JOURNAL ANTIHITLERIEN Journal social- démocrate destiné Neuer Vorwärts Sozialdemokratisches Wochenblatt NOUVEL" EN AVANT!" Hebdomadaire en langue allemande Redaktion und Verlag: 30, Rue des Ecoles, Paris- 5. Téléphone: Odéon 42-58 aux réfugiés de langue allemande Nr. 339. SONNTAG, 17. Dezember 1939 Aus dem Inhalt: Der Henker arbeitet Die Hitlerration Für den Volkerbund Prix: ffrs. 1,50 Hitler befahl den Reichstagsbrand Endgültige Feststellung durch Rauschning Die Bekundung des ehemaligen Se- des, z. B. die tückischen Meuchelmorde natspräsidenten von Danzig, Hermann an politischen Gegnern der Nazis. Diese Rauschning, dass der Reichstagsbrand scheusslichen Verbrechen waren zweiein Werk der Nazi war, sagt der Welt fellos von ,, Deutschen" verübt worden, an sich nichts Neues. Seine Versiche- nämlich von Freunden Hitlers. Da war rung jedoch-in ,, Paris Soir" vom 9. kein Gott angerufen worden, sie zu verDezember dass er sein Wissen über hindern. rung Deutschland vor der bolschewisti- ihrer Diäten und Gehälter durch seeschen Katastrophe zurückriss, hat sie lische Erschütterungen nicht stören. nicht nur das deutsche Volk, sondern Heute weiss wohl jeder General, jeder auch das übrige Europa gerettet." höhere Beamte Bescheid, aber man ist So wird durch die Kunst der Ver- schon längst so verlumpt, dass man das stellung aus einem selbstgelegten Reichs- Maul hält und weiterdient. tagsbrand die Rettung Europas vor der ,, Die neue grosse Epoche in der Gedieses Verbrechen von einem der Haupt- Sehr schnell überzeugt sich der asiatisch- bolschewistischen Revolution. schichte" beginnt. Mit dem Reichstagsschuldigen, von Hermann Göring bezo- Reichskanzler, noch nicht ,, Führer", von Aber kehren wir zum zeitlichen Ab- brand macht Hitler Wahlen. Mit dem gen habe, macht seine Enthüllung zum dem, was dann eine Stunde später als lauf der Ereignisse zurück. Zwei Stun- Reichstagsbrand erpresst er vom neuen geschichtlichen Ereignis. Mit dem Ge- amtlich festgestellte ,, Wahrheit" in die den nach dem Beginn des Brandes bricht Reichstag gegen die Opposition der ständnis Görings, wie Rauschning es uns Welt posaunt wird, und er tut seinen die Polizei in das Gebäude des„ Vor- Sozialdemokraten am 23. März 1933 übermittelt, fällt die letzte Hülle, zweiten historischen Ausspruch: wärts" ein, schleppt die gedruckte Auf- das Ermächtigungsgesetz, das ihn zum schliesst sich die Beweiskette lückenlos, ,, Das ist ein von Gott gegebenes Zei- lage weg und hält das Haus besetzt. Das Diktator macht. Keinen Augenblick ist erhält auch das Bild des ,, Führers" den chen, Niemand wird uns daran hindern, ist das Ende der sozialdemokratischen es ihm wirklich um die„, Vernichtung letzten Pinselstrich. Die Wahrheit ist den Kommunismus mit eiserner Faust zu Presse. Es wird ,, amtlich" damit be- des Bolschewismus" gegangen. Was er nicht mehr auf dem Marsche, sie ist am gründet, dass aus dem Geständnis des vernichtet, das ist die verfassungsrechtZiel. Wie man sieht; ohne Gott geht es auf van der Lubbe das Bestehen einer so- liche Stellung des Reichspräsidenten und keinen Fall. Zu dem Vertreter des ,, Daily zialdemokratisch- kommunistischen Ein. des Reichstags, das ist der Einfluss seiExpress" aber sagte er: heitsfront erwiesen sei, die den Reichs- ner deutschnationalen KoalitionsgenosSie sind Zeuge einer neuen grossen tag in Brand gesteckt habe. Sozialdemo- sen, das ist vor allem die demokratische Epoche in der Geschichte. Dieser Brand kratische und kommunistische Funktio- Reichsverfassung, das ist die deutsche ist ihr Beginn." näre werden noch in derselben Nacht Sozialpolitik, das ist die deutsche Arbeiterbewegung. vernichten." Dabei verhehlen wir uns keineswegs, dass von dem Zeugnis Rauschnings auf den Zeugen ein neues Licht fällt. Er hat also als Mitwisser des Brandgeheimnisses noch anderthalbjahrlang der Partei angehört und hat erst im vierten Jahre seiner Emigration von seinem Wissen brecher- Komödiant an dieser Rolle fest. Mit erstaunlicher Kraft hält der Ver- assenweise verhaftet. Die Verschworenen spielen ihr Spiel Mit einem Zynismus ohnegleichen Gebrauch gemacht. Das ist eines der Am 14. Oktober 1933, am Tage des weiter. Sie belügen das deutsche Volk lässt der Kanzler- Brandstifter das Kabi" psychologischen Rätsel", deren es lei- Austritts aus dem Völkerbund, tobt er schen Gegner ein Verbrechen zuschieben, beschliessen, und dann kann der Prozess und die Welt, indem sie ihrem politi- nett die Todesstrafe für Brandstiftung der nur allzuviele in dieser Zeit gibt, im Rundfunk: aber es ändert nichts an der Beweiskraft das sie selber begangen haben. Sie be- gegen van der Lubbe und Genossen vor des Zeugnisses. Hören wir also den Zeu- Wäre erst der rote Aufruhr als Feuer- lügen den alten Hindenburg und ihre dem Reichsgericht beginnen. Ziel ist, brand über Deutschland hinweggerast, so gen Rauschning. würde man wohl auch in den westlichen deutschnationalen Ministerkollegen. Der für ein Verbrechen, das man selber beFraktionsvorsitzende gangen hat, fünf anderen Menschen die Kulturländern Europas einsehen gelernt deutschnationale haben, dass es nicht gleichgültig ist, ob Oberfohren schiesst sich, wie er die Köpfe abschlagen zu lassen. Zu diesem am Rhein und an der Nordsee die Vor- Wahrheit erfährt, eine Kugel durch den Zweck erscheinen die Minister Goebbels posten eines geistig- revolutionär- expansiven- asiatischen Weltreichs Wache stehen. Kopf, andere lassen sich in der Behag- und Göring als Zeugen, schwören ihren Indem die nationalsozialistische Regie- lichkeit ihres Daseins und im Bezug Eid und belügen das Gericht. Sie verDeutschland heute Einige Tage nach dem Reichstagsbrand begibt sich Rauschning zusammen mit Forster in die Reichskanzlei, um dem Führer über die Lage in Danzig Bericht zu erstatten. Im Vorzimmer trifft er Göring, Himmler, Frick und einige Gauleiter aus dem Westen. Man spricht na-| türlich über den Brand, und aus dem Munde Görings erfährt nun Rauschning, dass er von den Nazi selbst gelegt wor-| den ist. Hitler war über den Plan auf dem Laufenden gehalten worden und hatte ihn ausdrücklich gebilligt. Unter dem Bocksgelächter der Verschworenen erzählt Göring, wie alles im einzelnen In manchen Teilen Deutschlands hat zugegangen ist. Er bedauert, dass nicht man das Münchener Attentat zum Anlass Name des verhafteten Elser in allen Zeitun- deutschland überhaupt keine Büchse mehr die ganze Bude heruntergebrannt ist, und Vorwand einer Extra- Brandschatzung und er deklamiert:„ Ich habe kein Ge- des unter schwerster Kriegs- und Hun- gen stand. Von einer Rückzahlung der zu öffnen, weil jede die der Pandora sein wissen, mein Gewissen heisst Adolf Hit- gersnot leidenden Volkes ausgenutzt. Ins- erpressten„ Fahndungsspende" ist natür- könnte? Fahndungsspende Eine Sondersteuer für die Gestapo abgesehen. Die Grosstädte mit ihren InAttentäter längst verhaftet, ja er hatte getaucht, die Büchsen seien leer und nur schon sein Geständnis abgelegt... zur Hebung der Moral bestimmt. Oder Jetzt sind Wochen vergangen, seit der traut man sich vielleicht in Hitlerlich nicht die Rede. Nunmehr können auch Tiere im Dritten ler". Er versichert noch einmal, dass besondere hatte man es hierbei auf die Es gibt in Deutschland zwei Sorten Räu- Schweinefrass auf Marken dieses Gewissen" ihm die Brandstif- Bevölkerung der Dörfer und kleinen Städte ber. Die einen benutzen die Verdunkelung tung nahegelegt habe. Wohl hätte er, dustriearbeitermassen liess man meist vorGöring, die volle Verantwortung auf sich sichtig aus dem Spiel. genommen, weil Hitler zu ängstlich sei, Natürlich handelte es sich wieder um um sie zu tragen, und doch stamme der eine Spende". Diesmal um eine Spende der Vorsehung. usdrückliche Befehl, den Reichstag in für die Gestapo. Zur Unterstützung ihrer Brand zu stecken, von ihm selbst. zur Ausführung ihrer Taten. Diese werden Reich ihr Futter nur noch gegen Marken zum Tode verurteilt. Die andern rauben bekommen. Im„, Hamburger Tageblatt" am hellichten Tage vor jedermanns Augen. Nr. 316 lesen wir: Ueber ihnen waltet schützend die Hand vember mit: ,, Eine im Amtlichen Anzeiger erscheinende Bekanntmachung des Haupternährungsamtes regelt die Ausgabe von Futtermittelscheinen an gewisse Tierhalter. Die Lebensmittelkarte" für Pferde ist gelb, für Schweine weiss, für Rinder grün." ,, Es besteht Veranlassung, darauf hin- Selbst der Schweinefrass unterliegt also zuweisen, dass Obst- und Gemüsekonser- strenger Rationierung. So sieht die Leven nicht verkauft werden dürfen, und bensmittellage im dritten Monat des Kriezwar auch nicht im geöffneten Zustand. Diese Bestimmung ist auf Grund einer ges aus, den das deutsche Volk seinem Anordnung der Hauptvereinigung der Führer verdankt. deutschen Gartenbauwirtschaft getroffen worden, um die haltbar gemachten GarHaussuchungen tenbauerzeugnisse für die gemüseärmere In Hamburg wurde ein Mann verurteilt, Jahreszeit vorrätig zu haben." Fahndung nach dem Attentäter! Vor allem Konserven- nur zum Ansehen So Rauschning. Seine Aussage zer- zu den Bauern kamen die Nazibonzen ins Die deutsche Presse teilte am 28. Nostört den letzten Zweifel über die Rolle, Haus und erklärten, dass die Summe, die die Hitler selbst gespielt hat. Das Wort der Staat für die Ergreifung des Täters Rolle" ist keineswegs nur im übertra-( der in Wirklichkeit schon längst verhafgenen Sinne gemeint. Hitlers Verhalten tet war!!) ausgesetzt hat, zwar ungeheuer beim Reichstagsbrand war nicht nur das hoch sei, dass sie aber nicht ausreiche. gemeinste Verbrechen, es war auch die Es müsse Geld, Geld, Geld gesammelt wergrösste komödiantische Leistung aller den. Wer sich hier nicht beteilige, der Zeiten. sei kein guter Deutscher und könne wohl gar in den Verdacht kommen, dass er mit Nach der Verhaftung des Holländers dem Attentäter sympathisiere... van der Lubbe erklärt Hitler zunächst Also: Erpressung. Die übliche Methode. Sie war nicht erfolglos. Um ein Beispiel der sich als Zellenwalter der NSV ausgemit frommem Augenaufschlag: Die Deutschen verhungern langsam ne- geben und in dieser Eigenschaft zahlreiche ,, Möge Gott uns davor bewahren, dass zu nennen: In einem so kleinen Nest wie ben gefüllten Konservenlagern, während Hausdurchsuchungen nach ,, überflüssigen" ein Deutscher an diesem Verbrechen be- dem winzigen Dörfchen Reichsbach bei die Machthaber fortwährend darauf war- Kleidungs- und Wäschestücken vorgenomteiligt ist." Guben, das nur aus wenigen Höfen besteht, ten, dass die Jahreszeit oder das Land men hat. Die beschlagnahmten Sachen brachte man auf diese Weise 700 Mark oder die Zufuhr noch ärmer werde. Wenn machte er zu Geld. Kritische Ohren hörten schon damals zusammen. Für die liebe Gestapo. Auf dass man sie endlich für öffnungsreif erklärt, Es scheint übrigens, dass die Opfer dieden falschen Ton. Es waren schlimmere sie den„, grossen Unbekannten" von Mün- sind die Konserven, die in ausserordent- ses Schwindlers im allgemeinen glimpfliDinge passiert als die Inbrandsetzung chen besser suchen und finden könne... lich schlechtem Metall aufbewahrt wer- cher davonkamen, als die Opfer der wirkeines menschenleeren, durch die Nazi- Wie gesagt: als dieses Geld rundum im den, gewöhnlich halb oder ganz verdor- lichen Zellenwarte und ihrer Haussuchunherrschaft zwecklos gewordenen Gebäu- Land zusammengeraubt wurde, war der ben. Es ist sogar schon der Verdacht auf- gen. suchen, durch falsche Aussage es zu einem fünffachen Justizmord zu verleiten. Da steht derselbe Göring, der sich vor den Himmler, Frick und Rauschning grinsend seines Verbrechens gerühmt hat, schwört und lügt dem Reichsgericht ins Gesicht; „Für mich war es ein politisches Verbrechen, und ebenso war es meine Ueber- zeugung, dass die Täter in der kommunistischen Partei zu suchen waren." Den Angeklagten Dimitroff brüllt er an: „Für mich sind Sie ein Gauner, der nach Deutschland gekommen ist, um den Reichstag anzuzünden. Sie gehören direkt an den Galgen." Die Brandstifter gehören an den Galgen. Göring hat es selbst gesagt. Das Reichsgericht hat bekanntlich von den fünf verlangten Justizmorden nur einen geliefert und sich, mit einem letzten Aufwallen richterlicher Selbständigkeit, in vier Fällen den Machthabern versagt. Es hat festgestellt, dass Torgler und die drei Bulgaren als Täter nicht in Betracht kamen, dass aber andererseits van der Lübbe die Tat unmöglich allein ausgeführt haben könne. Seitdem ist in Hitlerdeutschland kein Versuch unternommen worden, die wirklichen Verbrecher zu finden. Jedermann weiss warum. Es gibt einen Fall Hitler und einen Fall Göring. Was den ersten betrifft, sei jedem der Ruhm, der ihm gebührt. Hitler wird als der grösste Lügenmeister aller Zeiten in der Geschichte fortleben. Millionen und Abermillionen haben ihm geglaubt, weil ihnen sein Wort der explosive Ausdruck einer tiefen Ueberzeugung zu sein schien. Selbst seine Gegner hatten, wenn sie ihn hörten, meist den Eindruck, zwar einen rohen und widerwärtigen Gesellen vor sich zu haben, aber doch einen Fanatiker, der den Unsinn, den er redet, für eitel Wahrheit hält. Im Licht des Reichstagsbrandes sieht man Hitler ganz anders. Offenbar hat er selber noch nie auch nur ein einziges Wort von dem geglaubt, was er gesagt hat. Umso mehr muss man staunen über seine diabolische Geschicklichkeit im Lügen und den grandiosen Erfolg, mit dem er das deutsche Volk und jahrelang auch die meisten Staatsmänner Europas betrogen hat. Der andere Fall ist der Fall Göring. Bis zum heutigen Tag wird in Deutschland und auch sonst in der Welt die Auffassung verbreitet, Göring sei„gar nicht so schlimm", er habe sogar manchmal menschliche Regungen und sei auf alle Fälle„besser als Hitler". Es wäre interessant festzustellen, wer diese Legende aufgebracht hat, wahrscheinlich waren es Görings eigene Agenten. In Wirklichkeit ist der„Generalfeldmarschall", wenn das überhaupt möglich, eine noch üblere Erscheinung als der„Führer". Dieser Reichslagspräsident, der den Reichstag anzündet, dieser Polizeiminister, der Meuchelmörder und Plünderer auf unschuldige Menschen loslässt, dieser Zeuge, der falsche Eide schwört, um Männer köpfen zu lassen für eine Tat, die er selber beging, ist um kein Haar besser als sein Herr und Meister. „Die neue grosse Epoche der Geschichte", die nach Hitler mit dem Reichstagsbrand begonnen hat, führt über die Wiederaufrüstung, die Befestigung des Rheinlands, über Oesterreich, die Tschechoslowakei und Polen mit Vertragsbruch und Eidbruch, Lüge und Verrat, Ueberfall und Mord in den Hitlerkrieg, den zweiten Weltkrieg. Mit ihm wird sie enden. Solange Menschen leben, wird man nicht aufhören, sich zu schämen, dass sie möglich gewesen ist. F. St. 1 nslnnig�e iinslmiige Strafen Der Henker an der Arbeit Russisches Missgeschick. Wie die italienische„Stampa" berichtet und die Goebbelspresse verheimlicht, vollzog sich die Besetzung von Baltischport durch die Russen in nicht sehr glorreichen Formen. Die ersten russischen Wasserflugzeuge, die in Baltischport stationiert werden sollten, gerieten auf dem Flug zwischen Leningrad und dem von Estland abgetretenen Flottenstützpunkt in einen Sturm. Zwei von den neun Flugzeugen stürzten ab und wurden zerstört, die sieben anderen erreichten zwar Baltischport mit Mühe und Not, doch wurden sie von der Wasserströmung in die Riffzone abgetrieben und alle sieben beschädigt. Kanonen statt Schuhe. Seit Kriegsbeginn wurden in den Batawerken in Zlin 10 000 Arbeiter entlassen. Die Maschinen Hessen die Deutschen abmontieren und zerlegen, um sie teilweise in der Rüstungsindustrie zu verwenden. Wer das Deutschland von 1917 und 18 gekannt hat, weiss ungefähr, was gegenwärtig im Dritten Reiche vor sich geht. Da die zahllosen Rationierungs- und Preisstopgesetze uneinhaltbar sind— ihre Befolgung würde dem Selbsterhaltungstrieb zuwiderlaufen— blühen Hamsterei und Schleichhandel, Schieberei, Erpressung und Wucher. Die nationalsozialistische Regierung handhabt die von ihr geschaffenen Gesetze nicht anders, als die Regierungen aller Zeiten und Länder von jeher undurchführbare Gesetze gehandhabt haben. Wissend, dass jeder Untertan mit einem Fuss im Gefängnis steht, greifen sich die Hüter der sogenannten Ordnung eine möglichst grosse Anzahl ungeschickter Missetäter heraus und überliefern sie dem Kadi. Der verhängt seinerseits unverhältnismässig hohe Strafen, die weniger dem zufällig ergriffenen Sünder gelten, als vielmehr den abertausend anderen Gesetzesbrechern, die zwar niemals alle bestraft werden können— man kann kein ganzes Volk hinter Schloss und Riegel setzen,— denen man aber begreiflich machen will, dass es auch ihnen eines Tages„so ergehen" könne und die man durch diese Art Abschreckung wenigstens zur Mässigung anzuhalten hofft. Die Strafen, die das nationalsozialistische Regime austeilt, sind natürlich ungleich härter als die im niedergehenden deutschen Kaiserreich. Aber die Not ist grösser, und das deutsche Volk ist heute gegen jede Art Terror abgestumpfter als je zuvor. Die deutsche Presse ist denn auch voll von Greuelmeldungen über die exemplarische Bestrafung der ertappten Opfer. Die folgende Blütenlese entnehmen wir allein drei aufeinanderfolgenden Nummern der„Frankfurter Zeitung". Am 24. November heisst es da: „Der Reichskommissar für die Preisbildung hat wegen zahlreicher fortgesetzer, schwerwiegender Verstösse gegen die Vorschriften der Verordnung über die Preisbildung für inländisches Nadelschnittholz vom 11. Oktober 1938 gegen eine Berliner Firma, die ein Sägewerk und eine Holzhandlung betreibt, eine Ordnungsstrafe in Höhe von 750 000 Reichsmark, gegen eine zweite Firma, ebenfalls Sägewerk und Holzhandlung, eine Ordnungstrafe in Höhe von 500 000 Reichsmark und gegen eine weitere Berliner Holzhandelsflrma eine Ordnungsstrafe in Höhe von 25 000 Reichsmark verhängt. Für den Fall weiterer Zuwiderhandlungen gegen die Preisvorschriften wurde die Schliessung der Betriebe angedroht." Am 25. November: „Der Reichskommissar für die Preisbildung hat im Anschluss an die vor kurzem bekanntgegebenen Bestrafungen wegen erheblicher Preisteigerungen bei Räucheraalen, geräucherten Sprotten und frischen Fischen nachträglich weitere Ordnungsstrafen verhängt. Die Fischver- werlungsgenossenschaft eGmbH in Sassnitz wurde mit 20 000 Mark, drei Räuchereien in Schleswig-Holstein mit 22 000, eine weitere Räucherei in Nordwestdeutschland mit 120 000 und eine Fischgrosshandlung an der Nordseeküste mit 10 000 Mark bestraft., Alle an der Fischverwertung und am Fischabsatz beteiligten Kreise werden erneut angehalten, die ergangenen Preisbestimmungen genau zu beachten. Und am 26. November:, „Das Berliner Sondergericht verurteilte die 39jährige Marga Krause wegen Verbrechens gegen die Verordnung gegen Volkschädlinge, die Kriegswirtschaftsverordnung sowie die einschlägigen Bewirtschaftungs- und Preisgesetze zu zehn Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. Die Verurteilte hatte zwei Schlächtermeister zu überreden verstanden, ihr sechs Wochen hindurch grössere Mengen Fleisch- und Wurstwaren ohne Bezugskarten zu überlassen. Die erhaltenen Wären verkaufte die Krause dann mit erheblichem Preisaufschlag weiter." Der letzten Meldung sind die Worte angefügt: „Nur dem Umstände, dass sie bisher unbescholten war, verdankte sie die Tatsache, dass das Gericht ihr Verbrechen nicht als todeswürdig ansah, weil für ihre Tat auch die Todesstrafe in Frage gekommen wäre. Der Anklagevertreter wies darauf hin, dass auch die übrigen beteiligten Personen noch ein Strafverfahren zu gewärtigen hätten." Der letzte Satz gilt natürlich den Verkäufern und auch den Käufern der verschobenen Ware, soweit sie keine nationalsozialistischen Funktionäre sind. Die deutschen Zeitungsleser werden sich bei der Lektüre solcher Nachrichten nicht mit der Feststellung begnügen, dass so etwas in einem Lande mit einer unsinnigen Zwangsgesetzgebung eben nicht zu umgehen sei. Die deutschen Zeitungsleser sind viel besser informiert, als die nationalsozialistischen Behörden es wahr haben wollen. Ein Geschäftsreisender aus einem neutralen Land, der erst vor wenigen Tagen aus dem Reich zurückgekehrt ist, erzählt uns, er habe keinen Geschäftsfreund und keinen privaten Bekannten getroffen. der nicht regelmässig die ausländischen Funkmeldungen gehört hätte. Die deutschen Leser werden sich also fragen: wo bleibt das unter dem Vorwand der„Ordnungsstrafe" kassierte Geld? Wandert es auf geheimen Wegen über die Grenze, um irgwendo das wertbeständige Vermögen unsrer Führer vergrössern zu helfen? Die deutschen Leser werden weiter überlegen: wenn gewöhnliche Menschen in Deutschland hungrig sind oder hungrige Kinder haben, kaufen sie Schieberware und riskieren dabei ihre Freiheit, vielleicht sogar das Leben. Frau Goering hat das nicht nötig. Sie reist nach der Schweiz in ein Sanatorium, und weder sie noch ihr neugeborenes Baby laufen Gefahr, einer der längst in Deutschland üblichen Hungerkrankheiten zu verfallen. Warum haben die Nationalsozialisten diese Reise so ängstlich dementiert? Attentatsfurcht? Auch. In erster Linie aber schlechtes Gewissen. Neben den Ueberschriften zu den oben zitierten Notizen:„Ordnungsstrafen" „Empfindliche Strafen wegen Preissteigerung" und„Zehn Jahre Zuchthaus für Schleichhandel" hätte sich die Ueber- schrift:„Frau Göring in der Schweiz von einem Mädchen entbunden— Mutter und Kind kerngesund" wohl doch etwas merk- i würdig ausgenommen. Für den Völkerbund Ein Telo�ramin des sozialdeinokratlsohen Partei Vorstands Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands hat an den Generalsekretär des Völkerbundes in Genf des folgende Telegramm gerichtet: Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands erneuert aus Anlass des Zusammentritts des Rats des Völkerbundes sein Bekenntnis zu dem grossen Gedanken der Völkersolidari- tät. Unter der Führung der Sozialdemokratischen Partei hat die deutsche Republik sogleich nach der Beendigung des Weltkrieges ihre Aufnahme in den Völkerbund beantragt. Ihr späterer Eintritt und ihre Zusammenarbeit mit den grossen Demokratien Grossbritannien und Frankreich schien für Europa ein neues Zeitalter der Sicherheit und des friedlichen Aufbaues zu eröffnen. Deutschlands Sturz in die Sklaverei und sein Austritt aus dem Völkerbund hat eine Aera der V erbrechen und des Unheils für unseren Erdteil eingeleitet, aus der es nur eine Rettung gibt: Rückkehr zum Prinzip der kollektiven Sicherheit, Rückkehr eines von der Despotie befreiten Deutschland in den Völkerbund. Hans Vogel, Vorsitzender. Vom deutschen Gemill In den deutschen Reisebüros im neutralen Ausland, besonders auf dem Balkan, hängen grosse Plakate, auf denen in Riesenlettern die Aufforderung zu lesen ist: „Besucht die Trümmer von Warschau/" Kommt und seht wie es Euch ergeht, wenn Ihr nicht tut war wir wollen und zahlt für diese Reise in das Land Eures Albdruckes noch mit Euren guten Devisen. Das steht nicht dabei, aber so ist es gemeint. Alle Prager Krankenhäuser sind für Besucher geschlossen worden. Mit dieser Anordnung soll das Personal in zartfühlender Weise von den ewigen Belästigungen durch nachfragende tschechische Eltern befreit werden. Nahezu die gesamte tschechische studierende Jugend ist am 17. November aus Prag verschwunden und kaum einer der Studenten konnte bisher seinen Eltern ein Lebenszeichen senden. Und da haben diese ungeduldigen Tschechen gewagt von Krankenhaus zu Krankenhaus zu gehen und sich nach ihren Söhnen zu erkundigen, statt ruhig zu warten bis die Urne ins Haus kommt. Mit dieser Disziplinwidrigkeit ist nun aufgeräumt worden. Das Rote Kreuz hat einen schon vor einem Jahr gestellten französischen Antrag aufgenommen, nach dem die kriegführenden Staaten sich verpflichten sollen, bestimmte genau bezeichnete Bezirke, in denen die evakuierten Frauen und Kinder untergebracht werden, nicht zu bombardieren. Ueber das deutsche Rote Kreuz antwortete die Hitlerregierung, dass sie ein solches Abkommen nicht unterzeichnen könne, weil Deutschland nicht seine Absichten erkennen lassen könne und weil es sich heute um einen totalen Krieg handle. V Den Mord an dem emigrierten Ingenieur Formis in Zahori bei Prag gibt der „Völkische Beobachter" jetzt ganz offiziell zu. Die Mordtat wird in der Sprache dieses Blattes gemütvoll als„die von zwei SS-Führern des Sicherheitsdienstes be- fehlsgemäss durchgeführte Zerstörung eines Geheimsenders" bezeichnet. Für die Technik des Polenmordes wurde von den Deutschen bereits ein gewisser Ritus entwickelt. Unter irgenVl einem Verwand oder auch ohne besondere Begründung wird eine Gruppe von Polen auf den Hauptplatz des Dorfes geführt und dann wird die ganze Gruppe erschossen. In Wolyscyn wurde dieses summarische Verfahren durch eine neue Nuance erweitert. Man hat die Füsilierung von sechsundzwanzig Polen am Abend mit Scheinwerferbeleuchtung vorgenommen und die übrigen Bewohner sind gezwungen worden, dem Schauspiel beizuwohnen. Um die Verleihung des Mutterehrenkreuzes zu Weihnachten hat sich Hitler selbst gekümmert. Der„Rheinisch-Westfälischen Zeitung" zufolge soll er angeordnet haben, dass für„alle noch nicht erfassten Mütter das Verleihungsverfahren unverzüglich mit grösster Beschleunigung weitergeführt wird... Ein verbleibender Rest von Anträgen muss unbedingt bis zum nächsten Muttertag aufgearbeitet wer' den." In wen i�en Keilen Die Tausch-Inserate— fette Gans geg®0 Pelzjacke— mehren sich in der deutsche0 Presse. Das„Schwarze Korps" gibt � dass man sich im dritten Reich der Tauschwirtschaft primitiver Zeiten D0' here. Alle Zeitungen des Protektorats musste0 die Mitteilung bringen, dass es Pflicht der tschechischen Bevölkerung sei, die Sy05" hole des Reiches zu grüssen. Es bleibt deD Tschechen freigestellt, ob sie bei der Deutschlandhymne, dem Horst Wesse'' Lied oder beim Anblick deutscher Fahn®11 den Hut abnehmen oder den Hitlergru55 leisten wollen.—„Siehst du den Hut dor' auf der Stange..." • Ausländische Blätter berichten über d®" Ekel, mit dem hohe deutsche Militärs di® russische Expedition gegen Finnland kP' tisieren.„Bodenlose Schweinerei", habe®'n deutscher General gesagt. Aber die hint®1'' listige Ueberrumpelung und Knebelung d®r Tschechoslowaken war für diese Genera'1' tät gerade noch zu ertragen. Im neuesten Knaur, Berlin 1939, begiIlD' der Abschnitt über Bolschewismus: tfö" Zeichnung der kommunistischen weltre_v®' lutionären Massenbewegung der in Sowj®1' russland raithilfe der marxistischen KläS senkampfideologie unter brutalstem Ten-® errichteten Gewaltherrschaft der jüdis�' asiatischen Nomadenrassen..." Die ga0� Auflage muss eingestampft werden. . In der Schweiz erscheint noch ein kf"1 munistisches Organ, das in Basel. Unang®" kränkelt von den Tatsachen verteidigt ef den brutalen russischen Ueberfall"l1-, Finnland, das das arme friedliche Sta'1 nien dauernd bedroht habe. Das kom01". nislische Organ heisst„Die Freiheit". P3' gibt es noch. Eine Viertel Million Protektoren. Böhmen und Mähren garnisonieren g®?� wärtig 250 000 deutsche Soldaten, die f1 � nicht ganz ungefährliche Protektion oe sechs Millionen lassen. Tschechen angedei b®" erereralich cht SO nizu ser tioDen em Taerund Entscheidet euch! Die Neue Gewerkschaftszeitung", das Organ der deutschen freigewerkschafstlichen illegalen Bewegung schreibt: ,, In dieser Situation kann es nur eine machen will Fen, Wahl. men eutWO rdes um gen perin rige are ielhat weiz och Ener Tunben gstuch. sen. ben steifür bervon und werkbis weregen chen zu, der nästen der ¡ ymden der sselnen russ dort den die krie ein Interder raliginnt Be evowjetKlaserror ischanze komingest es auf StalinmuDas In egenihre den eihen Die Hitlerration Die Kürzung der deutschen Lebensmittelrationen diesem Reichtum menschliche Pflicht geben: Die Pflicht Das Hitlerregime hat sich, sehr gegen Butter, 7/10 Pfund Reis, einem Pfund Hül- den Verbrauchern nicht viel, dass Fische sich gegen das Verbrechen an der Mensch- seinen Willen, entschliessen müssen, noch senfrüchte, und Schokolade und Lebkuchen ohne Karten käuflich sind. Auch Geflügel heit zu wehren! Diese Pflicht besteht auch vor Beginn des Krieges die Kriegsrationie- in der doppelten Portion der einmaligen und Wild kann man„ frei" kaufen, und für das deutsche Volk. Wo der Massen- rung über Deutschland zu verhängen. Der Zuteilung vom November. Kinder bekom- Darré hat vor einigen Wochen die Konsumord des Krieges tobt, ist Schweigen nicht Entschluss dazu mag besonders für den men eine besondere Weihnachtszulage. Sie menten mit Zahlen über den reichen Ertrag mehr am Platze. Die Stunde der Entschei- Göbbels sehr schwer geworden sein, denn besteht für Kinder bis zu drei Jahren in 50 der Jagd zu trösten versucht. Im Jagdjahre dung ist da. Wer sich nicht mitschuldig es musste ihm sehr gegen den Strich gehen, Gramm, bis zu sechs Jahren in 300 Gramm 1936/37 habe der inländische Wildabschuss an der Verlängerung des im Volke die Erinnerung an die Hungerjah- Butter. Kinder bis zu 14 Jahren bekommen 12% der Kalbfleischversorgung ausgemacht, Krieges, der muss jetzt seine Pflicht im re des vorigen Krieges wachzurufen. Aber für den Monat Dezember 210 Gramm Fett und es seien im Jagdjahr 1935/36 nicht weman musste sich, der Not gehorchend, so- mehr als bisher. Auf jedes Kind entfällt für niger als 3 Millionen Hasen, 2 Millionen Kampfe gegen das Naziregime tun. Deutsche Arbeiter, deutsche Männer und gar dazu bequemen, schon nach dem ersten diesen einen Monat ein halbes Pfund Ka- Rebhühner, 1,8 Millionen Wildkaninchen, 1 Million Fasanen, 640 000 Stück Rehwild, Frauen! Wir wissen, dass Ihr den Frieden Kriegsmonat die Rationierung zu verschär- kaopulver. Diese Sonderzuteilung für den Festmo- 57 000 Stück Rotwild und 37 000 Stück liebt und den Krieg verabscheut. Man ver- fen und die Rationen zu verkürzen. Im langt jetzt von Euch, dass Ihr für das Nazire- September waren Brot und Mehl noch ohne nat ist also recht dürftig und kann kaum Schwarzwild der Versorgung zugeführt gime Euer Leben zum Opfer bringen sollt. Karten käuflich, darnach wurde die Brot- dazu beitragen, die Feststimmung der ersten worden. Wenn sich der deutsche VerbrauAbsurd! Die Entscheidung, vor der wir alle Karte eingeführt. Die Fettration ist von 420 Kriegsweihnacht zu verbessern. Für die cher auch leicht ausrechnen kann, dass stehen, ist: Ein freies Deutschland in auf 332 1/2 Gramm je Woche beschnitten laufende Rationierungsperiode, die diesmal auf seinen„ Kopf" von einem freien Europa, oder Untergang in worden. Im ersten Monat konnte jede Per- vier Monate dauert, sind die rationierten nicht allzuviel kommt, mag ihm dennoch Barbarei und Knechtschaft! Das Eine ist son pro Woche 1,4 Liter Vollmilch bekom- Portionen verändert worden. Aber diese bei der Aufzählung dieser schmackhaften der Kampf gegen Hitler, das Andere der men, nun bekommen Vollmilch nur noch Veränderung ist keine Verbesserung, son- Tiere der Mund gewässert haben. Die bewerdende und stillende Mütter und Kinder, dern nur eine Anpassung an den Fettman- scheidene Freude währte aber nicht lange. Kampf für Hitler. Es gleibt nur diese in besonderen Fällen auch Schwerarbeiter gel, der in diesem wie im vorigen Kriege Schalenwild wird jetzt nur noch gegen und Kranke, alle übrigen müssen sich mit der schwächste Punkt der Kriegsernährung Karten abgegeben, und für das andere Wild In dem Freiheitskampf, der Europa Magermilch genügen lassen, die man mit ist. Die 125 Gramm Zulage auf die Fleisch- haben die Händler von sich aus Kundenlisdurch den Nazimilitarismus aufgezwungen dem verlockenden Namen ,, entrahmte und Wurstportion vom Dezember werden ten eingeführt, weil ihre Vorräte höchstens worden ist, muss das deutsche Volk auf Frischmilch" getauft hat. für die ganze laufende Rationierungsperio- zur Belieferung der Stammkundschaft ausder Seite der Freiheit stehen. Wenn wir Kunsthonig und Dörrgemüse, Gewürze, de beibehalten, aber nur zum Ausgleich für reichen, Wild und Geflügel kommen ohneschon sterben sollen, dann lieber für die Kakaowaren und Eier waren im ersten den Mangel an Fett, der sich immer stärker hin fast nur noch für Restaurants in BeFreiheit und die Menschenrechte, als für Monat kartenfrei. Sie sind jetzt nur noch fühlbar macht und zur weiteren Kürzung tracht. Besonders Geflügel ist so selten zu den tollen Machtwahn und die krankhafauf Lebensmittelkarte zu haben. Aber sie der Fettzuteilung zwingt. Die Zuteilungen sehen, dass seine Einbeziehung in die ten Weltbeherrschungspläne des korsind so selten, dass keine festen Mengen sind herabgemindert worden bei Margarine Fleischkarte alsbald erwartet wird. rupten und barbarischen Naziregimes. dafür vorgesehen sind. Es gibt sie nur von von 375 auf 315, bei Schmalz von 250 auf Schon nach drei Monaten Krieg wird also Deutsches Volk und vor allem Ihr deut- Zeit zu Zeit und auf amtliche Ankündigung. 185, also um 65 Gramm. Die Kürzung der die Kriegswirtschaft in Nahrungsmitteln sche Arbeiter! Wir kennen die Gefahren, Im ersten Monat konnte man noch, wenn Fettration ist also genau so gross wie die fortgesetzt verschärft, ein sichtbarer Bedie Euerem Freiheitskampfe im Lande es ihn gab, für die Woche 63 Gramm Erhöhung der Fleischration, 125 Gramm. weis dafür, wie verlogen die Prahlereien selbst drohen. Aber wir bauen und verKaffee kaufen. Nun ist der Verkauf von Man hat sich zu dieser Einschränkung ent- sind, mit denen man im Ausland den Eintrauen auf Euch, wenn wir unsere Pflicht Kaffee verboten, aber das Verbot ist über- schlossen, weil diese Fettsorten sich leich- druck von Deutschlands Unbesiegbarkeit erfüllen und auch Euch zurufen: Entscheiflüssig, weil mit noch so viel Geld und noch ter lagern lassen, und hat dafür die Ration und der Unerschöpflichkeit seiner Reserdet Euch!" so guten Worten kein Kaffee aufzutreiben von Butter und Käse um insgesamt ein ha ven zu erwecken sucht. In Wirklichkeit ist, und auch kein Tee, den man aber im- bes Pfund erhöht. Dieses halbe Pfund pro zeigt die rasche Ausdehnung des Kartenmer noch theoretisch auf Lebensmittelkar- Monat ist also die ganze Mehrzuteilung, die systems, wie sehr man die Blockade fürchte beziehen kann. für die laufende Periode von vier Monaten tet und wie sehr man sich genötigt sieht, G. A. F. Vom Lügen Manche aus Deutschland kommende Liebe wider das Programm Dass die ohnehin knapp bemessenen Ra- erfolgt ist. Allerdings sind dafür auch die sich auf ihre sich verstärkende Wirkung Die nationalsozialistischen Zeitungen sind voller Warnungen an die deutschen Frau- tionen schon nach einem Monat verkürzt nicht oder noch nicht rationieren Fleisch- vorzubereiten. en. Sie sollen sich mit den jungen Kriegs- worden sind, hat eine heftige Misstimmung sorten seltener geworden. gefangenen, die auf Landgütern und in und Beunruhigung hervorgerufen, so heftig, Mit Ausnahme von Fleisch, das, allerdings Fabriken arbeiten, nicht allzu freundlich dass Darré sich gezwungen sah. etwas zur mit 20 bis 30% Knochen, nachgeliefert werabgeben. Eine ,, falsche Humanität" sei Aufmunterung zu tun. Um die Stimmung zu den soll, wenn der Fleischer das vorgehier nicht am Platze. Feind bleibe Feind, heben, wurden im November eine Tafel schriebene Gewicht nicht ausliefern kann, und die Gefangenen seien immer bereit, Schokolade im Gewicht von 100 Gramm und sind die rationierten Mengen Höchstmen- Lüge begreift man recht gut. Manche für ihr Land, also gegen Deutschland zu 125 Gramm Lebkuchen abgegeben, aller- gen, die unter-, aber nicht überschritten begreift arbeiten. Im übrigen müsse die Reinheit dings nur einmal. Wer Pralinée vorzog, werden dürfen. Man bekommt sie nur, wenn also jene famose Lügenzentrale, die der deutschen Rasse gewahrt werden. konnte statt der Tafel Schokolade 125 sie da sind, was aber bei weitem nicht im- falsche Nachrichten ins Ausland lanOffenbar mer der Fall ist. Ausserdem gibt es noch ciert, um den auf die Goebbels- En Wenn die deutschen Zeitungen an diese Gramm Pralinées bekommen. reichte das nicht aus, um den Leuten die markenfreie Waren. Sie sind aber nicht ten hereinfallenden ausländischen NachFrage derart viel Raum verschwenden, muss sie schon ziemlich brennend sein. Bitternis der rationierten Schmalkost zu etwa deshalb von der Rationierung befreit, richtendiensten vermittels eines handfeEs ist ein freundlicher Gedanke, dass da versüssen. Man musste sich zu Sonderzula- weil sie reichlich genug vorhanden, son- sten Dementis ihre Unzuverlässigkeit nachdrüben, im Land der verkrüppelten Seelen gen für den Weihnachtsmonat entschlies- dern weil sie zumeist für die grosse Masse weisen zu können. Die angebliche Hinrichund vernagelten Köpfe, die Natur trium- sen und dazu die aufgesammelten Vorräte der Verbraucher zu teuer sind. Vor dem tung des Kronprinzen gehört in diese Kaphiert und dass den jungen deutschen schärfer angreifen, als ursprünglich vorge- Kriege war auf das intensivste die Ersetzung tegorie. Hier sieht man einen Grund, der Frauen selbst durch sechs Jahre Hitler- sehen war. Diese Sonderzulagen bestehen des raren Fleisches durch Fisch propagiert Hand und wenigstens einen Fuss hat. herrschaft das Bewusstsein, ein Mensch für den ganzen Monat Dezember in einem worden. Aber auch Fisch ist jetzt selten Wozu aber lässt man einen französischen Viertel Pfund Fleisch oder Wurst( also 31 geworden, weil die Zufuhr durch die Blok- Gefangenen am deutschen Rundfunk spresei eben doch ein Mensch, nicht ganz ausGramm pro Woche), einem halben Pfund kade beeinträchtigt wird. Dabei nützt es chen, der gar kein Gefangener und auch getrieben worden ist. garnicht in Deutschland, also auch nicht am Stuttgarter Mikrophon ist? Das Schuldkonto Das ,, Hamburger Tageblatt" vom 23. November bringt eine Weltkarte der englischen Mordtaten". Diese Karte ,, veranschaulicht, wie die teuflische Spinne Secret Service ihr Netz über einen ganzen Kontinent gesponnen und Jahrzehnte hindurch den Mord zu einem Mittel britischer Politik gemacht hat... Meist liegt die Urheberschaft offen zutage, oft auch deuten geheimnisvolle Umstände auf die Hand des englischen Geheimdienstes hin." Als ,, englische Mordtaten" bezeichnet jene Karte u. a. die Schüsse von Serajewo, das Attentat auf Jean Jaurès, die Ermordung König Alexanders und Barthous, die Erschiessung Calinescus usw. usw. Das Register des Herrn Goebbels hat einige Löcher. Es kann nur sträfliche Vergesslichkeit und sicher nicht der leiseste Skrupel sein, was ihn veranlasste, nicht auch die Ermordung des Kanzlers Dollfuss, des Stabschefs Röhm und des Pg. Kiroff anzuführen. Vielleicht war es auch der englische Geheimdienst, der den Professor Theodor Lessing und den Ingenieur Formis ums Leben bringen liess. Deuten nicht geheimnisvolle Umstände darauf hin? Herr Goebbels sollte seine Liste komplettieren. Er ist schliesslich Minister für Volksaufklärung. Ferntrauung In Deutschland ist jetzt die ,, Ferntrauung" für Soldaten gesetzlich gestattet worden. Wer an der Front ist, kann sich verheiraten, ohne dass er auf fahren braucht. Eine schriftliche Erklärung genügt, und der Standesbeamte Urlaub zu schliesst die Ehe in Abwesenheit des Bräutigams. Hierzu schreibt das„, Hamburger Tageblatt" Nr. 320: ,, Der Mann im Felde wird den begreiflichen und berechtigten Wunsch haben, dass ihm, falls er im Kriege sein Leben sollte lassen müssen, vorher wenigstens die Gründung einer Familie gestattet wird." Der ernüchterte Ikarus Gemurmel eines deutschen Erkundungsfliegers Ich seh die Welt fast nur noch von hier oben, ich ahne kaum noch, wie sie wirklich ist. Dass man den ganzen Raubtierstall vergisst, ist an dem Handwerk immerhin zu loben. Ich hab mit meinen zweiundzwanzig Jahren schon soviel ekelhaftes Zeug erfahren. Sind das Kanonen, die da unten grollen? Mir ist im Bauch ein wenig flau zumut. Wozu ist eigentlich das Ganze gut? Die Mutter sagt, ich hätt' was lernen sollen, dann kônnt' ich mir das grosse Maul ersparen und etwas Geld mit zweiundzwanzig Jahren. Der Teufel hol's! Ob doch mit dem Propeller die Sache nicht ganz stimmt? Die Kiste bockt. Das ist Paris, was da im Dunkel hockt, dort müssen alle Leute in den Keller, nur weil mir's passt, mit zweiundzwanzig Jahren hoch über ihnen durch die Luft zu fahren. Das macht mir Spass, und Spässe sind so selten. Ich glaub, man haut uns mächtig übers Ohr, ein Führer lügt dem andern etwas vor, was gestern heilig war, soll heut nicht gelten, und uns um Stalins Siegeskranz zu scharen, fällt uns nicht leicht mit zweiundzwanzig Jahren. Ich hör' in der Maschine etwas klirren. Ich mache kehrt und gebe Fersengeld. Wozu denn Heldentod? Bin ich ein Held? Ich glaube nicht, allein, ich kann mich irren. Wenn sich die Heldenführer aufbewahren, warum nicht ich mit zweiundzwanzig Jahren! Jetzt schiessen sie. Das ging zum Glück daneben Krieg Opfer Heldentod Warum? Wieso? Ich habe angst. Teils vor der Gestapo, teils vor dem Sterben, teils auch vor dem Leben. Ich hab' genug von Fahnen und Fanfaren. Ich hab' genug. Mit zweiundzwanzig Jahren. man garnicht. Da gibt es Das ist Anfang Dezember geschehen. Der französische Leutnant, der damals mit schwacher Stimme in den Aether meldete, er sei in Deutschland gefangen, aber er sei gesund und es gehe ihm gut, befand sich in Wahrheit bei seinem französischen Truppenteil, und einige Tage nach der Falschmeldung vernahm man im französischen Rundfunk eine Schallplatten- Reportage, in deren Ablauf sowohl die Stimme des Renommier- Gefangenen, als auch das Gelächter seiner Kameraden zu hören war, die sich über die spukhafte Persönlichkeitsspaltung des Leutnants nicht schlecht zu amüsieren schienen. Diesmal war es also an Frankreich, kräftig zu dementieren. Warum zieht sich das deutsche Propagandaministerium derartige Blamagen zu? Die Lügner mögen gehofft haben, dass der Schwindel unbemerkt bleiben werde. Sie sind jahrelang allzu sehr daran gewöhnt worden, dass niemand in der Welt sich die Mühe nahm, ihnen auf den Mund zu schlagen. Den meisten offiziellen Stellen des Auslandes mögen die deutschen Falschmeldungen zu dumm, zu plump, zu durchsichtig erschienen sein, um sich damit auseinanderzusetzen. Man hat die Gefährlichkeit des unablässigen Trommelfeuers der deutschen Propaganda zu spät erkannt, Andrerseits mag der Stuttgarter Gefangenenzauber mehr für das In- als für das Ausland bestimmt gewesen sein. Und hier liegt die Tragikomik der ganzen deutschen Lügenapparatur. Während sich die Lügenzentrale bemüht, die Nachrichtendienste der demokratischen Staaten auf den Leim zu locken und sie so zu kompomitieren, kompromitiert sich der nur für Deutschland arbeitende Lügenfunk, der seine Fälschungen ernst meint, ganz von selbst und ohne Zuhilfenahme besonderer Apparate. Da die Auslandspresse jedoch die nicht authentischen Nachrichten über Deutschland, aus welcher Quelle sie immer stammen, sehr vorsichtig aufnimmt und sie stets mit einem ,, soll" oder einem ,, man sagt" versieht, ist Goebbels im In- und Ausland und wie er es auch anstellt, immer und immer der Hereingefallene. Am Rundfunk Der Emigrant, der zu Menschen und Dingen in Deutschland im Laufe so vieler Jahre Distanz gewonnen hat, hört zuweilen eine begreifliche Neugier mag ihn dazu treiben am Rundfunk jene Stimmen, mit denen man aus der ehemaligen Heimat für Hitlers Sache wirbt. Es sind Chronik der der Woche Woche Vermittlungsvorschlag des Völkerbundes Montag, 4. Dezember 1939 im russisch- finnischen Konflikt. Fritz Kuhn, der Führer des deutsch- amerikanischen Bundes in den Vereinigten kommen. Freitag, 8. Dezember 1939 Der finnländische Generalkonsul in BerDie finnländische Regierung hat durch Staaten wurde zu 7 1/2 Jahren Gefängnis lin erhielt zahlreiche Sympathiekundgeden mit der Vertretung ihrer Interessen wegen Betrugs und Unterschlagung verurin Moskau beauftragten schwedischen Ge- teilt. Die in dem Prozess enthüllten Ein- bungen aus Deutschland. Die Gestapo, die sandten der russischen Regierung ihre Be- zelheiten haben zahlreiche Mitglieder zum vorgeladen und strengstens verwarnt, weil reitschaft zu Austritt aus dem ren lassen. Bund veranlasst, dem überdies seit Kriegsbeginn die deutschen Subsidien fehlen. Donnerstag, 7. Dezember 1939 davon erfuhr, hat mehrere Briefschreiber antibolschewistische sich weigerten, ein Abkommen mit den zu versuchen, damit Verhandlungen zwiermüdete, unfrohe Stimmen, dies der erste Der Völkerbundsrat ist auf Grund des Sowjets zu schliessen, das Angriffe auf die schen Russland und Finnland zustande Eindruck, der sich immer wieder bestätigt. Appells der finnländischen Regierung auf baltischen Staaten einbezogen hätte. Da gibt es den Sprechton falscher Sicher- 9. Dezember und die Vollversammlung auf heit, den man wiedererkennt, wie man 11. Dezember einberufen worden. gewisse Gesichter wiedererkennen würde. Was indessen indessen überwiegt, ist in der Darstellung eine langweilende zurückhaltende Sachlichkeit, die recht bezeichnend ist für Leute, die sich keinen Schritt weit persönlich vorManifestationen in Deutschland unerwünscht seien. wagen dürfen. Erstaunlich für Kriegszeiten: es fehlt an Pathos. Am echten, das Molotow erklärt, dass die Sowjetunion Sonnabend, 9. Dezember 1939 würde man wohl erwarten, Es fehlt aber diese Regierung Finnlands nicht anersogar am falschen Pathos. Die Jugend, hin kenne, sondern nur die Regierung Kuusiund wieder, muss man ausnehmen. Wir nen, mit der sie einen Pakt abgeschlos- nach Reden von Mussolini und Ciano eine den bisher 3,5 Millionen schwedische, In Rom hat der grosse Faschistenrat schen Ländern zugunsten Finnlands wurFür die Sammlungen in den skandinaviErklärung beschlossen, nach der Italien 0,5 Millionen norwegische und 0,84 MilDie Sowjetregierung lässt dem General- von jeder Veränderung im Donaubecken lionen dänische Kronen gezeichnet. Gedichte wie sie von weissgekleideten Mäd- sekretär des Völkerbundes mitteilen, dass und auf dem Balkan berührt wird und chen aufgesagt werden. Und man konnte sie sich auf der bevorstehenden Tagung nach der durch die Nichtbeteiligung Itasich sehr gut die jungen Sprecherinnen des Völkerbundes nicht vertreten lasse, liens am Krieg die Ausdehnung des Konvorstellen, für die das Wort Tod nur eine weil sie sich nicht im Kriege mit Finnland fliktes auf Südosteuropa und das Mittelpoetische Wirklichkeit ist. Die Freundin- befinde. nen der 16 und 17 jährigen Burschen, die dazu bestimmt sind, nutzlos geopfert zu werden, sind sich ähnlich geblieben, über 25 Jahre hinweg. hörten eine Toten gedenkstunde der Hitler- sen habe. jugend. Da reimten sich feierlich solche Sonntag, 10. Dezember 1939 Die Sowjetregierung hat die Oberkommeergebiet vermieden worden sei. Weiter mandanten der Armee, der Luftstreitkräfte und des Militärbezirks Odessa gegen anwurde festgestellt, dass die Beziehungen Dienstag, 5. Dezember 1939 zwischen Italien und Deutschland so blei- dere Persönlichkeiten ausgewechselt. Die deutsche Presse enthält scharfe An- ben, wie sie der Bündnispakt festgelegt hat. Montag, 11. Dezember 1939 Sonst allerdings scheint die Atmosphäre griffe gegen Schweden und besonders ge- Daladier entbietet in einer Sitzung der Der Völkerbund sandte an die russische doch sehr verändert. Man gewinnt zum Bei- gen den sozialdemokratischen Aussenmini- Kammer dem finnländischen Volk, dem es und an die finnländische Regierung auf gelungen sei, durch seinen heroischen Wi- 24 Stunden befristete Botschaften, in dederstand das Gewissen der Welt gegen die nen er die sofortige Einstellung der FeindGewalttaten zu wecken, die Grüsse Frankseligkeiten und die Aufnahme von Verhandlungen unter Vermittlung des Völkerspiel den Eindruck, als würde auf die Begeisterung der Volksgenossen garnicht so viel Wert gelegt. Sie müssen marschieren, dessen ist man ja sicher. Man tut wohl gester Sandler. Mittwoch, 6. Dezember 1939 Lord Halifax gibt im englischen Ober- reichs. legentlich etwas dafür, sie bei guter Laune haus bekannt, dass die englisch- französi- Die Aussenminister von Schweden, Nor- bundes vorschlug. Finnland antwortete zu erhalten. Dazu dient der Humor, der schen Paktverhandlungen mit Russland wegen und Dänemark sind in Oslo zusam- zustimmend, während von Russland bisher allerdings bemerkenswert auf den Hund scheiterten, weil England und Frankreich mengekommen und haben beschlossen, alles keine Antwort eingetroffen ist. gekommen ist. Es gibt Wachtstubenwitze plattester Art und sie werden von Männern und Frauen belacht. Selbst wenn man das Niveau mit dem der ersten Jahre dès Hit- Hummer, Kaviar auf Toast, Hamburger Bauernjunge steht vor dem Rundfunkspre- deren, und einmal hält er inne, weil er Kücken usw. Der Devisenausländer, der cher, und er wird teils ausgefragt, teils denkt, dass er etwas für das Gemüt sagen lerregimes vergleicht, ist da manches ärger geworden. Der kulturelle Abstieg eines Prasst, inmitten der hungernden Lan- herablassend zurechtgewiesen. Obwohl er muss. Er wendet sich also zum Koch: gebildeten Volkes ist eine recht beängsti- deskinder das alles hat man schon ein- doch eigentlich nach der nationalsoziali-„ Na, und mit diesen prächtigen blanken mal gehört, aus Russland. Diese Sen- stischen Lehre das Wichtigste ist, was der Nickeltöpfen, in einer so blitzsauberen gende Angelegenheit. Dem deutschen Rundfunk fehlt ferner, dung wurde nur englisch gegeben, nicht Staat hervorbringt, nämlich der Krieger. Küche, da... äh... da macht es Ihnen wohl Dem deutschen Rundfunk fehlt ferner, deutsch. Ob sich der Deutsche wohl straf- Die Suggestivfrage gehört gelegentlich zur Spass, für die kranken Kameraden zu kowas allerdings niemand wundern wird, Technik einer Rundfunkreportage. Man chen?" Da macht es Ihnen wohl Spassdie Sphäre des privaten Lebens. Das Hör- bar machte, der sie mithörte? spiel, die Stunde der Hausfrau, die Anlei- Kriegsreportagen, in denen man die jun- kann sich aber kaum vorstellen, wie takt- etwas anderes ist ihm nicht eingefallen. tung, was man mit dem Garten im Novem- gen Helden zu Wort kommen lässt, sind los sie von deutschen Ansagern gehandber zu tun hätte und ähnliche notwendige in allen kriegsführenden Ländern üblich. habt werden kann. Wie alle neudeutschen Blätter, so klagt auch die ,, Warschauer Zeitung" Finnland und lebensfreundliche Dinge haben völlig An den deutschen fällt auf, dass ganz of- Bei solcher Gelegenheit fühlt man, was an, es sei stets undankbar gegen den Hitleden politischen Zwecksendungen Platz fensichtlich nicht eben die gescheitesten an den jetzigen deutschen Menschen so rismus gewesen, wie sich ja auch Russland machen müssen. Da gibt es zum Beispiel Soldaten zum Ausfragespiel vor das Mikro- sehr erschreckt. Es ist die Herzlosigkeit. auf die Dauer Finnlands feindselige Haldie Werbungen für den Fremdenverkehr. phon geführt werden. Man verwendet da Man höre sie über ein Lazarettschiff spre- tung nicht habe gefallen lassen können. Der Fremde, der neutrale Ausländer erhält, wohl Elemente, von denen man keine chen. Das Lazarettschiff ist tadellos orga- Noch im Sommer d. J. brachten Naziblätwie man weiss, Lebensmittelkarten, aber Doppelzüngigkeit befürchten muss. Das An- nisiert. Nun gut. Aber wenn sie es be- ter warme profinnische Artikel, in denen er möge sich dadurch nicht geniert fühlen. hören eines solchen Dialoges ist eine der schreiben, denken sie keinen Augenblick besonders die Selbständigkeit und UnnachIn den Berliner Luxushotels lebt man sehr Gelegenheiten, bei denen der Landesflüch- daran, dass dort das Leiden lebendiger giebigkeit gerühmt wurde, die Finnland als gut. In englischer Sprache wurde ein Menu tige spürt, wie traurig es in Deutschland Menschen gelindert werden soll. Der Spre- Wacht im Nordosten" gegen das rote Sowaufgezählt: frische Austern, Krabbensalat, ist. Man stelle sich vor, ein unbehauener cher führt von einem Raum in den an- jetregime bewiesen habe. Juda- Ersatz Oder die Weisen von Kötzschenbroda Kaffee. man noch zu an der N W ger sein des bede der Insti fung Vor tung Scho die W des gege Ang gehe digu war sche ihre die Räu disk tige W W ents zeitReg den eine sätz bra ben fing mä und sich der höh sich ten lich ten Au che I Zei die den un kle ka Vo es tio sta sic Gr de Fa Vö W di Ne all das traurige Ende des Bauernkrieges mit Bündnis ein. Sie liessen ihn auf dem Zuge für jedoch stammen seine Frau und sein auf dem Gewissen hat. Die erste, sozusa- zu den Pyramiden und nach Moskau ver- Chauffeur teils aus Flöha, teils aus Lausa. gen bürgerliche Revolution Deutschlands bluten, um in der Völkerschlacht bei Leip- Kurz: Keiner kannte sein Volk besser, wurde im Blute der Bauern und Handwer- zig( wie teuflisch der Ort gewählt war!) als jener Halbbetrunkene, der 1918 gelasker ersäuft und damit eine demokratisch- die Kanonen umzudrehn und so erst ein- sen das königliche Wort sprach: ,, Macht Wir sehen den Augenblick näher kom- fortschrittliche Entwicklung Deutschlands mal den grossen Korsen zu erledigen. Die eiern Dreck alleene..." men, da denen, die nicht alle werden, die im Keime erstickt. Der Sachse Luther geistig- lyrische Vorbereitung besorgte der Weltschuldigen ausgehen. Europa hat eine stellte sich im Bauernkrieg gegen die Auf- ostsächsische Kriegshetzer Theodor KórFehlt noch etwas? In Sachsen wurde beachtliche Zahl solcher Spezies konsu- ständischen, trug damit zu ihrer Nieder- ner. ,, Frisch auf, mein Volk, die Flam- der Eintopf erfunden, später alleiniges Namiert. Einst war es der Teufel, dann die lage bei. Im dreissigjährigen Krieg rief menzeichen rauchen..." Ein intellektueller tionalgericht Hitlerdeutschlands. In SachHexen, später Juden, Freimaurer, Marxi- Sachsen die Schweden mit herbei und ist Urheber des Reichstagsbrandes. Göring ist sen wird seit Menschengedenken ein Kafsten, Bolschewisten. Seit der Berlin- Mos- mithin verantwortlich für alle Verwüstun- zweifellos sächsischer Herkunft. fee- Ersatz praktiziert, von dem der gute kauer Paarung scheiden für Mitteleuropa gen und jeden Schwedentrunk, der in Der unterirdische sächsische Kampf ge- dem Hitlerismus als Vorbild für die weiGeschmack nicht gern spricht, der aber die Marxisten aus. Wie lange aber wer- deutschen Landen verabreicht wurde. gen Frankreich wurde später von dem ge- tere Entwicklung an der Kaffeefront diente. den angesichts der stürmischen Entwick- Halten wir uns nicht lange auf bei dem gen die Kulturmacht England abgelöst. Lassen wir die alte Streitfrage beiseite, ob lung die Juden noch vorhalten? Kümmern echtsächsichen Wüstling August dem Star- Sachsen gegen Angelsachsen. Lissauers die Westsachsen oder die Ostsachsen jene wir uns beizeiten um Ersatz. Schon ist ken, mit dem Sachsen einen polnischen Grossmutter ist nicht umsonst vorgeschlagen worden: die Sachsen. Wa- König erstellte, der für die polnische Pleisse aufgewachsen. Die Redner, die Kötzschenbroda auf dem Gewissen haben. geheimnisvollen Protokolle der Weisen von rum gerade die Sachsen? Warum nicht Krone seinen Glauben verriet und katho- heute im deutschen Funk wider England Sicher ist, dass die Ostsachsen, Söhne der die Radfahrer? Weil die Sachsen, behaup- lisch wurde. Dieser Römling soll über toben, fallen durch ihren nur mühsam un- rauhen Schluchten des Elbsandsteingebirtet der internationale Antisaxonismus, Antisaxonismus, dreihundert uneheliche auf eine Geschichte zurückblicken, die ziert haben, die anonymen, ungezählten braucht Kinder produ- terdrückten sächsischen Tonfall auf. Wem ges, noch heute als die Waldursprünglinoch verdächtiger ist als der sächsische nicht mit gerechnet. Sodass mit Recht ge- Sachsen der Mutterboden des Nazismus den sie sich gern als Indianer und tanzen erklären, wieso cheren gelten dürften. Noch heute verkleisagt werden kann: jeder dritte Sachse ist? Siehe Reformation. Siehe den Sach- zwischen Wehlen und Rathen nächtlicherSchon Karl der Grosse muss etwas ge- stamme illegitimer Weise von dem gekrön- sen Richard Wagner, komponierender Fan- weile im Scheine der Lagerfeuer skalpgeahnt haben. Er dezimierte die Sachsen ten Wüstling ab. Welch frivole Herkunft faron des germanischen Rassismus, Leib- schmückt um Marterpfähle. Sie nennen durch einen 30. Juni, aber er vernichtete und Tradition den Sachsen heute noch trompeter Hitlers. Siehe Wagners Freund- beschönigend Karl May- Festspiele und mildie Falschen, nämlich die nördlichen. Der im Blute liegen soll. schaft mit Friedrich Nietzsche, der mit dern die barbarischen Orgien durch aus Juden- Ersatz sass weiter südlich und Wie Statistiker erklären, stellen die den Phrasen vom Herrenmenschen, der giebige Verwendung jenes weltberühmten eignete sich den Namen der Söhne Widu- Unehelichen einen beträchtlichen Prozent. blonden Bestie und dem gefährlich leben Dialekts, der Gemütlichkeit und Treuher. kinds durchaus unrechtmässig an, was auf satz der Asozialen. So auch hier. In alten dem braunen Barbarismus die brauchbar- zigkeit vortäuscht, dazu bestimmt, andere angeborene Arglist schliessen lässt. Halten Chronken heisst es, dass sich Mitte des sten Stichworte lieferte. Dass der Sachse Völker über die teuflischen Absichten und wir uns auch weiterhin nur an die gra- 18. Jahrhunderts sieben mehrfach vorbe- Nietzsche seine Herkunft gern auf pol- Intentionen der Sieben von Kötzschenbroda vierendsten geschichtlichen Fakten. Ma- strafte Individuen in Kötzschenbroda nische Vorfahren zurück führte, ist cha- hinweg zu täuschen. Hitler liess diesen chen wir einen Sprung bis zum nächsten versammelten und berieten, wie man das rakteristisch für den entarteten Interna- Dialekt verbieten, weil Meckereien auf grossen Sündenfall, der lutherischen Re- Gewinnende, Harmlose, Vertrauen erwek- tionalismus sächsischer Asphaltliteraten. sächsisch von Aussenstehenden weder ka formation. Die katholische Kirche ist inter- kende des sächsischen Dialekts nützen Auf diesem fauligen Boden gedieh Lessings piert, noch gefasst werden können. national, kennt nur den Einheitsgläubigen, könne, um die Sachsen hinterlistiger Judenverherrlichung ,, Nathan der Weise". lehnt jeglichen Rassismus mithin am Weise zu den heimlichen Beherrschern Hier wirkten die vaterlandslosen Gesellen schärfsten ab. Die protestantische Refor- der Erde zu machen. Diese Sieben von Bebel und Liebknecht und säeten Mar- Weltschuldige könnte uns eines Tages aus Man befreie sich von der Angst, der mation schafft Landeskirchen, dezentrali- Kötzschenbroda hinterliessen Geheimpro- xismus. Von hier aus spinnen sich die gehen. Für Nachwuchs ist gesorgt. Geisiert die Gläubigenherde, schafft den Bo- tokolle, in denen unter anderem tadellose Fäden verräterischer Beziehungen zum stig Anspruchslose, ob faschistisch oder den für Rassenwertungen innerhalb des Beherrschung eines einschmeichelnden slawischen Erbfeind: ewige Rassenschan- nicht, können von den Sünden der SachProtestantismus. Diese fragwürdige Refor- Dialekts als Hauptkampfmittel erklärt de mit den Slawen, August der Starke mit sen einige Jahrhunderte leben. Der neue mation bekam ihren kräftigsten Anstoss wurde. Mit solcher Arglist warfen sich die polnischem Hofstaat," Hölz als blutigster nach Belieben verwendbare Hauptfeind von Sachsen aus; Kurfürst Friedrich III. Sachsen seither immer auf den jeweiligen spartakistischer Sendbote der Menschheit wurde Luthers Protektor. Wer also ist Hauptgegner, Sachsens in hier ist er. Vor den um ihn zu vernichten. Moskau, Vorläufer des Paktes Berlin- Juden Mitteleuropas hat er den Vorzug, schuld am ziellosen Radau- Antisemitis- Napoleon, der von den Protokollen keine Moskau Es mag umstritten sein, ob in Ribdass er noch nicht ausgeplündert ist., mus? Sachsen mit seinem Luther, der auch Ahnung hatte, ging mit den Sachsen ein bentrops Adern sächsisches Blut rollt, daImp. Union, 13, rue Méchain, Paris. Ve ih ih te Sp se ti W B. Br. E G A Le Gérant: Albert MARION.