JOURNAL ANTIHITLERIEN Journal social-democrate destine aux refugies de langue allemande NOUVEL"EN AVANT!" Hebdomadaire en langue allemande Redaktion und Verlag: 30, Rue des Ecoles, Paris-5. Telephone: Odeon 42-58 Nr. 343. SONNTAG, 14. Januar 1940 Aus dem Inhalt: Bericht über eine Reise in Deutschland Finnland und die Folgen Der russlsclie Angriff und der Aorden Wie immer der Feldzug in Finnland -ausgehen möge, schon jetzt ergeben sich grosse materielle und in noch höherem Grade psychologische Wirkungen. Unzweifelhaft hatte die russische, aber auch die deutsche Politik mit einer in kürzester Zeit vollendeten Niederwerfung des finnischen Widerstands und der Okkupation des Landes gerechnet, um dann in gemeinsamer Aktion gegen die skandinavischen Staaten vorzugehen. Die militärische Beherrschung Schwedens, Norwegens und Dänemarks durch Russland und Deutschland ist das Ziel, für dessen Erreichung die Eroberung Finnlands die Voraussetzung bilden sollte. Damit wären dann entscheidende Ausgangspunkte für die Offensive gegen England und die Sicherung der besonders für die deutsche Eisenversorgung unentbehrlichen Rohstoffbasis gewonnen. Nachher hätten Deutschland und Russland freie Hand zur Ausübung diplomatischen oder kriegerischen Drucks auf die Kleinstaaten des europäischen Südostens gehabt, um so das andere wichtige Rohstoffge- biel zu sichern und zugleich die beherrschende Stellung der Alliierten im östlichen Mittelmeer zu gefährden. Der Widerstand Finnlands bedeutet für die Angreifer zunächst einen nicht wiedergutzumachenden" Zeitverlust. Unterdessen erhält Finnland Unterstützung und die Möglichkeit wächst, diese Hilfe immer mehr zu steigern. Unterdessen verstärken sich die Strömungen in Schweden um! Norwegen, die auf ein aktives Eingreifen drängen. Auf alle Fälle aber steigern sich die militärischen Vorbereitungen Schwedens und Norwegens gegen die eigene Bedrohung und die Entschlossenheit wird fester, dem zu gewärtigenden Angriff die militärische Abwehr entgegenzusetzen. Schien Finnland als leichte Beute dem russischen Angreifer anheimzufallen, dem die anderen skandinavischen Staaten dann nachfolgen müssten, so wird jetzt Skandinavien ein harter Bissen. Was Stalin und Hitler-Ribbentrop als militärische Spielerei angesehen haben mochten, würde jetzt zu einem grossen opferreichen Un- lernehmen werden, in dem die skandinavischen Staaten nicht mehr isoliert blieben. Und wie in Skandinavien gehen Unterdessen die Rüstungen in den meisten Balkanstaaten weiter, wächst auch bei diesen Neutralen der Zwang, aber auch der Willen zum Widerstand gegen die Angreifer. Das ist der Hintergrund, auf dem sich die grosse diplomatische Arbeit Englands und Frankreichs vollzieht, von der Daladier kürzlich gespro eben hat. Eine andere unmittelbare Wirkung Ist die Inanspruchnahme der russischen �Virtschaft, die nicht über das vorausgesehene Mass hinaus geht. Das ohnebin unzureichende und miserable Irans- portsystem erweist sich den Kriegsan- torderungen nicht gewachsen, und schon �er kleine finnische Krieg muss in der Schon normalen Anforderungen nicht ge �'achsenen Wirtschaft bedenkliche Stö- rungen hervorrufen; der starke Einsatz (1er Luftwaffe und der motorisierten For- c'ie russische Eigenproduktion schon in biationen steigert den Oelverbrauch, dem llentücliland heute Die Flucht in die Sachwerte Prlialporsoncii häufen Rönl�enapparate Görings„National-Zeitung" vom 4. Januar behauptet: „Durch Produktionssteigerung eine wachsende Kaufkraft zu schaffen und dadurch eine allgemeine Hebung des Le- bensslandes des Volkes zu erreichen, ist und bleibt der Grundsatz der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik." Allerdings, so fährt das Blatt fort, stehe im Augenblick„die Versorgung der kämpfenden Front mit allem von ihr benötigten Rüstungsmaterial im Vordergrund", so dass eine Beschränkung des zivilen Bedarfs nötig sei. Der Staat tue deshalb gut daran, die Kaufkraft des Publikums herabzumindern. „Es gibt eine Reihe von Volksgenossen, die nach der Beschränkung ihrer Kaufkraft für Lebensmittel und Bekleidung heute weniger dafür aufwenden als unter normalen Umstünden. Sie werden versucht sein, diese freigewordene Kaufkraft in anderen Waren, die nun einmal im Kriege nicht lebensnotwendig sind, anzulegen. Ein deutliches Beispiel für diese Entwicklung war das Vorweihnachtsgeschäft im Einzelhandel. Die Umsätze waren enorm. Es wird niemand behaupten wollen, dass der Kauf eines Röntgenapparates durch eine Privatperson auch nur etwas mit einem lebensnotwendigen Bedürfnis zu tun hätte. Diese unbestreitbaren Auswüchse einer freien Kaufkraft müssen unterbunden werden." Da der Anleiheweg keine Gewähr für die volle Erfassung der freien Kaufkraft biete, seien erhöhte Steuern das beste Mittel. um den Volksgenossen vor überflüssigen Anschaffungen zu bewahren. Man sieht, die im ersten Abschnitt gepriesene„allgemeine Hebung des Lebensstandes" macht Fortschritte. Wenn die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik ihren Grundsätzen weiter derartig treu bleibt, wird bald kein deutscher Untertan mehr ein Hemd auf dem Leibe haben. Dieses ahnend, kauft jeder, der noch ein paar Mark übrig hat, die überflüssigsten Dinge. Himmler lässt auf eigene Faust liiu rieh len Am 23. Dezember hat Himmler durch das DNB folgende Meldung verbreiten lassen: „Der vom Sondergericht Breslau zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilte Fritz Brehmer wurde am 21. Dezember 1939 bei Widerstand gegen die Staatsgewalt erschossen. Brehraer hatte sich an Angehörige gefallener Soldaten herangemacht und unter der Angabe, Näheres über das Schicksal der Gefallenen zu wissen, auf gemeinste Weise Geld zu erschwindeln versucht." Es ist in Deutschland üblich geworden, dieses Vergehens wegen die Todesstrafe zu verhängen. Da sich der Sonderrichter nach Himmlers Ansicht zu milde gezeigt hat, ist das Urteil durch die Himmlergarde korrigiert worden. Den„Widerstand gegen die Staatsgewall" hat bestimmt nicht der Gefangene, wohl aber der Son- derrichtcr begangen, und dem dürfte er nicht gut bekommen. Friedenszeiten kaum genügt. Statt Pe-|erfolgt. Hitler muss Schweden und Nor- troleumlieferant für Deutschland zu werden, wird Russland sowohl das gelizi- vvegen in Schach hallen, his er den eigenen Anteil an der Beute erhält. Stalins sehe wie einen Teil des rumänischen Krieg in Finnland ist Krieg gegen Eng- Oels selbst in Anspruch nehmen. Trans- I and und Frankreich, und ihn führt Sta- portschwierigkeiten und eigener Mehrbedarf an allen kriegswichtigen Produkten wird Russlands Wirtschaftshilfe für Deutschland vollends zu einer zu vernachlässigenden Grösse herabdrücken. Aber noch wichtiger als die materiellen Folgen sind die psychologischen Wirkungen, die zuerst von dem Ueber- fall auf Finnland, dann von dem militärischen Versagen Sowjetrusslands ausgehen. Als Stalin den Pakt mit Hitler schloss, als der„Führer des Weltproletariats" mit dem„faschistischen Bluthund" den Bruderkuss tauschte, da gab es immer noch Leute, die sich über das ihnen so unerwartete Schrecknis zu trösten suchten; gewiss es ist abscheulich, vom moralischen Standpunkt verwerflich; aber vom Standpunkt einer reinen Machtpolitik sei es vielleicht ein wirkungsvoller Schachzug. Habe Stalin nicht die baltischen Staaten seinem Ein- fluss unterworfen und so den deutschen Drang nach Osten zum Stillstand gebracht? Habe er damit nicht Hiller eine schwere Niederlage zugefügt? Dass Stalin durch den Abschluss mit Hitler den Krieg, den er nun ausbeutet, erst herbeigeführt, dass er Hitler in den Krieg gegen den Westen bewusst hineingestossen hat, wurde von diesen Leuten schlau verschwiegen, und sie betrogen sich selbst und andere mit der Hoffnung, einmal werde sich Stalin doch noch als Feind Hitlers erweisen. Der Angriff auf Finnland hat solch törichten und etwas schmierigen Einbildungen ein Ende gemacht. Nicht mit diplomatischen Druckmitteln allein wie gegen die baltischen Staaten, mit brutaler militärischer Gewalt wird gegen Finnland vorgegangen. Das Vorgehen ist nicht gegen Hitler, sondern im engsten Einvernehmen mit ihm liu als tatkräftiger Bundesgenosse Hit lers. Der Ueberfali auf Finnland ist zu gleich die ärgste Provokation, und keine Entschuldigung mit machtpolitischen Erwägungen— sonderbar genug im Munde angeblicher Sozialisten— kann die moralische Empörung beschwichtigen. Stalin und seine ganze Gefolgschaft ist gerichtet, und von diesem Schlag wird sich der Bolschewismus und Kommunismus in allen seinen Spielarten nicht mehr erholen. Dazu kommt das Versagen des bolschewistischen Regimes bei seiner ersten Kraftprobe. Sicher muss man die Schwierigkeiten des Terrains und die Härte des Klimas berücksichtigen; es bleibt das vollständige Versagen der militärischen Führung, der Organisation und der Vorbereitung des Feldzugs. Die Rote Armee ist nicht nur schlecht geführt, ihre Kadres'schwierigen Aufgaben kaum gewachsen; noch bedenklicher ist, dass ihre Ausstattung mit Kleidung und Schuhwerk offenbar mangelhaft, die Zufuhr von Lebensmitteln und Munition unzureichend ist. Mit gewaltigstem Aufwand wurde ein ungefüges Werkzeug geschaffen, aber die richtige Verwendung bleibt aus. Man muss sich erinnern, dass 1914 die Armee des Zaren in Ostpreussen eingedrungen, dass sie nach einem Monat das österreichisch- ungarische Heer bis hinter Lemberg zurückgetrieben hatte; und die Armee Stalins weicht in der gleichen Zeit vor den kleinen finnischen Streitkräften hinter die russische Grenze zurück! Es ist nicht einmal das militärische Ereignis, es ist vielmehr der Leichtsinn, die Frivolität, die mangelnde Vorbereitung, die unzulängliche Durchführung des Feldzuges, men anhaftet, das das Urteil über die militärische Kraft des Sowjetreiches bestimmen muss. Und wie wurde der Kampfwert der Sowjetarmee gepriesen, nicht nur von der russischen Propaganda und ihren kommunistischen Söldlingen, sondern von allen„Freunden der Sowjetunion" und so manchen„linkssozialistischen" Nachbetern. Vor diesen Massen von Flugzeugen und Tanks würde diesmal der deutsche Widerstand schnell erlahmen, das ungeheuere russische Kriegspotential, die ungeheuere Kriegsindustrie würde Unwiderstehlichkeit bewähren; ein von Hitler befreites Deutschland im Bunde mit der siegreichen Sowjetunion würde der Welt das revolutionäre Gesetz diktieren. Es war nicht leicht, gegen den Unsinn— den manche Leute noch bis vor kurzem als„marxistische" Konzeption auszugeben wagten— aufzukommen. Vergebens blieben kritische Einwendungen. Vergebens wurde darauf hingewiesen, dass das russische Kriegspotential schon durch den prekären Stand der russischen Wirtschaft begrenzt sei. Diese russische Wirtschaft selbst wurde ja durch direkte Propagande verherrlicht. In Wirklichkeit ist die russische Wirtschaft trotz der unbeschreiblich schrecklichen Opfer, die sie dem Volke auferlegt hat, nie über das Stadium einer Mangelwirtschaft hinausgekommen. Was sich in Russland vollzogen hat, war eine mit dem Aufwand furchtbar brutaler Gewalt, aber auch mit Hilfe der„kapitalistischen" europäischen und amerikanischen Technik und ihrer Spezialisten betriebene„ursprüngliche Akkumulation" von Kapital in Verfügung der„totalitären" Staatsmacht, die alle Greuel der kapitalistischen Akkumulation, wie sie Marx beschrieben hat, weit in den Schatten stellt. Die ökonomisch schädliche Kolchosierung z. B. mit der Expro- das Abenteuerliche, das dem Unterneh- Ipriierung und Vertreibung von hundert- Chronik der Woche Ot Mittwoch, 3. Januar 1940 tausenden Bauern, die Verwandlung der sogenannten Kulaken in deportierte Zwangsarbeiter für Eisenbahn-, Kanal- und Wegebauten, bei denen sie zu Rücktritt des englischen Kriegsministers Hore Belisha Zehntausenden hinstarben, die ErzeuMontag, 1. Januar 1940 eröffnet, die 36 000 Portionen am Tag lie- mit dem Gewehr auf der Schulter an die gung von Hungersnöten, die nicht Taufinnländische Linie zu kommen. Die mitDurch eine Proklamation des englischen fert. sende, sondern Millionen Todesopfer forgebrachten Waffen sollen nach folgenden derten, gehört zu den barbarischsten und Königs wurden sechs Jahrgänge zum MiliSätzen bezahlt werden: 10 000 Dollar für Roosevelt erklärt in einer Eröffnungs- ein Flugzeug, 10 000 Rubel für einen Tank, verabscheuungswürdigsten Kapiteln der tärdienst aufgerufen. Es handelt sich um den amerikanischen Kon- 1500 Rubel für ein Maschinengewehr, 150 Geschichte. Aber dieser ungeheuere Auf- zwei Millionen Männer, die zwischen 19 botschaft an und 28 Jahre alt sind. Ihre Einberufung gress, dass Amerika nicht damit rechnet, Rubel für ein Gewehr und 100 Rubel für wand erreichte den geringsten Nutzen. soll im Laufe des Jahres 1940 erfolgen. dass es seine Jugend zum Kampf auf eu- einen Revolver. Für Piloten, die in FinnDie russische Wirtschaft, zuletzt immer Damit erstreckt sich die Dienstpflicht auf ropäischem Boden aussenden muss. Ame- land landen wollen, wurde ein Signal vermehr eine schrankenlos einseitige insgesamt 2,75 Millionen Engländer. rika werde sich bemühen, zu einem Frie- abredet. Nach Ablieferung ihres ApparaKriegswirtschaft, steht an LeistungsfäDer deutsche Dampfer ,, Takoma", der den zu ermutigen, der die Unruhen in der tes können sie ins Ausland emigrieren. higkeit hinter jeder anderen zurück, in dem deutschen Schlachtkreuzer Graf Spee Welt beilegt. Eine durch die Gewalt be- Das amerikanische Finnland- Komitee keinem einzigen wichtigen Produkt der als Hilfsschiff diente, wurde von der uru- herrschte Welt stellt auch eine Gefahr für veranstaltet in den Vereinigten Staaten eiIndustrie besteht Konkurrenzfähigkeit; guayischen Regierung zum Verlassen des Amerika dar. Es muss verhindert werden, ne ganze Serie von Sportveranstaltungen aus den Prophezeiungen eines einst sen- Hafens von Montevideo aufgefordert. Als er dass mächtige Militärsysteme die kleinen zugunsten Finnlands. Aus dem Erlös sollen sationellen Buches ,, Der rote Handel dieser Aufforderung nicht Folge leistete, Nationen zu ihren Vasallen machen. Er- den Finnländern die acht Millionen Dolweiterung des internationalen Austauschs lar ersetzt werden, die sie für die Vorbereidroht" ist nichts geworden. Trotz oder wurde er interniert. gerade wegen der zentralistischen Plan- Die Finnländer haben bei Suomusalmi und Abkehr vom Wirtschaftsegoismus der tung der olympischen Spiele aufgewendet wirtschaft fehlt die Koordination der den russischen Vorstoss gegen den Bottni- einzelnen Länder ist notwendig. Das ame- haben, die in diesem Sommer in Helsinki die Flamme der stattfinden sollten. Produktionszweige, bleibt die Produkti- schen Meerbusen, der eine Teilung Finn- rikanische Volk muss vität der versklavten Arbeit weit unter lands in eine nördliche und eine südliche menschlichen Freiheit, der Vernunft, der Demokratie und der Gerechtigkeit brendem sonst erreichten Niveau, ist das Hälfte zur Folge gehabt hätte, zurückgewie- nend erhalten, um sie für eine bessere Die belgische Regierung wurde umgeTransportsystem völlig ungenügend, sen. russische Tanks zerstört und 150 russische Flugzeuge abgeschossen. Welt der Zukunft zu bewahren. Von den Deutschen in Südtirol haben Donnerstag, 4. Januar 1940 Freitag, 5. Januar 1940 bildet. Vier Minister ohne Portefeuille, darunter die Sozialisten H. de Man und Dem neuen Kabinett gehören im wesentlichen die gleichen Wauters schieden aus. Persönlichkeiten wie dem vorhergehenden an. Es setzt sich zusammen aus fünf Katholiken, vier Sozialisten, drei Liberalen und zwei Fachministern. stockt infolge der Unterdrückung der Die finnländische Regierung erklärt, Freiheit der Wissenschaft jeder wissen- dass es ihrer Armee im Verlauf des erschaftliche und technische Fortschritt. sten Kriegsmonates gelungen ist, an allen 185 000 für Deutschland optiert. 85 000 wollen im Land bleiben und loyale itastiess auf taube Fronten dem russischen Angriff erfolgreiAber jede Kritik chen Widerstand zu leisten. Es wurden 400 lienische Staatsbürger werden. Ohren. Jetzt wird sie gehört. Das Urteil, das in Finnland an der Roten Armee vollzogen wird, öffnet dem Urteil über Nachdem die Sowjetregierung ihren Die Sowjetregierung gestattet den pol- Das irländische Parlament hat mit grosdas russische ,, Wirtschaftsexperiment" Vollmachten neuen Botschafter in Italien wegen anti- nischen Juden an mehreren Stellen den ser Mehrheit der Regierung den Weg. Es wird ein Vernichtungsurteil kommunistischer Kundgebungen in Rom Uebertritt auf russisches Gebiet. Sie lässt zur Bekämpfung der Terroristen erteilt. über diese totalitäre, zentralistisch diri- noch vor Ueberreichung seines Beglaubi- die jüngeren jüdischen Flüchtlinge in das Sonnabend, 6. Januar 1940 gierte Wirtschaft sein. gungsschreibens zurückgerufen hat, wurde Donezbecken transportierten, wo sie in den Das bedeutet aber auf weite Sicht ge- der italienische Botschafter in Moskau von Kohlenbergwerken arbeiten müssen. Der englische Kriegsminister Hore Besehen, das zur moralischen Aechtung die seiner Regierung aufgefordert, Urlaub zu lisha ist von seinem Amt zurückgetreten. Der seitherige Handelsminister Oliver machtpolitisch und ökonomisch moti- nehmen. Goering hat die Leitung der gesamten Stanley wurde zum Kriegsminister ernannt. vierte Verurteilung des Bolschewismus, deutschen Kriegswirtschaft übernommen, Auch in der Leitung des Informationsmider proletarischen Diktatur" hinzukommt. Es war aber gerade die Anzie- Die deutsche Regierung liess in Monte- die durch ihn vereinheitlicht werden soll. nisteriums trat ein Wechsel ein. Finnländische Flugzeuge werfen über Die Arbeiter vieler schwedischer Grosshungskraft, die der Besitz und die Aus- video gegen die Internierung des deutübung der Macht ausübt, die alle Kritik, schen Hilfsschiffes„ Takoma" protestieren. der russischen Front Flugblätter ab, in betriebe haben am Dreikönigstag gearbeiIn Deutschland werden riesige Kriegs- denen die Rotarmisten zum Ueberlaufen auf- tet und ihren Tagesverdienst der Finnalle Erwägungen der Menschlichkeit, küchen eingerichtet. Eine einzige Küche gefordert werden. Es wird ihnen der Rat- landhilfe überwiesen. selbst allen Abscheu vor ihrem Miss- in Berlin versorgt 30 000 Personen täglich, schlag erteilt, in Gruppen von fünf bis brauch bei Vielzuvielen in den Hinter- und in Wien wurde eine Kriegsküche sechs Mann mit erhobenen Händen und williger ist in Finnland eingetroffen. Das erste Kontingent norwegischer Freigrund gedrängt hatte, die hofften, von dieser Macht doch noch Förderung ihrer eigenen Ziele erwarten zu dürfen. Jetzt ist die Anziehungskraft im Schwinden. Der Bolschewismus hat im Bewusstsein Dienstag, 2. Januar 1940 Hafenstimmung Der Hamburger Gastwirt Friedrich Rieck von der er sich nicht mehr erholen wird. gen fortgesetzten 39 Die ,, Nationalber und Oktober 1939 bis zu seiner FestDer hinterhältige Abendschoppen ein Aussehen und Geruch von wirklichem los begeistert zeigte, wurde zum Kulaken, Kaffee nicht zu unterscheiden ist, das aber, Trotzkisten oder auch ohne genauere Spewie in neudeutscher Bescheidenheit hin- zifizierung zum Feind der Sowjets ernannt der Menschen eine Niederlage erlitten, ist vom hanseatischen Sondergericht we- zugefügt wird, wegen seiner herzstärken- und erschossen. Nach dieser Vorbereitung absichtlichen Abhörens den Beimischungen dem echten Kaffee wurden in einen grossen Teil Polens SowAber gesellt sich zur Verurteilung des ausländischer Sender" zu 3 Jahren Zucht überlegen ist. jetwahlen durchgeführt, die Stalin Bolschewismus vom Standpunkt der haus verurteilt worden. Wohlgefallen waren. Ueberrascht hat dieFreiheit, der Humanität und der Demo- Zeitung", Essen, vom 5. Januar berichtet ses Verfahren niemand. Es war russische kratie nicht auch jene alte Feindschaft über den Fall folgende Einzelheiten: Alltagsarbeit. Nur das Tempo ging über ,, Der Angeklagte, der in der Hafenbürgerlicher Schichten, die anderen und den russischen Alltag hinaus. Am 17. Sepgegend eine Gastwirtschaft betrieb, in Mit dem trüberen Quellen entspringt? Töricht ungestörten Genuss eines tember Ueberfall auf Polen und fünf Woder tagsüber ein starker Verkehr wäre es, das leugnen zu wollen und ge- herrschte, hat in den Monaten Septem- Abendschoppens ist es im Dritten Reich chen später, am 22. Oktober, bereits Wahvorbei. Nicht weil das Bier schlechter len, das war schon Stachanow- Tempo. wisse Gefahren nicht zu sehen, die dadurch entstehen könnten. Aber diese Genahme in seinem Lokal ausländische wird. Dieser Kummer wird als selbstverDie Exkursion nach Finnland hat man Rundfunksender abgehört. Durch Zufall ständlich hingenommen. fahren sind gerade infolge des Kriegsin sich im Kreml ähnlich vorgestellt, zumal will er beim Rundfunkempfang auf den Deutschland abends seine Stammkneipe die Partie mit 170: 3 Millionen auf schnelzustandes recht begrenzt. Denn die subSender Toulouse gekommen sein, gab aufsucht, findet neuerdings dort ein gross- len Gewinn stand. jektiv reaktionären Tendenzen werden sich dessen Lügenmeldungen bereitwil- mächtiges Plakat, auf dem angeordnet Finnländer gegen die russische Spielregel Aber hier verstiessen durch den Kriegsverlauf objektiv korri- ligst hin und bemühte sich dann, wei- wird: tere ausländische Sender mit seinem alund wehrten sich, sodass hier nach fünf giert werden. Stalin ist der BundesgeEr ten Empfangsgerät zu bekommen. nosse Hitlers: Der Krieg gegen Hitler machte sich Notizen über die Sendezeikann nicht anders geführt werden wie ten ausländischer Sender, damit er ,, imals Kampf um die Freiheit und um die mer genau im Bilde" war. Diese Notizen Sicherung der Demokratie. Die Feinde wurden bei seiner Festnahme in seinem 2. des Bolschewismus, mögen sie sein welBesitz gefunden. Er hörte die Sendungen der feindlichen Lügenpropaganda che immer, können nur als Hilfstruppen nicht nur allein, sondern auch in Gefungieren im Krieg gegen den Hauptgenwart dritter Personen, schaltete aber feind, gegen Hitler. sofort ab, sobald ein fremder Gast sein trainierten Untertanen jemals wieder Men- fallen und zum Teil in die Flucht geschlahörten Nachrichten Lokal betrat..." Zunächst aber geht von den finnischen Ereignissen eine unmittelbare Wirkung Dieses Stimmungsbild aus einer Hamauf die Stimmung aller anderen Mächte burger Hafenwirtschaft wird wirkungsvoll aus. Der Mut zum Widerstand wächst. durch den Hinweis ergänzt, dass dem AnDie Opfer, an die die Reihe kommen geklagten die Weiterverbreitung der gesollte, starren nicht mehr so gebannt auf werden konnte, obgleich der dringende nicht nachgewiesen den Angreifer wie die Vögelchen auf die Verdacht bestand", er habe sich auch dieSchlange. Mit der Möglichkeit zur Ab- ses Vergehens schuldig gemacht. Alle wehr ist auch der Wille gewachsen. Stammgäste des Wirts, und ihre Zahl war das ist der Aufruf zum offenbar nicht gering, haben also dicht geKampf gegen die Angreifer und das Bei- halten. Wenn die Gestapo ganz sicher gespiel der Erfolgsmöglichkeit. Und diese hen will, wird sie wohl alle deutschen psychologische Wirkung kann für das Hafenviertel hinter Schloss und Riegel verVerhalten der Neutralen sehr bedeu- wahren müssen, zumal fast alle Revolutiotungsvoll werden. Tief und weitrei- nen der letzten 200 Jahre in den verschiechend können die Folgen sein, die der densten Ländern bei der Flotte begonnen Finnland Widerstand Finnlands auslöst. Dr. Richard Kern. Bestrafte Sünder haben. Kulinarisches Lauf Aber wer 1. Jeder Wirt muss alle Nachrichten des Wochen weit und breit nichts von SowDrahtlosen Dienstes regelmässig und jetwahlen in Finnland zu hören und zu deutlich aus dem Lautsprecher er- sehen war. Das ist aber nicht die Schuld klingen lassen. der Russen. Vorgesorgt hatten sie. Jeder Gast muss schweigend zuhören, Als die Finnländer am Abend des 31. Dewährend diese Goebbelssche Lügen- zember sich das Schlachtfeld von Suomumesse zelebriert wird. salmi besahen, da entdeckten sie, dass die Armes Deutschland! Wie sollen 163. russische Division, die zum Teil geschen werden? Erbfeindsprache aus so gen war, ihnen eine recht interessante Kriegsbeute hinterlassen hatte. Ausser Kanonen, Tanks, Panzerwagen, Luftabwehrgeschützen, Waffen, Pferden und Lebensmitteln ist eine Kolonne von über In einer Buchbesprechung der Essener 400 Autos auf der Walstatt geblieben, von heisst es: ,, National- Zeitung" vom 5. Januar 1940 denen ein Teil bei näherem Zusehen einen mehr nach- kriegerischen Inhalt aufwies: ,, Dem Standpunkt des Verfassers in Stalinbilder Leninbilder, Lautsprecher, diesen Abhandlungen über die deutsche Grammophonplatten, Flugblätter und SowSprache ist durchaus beizupflichten, jetfahnen sonder Zahl und dazu eine Feldwenn er sie als verpflichtendes Lehen druckerei kurzum, in den Autos war für jeden deutschen Volksgenossen an- der ganze Sowjetrussische Befreiungsrumgesehen wissen will, der gegenüber eine lebenslängliche sprachliche Wehrpflicht mel eingeweckt. Nur Kuusinenbilder fehlbesteht." Die ten, dazu war den Herren im Kreml die Stellung ihres jungen Mannes wohl noch nicht stabil genug, oder man hielt Väterchen Stalin für zugkräftiger. Die Aufforderung ist überflüssig. meisten Deutschen wehren sich schon mit Händen und Füssen gegen die deutsche Die Finnländer haben sich den ganzen Sprache. Dem Verefasser der Buchkritik selbst muss attestiert werden, dass ihm mit Zauber nicht ohne Gefühl für die Komik dem letzten Nebensatz schon ein ganz der Situation angesehen. Fände sich ein in die deutsche Nestroy unter ihnen, so könnten ihm die auf der Flucht siegreich zurückgelassenen russischen Propagandaautos die schönste Travestie der Diktatoren- Propaganda entschöner Fronteinbruch Verfrühte Propaganda locken. Deutsches Gemütsleben ,, Leopold Armstetter gab sich einen aus deutschen Laberatorien Das Dritte Reich hat den Kampf gegen Sprache gelungen ist. In Memel wurden dreizehn Landarbei- die Blockade der Alliierten den deutschen ter zu mehreren Monaten Gefängnis verur- Chemikern übertragen, die ihrer vom Hunteilt, weil sie englische und französische ger angetriebenen Phantasie freien Rundfunksendungen in deutscher Sprache lassen. Als Resultat ihrer Bemühungen er- Als die Russen im September den geangehört haben. Es handelt sich durch- schien zunächst auf dem Lebensmittelmarkt gen Hitler kämpfenden polnischen Soldaweg um litauische Staatsbürger, die erst ein weisses Pulver, das mit Wasser an- ten in den Rücken fielen, folgte dem wekurz zuvor Landarbeit in Deutschland an- gerührt und dann Käse genannt wurde. Ist nig ruhmreichen Eroberungszug der roten genommen hatten. Ausserberuflich waren das Pulver gelb, so nennt man es nach der Armee sofort der ganze russische Propa- Ruck, stand auf und stand stramm; sie für ein Leben im Dritten Reich noch Vermischung mit Wasser Mayonnaise und gandaapparat. Redner, Lautsprecherautos, Heimweh, das so plötzlich über ihn hernicht richtig vorgebildet und es fehlte ih- ein drittes Pulver kann auf dem gleichen Flugblätter und viele Wagenladungen voll gefallen war, hätte ihn sonst zerrissen. Er nen noch der rechte Glauben an die Sen- einfachen Weg in eine Sahne ,, von schön- Stalinbilder und auch ein paar Leninbil- hielt sich an seiner eigenen Haltung fest.' dungen von Joseph Goebbels. Nur von stem Aussehen" verwandelt werden. I. G. der kamen an. Den Polen wurde auseindiesem undeutschen Misstrauen liessen sie Farben hat ein Pulver auf den Markt ge- andergesetzt, dass sie nun befreit seien. sich zu ihrem Verbrechen hinreissen. bracht, das wie die Reklame behauptet, in Wer sich von dieser Befreiung nicht restdas ( Aus dem Roman ,, Heirats- Anzeige" von Horst Wolfram Geissler ,,, National- Zeitung" Essen, 4. 1. 1940). W n la V b a H d C d e Z S 11 W b S m S d m g b f li S g ge e t g 1 T 1 I f T r e br IT k e 11 e S r ブラー 997 Bewusstseinswandel in Deutschland Bericht eines neutralen Ausländers über eine Reise in Deutschland bei Ein neutraler Ausländer, der im des Partners nicht fragen. Daraus Wider- hundert Mark, die Abzüge schon eingerech- gend ganz junge Leute aus der Hitler- Jugend ,, Neuen Vorwärts" bereits einmal sprüche zu unserer früheren Haltung ab- net. Wohnung, Licht und Heizung hat für die gefährlichen Patrouillengänge verüber eine Reise in Deutschland wäh- zulesen, ist naiv." Diese Bemerkungen er frei. Nachdem er erfahren hatte, dass wende. Diese halben Knaben schicke man rend des Krieges berichtet hat, schil- wurden gekrönt durch den Hinweis auf ich bei Angehörigen in seinem Häuserblock ausserordentlich schlecht ausgerüstet in dert seine Eindrücke über eine die„, Dynamik" der deutschen Aussenpo- wohne, suchte er begierig eine Bekannt- den Tod: ohne Stahlhelm, häufig nur in der zweite Reise: litik. Ich wandte ein, dass man bei uns schaft mit mir. In der Portierloge er alten Windjacke mit Reissverschluss Sie würden mit Autos ,, Meine zweite Reise ins Dritte Reich den Eindruck habe, Hitler und Ribbentrop verwies mit einer unzweideutigen Geste auf Kälte und Regen. während der Kriegszeit führte mich er- hätten den Bären nach Deutschland her- das Hitlerbild über dem Sofa, das dort ,, we- an die Feuerlinie gefahren und gingen favielleicht er neut in die grösseren Städte Westdeutsch- eingelockt, wo noch viel gen des Blockwarts" hänge begann er natisch vor, wie es ihnen seit Jahr und Tag lands. Die gebotenen Vorsichtsmassregeln Schaden anrichten werde. Mein Gesprächs- mit der Feststellung, ich solle nicht etwa eingedrillt worden sei. Die Opfer seien unMit Bitterkeit wurde dazu beAnmeldung beim Konsul, pünktliche partner nahm die Hornbrille ab und suchte denken, dass es ihm schlecht ginge. Er habe geheuer. Vorstellung bei der örtlichen Polizei mir umständlich klarzumachen, dass dieses als Friseur bei weitem nicht so viel ver- merkt, dass die Elite der braunen Bonzobeobachtete ich diesmal noch strenger Bedenken typish ,, westlerisch" sei. Man un- dient als heute. ,, Sie sind also mit dem kratie in der Hinterfornt bleibe und sichs als im Oktober. Wenn ich versuche, die terschätze die eisernen Machtmittel des Re- Dritten Reich ganz zufrieden", fragte ich. wohl sein lasse. Der Krieg und sein Exemwiderspruchsvolle Vielfalt meiner Ein- gimes für den Fall einer gefährlichen Die Antwort lautete: ,, Das kann ich nun pel hat den inneren Widerstand gegen die drücke aus Beobachtungen und Gesprä- Durchkreuzung der nationalsozialistischen wieder nicht sagen. Von uns Aelteren ist privilegierten Parteigrössen aufs äusserste chen zu Papier zu bringen, so leitet mich Politik durch bolschewistische Tendenzen keiner zufrieden. Dafür sehen wir zuviel verschärft. ,, Seitdem unser Gauleiter mit dabei der Wunsch, mehr zu geben als in der Masse. ,, Dass dergleichen nicht vor- Ungerechtigkeit und Gemeinheit. Das kann dem Eichenlaub eines Friedensgenerals hereine blosse Zusammenstellung von Ein- kommt, dafür ist Ley da, und für das Wei- nicht so bleiben, und das wird nicht so umläuft, hält er sich für einen Herrgott im zelheiten. Um das Entscheidende kurz zu tere hat die Gestapo zu sorgen." bleiben." Hier war der Zweifel trotz der kleinen": derartige despektierliche BemerIch verwies in diesem Zusammenhang auf privaten Zufriedenheit bereits zu einer in- kungen habe ich öfters gehört. sagen: im deutschen Volk vollzieht sich In einem Juwelierladen in X. kaufte ich unter den Einwirkungen des Krieges, Thyssens Flucht, die in ganz Westdeutsch- neren Gegnerschaft fortgeschritten, wobei wenn auch sehr langsam, unter harten Ge- land ein gewaltiges Aufsehen erregt hatte die Frage offen blieb, welch politische Kon- mir eine Armbanduhr. Da Gold- und Sil. burtswehen und nicht ohne Rückfälle, ein und mit dessen ,, Bolschewikenangst" moti- sequenzen dieser Mann aus seiner Gesin- bersachen nicht mehr frei verkäuflich sind, seelischer Bewusstseinswandel. viert worden war. Der Herr Vizedirektor nung zu ziehen gewillt ist. Die Frau be- so entschloss ich mich zu einer hübsch aus. Diesmal habe ich meine Unterhaltungen gab mir eine interessante Erläuterung da- gleitete die Angaben ihres Mannes mit leb- gestatteten Uhr aus Kruppstahl. Ich kam mit Menschen im Dritten Reich, soweit sie zu: ,, Thyssen ist auf seine alten Tage wie- haften Klagen über die Schwierigkeiten mit dem Ladeninhaber in ein Gespräch, sich auf politische Dinge bezogen, nicht der katholisch geworden. Uns war seit lan- der Lebensmittelbeschaffung. Sie verwies und nachdem ich mich als Ausländer zu dem Zufall überlassen. Ich suchte viel gem bekannt, dass er mit der hohen Kleri- nicht ohne Stolz auf die Hilfe, die sie einer erkennen gegeben hatte, wurde er offenmehr derartige Gespräche mit Angehöri- sei in Verbindung stand. Dabei hat er doch zur Hälfte arischen Familie im Häuser- herzig. Sein Geschäft sei praktisch zu Ende, gen aller sozialen Schichten und aller Bil- an Hitler ungeheuer verdient. Jetzt hat er block( derselben, bei der ich wohnte) wäh- wie viele andere auch. Nach Weihnachten dungsgrade, wobei mir gewöhnlich die durch seine Flucht, für die Göring die rend der Novemberpogrome 1938 gewährt würden bestimmt unzählige Läden geschlos bedrängte Lage meines eigenen Landes in- ganze Schwerindustrie verantwortlich hatte. sen werden, einfach, weil man völlig ausGefolge des Krieges gute Anknüpfungsmög- macht, eine nahezu bolschewistische Mass- Während unserer Unterhaltung erschien verkauft sei und es keine neuen Waren lichkeiten gab. Ich bin dabei bei aller Vor- nahme veranlasst: die Konfiskation seines Besuch. Zwei ältere Metallarbeiter, einge- mehr gäbe. Miete bezahle er nicht mehr. sicht und Zurückhaltung, bei vielen auf Vermögens. Wenn so etwas erst einmal be- sessene und wortkarge Westfalen, wollten Aus ähnlichen Bemerkungen anderer grosses Misstrauen und viele Vorbehalte ginnt, dann gibt es kein Halten. Wir von offenbar mit ihrem Freunde vertrauliche schäftsleute gewann ich den Eindruck, dass gestossen. Andererseits begegnete ich aber der Wirtschaft erblicken in Thyssen einen Dinge besprechen. Obwohl ich von den in diesen Kreisen die Nichtbezahlung der auch Gesprächspartnern, die mir gegen- Verräter." beiden Portiersleuten legitimiert worden Miete bereits zur getreu befolgten Parole über eine viel grössere Freimütigkeit an In diesem Zusammenhang erwähnte ich war, scheiterten meine eigenen Versuche geworden ist, und dass man im stillen Proden Tag zu legen schienen, als bei ihren mit grosser Vorsicht die Behauptungen vollkommen, aus den Besuchern politische test anfängt, sich vor den drohenden Foleigenen Landsleuten. ,, Man muss sich erst Knickerbockers über die Kapitalverschie- und soziale Bekenntnisse herauszulocken. gen derartiger Renitenz nicht mehr zu an Ihre Denkweise gewöhnen und an die bungen und Auslandsguthaben der höchsten Nicht, dass es Misstrauen war! Ich fand nur fürchten. Ein drastisches Beispiel, wie es hinter Art Ihrer Fragen. Auf so etwas kommt nationalsozialistischen Würdenträger." Ich meine Beobachtung bestätigt, dass die MenKunstbau unter unsereins garnicht mehr. Zwischen dem, glaube nicht daran", sagte er ,,, und zwar schen der Arbeit in Deutschland, die so vie- dem propagandistischen was Sie sich unter Freiheit vorstellen, und aus einem sehr einfachen Grunde. Wir vom len Prüfungen unterliegen, sich mit ihren der flatternden Siegesstandarte in Wirklichdem, was wir darüber wissen, ist eine Fach kennen die Technik solcher Dinge besonderen Interessen und Empfindungen keit aussieht, erlebte ich in der gleichen grosse Kluft. Man muss lernen, sich erst nur zu gut und wissen, dass man so etwas von der Umwelt bewusst abschliessen. Der Grosstadt X. Die Zeitungen waren voll von zwar vor, die Berichten über den glänzenden Erfolg und einmal wieder zu verstehen." Diese Be- viel geschickter vertuschen kann, als es Nationalsozialismus gibt merkung eines Eisengrosshändlers im In- Knickerbocker zu wissen behauptet." Die Klassen" durch die ,, Volksgemeinschaft" über die hohen Preise, die bei einer Bildustriegebiet charakterisiert sehr gut Frage der Moral oder des Vorbildes für die ersetzt zu haben, aber in Wirklichkeit be- derauktion des weithin bekannten Kunst Deutschlands politische und moralische Nation spielte offensichtlich im Anschau- standen in der Republik niemals so scharfe hauses Y. erzielt wurden. Was war da geSituation. ungskreise meines Gesprächspartners keine gesellschaftliche Grenzziehungen wie heute, kauft worden? Ueberwiegend Bilder der Ich bin in diesen zehn Tagen nur we- Rolle. Es war für ihn nichts anderes als und es schien mir, dass gerade die in der Genremalerei der sechziger, siebziger und nigen Menschen begegnet, die sich unver- eine Frage der Technik. Opposition standhaft geblichenen Elemente achtziger Jahre, Werke längst vergessener hohlen und unbedingt gegen das Regime Aber bei diesem Manne habe ich jene der Arbeiterschaft es darauf anlegen, diese und mit Recht von echten Kunstfreunden zu gering eingeschätzter Maler. Woher stammaussprachen. Dabei hat natürlich die Re- Beobachtung gemacht, die mir im Verlauf Absonderung und Undurchsichtigkeit serve gegenüber einem Ausländer eine dieser Reise immer wieder auffiel. Hitler, fördern. Aeusserlich wird alles mitgemacht ten sie? Wenig diskret sprach die Presse grosse Rolle gespielt, wenn auch vielleicht der Bestand seines Regimes und die Ge- Bei jeder Kundgebung ist man dabei und von überwiegend jüdischem Besitz". Nun nicht die entscheidende. Jedes Gespräch rechtigkeit des Krieges gehörten für ihn vollzieht die befohlenen Zeremonien. Aber fand das von den früheren Eigentümern über den Krieg ging bei meinen deut- zum absoluten und unerschütterlichen unter denjenigen Arbeitern, die sich gegen verschleuderte und bei ihnen geplünderte schen Partnern fast stets von der These deutschen Bestand, zum Sakrilegium aus- seitig vertrauen, besteht längst ein gehei- Gut den Weg zu den Neureichen der priaus, dass sich Deutschland in einem ,, Ver- serhalb des Zweifels und der Kritik. Aber mer Kodex für ,, richtiges Verhalten". Ich vilegierten Herrenschicht, die es nicht eilig teidigunskrieg" befinde, und dass man in wie änderte sich das Bild, als er dann auf fragte einen der beiden westfälischen Ar- genug hat, aus der absinkenden Mark in Kriegszeiten zu seinem Lande stehen müs- die gehäuften inneren Schwierigkeiten sei- beiter, ob man in den Werken viel mit der Sündflut der Zalflungsmittel in die se. Die geistige Isolierung hinter dem ei- nes beruflichen Alltags zu sprechen kam einander diskutiere, vor allem jetzt über Sachwerte zu flüchten, die publizistische sernen Vorhang und die Wirkung der auf diejenigen Dinge, die ihn täglich in Russland. Die Antwort: ,, Wir warten ab!" Offenheit, mit der über diese HunderttauPropaganda, verschärft durch die Furcht seinem Bureau behelligten und quälten. Er Das wurde mit solch einer Betonung gesagt, sende von Mark für Bilder fragwürdigen vor den Folgen irgendeiner andern Mei- sprach von ihnen mit einer überraschen- dass mir klar wurde, welch ein Explosiv- Wertes berichtet wurde, hat mich in ErIch erblickte darin ein nungsäusserung, entfernen die Menschen den Offenheit. Er beklagte sich darüber, stoff sich hinter der Fassade der loyalen staunen versetzt. mehr und mehr von jeder Diskussion dass an den massgebenden Zuteilungsstellen Systemtreue angesammelt hat. ,, Hier sind, Bekenntnis zum Unglauben an den deutüber die deutsche Aussenpolitik. Unauf- iunge Schnösels" sässen, die ,, von den Be- um im Stile des Dritten Reiches zu reden, schen Sieg, eine Entlarvung der geheimen hörlich vernahm ich den eingängigen dürfnissen der einzelnen Industrien nichts ,, Verschworene" am Werke, die von der Furcht vor dem allzu ungewissen Ende. Ein Satz: ,, England hat diesen Krieg angezet- verstehen und allen möglichen Einflüssen Gestapo nicht erfasst werden können, und Kunstfehler der Propaganda! telt", voller Blüte. Art von an zu man der In nicht Wenn ich nach meiner Rückkehr versudieser simple Slogan verdeckt die zugänglich sind". Manche grosse Unter- für welche die alten Gegensätze der Parteien Unzufriedenheit in den inneren Détails nehmungen würden offenkundig vorgezo- oder gar noch der Richtungen der Gewerk- che, meine Eindrücke zusammenzufassen, und bringt die Klagen über Lebensmittel- gen. Da die Rohstoffe für gewisse Materien schaften längst nicht mehr bestehen. so darf ich nach einer sorgfältigen Abwäknappheit und Bezugscheine zum Ver- hier nannte er besonders die Textil- Die Eindrücke vom Oktober, dass die gung des Gehaltes der Einzelbeobachtungen stummen. Der Wunderglaube den industrie nicht reichten, so führe das zu deutsche Bevölkerung sehr offen ihre Er- sagen: der Krieg hat zu nichts weniger deutschen Sieg steht zur Stunde noch in einer wachsenden Benachteiligung der mitt- nährungsnöte bekundet, haben sich noch als zu einer überzeugenden Sammlung des leren und kleineren Betriebe. Man erwarte vertieft. Nicht weniger beklagt man sich Volkes hinter seinem Führer geführt. Aber ist, so habe ich mich immer wie- in einigen Monaten eine sich schnell ver- über die Bezugsscheine für Textilien. In diesen ersten Kriegsmonaten sind die brüder gefragt, nicht zuviel Krampf in die- grössernde Arbeitslosigkeit, da für Bergbau einem grossen Warenhause beobachtete ich chigen Stellen des Regimes trotz der verser demonstrativ zur Schau getragenen und Eisenindustrie bereits sehr viele Polen eine Gruppe von Verkäuferinnen in lebhaf- stärkten Werbetrommel schärfer hervorgeZuversicht? Ist diese Haltung nicht eine vorgesehen seien. Aber noch schlimmer sei ten Gespräch, worin von Austausch von treten als je zuvor. Die offiziellen SiegesSelbstschutz gegenüber sehr quä- die Ueberflutung mit Zahlungsmitteln, die Strümpfen und Wäsche die Rede war. Aber fanfaren und die Berufung auf die Gerechlenden Fragen um Deutschlands Zukunft auch bankmässig immer schwieriger muss sich davor hüten, aus diesen tigkeit der deutschen Sache haben die geund des eigenen Gewissens? Die hastige absorbieren und zu kontrollieren seien. Tagessorgen irgendwelche politische Schlüs- heimen Furchtkomplexe mit ihrem ,, Himund geflissentliche Art, mit der man un- Bei der Schilderung dieser Schwierigkei- se zu ziehen. Während meines Aufenthaltes melhochjauchzend- Zu- Tode- betrübt" aufhörlich Fragen über Meinungen und ten wurde der Vizedirektor immer bitterer wurden in der Tagespresse Erleichterungen übertönen können. Die gesellschaftlichen Urteile des Auslandes an mich richtete, und grämlicher. Der Charme eines gläubi- für den Fettbezug publiziert. Selbst in der Gegensätze sind in ihrer schwebenden Gewaren mir ein Beweis für die Hintergrün- bigen Nationalsozialisten war auf einmal sehr aufgeklärten Familie, bei ich fahr für die Atrappe der Volksgemeinschaft digkeit der deutschen Existenz von heute. verflogen. Er besass offensichtlich zwei wohnte, wurde diese Erleichterung, so be- noch abgründiger geworden. Der Krieg mit Das in diesem Sinne aufschlussreichste Seelen: eine repräsentative in treuer An- scheiden sie auch war, als erhebliche Ent- seinen Ansprüchen an Gut und Blut hat dieGespräch hatte ich mit dem zweiten Di- hänglichkeit an das Dritte Reich oder we- spannung empfunden, die die Kritik dämpf- jenigen, die in der inneren Opposition vereiner westdeutschen Grossbank. nigstens an seine Fassade, und eine zweite, te. Wir aus dem neutralen Auslande dürfen harrten, neue Spannungen und Antriebe geDieser Mann bearbeitete seit zwanzig die vielseitig auf die inneren Sorgen und nie vergessen, dass unsere Masstäbe der neben, weil er alle politischen und sozialen Jahren gewisse Auslandsverbindungen und auf den intimen Zweifel am glückhaften Lebensmittelversorgung für die Masse des Fragen erneut zur Debatte stellt. Er erschütdie Kreditgewährung an bestimmte Grup- Ende reagierte. Er merkt es selber gar deutschen Volkes schon seit langem nicht tert zugleich die seelische Gleichgewichtspen der Schwerindustrie. Meine geschäft- nicht, wie sehr er ein Mensch voller Wi- mehr existieren. Selbst ein Bericht über lage jener unpolitischen Massen, mit denen liche Mission war schnell erledigt: er dersprüche geworden war, und wie sehr eine durchschnittliche Speisekarte in mei- die braunen Machthaber kraft des Terrors brannte darauf, sich mit mir über Politik er durch Unwillen und Unzufriedenheit das nem Lande wurde keineswegs als aufrei- ihre Politik treiben konnten. und Krieg zu unterhalten. Hauptgesprächs- Zutrauen zu seiner eigenen Glaubensstärke zend empfunden. Sie wurden wie Märchen Niemand kann zur Stunde irgend etwas thema sofort der deutsch- russische gegenüber dem neutralen Ausländer ab- aus einer fernen Welt angenommen, als habe über den kommenden Durchbruch vorausPakt. Ich kannte seine leidenschaftliche schwächte und erschütterte. man längst vergessen. dass eine solche sagen. Aber er wird kommen und in Verantibolschewistische Gesinnung, die ihn Eindrücke ganz anderer Art verdanke Speisenfolge auch in Deutschland noch vor bindung mit der Niederlage den Bestand schon sehr früh zu Hitler gebracht hatte, ich einem mehrmaligen Beisammensein mit gar nicht langer Zeit im Hause wie in den der Diktatur viel tiefer erschüttern, als es und mit der er immer die Gewaltakte des dem Portier eines grossen Wohnhaus- Restaurants keineswegs aussergewöhnlich je in einer Demokratie möglich wäre. Regimes zu rechtfertigen suchte. Welch błocks in A., mitten im Industriegebiet. Der war. Mit grosser Geschicklichkeit weiss wird die Stunde sein, in der sich die deuteine Verwandlung!„ Das war doch ein di- Mann, ein sehr aufgeschlossener und intel- das Regime von der These, dass es durch schen Menschen von der ihnen aufgezwunplomatisches Meisterstück von Hitler. Er ligenter Typus, war früher Friseur. Bei der vermehrte Zufuhren aus dem Osten bald genen Atomisierung und Isolierung endlich hat den Bären gezähmt, damit er uns in Zusammenlegung der Kleinbetriebe musste besser werde, stimmungsgemäss zu profitie- befreien werden, und es scheint mir, dass unserer kriegerischen und machtpoliti- er seinen Laden schliessen und in einem ren. In mir zugänglichen Kreisen wurde übri- in ihren Gedanken den Schaft der Freiheitshilft. In einer solchen Situation kann man ner Frau in der Portierloge hat der Mann gens davon berichtet, dass man an bestimm- fahne fest umklammern, um ihn nie wieder nach der Moral und nach der Ideologie ein Monatseinkommen von mehr als vier- ten Frontabschnitten im Westen überwie- preiszugeben." rektor war schen Auseinandersetzung mit England Gusstahlwerk arbeiten. Zusammen mit seiEs viel mehr Deutsche, als wir ahnen, bereits Vögel und Menschen Ausserdem Der Krieg und Südamerika Deutschland hat zum zweiten Male den südamerikanischen Markt verloren meinen tinien, dass dort eine ganze Reihe von Firmen auf der Liste stehen, und dass kann. kaum anzunehmen, Und die Deutschen und die Nazi hier Die kühnste Wissenschaft ist zweifellos die Statistik. Sie hat herausgefunden, dass auf der Erde resp. in der Luft 75 Milliarkönnen den Vögel umherwimmeln. Es auch 80 Milliarden sein; man soll von der werden sich mit den Lieferungen nicht ein Plakat am Wagen angebracht, dass Wissenschaft nicht zuviel Genauigkeit ver- Man schreibt uns aus Bolivien: allzu sehr beeilen und vor allen Dingen wohl der Wagen deutschen Ursprungs sei, langen. Wie sie auf das Resultat kam, weiss der Himmel. Denn die Vögel wer- Die Wirkungen des Krieges verspüren als gute Geschäftsleute gute und reichli- dass aber der Besitzer und Insasse nichts den ja nicht gerade in Listen geführt. wir schon recht sehr. In die Freude, dass che Dollar verlangen. Und da weder Bo- mit Deutschland zu tun habe, viel mehr unstetes endlich mit dem Hangen und Bangen ein livien, noch die anderen Länder in Dol- zu den guten demokratischen Argentiniern wandern sie, ein Volk, fortgesetzt umher. Jüngst konnte Ende gemacht wurde, mischte sich bald lars und Pfunden schwimmen, erfährt die gehöre. Soweit ist es also dort. Ueberman in den Blättern lesen, dass sich in die Feststellung, dass wir wirtschaftlich Landeswährung durch den europäischen haupt ist bei der Mentalität der südamePolen die Sperlinge aus dem Staube ge- von Europa und nicht zuletzt von Deutsch- Krieg indirekt eben eine ganz erhebliche rikanischen Staaten macht haben, über drei Länder hinweg. land sehr abhängig gewesen sind. So war Belastung. Vielleicht erholt sich der Boli- dass man sich für die Barberei des Hitnur interessiert. Obwohl Dies unterscheidet uns Menschen ja eben Deutschland der Hauptlieferant für Eisen- viano infolge der sehr stark gestiegenen lerismus auch dem einzigen nur mit Pass, waren und Chemikalien. Kaufte man Schar- Zinnausfuhr, wertvollen hier überall etwas mehr oder weniger vom Tier, dass wir uns Visen, Stempeln, Geld und polizeilicher niere, so gab es nur solche aus Deutsch- Ausfuhrartikel des Landes, und da die diktatorisch regiert wird, lehnt jeder Bedeckung über Grenzen bewegen können. land, ebenso war es mit den Nägeln, den Einfuhr zurzeit sehr gering ist, ist zu hof- Mensch die Methoden der Nazibanditen Der polnische Sperling soll heute in Ju- Schrauben und all dem eisernen Klein- fen, dass sich etwas mehr Devisen ansam- rundweg ab, so auch in Bolivien. Hier regiert nach dem Tode Buschs noch immer goslawien sein. Die Motive des auffälligen kram. Wir, die wir versuchten, die deut- meln als in normalen Zeiten. Produkte auszuschalten, kamen Ortswechsels sind leichter zu erraten als schen Manche Importeure dürften überdies ein General, und erst im Frühjahr des einfach nicht jene, die vor Jahrhunderten den Hering bald dahinter, dass das noch andere Sorgen haben, nämlich die kommenden Jahres sollen die Wahlen sein. Aber so viel Anständigkeit ist denmehr in Nähe der geht, weil andere Länder solche Sachen veranlassten, nicht Sorgen wegen der Wirkungen der schwarHansestadt Wismar zu laichen; aus unbe- so billig nicht liefern konnten, Es gab dem Gangsterregime geradezu als Beleidikannten Gründen blieben die Heringszüge vielleicht Qualitätswerkzeuge aus Schwe- zen Listen. Hier in Bolivien ist im allge- noch vorhanden, dass ein Vergleich mit von solchen schwarzen Listen weg und der Handel der Stadt Wismar, den, Feilen aus Lothringen, Stoffe aus Eng- nichts bekannt, aber ich höre von Argen- gung dieser Regierung betrachtet werden aufgebaut auf dem Heringsfang, sank land, Röhren aus Amerika, aber Deutschland mit seiner Ausfuhrprämie nach nebst der Stadt darnieder. Die Geschichts- hatte betrachter werden es mit obigen Sperlin- und nach alle geschlagen. Bei Kriegsaus- diese keine Aussicht haben, mit Waren im Lande? Ihnen allen, so weit sie auf gen leichter haben: sie schüttelten den bruch gab es einen Ansturm auf alle Eiaus Amerika, England und Frankreich be- das Hakenkreuz geschworen haben, ist vom ersten Tage des Krieges an nicht Staub der polnischen Heimat von den Fit- senwaren, alles, was importiert war und liefert zu werden. Bleibt noch Japan. Dietichen, weil diese Heimat teils von oben, für den täglichen Bedarf und den Betrieb ses Land liefert schon sehr viel nach Süd- mehr wohl in ihrer braunen Haut. Und notwendig war. Die Preise kletterten von nun gar nach dem Canossa- Gang Hitlers teils von unten zusammenkartätscht wuramerika. Ob es aber infolge der Tatsache, de, worauf Hitlers Scharen das Land der Stunde zu Stunde, die Behörden hatten dass es durch den Krieg in China sehr nach Moskau. Man gibt natürlich nach art in Ordnung brachten, dass selbst für fliegende Kolonnen unterwegs, die den Wumitgenommen ist und viele Kräfte für die Naziart nicht klein bei, man hofft auf irSperlinge nichts mehr übrig blieb. Die cher unterbinden sollten und die auch Kriegsindustrie absorbiert werden, in der gend ein Wunder, das der Führer vollbrinabflatternden Scharen landeten merkwür- exemplarische Strafen verhängten, aber Lage ist, seinen Export hierher zu vergrös- gen könnte oder möchte, aber jeder Tag digerweise weder in der Tschechoslova- das nützte nichts; als alles zu Ende ging, sern, wird sich erst zeigen; jedenfalls bringt neue Meldungen und jede neue Melkei, noch in Oesterreich. Es hat sich un- stiegen die Preise doch so hoch, wie es dürften die Deutschen zum zweiten Male dung zeigt neue Schwierigkeiten für den Vögeln offenbar herumgespro- bei Warenmangel üblich ist. Der Krieg hat südamerikanischen Markt verloren haben chen, dass auch diese beiden Länder neu- hier und vielleich überall in Südamerika und es nützt auch nichts, dass die deut- sen, dass hier die Zeitungen, wenn die eine Teuerung zur Folge gehabt. Die ein- schen Gesandtschaften ihren Landsleuten, deutsch ausgerichtet wurden. Wo Heuschrecken hausten, haben Vögel nichts heimischen Erzeuger von Produkten nah- die in den kaufmännischen Betrieben tä- ungeschminkt die Wahrheit über Europa zu suchen. Mit gewaltigem Gegackel und men selbstverständlich auch die Gelegen- tig sind, dringend raten, auszuhalten, auch und über Hitler berichten. Zusammenfassend kann ich sagen, dass Getschilp liessen sie sich in Jugoslavien heit wahr, um hier und dort aufzuschlawenn das Geschäft schlecht geht. Diesmal nieder. Dies als Beispiel für die enormen gen, nicht zuletzt mit der Begründung, dürften die Amerikaner und die Japaner, es wohl nicht erst der Konferenz von Paun- dass Maschinenersatzteile und alles, was wenn sie erst einmal hier sitzen, besser nama bedurfte, um eine ganz einheitliche man braucht und aus dem Rooselveltlinie auch für Südamerika zu Ausland aufpassen als nach dem letzten Kriege. Wissen- stammt, sehr teuer geworden seien. So schaffen, das wäre auch ohne Panama geImmerhin mag das für die schaft gegenwärtig erheblich leichter sein hat ein Keil den anderen getrieben, und Die Stimmung im Lande zu den Vörgän- worden. Doch Panama bekräftigte vor alals eine statistische Betreuung der mensch- wir haben sehr, sehr hohe Preise für viele gen in Europa ist sehr geteilt. In Argenti- ler Welt diesen einheitlichen Willen und. lichen Bevölkerung. Wir meinen nicht die Sachen. Die Einfuhr ist fast ganz gestoppt. nien dürfte der Hass gegen die Gangster was vielleicht noch wichtiger, ist, es wird wilden Länder; dort liegt es verhältnis- Man wird zwar bald mit den Amerikanern wohl am intensivsten sein. Dort hat u. a. der grosse Anfang sein, die beiden Erdmässig einfach und stabil, Abgang und einig werden, doch diese haben auch ein Argentinier, der in Buenos- Aires einen teile wirtschaftlich so nahe als möglich Zugang sind dort zu berechnen. Nein, wir noch andere geschäftliche Chancen und deutschen Wagen fuhr, zu seinem Schutz aneinanderzubringen. denken vor allem an Mitteleuropa, wo dem ter Schwierigkeiten einer Volkszählung ter den Vögeln. Bevölkerungsstatistiker der Schweiss von R. G. Der peinliche Preis Deutschland auf. Man darf nicht vergessie auch nicht besonders auf der Höhe sind, der Platte rinnt. Wieviel Juden sind ver- deutscher nach Deutschpolen, während er Engros- Verschiebern jene ehemaligen Ty- gekündigt worden war. Es ist eine ausjagt worden? Wohin sind sie geflüchtet? dafür eine ganze Million Zwangsrussen frei rannen, die den Schacher mit Menschen- gesprochene Unfreundlichkeit der MussoWo konnten alle die Schiffe landen, die Haus geliefert bekommt. Wenn das kein fleisch gewissermassen en detail betrie- linischen Jury, die Auszeichnung, das Bemit verjagter menschlicher Fracht ziellos Geschäft ist! ben. Auch hier hat der Grossbetrieb den ste gegen den Bolschewismus geschrieben auf den Meeren kreuzten? Die Toten des Machtlos stehen Ethik und Statistik vis- Kleinbetrieb verdrängt. zu haben, heute einem Dichter des Dritten Die Letztere vermag die Vögel zu Krieges sind zu berechnen, sie erscheinen à- vis. noch dazu Reiches zuzusprechen, noch in Verlustlisten, wenn in den Diktatur- zählen, aber die Bevölkerungsziffern Miteinem, der 1938 durch den Goethepreis auf den höchsten Stuhl des neudeutschen staaten die eignen auch nicht gerade ver- teleuropas müssen ihr für einige Zeit dunöffentlicht werden. Wie aber steht es mit kel bleiben. Hier herrscht das Chaos, weil Olymps gehoben wurde. In welchem deutden von den Diktatoren verschobenen die Welt schen Verlag soll die neue Preisarbeit ervor einigen hundert Jahren Menschenmassen? Wieviel Südtiroler, wie- falsch verteilt und falsch besiedelt wurde. In aller Stille hat Hans Carossa einen scheinen? Nie sollst du mich befragen! viel Deutschbalten fanden heim ins Reich? Höchste Zeit, dass da Diktatoren endlich italienischen Preis erlangt. In der neuWieviel starben und verdarben? Wohin Ordnung schaffen. Wohin sollten wir deutschen Presse wurde davon so gut wie gingen die Emigrantenmassen aus den kommen, wenn jeder das Land seiner Vä- gar nicht Notiz genommen, denn es hanIn der Nordsee wird von den EnglänLändern, die Hitler neu ausrichtet? Wel- ter lieben wollte, ohne vom Despoten er- dele sich um den Siegespreis in einem anAn- dern ein skandinavisches Schiff angehalche Massen vegetieren, sterben und ver- mächtigt zu sein! Was deine Heimat ist, tikommunistischen Wettbewerb, der derben in den Niemandsländern? Tsche- bestimmen Hitler, Stalin& Comp. Wel- fang vorigen Jahres ausgeschrieben und ten. Ladung für Deutschland? ,, Jawohl", Das Schiff chen, Oesterreicher, Polen wurden zur che Stümper aber bleiben neben diesen im Dritten Reich mit grossem Tamtam an- sagt der Kapitän ,,, Kaffee". wurde untersucht, es enthielt eine Ladung Zwangsarbeit in das Land des Frohsinns Eicheln. verschleppt, viele von ihnen flüchteten, tausende Angehörige sind ohne Nachricht über das Schicksal der Verschleppten. Tausende verderben in Konzentrationslagern. Wie soll der Statistiker das verbuchen? Vor einigen Wochen legte wiedermal Palästina an. ein Emigrantenschiff vor Unter denen, die an Land gingen, war ein kleines Mädchen, das in der einen Hand eine Puppe, in der anderen ein Kleiderbündel trug. Die Eltern fehlten und das Kind vermochte über sie keine Auskunft zu geben. Vielleicht haben sie Selbstmord begangen, vielleicht ermangelten sie der Ausreisepapiere und liessen die Kleine aufs Schiff schmuggeln, um sie in Sicherheit zu bringen. Mit Recht nahmen nur wenige Blätter von dem Kinde Notiz. Denn sein Schicksal ist schliesslich nur das tausender Kinder, die durch dynamische Mächte von ihren Eltern gerissen wurden. Neuerdings wird von einem Schiff berichtet, dass 100 elternlose Kinder in Haifa ablud. Man soll nicht sagen, Hitler rotte die Juden aus. Er lässt doch immerhin einige Kinder übrig. Es gibt sogar bedeutende Männer und Frauen, die als Vollwaisen aufwuchsen; es geht also auch ohne. Demnächst kommen in Palästina vielleicht nur noch Kinder ohne Eltern an, weil die getötet oder von einem anderen Winde verweht wurden. So werden mit und ohne Kinder Millionen Menschen in eine neue Völkerwanderung hineingetrieben, weil ein paar autoritäre Regime endlich eine neue Sittlichkeit in die Welt brachten. Momentan verhandeln Stalin und Hitler über massenweise Umsiedlungen in Polen. Das Väterchen des Proletariats frachtet aus dem von ihm besetzten Stück Polen an die 120 000 armer HalbImp. Union, 13, rue Méchain, Paris. Der alte Mantel Eine Mär in Volkston Der Mantel war schon viele Winter alt, als. Deutschland in die braune Sündflut tauchte. Des Mantels Herr schwamm oben, dergestalt, dass er sich plötzlich Gauamtsleiter schalt und dringend einen neuen Mantel brauchte. Man tat dem alten noch die Ehre an, ihn in der Mottenkiste zu verwahren. Da lag er nun, die grosse Zeit begann, der alte Mantel seufzte dann und wann und roch nach Mottengift und kam zu Jahren. Indessen wechselten auf seinem Platz die neuen Mäntel, falsch und ohne Dauer, das Futter schlecht, die Nähte für die Katz, der Rücken krumm und alles nur Ersatz, gebleicht, zerweicht vom ersten Regenschauer. Da holte man ihn aus dem Ruhestand, der alte Mantel kam zu neuen Ehren. Zwei Winter zog er noch durch deutsches Land, dann platzte er. Sein Zorn nahm überhand und schien ihn fetzenweise zu verzehren. Nun trug sein Herr ihn aufs Bekleidungsamt. ,, Behaltet ihn und gebt mir einen neuen!" Doch die Beamten staunten allesamt den Mantel an und schrien: ,, Ei verdammt, wie schön er ist! Ihr würdet es bereuen." Geflüstert Hitler und Stalin sitzen einander be kümmert gegenüber. Sagt der eine: ,, Wie gut hatten wirs, als wir noch Feinde wa ren". Braune Bonzen bei Stalin zur Gratula tionscour. Sagt der eine Braune zum an dern:„ Ich bin sehr beunruhigt". Wardern: ,, Ich um?" ,, Er sagt, er wünscht uns das selbe, das wir ihm wünschen". an Das Studium für das Lehramt an Höhe ren Schulen ist abermals verkürzt worden. Das vorgesehene einjährige Studium einer Hochschule für Lehrerbildung fällt von nun an fort. BEZUGSBEDINGUNGEN Der NEUE VORWAERTS kostet in Einzelim Viernummer teljahr: Argentinien Pes. -.30 3.60 Belgien bFrs. 2.Brasilien 24.-> Milr. 1. Bulgarien 12.Lew. 8.Estland 96.ekr. -22 Finnland 2.64 Fmk. 4.Frankreich 48.fFrs. 1.50 Grossbrit. Holland 18.d hfl. 4 <-. 15 4/ Italien 1.80 Lir. 1.10 Jugoslav. 13.20 Din. 4.50 Lettland 54.Lat. -30 3.60 Litauen Lit. Da hielt der Mantel sich am Tische fest, spie einen Knopf ins Protokoll und dachte: ,, Wenn sich bei euch nichts mehr bemänteln lässt, dann ist es aus. Dann holt euch bald die Pest." Worauf er boshaft in den Nähten krachte. -.55 Luxemburg 1Frs. Norwegen nkr. 1.50 -.35 18.Palaestina Portugal P. Pf. 020 4.20 0.216 Esc. 2. 24.Rumaenien Schweden Schweiz Ungarn 120.sKr. -.35 4.20 sfr. Pengoe .30 .35 3.60 4.20 USA Doll .08 1.Es klang, ich schwör's, als ob der Mantel lachte. Lei 10. 6.60 Le Gérant: Albert MARION.