Nr 243 SONNTAG, 13. Februar 1938 Wochenblatt EN AVANT! Hebdomadaire en langue allemande Redaktion und Verlag: 5, Rue Mayran, Paris-9. Telephone: Trudaine 46-52 Aus dem Inhalt: Krupp verdient Wehrwirtschaft 1937 Deutsch-russische Schicksalsverbundenheit Prix: Fr. 1.50 Drohende Gefahr Der Sieg der Kriegspartei.- Das Relcliskabinett in Kriegsform. Letzte Vorbereitung auf den Krieg.- Die Vollendung der Totalität. Europa hat eine neue, vielleicht eine letzte Warnung erhallen. W ird es die Warnung verstehen, und witd es endlich die Konsequenzen daraus ziehen? Schon sind Kräfte am Werke, um die Berliner Vorgänge zu verschleiern und ihre Bedeutung zu verkleinern. Die deutsche Propaganda arbeitet in der gleichen Richtung. Sie will den Sichtsehen-Wollenden die Binde noch fester um die Augen ziehen. Wir sagen darum mit aller Deutlichkeit: die Kriegspartei in Deutschland hat gesiegt. Der Krieg ist um einen grossen Schritt näher gekommen, vielleicht ist er in unmittelbarer Nähe. Alle Rechnungen, dass nun das System neuer Konsolidierung bedürfe und mit sich seihst zu tun habe, verkennen sein Wesen und seine inneren Triebkräfte. Die Gefahr, die wir sig- •oaltsierl haben, ist du. Es geht ein Zug durch alle Völker, die noch nicht unmittelbar von dem gewaltsamen Angriff des Dritten Rei- elies getroffen worden sind, sich auf Kosten der bisherigen Opfer in Sicherheit zu wiegen, und die Augen vor dem zu verschliessen, was ihnen selbst * droht. Dabei war die innere Logik der Entwicklung des neuen deutschen Militarismus nie so klar wie heute! Die praktische Gefahr ist heute; Leiter Angriff der Achse Berlin— Born auf Spanien. Machtergreifung des braunen Systems in Oesterreich. Beides aber sind nur Einleitungsaktionen zu dem, was das grosse Ziel der Regierung Hitler ist: Revanche für die Niederlage im Welt krieg. Angriff nach Westen, gegen Frankreich und England. Neuverteilung der Welt, Enlmach- t'ing(ler demokratischen West- raächle. i'-5» ist heute keine Zeit, sich in akademischen Analysen über die soziolo- • Spelle Bedeutung der Wandlung im '»rannen System zu verlieren und da- ')ei die unmittelbare Drohung zu "'»ersehen! Die spanische Republik, die sich heldenhaft gegen den faschi- s'ischen Angriff wehrt, wird als erste d'o unmittelbare Folge der Berliner ■roignisse verspüren. Jetzt sind die 'Knunungen gefallen, die bisher Mus- s"lini abgehalten haben, neue vermarkte Kräfte in Spanien einzusetzen. 'C Pause der Intervention ist zu En- c'e> eine neue gewaltsame grosse In- tervention steht unmittelbar bevor, lnid damit eine Kriegsprovokation Srössten Stiles. � Künf Jahre jliat das Dritte Reich * e" Revanchekrieg vorbereitet. Vor den Augen der ganzen Welt ist das Material zu dem grossen Ueberfall angehäuft worden, ist das Heer geschaffen und als mächtiges Angriffsinstrument gedrillt worden, sind Bündnisse geschlossen und die strategischen Positionen in Europa verändert worden. Schon im letzten Sommer hat man gefürchtet, dass bereits ein unbedachtes Wort die Lawine auslösen könne. Schon vor Jahren hat das Dritte Reich frohlockt, dass es die Gefahrenzone der Aufrüstung durchschritten habe— heute aber ist es viel stärker! Heute sind die Führer dieses Kriegsinstruments trunken vor Macht, heute rech<- nen sie nicht mehr ängstlich, heute sind sie entschlossen, ihr Schwert in die Wagschale zu werfen. Das Kriegsfeuer brennt in Spanien und China,— sie wollen es nicht zusammensinken lassen, ohne den grossen Schlag gewagt zu leiben. Was in Berlin geschehen ist, ist ein letzter Akt der inneren politischen Vorbereitung auf den Krieg: Göring der Hindenburg, General Keitel der Ludendorff des neuen Weltkrieges, und über ihnen Hitler mit kaiserlichen Vollmachten. Dazu ein Kronrat, in dem die eigentliche Kriegspartei sitzt, die bisher keine direkten Einwirkungsmöglichkeiten auf den Gang der auswärtigen Politik gehabt hat. Seit Monaten hat Mussolini in Berlin gedrängt, dass das Reich ihm die Rückendeckung zusichern solle, wenn er in einen Konflikt mit England gerate. Jetzt sind die bremsenden Kräfte entmachtet, die Wortführer Mussolinis an der Macht. Unmittelbar vor den Berliner Ereignissen hat der japanische Aussenminister erklärt, dass die Anerkennung Mandschukuos durch Deutschland durch die„augenblicklichen iqneren Bedingungen in Deutschland" gehemmt werde. Diese inneren Bedingungen sind nun gewandelt— die Kriegspartei hat freie Bahn. Die Gefahr ist nahe. Eine gewaltige Kriegskatastrophe steht drohend vor Europa. Sie hängt über allen— vor allem über dem deutschen Volke, das ajs Instrument dieser machttrunkenen Revanchepolitik gebraucht wnd. Eis wird das eigentliche Opfer sein; denn ein neuer Weltkrieg wird mit einer zerschmetternden Niederlage der hitlerdeutschen Kriegspartei enden. Einlioit von Heer und Hries'spHrtei Der Staatsstreich Hitlers hat eine Antwort gegeben auf die Hoffnungen, dass in Deutschland selbst starke Kräfte gegen den Krieg wirken und mit einer Normalisierung des Systems den Abbau des Rüstungswettlaufes und der politischen Spannung erreichen könnten. Das Ausland hat diese Kräfte in der grossen Industrie und in der Generalität des Reichsheeres erblicken wollen. Die politische Ohnmacht der grossen Industrie, die völlig dem System der Kriegsvorbereitung unterworfen ist, ist seit langem sichtbar. Die Erledigung von Schacht hat diesen Tatbestand auch den Begriffsstutzigsten klarmachen müssen. Aber die Armee? Sie hat ziemlich allgemein bisher als ein Hort der konservativen Kräfte gegolten. Aber seit Einführung der allgemeinen Wehrpflicht hat sich ihre Struktur vollkommen geändert. Wer heute noch anstelle von„das Reichs- heer"' sagt„die Reichswehr", verkennt völlig, wie ganz anders die neue Armee in ihrer Tradition, ihrem Wesen und ihrem Offizierskorps ist als die alte Reichswehr. Die Anschauung, dass die gesamte Armee fest in der Hand der Generäle sei, die als geheime Fronde gegen die NSDAP und ihrer Herrschaft angesehen worden sind, war immer nur eine nicht zu begründende Orenxe gesperrt In den Tagten vor der üntsoheldung; Aus Duisburg erhalten wir den nachstehenden Bericht: Am Dienstag(1. Februar) wurden zahlreiche Formationen der SS und SA in aller Eile an die holländische Grenze transportiert. Von SS- und SA-Leuten konnten wir erfahren, dass sie wegen besonders ernster Massnahmen zum Grenzschutz kommandiert wurden. Weil wir wegen der herrschenden dumpfen Spannung gern wissen wollten, was eigentlich vorging, entsandten wir mehrere Genossen unauffällig nach der holländischen Grenze. Die Genossen stellten fest, dass von Kleve am Niederrhein bis zum oldenburgischen Gebiet bei Bentheim ein undurchdringlicher Grenzdienst von SS und SA eingesetzt war. In der Stadt Gronau waren allein 800 Mann der SS und SA einquartiert, die den Grenzverkehr zu überwachen hatten. Es blieb kein einziges Stückchen der Grenze unbewacht. Von führenden Nazis wurde erklärt, dass es sich um einen besonderen Schutz gegen die illegale Arbeit von Holland nach Deutschland handele. In der Bevölkerung glaubte man diese Erklärung nicht, weil gegen die illegale Arbeit in allen grösseren und kleinen deutschen Grenzorlen seit langem ein sehr starker Gestapodienst in Verbindung mit den Zollbeamten besteht. Deutsche Zöllner erklärten uns, dass in Berlin etwas los sein müsse und nach ihrer Meinung die SS- und SA-Truppen verhindern sollten, dass oppositionelle Würdenträger des Regimes flüchten könnten. Jeder Passant an der Grenze wurde auf das strengste ausgefragt und durchsucht; sowohl Fussgänger, wie auch Automobilisten. Die Kontrolle erfolgte schon weit vor der Grenze und wiederholte sich mehrere Male bis zur Erreichung der Grenze. Im ganzen Grenzgebiet herrschte eine starke Spannung. Allgemein sagfe man, dass die Armee und die konservative Reaktion gegen das Hitlersystem eine Aktion beabsichtigten. In der Arbeiterschaft war man sehr abwartend. Unsere Genossen erklärten unter sich, dass man bei Auseinandersetzungen zwischen der militärischen Reaktion und den Nazis in jedem Fall nichts unternehmen dürfe: nichts für die Nazis— und nichts für die reaktionäre Opposition. Die Vllaston Die katliollsctae Opposition nnd die Webrniaeiit Am gleichen Tage, an dem Hitler den umgekehrten 30. Juni gemacht hat, erschien die katholische Wochenzeitung „Der deutsche Weg" mit einem Appell an„die Reichswehr". Dieser Appell ist überschrieben„Und die Reichswehr?"; er beginnt mit der Versicherung, dass die katholische Zeitung der deutschen Wehrmacht immer Verständnis und Achtung entgegengebracht habe; dass die Wehrmacht einen Machtblock darstelle, dem nichts im Dritten Reich an die Seite zu setzen sei, und dass sie deshalb Verantwortung für die Zukunft der deutschen Kultur trage. Dann fährt der Appell fort: „Es gibt viele Deutsche, die schon anfangen, an der Reichswehr irre zu werden. Sie können es nicht begreifen, dass die mächtige Reichswehr einem System die Stabilität verleiht, das ohne ihre Disziplin längst zusammengebrochen wäre, einem System, das die besten deutschen Traditionen, die auch der Reichswehr ehrwürdig sind, mit Füssen tritt. Wir gehen Tagen ernster Entscheidung entgegen. Wenn nämlich die deutsche Wehrmacht sich einem Geiste beugt, der im absoluten Gegensalz zu der Gesinnung jener Armeen steht, die sich so glorreich im Weltkrieg geschlagen haben, wenn sie obendrein der wichtigste Nutz- niesser eines Systems ist, das sie ehrlicher. 1 weise gar nicht bejahen kann, dann ist sie eben mit im Verbrechen drin. Sie wird das verlieren, was sie jetzt noch besitzt, das moralische Prestige. Sie wird es in dem gleichen Masse verlieren, in dem sich die echt deutsche Tradition in ihren eigenen Reihen auflockert. Wir wollen nicht mehr sagen." Die katholische Opposition hat bis zuletzt geglaubt, dass von der Wehrmacht und ihren Führern der Charakter des Systems geändert werden würde. Heute ist die andere Alternative, die sie in diesem Appell aufgezeigt hat, zur Wirklichkeit geworden, und die illusionäre Hoffnung ist dahin. c Vermutung,— so wie es eine durch die Tatsachen widerlegte Vermutung war, dass die Rote Armee in Sowjet- Russland ein Instrument Tucha- tschewskis und seines Generalstabes gewesen wäre. Es ist ein inneres Strukturproblem jeder Despotie, wie weil die Armee der Spitze der Despotie gehorcht, oder wie weit sie ihr gegenüber einen homogenen politischen Willen darstellt. Der Wille der neuen Armee in Deutschland war nie gegen den Krieg gerichtet— schliesslich, ist es der Beruf der Generale, den Krieg vorzubereiten und zu führen! Der Wille zum Revanchekrieg, der seit fünf Jahren die ganze deutsche Politik bestimmt, ist der ausgesprochene Wille des Offizierkorps der neuen Armee. In diesem Willen ist es mit Hitler und den Führern der NSDAP einig. Das Offizierskorps der neuen Armee verdankt der nationalsozialistischen Herrschaft alles: die Zehntausende von neuen Offiziersstellen, den Rang, der Ausbau der Armee, die Konzentrierung der ganzen wirtschaftlichen Kraft des Volkes auf die Armee und die Kriegsvorbereitung— und dieses Offizierskorps sollte gegen die Spitze des Systems rebellieren, wenn sie sich entschliesst, entschiedener als zuvor den Kurs auf den Revanchekrieg zu nehmen? Das Geheimnis, dass Hitler sechzehn Generale absetzen, Dutzende von hohen Offizieren auswechseln kann, liegt darin, dass die Gesamtheit des Offizierskorps den Kriegszweck bei ihm in guten Händen glaubt. Wer nur auf den Gegensatz zwischen den traditionell konservativen Kräften und der neuen Führerschicht starrt, der übersieht, dass ganz Deutschland nicht unter einem innerpolitischen, sondern unter einem aussenpolitischen Gesetz steht. Der kommende Krieg überschattet in Deutschland alles Geschehen. Der machttrunkene Nationalismus herrscht unbeschränkt. Er ist zu so beherrschender Stellung gelangt, weil die Blindheit, das Zaudern und die Unentschlossenheit der demokratischen Mächte ihm fünf Jahre lang die technische Vorbereitung des Revanchekrieges gestattet und damit auch die geistige Beherrschung des Volkes erleichtert hat. Heute ist in Deutschland das Volk nur das Anhängsel der Armee, ist selbst ein Teil der Kriegsmaschine, die immer fester zusam- mengeschweisst wird. Diese Kriegsmaschine ist nicht saturiert durch ihre eigene Existenz, sie drängt nach Wirksamkeit, und sie muss in Wirksamkeit gesetzt werden, weil sie heute schon an die Grenzen ihres maximalen Wachstums stösst. Das ist ein zwingendes inneres Gesetz des hitlerdeat- schen Revanchewillens— und keine noch so kunstvolle Diplomatie, keine Hoffnung auf innere Spaltung und Parteiung wird den Losbruch verhindern. Das ist Angriff, Angriff in der weitesten politischen und geschichtlichen Bedeutung des Wortes. Wer glaubt. dass das Instrument des Angriffes selbst den Angriff verhindern werde, der begeht einen ungeheuerlichen tragischen Irrtum, für den er einst wird teuer bezahlen müssen. Es ist sinnlos, demgegenüber die Taktik der Beruhigung und der Einschläferung der Sorgen der Völker weiterspinnen zu wollen. Sind die flammenden Kriegsfeuer in Spanien und China nicht schon Mahnung genug? Sollen die Völker nicht erfahren, dass die Gefahr, die sie selbst, ihr Leben, ihre Freiheit und die Zukunft der Demokratie in Europa bedroht, unmittelbar vor ihnen steht? Wer heute II- llire UmiiaiiKät Die Vcrhrcclicn brauner Flieder In Spanien Die spanischen Rebellen haben sich für ihre Niederlage bei Teruel durch Luftangrife auf offene spanische Städte gerächt. Diese mörderischen Angriffe haben Hundetten von Männern, Frauen und Kindern aus der Zivilbevölkerung das Leben gekostet. Die wilde Barbarei dieser Verbrechen hat Abscheu selbst bei denen geweckt, die im allgemeinen Franco und seinen Spiessgesellen freundlich gegenüber- dehen. In der öffentlichen Meinung Snglands ist eine Wendung gegen Franko eingetreten. Der französische Ministerpräsident Ohautemps hat eine Aktion eingeleitet, lie zur Einstellung des Luftkrieges ge- �en offene Städte führen soll. Die engische Regierung hat sich dieser Aktion ingeschlossen. Sie hat in Salamanca eine �Jote überreichen lassen, die die Einstel- ung aller Bombardements offener Städte und der Zivilbevölkerung von Franco fordert. Die spanische Regierung lagegen hat sofort, ohne einen diploma- ischen Schritt abzuwarten, alle Vorbe- eitungen zu Bombardierungsflügen eingestellt, sie verzichtet ausdrücklich auf Repressalien gegen die Verbrechen der Rebellen. Gegenüber diesen Versuchen, der Bar- jarei eine Grenze zu setzen, spielt die leutsche Regierung ein doppeltes Spiel. Auf diplomatischem Gebiet gebärdet sie üch, als ob sie diese Versuche billige md unterstützte. In Wahrheit sind es leutsche Flugzeuge und deutsche Flie- jer, die an diesen brutalen Verbrechen beteiligt sind. Um dieser Verbrechen .villen sind sie nach Spanien geschickt worden! Auf propagandistischem Geriete aber verbindet sie wie immer Lüge mit Frechheit. Wir lesen im„Völkischen Beobachter" vom 5. Februar: „Wir haben aber bereits gestern darauf hingewiesen, dass der Anlass zu diesen englisch-französischen Humanitätswün- schen uns etwas überraschend vorkommt. Sie knüpfen nämlich bezeichnenderweise nicht an jene wiederholten bolschewistischen Luftangriffe auf ottene Städte an, wie die auf Salamanca, Sevilla usw., sondern tauchten erst im Verlauf von Ereignissen auf, die die Ueberlegenheit der nationalsp.' nischen Luftwaffe immer klarer herausgestellt haben." So denken die deutschen Machthaber in Wahrheit, und die Lügen ihrer Diplomaten sind nur dazu da, ihre wahre Gesinnung zu verdecken! In Wahrheit hat es keine„wiederholten bolschewistischen Luftangrife auf offene Städte, wie die auf Salamanca, Sevilla usw." gegeben, sondern Vergeltungsflüge gegen diese beiden Städte, und kein„undsoweiter"! Erst nachdem systematisch von Franco die Abschlachtung der Zivilbevölkerung durch Luftangriffe gegen die offenen Städte auf Regierungsgebiet betrieben wurde, hat die spanische Regierung sich zu diesen Repressalien entschlossen. Plötzliche Humanitätswünsche? Hat sich nicht schon die Stimme der empörten Menschlichkeit gegen Hitlerdeutschland erhoben, als seine Flieger das grauenhafte Verbrechen von Guernica begangen haben? Ueberlegenheit der nationalsozialistischen Luftwaffe? Der„Völkische Beobachter" wollte wohl sagen: der deutschen Luftwaffe? Es gibt in der Tat eine solche Ueberlegenheit, nicht im Kampfe, lusionen nährt, schwächt die Verteidigung! Die Krlegi�foriii de« Reich«kai>liiet(« In jedem totalitären System überschattet schliesslich der Kriegszweck alles. Wir haben seit 1933 auf den Sinn des totalitären Hitlerstaates hingewiesen, wir haben in jeder Phase seiner Entwicklung gezeigt, wie die wachsende Gewaltorganisation immer stärker die inneren politischen und sozialen Gegensätze niederhält und die Gesamtheit des Volkslebens dem Kriegszweck dienstbar macht. Ein Blick auf die deutsche Wirtschaft genügt, um zu erkennen, wie weit dieser Prozess gediehen ist. Der Wille zur Totalität, das heisst nicht in der Kampfkraft, nicht im strategischen Sinne— wohl aber in der Mördergesinnung, im Willen zur zynischen Abschlachtung von Frauen und Kindern. Diese Ueberlegenheit haben deutsche Hitlerflieger schon bei Guernica demonstriert— und der„Völkische Beobachter" enthüllt nur, wie die allgemein verbrecherische Gesinnung des braunen Systems mit dieser speziellen Mördergesinnung sympathisiert. Taktik de« Schweigen« Das Volk darr niolKs erfahren Am Sonnabend, dem 5. Februar, erschien der„Völkische Beobachter" mit einer grossen Schlagzeile an der Spitze des Blattes: „Trennt sich Südchina von Tschiangkai- schek?" In allen ausscrdeulschen Ländern besprachen zur gleichen Zeil alle Zeitungen den Schlag Hitlers gegen die konservativen Kräfte in der Wehrmacht. Für den innerdeutschen Gebrauch sind die Meldungen darüber so lange zurückgehalten worden, dass sie erst am Sonnabend gegen Mittag bekannt wurden. Immerhin hafte auf diese Weise das Volk wieder eine echte Hitlersche Sonnabend- Ueberraschung. Und Hitler selbst hat sich eine gewisse Sicherung dagegen geschaffen, dass ihm„sein Volk" eine unangenehme Ueberraschung bereitet. Eine sofortige, offene und ehrliche Bekanntgabe der Tatsache, dass der seitherige Oberbefehlshaber des Heeres, General F ritsch, in seiner Wohnung von hitlertreuen Offizieren bewacht und festgehalten wurde, hätte möglicherweise einige hundert Deutsche zu einem spontanen Neugierspaziergang vor Fritschs Wohnung oder gar in die Wilhelmstrasse verführt. Bei den Staatskrisen des braunen Systems hat sich die Taktik herausgebildet, die Distanz zum deutschen Volk zu vergrössern, indem es erst möglichst spät erfährt, was sich ereignet hat, und was seine Führer für Pläne auf seinem Rücken schmieden. Furelit vor der TTalirholf In Paris ist, unterstützt von Organisationen der französischen Volksfront, eine Ausstellung„Fünf Jahre Hitler-Regime" veranstaltet worden. Das braune System lobt dagegen an. Es fühlt sich durch jede Enhül- lung seiner Verbrechen beleidigt. Diplomatisch verkriecht es sich dabei hinter„Beleidigung des deutschen Staatsoberhauptes". Der deutsche Botschafter in Paris ist in Bewegung gesetzt worden. Er muss sich beschweren und protestieren. Immerhin ist Frankreich nicht so leicht einzuschüchtern wie andere, kleinere Länder, denen man mit der gepanzerten Faust drohen kann. Die Ausstellung bleibt also. Es bleibt aber auch die Tatsache, dass das braune System die Methode seines Terrors gegen die Wahrheit auch in Frankreich einzuführen sucht. Wann werden die grossen demokratischen Regierungen erkennen, dass es gegen diesen Terror eine ausgezeichnete Waffe gibt: die einfache, wahrheitsgemässe, forllaufende Enthüllung der sozialen, politischen und moralischen Tatbestände in Hiller- deutschland? Der Wartesaal Völkerbund zwischen den Krisen Die letzte Tagung des Völkerbundes hat wieder einmal jenen Ausspruch Lit- winows gerechtfertigt, dass der Völkerbund ein Wartesaal sei. Dies Wort ist übrigens von Litwinow durch ein ande- dieser Staatskrise über die innere Parteiung im System selbst gesiegt. Militärisch-technisch. ist die Neuordnung der Befehlsgewalt und die Umgestaltung der Reichsregierung ein Schritt weiter zur einheitlichen Kriegsführung. Daneben geht der Sieg über die Gegner des Vierjahresplanes. Das Reichswirtschaftsministerium ist nach den Bedürfnissen der Kriegswirtschaft endgültig umgestaltet worden, es hat die Verfassung erhalten, die es im Kriege haben müsste. Die entscheidenden Abteilungen— Rohstoffe und Bergbau, Schwerindustrie, Aussen- handel und Devisenbewirtschaftung — sind unter die Leitung von Militärs gestellt worden. Der neue Reichswirtschaftsminister ist nur eine Schatten- zum absoluten Kriegszweck, hat in res ersetzt worden. Nehmt dem Völkerbund den Sanktionsartikel so sagte er— und er wird sein: „Ein universaler Nicht inte rvention.s- ausschuss, der jedem Angreifer unter allen Umständen volle Freiheit gewährt." Der Versuch, den Völkerbund durch die Streichung dieses Artikels auch formell zu entmannen, ist jedoch nicht gelungen. Die Frage der„Paktreform" ist einfach vertagt worden. Das Recht des Völkerbundes ruht zwar praktisch, aber es kann eines Tages wieder wirksam gemacht werden. Wenn die Angreifer'slaa- ten diese Möglichkeit nicht fürchten würden, hätten sie nicht so viel diplomatische Aktivität auf die formelle Zerstö-; rung des Völkerbundes verwandt. Unmittelbar vor dieser Tagung stand die französische Regierungskrise, unmittelbar nach dieser Tagung hat sich die internationale Spannung gesteigert. Das Piratentum im Mittelmeer hat aufs neue begonnen, alle Anzeichen deuten auf neue faschistische Intervention in Spanien, und in Deutschland hat die Kriegspartei die volle Macht an sich genommen: Die eigentlichen Entscheidungen fallen nicht im Völkerbund. AVenn die grossen demokratischen Mächte festen Widerstandswillen zeigen, wird auch der Völkerbund stark sein. Das Recht ist immer nur dann stark, wenn es einen Willen zu seiner Verteidigung gibt. Deiil«elie WalTen in Pari« In Pariser A7ororten sind abermals Waffen der französischen Rechtspulschistcn aufgefunden worden. Es waren dabei wieder zehn deutsche Maschinenpistolen. Das sind die Geschenke, die das braune Deutschland zum Zeichen seines Verständigungswillens nach Frankreich schickt! Nach dem Machtwechsel vom 4. Februar hat die braune Propaganda den französischen Zeitungskorrespondenten einzureden versucht, Ribbentrop und Göring seien die wärmsten Freunde einer aufrichtigen Verständigung mit Frankreich. Wer glaubt, dass die Fülle der aus Deutschland stammenden Waffen, die bei französischen Rechtspulschistcn beschlagnahmt worden sind, ohne Kenntnis Görings hätten nach Frankreich gesandt werden können? Kein Gel«! für Hitler Herbert Horrlsovm Warnruf In einer Rede in Pontypool sprach Herbert Morrison über die Absichten englischer Grossbankiers, Hitler eine Anleihe zur Verfügung zu stellen.„Diese Kapitalisten", sagte er,„mögen sie Juden oder Christen sein, sind A'errätef an ihrem eigenen\rolk. Ich warne sie—; wenn eines Tages die unvermeidliche Revolution kommt, wird es ihnen gehen wie jenen, die dem Zaren von Russland Geld liehen. Ich bin überzeugt, im Namen der ganzen Arbeiterpartei zu sprechen, wenn ich sage, dass Leute, die ihr Geld an Tyrannen verleihen, bei dem \ ersuch, es zurückzubekommen, keinerlei Hilfe von unserer Seite zu erwarten haben". Marionetten. Wir lesen im„Völkischen Beobachter" einen Aufsatz über das Sowjel- parlament mit der Ueberschrift;„Marionettentheater— Sowjetparlament". Ob sie dabei an den Diätenklub gedacht haben, der sich„Deutscher Reichstag" nennt? figur. Die Neugestaltung der Rcichs- regierung besteht darin, dass der regierende Ausschuss oder Kronrat unmittelbar alle entscheidenden Funktionen beherrscht und' dirigiert. Alles in einer Hand— so beschreibt die Hitlerpresse das Ergebnis der Um- geslaltung. Es ist richtig— alles in der Hand der Kriegspartei. Sie macht klar zum Gefecht. Die Reichsregierung hat ihre Kriegsform erhalten. Das ist keine Sensatioji für neugierige� aber unbeteiligte Zuschauer! Es gibt dabei keine Unbeteiligten. Es ist drohender Ernst. Man muss es laut sagen, dem deutschen Volke, allen Arölkern. Jetzt ist keine Zeit für staatsmänniscb6 Säuseleien. Denn sie wollen den Krieg, sie wob ,en den Krieg, sie wollch den Krieg! e L t n e n n iiit SS. tDeie d eg ch ユー i1en zu lArt hd. nd 0nme rLes tiniue line neler eis gsn). 40 ch22 anien = 0). in. 0). B = 0). P. -), Lei 20), .70 .08 ris 11 uer erien ts» Z: III vakaest varlsest hoale rad onAlarm in England Die deutsche Wehrwirtschaft 1937 Schranken der Autarkie Von Dr. Richard Kern Weil indische Polizei durch Prügel Aussagen erpresst Aufregung in England. Presse und In den fünf Jahren der Hitlerherr-| wurde zur Aufrüstung und in den letz- oder um 36 Prozent, die Einfuhr von Parlament beschäftigen sich mit den brutalen Methoden der einheimischen schaft hat sich die totalitäre Staatsmacht ten zwei Jahren zur Förderung der Au- Rohstoffen aber nur um 27 Prozent. Polizei im Pundschab, die durch einen die Wirtschaft in immer höherem Masse tarkieproduktion eingesetzt. Damit be- Auch in diesem Jahre muss mit einer krassen Vorfall ans Licht gekommen unterworfen. Das bedeutet nicht nur die stimmte der Staat direkt Richtung und verstärkten Lebensmitteleinfuhr gerechVerfügung über die Produktionsmittel Ausmass der Produktion. Aber auch net werden. sind. wahrIn Rawalpindi wurde der Eingeborene und die Arbeitskräfte der Gesellschaft; die privaten Investitionen wurden nicht Im Hochkonjunkturjahr 1929 gab es Kiru unter dem Verdacht, an einem die Herrschaftsorganisation ist auch so mehr nach dem Willen der Unternehkeine Rohstoffknappheit und keine VerEinbruch beteiligt gewesen zu sein, ver- stark geworden, dass sie sich in weitmer vorgenommen. Die„ ,, Frankfurter sorgungsschwierigkeiten. Wenn es heute haftet. Um ein Geständnis zu erpressen, gehendem Masse von den Einflüssen der Zeitung" stellt das so dar:" ,, Zwar fehlte es nicht an Investitionen in solche gibt, so aus dem einzigen Grunde, misshandelten ihn eingeborene Polizi- inzelnen sozialen Gruppen emanzipieweil statt der Güter für den Markt Güsten stundenlang. In seiner Verzweifen kann. Die Politik übt das Primat der privaten Sphäre. Sie stiegen lung riss sich Kiru los und tötete einen iber die Wirtschaft aus, und Inhalt der scheinlich gegenüber dem Vorjahre nicht ter für die Arsenale produziert werden, das Tempo der Aufrüstung so, seiner Peiniger. Politik ist allein die Erhaltung und Er- wenig, aber sie entsprangen oder waren weil Das Gericht verurteilte ihn zu lebens- weiterung der Macht der Herrschaftsor- abhängig meist nicht von dem eigenen un- schnell ist, dass auch die vermehrte Einwurden ausschliesslich von länglicher Deportation. Aber der höch- ganisation. Dem dient die„, Wehrwirt- ernehmerischen Antrieb der Investoren, fuhr von Kriegsrohstoffen, die noch dader zu mit einer Ausdehnung der Eigenproste Richter des Pundschab, Sir Douglas schaft", die zu ihrer Durchführung der Zweckmässigkeit der im Vierjahresplan ge- duktion an Erzen, Treibstoffen und Erdie setzten Aufgaben geleitet, d. h. das Amt für satzstoffen einhergeht, nicht ausreicht, Young, sprach ihn frei. Der Mann, sagte inbeschränkten Verfügung über er, habe in gerechter Selbstverteidigung Privatwirtschaft bedarf. Die Wehrwirt- deutsche Roh- und Werkstoffe entschied um die Nachfrage der Rüstungsindustrie gehandelt; nicht er sei zu verurteilen, schaft schliesst zwei Komponenten ein: letztlich über sie." zu befriedigen, trotz der Ablenkung der sondern die Polizei, die durch das er- inmal die unmittelbare, grösstmöglich- Dieser Einordnung des ganzen deut- Rohstoffeinfuhr von dem zivilen auf den barmungslose Schlagen von Gefangenen ste Steigerung der Militärmacht, zwei- schen Unternehmertums in die staatlich- militärischen Bedarf. Die Diktatur hat ens die Wehrfreiheit, d. h. das Bestre- politischen Zwecke dienen die ineinan- die deutsche Rüstung weit über die Geständnisse zu erpressen versuche. Dies der Tatbestand. Es ergibt sich pen, in Kriegszeiten in möglichst gros- dergreifenden Massnahmen der deut- deutsche Wirtschaftskraft hinausgeaus ihm, dass Indien unter englischer sem Umfange für möglichst lange Zeit schen Zwangswirtschaft. Da gibt es die trieben und durch diese Politik erst die Verwaltung in weit höherem Masse ein von den Wirkungen einer Blockade, von direkten Befehle, wenn z. B. die I. G. Rohstoffknappheit herbeigeführt. Vom ler Abhängigkeit in der Einfuhr frei zu Farben- Industrie aus ihren eigenen Mit- Standpunkt einer normalen Wirtschaft sein. Dazu ist nötig die immer stärkere teln, durch die ausserordentliche Höhe existiert in Deutschland kein RohstoffKiru war immerhin eines gemeinen Umstellung der Produktion von der Er- des Kautschukzolls nur zum Teil gegen problem. Die Knappheit wäre in dem Verbrechens verdächtig. In Deutschland aber werden ebenso wie er Perso- eugung des zivilen, auf die des militä- Verluste geschützt, die kostspieligen An- Moment beseitigt, in dem das deutsche nen behandelt, gegen die nicht einmalischen Bedarfs und die Autarkieproduk- lagen zur Herstellung von Buna erstel- Rüstungsbudget etwa auf dem Umfang Rechtsstaat ist als Deutschland. mit der Schatten des Verdachts eines gemei- einheimischer Roh- und Ersatzstoffe. ion, d. h. die gesteigerte Erzeugung len, oder sie und die Braunkohlenindu- des englischen oder französischen zustrie neue Benzinwerke errichten oder rückgeführt würde. Ueberflüssig zu sanen Verbrechens vorliegt. In Deutschland wäre auch ein Mann, der sich gegen Zur Erreichung dieser Zwecke hat die die Textilindustriellen Faserstoffabriken gen, dass die Diktatur daran am wenigInvesti- sten Viel näher liegt ihr eine die Folterung wehrte, niemals mit dem Diktatur ungeheure finanzielle Mittel bauen müssen. Da gibt es die Investi- sten denkt. Leben davongekommen; man hätte ihn eingesetzt. Die Steuereinnahmen, die im tionsverbote für einzelne Industrien, weitere Einschränkung des Bedarfs für 1933-34 6,85 Milliarden Rohstoffzuweisungen nur unter der Be- zivile Zwecke, und ausdrücklich hat die nicht erst zum Tode verurteilt, sondern Etatsjahr gleich an Ort und Stelle„ fertig ge- Reichsmark erbrachten, werden für das dingung bestimmter Verwendungsarten, Frankfurter Zeitung" dies als eine der das laufende Etatsjahr, macht", wie es Ungezählten gegangen dem oder das Emissionsverbot, das den Un- Aufgaben der Wirtschaftspolitik für auf etwas ternehmern die Kapitalaufnahme für an- 1938 bezeichnet. ist, die sich nicht einmal gewehrt haben. 31. März 1938 abschliesst, In Indien hat man den Mann, der in über 14 Milliarden geschätzt. In den fünf dere als vom Staate gewünschte Zwecke In einer wichtigen Beziehung aber Gegenwehr seinen Peiniger erschlug, Jahren seit 1933 beträgt das Mehrein- unmöglich macht. So wird die deutsche selbst in erster Instanz nicht zum Tode kommen an Steuern rund 17 Milliarden. Wirtschaft, trotz Fortbestehens des Pri- scheint das Jahr 1938 für die nationalmehr in eine sozialistische Politik eine schwere Ververurteilt, sondern nur zu lebenslängli- Seit 1935 hat das Reich Jahr für Jahr in vateigentums, immer cher Deportation. zunehmendem Masse neue Anleihen auf- Staatswirtschaft verwandelt. Es ist be- legenheit heraufzubeschwören. Während Und nun gar dieser oberste Richter, genommen, deren Placierung dadurch zeichnend, dass der Anteil der öffentli- die Rüstung, um das durch die Abwehrerleichtert wurde, dass die Reichsbank chen Hand an dem Gesamtumfang der rüstungen der anderen gestörte GleichSir Douglas Young! Kann man sich ei- sich zu ihrer Lombardierung( Belei- Investitionen auf mehr als 70 Prozent gewicht zu erhalten, noch weiter verne solche Erscheinung im braunen mehrt werden soll, während gigantische hung) verpflichtet hat. Mit der neuesten anzusetzen ist. überhaupt vorstellen? dieser Anleihen im Betrag von 1,2 MilKann man sich in Deutschland vorstel- liarden beläuft sich die Anleihesumme Mittel die zu einem erheblichen Teil in- Eisenwerke Göring, deren vorläufige Der Einsatz der riesigen finanziellen Autarkiepläne nach Art der len, dass die öffentliche Meinung Eng- auf 8,2 Milliarden. lands aufsteht, weil im fernen Indien flationistisch, durch Ausweitung des Kosten auf 600-700 Millionen Mark geein armer Teufel, der einer Dieberei verAber die Ausgaben werden nicht nur Notenbankkredits geschaffen wurden, schätzt werden, in Ausführung begrifdächtig war, geschlagen wurde? auf dem normalen Wege durch Steuern hat zu einer starken Erweiterung der fen sind, ist eine schwer zu überschreiWahrlich, als Deutscher könnte man und Anleihen gedeckt. Ein sehr erhebli- Produktion und Anleihen gedeckt. Ein sehr erhebli- Produktion auch über den Stand der tende Schranke entstanden. Die Produkvor Neid vergehen, dass man kein indi- cher Teil wird bekanntlich durch die früheren Hochkonjunkturjahre hinaus tivkräfte sind voll angespannt und der scher Kuli ist! Deutschland Kulturausstausch Gastspiele gegen Dynamit Gesandten in Prag, Dr. Eisenlohr. Ein stituten, ReichsAusgabe von Reichswechseln gedeckt, geführt. Betrug der Index der gewerbli- Arbeitermangel macht sich immer stärdie die Reichsbank jederzeit diskontiert, chen Gütererzeugung insgesamt nach der ker fühlbar. Wir haben schon in einem und mit denen die Lieferanten vom Staat offiziellen Statistik 103 im dritten Quar- früheren Artikel darauf hingewiesen, bezahlt werden. Die Grösse des Umlaufs tal 1929, so war er 1936 auf 107,8 und dass in diesem Jahre 200 000 Landarbeidieser Wechsel, die bei der Reichsbank, 1937 auf 116,7gestiegen. Dabei war in ter angeworben werden sollen, die die den privaten und öffentlichen Kreditin- den gleichen Jahren der Index der Pro- Devisenbilanz mit 70 Millionen jährlich Versicherungsgesellschaften duktionsgütererzeugung von 107,1 auf belasten werden. Aber auch auf dem Geund Sparkassen, aber auch zu einem er- 119 resp. 132,3 angewachsen. Dagegen biete der Industrie zeigt sich nicht nur Im Prager ,, Deutschen Theater" wird heblichen Teil bei der Industrie unter- betrug der Index der Verbrauchsgüter- mehr Facharbeiter- sondern allgemeiner nächstens das Berliner die jetzt in Schiller- Theater gebracht sind, ist ein streng gehütetes produktion, der 1929 auf 98,6 stand, Arbeitermangel. Daher erwachende Diskussion gastieren. Die Veranstaltung steht unter Geheimnis. Auf Grund einer Analyse der 1936 erst 96,6; erst 1937 übertraf er mit Deutschland dem Protektorat des tschechischen Schul- Bankbilanzen ist es aber möglich, zu ei- 104,6 den Stand von 1929. Dabei ist aber über eine neue Rationalisierung, die Arministers Dr. Franke und des deutschen nem sich der Wirklichkeit mindestens noch anzumerken, dass ein grösserer beiter einsparen soll. Eine solche erforGastspiel des tschechischen Nationaltheastark näherndem Bild zu kommen. Da- Teil der sogenannten Verbrauchsgüter- dert jedoch, ebenso wie jede Vermehrung neue zusätzliche ters in Berlin wird folgen. nach ergibt sich ein Umlauf dieser Son- produktion heute nicht dem zivilen, der Produktivkräfte militärischen Investitionen grossen Umfangs. Diese Solche Veranstaltungen auf Gegenseitig- derwechsel in der Höhe von rund 12,5 sondern gleichfalls dem setzen zunächst verstärkte Rohstoffeinkeit heissen in der offiziellen Sprache Milliarden, wobei wir hervorheben möch- und paramilitärischen Bedarf dient. ,, Kulturaustausch". Dieser Kulturaustausch ten, dass es sich dabei um eine sehr vor- Die Anspannung aller Produktiv- fuhr und zusätzliche Arbeitskräfte vorist eine Unterabteilung der von Deutsch- sichtige Berechnung handelt; die aus- kräfte hat zu den bekannten Erscheinun- aus, die beide nicht zur Verfügung steland betriebenen ,, auswärtigen Kulturpoli- ländische Fachpresse hat zum Teil viel gen der Rohstoffknappheit geführt. hen. Hier ergibt sich aus der BegrenThe", die ihre teils sichtbaren, zum grossen höhere Ziffern genannt. Schliesslich Durch das Handelsmonopol war es aber zung der menschlichen und materiellen Teil aber unsichbaren Fäden über die gan- möchten wir noch einen Posten in Be- möglich, die Einschränkung wesentlich Produktivkräfte, so gewaltig diese auch KWelt zieht. Was Deutschland mit dieser rechnung stellen. Durch die Abnahme dem zivilen Bedarf aufzuerlegen. Ver- in Deutschland sind, eine Hemmung, die zieller Seite erläutert worden. Die vom der Arbeitslosigkeit ist in den fünf Jah- gleicht man die Mengen der zivilen Ein- noch früher und unüberwindbarer sich Deutschen Institut für Aussenpolitische eine Summe von 7,47 Milliarden fuhr mit denen der rüstungswichtigen geltend macht als die der weit getriebeForschung in Berlin und vom Hamburger eingespart worden. Einfuhr, so ergibt sich folgendes Bild: nen inflationistischen Finanzierung. Der Institut für Auswärtige Politik in der EsZivile Einfuhr in Millionen Doppelzentern Versuch ihrer Ueberwindung müsste zu Wir kommen so zu einem Betrag sener Verlagsanstalt herausgegebenen ,, Monatshefte für Auswärtige Politik"( Januar- von insgesamt rund 45 Milliarden, die Heft) enthalten einen Artikel„ Zum Problem das nationalsozialistische Regime in auswärtiger Kulturpolitik". Darin heisst es: den fünf Jahren seiner Herrschaft an ,, Das heutige Ziel jeder kulturellen Mehraufwendung ausgegeben hat. Auslandsarbeit ist durch die geistige und tik", ren Wolle 1929 1936 2,46 1,254 4,768 1,529 3,250 1,33 Baumwolle Felle, Häute.. Im Gegensatz zu dieser Abnahme steht. die Zunahme, die folgende Tabelle zeigt: Rüstungswichtige Einfuhr in Millionen Doppelzentnern 1929 Eisenerz Sonst. Erze Kautschuk Mineralöl.. 25,31 169,53 36,14 0,59 1936 32,35 184,69 38,34 0,83 einer weiteren starken und akuten Einschränkung des Konsums, zu einem schweren Druck auf die Lebenshaltung führen. Aber ein solches Experiment ist heute auch wohl der Diktatur kaum mehr erlaubt. politische Lage Europas gegeben. Dem Da staunt der Laie und der Fachmann Bedürfnis Europas nach einer gemeinsa- wundert sich. Und in der Tat erscheint men Formel wird jede Kulturpolitik Rechnung tragen müssen. Um diese For- die Summe zunächst unglaublich. Aber Die arische Hand. In Deutschland wird mel aber geht heute die Auseinander- erinnern wir uns, dass der Reichsfinanzjetzt Herren- und Damenkonfektion mit eisetzung. Es hat sich herumgesprochen, minister in einer Rede Ende 1935, also dass der französische Universalismus vor zwei Jahren, bereits den Betrag an nem Anhänge- Etikett angeboten, das die nicht mehr taugt, um Europa das Be- Sonderwechseln auf 7 Milliarden angeWorte ,, Ware aus arischer Hand" trägt. wusstsein einer geistigen Einheit wiederDies Etikett soll allmählich für alle Waren zugeben. Aber die europäischen Länder geben hat; seitdem ist allerdings offieingeführt werden. Es hat Leute gegeben, warten auf Parolen, die eine neue Ord- ziell keine Ziffer mehr genannt worden. Im Jahre 1937 trat allerdings eine für die an ein Nachlassen des Antisemitismus nung zu begründen geeignet sind." Eine weitere Steigerung um weitere fünf die Wehrwirtschaft ungünstige Ver- in Deutschland glaubten! die Milliarden, in der Zeit der angespann- schiebung ein. Infolge des schlechten Goga testen Aufrüstung und der Finanzierung Ernteausfalls musste der Import von Verwandtschaft. Die Naziorganisation in zeigen jederzeit bereit, derartige Paro- des zweiten Vierjahresplans, erscheint Nahrungsmitteln stark erhöht werden. Rumänien, die sich ,, Volksgemeinschaft der len zu liefern. Die„ neue Ordnung" Euro- dann noch mässig. Die anderen Ziffern Bei einer Zunahme der Einfuhr gegen- Deutschen" nennt, ist von der Regierung pas wird in deutschen Rüstungsfabriken sind der offiziellen Statistik entnommen über dem Vorjahr von 4 218 auf 5468 Goga als„ Partei der vorbereitet, die deutsche ,, Kulturpolitik" ist und unterliegen überhaupt keinem Millionen Reichsmark oder rund 30 Pro- der Regierungsliste kandidieren und erhält gruppe" anerkannt worden. Sie darf auf Brandstiftung. Daran sollten alle denken, die sich auf einen ,, Kulturaustausch" mit Zweifel. zent, stieg die Einfuhr von Nahrungs- zwölf Sitze in der Kammer. Man nennt das dem Dritten Reich einlassen. Und Deutschland ist wie z. B. Fälle Franco, Stojadinowitsch und deutschen VolksDer grösste Teil dieser riesigen Mittel mitteln von 1499 auf 1947 Millionen in Rumänien des neuen Kurses ,, Wahl". Berichte aus Deutschland Justizterror Neue Hamburger Zuchthausstimmen. urteile Ein Naziporträt Typischer Lebenslauf eines Nazibonzen nationalsozialistischen Kreisleiters ein Vor dem Hamburger Sondergericht Man schreibt uns aus Sachsen: sich angeblich schon als Schüler und kauf- als Folge der Unduldsamkeit der Tschechen war eine weitere Gruppe ehemaliger männischer Lehrling erwarb, war es herz- hin, die ,, ihn bald als Nationalsozialisten Reichsbannerleute und Sozialdemokra- Als Mitte Oktober 1937 der kommunalpo- lich schlecht bestellt, denn Ernstel machte erkannt und verfemt" hätten. In Deutschten angeklagt. Den Angeklagten wurde litische Ruf Leipzigs durch die Ernennung in seiner Jugendmaienblüte in Kommunis- land liess er sich in Bad Elster, hart an der vorgeworfen, für inhaftierte Staatsfein- des de, sowie politische Flüchtlinge und de- W. Dönicke zum Oberbürgermeister restlos mus, ohne freilich in der kommunistischen Grenze, nieder und eröffnete eine GemischtPartei organisiert zu sein. warenhandlung. Seine kaufmännischen Fären Angehörigen, Geldsammlungen ge- kompromitiert wurde und das neue Stadthigkeiten führten bald zum Bankrott des Ueber seine berufliche Tätigkeit schweigt Geschäftes und W. probierte es als Schoplant und durchgeführt zu haben. Aus- oberhaupt seinen Posten als Kreisleiter nie. derlegen musste, erhielt er einen äusserst sich W. verschämt aus. Das ist einer seikoladenvertreter. Als solcher vergass er, serdem wurde ihnen als eine strafbare„ würdigen" Nachfogler: Ernst Karl Wett- ner dunklen Punkte. Bevor er endgültig kassierte Gelder an seine Firma abzuliefern, Handlung angerechnet, dass sie bei der engel aus Krugsreuth bei Asch in der Tsche- den Staub der Tschechoslowakischen Re- was schnell seiner Vertretertätigkeit Wahl von 1936 Karten verteilt hätten choslowakei. Für die Leipziger war dieser publik von seinen Füssen schüttelte, friste- Ende setzte. Nunmehr versuchte er es mit mit der Aufforderung, mit ,, Nein" zu neue Parteigewaltige ein unbeschriebenes te er sein Dasein durch Schmuggel. Für unbeschriebenes te er sein Dasein durch Schmuggel. Für einer Autoreparaturwerkstatt. Doch auch Blatt. Desto besser ist der 35jährige Wett- eine geordnete Arbeit war Wettengel nicht damit war es bald vorbei. Seine Kundschaft engel, Reichstagsabgeordneter und„ Ehren- zu haben. Die Pascherei brachte ihn öfters hatte kein Verständnis dafür, dass die Jahre Zuchth. zeichenträger", der Bevölkerung des oberen mit Juden in geschäftliche Verbindung" neuen Reifen ihrer bei W. in Reparatur beJahre Zuchth. Vogtlandes bekannt. Diese hat auch nicht was sein antisemitisches Gewissen durch findlichen Fahrzeuge durch alte, galvaniJahre Zuchth. schlecht geschmunzelt, als seine Autobio- aus nicht beschwerte. Als sein ,, Geschäft" graphie, mit der sich der neue Kreisleiter sich nicht mehr so rentierte, tauchte er in käuflich zu erwerben waren. So wurde W. in seinen jetzigen Wirkungskreis einführte, Deutschland unter, nachdem er dort bereits wiederum ein Opfer der liberalistischdie Runde durch die sächsischen Nazizei- 1920 in Oberschlesien als Angehöriger der marxistischen Wirtschaftsauffassung. tungen machte. Was da Wettengel über sei- Selbstschutzformation eine kurze Gastrolle Nun verschrieb sich Wettengel, der es ne Vergangenheit berichten lässt, ist wirk- gegeben hatte. In Deutschland schloss er trotz seiner beruflichen ,, Unfälle" im Laufe der lich eine Musterleistung nationalsozialisti- sich, wie so viele asoziale Elemente, der der Zeit bis zum Ortsgruppenleiter scher Verdrehungskunst und Verlogenheit. NSDAP an. NSDAP in Bad Elster gebracht hatte, restStellen wir den Selbstbeweihräucherungen Im Jahre 1925 musste er seiner Militär- los der Naziparteitätigkeit. Dort war er in Wettengels nur einige Tatsachen aus dem pflicht in der Tschechoslovakei genügen. seinem Element. Er kletterte von Stufe zu bewegten Leben seiner dunklen Vergan- Dass das tschechoslovakische Militär einen Stufe und bekam 1934 im Braunen Haus in genheit gegenüber, um das wahre Gesicht ordentlichen Menschen aus ihm machen München den letzten Schliff, um 1935 als wollte, konnte Wettengel nicht vertragen Gauinspekteur in Dresden zu landen. Nun Die Urteile lauteten wie folgt: Heinrich Höcke Willi Aldag Karl Bock Willi Oldenburg Hans Borowski Willi Grillsbach Willi Hagemann Artur Klingenberg Adolf Bollmann Karl Ahrens 3 3 2 2,5 Jahre Gef. 22 2,5 Jahre Gef. 2 Jahre Gef. Jahre Gef. 1,5 Jahre Gef. 1,5 Jahre Gef. Jahre Gef. 2 2,5 Jahre Gef. 21 Mon. Gef. Willi Käter Walter Knop Friedrich Schäfer 21 Mon. Gef. Karl Helm 18 Mon. Gef. Willi Cristensen 1 Oskar Jost 1 Jahr Gef. Jahr Gef. Ernst Helling 9 Mon. Gef. Tod für Menschlichkeit Schicksal eines Moabiter Gefängnisbeamten dieses Nazi- Ehrenmannes zu zeigen! sierte Reifen ersetzt wurden und bei W. Schon dass sich Wettengel als der Sohn und so desertierte er eines Tages, als er ist Leipzig mit ihm beglückt worden. Nach eines Landwirtes bezeichnet, gehört in das sich auf Urlaub in Krugsreuth befand, mit dem Streikbrecher Dönicke der Deserteur Reich der Fabel. Mit seinem„, völkischen Sack und Pack nach Deutschland. In sei- und Bankrotteur Wettengel als Kreisleiter! und grossdeutschen Gedankengut", das er nem Lebenslauf stellt er seine Fahnenflucht Armes Leipzig! Armes Deutschland! ** So sind heute die früheren selbständigen stammt aus seinem früheren SA- Sturm in durch den Lautsprecher übertragene Melo- denke z. B.", so sagte er ,,, was es bedeutet, Ein Urteil des Volksgerichts in Ber- Beuthen. die ,, Freut euch des Lebens" den Arbeitern wenn im Kolonialwarenhandel über zwei lin ist, wie der ,, Manchester Guardian" Zentralgenossenschaften rund 600 EinzelGräupner ist einer von jenen Helden, die den Arbeitsbeginn. genossenschaften mit 40 000 Kolonialwarenmeldet, erst jetzt bekanntgeworden. Am Hitler ein paar Wochen vor seiner Ernen21. Oktober vergangenen Jahres stand nung zum Reichskanzler feierlich als ,, meihändlern erfasst werden können." vor ihm ein Beamter des Moabiter Ge- ne Kameraden" antelegraphiert hatte. fängnisses namens Moritz. Er war angeklagt, unerlaubte Beziehungen zu politischen Gefangenen, unter ihnen auch zu Ernst Thälmann, unterhalten zu haben. Fastnacht gleichgeschaltet! Aus Baden wird uns geschrieben: In Süddeutschland nahm die Fastnacht Bis zum 31. März wird in den Hambur- Konsumvereine der deutschen Arbeiter ger Schulen den Kindern der zwei unter- nichts anderes als Instrumente, mit denen sten Schulklassen, soweit es deren Gesund- die kriegswirtschaftlichen Vorbereitungen heitszustand angezeigt erscheinen lässt, in zum letzten Erfolg geführt werden sollen. den Pausen vom Lehrer Lebertran eingegeben werden. * ** Die Reichsbahn>>> konfisziert Moritz verteidigte sich mit mit grosser Kühnheit und übte an dem heutigen immer einen grösseren Raum ein und beStrafvollzug sowie an den Methoden der sonders auch in Baden, ohne Unterschied, Gestapo und der SS scharfe Kritik. Die Stadt Solingen dankt den Kinderrei- Wegen eines Berichts über ob die Orte von katholischer oder evangeEr wurde zu 15 Jahren Zuchthaus ver- lischer Bevölkerung bewohnt sind. Es be- chen die auch heute noch meist den ärurteilt. Der Prozess war am 21. Okto- stehen in allen grösseren Orten sogenannte meren Bevölkerungskreisen angehören ber um elf Uhr zu Ende. Um drei Uhr Narrengesellschaften, die teilweise auf ei- damit, dass die Eltern mit der Geburt des fand man Moritz tot in seiner Zelle. Fillusch es Schicksal stelgende Unfallziffern Ueber die Konfiskation des ,, Stürmer" handelt sich um das neueste Heft der Zeitschrift ,, Die Reichsbahn", des offiziellen Organs der Reichseisenbahnverwaltung, das regelmässig in einer Auflage von 10 050 Exemplaren erscheint. Die Polizei macht die grössten Anstrengungen zu verhindern, dass auch nur ein einziges Exemplar im Umlauf bleibt. Dieses neueste Heft der Reichsbahn enthielt nämlich ein erschütterndes Bild der Schwierigkeiten, in die die Reichsbahnraten ist. Von 1936 auf 1937 haben sich die nen Bestand von über einem Jahrhundert vierten Kindes in einer Ehrenanzeige in hat die ganze Welt gesprochen. Von einer Die anderen, nicht weniger interessanten, wusszurückblicken können. Die Namen sind die der Presse veröffentlicht werden. manigfaltigsten. In Mannheim nennen sie Ehrenanzeige trägt das Stadtwappen und te nur der ,, Daily Herald" zu berichten. Es sich ,, Feurio", in Konstanz„, Hemdklonker" das Kennwort: ,, Die Stadt Solingen ist stolz und in den katholischen Gebietsteilen sind auf ihre kinderreichen Familien". Damit können dann die Kinder und die Der typische Nazibonze es direkte Narrenzünfte, die bezirksweise zusammengefasst sind. Bislang waren Eltern ihren Hunger stillen. Es wird uns geschrieben: immer noch private Vereine und Zünfte, Zwischen dem Oberbürgermeister Fil- denen alles angehörte, ohne irgend welchen lusch und dem Kreisleiter Jonas in Hinden- politischen Unterschied. Da stand der burg sind heftige Differenzen ausgebro- Kommunist neben dem Deutschnationalen. chen. Jonas, der sich in der Arbeitsfront Teilweise verfügen diese Gesellschaften, die eines gewissen Vertrauens erfreut, ist in sehr oft auch mit den Trachtenvereinen der Kriegsvorbereitung Versammlungen wiederholt gegen Fillusch verbunden waren, über sehr grosse Vermöaufgetreten, weil ein Mann mit seiner Ver- gen. Dies Vermögen sticht nun, scheints, Seit längerer Zeit schon musste es auffal- verwaltung infolge des Rohstoffmangels gegangenheit, ein Saufbold ohne dass der konsumvereinsfeindliche gleichen, auch den Nazis in die Nase. nicht würdig sei, ein solches Amt zu be- Jedenfalls ist festzustellen, dass in den Kurs, den die Nationalsozialisten in der Entgleisungen um 39 Prozent, die Zugszukleiden. Man muss daran erinnern, dass letzten Wochen, und sogar Monaten, Auf- ersten Periode nach der Machtergreifung Zahl der Verunglückten Nachlen, der Konsumvereine Organe sammenstösse um 33 Prozent vermehrt. Die Toten und VerFillusch bereits verurteilt und seines Am- märsche und sogenannte Grosskundgebun- verfolgten, aufgegeben worden ist. wundeten ist auf das Dreifache gestietes enthoben war, aber infolge des per- gen für das WHW. waren, die in Baden, dem eine grosse Anzahl von Konsumvergen. Zugverspätungen von einer Stunde sönlichen Eingreifens von Hitler in sein wie die Berichte übereinstimmend aus den einen durch Bankrott oder Zwangsmass- sind keine Seltenheit. Amt wiedereingesetzt werden musste. Nun verschiedensten Landesteilen lauten, sehr nahmen vernichtet und der verbleibende scheint Jonas als Kreisleiter auf den Po- schlecht besucht waren. Es ist ganz still Teil restlos in die nationalsozialistischen Orsten des Fillusch zu reflektieren und sam geworden, man hat diese Kungebungen, ganisationen und ihre Wirtschaftspolitik Die Lumpenwirtschaft melt alles Material, um Fillusch erneut vor scheints, abgeblasen. Dafür wirft sich eingereiht worden war, wurde der Kampf das Parteigericht zu bringen. SA- Kreise jetzt die Organisation ,, Kraft durch gegen die früheren Arbeiter- Genossenschaf- ,, Die Ueberwachungsstelle für Wolle und sind der Ansicht, dass es dem Kreisleiter Freude" auf die historisch ge- ten abgestoppt. andere Tierhaare hat mit Zustimmung des Jonas jetzt gelingen wird, Fillusch endgül- wordene Fastnacht. Ueberall nimmt sich Der Grund für diese Aenderung ihres Reichswirtschaftsministers das Sammeln tig zu beseitigen. nun die KdF. der Fastnacht an und die Verhaltens war nicht etwa, dass die Na- von Lumpen durch den Einzelhandel verIm seinerzeitigen Prozess wegen Beleidi- Narrenzünfte und sonstigen Vereine haben tionalsozialisten plötzlich Freunde der von boten. gung des Fillusch wurde auch ein alter sich ihr unterzuordnen. Man hat bei den der Arbeiterschaft gegründeten und ver- Eine Reihe von Tuchfabriken ist seit ge Kämpfer, Palenga, zu 9 Monaten Gefängnis Nazis die Geldquelle gerochen. Wie tief walteten Konsumvereine geworden waren. raumer Zeit dazu übergegangen, Einzelhanverurteilt. Parteikreise setzten es gegen den einschneidend die Sache vom Volke aus ge- Vielmehr haben sie in allen Genossenschaf- delsgeschäfte zu veranlassen, Willen Fillusch' durch, dass Palenga nach sehen ist, lässt sich am besten daran er- ten den Einfluss der Mitglieder völlig aus- nur im Tausch gegen Wollumpen abzuzweimonatiger Haft wieder aus dem Ge- messen, dass es beinahe in den Jahren geschaltet. Was sie jetzt die Konsumvereine geben... fängnis entlassen wurde. Jetzt droht er 1919-1920 zu Tumulten gekommen wäre, als aufrecht erhalten lässt, ist die Erkenntnis, Die Anordnung verbietet den Ankauf und dem Fillusch bei jeder Gelegenheit, er wer- der damalige Innenminister Remmele, dass sie für die Verwirklichung ihrer Tausch von Lumpen durch den Einzelhan de schon dafür sorgen, dass seine Unter- Anbetracht der grossen Not des Volkes, die Kriegspläne im Rahmen der Inlandswirt- del insbesondere auch deshalb, weil durch schlagungen an den Tag kommen würden. öffentliche Fastnacht untersagt hatte. schaft eine grosse Aufgabe zu erfüllen ihn eine gesunde und planmässige Entwick lung der Lumpenwirtschaft gestört wird." In der Aula der Universität Frankfurt am( Bekanntmachung in der deutschen Der Potempa- Mörder Gräupner, der vor Freut euch des Lebens! Main hat kürzlich der Präsident des Deut- Presse.) schen Genossenschaftsverbandes, Reichsjonehäftling war, soll jetzt wegen Unter- Ein Chemnitzer Betrieb hat das Sirenen- hauptamtsleiter Dr. von Renteln, über das schlagungen ins Konzentrationslager ein- signal, das bisher Arbeitsbeginn und Ar- Thema„ Vierjahresplan und gewerbliches Im Geheimen! Der Prozess gegen den geliefert worden sein. Gräupner wurde beitsschluss ankündigte, abgeschafft. Im Genossenschaftswesen" gesprochen. Er hob Pfarrer Niemöller soll völlig geheim geführt nach seiner von Hitler verfügten Entlassung Zeichen von„ Kraft durch Freude" findet es dabei die Bedeutung der Warengenossen- werden. Drei Wochen lang wollen sie hinals Oberlandjäger nach Westfalen ver- der Unternehmer schicklicher, an Stelle der schaften für die Durchführung des Vier- ter geschlossenen Türen verhandeln. Das setzt. Zweimal soll er bereits vorher ver- Sirene Melodien bekannter Lieder durch jahresplanes hervor. Ihre Aufgabe bestehe Urteil setzen nicht die Richter fest, aber worden sein, jetzt hat ihn Statt besonders in der unterrichtenden, lenken- sie spielen Komödie, um den Schein einer das Lautsprecher übertragen zu lassen. Schicksal doch erreicht. Die Nachricht des Sirenengeheuls verkündet jetzt die den und beratenden Tätigkeit. ,, Man be- Gerichtbarkeit aufrechtzuerhalten. Noch ein Kamerad seinem Eintritt in die SA bekanntlich Bawarnt in haben. Rh gro Ze SS De na gel da: B lau da: De au un au in üb ha rat lär Ar De De run ko un nie W N ges hir ha Fo de sp üb ihre Ware die da Hi rei sen die sel SO sag zu wa wa au zu Pa ka Se erte Nr 243 BEILAGE Ser 139 ch reist es er eaen aÖnd itlie as ue uf aSmalSen ch ht en afen ieas ne inkt! ar sien lie erass en tsnd, k. r ch en ne esie Cer The en nd arehr m eren en etetlaHer Senkbt mer ar at iei er m zt ne 1NEUER VORWÄRTS 13. Februar 1938 Die Waffenschmiede des Dritten Reichs Zum Kruppabschluss für das Jahr 1936-1937 dass der Im vergangenen Geschäftsjahr per ,, Auslandsgeschäfte" in so unruhigen und Wohngebäuden, Fabrikgebäuden, gehoben hätte, dem steht jedoch die 30. September 1937 hat die Firma und schwer übersichtlichen Zeiten Maschinen, Werkzeugen, Betriebsinven- Tatsache entgegen, dass aus vielen BeFried. Krupp AG.( alleinige Aktienbe- durchaus nicht unbedingt zu den reinen tar usw. als Nettozugang bilanzmässig richten einwandrei feststeht, dass bei sitzerin Frau Bertha Krupp von Bohlen Freuden der Firma Krupp zu gehören ausgewiesen werden. Krupp hat also Krupp nicht nur in einem noch gesteiund Halbach) ihren Stammvater Alfred scheinen. Daran wird auch dadurch glattweg alles voll abgeschrieben, was gertem Höllentempo gearbeitet wird, Krupp gross gefeiert, der am 26. April nichts geändert, dass es im Tätigkeits- er neu angeschafft und hinzuerworben sondern dass auch Arbeitszeiten von 10 1812, also vor 125 Jahren, in Essen, im bericht heisst: hat. Wir werden an einigen Beispielen und 12, ja bis zu 14 Stunden keinesHause Flachsmarkt 3, das Licht der ,, Die Zusammenarbeit mit den zuständi-( die allerdings nicht aus der Bilanz er- wegs eine Seltenheit, sondern eher die Welt erblickte. Die ,, traditionellen guten gen Stellen ermöglichte es, dem überliefer- kennbar sind) noch zeigen, dass es da- Regel sind. Es kann also mit Sicherheit Hause ten Ruf der Firma als Waffenschmiede mit keineswegs, was die Millionenver- behauptet werden, dass die Ausbeutung Beziehungen" zwischen dem Krupp und der ausgebeuteten Stadt Es- auch im Auslande wieder Geltung zu ver- dienste dieses uneigennützigen Hauses noch zugenommen hat und schaffen." sen wurden dadurch besonders unter- Es sieht verteufelt danach aus, als ob anbelangt, sein Bewenden gehabt hat. Stundenverdients trotz erhöhter Arbeitsstrichen, dass man dem grossen Sohne ,, die zuständigen Stellen" die ehren- Einige andere Angaben aus dem Ge- leistung gesunken ist( von der realen der Stadt Essen ein besonders sinniges werte Firma Krupp in recht fragwür- schäftsbericht sind noch von Interesse Kaufkraft angesichts der weiter enorm Erinnerungsmal setzte; an jenem Hause dige Geschäfte hineingenötigt hätten, und unter mancherlei Gesichtspunkten gestiegenen Lebensmittelpreise ganz zu wurde nämlich eine ,, schwarzgraue ganz zu schweigen davon, dass sich hart- recht aufschlussreich. Vor Jahresfrist schweigen!). Beweis dafür ist zudem Steinplatte" angebracht, worauf zu le- näckig das Gerücht behauptet, der Ruhm haben wir auf Grund genauer und sorg- der im Oktober 1937 veröffentlichte Beder Waffenschmiede Krupp habe in fältiger Beobachtungen festzustellen richt der Krupp'schen BetriebskrankenHier stand das Haus, in welchem Al- Spanien erheblich eingebüsst. Das soll versucht, wie gross die Belegschaft des kasse, aus dem laut der Deutschen Bergfred Krupp am 26. April 1812 geboren besonders für die werkszeitung hervorgeht, dass im Jahre Krupp- Gruson'sche Krupp- Konzerns sei. nachdem für 30. September 1934 zum 1936 46,52 Prozent aller Erkrankungsfälle mit Arbeitsunfähigkeit verbunden waren, während dieser Prozentsatz im Jahre 1935 43,01 Prozent und im Jahre 1932 nur 23,26 Prozent betragen hatte. Man kann sich danach leicht vorstellen, welches Hetztempo in der Waffensen steht: wurde." Tankware gelten. Wir kamen und da Seine wahre Nord- Südstrasse schmiede herrscht und in welchem GeDiese Erinnerungstafel hat die rührige Stadtverwaltung an jenem Gedenktage mit Grünschmuck versehen, bei den Standbildern Alfred Krupps vor dem Rathaus und am Eingang der Kruppschen Fabrik wurden ausserdem ,, Lorbeerkränze mit Hakenkreuz- und Stadtschleifen" niedergelegt, und damit man ,, auf dem Hügel" diese Ehrungen gebührend beachte, hat der Oberbürgermeister von Essen den beiden Ehrenbürgern Essens, Gustav und Bertha K. v. B.-H. dies alles noch schriftlich mitgeteilt.( Die Ehrenbürger wären sonst möglicherweise auf die Idee gekommen, die dankbare Gefolgschaft des Monstrekonzerns habe auf so sinnfällige Weise ihre Dankbarkeit bezeugt!). Das alles meldete der ,, Völkische Beobachter" mittels eines eigenen Berichts" aus Essen stolz am 28. April seiner 1937, dafür verschweigt er was Leserschaft jetzt nach dem Vorliegen des Geschäftsabschlusses einiges, den aufmerksamen Leser vielleicht recht nachdenklich stimmen könnte. Um die Pointe vorwegzunehmen: der vorliegende Krupp- Abschluss, der 16,23 Millionen Reingewinn ausweist, wovon dieses Jahr 5 Prozent( statt 4 Prozent im Vorjahr) sogenannte Dividende ausgezahlt werden, bringt als auffallende Tatsache besonders hohe Rückstellungen. Im normalen Berichterstatterstil der zensurierten Handelsredakteure pflegt man dann von ,, besonders vorsichtiger Bilanzierung" usw. zu sprechen, und man rühmt den alten Krupp'schen Brauch, dass die Verwaltung auch diesmal bei ihrer vorsichtigen Finanzpolitik" verblieben sei. In der Tat sind diese Rückstellungen um fast 27,5 Millionen Mark erhöht worden, und die ,, Frankfurter Zeitung" schreibt vorlauter Weise dazu, es handele sich dabei zum grossen Teil um ..eine Vorsichtsmassnahme, bedingt durch die Ungewissheit über gefährdet erscheinende Auslandsforderungen, namentlich in Spanien und Ostasien..." Vermehrte Ausbeutung ER WIEN sundheits- und... Unterernährungszustand die Arbeiterschaft sich befindet! Krupp umschreibt das z. B. in dem knappen Bericht über die Entwicklung seiner Germaniawerke, indem er sagt: ,, Den gestiegenen Anforderungen konnte nur dank der Bereitwilligkeit(!) der Gefolgschaft zur Ueberarbeit entsprochen werden." Es gehört die ganze Fahrlässigkeit und Gewissenlosigkeit normaler Berichterstattung im Dritten Reich dazu, wenn die Zeitungen so auch die ,, Frankfurter Zeitung" glauben feststellen zu können, dass das Kostenoptimum" überschritten sei, was ungefähr heissen soll, Krupp werde nun aus lauter patriotischer Gesinnung sich mit laufend immer geringer werdenden ,, Gewinnen" begnügen. Wenn wir unterstellen, dass seit dem Anbruch der neuen Aufrüstungsperiode 1933 für die Kalkulierung der Hundertmillionengeschäfte dieses traditionsfreudigen Hauses Krupp ein wohlausgeklügelter Rentabilitätsschlüssel festgelegt worden ist, so lässt sich aus der Relation von Rohgewinn zu ,, Reingewinn" leicht und unwiderleglich nachweisen, dass das Kostenoptimum keineswegs überschritten ist, sondern sich ganz im Gegenteil durchaus auf günstigem Wege befindet. Das Verhältnis von Rohgewinn zu ,, Reingewinn" stellte sich nämlich 1933-34 wie 26,67 zu 1; 1934-35 wie 22,47 zu 1; 1935-36 wie 19,98 zu 1 und tim letzten Jahr 1936-37 wie 19,51 zu 1. Es ist also eindeutig, dass laufend kleinere Rohgewinn- Einheiten ausreichen, um jeweils eine Reingewinnmillion zu erzielen! Das Geschäft floriert von Jahr zu Jahr besser, trotz Ausfällen in Spanien und Ostasien! wie Krupp Geschäfte macht Wie solche Geschäfte gemacht werden, dafür ein lehrreiches Beispiel. Krupp hat im März 37 aus dem Besitz der beiden Städte Köln und Frankfurt am Main die wichtigen Steinkohlenfelder letzten Male eine Belegschaftsziffer be von Rossenray am Niederrhein erworkanntgegeben worden war auf eine ben. Es handelt sich dabei um 11 FettKein Zweifel, dass hier absichtlich oder naiverweise( das mögen die Herrschaften mit Herrn Göbbels und der Gestapo unter sich abmachen) in Zusammenhänge hineingeleuchtet worden ist, die aus mehreren Gründen besser verschwiegen worden wären. Denn erstens ist es überflüssig, Hitlers strenges Festhalten an der ,, Nichteinmischung" in Spanien so zu kompromittieren, und Vor Jahresfrist ist hier eingehend Ziffer von rund 110 000 Menschen. kohlenfelder, die die beiden Städte 1927 zweitens ist es obendrein mehr als pein- nachgewiesen worden, wie wenig eine Jetzt offenbar, weil das Geheimhal den Rheinischen Stahlwerken abgekauft lich, wenn die Umwelt auf diese Weise zurechtfrisierte Bilanz aussagt; kein ten doch nicht dagegen schützt, dass hatten, um sich vom Syndikat und den erfährt, dass die kühl rechnenden Ver- Mensch wird sich mehr dem Glauben der gut unterrichtete Beobachter den reichlich monopolistisch- erpresserischen walter der deutschen Waffenschmiede hingeben, dass die bescheidenen Tatbestand ziemlich exakt ermitteln Ferngasgesellschaften des RuhrbergHerrn Franco auf die„ Dubiosa" ver- RM. 16 226 877,46 ausgewiesener„ Rein- kann- teilt Krupp im Geschäftsberich baues unabhängig zu machen. Die beiden ihm also ganz offen- gewinn" tatsächlich alles ist, was Krupp mit, dass die Gesamtbelegschaft sich auf Städte zahlten 1927 dafür rund 16 Milsichtlich nur noch recht bescheidene verdient habe. Der Rohertrag ist um wei- 108 765 Beschäftigte beläuft, wobei fürs lionen Mark, der ehrenwerte KruppGewinnchancen geben. tere 28,8 Millionen auf insgesamt 316,6 letzte Jahr eine Zunahme von 10 424 konzern aber zahlte 1937 MusterbeiSoweit der Fall Spanien. Und was hat Millionen Mark gesteigert worden, angegeben wird.( Die 58 Krupp- Arbei spiel brauner Stadtverwaltung und es mit ,, Ostasien" für eine Bewandtnis? bei unverändertem Aktienkapital von ter, die im März 1937 von der Gestapc wirklich uneigennützigen Verhaltens! Ostasien ist ein dehnbarer Begriff, 160 Millionen sind die sichtbaren Re- im Werk Rheinhausen wegen angebli- ganze 11 Millionen Mark! Krupp hat hier ist es schwieriger, genau zu sagen, serven inzwischen auf 132,53 Millionen cher Sammlungen für Rot- Spanien ver- also nicht nur einen inzwischen ver alob man Lieferungen an Japan vorsorg- gestiegen, die Abschreibungen und haftet wurden, sind offensichtlich nicht lem durch die erhöhten Vierjahresplanlicherweise schon auf Verlustkonto ab- Rückstellungen betrugen im abgelaufe- mitgezählt!) Die Zunahme betrug als Ansprüche im Werte wesentlich gesteiLaufe dieses Jahres 10,6 Prozent gerten Qualitätskohlenfelderbesitz oder ob Krupp der Meinung nen Geschäftsjahr 45,48 Millionen. Das im ist, dass das alte Material, mit dem jah- sind mit der minimalen jah- sind Differenz während eine Zunahme der Löhne und 5 Millionen billiger gekauft, als er 10 mit 12,4 Prozent angegeben Jahre vorher aus dem Steuersäckel brarelang die Chinesen versorgt worden von einer bescheidenen Million rund Gehälter sind, kaum noch prompt bezahlt wer- genau so viele Millionen, wie in den wird. Man könnte daraus folgern, dass ver Bürger erworben worden war, den wird. Auf alle Fälle steht fest, dass 12 Monaten an Zugängen zu Geschäfts- sich das Lohnniveau bei Krupp etwas sondern die braunen Stadtverwaltungen bucht haben, bucht, um liefern obendrein noch ihre Bürger dem Preiswucher des Bergbaukapitals beim Ferngasbezug aus: doppelte Moral,— und Korruptionsfall national-,.sozialistischer" Gemeindeverwaltungspraxis! Das zweite, nicht minder lehrreiche Musterbeispiel echt Krupp'scher Geschäftspraxis ist die Gründung und Finanzierung der„Krupp Treibstoff GmbH". Da das Haus Krupp sich dem Autarkiewahn schwer entziehen kann, — und mancherlei andere Gründe es ratsam erscheinen lassen, sich tatkräftig am Aufbauwerk des Führers und an der Kraftmeierei Görings und seiner Mi- litär-Oekonomen zu beteiligen, beschloss Krupp, sich dem synthetischen Benzin zuzuwenden, um damit den fälligen Tribut abzuleisten. Im Januar 1937 wurde also besagte GmbH gegründet und mit einem Kapital von 20 Millionen Reichsmark ausgestattet.(Eingezahlt wurden allerdings— wie das bei GmbH's möglich ist— zunächst einmal nur 5 Millionen!) Betreiben will man die Herstellung von Treibstoffen und Mineralölen nach dem Fischer-Tropsch-Verfahren; Geschäftsführer wurde der Leiter der Krupp'schen Kokerei-Betriebe, ein Herr Dr. ing. Fritz Müller. Die GmbH war noch keine 6 Wochen„gegründet", als Krupp eine 5-prozentige Hypothekar- Anleihe von 10 Millionen Mark auflegen Hess, die prompt gezeichnet wurde. Die nen sollten diese 10 Millionen zur Dek kung" eines Teiles der Baukosten". Was ist also wirklich geschehen? Erstens ist der Kunstbenzin-Rummel der Vierjahresplan- Autarkisten unter normalen Umständen ein glattes Verlustgeschäft,— Krupp weiss das(ebenso wie die gesamte Montanindustrie weiss, dass Görings Salzgitterbetriebe unrentabler Wirtschaftswahnsinn sind!): er gründet also eine Sondergesellschaft„mit beschränkter Haftung", — gehts eines Tages schief,— dann hat man bestenfalls eben 20 Millionen auf dem Tisch des Vaterlandes geopfert(und vorher hat man das zehnfache natürlich an Panzerplatten bei der Germania-Werft verdient). Vorläufig aber engagiert man sich in diesem einwandfreien Verlustgeschäft überhaupt nur mit ganzen lumpigen 5 Millionen,— und überlässt es einem ahnungslosen Publikum, seinerseits 10 Millionen Anleihe zu zeichnen. Mit diesen 15 Millionen baut man die Anlage,— solange der Staat das teuere Kunstbenzin„subventioniert", bleibt man national opferbereit,— hört dieser Subventionstraum eines Tages auf und die ganze Anlage hat nur noch Schrottwert,— dann sind eben die 10 Millionen des verehrten Publikums mit zum Teufel! Was schreibt zu solchen Praktiken aber die vornehme Handelspresse,— zum Beispiel die„Frankfurter Zeitung"? Sie sagt nicht etwa, das sei ein glattes Betrugsgeschäft, Dupierung, Prospekt- unwahrheit,— nein: sie sagt:„Diese Kombination von Selbst- und Fremdfinanzierung ist ein gesundes Prinzip." Di« Expansion von Krupp Abschliessend noch einiges Wissenswerte, was nicht weiter im Geschäftsbericht von Krupp vermerkt wurde. Im .\pril schafft Krupp eine neue, zentrale .Hauptstelle Berlin"; da sitzt man an der Quelle,— und nach alter Vorkriegspraxis hat der mit der Leitung beauftragte Herr Direktor Dr. Janssen die ehrenwerte Aufgabe, die Konkurrenz in der Metropole gründlich aus dem Felde zu schlagen und ansonsten das Betriebs- ■spionage-System(auch Krupp'sche Tradition) der Waffenschmiede zu organisieren. Ausserdem nimmt man— auch das hat natürlich seine tieferen Gründe — in den Aufsichtsrat der Fried. Krupp Germaniawerft A. G., Kiel, den Herrn Admiral Heusinger von Waldegg auf; man sieht, das Panzerkreuzer- und Panzerplattengeschäft macht sich! Ausserdem wird der Diplom-Ingenieur Alfred von Bohlen und Halbach, der älteste Sohn der Familie, Prokurist mit dem Titel„stellvertretender Direktor",— und rutscht natürlich ebenfalls in die diversen Aufsichtsräte der Konzernbetriebe. Ausserdem repräsentiert er das Haus in Jugoslawien, als dort die von Krupp gebaute Walzwerksanlage in Ze- Nacht in Deutschland Das Fest ist aus. Die Fackeln sind verglüht. Die Menschen, noch vom eitlen Lärm benommen, sind nun im dunklen Haus zur Ruh gekommen. Ergrimmt, beschämt und bis zum Ekel müd. Manch einer scheut den Schlaf selbst. Mancher weiss, entsiegelte ein Traumbild seine Zunge, brach all der Hass hervor— sein eigner Junge ging morgen hin und gab den Vater preis. * ** Der Traum verlöscht die Angst. Die Welt wird neu. Dem Träumer kehrt sein heitrer Glaube wieder. Er fühlt sich frei und hört die alten Lieder. Der Alb entwich. Er redet ohne Scheu. Sein Sohn träumt auch. Er schweift auf fremder Bahn durch ein Gebiet, wie er noch keins gesehen, wo alle Menschen leichten Schrittes gehen, den Kopf erhoben, keinem Untertan. Wo gibt es das auf Gottes weiter Welt? Wo schlägt der Mensch dem Menschen keine Wunden? Er ivird nicht ruhen, bis das Land gefunden, und niederreissen, was den Weg verstellt. * ** Sacht ist es. Deutschland träumt. Es träumt sich frei. Es träumt, dass es sich selber wieder findet. Es rüttelt an der Kette, die es bindet. Einst kommt der Tag, da reitst es sie entzwei. Und Einer schreckt empor aus kurzer Ruh. War nicht um ihn der Lärm von vielen Schritten? Ist nicht ein Schatten durch die Tür geglitten? Der Wahnwitz kriecht im Dunkel auf ihn zu. Wo sind die Wachen? Haben sie gesäumt? Sind sie gedungen, ihn im Schlaf zu morden? Er lauscht.-- Ganz still ist es um ihn geworden. Nichts ist geschehen. Deutschland hat geträumt. Hat nur von dem Tag der Befreiung geträumt. A. L. nica eingeweiht wird; Herr Stojadino- vitsch, derzeitiger Aussenminister dieses„befreundeten" Landes, besuchte kürzlich das Stammhaus Krupp. Ausserdem erhöhte die Krupp-Indien-Han- delsgesellschaft m. b. H., Essen, ihr Kapital von 20 000 auf 200 000 Mark,— und die Krupp-Export G. m. b. H. errichtete in Kairo die Krupp Trading Co. Ltd. Man sieht also, wohin die Hauptinteressen tendieren. Das Bild wird abgerundet durch die Mitteilung, dass mit einer Gruppe japanischer Eisenerzeuger ein Liefer- und Verwertungsvertrag für eine Anzahl Rennanlagen abgeschlossen worden ist. Dass auch Mussolini die Waffenschmiede des Dritten Reichs bewundernd im Laufe des abgeschlossenen Geschäftsjahres besucht hat, sei der Chronik halber noch vermerkt. Er hatte allerdings vergessen, was er während des Weltkrieges darüber gesagt hat:„Der Tag, an dem die Werke des Päderasteu Krupp den Flammen überliefert werden, wird für die Welt ein denkwürdiger sein... Essen, die Stadt der Kanonen, muss vom Erdboden verschwinden..." Auch in Essen schien man bei der feierlichen Begrüssung dieses grossen Staatsmannes diesen Ausspruch vergessen zu haben,— es ist jedenfalls nichts berichtet worden, dass Erinnerungen solcher Art der Anlass des Besuches Mussolinis gewesen seien. Ganz im Gegenteil war Mussolini höchst begeistert, dass dort eine ideologische Achse recht stählern untermauert wird! K-g. Erblindet Folgrcn(l«r dofünenlKtoriur Die..Hochwacht" in Wintertur veröffentlicht einen Auszug aus deutschen Briefen. Das Blatt schreibt: ..Es mehren sich jetzt die erschütternden Klagen über die Zustände in den Gefängnissen und den vollkommenen Zerfall der Rechtsordnung auch im engen Justizwesen. Eine katholische Stelle, deren besondere Funktion aus Sicherheitsgründen nicht genannt werden kann, gibt erschütternde Berichte über den Zustand in den deutschen Gefängnissen. Die Gefangenen werden im allgemeinen weder mehr geschlagen, noch lässt man sie verhungern. Aber die erwähnte katholische Stelle tut ihimef wieder in grösster seelischer Qual denselben Ausspruch: „Es wäre für diese Mensehen hundertmal besser tot zu sein, als in den Händen einer solchen«Justiz»." Denn die seelische Tortur dieser meist vollkommen unschuldigen(politischen) Gefangenen ist unbeschreiblich und unerträglich." Ein Geistlicher war schon nach drei Monaten irrsinnig. Der bekannte Jugendführer Steher vom Katholischen Jungmännerver- band in Düsseldorf, der mit Kaplan Ros- saint zu langjähriger Zuchthausstrafe verurteilt worden ist, ist schon längst zufolge monatelanger Dunkelhaft in der Vorunter-: suchung blind geworden. Rossaint selber ist schwer krank." El*llellerulB|s;, « Unlioltsauio Fieuron» Was ist arteigen, was ist richtig und linientreu? Das sind Fragen, die den Menschen des Dritten Reiches täglich plagen und schwankenden Schrittes raachen. Geben wir einige Klagen wieder. In der „Deutschen Wochenschau" lesen wir: „Es gibt Theater-Intendanten, Bühnenschriftsteller, Romanautoren, Dramaturgen, Schriftleiter, die geradezu Angst vor dem Humor haben. Sie glauben sich etwas zu vergeben, nicht mehr„ernst genommen" zu werden, wenn sie auch für die heitere Muse eintreten, ein unproblematisches, unterhaltsames Stück, einen fröhlichen Roman schreiben oder im Spielplan, im Feuilleton den humorbegabten Autor zu Wort kommen lassen... Die meisten sind gar keine Spielverderber, sie haben nur Hemmungen, sind unsicher geworden." Mit der Angst vor dem Humor verbindet sich die Angst vor Kritik. Die„Lichtbild- Bühne" schreibt; „Man gewöhnt sich nachgerade daran, dass Aufsätzen, Filmbetrachtungen oder Randbemerkungen, die für die Betroffenen nicht schmeichelhaft sind, sondern in denen deutlich gesagt wird, dass etwas falsch gemacht wurde, mit einem ebenso deutlichen Hinweis darauf, wie es hätte richtig gemacht werden können, telephonische Anrufe oder Briefe folgen, in denen mit drohend erhobenem Zeigefinger gesagt wird:„Aber das dürft Ihr doch eigentlich gar nicht mehr!"— Doch, meine Lieben, wir dürfen es!!" Was dürfen sie? In einer„sachlichen, aufbauenden Weise" Kunst betrachten, sagt die Zeitschrift. Aber die Unsicherheit bleibt und der neue Typ, der seine Unfähigkeit schützt, indem er mit Denunziation droht, der bleibt auch. Eine andere „unliebsame Figur", die uns die Zeil mitgebracht hat, ist der weltanschauliche All- round-Nationalsozialist", meckert, die Wochenschrift„Der Arbeitsmann". Dieser Hundertprozentige schwelge in ewiger banausischer Ueberheblichkeit; „Kein Gebiet unseres Lebens, das ihnen weltanschaulich fremd wäre. Gleichwohl sie von dem Gebiet an sich keinen Schimmer haben und sich auf diesem sachlich höchst ungeschickt bewegen. Ihre weltanschauliche Kunstbetrachtung beispielsweise erschöpft sich darin, sich vor einem Gemälde aufzupflanzen und vorsichtige Umfrage zu halten, ob der Maler" auch rein arisch sei." Und immer sei ihm das Parteibuch entscheidend, denn: „... nichts fürchtet er so sehr, als dass her Mann, dessen Bild er abfällig beurteilt hat, mit rotem Kopf zu ihm gelaufen kommt und mit den Worten: „Herr, das erlauben Sie sich mir gegenüber?" sein Parteibuch auf den Tisch knallt." Mindestens so schlimm scheint es um den germanischen Blondgänger bestellt zu sein, für den die blonde Rasse alles ist. Die SA- Zeitung„Wille und Macht" widmet ihm eine warnende Betrachtung, in der es heisst: „Es handelt sich hierbei, das sei ausdrücklich vermerkt, nicht um gefährliche, immerhin jedoch um ansteckende „Krankheiten", die je nach Geistesverfassung mit Humor, Belehrung oder Verachtung zu heilen sind. Ihre Träger treten verschieden auf, teils als„Literaten", teils als„Wissenschaftler", einzeln und in Rudeln. Sie tummeln sich in Zeitungen und Zeitschriften, bevölkern die Kaf- feehauslische, wo sie nach Anhängern suchen." Was ist dagegen zu tun?„Nicht so viel lebensfremde Theorie schwätzen",(weniger Rosenberg!) Besinnung auf die Kampfzeit: „Da standen Kameraden aus Nord und Süd, Ost und West beisammen, Schwarzhaarige und Blonde, und kein Mensch dachte daran, den Mann in der Formation danach zu beurteilen, ob sein Erscheinungsbild nun durchaus dem nordischen Ideal entsprach. Wir haben nicht den Hochmut des Standesdünkels gebrochen, um dafür die Arroganz der Nordrassigen einzutauschen." Zum Schlüsse sei des Geldgebers gedacht. Der„Westen" vom 1. 1. zitiert den Fridc- ricus: „Die Prozentpatrioten sind auch heute noch zahlreicher, als man annimmt. Missmutig stellen sie fest, dass in Anbetracht des vielen Geldes, das sie für die Sache geopfert haben, ihre Stellung, ihr Einkommen, ihr Wohlstand ganz anders sein müsse, als das heute der Fall ist. Für sie sind die Männer, die ihre Knochen und ihr Leben riskieren, nicht Kämpfer, sondern Schuldner, unterstützte Almosenempfänger, die ihnen zu ewiger Dankbarkeit verpflichtet sind." Eine schöne Galerie neuer verkorkster Typen, die sich in diesen Spalten auftut. Hält man dazu das Heer der Denunzianten, der Byzantiner, der Zitterer, der Meckerer und Flüsterer, so ergibt sich das Bild einer Volkserneuerung, die dem Dritten Reich niemand in der Welt hachmacht. IBramaliselie �kizxon Fritz Jellinek, ein Brünner Industrieller, ist nebenbei ein sozialphilosophischer Schriftsteller, den vor allem die Wirtschaftsprobleme von heute beschäftigen. Er kennt sie aus Theorie und Praxis; auf diesem Boden war sein Buch über die Krise des Bürgers gewachsen. Aber er möchte noch unmittelbarer auf die Leserwelt wirken und hat darum im Verlag Oprecht ein ..Dramatisches Skizzenbuch" herausgebracht. Entwürfe in Dialogform, entstanden iii der Zeit zwischen 1922 und 1934. Ein \ ersuch, in dramatischen Akten das Gesicht unserer Zeit und die Reformauffassungen eines humanistischen Wirtschaftsreformers darzustellen. Jellinek sucht die Jugend dieser Zeit zu verstehen, auch wo sie irrt; er glaubt nicht an das Glück kollektivistischen Menschentums, sondern setzt mehr auf das Glück individueller Entfaltungsmöglichkeiten. Er fordert Planwirtschaft und sein Bekenntnis lautet etwa wie das seines aufgeschlossenen Industriellen Erich Linden, den er sagen lässt; „Ich erblicke in der Bewegung der Zeit als grundlegende Forderung: Weg mü diesem verrottetem, denk- und handlungsfaul gewordenen Bürgerstand, der sich nur hinter turmhohen Zollmauern ein bequemes Rentner- und Monopolistendasein schaffen will— und ich prophezeie seine Ersetzung und Auffrischung durch einen neuen Bürgersland aus den • vorderhand noch ökonomiefremden Schichten des Volkes! Da hast du also den revolutionären Charakter unserer Tage, und sein Sinn ist: Heranbringung eines neuen freigeistigen, freimütigen. freivolklich gesinnten Bürgerstandes... Im Kampfe der Weltanschauungen häl' Reichsarbelf«seriell! Nationalsozialismus und Betriebsrisiko «Belriebsführer»,«Gefolgschaft», Treuepflicht»,«Gemeinnutz»,«artverbunden», das sind die Worte, die man nicht nur in jeder deutschen arbeitsrechllichen Entscheidung wiederfindet, sondern mit denen solch ein Urteil geradezu auskommt, wenn es sie durch Beifügung geeigneter Zeitworte und Namen ergänzt. Um aber auch die fein sten Nuancen in der Seele des Arbeiters berücksichtigen zu können, hat das Reichs- arheitsgericht neuerdings noch die„eigene wirtschaftliche Gebundenheit" in den Sprachsalz der Arbeitsrechlsprcchung aufgenommen. Anlass dazu bot ein Landarbeiter, der Lohn haben wollte(RAG. 87-37): „Der Kläger ist bei der Beklagten ständiger Freiarbeiter gegen Stundenlohn. Am 13. Mai und am 2. Juni 1936 wurde er zur Feldarbeit bestellt, jedoch wegen Regenwetters nicht beschäftigt. Er verlangt Lohnzahlung für die ausgefallenen 15 Arbeitsstunden, da die Beklagte ihn im Innendienst hätte beschäftigen können. Die Klage wurde in allen Rechtszügen abgewiesen." Das Reichsgericht sagt in seiner Urteilsbegründung: „Bei der Eigenart der nun einmal von der Witterung abhängigen landwirtschaftlichen Arbeit müssen der Unternehmer und der Arbeiter mit Unterbrechungen von vorn herein rechnen." Gut, wenn beide damit rechnen müssen, dass es regnet, warum soll nur der eine die Kosten tragen? Weil: „Dabei muss es grundsätzlich ihm. der die Verantwortung für den Betrieb zu tragen hat, überlassen bleiben, die Arbeit nach Zeit und Art nach seinem pflicht- gemässen Ermessen einzuteilen. Er wird aber den Belangen der für die Arbeit im Freien angestellten Arbeiter nach Möglichkeit Rechnung zu tragen haben, ohne •seine eigene wirtschaftliche Gebundenheit ausser acht lassen zu müssen." „Eigene wirtschaftliche Gebundenheit" spricht sich gut. Ein nackter Materialist svürde„Profit" dazu sagen, ein Wort, das uian in das Urteil einsetzen könnte, ohne seinen Sinn zu verändern. CSoldonor Humor „Gestern gab die NSV Ortsgruppe Laak die ersten Volksmasken aus. Die Amtsträgerinnen Hessen nicht locker. Jeder luusste ran aus Probieren.„Xun los, nimm deine Kapuze ab, und setz dir das Ding mal auf!"— Und Oma greift an- 'citungsgemäss mit den Daumen in den Gummi, steckt das Kinn tief hinein und z'eht sich die Maske über das zerfurchte Gesicht. Faltenlos soll das Gerät ansitzen aber bei Oma ist der„Duft" im Weg. So uiuss er zunächst gesenkt werden, später �ntschliessl man sich, denjenigen Frauen, die einen übergrossen Zopf haben, eine Männermaske zu geben. Als Oma die Maske über hat, muss sie sich den Filter anschrau- )eri. Endlich ist es soweit.„Olma, du siehst wie ein Rüsseltier", jubelt ihr kleiner -ukel. der sie begleitet hat."(„Preussi- Sche Zeitung Nr.\2".) Grenzen der Arbeitekralt Der Schrei nach ISationalislerun� v Die Nazi-Kriegsmaschine arbeitet seil fünf Jahren mit Volldampf. Der Gesamtproduktionswert der deutschen Industrie hat sich gegen 1933 von 38 auf 75 Milliarden Reichsmark nahezu verdoppelt. Davon entfallen 45 Milliarden auf Produklions- güter d. h. vor allem auf die Rüstungsbetriebe der Eisen-Bau-, Maschinen-, Fahrzeug- und Schiffahrtsindustrie, während die Konsumsgüter nur mit 30 Milliarden beteiligt sind. Die Investitionen im Befrag von 16 Milliarden im Jahre 1937(1932: 4,2) sind zu 70 Prozent vom Reich und seiner Aufrüstung beansprucht worden. Diese gewaltige Steigerung der Produktionskraft hat ihre volkswirtschaftliche Bedeutung verloren, sie dient ausschliesslich dem Krieg. Rund sechs Millionen Arbeiter sind mehr beschäftigt als 1932. Trotz starker Verteuerung sind die Lohn- und Akkordsätze gesenkt, die Arbeitszeit verlängert worden. Leutselige Ansprachen, Schönheit der Arbeit und andere Formen des„deutschen Sozialismus" sollen die Not des Tages übertönen. Die an Zahl vermehrten Beschäftigten haben mit erhöhter Einzelleislung eine ungeheure Steigerung der industriellen Produktion geschaffen, ohne dass das Arbeitseinkommen eine Erweiterung erfahren hätte. Der Mehrwert aus der Arbeitsanspannung dient der Aufrüstung. Neben dem Arbeitseinkommen sind die Arbeiterersparnisse durch Kriegsanleihen bei den Sparkassen und bei der Sozialversicherung restlos mit Beschlag belegt worden. Aber das Höchstmass der Arbeitsausbeutung für die totale Kriegswirtschaft ist noch nicht erreicht. Wohl arbeiten die Maschinen- und Autoindustrie mit einer an 100 Prozent reichenden Ausnutzung ihrer Produktionskapazität, die Eisen- und Stahlwerke sind am Rande ihrer Leistungsfähigkeit angelangt, die grossen im Jahre 1933 übernommenen Vorräte an Rohstoffen und Waren im Werfe von 20 Milliarden Reichsmark sind aufgebracht, die Einfuhr ausländischer Rohstoffe und Lebensmittel ist im„autarken Deutschland" im ständigen Ansteigen, der militärische Arbeilseinsatz ist vollendet, aber die Nazi-Kriegswirtschaft kennt keine Grenzen. Nach Ablauf des ersten Jahres des zweiten Vierjahresplanes erklärt die Reichskreditgesellschaft in ihrem Halbjahresbericht, dass die Reserven an Arbeitskräften, an Vorräten und an Produktionskapazitäten mit Ausnahme der Ver- brauchsgüfererzeugung voll ausgeschöpft sind. Der Oberst Löb, rechte Hand General Görings, meint, ..dass das, was Deutschland fehlt, nicht Eisenlager, nicht Geld oder Geist sind, sondern dass die Grenzen die Arbeitskraft des deutschen Menschen, der Mangel an Arbeitern bildet."_____ Der Führer hat bereits die Industriellen zu sich beordert, um im sechsten Jahr der Kriegswirtschaft neue Parolen auszugeben. Wie der Mangel an Rohstoffen durch die Ersatzstoffe auch nur irgendwie ausgeglichen werden soll, wird nicht verraten, wohl aber feilen die Wirtschaftsorgane der Nazis übereinstimmend mit, dass zur Sicherung der Konjunktur— soll heissen: zur Fortsetzung der Aufrüstung— der Ausbau der Produktionskapazität und die Pflege des Aussenhandels aktuell geworden sind. Bisher konnte das Regime den 1933 vorgefundenen durchrationalisierten aber bis dahin infolge der Krise nicht ausgenutzten industriellen Produktionsapparat, sowie die vorhandene, nicht voll beschäftigte gelernte Arbeiterschaft bis zur Ueberbeanspruchung ausnutzen und ausbeuten. Die in fünf Jahren geschöpfte Mehrproduktion war verhältnismässig günstig, weil sich die Produktionskosten durch die volle Ausnutzung des Apparates pro Einheit verbesserten. Nun ist die Grenze der"Vollausnutzung erreicht, die weitere Rüstungsexpansion macht die Erweiterung des Produktionsapparates erforderlich, es mangelt dazu an Geld und Material. Es gibt in der„verpflichteten Wirtschaft" an diesem Wendepunkt der Kriegskonjunktur nur einen Ausweg, den Oberst Löb bereits angedeutet hat, er führt von der Grenze der Arbeitskraft zur grenzenlosen Ausbeutung. Soweit es sich um die erfassbaren Facharbeiter handelt, sind Reserven nicht mehr zu mobilisieren. Mit der Aufhebung der Freizügigkeit der Rüstungsarbeiter ist dieser Teil der Aufgabe vollendet. Dagegen werden demnächst folgende Arbeitsreserven aufgerufen; 1. Die Frau, soll wieder in den Betrieb. Einmal wird sie niedriger entlohnt und zum anderen ist sie im Kriegsfall ohnehin unentbehrlich, da Tausende von männlichen Arbeitern an der Front gebraucht werden. 2. Die Landwirtschaft erhält ausländische Arbeitskräfte zugeführt, um ihre deutschen Arbeiter der Industrie zu überlassen. 3. Die einsatzfähigen selbständigen Handwerker werden in die Rüstungsindustrie hinein gelenkt. Das Naziprogramm von der Erhaltung des Mittelstands ist kein Hindernis. Die Fachblätter der Friseure, Bäk- ker, Fleischer, Tischler, Installateure, Klempner, Schmiede, Elektro- Kraflfahrhandwerker und Schlosser haben bereits Aufrufe erlassen. 4. Die Fachgruppe Handelsvertreter, deren Mitglieder ohnehin keine Geschäfte mehr machen können, hat die Ueberführungsaktion ebenfalls eingeleitet. 5. Die schulentlassene Jugend wird kraft Berufslenkung vorzugsweise der Metallindustrie als Lehrlinge zugeleitet. Die Reichsanstalt und die Arbeitsämter haben die Konzentration aller Arbeitskräfte auf den Rüslungsbetrieb schon in umfassender Weise organisiert. Da indes diese genannten Reserven nicht ausreichen und überdies wegen des Geburtenaustalles in den Krieg- und Inflationsjahren nach Berechnung der Reichsanstalt die nächsten zehn Jahre einen Ausfall von 1,5 Millionen Arbeitskräften bringen, werden für die bereits in Arbeit stehenden Menschen Massnahmen getroffen, die ihre Arbeitsleistungen vervielfachen sollen. Das Ergänzungsprogramm zum Vierjahresplan enthält zur Erweiterung und Verbilligung der Produktionskraft die Hauptforderung: Schärfste Rationalisierung. Die Nazis hatten zwar bisher die Rationalisierung als jüdisch-liberalistische Erfindung verdammt, die Handarbeit sollte wieder zur Restaurierung des altgermanischen Meistertums zurückführen. Die Expansion der Rüstungsproduktion muss aus den einleitend erwähnten Gründen verbilligt werden. Eine Kürzung der Unternehmergewinne kommt nicht in Frage, also bleibt nur der Weg der Arbeitsersparnis. Es sollen alle Möglichkeiten der modernen Technik und der Betriebsorganisation ausgenutzt werden, um die Leistung des einzelnen Arbeiters ergiebiger zu gestalten. Die geplante weitere Maschinisierung und Mechanisierung der Produktion könnte bei verkürzter Arbeitszeit und sozialen Verbesserungen den Arbeitern den Weg zur wirtschaftlichen und kulturellen Hebung bahnen. Es muss aber„zur Ehre der Arbeit" im Dritten Reich gesagt werden, dass an solch marxistische Ziele nicht gedacht ist. Die deutsche Rationalisicrungsaktion von 1938 hat weder soziale noch kulturelle Zwecke, sie ist der Ausdruck einer Höchstausbeutung des deutschen Arbeiters, der erreichte Mehrertrag der Produktion ist ausschliesslich der Erzeugung von Mordwaffen gewidmet. Die Rationalisierung ist sicher nicht die letzte Parole des ständig im Aufbruch befindlichen Hitlerismus, sie wird nicht nur an der wachsenden Finanz- und Rohstoffnot scheitern müssen, sie wird sich nicht zuletzt, soweit es sich um Arbeitsbereitschaft der unterdrückten und ausgebeuteten Massen handelt, als eine Fehlinvestition erweisen. S. A. Roicli«cloiit«ohe in Trade-Union« l>.%F wird nlobl anerkannl In Glasgow drohte kürzlich beim Bau der Empire-Ausstellung der Streik von 800 Holzarbeitern, weil vier Deutsche sich weigerten, in die Gewerkschaft der Holzarbeiter einzutreten. Die Deutschen behaupteten, sie seien organisiert und wiesen ihre Karlen von der Arbeitsfront vor. Sie wurden aber von den Funktionären der Gewerkschaft belehrt, dass ihre Nazi-Organisation im freien England nicht anerkannt werde. Schliesslich erklärten die vier Deutschen ihren Beitritt zur Amalgamated Society of Woodworkcrs. Sie handelten damit anständiger und vernünftiger als ihr„Führer", der sich bekanntlich als eingeschworener Gelber aufs äusserste weigerte, in die Wiener Bauarbeifergewerkschaft einzutreten. es mit dem Wort Longuets, Enkel von Kprl Marx;„Die Weltanschauungen be- kämpfen einander nicht, sondern sie bauen einander gegenseitig auf." Also: mehr To- eranz, Loyalität, Menschlichkeit, Ritter- '. keit und Freiheit für den Kampf des jei