iru 1 D N A 1 A iy Tl 141 ITI ET DI C IM Journal JWVII�IvnLa nl 1 I im I IhEm�IEbI� aux refugies de langue allemande Nr. 341. SONNTAG, 31. Dezember 1939 ©ojialdcmolraJifc�cö tt>od>cnbIaW NOUVEL"EN AVANT!" Hebdomadaire en langue allemande Redaktion und Verlag: 30, Rue des Ecolcs, Paris-5. T�16phone: Odeon 42-58 Aus dem Inhalt: Deutsche Stimmung in Briefen Moskau ohne Maske Der hungernde Millionär Prix:(Trs. 1,50 Der Sinn des Krieges Verteidigung' von Freiheit und llensclien würde Das siebente Jahr nationalsozialistischer Herrschaft nähert sich seinem Ende und in diesem Jahr hat sich vollendet, was von Anfang an das dieser Herrschaft innewohnende Gesetz war: der Krieg. Die ganze Ideologie der Nationalsozialisten, so schrieben wir im Oktober 1933 im Einführungsartikel der „Zeitschrift für Sozialismus", schafft akuteste Friedensbedrohung.„Sie ist um so grösser, als kein Zweifel daran gestat. tet ist, dass grosse Kreise des deutschen Volkes begeistert dem„heroischen Ideal" des neuen Krieges anhängen. Es ist nur die Ungleichheit der Chancen, die Ueberlegenheit der Gegner, die den Frieden vor dem heutigen Deutschland sichert. Daher das fieberhafte Streben nach der„Gleichberechtigung". Daher der Ruf der Rechtsvergewaltiger nach der Gerechtigkeit, dessen Erfüllung nur die Kriegsgefahr steigern, die Welt der faschistischen Erpresserpolitik ausliefern würde." Diese Erkenntnis war für einen deutschen Gegner des Nationalsozialismus nichts besonderes, aber sie blieb dem Ausland in fast allen seinen sozialen Schichten und politischen Parteien verschlossen, bis es zu spät war. Der Krieg �vurde den Westmächten, die zu immer neuen Zugeständnissen auch in der allerletzten Phase der Krise bereit waren, von der Hitlerdiktalur aufgezwungen. Sie konnten nicht anders, wenn sie ihre Existenz behaupten wollten. Schon des. balb ist es so stupid, von einem neuen imperialistischen Krieg zu sprechen. Man mag Imperialismus, der allerdings für die, die das Wort am meisten gebrauchen, ein unverstandenes Schimpfwort ist, definieren, wie man will, er ist auf alle Fälle Expansionsstreben, Macht. erweiterungswille und notwendigerweise aggressiv. Nichtaggressiver Imperialismus ist ein Widerspruch in sich selbst. England und Frankreich haben nach 1918 und erst recht seit 1933 wichtige Machtpositionen geopfert, sie haben immer neue Konzessionen gemacht, um den Frieden auch um den Preis realer Macht. minderung zu erhalten. Und diese Politik war keineswegs nur die Politik ihrer Arbeiterschaft, sondern die Politik aller Schichten. Nein, mit den alten Formeln aus der Vorkriegszeit, die längst schematisch Und revisionsbedürftig geworden sind, lässt sich die Wirklichkeit von heute nicht erklären. Dieser Krieg ist kein Krieg, der aus kapitalistischen Interessengegensätzen entsprungen ist. Nicht nur die englische und französische Kapitalistenklasse sind an ihm unschuldig, sondern auch die deutsche hat ihn nicht gewollt, aus dem einfachen Grund, weil sie nicht wollen konnte, weil sie längst einer von ihr unabhängigen oder unabhängig gewordenen absoluten Staatsmacht untergeordnet ist. Diese Staatsmacht, emporgetragen von einer Massenbewegung, in der alle sozialen Schichten Vertreten waren, hat längst alle verschiedenen Klassen- und Gruppeninteressen in ihren Herrschaftsapparat eingeordnet Und unterworfen. Der Krieg, den sie führt, ist ihr Krieg, ist Folge ihres Mac i- behauptungs- und Machterweiterungs- Her itnfang� vom Ende Vor dem lJnterg:aii� des llltlersystenis Mit dem Jahre 1940 beginnt das achte Jahr der Hitlerherrschaft. Sie hat dem Kriege gedient und zum Kriege geführt, sie wird im Kriege zusammenbrechen. Das Ende kommt mit unerbittlicher Folgerichtigkeit. Wir prophezeien nichts über die Fristen, aber wir wissen, dass Hitler diesen Krieg verlieren muss. Die Zeiten des Philosophierens über die Hitlerherrschaft sind vorüber, ebenso die Reiten, in denen wir unermüdlich der Welt dieses System erklärt uncUdie von ihm ausgehende Drohung gezeigt haben. Mit der allgemeinen Erkenntnis dieses Systems hat sein Ende begonnen. Die Entscheidung ist mit dem Kriegsausbruch gefallen. Das kommende Jahr dient ihrem Vollzug. Nicht die demokratische Republik in Deutschland war ein zum Scheitern verurteiltes Experiment, sondern der Militärstaat Hitlers mit seiner Rückkehr zur imperialistischen P itik. Nach dem Zusammenbruch des T'-r- staates wird Deutschland zur Po iiik der Vernunft und des Friedens zi rück- kehren müssen. Das kommende freie Deutschland wird allerdings unter viel ungünstigeren Bedingungen auf die Bahn der Vernunft zurückkehren als vor Hitler. Die freien Völker gehen in das kommende Jahr in der Ueberzeugung, dass | sie den Kampf gewinnen und dass die Wiederkehr des Friedens ihnen Lasten abnehmen wird, zu denen die Hitlerpolitik sie gezwungen hatte. Das deutsche Volk wird am Ende des Krieges vor einer furchtbaren Bilanz stehen. Sie wird umso furchtbarer sein, je länger der Krieg dauern wird. Der Aufbau der Kriegsindustrie bedeutete nicht Reichtumssteigerung, son- jdern Wirtschaftszerstörung und Verarmung. Seit Jarhen herrscht Mangel in Deutschland. Der Mangel zehrt an den Körpern und zerrt an den Nerven. Die amtliche Lüge demoralisiert das Volk. Die Lüge•— das vornehmste Herrschaftsmittel der Hitlcrhcrrschaft- schafft die Voraussetzungen für den moralischen Zusammenbruch. Das sind unaufhaltbare Prozesse. Aus der systematischen Verarmung entsteht niemals Kraft, aus der systematischen Lüge niemals neue Moral. n Ende dieser Prozesse wird ein müdes, demoralisiertes Volk stehen, dessen erste Aufgabe nach dem Kriege sein wird, wieder zu gesunden. Wird | das deutsche Volk diese Prozesse bis zum bitteren Ende durchzumachen ha- jben? Hat es noch die Kraft, sie abzukürzen? Die Hitlerherrschaft hat verkündet, dass sie alles und alle in ihren Zusammenbruch hineinreissen würde. Wird das deutsche Volk auch noch dulden, dass Hitler alle Werte zerstört, die zum Wiederaufbau Deutschlands nötig sind? Mit dem Sturze der Hitlerherrschaft, dem wir zuversichtlich entgegensehen, wird die Bahn frei für die Rückkehr des deutschen Volkes zur Freiheit— aber die Jahre des Wiederaufbaus werden mit einer furchtbaren Hypothek belastet sein. Wir glauben dennoch an den Wie- dergesundungsprozess des deutschen Volkes. Es ist die Aufgabe der Sozialdemokratischen Partei, Trägerin des Willens zur geistigen Wiedergesundung zu sein. Die Renaissance des Freiheitswillens, die sich in der ganzen Welt vollzieht, wird von ihr nach Deutschland getragen werden. Es ist die grosse Lehre der vergangenen Jahre, dass die Not und die Last des wirtschaftlichen Aufbaus nicht die geistigen Grundlagen der Zivilisation verschütten dürfen und dass die Freiheit über allem stehen muss. Das ist das Prinzip, das wir in den Jahren des Vollzugs der Entscheidung festhalten werden. willens und ihr nicht aufgedrängt von irgendeinem Klassenwillen, der in mysteriöser Weise sich in diesem Kriege durchsetzt. Sind es nicht wirtschaftliche Gegensätze, die diesen Krieg hervorgerufen haben und ihm seinen Sinn geben, worin besteht dann sein Charakter? Die nächstliegende Antwort ist, dass es sich um Machtgegensätze handelt, um den Angriffswillen hier, um die Selbstbehauptung da. Und gewiss ist es diese Antwort, die im Bewusstsein der Handelnden und Verantwortlichen subjektiv die entscheidende Rolle spielen. Im Bewusstsein Hitlers und des ihm anhängenden Teils des deutschen Volkes ist es der von ihm gewollte und herbeigeführte Kampf um die Ausdehnung der deutschen Herrschaft, in dem der französischen und der englischen Regierung der Zwang zur Verteidigung gegen die immer gefährlicheren Angriffe des Gangsters, der über die deutsche Staatsmacht verfügt. Die englische und die französische Regierung haben ihre Nationen geschlossen hinter sich; es gibt keinen Klassenkampf. Ganz selbstverständlich, denn die Behauptung der Unabhängigkeit und die Erringung eines gesicherten Friedens wird von der Arbeiterschaft ebenso als Lebensinteresse empfunden wie von den Mittel- oder Kapitalistenschichten. Die. ses subjektive Bewusstsein erweitert und vertieft sich. Die englische und französische Nation— und nie war über alle soziale Differenzierung hinaus die Eini. gung zur Nation vollständiger und be- wusster— beginnt zu fühlen, dass es in diesem Kriege um einen grossen Einsatz geht, um noch mehr als Verteidigung und Unabhängigkeitsbehauptung, dass es Kampf um die Freiheit ist, nicht nur um die eigene, sondern um die der Nationen überhaupt. Eine Kreuzzugsstimmung herrscht in England, so wird gesagt, und kein Zweifel, dass diese Stimmung auch in Fn ikreich um sich greift. Die Warnungen vor dem„ideologischen Krieg" sind vt stummt. Aber subjektive Stimmungen sind wandelbar und nirgends mehr als in Kriegszeiten unterliegen geschichtliche Ziele dem Gesetz von der Hcterogonie der Zwecke, nach dem Ziele im Ver. lauf der Aktion, die sie gesetzt hat, sich wandeln oder ganz andere Zwek- jke als die vorgenommenen und voraus- i gesehenen schliesslich bewirkt werden. Denn schwer voraussehbar und nur un- i vollkommen zu erkennen sind die Resultate der ungeheuren Gewalteinwirkung des Krieges, wie unsere Generation es nur zu sehr selbst erfahren hat. Lassen sich also ausser den subjektiven Faktoren auch objektive erkennen, können wir so dem Sinn dieses Krieges näherkommen? Die Antwort ergibt sich uns aus dem Wesen des deutschen Herrschaftssystems.„Die nationalsozialistische Diktatur, schrieben wir in dem erwähnten Aufsatz, hat durch die Bestialität ihrer Machteroberung und Machtbehauptung alle früheren Gegenrevolutionen übertroffen. Was sie aber zu einer wahren Gefahr für die ganze Menschheit steigert, ist der Versuch, die Bestialität, die Leugnung der Humanität, des Rechts der Persönlichkeit, der Geistesfreiheit, des individuellen Selbstbestimmungsrechts, die verruchte Staatsvergottung zu einem ideologischen System zu machen, das der Kulturentwicklung der Menschheit seit der Renaissance, seit der englischen und französischen Revolution entgegengestellt wird. Der Rhein ist nicht mehr blosse Grenze— er ist zum Abgrund geworden, der die Welt der finstersten Barbarei von den Bezirken der Kultur scheidet." Sieben Jahre hat sich dieses System behauptet in einem Lande, reich an schöpferischen Kräften der Wissenschaft, reich scheinbar an der humanitären Tradition seiner Klassik und seiner Philosophie, in dem Lande einer wissens- und kulturhungrigen Arbeiterschaft, erzogen zum Freiheitsideal eines demokratischen und humanitären Sozia- Iismus. Wie war das möglich, warum standen wir schon damals, unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtergreifung, mit grosser Skepsis der deutschen Entwicklung gegenüber? Auch auf diese Frage suchten wir damals die Antwort wenigstens anzudeuten: „Deutschland ist durch sein politisches Schicksal dazu verdammt gewesen, Trägerin der Reaktion in Europa zu sein, Gegenpart des demokratischen Frankreich. Deutschlands Intelligenz, l seine Lehrer und Professoren, seine Aerzte und Juristen, seine Richter und Beamten, seine Schriftsteller, Künstler und Gelehrten, die Former der bürgerChronik der Woche lichen Ideologie, waren von je die Be- Freiwillige für Finnland- Deutsch- rumänisches Wirtschaftsabkommen kämpfer aller fortschrittlichen und erst recht aller revolutionären Ideen des Westens. In den ,, Befreiungskriegen" gegen Frankreich unter dem Kommando und Montag, 18. Dezember 1939 Die deutsche Regierung liess in Uruzu Nutzen der Landesfürsten hat sich guay Protest erheben, weil dem Schlachtdem deutschen Volke aus Franzosenhass kreuzer Graf Spee die gewünschte Frist und Revolutionsfurcht sein Nationalbe- von 15 Tagen zur Vornahme von Repara[ Adresse gerichtet, in der die Bereitwillig-| Polens wurde die Bevölkerung bis herunkeit der Arbeiter ausgesprochen wird al- ter zu den Schulkindern unter Androhung les zu tun was in ihren Kräften steht, schwerer Repressalien und unter Ueberum die schwedische Industrie für alle wachung durch russische Polizei zur TeilEventualitäten vorzubereiten. nahme an den Stalin- Geburtstagsfeiern den mussten. wusstsein geformt, das den Franzosen turen nicht bewilligt worden ist. Der Aus- Zwischen Deutschland und Rumänien gezwungen, die überall veranstaltet werund Engländern in ihren grossen Revo- senminister von Uruguay erklärt demge- wurde ein Wirtschaftsabkommen für 1940 lutionen und im Kampf gegen auslän- genüber, dass sich Uruguay streng an die abgeschlossen. Die Verhandlungen zogen Die Sowjetregierung liess Dampfer, die dische Fürsten entstanden war. Reak- geltenden Bestimmungen des Völkerrechts sich fünf Wochen lang hin und waren bereits mit Rohmaterial für Deutschland tionärer Absolutismus und deutsches Na. gehalten habe, und das Parlament stimmte sehr schwierig. Die Preise der rumäni- beladen waren, wieder löschen. Der untionalbewusstsein sind seitdem verbün- der Haltung und der Erklärung der Re- schen Ausfuhrwaren, vor allem des Petro- günstige Verlauf des Krieges gegen Finndet geblieben, deutsche Romantik gierung zu. leums, sind sehr gestiegen und anderer- land und seine voraussichtlich längere kämpfte gegen westliche Aufklärung, die Die schwedische Gewerkschaftszentrale seits kann Deutschland nur sehr unzuläng- Dauer machen alles kriegswichtige Rohdeutsche historische Schule verherr- hat die Gewerkschaftsverbände aufgefor- lich exportieren und nur Waren, die Ru- material für Russland selbst unentbehrlichte das Vergangene, deutsche Phi- dert, keine Kommunisten in die Vorstän- mänien von anderen Ländern sehr bil- lich. losophie vergottete den Staat. Ka- de der Organisationen zu entsenden. lig einkaufen könnte. Deutschland ver- Das neunte grosse Eisenbahnunglück stenmässig, hierarchisch- autoritär, mi. Der deutsche Konsulatssekretär in New suchte einen Ausweg in der Verschiebung seit 4. November wird aus Deutschland litaristisch ist besonders im Nor- York Dr. Walter Engelbert wurde von ei- des Wertverhältnisses zwischen deutschen gemeldet. Insgesamt wurden in den letzten den das deutsche gesellschaftliche Be nem Boxer, den er nachts mit in seine und rumänischem Geld zu finden. Nach Wochen in Deutschland 285 Personen wusstsein geformt. Nicht auf Freiheit, Wohnung genommen hatte, ermordet. dem Abkommen soll die Clearingmark, die durch Eisenbahnunfälle getötet und ca. vordem mit 40,50 Lei verrechnet wurde, 350 schwer verwundet. Der schlechte Zunun mit 49 und 50 Lei bewertet werden. stand des Einsenbahnmaterials und die Recht und Menschenwürde, sondern auf Blut und Eisen schien ihm des ReiDienstag, 19. Dezember 1939 ches Herrlichkeit gegründet. Mit feind- Die Machtbefugnisse des Reichswirl- Ueber den vorgesehenen Umfang der ru- Ueberarbeitung des Personals werden oflicher Ablehnung und moralischer Aech- schaftsministers Funk wurden so erwei- mänischen Lieferungen wurde nichts be- fiziell als Ursache des zahlreichen und tung wehrte es sich gegen alle fort- tert, dass er unumschränkt das ganze kannt gegeben. schweren Unfälle zugegeben. schrittlichen Ideen des Westens." vinzen ausgedehnt. Sie erfolgt nicht so deutsche Kreditwesen beherrscht. Er Eine neue deutsch- italienische Verein- Gegen die deutsche Zeitung in Stambul, Es ist die deutsche Vergangenheit, die kann nach Gutdünken Kreditinstitute barung über Umsiedlung der Südtiroler die ,, Türkische Post" wurde ein Verfahren die deutsche Gegenwart getötet hat, eine schaffen, verändern und aufheben und er wurde von Himmler in Rom unterzeich- eröffnet wegen des Abdruckes eines antiVergangenheit, die nach dem verlorenen ist bei seinen Anordnungen nicht an die net. Danach wird die Umsiedlungs- Aktion türkischen Artikels aus der„ Prawda". Krieg, der all die alten nationalistischen geltenden gesetzlichen Bestimmungen ge- auf alle deutsch- italienischen GrenzproInstinkte stärker als je entfacht hatte, bunden. Sonnabend, 23. Dezember 1939 wieder lebendig wurde. ,, Der Tod er- Die erste kanadische Division ist in übereilt und auf behördlichen Druck wie In Deutschland dürfen keine im Ausgriff das Leben" und dieser Tod war England eingetroffen. die Rückkehr" der Deutsch- Balten, son- land erscheinenden Hitler. Das Geschichtliche ist eine grosse deutschsprachigen Macht, die aller gegenwärtigen Spannun- sind zur Zwangsarbeit nach Deutschland Viertausend polnische Spezialarbeiter dern nach freier Stimmabgabe. Zeitungen, also vor allem keine Schweizer Blätter mehr verkauft werden. gen und Gegensätze Herr werden kann, und besonders dann, wenn die Flucht in Die Siegfriedlinie wird längs längs Die französischen Verluste bis zum 30. Schweizer Grenze von Basel bis zum Bofundenen Gegenwart erscheint. überführt worden. Sie werden auf verschiedene Fabriken verteilt und an ArFreitag, 22. Dezember 1939 der die Geschichte, ihre Wiederbelebung als beitsplätze gestellt, an denen sie keine Sa- November 1939 belaufen sich nach einer densee in aller Eile ausgebaut. Rettung aus einer als demütigend emp- botage treiben können. Ihre Bezahlung ist Erklärung Daladiers vor der Kammer auf niedriger als die der deutschen Arbeiter. 1136 Mann für die Landarmee, 256 Mann Sonntag, 4. Dezember 1939 für die Marine und 42 Mann für die Luft- Unter den schwedischen Freiwilligen, streitkräfte. Im Jahre 1914 waren bis zum die in Finnland unter General Ernst Linbereits 450 000 französische der gegen die Rote Armee kämpfen, befinden sich viele Offiziere und Unterofder Westen ist. Donnerstag, 21. Dezember 1939 In Schweden wurde ein Gesetz über die Das schwedische Gewerkschaftskomitee nung. hat an die Regierung Schwedens eine Naziepilog zum Fall Fechenbach erhärteten Gewohnheiten dieser Verbrebegrüsst. Frau Joyce, Mutter zweier kleiner Mäd- ein, wie von amtlicher Stelle mit hämichen, die von dem Hüter der germanischen schem Vergnügen gemeldet wird. Es wird Rückfall in die Geschichte, Rückfall in den Krieg gegen den Westen! Aber Mittwoch, 20. Dezember 1939 diesmal unter Hitlers Führung eindeuKapitän Langsdorf, Kommandant des von Dezember tig und unleugbar Krieg gegen die Kulder deutschen Besatzung auf Anordnung Soldaten gefallen. tur, gegen die Menschheitsentwicklung, deren Träger wieder geschichtliches Hitlers versenkten Kreuzers Graf Spee beDie französische Kammer hat 55 Mil- fiziere, die von der schwedischen Armee Schicksal ging in Buenos Aires Selbstmord. Das ist liarden Kriegskredite ohne Debatte ein- für die Kriegsdienste in Finnland freigegeben wurden. stimmig genehmigt. Die Detachements der es, so traurig diese Erkenntnis für jeden Deutschen sein mag, Freiwilligen, die Schweden gut ausgerüwas diesem Hitler hat Stalin zu seinem sechzigsten stet verlassen, werden bei ihrer Abreise Ringen seinen tieferen Sinn gibt. Der allgemeine Arbeitsdienstpflicht beschlos- Geburtstag ein Glückwunschtelegramm ge- von Sieg der Westmächte, die Niederschla- sen, dass aber erst im Kriegsfall durchge- schickt, und die deutsche Presse trägt diegrossen Menschenmengen begeistert gung der Hitlerdiktatur, muss, was im- führt werden soll. sem Ereignis in feiernden Artikeln Rech- In Finnland sind die ersten Freiwillimer die subjektiven Zielsetzungen sein mögen, welche sozialen Schichten imgen aus den Vereinigten Staaten von mer in den westlichen Regierungen verIn dem von Russland okkupierten Teil Nordamerika eingetroffen. treten sein mögen, ein Sieg der Kultur über die Barbarei werden und umso sicherer, je rascher er errungen wird, je weniger die destruktiven Einflüsse des Krieges ihre Wirkung entfalten können. Dass Nationalsozialisten einen so frei- Ehesitten einfach im Stich gelassen wor- versucht, den Unwillen des Volkes durch Dieser Sinn des Krieges ist noch offen. mütigen Sozialisten wie Felix Fechenbach den ist, hat seine Stimme genau erkannt, ein kleines Ventil abzuleiten vom Widerbarer geworden, seit Stalin an der Seite hassen mussten, ist zu verstehen. Dass sie ebenso einige Freunde und Verwandte. Sie stand gegen die Tyrannei der Grossen. Hitlers aufgetaucht ist. Es ist bare Un- ihn gefangen nahmen und ermordeten als sagt aus, ihr Mann sei ein ausgezeichneter Die abmontierte Gerechtigkeit. Auf der möglichkeit, Stalins Bundesgenossen- sie keine Strafe mehr zu befürchten hat- Polyglott und es hätte etwas Gescheites aus schaft anders als aus der Wesensgleich- ten, entspricht den inzwischen tausendfach ihm werden können.„ Aber er hat Politik Neckarbrücke in Heidelberg steht ein machen wollen." Standbild der Justitia mit Wage, Schwert heit der totalitären Staatssysteme zu Joyce hat eines Tages die ,, Britische Fa- und verbundenen Augen. Durch diesen begreifen. Ebensowenig wie Hitler ver- schah, am 7. August 1933, befand sich Fecher. Als die Mordtat an Fechenbach ge- schisten- Union" verlassen, um eine Kon- Anblick haben sich die Brückenpassanten tritt Stalin ein besonderes Wirtschafts- chenbachs Frau, Irma Fechenbach mit kurrenzgründung, die ,, Nationalsozialisti- dieser schönen Stadt in solchem Grade oder Klasseninteresse, am wenigsten si- ihren drei kleinen Kindern in der Schweiz. sche Liga" aufzuziehen. Im Laufe seiner provoziert gefühlt, dass sie im Schutze der cherlich das der russischen Arbeiter und Sie ist seitdem dort geblieben. Der Fall sauberen Machenschaften ist er in Deutsch- nächtlichen Verdunklung begonnen haben Bauern. Ebenso wie Hitler verfolgt er Fechenbach schien im Dritten Reich end- land hängen geblieben, das nach den Zu- das Standbild abzumontieren. Zunächst sicherungen der Hakenkreuzführer auf die wurde das Schwert entfernt, das am entdie Erhaltung und Ausdehnung seiner gültig radikal erledigt. nicht- deutschen Nationalsozialisten keinen behrlichsten für die Justitia ist, weil das Macht, der Staatsmacht, die sich in dem Jetzt lassen die Nationalsozialisten ihm Einfluss nimmt ,,, weil der Nationalsozialis. Schwert im Dritten Reich mit der Sache Diktator personifiziert und der er die ein Nachspiel folgen, das die ganze niedrider Gerechtigkeit nichts zu tun hat, und Gesellschaft und alle gesellschaftlichen ge und kleinliche Räubergesinnung dieser mus keine Exportware ist". Mister Joyce hat kürzlich seinen Lands- weil es überdies, da es in diesem Fall aus Gesellschaft spiegelt. Vor einiger Zeit starb Kräfte unterworfen hat, die sich mit die Mutter von Irma Fechenbach. Sie hin- leuten verkündigen müssen, die Englän- Bronze bestand, einen heute sehr geschätzihrem Herrschaftsapparat verselbstän- terliess ein Testament, in dem sie ihrer der seien mager, unmoralisch und deka- ten Sachwert darstellt. digt hat und ihren eigenen Gesetzen Tochter und den Kindern Fechenbachs eine dent, weil sie zuviel ,, mutton chop, plum Unbefangen. Die deutschen Reisebüros folgt. Es ist sinnlos, Stalin als Verräter kleine Erbschaft vermachte. Die National- pudding und pies" essen, lauter Gerichte, im Ausland warben jahrelang für Deutschdie dem Volkscharakter unzuträglich seien. landreisen mit Plakaten Reist in das am Boschewismus, als ,, Entarteten" zu sozialisten haben daraufhin jetzt, sechseinOb dem Diener des Dr. Goebbels nach glückliche Deutschland." Jetzt fanden sobeschimpfen. Und wenn er Verräter halb Jahre nach dem Mord, Irma Fechender Aufzählung all der leckeren und vergar die Herren Deutschlands diese Aufforwar, wo blieb der Widerstand des rus- bach und die Kinder ausgebürgert und ihtrauten Sachen die Pellkartoffeln nicht im So sischen Proletariats, wo sein ,, Klassen- nen das Erbe der Mutter gestohlen. derung nicht mehr ganz zeitgemäss, und die deutschen Reiseprospekte und Plakate, bewusstsein" das erlaubt, zumindestens handeln Gangster in der letzten Phase ihrer Hals stecken geblieben sind? die für das neutrale Ausland bestimmt die Staffage zu den Kundgebungen geGoerings Ventil. Goering hat in Berlin sind, tragen nun die Aufschrift: ,, Deutschgen den Angriff Finnlands abzugeben. eine Beschwerdestelle eröffnen lassen, der land, das Land der Zivilisation und des Goebbels auf englisch Gewiss waren Lenins subjektive AbsichFortschritts." Vom Lügen kann man Auch die Engländer haben nun heraus- schreiben dürfen was sie drückt. Selbst- fenbar nicht mehr lassen. ten und Erwartungen anders als Stalins verwirklichte und das Gesetz des Hete- gefunden, wer täglich in ihrer Sprache am verständlich nur die kleinen Betrübnisse Hamburger Sender lügt. Der Sprecher, der des Alltags: wenn die Lebensmittelkarten Wie die französische Presse meldet, hat rogonie der Zwecke hat sich erfüllt. in England seines seltsamen Getues wegen nicht rechtzeitig ankommen oder wenn der französische Sprecher des Stuttgarter Dass aber Stalin diese Art Machtpolitik Lord Haw Haw" genannt wird, ist vom sie Korruptionsfälle entdecken- natür- Senders, Ferdonnet, ein beträchtliches Gutdurchführen konnte, enthüllt den Cha- ,, Sunday Pictoral" als ein Mr. William lich auch hier wieder nur bei den klei- haben im Tresor einer Pariser Bank lierakter jeden totalitären Systems, jeder Joyce indentifiziert worden, früherer Pro- neren Nazis. Es laufen bei dieser Be- gen. Paris erschien also auch ihm sicherer Diktatur, sie habe welches Vorzeichen pagandachef der britischen Faschisten. schwerdestelle täglich neuntausend Briefe als Berlin. immer, wie Karl Kautsky es vom Anbeginn vorausgesagt hatte, dessen SchrifVerbrechen. die Untertanen des Dritten Reiches often gegen den Bolschewismus gewisse Knechtung geändert? Beide Systeme der Demokratien über die totalitären würde ist, wird schwinden, der Westen, ,, Linkssozialisten" mit Respekt und Reue hätten von verschiedenen Ausgangs- Staaten überhaupt. Von diesem Sieg seine Kultur und seine Ideen werden heute wieder lesen könnten. Wenn Hit- punkten her ihre völlige Gleichheit er- wird eine gewaltige Wirkung auf das ge- wieder zum Führer. ler, falls ihm die Zeit gelassen würde, reicht. samte europäische Staatensystem aus- So erscheint uns der Sinn des Krieges die Unterwerfung der sozialen Schichten Deshalb steigert Stalins Bundesgenos- gehen. Mit der Niederlage der Diktatu- und deshalb bejahen wir rückhaltlos und und sein Herrschaftssystem noch stei- senschaft mit Hitler noch die Bedeutung ren schwindet die ideologische Anzie- ohne Vorbehalte den Sieg Frankreichs gerte, wenn er die Verstaatlichung bis der kriegerischen Entscheidung ganz hungskraft ihrer Systeme, die so lange und Englands. zur russischen Totalität fortführte, was ausserordentlich. Englands und Frank- unaufhaltsam schien. Die Bedrohung wäre an dem Wesen der Unfreiheit und reichs Sieg über Hitler wird zum Sieg alles dessen, was Freiheit und Menschen. Dr. Richard Kern Deutsches Stimmungsbild in Briefen Aus deutschen Originalbriefen 82a Nachdem die neue deutsche Zensur etwas ,, Kätzchen". Das wissen die Briefempfän- gen sind), ist hier nich so gut und genau( die Fülle der in Deutschland entbehrten eingearbeitet ist, funktioniert der Postver- ger, nicht aber der Zensor, der also auch gearbeitet zu bekommen, wie es für ein Lebensmittel nannte sie ,, ausländische kehr mit Deutschland wieder besser. Frü- nicht weiss, dass von dem Kinde selbst die objektives Miterleben nötig wäre. Man muss Greuelpropaganda"), drückt ihren Zweifel her bestand nur die sogenannte Devisen- Rede ist, wenn es schreibt: ,, Meine Mutter bei uns immer wieder sehr grosse und ein- an den deutschen Zeitungsmeldungen folkontrolle, jetzt befinden sich auf jedem hai eine kleine Katze, die ist sehr verwöhnt seitige Abweichungen feststellen, das muss gendermassen aus:„ Wir würden uns naBrief die Klebemarken: ,, Geprüft; Oberkom- und trinkt nur Milch mit einem Schuss an der schweren und drückenden Luft un- türlich über Euer angekündigtes Paket mando der Wehrmacht" und dazu ein schö- heissen Wasser dazwischen. Mammi will serer Gegend liegen... Manchmal glaubt freuen, aber wir müssen uns doch fragen, ner Hakenkreuzstempel. In den ersten Ta- ihr jetzt jeden Tag weniger Milch geben, man oder wird zu glauben verleitet, dass ob Euch die Beschaffung der versprochegen nach der Einführung der neuen Zensur sodass sie sich langsam an heisses Wasser wir uns in einem Sonnenschein verspre- nen Lebensmittel möglich ist; denn bei waren Briefe aus Deutschland 10 bis 14 Ta- gewöhnt." chenden Hochdruckgebiet befinden, bis Euch ist doch die Zufuhr auch sehr 99 39 35 99 ge unterwegs; jetzt kann man ungefähr vier Ein Rüstungsarbeiter, der getrennt von man dann plötzlich an kleinen Anzeichen schlecht, wie unsere Zeitungen schreiTage für eine normale Entfernung, die frü- seiner Familie leben muss, klagt, dass er sieht, dass davon gar keine Rede sein kann. ben..." her über Nacht erledigt wurde, rechnen. nichts von ihr hört, keine Gelegenheit hat, Erst hinterher stellt man dann wieder und Ueber die Versorgung schreibt eine Frau: Es ist eine bekannte Erscheinung inner- sie zu besuchen, sowohl weil es keinen Ur- immer wieder die Ungenauigkeit der In-, Unsere Rationen sind natürlich sehr reichhalb der Diktatur, dass sich erhebliche laub gibt als auch weil man Willi mobili- strumente fest..." Diese ,, meteorologische" lich, aber trotzdem würden wir uns freuen, Stimmungsunterschiede in den verschiede- siert hat"; Willi", das ist sein Motorrad, Auseinandersetzung mag den Zensor sehr wenn Ihr uns etwas schicken könntet: z. B. nen Teilen des Reiches zeigen. Während mit dem er zum Wochenende seine Fami- gelangweilt haben; dem Briefempfänger Kaffee, oder ein bisschen Tee, oder Käse in einem Teil des Reiches die Menschen lie besuchen konnte. war sie ein Beweis dafür, dass man sich und Wurst, sehr dankbar wären wir für niedergedrückt waren, zeigte sich in ande- Ein anderer Mann, in einer kriegswichti- in Deutschland durchaus bewusst ist, wie etwaige alte Kleider." ren Teilen die Stimmung erträglicher; wäh- gen Hafenstadt schreibt, dass in letzter Zeit sehr man von der Propaganda belogen und In einem andern Briefe heisst es: ,, Bitte, rend es in einem Teil nur an Fleisch oder allzuoft die Luft über ihnen zu stürmisch hinters Licht geführt wird. bitte schickt eine Kleinigkeit Schokolade, Eiern fehlte, waren diese in andern Teilen war. Den Trost, den er findet, nehme er aus In einem Brief über den Bruder, der als einerlei was für eine Qualität, zum Essen zu erhalten; dort fehlten dann wieder But- der Bauernregel: dass je stürmischer der Matrose Dienst tut auf einem U- Boot, oder Kochen, für die Kleine( das Kind). Es ter oder etwas anderes. So war es vor dem Winter, desto schöner und ruhiger der schreibt ein Junge an seine Eltern, dass er wird dieses Jahr ein stilles Weihnachten Kriege. Sommer würde. Im Augenblick, meint er hoffe, dass sein Bruder die Reisen gut werden, weil drei fehlen: der Vater und Seit Kriegsausbruch ist die Stimmung im weiter, kann man nichts besseres tun als überstanden habe. Zwar hätte von einer die beiden Jungens. Wir wollen hoffen, ganzen Reich nivelliert. Uns sind in den sich den ,, Alltag so erträglich wie möglich Reihe von Unfällen nichts in den Heimat- dass der Führer recht bald den Frieden Davon mache er ausgiebig zeitungen gestanden, die seien aber ,, oft bekommt, den er verdient..." Welcher letzten zwei Tagen acht Briefe aus verschie- zu machen". denen Teilen des Reiches, abgesandt von Gebrauch: schlecht informiert" und wenn man ,, das Friede hier gemeint ist, steht ausser ZweiMenschen verschiedener Alters- und Gesell- Wenn es Bezugscheine auf Bier und Zi- Radio genau abhöre", wisse man mehr und fel bei einer Frau, deren Mann von diesem Dieser Hitler verfolgt und und hinter Zuchthausschaftsstufen zur Verfügung gestellt worden, garetten gäbe, so würde ich augenblicklich ,, leider nicht immer Schöneres." die in grossen Zügen eine nicht zu überse- viel Geld sparen. So aber hat man nur die Brief lässt einen interessanten Schluss zu: mauern gesetzt ist.. Ein Lehrer schreibt: ,, Es ist Sonntag, hende Uebereinstimmung zeigen. Einer der Preise kräftig erhöht, um uns der Sorgen am deutschen Rundfunk werden keine anBriefe stammt aus Wien, einer aus München, zu entheben, was wir sonst mit dem über- deren Meldungen durchgegeben als in den das ganze Leben verläuft normal... die Glokeiner aus einem westfälischen und einer bleibenden Geld mangels anderer Kaufge- deutschen Zeitungen stehen. Der Hinweis ken läuten... die Frommen wandeln unaus einem mittelrheinischen Industriedorf; legenheit beschaffen sollten." Das Ende auf die Differenz zwischen deutschen Zei- ter unserm Fenster vorbei zur Kirche... auf zwei aus den beiden Kriegshäfen Wilhelms- des Krieges und des Hitlerismus klingt tungen und anderslautenden Radiomeldun- allen Herden brutzeln die Sonntagsbraten... hafen und Kiel, einer aus Berlin und der auch noch an im Satze: ,, Du brauchst keine gen kann also nur dadurch entstehen, dass es ist wie im Frieden... Freilich gibt es naletzte schliesslich aus einer nordwestdeut- Sorge zu haben, dass ich meinen ganzen der Briefschreiber ausländische Radiosta- türlich einige Sachen, die es nicht mehr schen Kleinstadt. Verstand versaufe; den habe ich jetzt und tionen abhört. gibt... Wir aber halten es mit dem Esel im Zu Verfassern haben die Briefe ein Schul- doch mehr in der besseren Zeit, die kommt, Der Bruder, von welchem im oben zi- Märchen von den Bremer Stadtmusikanten, mädchen, eine Mutter von zwei unversorg- dringend nötig." Wer die Vergangenheit tierten Brief die Rede war, der auf einem der ja auch sagte: ,, Etwas Besseres als den ten Kindern, einen alten Weltkriegsteilneh- dieses Arbeiters kennt, seine Tätigkeit in U- Boot dient, entschuldigt sich in einem Tod findest du überall..." der Brief an seine Eltern über das lange mer, dessen beide Söhne heute bei der Luft- der sozialistischen Jugendbewegung, In einem andern Brief wird Freunden, waffe dienen, einen Rüstungsarbeiter, die weiss dann schon, was dieser Arbeiter un- Schweigen. Er habe übrigens die Eltern die einmal zu Besuch in Deutschland waFrau eines wegen politischer Vergehen zu ter einer„, besseren", einer von Hitler be- der Schreibfaulheit beschuldigt, inzwischen ren, geschrieben:„ Wir denken oft an Sie aber feststellen müssen, dass die Post der und den gemütlichen Kaffeeklatsch, den Zuchthaus verurteilten früheren Kommu- freiten Zeit versteht. nisten, und schliesslich zwei Soldaten, de- In einem andern Brief heisst es: ,, Wir Eltern ohne deren Schuld solange bei der wir zusammen hatten; den Kaffee möchten ren Briefe nicht direkt ins Ausland ge- merken hier wenig vom Krieg, abgesehen Marine- Zensur gelegen habe. Weiter sagt wir in Zukunft allerdings lieber bei Ihnen s ist rührend, wie sehr trinken. Auch Ihretwegen: für Ersatzkaffee schickt, sondern über Familienangehörige davon, dass die Nahrungsmittel sehr selt- er in dem Brief: im Reich diesen Weg machten. Keiner der sam sind; dafür dürfen wir jedoch mehr man von allen Seiten, von Freunden und mit Magermilch würden Briefschreiber kennt den andern; keiner arbeiten, dann gleicht sich das wieder Bekannten, um mich besorgt ist. Man schwärmen. Mit Kakao und Tee, ebenso mit weiss von der Existenz des andern; keiner aus... schreibt mir und ich schreibe zurück, dass Gewürzen, stets es ganz gleich. In der lanweiss, dass sein Brief zu einem solchen Ver- ,, Ich habe endlich wieder einmal einen alles gut geht, auch wenn es nur eine Be- gen Reihe der Dinge, die nicht erhältlich gleich herangezogen wird, kann also auch Abend in der Familie verbringen können," ruhigungspille ist. Und schliesslich kann sind, trifft mich besonders jede Art von nicht aus diesem Wissen heraus seine Hal- schreibt jemand, ,, und trotz des Krieges man die Stimmung, die bei uns herrscht, Wasch- und Toilettseife. Schokolade enttung beim Schreiben bestimmt haben. war es ein schöner Abend, während wel- sogar ,, humorvoll" nennen, wenn man es behren zu müssen, ist erträglich, warme 25 55 Sie doch nicht nicht Uneingeschränkte Uebereinstimmung in chem man den Alltag vergessen konnte." dabei hält mit Wilhelm Busch, der ja das Wäsche ist schon unangenehmer. Strümallen Briefen besteht im Klagen über die Ein junger, heiratsfähiger Bursche schreibt Wort wie folgt definiert hat: ,, Humor ist, pfe fehlen, für den Jungen habe ic Mangelerscheinungen. Soweit die Briefè di- nach Hause: ,, Wie froh bin ich jetzt, dass wenn man trotzdem lacht." Jedenfalls, eine einzige Wintergarnitur Unterwäsche. rekt ins Ausland geschickt wurden, enthal- ich nicht verheiratet bin; sollte ein Luft- macht Euch keine Sorgen um mich, das er- Mit Schuhe und Hausschuhen steht es nicht ten sie ohne Ausnahme einen Abschnitt, in angriff meinem Leben ein Ende machen, kältet den Charakter und hilft doch nicht." besser. Jetzt habe ich mit vieler Mühe eiAus verschiedene Lebensmittel oder sollte ich mich weiter schlecht oder welchem um einem anderen Soldatenbrief: nen Bezugschein für einen Wintermantel oder Kleider gebettelt wird. Der Unter- in Zukunft überhaupt nicht mehr durch- ,, Machst Du Dir auch soviel Sorgen um erobert. Nun muss ich den alten Winterschied besteht allein hierin, dass je nach futtern können, dann ist das ausschliesslich mich wie meine Mutter? Das ist sehr lieb, mantel abliefern. Eier erhalten wir pro dem Grade der Intelligenz mehr oder weni- meine Angelegenheit und ich bin nicht aber zwecklos. Ihr müsstet ein bisschen Woche 1, an die Verdunkelung haben wir ger verschleiert, manchmal ganz unver- mitbelastet mit der Verantwortung für eine von dem Fatalismus und der Wurschtigkeit uns gewöhnt... es ist sehr schön bei uns, schleiert, der schlechte Versorgungszustand Familie." haben, die bei uns herrscht." eine grosse, eine ganz grosse Zeit, so beAuf eine Einladung antwortet ein Brief- Ueber einen Freund, geschildert wird. der an seinem haupten wenigstens die Zeitungen. Und da Der nächste Punkt der Uebereinstimmung schreiber: ,, Von einer Reise nach dort wird Wohnort beim Roten Kreuz mobilisiert ist, sie ausserdem täglich Siegesberichte brinbesteht darin, dass aus allen Briefen die ge- ja kaum etwas kommen; daran ist nicht zu heisst es in einem Brief: ,, Er ist zwar Sol- gen, wird es ja auch bald anders werden..." drückte Stimmung spricht. Nicht nur keine denken. Schön muss es ja sein, wenn man dat, Sanitäter beim Deutschen Roten Kreuz, Aus einem Brief aus Wien: ,, Wenn Ihr irHurrabegeisterung, sondern offensichtliche essen und trinken kann, was und wieviel aber Uniform hat er keine. Er muss seine gendwelche alten Kleidungs- oder WäscheDepression. Erschreckend ist herbei, dass man will! Bezüglich der Dauer dieses Zu- Bürgerkleidung auftragen und bekommt da- stücke habt. so sind wir dafür sehr dankgerade aus den Briefen der Soldaten und standes bei uns mache ich mir keine Illu- für eine bescheidene Vergütung. Unterkom- bar, wir können alles verändern und gemen und Kost: dafür muss seine Familie brauchen. Von den Lebensmittelrationen jungen Menschen zwischen 20 und 30 Jah- sionen." Zu einer politischen Wetterbeschrei- sorgen, bei der er wohnt." und dem Kaffeemangel will ich lieber ren ein kaum zu überbietender Fatalismus bung" sagt eine Briefschreiberin:„ Deine Ueber seine Jungens, die bei der Luft- garnicht schreiben, es ist dies der zweite spricht. Ebenfalls. typisch ist die Tatsache, dass Ausführungen über die Wetterlage und die waffe dienen, schreibt der Vater: ,, Sie se- Krieg, den wir,.geniessen". Wir gedachten in jenen Briefen, die sich mit der Zukunft Aussichten im kommenden Winter finde hen gut aus und sind gut verpflegt. Neu- dieser Tage...( eines Verstorbenen) befassen, ganz offensichtlich mit einer bal- ich sehr interessant. Umsomehr, als wir gierig bin ich, ob man bei ihnen mit gutem kamen zu dem Ergebnis, dass eigentlich jedigen Niederlage Hitlers gerechnet wird. hier nicht in der Lage sind, die Entwick- Essen und Trinken die Stimmung länger der zu beneiden sei. der dieses Jammertal Das zeigt sich besonders in dem Misstrauen lung genau zu verfolgen. Uns fehlen dazu hochhält als bei uns vor 25 Jahren..." hinter sich hat. Wir legen keinen Wert gegenüber der deutschen Propaganda, ge- die nötigen Hilfsmittel. Schon das einfach- Eine Briefschreiberin, die bereits einige mehr auf das Leben, wenn man dieses Vegenüber den deutschen ,, Siegesberichten", ste und wichtigste Gerät, das ,, Barometer" Male im Ausland war vor dem Krieg getieren noch so nennen soll. Hier sieht es die mit grösster Skepsis aufgenommen und( gemeint ist ein mehrröhriger Radio- Appa- und dabei an den übervollen Lebensmittel- sehr, sehr traurig aus; wir sterben und rat, mit dem Auslandsstationen zu empfan- geschäften vorbeiging, ohne hineinzugucken Wien stirbt mit uns." in Zweifel gezogen werden. Der niedergedrückte Zustand kommt ebenfalls zum Ausdruck in einer Bemerkung, die sich variierend in allen Briefen findet: in der Tatsache, dass im allgemeinen, aber besonders bei den Soldaten unheimlich viel getrunken wird. Man will seinen Kummer und seine Sorgen vergessen. Wir wollen unsere Behauptungen mit einzelnen Zitaten aus den Briefen belegen. Dabei bedarf es soweit es sich um getarnte einiger ErkläFormulierungen handelt rungen über die Schreibenden, die den Inhalt für den Briefempfänger verständlich machen, dem Zensor jedoch unverständlich bleiben müssen. Es versteht sich von selbst, dass wir dabei nur insoweit decouvrieren wollen, wie das ohne Gefahr für die Briefschreiber geschehen kann. ** Ein Schulkind schreibt: 39 Vom innerdeutschen Kriegsschauplatz Himmlers Schergen wüten Unterm Datum des 11. Dezember hat Himmler der deutschen Presse mitgeteilt: ,, Am 25. November überfielen die vorbestraften Schutzhäftlinge Franz Brönner und Anton Kropf in einem Konzentrationslager nach einem vorgefassten Plan einen SS- Wachtposten und schlugen ihn nieder. die Sie ergriffen darauf Flucht, wurden jedoch nach kurzer Zeit wieder gestellt und festgenommen. Die beiden Verbrecher wurden am 9. Dezember im Konzentrationslager gehängt." 攀 ** und ,, Fremdhörer" werden sofort verhaftet und Die ,, Frankfurter Zeitung" veröffentlichte auf die Wache geführt. am 20. Dezember eine Liste von Strafen, die das Sondergericht über die Hörer ausländischer Rundfunksendungen verhängt hat: Ludwig Leucht aus Fürth 2 Jahre Gefängnis; S. Brugger aus Saulgau- 1 Jahr, 3 Monate Gefängnis; Hermann Wolter aus Osnabrück- 1 Jahr Gefängnis; Johan Jakobsen aus Marienau bei Danzig 2 1/2 Jahre Gefängnis; seine Frau, die die empfangenen Nachrichten verbreitet haben soll 2 1/2 Jah-" re Gefängnis; ** Am 19. Dezember wurden wegen Konser. vendiebstahls verurteilt: Oestreicher aus Duttweiler zu 8 Jahren Gefängnis, Beyer aus Saarbrücken zu 3 Jahren Gefängnis, Schalk aus Saarbrükken zu 3 Jahren Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte Todesstrafe beantragt, aber da die Diebe im Alter von 17 und 18 Jahren standen, hat das Gericht ,, Milde" walten lassen. tet. Wenn diese Art Milde noch einige Jahre die drei Brüder von Jacobsen je 2 1/2 geübt wird, bleibt nur noch die Gestapo Bisher hat die deutsche Regierung ge- Jahre Gefängnis. auf freiem Fuss, sofern dann Himmler nicht denen ,, Ich wiege jetzt 63 Pfund. Ich muss mal leugnet, dass Schauhinrichtungen, Das ist die Strecke eines einzigen Tages. andrer Opfer seine eigenen Leute verhafeine Entfettungskur machen; denn Sport alle Gefangenen zusehen müssen, in den vollzogen werden. Gleichfalls am 20. Dezember und aus dem kann ich schon nicht mehr treiben, so dick Konzentrationslagern Grunde wurden in Berlin und bin ich." Dies schreibt das Kind an Pflege- Mehr als ein ehemaliger Häftling ist ins gleichen eltern, bei denen es bis wenige Tage vor Lager zurückgeschickt und dort ermordet München je zwei Gefangene, in Breslau und Ausbruch des Krieges war und von denen worden, weil er„ Greuelmärchen" dieser Dresden je ein Gefangener zu 2 bis 4 Jah- Reich es durchgefüttert wurde. Es wog bei der Art verbreitet hat. Jetzt wird Himmler im- ren Gefängnis verurteilt. Abreise vor 10 Wochen: 70 Pfund! Das mer offenherziger, weil es ohnehin nicht Kind hat in der Familie den Kosenamen mehr darauf ankommt. Kanonen aus Blechschildern. Im Dritten werden sämtliche Firmen- und Reklameschilder an den Läden abgenomSogenannte Spezialisten spionieren abends men. Sie gehen in die Munitionsherstelin den Treppenhäusern umher. Ertappte lung ein. Moskau ohne Maske Sozialdemokratie wieder Hauptfeind mit helfen. Dem Arbeiter, lin- Russland oder Hitler- Deutschland unbeliebt gemacht hat, bleibt nur der Strick, wenn ihm nicht gleich der Kopf abgeschnitten oder das Hirn zerschosDie Kommunisten sind wieder richtig. das zur Kenntnis, und wir benützen die Glück hatte, in einem nichtbolschewis- sen wird. Dass es in Hitlerdeutschland noch Seit dem Beginn der Hitlerperiode bis Gelegenheit, festzustellen, dass wir So- tischen Lande zu leben. Gegen die kapitalistische Ausbeutung Privatkapitalismus gibt aber in Stalinzum Abschluss des Pakts zwischen Sta- zialdemokraten geblieben, ja in unserer lin und Hitler waren sie nicht wieder zu sozialdemokratischen Ueberzeugung fes- können sich die Arbeiter wehren. Sie russland keinen mehr, macht unter diehaben es im Laufe der Jahrzehnte, die sen Umständen einen sehr geringen Unerkennen. Von den Sozialdemokraten ter sind als jemals zuvor. Worum geht der Streit? Er geht um seit dem Erscheinen des Kommunisti- terschied. Die Genugtuung darüber, dass unterschieden sie sich durch nichts, wenn nicht durch den Uebereifer ihrer die Frage, ob die Vernichtung des Ka- schen Manifests vergangen sind, es keine Bourgeois sondern nur noch neuen Gesinnung. Sie begeisterten sich pitalismus und der Bourgeoisie Selbst- grossem Erfolg getan. Und zwar wuchs Beamte gibt, kann einen Menschen mit für die Menschenrechte der französi- zweck ist oder nur Mittel zum Zweck. ihr Erfolg mit dem Mass der politischen Verstand über den Verlust seiner FreiSelbst- Rechte, die sie sich im Staate eroberten. heit nicht hinwegtrösten. Selbst wenn schen Revolution. Sie schwärmten für Für die Kommunisten ist sie Redefreiheit, das Leben des russischen Arbeiters so Presse-, Rede- und Koalitionsfreiheit. zweck. Ist das kapitalistische System Je mehr Pressefreiheit, Sie forderten nach Hitlers Sturz die vom zerstört und durch ein anderes ersetzt, Koalitionsfreiheit, desto weniger Kapi- üppig wäre, wie es in Wirklichkeit dürfganzen deutschen Volke gewählte Natio- dann ist dieses andere System das Gute talistenmacht, desto kürzere Arbeitszeit, tig ist, könnte die Vermehrung des manalversammlung. Sie waren übereifrig an sich und jede Kritik an ihm ist eine besserer Arbeitsschutz, besserer Lohn. teriellen Wohlstands nicht für den Verbereit, Koalitionspolitik zu treiben nicht schändliche Tat. Für uns Sozialdemokra- Jeder, der diese Jahrzehnte innerhalb lust dessen entschädigen, was unser Danur mit dem ehemaligen. ,, Hauptfeind", ten aber ist der Sturz des Kapitalismus der deutschen Arbeiterbewegung erlebt sein erst menschenwürdig macht. Der Kampf gegen Hitler hätte keinen den Sozialdemokraten, sondern auch nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum hat, wird mit einem Gefühl tiefer Gewir wollen durch ihn mehr nugtuung auf sie zurückblicken. Wel- Sinn, wenn er mit der Verwandlung des mit den Deutschnationalen und viel- Zweck; leicht auch den Nationalsozialisten. Von Freiheit, mehr Wohlstand für das Volk, ches Glück, kämpfen zu können, frei zu nazistischen Deutschlands in ein bolder christlichen Kirche sprachen sie mit mehr persönliche Entwicklungsmöglich- sein, sich wehren zu dürfen! Das Be- schewistisches enden sollte. Die Arbeiviel Verständnis und grossem Takt. Und keiten für den Einzelnen gewinnen, und wusstsein, die Partei, die Gewerkschafter würden dann nur aus einem Zuganz selbstverständlich waren sie, Hitler darum ist uns nicht jedes System recht, ten hinter sich zu haben und für den stand der Unfreiheit in einen andern gegenüber, westorientiert, sie konnten das nicht kapitalistisch ist, sondern wir äussersten Fall die Waffe des Streiks hinübertaumeln. Der Irrtum von 1918 es gar nicht erwarten, unter der Triko- fragen uns, ob mit dem Systemwechsel bereit zu halten, gab den Arbeitern ein war noch verzeihlich; damals war die lore und dem Union Jack in den Krieg das erreicht wird, was für uns immer kraftvolles Selbstgefühl. In ihren Kon- Sowjetherrschaft eben erst ein Jahr alt. Sinn, Ziel, Zweck dieses Systemwechsels sumgenossenschaften, in ihrer Kommu- Wer nach einundzwanzig Jahren bittegegen das Hakenkreuz zu ziehen. Seit dem Hitler- Stalin- Pakt ist das al- gewesen ist: eine von wirtschaftlichen nal- und Staatspolitik zeigten sich schon rer Erfahrung- wer nach dem Hitlerles aus und vorbei. Die Kommunisten Druck und politischem Zwang befreite verheissungsvolle Anfänge jenes wirkli- Stalin- Pakt und dem Ueberfall auf chen Sozialismus, der die Menschen frei Finnland noch behauptet, der Bolschesind keine Pseudo- Sozialdemokraten Menschheit. mehr, sondern richtige Kommunisten. Von diesem Standpunkt ausgehend, macht. wismus bringe dem Proletariat die BeJa, gegen die kapitalistische Lohn- freiung aus seinen Ketten, ist nicht Sie pfeifen auf die ,, formale", die ,, bür- können wir den Bolschewismus nicht gerliche" Demokratie. Die Sozialdemo- unkritisch annehmen, sondern müssen sklaverei konnten wir uns wehren. Wie mehr gutgläubig. kraten sind wieder Hauptfeinde und So- auch an ihn die Sonde der Kritik an- aber wehrt man sich gegen die StaatsBolschewismus und Nazis- echte Kommunisten sein wollen, dann zialverräter. Und der Krieg ist kein legen. Mit welchem Ergebnis? Ich für sklaverei? Krieg zum Sturze Hitlers und zur Demo- meine Person stehe nicht an, auf mus haben gleicherweise den Arbeiter ist es ganz folgerichtig, wenn sie ihren kratisierung Europas, sondern ein Krieg Grund jahrzehntelanger Erfahrungen in einen Zustand der vollkommenen Platz nicht mehr neben den Sozialdemoin einen Zu- kraten suchen, sondern neben den Nades englischen und französischen Impe- den Satz auszusprechen: Bolschewismus Wehrlosigkeit versetzt, stand der totalen Abhängigkeit, wie er zis, deren geistige Verwandte sie sind. rialismus gegen den deutschen Imperia- ist schlimmer als Kapitalismus. Ich will auch gleich sagen warum. selbst in den schlimmsten Zeiten des Damit ist und dies ist kein geringer lismus. Er muss ausgenutzt werden zum Sieg der bolschewistischen Weltrevolu- Seit vierzig Jahren habe ich, in kapi- Frühkapitalismus nicht bestanden hat. Vorteil die Klarheit der Fronten wietalistischen Ländern lebend, den Kapi- Ein von dem Unternehmer gemassregel- der hergestellt, die durch keinen HalbIm Interesse der grundsätzlichen Klar- talismus bekämpft. Den Bolschewismus ter Arbeiter war noch immer nicht ganz kommunismus oder Ersatz- Kommunisheit kann man diese Rückverwandlung aber konnte ich nur darum bekämpfen, verloren, er konnte auf die Hilfe seiner nur begrüssen. Die Kommunisten sind weil ich bisher immer noch das gar Kameraden rechnen oder einen Laden mus verwischt werden soll! aufmachen oder sich sonst irgendwie Kommunisten geblieben, wir nehmen nicht hoch genug zu schätzende tion. Der hungernde Millionär tor sucht. In Wenn die Kommunisten nun wieder F. St. Der Glückwunsch Privatbrief Hitlers zu Stalins 60. Geburtstag ren, Lohn. chen schon. mundet nischen Menschheit werden und was aus den kommt vom Verfolgungswahn und der einer Wirtschaft, die vor Dekreten und stammt aus dem Magen", sagte der Arzt zur Rohstoffmangel nicht laufen konnte? Und ältesten Tochter des Hauses, welche sich wie dachte das Volk darüber, dass rings- deshalb zugunsten des Vaters an der Butter Man kennt aus der Literatur den Nabob, um die Villen und Autos der braunen Bon- des Personals verging, woraufhin im brauder im eigenen Fett zu ersticken droht. zerie nur so aus dem Boden schossen? nen Lokalblatt eines Tages zu lesen stand, Man kennt den Reichen, der aus Geiz Herr X. versuchte, seinen Chauffeur ab- es gäbe Herrschaften, die sich auf Kosten Dass ich von diesen schönen sechzig Jahren darbt. Aber den Millionär, der inmitten zuhören, aber der Mann wurde mit der Zeit ihrer Dienstboten mit Butter mästen; wenn so an die zwanzig auf dich eingehackt, einer güterreichen Welt ein Opfer der But- immer undurchsichtiger. Vater zweier Kin- nötig, werde man eine Liste veröffentli- das war nicht nett. Du wirst es mir erspaterkarte wird, den gabs noch bisher nicht, der, nun ja. Ueberall lauerte die Denunzia- chen. zerknirscht zu sein. Die Zeiten sind verder wurde im Dritten Reich entdeckt. Rei- tion; als Chauffeur eines Grossunternehtrackt. Herr X. sah nachts im Traume die Paläste da jüngst ein Schweizer durch Deutsch- mers wurde er ohnehin überwacht. Vorland und berichtet in einem Schweizer sicht. Vielleicht stand er schon im Dienst ste der braunen Bonzen, sah sie prassen Blatt seine Eindrücke. Auf dieser Reise der Gestapo? Flüsterte er nicht oft mit und schwelgen, hörte ihre Spottreden: sprach er einen Millionär, der seinen Au- dem Dienstmädchen in der Garage beim Grossunternehmer X., gehen Sie zu Thys- Du weisst ja, wie's gemeint ist, alter Junge, Wagenabwaschen? Hatte Lisette nicht ge- sen; wir brauchen Ihr Vermögen. Wir sind und dass sich's eng befeindet besser schiebt. sagt, er frage ab und zu nach Fett, Butter die neue Ersatz- Bourgeoisie, unser ist die Nur selten weiss die sprachgewandte Zunge, Butter. Wir sind der Generalstab der in- was sich in eines Führers Hirn begibt. ,, In einem wunderbaren Landhaus und allem, was es so hintenherum gab? neren Front; für Frontsoldaten gibts Zuam Rhein, das sich in einem Riesenpark Schaltete das Hirn des Grosskaufmanns satzration. Und verlassen Sie sich nicht befindet und in dem jedes Zimmer Zeugdoch schuldest du mir den versprochnen nis von einer gepflegten Kultur ablegt, im Dahinfahren solche Gänge ein, so auf ihre zwei Schwiegersöhne, die werden Wir halten beide ungern ein Versprechen, werde ich von dem Besitzer, einem äl- konnte er ins Schwitzen geraten. Es gab ohnehin seit langem überwacht..." teren, als sehr reich bekannten Gross- hinreichend Fälle, in denen die Gestapo Schweiss gebadet erwacht er aus solchem kaufmann empfangen. Dieser Herr ist dieses das Küchenpersonal oder jenes Spuk, denkt an Lisette und ihren SA- Mann, Ich warne dich davor, das Wort zu bremagenleidend..." Grossbürgers bestochen hatte, um Material an den Chauffeur, an Thyssen. Keinerlei Er darbt, er vermag sich nicht ausrei- zu sammeln. Und die Lisette ging sie unerlaubten Zusatz, faucht er seine Tochter Dies nur in Klammern. Wir verstehn uns. chend zu nähren, und man kann sich ihn nicht schon mit einem SA- Mann? Der to- an; er wolle legal leben und legal sterben, und seinen Passionsweg leicht vorstellen. tale Staat brauchte Waffen gegen jeden, wolle den neuen Herren die Räuberei nicht so leicht machen. Der Sitz am Rhein, der Dir hat doch Polen gar nicht schlecht geEinstens gehörte er zu den Gönnern der er lag im Krieg mit allen. Die nervösen Magenstörungen des Herrn herrliche uralte Park ringsum, die grossen Nazis. Gründe: die ,, begehrliche Arbeiterkönnte den neu- und dann der fette Fang im Baltikum. schaft", der„, Rentnerstaat", der keinen Ar- X. verschärften sich, die grauen Haare wur- Lagerhäuser in Köln Und Ich hatte dir den Kaufpreis nur gestundet, beiter schutzlos liess, die Weltkrise mit ih- den schlohweiss, Nase und Backenknochen reichen Bankrotteuren so passen... Wut im Leibe, Migräne in der Speise- glaub' nicht etwa, du kommst darum herum. machte Herr X. vor dem auslänren ,, bolschewistischen Gefahren"... Gross- spitzer, die Nächte schlafloser. Seine Frau so kaufmann X. steuerte in Hitlers Kasse, wie ist gestorben. Seine älteste Tochter, deren röhre Schlafzimmer neben dem seinen liegt, hört dischen Besucher seinem bedrängten Hermeisten seiner Standesgenossen. des Nachts, wie oft er die Leselampe an- zen etwas Luft: Deutschland sollte wieder sauber werden", der Marxismus musste erledigt wer- knipst. Dann der Krieg, das Bündnis mit den, wenn die Welt gesunden sollte. Da dem Bolschewismus, die Rationierung des Wo durfte man über solche Kleinigkeiten wie Nichts, das grosse leere Dunkel, das droReichstagsbrand, Konzentrationslager, 30. hend von allen Seiten herankriecht. hielt der Chauffeur Hempel jetzt? NaziJuni, Terror, Kriegsnationalistische drohungen nicht stolpern. Hauptfeind: der opposition, Stalinist, kommunistische Opre, beim Weggehen, riss er mich et- Du kannst ein Prunkbegräbnis inszenieren. Warum war Bolschewismus. Da war es auch gut, zwei position, Sozi, Demokrat? Dunkel wie das was zurück und sagte:„, Sehen Sie mal Schwiegersöhne als Offiziere in der Ar- Volk. Nichts wusste man. meine hohlen Wangen an! Was soll das Dein Taktgefühl ermöglicht dir den Dreh, noch werden!" Das war ein Millionär!" auf Englands Schuld zu exemplifizieren, mee, einen Neffen in der SS und seinen Hempel noch nicht zum Heer einberufen mit seinen vierzig Jahren? Wurde er an indess ich engelsrein daneben steh. Sie verChauffeur in der SA zu haben. Er ist mehr, er ist ein Symbol jenes standen sich schon, Herr X. und sein der inneren Front eingesetzt, gegen ihn, Chauffeur Hempel. Man war ja beiderseits den Grosskaufmann X.? Vorsicht, auch im Zweckmitglied, politische Vernunftehe so- engsten Kreise. Thyssen flüchtete ins Aus- deutschen Grossbürgertums, das auch die zusagen. Der Tag würde kommen, da der land, Herr X. hatte noch Thyssens Vater letzten politischen Ideale seiner Väter verMohr seine Schuldigkeit getan und wieder gekannt. Hugenberg wurde überwacht. Hess rät, um den ,, Marxismus" abwürgen zu lasnormale Zustände hergestellt sein würden überwacht Himmler, der den Göring, der sen. Verängstigt, schlaflos, von schlechten wieder den Goebbels, der den Rosenberg Träumen gepeinigt, von Migräne, saurem wer überwachte wen nicht? Das ein- Aufstossen und zerfransten Nerven geplagt, Dann folgten die religiösen Verfolgungen, der Vierjahresplan, die Verschärfungen der zige was sichtbar gedieh, schienen die Au- lebt er, halbwegs Geschäfte machend, zielZwangswirtschaft, die staatliche Fernlen- tos und Besitzungen der braunen Bonzerie. los in den Tag hinein, die Stunde des ZuDer Magen des Herrn X. revoltierte, for- sammenbruchs fürchtend- indes ringsum Lieb Välerchen kung von der Wiege bis zum Grabe, die Fremdherrschaft einer neuen, braunen derte mehr Butter, vertrug kein anderes die Villen der neuen Gangster- Bourgeoisie Bourgeoisie. Herr X. und die Seinen steck- Fett. Der Arzt beantragte bei der Behörde wachsen, sich ihre Autos mehren und ihre vom Blut der anderen in eins geschweisst. ten in engstem Kreise die Köpfe zusam- fünfzig Gramm zusätzliche Butter pro Wo- überschüssigen Gelder schon im Ausland Ich wünsche dir noch viele solche Jährchen, men. Nein, das alles war nicht vereinbart, che. Schweinespeck, lautet die Antwort. deponiert sind. die ohne Marxismus. 33 so hatte man nicht gewettet. Herr X. ist Der Magen revoltierte. Steckte hinter dem guter Katholik Was sollte aus einer heid- Speck nicht die Gestapo? ,, Das MagenleiImp. Union, 13, rue Méchain, Paris, 99 Das, wie gesagt, in Klammern. Ein paar Kisten Was soll ich nun mit Schweinespeck sind schon als Schenkung auf den Weg ge bracht. anfangen mit meinem kranken Magen", fragte mich der reiche arme Teufel.„ Es Es handelt sich um tausend Stalinisten, ist furchtbar, es ist einfach schreck- die wir allein in Dachau kalt gemacht.* lich!", sagte dieser Herr öfters während unserem Gespräch. Noch unter der Tüben, Noch eines- wenn du mir, was sehr zu loso deklariere bitte: ,, Warenproben." die Nazis schickst, die du alljährlich killst, Dann glaubt man, dass du endlich liefern willst. wir sind ein sauberes Pärchen, R. G. bis alle Welt um unsre Achse kreist. ( Und dann: vergiss das Kupfer nicht. Du weisst...!) Le Gérant: Albert MARION.