5-43 Nr. 322 SONNTAG, 20. August 1939 EN AVANT! Hebdomadaire en langue allemande Redaktion und Verlag: 30, Rae des Ecoles, Paris-5. Telephone: Odeon 42-58 i Oo- Aus dem Inhalt: Antwort an Emil Ludwig Nazi-Aufsichtsraete Entnervtes Deutschland Prix: ITrs. 1,50 In memoriam Weimar '•• Die Tragödie einer iniTerstandeiieu Verfassung Am 14 August waren zwanzig Jahre i �fangen, seit die Verfassung von 1 e'niar in Kraft getreten war. Am 11. |.|jgust 1919 wurde sie vom Reichsprä- '�nten Ebert unterzeichnet, am 14. er- hien sie im Reichsgesetzblatt und trat 'nit in Kraft. Weniger genau lässt sich feststellen, l:t|in diese Verfassung ausser Kraft ge- ist. Das letzte, sicher feststellbare '"um ihrer Geschichte ist der 30. Ja- > 1933. An diesem Tage legte näm- Uch Hitler in die Hände Hindenburgs v n Eid auf sie ab. An demselben Tag fsicherte der neue Reichsinnenmini- jj' Ffick den Vertretern der Presse, nie- l�'Ud denke daran, die Presse zu kne- f."n' die neue Regierung lege Wert auf � e freie Meinungsäusserung, auch he- eine politische �'chtigte sie nicht, zu verbieten. � 0n einer Auflösung des Reichstags 1� schon damals die Rede. Die ."'schnalionalen, ohne die die neuer- (."""de Regierung nach den Regeln der � ussung keinen Tag leben konnte, •' erstrebten ihr lebhaft. Sie gaben i|�n Widerstand erst auf, nachdem U'1'" ihnen sein Ehrenwort gegeben 1�'' dass auch nach den Wahlen an Zusammensetzung des Kabinetts s geändert werden solle. Hi !;■ r'srh beschworene Verfassung, keine l �Erünkung der Pressefreiheit, Fort- Ij.■,nd aller politischen Parteien, par- ]'"larische Koalitionsregierung Ha V�lgenberg auf dem Boden dieser Hei j'ssung, Ehrenwort des neuen �skanzlers, dass an diesem Zustand �? geändert werden solle— das war jjl äussere Anschein der Dinge vom ''Otlll r*».'------ CiO TT7„1� 1 O O Q wieder sehen in den Aeusserungen des demokratie, die das bewunderte Vorbild Führers die einzige Quelle Staatsrecht- aller sozialistischen Parteien der ganzen lieber Erkenntnisse. Ab und zu verlau- Welt war. Jene Sozialdemokratie war in tet, dass die jetzige ungeschriebene all ihren Strömungen und Richtungen Rechtlosigkeit dereinst in eine geschrie- vollkommen einig zu verlangen, was in C�."er\acht zum 28. Februar Hess 'H19 c'en Reichstag anzünden. Aber �1'Eeses Ereignis wurde nicht zum 'l|t.fKs, genommen, die Verfassung in «ie'"orjn abzuschaffen. Man schaffte nicht ab, man beschränkte sich iJL"f. sie zu brechen, indem man den lrj(!'"Unistischen Abgeordneten den Zu- Di,,].'"ju Reichstag verwehrte, sozialde- er|jr:"ische Abgeordnete willkürlich �'"fete und durch Terror ein verfas- �''Iriges Ermächtigungsgesetz er- l)i(. Has geschah am 23. März 1933. tijj. Ozialdemokraten, die geschlossen �ih.i e'n stimmten, blieben eine kleine V/ jener Zeit gleicht die Verfassung *if(| Ruine, die stückweise abgetragen Ruckweise in sich zerfällt. Was geblieben ist— wie der immer "'cht abgeschaffte diätenfressende slag" oder die allgemeine„Volks- hat den ursprüngli- •'uiiar bis zum 28. Februar 1933. �>ung Nu J n Zweck vollkommen ver- rs h secflse3nf,a'b Jahren der Nazi- V'"R ist die Verfassung von Wei- �' Urch kein neues Staatsgrundge- worden. . fuatsgelehrten des Dritten Rei- Sz s'cf1 jetzt auch noch nicht Sh h r darüber, was heute in ,ViHp< aud Verfassung ist. Die einen >ein� Verfassung sei nicht mehr zu lesen, sondern in den !r da•' und sie berufen sich dabei S kpS Beispiel Englands. Nun aber ist Ncj�/'tige englische Staatsrecht das %. nicht eines Staatsstreichs, son- �'Her zweihundertundvierzigjähri- riedlichen Entwicklung. Andere bene verwandelt werden soll, doch immer wieder wird es davon stumm. Die versprochene Verfassung des Dritten Reiches lässt auf sich warten. Man darf diesen Zustand aufrichtig bedauern. Denn hätten wir eine geschriebene Verfassung des Dritten Reiches, so wüssten wir wenigstens ganz genau, wie die Verfassung des vierten nicht aussehen darf. Der bei manchen Leuten noch immer beliebte Ruf „Nie wieder Weimar!" könnte dann durch einen anderen, vernünftigeren ersetzt werden. Einstweilen, solange das neue Schlagwort nicht gefunden ist, möchten wir dem Wunsch„Nie wieder Weimar!" einen anderen hinzufügen, der sich nicht so schlagkräftig formen lässt: den Wunsch nämlich, eine künftige Verfassung nach dem Sturz Hitlers möchte mit mehr politischem Verstand behandelt werden, als die Verfassung von Weimar behandelt worden ist. Gewiss hat diese Verfassung Fehler gehabt, aber der schlimmste Fehler lag nicht an ihr, sondern an denen, die sie nicht verstanden. Wer sich nicht darauf beschränkt, Einzelheiten an ihr zu kritisieren, wer sie in ihrem Wesen verwirft, wer sie ihres Geistes, wegen anklagt, der sojl sich zum mindesten darüber klar sein, dass er sie nicht allein auf die Anklagebank setzen kann, sondern dass er noch einige andere da- zunehmen muss. Zum Beispiel die Sozialdemokratie, und zwar nicht die nach 1914, sondern die vor 1914, jene Sozial- der Verfassung von Weimar Wirklichkeit wurde. Allgemeines, gleiches, geheimes, direktes Verhältniswahlrecht in Reich. Staat und Gemeinden, Frauenwahlrecht, Koalitionsfreiheit, Pressefreiheit, Redefreiheit, Vereins- und Versammlungsfreiheit, das waren Forderungen, in denen sich alle— Bebel und Vollmar, Kautsky und Bernstein, Rosa Luxemburg und Ludwig Frank— zusammenfanden. Sie alle muss man mit auf die Anklagebank setzen, wenn man „Weimar" auf die Anklagebank setzt. Diejenigen, die„Nie wieder Weimar!" sagen, müssten sich auch darüber klar werden, ivas nie wieder sein soll. setzen nicht zuwiderlaufen, Vereine oder Gesellschaften zu bilden. Dieses Recht kann nicht durch Vorbeugungsmassregeln beschränkt werden. Für religiöse Vereine und Gesellschaften gelten dieselben Bestimmungen." Soll das nie wieder sein? „Die Arbeiter und Angestellten sind dazu berufen, gleichberechtigt in Gemeinschaft mit den Unternehmern an der Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen sowie an der gesamten wirtschaftlichen Entwicklung der produktiven Kräfte mitzuwirken. Die beiderseitigen Organisationen und ihre Vereinbarungen werden anerkannt. Die Arbeiter und Angestellten erhalten zur Wahrnehmung ihrer sozialen und wirtschaftlichen Interessen gesetzliche Vertretungen..." r, r, i i n■ u•,■ n Soll das alles nie wieder sein? Sind es „Das Djutsche Rerch ist eine Re- diese Bestiniinungen der verfassun& die den Ruf„Nie wieder Weimar!" begründet erscheinen lassen? Oder welche sonst? publik. Die Volke aus." Staatsgewalt geht vom Soll das nie wieder sein? „Jeder Deutsche hat das Recht, in- ■ ,uerhnlh der Schranken der allgemeinen Gesetze seine Meinung durch Wort, Schrift, Druck, Bild oder in sonstiger Weise frei zu äussern. An diesem Recht darf ihn kein Arbeitsoder Angestelltenverhältnis hindern, und niemand darf ihn benachteiligen, wenn er von seinem Recht Gebrauch macht". Soll das nie wieder sein? „Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder Erlaubnis friedlich und unbewaffnet zu versammeln... Alle Deutschen haben das Recht, zu Zwecken, tfie den Straf ge- fVälder werden brennen! Der Kriegr macbl Deulsehland zur Wüste Von dem Zustand, in dem sich Europa| noch die beste Aussicht, unversehrt zu sei im allgemeinen, Deutschland im besonderin nach einem neuen mehrjährigen Krie ge befinden wird, kann man sich'nur schwer eine Vorstellung machen. Ein grosser Teil der jetzt lebenden Menschen wird den Tod finden, wie aber wird die Welt aussehen, die den Ueberlebenden verbleibt? , Wenn man gewisse Erörterungen, die jetzt in englischen Zeitungen gepflogen werden, ernst nimmt, und das muss man leider, dann gewinnt man von dem Deutschland, das nach dem Kriege bleiben wird, eine geradezu grauenhafte Vorstellung. Es wird ein Deutschland ohne Wald sein! Bei der Untersuchung der Frage, wie man im Kriegsfall ohne zu hohes eigenes Risiko den Feind am wirksamsten schädigen kann, sind englische Militärfachleute zu dem Resultat gekommen, dass sich die Luftangriffe vor allem gegen die deutschen Wälder richten sollen. Einige kleine Brandbomben •jus leichten, schnellen Flugzeugen geworfen, können mit fast absoluter Sicherheil grosse Waldflächen in Brand setzen. Em Verfehlen des Zieles ist auch dann unwahrscheinlich, wenn der Abwurf aus grössten Höhen erfolgt. Nadelhölzer, an denen der deutsche Wald so reich ist, bilden zu jeder Zeit ein ausgezeichnetes Brennmaterial, aber auch Laubwälder können, wenn man das geeignete Wetter dazu wählt. sehr leicht der Vernichtung überliefert werden. Ein einziges schnelles Flugzeug, in 6-7.000 Meter Höhe fliegend, kann ungeheure Verheerungen anrichten und hat dabei| ncr Basis zurückkehren zu können Die Anhänger dieses Planes nehmen an, dass mit den Wäldern zugleich grosse Mengen von Nahrungsmitteln zugrundegehen werden. Ausserdem weisen sie darauf hin, dass sich zahlreiche getarnte Flughäfen gerade inmitten von grossen Wäldern befinden, sodass man diese Wespennester ausbrennen kann, ohne direkt in sie hineinzugreifen. Ferner rechnen sie auch mit der psychologischen Wirkung, die solche ungeheure Bnmdkatastrophen auf die Bevölkerung ausüben werden: der Anblick des Feuermeeres, die ungeheure Rauchentwicklung usw. Sie erinnern daran, dass dci Rauch der grossen russischen Waldbrände im Herbst 1938 vom Winde bis nach Schweden getrieben worden ist. Werden diese Phantasien Wirklichkeit— und leider sind es nicht nur Phantasien— dann wird Deutschland nach dem Krieg ein Land ohne Wald sein. Schwarzwald und Odenwald, Thürigerwald und der Harz, das Riesengebirge und die Alpen werden verkarsten. Kann man sich das Ausmass einer solchen Katastrophe vorstellen? Deutschlands klimatische und Bodenverhältnisse fordern eine starke Bewaldung, wenn da; Land fruchtbar bleiben soll. Verbrannte Wälder, unfruchtbare Felder, kein„Lebensraum" mehr im eigenen Land, die Städte in Trümmer geschossen, eine deprimierte, halbverhungerte, kriegsverrohte Bevölkerung zwischen Trümmern hausend— Deutschland nach Hitler! Man kann die Verfassung von Weimar auch nicht auf die Anklagebank setzen, ohne die Verfassungen des britischen Empire, der Vereinigten Staaten, Frankreichs, Belgiens, Hollands, der Schweiz, Dänemarks, Schwedens und Norwegens ihr zuzugesellen. Sie sind alle demselben Geist entsprungen, und jene deutschen Emigranten, die„Weimar" verfluchen, müssen sie alle mit verfluchen. Die Verfassung des Deutschen Reiches nach Hitler wird bestimmt nicht mehr die von Weimar sein. Sie wird sich in vielen Einzelbestimmungen von jener unterscheiden, sie wird, so muss man hoffen, das, was die Verfassung von Weimar gewollt hat und was zum grossen Teil unverstanden und darum toter Buchstabe blieb, kraftvoll lebendig werden lassen. Sie wird auch, so darf man hoffen, keine Verfassung von Weimar, sondern eine Verfassung von Berlin sein, denn diese Schmach darf sich nicht noch einmal ereignen, dass eine verfassunggebende Nationalversammlung des gleichen Wahlrechts aus der Reichshauptstadt in die Provinz flüchten muss, um dort, ungestört von irregeführten Massen, dem Volke seine Freiheitsrechte zu geben. So verstanden, hätte das Wort„Nie wieder Weimar!" seinen guten Sinn! F. St. Zwei lleden Am 9. September 1918, in der Zeit, als in Deutschland das Schwanken des Kaiserreichs bereits deutlich fühlbar war, fuhr Wilhelm der Zweite, der oberste Kriegsherr, nach Essen, um vor den Krupp'schen Arbeitern eine Rede zu halten.„Meine lieben Freunde", redete er sie an. Er sprach davon, dass der Angelsachse keinen Frieden wolle, und dass sie darum weiter ihre Pflicht an der Drehbank und an der Front erfüllen müssten. Am 10. August 1939 fuhr der Oberbefehlshaber des deutschen Heeres, Generaloberst von Brauchitsch nach Düsseldorf, um in den Rüstungswerken der Rheinmetall-Bor- sig A.-G. eine Rede an die deutschen Rü- stungsarbeiter zu halten. Als Arbeitskameraden- und Kameradinnen redete er sie an. Von Englands Kriegs- und Siegeswillen sprach er, und davon, dass es, wenn Hiller den höchsten Einsatz fordert, keinen anderen Weg gebe, als ihm zu folgen. Sei es als Arbeiter, sei es als Soldat. Die Krupp'schen Arbeiter hörten im Jahre 1918 den Kaiser mit eisigem Schweigen an. Die Düsseldorfer Arbeiter schwiegen auch. Sie müssen heute noch schweigen, so wie ehedem die Arbeiter von Essen. Es wehte bei der Rede Brauchitsch ein nicht minder eisiger Hauch als damals im Jahre 1918. Die Arbeiter denken nach. Sie ziehen Parallelen. Was wird kommen? Wieder ein frivoles Spiel mit dem Leben des Volkes? Wieder eine lange Zeit schwerer Opfer und danach ein Zusammenbruch der Herrschenden? Wieder ein Leuchten der Freiheit? Aber diesmal nicht nur für wenige Jahre! Das ist ihr schweigendes Gelöbnis. Die anderen Eine hall»o Million polltisolie Gefanvcne in Douisctalantl In„L'Ordre" vom 12. August ist ein Artikel von Max Braun erschienen, der eine unwiderlegliche Antwort auf die Behauptung von Emil Ludwig enthält, dass es kein„Anderes Deutschland" gebe. Die Antwort besteht in der Wiedergabe einer Gestapostatistik über die Zahl der politischen Gefangenen in Deutschland am 10. April 1939. Sie lautet: Boliles Werk in England Auslandsdcnfsehe und engli«olie Organfcalionen— Tlic JLink und I.R.A« Der„Neue Vorwärts" hat in seiner' 27. April. Schulungsabend für Parteige- ländern Einfluss zu gewinnen, die sieb Nummer vom 13, August auf die Unter- uossinnen. vornehmlich um drei englische Organisa* nehmungen des Dritten Reiches gegen L Mai. Feier des Tages der nationalen tionen kristallisieren; Peace PIed9e die britischen Machtpositionen im Na-j Arbeit. Unibn, The Link und Anglo-Gennan Ff hen und Fernen Osten hingewiesen. H- Mai. Schulungsabend für Parleige- lowship. Nicht weniger aktiv ist die deutsche Pro-; nossen: j Die Peace Pledge Union, die„Verei- Tanzabend der deutschen Ko- c., �,_v.,„ vor, mgung zur Sicherung des Friedens, ver-[ paganda und fionsarheit" die England deutsche„Informa- 19* Mai. selbst. Haiipt-jlonie* träger dieser Tätigkeit sind die in Eng-; 25. Mai. Schulungsabend für land ansässigen Deutschen, von denen nossinnen- nach Bohles Wort jeder einzelne ein Ex- 8. Juni. Schulungsabend Wir P�rteige- ponent des Nationalsozialismus ist. nossen. Uebcrnimmt der Auslandsdeutsche Juni; � �Sammlung. nicht freiwillig die ihm zugewiesene 22- Jl,nl- Schulungsabend für Parte.ge- Propaganda- oder sonstige Tätigkeit für das Reich Hitlers, so wird ohne alle, Zimperlichkeit nachgeholfen. Wer Angehörige in Deutschland hat. wer in wirtschaftlichen Beziehungen zu deutschen nossinnen. Parleiae-1 tritt die Anscliauung. dass der Frieden nur erhalten werden kann, wenn eine Einigung mit dem Reiche Hitler's f- folgt. Sie wünscht eine Politik der absoluten Nachgiebigkeit gegenüber den Ansprüchen des heuligen Deutschland, i"11' sie stellt ihre Organisation willig in den »* Dienst der deutschen Auslandsorgan'" sation. Sie arbeitet eng zusammen®'' Die Leitung und Kontrolle dieser Or- dem deutschen„Bund zur Pflege per' ganisutionen und ihrer Veranstaltungen sönlicher Freundschaften mit Auslän* � erfolgt in der Regel durch Abgesandte dern", dessen Ziel es ist, durch Brief' Firmen steht, wer mit der Möglichkeit ilohles, die als Angestellte deutscher Wechsel und durch gegenseitige Besuche oder mit der Notwendigkeit seiner Rück- Konsulate und Legationen die Vorteile Ausländer im Interesse des Dritten Rei- kehr ins Dritte Reich rechnen muss.jder diplomatischen Exterritorialität ge- ches zu beeinflussen. kann sich den Anforderungen der deutschen Auslandsorganisation nicht entziehen. i niessen. Andere werden als Journalisten bezeichnet. In England gibt es zur Zeit Die Anglo-German Felloivship,■ „Englisch-Deutsche Gesellschaft". � annähernd hundert deutsche Journali-;"TT'8""" 1'... sten. die vorgeben. Goebbels gleichge- n pha"Pt�cH1lch l.darll™>££ .....„.Ai,-Bissieiche Englander durch unablassiÜf Schuf:bäf Hinge: Allreich.................. 162.734 Oesterreich............... Sudetenland............... Protektorat............... schaltete Presse zu informieren wäh- p anda den deutschen wönscbc» rend umgekehrt die Presse Englands ins-.,i}nsti zu gtiininen Sie zählt eng!ischc rtocomr vxx-'i n*7 1 cf Kon r» n tot'c t or t noon.... i-. Eng ist das Netz dieser Organisation über England gespannt. England ist in fünf Arbeitsbezirke eingeteilt. Die,• r>■ ut»»•___ i, n------«-———. Hauptorganisation ist in London. Jeder!«esam, zw�nzi'' Berichterstatter nach Parlamentarier, hohe Militärs. Indusb" einzelne Bezirk steht unter der Führung Deutschland entsandt hat. e]le lind Bankiers zu ihren Mitglieder� eines Stiilzpunklleiters, der seinen 1« Mai hat die langmütige englische In ihrem Vorstand sitzt der Admiral-sir reichsdeutschen Auftraggebern dafür Regierung zwei von diesen deutschen Barry Domvile, der zugleich Vorsit»"' verantwortlich ist, dass ihre Aufträge in Journalisten ausgewiesen: Dr. Thorst,\der des„Link" ist. ! seinem Bezirk ausgeführt werden. Ne- einen Vertreter des ölkischen Beob- unjc> ai]f deutsch Mp)as Bind� ' 1' ben der nationalsozialistischen Partei be- achters, der in seinem Buch„Em Na- �jed", ist eine 1937 gegründete engl'� al- tionalsozialist in England ein sehr Organisation, die heute zirka 4.000 f''" glieder hat und 35 Zweigstellen up'er' hält. Sie bezeichnet sich als„unabhä"? ge, nichtparteimässige Organisation zU Förderung der englisch-deutsc� 5.612 43.284 stehen in England die anderen nationalsozialistischen Organisationen: die Arbeitsfront und„Kraft durch Freude", Polnische Angeklagte: Hitler-Jugend und Bund deutscher Mäd- AHreich.................. z/.ouu Oesterreich................ Sudetenland................ Protektorat................ Endgültig Verurteilte: Altreich........... Oesterreich......... Sndetenland......... Protektorat......... 8.576 oben, der deutsche Hilfsverein und das 1.384 Winter-Hilfs-Werk, die Frauen-Arbeits-' 9.613 Gemeinschaft und die deutschen Schulgesellschaften. Alle bearbeiten und kontrollieren ihre mütiges Bild von der Vielseitigkeit sei- 112.432 13.876 1.912 854 ner unter der Flagge des Journalismus betriebenen Tätigkeit für das Dritte Reich entwarf. Der zweite ausgewiesene Journalist war Dr. Bösel, der als Vertreter der Essener„National-Zeitung' firmierte, und der organisatorisch und propagandistisch tätig war. Er war Stütz- Gesamtziffer der politischen Gefangenen insgesamt in„Grossdeutschland" einschliesslich Protek-- torat...................... 436.598 Seitdem ist diese Zahl beträchtlich gewachsen. Wer wagt angesichts dieser Zahlen noch zu behaupten, es gebe kein„Anderes Deutschland"? Mitglieder mit grosser Intensität. In Lon- punktleiter und hatte sein Büro in den don allein unterhält die deutsche Ar- Räumen eines bekannten deutschen Ge- beitsfront drei getrennte Ortsgruppen: schäftshauses in London, ein larnungs- London-Südost, London-Mitte und Lon-; s.vstem. das schon wiederholt von deut- don-Süd. In gleicher Weise ist die na- schen Agenten in England und auch in tionalsozialistische Partei in London anderen Ländern angewendet worden aufgegliedert. Sie hält allwöchentlich el- ist- Auch d.ie deutschen Reisebüros, von nen Mitgliederappell ab, der als Schu-'teuen allein vier in London unterhal- lungsabend bezeichnet ward. Das Pro- ten werden, sind Zentren nationalsoziali- gramm der Ortsgruppe London-Mitte, st'scher Tätigkeit. verzeichnete im letzten Quartal folgende Veranstaltungen: 13. April. Schulungsabend für Parteigenossen. ** » (Aus„L'Ordre" vom 7. August).'rers Ein besonders wirkungsvoller Teil der ------ deutschen Propaganda in England er- 20. April. Feier des Geburtstages des Füh- to'gt indirekt. Es ist den Nationalsozialisten gelungen, auf einen Kreis von Eng- Flottenbeüneli in Niind�Tall 400 dentoelie Matrosen lesen die VTalirlieit— eine Aktion scliwer� das die Möglichkeit für einen schen Kampf gegen die irischen jjf- benleger schafft. Zur Begründung ses Gesetz wies Sir Samuel Hoar'' auf hin, dass nicht nur der � er'fj5' bestehe, sondern tatsächliche®flS0di' dafür vorhanden seien, dass ausläf sehe Organisationen das Komp lott df lirischen Terroristen geschürt habe11- regeßd ta-illi; :«1 he �siscl ••beidei •'■er Zi batte e «hen t Re Pen lietseten feeissen die linnde Per Eüiiizelliändlei* als �faalsreind Eine der vielen Anekdoten aus dem Dritten Reich, die ihren Weg über die Grenzen finden, erzählt von dem SA-Mann, der zu einem klagenden Juden sagt:„Warum jammerst Du denn, Dir hat er doch nichts vers])rochen!" Der so redende SA-Mann ist Jas Symbol der zahllosen Enttäuschten, der breiten Schichten derer, die gläubig den Versprechungen des braunen Messias Gebär schenkten, und die heute am Eigenen l-eibe spüren, was es heisst, Opfer hem- "rnngsloser Demagogie geworden zu sein. Diese Schichten werden heute im Zeichen der wachsenden Verknappung der Bedarfsartikel und vor allem der Nahrungsmittel— Motto: Kanonen statt Butter!— durch einen Typ repräsentiert, der Hitler einmal unbedingte Gefolgschaft leistete und nicht wenig— als Masse genommen— zu dem Sieg des Nationalsozialismus beigetragen hat; dem Einzelhändler. Ihm schmier- 'en die Propagandaredner des Herrn Goebbels Honig in derartigen Quantitäten ums Üaul,-wie er sie heute gerne verkaufen mächte— wenn er sie nur hätte! Die I'fimitive Phraseologie des Nationalsozia- bsnuis stiess grade in jenen klcinbürgerli- "hen, geistig ihre Nahrung aus dem ,, Lokal- Anzeiger" und ähnlichen Organen bezie- benden Schichten auf Verständnis.„Bre- chung der Zinsknechtschaft" und„Kampf den jüdischen Warenhäusern"— das wa- •"«n die Schlagworte, die ihren Eindruck l'cht verfehlten und Hiller viele tausende Stimmen einbrachten. Selten ist wohl ein Berufsstand so an der Nase geführt worden wie dieser: heute, 11,1 siebenten Jahre des tausendjährigen Beichs, haben die Warenhäuser zwar keine '•thensmittelabteilungen mehr, dafür aber die Kleinhändler keine Lebensmittel. Sie finden sich verzweifelt, um aus der pein- 'ichen Lage einen Ausweg zu finden; Kop- Mkäufe. versteckte Ware unter dem Ladentisch(für den zahlungskräftigeren Kun- den), verkürzte Geschäftszeit— das sind �'nige der versuchten Auswege. Aber ver- leblieh; sie sind die letzten in dem Waren- Jertcihingsprozess der kapitalistischen Wirtschaft, an dem der„deutsche Sozia- Ji«mus" nichts geändert hat, und... den •etzlen beissen die Hunde... Sie beissen von allen Seiten. Kein erdenk- bcher Vorwurf, der dem Einzelhändler "'cht gemacht wird. Er ist heute zum "Blaatsfoind Nr. 1." im Driften Reich geworden! , Dm sich ein Bild von diesen Schwierig- jpiten zu mächen, muss man sich darüber 'ar sein, dass nicht etwa nur Kaffee, Buf- lp. Zwiebeln knapp sind, sondern dass die -istr der begehrten und nicht oder nur Wenig vorhandenen Waren viel crösser ist. o der Fachpresse des Dritten Reichs hat i'.eh(|R eine Art Geheimsprache herausge- "det, die die einfachen Tatbestände "Knappheit" und„Nichtvorhandensein" den verschiedenartigsten Wendungen "mschreibt. So heisst es in einem Marktbc- W'bt der„Deutschen Handelsrundschau". 'cm Organ der Einzelhändler der Kolonial- Warcnbranche, von Anfang Juli: .JUarkenmehle worden verlangt, aber dicht immer prompt geliefert... Die Nachfrage nach Weizengries war gnt. nicht "inner konnte die Belieferung frist- ?rinäss erfolgen... Kaffee: der deutsche Afarkt erwartet in Kürze eine neue Ein- ■Uhrfreigabc von Brasilkaffee... Tee: die Otis der letzten Deviscnzuteiliign herein- lekommenen britisch-indischen Tees sind wom Inland restlos aufgenommen, so dass boinc Angebote mehr vorliegen... Reis: ''»s holländische Kontingent für das '�eito Quartal wurde freigegeben. Bes- ijore Qualitäten stehen nur in kleinen Mengen zur Verfügung... Hülsenfrüchte: dir Chilebohnen gab es eine geringere '•infuhr bei höheren Preisen, die Einfuhr- JäÖgiichkcitcn für Linsen und Rohnen 'äeiben angesichts der hohen Fordernn- "en der Ablader nach wie vor sehr be- J�hränkt... Trockenfrüchte: das Loco- "eschäft ist ruhig. Die Entwicklung hängt yoi" Stand der Clearingkonten mit den ,,rsPrungsländern zur Zeit der Ernte ab... 'e würze: die Nachfrage des Inlands hält "overmindert an; es ist zur Zeil sehr sch\ver. den Bedarf zu decken, da die Angeführten Mengen nicht ausreichen... ü'i'e.nöl: der starke Verbrauch yerur- pOchte die Räumung der Bestände... fischfrüchie: Zitrone: nach wie vor bei Bovingem Angebot stark gefragt; spani- 'fbe Apfelsinen: kommen reichlicher, T'cr zum grössten Teil verfault an. Zwie- bel: die Ankünfte kommen auf Grund "o1- Lenkungsaufgaben zur Verteilung..." � B>io Frage, was da eigentlich dem Le- J�mittelhändler noch zum Verkaufen "d, drängt sich nach der Lektüre dieses * �ktberichts" auf. Um nur eines hcraus- i �""vifen: der gesteigerte Speiseül-\ cr- der zu einer„Räumung der �Belle dass er alle jene kleinen Kunststückchen wieder hervorholt, die ihm in der Inflationszeit geläufig waren? Und nun prasseln die Vorwürfe von allen Seiten auf ihn nieder. Die bereits oben zitierte Kolonialwa- renhändler-Zeitschrift„Deutsche Handelsrundschau" sagt an anderer Stelle: „Unter Hinweis auf spätere Verknappung oder Verschlechterung der Ware versuchen Kaufleute, ihre alte Ware ab- zustossen. Sie säen Unruhe in die Käu- ferscljichten und handeln eines ehrbaren Kaufmannes unwürdig..." Das ist erst der Anfang des Sündenregisters. Darf der Kaufmann nicht seine Ladenhüter an den Mann zu bringen versuchen, so wird er übellaunig und behandelt die Kundschaft schlecht. Diese schlechte Behandlung prangert„Die Waage", ein anderes Detaillistenorgan, an und bemerkt weiter dazu, es handele sich um keine Einzelklage. Der Kaufmann müsse dem Kunden bei der Warcnlenkung behilflich sein und daran denken, dass„dem Kunden die Aufgabe manch lieber alter Gewohnheit" schwerfalle. Der Kaufmann dürfe die Ware nicht wie eine tote Katze auf den Ladentisch werfen... Zu einem Grossangriff auf den Einzelhändler geht das„alleinige amtliche Organ der NSDAP für Handel und Handwerk" in «einer ersten Jnlinummer über. In diesem Blatt, das sich humorvoller Weise„Der Aufbau" nennt(„Abbau" wäre richtiger) heisst es unter dem Titel„Ein offenes Wort": „Heute sollen in aller Offenheit Dinge besprochen werden, die bereits im Volksmund Gegenstand härtester Kritik am Handel sind. Wir leben im Augenblick in einer Zeit der Warenknappheit auf vielen Gebieten des täglichen Lebens. Man schaue nur heute in einen Fleischerladen, mifwelcher Riltstellermiene die Hausfrau nach einem Stückchen Fleisch verlangt... Die vernünftig denkende Käuferin sieht ein. dass knapne Waren nur an Stammkunden und nicht an fremde Hamsterer abgegeben werden. Was sie aber nicht einsieh! und nicht verzeihen wird, ist die selbstherrliche Miene des Verkäufers, der als unsekrönter König anscheinend über das Mittagsmahl entscheiden kann. Denken wir an die Inflationszeit zurück, aus der noch manche bittere Erinnerung der städtischen Bevölkerung gegen das Bauerntum herrührt, weil manche Bauern damals ihre Machstellung als Erzeuger in der gleichen'Weise den Schwächeren, weil Hungrigen, gegenüber zum Ausdruck gebracht haben..." In der gleichen Weise nämlich, wie heute der Einzelhändler es tut... Der„Aufbau" fährt dann fort: „Wir wollen gar nicht all die vielen Dinge aufzählen, die dem Handel heute vorgeworfen werden. Es ist besser, auf eine automatische Folge hinzuweisen, nämlich auf einen neuen Auftrieb der Handeisfeindlichkeit. Der Kleinhändler wird antworten: den Letzten beissen die Hunde. Mit mir machen es die Markthalle und der Liferant genau so und verlangen Koppelgeschäfte..." Das Blatt muss zugeben, dass diese Klage nicht der Grundlage entbehre, aber: „...wer nicht selber vorangeht, hat kein necht, von anderen Opfer zu verlangen. Wir sind im Augenblick dabei, im Handel eine Berufsbereinigung vorziibereiten und übersetzte Betriebe zu schliessen. Es wäre unangebracht, nicht nur auf die Ren- ! tabilität zu achten. Es sollten auch Betriebe geschlossen werden, die dem Verbraucher eine falsche Meinung über die I Tätigkeit und Aufgabe des Handels vermitteln..." Wie sieht aber diese Aufgabe aus? Das bat der Dr. Ley, der„Führer" der sogenannten„Arbeitsfront", der Nntzniesser ides gestohlenen Gew�rkschnfts Vermögens, kürzlich klassischer Weise folgcndermas- sen formuliert: „Man muss nicht handeln, was man handeln kann, sondern man handelt, was man handeln muss. Das ist die politische Aufgabe des Kaufmanns... Jeder Kaufmann muss gegenüber der Kundschaft bereit sein, Partei und Staat zu schützen. Er darf nicht mehr sagen: Ich höre nicht, was meine Kunden sprechen..." Der arme Dclaillist, der keine Ware zu verkaufen hat, demgegenüber es„Markthalle und Lieferant genau so machen", soll i also auch noch den Gestapospitzel bei seinen Kunden spielen! Wird er all diesen Anforderungen, die an ihn gestellt werden, nicht gerecht, dann riskiert er, dass man ihm eines Tages den Laden schliesst und ihn als Schipper an den„Westwall" oder nach üsfpreussen verfrachtet, wo er schon den Prisenrgehilfen aus dem Laden von nebenan treffen kann, der ihm vorausgeschickt worden ist. Das bedeutet nämlich die Phrase von der„Berufsreinigung", wie es ein Artikel des„Schwarzen Korps" sehr deuHich zum Ausdruck gebracht hat. Das Organ der SS verlangt da„Entkrämcrung" des Handels,„Leistungssteigerung des Verteilungsapparats" und eine„Umleitung überzähliger Unproduktiver". Es müsse die Zeit liquidiert werden, in der der Krämer mehr galt als der Erzeuger... Darum macht man aus dem Bntterhändler und dem Grün- kramfritzen Erzeuger von Schützengräben und Tankfallen... Gegen die„Koppelkäufe" hat der Reichs- kommissar für Preisbildung eine sehr scharfe Verordnung erlassen, in der es heisst: ..... Auch Waren, die zeitweilig knapp sind, müssen ungekoppelt verkauft werden. Wer einen Käufer nötigt, zuvor oder zugleich andere Waren zu kaufen, um eine bestimmte Ware zu erhalten, verteuert damit die Kosten der Lebenshaltung des einzelnen Volksgenossen. Kop- nelnncskäufe von Lebensmitteln sind deshalb Verrat an der Volksgemeinschaft..." Seit dem 1. Juli ist ein einheitliches und verschärftes Preisstrafrecht in Anwendung, das ausser Freiheitsstrafen mich Geschäftsschliessung und sogar Ausschluss ans dem Bernfsstand vorsieht. Ob damit die Lcbcnsmittelmisere behoben wird, scheint mehr als fraglich, ja sogar ausgeschlossen. Inzwischen jedoch erfährt man von einer neuen Erscheinung, die in die Zeiten des primitivsten Tauschhandels zurückführt. Wie das„Schwarze Korps" meldet, wurden die Kosten für Abschrift eines Trauzeugnisses in einer katholischen Pfarrei in Höhe von Mk. 9,60 nicht mit Geld, sondern mit— einem entsprechenden Quantum Kaffee beglichen. Diese neue ..Kaffee-Währnnlg" soll auch anderweitig schon festgestellt worden sein, was das „Schwarze Korps" zu einem Wutausbruch und zu der Feslsleliung veranlasst, die in Deutschland übliche Münze sei die Reichsmark... Entnewtes Pentsdiland Eiixureclinnngjsrälii�e Aich ranken Wärter— Ueberreizte Passanten AICl*>11 t 1 11 v. i•■• O "Xle" geführt hat, ist natürlich eine Fol- v0 ,le'" Butter- und Feltknappheit, die zu ij�'äckler Nachfrage nach Ocl führt. Es ,l„Vlie Geschichte von der Armut, die von Roverle kommt... Ist - M es ein Wunder, dass der Kaufmann da ''ügt, sich zu drehen und zu winden, Am 5. August ereignete sich in Potsdam- Rabclsberg ein furchtbares Verkehrsnn- glück. Ein Sladtomnibus passierte die offenen Bahnschranken, wurde von einem in rascher Fahrt herankommenden Güterzug erfasst, vollkommen zertrümmert und noch 300 Meter weit geschleift. Aus den Trümmern hat man sieben Tote und sechzehn Schwerverletzte geborgen, von denen inzwischen vier ihren Wunden erlegen sind. Bei der Untersuchung stellte es sich heraus, dass der Schrankenwärter, der an dem Bahnübergang Dienst tat, die Schranken vorzeitig geöffnet hatte. Der Mann ist verhaftet worden. Wer die deutsche Provinzpresse aufmerksam verfolgt, wird ähnliche Unfalls- , berichte allwöchentlich entdecken. Ja, der Zufall wollte es sogar, dass am gleichen iTage, an dem die Potsdamer Katastrophe 'sich ereignete, ein Kollege des vorhafteten Schrankenwärters des gleichen Vergehens wegen vor den Bernbnrger Schöffengericht �erschien. Schrankenwärter August Sack .ins Güsten, ein 37jähriger Familienvater, hat am 9. März 1939 die Bahnschranken vor dem Güstener Bahnhof vorzeitig geöffnet !und so den Tod des Maurermeisters Busse verursacht, der auf seinem Fahrrad den Uebergang passieren wollte, von einem herannahenden Triebwagen erfasst, mitge- .chleift und zu Tode gequetscht wurde. Der Gang der Bernbnrger Verhandlung lässt interessante Rückschlüsse auf die eigentlichen Ursachen auch der Potsdamer Katastrophe zu. Bahnwärter August Sack war, als der Unglücksfall geschah, seit zwanzig Jahren im Dienst und stand seit fünf Jahren auf dem zuletzt bekleideten Posten. Der technische Sachverständige stellte ihm vor Gericht das Zeugnis aus, er habe als pflichttreuer und sorgsamer Arbeiter gegolten und niemals Anlass zu Beanstandungen gegeben. Man wähle für das Amt eines Schrankenwärters immer ältere und erfahrene, also auch besonnene und ruhige Leute aus. Allerdings sei heute die dienstliche Beanspruchung der Schrankenwärter ungewöhnlich stark. Der wegen fahrlässiger Tötung und Transportgefährdung angeklagte Schrankenwärter selbst, der unmittelbar nach dem, Unfall in die Landes-Hcil- und Pfle- gcanstalt überführt werden musste und erst jetzt entlassen worden ist, sagte ans, er sei im Augenblick der Katastrophe durch einen 12stündigen Dienst völlig erschöpft gewesen. Der Dienst habe ihn und seine Kollegen umsomehr aufgerieben, als das Publikum sich an den Bahnschranken„unpassend" zu benehmen pflege. Wir zitieren wörtlich den„Magdeburger Generalanzeiger" Nr. 182: „Er und seine Kameraden seien wiederholt beleidigt, ja sogar schon geschlagen worden, weil sie nach Ansicht der Passanten die Schranken nicht schnell genug geöffnet hätten. Der Vorsitzende bestätigte aus eigener Anschauung diese „alltägliche Erscheinung vor den Eisenbahnschranken." „Der Arbeitskamerad des Angeklagten, der diesen gerade in der Schicht ablösen sollte, führte ans, das Verhalten des Publikums sei vielfach unerhört." Der Angeklagte erklärte, er„wolle sich nicht mit Ucbormüdung entscluddigen"— nach 12stündigrtn Dienst!—, aber er habe einfach keine Erinnerung mehr, was ihn ! veranlasst habe, die Schranken vorzeitig zu heben. Der ärztliche Sachverständige hat ;die Möglichkeit offen gelassen, dass Sack, |der übrigens an Arterienverkalkung leidet, im Augenblick des Unfalls das„Unterschei- dungs- und Hemmungsvermögen" verloren halte. Der Richter hat die Verhandhing vertagt, um die Anwendbarkeit des§ 51, Absatz 1(Ausschaltung des freien Willens) zu überprüfen. Das Ergebnis der Verhandlung ist eindeutig genug: im Dritten Reich werden übermüdete und überreizte Bahnbeamte von einem übermüdeten und überreizten Publikum bedrängt. Die einen sind vom allzu langen Dienst halb betäubt, die anderen können nicht rasch genug an ihre— gleichfalls übermässige— Arbeit kommen. Dass Beleidigungen, ja Tätlichkeiten gegen Bahnwärter eine„alltägliche Erscheinung" geworden sind, gehört in der Tat zu den Errungenschaften des erneuerlen Deutschlands. Wird der Richter, der über den Potsdamer Fall zu entscheiden hat, genau so gerecht verfahren dürfen wie der Bernbnrger Richter? Kaum. Ein Toter—'da darf das Gericht wohl milde sein, zumal über diese Verhandlung nur die Provinzpresse der nahe gelegenen Ortschaften zu berichten hatte. Aber 23 Opfer? Hier muss wohl ein unschuldig Schuldiger her, hier muss wohl die Tatsache verschleiert werden, dass die täglich sich mehrenden Verkehrs- und Betriebsunfälle zu den Folgen des deutschen Riistungswahnsinns gehören. Auf die Anklagebank gehören die nationalsozialistischen Urheber dieses Rüslungswahnsinns, die bereits abertausend Voi'kriegstote auf dem Gewissen haben. FraucnschulK Der Rcichsarbeitsminister hat die Ge- werheanfsichtsämter aufmerksam gemacht, dass„der erhöhte Frauenschutz grundsätzlich aufrecht erhalten wird". Die Beschäftigung der Frauen müsse sich im Rahmen ..ihrer körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit hallen" und vor allem dürfe die Frau durch zu starke Arbeilsbela- jstnng keineswegs in ihrem natürlichen Muf- terberuf geschädigt werden". Dieser Erlass kommt natürlich nicht von ungefähr. Vielmehr wird zugegeben, dass sich die Beschwerden über Mehr- und Nachtarbeit häufen und dass insbesondere die Arbeitszeit der Frauen„wiederholt weil über acht Stunden verlängert worden sei." Wiederholt weit über acht Stunden— vorsichtiger kann man sich in der Tat kaum ausdrücken, wenn von täglich zehn- und zwölfslündiger Schwerarbeit die Rede ist. Erlasse wie der des Reichsarbeitsministers sind in Deutschland alltägliche Erscheinungen und werden von keinem Menschen mehr ernst genommen. Auch der Acht-Slun- dentag in der Industrie ist ja laut Erlass „grundsätzlich" aufrecht erhalten worden, nur lässt man sich die Grundsätze in der Praxis um keinen Preis anmerken. Wie es in Wahrheit mit dem„grundsätzlich erhöhten" Frauenschutz gemeint ist, verrät der folgende Satz in der Veröffentlichung des Reichsarbeitsministeriums(„Nafional- Zeitnng", Essen, Nr. 216): „Soweit sich Mehrarbeit zeitweise nicht vermeiden lässt, kann für Frauen eine 54stündige wöchentliche Arbeitszeit vom Standpunkt des Gesundheitsschutzes noch unbedenklich zugelassen werden." Als unbedenklich— auch für den„natürlichen Mutterberuf"? Auch wenn zuhause ein paar Kinder der Pflege harren? Das glaubt der Minister wohl selbst nicht. mh/w emVM�efvto#v: n Ueberail in Uebersee begründen deutsche Emigranten mit geringem Kapitalaufwand eine solide Existenz durch Einrichtung einer LEIHBIBLIOTHEK Unentgellliche Beratung, günstigste Belieferung durch Dr. Ernest STRAUSS AGENCE DE LIBRAIRIE FRANCAISE ET£TRANGeRE 2, Square Leon-Guillot Paris(XVe) Alle Neuerscheinungen— Antiquariat Neuantiquarir.t Einrichtung und Belieferung von Leihbüchereien Portofreier Versand nach Argentinien, Uruguay, Chile, Peru, usw. MASSAGE, PEDICURE, MANICURE Diplomiert, Damen und Herren •MADAME VIVIANE 247, Faubourg St-Martin- PARIS(10°) Metro: Louis Blanc MASSAGE, PEDICURE, MANICURE GESICHTSMASSAGE für Damen und Herren 73, rue de la Victoire ZU SC HIN Ell DEZ- und NAEIH SCHULE! Umschulungskurse für Auswanderer In Zuschneiden und Naehen Mit meiner patentierten Erfindung erlernen Sie Naehen und Zuschneiden in garantiert 8 Tagen. Billigste Berechnung. Auskünfte jederzeit kostenlos. 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Ueberdies ist daraus zwi- fchen einigen von ihnen bereits eine leb- Wle Polemik entstanden. Aber, da Emil Ludwig es für richtig 'c't, öffentlich in einer französischen �'tung Partei zu ergreifen für diejenigen, l!',■ behaupten, dass es nie etwas anderes W und nie etwas anderes geben wird als k eine Deutschland, das heule von Hitler �ckörpert wird, sehe ich keinen Grund Mir ein, die Zurückhaltung zu bewahren, '''- ich mir auferlegt hatte. .Gewiss, ich fürchte sehr, dass das Zeug- J's von Emil Ludwig für das Urteil vieler Wer von vornherein schwerer ins Ge- jj'icht fallen wird als mein Protest dagegen. W'l Ludwig geniesst allenthalben sehr zu "■'ht, auf Grund seiner fesselnden histori- Belletristik den Ruf eines glänzen- '"n Schriftstellers, und meine Dienste, die �«is aussenpolitische'r Redakteur des »»or-wärts", des Zentralorgans der deut- Sozialdemokratie, vierzehn Jahre a isI geleistet habe,— während der„vier- Wn Jahre der Schmach" der Weimarer 'T'iiblik, wie Hitler zn wiederholen pflegt, "7 sind weniger offenkundig. Sie halten für mich mindestens den Vorteil, dass p von Tag zu Tag, und inmitten des ampfes und bis zum Ende den Wechsel- ■�"en des deutschen Dramas folgen konn- anstatt wie er ihnen mit philosophi- '"»env Abstand, und meistens nur von wei- in der Ruhe der italienischen Riviera, per vom Schweizer Ufer des Lago Mag- 'kc aus zu folgen... Mit einer Unterwürfigkeit, an die wir e' Emil Ludwig bisher nicht gewöhnt wa- j6'1. besieht er darauf. Abbitte zu leisten. p'V'iss fehlt es ihm nicht an Anlässen zur �'ne. Er könnte sich zum Beispiel ankla- �n> dass er vor dem deutschen Bürgertum /s I-oblied Mussolinis gesungen hat, und •'s zu einer Zeit, als sich bereits der Schat- j"k dos Faschismus gefährlich über Deutsch- jj"1'! senkte, als die Propaganda Hitlers an �en gewann, nicht zuletzt dank der ila- p-nischen Subsidien. Emil Ludwig könnte u.8'- da die Gewallstreiche der Achse eine o'ikatastrophe herbeizuführen drohen. ■/oiitlich bedauern, dass er in Vorträgen jie Vergewaltigung Abessyniens verteidigt , Aber nein! Die Schuld, deren er sich l'�ichtigt, ist, dass er in den Zeiten der j.''iniarer Republik mitgeholfen hat,„die .�'•nde Deutschlands in Frankreich zu "arlcen.» ,■''"icht.nur aus Gründen der Würde, son- '® auch um der historischen Wahrheit l'len, lehne ich für meine Person dieses . culpa ab. Vor allem tue ich es, weil .�l,, aufrichtig waren und auch weil wir ."ssten, dass nur ein dauernder Sieg der jachen Demokratie über ihre inneren (,�nde Europa und besonders Frankreich 'e Sicherheit und den Frieden garantie- j.|" konnte. Wir waren uns vollkommen darüber, dass an dem Tage, an dem NVcimarer Republik endgültig zerbre- r'6n"würde, die Aera der äussersten Auf- l�tung, der Zerreissung der Verträge, der fJfjhiingcn, der Gewallstreiclic und der Er- [�•"dngen beginnen würde, gemäss dem �Srainm von„Mein Kampf". Weil wir das wussten, haben wir so„ver- �cifelt" gekämpft, wie Emil Ludwig sagt, Ul,d nicht nur bis zum Tode von Strcse- der nach Emil Ludwigs eigenem ,|'Spruch, für ihn das Signal war, die frische gegen die gewiss bequemere "�'eizerische Staatsbürgerschaft zu ver ,(!i'i,'ben.— sondern bis zum bitleren En- Hj." End ich füge hinzu, auch wenn ich da y.1' einige Leser in Erstaunen versetze, dass rj,'.'n Wirklichkeit Schiffbruch im Hafen \('"o'n haben. Den« Hitler wurde an die berufen, als er ber.eits im Abstiege (?r' im Verlauf von Umständen und Zu- �. deren nochmalige Erörterung hier � langwierig wäre. Wir besitzen über dic- m Page ausserdem das wertvolle Geständ- Y von Goebbels selbst in seinem Buch: j"*1 Kaiserhof zur Reichskanzlei". lj(.f!n Dezember 1932 und im Januar 1933 sich die Nazi-Partei in einer finan "'cn und moralischen Krise, von der die Parteiführer fürchteten, dass sie nr,i I'idc bedeuten würde. Sie halte zwi- 0n den beiden Reichstagswahlen vom Iii und vom 6. November, also in drei mehr als zwei Millionen Stimmen verloren; und diese Auflösung ging weiter und sie wurde deutlicher von Woche zu Woche, wie alle Lokal-Wahlen im November und Dezember untrüglich bewiesen. Zweifellos war das sogar der Hauptgrund, der den alten Hindenburg bestimmte, dem rachsüchtigen Drängen seines Sohnes, des Oberst Oscar von Hindenburg, und vor allem Papens, die beide gegen den Kanzler von Schleicher verschworen waren, nachzugeben, seinen Widerwillen zu überwinden und Adolf Hitler an die Macht zu berufen. Er hielt ihn nicht mehr für gefährlich, vor allem, sobald er einmal von Aristokraten wie Neurath, Blomberg, Schwerin-Krosigk und von Konservativen wie Hagenberg umgeben sein würde. Eine Rechnung, die sich bald als erzfalsch enthüllte, weil sie die„Dynamik" Hitlers nicht einkalkulierte, das heisst seine vollkommene Skrupellosigkeit, seine mit Hinterhältigkeit gepaarte Brutalität, seine Entschlossenheit. vor keinem Eidbruch zurückzuweichen und vor keinem Verbrechen, auch wenn es eine Brandstiftung im Reichstag ist. Nein, der Begieruogsantritt des Nazismus war nicht unvermeidlich, und wenn Emil Ludwig das heute vergessen zu haben scheint, so verweise ich ihn auf sein eigenes Buch über Hindenburg. Es war gewiss die Folge einer langen Reihe von Fehlern, die von der Weimarer Republik von Anfang an begangen wurden. Kein deutscher Sozialdemokrat denkt daran zu leugnen, dass diese Fehler zu einem Teil— aber nur zu einem Teil— von seiner eigenen Partei begangen wurden. Aber es wurden auch Fehler von anderen begangen, die nicht immer in Deutschland zu suchen waren, und bisweilen tadeln gerade diejenigen am eifrigsten die Fehler der Republikaner von Weimar, die den meisten Anlass hätten, nur mit Zurückhaltung davon zu sprechen. Auch wenn mir der Platz nicht mangelte, hier alles zu sagen, was ich denke, so würde ich es nicht tun: Wenn es sich um deutsche Ankläger handelt, so betrachte ich jede zurückblickende Polemik zwischen politischen Emigranten als besonders schädlich angesichts des gemeinsamen Feindes, und wenn c« sich um nicht-deutsche Ankläger handelt, so rnüssle ich, um ihnen zu antworten, Argumente gebrauchen, deren ich mich nicht gerne bediene in einer Zeit, in der Hitler alle Kraft aufwendet, um im deutschen Volke eine Kriegspsychose zu erzeugen, indem er es an die Demütigungen und Leiden erinnert, die es nach seiner Niederlage zu erdulden hatte. Das wenigste, das zu sagen ich mich be rechtigt fühle ist, dass die Welt der jungen deutschen Republik das Leben nicht leicht gemacht hat, und dass es beinahe ein Wunder ist, dass sie nicht schon viel früher zusammengebrochen ist, zum Beispiel in dem durch die Ruhrbesetzung hervorgerufenen Chaos... Wenn die Weimarer Republik gewisse Schläge überleben konn te, die ihr sowohl von innen wie von aussen versetzt wurden, so ist das dem republikanischen Geist zu verdanken und- der Anhänglichkeit an das neue Regime, dir viel tiefer in den Massen des Volkes wurzelten als manche heute behaupten. Und ich frage mich manchmal, ob andere Demokratien, die bedeutend stärker in der Geschichte verankert sind, und die auf viel ruhmreichere revolutionäre Traditionen zurückblicken können als das Deutschland von Weimar, unter gleichen Umständen solange„durchgehalten" hätten. Ich bin nicht versessen auf Statistik, aber es sei mir nichtsdestoweniger erlaubt, alle. die heute geneigt sind, das zu vergessen, daran zu erinnern, dass Hitler bei keiner Wahl eine Mehrheit errungen hat, solange auch nur ein wenig Wahlfreihcit in Deutschland bestand. Selbst am 5. März 1933, als Deutschland durch seine Regierung schon seit fünf Wochen dem Terror der Braunhemden ausgeliefert war, als die Regierung schon den Rundfunk voiikoramen für ihren Wahlkampf monopolisiert hatte, als dass Hitlerverbrechen des Reichstagsbrandes bereits den krampfhaft gesuchten Vorwand geliefert hatte, um in der letzten Woche des Wahlkampfes, also an den für die Propaganda wiebtigsten' Tagen, die ganze sozia Üstische und kommunistische Presse zu unterdrücken, um die Versammlungen der Opposition zu verbieten und um Tausende von Kämpfern der Linken zu verhaften und zu foltern, selbst damals hat die Nazi-Partei nicht mehr als 43,9 Prozent der Stimmen erhalten, und dabei gab es noch zahljose Fälschungen der Wahlresultate, die von den Nazis in den terrorisierten Dörfern durchgeführt werden konnten. Die Sozialisten erhielten 7.176.000 Stimmen gegenüber 7.237.000 Stimmen bei der vorhergehenden Wahl am 6. November 1932, die noch m wirklicher Wahlfreiheit durchgeführt worden war. Obwohl die Kommunisten prak Usch bereits rechtlos gemacht waren, und obwölü bereits deutlich erkennbar war, dass ihre Sl'inmea und ihre Mandate willkürlich für ungültig erklärt werden würden, erhviflteii sie 4.845.000 Stimmen, gegenüber 5.974.000 im November. Das katholische Zentrum und die bayrischen Katholiken verzeichneten ebenfalls nur unbedeutende Einbussen. Wahrhaftig, wenn so viele Deutsche, Männer und Frauen, den Bcvyeis ihrer Treue mr Republik geliefert haben unter solcher Bedrückung, dass ich keinem französischen Bürger wünsche, dass er jemals auch nur len hundertsten Teil davon zn ertragen hätte, dann haben wir gewiss das Recht, uns zu wundern, dass man nun heute bestreitet, dass es jemals zwei Deutschland gegeben hätte.(Ein einziges, sagte sogar letzthin Emile Bure,„und immer tollwütig".). Hält man diesen fast fünfzehn Jahre währenden erbitterten Kampf der deutschen Republikaner für ein Scheingefecht, für eine Schiebung? Nach Henri de Kcrillis müsste es so gewesen sein; denn in seinem Artikel in der„Epoque", der die ganze Kontroverse auslöste, sprach er von einer .Maske". Ach! Dieses schreckliche Wort, das so verletzend ist für uns deutsche Republikaner, wieviele male habe ich es in gewissen Pariser Zeitungen während der Konferenz von Versailles und im Laufe der folgenden Jahre gelesen! Abwechselnd mit der Bezeichnung„Camouflage" wurde es jeden Augenblick von jenen angewandt, die den Vertrag von Versailles noch zu milde fanden, die im voraus gegen jedes Zugeständnis gegenüber den bevollmächtigten Delegierten der Weimarer Nationalversammlung protestierten, und die später die schlimmsten Sanktionen für den geringsten Verstoss gegen die Klauseln des Vertrages gebieterisch forderten. Das sind häufig die gleichen, die, seitdem Deutschland keine Republik mehr ist... nein, ich will nicht mehr darüber sagen, überdies wird mich jeder versfanden haben. Nun, war es etwa ein„Scheingefecht", es, Hitler fürchtet es. Wenn er es nicht fürchtete, hätten wir schon lange den Krieg. Wenn wir um ihn herumkommen, so werden wir das namentlich diesem anderes Deutschland zu verdanken haben. Und wenn Hitler zum Unglück aller Völker, und namentlich des deutschen Volkes, dazu übec�. gehen sollte, das grosse Abenteuer zu riskieren, so wird es sicher zum Teil dem „anderen Deutschland" zu verdanken sein, wenn die schliesslich unvermeidliche Niederlage der Hitlerbarbarei beschleunigt und damit Hundertlausenden von Menschen in allen Ländern das Leben gerettet wird. Ich höre bereits im voraus den spöttischen Einwurf:„Wir möchten Ihnen nur zu gerne glauben. Aber schliesslich, wo sind sie hinlgekommen, diese zwölf Millionen sozialistische und kommunistische Wähler, und diese sechs Millionen, die ihre Stimme für die Katholiken abgegeben haben? Wir sehen nur die 96 oder 98 Prozent, die bei allen Hitlerwahlen in den letzten Jahren einen geschlossenen Block bildeten." Darauf antworte ich: Glaubt doch nicht fester an den Wert und an die Richtigkeil dieser Abstimmungen als die Nazis selbst, die genau wissen, was sie von dieser düsteren Farce zu halten haben. Was war aus den französischen Republikanern bei den Plebisziten im Zweiten Kaiserreich geworden? Sic waren in Millioneu vorhanden, aber sie wagten, nicht hervorzutreten, obwohl die Methoden der Unterdrückung ie der Verwaltung, in der Polizei und in der Rechtsprechung damals nur ein Kinderspiel waren, verglichen mit dem braunca Terror der Gestapo, der Sklavenwächter ü den Konzentrationslagern und den Richtera der Sondergerichte im Deutschland von heute. Emil Ludwig lässt sich herbei, so nebenher zuzugeben, dass„eine gewisse Opposition" in Deutsehland vorhanden ist Manche Leute hätten sie vielleicht geräuschvoller gewünscht? Legen sie sich Rechenschaft darüber ab, was diese„gewisse Opals die Arbeiter und sogar die deutsrhen Position" bereits an Leiden und Tränen und Beamten einen Generalstreik durchführten, einen wirklichen allgemeinen Generalstreik, und auf die Strasse gingen, um die Banden Trauer unter den Zehnfausenden von Opfern und ihrer Familien bedeutet? Und gewiss waren die bis vor wenigen Monaten von Kapp, Lüttwitz und Ludendorff wäh- ununterbrochenen Kapitulationen der gan- rend des Putsches vom März 1920 in die. Ue« Welt vor den Hitler'schen Gewaltstrei- Flncht zu schlagen? War es„Camouflage", eben nicht dazu angetan, die Männer dort als Erzherger und später Rathenau erraor-; anzuspornen, sich zu opfern. dcl wurden, um nur diese zwei Namen zu ic}j fijge hinzu, und das ist der schwer- nennen unter den vielen anderen Opf�n, wief,endste yyrwurf, den ich gegen Emil die weniger bekannt sind? War es eine Ko- Llldwig erhebe__ dass er dllrch seine mödie. als die Jungens vom Reichsbanner i>arteinahine in der gegenwärtigen Kontro- re freie Zeit opferten und ihre Groschen,;versei den Kamp) dieser Opposition, der am Ins in(he rückständigsten Dörfer ou\-|)ereits gefährlich und undankbar genug inerns, Ostpreussens oder rankens die,� noch schwieriger gemacht hat. Man laiben Schwarz-Rot-Gold zu tragen, als'Re j kana sicher sein, dass Goebbel's Propagcr- Ar heiter von Stadt und Land m wahren da mit Freuden seiner Ausführungen Schlachten gegen die besvallneleu Banden bemächtigen wird, wie es übrigens schon der Nazis kämpften, um danach von lnit eiaem Artlkel glei(.h€r Tendenz ge- schändlich parleuschen Richtern in die schphen ist der von einem polnischen Di- Gef änguisse geworfen zu werden? Oder als:lettanten ju einer Zeitschrift der Emigra- au. der I nbüne des Reichstags und m of-|tion veröffentlicht wurde. Das„Schwarze (entliehen\ersaminlungen die Redner der K�p.� die()ff,izieie Woche«) ritfift der geLinksparteien unter den Witzeleien und den Beleidigungen fanatisierter Widersacher den Locarnovcrtrag verteidigten(der es ver- iientc), oder das Haages Finanzabkommen Idas es kaum verdiente)? Als Journalisten lic geheimen Rüstungen anprangerten, auf die Gefahr hin, wegen Landesverrat vor las Reichsgericht in Leipzig gestellt und zu ■nehrjährigen Zuchthausstrafen verurteilt zu werden? War es etwa von mir— man verzeihe mir diese persönliche Erinnerung — reine Heuchelei, als ich im März 1930 m Auftrag meiner Partei an einem inter- lationalen sozialistischen Meeting an der Seite von Leon Blum, Louis Pierard, Geor- ?es Weill und anderen in beiden Sprachen lie Erklärung abgab, dass für uns deutsche Sozialdemokraten, getreu nach dem Buchitaben des Vertrages von Locarno, die el- fürchteten SS, spricht ihm, nachdem es diesen Artikel zitiert hat, voll Ironie seine Dankbarkeit aus. In der Tal, welche unverhoffte Waffe ia den Händen von Goebbels und Himmler, wenn sie in der Lage sind, dem deutschen Volke zuzurufen:„In Frankreich ist eine Diskussion entstanden über das Schicksal, das dem deutschen Volke im Falle einer Niederlage vorbehalten ist. Die einen glauben an eine Auferstehung des demokratischen Geistes und möchten entsprechend verfahren. Die anderen, sagen, dass Deutsctoland einen einzigen Hillerblock bildet, den man für immer niederschlagen muss. Lbt diese letzteren hat eine der bekanntesten Persönlichkeiten der deutschen Einigratio« Partei ergriffen. Emil Ludwig versichert, >ass-lothringische Frage endgültig geregelt'ass es nur ein einziges Deutschland gehe, lei, um dann am nächsten Tag, bei meiner las Adolf Hitlers, und dass man sich ih« Rückkehr nach Berlin im„Völkischen Be- gegenüber nach seiner Niederlage mitleids- ibaehtcr", dem Blatte Hitlers einen Bericht 'iber diese Kundgebung zu inden mit der Schlagzeile über die ganze erste Seite:„Ein , Vorwärts"-Redakteur als Vaterlandsverrä- 'er", eben wegen dieser Erklärung? Und ist es etwa auch nur„Schiebung" wenn zu Zchntausenden die deutschen Antifaschisten in den Konzen Sralionslagern 'ind in den Gefängnissen zugrunde gehen, in denen manche schon seit mehr als sechs Jahren schmachten, wenn die Sondergerichte von Tag zu Tag mehr Gegner des Systems verurteilen, wenn Hunderttausende von Männern und Frauen jeden Abend heimlich und begierig die deutschsprachigen Sendungen aus London, Paris und| Polemik gegen Henri de Kerillis dien psy- . Moskau abhören? jchologischen Irrtum gekennzeichnet, den Ach was! Dieses andere Deutschland hat sein bekannter Artikel„Niemals mehr IHu- nicht aufgehört, zu existieren. Hitler weiss�sionen über Deutschland" enthält. Aber de los zeigen müsse. Diejenigen, die sich vorstellen, dass ein Wechsel der RegienVif das deutsche Volk retten könnte, wissen also nun Bescheid. Es sind die deutschen Emigranten selbst, die die Völker des Vfe- sfens vor allen Illusionen und vor aller Nachgiebigkeit warnen. Wozu wollt ihr verslockten Sozialisten, Kommunisten und Demokraten weiter euren Kampf fortfäb- ren? Das Ausland steckt euch alle in den gleichen Topf mit uns. Wir werden alle das gleiche Schicksal zu erdulden haben, wenn Deutschland unterliegt, ob das Regime geändert wird oder nicht!" Leon Blum hat bereits am Schluss seiner Kerillis wäre meiner Meinung nach ent- zu lesen und davon auch täglichen Ge schuldbar. Emil Ludwig ist es nicht. Ich brauch macht. verstehe sehr gut, dass geängstigle franzö- x)ie Werbung sei durch jede Behörde so sische Patrioten angesichts des\\eltver-| wejt zu fördern,„als das ohne Beeinträchti- brechens, das die Herren des Dritten Bci-jgung des Dienstes angängig erscheint." Al- ches vorbereiten, ausrufen:„Wird man die-j jerdings will der Minister nicht gesagt ha- sem Albdruck ein Ende machen.' Wenn sieiöenj dass ein Zwang ausgeübt werden dürfe, das Unheil heraufbeschwören, so muss man. vi�juejy,- müssten selbstverständlich„bei ihnen ein für allemal die Möglichkeit neh-(jer Werbung Drohungen, Ueberwachungs men, weiteren Schaden Äu stiften, tnassnahmen oder andere Druckmittel un- Aehnliche Zornausbrüche waren nnver-j[(.j-öteiben." Und sie werden auch unter meidlich, und ich sage sogar: sie sind hc-j bleiben, sofern die Aussicht auf Entlassung rechtigt. Aber die Antwort des Chefredak-i�gjjjg Drohung ist, das übliche Fragebogen- teurs der„Epoque" auf die Frage, die er system_„Welche Zeitung halten Sie?"— stellte, war nicht weniger erfüllt von Irr-j irgjjjß Ueberwachungsmassnahme und die tum und Ungerechtigkeit. soeben zitierte Anordnung des Reichspost Ich sage nur; Wenn Ihr wirklich keine| mfnjs{erjtinis Jjgjjj Druckmittel. andere Lösung seht, um nach der Vernichtung Hitler-Deutschlands einen dauernden Frieden zu sichern, als ein Ueber-Vcrsailles, IDer seistise PViedersan� dann bedaure ich im voraus die Generation,! die jetzt in allen Ländern Europas gebo- 1 ren wird. Das wird vielleicht nicht einmal 1 iKelt zum Lernen für den Zeitraum einer Generation halten.] Die Erntehilfe der deutschen Studenten- Ich zweifle sehr, dass sich dann in Deutsch- i schuft ist unter Anwendung der üblichen land Männer finden werden, die bereit sind, j erpresserjschen Methoden in Szene gesetzt den Leidensweg der Republik von Weimar i wor(jen. Der Nachweis der Beteiligung noch einmal zu beschreiten, entschlossen,[mlISS näm]ich beim nächsten Semesterbe- die Schläge auszuhalten, wie wir es fünf-|ginn schwarz auf weiss vorgelegt werden, zehn Jahre lang getan haben, um uns dannjUn(j sogenannte Drückeberger, die es etwa als höchste Anerkennung im Exil sagen jgewagt haben, sich während der Ferien zu lassen, dass wir nur eine Maske trugen,|aUsZUri]hen oder gar wissenschaftlich zu dass es niemals etwas anderes gab, und dass arbeiten, müssen damit rechnen, kürzeres niemals etwas anderes geben wird alsi]ian(j vom Studium ausgeschlossen zu wer ein einziges Deutschland, das wahre, das,(jen. Desto mehr wird es viele Leser der „tollwütige, das Hitlerdeutschland.] deutschen Presse erstaunt haben, dass in Merkwürdig, die gleichen Personen, die.den Zeitungen nur von 54,5prozentigen Bedas Bestehen von zwei Deutschland ableug-, teiligung der Studentenschaft an der Ern- nen, finden es ganz natürlich zuzugeben,-r-|tehilfe die Rede war. Jetzt macht das amt nicht wahr, Emile Bure?— dass es zwei] liehe Organ„Der Allherrenbund" die Mit- Spanien gibt, das von Franco und das von teilung, dass in Wahrheit 99 v. H. aller Negrin, und dass der Sieg des einen in 1 Studenten„für staatswichtige Aufgaben" den Herzen von Millionen Spaniern die(eingesetzt sind. Liebe zu ihrer Republik, die sie so helden- Punktum.„Intensivierung der Arbeit" z«n liess glühende Liebeserklärungen na�1 durch Erntehilfe, HJ-Lager und Bekennt- Warschau hinüberklingen... nismärsche. Aehnlich lautet ein andrer Er- jetzt)_ vor einigen Wochen— ist iw> lass des Erziehungsministers, der sich auf der eine iineue oöl!i umgearbeitete Midie vorzeitig abzulegende Reifeprüfung an ,age" des Buchcs erschienen. Sie ist nichti den-Mädchenschulen bezieht und am 8. weiter a]s ein einziger Hassgesang August im Amtsblatt des Reichserziehungs- po]en An chauvinistischer Hetze verhält minislenums veröffentlicht worden ist: sie sich zur Auflage Xummer eins wie eir „Ostern 1940 legen an den höheren Wolkenkratzer zur Köhlerhütte. Daz*1' Mädchenschulen zwei Jahrgänge, der;chen, wie gsagt, lag die Auflage Nuraafr eine nach neun und der andere nach ZVei, die ein Waschzettel als Denkmd »cht die Reifeprüfung ab.UcM/sc/ien p0ientums» zur Lfcktüre anbe- Mit Rücksicht auf die für die Schulen!fahl Die neue dagegen segelt � der Fiaf. haft verteidigt haben, nicht ausgelöscht hat. Wenn unglücklicherweise die Geissei desl Krieges auf die Welt niedersausen sollte,! dann würde man sehr bald die Existenz! von zwei Italien und von zwei Deutschland] bemerken. Und ich bin überzeugt, dass! Emile Bure und Henri de Kerillis, deren lei-] denschaftliche Aufrichtigkeit und deren be-| herzten Scharfblick ich im Laufe der letz-! ten Jahre zu würdigen lernte, die ersten] sein würden, die das anerkennen und die] ihre eigenen Vorurteile überwinden, ihr Urteil berichtigen und den deutschen Re-| schaft als erste Organisation den„totalen publikancrn helfen würden, bei einer Auf-I Einsatz ihrer Angehörigen" verwirklicht. gäbe, deren Erfüllung noch notwendiger- Auf die Tatsache, dass konzentrierte wis- wäre, aber leider auch noch viel schwieri- isenschaftliche Arbeit nicht minder„staats- „Zur Erntehilfe kommen hinzu: 4485 oder 5,4 v. H. der Studenten in der Wehrmacht, 6928 bzw. 8,3 v. H. im Werkstudium in wehrwirtschaftlichen Betrieben, 12 849 Studenten oder 15,4 v. H. in Examen, 6055 gesundheitlich Behinderte (7,3 v. H.) und 6767 Studenten im Sonderurlaub. eingesetzt für HJ-Lager und -Fahrten, Flugwettbewerb Rhön, Sonderaktion zur Kartoffelkäferbekärapfung und zur Vegetationskartierung des Reichsforstamtes(8,1 v. H.)." Damit habe die deutsche Studenten- damit verbundene Mehrarbeit ordne ich an, dass die Vorkehrungen für die Reife prüfung des neunten Jahrganges(Mel dung zur Prüfung, Zulassung schriftli eher Arbeit usw.) so zeitig zu treffen sind, dass die mündliche Reifeprüfung im Monat Januar 1940 abgelegt wird. Ich ersuche, alles weitere zu veranlassen." „Alles weitere" wird veranlasst, d. h. es wird auch in den Mädchenschulen entspre chend weniger gearbeitet und bei den Prü fungen entsprechend weniger verlangt wer den. Die Jugend ist in der deutschen Kriegs planung nur noch ein Rechenfaktor. Für den Frieden ist sie untauglich und für den modernen Krieg fehlen ihr, wie führende Militärs mehrfach betont haben, die tech nischen Kenntnisse. Aber zum Sterben, so kalkulieren die Retter des Volkes, wird die empfangene Ausbildung zulänglich sein. ger wäre als vor zwanzig Jahren... Kein Kivang wichtig" ist als die Kartoffelkäferbe- ! kämpfung, wagt im mobilisierten Deutsch- iland schon niemand mehr anzuspielen. Im allgemeinen wird es den Lehrinsti- Das Reichspostministerium hat wieder| t,utcn überlassen wie sie die teils durch 1 z t i r»\'nr«L-iir»'vnr»rr /T r»T» einmal eine Anordnung erlassen, die es die erhebliche Verkürzung der Studienden Beamten zur Pflicht macht, die natio- zeit' teils durch die Uebermüdung der Ler- nalsozialistische Parteipresse zu ahonnie-lneni;len �ntsta»dfnen Scharten auswetzen r i wollen. So endet z. B. die Berufsschulren I pflicht neuerdings riiit der— natürlich „Erst mit deren regelmässigem Stu i verkürzten— Lehrzeit, und der Reichser- dium wird der Beamte in den Stand ge- j ziehnngsminister hat lakonisch erklärt(Na- sefzt, den Geist des Nationalsozialismus tional-Zeitung vom 9. August): so erschöpfend zu erfassen und in sich aufzunehmen, dass er seine ganze Arbeit: mit ihm durchdringen und damit dem 1 ' Staatsleben die vom Führer gewiesene j Richtung sichern kann. Ich halte es für! selbstverständlich, dass jeder deutsche! Beamte sich die Möglichkeit verschafft, ständig die nationalsozialistische Presse] „Die Lehr- und Schulzeitver i g macht eine Intensivierung der Arbeit;i der Berufsschule notwendig, um ein An- sinken des Leistungstandes zu verhüten. Die Berufsschulen haben Anweisung erhalten, Unterricht und Lehrpläne entsprechend abzuändern." Dreimal Oertzeu Ein deutscher Journalist namens F. W von Oertzen sehr eb so um 1930 herum ein Buch über Polen: „Das ist Polen!"— lautete der Titel. Dieser Oertzen war schon damals ein Mensch mit Talent und ohne Charakter Sein Talent bestand ausser in einer gewissen journalistischen Schreibfixigkeit vor allem auch darin, dass er seinen Mangel an Charakter geschickt als„Objektivität" zu drapieren verstand.(Objektivität war schliesslich um 1930 herum noch ein gesuchter Artikel in Deutschland...) Herr von Oertzen machte in jenem Buch ein paar flüchtige Verbeugungen sowohl vor der nationalen Zuverlässigkeit deutscher Sozialdemokraten wie auch vor den polnischen Sozialisten, die unter schwersten Leiden gegen die Pilsudski-Diktatur ankämpften. Sowohl diesen wie jenen konnte solche Ehrung nur peinlich sein, denn im grossen und ganze i erwies sich Oertzen als antipolnischer Chauvinist von reinstem, nein, dreckigstem Wasser, als Revanchehetzer par exccllence. Die paar Polen, von denen er einige gute Wesenszüge Immerhin wahrnahm, schienen nur zwecks berechneter Kontrastwirkung da zu sein. Die polnische Nation als Ganzes wurde als eine Horde von Untermenschen dargestellt. Einige Zeit verging und es kam das Hitlerreich. Es kam 1934. Es kam die grosso unwandelbare Polenfrcundschaft des-„Führers". Die Polen nicht zu lieben, ihnen nicht die Wange zum Bruderkuss zu bieten, war fortan glattweg Hochverrat. F. W. von Oertzen begriff. Als sich ein Strom verherrlichender Pilsudski-Bücher über die deut ge:„Entlarvung der polnischen Fratze Goebbels hat neulich gesagt, dass � Dritte Reich einen völlig neuen Typus politischen Schriftstellers hervorgebraeä'' hat. Bei welcher seiner„Auflagen" man auch packt,— Herr F. W. von Oertzen dar' für sich, das Recht beanspruchen, als rein- ste Verkörperung dieses„neuen Typus" dcr totalen Charakterlosigkeit in die Scbano- chronik der„grossen Zeit" einzugehen. Der �Vest�valiniiii Mit allen staatlichen Prädikaten ausf!f' zeichnet, läuft drüben gegenwärtig f"1 „Film vom Westwall". Begleitet von all d'5 üblichen Uebersteigerungen der Bluffrek'*' me:„Das gigantischste Werk... die gewa1' tigste Kraftanstrengung eines Volke';; eherner, unüberwindlicher Schutzwall- Im Essener Naziblatt wird es so dargestc* als habe sich das Volk geradezu freiwi"1' zur Verschickung gedrängt: „In ungemein packenden Bild�J zeigt der Film, der am Montagabe- einem geladenen Kreis vorgeführt wiira' den �Aufbruch des gesamten deutsche Volkes zum Bau des Westwalls, der l' die westliche Linie des Reiches vom hurtfl densee bis schützt." nach Emmerich Nur einige fehlten bei dem allgeineli,e Aufbruch: die Bonzen, das Besitzbürge tum, das Heer der braunen Günstlinge- fehlten in den Aufnahmen auch die kereien und Flüche dCr Massen, zwangsweise aufgebrochen wurden M die sich nicht wollten durch ein � ,r. wie Sklaven von Heimat, Familie und- beitsplatz losreissen lassen. Es fehlt Fuchtel der Aufpasser und die JudasarW der Spitzel, Denunzianten und GestaP lente. Dafür wird eine neue Legende in" Filmtext eingeschmuggelt: cbeO; „Die Millionen deutscher Mensc». � 1 die den Film sehen, werden sich dai zurückerinnern an die Zeil vor e,Pun. Jahr, als die feindlichen Mächte, J, lieh wie heule, dabei waren, Deutsch1 � einzukreisen und mit einer Ueberma., über das friedlich schaffende dev� Volk herzufallen." Nicht Deutschland kreiste die kb'�_ CSR mit Truppenansammlungen c'n' /ne dern umgekehrt. Nicht die Achse Neuverteilung der Welt, nicht Deutsch besetzte Oesterreich und verlangte ,-ff misches Land, nicht Hiller drohte in s(, Rede mit einer gewaltsamen Aendcrun- � os- ________ M.______ MI oder so", sondern der nichtsahnende- sehen Buchläden ergoss, erschien„Das ist chel wurde von Chamberlain bedroht, � Polen!" in„zweiter, völlig iwm/eorbej'fe.'er] gerechnet von Chamberlain. Göbbels � Auflage". Welch eine Wandlung durch Hit- paganda ist an einem Punkte angelang'vje| lers Verfügung! Nichts mehr von Polen- sie selbst dem dümmsten Untertan zu hass, nichts mehr von Revanche. Herr Oert- zumutet. IVordböhmen 193S Den nnbekannten Soldaten der Freiheit Von Robert Gr Oetzsch (Schluss.) Seine Augen flackerten, er lächelte dünn.„Wir gehen nicht mit dem Anth Christ, aber wir müssen mit unserer Nation gehen, wenn das Volk uns hören soll. Wir alle hier sind deutsches Volk..." „Und wer seinem Volke dienen will, der muss es vor den Schrecken behüten, die falsche Propheten heute im Namen des'Tränen. Sie erhob sich jäh. deutschen Volkes über die Welt bringen.] � So haben Sie und ihre Freunde— so haben* wir alle noch vor Monaten gesagt." Sie] Karl Holub blätterte in den Zeitungen, lächelte, so hilflos erschien ihr der Mann presste die Lippen zusammen. Sein Gesicht mit den kräftigen Schultern und der star-(mit den kräftigen Backenknochen bekam ken Stimme.„Ich liebe meine Heimat, Herr.etwas Steinernes. Barcelona bombardiert. Wochen hatte sie von denselben Lippen gehört:„Das ist der Antichrist. Wer mit thm geht, wird mit ihm verderben..." So also konnte die Menschenfurcht auch da her kommen: Gütige volle Stimme, junges Gesicht, dunkle ernste Augen, schmal ge schnittener Mund, in dessen Winkeln ein leichtes Zucken der Verlegenheit spielte Sie starrte in dieses Gesicht, in das sich langsam die Trauer lagerte. Wenn ihr ein teuflisches Antlitz entgegengrinst oder wenn er die Augen niedergeschlagen und ihre Anklage finster abgewiesen bätte ,Uir wäre leichter geworden. Aber dass Gewöhnlichkeit und Feigheit so gewinnend aufschauen konnte, das machte die kleine Lehrerin stumm. Ihr Zorn kämpfte mit Kaplan. Heimat ist ewiger als nationalisti scher Wahn. Was hülfe es einem Volke dass es eine zertrümmerte Welt gewönne? Höher als Nation und völkische Gemeinschaft stehen Menschheit und Menschlichkeit..." Er hob die Band. Sein Lächeln war verschwunden,„Sie reden sehr weltlich, Fräu. lein Klaus. Wir Diener Gottes haben überall die reine Lehre zu verkünden, ganz gleich, wo die Partei der Kirche steht. Es ist nicht meine Sache, mich in diesen Streit zu mengen. Und nicht die Ihre. Lassen Sie die Hände davon, wenn ich Ihnen raten darf." Warm und voll klangen die letzten Sätze, gütig spielten seine Blickt über ihr erregtes Gesicht. Sie sass ganz starr. Noch vor Tote Frauen und Kinder. Hundertfünfzig Wiener Juden auf einer Donau-Insel dem Tode ausgesetzt. Chinesische Orte bombardiert. Tote Frauen und Kinder. Er schob die Zeitung von sich. Die niedrige Zimmerdecke schien noch niedriger zu sein denn sonst. Durch die Fenster schimmerte Abend rot. Seine Frau strich über eine Leinenjacke, zog einen neuen Faden durch die Nadel und sagte, ohne aufzusehen:„Weisst Du. wer der nächste ist, Karl? Der nächste, der sich abmeldet? Das ist Wendler Paul." Holub stiess die Blätter von sich.„Der? Das wirst Du so leicht nicht erleben. Du hast schlecht geträumt, Anna. Wenn alle schwanken, der nicht." Die Dämmerung färbte ihr Gesicht fahl. Sie zog die Nadel durch den Flicken.„Ich habe seine Frau beim Fleischer getroffen. Sie druckst um alles herum, kann einem schon nicht mehr recht ins Auge schauen. Wenns einmal so weit ist— das kennen wir ja, nicht?" Holub legte die zerarbeitete Faust auf den Tisch.„Paul nicht. Von Eisen ist der." Von unten drang Lärm herauf, rollte die Gasse hinab, verrann. Von da unten her kam Paul Wendler. Seit einer Stunde wohl bummelte 6r umher, ziellos, gedankenleer Er sammelte seine Gedanken. Nun musste es sein, musste der... der Selbstmord sein. Der Selbstmord ohne zu sterben. Man drückte sich zur Seite. Muss ja nicht für immer sein. Da geht einer plötzlich neben ihm. Die unsichtige graue Luft ringsum macht dies kleine bartlose Gesicht des anderen noch kleiner. Ah, der Tischler Ernst. Wie geht's? Lange nicht mehr gesehen, Paul. Jaja, gesehen hatte man sich schon, aber man war aneinander vorbeigegangen. „Gut, dass ich Dich treffe, Paul. Nämlich ich... ich will wieder zu Euch." Paul bremste den Schritt, wacht auf. Der andere sieht ihm unbeirrt in die Augen. Damals, weisst Du, da bin ich von Euch weg, weil... Ich weiss nicht mehr genau. Die Politik gefiel mir nicht mehr... Jetzt habe ich keine Ruhe." Paul Wendler blieb stehen. Jetzt war er ganz wach. Waches Staunen. Da ist einer, der hat keine Ruhe, weil er nicht dabei ist. „Weisst Du, Paul, jetzt kommt's doch auf eden an, jetzt ist man wer, wenn man bei ren...„Ja Du, Paul, Du warst immer aUL{jl nem Guss, ich nicht... a(ber jetzt— will ich mich wieder ehrlich machen--| Wendler sagt nicht ja, nicht nein, an der Oberlippe. Da ist einer neben � der galt einmal als ein leichter Bruder, hat abseits keine Ruhe mehr und ich- bilde mir ein, ich hätte Ruhe, wcnn-jr(lf mich zur Seite drücke? Vielleicht � die Frau ruhig schlafen, vielleicht, � wir könnten nie mehr die gleiche Ac � voreinander haben. Schämen müsste � sich spater einmal, schämen vor SLt]I)£>c Kindern... Es gibt Selbstmorde, an man stirbt. Ort- Nun dunkelt der Abend über Die kleine Lehrerin biegt in das' 1 viertel ein. Ge-ade heute soll sie Villa Elisa sein. Sie gibt Privatstun Wie sollte man sonst auskoninien< o zwei halbflüggen Geschwistern, die k Vater mehr haben... Ab und zu rous-�i sich bei den Honoratioren zeigen. setzt sie sich in die Nesseln. Es gc'1 neun Uhr. l|cclJ�lI, Oben ist eine au'geräumte Gescü® beisammen: der Doktor, der Ajpct der Bürgermeister, der Oberlehrer.' fi), Frauen, die ihre neueste Toilette ausb1 Ah, Fräulein Klaus. Spät kommen'Sl�v;,lif' die Schule, die Korrekturen, nicht �jfl, Sie sehen auch etwas angegriffen allS.' wirklich, Fräulein. Ich sage auch 1 jjc zu meinem Manne: Es wird Zeit,"aa(]fr--' zweien, aa oraucni man mein so viel von icsi, von uci x oi.w„. j.u„ früher zu reden. Jetzt... jetzt ist der Mo- wenden. Grosse Zeiten, Ein Volk, cj ment da, wo man zeigen kann, dass es rcr, ein Reich. Psst, nicht so'au'. M1 nicht Furcht war... damals vor zwei Jah- sind wir nicht so weit. Man s'össt Urwald�rauen ' nlerm trauten Lampenscheine s'tzt die kinderreiche Schar. •fuc/i der Jüngste naht bedächtig. tinen Rüssel hat der Kleine, sein Papa nimmt's freudig wahr: "Schon die neue Maske? Prächtig!" ind der kleine Elefant neigt den Kopf und grunzt scharmant. v~tcr spricht zur Mutter:„Gerne t'ng ich etwas andres an. Geschäft bringt nichts als Sorgen. Z''9 ich mit euch in die Ferne, '•'üre ich ein freier Mann. Aber weiss ich, ob nicht morgen...." ' m das traute Wohnrevier 'chleicht ein fremdes, böses Tier. 1"-' dem Hundfunk gleiten Noten, Melodie aus fernem Land. Plötzlich Worte fremder Zunge, "'ahre Worte, streng verboten. Zitternd, mit erschreckter Hand fMerbricht's der blonde Junge. � rU'atd ab er glauben heisst; ' feinde Sprache— böser Geist. fernher tönen wilde Schreie. i'ülli(fer Tiger in den Kral? s' der Nachbar ir. Bedrängnis, sollte man ihm Hilfe leihen? '''hreit ein Jud in Todesqual? M'in zu helfen, bringt Verhängnis. Mit dem schwachen Bruder brich, Wer kümmre sich um sich! der Strasse schallt ein Haltern von einem Heereszug. 'Wiks? Kanonen? Feldhaubitzen? ■Iiis den Lüften dröhnt ein Knattern. f'edlicher Geschwaderflug— '"'er fängt's schon an zu blitzen, ''"cht es schon nach giftgem Gas? ff hreit dip Bestie schon nach Frass? �'nder, duckt euch, rückt zusammen, borgen steht der Wald in Flammen! Nein, sie sind leider noch nicht am Ende. Vorläufig hat der Volkstumsgedanke erst einmal österreichisches Blubo zertrampelt Uind sucht es zu verpreussen, die Albaner sollen italienisiert, die Tschechoslowaken sollen eingedeutscht Rassengesetzgebung keit in der nationalsozialistischen Gemeinschaft bewusstermassen ergriffen und im Sinne einer Entwicklung angepackt wird..." Es gibt keine private Sphäre, die von der und durch braune braunen Organisationsbestie nicht„bewuss- igereinigt werden, itermassen ergriffen" wird. Auch das Recht, Das Südtiroler Volkstum aber wird nach gelegentlich ohne Herde zu marschieren. Ostpreussen verpflanzt, wofür italienisches wird paragraphiert und dosiert, damit auch Volkstum auf Andreas Hofers Boden ein- dieses Minimum vergiftet sei. Gleichgeschal- geerdet wird.| iete aber preisen es schon begeistert als Volkstum ist für die Terrostaaten etwas, einen Fortschritt, dass so etwas unter staat- das an nationalen Festtagen besungen und ücher Leitung diskutiert werden darf, mit im übrigen nach Belieben der Diktatoren Sicherheitseffekt, natürlich mit Vorbehal- aus- und eingewechselt werden darf. Daher ten, mit zwar— aber und im Stile äusser- die unabänderlichen Gesetze von Blut und ster Vorsicht;„Wie verhältnismässig schön; Boden. Die Frankfurterin hat recht:„Wel-, leuchtet unter Umständen in voksverbun- che Veränderungen der Volkstumsgedanke dener Einsamkeit der arteigene Morgen- . innerhalb weniger Jahre erzwungen hat", stern..." Wenn da keine Dichter entstehen! darüber staunen die Albaner, die Oester-'- reicher, die Tschechoslowaken, die Südti-, Dle DlohlOPpPfls-Innatlon rolcr und die Nazis gleichermasscn. Mehr_....* „Sprengkraft" dieses Gedankens kann man. Es gibt nur nock wenige Städte die nicht nicht verlahgen, denn diese Sprengkraft e,nen..Dichterpre.s ges iftet haben Nicht ist für die. deren Volkstum plötzlich bc- als siebzig Mitglieder der Reichs- c o fv r" i t Till tvi c Lr o tw ty**'-vcif i f'f rw* rJ<■*<- a t r i-i c- t. t i. AÜSWANDERÜNGSBERATIINS Einreisemoeglichkeiten nach CUBA, COLUMBIEN, ECUADOR, HONDURAS, BOLIVIEN und KOLONIEN, Vorvisas usw. Vorteilhafte Geldwechsel, Uberweisungen in alle Laender, Eisenbahn- biilets und Schiffskarten zu günstigen Bedingungen. " EXEFRADA" 2, rue Taitbout, 2- PARIS(9e) _ T61.: PRO 64-16, 64-17, 64-18 schrifttuniskammer besitzen das Attest, die neudeutsche Weltanschauung im Reich der Volkstamss�tlanke und»eine Spppnskpaft E'cr deutschen Presse äst befohlen wor- ?,ln> dem Ausland mit Lärm darzutun, dass �gleiche mit 1914 nicht mehr statthaft da Hitlerdcutschland nicht mehr der Ma E schützt wird, geradezu vernichtend geworden. So iiiineimlich ist jene Sprengkraft,.,,,-,,, dass Hitlerdeutschland schon aus diesem] VIu*eTn, �kr.0.?t zu habftn- Aber eimgen brau- Grunde einen Krieg fürchten muss. jne.n Unterfuhrern. mit kulturellen Spezial- missionen beauftragt, graust es vor„ge-I —-- wissen Inflationserscheinungen auf diesem Parasrpaphlerte Einsamkeit Gebiete", wie der Reichsamtsleiter Hage-' meyer auf dem vierten Rcichsführerlager Im November vorigen Jahres hat sich(jej. Hitlerjugend in Braunschweig äusser- cine Tagung des„Amtes Schriftturaspflege" te Es sei höchste Zeit, dass die Partei der der NSDAP mit der Frage beschäftigt, ob gegenwärtigen Konjunktur der Dichtcrprei- und inwieweit es für den schöpferischen se Einhalt gebiete! Man werde künftig nur Menschen ein Recht auf Einsamkeit gibt. noch JandsclVaHsgebundene D.ichterpreise Lebensrechte, die bei gesunden Völkern als zulassen. An Blubo-Dichtern besteht also selbstverständlich gelten, werden im Dril- noch ein gewisser Mangel. ten Reich zum Problem gemacht. Die Vor- Der erwähnte Hageniever hat aber noch träge jenes Palawers sind nunmehr gesanv wejtere Beschwerden. Er führte aus: melt erschienen, und der kritische Leser ersieht daraus, wie einheitlich sich dort vor allem die Geistesarbeiter gegen den zer-j mürbenden Marschtritt des Gemeinschafts- irummels gewandt haben. Ja, der Schriftsteller F. Griese hatte sogar den Mut, die Selbstverständlichkeit auszu&nreclien, dass auch der einfache Durchschnittsuntertan ab und könne: zu etwas Einsamkeit brauchen ,al von 1914 sei, sondern:„Deutsches .'"'steserbe verbindet sich in der Wirklich- !'d des neuen Reiches mit der Leiden- )enaft revolutionärer Ziele und Notwendig- So besorgt es die„Frankfurter Mitling"(30. 7.). Der totale Staat schämt der edle Geber möchte ungenannt blei- die totale B(«izerie versteckt sich hin- b r'er„Gemeinschaft". Was aber hat die hlli DeSPotie �cr �re't gebracht? Fabel- .Volkstum und Volksgemeinschaft sind '•'e beiden Wirklichkeifen, in denen sich I;as Denken des neuen Jahrhunderts konkretisiert. Wir haben erlebt, welche Ver- ■»iderungen der Volkstumsgedanke innerhalb weniger Jahre erzwungen hat; er "al die Sprengkraft einer echten, ge- "rhichtsfähigen Idee erwiesen, nicht ge- f�iger als die Parolen von.Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit', die einst fran- �isischen Heeren voranliefen und den J'eg bahnten. Diese Wirkungen sind gewiss noch nicht an ihrem Ende ange- ., Genau so steht es mit dem Ueberhand-j nehmen der Dichterlesungen. Ein Dichter,; der dauernd durch die Lande getrieben j wird, hat nicht mehr genügend Zeit zur| Konzentration und Besinnung, wodurch seine Bücher an Gehalt, Tiefe und Wert verlieren. F'erner werden in Zukunft auch Buchausstellungen nur unter einem ganz streng ausgerichteten Thema durchgeführt werden können." Dieser Hagemeyer, seines Zeichens „Einsamkeit trägt nicht nur dort schöp- Deichsamtsleiter, gehört selber zu den In- fache MenMhlderl�raenloseiimerbalb1,, hülen, nul ,ier Dlcl,ler-SA anaubin der Gemeinschaft, lobt nicht nur vom den! Es slnd Leute mit den allerhöchsten Brot allein; auch sein innerer Entwick- Beziehungen darunter, die eines Tages fin- Uingsgang wird— wenn auch in anderer den können, dass dieser Kritiker selber Weise als der Werdegang eines Werkes— nicht streng ausgerichtet ist und Fehlan- eefördert oder gehindert durch geistige zeigen über das Anwachsen der neudeut- Erfahrungen Auch er kennt Vorberei- schen Kultur riskiert tungszciten, die Stille fordern: auch seine körperlichen und geistigen Kräfte werden angestrengt und zeigen sich hier und, IMe III an II hure Faust da einmal als völlig verbraucht; und auch T...,,.._.,.„ er kennt die innere Leere, die allein vonj est deutschen Beobachten singt ihm, den es angeht, ausgetragen werden einer das Lob des Boxens mit diesen Wor- kann." Ifen: Soeben ist erschienen: OURT GEIVEIR DIE PARTEI DER EREIHEIT Eine Auseinandersetzung mit Otto Bauer im Geiste des freiheitlichen Sozialismus. 72 Seiten. Preis fFrs. 10,~ Zu beziehen durch: LIBRAIRIE Dr. ERNEST STRAUSS 2, Square Llon-Guillot PARIS- 15« angt." Die„Frankfurter Zeitung" ergriffen davon, dass so etwas endlich einmal ausge-i sprechen wurde, schreibt dazu: „Jedermann also, nicht nur der vom1 Werk aus Legitimierte, braucht dann und wann die Einsamkeit als„Reinigungsvorgang; und diese.Weltflucht' hat mit steriler Weltangst nichts gemein, sondern dient gerade dazu. Schlacken wegzuräumen, die das Individuum zum Dienst an der Gemeinschaft untüchtig machen müssten, dürften sie sich lange unbe- wältigt anhäufen... Sie(die Broschüre) erweist, dass das Problem der Einsam- setzung vorziehen. Di■ Riesenmasse der in den sportliehen Verbänden Tätigen und ganz besonders in der SA(lern Faustkampf huldigenden\ktiven lehnen es ab, ausserhalb der 1! igseile ihr pugili- stisches Können zu demonstrieren, so lange sie dies mit ihren Begriff von Ehre und Anstand vereinbaren können. Tritt jedoch der„casus belli' ein, dann geht es auch rüstig zur Sache." Man sieht, dass von dei.Saalschlachten der Kampfzeit zum pugilis ischen Können von heute eine grade Lini führt. Daher schon damals der Name„SA"— gleich Sport-Abteilung, wie der Führer vor Gericht beschwor. Er selber hat sich freilich in jener Zeit, wenn er Gefahr befürchtete, weniger an die' Faust als an d:e Nilpferdpeitsche gehalten. Heute geht das ganze Dritte Reich nach echtem sportli hem Ehrbegriff rüstig zur Sache— bis i im casus belli. „Die Bedeutung und der Wert faust- kämpferischcr Erziehung und Betätigung] ist bereits in den Jahren der Kampfzeit______ der Bewegung restlos erkannt worden. Ausserdem hat die Beurteilung des sport- Fegen die persönlichen Freunde Si huschlichen Faustkampfes durch den Führer uiggs und Dollfuss' ist noch immer ein Ausin seinem Werk„Mein Kampf" in allen rottungsfeldzug im Gange. Jetzt ist dei ehe- Kreisen, die nicht gerade mit Scheuklap- malige Leiter der amtlichen Nachrici ten- pen versehen, oder mangels sportlichem stelle, Edmund Webör, ein persönlic ler ('es Kanzlers Dollfuss und 1'f- men zu bringen. Gewiss wird es stets drauensmann Schuschniggs, in das Str. Menschen geben, die den Schrei nach land.sgericht in Wien eingeliefert wordei dem nächsten Polizeiposten oder dem Man hat ein Verfahren wegen„Veruntreu Richter einer körperlichen Auseinander- ung" gegen ihn eingeleitet. .!'n Tag... Auf unsere Führer... Man zwin- sin mil den Augen. Der Apotheker schaul Um. Wo ist Fräulein Klaus? 'c kleine Lehrerin hat sich auf die Ter- |(Sse gerettet, schaut über den schlafenden I hin. Aufstehen möchte sie, gehen ins � Hfdliche, davon wandern, dorthin, wo �'ernenhimmel auf die Erde stösst. Stirn- � brechen durch die Stille. Wo sind Sie y"dein Klaus? Ah, hier, im Schatten der fc bt. Ejn poetisches Gemüt. Ihr Glas? ,**un trinken Sie nicht? Dürfen wir bit- fj1 Kine kleine Führung. Der Apotheker tJd sie unter dem Arme. Er ragt hager (■„, J"1 ihr empor, mit einem verhagelten P��bt. Schwer zu sagen, wie alt er ist, (■ 0 Tür wird aufgerissen, dann steht die �"schaft starr und steif in einem Ran- w"dl rosa Ainpellicht, darunter ein Bett, >1 lssi mit aufdringliclier Seidendecke, "Usf"6 Hakenkreuz über dem hoch- ;rj. blenden Kopfgestell, darüber ein Pho- h"1- �0'drahmen. Das Gesicht eines Durch- � fiittbürgers. Der Direktor hat das Wort �'ffen, feiert den jüngsten Aufmarsch, V,,." grossen Thing unserer deutschen t�tKsRemeinschaft... und hier, in diesem s,.�' bat der Führer unserer sudetendeut- /'n Heimal geruht zu ruhen..." den Gesichtern lagert Feierlichkeit. "'gen. Jetzt brauchten sie nur noch )i,r erzi,knien, denkt die kleine Lehrerin. icjj s'eht auf das Spruchband: Am deut- ' Iim �resen-" Um das Photo sind blasse Uh.SruPP'ert. Die Backen der kleinen brennen. Das dunkle Haar fällt ihr 'Ii*<,ie Schläfen. Das Rot fliesst über V.�ngen zum Halse hinab, in den hellen '�/"ausschnitt hinein. Der hagere Apo- \r s'ebt auf diesen kindlich zarten Nak- 'äpi �nieder und denkt: Sie ist bei Gotl übel... Sein grauer Blick schweift über die anderen, die stehen alle so merkwürdig starr und schief... oder hatte er schon zu viel getrunken? Alle Augen stechen nach der kleinen Lehrerin, er schrickt auf, er hört ihre helle Stimme, die wird dunicel vor Erregung und sagt etwas wie: Götzendienst... Armes Volk... Dann noch einmal;„Götzendienst vor einem Nichts..." Der Apotheker starrt wieder auf den zarten schmalen Nacken, sieht, wie dieser Nacken durch die Tür geht als wäre niemand zugegen. Dann hört man eine Tür klappen. V Die kleine Lehrerin ging unter den Bäumen der Allee dahin. Der Mond warf gezackte Blätterschatten wie Stickereien auf den Weg. Das Licht def Sterne färbte den Himmel hell. Daheim stellte Holub das Radio an. Was wird in Spanien sein? Was in China? Was droht uns morgen? Weudler und Tischler Ernst wareo wieder gegangen, und Holub rief nach der Kammer, in der seine Frau die Betten zurecht machte:„Na Anna, wie ist das mit Wendler? Gleichmässig wie immer. Der und bei Seite schleichen?' Der Glasschleifer aber schlenderte mit dem kleinen Tischler Ernst nachhause, ge- noss das Sternenlicht, das milchig übei Dächer floss und atmete den Duft, der aus den kleinen Vorgärten aufstieg. Sein Schritt war wieder sicher und fest. Das beklemmende Zagen war von ihm abgefallen wie morsche Rinde von einem Baum. Und die Frau, ja, die musste eben difreh diese Welle mit hindurch. Ihm war wie einem Soldaten im Kriege, nach den ersten Sturmangriffen. Da wich das Zittern und alles wurde Gewohnheit. Dieses Zagen, das wurde sich in schwachen Stunden wieder cin- ]mal anschleichen, aber es konnte ihn nie mehr würgen. Vor dieser Begegnung hatte er keine Furcht mehr. Vom Hange drüben leuchteten Lichter herüber. Villa Elisa. Dort sass man wieder in ] den Sesseln des Salons und besprach die unerhörte Störung und der Apotheker sagte seltsam raschelnden Tones:„Nein, iHerr Direktor, Frechheit ist das nicht, was sich das Fräulein Klaus geleistet hat. Das ist Mut,.. das ist der Mut, gegen... gegen..." Er wollte sagen: gegen den Strom zu schwimmen... so ein schüchternes, armes Mädchen schwimmt gegen den Strom, seht mal an, gegen den reissenden Strom und der Strom schwemmt sie nicht hinweg— welche Wunder man noch erleben kann... Welche Schönheit es um uns gibt und wir achten nicht drauf, wir sind feig geworden; wir rennen mit dem jeweiligen Erfolg und wissen nicht mehr was Kraft und Schönheit ist... So wollte er sagen, aber aller Blicke hingen so fragend und staunend an ihm, dass er stockte. Er atmetete wie unter einem Albdruck, wollte-sich hoch- reissen, einen Ruck geben, alles heraussagen. Aber es gelang ihm nicht. Resigniert griff er zum Glase und trank es leer. Die Frau Direktor sah es mit Unbehagen und dachte: Noch ein Glas und man weiss nicht, was der redet. Es wird Zeit, dass der Kaffee kommt. Der Hagere hatte den verwitterten verhagelten Kopf in die Hand gestützt und wollte fragen; Was ist richtig? Was ist Wahrheit? Uns alle narrt wohl ein hässli- cher Spuk... Man ist ein armer Mensch und jeder droht uns mit einem anderen Schrecken. Ist das ein Leben? Ich wollte, ich stünde so fest und hätte so klare Augen wie dies Mädchen mit dem zarten Nak- ken... ich stünde so fest und hätte diesen Mut— sagt mir, was würde dann aus meiner Apotheke? Seine Frage estarb in einem raschelnden, wirren Satze, den niemand verstand. Während ringsum empörte Worte summten, senkte er das spitze narbige Kinn und träumte, er schritte neben der kleinen Lehrerin durch die schimmernde, klingende Nacht; er durfte alles sagen, was er dachte, kein Alb drückte seine Brust und keine Angst vor dem Kommenden, und die Sterne dünkten ihm wieder wie in der Kindheit, glitzernd und prächtig, wie in seiner Jugendzeit, als er auf dem Gymnasium für Humanität und ewigen Frieden stritt. Er hatte die Augen geschlossen. Der Wein hüllte ihn in wallende dunkle Nebel, deren leichte Wellen ihn weiter trugen, hinaus in die L'nendlichkeit der Nacht, dicht dahin neben der kleinen Lehrerin— und hier könnte eine neue Geschichte beginnen. Aber ich habe ja gesagt, dass in dieser Erzählung nicht viel anderes geschieht, als mir berichtet wurde. Von Dalcroze zu Himmler Das Festspielhaus in Hellerau bei Dresden fiel dem braunen Geist der Zeit zum Opfer. Es wurde zu einer Polizeikaserne umgebaut, in der Sachsens Polizeinachwuchs ausgebildet werden soll. Aus der Festwiese w-ird ein moderner SportpLitz. Zahlreiche polnische Zeitungen, Zeitschriften und Bücher sind durch eine Verordnung des Gestapo-Chefs Himmler für das ganze Gebiet des Dritten Reiches verboten worden. Her neue Adel im Aiif�ieliterat Aailmouopol im Gperinjsr-Koiizeru Der Hermann Göring-Kor.zern, der sich in kurzer Frist zu einem der gewaltigsten Zusammcnballungen industriellen Kapitals ausgewachsen hat, ist auf die denkbar einfachste Weise- zustandegekommen; nämlich auf Staatskommando. Aber mit der simplen Art des Entstehens kontrastiert sein komplizierter aktienrechtlichcr Aufbau. Zuerst .gab es nur die Reichsiuerke.-J. G. für Erzbergbau und Hiittenbelrieb Hermann Gönn«/ mit 400 Millionen Mark Aktienkapital. Nach der„Eroberung" der Ostmark erfolgte eine neue Gründung: die Reichswerke A. G. für Erzbergbau und Hüttenbetrieb Hermann Göring Abteilung Linz, Aktienkapital 5 Mil- ■ Honen. Dort ist der der steyrische Erzberg und die Eisen- und Stahlwerke der Alpinen Monlangescllschaft untergebracht, die von Stinnes in der Inflationszeit aufgekauft worden war, von da an den Stahlfrust gekommen ist und von diesem dem Generalfeldmarschall überlassen werden musste. Dazu gibt es noch einige Untergescllschaf ten wie R hei lunet all- Bomig, Steycr-Daim- ler-Puch, steyrische lusstahlwerke. Paukerwerk A. G. Um.e vielleicht zweckmässige Aufteilung in einen Konzernteil im Altrcich, einen zweiten in Oesterreich vorzunehmen, bedürfte es nicht der Gründung zweier Aktiengesellschaften, die ja nur Rechtskonstruktionen sind und in diesem Fall um so weniger praktische.Bedeutung haben, als Göring das Kommando über das Ganze innehat. Es ist aber jüngst noch eine dritte Hermann Göring-Firma ins Leben gerufen worden, deren Zweck völlig mystisch erscheint. Es gibt seit dem 7. Juli ausser den beiden Reichswerke A. G. für Erzbergbau und Hüttenbetrieb Hermann Göring noch eine Aktiengesellschaft Reichswerke Hermann Göring mit einem Aktienkapital von 100 Millionen. Sic besitzt keine pro duzierenden Betriebe, sondern nur Beteiligungen daran. Ihr Zweck ist:„die Zusam menlegung der Beteiligungen des Reiches an den eisenschaffenden Werken und der bisher von der Reichswerke A. G. für Erzbergbau und Hüttenbetrieb Hermann Göring verwalteten Gesellschaften und Betei ligungen der eisenverarbeitenden Industrie sowie der Schiffahrtsgesellschaft". Es handelt sich also um eine sogenannte Holdinggesellschaft. Diese Holdinggesellschfff- ten werden zumeist geschaffen, um einer Kapitalistengruppe mit wenig Aufwand ei genen Kapitals die Herrschaft über einen grossen Kapitalkomplex zu sichern. Hier ist diese aktienrechtlichc Konstruktion völlig sinnlos: Göring kann auf aktien- rechiliche Mittel zur Sicherung seiner Oberhoheit über den Reichstrust verzichten, weil er und solange er über die Staatsgewalt verfügt. Ist diese dahin, rettet ihn keine Holdinggesellschaft. Dennoch hat dieser komplizierte Aufbau einen Zweck. Welchen Zweck, kann man dem folgenden Verzeichnis der Mitglieder des Aufsichtsrates der drei Hermann Göring-Gesellschaf- ten entnehmen: fff Nazis den"(„National-Zdtung") klärt uns darüber auf, dass die Finnen infolge ihrer Vern:1- schung mit den Schweden ein„Nordvolk' sind und schon deshalb die Nordwacht gen Russland halten müssen: Hermann Göring- Ifnldinggesellschaft Staatssekretär Paul Körner. Vorsitzender. ling, Herr General".„Wie lange?" fragt der General. Der Heid dieser Anekdote könnte ein Hitlertonze sein. In der Schwebe hängen im Moment die Finnen, die vom Dritten Reich seit Jahren .■��■betulich umworben werden. Ein warmer sind ausschhessiicn Nazis vom reinsten ersten Jahreshälfte 1939 erschienen Bilan Reisebericht von der..Schildwacht im Nor- Wasser, engste Mitarbeiter Görings und zen festgestellt wird, dass die flüssigen Mit- „alte Kämpfer" entsendet worden, einige tel der Unternehmen allmählich stärker zu- sogar dreifach. Die Ernennung von zwei samraenschrumpfen und dass mit den stei- als Nazi altbewährten Ministerpräsidenten'enden Ansprüchen des Vierjahresplanes zu Aufsichtsratsmitglicdern lässf erwarten, und der Rationalisierung die laufend an- dass die Reihe der Gründungen noch nicht fallenden Betriebsüberschüsse nicht mehr abgeschlossen ist, sonst würden ja die bei Schritt halten. Die Liquidität werde belastet der Verteilung dieser Nebeneinnahmen 1 dadurch, dass sich die Steigerung der Ge- noch nicht bedachten deutschen Minister- stehungskostenr fortsetzt, vor allem in der Präsidenten zu kurz kommen. Die Herren Kohlen- und Eisenindustrie,„ferner durch Gauleiter von Linz und Graz empfangen; die in zahlreichen Bilanzen erkennbare offenbar die ihnen gebührende Belohnung Steigerung der Vorräte und der Kundenkrefür treue Dienste bei der„Eroberung" Oesterreichs. Ganz bestimmt ist das der Fall bei Dr. Guido Schmidt, Hitlers Vertrauensmann im SchuscÜnigg-Kabinett, der nebst Staatsrat Wilhelm Meinberg von Höring zum Mitglied des Vorstandes der Reichswerke ernannt worden ist. Ein besonders eifriger Sammler von Aufsichtsratsposten ist der Präsident Hans Kehrt. Er ist der„Führer" der deutschen Textil- dite". Soweit sagt der Bericht der Deutschen Bank nicht viel Neues, dagegen ist ausserordentlich aufschlussreich, was darin über die Natur dieser Vorräte mitgeteilt wird, die zur Steigerung der Produktionskosten und zur Verminderung der Liquidität beitragen. Es handelt sich dabei nicht etwa um die Ansammlung von Rohsloffvor- rüten als Vorsorge gegen Rohstoffknapp- heit, sondern um die Wirkung des Mangels Industrie, die nur sehr mittelbar mit der von Rohstoffen und Arbeitskräften. Die Kohlenförderung zusammenhängt. Dennoch Steigerung der Vorräte ist nach der Deutsitzt er„im Zuge der Arisierung" auch sehen Bank„keineswegs Ausdruck für eine noch im Aufsichtsrat der Nordböhmischen stärkere Wareneinfuhr oder eine höhere Braunkohl enge seil schalt, die man den inländische Rohstoff Produktion, sondern Petscheks abgenommen halle.(im Gegenteil eine Mangelerscbeinung". In Ein anderes Beispiel:; den Betrieben sammelten sich, so wird aus Aus der Oehringen Bergbau A. G., Ber-: geführt, grössere Mengen halb- und drei- lin, sind ausgeschieden; Dr. Fritz von Han- viertelfertiger Erzeugnisse an, die nicht semann, Alfred Prinz zu Hohenlohe-Schil- verkaufsreif gemacht werden können, weil lingsfürst(Wien), Hans Fürst zu Hohenlohe- Xeilstücke oder kleine Mengen bestimmter Oehringen(Ehrenforst) und Dir. Albert Stoffe fehlen, die zur Fertigstellung nicht Kleemann(Ilse Bergbau A.G.) und zuge- entbehrt werden können. wählt: Ministerialrat Gebhardt und Ministerialrat Klingholz. Wo es sich machen lässt, wird der alte Feudal- und Kapitaladel vom neuen „Schwertadel" verdrängt, der es aber nicht nur ebenso gut versteht, Aufsich tsratsposfen zu kumulieren und Aufsichtsratstantiemen zu akkumulieren, sondern noch �ielbesser, I Derschen" Ba�r über die denn die alte Genera lon imiss c ur u- Lagervorräte geschlossen werden sichstratsposten zumeist etwas bezahlen, 0 Für die privaten Unternehmungen bedeuten diese fortgesetzten Störungen der Produktion beschränkte Rentabilität und sin kende Liquidität. Diese Wirkung der Menschen- und Materialknappheit kann man allenfalls den Bilanzen entnehmen. Was darin nicht sichtbar wird, aber aus den Feststeider„neue Adel" hat das nicht nötig. G..4. F. Falsche Vorriile Iniloslrleproiiiikfion mit Stottern In einem Aufsatz der Zeitschrift„Vier- jahresplan" begründet Staatssekretär Landfried die Notwendigkeil, Ordnung in die ■kann, ist, dass Hitlcrdeutschland kaum [einen Krieg von längerer Dauer wird aushallen können, wenn heute schon die [Hüstungsindustric nur ratenweise produzie- : ren kann. __ Praktlsclier Irrsinn Es wird im braunen Lager ein reinlicher Unterschied gemacht zwischen reinem und Erteilung staatlicher Aufträge zu bringen, praktischem Rassenwahn. Der erstere führt Die Aufbringung der Mittel für die alles Geschehene konsequent auf die rassi- Deckung des staatlichen Bedarfs dürfe,' sehe Substanz zurück und ist in seinen Fol- schreibt er, weder zu Lasten der Investi-, gerungen unbarmherzig; der letztere lässf tionen gehen, die für den Ausbau der Ei-! mit sich darüber reden, wie die braune genversorgung mit Rohstoffen, für die An-; Rassenlheorie auf die verschiedenen Völ- passung an die veränderte Arbeitsmarkt- ker anzuwenden ist. Einem Machtspruch und Rohstoffluge sowie für die Erhaltung! der Rosenberge zufolge sind die Japaner und Ausweitung der Produktionskapazitä ten notwendig sind, noch zu Lasten der wirtschaftlichen.Substanz, insbesondere der Betriebsmittel der Unternehmungen, die als Arbeitsplätze und als Produktionsstätten gleich unentbehrlich sind. Dass die Kriegsrflstung bereits dabei ist, an der Staatssekretär Wilhelm Landfried, Präsi- H-irtschaftlichen Substanz der Unterneh- dent Hans Ae/irl, Ministenalclingent Ar- imlngon 7A1 zehren, Landfrieds Besorgnisse tur Kasse, Ministerialdirektor Kurt Lange,, n... TT.• i i Generaldirektor Hellmuth Röhnert. sehr realen Untergrund haben, kann man dem Heft/ der„WirtschaitU- „Der Verraischungsprozcss... voll ziel'1 sich während der ganzen Zeit der ZufT liörigkeit zur schwedischen Krone l|Bu ist auch jetzt noch keineswegs abgeschlossen. Daher fällt es schwer, aus Se' wissen Unterscheidungsmerkmalen aui die verschiedenen Rassen zu schliesscn- Die Wissenschaftler haben verschiedene Thesen aufgestellt, jedoch können die Untersuchungen noch nicht als endgüH'-J angesehen werden. Fest steht aber, der Anteil der nordischen Rasse W grösser ist, als man gewöhnlich anznueh- men geneigt ist." Man ist nämlich„gewöhnlich anzuneb' men geneigt", dass die Finnen ihrer He'"' kunft und ihrer Sprache nach fino-laL' risch sind und(wie die Ungarn und Bolg'"'' ren) den Turkvölkern der finnisch-uiT' sehen Sprächgruppe zugehören. Die Gelegten sind sich also längst darüber einig, w'e wenig hierbei die nordische Rasse mit2"' "eden hat, aber da sich Finnland bis lieu'e weder für, noch gegen die Achse entschieden hat, zögert auch Rosen berg mit de"1 en�giltigen Urteil noch. Sollte sich das .Nordvolk" gegen die Achse stellen, so wi1"' sich daran erweisen, wie sehr es ein m'11' der wert iges mongolisches Osfvolk gebliche" ist. Als abgeschlossen dürften dagegen hcuie die Untersuchungen über die Polen gelte- Täglich steht in der Nazipresse, man h3'" bisher ,9115 Friedfertigkeit vorschwiegen dass die Polen weder slaatsbildende, noc- sonstige Fähigkeiten aufwirisen und se' 1000 Jahren bei den Deutschen schmarot1 haben. Ja, die Art, wie sie jetzt mit den1, Westen gehen und ihre hegehrlichen Blic� auf Ostpreussen werfen, lässt daran schliessen, dass ihre Herkunft mindesten' so düster bleibt, wie die der seligen Hunnen' Ist es da ein Wunder, wenn Schriften gen Polen wieder aufgelegt werden, � während des Kulturabkommens verbot' waren? Also hat der praktische RassehWa'' eine autipolnischc Hetzschwarte von von Oertzen wieder vom Stapel gelassen- „Es entsprach der publizistischen h1 nie nachsichtigen Schweigens. xVC. wohlwollendes Reden schon nicht lieh war, dass das Buch vom BüC'ie markt verschwand. Es' hatte bei seinen ersten Erscheinen 1931 beträchtlicnej Aufsehen erregt und war in Polen Pr0?'.n verboten worden. Dass es der deiitscl", Oeffentlichkeit nun wieder vorgf'�V wird,«las haben allein«iie regierend Hysteriker in Warschau veranlasst, n denen sich das Fehlen der stn60»:], Zuchtrute des grossen Marschalls Jv sudski nun zur Katastrophe auswirkt' („National-Zeitung", 26.7.) Was fünf Jahre hindurch falsch wa'-'. heute schon wieder richtig. Rauf auf d •Scheiterhaufen, runter vom Scheiterliauh; nichts als gelbe Arier, und die früher der Mittelmeerrasse zugehörigen Ilaliener hob derselbe Machtspruch in den nordischen Völkerkreis. Während die Tschechen in der Henleinzeit laut Nqzipresse als unmögliches Fremdvolk galten, von dem man nicht einmal wisse,„woher es gekommen sei", hat die Protektorats-Propagahdn plötzlich__________________________________ als Brücke„nationaler Zusammenarbeit mit; So stellt sich Karlchen jüdische Fixif� den Deutschen" die uralte Verbundenheit vor. Nichts ist gelenkiger, als der Pra* «ieiitsch-tschechischer Kultur entdeckt.— sehe Rassenwahn. Ein Rosenberg könnt* Hermann Göring-Salzgitler: Staatsse- j chen Mitteilungen" der Deutschen Bankj„Was sind sie?" fragte der General einer nen Affen lehren... kretär Paul Körner, Vorsitzender, Staats-. enRleflmen> worin auf Grund der in der[ farbigen Truppe den Flügelmann.„Misch-:. W' Sekretär Wilhelm Landfried, Präsident Hans Kehn], Ministerialdirigent Artur--—____________ Nasse, Staatssekretär Wilhelm Keppler, Unterstaatssekretär und Generalmajor j von Hanneken, Ministerialdirektor Kurt! Lange, Ministerialdirektor Hellmuth Röhnert, Ministerpräsident Dietrich Klagges I (Braunschweig). Hermann Göring-Linz: Staatssekretär Paul Körner, Vorsitzender. Staatssekre tär Wilhelm Landfried, Präsident Hans Kehrt, Ministerialdirigent Arthur Nasse, Staatssekretär Wilhelm Keppler. Unterstaatssekretär und Generalmajor von Hanneken, Ministerpräsident Ludw. Sichert(München), Gauleiter August Eigru- ber(Linz), Gauleiter Siegfried Uiberreit- her(Graz). Eine Funktion haben die Herren Aufsichtsratsmitglieder nicht, denn da Göring absolut regiert,"ibt es da nichts zu beauf-j sichtigen, und keine Gruppeninteressen,; die da zu vertreten wären. Um den Erfor- j dernissen des Aktienrechts zu genügen,| würde die Besetzung mit drei Personen genügt haben. Statt dessen ist eine recht ansehnliche Ausstattung dieser funktions- loscn Körperschaften erfolgt. Entfällt je- 1 der andere praktische Zweck dieser Aufsichtsräte, so ist doch der eine: die Ver- teifung von Aufsichtsratstantiemen..Du ist es aufschlussreich, dass in diesen hohen| Räten kein einziger Industrieller sitzt, kein Vertreter der Unternehmungen, die sich am Göring-Konzern beteiligen mussten. und dass aus dem Aufssichtsrat der ehemaligen Alpinen Montan die Herren vom Stahltrust j verschwunden sind. In diese Aufsichtsräte, IN PARIS finden Freunde outer dwt- AU scher, frainoesischer und englischer Literatui ein reichhel- tiges Lager m Biaethere dieser Sprachen in der Buchhandluno PONT DE Die Buchhandlung erledigt L'EUROPE 17, RUE VIGN0N (nahe Madeteine) Tti.: OPEra 80-54 schnellstem und sorgfaellig alle Auftreege. Sic gibt bereitwillig alle gcwuerschten bibliographischen Auskuenfte LEIHBIBLIOTHEK -ri •di Bei allen Todesfaellen, Uebernahme von Been gungron. 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