JOURNAL ANTIHITLERIEN JTJ 7 Journal social-democrate destine aux refugies de langue allemande Nr. 342. SONNTAG, 7. Januar 1940 NOUVEL"EN AVANT!" Hebdomadaire en langue allemande Redaktion und Verlag; 30, Rue des Ecoles, Paris-5. Telephone: Odeon 42-58 Aus dem Inhalt: Sein Traumschloss Bankrott des deutschen Aussenhandels Uebermüdete Arbeiter Prix t(Trs. l,oO Voraussetzungen des Friedens Die Befreiung* des deutschen Volkes von Hitlerlierrschaft und Hitlergeist „Hitler und der neue deutsche Militarismus sind eins. Die Niederlage und ''ie endgültige Ueberwindung dieses Militarismus sind die Voraussetzungen für den Frieden und für die künftige Neu- Organisation Europas", so heisst es im Aufruf des Vorstands der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands bei Kriegsbeginn. Unsere Vorstellungen über das künftige Geschick und die künftige politische Stellung Deutschlands in Europa sind hier mehrfach angedeutet worden. Wir haben gesagt: �ir wollen die Hitlerschen Eroberungen "•cht, wir sind keine Imperialisten, wir Sollen keine Machtpolitik für das künftige Deutschland, sondern eine Politik, die auf Frieden und Sicherheit abzielt. Wir wollen die Wiedereingliederung des von der Hitlerherrschaft befreiten Deutschland in ein friedliches Europa. »Ein Frieden, der die Gewaltakte Hit- 'frs wiedergutmacht, dem totalitären Syrern ein Ende setzt und dem deutschen Volk wie allen vergewaltigten Völkern Kecht und Freiheit wiedergibt, ist das 2iel unserer Politik", so hiess es im Kriegsaufruf des Parteivorstandes, in dem das deutsche Volk zum Sturz Hitlers aufgefordert wurde. Was wir wollen, ist klar. Aber wird e!> uns jemals gelingen, die entscheidende Mehrheit des Volkes für solche �iele zu gewinnen? Wir begegnen im- •�er wieder der pessimistischen Auffas- Sling, dass am deutschen Volke Hopfen '"id Malz verloren sei, dass es durch seine Geschichte und Stellung in Europa e'ti für allemal für eine reaktionäre und �pansive nationalistische Politik prädestiniert sei. Wäre es an dem, so würden unsere Zielsetzungen nur Wunsch- 'raume sein und alle unsere Tätigkeit �ysiphusarbeit. Hie Existenz von grossen Meinungs- s'römungen in jedem Volke ist die Voraussetzung eines jeden demokratischen "nd liberalen Systems. Ohne sie keine geschichtliche Bewegung und Wandlung. Der politische Wille der grossen Volks- Purteien ist bei keinem Volke ein für ■dlemal unabänderlich determiniert. Wer �en Unterschied zwischen historisch- kultnrphilosophischer Kausalerklärung dld realistisch zumutbarer Vorausschau «üf die Zukunft verwischt, bringt Verwirrung in die geistigen Voraussetzun- ?en für die Neuordnung Europas. Wir haben uns bereits im Sommer 1�39 um die Klärung dieser Dinge bemüht. Wir haben damals— wenige 'Vochen vor Ausbruch des Krieges— der Verzweiflung am deutschen Volke die folgende historische Argumentation entgegengesetzt: „Wir sind die Fortsetzer des geistigen und politischen Kampfes, der in Deutschland geführt worden ist, seit in ('er ganzen Welt die Ideen lebendig sind, 'De die grosse französische Revolution getragen haben. Wir sprechen nicht von ijer Tradition und der Politik unserer artei— denn die Scheidelinie zwi- Schen dem besseren Deutschland und »em reaktionären Deutschland der bru- d'en Gewalt und der Machtgier liegt jeineswegs an der Grenze unserer Par- ei; sie scheidet vielmehr zwei grosse geistige und politische Strömungen im deutschen Volke, die über Parteigrenzen hinausgreifen. Der Kampf dieser beiden Strömungen ist niemals abgeschlossen worden. Weder die Revolution von 1848, noch die Entscheidung von 1866, noch die Bildung des Deutschen Reiches von 1871, noch der Friedensvertrag von Versailles, noch der Machtanbruch des Hitlersystems hat eine Uniformierung des deutschen Volkes in einem oder dem anderen Geiste herbeigeführt. Heute lebt das deutsche Volk wie im Kriege, unter Kriegsrecht, im Schatten des deutschen Militarismus und Imperialismus, aber das bessere Deutschland ist nicht tot, weil seine Stimme unter diesen Verhältnissen schwach geworden ist. Dieser ununterbrochene Kampf durchzieht die gesamte Geschichte Deutschlands, von der Mitte des vorigen Jahrhunderts bis auf den heutigen Tag. Nach 1866 und nach der Bildung des Deutschen Nationalstaates, des Deutschen Reiches im Jahre 1871, traten die gross- deulschen Expansionsträume zurück vor den realen Tatsachen der deutschen und europäischen Politik. Ein wirkliches, den Frieden gewährleistendes Gleichgewicht in Europa wurde möglich. Dann kam der Wilhelminismns, die Weltpolitik und der expansive Militarismus. Die Kämpfe darum, wie gegen den preus- sisch- deutschen Militarismus, haben die innere Politik des Reiches bis zum Jahre 1914 erfüllt. Wir erinnern an die Reichstagsdebatten von 1913, wir erinnern an die Tatsache, dass im Kriege eine Reichstagsmehrheit die sogenannte Friedensresolution beschloss, die eine Kampfansage an das Deutschland der brutalen Gewalt und der Machtgier war." „Weil die deutsche Reaktion fürchtete, dass die Reichstagsmehrheit die grosse Mehrheit des Volkes für den Ver- ständigungsfrieden und die Demokratisierung Deutschlands gewinnen werde, organisierte sie den Kampf dagegen. Unter Führung der Alldeutschen wurde die Vaterlandspartei gegründet, die alle Anhänger des deutschen Siegfriedens sammelte. Aus diesem Kampfe ist die deutsche Revolution entstanden. Die Reichstagsmehrheit von 1917 war der Vorläufer der Weimarer Koalition. Diese Zusammenhänge, nicht die linksradikalen Verstösse und die Sozialrevolutionären Illusionen erklären das Wesen der deutschen Revolution. Der geistige und politische Kampf gegen die deutsche Gegenrevolution und den deutschen Imperialismus ist in der Weimarer Republik ununterbrochen weitergegangen. Wir nennen nur die Namen Stinnes, Helfferich, Hugenberg und Hitler, aber auch Erzberger und Rathenau, die im Kampfe um die Verständigung gegen die revanchelüsterne Gegenrevolution gefallen sind. Schliesslich ist der Kapp-Putsch niedergeschlagen worden, ebenso der Hitlerputsch 1923 in München, ebenso die alldeutschen Putschversuche Anfang 1926, die schon in den Anfängen vernichtet wurden. Dieser Kampf war hart und schwer. Die Gegenrevolution setzte in der Tat ihre Hoffnungen auf den Nationalismus als Sprengmittel gegen die Demokratie, die mit dem Willen zur Verständigung und Frieden verbunden war." „Nach dem Siege Hitlers im Jahre 1933 haben wir vom ersten Tage seines Regimes an im Namen des besseren Deutschland den Kampf gegen das Hitlersystem aufgenommen. Wir haben gewusst, dass vom Tage des Machtantritts Hitlers an der Frieden bedroht war. Es ist wahr, dass das Hitlersystem geistig und moralisch in Deutschland grauenvolle Verwüstung angerichtet hat. Aber es ist ein Irrglaube, dass die geistige Lage und die Willensrichtung eines Volkes ein für allemal gegeben und | unabänderlich sei. Die Zweiteilung, die es im deutschen Volke gibt, gibt es in jedem anderen Volke auch,— und die Lehre, dass in solchen Kämpfen dunkle Katastrophen möglich sind, geht nicht allein aus der deutschen Geschichte her- Deutsclilanil heute Die Nöte der KCrieg�swirlscIiaft Der Erxkanal Der Reichstreuhänder der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Westfalen-Niederrhein hat eine neue Arbeitsdienstordnung für die Erweiterungsarbeiten am Dortmund-Ems-Kanal erlassen. Diese Verordnung ist weniger des Inhalts wegen, als um der Tatsache willen wichtig, weil sie zeigt, dass die Erweiterungsarbeiten am Kanal noch nicht abgeschlossen sind. Und zwar gerade im Gebiet in der Nähe des Industriereviers sind die Arbeiten noch im vollen Gange. Um die grosse Bedeutung dieses Kanals zu ermessen, sind einige Hinweise auf die Zusammenhänge nötig. Der weitaus grösste Teil der deutschen Eisenerz- Einfuhr kam immer aus Schweden. Die Verschiffung erfolgt zum kleinen Teil über den schwedischen Hafen Luleo im Bottni- schen Meerbusen, zum grössten Teil über den norwegischen Hafen Narvik. Deutscher Anlaufhafen war für dieses Erz der Hafen Emden an der Emsmünduny. Emden ist zum grössten preusischen Hafen ausgebaut worden und war eigentlich der einzige deutsche Umschlagplatz für Erz. Ein sehr grosser Teil des Erzes ging nach dem holländischen Hafen Rotterdam und von dort den Rhein aufwärts ins Ruhrgebiet. Obwohl die Nazis viel lieber alles über Emden geleitet hätten, war dies nicht möglich wegen der beschränkten Verkehrsverhältnisse auf dem Dortmund-Ems-Kanal. Der Dortmund-Ems-Kanal kdnn nur Schleppkähne bis zu 800 Tonnen Nutzlast befördern. Im Jahre 1936 begann der Ausbau des Kanals bis zu einer Tiefe, die den Verkehr für Schleppkähne bis zu 1500 Tonnen Nutzlast ermöglichen sollte. Diese Arbeilen sind in einem unglaublich schnellen Tempo durchgeführt worden, bis im Sommer 1938 die Konzentration grosser Mengen Arbeiter am Westwall erforderlich war, die dann zu einer Einschränkung der Arbeiten am Dortmund-Ems-Kanal führte. Es war deshalb nicht möglich, den Bautermin einzuhalten und die Kanalerweiterung bis zum Sommer 1939— wie ursprünglich geplant war— durchzuführen. Der Dort- mund-Eins»Kiaiial ist jetzt sehr stark in Anspruch genommen, weil eine Erzver- schiffung über Rotterdam infolge der Blok- kade unmöglich geworden ist. Um die Erzanfuhr sicherzustellen, ist man dazu übergegangen, den Kohlentransport, der sonst seewärts ging, zum grossen Teile von dem Kanal wegzunehmen. Die Erzkähne gehen vielfach leer zurück. Der Kohlentransport geschieht jetzt über holländische Binnengewässer, die nach Delfzijl im Norden des Landes führen, und von dort nach Emden. Das bringt sowohl grossen Zeitverlust wie auch Mehrkosten mit sich, da diese holländischen Binnenwege nur Kähne mit 300 Tonnen Nutzlast bewältigen können. Die Kohle geht aus dem Ruhrgebiet über Emden auf dem Ems-Jade-Kanal nach Bremen und Hamburg, um von dort Elbe- aufwärts nach Mitteldeutschland und Schlesien transportiert zu werden. Man nennt das den sogenannten„Hufeisenverkehr"; denn die Kohle aus dem Ruhrgebiet macht einen hufeisenförmigen Bogen über Norddeutschland, ehe sie am Bestimmungsort ostwärts des Ruhrgebiets landet. Diesen Wasserumweg muss man in Kauf nehmen, weil die anderen Verkehrsverhält- nisse im Reich, die eine direkte Verbindung zwischen dem industriellen Westen und den mittel- und ostdeutschen Industriegebieten sichern, überlastet sind. Im Zusammenhang mit der Fertigstellung des Adollf-Hitler-Kanals hat man jetzt den | Ausbau des Hafens Gleiwitz und den Bau eines Stauwerkes in Stauwerder begonnen. Im Zusammenhang mit diesen Kanalbauvorhaben in Schlesien muss auch die Oderverlegung bei Ratibor, der Ausbau der Schleusen bei Lengefeld und Schwanowitz und der Bau des Staubeckens bei Berghof genannt werden. Stellin statt Hamburg; Die veränderten deutschen Positionen in der Ostsee und die Beschränkung des deutschen Seeverkehrs ausschliesslich auf die Ostsee haben dazu geführt, einen der Ostseehäfen als neuen„Ueberseemitlelpunkt" zu wählen und auszubauen. Wie zu erwarten war, ist hierzu der Hafen von Stettin gewählt worden. Das neue Reichsgesetzblatt bringt eine ganze Anzahl Verordnungen, die sich mit Grundstücksenteignungen und Hafenerweiterungen in Stettin beschäftigen. Hier soll der neue grosse Ostseehafen erstehen. Kinder als lleamtens teil Vertreter In Goslar, so meldet die„Frankfurter Zeitung" vom 22. 12. 1939, „hat sich die Hitler-Jugend in den Dienst der Post gestellt. Sie hilft bei der Postzustellung und bei der Verteilung der Feldpost auf ihrem weiteren Weg." Ob sie gleichzeitig eine zusätzliche Briefzensur ausübt, wird zwar nicht vermerkt, immerhin ist der Verdacht nicht von der Hand zu weisen. Jedenfalls wird das Zutrauen in die Reichspost durch diese Massnahme lebhaft gestärkt werden. vor. Es gibt aber nicht nur dunkle Katastrophen, sondern auch grosse Reinigungsprozesse. Für diesen Reinigungsprozess im deutschen Volke wirken wir. Wir hassen das Hitlersystem, wir kämpfen dafür, dass das deutsche Volk vom Hitlersystem befreit werde, wir kämpfen für den Sieg des besseren Deutschland über die alldeutsche Machtgier. Wir stehen an der Seite der Demokratien, die sich gegen das internationale Verbrechen des Systems zur Wehr setzen— weil wir den anderen Völkern ihr Recht und den Frieden, dem deutschen Volke aber die Freiheit wiedergeben wollen." („Neuer Vorwärts", Nr. 319/320). Der Krieg ist ein geschichtlicher Realfaktor ersten Ranges. Er ist eine furchtbare Lehre für das deutsche Volk. Er ist die Antwort auf das verbrecherische Experiment der Hitlerpolitik. Die Strömung im deutschen Volke, die für Freiheit und Frieden eintritt, wird aus den Ereignissen eine überwältigende Kraft der Argumentation gegen das Hitlersystem schöpfen. Wir glauben deshalb an die Möglichkeit eines echten Sieges des besseren Deutschland über die Mächte der Vergangenheit und an die Wiedergesundung des deutschen Volkes. Dieser Glaube ist die Voraussetzung unserer politischen Wirksamkeit wie die Voraussetzung unserer Auffassungen über die Sicherung des künftigen Friedens in Europa. C. G. Chronik der Woche llllfsbereifsiehaft liir Finnland Tagebuch des denlschen Henkers Hingerichtet wurden am 14. Dezember: Der vom Sondergericht Rostock zum Tode verurteilte Ludwig Bernitt, der in Klein- Laasch bei Ludwigshafen zwei Scheunen niedergebrannt hatte. Georg Schriifer, Nürnberg, wegen Einbruchsdiebstahls, begangen während der Verdunkelung. Willi Lau, vom Sondergericht Rostock wegen Sittlichkeitsverbrechens zum Tode verurteilt. .4m 19. Dezember Franz Bogner, Wien, wegen Mordes. Kurt Jeworrek, Gelsenkirchen, wegen Betrügereien, begangen an einer Kriegerswitwe. Zum Tode verurteilt wurden am 14. Dezember Johann Weilnhammer, München, wegen Handlaschenraubes während der Verdunkelung. Erwin Neumann, Berlin, wegen Mordes. .4m 18. Dezember Heinrich Haber, Niedersimten bei Pirmasens. wegen Einbruchdiebstahls, begangen während der Verdunkelung. Montag, 25. Dezember 1939 Die militärische Unterstützung Finnlands durch Bildung von Freiwilligenkorps in den nordischen Ländern nimmt immer grösseren Umfang an. In Schweden wurden im ganzen Land Werbebüros eröffnet und in Norwegen und Dänemark fordern die Zeitungen der verschiedensten politischen Richtungen zur Bildung eines skandinavischen Hilfsk�rps für Finnland auf. Bei den deutschen Befestigungsarbeilen gegenüber der Schweizer Grenze stürzte ein Tunnel ein. 80 Arbeiter fanden dabei den Tod. Das tschechoslowakische Nationalkomi- {ee,e das mnter Führung Beneschs steht, wurde von der britischen Regierung als Vertretung der tschechoslowakischen Völ- Jker anerkannt. Der frühere tschechoslowakische Gesandte in Moskau, Fierlinger, der nach der Okkupation der Tschechoslowakei durch Hitler als Emigrant in Moskau geblieben 1 war, wurde aus der Sowjetunion ausgewiesen. Irische Terroristen drangen in das Arsenal von Dublin ein und bemächtigten sich vieler Waffen. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Ein Teil der Waffen konnte wieder aufgefunden werden. Dienstag, 26. Dezember 1939 In dem neuen deutsch-rumänischen Handelsabkommen ist die rumänische Petroleumlieferung auf 130 000 Tonnen monatlich bemessen worden. Das entspricht den durchschnittlichen Lieferungen in den letzten Vorkriegsmonaten. Es wurde ein deutsch-russisches Abkommen getroffen, nach dem der Güterverkehr zwischen Deutschland und Russland über acht durch Polen führende Einsenbahn- Eln sIcgTrolchor Feldzus: HUler» Im Dritten Reich wurde auf Anordnung der Gestapo eine grosse Judenzählung vorgenommen. Angefangen wurde das Geschäft der Judenaustreibung und Ausrottung im Jahre 1933 mit 500 000 Juden. Eine Zwischenbilanz von Winter 1939 ergibt, dass noch 240 000 Juden im Reiche Hitlers leben. Davon sind 160 000 über vierzig Jahre alt. Die jüngeren und tatkräftigeren Menschen haben also Deutschland verlassen oder sind ermordet worden. In Berlin leben noch 90 000 Juden. Von ihnen verrichten 20 000 noch Erwerbsarbeit. Die Dezimierung der Juden in Oesterreich lässt bereits die grössere Routine und das schnellere Tempo erkennen. Die Zahl der österreichischen Juden sank in anderthalb Hitlerjahren von 165 000 auf 55 000. Von der jüdischen Front in der Tschechoslowakei und in Polen liegen noch keine Verlustziffern vor. Das xerlumple Deutsclilan«! Bisher hat der deutsche Untertan einen Bezugsschein auf einen Wintermantel nur dann erhalten, wenn er seinen alten Wintermantel kostenlos ablieferte. Nur kinderreiche Familien, die einen alten Mantel nachweislich umarbeiten wollten, sind von dieser Fledderei verschont geblieben. Jetzt hat der Nazidirektor Grunert in einem Vortrag vor der Verwaltungsakademie Leipzig eine„gewisse Erleichterung" angekündigt („Frankfurter Zeitung" vom 22. Dezember). Man wolle künftig „den alten Mantel auch denjenigen Volksgenossen belassen, die einen neuen Wintermantel beantragen und dartun können, dass der alte für den Weg zur Arbeitsstätte und überhaupt im beruflichen Gebrauch noch nützlich sein könne und zur strecken wieder aufgenommen wird. Bis-| her hielten Deutschland und Russland die Teilungslinie durch Polen hermetisch gegeneinander verschlossen. Das erste Kontingent australischer Flie-\ ger ist in England eingetroffen. Nach dem Studenten-Massaker in Prag wurden die über zwanzig Jahre alten Studenten ins Dritte Reich in Arbeitslager verschleppt. Die jüngeren wurden freigelassen. Ein Teil von ihnen fand ein Unterkommen als Krankenpfleger in Prager Krankenhäusern. Neurath hat den Krankenhäusern befohlen, diese Studenten sofort zu entlassen, weil sie sonst ihr Studium in der Form praktischer Arbeit fortsetzen könnten. Mittwoch, 27. Dezember 1939 44 Hinrichtungen wurden in Deutschland in der Zeit vom 2. November bis 22. Dezember 1939 vollzogen, davon 7 wegen Hochverrat, 7 wegen Brandstiftung in Bauernhöfen, 13 wegen Diebstahl während der Verdunkelung, 4 wegen Betrug an Soldaten und 5 wegen Notzucht. Der stellvertretende ,, Führer" des nationalsozialistischen deutsch-amerikanischen Bundes wurde verhaftet wegen eines Meineides, den er bei dem Prozess des wegen Unterschlagung zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilten amerikanischen Naziführers Fritz Kuhn geleistet haben soll. Donnerstag, 28. Dezember 1939 Das italienische Königspaar stattete dem Papst einen Besuch ab, der von Pius XII. erwidert wurde. Damit ist die seit Bestehen des italienischen Königreiches bestehende formelle Nichtanerkennung der italienischen Monarchie durch den Papst offiziell beendet. Die deutsche Regierung hat die Bank- konti der Juden im„Reichsgau Danzig- Westpreussen" gesperrt. Es darf nur ein Betrag von 250 Zloty monatlich abgehoben werden. Freitag, 29. Dezember 1939 In der Türkei ereignete sich ein schweres Erdbeben. Die Zahl der Todesopfer wird auf 30 000 Personen geschätzt. In Finnland sind 5 000 russische Kriegsgefangene interniert. 270 russische Tanks wurden zerstört und 125 russische Flugzeuge sind abgeschossen worden. Die Zahl der in Finnland gefallenen Soldaten der roten Armee wird mit 25 000 angenommen. Die Schweizer Regierung hat die nationalsozialistische„Neue Basler Zeitung" und die k oramunistische Zeitung„Freiheit" verboten, weil der Inhalt bejder Blätter vom Ausland bestimmt wurde. Das Justizministerium der Vereinigten Staaten von Nordamerika hat ein Sondergericht zur Untersuchung von Sabotage- und Spionagehandlungen eingesetzt. Der Kriegszuschlag auf die deutsche Einkommensteuer ist nochmals verdoppelt worden, so dass die Einkommensteuer heute 75 Prozent höher ist als bei Kriegsbeginn. Sonnabend, 30. Dezember 1939 In Norwegen wurden bisher acht Millionen Kronen für Finnland gesammelt. Das amerikanische Hilfskomitee für Finnland hat bis zum Jahresschluss 300 000 Dollar zur Unterstützung der finnländi- schen Zivilbevölkerung ausgegeben. Die deutsche Propaganda lässt über die Presse des neutralen Auslands verbreiten. dass bis zum Frühjahr 1940 fünf Millionen deutsche Soldaten unter den Waffe" stehen werden. Während des letzten Weltkrieges mobilisierte Deutschland insgesamt dreizehn Millionen Männer, Schonung, des neuen Mantels beitrüge oder Verwendung finden könne." Allerdings hat der Redner gleichzeitig „eine sorgfältige Prüfung dieser Voraussetzungen" angekündigt. Die Nationalsozialisten haben die jüdischen Altkleiderhändler nicht umsonst verjagt. Jetzt macht der Staat höchstselbst das Geschäft— freilich ohne für die Ware einen Heller zu bezahlen. Der Pressedienst des deutschen Einzelhandels gibt bekannt, dass die Reichsklei- derkarte eine neue Entwertung erfahren hat. Wer Textilstoffe nicht in ganzen Metern kauft, sondern etwa nur 1 1/2 oder 2 1/2 Meter der Ware erwirbt, muss für jeden„angebrochenen Punkt" einen„vollen Punkt" der Kleiderkarte abgeben.„Das Gleiche gilt, wenn beim Kauf von Strickgarn die gewünschte Menge Bruchteile eines Punktes ergibt."— Die„angebrochenen Punkte", die sicher jeden Mathematiker lebhaft interessieren werden, dürften den deutschen Hausfrauen zu schaffen machen. Man rundet die Preise dauernd nach oben, die Warenmenge dauernd nach unten ab. Am 16. Dezember ist die Kleiderkarte auch im Protektorat Böhmen und Mähren ausgegeben worden. Gleichzeitig hat man Bezugsscheine für die auf Kleiderkarte nicht erhältlichen Waren, insbesondere für Schuhwaren, Mäntel, Bettwäsche, Gardinen usw. eingeführt. So setzt sich der deutsche Fortschritt auch in Böhmen durch, wo es vor der Befreiung alle erdenklichen Textil- und Lederwaren in Hülle und Fülle zu kaufen gab. den fürchterlichen Meuchelmord an den Volksdeutschen... Kein noch so eindringlich aus der Erinnerung geschriebenes Buch, kein Kriegsfilm mit Schauspielern und Komparsen kann so suggestiv, so erschütternd wirken wie diese Fiknmeter, die von den Kameraleuten der deutschen Propagandakompanien an Ort und Stelle, mitten in den Kampfhandlungen, aufgenommen wurden. In diesem „Degeto-Weltspiegel" ist eines der tollsten weltgeschichtlichen Ereignisse festgehalten worden... Zum Preis von 15 Mark kann jeder eine derartige Schmalfilmapparatur vorführen." („National-Zeitung", Essen, v. 21. 12. 39.) Das g-ereKele Volk Selbst nach der deutschen Statistik ist die Sterblichkeitsziffer im Dritten Reich im ständigen Steigen begriffen. Z. B. hat, gemessen am letzten Jahr der deutschen Republik 1932, die Sterblichkeit in Dortmund 1934 um 6% zugenommen, 1936 um 12% und 1938 um 19%. In anderen Städten schwanken die. Ziffern zwischen 4 Prozent fin Breslau) und 20 Prozent(in Berlin). Schlechter ist noch nie einem Volke die Rettung bekommen. Her llord in» Heimkino Die(leulschcn Greuel In Polen(nr lo Mark In jedem Walon „Wenn es mit den üblichen Weihnachtsgeschenken in diesem Jahre etwas schwieriger geworden ist, so gibt es doch auch wieder so viele neue Dinge, dass es nur ein Mangel an Phantasie ist, wenn jemand nicht weiss, was er seinen lieben Nächsten auf den Gabentisch legen soll. Ein ganz einmaliges Geschenk, das allerdings nur für Besitzer einer Schmalfilmvorführungsapparatur Wert hat, ist eine kleine Rolle„Degeto-Weltspiegel", wie z. B. die über den Polenfeldzug(Jahrgang 1, Nr. 6.) Man sieht darin dokumentarische Meter aus dem Führerhauptquartier und Aufnahmen des unbeirrbar vorwärtsstürmenden deutschen Heeres. Artillerie, Panzerwagen, Flussübergänge bei gesprengten Brücken— Gdingens Fall— dann wieder Ruhe und Ordnung in den besetzten Gebieten: die deutsche Ehrung für den Mar- i schall Pilsudski und auf der anderen Seife Dor palrlotlsrho Relilirafon Es gilt in Deutschland gegenwärtig als besonders patriotisch, sich von Wildbret zu ernähren, da die Rehe einerseits keine besonderen Ansprüche an die Futtermittelversorgung stellen und die Rehbraten andererseits den deutschen Fleischmarkt entlasten. Der Raubbau, den man gegenwärtig auch im edlen Jagdhandwerk betreibt, wird sich ja erst in den kommenden Jahren rächen. Also hat die„Hauptvereinigung der deutschen Viehwirtschaft" angeordnet. Wildbraten von Schalenwild(Rof- Dam-, Reh-, Gems- und Schwarzwild)„statt wie bisher in zweifacher, nunmehr in dreifacher Menge auf die für die einzelnen Abschnitte der Fleischkarte festgesetzten Gewichtsmengen abzugeben." Ins Deutsche überstezt heisst dass: wer einen Rehbra- len im Gewicht von 3 Kilo kauft, braucht sich nur von einem auf 1 Kilo lautenden Abschnitt seiner Fleischkarte zu trennen. Die gleichen Vorzüge geniessen Restaurantbesucher, die Wildbret verzehren. „Ferner ist der Bezug von Wildbret gegen die rechten Abschnitte der Reichsfleischkarte dadurch erleichtert worden, dass diese Abschnitte ohne Rücksicht auf die aufgedruckte Geltungsdauer während der ganzen Laufzeit des Stammabschnittes(Zuteilungsperiode) gellen." So machen sich Patriotismus und Durchhaltewillen wieder einmal bezahlt. Der halsstarrige Arbeiter, der auf seinem gekochten Rindfleisch beharrt, mag sehen, wie er von den Kriegsportionen satt wird. Der opferbereite Naziführer, der sich mit gespicktem Rehrücken begnügt, darf dafür wenigstens entsprechend mehr essen. »loblllslorle Hunde alt« Slenerxahler In den ersten Kriegswochen sind im Dritten Reich bekanntlich die Hunde m0" bilisiert worden. Man hat alle, die das Gardemass von 60 Zentimetern Höhe erreichten, zwangsweise eingezogen und für militärische Zwecke dienstbar gemacht. Da jedoch die Sleuerpflicht des bisherigen Hundehalters in den verschiedenen Gemeinden erst mit dem Ende des laufenden Viertel- oder Halbjahres erlischt, haben die ihrer Hunde beraubten Tierfreunde genau so weiter bezahlen müssen wie zuvor. Jetzt endlich, nachdem genug böses Blut entstanden ist, hat sich der Reichsinnenmini- sfer zu einer Neuregelung entschlossen und die Behörden am 21. Dezember ersucht, „In diesen Fällen mit Rücksicht auf die besonderen Umstände die Hundesteuer nur bis zum Ende des Monats z11 erheben, in dem der Hund durch dir Wehrmacht angekauft worden ist." Die bisher schon kassierten Beträge werden allerdings nicht zurückgezahlt. Und dabei sind die Besitzer mobilisierter Hunde noch billig bedient. Die Volkswagenbe- steller z. B., denen bereits angekündigt worden ist, dass an eine Lieferung der Wage" in absehbarer Zeit nicht zu denken«ei. müssen ihre Raten weiter zahlen. Allerdings handelt es sich dabei um grössere Summen, und wenn der nationalsozialisl'' sehe Staat auf alle unrechtmässigen Ei"' künfte und auf alle widersinnigen Mas5' nahmen verzichten wollte, müsste er sofort Bankrott ansagen. Goebbels' Klassenkampf. Das Prop£ gandaministerium hat in Berliner Arbeite' vierteln grosse Plakate anschlagen lassei auf denen den Arbeitern auseinandergeseh wird, dass England im Interesse der AJ beiterschaft niedergerungen werden inus weil das zugleich ein Kampf gegen Enf lands herrschende Schicht von Geldsäcke und hochmütigen Kapifalisten sei. De Herr Propagandaminister scheint sei" tägliche„Prawda" mit Nutzen zu lesen. Vor den Räubern gerettet. Von der tsch' choslowakischen Goldreserve stehen üe Bank für Internationale Zahlungen noc 1,6 Millionen englische Pfund zur Verf' gung. Die Ueberweisung dieses Befrage an die deutschen Eroberer der tschech« slowakischen Republik ist inlpbiert wo' den. Damit geht eine wenig röhmlic'1 Angelegenheit nicht ganz traurig zu End1 Geflüstert. In Deutschland sollen künft' die hauchdünnen Strümpfe wegfallen, d: für soll für die Fersen und Spitzen d' neudeutschie v Erlsatzbaumwolle verwend* werden. Der Volkswitz fragt: Warum? Antwort; Weil sich die Frauen auf d£ Jagd nach Lebensmitteln bereits die Fel sen und die Zehen wund laufen. Das realisierte Traumseliloss Welcher Knabe hat nicht einmal geträumt, dass er hoch über allen Bergen ein Schloss besitzt, nur ihm und wenigen Vertrauten zugänglich, ein Schloss, in dem er unumschränkt herrscht und von dem aus er alle Welt in Angst und Schrecken versetzen kann? Jeder hals gewünscht! Viele haben es beschrieben, manche haben es komponiert, Hitler hats gebaut. Vor ihm Hess ein geisteskranker König sich sein Traum- schloss in einen bayrischen Alpensee bauen. Vielleicht beruht eines der Geheimnisse der Anziehungskraft, die Hitler ebenso wie Ludwig II. auf viele Deutsche ausübt, einfach darauf, dass in beiden die Grenzen zwischen Wunschtraum und Realität in stärkerem Masse verwischt sind als bei normalen Menschen. Der kranke Bayernkönig beschränkte sich auf Schlösser und unterirdische Seen, auf die Realisierung von Opern. Hitler ist gefährlicher. Er will seine Weltbeherrscherträume realisieren. Er suchte und fand ein Volk, in dem Geschick und Veranlagung eine latente Disposition schufen, sich diesem Herrschaftslraum zum Opfer zu bringen. Als Hitlers Machtwünsche die Grenzen dieses Volkes überschritten, sties- «flen�clienmaterial» im Iiitierstaat ilberniiidete Arbeiter— ansteigende Arbeitslosigkeit Bei den deutschen Arbeitern werden so schwere Uebermüdungserscheinungen festgestellt, dass sogar den„Deutschen Volkswirt" eine grosse Sorge um den lebenden Teil der deutschen Rüstungsmaschinerie befiel. Er setzt auseinander, dass es darauf ankomme, die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Arbeiter zu erhalten. Insbesondere sei es die Arbeit in dem durch die Luftabwehr gebotenen Halbdunkel, die sich als überaus anstrengend erweise und die in den letzten Wochen zu mehreren Fällen schwerster Erschöpfung geführt habe. Der Arbeiter müsse wieder das Gefühl bekommen, so meint der„Deutsche Volkswirt", dass von ihm nicht mehr verlangt werde als wirklich nötig sei. Natürlich werden im Dritten Reich die Ermüdungserscheinungen und die Missstimmung nicht, wie anderswo, durch Verkürzung der Arbeitszeit, Verbesserung der Ernährung und der Wohnung bekämpft. Das sind alles undurchführbare Dinge in einem Land, in dem es seit sechs Jahren ausschliesslich auf die Kanonen ankommt und auf die Arbeiter nur insoweit, als sie sen sie auf Widerstand. Wie ein Symbol zur Herstellung besagter Kanonen verwen- zusammenbrechender Kraft mutet es an, Jet werden. dass zur gleichen Zeit Hitlers Traum-\ schloss bekannt und damit profaniert i_ le nationalsozialistische Regierung hat wird durch eine simple Aktenpublikation eine Arbeitszeit-Verordnung erlassen, die i am 1. Januar 1940 in Kraft tritt, in der seines Gegners. V Heber seinen Abschiedsbesuch bei Hiller erstattete der frühere französische Botschafter in Berlin, Frangois-Poncet, dem französischen Aussenminister einen Bericht, vom„bestmöglichsten Schutz der Arbeitskraft" und von der„Verhinderung einer übermässigen Arbeitszeit" und vom„Achtstundentag" die Rede ist. Noch ausführlicher wird vom„Zwang der wirtschaftlichen Notwendigkeit" gesprochen, und die am Tage können nur noch in ausserge-■ und die ihn dann ersetzen. wohnlichen Fällen... zugelassen wer- steigende Arbeitslosenzahl. den." Immerhin enthält die Verordnung eine Verbesserung. Die über zehn und zwölf Stunden hinausgehende Mehrarbeit musste seit Kriegsausbruch ohne Ueberstunden- zuschlag geleistet werden. Jetzt sollen von der elften Arbeitsstunde an 25 Prozent Zuschlag bezahlt werden. Für die neunte und' zehnte Arbeitsstunde haben die Unternehmer ebenso wie seither den Zuschlag zu entrichten, aber dieser Teil des Lohnes wird nicht den Arbeitern ausgezahlt, sondern flliesst direkt den Finanzkassen des Reiches zu. Abgekürztes Verfahren. Von der elften Stunde an darf also der Arbeiter jetzt wieder seinen Mehrlohn selbst einstecken. Aber das ist nicht das einzige Neujahrsglück, das das System für ihn ausgedacht hat. der bisher nur zum Teil bekannt war, um rraBze Verordnung, die von der„Frankfur- der jetzt in dem Gelbbuch des französischen � Zeitllng" mit der Ueberschrift„Grund- Aussenministeriums im vollen Wortlaut veröffentlicht wird. Wir entnehmen ihm folgende Absätze: sätzlicher Achtstundentag" versehen wird, zeigt, dass auch in diesem Fall bei den Nazis die Verkündung von Grundsätzen kein Berlin, den 20. Oktober 1938JAnlass ist, nicht unmittelbar danach das Gegenteil zu tun. Jedenfalls heisst es in der Verordnung weiter: Am Abend des 17. Oktober 1938 forderte mich Reichskanzler Hitler auf, ihn möglichst bald zu besuchen und stellte mir eines seiner Privatflugzeuge zur Verfügung. Ich bin also am folgenden Tag, begleitet von Hauptmann Stehlin, nach Berchtesgaden geflogen. Ich kam um drei Uhr nachmittags an. Von Berchtesgaden brachte mich ein Automobil weiter, aber nicht in die Villa auf dem Obersalzberg, wo der Führer wohnt und wo er mich schon empfangen hat, sondern an einen aussergewöhnlichen Ort, wo er seine Tage zu verbringen pflegt, wenn das Wetter schön ist. Von weitem erscheint dieser Ort wie eine Art Observatorium oder wie eine| kleine Einsiedelei, die Meier hoch auf der höchsten Spitze eines Felsgrates errichtet ist. Man gelangt dorthin auf einem den Berg hinaufführenden Weg von fünfzehn Kilometern Länge, der Die Deutsche Arbeitsfront gibt ein Reiseprogramm durch die Presse bekannt, nach dem sie hunderttausend Arbeitern, „deren Leistungsfähigkeit durch einen besonders starken Arbeitseinsatz beeinträchtigt worden ist", einen kostenlosen Erholungsurlaub von drei Wochen verspricht. Die Erholungsaktion soll sich, wie in Aussicht gestellt wird, im Laufe eines Jahres abwickeln. Ein Jahr, in dem jeder ausgepumpte Arbeiter durch die Hoffnung auf eine Gratiserholungsreisc zu weiteren Anstrengungen ermuntert werden soll wie ein Schuldenmacher, der sich auf das Loterie- los in seiner Tasche verlässt und weiter pumpt. Allerdings müssen die Schulden, die der Gesundheit, die dem Körper aufgebürdet werden, in jedem Fall einmal bezahlt werden, doch gehört das zu den wenigen Din gen, die im Dritten Reich individueller Re- Igelung überlassen bleiben. Wenn der ein- „Ausnahmen von der Begrenzung der Es gibt eine Noch ist sie nicht sehr hoch. Nach der amtlichen Statistik waren es Ende November 126 000 Personen. Aber ganze Industriezweige liegen brach oder müssen einen Teil ihrer Arbeitskräfte entlassen, weil für ihre Produkte die Rohstoffe oder die Absatzmöglichkeiten fehlen. Mit der Herstellung von Luxuswaren, Textilien, Schuhen, Kleidern, Hüten, Süssigkeiten und mit vielen Zweigen der Lebensmittelindustrie geht es unaufhaltsam dem Ende zu, ebenso mit einem Teil des Handels. Zwar kann die Rüstungsindustrie, die chemische Industrie und die Militärschneiderei einen grossen Teil der Arbeitskräfte aufsaugen und der Personalstand der Verwaltungen wird von Tag zu Tag grösser, aber ausser den Arbeitslosen, die einspringen können, gibt es noch weitere Menschenreserven, die im Notfall in die Rüstungsindustrie abzukommandieren sind. 300 000 junge Männer stecken im Arbeitsdienst, 100 000 junge Mädchen im Landjahr. Dazu gibt es Tschechen, Polen und Oesterreicher, die das Dritte Reich zwar nicht hinter ein Maschinengewehr zu stellen wagt, die es aber in einer Granalen- dreherei ausnutzen kann. Dagegen können die Kriegsverstärkungen in der SS und bei der Polizei an der inneren Front nicht entbehrt werden und ebenso wenig einige hunderttausend sogenannte Hilfspolizisten, die in Polen drangsalieren und exekutieren und in der Tschechoslowakei auf deutsche Art protegieren müssen. Im ganzen ist festzustellen, dass im Dritten Reich nicht gerade ein Ueberfluss an Arbeitskräften herrscht, aber im gegenwärtigen Augenblick auch kein Mangel, vielleicht von der Landwirtschaft abgesehen, und dass deshalb die Herren des Dritten Reiches keinen Anlass sehen, mit -----------------------,—■ zelne Arbeiter durch Hunger und Ueber-'den Arbeitern besonders glimpflich umzu arbeit der kommenden Kriegsjahre nicht| gehen. Dieses Problem scheint ihnen mit hindurchkommt, so werden andere da 25 Prozent Zuschlag von der elften Arbeits- Arbeitszeit auf zehn oder zwölf Stunden, sein, die dieses Kunststück fertigbringen stunde ab lösbar. Der flentsclie Anssenhaiiflel Durch Diller völlig; zugrunde gericlilet deutsche Uebcrseehandel kapitalstark genug, um auch grosse Verluste eine Zeitlang zu erlragen. Diesmal aber ist der deutsche Auslandshandel viel empfindlicher gegen Verluste, weil die Zeit, die seit der grossen Krise verflossen ist, zu kurz war, Täglich rühmt sich der deutsche Rundfunk der Verluste, die der britischen Flotte und dem britischen Handel vom deutschen neunzehnhundert| L-.ß00t beigebracht werden. Die Schäden, die Hitlerdeutschland durch die Blockade' erleidet, werden natürlich verschwiegen. Aber es gibt darüber authentische Angaben,! um ein nennenswertes Ausmass vön'Kani' kühn in das Gestein eingeschnitten ist, und| in deu�Lher1� Die'deuf i W""T � � Reservcn 211 ermöglichen. dessen waghalsige Führung ebenso sehr das chen Hörer wLden seh����� a'" d,e fSamte Wirtschaftskraft des Lan- Talent des Baumeisters Todt ehrt, wie die sein zu vernahmen dass die vLf l.n � WUrde aUch der Überseehandel, der verbissene Anstrengung der Arbeiter, die sehen Pronaaandadienst verhreitetr r"w?' erst von