r e S T r -t . e r ロー d 5ge b t, ei g n 1t, r s 1a2t. m in td g eele n. g50 n Jnn n. S, ge h. nsit hl liren Lie eizu at, Neuer Vorwärts Sozialdemokratisches Wochenblatt EN AVANT! Hebdomadaire en langue allemande Redaktion und Verlag: 5, Rue Mayran, Paris- 9. Téléphone: Trudaine 46-52 Nr 242 SONNTAG, 6. Februar 1938 Aus dem Inbalt: Sind wir liberal? Volk ohne Raum Die Tragödie Danzig Prix Fr. 1,50 Sie wollen den Krieg! Eine Täuschung Führertagung in Gleiwitz Opposition ist verständlich-Der Führer muss mit dem Kriege rechnen Folgender Bericht geht uns zu: Was hat das System vor? Was verbergen sie? Warum musste schen begreiflich machen, dass Deutsch-, dass der Krieg ein Wahnsinn sei, jetzt Hitler schweigen? Warum hat er nicht Bei einer Kreis- und Amtsleiterta- land heute seine Weltgeltung erreicht fehle schon alles, Arbeiter müssten aus am Fünfjahrestag seines Machtan- gung in Gleiwitz wurde zu der allgemei- habe, die Aufrüstung mache riesige Materialmangel Feierschichten hinnehtritts die angekündigte Rede vor dem nen Misstimmung Stellung genommen. Fortschritte und da komme es auf ein men, Nahrungsmittel, besonders aber sogenannten Reichstag gehalten? Sind Die Meinungen der Amtsleiter gingen bisschen Not nicht an. Leider habe man Fett fehle, und da sei es leichtsinnig, von sie nicht einig darüber, wie es weiter- dahin, dass man gegenüber den Men- in Breslau schon die Erfahrung gemacht, Krieg zu sprechen. Diese Tatsachen schen nachgiebiger sein müsse, denn die dass Partei und Arbeitsfront in Ober- sind wiederholt besonders von den poligehen soll? Opposition sei ja verständlich, wenn schlesien in den Landgegenden gar kei- tischen Leitern aus den Betrieben herMan vermutet, dass eine Kabinetts- man die Fett- und Fleischfrage betrach- ne Veranstaltungen durchführe und vorgehoben worden, so dass der Refeumgestaltung bevorstehe, dass eine te, die in jeder Hinsicht zu Beschwerden auch keine Versammlungen mache und rent selbst schliesslich erklärte, man Grossmacht vor provokatorischen Anlass gebe. Kreisleiter Mutz- Beuthen dadurch seien diese Meckerstimmungen solle ihn nicht missverstehen. Deutschhob dabei hervor, dass die Unzufrieden- entstanden. Ein Teilnehmer dieser Ta- land wolle, wie der Führer immer betont, aussenpolitischen Erklärungen geheit heute besonders von den eigenen gung erklärte, dass die Amtsleiter diese Frieden. möchte. die Schuld der Leitung zuschoben, heben. ten. Die Kolonien sowie die im Friedensdie warnt habe, dass es ernste Differen- Parteigenossen ausgehe, weil sie zu Angriffe nicht stillschweigend hinge-.. Aber der Frieden könne doch nur erzen mit der grossen Industrie gebe. Hause von den Frauen interpelliert nommen haben, sondern halten werden, wenn man Deutschlands Jedenfalls ringen im System zwei würden, warum der Fleisch-, ButterForderungen, Anschluss von Danzig und Fraktionen miteinander: eine Partei, und Fettmangel nicht behoben wird. Auf die den Krieg heute will, und eine an- dieser Gleiwitzer Tagung der Kreis- und die wohl viel Drucksachen und Rund- Oesterreich, die Befreiung der Sudetenschreiben herausgebe, aber nichts tue, deutschen bewillige. dere, die ihn auf morgen vertagen aus den Landgegenden hervor, dass die damit der einzelne wirklich merkt, dass wir müssten uns in der Welt behaupStimmung der Bevölkerung heute bereits es besser geworden ist. Vor diese innere Krise des Systems so schlimm sei ,,, wie in der Systemzeit." Es wurde der Beschuss gefasst, mit vertrag von Versailles geraubten deutVersammlungswelle in schen Gebiete seien schliesslich eine hat die braune Propaganda ein Rie- Die Parteigenossen in den Städten hät- einer starken senbauprojekt gestellt, das die Blicke ten es ja noch gut, aber auf dem Lande, allen Ortschaften die Stimmung zu zweite Frage, aber auch deren Lösung müsse Deutschland betreiben und des deutschen Volkes ablenken soll. denn die Leute werden bei jeder Gele gleichen Führeraussprache Parteigenossen müssten doch zugeben, Es sollen zwei Berliner Zentralbahn- genheit ausfällig. Gegen diese Klagen wurde auch der Kriegsfall diskutiert. dass diese Lebensinteressen Deutschhöfe geschaffen, und durch eine der Amtsleiter aus den Landgegenden Ueberzeugung, dass die Leute nur dann bewilligt werden. durch eine der Amtsleiter aus den Landgegenden Die Mehrzahl der Anwesenden war der lands nicht freiwillig von den Gegnern Prachtstrasse verbunden werden. Rié- wandte sich mit aller Entschiedenheit Ueberzeugung, dass die Leute nur dann bewilligt werden. Der Führer müsse sendurchbrüche, ein Vertreter der Breslauer Gauleitung in den Krieg ziehen und sich alles rei- eben mit einem Kriege rechnen, für den Gleisverlegungen, bungslos abspielen wird, wenn Deutsch- alle Vorbereitungen im Gange sind. Er die Nazis, wird sich kein Mensch schla- wenig von einem Kriege wissen wollen, die Parteigenossen ihren Aufgaben nicht gen, ja, selbst unsere Parteigenossen aber ihre Aufgabe ist es ja, die Arbeiter gewachsen lehnen einen Krieg ab, den Deutschland in den Betrieben auf einen Eventualfall wenn solche Klagen überhaupt vielleicht absichtlich herbeiführen wür- aufmerksam zu machen und nicht den zum Ausdruck kämen. Man müsse mit de. Interessant war es, dass auf dieser Krieg um des Friedens willen zu da könne man nicht mehr viel sagen, Bej der Ueberbauung eines Teiles des Tier der NSDAP und stellte die Behauptung land als überfallen gelten kann. Für uns, verstehe die Parteigenossen, dass sie auf, dass seien, gartens, Schaffung eines künstlichen Sees, Prachtbauten. Die gesamte deutsche Presse ist auf Befehl angefüllt mit diesem Projekt. Man denkt an die Strassendurchbrüche des bonaparti- mehr Energie vorgehen und den Men- Tagung die Feststellung gemacht wurde, kämpfen. stischen Systems in Paris, an die Schaffung der grossen Boulevards. Cäsaren sich über das wirtschaftlich beMeinung in Frankreich" sprechen. Der französische Publizist kommt von Berlin, wo er auf Einladung des Reichsjugendführers gesprochen hat. Er ist kein Unbekannter mehr. Er war der erste französische Journalist, der nach dem Umbruch im Jahre 1933 eine Unterredung mit dem Führer gehabt hat." Am gleichen Tage aber las man im WestSachlich müssen zu diesem Projekt dem Namen des sozialdemokratischen Rohstoffe nicht zureichen, wie soll einige Worte gesagt werden: es han- Verkehrsdezernenten Ernst Reuter dies Projekt verwirklicht werden? delt sich um ein schon Jahrzehnte er- verknüpft. Die Reaktion hat deswegen Die Verwirklichung steht dem Sywogenes Berliner Verkehrsproblem, gegen ihn und die sozialdemokrati- stem jedoch in zweiter Linie. In erster nur dass es jetzt im Hitlerstil gelöst sche Verwaltung gewütet. Ernst Reu- Linie steht der Täuschungs- und Abwerden soll. Das heisst, dass die Fas- ter, der spätere Oberbürgermeister lenkungszweck. Man glaube ja nicht, sade den Vorrang vor der Zweckmäs- von Magdeburg ist vom braunen Sy- dass das System sich friedlicher Ar- deutschen Beobachter, dass der Vortrag sigkeit erhält, dass die Bauwut des stem verhaftet und in langer Haft ge- beit zuwenden wolle! Ihm ist der de Brinons ausfallen müsse, weil der Vortragende erkrankt sei. Die energische AbKrieg der übergeordnete Zweck. Es schüttelung de Brinons durch die französivernünftige hinwegsetzt. Die Fassade Die Nationalsozialisten haben die will dem Volke sagen: Wir waren zu schen amtlichen Stellen hat dem Manöver ist dem System wichtiger als der sozialdemokratische Verwaltung für friedlicher Arbeit entschlossen, aber ein rasches Ende bereitet. ihr volksfreundliches Wirken als die Feinde zwingen uns zur Rüstung. Unter der Republik haben die deut- Schandsystem" beschimpft. Im Bun- Es will seine Angreiferrolle verberschen Grosstädte unter sozialdemo- de mit der Reaktion haben sie die so- gen. Nichts wäre ihm erwünschter, als kratischer Verwaltung viel für das zialdemokratische Verwaltung mit wenn sich nun die öffentliche MeiWohl der Bevölkerung getan. Sie ha- Hetze, Verleumdung und Fälschung nung ausserhalb Deutschlands auf die- Richard Lindström/ Göteborg und Haben Grünflächen, Sportplätze, Bade- bekämpft. Sie haben sich jeder Aus- se Zweckutopie stürzen würde. rald Akerberg/ Oerebro/ haben sich an Mensch. quält worden. Friedenspreis für Karl Kautsky Die schwedischen Reichstagsabgeordneten das Nobel- Komitee des norwegischen Storanstalten geschaffen, sie haben vor gabe für sozialhygienische Zwecke Wir sagen aus genauester Kenntnis tings mit dem Vorschlag gewandt, den Noallem ein grosszügiges Wohnungsbau- widersetzt. Göbbels hat in seinem des Systems: Achtung, Gefahr! Wenn bel- Friedenspreis des Jahres 1938 Karl programm durchgeführt. Die Reak- Angriff" die widerlichsten Beispiele das System zu einem solchen Täu- Kautsky zuzusprechen, tion geführt von Schacht, Hugenberg dieses reaktionären Kampfes geliefert. schungsmanöver greift, hat es ganz auf die geniale Analyse des Wesens und der und Hitler hat sie deswegen der VerAber wie verträgt sich das neue Re- andere Dinge vor. Schnelles Ende schwendung beschuldigt, die Reaktion klameprojekt mit dem Göring'schen hat ihren Kredit im Ausland zu schä- Vierjahresplan? Wir veröffentlichen digen gesucht, sie hat den Hass der heute einen aufschlussreichen Aufsatz reaktionären Schichten gegen sie auf- über die Herunterwirtschaftung der Goebbels hat kein Interesse In der Begründung des Vorschlages wird Ursachen des Krieges hingewiesen, die Kautsky in seinen Werken über ,, Krieg und Demokratie" und Sozialisten und Krieg" gegeben hat. Mehr als ein anderer habe er in seinem langen, arbeitsreichen Leben für die Verbreitung der Erkenntnis getan, dass gepeitscht weil die sozialdemokra- Reichsbahn durch das System. Er der Friede die elementarste Voraussetzung Das Reichspropagandaministerium hat wahren Fortschrittes und Völkerglückes sei. tische Verwaltung das Wohl des Vol- lässt erkennen, dass es sich bei diesem Hitlerfreund de Brinon. Am 26. Januar der schwedischen Abgeordneten Folge leikein Interesse mehr an dem französischen Wenn das Nobel- Komitee dem Vorschlag vorangestellt hat. Bauprojekt um ein völlig unorgani- noch teilte die Kölnische Zeitung mit, dass sten würde, so dürften wir deutschen SoIn Berlin ist unter der Republik ein sches Projekt handelt, das mit dem de Brinon vor der Deutsch- französischen zialdemokraten darin nicht nur eine vergrosszügiger Ausbau des Untergrund- heutigen Zustand der deutschen Gesellschaft im Rheinland e. V." sprechen diente Ehrung des greisen Forschers und kes en en ge an en bahnnetzes erfolgt eit eine gewaltige Volkswirtschaft und mit der totalen Lebenserleichterung für die Arbeiter- Kriegswirtschaft nicht bevölkerung. Dieser Ausbau ist mit stimmt. Wenn vorne und hinten die zusammenwerde: Kämpfers, sondern auch eine Anerkennung ,, Nun wird am 26. Januar der Comte des Friedenskampfes der mit Karl Kautsky de Brinon, der Aussenpolitiker der ,, Information", im Hause Albrecht Vorster besonders tief verbundenen deutschen So,, Deutschland und die öffentliche zialdemokratie sehen. über Deutsche Presse Wie sie Ihre iSchande verteidiget Der Chefredakteur der„Frankfurter Zeitung", Rudolf Kircher, hat in seinem Blatte einen Aufsatz über die Freiheit der Presse veröffentlicht. Dieser Kircher kann noch einen Göbbels lehren! Seit seiner Reise In die Vereinigten Staaten leidet Kircher an einem moralischen Geschwür. Der Leiter einer grossen amerikanischen Zeitung hat ihm kühl pointiert gesagt:„Sie können das nicht nachempfinden, denn Sie haben ja keine Pressefreiheit in Deutschland." Dieser Satz ist eine Hinrichtung für den einst liberalen Chefredakteur einer Zeitung, die einst das Hauptorgan des deutschen Liberalismus war. Nun ist dem Kircher ein Buch in die Hand gefallen, in dem die Zusammenhänge zwischen Geschäftsinteresse und Pressefreiheit in den Vereinigten Staaten freimütig behandelt werden. Er atmet auf und tröstet sich:„Wir sind zwar Schweine, aber ihr seid auch Schweine"— und so sagt er den Amerikanern, es sei immer noch löblicher, der Sklave des Göbbels zu sein als der Sklave des allmächtigen Dollars, lieber diesen Ehrenkodex lässt sich nicht streiten. Entweder man steht zu seiner Meinung oder man verkauft sie. Der Streit der Meinungsverkäufer um die grössere Honorigkeit ihrer Prostitution ist für die anständigen Leute nicht interessant. Aber hat Kircher nicht recht, dass es wahre Pressefreiheit auch in den Vereinigten Staaten nicht gibt? Es genügt ein Hinweis auf das, was er unterschlägt. Auch in den Vereinigten Staaten gibt es neben der Geschäftspresse eine Gesinnungspresse, und überall in den nichtfaschistischen kapitalistischen Ländern findet jede Gesinnung ein freies Organ. Es hat in Deutschland eine grosse Gesinnungspresse gegeben— aber gerade sie ist es gewesen, die dem Terror zum Opfer gefallen ist. Deswegen maskiert Kircher auch umsonst die Prostitution der deutschen Presse mit hohlen Worten vom„Gemeinschaftszweck einer ganzen Nation". Jeder deutsche Journalist steht vor der Wahl, eine eigene Gesinnung zu haben, oder am nächsten Ersten nicht mehr seine Gehaltsquittung unterschreiben zu können— vom Konzentrationslager nicht zu reden. Die von Göbbels gelieferten Phrasen übertünchen diesen Tatbestand nicht einmal notdürftig. Die Freiheit der Gesinnung und die Freiheit der Gesinnungspresse gehören zu dem, was es im besseren Deutschland vor 1933 gegeben hat. Davon zu reden ist verboten. Kircher sagt den Amerikanern:„Wir deutschen Journalisten wissen auch ohne ausländische Belehrung, dass unsere Presse den Höhepunkt ihrer Entwicklungsmöglichkeit noch nicht erreicht hat." Entwicklungsmöglichkeit, wozu— wenn die Freiheit, die Ehre und die Gesinnungstreue hinter ihr liegen? Wenn aber der Chefredakteur der »Frankfurter Zeitung" den amerikanischen Journalisten Mangel an Zivilku- rage vorwirft, die Selbstkritik feiert und verkündet:„Wir sind gerne bereit, den Bilanzstrich zu ziehen"— so sollte ihm ein Amerikaner kühl darauf antworten":„Wir sind bereit, ein Buch von Ihnen über die Entwicklung der deutschen Presse und speziell Ihres Organs von der Gesinnungspresse zu Göbbels zu verlegen— aber fair play mit der Wahrheit!" Zmlkurage, gepredigt von einem Journalisten des Dritten Reiches? Ob er weiss, wie seine Verteidigung der deutschen Presseschande in freien Ländern wirkt? Aber er kann das nicht nachfühlen, denn er hat Pressefreiheit in Deutschland nur einst besessen und bemüht sich seither, sie zu vergessen. Die Kerri�ene Verfassung Was Hitler vor ffluf«fahren beschworen hat Am 30. Januar 1933 leistete Hitler in die Hand des Reichspräsidenten von Hindenburg seinen Eid auf die Verfassung des deutschen Reichs vom 11. August 1919. Es ist nicht uninteressant, jetzt nach fünf Jahren daran zu erinnern, was alles Hiller damals beschworen hat. Eine kleine Blütenlese daraus sei wiedergegeben: „Das Deutsche Reich ist eine Republik; die Staatsgewalt geht vom Volke aus." (Art. 1) „Die Reichsfarben sind schwarzrotgold." (Art. 3) „Jedes Land muss eine freistaatliche Verfassung haben. Die Volksvertretung muss in allgemeiner, gleicher, unmittelbarer und geheimer Wahl von allen reichsdeutschen Männern und Frauen nach den Grundsätzen der Verhältniswahl gewählt werden... Die Grundsätze für die Wahlen der Volksvertretung gelten auch für die Gemeindewahlen."(Art. 17) „Der Reichstag besieht aus Abgeordneten des deutschen Volkes. Die Abgeordneten sind Vertreter des ganzen Volkes. Sie sind nur ihrem Gewissen unterworfen und an Aufträge nicht gebunden... Kein Mitglied des Reichstages oder eines Landtages darf zu irgendeiner Zeit wegen seiner Abstimmung oder wegen der in Ausübung seines Berufs getanen Acusserungen gerichtlich oder dienstlich verfolgt oder sonst ausserhalb der Versammlung zur Verantwortung gezogen werden. Kein Mitglied des Reichstages oder eines Landtages kann ohne Genehmigung des Hauses, dem der Abgeordnete angehört, während der Sitzungsperiode wegen einer mit Strafe bedrohten Handlung zur Untersuchung gezogen oder verhaftet werden, es sei denn, dass das Mitglied bei der Ausübung der Tat oder spätestens im Laufe des folgenden Tages festgenommen ist."(Art. 20, 21, 36, 37.) „Die Reichsgesetze werden vom Reichstag beschlossen... Alle Einnahmen und Ausgaben des Reiches müssen für jedes Rechnungsjahr veranschlagt und in den Haushaltsplan eingestellt werden. Der Haushaltsplan wird vor Beginn des Rechnungsjahres durch ein Gesetz festgestellt."(Art. 68 und 85.) „Die Richter sind unabhängig und nur dem Gesetz unterworfen... Ausnahmegerichte sind unstatthaft. Niemand darf seinem gesetzlichen Richter entzogen werden." (Art. 102 und 105.) „Alle Deutsche sind vor dem Gesetze gleich. Die Freiheil der Person ist unverletzlich.. die Wohnung jedes Deutschen ist für ihn eine Freistätte und unverletzlich... Eine Handlung kann nur dann mit einer Strafe belegt werden, wenn die Strafbarkeit gesetzlich bestimmt war, bevor die Handlung : begangen wurde. Das Briefgeheimnis, sowie das Post-, Telegrafen- und Fernsprechgeheimnis sind unverletzlich. Ausnahmen können nur durch Reichsgesetz zugelassen werden. Jeder Deutsche hat das Recht, innerhalb der Schranken der allgemeinen Gesetze seine Meinung durch Wort, Schrift, Druck, Bild oder in sonstiger Weise frei zu äussern. An diesem Recht darf ihn kein Arbeits-, oder Anstellungsverhältnis hindern und niemand darf ihn benachteiligen, wenn er von diesem Recht Gebrauch macht. Wahlfreiheit und Wahlgeheimnis sind gewährleistet. Allen Beamten wird die Freiheit ihrer politischen Gesinnung und die | Vereinigungsfreiheit gewährleistet."(Art. 109, 114, 115, 116, 117, 118, 125, 130.) „Alle Bewohner des Reichs geniessen volle Glaubens- und Gewissensfreiheit... Die Freiheit der Vereinigung zu Religionsgesellschaften wird gewährleistet..." „Die Kunst, die Wissenschaft und ihre Lehre sind frei... Das öffentliche Schulwesen ist organisch auszugestalten. Auf einer für alle gemeinsamen Grundschule baut sich das mittlere und höhere Schulwesen auf. Für diesen Aufbau ist die Mannigfaltigkeit der Lebensberufe, für die Aufnahme eines Kindes in eine bestimmte Schule sind seine Anlage und Neigung, nicht die wirtschaftliche und gesellschaftliche Stellung oder das Religionsbekenntnis seiner Eltern massgebend... In allen Schulen ist sittliche Bildung, staatsbürgerliehe Gesinnung, persönliche und berufliche Tüchtigkeit im Geiste des deutschen Volkstums und der Völkerversöhnung zu erstreben. Beim Unterricht in öffentlichen Schulen ist Bedacht zu neh- man, dass die FImpfindungen anderer nicht verletzt werden."(Art. 135, 137, 142, 146, 148.) „Die Vereinigungsfreiheil zur Wahrung und Förderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen ist für jedermann und für alle Berufe gewährleistet. Alle Abreden und Massnahmen, welche diese Freiheit einzuschränken oder zu behindern suchen, sind rechtswidrig." „Die Arbeiter und Angestellten sind dazu berufen, gleichberechtigt in Gemeinschaft mit den Unternehmern an der Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen, sowie an der gesamten wirtschaftlichen Entwicklung der produktiven Kräfte mitzuwirken. Die beiderseitigen Organisationen und ihre Vereinbarungen werden anerkannt."(Art. 159 und 165.) Pressefrlcilen Ihre Kultur. Der japanische Botschafter in Berlin versicherte bei einem Festessen: „Zwischen Japan und Deutschland besteht eine auffallende Aehnlichkeit in der kulturellen Veranlagung." Soweit er unter Deutschland das Dritte Reich versteht, hat er wahr gesprochen. Die Verwandtschaft der Bestialität des militärischen Nationalismus auf beiden Seiten ist unverkennbar, Loreleg— arisch. Auf Anregung des Gauleiters von Hessen-Nassau wird eine nationalsozialistische Feierstätte auf dem Lore- leyfelsen errichtet, die in wenigen Monaten vollendet sein wird. Die Tscheclioslovakei für Versailles veranlw orllicli Der„Völkische Beobachter" bespricht in breiter Ausführlichkeit eine neue Schrift von Professor Victor Bruns, die den Nachweis zu führen versucht, dass die Tschechoslowakei in Versailles Deutschland gegenüber vertragsbrüchig geworden ist. Die Tschechoslowakei ha-� be nämlich den„Vorfriedensvertrag' mitunterzeichnet, der zwischen Deutschland und der Entente vor Versailles geschlossen worden sei. Woraus sich dann folgendes ergibt: Dadurch, dass die Tschechoslowakei Vertragspartner des Deutschen Reiches wurde, hat sie mit die Verpflichtung übernommen, dass der Friedensvertrag auf jene Grundlage errichtet wird, den der Vorfriedensvertrag für beide Parteien bindend vorzeichnet. Es ist unbestritten, dass zwischen den Grundlinien des Vorfriedensvertrages,. die gegeben sind durch die Wilson. sehen 14 Punkte, und dem späteren Friedensvertrag ein Gegensatz besteht, der un- aufhebbar ist. Mit einem Wort gesagt, die alliierten und assoziierten Mächte haben den Vorfriedensvertrag gebrochen und ein machtloses Deutsches Reich mit Mitteln der Gewalt genötigt, einen Friedensvertrag zu unterzeichnen, dessen Inhalt mit dem Vorfriedensvertrag unvereinbar ist. An diesem Vertragsbruch ist auf Grund der Mitunter- zeichnung, wie Professor Bruns nachweist, die Tschechoslowakei mitbeteiligt, und das Deutsche Reich hat das Recht, von seinem tschechoslowakischen Vertragsgegner die Ausführung der im Vorfriedensvertrag gegebenen Versprechen zu verlangen. Richtig ist, dass der Frieden von Versailles den 14 Punkten Wilsons nicht entsprach, und dass die Behandlung, die die junge deutsche Republik in Versailles erfuhr. Wesentliches zum späteren Siege Hitlers beigetragen hat. Unrichtig ist dagegen, dass ein„Vorfriedensvertrag" bestand, und darum ist ebenso unrichtig, dass die Tschechoslowakei diesen„Vorfriedensvertrag" mitunterzeichnet hat. Die Tschechoslowakei hat auch nicht zu den Mächten gehört, die den Inhalt des Friedensvertrages entscheidend mitbestimmt haben, wohl aber war Italien eine von ihnen. Läge wirklich ein„Vertragsbruch" vor, so trüge die Grossmacht Italien an ihm die weit grössere Schuld als die damals erst in der Entstehung begriffene Tschechoslowakei. Der Angriff des Professor Bruns und des ihm folgenden Zentralorgans der NSDAP auf die Tschechoslowakei ist so ziemlich das politisch Bösartigste, das man sich vorstellen kann. Er erinnert in weil Belgien die Netralität gebrochen habe. Es ist immer wieder die Geschichte von dem Lamm, das das Wasser trübte, wofür es der Wolf von rechtswegen zer- riss. Nur, dass diese alte Geschichte sich jetzt im Zeichen des„Pressefriedens" zu wiederholen beginnt, gibt ihr den Reiz .der Neuheit. Hitler bilrsert anw Am 14. Juli 1933 hat Hitler ein„Gesetz über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit" erlassen. Richtet sich der erste Teil des Gesetzes gegen die Einbürgerung von fremden Staatsangehörigen, Insbesondere gegen die Juden, so richtet sich der zweite Teil gegen die eigenen Staatsangehörigen, soweit sie politische Gegner Hitlers sind und im Auslande leben. In den Jahren 1933 bis 1937 sind auf Grund dieses zweiten Teils insgesamt 1287 Ausbürgerungen vorgenommen worden, und zwar 698 Einzelpersonen und 589 Familienangehörige. Die Ausbürgerung von Familienangehörigen begann erst im Jahre 1935. Die Entwicklung der Ausbürgerungen in den einzelnen Jahren ersieht man aus folgender Uebersicht: Einzelpersonen Familienangehörige 1933.......... 33— 1934.......... 63— 1935.......... 35 2 1936.......... 93 62 1937.......... 474 525 Die Ausbürgerung politisch unbequemer Staatsangehöriger hat also erst im Jahre 1937 grösseren Umfang angenommen. Wurden in den ersten Jahren nur solche deutsche Staatsangehörige ausgebürgert, die akliu gegen das Hitlersystem hervorgetreten waren, so wird seit 1937 diese Waffe gegen alle Reichsangehörigen angewendet, die sich ins Ausland begeben haben, weil sie mit dem herrschenden System nicht einverstanden sind. F ri eile n pro p aer« n<9 a „Auf Einladung der Ortsgruppe der NSDAP. Hafen sprach Gauamtsleiter Parteigenosse Dr. Toni Winkelnkemper, Intendant des Reichssenders Köln, vor dem überfüllten Börsensaale über das Thema „Was geht in der Welt vor?" Der Redner zeichnete mit klaren Strichen ein Bild unseres Wirtschaftskampfes und der hinterhältigen Absichten der anderen. Er wusste durch humoristische, seiner juristischen Gesuchlheit stark an kleine Gleichnisse seinen Ausführungen be- die Behauptung von 1914, Deutschland habe in Belgien einmarschieren müssen zwingende Beweiskraft zu geben." (Westfälische Landeszeitung Nr. 20) Uml Bolile sprach Braune L.üg;en und Drohungen Der Staatssekretär Bohle im deutschen Auswärtigen Amt ist der Chef der grossen Zersetzungs- und Spionageorganisation, die sich„Auslandsorganisation der NSDAP." nennt. Er hat vor kurzem Budapest einen Besuch abgestattet, bei dem er eine Rede über die angebliche Harmlosigkeit seiner Organisation gehalten hat. Es sei ein fundamentales Prinzip dieser Organisation, sich unter keinen Umständen in die innerpolitischen Verhältnisse fremder Staaten einzumischen. Wie dies„fundamentale Prinzip" gc- handhabt wird, dafür gibt es Beweise: die Ermordung von Dollfuss in Wien, die Ausweisung der Bohle unterstehenden, als Journalisten verkappten deutschen Agentdn aus England, die Aufdek- kung der Treibereien in den Vereinigten Staaten, in Brasilien und jetzt eben wieder in Oesterreich. Soviel über die erste Lüge Bühles in dieser Rede. Die zweite Lüge bestand in der Behauptung, dass das Reich nicht in den deutschen Minderheiten in anderen Ländern agitiere. Demgegenüber könnte der polnische Bundesgenosse Hillers Bände von aktenkundigem Widerlegungsmaterial vorlegen. Vor allem: wer kennt nicht die subversive deutsche Agitation unter den Sudetendeutschen gegen den Bestand der tschechoslowakischen Republik? Wer weiss nicht, dass Hen- lein ein Befehlsempfänger Hitlers ist? Die tschechoslowakische Republik hat bisher keine Auslandsorganisalion der NSDAP, bei sich geduldet. Wer ihr angehören würde, macht sich auf ihrem Staatsgebiet strafbar. Aber, so drohte Bohle in Budapest: „Wir sind nicht gewillt, einen Reichsdeutschen verfolgen zu lassen, nur weil er Nationalsozialist ist. Wer aus solchen Gründen Reichsdeutsche im Ausland verfolgt, greift das deutsche Reich an." Die Genehmigung einer solchen Organisation gehört zu den Forderungen, die das Dritte Reich an die tschechoslowakische Republik gestellt hat, um sie von innen her zu zersetzen. Ueh»r den Beginn des Budapester Besuches berichtete der„Völkische Beobachter": „Staatssekretär Bohle schritt dann die Front der Gliederungen der Partei und der Hitlerjugend ab." Man stelle sich vor, dass Bohle in Nazi-Uniform vor dem Wilson-Bahnhof iö Prag die Front der reichsdeutschen paramilitärischen Organisationen von Prag abschreite... 1 t S et S e I d r 6g0 h d it Verrat an Europa Die Expansion des Antisemitismus Die Beschlagnahme von Streichers ,, Stürmer" ist prompt wieder aufgehoben worden. Streicher hat sich bei Hit19 Das Schicksal von Danzig Der Terror triumphiert Parteien aus Aus Warschau wird uns geschrieben: zialisten kommt kaum noch überraschend. gerechtfertigt erklärt. Nie aber hat er auch Wie wir aus zuverlässiger Quelle er- Sie stellt den Abschluss der Tragödie des nur versucht, seinem Willen, die Verfasler beschwert und der hat die Freigabe fahren, wird ein neuer Schritt auf dem legalen Kampfes dar, den die Danziger So- sung in Danzig wiederherzustellen, durch seines Lieblingsblattes angeordnet. Die Wege der Ausserkraftsetzung der Dan- zialdemokratische Partei seit fünf Jahren die Tat Nachdruck zu verleihen. Auch die Folge ist, dass nun eine Riesenreklame gegen die nationalsozialistische ,, Gleich- polnische Regierung, die an sich an der ziger Verfassung durch die Schaffung schaltung" verzweifelt geführt hat, den Ab- Erhaltung verfassungsmässiger Zustände in für die freigegebene Nummer, eine der vollzogener Tatsachen" von den Dan- schluss einer politischen und menschlichen Danzig wohl interessiert sein mochte, verschmutzigsten und pornographischsten ziger Nationalsozialisten vollendet wer- Tragödie, die in ihren weltpolitischen Aus- zichtete darauf, den Danziger Nationalsodes ,, Stürmer", eingesetzt hat. den. Nachdem durch den nationalsozia- massen zwar klein ist, in ihrer Tiefe aber zialisten Einhalt zu gebieten, um ihr ,, guIn all den hitlerfreundlichen Kreisen listischen Terror bereits 4 sozialdemo- der der reichsdeutschen Sozialdemokratie tes Einvernehmen" mit dem Deutschen Europas, die ein Verbergen der wider- kratische Abgeordnete des Danziger nicht nachsteht. Sie begann nicht erst im Reich nicht zu gefährden. lichen Fratze des Systems hinter geheu- Volkstages gezwungen worden sind, in März 1933. Schon seit November 1930 wa- Als der Völkerbund auch einer von den chelter Kulturtünche wünschen, ist die die Emigration zu gehen, haben jetzt ren die Nationalsozialisten Teilhaber der Danziger nationalsozialistischen Beschlagnahme als ein Schritt zur ,, Nor- die Nationalsozialisten von den 9 in Macht in der zu mehr als 96 Prozent von erhobenen Forderung auf Ungültigkeitsermalisierung" des Systems ausgeschrien Danzig verbliebenen sozialdemokrati- Deutschen bewohnten Freien Stadt Danzig, klärung der Terrorwahlen vom 7. April die seit dem Friedensvertrag von Versailles und Ausschreibung von Neuwahlen worden. Wie gut hätte sich dahinter schen Abgeordneten ultimativ die Auf- vom Reich abgetrennt wurde und Polen als dem Wege ging der Ausgang des abbessidie europäische Schande der Ausbrei- lösung ihrer Fraktion und ihren An- Hafen dienen sollte. Hier, wo polnisches nischen Krieges hatte sein Ansehen schon tung des Antisemitismus von Hitler- schluss als Hospitanten bei der natio- und deutsches Volkstum, polnische und weitgehend eingeschränkt fühlte der nadeutschland aus verbergen lassen! Aber nalsozialistischen Fraktion gefordert. reichsdeutsche Interessen zusammenstossen, sten Mitteln, um in der Freien Stadt Danwer kann glauben, dass in eben dem Die Mehrzahl der Abgeordneten hat schlug der Nationalismus stets hohe Wel- zig die Bahn frei und griff zu den äusserAugenblick, in dem die Pogromstim- dem auf sie ausgeübten Druck bereits Seit dem Juni 1933 bildeten die Danzi- sten Mitteln, um in der Freien Stadt Danmung in Rumänien Triumphe feiert und nachgegeben und ihren Uebertritt als ger Nationalsozialisten, die der Berliner zig ein lückenlos totalitäres Regime durchin Italien der Antisemitismus unter Hospitanten zugesichert. Nachdem die Führung direkt unterstehen, allein den Se- zusetzen. Im Verlauf des Jahres 1936 wurFarinaccis Führung immer mehr um vor etwa 2 Monaten erlassene verfas- nat, die Regierung der Freien Stadt. Die de der Hauptgegner, die Sozialdemokratisich greift, ausgerechnet Hitler den An- sungswidrige Verordnung des sche Senats unter ihrem Einfluss bisher vereinzelt erPartei, polizeilich aufgelöst, die tisemitismus abbauen werde? der Freien Stadt Danzig jede Neubil- folgten Verletzungen der vom Völkerbund Deutschnationale Volkspartei zur„, freiwilDiese europäische Schande lässt sich dung von politischen Parteien politischen Parteien mit garantierten demokratischen Danziger Ver- ligen" Selbstauflösung gezwungen und im ebensowenig verbergen wie die Tatsa- Zuchthausstrafe bedroht, hatten fassung wurden von nun ab zum alleinigen Herrschaftssystem. Die Presse wurde un- partei verboten. che, dass Hitlerdeutschland der Herd die sozialdemokratischen Abgeordneten terdrückt, die Versammlungsfreiheit abgeder moralischen Seuche ist. Es gehört wiederholt bemüht, ihre Mandate nie- schafft, die Freien Gewerkschaften gewalt- nalsozialisten vor Neuwahlen zurück. Sie zum europäischen Kulturverfall, dass derzulegen. Sie wurden daran jedoch mässig gleichgeschaltet, den nichtnational- griffen deshalb zu einem anderen Mittel, der Völkerbund gegenüber dem rumäni- von den Nationalsozialisten behindert. sozialistischen Parteien das Leben unmög- um die verfassungsändernde Zweidrittelschen Antisemitismus, der die Minder- Sämtliche Abgeordnete standen seitdem lich gemacht. Aber die Massen der sozial- mehrheit im Parlament herzustellen. Verheitenverträge bricht, sich weniger auf unter ständiger polizeilicher Kontrolle. demokratischen Arbeiterschaft nahmen haftungen, Mandatsaberkennungen, seine kulturelle und vertragliche Ver- Sie sind nunmehr den Drohungen der auch unter den ungünstigsten Verhältnissen rumpierung und wie der Fall Wiechpflichtung besonnen hat, als selbst Bis- Nationalsozialisten unterlegen. auch der Mord diente dazu, mutig den offenen Kampf gegen die natio- mann zeigt mark gegenüber den rumänischen Ponalsozialistische Diktatur auf, beseelt al- die Reihen der oppositionellen AbgeordneWie wir weiter hören, soll die glei- lein durch den der Danziger Bevölkerung ten zu lichten, bis das Ziel erreicht war. gromen. che Methode auch gegen die katholivom Völkerbund feierlich feierlich zugesicherten Den Abschluss bildete die Verordnung, die Hitler nachgeben, heisst die euro- sche Zentrumsfraktion des Volkstages, Rechtsanspruch auf ein verfassungsmässi- die Neubildung von politischen Parteien päische Kultur verraten, auf welchem die ebenfalls noch 9 Abgeordnete zählt, ges Regime. Bald fanden sie Unterstützung in Danzig verbot. Gebiete es auch sei! stellt. Ideen. sich Jahre 1937 auch die katholische ZentrumsNoch immer aber schreckten die NatioKoreine breite Front der Anti- litisch aktuell ist. Sie nahm eine Resolu,, Die Exekutive protestiert gegen die systematische Verletzung der Danziger demokratischen Verfassung durch die Danziger Nationalsozialisten, die selbstverständlich auf Befehl Berlins handeln. Im gegenwärtigen Augenblick ist Danzig fast vollständig der Hitler- Herrschaft unterworfen worden. Die Parteien sind auf. gelöst. Die Rechte des Völkerbundes sind preisgegeben. Anwendung finden. Die Nationalsozia- bei der katholischen Zentrumspartei, die Heute herrscht in Danzig die gleiche Silisten beabsichtigen ferner, auch die so- anfänglich sich mit den Nationalsozialisten tuation wie im Dritten Reich. Der letzte zialdemokratische und Zentrums- Frak- koaliert hatte, und bei den Resten der pro- Widerstand der Antifaschisten ist erstickt, Zureden hilft nicht tion der Stadtbürgerschaft, einer Muni- testantischen bürgerlichen Gruppen, der und der Kampf gegen den NationalsoziaDer Bericht Van Zeelands zipalvertretung der Stadtgemeinde Dan- Deutschnationalen Volkspartei. Allem Ter- lismus führt nur noch ein heimliches. illezig, in derselben Weise gleichzuschal- Tor zum Trotz und unter schwersten per- gales Dasein. Die letzte Sitzung der ExekuDer ehemalige belgische Ministerpräsi- ten". sönlichen Opfern der Rpräsentanten aller tive der Sozialistischen Arbeiter- Internadent Van Zeeland hat im Auftrag Englands drei Parteien Polizei und Justiz sorgten tionale in Brüssel hat bereits alles gesagt, Die Bemühungen des nationalsoziali- stets für Massenverhaftungen gelang es was heute noch zu der Danziger Frage pound Frankreichs eine Untersuchung über die Möglichkeit einer Verminderung stischen Partei- und Polizeiapparats, die tatsächlich, der Hindernisse für eine Entwicklung der Welt- oppositionellen Vertreter in den Danzi- nationalsozialisten herzustellen, deren mo- tion an, die folgenden Wortlaut hat: wirtschaft durchgeführt. Er hat den Regie- ger Parlamenten mit Gewalt in die Rei- ralischer Sieg bei den Danziger Volkstagsrungen beider Mächte seinen Bericht zugehen der Nationalsozialisten zu pressen, wahlen vom 7. April 1935, bei denen es dauern bekanntlich schon ein Jahr lang den Nationalsozialisten bei Anwendung alDer Bericht ist nicht überraschend, er an. Ihnen fiel auch der sozialdemokrati- ler erdenklichen Verletzungen der Wahlenthält weder neue Erkenntnisse noch neue sche Abgeordnete Hans Wiechmann freiheit und des Wahlgeheimnisses kaum Was wirtschaftlich zu geschehen zum Opfer, der sich geweigert hatte, in der ganzen Welt Bewunderung hervorhätte, ist in grossen Zügen längst klar, es über ein solches Ansinnen der Nationalzum Opfer, der sich geweigert hatte, gelang, wieder eine Mehrheit zu erobern, bedarf dazu keiner neuen Erleuchtung. Es handelt sich nicht um ein ökonomisches, sozialisten in Verhandlungen einzutreAber die Früchte dieses moralischen sondern um ein politisches Problem. Es ten, deshalb am 25. Mai 1937 von der Sieges, der kurze Zeit nach der Saar- Abhandelt sich darum, dass die deutsche Po- Polizei verhaftet wurde und seitdem litik aus der Autarkie nicht heraus kann, verschwunden ist. Glaubwürdige Be- nicht beschieden gewesen. Beraubt aller stimmung erfolgte, sind den Danzigern weil die Politik der Kriegsvorbereitung un- richte sprechen dafür, dass Wiechmann Macht- und fast aller Kampfmittel konnte lösbar mit der Autarkie verknüpft ist. Der von der Danziger politischen Polizei es ihnen allein nicht gelingen, die natioWille zum Kriege vergewaltigt im Dritten nach dem Reich verschleppt worden ist. nalsozialistische. Herrschaft aus dem Sattel Reiche die ökonomische Vernunft. Wer die Weltwirtschaft wieder herstellen will, muss Vermutlich ist er dort ermordet worden. zu heben. Der Garant der Danziger Versich der deutschen Machtpolitik entgegen- tahun coll fassung, der Völkerbund, hatte aber von Die sozialdemokratischen Arbeiter in werfen. Am Ende dieser Van Zeelandschen Anfang an versagt. Zwar hat der Völker- Danzig werden sicherlich vor keinem OpUntersuchung steht also wieder die Frage: Reste der sozialdemokratischen Die Nachricht von der Liquidation der bund zu wiederholten Malen die von den fer zurückschrecken, das auf dem heute wird das braune System um der Wieder- des Parlaments der Freien Stadt Danzig Beschwerden gegen die Fraktion Danziger Antifaschisten bei ihm erhobenen noch dornenvolleren Wege ihres Kampfes herstellung der Weltwirtschaft willen auf und ihrem„ Uebertritt" zu den Nationalso- che des nationalsozialistischen Senats für sen, dass sie kämpfen können. Verfassungsbrü- gebracht werden muss. Sie haben bewiesein innerstes Wesen verzichten? Die Frage stellen, heisst sie verneinen. ** rief. greifermächten, Deutschland und Italien, stellt. Unterschrieben war die Anzeige: sind demnach in der Mehrheit? 1er is 3). Van Zeeland hat bisher eine starke Neigung zu einer Politik gezeigt, die den An0 コー Kredite und wirtschaftliche Konzessionen geben wollte, um ihnen den Kriegswillen ユー n ). 1. ). B 12 abzukaufen. Es ist bezeichnend für die Ver- unter Jawohl, Zeitung" ,, Der Führer des Ziegenzüchtervereins." und wen das wundert, der denkt noch in Das war aber nur eine der Prominenzen den Kategorien der verflossenen Demokrader ziegenzüchtenden Schar ihrer tie."( ,, Deutsche Allgemeine steifung der europäischen Lage, dass Van Gefolgschaft. Der nächste Leidtragende verZeelands Bericht in London und Paris sehr zeichnete: reserviert aufgenommen worden ist. ,, Der Führer der Rindvieh- Assekuranz." Hoffnungen, dass man die faschistische Diese Führer- Anmassung regt einen geBestie domestizieren könnte, verfliegen im- wissen Skasa- Weiss so auf, dass er bittermer mehr. Das gewaltige Flottenrüstungs- ernst in der braunen Presse schreibt: programm der Vereinigten Staaten lässt er- ,, Im übrigen dürfte jedermann wissen, kennen, wie wenig Hoffnungen man bei dass es in Deutschland nur einen Führer, den demokratischen Westmächten auf die und zwar den Führer des ganzen deutFriedensliebe der Despotien setzt. schen Volkes, gibt." Mit vollem Recht! Nur vor ihm wird das braune deutsche Nutzvieh den nötigen -), ei ), 70 08 is 1 er Aber nur einer mit Priorität Es ist zwar angeordnet worden, dass sich standslos p in Deutschland nur der Führer ,, Führer" Jeder einmal Führer Respekt aufzubringen, um sich widerzur Schlachtbank führen lassen. Rechenkünste nennen darf, um peinliche Verwechselung ,, Volksgenosse ist derjenige Deutsche, der zu vermeiden. Es stellt sich aber heraus, zur Volksgemeinschaft gerechnet werden dass diese Verfügung in der Praxis des darf, ohne der Partei anzugehören. Nicht Nr. 35-36.) Vierjahreswurst Hitler mag die Kampfkraft des einen oder des anderen proletarischen Kämpfers brechen oder ihn zur Kapitulation zwingen niemals wird er den tapferen Widerstand der sozialdemokratischen Arbeiter Danzigs bezwingen. Ihnen sendet die Exekutive ihre brüderlichen Grüsse." Das internationale Verbrechen Die Bomben der französischen Putschisten In einem Pariser Vorort sind 5 500 Handgranaten explodiert, die bei französischen Rechtsputschisten und Verschwörern beDie deutschen Zeitungen melden trium- schlagnahımt worden waren. Die Explosion phierend: hat elf Todesopfer gefordert. ,, Einem Braunschweiger Fleischfabri- Bis zu dieser Explosion hat die franzökanten ist die Herstellung einer neuen sische reaktionäre Presse systematisch die Fischwurst geglückt. Es handelt sich um verbrecherischen Vorbereitungen eine Rotwurst, die aus 50 Prozent Fisch- Rechtsputschisten zu decken und zu verfleischwürfeln, 10 Prozent Speckwür- kleinern gesucht. Sie hat von ,, unschädlifeln und 40 Prozent Blut von Rindern chen Konservendosen" gesprochen, oder Schweinen besteht. Die Fabrikation sogenannten Explosivstoffen, die niemals dieser Wurst stellt keinen Versuch dar, explodieren". die Fleischwurst durch Fischzusatz zu strecken, sondern sie schafft ein neues vielwertiges Volksnahrungsmittel." der von Wir kennen diese Methode. Als seinerzeit das Blausäureattentat auf Scheidemann erfolgt war, das diesem fast das Leben geAuch im Kriege gab es bekanntlich kei- kostet hat, deckte die deutsche Rechtspresse die feigen Mörder und suchte das Opfer lächerlich zu machen, indem sie von der Klystierspritze" nen Zu- oder gar Ersatz, sondern lauter III. Reiches nicht immer durchführbar ist. jeder Volksgenosse ist also Parteigenosse; vielwertige Volksnahrungsmittel, an denen dem„ Attentat mit Erstens ist der Begriff so populär, dass er aber jeder Parteigenosse ist auch gleichzei- nur ein vergleichsweise kleiner Teil der sprach. Diese Methode der Konterrevoluwie geschnitten Brot bei jeder Gelegenheit tig Volksgenosse. Zahlenmässig ist das nicht Bevölkerung zugrunde ging. serviert wird, und zweitens ist der Bedarf ganz leicht zu berechnen. Aber wenn man II aast a5st 0le ad nne harte Führerfaust auskommen kann. ten so gross, dass man schwerlich ohne ei- glieder an absoluter und totaler Autorität alleror- die( nicht bekannte) Zahl der ParteimitMillionen auf ungefähr sechs tion ist international. Das Lügengift ihrer Presse ist ebenso gefährlich wie die Bomben und das Gift ihrer Verbrecherbanden. schätzt, so wäre, da zum Vergleich nicht Ein Zuring- Uri. Ein neuer Riesenbau des Die französische Regierung ist entschlosIn der ,, Siegener Zeitung" las man jüngst die gesamte Einwohnerzahl Deutschlands, Reichspropagandaministeriums an der sen, das rechtsputschistische Verbrechen die Anzeige von dem unerwarteten Tode sondern nur ungefähr die Zahl der Wahl- Mauerstrasse ist im Rohbau fertig, neue auszurotlen. Das Schicksal der deutschen eines verdienten Ziegenzüchters von Wei- berechtigten herangezogen werden darf Anbauter sind im Entstehen. Unter den Republik ist eine ernste a Mahnung, dass denau. Sieben Jahre habe er sich mit un-( die über 42 Millionen beträgt) das Ver- Fundamenten dieses geistigen Zwing- Uri gegenüber den Anfängen dieses Verbrevergleichlicher Treue und ganzer Kraft in hältnis der Parteigenossen zu den Volksge- liegt die Freiheit des Worts und den Dienst des Ziegenzüchtervereins ge- nossen 6: 36, also 1: 6. Die Volksgenossen Schrift in Deutschland verschüttet. der chens mit eiserner Strenge vorgegangen werden muss. Totenelirung� E i n äs c hf r(i n g von Franx Kliihs Aus Herlin wird uns geschrieben: Genosse Franz Kiühs ist seinem schweren Leiden erlegen. Ein lauterer Charakter, ein für diese Zeit zu edei denkender Mensch ist von uns gegangen, An den Segnungen der aus dem„gesun den Volksempfinden" rechtsprechenden und urteilenden Deutschen„Justiz* ist auch er zerbrochen. Seine Einäscherung zeigte so recht wieviel Liebe und Kameradschaft der. aufrechten Manne bis über das Grab hinaus bewahrt werden. Sie zeigte aber auch allen, selbst den anwesenden und wohl erkannten Gestapospitzeln, wie ungebrochen der Mut und wie gross die Diszipliniertheit seiner Freunde ist. Das Krematorium Wilmersdorf konnte die erschienenen Trauergäste, schätzungsweise 600— 800 Personen, nicht aufnehmen. Kein überflüssiges Wort wurde gesprochen, aber alle Gesichter spiegelten nur zu getreu wieder, was im Innern jedes einzelnen vorging. Lind diese Sprache war so beredt, dass selbst die Herren von der Gestapo es vorzogen, sich zeitweise an den Friedhofseingang zurückzuziehen. Die Trauerrede hielt der Schwager des Verstorbenen. Es waren kurze aber ergreifende Worte, mit denen alles gesagt wurde, was unter den gegebenen Umständen zu sagen möglich war. Sie klangen aus in dem Gelöbnis, getreu seinem Beispiel weiter zu wirken und dem Toten so unseren Dank abzustatten. An dieser Stelle können wir noch hinzufügen, dass auch der Tod von Fran' Klühs von keinem seiner Freunde vergessen werden wird und die dafür Verantwortlichen einst werden Rechenschaft abzulegen haben. �Varmiii o* Man schreibt uns aus Deutschland: Alle in der Emigration lebenden Deutschen und alle Freunde im Ausland werden gebeten, darauf zu achten, dass die für kurze Zeit im Ausland weilenden Deutschen bei der Auswahl ihrer Unterkunftsstätten die grösste Vorsicht walten lassen. Gewerkschaftshäuser, Parteilokale und Ho. tel- oder Restaurationsbetriebe von emigrierten oder sonst bei der Gestapo anrüchigen Deutschen oder Ausländern sind unter allen Umständen zu meiden. In letzter Zeit mehren sich die Fälle, wo die Gestapo noch nach Jahren Rechenschaft über Zweck, Finanzierung und nähere Umstände solcher Reisen fordert. Selbst wenn die Vernehmungen keine ernsthafteren Folgen haben sollten, genügen sie oft, um den Betroffenen Schwierigkeiten auf der Arbeitsslelle zu schaffen. Man verweigert ihm Ausreisegenehmigungen, oder er ist bei etwaigen weiteren Auslandsreisen unangenehmen„Beschattungen" und sonstigen Schikanen ausgesetzt. Die Inhaber solcher„gefährdeten Betriebe" sollen auch den nachträglichen Schriftwechsel mit früheren deutschen Gästen auf das unbedingt notwendige Mindestmass beschränken oder ihn besser ganz einstellen. Die itrlsleriingpskomnii�are Nur uocli jiidisclie Greiwe und Gräber Berichte aus allen Teilen Deutschlands bestätigen den neuen Auftrieb der Juden- bedrückung. Vor einigen Jahren hat Göb bels das Wort geprägt, dass es in absehba rer Zeit in Deutschland nur noch jüdische Greise und jüdische Gräber geben würde. Alles, was von Juden noch im Dritten Reiche lebt, soll auswandern, bis zum Letzten ausgelaugt und ausgepresst, damit das Dritte Reich möglichst viel jam Judenelend verdient. Einsperrungen, Verfolgung wegen angeblicher Devisenvergehen ohne Anklage, wo man mit loyalen Mitteln in jüdischen Händen befindliche Betriebe nicht arisie- ren kann, sind überall an der Tagesordnung. Dazu eine gesteigerte Pass-Schikane, die die Juden so lange in der braunen Falle festhalten soll, bis sie nahezu ohne Existenzmittel„legal" als Auswanderer Deutschland verlassen. Aber mit diebischer Freude verzeichnet dip braune Presse zugleich jede neue Einwanderungserschwerung in den andern Ländern. In Schlesien, besonders in Breslau, sind in den letzten Wochen zahlreiche Juden verhaftet worden. Allgemein ist man hier wieder zu den Methoden von 1933 unter Heines zurückgekehrt; es wird in den unterirdischen Räumen der Gestapo raffinierter als je zuvor geprügelt. Juden, die mit irgendeinem Verfahren bedroht sind, flüchten wie in den schlimmsten Zeiten des Regimes mit ein paar Mark über die nächste Grenze. Diese Angstpsychose überfällt jetzt auch diejenigen Juden, die sich bisher in der falschen Sicherheit wiegten, man habe ihnen in all den Jahren nichts getan und werde ihnen auch weiterhin nichts tun, weil sie niemals etwas mit Politik zu tun gehabt hätten. Viele von ihnen besassen bis. her auf Grund ihres visierten Passes die Möglichkeit, sich zu einem kurzen Ferienaufenthalt ins Ausland zu begeben; von ihr haben diejenigen jüdischen Kreise, die noch über etwas Vermögen verfügten, häufigen Gebrauch gemacht. Damit.geht es jetzt zu Ende. In verschiedenen deutschen Landesteilen erging eine Aufforderung an die Juden, ihre Pässe sofort bei der zuständigen Polizeistelle abzugeben. Es handelt sich um eine Massregel, �lie in Kürze einheitlich für das ganze Reich ; durchgeführt werden soll. Nur diejenigen Juden dürfen sich noch im Besitz gültiger deutscher Reisepässe befinden, die durch Geschäftsreisen nachgewiesenermassen dem Dritten Reiche Devisen einbringen. Gegen diejenigen Juden, die sich durch mehrfache Auslandsreisen„verdächtig" gemacht haben, werden finanzielle Sicherheitsmass- nahmen durchgeführt, die dem Betroffenen jede wirtschaftliche Verfügungsfreiheit nehmen. Auch in Süddeutschland hat man jetzt überall in Verbindung mit den Gauleitern sogenannte Arisierungskommissare eingesetzt. Sie haben die Aufgabe, die Verkaufsverhandlungen jüdischer Geschäftsinhaber zu überwachen. Ihre Hauptaufgabe ist, die vertraglich festgelegten Bedingungen dahin nachzuprüfen, ob der neue arische Käufer dem Juden, gemessen an den Prinzipien des Herrn Kommissars, nicht zuviel bezahlt. Der neue Inhaber darf im allgemeinen nur Inventar und Warenlager kaufen, wobei das Inventar ganz niedrig eingesetzt wird und der Warenbestand nach einem bestimmten Werlschlüssel angerechnet werden muss. Sogenannte„ideelle" Werte eines Betriebes oder eines Geschäfts dürfen grundsätzlich beim Verkauf nicht berücksichtigt werden— mit der Begründung, „dass ja der Jude all die Jahre hindurch von seiner Kundschaft gut gelebt habe." Ebenso muss der jüdische Verkäufer die Liquidation übernehmen, das heisst, er hat die auf dem Betriebe noch lastenden Schulden zu regeln und etwa vorhandene Aus- senstände selber einzukassieren. Der neue arische Inhaber bekommt also einen„gereinigten Betrieb" zu einem Spottpreise in die Hand. Die Arisierungskommissare, ausgesiebte „scharfe" Nazis und alte Kämpfer, haben sich in einigen deutschen Landesteilen, die Grosstädte mit bedeutender jüdischer Geschäftswelt umfassen, grosse Büros mit einem beträchtlichen Angestelltenstab eingerichtet. Sie bekommen stattliche Gehälter- Unter ihrer Oberleitung arbeiten nationalsozialistische Juristen, die sich in allen Finessen von Verkaufsverträgen auskenne« müssen. Eine auserlesene Schar von Spitzeln hat gleichzeitig die Aufgabe, die jüdischen Geschäftsleute während der langwierigen Verkaufsverhandlungen zu überwachen, damit sie keine„Manipulationen" zum Schaden des künftigen arische» Besitzers durchführen. Dabei wird vielfach mit Angestellten zusammengearbeitet, sodass der jüdische Geschäftsinhaber innerhalb und ausserhalb des Betriebes unter dauernder Kontrolle steht. Bleibt zuletzt für ihn noch eine Verkaufssumme übrig, so versteht es sich von selbst, dass sie nicht in bar ausgezahlt wird. Man legt vielmehr ein Bankkonto an, um der genau informierten Devisenstelle die Möglichkeit zu geben, den Besitz des Juden zu überwachen. Jede Abhebung, die über eine für den täglichen Lebensbedarf unbedingt notwendige Summe hinausgeht, muss gemeldet werden. Der Betreffende muss dann den exakten Nachweis führen, wofür er das Geld verwandt hat, und wehe ihm, wenn er es nicht kann! Soeben ist die deutsch-rumänische Freundschaft auf diktatorisch-anlisemiti- sicher Grundlage stablisiert worden. Gewiss, das Dritte Reich darf in Rumänien — und besonders seitdem Goga Regierungschef ist— einen Vorläufer des praktizierenden Antisemitismus erblicken, von dem es viel zu lernen gibt. Rumäniens Geschichte kannte aber bisher überwiegend nur den offenen Pogrom. Wie man den kalten Pogrom realisiert, die wirtschaftliche Abdrosselung und Vertreibung der Juden, ohne dass sich die demokratische Weltöffentlichkeit mangels himmelschreiender Fälle physischer Grausamkeit darüber aufregt: dafür ist für Rumänien und für alle, die ihm auf der Spur der Juden- bedrückung noch folgen werden, Hitlerdeutschland der unbestrittene Lehrmeister■ und Pionier.— d. Neue Zuchthausurteile Hillers fiierünsiiiswärter In Dacliau Die„Deutschland-Berichte" der Sozialdemokratischen Partei melden aus Bayern: „In einer Abteilung eines grossen Me- tallwerkes unterhielten sich eines Tages einige Arbeiter über Hitler. Einer erklärte, dass Hitler auch schon viel mitgemacht habe. Er wäre doch auch im Gefängnis gewesen. Ein anderer Arbeiter, der das Gespräch mit anhörte, mischte sich ein und sagte, er wisse genau wie Hitler in Landsberg behandelt wurde. Er sei zu dieser Zeit in Landsberg Aufseher gewesen und wäre damals froh gewesen, wenn er das Essen bekommen hätte, das man Hitler in die Zelle brachte. Wir würden heute alle froh sein, wenn es jedem so gut ginge wie damals Hitler. Ein Amtswalter, der zuhörte zeigte den Arbeiter an, der wegen dieser Acusserung für sechs Monate nach Dachau kam." Eine besondere Rolle in der Verfolgung der sogenannten Staatsfeinde, worunter man in erster Linie ehemalige Sozialdemokraten und Reichsbannerleute versteht, spielt schon seit einiger Zeit das Sondergericht beim Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg. Diese Herren Richter, von denen eine ganze Anzahl zur Zeit der Weimarer Republik stramme Republikaner oder sogenannte gut bürgerliche Volksparteiler waren, bemühen sich mit allen Kräften, dem Nazisystem zu beweisen, dass sie sich nicht nur gleichgeschaltet haben, sondern dass sie sich„ehrlich" bemühen, dem „Dritten Reich" treu zu dienen. Die Walter Tiedecks■■ 5 Paul Bunge........ 5 Ludwig Griem...... 3 Rudolf Schradick■■ 3 Ernst Kiehn...... 3 Karl Helm........ 3 Bruno Tiedecks---- 2,5 Heinr. Bokamp---- 3 Otto Groth........ 2,5 W. Timmermann■■ 2,5 Ernst Subest........ 1,5 Paul Groth......... 1,5 Walter Hof{mann■• 1,5 Hein. Krelschmer.. 1,5 Fr. Stoll.......... 1,5 Adje Topp........ 1 Alle Angeklagten sassen seit 8 bis 9 Monaten in Untersuchungshaft. Von dieser Zeit haben sie einen erheblichen Teil in dem nunmehr in der ganzen Well berüchtigten Konzenlrations- Urteile, die von diesen Gerichten wegen z. T. ganz geringfügiger Vergehen gefällt werden, sind der beste Beweis dafür. Aber die Richter und die Staatsanwälte können versichert sein, dass wir nicht nur die Urteile in guter Erinnerung behalten, sondern dass wir auch die Namen aller derer, die bei diesen Verfolgungen und Verurteilungen mitgewirkt haben, ganz besonders im Gedächtnis behalten werden. Am 12. 1. und am 17. 1. 38 fanden vor dem obengenanten Gericht zwei weitere Prozesse gegen eine Anzahl früherer Sozialdemokraten und Reichsbannerleute statt. Die Urteile lauteten wie folgt: Jahre Z. Jahre Z. Jahre Z. Jahre Z. Jahre Z. Jahre Z. Jahre Z. Jahre Z. Jahre Z. Jahre Z. Jahre Z. Gef. Gef. Gef. Gef. Gef. Inger Fuhlsbüttel zugebracht. Was die Einzelnen dort wegen ihrer politischen Ueberzeugung erlitten haben, können sich ausserhalb der deutschen Grenzen Lebende garnicht vorstellen. Pogrome In der„Rieser Zeitung" erschien nachstehende Notiz: Dettingen, 5. November.(Schutzhaft). Die hier bestehende Erregung über den erst wieder vor einigen Tagen erfolgten Zuzug einer Judenfamilie aus dem fränkischen Judendorf Mönchsroth führte gestern abend zu einer grossen Demonstration. Eine Volksmenge von vielen hundert Personen forderte den Wegzug der Juden dorthin, wo sie hergekommen sind. Zahlreiche und erbitterte Zurufe wie:„Fort mit den Juden!" und„Wir wollen keine Judenknechte!" hallten durch die Strasse. Schliesslich erklärte der Kreisleiter in einer Ansprache, dass wir die Juden genau für so überflüssig halten, wie es in Franken der Fall ist und keinen Zuzug brauchen, dass wir aber Disziplin halten. Die zugezogenen Juden mussten von der Gendarmerie zu ihrer persönlichen Sicherheit in Schutzhaft genommen werden. Die Veranstaltung trägt alle Zeichen der berüchtigten„spontanen Willenskundgebungen des Volkes". Aehnliche Nachrichten liegen aus Oberschlesien vor. Dort werden täglich Juden auf der Strasse von SA.-Männern überfallen und verprügelt. Es handelt sich um eine systematische Aktion mit dem Ziel, die Juden zum Wegzug aus Oberschlesien zü zwingen. Cliquen In Dunkeln Das Dortmunder Naziblatt berichtet: „Die erste öffentliche Kundgebung der Ortsgruppe Dortmund-West im neuen Jahr in der Körnerhalle nahm einen eindrucksvollen Verlauf. Parteigenosse Willy Wölling(Bochuna) entlarvte in seinen Ausführungen die schmutzige Arbeit der Schädlinge ani deutschen Volk. Das nationalsozialistische Reich sei nicht gewillt,«eine Ideale und seinen durch den Opferlod vieler Helden errungenen Sieg durch die schmutzigen Geschäfte machthungrigef Egoisten und im Dunkel handelnder Cliquen preiszugeben." Wer ist gemeint? Die Juden nicht. Vielleicht die Grossverdienercliquen aus der Schiverindustrie? Der Bochumer Pg. sollh' vorsichtiger sein. Man hörte vor dem 3*- Juni 1934 ähnlich kühne Reden. Nach diesem Tag waren nicht die Cliquen verschwunden, aber ihre Ankläger. Nr 242 BEILAGE NEUER VORWÄRTS 6. Februar 1938 Sind«vir liberal? Staat und Sozialdemokratie Bie Nazi haben bekanntlich nach ihrer eigenen Behauptung die Freiheil hergestellt, die Demokratie veredelt und den Sozialismus verwirklicht, Sie wollen weder als freiheilsfeind- lich, noch als antidemokratisch und als antisozialistisch gelten. Dagegen bekennen sie sich mit starker Stimmkraft als antimarxistisch, antibolschewistisch und antiliberal. Oder, wenn man genau bei ihrer Ausdrucksweise bleiben will, als„antiliberalistischr Mit klaren Begriffen hat diese Terminologie freilich wenig zu tun. Klarheit ist unvereinbar mit dem esen einer Demagogie, die auf den politischen Analphabetismus spekulieit und sich niemals an den\ erstand, sondern stets nur an den Instinkt wendet. Der Sozialdemokrat kann an seiner eigenen Partei Kritik üben und da» Gute auch beim Gegner anerkennen; der Nazi kann weder das eine noch das andere, er kann nur zwischen Hölle und Himmel, Schwarz und Weiss, Nacht und Tag unterscheiden. Darum unterscheidet auch seine Rhetorik zwischen Worten, die man wie Schokolade auf der Zunge zei- gehen lässt, und anderen, die man wie Teufelsdreck ausspuckt. Zu den letzleren gehört neben„marxistisch und „bolschewistisch" auch das NN ort„ü- beralistisch". Warum versuchen die Nazi nicht dieselben Deutungskünste, mit denen sie die Worte„Freiheit",„Demokratie" und„Sozialismus" missbrauchen auch auf den Liberalismus anzuwenden? Offenbar deshalb, weil hier ein Gegensatz bestellt, der auch durch die gewagtesten Verdrehungen nicht verwischt werden kann. Man kann dem Wort Freiheit einen anderen Sinn geben, indem man statt an die Freiheit der Person an die „Freiheit der Nation' denkt. Man kann einen Plebiszitschwindel, durch den sich ein Demagoge zum Diktator macht, als„Demokratie" bezeichnen, mau kann schliesslich auch für jedes wirtschaftliche Zwangssystem— siehe z. B. den deutschen„Kriegssoziaüs- nuis" von 1911— 1918— den Namen des„Sozialismus" missbrauchen; ahoi es ist wirklich so gut wie unmöglich, das, was jetzt in Deutschland ist, als »liberal" zu bezeichnen. A azismus ist chemisch reiner Antiliberalismus. Antiliberal ist die Vernichtung der Freiheit der Wissenschaft, der Kirche, der politischen Meinung. Antiliberal ist die absolutistisch-antiparlamentarische Regierungsform, antiliberal ist der Chauvinismus, der überstcigci U Militarismus. Antiliberal ist die du denpolitik, antiliberal ist die Ersetzung jeglicher Toleranz durch die grundsätzliche, bewusste Unduldsamkeit. Antiliberal sind auch alle in die Persönliche Freiheit der Bauern, der Städler, der Arbeiter wie der Un- ietnehmer einschneidenden wirtschaftlichen Massnahmen des nazisti- schen Vierjahresplans. All das sollte für uns ein Anlass sein. unser Verhältnis zum Libera- dsmus neu festzusetzen und abzugrenzen. Wenn man heute sagt, dass dci kctalismus die Weltanschauung((- ßö ist das richtig und falsch. Es ist richtig, wenn man unter Bürgertum die ganze ungeteilte Masse des Volkes unterhalb der regierenden Stände des 18. Jahrhunderts, des Adels und der Geistlichkeit, versteht, es ist falsch, wenn man an ein Bürgertum denkt, von dem sich das Proletariat schon abgelöst hat. Die Zerstörung des abso- lutischen Despotismus, des alten Feu-i dalsystems, lag im Interesse des Prole-j tariats ebensogut wie in dem der Bour-i dern auch die liberale Reformbewegung in England, die Achtundvierzigerbewegung in Deutschland. Er bleibt in der deutschen Sozialdemokratie lebendig. Es war immer ihr Stolz, liberaler zu sein als die liberalen Parteien. Auch mit ihrer Stellung zur Sozial Abart des Liberalismus, nicht aber zum liberalen Gedanken in seiner Ur- und Wirtschaftspolitik geriet sie in Gegensatz nur zu der bourgeoisen Form. Wenn die freie Entfaltung der Sein Machtantritt Missbrauch, der mit der Staatsmacht getrieben wird, hat zu einer förmlichen Staatsangst geführt und zum Wiederaufleben jener Vorstellungen, die Lassalle einst als die„Nachtwächteridee vom Staate" bezeichnet hat. (Als ob sich der Staat auf kriminal- und verkehrspolitische Funktionen zu beschränken und im übrigen alles laufen zu lassen hätte, wie es läuft.) Das ist eine verständliche, gefühls- mässige Reaktion, die aber schwerlich zu praktischen Auswirkungen führen wird. Ein Blick auf so liberale Staaten wie Frankreich und die Vereinigten Staaten zeigt, dass auch dort der Einfluss des Staates auf sozialem und ökonomischen Gebiet im raschen Wachsen ist. Hier walten Notwendigkeiten, gegen die theoretische Antipathien nicht aufkommen. Es ist nicht die Frage, ob der Staat stark sein soll oder nicht, er ist stark und wird noch stärker. Darum kommt alles darauf an, von welchem Geiste er erfüllt ist. Soll er, wie das nazistische Ideal will, als eine Dampfwalze zermalmend über die menschlichen Persönlichkeiten hinwegfahren oder soli er sich schützend und fördernd vor sie hinstellen? Noch einmal ist die Frage nach dem Sinn des Staates aufgeworfen, und wir als Sozialisten können sie nicht anders als in dem ur- sprünglich-/i'6cra/en Geiste beantworten. NVir verneinen nicht den Staat und wollen seinen Wirkungskreis nicht verengen, aber wir wollen ihn als einen Staat, der die Menschenrechte verwirklicht und die Freiheit der Persönlichkeit schützt. Sein Gesetz soll uns Freiheit geben. F. St. ü» 'Oertunis im Kampfe gegen Feuda- nn's und Absolutismus darstellt, so geoisie. Die Erklärung der Menschenrechte von 1789 ist nicht Ankündigung einer neuen Klassenherrschaft, son dern Programm einer klassenlosen Gesellschaft, wie sie dem revolutionären Proletariat als Ziel vorschwebt. In den Theorien Rousseaus und Kants liegen die Wurzeln nicht nur des Liberalismus, sondern auch des modernen Sozialismus. Gegenüber der Willkürmacht des absolutistischen Staates verkündete vier Liberalismus das Recht der Persönlichkeit. Er lehrte den Glauben an die Menschen, die, von drückender staatlicher Vormundschaft befreit, im freien Wettbewerb der Kräfte die ganze Menschheit zu nie geahnten Höhen geistiger und sittlicher Vollkommenheit wie auch materiellen Wohlstandes emporheben würden. Dieser beseligende, anfeuernde Glauben an Freiheit und Fortschritt erfüllte nicht nur die französische Revolution, son- menschlichen Persönlichkeit d i e Grundforderung des Liberalismus ist, dann war der Liberalismus jener Schichten, die z. B. den Zwölfstundentag für Kinder mit Gründen der„Freiheit" verteidigten, ein sehr schlechter Liberalismus. Die kapitalistische Entwicklung hat es notwendig ge macht, die menschliche Persönlichkcjl nicht nur vor den Uebergriffen des Staates, sondern auch vor der Willkür einer industriellen Herrenschicht und vor den vernichtenden Wirkungen einer anarchischen Produktionsweise zu schützen. Es gibt heute kaum noch einen Liberalen, der das nicht anerkennt. Wenn dennoch in weiten Kreisen— nicht nur solchen, die sich liberal nennen— die alte liberale Staatsfeindschaft wieder aufgewacht ist, so ist das eine Folge des deutschen Nazismus, des italienischen Faschismus und des russischen Bolschewismus. Der Volk ohne llanm? Wie Ii nl ic ii niebl peinig Volk Die deutsche Wehrwirtschaft läuft auf vollen Touren. Die Aufrüstung und neuerdings die gigantische Autarkiewirtschaft beanspruchen nicht nur alle vorhandenen materiellen Produktivkräfte und erfordern beständige Betriebserweiterungen und neue Fabriksanlagen, sondern sie absorbieren auch alle zur Verfügung stehende menschliche Arbeitskraft. Die Zahl der Beschäftigten betrug im Oktober 1937 19.13 Millionen gegenüber 17,79 im Vorjahr, und wenn schon 1936 sich ein Mangel au Facharbeitern bemerkbar machte, so ist nunmehr ein allgemeiner Mangel an voll leisiiwgsfähi- t/en Arbeitskräften zu verzeichnen. Alle sluallichen Zwangsmiltel werden eingesetzt, um den Arbeilseinsatz zu steigern. Die Ueberstunden nehmen immer grösseren Umfang an und in einer ganzen Reihe wichtiger Industriezweige, namentlich in der Maschinenindustrie um! im Baugewerbe, herrscht praktisch der Zehnslundentag. Durch die Enlziehung der Kurzarbeiterun- terstützung. besonders auch in der Texlil- und Lederindustrie, zwingt man die Arbeiter in die Rüstungsindustrieen hinein. Auf die Inhaber der Alleinbetriebe, wird ein mer stärkerer Druck ausgeübt, um sie zur Arbeitsannahme in den Fabriken zu veranlassen. Das Wander- und Hausiergewerbe wird„(durchgekämmt vielen der Gewerbeschein entzogen, um sie zur Fabrikarbeit zu zwingen. Die Gemeinde-, Länder- und andere öffentliche Verwaltungen werden angewiesen, die Personalbestände zu revidieren, um Arbeitskräfte frei zu•bekommen. Die Frauenarbeit, die die Nationalsozialisten ausschalten wollten, wird wieder begünstigt. Die Bedingung, die an die Gewährung der Ehestandsdarlehen geknüpft war, dass die Frau ihren Beruf aufgäbe und sich nur der Hausarbeit widme, ist seit dem 1. Oktober vorigen Jahres beseitigt. Der Anteil der Frauenarbeit in der Industrie ist wieder im Zunehmen. Da« Ge- werbcaufsichlsaml in Btrlin konstallierte im November eine Ausdehnung der Kinderarbeit infolge Mangel an Arbeitskräften, •wobei verschiedentlich Uebertretungen des Gesetzes über den Kinderschutz festzustel len waren. Deutschland, das„Volk ohne Raum", hat nicht mehr genug Menschen für die Anforderungen der Wehwirtschaft. Es erweist sich plötzlich als unterbevölkert; weit entfernt davon, Menschen abgeben zu kön nen, muss es Menschen aus dem Auslande heranziehen. Sein Raum reicht nicht nur für die deutschen Menschen reichlich aus, er ist für Hundertlausende von Ausländern •ufnahmefähig. Raum ohne genug Volkl Das ist die Wirkung des fieberhaften Rüstungstempos. Aber es ist an sich keine neue Tatsache. Die rasche Entwicklung der deutschen Industrie erforderte in der Zeil nach 1880 in steigendem Masse die Heranziehung ausländischer Arbeiter. Die Landwirtschaft brauchte tschechische, polnische und russische Wanderarbeiter, der Stras- senbau wurde zu einem grossen Teil von Italienern besorgt und in der Schwerindustrie, namentlich im Kohlenbergbau, wurden inländische und ausländische Polen unentbehrlich. Aehnlich wie in Frankreich, mussten gerade diese ausländischen Arbeiter in Krisenzeiten die Hauptlast der Arbeitslosigkeit tragen. Jetzt ist es wieder so weit. Obwohl den deutschen Landarbeitern die Freizügigkeit geraubt wurde, obwohl ein Teil früherer Landarbeiter zwangsweise aus den Städten auf das Land zurückgeführt wurde, trotz Einsatzes des Arbeitsdienstes und zeitweise von Militär für die Erntearbeiten, lässt sich der Arbeitsbedarf der Landwirtschaft in Deutschland selbst nicht mehr decken. Der Präsident der Arbeitslosenversicherungsan- slalt, Dr. Syrup, beziffert den Bedarf an ausländischen Landarbeitern, die herzugeben der deutsche Arbeitsmarkt nicht in der Lage sei, für dieses Erntejahr auf 200 000 Mann, nachdem bereits im Vorjahr 58 000 Ausländer eingesetzt worden waren. Nachdem bereits mit Mussolini die Lieferung von 30 000 Italienern abgemacht worden ist, sollen weitere Kontingente aus Ungarn, Polen, Tschechoslowakei, Jugoslawien, Oesterreich und Holland kommen. Für die neue deutsche Wirtschaft ergibt sich aber da ein schwieriges Problem. Der Lohn dieser Arbeiter muss nämlich in fremder Währung transferiert werden, da jeder dieser Landorbeiter einmal seine Familie in der Heimat erhalten und dann seine Ersparnisse mitnehmen will. Herr Syrup beziffert die devisenmässigen Kosten für jeden ausländischen Landarbeiter in den neun Monaten, für die er sich verpflichtet, auf 350 Reichsmark. Die zweihunderttausend Landarbeiter erfordern also einen Devisenaufwand von 70 Millionen Reichmark, eine Summe, die dem von der Reichsbank ausgewiesenen Goldbestand ziemlich genau entspricht. Nachdem die deutsche„Ernährungsschlacht" mit ihren sehr geringen Ergebnissen zuerst an die Grenze der deutschen Arbeitsreserve ge- slossen ist, muss jetzt die Ergänzung dieser Reserve aus dem Auslande die stets vorhandenen deutschen Devisenschwierigkeiten noch vermehren. Man sieht, die Autarkie lässt sich auf landwirtschaftlichem Gebiet nicht so leicht verwirklichen, wie die Hitler, Darre und Göring geträumt hatten. Damit ist zupleich ein Hauptpf eiler der deutschen Krdonialaqitation Deutschland brauche keine rungsmöglichkeiten, es bedarf der Einwanderung. In den früheren deutschen Kolonien belief sich die Anzahl der Deutschen auf knapp zehntausend Köpfe. Schon in den Jahren vor dem Kriege gab es keine 'deutsche Massenauswanderung mehr. Die Deutschen gingen als Techniker, Kaufleute, zu einem geringen Teil auch als Monteure und qualifizierte Arbeiter ins Ausland und der Hauptteil ging nicht in die Kolonien, sondern in die Vereinigten Staaten, nach Südamerika und die englischen Dominien. Als selbständige Unternehmer oder höhere Angestellte förderten sie die Ausdehnung der Handelsbeziehungen mit dem Mutter lande und leisteten volkswirtschaftlich damit eine weit wichtigere und produktivere Tätigkeit als die Siedler in den Kolonien. Trotzdem hat bis in die jüngsten Zeiten ;lie nationalsozialistische Kolonialpropaganda die Rückgabe der deutschen Kolonien mit dem Argument bestritten, sie seien für die deutsche Auswanderung und für die produktive Betätigung der deutschen Arbeit unentbehrlich. Man kann sich denken, mit welcher Befriedigung die englische und französische Presse jetzt auf len Arbeitermangel in Deutschland selbst hinweisen. Aber auch mit dem anderen Kolonialargument steht es nicht besser. Die Hitler- uropaganda versucht mit allen Mitteln, den Massen weiszumachen, dass die Wiedererlangung der deutschen Kolonien sie von ill den Rohstoffnöten, die die Wehrwirtschaft über sie verhängt hat, befreien würde. Auch diese Behauptung hält einer Nachprüfung nicht stand. Die Propaganda legt zum Beispiel grosses Gewicht au den deutschen Einfuhrbedarf an Oelfrüehten. Nun betrug in den letzten vier Jahren die durchschnittliche Einfuhr Deutschlands an Palmkernen, Kopra und Erdnüssen rund 750 000 Tonnen, der Einfuhrbedarf an Palmöl rund 45 000 t. Die ehemaligen deutschen Kolonien liefern aber gegenwärtig nur 151 000 t. Palmkcrne, Kopra und Erdnüsse und rund 12 000 t. Palmöl. Wenn der ganze Export dieser Kolonien ausschliesslich nach Deutschland ginge, so könnte der Einfuhrbedarf an den genannten Oelrohstoffen nur zu 20 Prozent und an Palmöl nur zu 27 Prozent gedeckt werden. Der deutsche Einfuhrbedarf an Oelfrüehten für Ernährung und technische Zwecke zusammengenommen, liesse sich freilich aus den ehemaligen deutschen Kolonien nur zu knapp 10 Prozent befriedigen. Die Versorgung des Dritten Reiches mit Oelrohstoffen würde durch die Rückgabe der Kolonien nur in sehr geringem Umfange erleichtert werden. Nicht viel anders steht es mit den Tex- litrohstoffen. Die Gesamtproduktion der ehemaligen deutschen Kolonien betrug 1935 an Wolle 9 200 t. Die gedrosselte Einfuhr Deutschlands dagegen 122 000 t. Die koloniale Produktion an Baumwolle war 12 000 t., die Einfuhr Deutschlands 210 000 Tonnen. Dabei sind die Aussichten für eine Steigerung der kolonialen Produktion selbst bei grossen Kapitalaufwendungen recht ungünstig. Die klimatischen Verhältnisse im ehemaligen Deutsch-Südweslafri- ka. dem einzigen Land, das für Wollproproduktion in Frage kommt, lassen eine we- j sentliche Vermehrung des Schafbestandes Baumwollkultur mit allen Mitteln geför dert. In Deutsch-Ostafrika stieg auch die Baumwollproduktion von 1913 bis 1935 von 2 198 auf 9 980 t., in Togo von 503 auf 1 535 t. Immerhin liesse sich denken, dass sich in Deutsch-Ostafrika im Laufe von 15 Jahren die Produktion auf die Höhe des benachbarten Uganda, auf etwa 60 000 t. steigern liesse. Auch in Togo ist eine Pro duktionserhöhung auf 8 000 t. nicht aus geschlossen. Fünfzehn Jahre nach einer Wiedererlangung des alten Kolonialbesitzes könnte Deutschland nach Einsatz sehr grosser Mittel damit rechnen, ungefähr 75 000 t. Baumwolle im Bereich der Deutschen Markwährung zu erzeugen. Damit wären erst 25 Prozent der heule durchaus unzureichenden Einfuhr gedeckt. Zugleich würde sich ein nennenswerter Teil der so mühsam und kostspielig aufgebauten Zell- wollproduktion als Fehlinvestition erwei sen. Die Lügenhaftigkeit der deutschen Kolo nialpropaganda ist also offenkundig, wie die wenigen Beispiele, die sich beliebig vermehren Hessen, bezeugen. Es wird klar, dass die Rückgabe der afrikanischen Ko lonien— an das verbündete Japan wird ja keine Forderung gestellt— viel weniger ans wirtschaftlichen als aus militärischen Rücksichten gefordert wird. Hitler-Deutsch land will in der Flanke des englischen und französischen Kolonialbesitzes Fuss fassen, um zusammen mit Mussolini einerseits die englisch-französischen lebenswichtigen Seeverbindungen, andererseits zu Lande ihren Kolonialbesitz bedrohen zu können. Der Raum, um den es sich den deutschen Machthabern handelt, sind nicht die wirtschaftlich armseligen früheren deutschen Kolonien, sondern es ist der strategische Raum, von dem aus später der Kampf um die neue Verteilung der Welt und ihre Reichtümer beginnen kann. Dr. Richard Kern. Cie�enseili�keit! Presselrelheil für Uculscbe— In England Die Januarnummer des„Nineteenth Century", der repräsentativen englischen Zeitschrift, enthält einen Aufsatz mit der Ueberschrift;„The Principle of Collecti- vity in International Relations"(das Kollektivitätsprinzip in den internationalen Beziehungen). Als Verfasser zeichnet Konstantin Freiherr von Neurath. Der hochoffizielle Leitartikler beschränkt sich- nicht darauf, die angebliche Fehlerhaftigkeit Völkerbundsverfassung und das aus Neurath spricht nicht von Frankreich. Aber er nimmt bei der Suche nach dem Sündenbock England und Deutschland ausdrücklich und feierlich aus. Da Sowjetrussland zu der Zeit, von der die SteUe des Artikels handelt, noch nicht Bundesmitglied war, und da zugestandenermassen von den kleinen Mächten nicht die Rede ist, bleibt nur Frankreich übrig. Hier unternimmt es hin deutscher Staatsmann, in einer Spitzenzeitschrift der englischen Politik, gegen das mit England verbündete Frankreich den Vorwurf zu erheben, es habe die Organisation des Friedens in Europa sabotiert. Nebenbei nennt er die Völkerbundsidee ein Gemisch aus unerfüllbaren Utopien, weltfremden Ideologien und selbstsüchtigen Zielen, die gleiche Idee, von der der englische Regierungschef vor weniger als einem Monat erklärt hat, sie sei die tragende Idee der internationalen Konzentration Englands. Es ist eine eigene Sache um die Freiheit der Meinungsäusserung. Wir würden dem Aussenminister Eden empfehlen, zur Vornahme einer Gegenprobe einen Artikel mit entsprechend umgekehrtem Inhalt an eine repräsentative deutsche Zeitung oder Zeilschrift einzusenden. Vom Kulturkampf. Der deutsche Katholizismus hat in seinen Bestrebungen, die Jugend festzuhalten, einen neuen schweren Rückschlag erlitten. Sämtliche katholische Jugendorganisationen in Bayern sind zwangsweise aufgelöst worden. Die katholische Jugend wird beschuldigt, sich in staatsfeindlichem Sinne betätigt zu haben. Die Begründung ist darauf angelegt, die Jugendverbände ausserhalb des vom Reichskonkordat gewährten Schutzes zu stellen. Wahl-Ersatz. Am 31. Januar mussten alle deutschen Arbeiter in den Betrieben zu Appellen antreten. Die Parole dafür lautete: Wir stehen zu Adolf Hitler". Ob die Arbeiter wirklich zu ihm stehen, darnach hat sie keiner gefragt. Diese Appelle sind der Ersatz für die abgeschafften Vertrauensmännerwahlen. Kommt davon. Ein Jude in Leipzig halte am vorigen ersten Mai die Hakenkreuzfahne herausgehängt. Er wurde wegen„Verletzung der deutschen Ehre" zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Aufgelöst. Auf Grund der Verordnung zum Schutze von Volk und Staat ist der Hamburger Männer- und Frauenchor„Vorder(wärts" von 1909 für das Gebiet des Landes ihr(Hamburg aufgelöst worden,„weil der drin- entspringende Versagen des Bundes in al-|gendo Verdacht der organisatorischen Zu-; len historischen Situationen der letzten:sammenfassung marxistischer Elemente in- zwei Jahrzehnte zu beleuchten, und ein Todesurteil über den Völkerbund auszusprechen. Er geht zu massiven Anklagen über; „Viele Regierungen suchten ehrlich und in Treu und Glauben die effektive Organisation der internationalen Beziehungen zu erreichen. Sie stiessen auf keine Gegenliebe bei einer Mächtegruppe, deren alleiniges Interesse es war. die Genfer Maschinerie zur Aufrechterhai nerhalb dieses Chors bestanden habe." Opferfeuer flammt! In Magdeburg soll zugunsten des Winterhilfswerks ein zehn Meter hoher Tempel errichtet werden, in, dessen Eingang auf einer Säule eine Opfer-, schale stehen wird. Jeder Besucher, der den Tempel betritt, soll hier zwanzig Pfennig in einen Automaten werfen. Im glei-! chen Augenblick soll das Opferfeuer auf- uicht zu. Etwas günstiger liegen die Dinge eingestürzt, hei Raumwolle. In Togo und Deutsch-Osl- Auswande--afrika haben die Mandalsregierungen diej tung des Status quo zu brauchen, und die; f,,a,nrae"- An d.en Kassenschaltern kann sich bei Ausbruch von Feindseligkeiten gegen eine Automatenquittung ein -„Opfcrfeuer-Pass" entgegengenommen werden. der abtrennbare Ansichtspostkarten I enthält. die moralische Unterstützung und die praktische Hüfeleistuns» der Bundesmit glieder sichern wollte." Au«» iiieineiu Aotizbncta Jüngst las ich eine Verordnung, wonach es fortab in deutschen Wirtshäusern gestattet ist, Speisen, die ein Gast stehen gelassen hat, seinem Nachfolger zu servieren. Das überrascht nicht. Es liegt eine Uebertragung geistiger Prinzipien ins Materielle vor. Geistig lebte der Nationalsozia. lismus seit jeher von Abfällen, die jedes saubere Denken voll Ekel verschmähte. Wilhelm Scherer, dessen„Deutsche Literaturgeschichte" einstmals in unzähligen Bücherschränken als Symbol der Bildung und Belesenheit des Eigners prangte, Wilhelm Scherer hatte sich mit der Hartnäckigkeit des deutschen Professors in den Kopf gesetzt, das tiefste Wesen der deut sehen Natur zu ergründen. Endlich glaubte er es zu haben, und er formulierte es als „die Hartnäckigkeit im Guten und Bösen", die(nach Tacitus) von den alten Germanen als„Treue" bezeichnet wurde. Kaum hatte er dies veröffentlicht, da brach in Berlin (es war in den achtziger Jahren) mit Vehemenz der Radauantisemitismus des Hofprediger Stöcker los. Scherer, der mit Virchow, Moinmsen u. a. die bekannte„Notabeln"- Erklärung gegen das wüste Treiben unter zeichnete, äusserte in jenen Tagen, wie Georg Brandes berichtet hat, wehmütig am Stammtisch: „Es geht mir wunderlich mit der Bestimmung dessen, was da tiefst innen deutsch ist. Einmal glaubte ich, es wäre die grosse Leidenschaft. Dann meinte ich, es sei die Hartnäckigkeit. Früher wusste ich: unser Fluch ist der. weder Mass noch Ziel halten zu können. Jetzt weiss ich gar nicht mehr, was das Deutsche ist, Ich sehe allzuviel Rohheit." Ja,— und was war schon das bisschen Radau der Stöcker und Konsorten gegen das Tobec'Jder braunen Horden Adolf Hitlers und Julius Streichers? Aus den Tagen der Kämpfe um Shanghai: Während die Chinesenstadt in Flammen steht, während die Granaten der japanischen Kriegsschiffe ein Viertel nach dem andern in Asche legen, während ein Strom von verzweifelten Flüchtlingen sich in die Europäer-Konzessionen ergicsst, während die Leichen der Erschlagenen von den Flammen verzehrt werden,— während alledem herrscht in den Hotel-Wolkenkratzern am Yangtse-Ufer Hochbetrieb. Im achten Stockwerk eines der Paläste(vor dem es in den ersten Tagen der Beschies- sung 150 Tote gegeben hat) befindet sich eine Bar. Nicht ein Plätzchen ist dort zu bekommen. Die Fenster geben nämlich freie Aussicht über den Fluss auf die brennende Chinesenstadt; man erkennt jeden Einschlag an der aufsteigenden Schult- und Rauchsäule. Mit Aussicht auf diese Schrecknis tanzt eine mondäne Gesellschaft Nacht für Nacht bis zum Morgen. Während Tau sende sterben, klingen die Sektgläser, und vom anderen Ufer des Flusses bestrahlt der Flammenschein des Inferno die Tänzer, deren Körper allein vom Schweisse nass sind. Eine gewesene Kultur symbolisiert ihren Untergang. Keine Dichterphantasie kann den Totentanz des europäischen Kapitalismus drastischer malen. ** Abstimmungen in Diktaturländern sind eine recht lederne Sache. Keinem Diktator wollte es bisher gelingen, mehr als hundert Prozent der Stimmen auf sich zu vereinigen,— und gerade von da ab würde die Sache doch eigentlich erst interessieren! ❖ ❖ Wie man es auch machen kann, zeigte jüngst ein mit Genehmigung der japanischen Kriegszensur versandter Artikel eines europäischen Korrespondenten aus Tokio: Er beginnt mit der imposanten Feststellung:„Das japanische Volk steht zu hundert Prozent hinler seiner Regierung und ihrer Politik gegen China." Hundert Prozent,— das ist klar, das ist eindeutig. Daran ist nichts zu drehn und zu deuteln. Hundert Prozent das heisst: bis auf den letzten Kuli.— Aber der Korrespondent fährt fort: Allerdings gäbe es auch einige hundert Kommunisten... Ein ärgerlicher Schönheitsfehler, korrigiert durch die beruhigende Mitteilung, man habe sie sämtlich eingesperrt und so verhindert, dass ihre Agitation die Einheit des Volkes stören könnte. Jedoch, merkwürdig: die Regierung hat noch weitere Massnahmen ergriffen, damit die Anti-Kriegspropaganda nicht um sich greife. Hm, obwohl das Volk„zu hundert Prozent" hinter der Regierung steht, obwohl die„paar hundert" Störenfriede ebenso restlos eingesperrt sind?— In gewissen Fragen, so werden wir belehrt, lasse sich leider nicht mit hinreichender Deutlichkeit unterscheiden, ob eine Ansicht kommunistisch, oder ob sie sozialdemokratisch oder ob sie bürgerlich-liberal sei. Deshalb habe die Regierung auch die Anhänger dieser Anschauungen einer scharfen Sonder- Beobachtung unterworfen. Nun weiss man, wie eine Bevölkerung zu hundert Prozent" hinler ihrer Regierung und einem imperialistischen Raubkrieg steht. Als in einem Diktaturlande der Winter besonders hart und das Heizmaterial besonders knapp war, kam der Propaganda- Minister auf die rettende Idee: Auf seine Anordnung mussten sämtliche Thermometerfabriken die Skalen so zur Quecksilbersäule einstellen, dass der Nullstrich bei fünf Grad Kälte zu liegen kam. Wer danach dennoch fror, kam als Nörgler ins Gefängnis. ** In einem unfreien Lande bloss zu lebe«. — das allein ist schon lebensgefährlich' Man verwandelt sich aus einem lebenden Menschen, ehe man sichs versieht, in „Menschenmaterial", und von da ab ergeht es einem wie dem sonstigen Altmaterial: man wird eingestampft. ** Gewalt und Uebcrrcdung sind die beiden Gegenpole, von denen aus der Staat auf die Einzelnen wirkt. Gewalt erfordert stets den höheren Aufwand an Energie, dabei wirkt sie— im Gegensatz zur Ueberredung— J nur äusserlich und momentan. Gewalt dort angewendet, wo Ueberredung ausgereicht hätte, ist also ähnlich Energievergeudung- als ob der Eigner einer Segeljacht, die de* Wind im Rücken hat, das Segel einzieht und zu den Rudern greift. Daraus lässt sich umgekehrt schliesse«: Wo tatsächlich und ununterbrochen mf den Mitteln der Gewalt regiert wird, h«' die Ueberredung nicht gewirkt, besteht keine Ueberzeugung zu gunsten der Gewalt- ausübenden. Damit entlarvt sich die Behauptung von der„allgemeinen freiwillige* Zustimmung", die alle Diktatoren zu g«' niessen vorgeben. Jonathan. Die lierolscbe Füllfeder Der F. Bethge, Dramatiker und Kunstbeamter der Reichstheaterkammer, gilt •drüben als Fachmann für bühnengerechten Heroismus. Er hat auf der Bochumer Tlieatertagung der HJ ein Wort geprägt, das in der Nazipresse immer wieder auftaucht(wie jüngst in der„Preussischen Zeitung" vom 9. 1.) und das deshalb auch hier festgehalten werden soll: „Fragt euch bei jedem„heroischen Werk" auch:„Wer steht dahinter?"— Hat der Dahinterstehende auch das Recht,„in unserem Namen" zu sprechen? Es gibt eine Probe aufs Exempel: den Humor. Der echte Held lacht, lacht viel — und nicht nur der Gefahr. Nirgends ist mehr gelacht worden als im Krieg— mit allen Schattierungen des Lachens." Ja, die ehemaligen Frontsoldaten versi ehern sogar, dass im Kriege eigentlich nur gelacht worden sei. Und zwar wurde umso mehr und umso fröhlicher gelacht, je "weiter man nach vorn kam. Nur in der Etappe herrschte beklommener Ernst. Im kommenden Kriege wird noch mehr gelacht werden, weil es da keine Etappe mehr gibt. Wird das eine Heiterkeit sein, wenn die Städte in Flammen stehen und Frauen mit ihren Kindern, wie jetzt in Spanien, von Granaten zerrissen werden! Und wenn nachher ein Nachkriegsbethge dieses Lachen besingt— wird das eine Konjunktur für die überlebende heroische Füllfeder! Oder wird man sie dann endlich an die Laterne hängen?! Schniock und.tleyerliold Mitte Januar wurde in Moskau das Meyerhold-Staatstheater geschlossen, da Intendant Meyerhold die offiziöse Sowjel- kunst erheblich weniger schätzte als die Machthaber wünschen. Die Presse des Dritten Reiches bemächtigte sich des Falles mit befohlener Aufregung. So schreibt die„Kölner Volkszeilung"(vom 14. 1.): Wenn der ganze Vorgang auch in der Linie liegt, die in Sowjetrussland durch Stalin gezogen ist, so ist er doch ein neuer Beweis für die geradezu pathologische Furcht der Machthaber vor „Konterrevolution". Diese„Furcht des Tyrannen", wie die „Kölnische Volkszeitung" ihre Glosse überschreibt, gibt es natürlich nur in Rassland. Im Dritten Reich existiert keine Gestapo, keine Flüsterei, keine Furcht, und Hitler hat weder eine Leibgarde, noch werden seine Aufenthallsräume überwacht. Der Schluss;„Dabei wird selbstverständlich niemand das Meyerhold-Theater an sich als eine Musteranstalt betrachten. Wie mag nun eigentlich das waschechte Sowjettheater aussehen, wenn dieses Unfernehmen schon an den Galgen gehangt wird?" Wie es aussehen mag? So unfrei, wie das neudeulsche Theater, auf dem im übrigen mn Theaterrevolutionär wie Meyerhold nie möglich gewesen wäre. Der Achsenschritt. Bei einer Besichtigung verschiedener Milizablcilungen wurde Mussolini ein neuer italienischer Parade- Schrift. der„Passo Romano"(römischer Schritt), vorgeführt, der zum erstenmal mit durchgedrückten Knien und hartem Tritt, ähnlieh dem deutschen Parademarsch, ausgeführt wird. Frauenarbeit— artgemäss Kusammenbriiclft einer braunen A�ilalioniilü�e Die nationalsozialistischen Anführer, die mit dem Schlachtruf„Abkehr vom Materialismus!" in ihre Aemter und Pfründen eingerückt sind, sorgen dafür, dass dem Volke die braune Religion erhalten bleibt. Ob es sich um die Müllabfuhr handelt, um Lohn Senkungen oder um die Gewährung einer Exportprämie an die Unternehmer, selten wird eine Massnahme im Dritten Reich mit sachlichen Erwägungen begründet, immer müssen Weistum und Brauchtum, Volk und Rasse, Blut und Boden herhalten. Die deutsche Wirtschaftsentwicklung vollzieht sich jedoch nicht in Walhalla, sie zwingt die nationalsozialistischen Apostel immer wieder dazu, das im Augenblick Zweckmässige zu veranlassen, auch wenn es all dem ins Gesicht schlägt, was gestern als einzig„artgemäss" bezeichnet wurde. So müssen oft dieselben Phrasen herhalten, um Entgegengesetztes zu begründen. Das krasseste Beispiel dafür sind die Parolen, die in den letzten Jahren für und wider die Frauenarbeit ausgegeben wurden. Zunächst war das ganz einfach. Es herrschte ArbeilslosigkeiL Also:„Frauen, zurück ins Haus!" Beileibe nicht, um Ar- beitsplätzc freizumachen. Nein, damit der deutsche Herd wieder jenes Ansehen ge winne, das er bei den Altvorderen genoss und durch die Marxisten verloren hat, damit die deutsche Frau wieder das werde, was ihre stolzen Ahnfrauen waren, Hüterin der heiligen Flamme, Wahrerin der häus liehen Tugend und was der artgerechten Pflichten mehr sind. Praktisch sah das so aus; Arbeiterinnen und Angestellte wurden teils entlassen und durch männliche Kollegen ersetzt, teils durch Gewährung von Ehestandsdarlehen zur freiwilligen Aufgabe ihrer Stellung und zu unbedachten Ehe- schliessungen verlockt, die später in grosser Zahl zur Scheidung führten. Gegen die Akademikerinnen ging man noch strenger vor, denn die männliche Studentenschaft empfand die weibliche Konkurrenz als besonders lästig. Hier wurden Sperrmassnah- men verhängt, die z. B. allen angehenden Lehrerinnen auf Jahre hinaus jede Aussicht auf eine Anstellung nahmen. Stipendien wurden ausschliesslich männlichen Bewerbern zugeteilt. Die Gerichte wehrten sich mit Erfolg gegen weibliche Referendare. die Krankenhäuser gegen Assistenzärztinnen. Es begann bei den weiblichen Studierenden eine Massenabwanderung in minder bezahlte kaufmännische und handwerkliche Stellungen, es vollzog sich ein allgemeiner sozialer Abstieg. Gleichzeitig drängten männliche Bewerber auch in jene Berufe, die selbst von den nationalsozialistischen Schreibern und Bednern als „typisch weiblich" bezeichnet wurden. Die Wohlfahrtsämter und fürsorgerischen Beratungsstellen füllten sich mit alten und jungen Kämpfern. Nur die aufreibendsten und verantwortungsvollsten Posten— etwa in der Land- und Familienpflege— blieben ausschliesslich den Frauen vorbe-l halten. Im letzten Jahre ist auf dem Gebiet derj manuellen Frauenarbeit ein erheblicher Wandel eingetreten. Es fehlt an Arbeitskräften. Die Zahl der arbeitenden Frauen steigt wieder, und die schönsten Phrasen vom häuslichen Herd haben an dieser Entwicklung nichts ändern können. Bereits im ersten Halbjahr 1937 stieg der Anteil der Frauenarbeit in der deutschen Industrie von 24,7 auf 25,5 Prozent. Da in der gleichen Zeit die Beschäftigtenzahl im Ganzen zunahm, bedeutet das eine recht erheblifche Steigerung. Seither ist aber die Entwicklung in raschem Tempo weitergegangen. Bis zum Herbst 1937 war die Gewährung von Ehestandsdarlehen mit der Bedingung verknüpft, dass die junge Frau ihren Beruf aufgab. 800 000 Frauen haben sich dieser Bedingung unterworfen. Seit 1. Oktober 1937 werden Ehestandsdarlehen auch dann gewährt, wenn die Frau ihren Arbeitsplatz behält oder gar eine neue Arbeit aufnimmt. Nur die Tilgung des Darlehens hat in solchen Fällen rascher zu erfolgen. Die Arbeitsfront allerdings benützt auch diese Gelegenheit, um auf Kosten ihrer Mitglieder und zugunsten ihrer Bonzen zu sparen. Sie zahlt eine Heiratshilfe nur dann, wenn die Frau aus dem Arbeitsverhältnis ausscheidet. Dagegen setzte sich der rheinische Gauleiter und Staatsrat Grohe in der Presse energisch für die Frauenarbeit ein. Er erklärte, das Wort „Doppclverdienertum" sei längst überholt. „Nachdem jeder Deutsche die Möglichkeit zum Arbeiten bekommen habe, müssten alle Schranken fallen, die dem einzelnen mit Rücksicht auf die Arbeitslosigkeit anderer den Einsatz seiner Kräfte verwehrt hätten. Die Ehefrau, so sie nicht zum mütterlichen Glück gelangt sei und die mithin keine besonderen Haushaltspflichten habe, sei im.4r- beilsprozess durchaus erwünscht, auch wenn sie es angesichts des Einkommens ihres Ehemannes von ihrem persönlichen Standpunkt aus gesehen nicht nötig habe. So sehr Haushallsführung und Kindererziehung als erste Aufgabe der Mutter allen anderen voranzugehen habe, beständen jedoch gegen die vielfach übliche Stundenbeschäftigung von Müttern, deren Hausstand eine Nebenarbeit gestatte, keine Bedenken." Gegen die volle Beschäftigung von Müttern, deren Hausstand keine Nebenarbeit gestattet, bestehen vielleicht Bedenken. aber sie werden von niemandem beachtet. Vielmehr sind die Krippen und Horte— die Tagesheime für Säuglinge und Schulkinder— bereits so überfüllt, dass weder das Pflegepersonal noch der zur Verfügung stehende Raum ausreicht. Es ist also genau das Gegenteil von dem eingetreten, was die Nationalsozialisten bei der Machtübernahme mit viel schönen Reden verkündeten: die Frauen hüten nicht die „häusliche Herdflamme", sondern stehen an den Maschinen, während ihre Kinder fremden Händen überlassen sind. Dass sie sich allerdigs freiwillig zur schlecht bezahlten und vielfach mit Ueberstunden belasteten Fabrikarbeit drängen, glaubt Herr Grohe wohl selbst nicht. Vielmehr reicht der Lohn des Mannes gewöhnlich nicht! zum Nötigsten, zumal wenn der Familien- j vater verschickt worden ist, in einer ande-: ren Gegend des Reiches arbeiten muss und eine doppelte Haushaltführung notwendig ist. Für die Frauen in geistigen Berufen ist es dagegen eine Lockung, ihre Arbeit auch dann fortzuführen, wenn ihre wirtschaftliche Existenz durch eine Ehe gesichert ist. Aber hier ist der Konkurrenzkampf noch nicht beendet,, hier gilt noch der schöne Wahlspruch vom häuslichen Herd. Die „Frankfurter Zeitung" vom 16. Januar stellte fest, dass sich in den höheren Berufen die Wiederbeschäftigung der Frauen „noch nicht in gleichem Umfang durchgesetzt habe". „Die psychologischen Hemmungen, die hier der Frauenarbeit entgegenstanden, hatten in der Krise zu wirklichen Sperren geführt, die inzwischen erst zum Teil wieder beseitigt wurden. Dies gilt für weibliche Juristen, für Philologinnen, auch für Aerztinncn und vielleicht sogar für einen Teil der gesundheitspflegeri- schen und Fürsorgeberufe, die ja in der Regel in besonderem Masse als weibliche Berufe gelten." Der jahrelange Feldzug gegen die Frauenarbeit ist also doch nicht spurlos vorübergegangen. Er hat zwar die Frauenarbeit nicht beseitigt. Im Gegenteil. Die Frankfurter Zeitung spricht bereits von einer„Hausflucht" der Frau und klagt, dass„gleichsam der letzte irrationale und menschliche Bezirk, der häusliche, Gefahr laufe, ganz den Bedingungen der arbeitsteiligen, hochspezialisierten Wirtschaft unterworfen zu werden". Aber eines ist jedenfalls erreicht worden: die arbeitende Frau in Deutschland ist auf der sozialen Stufenleiter ein beträchtliches Stück abwärts gestiegen. Denn nicht nur die Akademikerinnen sind in ihrem Berufsweg gehemmt worden, auch alle Arbeiterinnen, die aus der Arbeit ausschieden, sei es, weil sie ein Ehestandsdarlehen erhalten wollten, sei es einfach, weil sie entlassen wurden. haben wertvolle Jahre eingebüsst, rangieren heute in einer minderen Lohnklasse oder müssen als ungelernte Kräfte in einem fremden Fach neu beginnen. Ein Phrasenbau ist elend zusammengebrochen. Aber die nationalsozialistischen Redner und Zeitschriften schaffen bereits emsig an einem neuen. Sic besinnen sich plötzlich darauf, dass die germanische Frau in Urzeiten nicht nur Hüterin des Hauses gewesen sei, sondern ihrem Mann in allen Fährnissen der Wildnis zur Seite gestanden habe. Also ist beides„artgemäss": die Entlassung der Industriearbeiterinnen und ihre Neueinstellung unter verschlechterten Bedingungen. Die Auffassung es habe sich beide Male um reine Konjunk- turmassnahmen gehandelt, zeugt von einer durch und durch materialistischen Denkweise und ist eines deutschen Menschen u nwürdig. Nene Ausbürgerungen. Eine Liste von 30 Ausgebürgerten wird im„Reichsanzciger" veröffentlicht. Von dem Verlust der Staatsangehörigkeit werden weiterhin 37 Angehörige der Ausgebürgerten betroffen. � ie maia in lleulseliland stirbt Wilhelm Schäfer feierte im Januar seinen . Geburtstag, und die„Illustrierte Zei- Ung"((jjg frühere Leipziger Illustrierte) »"achte, um ihn zu ehren, eine Schäfersche • nekdote, die von dem Tode seines Bruders bandelt. Wilhelm Schäfer hat einmal in einer sehr peif, Zllrückliegendcn Zeit als kultivierter -rzähler begonnen. Die Entwicklung je- �b, die er im Verlaufe seines Lebens l'ahni(13 Bücher der deutschen Seele) l"acbt es nicht verwunderlich, dass ihn das r"tc Reich seiner Heimat nicht entfrem- k' �"rotzdem kann man, wenn man zwi- cben Nationalisten und Nationalisten unter- ■j�beiden will, nicht ohne Erschrecken die . kdole lesen, deren wesentlichste Sätze abdrucken: „Ich halte ihn(den Bruder) acht Tage �"■"her noch besucht und von einem •�cblaganfall betroffen gefunden. Er sass "och da mit seinen aufmerksamen Au- J1'.',1•..aber die Sprache war ihm, dem '•"öhlichen Sprecher, genommen. r■■, In seiner Sterbenacht wurde er im �,egensatz zu seiner sonstigen Art unru- "J'R•.. bis er noch einmal in Schlaf fiel. jD'ch seine Frau und Pflegerin war zu- j tzt eingeschlafen, als sie durch ein 'autes„Hier!" aufgeschreckt wurde. Da sass mein Bruder Johannes stramm auf- fi�richtet im Bett, den Kopf erhoben und l.'e weitgeöffneten Augen auf seinen un- �'chtbaren Rufer gerichtet. Er, dem die Sprache genommen gewesen war, halte sich auf seinen Namensaufruf mit einem auten„Hier" gemeldet. Mehr als ein halbes Jahrhundert war ergangen, seitdem er zur Reserve entlas- cri war, und er hatte ein reichlich Bür- aerleben hinter sich gebracht: aber als ihn der Tod rief, meldete der Soldat sich zum Gehorsam:„Hier!" Man möchte wünschen, dass diese Geschichte ein Satyriker erfunden hätte. Aber Wilhelm Schäfer hat sie„in gutem Glauben" geschrieben. Da$?11H es Freude Man schreibt uns; In einem Pariser Reisebüro fiel mir ein hübsch illustrierter Prospekt mit der anziehenden Ueberschrift auf:„II y a de la joie!"„Da gibt es Freude!" Angereizt von dem Refrain dieses neuesten Pariser Schlagers, den jeder Garain mit Andacht pfeift, erbat ich mir einen der Prospekte. Welch herzliche Ueberraschung für mich! Wo wurde mir und jedermann, der siebenhun- derlfünfzig Franken für drei Tage opfern kann und will, Freude verheissen? Nirgendwo anders als in Cologne, beim„700- jährigen Karneval zu Köln am Rhein", französisch geschrieben„carnaval". Wahrhaftig, drei Tage, Fahrt erster Klasse, erstklassiges Hotel, erstklassige Bälle im Gürzenich mit munterem Geschunkel, das der Prospekt bunt und fröhlich illustrierte! Selbstverständlich einschliessend Rosenmontagszug und je nach Bedarf ein Por- tiönchen Aschermittwoch mit Haken- oder -Aschenkreuz. Sie lassen nicht, sie lassen nicht von ihrem Festeleer, und jeder Fremde hat beinahe die moralische Verpflichtung, sich persönlich davon zu überzeugen, dass Göb- bels und Ley wahrgesprochen haben, das deutsche Volk sei unter Hitler glücklicher und froher geworden. Aber die„joie", die der Franzose bei diesem Anlass genicsst, kassiert keineswegs nur der Kölner Verkehrsverein ein. Es freut sich auch das Propagandaministerium. Kann man den Karneval nicht auch zum politischen„Brückenbau" verwenden, um den letzten Franzosen unter den Kanonen der wiedereingezogenen Artillerie im früher besetzten Gebiet von der Heftigkeit der Friedensliebe des Dritten Reiches zu überzeugen? In jeder der reizenden Sitzungen 'asst ein Herr Schmitz den Monsieur Bourgeois an den Händen, man wiegt sich im Rhythmus des Stimmungssängers und ist voneinander einhellig begeistert. Jeder Kamevalsjeck ein Friedenscngel! Zwar schmeckt Monsieur Bourgeois der Rheinwein etwas säuerlich, aber daheim wird er nicht versäumen, Madame Bourgeois, dem Onkel Jean und der Tante Anfoinette zu berichten, dass die Notizen über Volksbedrückung, Lebensmittelmangel und Teuerung im Dritten Reiche nicht wahr sein können. Was tut Monsieur Bourgeois darauf? Er schreibt als höflicher Pariser einen Dankesbrief nach Köln an den Verkehrsverein. Er wird sofort abgedruckt und kommt in die Sammelmappe der Auslandspropaganda. Monsieur Bourgeois empfängt nicht nur Freude; er gibt auch welche, neben seinem Devisenopfer. Die alle Schalilone Unter Darr�s Schirmherrschaft wurde in Berlin eine Kunstausstellung eröffnet, die deutsche Bauern, deutsches Land" zeigen soll. Also Thema„Blut und Boden", bequeme Motive, bei denen der gleichgeschaltete Künstler aus dem Vollen schöpfen kann. Aber auch hier triumphieren MMtelmäs- sigkeit und alte Schablone, wie aus einem Bericht der DAZ(IG. 1.) hervorgeht, in dem es heisst: „Die gute Tradition wird gewahrt, das Erprobte ins Heutige umgesetzt, wobei auffällt, dass neben dem ausgesprochen Landschaftlichen der bäuerliche Mensch nur ein einziges Mal in der Verbindung mit der Maschine, der er sich doch sehr häufig und erfolgreich bedient, gezeigt wird; sonst ist das Werken der Hände, sei es mit Pflug oder Sense, mit Säen oder Ernten, stets zur symbolhaften Gestaltung eines ewigen Arbeitsvorganges gewählt. Bestimmt mit Recht, aber man kann sich doch zuweilen nicht des Eindrucks von sich zu häufig gleichenden Vorwürfen erwehren, und es scheint, dass das Romantische darin rein gefühlsmäs- sig nie ganz gebannt ist. Also: Ueber Egger- Linz und Leibi, die sozusagen als Motto und Vertreter überkommener braver Bauernmalerei dort hängen, geht nichts hinaus. An die Realität neuer Arbeitsvorgänge wagt sich keiner recht heran, es könnten Irrtümer unterlaufen, und mit einem Male kriegt einer den artfremden Stempel aufgebrannt. Hat doch der stellv. Geschäftsführer der Reichskulturkammer der bildenden Künste, Dr. Gaber, bei Eröffnung einer Ausstellung im Gau Köln- Aachen laut Köln.•Volksztg. (14. 1.) erklärt: „Es könne keine irrigen Auffassungen mehr geben, nachdem der Führer selbst das entscheidende Wort und das umfassende Leitbild für den deutschen Künstler herausgestellt habe: Deulschsein heisst klar sein." Wie klar man da oben ist, hat die Ausstellung der Entarteten bewiesen, die im Lauf« der ersten Woche ein wenig revidiert werden musste. Was wird ans der Reiclisbalin? Verfall eines glänzenden Unlernelnuens Die Leute, die den Zustand eines Landes zu kennen glauben, das sie nur von den Fenstern des D-Zuges oder ihres Hotels gesehen haben, sind in der Welt gar nicht selten und ihr Einfluss auf die Weltmeinung ist nicht gering. Für sie steht es apodiktisch fest, dass es in den Ländern, denen die Segnungen der faschistischen Diktatur zuteil werden, gelingt, nicht nur den Menschen, sondern auch den Eisenbahnzü- gen Ordnung und Pünktlichkeit beizubringen. Diese Herrschaften muss es schwer enttäuschen, der Frankfurter Zeitung vom 4. Januar 1938 zu entnehmen,„dass die Verspätungen zu einem ernsten Problem des Reichsbahnbetriebes geworden sind". Aber da die Frankfurter Zeitung verpflichtet ist, auch an den Misständen im Dritten Reich noch etwas der Bewunderung Wertes herauszufinden, behauptet sie, es nötige „den Aussenstehenden zuweilen fast mehr Bewunderung ab, wenn sich die Zugfolge auf den Fernslrecken, wie an manchen Spitzenverkehrstagen des letzten Sommers, ausserhalb jedes Fahrplanes abwickelt, als wenn der Betrieb mit minutiöser Pünktlichkeit funktionierte". Aber immerhin wagt sie die Ansicht zu äussern, dass„die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit sinken" müsse, damit „eine Wiederherstellung der früher vorbildlichen Pünktlichkeit" erfolgen könne. Es müsse auch beachtet werden, dass häufige Verspätungen grösseren Umfangs mindestens vorübergehend auch das Zugpersonal stärker belasten können. Wenn so ernste Folgen für die Sicherheit des Bahnpersonals erwartet werden, müssen die Verspätungen ziemlich häufig und ihr Umfang ziemlich gross sein. Die Leistungsfähigkeit der Reichsbahn bleibt also immer weiter hinter dem Grade ihrer Beanspruchung zurück. Die Abnutzung des vorhandenen Wagenmaterials hat ein Mass erreicht, das zwingt, die Leistungen der Reichsbahn ihrer sinkenden Leistungsfähigkeit anzupassen und zu diesem Zwecke die Geschwindigkeit des Bahnverkehrs herabzusetzen. Man könnte meinen, dass käme daher, dass die Reichsbahnverwaltung das Tempo des vom Führer angekurbelten Aufschwungs nicht hat voraussehen und daher nicht besser durch ausreichende Einstellung neuer Wagen Vorsorgen können. In seinem Wochenbericht vom 15. Dezember 1937 stellt aber das Institut für Konjunkturforschung fest, dass nach seinen Berechnungen 1937 der Stand von 1929 von der gewerblichen Gütererzeugung um ein Sechstel, von der Gü- terbewegung auf Eisenbahnen und Bin- nenwasserstrassen aber erst wenig überschritten worden ist. Gemessen am Reichsbahnverkehr ist der Anteil der Binnenschiffahrt am Gütertransport seit 1929 von 22 auf 31 Prozent gestiegen. Die Leistung der Reichsbahn ist also seit dem letzten Konjunkturjahr der Republik nicht grösser, sondern kleiner geworden. Es bedurfte also auch im Dritten Reich keiner besonderen Mehranstrengung für die Reichsbahn, um den Verschluss ihrer Anlagen durch Erneuerung zu ersetzen. Trotzdem aber konnten nach dem Institut für Konjunkturforschung„im September 1937 etwa 2,8 Prozent der angeforderten Wagen nicht rechtzeitig gestellt werden" und „auch in den folgenden Wochen haben sich trotz verschiedener Massnahmen zur Behebung des Wagenmangels ähnliche Verknappungserscheinungen ge. zeigt". Die Produktion hatte nach amtlicher Angabe nicht nur den Stand von 1928, sondern auch den des Hochkonjunklurjah- res von 1929 überschritten, aber es „waren im vorigen Jahr gegenüber 1929 etwa 2,8 Millionen Wageneinheiten gleich 7.5 Prozent der gesamten Wagenstellung für den öffentlichen Verkehr weniger er- f r\ t/ J /v r* 1 i r> 1-«" T fy. 1«-c,, A K„, I------, Eisenbahnnetzes nicht mehr aufgewendet worden als die Republik im Krisenjahr 1931 dafür aufgebracht hatte. Aber zur Zeit der Republik war der„Schmachfrieden" noch wirksam, die Ueberschüsse der Reichsbahn mussten damals in die Reparationskasse flicssen. Trotzdem konnten damals ansehnliche Beträge für Abschreibungen und Erneuerungen eingesetzt werden. 1928 hatte der Betriebsüberschuss der Reichsbahn 865 Millionen betragen, 1937 beträgt er noch 640 Mililonen Mark. Während es aber in der Zeit des„Schmachfrie Jens" noch dazu gereicht hat, 1928 fast eine Milliarde allein für den Oberbau aufzuwenden, war die Ausgabe dafür schon 1935 auf eine halbe Milliarde gesunken, und jetzt ist es soweit, dass die Reserve an Frachtraum aufgebraucht ist und nach dem Institut für Konjunkturforschung„die Reichsbahn von sich aus alle verfügbaren Reserven an Lagerraum dem Verkehr bereits nutzbar gemacht hat." Zweifellos muss die Reichsbahn ihre finanziellen Reserven aufbrauchen, weil das Reich sie für die Aufrüstung in Anspruch nimmt. In ihrem Rückblick auf das Jahr 1937 wird dem Reich von der Reichsbahnverwallung kundgetan, dass es in Zukunft entweder auf die Ueberschüsse der Reichsbahn als Finanzquelle oder auf die Erhaltung ihrer Leistungsfähigkeit wird verzichten müssen. Sie sagt voraus, für 1937 werde kein nennenswerter Ueberschuss ausgewiesen werden können. Aber gerade 1937, also in dem Jahre, in dem die Erschöpfung Reichskassen von bisher jährlich 70 auf 156 Millionen erhöhen, also mehr als verdoppeln müssen. Es sieht also nicht so aus, als wolle die Hitlerregierung ,die Finanzen der Reichsbahn in Zukunft schonender behandeln. Der Anleihemarkt ist der Reichsbahn verschlossen, weil er für die Aufrüstung monopolisiert ist. Die Reichsbahn bleibt also, wenn sie den Ver- schleiss ihrer Verkehrsmittel nicht weiter treiben will, auf sich selbst angewiesen, und es bleibt ihr dann nur noch der Ausweg der Tariferhöhung. Vorläufig aber wird die Reichsbahn von der Hitlerregie- rung gezwungen, sich auspowern und sogar ihre militärische Leistungsfähigkeit herabsetzen zu lassen. Das Institut für Konjunkturforschung stellt fest, dass es im Zusammenhang mit„den besonderen Anforderungen der Wehrmacht anlässlich der grossen Manöver zeitweise zu einer Verknappung vor allem an offenen Güterwagen" gekommen sei. Was soll da erst im„Ernstfall' werden! Dem Mangel an Bahnmaterial sucht man durch gesteigerte JAusnutzung Herr zu werden. Aber die Frankfurter Zeitung stellt vorsichtig die Frage, „ob die einzelnen Fälle von Maschinenschäden auf der Strecke, die sich in letzter Zeit ereignet haben, hierin ihren Grund haben oder in anderen Ursachen". „Würde die Grenze der Leistungsfähig. keil des rollenden Materials auch nur annähernd erreicht, so müsste dies ein erheblich neues Unsicherheitsmoment in den Betrieb bringen." der Verkehrsmittel der Reichsbahn evident geworden war, hat sie ihren Tribut an die Das Reichsverkehrsministerium Hess vor | einigen Wochen durch die Zeitung verbreiten, dass der Triebwagen verkehr Berlin— München, Berlin— Stuttgart und Berlin-— Köln, der zeitweilig eingestellt war, wieder aufgenommen wird. Als Grund der Einstellung wurde angegeben der schlechte Zustand der Radachsen, die sämtlich durch neue hätten ersetzt werden müssen. Sollen die Verkehrsstörungen nicht noch ein kata-- strophaleres Ausmass annehmen, so müss-- ten Wagenpark und Oberbau grosszügig erneuert werden. Das war bisher daran gescheitert, dass der Reichsbahn zugunsten der Aufrüstung die Finanzmittel entzogen worden sind, jetzt wird sie auch noch mit Rohstoffen knapp gehalten so sehr, dass die Reichsbahn sich zur Flucht in die Oef- fehtlichkeii hat entschliessen müssen, um dort von Göring zu fordern, was sie auf andere Weise nicht erlangen kann. In ihrem Jahresüberblick heisst es, dass Unterhaltung und Erneuerung in erster Linie von der Rohstofflage. Lieferschwierigkeiten und dem Arbeitermangel beeinflusst worden seien. Zwar weist der„Deutsche Volkswirt" darauf hin, dass alle Eisenkontingente in vollem Umfange befriedigt werden können. Aber das ist offenbar nur dadurch ermöglicht worden, dass z. B. der Reichsbahn, die zu den bevorzugten Kon- (ingentträgern gehört, ihr Anfeil an der Eisenversorgung so knapp zugemessen worden ist, dass sie die Sicherheit ihrer Beamten und ihrer Fahrgäste aufs Spiel setzen muss. Das Beispiel der Reichsbahn zeigt, dass der Vierjahresplan anderen Interessen dient als nur der Stärkung von Deutschlands Wehrhoheit, denn sonst brauchte man diese nicht in einer Weise zu betreiben, die die Reserven der Nation verbraucht und sogar das Kriegspotential selbst schwächt. G. A. F. Praxis des Reiclisgepiclits Die«Pusliz ohne Binde forderlich."—„Infolge Abwanderung von Stückgütern zum Kraftwagen liegt der Wagenbedarf für die Stückgutbeförderung zur Zeit benfalls erheblich niedriger als in der damaligen Hochkonjunktur". Aber damals war von einem Mangel an Güterwagen nichts zu vernehmen, nun ist nach dem„Deutschen Volkswirt"(7. 1. 38) der Bestand an Güterwagen in den letzten Jahren dermassen gesunken, dass heute etwa 70 000 bis 80 000 Wagen weniger vorhanden sind als 1929. Dass man an den Kosten der Erneuerung des Bahnmaterials in den Jahren der Wirtschaftskrise gespart hat, ist einigermassen verständlich. Aber ist es nicht erstaunlich, dass in der Auf-1 schwungsperiode des Dritten Reiches nicht viel mehr für die Erneuerung des Ver- schleisscs bei der Reichsbahn geschieht als zur Zeit, da die Republik von schwerster Krisennot befallen war? 1929 hatte die Reichsbahn für Oberbau und Strassenbau 1,9 Milliarden ausgegeben. 1935 nur 1,1 Milliarden, also um 800 Millionen Mark weniger, und 1935 ist für die Erneuerung des) „Im gesamten Rechtsstande", sagt Frank in seiner Neujahrsadresse an den Nationalsozialistischen Rechtswahrer-Bund.„im gesamten Rechtsstande hat eine innere Akti-\ vierung zu facbwissenschafllicher und rechtskundlicher Arbeit stattgefunden". Deutsch hiesse der Inhalt dieses Satzes etwa:„Die im Rechtslebcn Tätigen haben im abgelaufenen Jahre mehr gearbeitet und sind klüger geworden". Ist aber einer im Zuge der„inneren, Aktivierung" nicht klüger geworden, so spricht ihn auch dieser l instand frei. Dann ist das Reichsgericht klüger und gibt «nach. Die Strafkammer hat ihn trotz seiner Unklugheit noch bestraft, wenn auch milde: ..Der Angeklagte hat als Amtsvorsteher bei der polizeilichen Vernehmung eines jugendlichen Beschuldigten diesen mit Ohrfeigen bedroht, um von ihm das Geständnis über einen ihm vorgeworfenen Diebstahl zu erreichen... Bei der Slraf- zumessung wird aber als Milderungsgrund hervorgehoben, dass die allerdings falsche Auffassung des Angeklagten über die Wahl der zulässigen Mittel bei Führung einer UntersucRung auf seine gänzliche Ungeeignetheit für sein Amt zurückzuführen sei." Das Reichsgericht aber meint(2 D 509- 37): „Diese Ausführung ist nur dahin zu verstehen, dass der Angeklagte nach der Ansicht der Strafkammer das von ihm angewendete Zwangsmittel irrtümlich für erlaubt gehalten hat. Befand sich aber der„Angeklagte bei der Tat in diesem Irrtum, so konnte er Mangels des inneren Tafbestandes nicht aus Paragraph 343 St. G. B. verurteilt werden." Man gebe sich keiner Täuschung hin. ;,lch habe nicht gewusst, dass ich gegen das Gesetz verstiess" ist nicht immer eine genügende Entschuldigung. Wenn einer zum Beispiel durch die Post eine illegale Druckschrift zugeschickt erhält und sie verbrennt. ohne der Polizei davon Mitteilung zu machen, dann belehrt ihn das Landgericht darüber, was er wissen muss(Jur. Wochenschrift, 1938 S. 36): männer noch ein weiterer Vorrat vorhanden sein müsse, der der Polizei noch nicht bekannt sei... Er könne sich auch nicht darauf berufen, dass ihm die genannte Vorschrift der Verordnung unbekannt gewesen sei; im übrigen entspreche diese Pflicht einem so selbstverständlichen Grundsatze, dass der gewandte Angeklagte auch ohne Kenntnis des Gesetzes diese Pflicht(nämlich die Druckschrift der Polizei abzuliefern) gekannt habe." Das Reichsgericht verweist zwar die Sache zur nochmaligen Verhandlung zurück, verlangt aber nur die Nachholung der Feststellung, dass der Angeklagte den hochverräterischen Inhalt erkannt hat und, dass die Druckschrift der Behörde damals ge richtete:„Warum haben Sie um die Abberufung aus Berlin angesucht?" Mr. Dodd erklärte, dass es für den Vertreter eines demokratischen Landes im heutigen Deutschland keine faktische Wirkensmöglichkeit mehr gäbe: „Was könnte denn wohl ein Repräsentant der U. S. A. tun. in einem Land, wo jede Meinungsfreiheit unterbunden und jede geistige Initiative verpönt ist, in einem Land, in dem blinder Rassenhass an die Stelle freier wissenschaftlicher Forschung trat..." Dodd versicherte, dass zahlreiche hervorragende Männer, die im Dritten Reich zum Schweigen verurteilt sind, ihm unter vier Augen ihre Hochachtung und Zustimmung, ausgesprochen haben, für die Entschiedenheit, mit der er es abgelehnt hatte, am Nürnberger Parteitagsschauspiel teilzunehmen. Ferner erklärte er, dass seiner Ansicht nach das gesamte Leben im heutigen Deutschland noch unbekannt war. Wenn das Landge- einzig und allein in den Dienst der Kriegs- richt diese Aufgabe, deren Lösung ihm Vorbereitung gestellt sei. nicht schwer fallen kann, erfüllt haben „Der Angeklagte hat von einer ihm unbekannten Seite drei- bis viermal je ein Stück der* Gastwirtsgehilfenzeitung" als Drucksache durch die Post zugesandt erhalten, zuletzt im Frühjahr 1936. Die Zeitschrift, die anscheinend im Auslande hergestellt und nach Deutschland eingeschmuggelt worden ist, auch keinerlei Angabe über Drucker, Verleger, Verfasser, Herausgeber oder verantwortlichen Schriftleiter trägt, hatte„ausgesprochen wird, dann erklärt sich das Reichsgericht bereit, den Angeklagten in analoger Anwendung des Paragraphen 21 der Verordnung zum Schutz des deutschen Volkes zu bestrafen. Im übrigen ist es dankenswert, dass das Reichsgericht selbst einen oppositionellen Deutschen für so viel gewandter hält, als einen nationalsozialistischen Amfsvorste- her. Auslese Mogeln. Oberst Löb warnte in einem Vortrag über Rohstoffschwierigkeifen die Unternehmer vor einem„Hinübermogeln" mit geheimen Rohstoffbeständen. Eine bezeichnende Randbemerkung zu Görings Vierjahresplan! Die„gehobenen Klassen" der Kölner Volksschulen fordern wie alljährlich zur Anmeldung auf. Die Schulzeugnisse dieser Klassen(8., 9. und 10. Schuljahr) verleihen die gleichen Berechtigungen wie die Abgangszeugnisse der Mittelschulen. In der Bexu�sprelüe Der«Neue Vorwaerts» kostet im Einzelverkauf innerhalb Frankreichs 1.50 Frs(fuer ein Quartal bei freier Lieferung 18 Frs). Preis- der Einzelnummer im Ausland(die Bezugspreise fuer das Quartal stehen in Klammern), Argentinien Pes. 0.30(3.60), Belgien r Belg. Frs. 2(24.—), Brasilien 1 Milreis(12.—), Bulgarien Lew 8.—(96.—), C. S. R. Kö 1.40 (18-—)• Danzig Guld. 0.45(5.40), Deutsch- Bekanntmachung des Schulrates heisst es: land Mk. 0.25(3.—), Estland E. Kr. 0.22� „Es liegt im Wesen und Zweck dieser(2.64). Finnland Fmk. 4.—(48.—), Fran Einrichtung, dass nur erbbiologisch ge- eistig hervorragend leistungsfähige und kreich Frs. 1.50(18.—). Grossbritannien s unde, körperlich und geistig /icruorr«-, l'". � TGlt1'.0'1.5 „„a charakterlich 1,(13.20). JngosIawien Dui "besonders weftvofie Schüler(innen) für r'jtnnpn �T J' LcUland Lat. 0.30(3.60). die Aufnahme vorgeschlagen werden r?-- 04� /■ooVm m � knnnpn"( Köln Vnlk