Nr. 241 SONNTAG, 30. Januar 1938 (5o$ial6cmi>lraHfcfog tttecfonfrtoff EN AVANT! Hebdomadaire en langue allemande Redaktion und Verlag: 5, Rue Mayran, Paris-9. Telephone: Trudaine 46-52 Aus dem Inhalt: Emigrantenbriefe Bekenntnisse eines Richters Schützengrabenvolk Prix: Fr. I.SO Nach fünf Jahren Hie NoKialclemokratie klaget an Am fünften Jahrestag der Emen- 1 Experimente und grössenwahnsinnige nung Hitlers zum Reichskanzler er- Bauprojekte sinnlos zu vergeuden. neuert die Sozialdemo hat ische Par- Kann der Bankrott ihrer Industrie- tei Deutschlands das Bekenntnis ihr poiitik heute noch_ trotz Rohstoff- rer Todfeindschaft gegen die natio- no(— durch schwindelhafte Finanzie- nalsozialistische Diktatur. rungskünste hinausgeschoben oder Die Partei ist nicht tot. Die Diktatur verschleiert werden, so isf der Zu- selbst anerkennt sie als eine lebendige sammenbruch vhrer Agrarpolitik Macht, indem sie mit ihrer Gestapo längst offenbar. Er manifestiert sich und ihren Gerichten Krieg gegen sie in der chaotischen Ueberorganisation führt. Ihre Anhänger sind ermordet, der Erzeugung, der zunehmenden Entgefangen oder zum Verzicht auf jede hlössung der Lebensmittelmärkte, in offene Betätigung ihrer Gesinnung ge- der Verzweiflung der Bauern über zwungen. Die hinausgingen, um die die unzähligen einander widerspre- Wahrheit zu sagen, werden von Land chenden Zwangsvorschriften, der Sorge der Hausfrau um das tägliche Brot, Notwendigkeit, zum ZU Land gehetzt. Aber dieser seit fünf ■fahren(geführte Ausrottungskrieg 1 zuletzt in der bat sein Ziel nicht erreicht. Die deut- Hohn auf die Parole„Volk� ohne sohc Sozialdemokratie lebt. Raum", hunderttausend ausländische Sie erhebt an diesem Tage vor aller Landarbeiter zu importieren. Welt öffentliche Anklage: Brandstif- Hitler hat sich in der„Erzeugungs- ''iigf und Meuchelmord, Meineid und schlacht" mit seinem Darre die erste 1 errat haben die Männer, die heute Niederlage geholt. Sein Göring und DeutaeUaad legieren, an die Macht gebracht. Alle Gesetze der Menschheit sind in den Boden getreten. Das Recht des Volkes, sich selbst zu regieren, des Bürgerls- auf staatsbürgerliche Freiheit und Gleichheit vor dem Gesetz bestehen nicht mehr. Die Juden, sein Funk werden dafür sorgen, dass weitere nicht ausbleiben. Die Diktatur hat aus dem freien Arbeiter der Republik einen rechtlosen Lohnsklaven gemacht. Während die Reallöhne bis auf das Existenzminimum sanken, stiegen die Unterneh- Ein Trümmerhafen wird das Ende sein.. v * ** Die Diktatur brüstet sich mit ihren 0uie wehrlose Minderheit, sind in den niergewinne. Während das Volk in Fang einer Kaste unberührbarer Pa- immer tiefere Not gerät, bereichern rias herabgedrückt. sich(Rg neuen Machthaber schamlos Die Freiheit des wissenschaftlichen,] auf Kosten der Allgemeinheit. künstlerischen, religiösen und politischen Lebens ist ausgelöscht, jedes Fecht der Persönlichkeit auf freie Entfaltung vernichtet. Männer und Frauen, die sich in Fesinnungsgemeinschaft gegen die Diktatur verbanden, warten in den Todeszclleh auf ihr Schicksal. Zehn- f ausende, die sich des gleichen Verbrechens schuldig gemacht, sind in Gefängnissen und Konzentrationsla- 8crn zusammengepfercht. Die Diktatur kennt nur einen Feind die Wahrheit. Es macht keinen Unterschied, wer sie ausspricht; ein »Marxist", oder ein Liberaler, ein Geistlicher oder ein Gewerkschaftsführer, der Papst oder Roosevelt. Das W)lk darf die Wahrheit nicht hören, ifavon lebt sie..Aber das Volk wird dennoch die Wahrheit erfahren, und daran wird sie sterben! aussenpolitischen Erfolgen. Es ist wahr, dass sie das Gesicht der Welt verändert hat. Ihre ungeheueren Rüstungen und ihr gewalttätiger Sinn haben sie zu einem Schrecken für die ganze friedliche Menschheit gemacht. Man achtet sie nicht, aber man fürchtet sie. Man misstraut ihr, aber man paktiert mit ihr. Die deutsche Diktatur hat grosse Veränderungen in der Welt hervorgerufen. Ohne Hitler kein italienisches Abessinien und kein japanisches China! Ohne Hitler kein Franco in Spanien, kein Henlein in der Tschechoslowakei und keine Ca- goulards in Frankreich! Wo aber sind die Erfolge, die diese Aussenpolitik dem arbeitenden Volke gebracht hat? Sie bestehen in einem schrumpfenden Anteil am Welthandel, einer wachsenden Rüstungslast und der Aussicht auf eine Niederlage in einem zweiten Weltkrieg. ►Während die Diktatur zum Kriege rüstet, bereitet sie auch schon die Lügen vor, mit denen sie ihn führen will. In ihrem angeblichen Kampf gegen den Bolschewismus sucht sie den Vorwand für ihre räuberische Absichten. Um sich selber als unschuldig erscheinen zu lassen, behauptet sie, die Emigranten seien es, die die fremden Mächte zu einem Krieg gegen Deutschland hetzten. Die deutsche Sozialdemokratie weist diese Behauptung als eine freche Lüge zurück. Sie wiederholt ihre Erklärung, dass sie, die Partei des Friedens, nie den Krieg gewollt hat und ihn auch heute nicht will. Nicht auf den Spitzen fremder Bajonette kann dem deutschen Volke die Freiheit gebracht werden, es muss sie sich selbst erobern, wenn sie dauerhaft sein soll. Die deutsche Sozialdemokratie rechnet nicht mit dem Wunder eines plötzlichen Umschwungs. Sie sagt ihren Anhängern, dass der Kampf gegen die Diktatur noch lange dauern und dass er noch unendlich viele Opfer kosten wird. Aber sie glaubt an das deutsche Volk und an die deutsche Arbeiterklasse. Ein Volk von der geistigen Kulturhöhe des deutschen, das schon in zwei revolutionären Anläufen um seine Menschenrechte gekämpft hat, das schon jahrzehntelang eine freigewählte Volksvertretung und weitgehende staatsbürgerliche Rechte besass, wird sich nicht ewig von Verbrechern terrorisieren lassen. Die deutsche Arbeiterklasse, Trägerin der edelsten menschlichsten Traditionen, hat ihre Rolle als Vorkämpferin der Freiheit für das ganze deutsche Volk noch nicht ausgespielt. Fünf Jahre sind viel im Leben des Einzelnen, wenig im Leben der Völker. Die deutsche Sozialdemokratie ruft nicht zu übereilten Entschlüssen und vorschnellen Taten, wohl aber zur Sammlung aller Kräfte, zur geduldigen Vorbereitung und zur steten Bereitschaft. Niemand weiss, wann der Tag kommt. Jeder soll wissen: wenn er kommt, werden wir da sein! 30. Januar 1938. Sozialdemokratische Partei Deutschlands. Kl» llanöver kräftitfr Antwort an Herrn von Areura(li * ** Die Diktatur rühmt sich, die Arbeitslosigkeit beseitigt zu haben. In Wirklichkeit hat sie nur den weltwirtschaftlichen Aufschwung, der sich �uch der Krise einstellte, auf unproduktive Ziele abgelenkt. Mit ihren Werjahresplänen zwingt sie das Volk, Fah und Gut und Arbeitskraft für übersteigerte Rüstungen, autarkische Die braune Propaganda hat einen bekannten französischen Hitlerfreund nach Deutschland eingeladen, den reaktionären Publizisten de Brinon. Man hat den französischen Publizisten vor Würdenträgern des Dritten Reiches über die deutsch-französische Verständigung reden lassen— so wie deutsche Nazis und französische Stockreaktionäre sie auffassen. Der Franzose hat den Baidur on Schirach eingeladen, in Paris über — Goethe zu sprechen. Was hat Baldur von Schirach und was hat das Dritte Reich mit Goethe zu tun? Der Kern der Ausführungen des Franzosen aber war: „Sollen wir nicht auch versuchen, dass zwischen unseren beiden Ländern ein Pres- seabkommen geschlossen wird, das Uebel- wollen und Lüge missbilligt? Bemühen wir uns, dass das, was ist, bekannt wird, und dass man nichts behauptet, was nicht ist." Das ist es, was das Dritte Reich gern möchte, und deshalb hat man dies von dem Franzosen sagen lassen. Was sich hinter einem solchen Presseabkommen verbirgt, ist hinlänglich bekannt, Das braune Manöver mit reaktionärer französischer Hilfe hat eine blitzschnelle Zurückweisung erfahren. Am gleichen Tage, an dem der Völkische Beobachter den Bericht über diesen Empfangsabend veröffentlichte, schrieb der Popu- laire, das Organ der französischen Sozialisten, dass das französische Ministerium des Aeusseren feststelle, dass de Brinon keinerlei Mission habe. Der Populaire wandte sich dann gegen den Versuch, in Frankreich einen gefährlichen Feldzug gegen die Politik der Volksfrontregierung zu beginnen; „Streut man nicht schon das Gerücht aus, dass Herr Yvon Delbos in wenigen Wochen nach Berlin gehen werde? Wir sind in der Lage, diesem Gerücht ein formelles Dementi entgegenzusetzen. Nichts dergleichen ist in Vorbereitung. Es ist nützlich, die Oeffentlichkeit ohne Verzug vor dergleichen Illusionen zu warnen. Wir wissen sehr wohl, dass eine gewisse Presse das Zusammentreffen zwischen Herrn Neurath und Herrn Delbos zu übertreiben bemüht war. Wer die Wahrheit über dies Zusammentreffen kennt, muss die Kommentare, die man darüber gewagt hat, einfach lächerlich finden. Zunächst ist es falsch, dass die Initiative zu diesem Schritt Neuraths von Herrn Fran?ois-Poncet ausgegangen sei. Die Tatsache, dass Herr von Neurath auf einen Berliner Bahnsteig gegangen ist, um Herrn Delbos mit übertriebener Liebenswürdigkeit zu begrüssen, hindert nicht, dass er am Abend zuvor gegen unseren Botschafter eine besonders brutale Sprache geführt hatte. Er hat es für nötig gehalten, unserem Minister gegenübgr Höflichkeit zu simulieren, um sich den Schein des guten Willens zu geben, vielleicht auch, um den Anschein hervorzurufen, dass die Reise von Herrn Delbos in Mitteleuropa mit seiner Zustimmung und fast unter seiner Protektion erfolge. In Wahrheit hat sich in der äusseren Politik des Reiches nichts geändert... Wenn hian kaltblütig den Dingen auf den Grund blickt, erkennt man, dass die Ziele des Dritten Reiches sich nicht geändert haben. dass es nichts von seinen Ansprüchen auf Oesterreich und die Tschechoslovakei aufgegeben hat; um nur von diesen zu reden." Das ist eine kräftige' und wohlverdiente Antwort auf die listigen Manöver der braunen Diplomatie. Sie hat sich getäuscht, wenn sie geglaubt hat, dass ihre Worte und ihre Gesten in ganz Frankreich für bare Münze genommen werden. Man lernt allmählich, ihr auf die Fäuste zu sehen und nicht aufs Maul. N Ufa Ein gegenrevolutionäres Instrument Im ,, Berliner Lokalanzeiger" wird daran erinnert, dass vor zwanzig Jahdie Die Kriegsautostrassen Was man englischen Gästen erzählt wolEs vergeht kaum ein Tag im Dritten Zum Abschluss der Reise drückte man um die deutsche Mobilisierung zu beschleuren- im Februar 1918- die Ufa( Uni- Reiche, an dem nicht Delegationen aus sich im Kölner Gürzenich gegenseitig an nigen? Hat sich keiner von ihnen die Autoversum- Film- A. G.) gegründet worden dem Auslande empfangen, bewirtet und als die Brust. Der Führer der Engländer, ein strassenkarte näher besehen, um zu erkenist. Dieser kurze Gedenkartikel zeigt Sendboten des europäischen Friedens an- Lord Wolne, erklärte, man sei ,, von dem nen, dass der grösste Teil der Hitlerstrasder Grenzen die Linie der deutschen Gegenrevolu- gepriesen Gastfreundschaft sen militärstrategisch nach den Gegenrevolu- gepriesen werden. Vor kurzem bereisten übergrossen Mass 225 englische Verkehrsfachleute Deutsch- überrascht gewesen und dem grossen hin orientiert ist? Und dass die Solidität tion. Am 4. Juli 1917 befiehlt Ludendorff, land auf Einladung des Generalinspecteurs Herzen des deutschen Volkes näher gekom- dieser Strassen sich vor allem erproben soll für das deutsche Strassenwesen, Dr. Todt. men." Dafür bedankte sich Dr. Todt unter unter dem Rattern der motorisierten Lastder damals allmächtige Diktator, züge und der schweren Geschütze, die EuVereinheitlichung der deutschen Film- Sie sollten, wie es in der Einladung hiess, anderm mit folgenden Worten: das von Hitler geschaffene deutsche Autoindustrie und ihren Einsatz für die ,, Als Ingenieure haben ich und meine ropa ,, verständigungsbereit" machen len? strassennetz besichtigen. Wie wurde diese Mitarbeiter nur die eine Sorge gehabt, Kriegspropaganda. Besichtigung organisiert? Sie begannen mit die Reichsautobahn so dauerhaft wie nur Nach der Rede Todts, die das AbendWenige Monate später schreibt Hin- einer luxuriösen Rheinfahrt, in deren Ver- möglich zu machen. Ich persönlich habe essen beschloss, tanzte das Kölner Operndenburg an den Direktor von Strauss: auf die Pokale perlten. Ehrenstürme der noch eine andere Sorge, dass sie durch haus- Ballett. Als sich die reizenden Mädeinen Krieg zerstört , Wie mir der Leiter der Militärischen verschiedenen nationalsozialistischen Stürwerden könnte. chen in einer letzten pazifistischen EvoluAus Liebe zu den neuen Strassen danke tion vor den Gästen verneigt hatten, wurStelle des Auswärtigen Amtes meldet, ist me umringten die englischen Gäste mit eiich Ihnen deshalb besonders, weil Ihr den diese in Autos zum Bahnhof gebracht, die Bildung der neuen Universum- Film- em festen Kordon, damit nur keiner verBesuch der Verständigung und dem Gesellschaft nunmehr gesichert. Durch die- suche, in engere Berührung mit der Beund dann ging es über Brüssel und OstFrieden diente." se Gründung ist ein Unternehmen von gros- völkerung zu kommen. Bei jeder Gelegenende der Heimat entgegen. Kein Zweifel: ser nationaler, politischer, wirtschaftlicherheit gab es ,, unter Teilnahme der führen- 225 englische Fachleute hörten sich das das Dritte Reich hat sich jenseits des Kaund kultureller Bedeutung geschaffen wor- den Persönlichkeiten der Partei, der Wehr- an. Hat wirklich keiner von ihnen gemerkt, nals wieder eine Reihe warmherziger macht und der staatlichen und kommuna- dass die Strassen, die der Friedensengel Freunde erobert, die in diesen vierzehn TaAuf Befehl der Obersten Heereslei- en Behörden" ein opulentes, die deutsche Dr. Todt vor dem wilden Mars beschützen gen dem Pulsschlag des deutschen Volkes tung trat Major Crau in den Aufsichts- Not eindrucksvoll widerlegendes Festmahl. wollte, zu Kriegszwecken errichtet wurden, ganz nahe waren... rat ein. Kaiserreich, Republik, Drittes Reich Grau ist niemals ausgeschieden." H. C I den. Die militärische Gegenrevolution wird. Auf diese Weise frisst die Seuche der nationalsozialistischen Rechtslite- der durch das Gesetz zur Wiederherhatte immer ihre Hand in der Ufa. ler Lüge in Europa immer weiter. ratur. Das Reichsgericht stützt sich stellung des Berufsbeamtentums TauIm Jahre 1927 erwarb Hugenberg die Stojadinowitsch und Göbbels nennen nur auf alte Vorurteile und zirka 70 sende aus dem Amt jagte, weil sie Ufa. Sie wurde ein wichtiger Teil des lieses Abkommen gegen die Wahrheit Reichsgerichtsräte im späten Mannes- Juden oder ihm politisch unbequem Hugenbergkonzerns, der seinem Wesen und gegen die Freiheit der öffentlichen alter, die in absehbarer Zeit zu den waren. nach eine einzige Verschwörung gegen Meinungsäusserung in Jugoslawien eine Akten gelegt sein werden. Dieser Staat hat die Rechtssicherdie Republik war. Heute rühmt der Lo-, Abrede auf Treu und Glauben", ein Das nationalsozialistische Publikum heit selbst aufgehoben. Er hat Anarkalanzeiger, das einstige Hauptorgan Gentlemen- Agreement." seinerseits gibt seine Stimme durch- chie in die Herzen seiner Untertanen des Hugenbergkonzerns: und aus dem NS- Rechtsspiegel, nicht dem gesät. Was wird er ernten? Reichsgericht. Wie sonst wären folgende Fälle zu erklären. Stojadinowitsch und Göbbels ,, Nach der Erwerbung der Ufa durch Treu und Glauben? Dr. Alfred Hugenberg und unter der Leitung von Generaldirektor Ludwig Klitzsch leistete die Ufa in der Systemzeit unschätzRechtsunsicherheit RG. Str. Bd. 71 S. 284-5 D 339/37 Der Angeklagte H. ist SA- Obertruppführer. Er vember 1936 in einer Gastwirtschaft auf Befehl seines Sturmbannführers, des Mitanbare nationale Kultur- und Propagandaar- Die Rechtsgestaltung in der hat in der Nacht vom 18. auf den 19. Nobeit." Für die Züchtung eines neuen militärischen Geistes in Deutschland hat die Ufa getan, was sie nur konnte haben. als Diktatur die Die blauen Augen g d Goga, der nicht nach Rumänien passt f n k nach g S li li Nun sitzen wir zu zweien vor Octavian Goga, dem Mann, der es sich zum Ziele gesetzt hat, den völkischen Gedanken in seinem Lande durchzuführen und sein Volk zu erneuern. Goga ist 57 Jahre alt, aber er wirkt mit seinem blonden Teint, mit seinen nach hinten gekämmten Haaren und seinem Tempérament viel jünger. Am erstaunlichsten aber sind seine hellblauen Augen, die so gar nicht nach Rumänien aussehen." Die ,, Münchner Neuesten Nachrichten" Schon die primitiven Menschen geklagten M., den Arbeiter W. F. festge- haben einen Sonderberichterstatter nommen, um ihn zur Polizei zu bringen... Bukarest geschickt, um den antisemitischen hatten, als sie sich Rechtsordnungen Der Tatrichter hat seine Annahme, M. ha- Ministerpräsidenten Goga zu besuchen. Alein Organ jener geheimen Regierungen, gaben, ein Gefühl dafür, dass das be bewusst rechtswidrig gehandelt, nicht so berichtet der Ausfrager: die in der Republik neben den verfas- Recht, wenn es diesen Namen verdie aus einer Untersuchung über den Umfang sungsmässigen Regierungen bestanden hen soll, vor allem kontinuierlich der Dienstbefugnisse eines SA- Führers absein muss. Recht ist, wonach man sich geleitet, sondern darauf gegründet, dass der Im Dritten Reich wurde Hugenberg richten kann, sagt ein altes deutsches Befehl mit der Stellung M. als SA- Führer beiseite geschoben der Mohr hat seiRechtssprichwort. Die Sicherheit al- nicht das geringste zu schaffen gehabt hane Schuldigkeit getan, der Mohr kann en Rechtes beruht auf len Rechtes beruht auf der Gleich- be, dass der Wille M. s vielmehr lediglich gehen. Goebbels nahm ihm die Ufa ab, mässigkeit seiner Anwendung. Um/ dahin gegangen sei, unter Missbrauch seidie neuen Herren bereicherten sich auch ner Stellung einer persönlichen Verärgediese zu gewährleisten, haben an seinem Konzern. Aber die Entwick- Menschen höchstrichterliche rung Luft zu machen." Insta- Der zweite Fall sei dem Zivilrecht lung ist ganz logisch: Von Ludendorff zen geschaffen und bestimmt, dass die entnommen. Das Reichsarbeitsgericht Wenn die blauen Augen Gogas so gar nicht und Hindenburg über Hugenberg zu unteren Gerichte an deren Rechtsaus- befasst sich in einem Urteil( Seufferts nach Rumänien aussehen, wie passt dann Archiv, Bd. 91 Heft 12 Nr 160) mit fol- sein Antisemitismus nach Rumänien, und Militärs, der Obersten Heeresleitung, der legung gebunden seien. Reichswehr und des neuen Generalstabs sich das Gefühl für die Stetigkeit der durch ein Zeitungsinserat Im Deutschland von heute beginnt gender Sache. Eine arische Firma hat wie will er es anstellen, dass alle schwarzVollblutruHandels- äugigen und schwarzlockigen mänen blonden Teint und blaue Augen beRechtsprechung in bedenklicher Wei- vertreter gesucht, die eine Winterjoppe kommen? se zu lockern. Dafür zeugt zum Bei- als Saisonschlager mitnehmen sollten. Sachlich berichtet der Ausfrager: spiel ein Notschrei des Reichsgerichts Der Kläger, ein Jude, meldete sich auf im neuesten Bande der amtlichen das Inserat und holte für die Beklagte das Inserat und holte für die Beklagte Sammlung in Strafsachen. Es heisst Aufträge im Gesamtwerte von 828 RM in R. G. Str. Bd. 71, S. 308 in einem herein. Urteil 5 D 514-37: Hitler und Goebbels. Und der Mann der war immer dabei. Das ist die Linie der deutschen Gegenrevolution. Terrorjustiz Führende Gewerkschafter Zuchthaus. verurteilt zialdemokraten nicht! Ein Pressefrieden Auf Kosten der Wahrheit dem ,, An seinem politischen Glaubensbekenntnis hält Goga fest, und dazu gehört als wichtigstes Nahziel auch ein Freundschaftspakt mit dem Deutschen Reich. Rumäniens Zukunft habe jedenfalls im Osten, von wo der Zerfall drohe, nichts zu suchen, sondern sei an das Bekenntnis zum Nationalismus gebunden." Carol wird sich freilich überlegen, ob er n d n B S A F j T a S F a k W d 7 น t F diesem n F n ,, Die Beklagte sandte ihm am 21. Sep,, Dass das gesunde Volksempfinden Strafe tember 1936 die Aufträge Aufträge zurück und fordert, reicht aber für sich allein nicht schrieb dazu, sie bedauere sie nicht ausWegen Hochverrat und versuchtem aus, eine Handlung zu bestrafen, die der führen zu können; gleichzeitig bat sie um Wiederaufbau der Gewerkschaften sind Gesetzgeber bisher bewusst nicht mit Stra- Rücksendung der Musterjoppe. Die Beklag- sich an Hitler mit Haut und Haaren vervon der Terrorjustiz des Dritten Rei- te bedroht hat. An dem erkennbar hervor- te hat eingewendet, nach einer ihr erteil- kaufen soll. Was man von ihm und Goga in getretenen Willen des Gesetzgebers, eine en Auskunft sei der Kläger Jude und ge- Deutschland erwartet, ist jedenfalls klar. ches verurteilt worden: solche Tat vorläufig noch nicht zu bestra- meiner Hetzer, deshalb könne ihr nicht zuHeinrich Schlimme: 3 Jahre Zucht- fen, ist der Richter gebunden". gemutet werden, die von ihm hereingehaus. Jakob Scharfsschwert 6 Jahre Nicht alle Deutschen aber sind mit brachten Aufträge auszuführen und dafür Moderner Regierungsstil dem Reichsgericht in diesem Punkte Provision zu zahlen. Der Kläger hätte ihr Aus Maracaibo( Venezuela) ist ein selteeiner Meinung. So steht zum Beispiel mitteilen müssen, dass er Jude sei. Seine nes Geburtstagsgeschenk für MinisterpräTrotz alledem! Sie brechen den Mut in der neuesten Nummer des„ NS.- Eigenschaft als Hetzer ergebe sich daraus, sident Generaloberst Göring eingetroffen. der deutschen Gewerkschafter und So- Rechtsspiegel" zu lesen: dass er im November 1933 wegen Lügen- Kapitän Winand, der Kommandant des Ha„ Oft genug kann man in den Urteilen der und Greuelpropaganda zu einer Freiheits- pag- Dampfers„ Alemania", der den InterObergerichte den Satz lesen, dass die Ge- strafe verurteilt worden sei. Auch diese kolonialdienst der Hamburg- Amerika- Linie Strafe hätte er mitteilen müssen." in Mittelamerika- Westindien versieht, hat richte lediglich das bestehende Recht anIn beiden Fällen hat das Reichsge- dem Reichsjägermeister eine Tigerkatze zuwenden haben", dass es nicht ihre Aufgabe sei, dem Gesetzgeber vorzugrei- richt das Publikum zurückgepfiffen. übersandt. Es handelt sich bei fen", dass ,, eine zuweitgehende Berück- Es hat angeordnet, dass der Ober- schönen Tier um eine der in den südamesichtigung rechtspolitischer Bestrebungen truppführer bestraft werde. Es hat rikanischen Tropen lebenden Pardelkatzen. Als Frucht des Besuches von Stojadi- lie Rechtssicherheit gefährden müsse", verfügt, dass die arische Firma dem( Deutsches Nachrichtenbüro.) nowitsch in Berlin ist eine Presseverein- der auch, dass der Gesetzgeber eine sol- fuden bezahlen müsse. Von barung zwischen dem jugoslawischen he Regelung längst getroffen hätte, wenn rechtsgestaltenden Vorgehen des Regierungen, die nicht lägen Pressechef und Göbbels abgeschlossen Eine Be- Obertruppführers und der arischen Vor einigen Tagen sprach im British and worden. Der Sinn der Vereinbarung ist, cher Rechtsgedanken wird auch nie die Firma hat es nichts wissen wollen. North American Luncheon Club in London dass die jugoslawische Presse in Zu- Rechtssicherheit gefährden können, denn Wie lange noch? Das Reichsgericht Mr. John S. Steele, Chef des Londoner Bükunft keine Kritik mehr am Dritten inter Rechtssicherheit verstehen wir heute übersieht, dass die Quelle der Rechts- ros der„, Chicago Tribüne", über die ErReich und an den politischen Schiebun- tie Verwirklichung der Gerechtigkeit.. unsicherheit der Staat in eigener Per- fahrungen, die er als welterfahrener Jourgen von Stojadinowitsch mit den Macht- Die Behauptung, dass der Gesetzgeber son ist, der Staat, der es wünschte, nalist mit den Behörden in den verschiehabern des Dritten Reiches üben darf. selbst die Regelung treffen würde, wenn dass Menschen zum Tode denen Ländern Europas gemacht hat. Daverurteilt r sie in diesem Sinne getroffen wünsche, werden nach einem Gesetz, das zur ich mit britischen Regierungsstellen zu tun bei sagte er: ,, In all den Jahren, in denen In amtlicher Sprache heisst das: ist deshalb wenig durchschlagend, weil er Zeit der Begehung ihrer Tat noch hatte, ist mir nicht ein einziger Fall vor,, Insbesondere war man sich darüber ei- eben die Fülle der auftauchenden Fragen nicht bestand( Lubbe- Prozess), der gekommen, in dem ein Beamter gelogen eieben nig, dass die beiderseitige Presse gemäss nicht auf einmal regeln kann. Aber Staat, der die Analogie in sein Straf- hätte. Allerdings sind sie manchmal mit dem Geiste des deutschjugoslawischen Ver- auch da, wo er ein Gesetz erlassen hat, hältnisses es vermeiden solle, Nachrichten wird er nicht alle in der Vielgestaltigkeit recht einführte, der Staat, der Jahr- der Wahrheit zurückhaltend, wie es nicht oder Artikel zu veröffentlichen, die die des Lebens auftauchenden Fälle voraus- zehnte bestehende Mischehen anfech- anders sein kann. Ich kann dasselbe von guten Beziehungen der beiden Staaten zu sehen und erfassen können!" sagen, ten liess, weil sich der arische Eheteil einigen nördlichen Staaten stören geeignet sind." Das ist das genaue Gegenteil von angeblich über die Bedeutung der ras- skandinavischen usw., aber leider hört es Wie es mit der Innehaltung der Ge- dem, was das Reichsgericht unter sischen Eigenschaft des anderen ge- nen, aber es gibt, wie ich glaube, einige genseitigkeit durch das Reichspropa- Rechtssicherheit verstanden wissen täuscht habe, der Staat, der Länder, in denen die Diplomaten das, was gandaministerium steht, ist hinlänglich will. Der NS- Rechtsspiegel hat Franck ,, marxistische" Vermögen beschlag- nicht ist, dem vorziehen, was ist, und wenn bekannt. Hauptsache ist, dass die jugo- auf seiner Seite und den Strafgesetz- nahmte, weil seine Träger eine politi- sie einmal doch zufälligerweise die Wahrslawische Oppositionspresse geknebelt entwurf sowie den wesentlichen Teil sche Ueberzeugung hatten, der Staat, heit sagen, glaubt ihnen kein Mensch." er sie tatsächlich wünsche"... Eine Beücksichtigung neuer nationalsozialistidas i den 1 da auch auf. Ich will keinen Namen nent Vor zwanzig Jahren Bekenntnis eines deutschen Richters Der Januarstreik 1918 Der Zufall will es, dass der fünfte Jahrestag der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler ziemlich genau mit einem anderen Gedenktag der deutschen Geschichte zusammenfällt, nämlich mit dem zwanzigsten Jahrestag des grossen Metallarbeiterstreiks, der im Januar 1918, mitten während des Krieges, die Welt überraschte. Dieser Streik ist in mehr als einer Beziehung interessant: er spielt in der inneren Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung eine bedeut same Rolle, und er hat noch im Jahre 1924 ein gerichtliches Nachspiel gehabt, das da zu beitrug, den Tod Friedrich Eberts zu beschleunigen. nes Plaidoyer für seinesgleichen unserer Wir sind keine Helden Wir geben den beiliegenden tenschaft zugeführt: ,, Man fühlte hier| cher nationalsozialistischen Amtsstellen Bericht über das Gespräch eines genau, dass die Kunst der Massenbe- entdecke. Am wenigsten aber könne er Mitarbeiter mit einem handlung, die die Diktatur meisterhaft sich an die uniformierten Delegationen hohen Gerichtsbeamten wieder, beherrscht, auf einer tiefen Massenver- bei allen Prozessen gewöhnen, die auch weil es einen. bemerkenswerten streiften. achtung beruht. Das waren für uns ver- nur entfernt das Politische Einblick in die seelische Verwandte Töne. Wir in der Strafjustiz be- Und dann die jüngeren Richter! Ein fassung ,, deutschen Rechtswahwahrer" erlaubt. Die Schlussfol- gegnen täglich der Masse Mensch und Stosseufzer kam aus einer sichtbar eingerung über die geistige Korrup- lernen schon sehr früh, bereits von der geengten Brust: viele seien Ueberwation dieser Männer, denen ihre Referendarzeit her, sie zu verachten. chungsorgane; man müsse mit jedem Erniedrigung im Dritten Reich Massenverachtung ist aber die propa- Wort vorsichtig sein... nur zu einem Teil bewusst ist, gandistische Basis des Nationalsozialis- Eine besonders interessante Nuance bleibt dem Leser überlassen. mus. Wir Richter wissen genau so gut dieses Bekenntnisses war die richterliFerienaufenthaltes im Beder anderen Seite Dittmann, Haase unde vorwitzige Frage: warum sich die gleich herausstellte, eine empfindliche sen worden. So nähmen manche ProzesLedebour mit angehörten. دو unverschwinden...Wir Aelteren sind eben nicht immer zuverlässig und für manche Leute unheilbar liberalistisch." Die Selbstironie war etwas missglückt. Man spürte bittere Erlebnisse zwischen den Worten. Was aber heute das weitaus Interessan teste an dem damaligen Riesenstreik ist das ist die Tatsache, dass er überhaup Es war ein recht soignierter Herr, der wie die obere Führerschaft, welch sug- che Angst vor den Gerichtsberichterstatausbrechen konnte. Ich verrate kein Ge Herr Landgerichtsdirektor aus dem gestive Kräfte man zur Beeinflussung tern des 3. Reiches. Früher habe man, heimnis, wenn ich sage, dass in der mehr deutschen Westen. Warum sprach er der Seelen anwenden kann, wenn man wenn es sich um Berichterstatter von heitssozialdemokratischen Partei von da sich mit mir, der flüchtigen Bekannt- leidlich geschickt ist. Was bei uns das Qualität handelte, die Feder gefürchtet. mals noch wenige Wochen vorher niemand schaft in einer Gesellschaft in Paris, of-„ Geständnis" ist, das ist heute in der Heute erheischten die Sterne und die eine solche Entwicklung für möglich ge fener aus, als es Deutsche während ei- deutschen Politik die widerspruchslose Litzen der Leute von der Presse Respekt halten hatte. Es ist ebenso wenig ein Geener der Auslande Zustimmung Massendemonstra- und vor allem Vorsicht. Vor einem halheimnis, dass jener Riesenstreik nicht vor ben Jahre sei ihm folgendes passiert: der mehrheitssozialdemokratischen Partei heute zu tun pflegen? Vielleicht hatte tion. ,, Was sollten wir tun?".. auf Veranlassung eines Gerichtsberichtvorbereitet wurde, sondern dass er gegen hn die Atmosphäre eines freien Landes ihren Willen ausgebrochen ist. Erst der angeregt; vielleicht war es ein Versuch, Mein Einwand war, ob man die deut- erstatters sei ein bereits spruchreifes Verfahren, in das ein Parteigenosse verDruck der sozialdemokratischen Arbeiter len Wunschtraum eines unbewachten schen Richter nicht selber in den grosmassen, die im Streik standen und von ih Meinungsaustausches zu verwirklichen, sen Massentopf geworfen und in wickelt gewesen sei, dem Gericht entzorem Parteivorstand eine aktive Beteiligung he er zurückmusste ins Dritte Reich. ehlsempfänger der Partei- Exekutive ver- gen und der Entscheidung der Parteiverlangten, führte Ebert, Scheidemann und Das Gespräch kam in Gang durch ei- wandelt habe. Ich hatte damit, wie sich instanz auf höhere Anordnung überwieOtto Braun in das Streikkomitee, dem von se plötzlich ein Ende, um in leutschen Richter, unter ihnen Männer Stelle getroffen. Mein Gesprächspartner kontrollierbarem SpezialgerichtsverfahUeber die innere Haltung der damaligen mit hohen Geistesgaben und bisher un- sagte etwas gepresst: ,, Was sollten wir USP bin ich weniger gut unterrichtet, doch estechlichem Gerechtigkeitswillen, in tun? Unsere Existenz preisgeben? Nein, ren der Partei in München, in Berlin werde ich kaum Widerspruch erfahren, lie Front der„, nationalsozialistischen heroisch sind wir nicht veranlagt, mit oder in der Gau- Hauptstadt weitergewenn ich sage, dass der Streik ihr ebenso Rechtswahrer" ohne erkennbaren Wi- Familie und wohnlichem Hause, mit KinWi- Familie und wohnlichem Hause, mit Kin- führt zu werden oder völlig zu überraschend wie uns- wenn auch viel lerspruch eingeordnet hätten. Warum dern bei der Hitler- Jugend und beim leicht nicht ebenso unwillkommen aus- ie sich befehlen liessen, Führer und Bund Deutscher Mädels. Alle fügten gebrochen ist. Der Streik hat zu kurz ge- Partei und einer Formulierung von sich viele, bei weitem nicht die Mehrdauert, als dass er für die Materialversorgung der Armee eine entscheidende Rolle Volk" zu dienen unter Ausschaltung zahl, mit Zähneknirschen. Manchmal hätte spielen können überhaupt war die ler eigenen Verantwortlichkeit und un- bricht der Groll hervor, wenn man ,, unPersönlichkeits- ter sich" ist, im Beratungszimmer, wenn Rohstoffrage viel wichtiger als der Grad er Missachtung der der Arbeitsbereitschaft bei seinem Aus- echte, deren Anerkennung bisher für man sich wieder einmal umstellen muss, Rassische Groteske bruch konnte aber niemand übersehen, wie sie Gesetz und Pflicht gewesen sei. um einem neuen Dekret zu genügen. lange er dauern und welche Wirkungen er Das schlimmste für uns ist, dass die Der Schluss unserer Unterhaltung, die haben würde. Hang zu Abenteuern mit un- Machtzauber und Menschenverachtung Grundlage des Urteils nicht mehr das zu zwei Dritteln der rheinische Richter berechenbarem Ausgang hat niemals zu den Die Antwort war überraschend. Wer Gesetz, sondern das gesunde Volks- bestritt, befasste sich mit der JudenfraCharaktereigenschaften führender deutsolche Fragen stelle, der verkenne, dass empfinden" sein soll. Eine so vage For- ge. Er wollte wissen, ob man sich wegen scher Sozialdemokraten gehört, gleich viel ler deutsche Intellektuelle im Amte und mel widerspricht der Rechtsauffas- der Absetzung der nichtarischen Richin welchem Richtungslager sie damals ge nicht zum wenigsten der deutsche Rich- sung und der juristischen Schulung von ter und der Entfernung der jüdischen standen haben mögen. Ich glaube also auch Anwälte im Auslande allmählich beruvon den meisten Genossen, die damals im ter unpolitisch" seien. Die Herkunft, Generationen. Besonders wir Aelteren vom die Standestradition, die Ochsentour ei- müssen uns fortwährend prüfen, ob unhigt habe. Ein Philosemit war er erUSP- Lager standen, nicht, dass sie Ausbruch jenes Streikes entzückt gewesen ner mühselig erkämpften Karriere hätSpruch dieses„ Volksempfinden" sichtlich nicht. Ich bekannte meine Aben bei der grossen Mehrheit der deut- präsentiert, das wir durch Gesinnung neigung gegen die Rassentheorie und Sozialpolitisch war durch Arbeitsgemein- schen Juristen lange vor schaft und Burgfrieden allen Streiks vor- Schätzung der freiheitlichen Werte in nicht wirklich kennen. Man hat uns Hitler die und Tradition garnicht haben und gar- meine Zweifel an ihrer Richtigkeit. Er verteidigte sie, immerhin etwas lahm, gebaut. Unternehmer und Gewerkschaften der politischen, beruflichen und privaArbeitsbeeinigten sich über Löhne und eine grössere Selbständigkeit in wobei er Anekdoten aus der Praxis zum ten Sphäre geschwächt. Der deutsche der Auslegung gegeben, aber innerlich versöhnlichen Ende des Gespräches dingungen schiedlich- friedlich, wo keine Einigung zustandekam, entschieden die Be- Richter war immer ,, rechts", mehr noch zufrieden sind wir damit nicht. Wenn dreingab. Eine darf man wiedergeben, hörden. Die Gewerkschaften wären die im psychologischen als im politischen es nicht anders geht, so entlassen wir mit dem gebotenen Schleier über Ort Jetzten gewesen, die einen Munitionsarbei- Sinne. Er erlag, wie die Menschen in anuns einfach selber aus der Verantwort- und Zeit: terstreik gewünscht hätten. deren sozialen Schichten, der nationalsolichkeit und ziehen uns bei unseren Auf ganz Deutschland lag die schwere zialistischen Faszination. Das„ Natio- Entscheidungen formalistisch auf den rer, Reichsminister Dr. Frank, hat beHand der Militärdiktatur. Zwar war sie nale" habe, so sagte mein Gegenüber Willen irgendeiner Partei- Instanz zu- kanntlich den deutschen Richtern jede im Verhältnis zu den heutigen Zuständen wörtlich, bei uns viel stärker gewirkt rück. So kürzlich besonders drastisch Berufung auf die zahlreichen Gesetzesimmer noch milde und human, immerhin als das„ Sozialistische" kommentare jüdischer Autoren verbowar aber die Schutzhaft schon damals in Hamburg. Hier klagte ein Jude genicht unbekannt, und ausserdem hatten die Ernst keiner geglaubt habe. gen seinen arischen Teilhaber, der ihn ten. Befehlsgemäss sind sie den SäubeMilitärs gegenüber den Munitionsarbeitern stärkste Impuls sei von der Idee der widerrechtlich aus der Gesellschaft her- rungsaktionen in den Gerichtsbibliothenoch ein anderes Druckmittel in der Hand, Macht und ihrer rücksichtslosen Aus- ausgedrängt hatte. Der Fall lag mora- ken zum Opfer gefallen. Aber manchdas die Nazi von heute, sicher sehr zu ih- übung ausgegangen. lisch wie juristisch klar. Der Richter mal geht es nicht ohne sie, vor alrem Leidwesen, noch nicht anwenden kön- Meine Frage lautete, wie das zu ver- erkannte gegen den Juden mit der Be- lem, wenn es in einem Spezialfall nichts nen, nämlich die Einziehung zum Front- stehen sei. In den Kreisen der deut- gründung, dass die Forderung des Gau- Arisches" gibt. So sei es denn jüngst schen Richter, so wurde ich belehrt, be- leiters über die Zurückdrängung des jü- vorgekommen, dass ein LandgerichtsWie also ist der Streik überhaupt ent- deute der Umstand, Macht zu haben und dischen Einflusses in der deutschen präsident im deutschen Westen einen Wer schlug den Stahl an den Wirtschaft Stein und liess den Funken springen, der sie einzusetzen, mehr als in irgendeiner für die Entscheidung des Boten zu einem älteren noch praktizieandern Gruppe von Staatsbeamten, renden jüdischen Anwalt geschickt haerst in ganz Berlin, dann auch in vielen Gerichtes massgebend sei. Exekube, um ein bestimmtes Standardwerk anderen Industriestädten das Feuer jäh wenn man vielleicht von der auflodern liess? tive absehe. Sie sei von einer autoritäeinwandfrei jüdischer Herkunft zu erbitten. Die darin begründete Entscheidung waren die sogennanten ,, revolutio- ren Rechtspflege, welcher Staatsform nären Obleute", von denen einer, Richard sie auch diene, untrennbar. Für uns Mein Gegenüber wurde vertraulicher. habe bald darauf einem wichtigen richMüller, bei den späteren revolutionären Richter habe die deutsche Republik ihr Oft komme es vor, dass man in den terlichen Spruch der zuständigen KamEreignissen in den Vordergrund getreten inneres Ansehen verloren, als ihr Man- Akten parteiamtliche Leumundszeugnis- mer zugrunde gelegen. Hier aber sei ste ist. Diese revolutionären Obleute standen in der USP auf dem linken Flügel, sie hat- gel an Machtwillen evident gewesen sei, se über Zeugen oder Angeklagte finde. zum Bestandteil germanischer RechtsSie seien in zahlreichen Fällen schon auffassung geworden, belegt durch Ziten bestimmt nicht die ganze Partei für gerade auch uns Richtern gegenüber. sich, später bald, wie sich zeigte, den grösEine weitere Tatsache mein Ge- ,, vorbearbeitet": das heisst, dass Staats- tierung arischer Juristen, die in den seren Teil gegen sich. Und die ganze USP genüber machte ein malitiöses Gesicht anwalt oder Untersuchungsrichter be- Jahren der Republik der Meinung ihres war, wie sich ein Jahr darauf bei den Wah- habe der Hitler- Bewegung lange vor reits nach parteipolitischen Gesichts- minderrassigen Kollegen bedenkenlos len zur Nationalversammlung ergab, damals der Machtergreifung viele Anhänger aus punkten ihre Meinung niedergelegt hät- beigetreten seien. noch eine kleine Partei. sind. K f g 4 7 n T IR 1er is n ). 1. D. dienst. standen? Das FO 08 is 1 er SITITS tie und n S≫ II aast aSst 0le d man das im Aber der ser zwar Im Streckbett der Partei den Kreisen der höheren Justizbeam- ten, wobei man die Spuren irgendwelalle Der Führer der deutschen RechtswahDie Wissenden lächelten H. F. Stampfer Braune Flieger in Spanien Gegenüber der Militärdiktatur, dem Block der bürgerlichen Parteien, den Gewerkschaften, der Mehrheitssozialdemokrawahrscheinlich auch der rengebärde der deutschen Generale in glückliche Ergebnisse haben konnte oder den, der zu beobachten versteht, Geduld Vertretern zu Mehrheit der eigenen Partei schienen die Brest- Litowsk gegenüber den schlimmen Dingen zu führen drohte. hat und im rechten Augenblick zu handeln. revolutionären Obleute also eine zu ver- der jungen russischen Revolution hatte in Was uns an ihm heute interessiert, das ist weiss! nachlässigende Grösse nahe der Null, ein ler Arbeiterschaft starke Empörung her- die gewissermassen naturgeschichtliche Befast komisch anmutendes Häuflein Ohn- vorgerufen. Es kam der Proteststreik in obachtung, dass durch den Druck der Milimacht. Ihnen fehlten dabei auch das Wien, der von der dortigen nicht mehr tärdiktatur und der Lebensmittelnot darf heute ruhig ausgesprochen werden ganz auf preussisches Durchhalten einge- Voraussetzungen für ihn geschaffen waren, durchaus die persönlichen Eigenschaften. stellten Regierung vielleicht gar nicht so sodass es nur einer winzigen Kraft be- Die spanischen Regierungstruppen hadie den Mangel der Quantität durch einen ungern gesehen wurde jedenfalls sind durfte, um ihn in Bewegung zu setzen. Der ben im Monat Dezember Ueberschuss an Qualität hätten ersetzen die Wiener im Januar 1918 den Berlinern Streik war auf einmal da als eine unge- deutschen Flieger abgeschossen und können. Im späteren Spiel der Revolution ebenso vorangegangen wie im März 1848- heuere Ueberraschung gleichviel ob als haben sie sich als mässige und nicht ein und als der Vorwärts" wegen eines Be- peinliche oder als erfreuliche ganz fangengenommen: dieses Ueber- Hans von Kessel, Rolf Pirner, Heinz mal immer sehr mutige Akteure gezeigt richtes über Wien von der Militärzensur plötzlich war er da! Und Und trotzdem, und trotzalledem, der Streik für ein paar Tage verboten wurde, war raschungsmässige, dieses Plötzlich- Un- Böttcher, Johannes Remling, Bruno Thielwar mit einemmal da! wahrscheinliche an ihm, das wir damals, bein, Walther Sehls, Georg Kohl, Hans SeiJahrelanger Gesinnungsdruck, seelische Uns interessiert heute, im Zusammen- je nach unserer Einstellung zu den Kriegster, Hermann Schmidt, Leo Siegmund, Otto Ueberspannung, körperliche Unterernäh- hang mit den Ereignissen der Gegenwart problemen, sehr verschieden beurteilten, rung hatten den Boden geschaffen, der für sehr wenig die Frage, ob jener Streik ,, ver- ist es, das heute auf uns alle als eine starke Polenz, Heinz Meyer, Hans Weber und den Ausbruch günstig war. Die Diktato- nünftig" war oder unvernünftig", ob er Ermutigung wirkt. Nichts ist verloren für Karlowski. 37 kein Halten mehr. die folgenden ge au& ö&eutj�Uutd Wie sie seil leben Markensctaviindel mil Vieli Aus Berlin wird uns geschrieben:» Seit Monaten schon sind Gestapo und Kriminalpolizei in intensiver Arbeit bemüht, die beim Viehwirtschaftsverband Kurmark, Berlin, Eldenaerstr., aufgedeckten Schiebungen und Fälschungen aufzuklären. Da es sich bei den in diese Affäre Verwickelten ausschliesslich um Mitglieder der S. S., Zumindestens aber der Partei handelt und alle bemüht sind, dicht zu hallen, damit nichts an die Oeffentlichkeit komme, bedurfte es einer gewaltigen Arbeit, um in diesen Saustall der Nazikorruption Licht zu bringen. An der Spitze dieses Viehwirtschaftsverbandes, dessen Aufgabe es ist, dafür zu sorgen, dass das auf dem Hof eintreffende Vieh den Schlächtern in gesetzlicher Weise, d. h. gegen Marken, zugeführt wird, stehen die Herren Hübner und Dr. Osterkamp. Da beide stramme Nazis sind, sorgten sie dafür, dass beim Viehwirtschaftsverband ausschliesslich S. S. Leute und Nazis eingestellt wurden. Dieses Markensystem, das auf Grund der herrschenden Fleischknappheit eingeführt werden musste, benutzten die Angestellten und Vorsitzende dieses Verbandes dazu, sich einen hohen Neben- verdienl zu verschaffen. Etwa um die Jahreswende 1936-37 wurde beim Viehwirtschaftsverband die Feststellung gemacht, dass sich eine bedeutend höhere Zahl von Marken im Umlauf befanden als dies auf Grund der an die Fleischer ausgegebenen und eingetragenen Marken der Fall sein durfte. Die zunächst in aller Stille geführte Untersuchung blieb erfolglos. Im Frühjahr des verflossenen Jahres wurden dann, zum Erstaunen aller anwesenden Schlächter 17 Mitglieder des In- nuungsvorsfandes der Fleischerinnung auf dem Schlachthof verhaftet und abgeführt. Und zwar wurden die 17 beschuldigt, miti Marken und Fleisch geschoben zu haben. Am nächsten Tage jedoch trafen die 17 wieder auf dem Schlachthof ein. Da alle Mitglieder der allmächtigen Nazipartei waren, wurde die Angelegenheit vertuscht. Obwohl ein Teil dieser 17 Mitglieder, darunter der Obermeister Jakob Kraijer, abgesetzt und durch neue. ersetzt wurden, gingen die Schiebungen im selben. Umfange weiter Nach etwa 3 Monaten wurde auch hier wieder gesäubert, weil die Macheschaften in die Oeffentlichkeit gedrungen waren und der neu ernannte Obermeister, Hans Brandt, der erst 35 Jährchen zählte und nur Obermeister geworden war, weil er zur alten Garde gehörte,, sonst aber vollkommen unfähig war, diesen Posten zu bekleiden, wurde seines Postens enthoben. Zur Verteilung und Klassifizierung des Fleisches wurden sogenannte Marktbeauftragte eingesetzt. Unter diesen Marktbeauftragten, die das Fleisch in die einzelnen Qualitäten einzuteilen hatten, befand sich nicht einer, der vom Fleischerhandwerk eine Ahnung hatte. Hierzu wurden nur alte Kämpfer eingestellt, alles Leute, die wohl Fleisch essen konnten, aber niemals die Qualität eines Tieres oder des Fleisches festzustellen in der Lage waren, was nur von Fachleuten geschehen kann. Auf Grund ihrer Unkenntnis kam es nicht seifen vor, dass sie Fleisch, das nach fachmännischem Urteil zur ersten Qualität gehörte, in die dritte Qualität einreihten, und umgekehrt. Das gute Qualitätsfleisch wurde von diesen Marktbeauftragten nur an Leute abgegeben, die entweder ihre Freunde waren oder von denen sie sich Bestechungsgeldcr zahlen Messen. Einer dieser Marktbeauftragten war der Assessor Worms. Worms wurde als Marktbeauftragter eingestellt, gleichzeitig wurde ihm die Untersuchung dieser dunklen Affäre übertragen. In dieser seiner Stellung nun übte Worms eine doppelte Funktion aus, einmal schob er mit Marken, dann aber führte er die Untersuchung dieser dunklen Affäre. Diese Doppelstcllung Tonnte natürlich nur ein waschechter Nazi bekleiden. Im Laufe dieser Untersuchung, die nun auch von der Gestapo und der Kriminalpolizei geführt wurde, wurden folgende Mnrktbcauftragte verhaftet: Wackernapel. Chef der Marktbeauftragten, ferner seine Mitarbeiter Muchow, von Brezinski, Zellenleiter der Betriebszelle Viehwirtschaftsverband Kurmark, Maes, Stürmer und noch viele andere. Diese Verhafteten gehörten zum grössten Teil zur alten Garde der NSDAP. NehiltsEengrabenvolk Deutscliland, da« ps;i cliolo�iselie Räl«el Wie ist es möglich, dass sich das deutsche Volk scheinbar willig und ohne Zeichen des Widerspruchs einer Regierung fügt, die doch zweifellos intellektuell und moralisch unter seinem eigenen Durchschnitt steht? Ueber diese Frage ist in Büchern und Artikeln viel philosophiert, worden. Vielleicht aber ist es ein ungenannter illegaler Kämpfer aus der Arbeiterschaft, der aus seiner eigenen Erfahrung heraus eine bessere Antwort weiss als viele aussen- stehende Beobachter. Dieser Illegale führt in den„Deutschland-Berichten" der Sozialdemokratischen Partei folgendes aus: „Die intelligenten Arbeiter sagen:„Ihr tut den Arbeitern Unrecht, wenn Ihr glaubt, sie sind mit dem System zufrieden". Sie sind noch immer Gegner des Regimes, gegenwärtig vielleicht oft überzeugter als in den ersten Jahren nach dem Umsturz. „Aber was sollen und können wir jetzt tun?" Die Arbeiter kennen nur den Kampf um den Arbeitsplatz, um dem Gespenst der Arbeitslosigkeit solange als möglich zu entgehen, da sie wissen, dass die Arbeitslosigkeit heute noch ein viel schlimmeres Los| ist als vor 1933. Damals halte sie das Elend der Arbeitslosigkeit dazu verleitet, dem Weg Gregor Strassers und Hitlers zu folgen. Inzwischen haben sie das Allheilmittel Hitlers kennengelernt: Beschäftigung in der Rüstungsindustrie, bei den Autobahnen und Luxusbauten der nationalsc�ialisli- schen Bewegung. Der Unternehmer ist noch mehr Herr im Hause als früher. Der Reallohn ist niedriger geworden, die Dividende des Unternehmers aber höher. Die ganze Wirtschaftsführung ist ein Teil des Macht- J apparates des Systems geworden. Diese Entwicklung ist auch der Masse der Arbeiterschaft klar geworden. Wenn sie sich trotzdem für die„Kraft durch Freude"- Veranstaltungen, für Reisen und Kamerad- j schaftsabcnde und alle übrigen Ablenkungen einnehmen lässt, so besagt das für ihre Gesamteinstellung wenig. Sie will und sie braucht die Ablenkung, weil ohne diese Ablenkung das Leben noch schwerer zu ertragen wäre. Sie bemüht sich auch selbst um die Ausgestaltung dieser Veranstaltungen, weil es andere Möglichkeiten der Betätigung nicht gibt, ohne mit dem Machtapparat in Konflikt zu geraten. So wie sich der Soldat im Schützengraben häuslich eingerichtet hat, um dieses Leben nach Möglichkeit erträglich zu machen, so muss auch die jetzige Hallung der deutschen Arbeiterschaft verstanden werden. Die geringen Betätigungsmöglichkeiten, die das jetzige System der Arbeiterschaft lässt zur Erleichterung ihrer Lage, sind die Schützengraben-Annehmlichkeiten der faschistischen Diktatur, deren sich alle Arbeiter bedienen, deren Lebenssinn auf den Tag gerichtet ist. Eine solche Einstellung der Arbeiterschaft ist keine spezifisch deutsche Eigenart, sondern die logische Folge eines jeden Diktaturregimes." Zweifellos ist an dieser Beobachtung viel Richtiges. Die deutschen Massen befinden sich in einem seelischen Schützengrabenzustand. Sie sind immer noch in politischen und anderen Dingen sehr verschiedener Ansicht, aber ein eiserner Druck und der Wille zur Kameradschaft hält sie zusammen. Schliesslich muss aber auch einmal der Tag kommen, an dem das Volk zu dem Zivilzustand zurückkehren wird, und dieser Tag wird dann für Deutschland sehr grosse Veränderungen bringen. hingen gegen die oben genannten Nazischieber statt. Wir werden nach Beendigung des Prozesses auf die Angelegenheit zurückkommen. Die Berliner Fleischer sind gespannt, was aus dem Prozess gegen diese„Schweinewirtschaft" werden wird, da einflussreiche Faktoren eifrig bemüht sind, die ganze Angelegenheit zu vertuschen. Anlässig der Untersuchung ist nun noch bekannt worden, dass man von gewissen Seiten ganze Waggonladungen Fleisch und Tausende von Konservenbüchsen sowie Schmalz und Speck verschoben hatte. In Kürze finden in Berlin die Verhand- Raubxusr auf �forbeka«seii Aus Hindenburg wird uns geschrieben: Seit Monaten ist die Arbeitsfront im oberschlesischen Industriegebiet bemüht, die Belriebssterbekasscn unter ihre Leitung zu bringen. Alle Methoden werden in Anwendung gebracht, um die Belegschaft zu betrügen. Kommt eine Belegschaftsversammlung infolge Beschlussunfähigkeit nicht zustande, so erklären Vetrauensrat und Kreisleitung der Arbeitsfront, dass die Mitgliedschaft schweigend den Beschlüssen der Arbeitsfront beistimme. Die nächste Folge ist, dass die früheren"Beiträge aus dem Umlageverfahren in ständige Monatsbeiträge umgewandelt werden, von denen aber nur 50 Prozent in der Kasse verbleiben. während die sogenannten Ueberschüs- se zu Staatsanleihen oder für das Winterhilfswerk verbraucht werden. Die Kreisleitung Hindenburg der Arbeitsfront zum Beispiel lässt auf verschiedenen Zechen ihre Vertraucnsräte erklären, dass dieses oder jenes Werk bereits die Angliederung ihrer Sterbekasse an die Arbeitsfront vollzogen habe und dass die Ablehnung einfach als eine staatsfeindliche Haltung angesehen werden müsse. Trotzdem ist es der Belegschaft verschiedener Gruben anlagen gelungen, die Angliederung zu verhindern. Sind in den Sterbekassen keine Reserven vorhanden, so gibt auch die Arbeitsfront den Kampf auf, wo aber Reserven vorhanden sind, wird die Angliederung einfach durch Beschluss der Kreisleitung durchgeführt und die Beiträge werden dann einfach erhöht. Dieses Betrussmanöver sollte auch bei der Preussag. in Hindenburg auf den Anlagen Delbrück- und Guidoschacht durchgeführt werden. Der Gesamtvertrauensrat der Preussag berief für den 9. Januar 1938 eine Belegschaftsversammlung aller Anlagen nach der Guidogrube ein. Etwa 2000 Arbeiter von 3 500 erschienen. Als der Vertrauensrat Furieh die Belegschaftsver- sammlung eröffnete und dem Kreisleiler Ring-Hindenburg das Wort erteilen wollte, der über die Angliederung referieren soll- 'e. Hess man Ring nicht zu Worte kommen. Die Arbeiter riefen;„Heraus mit ihm", .Schwindler, Gauner, Betrüger". Die Vertrauensräte am Vorstandstisch waren -prachlos. Auf diese Ueberraschung waren sie nicht vorbeseitet. Ein alter Pg. Zajons aus der Belegschaft ergriff das Wort, ermahnte zur Ruhe und erklärte, dass Ring nicht sprechen dürfe, weil er ja nicht Mitglied der Belegschaft sei. Man habe erfahren, dass die Arbeitsfront die Sterbekas- enreserven der Preussag, die 120 000 Mark betragen, beschlagnahmen wollte, und sie »hne Zustimmung der Belegschaft zu verwenden, das lasse sich die Belegschaft licht gefallen. Als Kreisleiter Ring Miene | machte, zu reden,- erhob sich ein Sturm,] sodass er sein Vorhaben aufgab. Ein Gaulcillcr der Arbeitsfront aus l Breslau, Pg. März, erbat das Wort und erklärte, dass er das Verhalten der Belegschaft nicht begreife, hier schienen Missverständnisse vorzuliegen, deshalb schlage er vor, dass die Belegschaft auf Fragebogen selbst zur Angliederung Stellung nehmen solle. Man Hess den Gauleiter März | aussprechen, als aber der Kreisleiter Ring Idas Wort ergreifen wollte, setzte wieder j ein Sturm der Belegschaft ein und der'Vertrauensrat Furich verlor die Nerven und beschimpfte die Belegschaft als Kommunisten, die man zur Ordnung bringen werde. Man rief die Werkschnron heran— in OS .'bilden sie zugleich den sogenannten Grenzschutz—, die die„Rädelsführer" aus .dem Zechenhaus entfernen sollten. Der 'Grenzschutzleiter Broja wollte auch an einige Leute herantreten, aber da erhoben j'die Anwesenden so heftigen Prolest, dass die Werkscharen sich still verhielten und Broja selbst rührte sich nicht mehr vom Platz. Gauleiter März übersah die Situation und Hess die Versammlung einfach schlies- sen. Die Ereignisse wickelten sich so rasch ab, dass der ganze Vorgang kaum 30 Minuten dauerte. Als die Versammlung geschlossen wurde, lief die Belegschaft nicht auseinander, weil man verhindern wollte, dass der Gesamt- verlrauensral der Preussag über die Köpfe der Belegschaft hinaus irgendwelche Beschlüsse fasse. Von Mund zu Mund wurde beschlossen, die Fragebogen, die der Gauleiter März zur Angliederung vorgeschlagen hat, so zu beantworten, dass alles bleiben solle wie bisher. Alle anderen Fragen sollten unbeantwortet bleiben. Man befürchtete mit Recht, dass jede Ablehnung als Opposition betrachtet werden würde, weil ja der Vertrauensrat in Aussicht stellte, dass er die Rädelsführer schon herausbekommen werde. Der Pg. Zajons als Wortführer gegen die Arbeitsfront befindet sich noch in Freiheit, obwohl er mit seiner Verhaftung gerechnet hatte. In der Arbeiterschaft der Zechen ist man der Ueberzeugung, dass die Arbeitsfront die Sterbekassen angliedern will, um neue Bonzenposten zu schaffen. Die Belegschaft der Ludwigsglückgrube bei Hindenburg, wo man die Angliederung gegen einen Ver- sammlungsbeschluss durchführte, zwang den Kreisleiter Ring zur Aufhebung der Angliederung, indem man gemeinschaftlich den Austritt aus der Sterbekasse erklärte. Freilich ist der Arbeitsfront das Manöver der Angliederung auf einigen Gruben gelungen, so in Heinitz und Beuthengrube bei Beuthen OS und Johannaschacht bei Klausberg, wo sogenannte Grenzgänger, Deutsche aus Polen, arbeiteten. Im allgemeinen aber kann gesagt werden, dass die Belegschaften alles versuchen, um den Raubzug der Arbeitsfront auf ihre Sterbekassen abzuwehren. Der Diätenklub. Der sogenannte deutsche .Reichstag" wird am 30. Januar eine Rede Hitlers anhören. Damit hat der Diätenklub voraussichtlich auf Jahrcsdauer seine Funktion erfüllt. Reiit«elie Vorkrleg;«- Ju�end Was soll aus ihr werden t Der Lehrermangel in Deutschland slert den Schulunterricht immer empfindlicher. In besonderem Masse beunruhigt es die verantwortlichen Stellen, dass Fabrikdirektoren, Handwerksmeister, Kaufleute über die Minderwertigkeit des Lehrlingsnachwuchses klagen. Dass in den Volks- und Höheren Schulen das allgemeine Bildungsniveau sinkt, erscheint den Herren erträglich, aber der sogenannte wirtschaftliche Aufbau darf nicht gestört werden. Deshalb hat der Reichserziehungsminisfer erklärt. für die Lösung des Vierjahresplanes sei „eine auch nur vorübergehende Störung oder Beschränkung des Unterrichts an den Berufsschulen untragbar". Die nachgeordneten Stellen werden deshalb ermächtigt, „unter ausreichender Ueberwachung Gewerbe- und Handelslehramtskandldaten zur Unterrichtserteilung heranzuziehen." Das bedeutet: erst unterrichten, dann irgendwann einmal die dafür erforderlichen Examina nachholen. Die Unordnung im deutschen Schulbc- triebe erinnert lebhaft an die Kriegszeit. Man fragt sich allerdings, was diesmal„im Ernstfall" geschähe, wenn Militär und Rüstungsindustrie die Lehrerseminare schon jetzt leer fressen. Die Reichsbetriebsgemeinschaft„Verkehr und öffentliche Betriebe", der Deutsche Gemeindetag und die Hitler-Jugend haben gemeinsam einen Ausbildungsvertrag für den Nachwuchs in den deutschen Gemeindeverwaltungen und Gemeindebetrieben ausgearbeitet, dem in Zukunft alle Dienstanfänger unterworfeh sein werden. Durch diesen Vertrag werden die„Gefolgschaftsführer" verpflichtet, die jungen Menschen zur eifrigen Erfüllung ihres HJ- Dienstes anzuhalten und ihnen„bei besonderen Anlässen" Urlaub zur Teilnahme an den Veranstaltungen der HJ zu gewähren. Besondere Anlässe sind nichts Besonderes, sie ergeben sich zwanglos in rascher Folge und stören die Arbeit schon heute merklich. Dafür kann aber„bei besonderen Leistungen", z. B. für die Sieger im Bcichsberufs- wett kämpf, eine Verkürzung der Lehrzeit um 1/2 Jahr eintreten. Bei der Auswahl dieser Sieger spielt die„weltanschauliche" und sportliche Einigung eine so überragende Rolle, dass von einer"beruflichen Auslese nicht die Rede sein kann. Der neue Lehrvertrag unterstützt also das Bestreben, die Behörden beim allgemeinen Leistungsschwund nicht zu kurz kommen zu lassen. « ** Aus Ostpreussen kommt die Nachricht, dass man allerorten beginnt, die Knaben und Halbwüchsigen— vom vierzehnten Lebensjahr aufwärts— für die freiwillige Feuerwehr auszubilden. So werden, wenn die Sechzehnjährigen wie ehedem sterben gehen, auch die Konfirmanden Gelegenheit haben, gefährlich zu leben. Nr 241 BEILAGE NEUER VORWÄRTS 30. Januar 1938 Das andere Aiislaiiilsdeiitseliiiiin Emisrranleiibriefe au« fünf Erdteilen Die Grenze zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei ist zweieinhalbmal so lang wie die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich. Sie wird auf ihrer gesamten Ausdehnung von waldreichen Gebirgszügen gebildet, über die hinweg sie an vielen Stellen noch heute verhältnismässig leicht ,, schwarz" überschritten werden kann. Auch von Norddeutschland aus war es für manchen leichter möglich, nach der Tschechoslovakei zu gelangen als nach Frankreich, Belgien, Holland oder Dänemark. Diese Grenzverhältnisse im Zusammenhang mit noch anderen Umständen haben es mit sich gebracht, dass viele politische Flüchtlinge auf ihrer Flucht aus dem Dritten Reich sich zunächst nach der Tschechoslovakei wandten, auch wenn ein anderes Land ihr Ziel war. So haben viele Flüchtlinge, die dann weitergegangen sind, in der Tschechoslovakei die erste Zuflucht gefunden. Mehr aber als ein Asyl und die opferwillige Hilfe der Gesinnungsfreunde, besonders der Arbeiterorganisationen in der Tschechoslovakei. konnte das kleine, in seinen Industriegebieten selbst von der Wirtschaftskrise schwer bedrängte Land den Flüchtlingen nicht bieten; die Arbeitsbewil- ligung gewährte es ihnen leider nicht. tso ist die Tschechoslovakei das Durch- gangslaud gewesen für viele, die dann nach kürzerer oder längerer Zeit auf der Suche nach einer neuen Heimat, dach Arbeit und selbstverdientem Brot in andere Länder ausgewandert sind. Es war aber schwieriger, das Auswanderungsproblem für politische Flüchtlinge zu lösen als etwa für die jüdische Emigration, die zwar auch zu einem beträchtlichen Teil durch die Tschechoslovakei gegangen ist, für die aber von vornherein Palästina ein feststehendes Ziel war. Für die politische Emigration sah es in dieser Hinsicht anfangs nahezu hoffnungslos aus. Das kam deutlich in einem Artikel„Auswandern, aber wohin?" zum Ausdruck, den der„Neue Vorwärts" in seiner Nr. '8 vom 9. Dez. 1934 veröffentlichte und der so gut wie gar keine Aussichten offen liess. Glücklicherweise haben sich die Verhältnisse und Möglichkei- " ten dann als weniger ungünstig erwiesen. allerdings erst nach langwierigen und zähen Bemühungen der mit der Flüchtlingsfürsorge betrauten Stellen, und es sind Erfolge erreicht worden, von deren organisatorischen und fi- Uanziellen Vorbereitungen sich der Fernstehende gar keine Vorstellung machen kann. Es ist im Laufe der letzten Jahre ein, Wenn man es so nennen will, ganz neues„Auslandsdeutschtum" entstanden, das sich über alle fünf Erdteile �erteilt. Niemand hat 1933 geahnt, auf Welche Entfernungen hin sich die deutsche politische Emigration verteilen würde— vom fernen Indien bis zu den südamerikanischen Kordilleren. Verteilen— nicht zerstreuen, denn die gleiche Gesinnung verbindet sie noch �lle als ein unzerreissbares Band. Das ist besonders dann der Fall, wenn mit der Auswanderung zwar die materielle, nicht aber die ideelle Betreuung be- endet war. Beredtes Zeugnis dafür legt ein 97 Seiten starkes Heft ab, das jetzt von der sozialdemokratischen Flüchtlingshilfe in Prag herausgegeben und den Mithelfern bei ihrer schweren und verantwortungsreichen Arbeit im In- und Auslande zugestellt worden ist. Es vereinigt unter dem Titel„Emigrcmten- hriefe aus fünf Erdteilen" einige sechzig Briefe von sozialdemokratischen Flüchtlingen aus 23 Ländern zu einer Sammlung, der über den augenblicklichen Zweck hinaus ein dokumentarischer Wert zukommt. Alle diese Briefe sind nach Prag geschrieben worden und in überwiegender Mehrzahl sind es Briefe von Auswanderern, die einige Zeit, viele einige Jahre lang in der hung mit einigen Sätzen abgetan. Eine ganze Anzahl europäischer Länder fehlt in dieser Briefsammlung überhaupt, z. T. aus Gründen, die kaum einer Erklärung bedürfen. Es fehlen Holland, Oesterreich, Rumänien, Ju- goslavien, Italien, Griechenland, Portugal, die baltischen Staaten und auch Russland, die Sowjetunion, das„Vaterland der Arbeiter". Die Verhältnisse in den übrigen europäischen Ländern sind zu bekannt, als dass sie hier erörtert werden müssten. In einzelnen Fällen, so aus Bulgarien, Polen, Ungarn, berichten die Briefe über Erfahrungen in besonders gearteten Einzelfällen. Günstiger als aus dem übrigen Photographien In Zeitungen, Aemtern, Kaffees, Galerien, auf tausend Bildern, auf tausend Schildern: ER. Beim Reden und Schiessen und Stiefelausziehen,. im Stall, in der Stadt, im Gebirge, am Meer, im Frack und in Uniform, tausendmal: ER. ER— und im Hintergrunde das Volk. Er, wie er im Kreise der brauen Soldaten verwegen am neuesten Flak-Geschütz dreht, ER, festlich vereint mit den Herren Diplomaten, ER, wie er ergriffen am Totenbett steht, ER, wie er dem Hündchen mit Zuckerbrot schmeichelt, ER, wie er am Berghang ein Märzveilchen pflückt, ER, wie er den Kindern die Blondhaare streichelt, ER, wie er dem Bergmann die Schwielenfaust drückt. ER— und im Hintergrunde das Volk. Es fallen die Löhne, es steigen die Preise, zum Brot fehlt das Fett, uitd das Brot ist aus Stroh..... Da bleibt er im Hintergrund. Glücklicherweise ist das nicht sein Fach, und er weiss das nicht so. Was die Giftgasfabriken im Land fabrizieren und was in den Kerkern geschieht, bleibt verhüllt. Der Kameramann muss es wegretouchieren. Zurück bleibt, von stolzem Behagen erfüllt: ER— und im Hintergrunde das Volk. Doch brennt erst der Erdball— wer stirbt in den Flammen? Er? Hinter Drahtverhauen, in Dreck und Grauen— Er? Er schleppte in Jahren den Zündstoff zusammen, doch geht es ans Sterben, dann„wollte er's nicht", dann bleibt er im Hintergrund, kleinlaut und schlicht. Im Vordergrund stirbt— DAS VOLK. Hugin Tschechoslovakei gelebt haben und die von Prag die Reise in das neue Land angetreten haben. Nach den skandinavischen Ländern, nafeh England, nach Europa lauten die Briefe aus den skandinavischen Ländern, die für viele zu einem ersehnten Auswanderungsziel geworden sind. Da sei aber ein Südafrika, nach Indien, nach den j wichtiger Umstand ausdrücklich be südamerikanischen Staaten sind sie ausgewandert, in ein neues fremdes Land und in ein neues Leben, in dem sie in vielen Fällen auch einen neuen Beruf erst erlernen mussten, um ihr Brot zu verdienen. Man kann den Worten in der Einleitung zu dieser Briefsammlung nur zustimmen, die von den Briefschreibern sagen; „Wer diese Briefe liest, wird den Wagemut, die Talenlust, den Lebensdrang, den Zukunfstglauben bewundern, mit denen diese Männer, Frauen und Mädchen sich in die ungewohnten Verhältnisse der fremden Welt schik- ken. Es sind tüchtige Menschen, die der Terror der Diktatoren in die ungewisse Fremde getrieben hat." Unter den vielseitigen Betrachtungen und Rückschlüssen, zu denen diese Emigrantenbriefe anregen, interessiert hier besonders das Auswanderungs- tont: es sei jeder davor gewarnt, etwa die Einreise nach Dänemark, Schweden oder Norwegen auf eigene Faust, gewissermassen„illegal" unter Umgehung der zuständigen Stellen in seinem jetzigen Aufenthaltslande und der Organisationen in dem jeweiligen skandinavischen Lande anzutreten. Dünemark gewährt zwar in den anerkannten Fällen dem Flüchtling die Aufenthaltsbewilligung, die Arbeitsbewilligung aber ist nur schwer und fast nur in Ausnahmefällen zu erlangen. Günstiger liegen die Verhältnisse in Schweden und Norwegen. Dort ist der Wille, sobald als möglich durch die Arbeit sein Brot zu erwerben, geradezu Bedingung für die Aufnahme, wofür Aussicht besonders für Bauarbeiter und für Spezialarbeiter der Metallbranche besteht. ..„Aber auch in vielen anderen Berufen problem. Europa ist in dieser Bezie-/Sf unterzukommen. Man soll sich jedoch in dieser Beziehung keine Illusionen machen. Der schwedische Unternehmer beschäftigt auch lieber einen jüngeren als einen älteren Arbeiter. Ausserdem ist die Vorliebe für Deutsche, die früher unzweifelhaft stark war, in den letzten Jahren seit Hitler stark gedämpft worden, und es gibt Betriebe, die prinzipiell überhaupt keinen Deutschen beschäftigen." Jeder muss auch damit rechnen, als Ausländer immer nur aushilfsweise Beschäftigung zu finden und bei Gelegenheit als erster wieder entlassen zu werden. Aber: „wer sich als gelernter Arbeiter Mühe gibt, kann hier Arbeit finden. Natürlich wird einem die Arbeit nicht auf den Präsentierteller gebracht und man muss sich sein Geld redlich verdienen. Aber man darf arbeiten— welch ein Glück für arbeitswillige Menschen, denen jahrelang das Hecht auf Arbeit versagt war." Die übrige„Alte Welt", so geräumig sie ist, bietet deutschen Flüchtlingen nur wenig Raum. Aus Indien berichtet ein Auswanderer, dessen Fall obendrein ganz besonders geartet war, mancherlei Enttäuschendes. Eine kurze Nachricht aus Australien ist vorläufig nicht mehr als eine Erwähnung. Ausführlichere Berichte liegen aus Palästina und aus Südafrika vor. Die Briefe aus Palästina aber zeichnen ein nicht gerade verlockendes Bild.„Wenn wir ehrlich sind, reut es uns, dass wir hier sind", so schreibt ein Flüchtling, der sein Glück in einer ganzen Serie von Berufen schon versucht hat. Und ein anderer gesteht, dass es ihm wirtschaftlich zwar gut gehe, dass er aber, obwohl er schon seit zwanzig Monaten in Palästina lebt, sich dort nicht eingewöhnen könne. Weniger pessimistisch urteilt ein dritter Briefschreiber, dem Palästina als Einwanderungsland auch für Nichtjuden geeignet erscheint. Aus Südafrika berichten die Briefe übereinstimmend von günstigen Möglichkeiten für Metallarbeiter, Bauhandwerker und Spezialarbeiter verschiedener Branchen, besonders für jüngere Leute. Für kaufmännische und andere„Stehkragenberufe" aber bestehen in Südafrika wie nahezu in allen Ländern so gut wie keine Aussichten. Allerdings datieren die günstigen Beurteilungen der Arbeitsmöglichkeiten für Einwanderer in Südafrika schon aus den Jahren 1935 bis 1937, während der letzte Brief vom Dezember 1937 von gewissen Verschärfungen in der Einwanderungsbeschränkung berichten muss, Verschärfungen die der faschistischen Propaganda in Südafrika, besonders unter den Buren, zu danken sind. Dazu kommen Befürchtungen, dass bei einem möglicherweise eintretenden Konjunkturrückgang die eingewanderten europäischen Arbeiter die einheimischen Weissen von den Arbeitsplätzen verdrängen könnten. Aus Nordamerika berichten die vorliegenden Briefe von besonders gearteten persönlichen Fälle, die keine allgemeinen Schlüsse zulassen. Immerhin ist es bezeichnend, dass einer der in New York lebenden und arbeitenden Briefschreiber versichern kann:„Jetzt kann ich schon sagen, dass es mich nicht mehr reizt, nach Deutschland heim zu kommen." Ein brauchbarer Wink kann für manche vielleicht der Hinweis sein, nach in USA lebenden Verwandten zu forschen, die dem Einwanderer behilflich sein können, überhaupt ins Land hineinzukommen. Den breitesten Raum, 32 von 90 Seiten, nehmen in dem Hefte die Briefe Südamerika ein, und da erwecken besonders die Briefe aus Bolivien und Columbien lebhaftes Interesse. Aber folgen wir der alphabetischen Anordnung. Gewisse Einreiseschwierigkeiten bestehen für Argentinien, aber: „Jedem, der die Einreise ermöglichen kann, würde ich sie anraten, vorausgesetzt, dass er jung und gesund ist und Lust hat zu arbeiten. Arbeitsgelegenheiten bestehen hauptsächlich in der mechanischen Industrie und in der Weberei, für Frauen als Hausgehilfinnen, Köchinnen, Friseusen, vor allem aber in der Textilindustrie." Allerdings dämpft eine andere Briefschreiberin etwa verlockende Vorstellungen sehr durch ihre drastische Schilderung der argentinischen Verhältnisse, während ein Privatlehrer, der in einer deutsch-schweizerischen Kolonie in der argentinischen Provinz Beschäftigung gefunden hat, berichtet: „Bei aller Vorsicht glaube ich sagen zu können: Wer mit etwa 1000 tschechischen Kronen Bargeld zum Unterhalt für die ersten Tage das Land betritt, fürs erste zu jeder Arbeit bereit ist und vor allem aus Buenos Aires heraus in die Provinz gehen will, kann nicht in materielle Schwierigkeiten kommen. Arlfeit, vor allem manuelle, ist in Menge zu haben. Vor allem finden Leute mit einigen landwirtschaftlichen oder handwerklichen Kenntnissen schnell relativ gut bezahlte Arbeit." Wohl die günstigsten Berichte in dieser Briefsammlung kommen ausser aus Schweden aus Bolivien. Aus den acht bolivianischen Briefen klingt immer wieder die Versicherung: Wer arbeiten will und etwas kann, ist überall willkommen und findet bestimmt Arbeit. Aus einigen Briefen spricht das ganze Glücksempfinden darüber, nach jahrelanger erzwungener Untätigkeit wieder arbeiten zu können. Ein Mechaniker schreibt;„Mir gehl es hier sehr gut. Ich habe Arbeit, die mein Herz erfreut und bin ein glücklicher Mensch". Und ebenso froh gestimmt bekennt ein zweiter: „Die seelische Depression, unter der ich litt und die daraus entsprang, dass Deuteeliei* Waid Oder die neue ft».tniiiieil.vrik Die neue Lyrik sieht u. a. so aus: Der kleine Fritz zürnt der Mutter, weil sie Papier in den Müllkasten wirft.„Der Lehrer hat gesagt, wenn man ein Stück Papier erspart, bleibt ein grünes Blättchen im Walde am Leben..." Versonnen blickt Mutter (laut Dresdener Anzeiger vom 15. 12.) bald auf ihr Bübchen, bald in die Weite, sieht •den Wald und Fritzchens Satz„steht plötzlich gross und gewaltig vor der Seele der Mutter..." Nein, denkt sie, „der deutsche Wald darf niemals sterben. Jedes Blättchen dieses deutschen Waldes rauss erhalten bleiben, denn zehn Blättchen Papier in einem einzigen Haushalt an einem einzigen Tage gespart, vervielfacht mit der Anzahl der Haushaltungen eines einzigen Hauses, ergibt das nicht schon bald die Krone eines rauschenden Baumes, die weiter grünen und rauschen darf im deutschen Wald? War das nicht die kleine Arbeit Wert?" Und sie sammelt und wirbt und strei- chelt Fritzchen, den unbekannten Sammelsoldaten des Dritten Reiches: „So trug denn diese deutsche Mutter die Worte vom gesparten Blättchen Papier, das einem grünen Blättchen im deutschen Wald das Leben erhielt, weiter von Mund zu Mund, von Tür zu Tür, von Haus zu Haus, auf dass im nächsten Sommer wieder die Buchen und die Eichen, die Kiefern und die Tannen ihr ewiges Lied rauschen können, ihr ewiges Lied zum Preise ihrer wunderschönen deutschen Heimat." Wir vermissen einiges. Vaters Hose, in der der Holzwurm tickt, ist gar nichts? Mit jedem Flicken, den Vater auf seine Hose setzen lässt, wird ein Baum gerettet; ich vier Jahre als Emigrant leben musste, war auf die Dauer unerträglich, Ihr könnt es mir ruhig glauben, dass ich mich jetzt wieder als Mensch fühle, da ich meinen Unterhalt selbst verdienen kann." i Ein anderer, der als Maurer sofort Arbeit gefunden hat, berichtet: ..„Elektriker, Schlosser, Mechaniker, Tischler, Zimmerleute finden im schlechtesten Falle binnen 14 Tagen bestimmt Arbeit." Mit gewissen Einschränkungen bestätigt das ein Klempner, der in Co- chabamba sich selbständig gemacht hat: „Reichtümer sind hier nicht zu holen. Ein tüchtiger Kerl, gleich aus welchem Handwerk, kann als selbständiger Meister sofort arbeiten. Die Deutschen werden als Qualitätsarbeiter und ob ihrer Pünktlichkeit gern beschäftigt. Handwerker finden in allen grossen Städten des Landes Arbeit. Doch wer herkommt, muss seine Ansprüche etwas zurückschrauben. Zuckerlecken gibt es nicht. Und auf die meisten Annehmlichkeiten des Lebens muss man verzichten." � i Brasilien bietet Möglichkeiten für Bauhandwerker, Metallarbeiter, Lederarbeiter, Schneider. Frauen finden Arbeit als Kinderwärterinnen, im Haushalt, im Büro.„Stenotypistinnen werden von deutschen Firmen dauernd gesucht." Allerdings stammen diese Angaben schon aus dem Jahre 1935; neuere Briefe liegen nicht vor und es war nicht festzustellen, inwieweit sich die Verhältnisse inzwischen etwa geändert haben. Chilfi setzt der Einwanderung ziemliche Schwierigkeiten entgegen, wird aber verhältnismässig günstig bezeichnet für eine Reihe von Berufen, wenn der Einwanderer über gewisse, allerdings ziemlich hoch bezifferte Mittel verfügt, die es ihm ermöglichen, sich eine selbständige Existenz zu schaffen. „Gute Handwerker werden nach etwa zwei Jahren ein auskömmliches Dasein führen können; die ersten zwei Jahre werden allerdings bitter sein. Unqualifizierte Arbeiter können hier nicht durchkommen. Qualifizierte Industriearbeiter für die Textil-, Auto- und Elektroindustrie sind mitunter sehr gesucht, müssen aber wirklich etwas können." Besonderes Interesse erweckt Columbien wegen des dort unternommenen Versuchs, deutsche Flüchtlinge im Hochlande zwischen den Zentral- und West-Kordilleren als Kolonisten an- je glänziger Vaters Sonntagsrock, je abgetragener, schäbiger, desto besser ergeht es dem deutschen Wald. Dafür kann dann der Staat Millionen für Stoffdekorationen und Staffage hinauswerfen, zum Beispiel beim Nürnberger Parteitag oder bei Duce-Besu- chen. Und der deutsche Wald muss rauschend einsehen, dass man für cäsarische Schaugespränge sinnlos verpulvern und auch sonst blödsinnige Rohstoffpolitik treiben darf, sofern die ganze Nation dafür darbt und zum Lumpensammler wird. Es ist die Kunst neudeutscher Volkserziehung, die dümmsten Sünden der Regierenden zu adeln, in deutsche Feld-, Wald- und Wiesenlyrik zu verwandeln und selbst den Einlopf zum längst ersehnten Symbol echten deutschen Wesens zu erheben. Marxistische Hetzer waren es, die dem deutschen Arbeiter das Huhn im Topf wünschten, wahre Liebe zum Volke jedoch bedeutet es, wenn die„Chemnitzer Allgemeine Zeitung" singt: Einlopf im Schnee! Mag er als Volkserzieher zur Anspruchslosigkeit dem gc- samlen deutschen Volke das gelehrt haben, was Schiller einmal dem Freund Körner schrieb:„Einfachheit ist das Ergebnis der Reife!" Das Einfachste ist Dörrgemüse und eine Handvoll Reis. Zu dieser Reife strebt die Politik des Systems ja auch hin, und so hat es Schiller zweifellos gemeint. Wenn man für den Einlopf kühn in die Sterne greift, kann man die schlimmste Dummheit als Weisheit beleuchten. Schiller und Goethe lassen sich für jede Ausplünderung des Volkes missbrauchen, man muss das Geschäft nur verstehen. Dem Leser aber wird übel und er bedauert den deutschen Wald, der sein Holz für solche Blätter opfern muss. zusiedeln. Es ist in jeder Hinsicht „Neuland". Grosstädter, Industriearbeiter, Handwerker lassen sich als Siedler am Rande des Urwaldes nieder, und es wird wohl eine bittere Lehrzeit sein, die ihnen bevorsteht. Ueber Erfolge lässt sich vorläufig noch nicht berichten. Das Unternehmen steht noch ganz in den Anfängen, die ersten Schwierigkeiten sind noch nicht überwunden, andere werden sich erst noch einstellen. Nach den letzten Nachrichten ist der Ankauf des Landes(17 ha für jeden Siedler) abgeschlossen. Die Anpflanzungen für das erste Jahr sind durchgeführt, mit dem Roden des Urwaldes ist begonnen worden und das erste Haus ist in gemeinschaftlicher Arbeit gebaut. Aber eine der mitausgewanderten Frauen schreibt: „Man ist glücklich, hier zu sein und bedauert nur, dass man nicht schon früher gekommen ist. Ich glaube, das wir uns niemals von hier fortsehnen werden." Es ist ein vielgestaltiges, vielfarbiges Bild, das diese Emigrantenbriefe aus 23 Ländern zeichnen, manchmal vielleicht zu rosig in der ersten Freude, manchmal vielleicht auch zu grau in der Stimmung mutloser Stunden. Diese Briefe erzählen von Schicksalen von Männern, Frauen und ganzen Familien. Aber es sind doch nur vereinzelte Stimmen aus der grossen deutschen Flüchtlingsgemeinde, die in aller Welt verstreut lebt. Eine Gemeinde— es ist wirklich eine. Und dass es eine bleibt, dass sie ideell verbunden bleibt, untereinander und mit der Idee, für die jeder Einzelne sein Emigrantenlos auf sich genommen hat und in die Fremde gegangen ist, das lenkt auf eine Aufgabe hin, die aus diesen Briefen so klar und eindrücklich wie noch, nie bisher hervortritt und der die Briefsammlung selbst schon dient. Es ist gewissermassen ein anderes„Auslandsdeutschtum", das hier entstanden ist und das es ideell zu betreuen gilt. Bewegt liest man in diesen Emigrantenbriefen immer wieder von dem festen Willen dieser Flüchtlinge, ihrer sozialistischen Ueberzeugung treu zu bleiben. Der moralische Wert dieses Willens ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Und darum dürfen diese Auswanderer auf keinen Fall vergessen werden. Man lese nur, wie dankbar sie alles aufneh- IMe verrollelen Skandinavier Dort, wo die Langschädler am lang- schändligsten, die Nordlinge am nördlichsten sind,— von dort her erlebt das Dritte Reich nichts als Kummer und Elend. Die skandinavischen Staaten haben sich gegenüber der faschistisch-nationalsozialistischen Infektion am widerstandskräftigsten cmviesen und werden, im offenen Widerspruch zur rassentheoretischen Wellanschauung, sozialdemokratisch regiert. Woher kommt dieser„Widerspruch"? Wie erklärt sich diese materialistisch- marxistische Verseuchung in einer Erdgegend, wo man Wotans Thron nach alt- germnnischcr Uebcrlieferung am nächsten ist? Junge Gelehrte des Dritten Reiches bemühen sich, diese Probleme zu lösen. Aber da nun einmal die Tatsache besteht, dass die skandinavischen Menschen sich heute im europäischen Völkergemisch zu den relativ zufriedenen rechnen, so müssen die Autoren des Dritten Reiches viel Gehirnakrobatik anwenden, um zu beweisen, dass die Schweden, Norweger und Dänen gar kein Anrecht auf eine solche Zufriedenheit besitzen. Ein Dr. H. G. Wagner wirft den Schweden in einem Aufsatz, den ein grosser Teil der nationalsozialistischen Presse abdruckt, mit erbittertem Ernst vor, dass sie in der heutigen metaphysisch-irrationalen Zeil noch wagten, zu den sogenannten„exakten Afenschen" zu gehören. Was ist das? Dr. Wagner klärt auf: „Dieser exakte Mensch lebt and stirbt so gründlich wie möglich und so sorgenlos und beauem wie möglich. Das Leben hat für den Durchschnitt'-schwoden scheinbar alles Mühevolle undKämpferi- i�en, was ihnen die ideelle Verhindung mit ihren Gesinnungsgenossen erhalten hilft. Jeder Brief, jede Zeitung, die ihnen zugesandt wird, jedes Buch ist für sie von bedeutsamer Wichtigkeit. Von einer dänischen Insel, die doch wahrhaftig nicht ausserhalb des Kulturbereiches liegt, schreibt ein Genosse, der dort noch keinerlei materielle Not erleiden musste: ..„Das einzige, allerdings sehr fühlbare Minus ist die zwar nicht persönliche aber dach geistige Vereinsamung, die drückender wird, je länger sie wirkt. Dieser Zustand kann so zermürbend sein, dass inan eine sonst ungünstigere Situation in der Nähe von Freunden vorziehen würde".. Diese Sätze sprechen aus, was viele empfinden. Und in einem Briefe aus Haifa, der erst nach dem Erscheinen der Briefsammlung eingetroffen ist, schreibt ein Genosse: ..„Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie sehr ich mich über Euren Brief gefreut habe, wie sehr ich mich freue über jede Zeile, die ich von Euch erhalte. Es ist immer ein Stück Heimat. Man hat das Gefühl der Zusammengehörigkeit, und über manche trübe Stunde hilft es mir hinweg. Wenn ich auch nie darüber gesprochen habe, so war es mir doch das liebste, wenn ich unter Euch war. Und wenn es mir dort' bei Euch wirtschaftlich auch nicht annähernd so gut gehen würde wie hier, so wäre ich doch wenigstens unter Gleichgesinnten. Ich bin noch nie im Leben nur vom Essen und Trinken satt geworden." Iis liest sich fast, als wäre da in Haifa eine Bibelzeile noch einmal geschrieben worden:„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein." Geistige Vereinsamung— das Gefühl der Zusammengehörigkeit. Diese Worte aus Emigrantenbriefen sind Mahnungen, die nicht zu vergessen, die das Schicksal weit über die Erde hin verschlagen hat, die aber alle lieber heute wie morgen freudigen Herzens zu ihrer grossen Mutter zurückkehren würden; zur deutschen Arbeiterbewegung. Auf das geistige Bedürfnis, dieser grossen deutschen Emigrantenfamilie, die verstreut zwischen Indien und Chile, zwischen Südafrika und Nordschweden lebt und die doch eine ideelle und geistige Gemeinschaft bleiben will und bleiben muss, hingewiesen zu haben, das ist eine Wirkung, die dieser Sammlung von Emigranlenbriefen aus fünf Erdteilen noch ihre besondere Bedeutung gibt. sehe verloren, es ist kein grosses Abenteuer mehr, sondern eine bestimmte Reihe von ausgeklügelten Geschehnissen, die sich genau nach Berechnung abspielen." Mit anderen Worten: diese ebenso banalen wie würdelosen Schweden haben Schweden haben nicht die Absicht", gefährlich zu leben.„Sie sind der Auffassung," dass ihre Demokratie- unter sozialdemokratischer Führung angenehmer ist als das ..Abenteuer", und dass man in ihrem Lande mit politischen Gegnern besser diskutiert, als sie ins Konzentrationslager zu stecken. Diese üblen Schweden haben dazu die Angewohnheit, was Dr. Wagner besonders streng anmerkt, die verschiedenen Weltanschauungen frei umher schweifen zu lassen, statt sich unter die strenge Faust einer einzigen zu begeben. Das aber ist noch nicht das vollständige Sündenregister der nordischen Länder. Hier haben— immer nach Dr. Wagner— der Sozialismus und der Kapitalismus„den Geldbegriff in einer entente cor- diale subblimiert". In der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft in Deutschland ist bekanntlich im Gegensatz zu Skandinavien der Sozialismus bereits realisiert. So seien denn die Schweden ein schlappes und kullurarmes Volk geworden, mit vielen dunklen Schalten: ..Der Norweger lieht es. durch Prahlerei seine Minderwertigkeitskomplexe z« verdecken. Der Däne zieht die Selbstironie vor und weicht damit vielem Unangenehmem aus. In der Geschichte der Schweden finden wir Hang zur Träumerei und viel Trotz, bei den Finnen die Rechtbarbarei..." Bei so vielen rassischen Krankheitserregern kann das schlimme Ende nicht ausbleiben. Das ist der Pazifismus. Statt sich Kunst iiimI Rassenwahn Eine braune Kunstwerlunssllieorle Um die Prinzipien brauner Kunstan- schauung wird im Dritten Reich viel herum geredet. In der gleichgeschalteten Presse ist es zu einer routinierten Form der .So zu lesen im„Völkischen Beobachter" vom 24. 4, 1929. Ein Nachwort der Schriftleitung bestätigt, dass des„geschätzten Mitarbeiters" Auffassung über Künstler Meckerei geworden, die Auffassungen der und Tendenzkunst„sich durchaus mit un- »ationalsozialistischen Orthodoxie so zu- serer Auffassung deckt", denn„echte und' rechtzubiegen, dass Kunst und Geist etwas grosse Kunst ist zeitlos." Erst dann folgen Luft schnappen können. Infolgedessen be- einige Vorbehalte. Der liberalistische Behn schnappen kommt das Ausland keine rechte Vorstel lung von dem, was nun eigentlich gilt. Nicht oft redet ein prominenter Brauner so von Kenntnissen ungetrübt drauflos, wie etwa Hitler bei der Eröffnung der Münchner Kunstkaserne. Nunmehr liegt ein Buch vor, das die Prinzipien nationalsozialistischer Kunstbetrachtung klarlegen will. Es ist im Zen blieb geschätzter Mitarbeiter. Man brauchte so etwas zum Bauernfang, denn hätte man damals ahnen lassen, welch ein Rie- senmaulkorb der Kultur im Dritten Reich wartete—- die Namhaftesten unter den kulturellen Mitläufern wären mit Protest abgeschwenkt. Niemand unter ihnen ahnte den Riesenbetrug; niemand im braunen La ger wagte in der Kampfzeit zu prophe tralverlag der Hitlerparlei erschienen und zeien, dass der Impressionismus 193/ in den Kunstkritikern des„Völkischen Beo- Acht und Bann getan werden würde. Wie bachters gewidmet. Also" ein beinahe offi- liberal, wie demokratisch durften sich da- ziöses Dokument der NSDAP. Der Verfasser, mals Rosenbergs Mitarbeiter gebärden! Gerhardt Köhler, legt damit eine Doktor- End wie lustig kritisierten sie drauflos! dissertation vor. Als Grundlage und Aus--Kritik, um der Kritik willen", würde Göb- gangspunkt dienen ihm und seinen Helfern bels heute sagen. Und wie eifrig die Kunstkritiken und die programmati- waren sie um die Freiheit der Kritik sehen Aeusserungen des„Völkischen Beobachters" von 1920 bis 1932, deren Brauch- besorgt. Einen K e r r stellten sie zwar als verabscheuungswertes Asphaltbeispiel barstes er ausgiebig und ausuzgsweise wie- bin. aber die Stolzing-Cerny der gibt. Vergessliche Zeitgenossen können und Wilhelm Weiss(heute Chefredakteur des„Völkischen Beobachter" und Vorsitzender des Reichsverbandes der deutschen Presse) kopierten eifrig und stolz die Form des„Asphaltliteraten", kerrten in ihren Kritiken drauflos, dass man glauben konnte, Kerr zu lesen, wenn der Witz und die Hellsichtigkeit nicht fehlten(und statt römisch Eins usw. nicht arabische Ziffern dort stünden). daran studieren, was damals, in der „Kampfzeil", den Künstlern alles versprochen wurde. Zitieren wir einige Beispiele. In einem Aufsatz„Nationalsozialismus und Kunst"(15. 6. 1925) heisst es:— „Der Künstler mnss frei sein! Der freie Künstler nur kann wirken und schaffen, der unfreie Künstler verkümmert... Kunst muss sich von Politik frei halten, deshalb haben alle Personen. die Parteipolitik in die Kunstausschüsse hinein tragen, von ihren bisherigen Posten abzutreten.. Heute muss der Künstler die braunen Parteiparolen beachten oder er kommt auf die schwarze Liste.— Hans Johst fordert (7. 9. 1931) einen kämpferischen Liberalismus:„An jeder Form von Liberalität ist die Kunst stets gestorben. Stärkste Gegensätzlichkeit, ja robustester Kampf entgegengesetzter Gesinnung beherbergt in seiner elementaren Wahrhaftigkeit mehr seelisches Mäcenatentum als windelweicher, nach allen vier Windrichtungen offener Opportunismus..." Wer heute jedoch die„entgegengesetzte Gesinnung" ganz unrobust aber echt und lebenswahr sprechen Hesse, würde stranguliert. Und wo dürfte Professor Erich Dehn heute schreiben: „Ein wirklicher Künstler, der zeitlose Kunstwerke schafft, wird immer tendenzlos sein, d. h. es ist für ihn ganz unwichtig, welche politische Strömungen gerade da sind. Er wird zwar seine Wurzeln als Deutscher in Deutschland oder als Franzose in Frankreich haben oder welcher Nation er immer angehören mag. Er wird aber in der Leistung, im Auf diese ostisch-liberalistisch überla gerten Kritiken des Hitlerorgans stützt sich das Bemühen, eine Art nationalsozialistischer Kunstanschauungstheorie zu zimmern, aber es bleibt ein untauglicher Versuch am untauglichen Objekt. Von den braunen Rassephilosophen übernimmt Adept Köhler eine rassisch bedingte, geistige Typenlehre, wonach Kunstbetrach tung gebunden ist an das„rassische Empfinden. des Künstlers wie des Kunstge- nicssenden". Nach langatmigen Erörterun gen lautet der magere Schluss: „Der Mensch selber... ist Angehöriger entweder einer kulturschöpferischen, einer kulturt ragenden oder einer kulturzerstörenden Rasse. Er zeugt oder trägt oder vernichtet Kunst und Kultur ebenso wie er sie betrachtet, geniesst und beurteilt. Kunst, Kunstkritik, Kunsfanschau- ung, Weltanschauung und Rasse stehen in engstem Zusammenhang. Und sie sind auch der Weg, auf dem man zur Lösung manch ungeklärter Fragen innerhalb des künstlerischen und kulturellen Geistesund Seelenlebens vorwärts schreiten sollte." Mit anderen Worten; Alles ist im Wer- Wert seines Werkes übernational sein...(ienj alles ist im Fluss, unsere Theorie ist Der grosse Künstler, die grosse Per-, noch nicht fertig, trotzdem handhaben wir sftnlichkeit, steht über allem Augenblick- unsere Rassenpolitik wie ein Fallbeil, denn liehen, sowohl über der Erscheinung sicher ist, dass die jüdische Rasse eine kul- wie über der politischen Situation jeder lurzerslörende, die„deutsche Rasse" da- Zcit..."| gegen eine kullurschöpferischc ist. Und davon hat deutsche Kunst und Kunstbetrachtung auszugehen, siehe Rosenbergs Mythos, Hitlers„Kampf" usw. usw. Dieses Stück „rassegebundener Soziologie" stolpert über die eigenen Beine, ohne es zu merken. Der Jünger und seine Propheten gestehen zu, dass Seele und Charakter nicht nur von-der „rassischen Erbmasse", sondern auch von Umweltseinflüssen bestimmt werden, deren Wirkungen nicht zu kontrollieren sind. Umweltseinflüsse aber, z. B. jüdische, können den rassischen Kern völlig überwuchern. Ergo— und hier kneifen die Rassemystiker— braucht ein derart überwucherter„Deutschrassiger" das deutsche Kunstwerk durchaus nicht besser zu verstehen als ein deutscher Jude, dessen„Erbmasse" von„germanischen Umweltseinflüssen" überwuchert wird. Und wie steht es mit den Künstlern, deren Rassecharakter undeutsch oder zwiespältig erscheint und die trotzdem Kunstwerke von besonders deutscher Eigenart hervorbrachten? Der dinarische Richard Wagner wurde zum germanischen Dichterkomponisten. Dem Halbjuden Hans von Maries und seinen Bildern rühmten deutschvölkische Blätter preussisch-soldatische Seelenhaltung nach, weshalb er auch in der Münchener Ausstellung für deutsche Kunst hängt. Der Franzosenstämmling Chamisso dichtete die deutschesten Volkslieder, und Heines Lorelei/ wird seit anno dazumal vom deutschen Gemüt am reinsten erfasst. Doch diese und andere Rassenfranktircurc haben eben Rosenberg und Günther nicht gekannt, sonst hätten sie anders gedichtet, gemalt und komponiert. Wie Rosenbergs Jünger allen unbequemen Tatsachen aus dem Wege gehen, so konstruieren sie vom Gegner ein falsches Bild, um darauf ihre bereits wurmstichig gewordenen Thesen zu bauen. Auch in dieser.„Kunstsoziologie" steht zu lesen, dass dieser jüdische Liberalismus,.welcher— die geistigen und seelischen Rasseeigenschaften des Juden vollkommen kennzeichnend— zügellose Freiheit des Einzelnen und Gleichheit aller Menschen predigte, jeglichen völkischen Wert verneinte..." Wo hat irgendwelcher Liberalismus das gepredigt? Im ganzen Buche nirgends ein Beleg. Der Liberalismus aller Grade und Farben, bourgeoises Gewächs von Haus aus, hat sich im Gegenteil immer gegen alle wirklichen oder vermeintlichen Gleichheitslehren gewehrt und fand sich dabei oft mit der völkischen Reaktion zusammen. —„Die Bedeutung und auch vielfach das Vorhandensein der Weltanschauung nebst ihren Auswirkungen innerhalb und ausserhalb der Kunstkritik ist häufig abgestritten worden, und zwar hauptsächlich von dem libcralistischen Individualismus..." Welch ein hilfloses Gerede. Auch für diesen Unsinn fehlt in dem zitatcnreichen iBuch jeder Nachweis. Dass sowohl der Künstler wie der Kritiker in ihre Aeusserungen abhängig sind von dem Bilde, das sie sich von der Welt machen, ist jedem Primaner geläufig. Es kommt der braunen Kunstbetrachtung auch nicht darauf an, die Ahnen zu fälschen, wenn es gegen den jüdische Urfeind geht:„Zum Beispiel wird der nordische oder nordisch bestimmte Mensch infolge seiner ganz anders gearteten geistig-typischen Schichtungen rassebedingter Natur ein vom Juden erzeugtes Kunstwerk, wie ein aus Fahrkarten, Drahtstückchen und Klosettpapier zusammengesetztes„Gemälde" niemals als Kunstwerk aufnehmen können, wie das beim j dischen oder jüdisch bestimmten Kunstpublikum der Fall ist..." Der klassische Vertreter dieses deutschen 'Dadaismus wird nicht genannt, denn er war leider ein Arier namens Karl Switlers, und die„jüdische Kunstkritik" ironisierte seine Spässe. Niemand, ausser den Rassegebundenen, nahm den Dadaismus ernst. Ja, es gab jüdische Kritiker, die sogar den Expressionismus'konsequent ablehnten, darunter Alfred Kerr. Sie trafen sich dabei mit völkischen,„nordisch bedingten" Kritikern, indes andere„nordisch Gebundene" dem Expressionismus Geschmack abgewannen. Mit welchen„geistig-typischen Schich- iungen" erklärt uns Rosenbergs Adept diese Phänomene? Oder wie steht es mit Lie- bermanns zahlreichen nordischen Anhängern? Der Verfasser meint mit dem„Völki- schen Beobachter", dem Maler Liebermann müsse„an Hand des rassischen Wertungskreises bezw. Vergleichsgegenstandes seine Bedeutung als Kunstmaler abgesprochen" werden. Nur für seine Rasse könne er als guter Maler gelten. Was wird aus den zahlreichen nordischen Malern, die Licber- manns Schüler waren, seine Malerei völlig unbefangen genossen und ihn als einen der Väter des deutschen Impressionismus schätzten? Der deulschtümelnde„Kunstwart" des nordisch gebundenen Avenarius gar warf eine Liebermann-Mappe in Massenauflage unters deutsche Volk. Wessen Erbmasse, wessen„geistige Typenschichtung" geht hier falsch: die der Liebermann- Nordländer samt dem„Kunstwart" oder die des ostischen Mischlings Rosenberg und seiner Jünger? Norden wider Osten— wer zählt eigentlich mehr? Wgr entwirrt uns solche Rassenrätsel? Diese wenigen Beispiele genügen, um die Inferiorität und Armseligkeit nationalistischer Kunstbetrachtung zu entblössen. Unter Mitwirkung des Prof. d'E.s/e-München, „unter dessen Leitung die vorgelegte Dissertation entstanden ist" und gestützt auf die Werke sämtlicher hakenkreuzleri- schen Studienräte, hat nun einer versucht, nachzuweisen, dass deutsche Kunslbefrach- tung braun sein müsse. Das Ergebnis: ein dilelltantisches Rassetraktätchen, dessen sich selbst der antisemitische Hofprediger Slöcker geschämt hätte und dessen Titel lauten müsste: Die Kunst, die Welt zu fälschen und falsch zu sehen. B. Br. Beschlagnahmt. Das„Katholische Kirchenblatt für das Bistum Berlin" ist beschlagnahmt worden. Es enthielt eine Erklärung des Bischofs von Berlin, Graf Preysing. Der Prozess gegen Niemöller. Für den demnächst beginnenden Prozess gegen Pfarrer Niemöller ist eine Verhandlungs- dauer von vier Wochen vorgesehen. heroisch wie ihre Altvordern zu umgürten, ■wollen sechzehn Millionen Menschen in dieser„eisernen und welthistorischen Zeil des Umbruchs" einfach vom Eisen nichts wissen, das sie in so reichlichem Masse produzieren können. Sie denken an ihren Magen und an die„Befriedigung ihrer primitiven Triebe", wozu noch ein etwas verwickeltes individualistisches Sexualleben gehört. Nein hier möchte II. G. Wagner nicht leben! Wenigstens nicht auf die Dauer! Er verlangt für die skandinavischen Länder endlich einen„rufenden Propheten", und so lange der nicht erscheint, sind die Länder der Edda und der Mitgardsonnc nicht wert, einem Adolf Hitler den Schemel zu halten. Sie sind trotz ihrer Blondheit die hnerlösten Schwarzalben der Wagneroper. Harald Da» neue Voll«»lie> Unterstützung zur Arbeit gemeldet hatten. senjahr, nur noch 10,8 übrig. Die Abnahme dem radikalen Abbau der sozialen Schutz- Karlsbad. Warschau 194.797 Schweiz: Mit dieser Feststellung soll keineswegs ge- der Sterblichkeitsziffer beträgt demnach massnahmen für das arbeitende Volk. Die Neuer Vorwärts» Karlsbad. Zürich Nr VIII Wirkungen dieser unsozialen Politik sind 14.697. Rumänien: Anglo- Čechoslovaauf die Dauer mit Arbeit verschonen wol- Dieser Rückgang der Sterblichkeit trotz noch verschärft worden durch die unna- kische und Prager Creditbank, Filiale Bukalen. Solange aber Arbeitsplätze nur in be- einer vorher nie erlebten Massenarbeitslo- türliche, schlechte Ernährungsweise, zu der rest, Konto« Neuer Vorwârts», Bukarest schränkter Weise frei sind, kommen diese sigkeit war unzweifelhaft eine Wirkung des jetzt die Massen des Volkes gezwungen Nr. 2088. Ungarn: Anglo- Čechoslovakische und Prager Creditbank Filiale Karlsnur für wirklich Arbeitswillige und wert- hoch ausgebildeten Fürsorgewesens, des werden. volle Familienväter in Frage. Um die Aso- weitgehenden gesundheitlichen Schutzes, Gibt es eine grössere Anklage gegen die bad Konto« Neuer Vorwärts» Budapest zialen auf eine nutzbringende Weise in den dessen sich gerade die Armen erfreuen Diktatur als die, dass in den Jahren ihres Nr. 2029. Jugoslawien: Anglo- Čechoslovakische und Prager Creditbank. Filiale Produktionsprozess einzugliedern, bedarf durften, und des hohen Standes der Sozial- Wirtschaftsaufbaues die Sterblichkeit des Belgrad. Konto« Neuer Vorwärts», Beograd es sowieso härtere Methoden als einer ein- politik überhaupt. Wären diese von der deutschen Volkes um 10 Prozent gestiegen Nr. 51.005. Genaue Bezeichnung der Konfachen Arbeitsbeschaffung. Sozialdemokratie erkämpften Massnahmen ist! sagt sein, dass wir den Asozialen bewusst mehr als 14 Prozent! ten ist erforderlich. Imp. Union, 13, rue Méchain, Paris. Le Gérant: Maurice COQUET.