »Man fragt sich, wie es möglich Ist, daß Machwerke, wie die beiden genannten unter der Verantwortung von Willi Münzenberg erscheinen konnten. Sie wurden von Willi Münzenberg ohne Wissen und ohne Zustimmung der Leitung der Kommunistischen Partei Deutschlands, die sie nach ihrem Erscheinen scharf kritisierte und ablehnte, herausgegeben. Es Ist klar, daß bei einer Beratung dieser Probleme mit leitenden Funktionären der KPD solche Bücher niemals erschienen wären. Die in diesen Büchern enthaltenen Tendenzen sind ein Ausdruck von Depressions- und Kapitulationsstimmungen. Sie Schlagen den spanischen Erfahrungen Ins Gesicht, insbesondere denen von Madrid, das im November 1936 auch von einigen Panikmachern bereits»aufgegeben« war. Diese Bücher verraten Unglauben an die Gegenkräfte, sie sind defaitistisch gegenüber der antifaschistischen Freiheitsbewegung und ohne eine Spur von revolutionärem Defaitismus(??) gegenüber Hitler. Sie zeigen ebenso, wie das in der DVZ bereits ausführlich besprochene Buch Münzenbergs»Propaganda als Waffe«, daß ihr Herausgeber mit den Volksfrontkräften im Lande nicht verbunden ist., Es Ist keine ernsthafte, verantwortungsvolle. wirkliche antifaschistische Propaganda, die W. Münzenberg mit diesen schlechten und gefährlichen Büchern treibt, sondern sie zeugen von einer billigen und unernsten Sensationshascherei. Sie machen Propaganda zu einer Waffe zum Selbstmord. So kann und darf aber der Kampf gegen die Kriegsgefahr nicht geführt werden! So erleichtert man nur die Propaganda unserer Feinde.« Diese öffentliche Kritik bestätigt, daß der Bruch zwischen der Kommunistischen Partei und ihrem rührigsten Propagandisten vollzogen ist Ludendorff Das Ende eines Diktators. Von den Diktatoren des Deutschen Reichs war der verstorbene Erich Ludendorff der kurzlebigste. Während Bismarck zwanzig Jahre lang regierte, Wilhelm n. sogar noch länger, war Ludendorff nur zwei Jahre lang, vom August 1916 bis September 1918 der bestaunte Führer und tatsächliche Gebieter Deutschlands. Im Felde war er ein bedeutender Heerführer. In der Politik war er ein aufgeregter Dilettant und schließlich ein vollkommener Narr. Durch die Unabhängigkeitserklärung Polens zwang er Rußland zum Verzweiflungskampf an der Seite der Entente; jeden, der einen rechtzeitigen Frieden wollte, hielt er für einen Landesverräter. Er setzte den unbeschränkten U-Boot-Krieg durch und trieb damit Amerika in den Krieg. Mit dem Frieden von Brest-Litowsk lieferte er das Muster für den Flieden von Versailles. Als sich die Kriegslage zu Ungunsten Deutschlands wendete, verlor er den Kopf und erzwang gegen den Willen der Zivilregierung die überstürzte Waffenstillstandsbitte, mit der sich Deutschland auf Gnade und Ungnade den Siegern ergab. Als er dann begriff, was er angerichtet hatte, wollte er es nicht gewesen sein, er fand die militärische Lage gar nicht so schlecht und griff begierig nach der Dolchstoß-Lüge zu seiner und seiner Mitschuldigen Rettung. Als erBethmann gestürzt hatte, wußte er ihn nicht anders zu ersetzen als durch den kümmerlichen Michaelis, tat dann aber auch nicht das geringste, um ihn zu halten. Im Herbat 1918 forderte er an Stelle des halbparlamentarischen Hertling eine ganzparlamentarische Regierung und wurde damit zum Initiator der»vierzehn Jahre der Schmach«. Die Gefahr der inneren Lage überschätzend und die Gutmütigkeit seiner Gegner unterschätzend, reiste er unter falschem Namen nach Schweden, um bald wieder beruhigt heimzukehren. Dann wurde er Putschist. In einem Gespräch mit einem sozialdemokratischen Stadtrat aus Homburg von der Höhe bekannte er sich am 13. März 1920 als Urheber des Kapp-Putsches. Dieser Stadtrat war ahnungslos nach Berlin gekommen und suchte im Trubel des Putsches eine Stelle, von der aus er nach Hause telepho- nieren konnte. Man wies ihn in das Reichsmarineamt. Dort machte Ludendorff höchstpersönlich einen Versuch, ihn für den Putsch zu gewinnen.»Sehen Sie«, sagte er.»wir haben Herrn Kapp zum Diktator gemacht, weil er ein Mann mit eisernen Nerven ist. Zeigen Sie mir einen solchen Mann aus Liren Reihen, und wir machen es auch mit ihm.« Ein wenig gewitzigt durch die ungeheure Blamage, hält er sich drei Jahre später von der Vorbereitimg des Hitlerputsches fem. Aber wie es so weit ist, kann er sich doch nicht enthalten, von der verbotenen Frucht zu naschen. Er läßt sich in den Bürger- bräukeller holen und sich von Hitler, dem neuen»Leiter der Reichsregierung« zum »Führer der Armee« proklamieren. Vor Gericht spricht er die bedeutenden Worte:»Man sieht in mir Tannenberg«— und wird freigesprochen! So schwach und krank war die Republik schon damals, daß sie ihre Todfeinde ruhig gewähren lassen mußte! In Berlin regierte Stresemann, in Bayern Kahr,— sie haben ihren Lohn dahin: der erste wurde noch nach seinem Tode verfemt, der zweite als siebzigjähriger Greis am 30. Juni 1934 erschlagen. Ludendorff übernahm, während Hitler bei Torte und Wein in Landsberg als»bayrischer« Gefangener saß, die Leitung der, wie es schien, hoffnungslos zerschlagenen Partei. Er ließ sich auch in den Reichstag wählen, wo er einige wenige Male die Rolle des steinernen Gastes spielte, in der Hauptsache sich aber darauf beschränkte, seine Diäten zu beheben. Damit hat er die Fünktion eines Reichstagsabgeordneten des Dritten Reiches schon in der Republik vorweggenommen. Populär war er nie. Bei der Reichspräsidentenwahl von 1925 schnitt er als Kandidat Hitlers mit ganzen 200.000 von 25 Millionen Stimmen kläglich ab, und mit Bitterkeit erlebte er es, daß die militärische Puppe Hln- denburg im zweiten Wahlgang mit fast 16 Millionen Stimmen siegte. Seitdem hat er den Alten ehrlich gehaßt; er nahm seine Rache, Indem er die Korruption von Neudeck enthüllte. Aber seine politischen Mißerfolge machten ilin nur immer schrullenhafter. Unter dem Einfluß seiner verstiegenen Gattin verfing er sich In Theorien, die die Welt an seinem gesunden Verstand zweifeln ließen, und seine Verbitterung machte ihn zum Feind aller Welt. Auch Hitlers! Ludendorff hat Hitler gekannt, er war jahrelang durch gemeinsames Sowjetrussisdie W irklidikelt Standredit stärker als Wahlredit! Als vor etwas mehr als einem Jahr, am 5. Dezember 1936, Stalin unter großem Propaganda-Aufwand eine neue Verfassung oktroyierte, die»demokratischste der Welt«, de regten sich auch wieder in sozialistischen Kreisen gewisse Hoffnungen. Sollte das nicht den stets erhofften, stets enttäuschten Schritt zu einem Abbau der Diktatur nach der von Stalin immer wieder behaupteten Verwirklichung des Sozialismus darstellen? Sollte jetzt nicht jener Uebergangszustand der angeblichen»Diktatur des Proletariats«, die aus der terroristischen Herrschaft einer Partei längst zu der persönlichen, unumschränkten Herrschaft eines einzelnen degeneriert war, dem Selbstbestimmungsrecht in der sozialistischen Demokratie weichen? Die Klassen waren doch gründlich vernichtet, die wenig entwickelte russische Bourgeoisie blutig ausgerottet, die Kulaken»liquidiert« und die Bauern nach Aufhebung ihres Privateigentums in den Kollektiven zusammengefaßt. Die»sozialistische« Produktion hatte zudem angeblich riesige Fortschritte gemacht, die Lebenshaltung.war angeblich in stetigem Fortschritt, und das russische Volk, mit neuer Lebensfreude erfüllt, stand geschlossen zu dem Regime und seinem begeistert verehrten Führer. Die Sozialisten, die so dachten, mußten sich um so mehr an diese Hoffnung klammern, da zunächst kaum eine andere Aussicht für einen friedlichen Abbau der Diktatur als die Einsicht des Diktators selbst geblieben war. Denn wie in Deutschland, wie in Italien war in Rußland längst jede Möglichkeit politischer Organisation und Meinungsbildung unterdrückt, die Presse gleichgeschaltet, und jede politische oppositionelle Regung mit Kerker und Konzentrationslager bedroht. Die Massen waren längst atomisiert, jeder politischen Bewegungsfreiheit beraubt und die kommunistische Partei selbst jeden politischen Charakters entkleidet, immer wieder»gereinigt«, bis sie zu einem bedeutungslosen Anhängsel des Stalinschen Herrscherapparats geworden war. Träger eines aussichtsreichen Kampf e? um, Fortbildung des zur persönlichen Alleinherrschaft erstarrten Systems waren nicht sichtbar, und so mußten die, die nicht in der Despotie eines einzelnen, in der Zwangswirtschaft und in der Beseitigung der persönlichen Freiheit den Sinn der geschichtlichen Entwicklung zu sehen vermögen, auf den aufgeklärten Diktator hoffen wie einst manche Enzyklopädisten ihre Hoffnung auf den aufgeklärten Monarchen setzten, unbekümmert um die enttäuschende Lehre, die ihnen der»aufgeklärte« Absolutismus längst erteilt hatte und die einfach darin besteht, daß noch nie in der Geschichte ein Diktator freiwillig abgedankt hat. Es ist freilich merkwürdig, daß diese Hoffnung überhaupt aufkommen konnte, denn Lassalles Unterscheidung von der geschriebenen und der wirk liehen Verfassung gilt schließlich auch für Rußland. Stalin hatte in seiner Konstitution alle schönen Prinzipien über Wahlfreiheit, Schutz der Persönlichkeitsrechte usw. hineingeschrieben und selbst die Wahrung des Postgeheimnisses nicht vergessen. Aber die wirklichen»Stücke der Verfassung« waren sein militärischer und bürokratischer Herrschaftsapparat, seine GPU mit ihrer schrankenlosen Gewalt über Leben und Tod des einzelnen Untertanen, ihren Gefängnissen und Konzentrationslagern, seine absolute Wirtschaftsmacht, die dem einzelnen Ar beit oder Arbeitslosigkeit, Höhe des Ein kommens und Ausmaß der Vergünstigun' gen zuwies. Und deshalb konnte eigentlich von Anfang an kein Zweifel bestehen: Stalins neue Verfassung war nichts anderes als derVersuch, die Sowjetdemokratie zur Höhe der H i 1 1 e r d e m o k r a t i e zu erheben. Um nichts anderes konnte es sich handeln, als daß Stalin seine Alleinherrschaft nicht mehr allein ableiten wollte von der»Diktatur des Proletariats« oder von der einer in Wirklichkeit gar nicht mehr existierenden kommunistischen Partei, sondern die bestätigt haben wollte von dem, durch Gleichschaltung, Unterdrük- kung und Terror erzwungenen Plebiszit der durch die Diktatur atomisierten Masse des russischen Volkes in seiner Gesamtheit. Eines haben freilich auch die größten Skeptiker und schlimmsten Pessimisten nicht voraussehen können: daß dieses Jahr von der Verkündigung der Verfassung bis zur Vornahme der Wahlen ausgefüllt würde mit einem Terrorismus, mit einer blutigen Ausrottung aller Stalin nicht blind ergebenen oder gar verdächtig erscheinenden Personen, von einer Wildheit, vor der auch die terroristischen Maßnahmen der Bürgerkriegsjahre verblassen. Was die Verfolgungen Stalins von allen vorangehenden unterscheidet, ist, daß sie sich gegen die Bolschewiki selbst richteten. Nicht nur ist T r o t z k i, mit Lenin der Urheber der bolschewistischen Revolution, der Organisator der Roten Armee und damit des Sieges im Bürgerkrieg, in scheußlicher, bewußt verlogener Weise diffamiert und aus allen seinen europäischen Exälen verjagt worden, nicht nur sind die engsten und ältesten Kampfgenossen Lenins, die Sinowjew, Kamenew, Karacho w, Piatakow, Bucharin und hunderte andere ermordet oder im Gefängnis, es sind auch viele, viele tausende Mitglieder der kommunistischen Partei getötet, eingekerkert, in die Konzentrationslager von Sibiriren oder Turkestan gebracht worden. Die Bolschewiki sind restlos vernichtet, ihre Existenz gehört nur noch der Geschichte an. Und das gleiche gilt von der Kommunistischen Partei Rußlands, die aufgehört hat, irgendwelche politische Funktionen zu erfüllen, die restlos absorbiert ist von dem Machtapparat des Diktators, der nicht mehr ihr Exponent ist, sondern ihr, Herr. Es klingt paradox, es ist aber Wirklichkeit: Kommunisten gibt es heute nur außerhalb Rußlands. Sie sind in verzweifelter, hoffnungsloser Opposition zu Stalin. Aber die Vernichtung der Bolschewiki reichte Stalin für die Befestigung seiner Alleinherrschaft nicht aus. Zugleich nahm er die Reinigung seines Machtapparats vor, um auch aus diesem alle zu entfernen, die ihm gefährlich werden konnten. Die Generalität wurde gesäubert, gerade die angesehensten und fähigsten Führer getötet; die Zahl der getöteten und eingekerkerten Wirtschaftsleiter geht in die tau sende; neuerdings erfaßt die Reinigung die Sowjetdiplomatie und die bisherigen Leiter der Außenpolitik, der Litwinow ergeben zusehen darf. Das Ausmaß der Morde, die völlige Unberechenbarkeit und Willkür der Verfolgungen, denen die Spitzen des Militärs, der Verwaltung und der Wirtschaft ebenso wie alle einzelnen ausgesetzt sind, muß eine Schwächung und gefährliche Ver wirrungderganzenStaats-und Wirtschaftsorganisation Rußlands zur Folge haben. Und dies in einem Augenblick, in dem die außenpolitischen Gefahren in so bedrohlicher Weise zuge nommen haben. Die geringe Aktivität, die die neueste Phase der russischen Außenpolitik charakterisiert, ist ein deutliches Anzeichen der innerpolitischen Schwierigkeiten, die Stalins Diktatur geschaffen hat. Es- ist ein wahrhaft tragisches Verhängiiis, daß in einem Augenblick, wo die Stärke Rußlands als wirksamer Friedensfaktor am notwendigsten wäre, Stalins Gewaltpolitik das Gewicht, das Rußland in der Außenpolitik besitzt, in dem Urteil des Auslandes, mag es mehr oder weniger gerechtfertigt sein, so stark herabgesetzt hat. Die unabsehbare Folge der Morde, Einkerkerungen und Verschickungen, das war Stalins»Wahlkampf«, ein Wahlampf ganz anderer Art, als ihn manche bei der Ankündigung der»freiesten Verfassung« erwartet haben. Aber er war erfolgreich, und der Wahltag, der 12. Dezember, hat Stalins»Triumph« besiegelt. Wie in Deutschland nur eine Liste, so gab es in den russischen Wahlkreisen nur einen Kandidaten. Wie in Deutschland gab es eine »Wahl«, aber kein Wählen. Wie in Deutschland bedeutete die Wahlenthaltung oder die Neinstimme Existenzgefährdung. Die Propaganda war dieselbe wie in Deutschland und das Resultat das gleiche: 95 bis 99 Prozent gingen zur Wahl und wählten den einzigen, vorgeschriebenen Kandidaten. Stalin ist es gelungen, bis auf den Prozentsatz genau die Gleichheit seiner mit der Hitlerverfassung zu beweisen! Das Resultat; der russische oberste Nationalrat wird an politischer Selbständigkeit und politischer Eigenbetätigung dem Hitlerreichstag genau gleichen. Eine Illusion, die lange in den Köpfen von Sozialisten spukte, ist aber nun voll erledigt: die Illusion von der»vorübergehenden« Diktatur. Danach sollte die Diktatur nur ein kurzer Ueber- gang zur Brechung des Widerstandes der Gegner sein, dem dann rasch die Wiederherstellung der Demokratie, ja erst die Schaffung der wahren Demokratie folgen sollte. Jetzt schreibt die»Humanite«, das Pariser Stalinorgan, wobei recht wohl ein Göbbelsartikel über die letzte deutsche Reichstagswahl als Unterlage gedient haben mag: »Diese Sowjetwahlen sind die demokratischsten der Welt... Die weiteste und wahreste Demokratie war bei der Aufstellung der Kandidaten und bei deren Wahl maßgebend... Da das Sowjetvolk weiß, daß es sein Glück, seine Unabhängigkeit, seine Freiheit(!) der Partei Lenins und Stalins verdankt, hat es nicht für notwendig(!) gehalten, verschiedene Kandidaten auf die Listen zu setzen.« Man erkennt die neueste»kommunistische« Theorie. Diktatur und Terror waren zur Verwirklichung des Sozialismus angeblich unumgänglich. Da aber in Rußland jetzt der Sozialismus verwirklicht ist, es keine Klassen mehr gibt, so sind auch verschiedene Parteien, also verschiedene Kandidaten, also wirkliche Wahlen überflüssig. Die wahre Demokratie besteht also in der Erhaltung der Diktatur, in dem Plebiszit der gewaltsam gleichgeschalteten Masse für den Diktator. Die Diktatur wird so zum Dauerzustand gerade nach der»Verwirklichung des Sozialismus« proklamiert. Ebenso wie die Bolschewiki nach ihrer restlosen Ausrottung, der»Humanite« zufolge, ihren größten Triumph feiern, feiert die ausgerottete Demokratie in der Bestätigung der Diktatur ihren größten Sieg. Mit der russischen Wahlkomödie wird in Wahrheit nur die alte geschichtliche Erfahrung neu bestätigt, daßeseinevor- übergehende Diktatur, die sich selbst aufhebt, nicht gibt und nicht geben kann. Ein Kompromiß zwischen Knechtschaft und Freiheit bleibt auch vorübergehend unmöglich. Die Ver- knechtung kann nicht Mittel der Befreiung sein. Verlorene Freiheit läßt sich nur im Kampf gegen die Diktatur, die sich ihren eigenen Machtapparat geschaffen hat und nie freiwillig auf ihn verzichtet, wieder erringen, gleichgültig unter welchem wirtschaftlichen Vorwand und unter welcher sozialen Etikette die Diktatur errichtet worden ist. Schicksal mit ihm verbunden, doch liegt nicht das geringste Anzeichen dafür vor, daß er ihn jemals geschätzt oder auch nur geachtet hätte. Umgekehrt machte Hitler große An- otiengungen, um Ludendorff zu gewinnen, aber der blieb verbissen und verstockt. MUltärwissenschaftler mögen entscheiden, ob ein Mann, der außerhalb seines Berufs nie ein Zeichen von Klugheit gegeben hat, ein genialer Feldherr gewesen sein kann. Als Politiker war Ludendorff erst ein großer Un- hellbringer. dann nur noch eine komische Figur. Aber, das soll an seinem Grabe gesagt werden, daß er zweimal in seinem Leben Mut gezeigt hat; das einemal vor der schießenden Landespolizei in München, und das andere Mal vor dem»Gerichtsherrn« des 30. Juni. Wo andere auf dem Bauche lagen, stand er. Worauf rutsdif ein deutsdier Mann? Laut»Frkftr. Ztg.« Nr. 619 hat der Strafsenat des Oberlandesgerichts Köln entschieden. es sei eine strafbare Beleidigung, wenn einer jemandem zurufe:»Du wirst noch auf den Knien zu mir rutschen.« »Denn«, so heißt es in der Begründung, »ein deutscher Mann rutscht nie und unter keinen Umständen auf den Knien. Wer eine derartige Bemerkung einem andern gegenüber macht, mutet ihm etwas Undeutsches zu und kränkt ihn damit in seiner Mannesehre.« »Rutscht nie und unter keinen Umständen auf den Knien...«, die doppelte Verneinung tat melodramatisch auf Kosten der Syntax. Es könnte dem hochdeutsch Sprechenden so scheinen, als dürfe der deutsche Mann eventuell noch gerade rutschen, nur, wenn schon, dann bestimmt nicht auf den Knien.— Im übrigen ist auch die ganze Welt der Auffassung, daß heute in Deutschland kein Mann mehr auf den Knien rutscht. Sklavenvölker können nicht siegen an Eine Stimme der legalen Opposition geldliche Reserven intervalutarischer Art| der er sagte:> In der übergroßen Sorge, die usw. gekennzeichnet sind, verbraucht, denn Républik vor ihren eigenen Bürgern durch wenn die objektiven Voraussetzungen des Produzierens und Investierens nicht mehr Paragraphen und Zuchthaus zu schützen, liegt vorhanden sind, dann ist eine Produktion die vernichtendste Kritik und Herabsetzung ebenso wie auch eine Investition nur noch der gesamten Institution.<< Dr. Forstmann in Abhängigkeit vom guten Willen des fügt dem noch hinzu: Auslands möglich, unberücksichtigt die Tatsache, daß ein solcher Verbrauch materieller Reserven in seinen Folgen auch zu einer starken Beanspruchung ethischer, seelischer und ähnlicher Reserven führt, also der psychologischen Reserven, die von nicht geringerer Wichtigkeit sind als die materiellen. >> Das gilt natürlich erst recht für Institutionen, in denen wie in Rußland sich eine Diktatur über Recht und Gesetz überhaupt hinwegsetzt und ohne derartige Leistungen eine reine Willkürherrschaft ausübt, denn Sklaven völker können ja durch eine Niederlage nur die Freiheit gewinnen. Die Geschichte bietet hierfür genügend Beispiele.<< Die> Frankfurter Zeitung« hat noch vor etwa zwei Jahren eine wenn auch sehr gemäßigte Kritik der Wirtschaftspolitik des Dritten Reiches geübt. Sie hatte damals den Farbentrust hinter sich, dem die Absperrung vom Weltmarkt und die Ueberbürokratisierung ein Dorn im Auge waren. In dem Maße, wie der Farbentrust in den Dienst von Ersatzstofferzeugung und Vierjahresplan gestellt wurde und so an das Geschick des Dritten Reiches sein eigenes gebunden hatte, ward die» Frankfurter Zeitung<< aus einem wenn auch sehr verschüchterten Kritiker des Regimes zum prominentesten Preisfechter seiner Außenpolitik. Die Rolle des Kritikers an der staatlichen Wirtschaftspolitik übernahm der» Deutsche Volkswirt«, der unter Schachts Patronat stand. Seitdem Schacht in die Ecke gestellt ist, ist die kritische Stimme des» Deutschen Volksihrem ganzen Herzen steht. Wirtschaftliche, werden kann, anzudeuten, daß das deutsche wirt< verstummt. Er ist in die Einheitsfront Reserven können gegebenenfalls ersetzt Volk seine Freiheit im Dritten Reich verloren der Presseorgane eingereiht, die nur die Aufhat und daß es seine Niederlage herbeisehnt, gabe haben, die Blößen der staatlichen WirtSchließlich zitiert er Hitler als Kronzeu- um sie wiederzugewinnen? Sollten es Teile schaftsführung zu verdecken und die gewaltigen dafür, daß man mit einem Volk, das durch der Reichswehr sein, die den Herausgebern ge Fehlinvestitionen des Vierjahresplanes als Terror regiert wird, keinen Krieg gewinnen dieser Zeitschrift den Mut zu einer so kühnen Ausfluß höchster ökonomischer Weisheit zu kann und erinnert an eine seiner Reden, in Sprache einflößen? preisen. Aber wenn auch der Kreis der KritiklustiSie Der Verbrauch solcher Reserven reduziert die Kriegsbereitschaft der Nation in vielleicht noch stärkerem Umfang als ein Verbrauch materieller Reserven dies tun würJeder Deutsche der dies liest, weiß, daß de, denn im Krieg kommt es letzten Endes gar nicht nur darauf an, daß Waffen und hier Rußland ein Pseudonym für das Dritte wirtschaftliche Reserven vorhanden sind, Reich ist. Aber wie ist es möglich, daß in sondern es kommt darauf an, hinter allem einer legal erscheinenden Zeitschrift riskiert die Nation mit ihrem ganzen Willen, mit werden, seelische aber niemals.<< Eine geheime Volkszählung mit Falltreppen gen immer enger wird, so sind sie doch noch Der verschlossene Umschlag nicht ganz aus der Welt verschwunden. haben sich aus der großen Presse in die vielgelesene Fachpresse und nunmehr aus dieser in eine wissenschaftliche Fachzeitschrift zurückziehen müssen, deren Leserkreis kaum über den engen Zirkel der Fachgelehrten hinausreicht. Es ist die Zeitschrift» FinanzAm 17. Mai 1938 wird im Dritten Reich eine Volkszählung stattfinden. Zum erstenmal ist auch eine Abstammungskarte auszufüllen, die in einem besonderen verschlossenen Umschlag eingereicht und auf der die Frage beantwortet werden soll:> War Archiv«, die es übernommen hat, wieder oder ist einer der vier Großzu Ehren zu bringen, was man im Dritten elternteile der Rasse nach VollReich als Liberalismus bezeichnet, und die jude? Wer bis jetzt noch als reiner Gefahren der staatlichen Bevormundung aufPrivatmann durch die Maschen der deutzuzeigen. Es ist auch diesmal wieder der eindiesschen Rassefängerei schlüpfen konnte stige Preiskommissar und Leipziger Obermal muß er ins Garn gehen, diesmal gibt es bürgermeister Gördeler, dessen Kampf kein Pardon. Mit dem» verschlossenen Umgegen Windmühlenflügel vor etwa Jahresfrist schlag« hat es allerdings eine besondere Beim» Deutschen Volkswirt<< begann und der wandtnis. Die Zählungslisten gehen gewöhnsich nun auf ein anderes allerdings noch we- lich durch die Hände der Hausmeister. niger aussichtsreiches Kampffeld hat zurückZwar geniert man sich sonst gar nicht, Juden ziehen müssen. In seinem Artikel» Die Orga- und Mischlinge in aller Oeffentlichkeit nisation der Wirtschaft«(» Finanz- Archiv<, 1937, Band 5, Heft 3) heißt es: >> Wir sind nun endlich so weit gekommen, daß wir alles und jedes nachprüfen und uns davon das Heil versprechen. Wir haben dabei nur vergessen, daß ewige Vormundschaft alles Reifen hemmt und mit voller Namensnennung zu höhnen, aber bei dieser speziellen Gelegenheit könnte leicht herauskommen, wie viele in Amt und Würden befindliche Nationalsozialisten ihre Großmütter nicht in Ordnung haben, deshalb soll alles ganz diskret vor sich gehen. Die neue Gretchenfrage wird ohnehin genug TräheraufUrkundenfälschungen und nen beschwören. und schließlich jede Verantwortung tötet. Die Folge kann nur sein, daß schließlich der zu Prüfende beginnt, den Prüfenden bei jeder Handlung vorher um seine Meinung zu fragen. Die Verantwortung geht Ausrottung des Deutschtums Wie Hitlers Freunde sie betreiben Aus Berlin berichtet der Pariser» Temps«: In offiziellen Kreisen ist man, obwohl in nicht gesprochen wird, also von dem Geprüften auch sachlich auf den Prüfenden über. Das Prüfungswesen beißt sich in den Schwanz wie eine in der Falle gefangene Maus. Denn in diesem Zeitpunkt müßte die Ueberprüfung der Prüfung einsetzen... Der Staat ist nicht der Presse davon dazu da, alle Handlungen und Lebensbetä- peinlich berührt von einem Aufsatz, den der tigungen seiner Bürger zu überwachen. Er italienische Senator Ettore Tolomei in den soll diese Lebensbetätigungen laufen las-» Südtiroler Archiven« veröffentlicht hat. sen. Er soll ihnen die notwendige Ordnung setzen, und soll Uebeltäter fassen. Aber er Dieser Aufsatz einer so hohen Persönlichsoll nicht jedes von der Wiege bis zur Bahre keit des offiziellen Italiens befindet sich in begleiten.<< Heft 32 der Zeitschrift und trägt die UeberDas läßt an Deutlichkeit nicht zu wünschen schrift:» Vergleich zwischen Südtirol und Forstmann reitet dem Elsaß«: übrig. Dr. Albrecht eine scharfe kritische Atacke gegen Keynes' letztes Buch» Arbeitslosigkeit und Beschäftigung«<, seine nationalsozialistischen Anhänger und die praktische Anwendung, die die Keynes'sche Inflationstheorie im Vierjahresplan findet. Er schreibt: G. A. F. So wird die Zahl der Arbeiter und Angestellten Ende Juli mit 20,150.000, Ende August mit 20,170.000, Ende Oktober aber nur mit 20,140.000 angegeben. Die durchschnittliche tägliche Arbeitszeit für die gesamte Industrie betrug im April 7.82 Stunden, im September aber nur 7.73 Stunden, nachdem sie im Juli sogar bis auf 7.43 Stunden zurückgegangen war. Sowohl in der Produktionsgüter- als auch in der VerbrauchsgüterIndustrie liegt die durchschnittliche tägliche Arbeitszeit im Oktober tiefer als im April. Einige wichtige Industriezweige weisen eine sinkende Beschäftigung auf. In der Textilindustrie betrug wenn man die Beschäftigungsziffer im gleichen Vorjahrsmonat mit 100 gleichsetzt die Beschäftigung im April 104.8, im Oktober dagegen 103.9, in der Baustoffindustrie im Juli 116.3, im Oktober 114.5. Die Indexziffer der Produktion von Produktionsgütern, die im Vorjahre( 1928 ist gleich 100) vom März bis September von 100.7 auf 105.0 gestiegen war, weist in der gleichen Zeit des laufenden Jahres nur die ganz geringfügige Erhöhung von 121.2 auf 121.8 auf. Die Drosselung des Wohnungsbaues drückt sich u. a. darin aus, daß die Zahl der Bauerlaubnisse in 102 Groß- und Mittelstädten von 13.140 Stück im Juni 1937 auf 8870 Stück im September zurückgegangen ist. Die Umsätze des Einzelhandels mit Gütern des täglichen Bedarfs haben in diesem Jahre ebenfalls Abnahmen zu verzeichnen. Gegenüber der gleichen Vorjahrszeit werden die Umsätze der Lebensmittel- Fachgeschäfte im März mit 119.1 angegeben, während sie im September nur 102.9 betragen. Für die Schuhwaren- Fachgeschäfte werden für dieselbe Vergleichszeit die Ziffern 139.0 bezw. 112.9 angegeben. Also auch hier ein beträchtliches Absinken. schen Handwerks in der Deutschen Arbeitsfront veranlaßt gesehen, neue durchgreifende Maßnahmen anzukündigen. Auf einer Kundgebung, die am 11. Dezember in Dessau stattfand, erklärte er u. a.: zu >> Im Handwerk, das rund 120 Berufe umfaßt, sind unendlich viele Organisationen vorhanden gewesen. Heute aber braucht niemand mehr Sorge zu haben, denn Hermann Göring wird schon die Organisationsformen für das Handwerk finden, die nötig sind. Allein mit einer Parteiorganisation ist das Handwerk nicht lenken. Für die, die sich nicht fügen können, braucht man hin und wider Zwangsmaßnahmen auf gesetzlicher Grundlage. Durch eine öffentlich- rechtliche oder staatliche Organisation muß das Handwerk zwangsweise erfaßt werden, damit durch eine solche Stelle auch notfalls Zwangsmaßnahmen getroffen werden können... Durch die nationalsozialistische Revolution sind Umwälzungen auf jedem Lebensgebiet geschehen und eine Revolution muß daher auch das Gebiet des Handwerks umgestalten...< Die wiederholte Drohung mit Zwangsmaßnahmen, ja sogar mit einer nachzuholenden>> Revolution<< auf dem Gebiete des Handwerks läßt keinen Zweifel daran zu, was damit gemeint ist. Es soll mit dem Einfluß der Handwerker und Gewerbetreibenden auf die Leitung ihrer Organisation endgültig und vollständig gebrochen werden. Roosevelts Innensekretär gegen den Faschismus Viele Millionen Menschen in Amerika hörten am 8. Dezember eine Rede des Staatssekretärs für das Innere, Harold Ickes, in der er den Faschismus einen» Wahnsinn im Nachthemd« nannte und weiter sagte: >> Die Zeit ist gekommen, in der auch die stärksten Demokratien der Welt gegen die Einbruchsversuche der totalitären Staaten den Widerstand vorbereiten müssen. LasIsen wir uns nicht einschläfern durch den demokratische Glauben, daß unsere Regierungsform von Natur für ewige Zeiten gesichert sei. Während einst nur in unserem Lande geistesschwache Menschen mit der ZurGeSchaustellung ihrer verbrecherischen sinnung paradierten( gemeint ist der KuKlux- Klan. Die Red.), gibt es heute auf ihre Zivilisation stolze Nationen, die gegen ihre Nachbarn Handlungen einer unprovozierten Gewalt begehen und sie noch dazu als gute Taten verherrlichen. So wie gewisse Nationen den Vorwand der Ausrottung des Kommunismus zu Taten miẞbrauchen, über die selbst Wilde bedienen erröten würden, sich auch diejenigen, die sere Demokratie unterminieren wollen, des nämlichen Vorwands. SO unEs gehört aber nicht viel Intelligenz dazu, um einzusehen, daß diese Art von Antikommunismus nur ein trojanisches Pferd ist, mit dessen Hilfe ein barbarischer Faschismus in das Heiligtum der Demokratie einzudringen versucht.<< Daß Millionen Amerikaner diese Rede anhören konnten, ist gewiß erfreulich, aber es » Göring wird schon...!« bedeutet nicht viel. Hätten ebensoviele MillioDer Verfasser erklärt darin, daß in jener Die widerspenstigen Handwerker. nen Deutsche sie gehört, so würde das altösterreichischen, von Italien annektierten Wenn eine Bevölkerungsgruppe die Naunermeßlich viel bedeuten. Die deutsche ProProvinz der Konflikt zwischen dem lateini- tionalsozialisten auf ihrem Wege zur Macht paganda brüllt die Reden der großen Nazischen und germanischen Element endgültig begünstigt und die Ausrufung der Hitlerbonzen in allen Sprachen rund um die Erde. zugunsten des lateinischen gelöst ist. Ita- Diktatur als den Anbruch einer neuen, besse- Aber die aufrüttelnden, ermutigenden Reden lien sei vor den radikalsten ren Zeit bejubelt hat, so war es die des deut- der Roosevelt, Hull und Ickes >> Wenn die Politik weiterhin aus außerMaßnahmen zur Entdeutschen Handwerks. Die Gewerbetreibenden wirtschaftlichen hallen in Deutschland ungehört. Erwägungen aller Berufe meinten in ihrer überwältigenden heraus vom Weg wirtschaftlicher Zweck- schung der Südtiroler nicht zumäßigkeit abzuweichen gewillt ist, so ist rückgeschreckt. Im Gegensatz dazu Mehrheit tatsächlich, daß im Dritten Reiche das einzig und allein ihre Sache und unter- habe Frankreich, das im Elsaß zu solchen alle ihre Wünsche in Erfüllung gehen würden. liegt ebenso wenig dem Urteil und der Kri- Mitteln nicht greifen wolle, es auch nicht Nun geht es ihnen statt besser schlechter, tik der Wirtschaft, wie es ihre Aufgabe verWohltäter der Menschheit In den Dresdner Zeitungen las man am 2. sein kann, außerwirtschaftliche Maßnah- erreicht und werde es auch nicht erreichen. und die Enttäuschung ist groß. In allen Ge- Dezember folgende Ankündigung: men wirtschaftswissenschaftlich zu vertre- die Elsässer zu Franzosen zu machen, genau ten. Ihr unterliegt nur die Feststellung der so wie es das auch nicht an der Saar erreicht wirtschaftlichen Grenzen solchen Handelns, habe, wo es sechzehn Jahre Zeit gehabt hätte, deren Ueberschreitung auch die Erreichung der politischen Ziele auf die Dauer unmög- die Deutschen zu entnationalisieren, wenn es lich machen würde und die daher auch der nur mit energischen Methoden hätte vorgehen Staatsmann als Wahrer des Gesamtinter- wollen. esses der Nation zu beachten hat.<< Er kennzeichnet dann die nationalsozialistische Wirtschaftslenkung als Verbrauch materieller Reserven, die einen Verbrauch Seelischer Reserven nach sich Der>> Temps<< knüpft an seinen Bericht die Bemerkung, daß diese brutale Anspielung auf das Schicksal der 250.000 Südtiroler reichlich inopportun sei in einer Zeit, in der die deutsche Presse jeden Tag in neue Raserei ausbreche wegen der angeblichen Unterdrückung und daher nicht einmal geeignet ist, das Ziel der Deutschen in der Tschechoslozu erreichen, um dessentwillen die Gesichts- wakei. punkte wirtschaftlicher Zweckmäßigkeit vernachlässigt werden, ziehen muß >> Im Verein>> Deutsches Hygienemuseum< spricht nächsten Dienstag Dr. med. Bohnstedt, Facharzt für Hautkrankheiten, über: » Das Salvarsan, ein Wohltäter der Menschheit«. genden des Reiches erscheinen Bäcker, Fleischer, Restaurateure und selbständige Handwerksmeister als Angeklagte vor den Gerichten. Entweder haben sie sich eines Vergehens gegen die vielen, die Ausübung ihres Berufes einschränkenden Verordnungen schuldig ge- Der Vortrag wurde am 7. Dezember gehalmacht, oder sie haben in eindeutigen Aeuße- ten. Wir waren nicht zugegen, haben aber den rungen ihre oppositionelle Meinung dem glaubhaften Bescheid bekommen, daß Dr. Regime gegenüber zum Ausdruck gebracht. med. Bohnstedt sich bis jetzt auf Die Regierung und die NSDAP haben es freiem Fuß befindet. Es ist also mit bisher noch nicht zuwege gebracht, die mur- Sicherheit anzunehmen, daß der Vortragende renden Handwerker und Gewerbetreibenden den Titel» Wohltäter der Menschvöllig zum Schweigen zu bringen. Zwar ist die heite nur dem Salvarsan selbst beiumfassende Organisation des Handwerks und gelegt hat und allenfalls noch den IG- Farder Gewerbetreibenden schon seit 1933 gleich- ben, die in Deutschland das Herstellungsdie wirksame Vorberei- Stagnierende Konjunktur geschaltet worden. Zuverlässige Pgs. wurden monopol auf diese Chemikalie besitzen. Hätte tung des Krieges und Sieges: Während die Propaganda des Dritten Rei- in die Führung dieser Organisation berufen, er den Entdecker des Salvarsan, >> Die besondere Gefahr einer lediglich an ches es immer noch so darstellt, als ob die aber sie vermochten die Auflehnung nicht zu den jüdischen Nobelpreisträger Symptomen ausgerichteten Krisentherapie ist dann besonders groß, wenn sie ohne Ver- deutsche Wirtschaft sich weiter in lebhafter verhindern. Es hat selbst in der Leitung der Paul Ehrlich, in seine Lobsprüche einänderung der strukturellen Gegebenheiten Aufwärtsbewegung befinde, zeigen die amt- Handwerkerorganisationen fortgesetzt Krisen bezogen, so wäre er mit einem gewissen Recht im Sinne einer Besserung, zum Zwecke rein lichen Statistiken in den letzten Mona- gegeben und die» Führerstellen« mußten wie- verhaftet worden. Denn diesen Paul Ehrlich vorübergehender Erfolge die objektiven ten auf wichtigen Teilgebieten der deutschen derholt umbesetzt werden. einen Wohltäter zu nennen, hieße das deut Produktionsvoraussetzungen, wie solche beispielsweise auch durch Rohstoffvorräte, Wirtschaft Anzeichen von Stagnation. So hat sich denn jetzt der Leiter des deutsche Volk des Undanks bezichtigen. Nr. 23? BEILAGE llcuccUontifltfs 26. Dezember 193? Um die Freiheit der Presse Eine lehrreiche französische Diskussion Wenn einmal in Deutschland andere leiten kommen werden, wird auch das Pro- em der Presse gelöst werden müssen. Heute gehört tatsächlich die ganze deutsche Presse der regierenden Partei. Sollen die Sieger von morgen die Presse als gute Beute betrachten und sie, unter Beibehaltung des Systems der Gleichschaltung, nur unter ein anderes Kommando stellen? Oder sollen sie wieder den Zustand herstellen, wie er vor dem nazistischen Staatsstreich bestanden hat, also die Zeitungsverlage ganz einfach den Eigentümern von 1933 oder ihren Erben zurückgeben? Wird der neue Staat, der auf den Trümmern des Dritten Reiches entstehen wird, sofort eine unbeschränkte P r essefreiheit im alten Sinne des Wortes ertragen können, und wenn nicht, welche Einschränkungen der Aenderungen könnte man als zulässig und nützlich betrachten? Im deutschen Bürgerkrieg seit 1918 hat der Kampf um die Presse eine gewaltige Rolle gespielt. Man hat um Zeitungsgebäude und Rotationsmaschinen gekämpft wie in den Reformationskriegen um Kirchen und Altäre. Der Kampf hat vorläufig damit geendet, daß sich die Nazi der gesamten Einrichtungen bemächtigt haben— aber dieser Zustand ward nicht ewig dauern. Was soll nach ihm kommen? Noch ist leider— leider!— das Problem für uns nicht akut. Aber in Frankreich ist jetzt darüber eine lebhafte Diskussion entstanden, an der wir nicht achtlos vorübergehen können. Ausgelöst worden ist diese Diskussion durch eine Versammlung der Druckerei- Nachtarbeiter, in der Leon Blum sprach. Dabei sagte er;»Manchmal frage ich mich, ob es nicht die Presse ist, bei der man mit Verstaatlichung beginnen sollte.« Dieser Satz hat in der bürgerlichen Rechtspresse Frankreich» einen wahren Sturm hervorgerufen und auch in bürgerlich-republikanischen Kreisen Erstaunen erregt. Die Rechtspresse argwöhnte bol- schiwisierende Tendenzen und beschwor Schauerbilder herauf, als ob der stellver tretende Ministerpräsident ein ähnliches Presseregime wie in Rußland, Italien und — nicht zu vergessen— Deutschland begünstigen wollte. Im»Tempo« erinnerte Joseph-Barthelemy an die vergangenen Reaktionszeiten Frankreichs und an das verhaßte Presseregime des dritten Napoleons, um sich emphatisch zur republikanischen Pressefreiheit zu bekennen. Leon Blum antwortete auf diese Angriffe, indem er die Redaktion des»Popu- laire« bat, noch einmal einen Artikel abzudrucken, den er vor bald zehn Jahren dort veröffentlicht hatte. In seinem Schreiben an die Redaktion wies er die unsinnige Unterstellung, als ob er für Frankreich ein totalitäres Presseregime befürworte, entschieden zurück. Er wolle umgekehrt eine bessere Pressefreiheit als die bisherige erreichen durch die Befreiung der Presse von der Macht des Kapitals. Der Artikel Leon Blum im»Populaire« vom 1. April 1928, den das Blatt auf seinen Wunsch noch einmal abdruckt, trägt die Ueberschrift:»Wollt ihr eine freie Presse, dann verstaatlicht sie!« In diesem Artikel führt Leon Blum in der Hauptsache folgendes aus: Unabhängigkeit der Presse ist eine notwendige Voraussetzung für die freie Meinungsbildung der Staatsbürger, für die politische Freiheit in der Demokratie. Ohne Befreiung der Presse von jedem direkten oder indirekten Zwang gibt es keine bürgerliche Freiheit. Die Pressefreiheit ist nicht nur eine juristische und administrative, sondern vor allem auch eine moralische Angelegenheit Es gilt, die wirkliche Unabhängigkeit der Presse sowohl gegenüber der Staatsgewalt als auch gegenüber den Mächten des Geldes sicherzustellen. Diese Freiheit zu garantieren, sagt Blum weiter, ist die Pflicht des Staates. Uer Staat unterstützt die Presse durch Vorzugstarife für Papier und Postbeförde- �ng mit 100 Millionen Francs jährlich, er 18t also jetzt schon sozusagen ihr stiller Teilhaber. Aber das ist nicht genug— er muß den ganzen»industriellen« Teil der Presseherstellung verstaatlichen und auf eigene Rechnung betreiben. Die Ausführung dieses Grundgedankens denkt sich Blum etwa so, daß der Staat als Verleger aller Zeitungen fungiert, während die Parteien die Redaktionen stellen. Der Staat soll alle Zeitungen in unparteiischer Weise geschäftlich betreuen und ihnen den materiellen Bedarf sowohl wie— zur freien Verwendung— das Nachrichtenmaterial liefern, wofür er aus den Einnahmen des Blattes zu entschädigen wäre. Die geistige Ausgestaltung des Blattes ist die Sache der Partei und der von ihr eingesetzten Redaktion. Auf diese Weise, meint Blum, könne jeder Einfluß wirtschaftlicher Interessengruppen ausgeschaltet, die Unabhängigkeit der Presse hergestellt und ein geistiger Wettkampf unter fairen Bedingungen eröffnet werden. Blum sagt in diesem Artikel selbst, daß der von ihm entwickelte Gedanke ihm erst vor kurzem gekommen und vielleicht noch nicht ganz ausgereift sei. In der Tat lassen sich viele Einwendungen gegen ihn erheben. Eine weist er schon in seinem Artikel selbst zurück, nämlich die, daß es für den Staat im Fall eines Staatsstreichs ein leichtes sein werde, neben den Verlagsrechten auch die Rechte der Redaktion an sich zu reißen. Blum bemerkt dazu ganz richtig, daß der Staat, wie das Beispiel Rußlands und Italien zeige, nicht erst eines neuen Systems bedürfe, um sich der Presse zu bemächtigen. Aber mit dieser an sich treffenden Erwiderung sind die Einwendungen noch lange nicht erledigt. Blum will, daß jede Partei, die im Parlament vertreten ist, das Recht auf ein Blatt oder mehrere— er sagt nicht auf wie viele— haben soll. Wenn aber der Staat, wie es auch in einer Demokratie vorkommen kann, genötigt ist, eine Partei oder mehrere zu verbieten, so verschwindet damit auch ihre Presse. Man wird also von einer völligen Unabhängigkeit der Presse gegenüber der Staatsgewalt nicht reden können. Auf der anderen Seite ist nicht einzusehen, warum das Recht zur Herausgabe politischer Zeitungen auf Parlamentsparteien beschränkt sein soll. In Deutschland lieferte z. B. die Nationalsoziale Partei Naumanns, ohne im Reichstag vertreten zu sein, durch eine vornehm und geistvoll redigierte Zeitung einen wertvollen Beitrag zur Hebung und Belebung der politischen Diskussion. Es bleibt auch die Frage offen, wo die Grenze zwischen politischer und nicht- politischer Presse gezogen werden soll. Das englische Beispiel zeigt, daß illustrierte Blätter mit Massenauflage, die sich in der Hauptsache mit nichtpolitischen Dingen beschäftigen, durch gelegentliche politische Betrachtungen stärker wirken können als wenig gelesene rein politische Zeitungen. Es ist weder prinzipiell noch praktisch möglich, zwischen der politischen und der nichtpolitischen Presse eine feste Grenze zu ziehen. Wie soll es ferner mit den Herausgeberrechten der unzähligen Organisationen einer freien Gesellschaft — Gewerkschaften, wirtschaftliche Verbände, kulturelle, sportliche Vereine usw. — stehen? Sie sind alle an staatlichen Angelegenheiten stark mit interessiert und müssen Pressefreiheit auch für sich in Anspruch nehmen. Damit soll der Grundgedanke Blums keineswegs an der Schwelle abgewiesen werden. Das Problem ist ungemein verwickelt und kann nicht dadurch gelöst werden, daß man den Zustand, wie er jetzt in den demokratischen Ländern besteht, für den idealen und allein nachahmenswerten erklärt. Am allerwenigsten kann der heute in Frankreich bestehende Zustand, den Blum mit vollem Recht und ausgezeichneten Argumenten bekämpft, als vorbildlich i betrachtet werden. Aber die Lösung des Problems ist so schwierig, daß es schon ein Verdienst ist, Anregungen gegeben zu haben, die die Diskussion in Gang bringen. Auch für Deutschland ist die Herstellung einer möglichst vollkommenen Pressefreiheit das erstrebenswerte Ziel. Die vollkommene Pressefreiheit kann jedoch nicht darin bestehen, daß jeder, der Geld hat, um Papier und Journalisten zu kaufen, eine Zeitung herausgeben kann, während diejenigen, die kein Geld haben, schweigen müssen. Gewiß ist die problematische Pressefreiheit, wie sie heute in demokratischen Staaten mit kapitalistischer Wirtschaft besteht, dem Zustand in den totalitären Staaten tausendmal vorzuziehen; denn die Erfahrung lehrt, daß dort neben einer abhängigen und korrupten, auch eine selbständige und saubere Presse sehr wohl bestehen kann. Die Zustände sind auch von Land zu Land verschieden und nicht überall so arg wie in Frankreich. Ueberall aber bleibt die Befreiung der Presse— hier von der Alleinmacht einer regierenden Partei, dort von der Macht des Kapitals— eine noch zu lösende Aufgabe. Mögen also über die Lösung des Problems im einzelnen die Meinungen weit auseinandergehen, so bleiben doch Ausgangspunkt und Ziel allen demokratischen Sozialisten gemeinsam. Auch die Bauherren des neuen Deutschland werden bei der Lösung des Presseproblems von dem Grundsatz ausgehen müssen, den Leon Blum an die Spitze seines umstrittenen Artikels stellt: »Die Unabhängigkeit der Presse ist die notwendige Vor- aussetzungfürdieFreiheitder Meinungsbildung, der Wahl und die Entscheidung, die in einer Demokratie das Wesen der politischen Freiheit aus- m acht« F. St — Tor fünfzig Jahren Eine Erinnerun|nr an die Zeit des Sozialistengese�s Die Sozialdemokratische Partei Deutsch- lands kann Im Jahre 1938 ein bemerkenswertes Jubiläum feiern. In diesem Jahre vollendet sich ein halbes Jahrhundert, seit ihr Zentralorgan, der»Sozialdemokrat« seinen Erscheinungsort von Zürich nach London verlegen mußte. Bs war unter dem Sozialistengesetz. Wenn sich auoh die damaligen Zustände von den gegenwärtigen ungefähr unterscheiden, wie der Krieg von 1870/1871 vom Weltkrieg, so sind doch die geschichtlichen Analogien unverkennbar. Für unsere Begriffe war das Sozialistengesetz, das das Bestehen einer sozialdemokratischen Reichstagsfraktion und einer als parteilos getarnten Arbeiterpresse nicht verhinderte, eine fast väterlich milde Elnriöhtiung. Dennoch konnte die Aera des Sozialistengesetzes mit ihrem Gemisch von Unterdrückung,»sozialem Königtum« und Stöckerschem Antisemitismus einen Vorgeschmack von dem geben, was Im Jahre 1933 deutsche Wirklichkeit werden sollte. Sie stellte auch schon die Arbeiterbewegung vor theoretische und praktische Probleme, ähnlich Jenen, die uns heute beschäftigen. War auch In Deutschland die Opposition nicht ganz tot, so war es doch unmöglich, auf relchsdeutschem Boden noch die Sprache zu führen, die den Tatsachen entsprach. So entstanden sehr bald nach dem Inkrafttreten des Gesetzes, zwei Emigrantenblätter, die»Laterne« von Karl Hirsch und die»Freiheit« von HansMost. Etwas später geseUte sich das»Zürcher Jahrbuch« Karl Hochbergs zu ihnen, so daß die Partei im Auslande drei nichtoffizielle Organe hatte, von denen jedes eine besondere Richtung vertrat. Dabei bildete Most und seine in London erscheinende»Freiheit« den äußersten linken Flügel; er erklärte die Sozialdemokratie für tot, propagierte die BUdung einer neuen Sozialrevolutionären Partei und ging dann zum Anarchismus über. Die parteitreue»Laterne« erschien in Brüssel, stellte aber bald ihr Erscheinen wieder ein. Seit dem 28. September 1879 erschien als offizielles Parteiorgan in Zürich»Der Sozialdemokrat«. Internationales Organ der Sozialdemokraten deutscher Zunge«. Sein Redakteur war seit 1880 Eduard Bernstein. Die Expedition besorgte »der rote Postmeister« M o 1 1 e 1 e r. Neben ihnen waren Belli, Schlüter und Tauscher um Herstellung und Verbreitung des »Sozialdemokrat« besorgt. Es gelang ziemlich regelmäßig, das Blatt in einer Auflage von mehreren Tausend nach Deutschland zu bringen. »Der Sozialdemokrat« bekämpfte die Revolutionsspielerei der Londoner»Freiheit«. Nach Deutschland hinein führte er den Kampf gegen den-demagogischen Arbeiterfang, den Bismarck mit seinen Sozialreformen, Stöcker mit seinem Antisemitismus trieb. Bloße Ver- staatllchung, so erklärte er, sei noch lange kein Sozialismus, vielmehr sei jede Verstärkung der Staatsgewalt zu bekämpfen, so lange sich diese in den Händen der schlimmsten Feinde der Arbeiter befinde; politische Rechte für die Arbeiter seien jetzt die Hauptsache. Im Kampf gegen die illegale Literatur hatte Bismarck ein Heer von Agenten und Lockspitzeln aufgeboten, deren Stärke freilich einem Göbbels oder Himmler nicht imponieren mag und deren Methoden, Im Verhältnis zu den heute angewandten, noch ziemlich primitiv waren. Der EnthUllungsfeldzug, den der»Sozialdemokrat« gegen diese Polizeiwirtschaft führte, erregte Bismarcks Zorn aufs höchste. Unablässig arbeitete er daran, dem verhaßten Blatt das Leben unmöglich zu machen, bis schließlich der große Schlag gelang und— daneben ging. Darüber erzählt Franz Mehring in seiner»Geschichte der deutschen Sozialdemokratie« wörtlich das folgende: »Die einzige Aktion der auswärtigen Politik unter Kaiser Friedrich war die Austreibung des.Sozialdemokraten' aus der Schweiz. Durch persönliche Kränkung des schweizerischen Gesandten in Berlin, durch drangsalierendes Lärmen des deutschen Gesandten In Bern, nicht zuletzt auch durch Zugeständnisse,, die den Interessen der schweizerischen Industrie für die demnächstige Erneuerung des deutsch-schweizerischen Handelsvertrags versprochen wurden, ließ sich der Bundesrat in Bern dazu breitschlagen, im April 1888 Bernstein, Motteier, Schlüter und Tauscher aus dem eidgenössischen Gebiete zu weisen. Als Vorwand mußte die Schreibweise des»Sozialdemokraten« dienen, wodurch die schweizerische Gastfreundschaft gemißbraucht und die guten Beziehungen zu einem befreundeten Staate gefährdet sein sollten. Darüber sagte Otto Lang, ein schweizerischer Beamter, bei einem den Ausgewiesenen gegebenen Abschiedsfeste das gute Wort:»Es ist in der Weltgeschichte noch jedesmal etwas laut hergegangen, wenn große Dinge im Werden waren. Das Völkerglück ist keine Frucht, die Im Sonnenscheine gedeiht, nein, In Sturm und Wetter ist sie gereift.« Die Vertriebenen selbst aber erklärten in einem Aufruf»an alle Freunde der Freiheit und des Rechts in der Schweiz«, nicht eine einzige Handlung sei ihnen nachgewiesen worden oder könnte ihnen nachgewiesen werden, die sich als ein Verstoß gegen das gemeine Recht qualifiziere, weder Vorbereitung noch Aufforderung, noch, auch nur Ermunterung zu gewalttätigen oder hochverräterischen Unternehmungen. Was Ihnen schuld gegeben werde, das bewege sich auf dem Gebiete der Meinungsäußerung durch die Presse, auf einem Gebiete, für das die eidgenössische Verfassung volle Freiheit gewährleiste. Der wahre Grund für die Ausweisung seien die Enthüllungen des»Sozialdemokraten« über das schmachvolle Treiben des deutschen Lockspitzelwesens, wofür Puttkamer seine Rache nehme. Durch die Ausweisung würde die Schweiz zum Büttel der Bismarckischen Polizei erniedrigt, In allen aufrechten Bürgern der Schweiz rief der Gewaltakt tiefe Beschämung und Entrüstung hervor. Zahlreiche Kundgebungen der Sympathie begleiteten die Ausgewiesenen, und Schweizer Bürger, in erster Reihe der wackere Conzett, sicherten das ungestörte Weitererscheinen des»Sozialdemokrat« im bisherigen Geiste und Tone. Jedoch um auch den Schein eines äußeren Druckes zu vermelden, wurde er vom Oktober 1888 ab in London herausgegeben.« Soweit Mehring. Ein Jahr und drei Monate später fiel das Sozialistengesetz im Reichstag. » Morgen, Kinder, wirds was geben...<< meint es Weihnachtsbaumes willen zur Kirchenopposi- Skat mit Hinderniffen tion gerechnet werden würde. Im übrigen sei Na also. Da kann man ja beruhigt sein. Aber was schenkt man seinen Lieben zum Heiligen Abend? Heutzutage, wo Geld und Ware gleichermaßen knapp sind? zu braundeutscher Weihnachten 1937. Wir im wenn ein >> Die Wirkung war ungeheuer: Zu Tode erschrocken rannte alles aus den Wohnungen und von den Feldern, Frauen fingen vor Angst zu weinen an, die wildesten Gerüchte schwirrten umher, auf den Plätzen stauten sich die Menschen zu Haufen. Seit Kriegsausbruch 1914 hatte sich, nach Aussagen der Ortsgruppenleiter dieser Kreise, die Bevölkerung in keiner solchen Erregung befunden. Die Kirchen waren überfüllt wie noch nie...< nachten jeder weiß«, was die Festglocke, die spieler in jedem Spielpartner einen gelegent-| letzten Ansprache zu geben. Der Bischof beda läutet, eigentlich geschlagen hat... lichen Angeber und Verräter wittern muß, kam Hausarrest. Den nationalsozialistiSie forDie Volksgasmaske ein zeitgemäßes wenn einer dem andern nicht mehr trauen schen Zeitungen genügt das nicht. Das Christkind mit der Gasmaske. Weihnachtsgeschenk, das den braven Buben darf, jede Redensart, wie sie unter dern von Woche zu Woche dringlicher die unter Verhaftung des Geistlichen. Dabei verraten Soll der brave Musternazi Weihnachten und Mädeln vom lieben Christkind beschert Skatspielern beliebt und üblich sind, feiern oder nicht? Soll er es wagen, den wird. Aber vielleicht sind die braven Buben Umständen eine staatsgefährliche Zweideutig- sie in ihrem Uebereifer mehr, als sie verraten Lichterbaum, das Symbol des Friedens, anzu- und Mädel aufgeklärt genug, um zu wissen, keit bekommen und Kopf und Kragen kosten möchten. Sie schildern nämlich, wie das unvon der Bezünden? daß es gar kein Christkindchen gibt, und daß kann, wenn auch die harmloseste Skatrunde erwartete Geläut der Glocken ist kann, Das Schwarze Korps<< eine heimliche völkerung aufgenommen wurde. So schreibt SO gnädig, sie alles, alles nur dem Führer zu verdanken in Verdacht geraten nichts dagegen zu haben. Niemand brauche haben... politische Verschwörung zu sein, so fördert die» Preußische Zeitung<<: das die Spiellust keineswegs. zu fürchten, daß er um des Nun braucht man den Skat wahrhaftig Man spielt weniger Karten. nicht zu den gefährdeten Kulturgütern zu Es sind im Dritten Reiche ganz Weihnachten ja ein altgermanisches Heiden- Der» Dresdner Anzeiger« stellt fest: Man rechnen. fest, und wenn die Nazis Weihnachten feiern, spielt weniger Karten. Das schreibt er dem andere Dinge zerstört worden als nur Stammund Skatklubs. Aber was da der SO feiern sie ganz einfach» das Fest der Nationalsozialismus zugute. Denn:» In der tische Deutschen<... Systemzeit mit dem Millionenheer von Ar-» Dresdner Anzeiger« für ein Zeichen der> gebeitslosen mußten diese Millionen geradezu sunden Erstarkung des deutschen Volkes hält, sinnlos ihre Zeit totschlagen. Man sah damals scheint uns vielmehr ein Symptom der allauf den Straßen, in den Anlagen, oft an un- gemeinen Neigung zu sein, in den wenigen möglichsten Orten kräftige, arbeitsfähige freien Stunden, die der nationalsozialistische Auf diese Frage wußte soeben eine Kie- Männer stundenlang Kartenspielen. Es war Massenbetrieb dem privaten Menschen läßt, ler Tageszeitung eine Antwort zu erteilen, trostlos.<< Und dann rechnet der» D. A.<< vor: sich möglichst in seine vier Pfähle zurück» Im Jahre 1931/32 wurden 9,492 Millionen zuziehen und alle Zusammenkünfte zu meidie es wert ist, zur Kenntnis genommen Kartenspiele verkauft, Rechnungsjahr den, in denen unbedacht gesprochenes werden, als ein Dokument Manfred. 1936/37 nur 6,950 Millionen Stück. Um über Wort gefährlich werden kann. Seelenverfassung, zwei Millionen Stück ging der Absatz an versteuerten Kartenspielen zurück, auch ein Heilige Reklame! Ein zeitgemäßes WeihDie uralte Weih- Beweis dafür, daß heute die Millionen ehe>> Westfälische Landeszeitung<<, das nachtsgeschenk. Die nachtsbotschaft>... und Friede auf mals arbeitsloser Volksgenossen wieder über- Dortmunder Naziblatt, klagt( in Nr. 344) bitErden!<< hat vielleicht selten so wenig Sinn all mit Hand anlegen dürfen.<< ter darüber, daß die deutsche Geschäftsdiesem Jahr. und Berechtigung wie in Doch gleich darauf bekommt die Sache reklame sich immer mehr des nationalsoziaWährend wir rüsten, das Fest uns Liebe vorzubereiten, donnern die Kanonen, einen Haken. Im Jahre 1913/14 nämlich, also listischen Schlagwortschatzes bemächtige. Es krachen die Fliegerbomben und sterben un- in der Vorkriegszeit, in der es längst nicht gebe bereits die Zigarrenmarken» Schaf in schuldige Menschen aller Welt einen so riesige Arbeitslosenheere gab wie nach fendes Volk« und» Erbrecht«, eine schweren Tod. Diese bittere Tatsache, die dem Kriege, wurden nach der Angabe des Zigarette heiße>> Franco<<, ein Seidenwir dem Weltbolschewismus verdanken,(!) zwingt jeden einsichtigen Menschen zu der Dresdner Anzeigers< 9,482 Millionen Stück strumpf» Edda« und in der Dezembernumharten Erkenntnis, daß es zwar wenig Kartenspiele abgesetzt, also nur 10 Millionen mer der» Deutschen Marinezeitung< sei folromantisch, aber um SO notwendiger ist, weniger als 1931/32. Da stimmt die Beweis- gendes Inserat erschienen: sich zu rüsten, um für einen zukünftigen Krieg gewappnet zu sein. Wer eine Volks- führung gegen die» Systemzeit<< wieder eingasmaske in der Schublade hat, ist im mal nicht. Falle eines Luftangriffes unter allen Umständen gegen den Einsatz chemischer für die Abnahme der Skat- und SchafkopfKampfstoffe geschützt. In den nächsten Tagen kommen auch in unserer Stadt die spieler noch anderswo suchen müssen. Gewiß Amtswalter der NS- Volkswohlfahrt zu zum Teil auch in den veränderten Lebensgejedem Familienvater und bieten ihm die wohnheiten, die der» D. A.< anführt und deSo kurz vor Volksgasmaske zum Kauf an. nen zufolge» die jungen Männer weniger als Weihnachten? Gewiß gibt es schönere und früher Stammtischen, Skatvereinen usw. bei- zeitung<<: erfreulichere Geschenke, vielleicht nicht Diese veränderten Lebensgewohnaber zweckmäßigere. Die Volksgasmaske treten<. braucht ja nicht gerade unter dem Weih- heiten nachtsbaum zu liegen. Immerhin aber ist körperlichen Ertüchtigung, es gut, wenn zu Weihnachten jeder weiß: >> Wir haben alle unsere Volksgasmaske! zitieren: der Wahrscheinlich wird man auch die Gründe Weiter wird hinzugefügt, einige Frauen seien auf der Stelle ohnmächtig geworden und der Schreck habe» Nervenchocks verbreitet«. Die unfreiwilligen Leser der Nazipresse werden sich fragen, ob ein paar Dorfglocken es fertig brächten, eine derart verheerende Wirkung hervorzurufen, wenn der Boden für jede Art Panik nicht wohl bereitet wäre. Mit» wilden Gerüchten<< ist die Luft in Flüsterdeutschland immer geladen, und jede geringfügige Erschütterung bringt zur Explosion. Diesen durch ein Experiment entdeckt zu haben, ist die Hirne die Schuld des Bischofs von Eichstätt. Zustand Schafe mit Hakenkreuz Schweizerisch- deutsche Mißverständnisse. In der» Neuen Zürcher Zeitung« erzählt >> Die Löwen- Apotheke zu Dresden im ein Leser sein Erlebnis mit deutschen Ski» Alten Rathaus« verbindet beste Apothe- fahrern: kertradition der Vergangenheit mit den Ein Trupp deutscher Skifahrer muß bei kulturellen und technischen Forderungen der Abfahrt auf einem Waldweg vor einigen der Gegenwart. Dienst an heit ist Nation.<< der Volksgesund- im Wege liegenden Trämeln stoppen und das Ehrendienst Wie staunen da die an der Hindernis überklettern. Leute, als auf jedem Trämel das Hakenkreuz Dazu bemerkt die> Westfälische Landes- eingehauen ist.» Heil Hitler!<< rufen sie und einer erklärt:» Reichsdietwart Kurt >> Der>> Ehrendienst an der Nation hat Münch schreibt ja in seinem Buch im Kapitel sich zu einem solch dicken Schlagwort schreibt der» D. A.« vor allem der den Maßnahmen ren.< » Das sind doch lauter herausgewachsen, daß man oft schon von über Geopolitik, daß das deutsche Volk bis Wie sehr sogar die weitem hört, daß meist» Dienste und nach Zermatt reiche. der Deutschen Arbeitsfront und besonders» Verdienste Hand in Hand marschie- Bauern hier an unsern Führer und den Nationalsozialismus glauben, beweist der UmDie Verpassung der Volksgasmaske und der NS- Gemeinschaft» Kraft durch Freude< Man verzeiht seinem Nächsten die Fehler stand, daß das heilige Zeichen in die Unterweisung der Besitzer erfolgt zu. Und er folgert:» So sehen wir im RückGroße durch den Reichsluftschutzbund. gang des Spielkartenabsatzes auch ein un- am schwersten, die man selbst hat. jede Rinde eingeschnitten ist.<< George Groß wurde von der Nazis seiner- trügliches Zeichen für die gesunde Erstar- Worte und große Profite,» heiligste Güters» Heil Hitler!< rufen sie im Chor und und Rittergüter, Politik und Geschäft sind in umstehen den sich mit den Trämeln abmüzeit als frecher Schänder deutscher Innigkeit kung des deutschen Volkes.<< und Gemütstiefe beschimpft, weil er auf einer Körperliche Ertüchtigung ganz richtig. der Weltgeschichte selten so gewissenlos ver- henden Bauern, der ihnen aber entgegnet, er seiner grausigen Anklage- Zeichnungen dem der Wehrsport, die Kriegsübungen aller Art, quickt worden wie im gegenwärtigen Deutsch- kenne keinen Hitler. land. Aber freilich wo käme das Reich Hakenkreuze, ergo...<» Nein, das ist gekreuzigten Christus eine Gasmaske vor das der Zwangsdienst in allen möglichen GemeinDulderantlitz band. Das war Kulturbolsche- schaften und Gefolgschaften, Parade- in, wenn das Vorbild der Führer sich bei den mein, zwei verkehrten Bundhaken nachgemachtes Hauszeichen, womit schon mein wismus, Entartung. märsche der Arbeitsdienstler mit geschulter- kleinen Leuten durchsetzte? Großvater sein Holz und seine Der» zeitgemäße Weihnachtswunsch« des tem Spaten kurz, der ganze nationalsoziader listische Bims, der Deutschland in einen einSchafe gezeichnet hat.<< Die Skifahrer Kieler Naziblattes dagegen kommt aus echtesten Tiefe jener neudeutschen Seele, die zigen Exerzierplatz verwandelt hat, nimmt Glockengeläut und seine Wirkung. werden kleinlaut und begreifen nicht, daß es sowohl die Zeit als auch die Als im Kreis Eichstätt in Franken eine im Wallis einen Bauern gibt, der das Hakenteils zum Kriege, teils zum Fest der Liebe den Männern rüstet und eine Gasmaske in der Schublade Lust zum Spielen, wie er den Schülern Zeit Abstimmung für die Gemeinschafts- und ge- kreuz schon von seinem Großvater geerbt hat einen und Lust zum Lernen nimmt. gen die konfessionelle Schule durchgeführt und von Hitler doch nichts weiß. mit Recht für zeitgemäßẞer hält, als Wollte man doch auch im Dritten Reich Friedensengel auf der Tannenspitze. Natür- Aber es gibt wohl auch noch andre Gründe, wurde, ließ der Bischof von Eichstätt kurz lich: die Gasmaske» braucht ja nicht gerade die der>> Dresdner Anzeiger« verschweigt. vor der Befragung um allen Schafen ihr Hakenkreuz auf den Hinunter dem Weihnachtsbaum zu liegen. Wenn jede Skatrunde in jedem Kiebitz einen seine Gemeindekinder in die Kirchen zu trei- tern brennen, damit sie endlich einmal beImmerhin aber ist gut, wenn zu Weih- Lauscher und möglicherweise jeder Karten- ben und den Priestern Gelegenheit zu einer greifen, woran sie sind! es Der Duce dem Führer! Hier prüft der Dantes» Divina Comedia<<. fletschend, die Volkspsychose! Sturm läuten, Richter Minos, grimmig Wo die Tyrannen ewig seufzen verzichtete, so kommt ihm der Name eines müssen. Die Schuld der Ankömmlinge, spricht das Die göttliche Gerechtigkeit straft hier Urteil Idealisten mit Recht zu. Im Dritten Reich ist» Idealismus« große Mode. Jedoch ist mit dem Idealismus vollgeDen Attila, der Geißel war auf Erden, durch Schweif- Den Pyrrhus, Sextus und erpreßt auf ewig fressener, in Gold und Luxus schwimmender »> Völkischer Beobachter«: Der italienische Botschafter in Berlin, Attolico, überreichte gestern mittag Und zeigt die Strafe an geringel. dem Führer als persönliches Weihnachtsgeschenk des Duce eine Vor ihn gestellt muß jede schnöde Seele prachtvolle Monumentalausgabe von Den Frevel allsogleich bekennen. ( 16. DeDantes» Göttliche Komödie«. zember 1937.) auf Und jener grausam Kenner aller Sünden, Bestimmt den Höllenkreis, der jeder zukommt. Lenden, Aus Anlaß dieses Weihnachtsfestes der Achse stiegen wir mit dem großen Dichter Dante in die> Hölle<< hinab. Hier sein Be- Wie oft er schlingt den Schweif um seine richt, den leider die deutsche Uebersetzung nur unvollkommen wiedergeben kann: zu bin die Pforte » Ich Schmerzen, Um so viel Grad wird sie hinabgestoßen. dem Reich der Stets drängen sich zu Hauf vor ihm die Seelen Ich bin die Pforte zu den ewigen Qualen, Ich bin die Pforte zu den ganz Verlornen, Gerechtigkeit trieb meinen hohen Schöpfer: Mich hat die Allmacht Gottes aufgerichtet, Die höchste Weisheit und die Urweltliebe. Vor mir ward nichts Vergängliches geschaffen, Nur Ewiges: ich selber auch bin ewig! Gebt jede Hoffnung auf, die ihr hier einzieht!<< An einem Torweg las ich diese Worte In düsterer Farbe und ich sagte:» Meister, Der Sinn des Spruches macht mir Sorgen<<. Und er, wie wenn er dies erwartet hätte: >> Hier heißt es alles Schwanken abzulegen Und jede Feigheit gilt es hier verbannen. Wir sind am Orte, wo, wie ich schon sagte, Die schmerzgequälte Schar dir wird scheinen...< * erVom ersten Höllenkreis stieg ich hernieder Nun in den zweiten, der sich enger rundet, Doch mehr von Qual und Wehgeheul erfüllt ist. und eine nach der anderen wird gerichtet: Sie spricht, sie hört und fährt hinab zur Tiefe. * Wir zogen unter sicherem Schutze weiter Entlang am Uferrand des heißen Blutstroms, Wo die Gesottenen laut vor Schmerzen schrien; Im Sündenbad der Tränen Clavieros, Parvenüs nicht viel Staat zu machen. Daher Dann den Cometo und den anderen, Pazzo, sucht man nach Repräsentanten des deutDie Waffenlärm erregten aller- schen Idealismus, die ihn weniger blamieren, wegen.< als der aufgeplusterte Star Göring und ähnliche Bonzen der Nazi- Elite. Da ist man denn Anmerkung der Redaktion: Der große italienische Dichter lebte vor so vielen auf Hans von Marées verfallen, den man denn auch gleichzeitig als Aushängeschild gegen hundert Jahren, daß ihm gerade nur Attila den» Kulturbolschewismus« verwenden kann. als> Geißel Gottes auf Erden« erschien. MittWieviel, bezw. wiewenig Wesensverwandtlerweile leben wir im 20. Jahrhundert! Man Streben eines schaft zwischen dem reinen wird ihm also diesen umgekehrten AnachroMarées und dem selbstsüchtigen Machthunger nismus nachsehen... der Ley- Göbbels- Clique besteht, erweist das über den Künstler Gesagte. Ein Mißbrauchter Jedoch das unsaubere Vorhaben gelingt auch aus anderen Gründen nicht. Es hapert Zu Hans v. Marées' 100. Geburtstag. ganz und gar mit der Rasse des großen IdeaVor hundert Jahren, am Weihnachtsabend listen. Er ist nicht im mindesten den Nazis des Jahres 1837, wurde in Elberfeld der Maler» bluts- und artverwandt<<. denn seine Mutter Hans v. Marées geboren. Er gehörte zu den war eine Jüdin, Friederike Sußmann; die deutschen Künstlern, die am treuesten dem Marées' selber sind ihrem Ursprung nach des neunzehnten Jahrhunderts flämisch- französischer Adel. nachstrebten. Die Kunst war ihm nicht nur Marées kann mit Recht als der deutsche Hier büßen sie ihr mitleid loses Selbstzweck, sondern Zweck und Ziel des Da- Ahnherr des Expressionismus bezeichnet werVerschiedne staken drin bis zu den Brauen, Es sagte der Zentaur:» Dies sind Tyrannen, Die gierig nur nach Blut und Kulturideal Schätzen griffen! Wüten! So Alexander, Dionys der Unmensch, Der für Sizilien schlimme Jahre brachte. Dort jene Stirn mit schwarzen Haaren Ist die des Ezzelin und jener Blonde Obizzo ist's, der Este, der ganz sicher Vom schlimmen Sohne hingemordet wurde.<< Sprach der Zentaur:>> So will ich, sollst Du glauben, Daß sich am anderen Ende immer tiefer Der Höllenboden senkt, bis an die Stelle, seins überhaupt; ihr hing er mit der ganzen den. Er wagte je länger je mehr so starke Inbrunst seines Wesens an; er betrachtete Abweichungen von der Realität, daß seine es als sein Ziel, der Menschheit einen Weg zu Zeitgenossen von ihm genau wie Adolf den lichtesten. klarsten Höhen einer helleni- Hitler von den heutigen Modernen glaubschen Schönheitswelt zu bahnen. Und da er ten, es fehle Marées an der richtigen Beherrsein Ideal nicht nur träumte, sondern durch schung der Formen und Proportionen. Als ein rasch verbrauchtes Leben zu realisieren ein Heutiger käme er mit mathematischer suchte und tatsächlich soweit verwirklichte, Gewißheit auf die Liste der entarteten Kunst. wie das bei einem Ideal möglich ist, da er So ist es nur recht und billig, wenn die hierfür alle Annehmlichkeiten des Daseins einzige Marées- Publikation, die im Jubiläumsopferte, auf Wohlstand, Titel und Tagesruhm jahr des Künstlers erschienen ist das Buch Ein deutsches » Nationaldenkmal« mehr! Fricks Beitrag zur Gustaf- Adolf- Legende. Eisenkorsett soll Rosenberg gibt Gedankenfreiheit schung<< Aus gegebenem Anlaß gibt der Beauftragte des Führers für die gesamte geistige und weltanschauliche Erziehung und Schulung der NSDAP, Reichsleiter Rosenberg, folgende parteiamtliche Stellungnahme bekannt: Für vorzeitliche Erdkunde ich es war Dr. Göbbels mitten im Thema drin< wußte und » Es mag schön sein,« sagt Dr. Göbbels, » über Hunderttausende von Gewehren zu gebieten, aber es ist mindestens ebenso schön, wenn nicht schöner, 60 Millionen Herzen zu entzünden.<< Göbbels. Seppl und die Bowle Der Mißbrauch» nationaler Symbole<< zu Um einem ganz dringenden Bedürfnis abzuhelfen da wir>> nur« erst drei in offizielDiesen Erlaẞ muß man wörtlich genießen.| Göbbels im Propagandaministerium zur| den Telefonleitungen. Göbbels sagte im Laufe Er steht feierlich an der Spitze des» Völ- Audienz empfangen worden. Eigentlich war des Interviews, das keines war: ler Anerkennung als solche haben Deutschland jetzt sein viertes Nationaldenk- kischen Beobachters vom 9. Dezember unter so etwas wie ein Interview geplant, aber damal haben: der Reichsinnenminister Frick hat der Ueberschrift:» Für die Freiheit der For- zu kam es nicht, denn so schreibt der vom parteiamtliche Stellungnahme Glück begünstigte Höfling in der Nummer 341 einer reichlich anonymen» Deutsch- SchweReichsleiter Rosenbergs: seines Blattes dischen Gesellschaft<< bei einem ihrer alljährlichen Festessen versprochen, es von Reichs >> Es war kein Frage- und Antwortspiel wie wegen für den Schwedenkönig Gustaf Adolf sonst ein Interview und wie Ueber Hunderttausende von Gewehren gein Bälde auf dem Schlachtfeld von Lützen uneigentlich erwartet hatte. Das bietet nämlich Göring. Ueber entzündete Herweit Leipzig errichten zu lassen! Die ins Stichwort Propaganda genügte, und schon zen und heißgelaufene Mithörknöpfe geschiente Germania von Bingen, die aus den freundlich- sonnigen Weingärten hinter Rüdesheim so düster trutzig nach Frankreich hinüberdemonstriert, der Arminius vom Teutoburger Wald, der wie der Zuckerzierrat von einer Konditortorte über jene Baumgipfel ragt, wo sich der edle Varus angeblich ins eigene Schwert gestürzt hat, der>> große Steinhaufen« auf Leipziger Flur, wo die sogenannte Völkerschlacht anno 13 durch die Desertation der Sachsen von Napoleon zu den Kosaken ihre historische Wende fand(» den großen Steinhaufen« nannten dieses Völkerschlachtdenkmal alle kompetenten Sachverständigen, als es nach drei Dezennien vaterländischen Lotteriespielens glücklich fertig war) möchten also wohl ihren im Stil kongenialen Kollegen oder besser Leidensgefährten in der Gestalt des nordischen königlichen Conquistadore und Freibeuters bekommen. der deutschen Nationalidee Verschiedene Probleme der Kosmophysik, der experimentellen Chemie und der.. und redete, redete, redete lauter Sachen. vorzeitlichen Erdkunde wurden in letzter die der Interviewer auswendig Zeit durch eine größere Anzahl von Veröffentlichungen in den Vordergrund des In- nach denen er bestimmt nicht gefragt hätte, Geschäftszwecken will drüben nicht enden. teresses gerückt. Vom nationalsozialisti- wenn er hätte fragen dürfen. Da es kaum Der» Dresdner Anzeiger<< serviert mit Entschen Standpunkt aus stellen die behandel- etwas zu notieren gab, hatte der Besucher Zeit ten Fragen naturwissenschaftliche Prorüstung einige Beispiele. bleme dar, deren ernste Prüfung und wissenschaftliche Untersuchung jedem Forscher frei steht. Die NSDAP kann eine weltanschauliche dogmatische Haltung zu diesen Fragen nicht einnehmen; daher darf kein Parteigenosse gezwungen werden, eine Stellungnahme zu diesen Problemen der experimentellen und theoretischen Naturwissenschaft als parteiamtlich anerkennen zu müssen. In der Schulung der gesamten Bewegung, soweit diese Themen überhaupt behandelt werden, ist diese Haltung mit allem Nachdruck zu berücksichtigen. Berlin, den 7. Dezember 1937. gez.: A. Rosenberg. Was die Entstehung des Sonnensystems selbst der Der Stil ist nicht nur der Mensch, son- betrifft, so ist, wie man sieht, im Gegensatz zu einidern auch das Monument! Von dem Elend braune Ueberpapst gestern schon gen seiner Prälaten, gegen die sein Erlaẞ sich >> liberalistisch«. Darüber darf jeder und heute wieder erst recht Hauptsorgenkind richtet des genius humanitatis zeugt die Stillosig- denken, was er will. Von da ab, nämlich von keit der offiziellen, bisher schon bestehenden dem Augenblick an, in dem die Erde eine feste deutschen>> Nationaldenkmäler«. Der reichs- Kugel geworden ist, hört das freie Denken und zwar gründlich. amtlich zu errichtende steinerne Kolossal- auf Gustaf- Adolf auf Lützener Flur aber, selbst wenn er stilistisch gelänge was bei den im Dritten Reich allein gültigen Vorstellungen von Bau- und Denkmalkunst mehr als zwelfelhaft ist würde jenen Notstand der Deutschen im Nationalen auch noch in der Idee» monumental< festhalten! Das Denkmal bekäme ja gerade der Ausländer, der zur Zerstörung deutscher Weltgeltung, wie sie in weltbürgerlicher Formulierung tausend Jahre unserem alten Kontinent Normung diesem Das Chr des Ministers » Der größte Klappenschrank, der ich je gesehen habe«. Der Hauptschriftleiter des ostpreußischen Naziblattes> Preußische Zeitung<< ist von sich umzusehen. Platz. Jetzt » Eine Buchhandlung in Bayern befriedigt ihren Ehrgeiz durch eine Postkarte mit der sinnigen Inschrift:» Ein Reichskanzler und ein Seppl!« Vor soviel Geschmacklosigkeit muß man stumm bleiben.< » Das Zimmer des Propagandaministers? Groß und weit, mit hohen, lichten Fenstern. Vom Eingang geht man durch den ganzen Raum bis zu dem unter einem Gemälde Friedrichs des Großen stehenden Wieso? Möglich, daß sich durch diese Schreibtisch. Er ist lang und breit, wenn Verkuppelung mit dem Reichskanzler manes sein muß, haben viele Akten auf ihm cher Seppel chokiert fühlt, aber das Volk aber ist er bis auf muß ja schließlich noch ganz andere Dinge Schreibzeug und Schreibmappe aushalten. Viel schlimmer erscheint uns die leer. Vielleicht ist alles aufgearbeitet. Sache mit der Firma, Man möchte aber eher meinen, daß hier in Sätze diesem Ministerium und vor allem im Zim- und dann: mer des Ministers weniger mit Akten und mehr mit dem Kopf und mit dem Herzen gearbeitet wird.<< Mit Akten wird weniger gearbeitet, das dürfte stimmen. Aber mit den Ohren: die auf einer Bowle aus dem Deutschlandlied anbrachte eine » Dann krönt man das Machwerk mit dem Hinweis auf die» Rheinlandbefreiung 1930<. Wir kennen Rheinlandbefreiung erst seit dem Wiedereinzug deutscher Truppen im Rheinland mit der Rückgewinnung der vollen Reichshoheit durch die Tat des Führers. Jene Firma schläft scheinbar noch und träumt von» Silberstreifen<<.< >> Links vom Schreibtisch des Ministers neben dem Telephon steht ein Schaltschrank mit, wie es scheint, Hunderten von Eine» verirrte Bowle« nennt das Blatt soKnöpfen, der größte, den ich je gesehen was? Eine bols chewistische Bowle habe. Er ist Symbol und sichtbarer Beweis ist das, die des Abzugs der ententistischen zugleich dafür, daß der Propagandaminister Besatzung aus den rheinischen Städten paimmer bereit ist, sich» einzuschalten«, daß triotisch gedenkt und dabei vergißt, daß diese er sein Ohr an den Strömungen der Zeit ein Werk der Demokratie war ein Werk, hat...< das derselbe Dr. Aug. einst in begeisterten An den Strömungen der Zeit und in frem- Artikeln besang. los gelästerten> historischen Materialismus« deutscher nationaler Existenz! Die hindert| auf die Unterernährung des Hühevident gemacht, sondern es hatte auch schon kein Skrupel historischer Wahrheitsliebe! nervolkes zurückzuführen, und manch vorher genug bürgerliche deutsche Historiker Deren Kenntnis und Erleben ums deutsche einen hat diese Verwechslung von Ursache und Gesittung gab, mehr beigetragen hat, als von Ruf, auch protestantische, gegeben, die Vaterland umreißt hinreichend die subalterne und Wirkung schon ins KZ gebracht. Jetzt diese ekelste aller Tendenzlegenden im Be- Beamtenseele des Herrn Frick! Die will stellt die» Preußische Zeitung<( Nr. 345) den der weit mächtigere zeitgenössische Sonnenkönig, der damals in Versailles residierte. In reich des deutschen Nationalismus, die Gu- Oesterreich> gleichschalten<, wie sie ihre schwierigen Fall endlich vom Kopf auf die Erz oder Quader geehrt würde hier der kö- staf- Adolf- Legende, mit Erbitterung ablehn-| Klempnerinnungen oder Skatvereine gleichge- Füße: nigliche Brigant, der deutsches Land in des sen tiefster Erniedrigung und Not wie Strandten. zur schaltet hat! Das vierte» deutsche Nationaldenkmal« wird uns, nach alledem, als das steingewordene Symbol jenes unbeschwerten, regierenden Rand- und Emigranten- Deutschtums erhalten bleiben, das hoffentlich für immer, in der Verherrlichung des Landfeindes, Warnung und Mahnung für die kommenden deutschen Generationen darstellen mag: So nie wieder! F. E. Roth. Es genügte bisher, daß der Evangelische gut behandeln durfte und, als seine Armeen Bund seeligen Angedenkens alljährlich oder Raubscharen glücklich aus Deutschland kleinen Kapelle auf dem Lützener Schlachtabgezogen waren, einen rauchenden Friedhof feld zog und dort seinen wilden Barditus> geMindestens für die zwischen Stralsund und Nürnberg zurückließ. gen Rom« anstimmte. Niemand wird schwedischem Patriotismus andere Hälfte der deutschen Nation war es verübeln, wenn in Stockholm der Bauern- schmerzlich und aufreizend zu hören, wie hier Was er für der konfessionelle Egoismus das vaterlänkönig als Held gefeiert wird. unverkünsteltes deutsches nationales Bewußt- dische Gefühl in Erbpacht und Monopolbesitz sein darstellen muß, das haben nicht nur die nahm. Nun aber hat man im Dritten Reich klassischen Beiträge eines Mehring aus der die» deutsche Volksgemeinschaft<<: Die weiß hohen Schule des heute so viel und so sinn- noch viel weniger um die ganze Problematik chronische Eiermangel in Deutschland sei Erich Kuttners Deutschland, sondern nicht dem offiziellen| Volkskunst hiermit der Nachwelt überliefert der Emigration sei. Das Produkt des braunen Volksgemütes Haut se, haut se, entstammt. Dem geistigen Deutschland ge- lautet: hört der große Mensch und Künstler an, nicht dem Deutschland der Kunstverfolgungen, der Bücherverbrennungen und Bilderverhöhnungen. Sage, was du singst. und ich sage dir, was du bist! In Odenspiel bei Köln ist Pfarrer Dr. Wieter, Anhänger der Bekenntniskirche, im November von der SA ausgetrieben worden. Der Vorgang als solcher bietet für die Zustände nichts ungewöhnim heutigen Deutschland liches. Dr. Wieter war im Oktober d. J., angeblich wegen Veranstaltung einer verbotenen Kollekte, einige Tage gefangengesetzt, Immer auf die Schnauze! Haut se mit vergnügtem Sinn, Immer in die Fresse rin! Es ist wirklich ein Genuß zu beobachten, wie jede Denkart sich in der Dichtung eine Ausdrucksform schafft. In den adäquate vergangenen Jahren der Schmach klang es ganz anders: nämlich so: Nicht mit dem Rüstzeug der Barbaren, Mit Schwert und Spieß nicht kämpfen wir, Es führt zum Sieg der Freiheit Scharen Des Geistes Macht, des Rechts Panier! So sangen die marxistischen Untermendann nach einer Gerichtsverhandlung in Bonn schen. Die rassisch erleuchteten Edelnazi dawieder nach Hause entlassen worden. mit gegen gröhlten:» Haut se, haut se, immer auf die Schnauze!< Der Abstand zweier Welten liegt darin. M. Die Ernichterung wie | da Die örtlichen Naziinstanzen waren dem Ausgang nicht zufrieden, zumal Dr. W. die Abgabe einer Loyalitätserklärung für die Zukunft verweigert hatte. Sie veranstalteten also> Volkszorn«, d. h. SA und SS wurden zu einem Haberfeldtreiben gegen den Pastor mobilisiert, das in der Nacht vom 7. zum 8. Oktober unter viel Radau und Geschrei > Verräter<,> Lump«,» Judenknecht<<,> Hängt ihn auf!<< usw. seinen Lauf nahm und das ein im Dritten Reich als>> rechtens<< anerkanntes Resultat zeitigte: Nicht etwa die Täter, sondern ihr Opfer wurde von neuem in Haft genommen.( Der witzige Name für das Verfahren lautet>> Schutzhaft...) -Doch deswegen erzählen wir die Geschichte nicht. Sie hat nämlich auch mit Kunst zu tun. Während des Exekutionsaktes wurde von den fanatisierten Banden ein Lied gesungen, das als Erzeugnis echter NaziArtvergessene Hühner » Das Bestreben geht dahin, die Legeleistung der deutschen Hennen auf 120 Eier im Jahr zu bringen. Gelingen kann das aber nicht, wenn immer noch auf zahllosen Bauernhöfen Hühner herumlaufen, die längst das Greisen alter erreicht haben. Sie sind unnütze Fresser, die in den Suppentopf gehören. Denn für die gleiche Menge von Futter, daß sie verzehren, könnten jngere Tiere gehalten werden, die Eier in der gewünschten Zahl legen würden.<< Also: nicht der Futtermangel ist an der Viele ländliche Meckerer behaupten, der Eierknappheit, sondern die vergreisten Hühner sind am Futtermangel schuld. ernüchternden Getränken eine Erscheinung der letzten Zeit. Es hat sich da eine bemerkenswerte Wandlung vollzogen. Früher war der» Angesäuselte« stolz auf sich und gestand offen:» Ja, ich bin angeschickert und so gefällt mir die Welt!< Jetzt sucht der Mann, der sich einen Affen gekauft hat, möglichst schnell wieder davon loszukommen. Er sucht sich mit allen Mitteln des Affen, der ihn in seiner Bewegungsfreiheit hindert, zu entledigen, und es ist ihm unangenehm, wenn ein anderer ihm in Dann gibt sogar des Volkes ärmster Sohn. Nur euch hört man mit falschem Lächeln plappern. » Wir haben schon!< Doch sollte es euch einmal schlechter gehen, Dann wundert euch nicht über unsern Ton! Dann geben wir euch gleichfalls zu verstehen: » Wir haben schon!!< Das heißt: Wer nicht genug gibt, wird direkte schlichten Worten bedeutet:» Otto, du bist vorgemerkt und entsprechend gestraft. duhn« oder» Otto, du hast einen Zacken.< Neue direkte Besteuerung in aller EhrlichDer Otto von einst hätte zu dieser Fest- keit einzuführen, haben sie nicht den Mut; stellung gelächelt oder mit den Achseln ge- sie halten es lieber mit dem indirekten zuckt, der Otto von heute jedoch empfin- Steuerterror, zumal über das Ergebnis keine det Skrupel und denkt:» Das ist fatal.< Die Feststellung sei gestattet, daß wir Rechnung gelegt zu werden uns im Laufe der Jahre von braucht. Ja, so können sie sogar mit erpreẞdem Grundsatz entfernt haben, den ten Geldern als Wohltäter auftreten. Baudelaire einst verkündete: Trunken müssen wir sein nur die Trunkenheit kann uns die Fesseln lösen.< Die Leser der DAZ, zum größten Teil Am 5. Dezember, also just an dem Tage, kernfeste Deutschnationale, werden sich seufmüssen, die nationalsozialistischen Prominenten zend gestehen daß es bei weitem büchsenklappernd an den Straßenecken stan- leichter ist, einen Affen zu kaufen als ihn den, leistete sich die>> Deutsche Allgemeine wieder loszuwerden. Zeitung<< die folgende Glosse: > In Berlin sind jetzt zwei Strömungen zu beobachten, die friedlich nebeneinanderlaufen. Wir haben schon... Die neuen Steuern. Der einen Strömung gehören die Freunde Die Büchsenklapperei drüben schwillt in des Stark- oder Bockbieres an, der anderen die Liebhaber der ernüchternden Getränke diesen Tagen bedrohlich an und die Nazi( je schneller die Ernüchterung presse droht denen, die nicht genug opfern. erreicht wird, um so größerer Im Dortmunder Naziblatt zürnt ein Gedicht, Gunst erfreut sich ein derartiges Getränk bei den Berlinern). Für das Bockbier war bei den Berlinern Strophe lauten: von jeher eine starke Neigung vorhanden, dagegen ist die Nachfrage nach ( 5. Dezember) dessen erste und letzte Wenn wir mit unsern Sammelbüchsen klappern, Die» Deutsche Allg. Ztg.< teilte in Fettdruck mit, wo ihre Redaktion am 5. Dezember mit der Büchse klappern müsse. Dem Leser würde damit Gelegenheit gegeben, die Schreiber der DAZ persönlich zu genießen und >> sich auch mit ihnen über alle sie interessierenden Fragen auf dem Gebiete der Politik, der Wirtschaft, der Kunst, der Technik, des Sports usw. zu unterhalten. Für jede Auskunft ist eine nach Belieben zu bemessene Gebühr in unsere Sammelbüchse zu stecken.< Die Leser durften wirklich alles mögliche erfahren, nur nicht die Wahrheit über die DAZ. Und nicht die Meinung der Redakteure. Sie wären schon ins Stottern gekommen, wenn man sie gefragt hätte, wer die Verwendung der Gelder kontrolliert und wieviel Defraudanten die NSDAP allein 1936/37 musterte. Legalisierter Raub Neues Gesetz über die Einziehung des Vermögens der Arbeiterbewegung Die>> Einziehung des kommunisti& chen Vermögens« wurde in einem Gesetz vom 26. Mai 1933 sanktioniert, am 14. Juli 1933 wurde der Raub des Besitzes der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands nachträglich im Gesetz» über die Einziehung volks- und staatsfeindlichen Vermögens« gedeckt. Die Beschlagnahme des Vermögens der Sozialdemokratischen Partei hatte der Generalstaatsanwalt bereits am 9. Mai 1933 erklärt, am 12. Mai 1933 hatte er die gegen die SPD ausgesprochene Beschlagnahme auf das Vermögen der Freien Gewerkschaften ausgedehnt, nachdem der Gewerkschaftsraub bereits am 2. Mai von den SA- Horden verwirklicht worden war. 3. Vermögen der früheren Arbeitgeber- und| ren oder nicht. Gegen die willkürliche EntArbeitnehmervereinigungen. schädigung dieser Feststellungsausschüsse gibt es auch im zweiten Fall keinerlei Rechtsweg. Der erste Abschnitt betrifft die gestohlenen Vermögen der Arbeiterparteien, ihre in Gesellschaftsform geführten Eigenbetriebe gelten mit der Vermögenseinziehung als aufgelöst. Alle Rechte an die eingezogenen Gegenstände werden als erloschen erklärt. Die Gesellschaften, die solche Unternehmungen weiter führen, haften nicht für Rechtsverbindlichkeiten. Das neue Gesetz bringt lediglich sog. Feststellungsausschüsse, die an Geschädigte, soweit sie als bedürftig anerkannt werden, Entschädigungen in der ihnen geeignet erscheinenden Höhe bewilligen. Die Entschädigung darf nicht gewährt werden, wenn der Geschädigte kommunistische, marxistische oder andere staatsfeindliche Bestrebungen gefördert hat. arbeitsrechtlicher Dienstbezüge gilt also nur gegenüber solchen Personen, die nach der Auflösung der Gewerkschaften als gleichgeschaltete Angestellte im Sold der Nazis stehen. Die Gewerkschaftssekretäre sind bis auf einige Knechtseelen bereits am 1. Juli 1933 herausgeworfen worden. Es liegt somit ganz im Belieben der Himmler- Clique, einige willige Ueberläufer für ihr Wohlverhalten zu belohnen. Die vertraglichen und Pensionsansprüche der Gewerkschaftsmitglieder und -Angestellten werden in diesem Gesetz nicht anerkannt. Im dritten Abschnitt wird die Vermögensverwaltung der DAF durch das neue Gesetz >> in das Vermögen der früheren Arbeitgeber- und Arbeitnehmervereinigungen Die noch laufenden Prozesse, in denen teileinschließlich der Hilfs- und Ersatzorgani- weise für die Kläger günstige Entscheidungen sationen, Vermögensverwaltungen, Pensionskassen und sonstigen Sondervermögen eingewiesen.<< getroffen worden waren, werden durch das neue Gesetz in das hier bestimmte Fesstellungsverfahren eingeschaltet. Eine WeiterDie neue juristische Formulierung» eingewie- führung des ordentlichen Gerichtsverfahren sen<< soll besagen, daß die DAF über diese ist nur zulässig, wenn die Feststellungsstelle Gelder verfügen durfte, ohne daß sie Versich dafür ausspricht. Die Entscheidungen der mögensträger zu sein braucht. Die Regierung Feststellungsbehörden sind für die ordentwird demnächst im Deutschen Reichsanzeiger lichen Gerichte bindend. Für die Geltenddie Vermögensträger im einzelnen bekanntmachung von wohl erworbenen Rechtsansprügeben. chen an die geraubten Vermögen gibt es nach dem Gesetz vom 9. Dezember 1937 nur noch eine rechtskräftige EntscheiDie so benannten Vermögensträger gelten aber mit dem Inkrafttreten dieses Gesetzes Feststellungsbehörden sind die Landes- Polizei->> als aufgelöst<<, ohne daß eine Liquidation dung, nämlich die der Nazi- FeststellungsDie stattfindet. Der Leiter der DAF wird als Das mobile und immobile Vermögen der Freien Gewerkschaften hatte einschließlich der mitgeraubten Eigenbetriebe( Arbeiterbank, Baubetriebe, Wohnungsgenossenschaften, Verkehrsgesellschaften, Sparkassen usw.) für die Zentralen des ADGB und AfA- Bundes und ihre angeschlossenen Verbände rund 500 Millionen RM betragen. Dazu kamen die Vermögensbestände der Partei, ihrer Druckereien Der zweite Abschnitt gibt diesen Polizei- Für Ansprüche aus Dienstverträgen überund Verlagsgesellschaften, ihrer Bezirke sowie stellen die Möglichkeit an dritte Personen, die nimmt die DAF eine Haftung nur, wenn das der nichtsozialistischen Parteien und Gewerk- durch die Enteignung eines Ausgebürgerten Arbeitsverhältnis über den 30. September 1933 schaften und zahlreicher sonst als staats- Vermögensnachteile erleiden, nach dem glei- ausgedehnt worden ist. feindlich erklärter Organisationen, so daß chen Verfahren Entschädigungen zu gewäh- Die normale Einhaltung vertraglicher, Beine Milliarde RM für diesen grandiosen behörden und der Reichsinnenminister. Nazi- Polizei hat für Gesinnung mehr Ver- Pfleger der Vermögen bestätigt, er soll nach ständnis, als für Recht. pflichtgemäßem Ermessen handeln. Raub nicht zu hoch angenommen ist. Es entsprach der Nazi- Rechtsauffassung, Treuepflicht" nach der daß die Besitzer und Vermögensverwalter der Entlassung? gewaltsam eingezogenen Gelder eine Aus gaben- Miẞwirtschaft betreiben durften, die Die Illusion von der» Volksgemeinschaft<< wird. im und bis die Umstellung des Betriebes beendet und sie nach vier, für oder sechs Monaten wieder zur Arbeit gerufen würden. Und das Rechtsamt der DAF? ausschüsse d. h.: Gesinnungsknechte können etwas bekommen. Wer sich nicht beugt, kann verhungern. Das ist im Dritten Reiche rechtens. Der ist mit dem Diebstahl der Arbeitsfront am Vermögen der deutschen Arbeiterbewegung neuen Gesetz legalisiert. zu lesen. Wo immer eine Stellung für junge Akademiker angeboten wird, lautet die wichtigste Bedingung:» Nachweis der politischen Zuverlässigkeit, NachPartei unter aller Kritik steht, daß sie auch gegen im Dritten Reich, die die Nationalsozialisten Es hat ein derart unerhörtes Ansinnen weis der Mitgliedschaft bei der alle Schuldner der enteigneten früheren dem deutschen Volke und dem Ausland mit nicht etwa eindeutig abgelehnt, sondern in nationalsozialistischen Vermögensträger rücksichtslos vorzugehen soviel Anstrengungen aufzwingen wollen, hat einem» guten Rat<< verwies es den Unter- oder einer ihrer Gliederungen<. wußten, daß sie es aber ablehnten, die Ver- im täglichen Sprachgebrauch eine Anzahl nehmer an das Arbeitsamt, mit dessen Ver- Aber die» Bewegung<< behauptet: pflichtungen der Vorbesitzer zu erfüllen. Schlagworte hervorgebracht, deren tieferer mittlung er wenigstens für die Hälfte seiner» Wir lehnen insbesondere ab jede MeSo hatte insbesondere die Deutsche Ar- Sinn gelegentlich durch bezeichnende Vor- bisherigen Belegschaft für die Frauen! thode des indirekten Zwangs. Die beitsfront alle Aktiven der Gewerkschaften gänge auf sozialem Gebiet hervorgekehrt seinen Zweck erreichen könnte! Freiheit der Entscheidung ist ebenso wie unter offenem Zwang in Frage gestellt, eingeheimst, aber gleichzeitig Das Aufreizende des Unternehmerwunwenn mit bestimmten Nachteilen finanzielalle Gläubiger mit ihren berechtigten AnDa gibt es z. B.» Betriebsverbun- sches und noch mehr das der Auskunft des ler oder anderer Art gedroht wird.<< denheit sprüchen abgewiesen. » Gefolgschafts-> Rechtsamtes<< der DAF sollte dadurch mil- Wie sollen sich junge Menschen da hinDamit wird natürlich keineswegs der erscheinen, daß Die Lieferanten der Gewerkschaftsbüros, die treue«. das Rechtsamt dem einfinden? Sie müssen zu der Auffassung zeitweise in die DAF übernommenen Gewerk- etwa eine verbesserte Stellung der Arbeiter- Unternehmer empfahl, allen, die mit dieser kommen, daß Worte keinen Sinn und Lügen schaftsangestellten und wer sonst noch Gut- schaft Produktionsprozeß bezeichnet; von ihm vorgeschlagenen Regelung einver- lange Beine haben, sie müssen zu Zynikern haben nachweisen konnte, gingen leer aus. In kann nicht bezeichnet werden, weil es ja be- standen seien, eine» Treueprämie< in Aussicht weiden, ehe sie der Schulbank ganz entwacheinem Reichsarbeitsgerichtsurteil vom 28. kannt ist, daß der Arbeiter unter der Diktasen sind. Wie soll Deutschland von dieser Februar 1934 wurde erklärt, daß die NSBO tur der Nationalsozialisten von den Kapita- Dieser Fall zeigt jedenfalls in drastisch- Jugend genesen? am 2. Mai 1933>> kraft revolutionären Rechts< listen noch ärger ausgebeutet wird als frü- ster Weise, daß die Stellung des deutschen gehandelt habe, daß aber die DAF weder als her. Und da für den kapitalistischen Unter- Arbeiters im Dritten Reich bis auf die Stufe Vermögensträger anzusehen wäre, noch daß nehmer als den Besitzer des Betriebs die der sklavischen Abhängigkeit vom einzelnen Achtung! überhaupt eine Vermögensübernahme statt-> Betriebsverbundenheit seit je gegeben war, Unternehmer herabgedrückt worden ist und gefunden hätte. Staatsrat Dr. Ley sei ledig- konnte mit diesem Schlagwort nur der Be- daß Phrasen wie» Betriebsverbundenheit<< lich als>> Pfleger<< eingesetzt worden, er habe griff für den von den Nationalsozialisten ver- und» Gefolgschaftstreue<< nur dazu dienen seinerseits wieder Unterpfleger bestimmt. wirklichten Zustand der nahezu völ- sollen, dieses schändliche AusbeutungsverDa kein Vermögensträger besteht, ligen sozialen Rechtlosigkeit hältnis zu bemänteln. fehlte die formale Voraussetzung, überhaupt Ansprüche an das geraubte Vermögen geltend machen zu können. Die so um ein dazu. dann zu stellen. Studenten, lernt Lügen! In den nationalsozialistischen» StudentenKameradschaften« wird offener als in andedaẞ der Postabonnenten! Um eine Unterbrechung im Bezug des >> Neuen Vorwärts« zu vermeiden, bitten wir Sie, das Abonnement, sofort bei Ihrem Postboten oder im nächsten Postkontor erneuern. zu » Neuer Vorwärts<< Neuer Vorwärts wortlicher Redakteur: Wenzel Horn; Printed in Czechoslovakia. der Arbeiter im Betrieb gemeint sein. Da gehört die» Gefolgschaftstreue<<, die ja schon in der Bezeichnung nur einseitig zahlreichen Kläger waren vertröstet von den Arbeitern verlangt wird, unbedingt worden, daß später durch Reichsgesetz Vermögensträger bestimmt werden würde, an Inzwischen hat auch die Aufhebung der ren gleichgeschalteten Organisationen zugeFreizügigkeit für breite Schichten der Ar- geben, Zusammenschluß als den sich die Geschädigten halten könnten. Nun ist nach nahezu fünf Jahren am 9. beiter eine recht drastische Kommentierung Zwang, der» Dienst an der Bewegung« als Dezember 1937 die gesetzliche Endregelung dieser demagogischen Volksgemeinschafts- Last empfunden wird. Mag sein, daß die Gozialdemokratisches Wochenblatt zu einem großen Teil vorgenommen worden. Sie bringt aber keiner- terminologie gebracht. Es kann jetzt kein Söhne aus reichen dem konservativen Elternhäusern ihre aufge- Herausgeber: Ernst Sattler; verantlei Klärung, wer nun als Vermögensträger an- Zweifel mehr darüber sein, daß nach Diese entscheidende Frage ist Willen der nationalsozialistischen Diktatoren lösten Corps nicht vergessen können, mag Druck:> Graphia<; alle in Karlsbad. zusehen ist. ganz gewiß nicht ohne Grund nach wie vor der Arbeiter völlig dem Unter- sein, daß sie mehr riskieren, weil ihnen die Zeitungstarif bew. m. P. D. ZI. 159.334/ VII- 1933. und ihm Lebensunsicherheit fremd ist, die den Arbeioffen geblieben. Es dürfte den Kassen- Anne- nehmer ausgeliefert sein xionisten auch schwer fallen, die Rechtsan- auch nicht dem Zugriff seiner Aus- ter zum Der» Neue Vorwärts« kostet im Einzelschweigsamen Mitglied der DAF verkauf innerhalb der ČSR Kč 1.40( für ein jedenfalls sind die studentischen sprüche der Gläubiger zu befriedigen, denn beuterkrallen entgehen soll, wenn der Ar- macht, Quartal bei freier Zustellung Kč 18.-). Preis der Meckerei. der Ausweis der Arbeitsfront ergibt, daß sie beiter die Möglichkeit hat, ein ihm viel gün- Gruppen gegenwärtig Herde der Einzelnummer im Ausland Kč 2.-( Kč Das Blatt des NS- Studentenbundes in den fünf Jahren ihrer totalitären Finanz- stigeres Arbeitsverhältnis einzugehen. » Die 24. für das Quartal) oder deren Gegenwert wirtschaft über weniger Vermögen verfügt, Mit dieser sozialen Entrechtung der deut- Bewegung« versucht, die Widerspenstigen in der Landeswährung( die Bezugspreise für Klammern): Arals sie allein aus den Beitragsüberschüssen schen Arbeiterschaft, die durch phrasenhafte ins Unrecht zu setzen, indem es ihnen vor- das Quartal stehen in gentinien Pes. 0.30( 3.60), Belgien: Belg. haben müßte. Redensarten verhüllt werden soll, sind die wirft, schon ihr unfreiwilliger Beitritt zum Frs, 2( 24.-), Brasilien 1 Milreis( 12.-), Das geraubte Vermögen ist längst ver- Kapitalisten sehr zufrieden. Alte Wünsche, Bunde beweise, daß sie Waschlappen seien: Bulgarien Lew 8.( 96.-). Danzig Guld. 0.45 deren Verwirklichung früher an dem Wider->> Wer auf indirekten Druck reagiert und,( 5.40), Deutschland Mk. 0.25( 3.-), Estland geudet. diesem nachgebend, in die Kameradschaft E. Kr. 0.22( 2.64), Finnland Fmk. 4.-( 48.-), Tausende alter Arbeiter könnten ihre An- stand der Arbeiter und ihrer politischen und geht, ist nicht unser Mann, denn er wird Frankreich Frs. 1.50( 18.-), Großbritannien Organisationen gescheitert sprüche an die zerschlagenen Pensionskassen wirtschaftlichen nicht mit der ganzen Kraft seiner Ueber- d 4.-( Sh. 4.-), Holland Gld. 0.15( 1.80), Itaanmelden daher darf es auch künftig im sind, gehen jetzt in Erfüllung. zeugung für unsere Sache kämpfen. Ihm lien Lir. 1.10( 13.20), Jugoslawien Din. 4.50 keinen Rechtsnachfolger der Dritten Reich fehlt das Wichtigste: die lebendige Aktivi-( 54.-), Lettland Lat. 0.30( 3.60), Litauen Lit. tät, die nur aus einem freudigen Herzen und 0.55( 6.60), Luxemburg B. Frs. 2.45( 29.50), geraubten Arbeitergelder geben. ehrlicher Anteilnahme kommen kann. Wir Norwegen Kr. 0.35( 4.20), Oesterreich Sch. können heute weniger denn je 0.40( 4.80), Palästina P. Pf. 0.020( 0.216), Menschen gebrauchen, die sich Polen Zloty 0.50( 6.-), Portugal Esc. 2.nach oben ducken und nach( 24.-), Rumänien Lei 10.-( 120.-), Schweunten drücken, die feig sind und den Kr. 0.35( 4.20), Schweiz Frs. 0.30( 3.60), kapitulieren.<< Spanien Pes. 0.70( 8.40), Ungarn Pengö 0.35 ( 4.20), USA. 0.08( 1.-). Warum sollen sie da nicht noch mehr fordern? Z. B.» Betriebsverbundenheit« und» GefolgUnter den Gläubigern der früheren Ar- schaftstreue< von der Arbeiterschaft selbst auf die beiterorganisationen gibt es allerdings auch dann, wenn sie vom Unternehmer So grotesk es Freunde der Nazis, denen geholfen werden Straße gesetzt worden ist? soll. So sind z. B. immer noch Schadenersatz- klingt, es ist doch wahr: klagen von einstigen Unternehmerverbänden Ein Unternehmer hat sich an das RechtsDie Leser werden das abgegriffene Märchen von der» Freiwilligkeit« mit Grinsen zur Kenntnis genommen haben. Aber der folgende Satze dürfte selbst dem Schreiber unter den Fingern gefroren sein: Einzahlungen können auf folgende Postscheckkonten erfolgen: Tschechoslowakei: Zeitschrift» Neuer Vorwärts<< Karlsbad. Prag 46.149. Oesterreich:» Neuer Vorwärts< Karlsaus Streiks gegen die Gewerkschaften unent- amt der Deutschen Arbeitsfront gewandt, schieden. Es soll auch früheren Gewerk- um die Auskunft zu erlangen, ob es eine schaftsmitgliedern geholfen werden, die sich arbeitsrechtliche Möglichkeit gebe, seine Arinzwischen bewährt haben. So hat sich die beiterschaft, die er infolge Umstellung seines bad. Wien B- 198.304. Polen:» Neuer Vorwärts<< Diktatur- Regierung entschlossen, unter Ver- Betriebes, auf längere Zeit entlassen mußte, >> Was geschieht mit dem, der den Ein- Karlsbad. Warschau 194.797. Schweiz:» Neuer zicht auf jede rechtliche Klärung, ein» Gesetz daran zu hindern, daß sie in der Zeit ihrer tritt in eine Kameradschaft ablehnt? Gar Vorwärts« Karlsbad. Zürich Nr. VIII 14.697. annehme. über die Gewährung von Entschädigungen Arbeitslosigkeit anderswo Arbeit nichts!<< Rumänien: Anglo- Čechoslovakische und PraFiliale Bukarest, Konto bei der Einziehung oder dem Uebergang von Er befürchtete nämlich, daß ihm gerade die Richtig. Es geschieht gar nichts mit ihm. ger Creditbank, » Neuer Vorwärts<, Bukarest Nr. 2088. Vermögen<< zu erlassen. Es wird unterschie- Tüchtigsten» wegengagiert werden und daß Er wird zu keinem Amt zugelassen, er wird Ungarn: Anglo- Čechoslovakische und Prager den in: auch die anderen zur Konkurrenz gehen. Aus bei jedem Wettbewerb kaltgestellt, er hat Creditbank Filiale Karlsbad. Konto» Neuer 1. Kommunistisches, volks- und staatsfeind- der>> Betriebsverbundenheit< und>> Treue- keine Aussicht, vorwärtszukommen, solange Vorwärts< Budapest Nr. 2029. Jugoslawien: liches Vermögen pflicht heraus sollte den Arbeitern verwehrt es ein Drittes Reich gibt. Jeder Student hat Anglo- Čechoslovakische und Prager Credit2. Dem Reich verfallenes Vermögen( der werden, ein neues Arbeitsverhältnis einzu- Gelegenheit, den Annoncenteil der medizini- bank, Filiale Belgrad, Konto» Neuer Vorwärts«, Beograd Nr. 51.005. Genaue Bezeich gehen. Sie sollten solange arbeitslos bleiben, schen, juristischen, pädagogischen Fachpresse nung der Konten ist erforderlich. Ausgebürgerten)